Anbieter-Check: Datenvisualisierungs-Tools

Autor: Rosalia Pavlakoudis
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Diese fünf Tools helfen dir, Informationen bzw. große Datenmengen in einer organisierten, grafischen und gut durchsuchbaren Art und Weise darzustellen, um Trends, Ausreißer und Muster leichter erkennen und verstehen zu können.

Ob im Marketing oder in der Fertigung, in kleinen oder in großen Firmen: Jedes Unternehmen verarbeitet heutzutage eine Unmenge an Daten. Der Spruch „Daten sind das Gold des 21. Jahrhunderts“ ist mittlerweile zum geflügelten Wort geworden. Big Data ist längst nicht mehr nur ein Modewort, und es ist keine neue Erkenntnis, dass ausgeklügelte Datenanalysen auf vielerlei Weise gewinnbringend eingesetzt werden können. Für sich genommen sind große Datenmengen zunächst einmal wenig aussagekräftig, und Analysen, die nur in Form von Zahlen oder Tabellen vorliegen, werden schnell unübersichtlich. Sobald aus Daten praxisrelevante Erkenntnisse gezogen werden sollen, kommt die Datenvisualisierung ins Spiel.

Bei der Datenvisualisierung handelt es sich um die grafische Darstellung von Informationen, etwa in Form von Diagrammen, geografischen Karten oder Heatmaps. So lassen sich leicht Trends oder Muster erkennen, ebenso Besonderheiten oder Ausreißer in einem Datensatz. Software zur Datenvisualisierung hilft Unternehmen, Informationen in einer organisierten, grafischen und leicht durchsuchbaren Art und Weise darzustellen. Sie wurde entwickelt, um in bestehende Anwendungen integriert zu werden und auf der Grundlage von Daten visuelle Präsentationen zu erstellen. Viele Lösungen bieten neben einfachen Visualisierungsop­tionen wie Balken- und Kreisdiagrammen zahlreiche weitere Optionen wie animierte Diagramme, Kombinationen aus verschiedenen 3D-Visualisierungen. Dabei reicht die Bandbreite von Lösungen, die auch ohne Vorkenntnisse das schnelle Erstellen von Visualisierungen ermöglichen, bis hin zu solchen, die Programmierkenntnisse erfordern und umfassende, oft KI-gestützte Berechnungs- und Analysefunktionen bieten.

In diesem Beitrag stellen wir fünf unterschiedliche Datenvisualisierungslösungen vor. Um für unsere Liste infrage zu kommen, mussten die Produkte folgende Kriterien erfüllen:

  • Sie haben innerhalb der letzten zwei Jahre mindestens 50 individuelle Produktbewertungen auf GetApp erhalten, mit einer Durchschnittsbewertung von 4,5 oder höher.
  • Wir haben die fünf Produkte mit der höchsten Bewertung für diesen Artikel ausgewählt (Stand vom 13.04.2022).
  • Sie entsprechen folgender Definition von Datenvisualisierungssoftware: Sie ermöglicht die Darstellung von Daten in Form von Diagrammen, Schaubildern, Sunbursts und anderen visuellen Formen der Kommunikation. Diese Visualisierungen sind dafür gedacht, mit Kolleg*innen und Stakeholdern geteilt zu werden, damit Teams fundiertere Geschäftsentscheidungen treffen können.
  • Sie verfügen über die drei Hauptfunktionen von Daten­visualiserungssoftware: benutzerdefinierte Dashboards, benutzerdefinierte Berichte und Funktionen zur Verwaltung von Datensätzen.

Die Tools sind in alphabetischer Reihenfolge aufgelistet.

Google Analytics 360

Google Analytics 360 ist Bestandteil der Google Marketing Platform und anders als die übrigen Lösungen aus dieser Liste ein Tool, das speziell für den Marketingbereich gedacht ist. Es soll dir helfen, mehr über deine Kundschaft herauszufinden und deine Website sowie deine Zielgruppen zu optimieren. Die Lösung umfasst ein exploratives Analysetool, mit dem Unternehmen Zielgruppen und Messwerte vergleichen und Daten als Tabelle, Kreisdiagramm oder Liniendiagramm visualisieren können. Google Analytics 360 misst Umsätze, Konversionen und das Verhalten von Besucher*innen deiner Website und bereitet die Daten so auf, dass du nützliche Erkenntnisse aus ihnen gewinnen oder neue Segmente erstellen kannst. Dashboards und Berichte liefern Informationen über verschiedene Kanäle und zeigen mithilfe von maschinellen Lernalgorithmen sowie der Nutzer*innen- und Conversion-Modellierung auf, welche Interessent*innen besonders vielversprechend sind oder in welchem Marketingkanal du den meisten Erfolg hast. Über die Berichts­tools kannst du Analysen zu Zielgruppen, Customer Lifetime Value, Anzeigen, Akquisitionserfolg, Nutzer*innenfluss und mehr erstellen und die Daten mithilfe von Filtern beliebig aufbereiten. Benutzerdefinierte Trichter visualisieren die Schritte deiner Nutzer*innen im Kaufprozess und ein Dia­gnosetool benachrichtigt dich bei unerwarteten Ereignissen oder Messwerten. Alle wichtigen Berichte und Messdaten werden auf einen Blick in Dashboards angezeigt, die du mit anderen Personen teilen oder als PDF-Datei exportieren kannst. Der Zugriff auf die Daten ist über die Webanwendung ebenso möglich wie über mobile Apps für iOS und Android oder eine externe Reporting-API. Auch Integrationen in andere Google-Produkte sind verfügbar: Du kannst die Daten aus Google Analytics 360 beispielsweise mit Daten aus Google Ads, AdSense oder dem Data Warehouse Google BigQuery kombinieren und dann in Google Data Studio zusammenführen, um dort Berichte und Visualisierungen zu erstellen.

Während Google Analytics – die Analytics-Version für Einzelpersonen und kleinere Unternehmen – kostenlos nutzbar ist, handelt es sich bei Google Analytics 360 um eine monatlich zahlbare Lösung, die erweiterte Möglichkeiten zur Datenintegration, Analyse und Berichterstellung bietet und unbegrenzte Datenmengen sowie den Zugriff auf Rohdaten ermöglicht.

Google Charts

Google Charts gehört zu den Entwicklerwerkzeugen von Google und nutzt somit einen programmierorientierten Ansatz. Du benötigst für die Nutzung also Programmierkenntnisse, insbesondere in JavaScript, da das Tool über JavaScript-Klassen funktioniert. Zur Analyse deiner Daten steht eine breite Auswahl an Visualisierungsmöglichkeiten zur Verfügung, beispielsweise Balken- und Säulendiagramme, Punktwolken, Tree Maps, geografische Visualisierungen, Organigramme, Zeitleisten und mehr. In viele der Visualisierungen kann hineingezoomt werden, und auch Echtzeitdaten lassen sich dynamisch darstellen. Veränderungen kannst du auf einer Zeitachse animieren. Die codebasierten Diagramme sind darauf ausgerichtet, schlank und flexibel anpassbar zu sein: Sie basieren auf HTML5-/SVG-Technologie und können somit ohne zusätzliche Plug-ins direkt im Webbrowser – auch mobil – angezeigt werden. Meist werden sie per JavaScript in Websites eingebunden. Über Webdienste, die das Chart- Tools-Datasource-Protokoll unterstützen (etwa Google-Tabellen oder Salesforce), kannst du Daten für deine Diagramme per SQL-Abfrage abrufen. Du kannst die Diagramme mit zahlreichen Anpassungsoptionen an das Design deiner Website angleichen und zwischen verschiedenen Diagrammtypen wechseln, um auszuprobieren, was deinen Anforderungen am besten entspricht. Außerdem kannst du in Dashboards mehrere Diagramme gleichzeitig verwalten oder unterschiedliche Dimensionen von Daten anzeigen. In der Chart Gallery findest du eine Vielzahl von mit der Visualisierungs-API von Google Charts erstellten Visualisierungen, die du für deine eigenen Zwecke verwenden kannst. Die Diagramme von Google Charts lassen sich weder offline verwenden, noch es ist möglich, den Code herunterzuladen und lokal zu hosten. Du darfst jedoch Screenshots der Visualisierungen nach Belieben verwenden, wenn du keine interak­tiven Funktionen benötigst.

Das Tool kann vollständig kostenlos genutzt werden.

MATLAB

Die Software MATLAB wird besonders häufig in der Wissenschaft und im Ingenieurwesen eingesetzt. Sie dient dazu, mathematische Probleme zu lösen und die Ergebnisse grafisch darzustellen, Daten zu analysieren sowie Modelle zu erstellen. Auch Algorithmen für Desktopanwendungen und eingebettete Anwendungen können erstellt werden. In einer Desktopumgebung können iterative Analysen und Entwicklungsprozesse durchgeführt werden. MATLAB-basierte Programme können nicht nur eigenständig bereitgestellt, sondern auch als Softwarekomponenten in Web- und Unternehmensanwendungen oder als Add-in in Microsoft Excel implementiert werden. Dies soll die Zusammenarbeit mit Personen erleichtern, die selbst nicht über MATLAB verfügen. Auch die Ausführung in der Cloud ist möglich, etwa in der MATLAB-eigenen MathWorks-Cloud, in Amazon Web Services oder Azure sowie in anderen öffentlichen, privaten oder hybriden Cloud-Umgebungen. Mit dem Tool kannst du Daten für Deep Learning und neuronale Netze aufbereiten und implementieren, Machine-Learning-Modelle trainieren und bereitstellen, Bilder und Videos per Computer Vision verarbeiten, Signale und Zeitreihendaten analysieren, Tests automatisieren und mehr. Außerdem gibt es Erweiterungspakete für die Wirtschaftswissenschaften, etwa für Ökonometrie und Finanzmarkttheorie. Auch im Bereich Data Science bietet das Tool umfassende Funktionen: Daten können aus den verschiedensten Quellen wie Datenbanken, Cloudspeichern, Datenerfassungs-Hardware oder Finanzdatenfeeds abgerufen und anschließend mit Vorverarbeitungsfunktionen verwaltet und bereinigt werden, etwa durch das Filtern verrauschter Signale. Anschließend stehen Apps für Machine Learning und Deep Learning mit automatischer Feature-Auswahl zur Verfügung, und du kannst Daten in Form von Diagrammen im Live Editor visualisieren. Dabei sind die verschiedensten 2D- und 3D-Darstellungen möglich, etwa Histogramme, Konturdiagramme, Vektorfelder, Mesh- Diagramme, Oberflächen- und Volumendarstellungen, Heatmaps, animierte Diagramme und mehr. Ansichten können per Verschieben, Zoomen und Rotieren verändert werden.

Das Tool kann 30 Tage lang uneingeschränkt kostenlos getestet werden. Die Lizenzen der Standard-Version sind als Jahresabonnement oder Dauerlizenz verfügbar, wobei sich der Preis danach richtet, ob du Einzellizenzen für bestimmte Personen erwerben und die Software selbst betreiben, installieren und nutzen möchtest oder ob du Named-User- oder Concurrent-User-Lizenzen für eine Konfiguration im Netzwerk mit Lizenzmanager wünschst. Die vergünstigte Education-Version steht für Bildungseinrichtungen zur Verfügung.

Microsoft Power BI

Microsoft Power BI ist die Business-Intelligence- und Datenvisualisierungsplattform von Microsoft, die sich sowohl an Unternehmen als auch an Einzelpersonen richtet und mit Data-Warehouse-Funktionen die Erstellung von Berichten und Dashboards ermöglicht. Die Lösung ist cloudbasiert, bietet jedoch auch eine Desktopschnittstelle (Power BI Desktop) sowie mobile Apps für iOS, Windows und Android sowie Gateways zum Synchronisieren externer Daten. Die Daten können über vorkonfigurierte und benutzerdefinierte Konnektoren eingepflegt werden. Dazu kommt eine umfassende Excel-Integration: Diese erleichtert die Übertragung von Daten und Berichten in beide Richtungen. Die auf Java basierenden Datenvisualisierungen sind interaktiv und per Drag and Drop bearbeitbar. Du kannst in natürlicher Sprache Fragen stellen, um Erkenntnisse aus den Daten zu gewinnen. Integrierte KI-Funktionen helfen beim Aufbereiten und der Auswertung strukturierter sowie nicht strukturierter Daten und du kannst auch mit wenig Vorkenntnissen Machine-Learning-Modelle erstellen. Algorithmen durchsuchen die Datensätze nach Trends und generieren in einem Quick-Insights-Bereich Einblicke aus statistisch relevanten Daten. Kommentarfunktionen, Inhaltsabonnements, Möglichkeiten zum Anheften wichtiger Inhalte und Benachrichtigungen bei Aktualisierungen unterstützen die Teamarbeit; auch externe Personen können auf Wunsch mit benutzerdefinierten Berechtigungen auf Datenvisualisierungen und Ergebnisse zugreifen. Eine Ende-zu-Ende-Verschlüsselung, Kennzeichnungen für die Sensitivität von Daten und eine Zugriffsüberwachung in Echtzeit sorgen für Sicherheit. Außerdem werden die Daten in nationalen Clouds gespeichert, um Datenschutzvorschriften und Compliance-Standards zu entsprechen.

Das Tool ist in der Version Power BI Pro als Teil von Microsoft 365 sowie als Power BI Premium verfügbar. Power ­BI Premium bietet umfassendere Funktionen, etwa paginierte Berichte, die lokale Berichterstellung mit dem Power-BI-Berichtsserver, fortgeschrittene KI-Funktionen (Textanalyse, Bilderkennung und automatisiertes maschinelles Lernen) und Bring-Your-Own-Key-Optionen. Außerdem gibt es eine Gratisversion mit eingeschränktem Funktionsumfang.

Tableau

Tableau ist eine visuelle Analytics-Lösung für Unternehmen jeder Größe. Die Plattform ist wahlweise in der Cloud, lokal oder über eine native Einbindung in das Salesforce-CRM-System nutzbar. Tableau Prep kombiniert die Daten aus beliebigen lokalen oder cloudbasierten Quellen (etwa Tabellen, SQL-Datenbanken, Google Analytics oder Salesforce), bereitet sog. schmutzige Daten für die Analyse auf und ermöglicht es, Werte zu bearbeiten und direkt das Ergebnis von Aktionen zu sehen. Sich wiederholende Aufgaben können dabei mit einem Klick durchgeführt werden. Anders als in Google Charts und MATLAB musst du in Tableau keinen Code schreiben, doch auf Wunsch stehen Data-Science-Integrationen für die Nutzung von Programmiersprachen und -plattformen wie R, Python oder auch MATLAB zur Verfügung. Die interaktiven Visualisierungen und Dashboards werden in einem Drag-and-Drop-Editor erstellt. Statistische Methoden wie Trendanalysen, Regressionen und Korrelationen liefern Antworten auf Fragen. Mit integrierten Postleitzahlen und benutzerdefinierten Geocodes kannst du interaktive Landkarten erstellen und dabei personalisierte Regionen verwenden, beispielsweise für verschiedene Vertriebsgebiete. Du kannst alle Daten, Visualisierungen und Analysefunktionen in deine Anwendungen oder Webportale einbetten und deinen Teams oder deiner Kundschaft auf diese Weise eine Selfservice-Analyselösung bieten, in der sie eigene Erkenntnisse gewinnen können. Die Analytics-as-a-Service-Lösung Tableau Online ist ohne Installation nutzbar und ermöglicht den Zugriff auf Daten und Dashboards auch über Browser und Mobilgeräte, sodass du Analysen mit anderen Personen teilen kannst. Wenn du die Software lieber in einer öffentlichen Cloud statt auf den Servern von Tableau hosten möchtest, bietet sich die Version Tableau Server zur Bereitstellung auf Amazon Web Services, Google Cloud Platform oder Azure an. Alternativ kann diese Version lokal unter Windows oder Linux installiert werden.

Das Tool steht in den Versionen Creator, Explorer und Viewer zur Verfügung, wobei Tableau Creator den größten Funktionsumfang bietet, beispielsweise zum Kuratieren und Teilen von Datenquellen, zum Erstellen datengesteuerter Warnungen oder zum Einrichten von Datenqualitätshinweisen. Alle Versionen können online genutzt (von Tableau gehostet) oder über Tableau-Server lokal oder in einer öffentlichen Cloud bereitgestellt werden. Studierende und Lehrende an Hochschulen erhalten kostenlose Lizenzen; kleine gemeinnützige Organisationen können die Lösung auf Spendenbasis nutzen.

Die Autorin Rosalia Pavlakoudis ist Content Analyst für GetApp und Software Advice, zwei unabhängigen Software-Vergleichsplattformen für Business-Software-Käufer*innen.

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Die Bedeutung des Marketings bei der Gründung eines Start-ups

Die fünf wichtigsten Vorteile des Marketings für Gründer*innen und junge Unternehmen.

Ohne Marketing könnte dein Unternehmen bahnbrechende, branchenverändernde Produkte und Dienstleistungen haben, die den Bedürfnissen deiner Kunden entsprechen, aber nie die Chance haben, deine Zielgruppe zu erreichen. Infolgedessen erreichen die Umsätze deines Unternehmens möglicherweise nicht die von dir gesetzten Ziele, und du wirst es sehr wahrscheinlich schwieriger haben, dein Unternehmen zu entwickeln.

Daher haben wir die fünf wichtigsten Vorteile des Marketings für dein Unternehmen herausgesucht und zeigen dir, wie dir Marketing helfen kann, das Geschäft aufzubauen, das du dir wünschst. Falls du dich stattdessen lieber darüber informieren willst, was Cardano Staking ist, kannst du dir hier einen Eindruck verschaffen.

1. Es macht deinen Namen bekannt

Gutes Marketing hilft dir, deine Produkte und Dienstleistungen in das Bewusstsein aller Kunden zu rücken. Marketing hilft dir, deine Marke zu etablieren, und macht dich zur ersten Anlaufstelle, wenn du ein bestimmtes Produkt brauchst.

Nimm zum Beispiel Apple. Wenn jemand ein neues Smartphone braucht, ist ein Apple-Produkt wahrscheinlich eine, wenn nicht sogar die erste Option, die diese Person in Betracht zieht. Tatsächlich gab Apple im Jahr 2020 bekannt, dass die Gesamtzahl der aktiven Apple-Geräte die Marke von 1 Milliarde überschritten hat. Und weißt du was? Die (verehrten) Marketingkampagnen des Unternehmens haben entscheidend dazu beigetragen, diesen Meilenstein zu erreichen und das Unternehmen zu dem globalen Riesen zu machen, der es heute ist.

2. Es steigert den Umsatz

Sobald du einen Weg in das Bewusstsein deiner Kunden gefunden hast, sind deine Chancen, ihnen dein Produkt, deine Dienstleistung oder deine Marke zu verkaufen, deutlich gestiegen. Außerdem ist dein Unternehmen in aller Munde, und die Qualität deiner Produkte und Dienstleistungen wird sich herumsprechen, sobald du für dein Publikum sichtbar geworden bist. Ohne Marketing wären diese Verkäufe nicht möglich gewesen.

3. Es hilft dir, Kunden zu gewinnen und zu binden

Wenn deine Marke erst einmal eine solide Grundlage geschaffen und sich einen Namen gemacht hat, kannst du mit Hilfe des Marketings deine Kunden an dich binden und dir eine feste Stammkundschaft aufbauen - ein entscheidender Faktor, um gegenüber den neuen und trendigen Produkten auf dem Markt nicht den Anschluss zu verlieren.

4. Es stärkt den Ruf deines Unternehmens

Der Erfolg deines Unternehmens hängt stark von einem starken, vertrauenswürdigen Ruf ab. Dein Marketing wird deinen Markennamen bekannt machen, und wenn dein Ruf wächst, werden auch dein Geschäft und dein Umsatz steigen. Dein stetig wachsender Ruf wird daher auf einer starken und intelligenten Kommunikation und der Qualität dessen, was du deinem Publikum anbietest, beruhen - und Marketing ist dabei ein wichtiger Bestandteil.

5. Es spart dir Zeit

Indem du dein Produkt oder deine Dienstleistung mit Hilfe von Marketing bewirbst, steigert dein Unternehmen seinen Umsatz und erreicht sein Zielpublikum wesentlich schneller. Effektives Marketing hilft dir, von deinem Publikum entdeckt zu werden und mit ihm in Kontakt zu treten - und ermöglicht es dir gleichzeitig, dich um die anderen Aufgaben zu kümmern, die für den Erfolg deines Unternehmens entscheidend sind.

Fazit

Es gibt viele Marketingtaktiken, die du einsetzen kannst, um deine potenziellen Kunden zu erreichen, aber es ist am besten, eine Mischung aus Online- und Offline-Marketing zu betreiben. Wichtig ist zu verstehen, wie enscheidend Marketing für ein Unternehmen ist, denn ohne es würdest du wohl kaum die Aufmerksamkeit der Kunden gewinnen und im Worst Case wieder schneller als gedacht vom Markt verschwinden.

4 Tickets, exklusiv für StartingUp-Leser*innen

Bei der Startup-Woche Düsseldorf treffen vom 20. bis 24. Juni 2022 Visionär*innen auf Corporates, Einzelkämpfer*innen auf starke Teams, Gründer*innen auf Business Angels und Anfänger*innen auf Expert*innen. Wir verlosen exklusiv unter allen StartingUp-Leser*innen 4 Frei-Tickets für 2 spannende Events im Rahmen der Startup-Woche Düsseldorf.

Die Startup-Woche wird von der Startup-Unit der Wirtschaftsförderung Düsseldorf organisiert, die Inhalte stammen von engagierten Unternehmen und Unternehmer*innen vor Ort. Sie sorgen dafür, dass trotz der Verschiebung wieder zahlreiche Seminare, Workshops, Pitch- und Networking-Events ausgerichtet werden.

Wir verlosen exklusiv unter allen StartingUp-Leser*innen 4 Frei-Tickets für 2 spannende Events. Zur Verfügung gestellt werden die Ticktes von StartUp MOM, dem ersten MOM Accelerator Deutschlands, der ambitionierten Müttern mit visionären Ideen den Weg in die Selbständigkeit ebnet. Mehr dazu hier. (Link Beitrag)


2 x Tickets für den online Serendipity-Workshop am 23. Juni 22

Erfolgreiche Unternehmer*innen nutzen glückliche Zufälle und entwickeln daraus erfolgreiche Businessideen. Dafür nutzen sie die Serendipity (oder auch Serendipität genannt) Methode. In diesem Workshop von StartUp MOM entwickelst du im geschützten Raum erste konkrete Businessideen. Gleichzeitig bekommst du erstes, wertvolles Feedback dazu. Folgende Themen werden an diesem Tag behandelt:

  • Du erlernst eine neue Methode zur Generierung von Businessideen;
  • gemeinsam prüfen wir deine ersten Ideen;
  • du kannst im geschützten Raum präsentieren und
  • du bekommst wertvolles Feedback aus der Gruppe;
  • du erhältst ein Workbook, mit dem du weiterarbeiten kannst;
  • gemeinsam legen wir die nächsten Schritte fest.

Der Workshop richtet sich insbesondere an Gründerinnen bzw. wurde speziell für Frauen, die nach der einen Businessidee suchen, entwickelt und findet am 23. Juni zw. 10 und 12 Uhr online statt. Hier gibt’s alle Infos auf einen Blick

Wenn du eines der beiden Tickets haben möchtest, scheibe uns jetzt eine Mail an [email protected] Betreff: Serendipity-Workshop



2 x Tickets für den Accelerator-Summit, kurz A-Summit, am 24. Juni 22

Im Rahmen der Startup-Woche Düsseldorf wird bereits zum fünften Mal den Accelerator-Summit, kurz A-Summit veranstaltet. Gründer*innen und Gründungsinteressierte treffen bei dem Event auf Ansprechpart­ner*innen und Expert*innen rund um die Themen Start-up-Förderung und -Finanzierung. Der A-Summit hat sich zu einem der zentralen Treffpunkte für Gründungsinteressierte, Start-ups und Förderprogramme in NRW entwickelt. Denn hier steht das Networking und Matchmaking für Gründer*innen und Acceleratoren aus NRW im Fokus. Alle Förderprograme, die Teil der Vergleichsplattform accelerate.nrw sind, haben die Möglichkeit ihr Programm vorzustellen und in den direkten Austausch mit Start-ups und Gründungsinteressierten zu gehen.

Wenn du eines der beiden Tickets haben möchtest, scheibe uns jetzt eine Mail an [email protected] Betreff: A-Summit

Bitte beachten: Die 4 Tickets werden unter allen Einsender*innen vergeben, die Gewinner*innen werden benachrichtigt. Es gilt: First come , first served. Der Rechtsweg ist ausgeschlossen.

Gründer*in der Woche: PAIO – der Trinkhalm ohne Kompromiss

PAIO – das sind nachhaltige Trinkhalme aus Schilfrohr, die sich als die Premium-Alternative zu den klassischen (Plastik-)Trinkhalmen für Gastronomie und Privatgebrauch positionieren. Was das Besondere daran ist, erfahren wir im Interview mit dem PAIO-Vertriebsleiter Thorsten Unruh.

Es gibt viele Alternativen zum herkömmlichen, mittlerweile nahezu vollkommen aus dem Alltag verschwundenen Plastik-Trinkhalm? Ist dieses Thema derart lukrativ, dass es hier solch einen Wettbewerb rund um den Trinkhalm gibt?

Sicher, der Markt der Plastikhalme war riesig. Nach dem Verbot für Plastik-Einwegartikel hat sich dies aber deutlich reduziert. Trotzdem ist der Markt aber immer noch beträchtlich, da für viele Getränke ein Trinkhalm einfach dazugehört. Ein Caipirinha ohne Halm? Nicht wirklich.

Hinzukommt, dass wir nicht mit Glas oder Papier konkurrieren (weil unsere PAIO-Trinkhalme eindeutig die besseren Eigenschaften haben), sondern mit dem Weglassen des Trinkhalms. Aber gewisse Getränke, wie ein Mojito & Co. benötigen nach wie vor einen Trinkhalm.

Wie ist die Idee zu dem Schilf-Trinkhalm entstanden?

PAIO ist eine eingetragene Marke im Vertrieb der Hiss Reet GmbH, Deutschlands größtem Händler für Schilfrohr mit einer 180-jährigen Reet-Tradition.

Die ersten Ideen für den Trinkhalm aus Reet gab es bei uns schon vor vielen, vielen Jahren. Aber damals war der Markt nicht bereit dafür. Der Plastikhalm war ja nahezu umsonst und Mikroplastik in der Umwelt noch kein Thema. Erst nach dem Verbot der Plastikhalme und dem gewachsenen Umweltbewusstsein ist überhaupt ein Markt entstanden, der die notwendigen Investitionen in die Herstelltechnik erlaubt.

Generell haben wir bereits in der Vergangenheit unser Wissen und Know-how rund um das Thema Schilfrohr/Reet für andere nachhaltige Produkte, wie Sonnenschirme, Insektenhotels, Sichtschutzzäune etc. genutzt.

Die Idee ist durch die Produkteigenschaften des Rohstoff Schilfrohr/Reet entstanden, da dieser nahezu 1:1 den Plastik-Trinkhalm ersetzt – nur halt in einer natürlich gewachsenen Form.

Was waren die wichtigsten Steps von der Idee bis zum fertigen Produkt?

Die größte Herausforderung war die Schneidetechnik, so dass kein Spliss an den Halmen entsteht. Die Reinigung der Halme von innen ohne dass die Innenhaut beschädigt wird und somit die Geschmacksneutralität leidet. Und natürlich müssen die Halme entsprechend behandelt werden, um den Hygieneanforderungen gerecht zu werden. Dies geschieht ausschließlich mit Wasser, Luft und Wärme.

Auf den Punkt gebracht: Was ist das Besondere an PIAO, inwiefern hebt er sich von anderen Trinkhalmen ab?
Konstante und verlässliche Qualität (hinsichtlich Halmlänge und Durchmesser der Trinkhalme), neutraler Geschmack (im Vergleich zu z.B. Bambus, Papier oder Metall-Trinkhalmen), stabil & bruchsicher (im Vergleich zu Glas), 100% natürlich & einfach kompostierbar.

Das Deep-Tech-Ei

BioNTech oder Celonis haben es hierzulande eindrucksvoll unter Beweis gestellt: Wer beim Gründen auf Deep Tech setzt, sichert sich im Idealfall „unfaire“ Vorteile und erhöht zugleich die Chancen, dem klassischen „Horse Race“ in den Märkten zu entfliehen.

Wer gründet, sieht eine Opportunity, mit der sich Geld verdienen und bestenfalls die Welt verbessern lässt. Aber das allein reicht nicht: Angesagt und cool sollte das Ganze ebenfalls sein. Immerhin ist das Unternehmen gerade zu Beginn Ausdruck der eigenen Persönlichkeit, und diese sehnt sich nach Reputation und Signaling, oder etwa nicht? Nur stellt sich die Frage, wie sinnvoll dieser Ansatz ist. Denn wäre er ein ökonomischer Geniestreich, würden nicht 80 bis 90 Prozent aller Start-ups in den ersten drei Jahren wieder vom Markt verschwinden.

Vielleicht ist es ja an der Zeit, die allgemeine Gründer*innenmentalität, die allzu oft nach fancy Themen sucht, zu hinterfragen und künftig vermehrt mit Ideen an den Markt zu gehen, die zwar weniger glitzern, dafür aber ihren Gründer*innen einen „unfairen“ Vorteil versprechen.

Wenn Wissenschaft auf Technik trifft

Je offensichtlicher ein Business, desto kompeti­tiver ist es auch. Bei Deep Tech ist das anders. Anfänglich wenig auffällig, ist Deep Tech ein Sammelbegriff für disruptive Technologien, die entstehen, wenn Wissenschaft auf Technik trifft. Alle Dinosaurier, die heute das Silicon Valley beherrschen, sind aus einem „Deep-Tech-Ei“ geschlüpft: Google, Apple, Microsoft. Zu Anfang, aber auch bis heute besitzen diese Unternehmen einen unfairen technologischen Vorteil, der als Grundlage ihres Geschäftsmodells dient.

Doch was zeichnet Deep Tech aus? Ihre Erfinder*innen greifen wenig bis gar nicht auf Bestehendes zurück, im Grunde entwickeln sie eine Technologie von Grund auf neu. Digital getriebene Deep-Tech-Kategorien sind unter anderem Blockchain, AI/KI oder Quantum Computing. Hinzu kommen Hardware- bzw. Engineering-lastige Kategorien wie BioTech, Advanced Materials, Drones & Robotics, New Energy oder Space Tech. Wichtiges Kriterium: Die neue Lösung hat einen wissenschaftlichen Ursprung und muss den bestehenden um Längen voraus sein, am besten um das Zehnfache. Daher spricht man auch von einem „10x-Unterschied“.

Wie kann ein(e) Gründer*in von solch fortschrittlichen Technologie profitieren und damit auch noch Geld verdienen? Eine berechtigte Frage, da Deep Tech offenkundig viel Forschungsarbeit benötigt und damit einiges an Zeit und Ressourcen bindet. Dazu sei gesagt: Gründer*innen müssen Technologien gar nicht unbedingt selbst erfinden bzw. entwickeln, es gibt sie bereits! Sie benötigen lediglich Zugriff darauf, um sie zu einem Geschäftsmodell weiterzuentwickeln beziehungsweise eine relevante Applikation darauf aufzubauen.

Der Zugang zu Deep Tech

Oftmals entsteht Deep Tech in Universitäten und Laboren. Sagen wir, eine Doktorandin forscht gemeinsam mit ihrem Professor nach einem Leichtbauwerkstoff für die Luftfahrt, und plötzlich ertönt ein lautes „Heureka“. Ein wissenschaftlicher Durchbruch, denn der neue Werkstoff ist leichter und günstiger als alle vergleichbaren. Nachdem die Jubelschreie verstummt sind, schlägt der Professor vor, ein gemeinsames Spin-off zu gründen; eine Ausgründung aus dem universitären Umfeld, das die Doktorandin leiten soll. Nunmehr sieht sich diese mit vielen neuen Fragen konfrontiert: Wie kann ich aus dem Werkstoff ein konkretes Produkt bauen? Wie kann dieses der Luftfahrtbranche helfen? Und wie erhalte ich Zugang zu den Entscheider*innen auf Kund*innenseite und finde obendrein Wagniskapitalgeber*innen? Es liegt auf der Hand, dass sie damit schnell überfordert ist, weil die Aufgaben völlig konträr zu jenen sind, die sie an der Universität zu bewältigen hatte.

Deep Tech beginnt nämlich in der Forschung als blanke Theorie, weit entfernt von einem marktreifen Produkt. Ziel im ersten Schritt ist es, einen Prototyp zu entwickeln und Sympathisant*innen zu finden. Nicht selten aber stirbt eine disruptive Idee in diesem Stadium, weil unklar bleibt, wie genau das Produkt aussieht, das dem/der Kund*in hilft. Den Gründer*innen fehlt der Zugang zu den richtigen Kontakten und das Wissen darüber, was der Markt im Detail benötigt. Und selbst wenn es den Gründer*innen gelingt, ein geeignetes Produkt zu entwickeln, wartet da noch das zweite Tal des Todes auf sie: Vertrieb und Marketing. Bis zu 100 Mal teurer kann der Aufbau und die Vermarktung einer Deep-Tech-Anwendung werden, als lediglich den zugrunde liegenden Technologiekern (Building Block) dahinter zu erarbeiten.

Deep Tech in seine Bausteine zerlegen

Die Lösung scheint, Deep Tech in seine Bestandteile zu zerlegen. Soll heißen, die zuvor erwähnte Doktorandin braucht rechtzeitig Hilfe, um den Prototyp zu entwickeln. Ihr Spezialgebiet ist nun mal die Forschung, und wenn sie ihren wissenschaftlichen Meilenstein in ein marktreifes Produkt überführen will, benötigt sie Zugang zum Markt. Das ist die Chance für Entrepreneur*innen und Co-Gründer*innen, deren Spezialität zwar nicht die Forschung, dafür aber die marktseitige Weiterentwicklung der Technologie in praktischer Anwendung ist. Sie bringen das mit, was der Doktorandin fehlt: ein Gespür dafür, was der Markt gebrauchen könnte und wie sich damit Geld verdienen lässt.

Und wie lässt sich jetzt beides verbinden? Zum einen muss der Doktorandin oder dem Team des schon gegründeten Forschungs-Spin-offs klar werden, dass ihre Lösung einen Building Block darstellt, der meist verschiedene Probleme in unterschiedlichen Vertikals lösen kann. Zum anderen braucht es dafür Applikationen, d.h. konkrete Produktanwendungen, die auf Basis der Deep Tech entwickelt werden, und natürlich Entrepreneur*innen, die das Marktgespür aus einer bestimmten Nische – besser noch – für ein spezifisches Industrieproblem mitbringen. Die Schnittstelle kann eine Kooperation oder ein Application Programming Interface (API) sein. Wichtig ist, dass der Building Block forschungsnah bleibt, damit er fortlaufend weiterentwickelt werden kann.

Die Monetarisierung erfolgt dann über ein separates Unternehmen, das den starken Technologievorteil in Form eines Produkts, respektive einer Anwendung im Zielmarkt verkauft. Mithilfe dieser Logik geht es weg von „Lab to Market“ hin zu „Market to Lab“. Der Prophet soll also nicht mehr zum Berg, sondern der Berg zum Propheten kommen. Derzeit ist das noch ein händischer Prozess, der stark auf Zufall und auf der Fähigkeit zu Netzwerken beruht. Gelingt es aber, sowohl den Markt als auch die Forschung anhand von greifbaren Erfolgen hierfür zu sensibilisieren, kann ein herausragendes Modell für beide Seiten resultieren. Und damit würde Entrepreneurship das Allzeitproblem des mangelhaften Technologietransfers lösen.

Um die Erfolgschancen zu erhöhen, ist eine Schnittstelle zwischen Forschung und Markt sinnvoll, eine sogenannte Middleware-Company (meist als Spin-off aufgesetzt), die sich als Building Block zwischen der Applikation und dem Deep-Tech-Ursprung befindet. Sie hat einerseits Zugang zu den Lehrstühlen mehrerer Universitäten, eben dorthin, wo Deep Tech oft seinen Ursprung hat. Andererseits beschäftigt sich die Middleware-Company nicht direkt mit Einzellösungen (Applikationen) am Markt, sondern fokussiert auf die Rolle des Enablers (ggf. sogar als Plattform) und stellt den Applikations-Companies den Technologiekern zur Verfügung. Das Risiko von Deep Tech wird aufgeteilt, da sich jede Partei auf ihr jeweiliges Fachgebiet konzentrieren kann. Das verschlankt den Prozess und reduziert die Gefahr, das Rad neu zu erfinden oder sich in unnötigen Aufgaben zu verlieren.

Die Zeit ist reif für Deep Tech

Zwischen 2016 und 2020 wuchs der Deep-Tech-Markt um das Vierfache, gemessen an den Investitionen. Beflügelt haben dieses Wachstum globale Probleme, allen voran das Bevölkerungswachstum und die Klimakrise. Deep Tech könnte sich als ein Problemlöser erweisen und Gründer*innen wie Wagniskapitalgeber*innen mit verteidigbaren Technologien ausstatten. Unter Umständen erweisen sich Technologie und Anwendungsfeld im ersten Moment als weniger fancy, als ursprünglich erdacht, aber dafür könnten die Parteien einen echten Fußabdruck hinterlassen und außerdem ein differenziertes Geschäftsmodell mit kraftvollem Kern entwickeln, der lange Zeit unangreifbar bleibt.

Daraus resultiert der eingangs erwähnte unfaire Vorteil, der sich allerdings gesellschaftlich betrachtet als äußerst fair erweisen könnte. Und das wiederum erfüllt die Arbeit der Gründer*innen mit mehr Freude und Sinnhaftigkeit. Das wäre mit einem wettbewerbsintensiven Geschäftsmodell wohl kaum realisierbar.

Der Autor Prof. Dr. Bastian Halecker ist Founding Partner des German Deep Tech Institutes und Deep Tech Entrepreneur­ship @ XU Exponential University, www.germandeeptech.institute

Als Start-up per Buy & Build Strategie zu internationaler Stärke

Wer heute als Start-up mit einer innovativen Idee beginnt, ist gut beraten, sich bei passender Gelegenheit Partner zu suchen, die einen bei der Realisierung der Geschäftsidee unterstützen.

Erwiesenermaßen ist man in einer Gruppe immer leistungsfähiger und auch erfolgreicher, als wenn man seinen Weg alleine geht. Das liegt daran, dass man zu einem gut funktionierenden Team zusammenwächst, in dem jeder seinen Beitrag zum Erfolg leistet.

Starke Teammitglieder sind in der Lage, die Schwächen anderer auszugleichen. Dieses Gruppenprinzip lässt sich auch auf Unternehmen übertragen. Wer heute als Start-up mit einer innovativen Idee beginnt, der ist gut beraten, sich irgendwann Partner zu suchen, die einen bei der Realisierung der Geschäftsidee unterstützen.

Durch Buy & Build Strategie Teil der Wertschöpfungskette werden

Die Vernetzung zwischen Wirtschaftsunternehmen ist inzwischen ein Trend für den sich mit der Buy & Build Strategie ein ganz eigenes Konzept entwickelt hat. Dabei handelt es sich um Dachplattformen, deren operatives Geschäft durch Zukäufe und Beteiligungen stetig erweitert wird, wobei sich die geschlossenen Kooperationen stark auf einen bestimmten Bereich fokussieren. Auf diese Weise schließt ein solches Unternehmen mit Buy & Build Strategie irgendwann die gesamte Wertschöpfungskette mit ein, von der Entwicklung und Forschung zu neuen Produkten und Dienstleistungen, über die Produktion bis hin zum Marketing und Vertrieb.

Bei dieser Strategie werden einzelne Unternehmen wie ein Puzzle zusammengefügt, bis sie die Supply Chain für ihre Nische ganzheitlich abbilden und auf diese Weise national wie international zu einem sogenannten Global Player aufsteigen. Diese Chance erhält aber nicht nur die Dach-Plattform selbst, sondern mit ihr jedes einzelne Unternehmen, das Teil der Plattform ist. Letztlich ist es eine Gemeinschaftsleistung all derer, die sich unter dem Dach der Plattform zusammengefunden haben. Vor allem die Tatsache, dass die gesamte Wertschöpfungskette abgedeckt wird, erleichtert den Zugang zu potenziellen Kunden, die bei einem Vertragsabschluss letztlich alles aus einer kompetenten Hand erhalten, obwohl natürlich verschiedene Unternehmen beteiligt sind. „Buy & Build bedeutet Post Merger Integration mit allen Konsequenzen. Das ist in unserem Fall ein längerer Prozess, da die Produkte komplementär sind und integriert werden müssen. Das wissen alle und arbeiten sehr motiviert darauf hin“, erklärt Dr. Ricco Deutscher, Mitgründer und CEO von billwerk.

Best Practice Beispiel im Bereich Subscription Management

Solche Dach-Plattformen gibt es für die verschiedensten Branchen. Hier gilt derzeit das in Frankfurt am Main von Dr. Ricco Deutscher mitgegründete Unternehmen billwerk, ein europaweit führender SaaS-Anbieter für Subscription Management (auch als Abonnementverwaltung bezeichnet) und Recurring Billing (beschreibt die wiederkehrende Inrechnungstellung von Produkten oder Dienstleistungen) als eines der aufstrebendsten Beispiele. Durch die Unterstützung des Growth-Equity-Unternehmens PSG ist es billwerk inzwischen gelungen, Unternehmen aufzukaufen, die sich sowohl vertikal als auch horizontal entlang der Wertschöpfungskette bewegen. Nach den Zukäufen von Sofacto und reepay arbeiten aktuell bereits über 130 Mitarbeitende unter dem Dach des Frankfurter Unternehmens.

Allerdings ist die Buy & Build Strategie nicht für jedes Unternehmen und auch nicht zu jedem Zeitpunkt die beste Form des Geschäftsmodells. Es gibt Faktoren, die für diese Strategie sprechen, aber auch Bedingungen, unter denen ein Unternehmen nicht gut beraten wäre, sich einer Dachplattform mit Buy & Build Strategie anzuschießen.

Dr. Ricco Deutscher, Mitgründer und CEO von billwerk, sagt bezüglich des richtigen Zeitpunkts für die Buy & Build Strategie: „Ob und wann eine Buy & Build Strategie sinnvoll ist, hängt vom Marktumfeld ab. Ein Beispiel, wo das gut funktionieren kann, sind Märkte in der Sättigungsphase mit Verdrängungswettbewerb. Bei jungen Märkten in der Innovationsphase ist das meist nicht sinnvoll, weil da die Geschäftsmodelle noch nicht voll ausgeprägt sind, und keine Synergien erzielt werden können. Eine wichtige Voraussetzung sind erzielbare signifikante Synergien. Befindet sich ein Markt in so einer Phase, wo durch Buy & Build signifikante Synergien erzielt werden können, dann ist oft der First Mover der Gewinner der Markt-Konsolidierung. Die billwerk hat eine Konsolidierung erwartet, und hat ganz bewusst die Rolle des First Movers in Europa angenommen.“

Was Subscription-Management-Systeme bieten

Der Umgang bzw. die Verwaltung wiederkehrender Zahlungen kann vor allem für kleinere Unternehmen zu einer Herausforderung werden, wenn die personellen Kapazitäten und die technischen Möglichkeiten begrenzt sind. Eine moderne, digital-basierte Softwarelösung kann hier Abhilfe schaffen und die für effizientes Subscription Management und Recurring Billing notwendigen Tools bieten. Sie ist in der Lage, ein funktionierendes Recurring Billing & Payment, Debitoren Management sowie Subscription Management zu gewährleisten.

Darüber hinaus bietet eine Softwarelösung Monitoring & Analytics, einen 24/7 Customer Selfservice, ein Rest-API sowie In-App Purchases an. Die Zahl der namhaften Unternehmen, die ihr Subscription Business mithilfe einer solchen Software wie von billwerk organisieren, steigt. So nutzen etwa RTL+, Lexware, Cornelsen, DUDEN & Pons oder sevDesk sowie waipu.tv solche diese Lösungen. Die Bandbreite der in solchen Softwareangeboten enthaltenen Features macht sie für Unternehmen interessant, reduzieren diese doch den Zeit- und Personalaufwand deutlich.

Billwerk hat sich mit Hilfe der finanziellen Absicherung von PSG als einstiges Start-up nun auf den Weg gemacht, eine der größten Europäischen Anbieter in der Abo-Wirtschaft zu sein. Die Marktposition und das renommierte Kundenportfolio geben dem Unternehmen recht. So kann der Weg des Frankfurter Unternehmens mit Buy & Build den nächsten Schritt in seiner Branche zu machen, sicherlich ein Vorbild für andere junge Unternehmen sind. Gemeinsam ist man stark, doch es muss auch einen starken Kopf geben, der alle zusammenbringt.

Lösung im Insolvenzverfahren von HelloFreshGO

Das insolvente Berliner Food-Start-up HelloFreshGO, 2017 gegründete Tochter des Kochbox-Anbieters HelloFresh, scheint mithilfe zweier Investoren gerettet.

„Wir freuen uns, dass wir bereits heute am Tag der Eröffnung des Insolvenzverfahrens der HelloFreshGO GmbH eine Investorenlösung gefunden haben. Durch die Investoren Convini Deutschland GmbH und foodji marketplace GmbH ist das laufende Geschäft nachhaltig gesichert, ein Großteil der Arbeitsplätze bleibt erhalten und die Kunden des Unternehmens können ihre Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter weiter mit gesunden Lebensmitteln versorgen“, erklärt Insolvenzverwalter Joachim Voigt-Salus von der Kanzlei VOIGT SALUS.Das Berliner Start-up HelloFreshGO ist eine Tochter des Kochbox-Anbieters HelloFresh.

Die junge Firma betrieb smarte Food-Terminals, an denen sich Mitarbeiter*innen in Büros mit verpackten Mahlzeiten sowie Getränken und Snacks versorgen konnten. HelloFreshGO übernahm dabei alle logistischen und digitalen Dienstleistungen wie Menüplanungen, Bezahlvorgänge, Produktentwicklung, Belieferung, und Wartung der Terminals. Die Lebensmittel stammten größtenteils von regionalen Partner*innen, um eine ressourcenschonende und effiziente Versorgung sicherzustellen. 2017 trat das Unternehmen mit seiner Idee an und startete damit in einen aussichtsreichen Markt, da Themen wie gesunde Ernährung und nachhaltige Lebensmittelversorgung im Büroalltag wichtige Trends sind. Es gelang HelloFreshGO innerhalb weniger Jahre, eine bundesweite Infrastruktur aufzubauen.

Corona-Pandemie führte zu Schieflage

Die Corona-Pandemie und Einschränkungen wie angeordnete Betriebsschließungen oder die spätere Home-Office-Pflicht waren empfindliche Einschnitte für das Geschäftsmodell, das auf eine Präsenz der jeweiligen Belegschaft im Unternehmen setzte. Zwar konnten die Umsätze durch verschiedene Sonderaktionen gehalten werden, das für das Wirtschaftsmodell des Start-ups erforderliche Wachstum blieb aber aus. Eine weitere Finanzierungsrunde scheiterte und eine Sanierungslösung durch Investoren oder Gesellschafter konnte außergerichtlich ad hoc nicht gefunden werden.

Deshalb sah sich Geschäftsführer Dr. Markus Schneider im März 2022 gezwungen, einen Antrag auf die Eröffnung eines Insolvenzverfahrens zu stellen. Das zuständige Amtsgericht Charlottenburg bestellte am 16.03.2022 Rechtsanwalt Joachim Voigt-Salus zum vorläufigen Insolvenzverwalter, der gemeinsam mit seinem Team um Rechtsanwältin Stephanie Hotopp die erforderlichen Schritte zur Stabilisierung des Geschäftsbetriebes einleitete.

Dabei bestand eine der Herausforderungen darin, das ungewöhnlich hohe Ungleichgewicht zwischen Einnahmen und Ausgaben durch die Nutzung der insolvenzbedingten Sondereffekte aber besonders auch durch umfangreiche Einsparmaßnahmen zum Ausgleich zu bringen. So konnten der Geschäftsbetrieb über 2,5 Monate fortgeführt und die Kund*innen weiter beliefert werden. Daneben wurden verschiedene Sanierungsansätze angegangen, zu denen neben der Wiederaufnahme der vor Insolvenzantragstellung bereits geführten Verhandlungen mit einigen potenziellen Investor*innen auch die umgehende Einleitung eines M&A-Prozesses gehörte.

Investorenprozess bringt Durchbruch

Verantwortet wurde die strukturierte Investorensuche von Simon Leopold, Geschäftsführer der ABG Consulting-Partner GmbH & Co. KG: „Es hatten sich schnell zahlreiche Interessenten für das Unternehmen und sein modernes Geschäftsmodell gefunden. Wir haben viele konstruktive Gespräche geführt; am Ende hielten Convini und foodji die besten Lösungen für das Unternehmen und seine Belegschaft bereit.“ Die schwedische Firma Convini verfolgt ein ähnliches Geschäftsmodell wie HelloFreshGO und übernimmt im Rahmen eines Asset Deals die Berliner Zentrale des Food-Start-ups, den Großteil der Mitarbeiter*innen sowie die fast 200 Kund*innen im Norden und der Mitte Deutschlands (Berlin, Hamburg, Köln). Mit der Akquisition setzt das Unternehmen seine Europaexpansion fort.

Daneben übernimmt das Unternehmen foodji die südlichen Kund*innen von HelloFreshGO rund um München, Stuttgart und Frankfurt. Foodji ist Marktführer in der vollautomatisierten Speisenverpflegung in Restaurantqualität. Um die standortspezifische Auswahl der frischen Speisen möglichst nachhaltig und nachfragetreu anzubieten, setzt das Unternehmen auf selbstlernende Systeme, sprich auf KI.

„Dank der beiden Investoren können die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sowie die Kunden und Partner von HelloFreshGO aufatmen. Unser Dank gilt allen, die die Sanierung des Unternehmens und die Vertragsverhandlungen unterstützt haben – und damit für eine Lösung innerhalb so kurzer Zeit sorgten“, sagt Rechtsanwalt Joachim Voigt-Salus. Die Vertragsgestaltung erfolgte maßgeblich durch das Team um Rechtsanwalt Dr. Rolf Leithaus von der Kanzlei CMS.

Der Fiskus richtet sein Augenmerk auf die Krypto-Welt

In unserem Interview gehen die Steuerexperten von EY, Petar Groseta (Partner) und Ivana Jovanic (Senior Consultant), auf die Fragen der Besteuerung von Kryptowährungen aus der Perspektive von Krypto-Investoren und anderen Marktteilnehmern im Krypto-Ökosystem ein.

Warum ist es jetzt wichtig, über das Thema Besteuerung von Kryptowährungen zu sprechen?

Petar Groseta: Der Kryptowährungsmarkt hat sich in den letzten Jahren enorm entwickelt. Die Erwartung ist generell, dass die Bedeutung dieser Anlageklasse in Zukunft nur noch zunehmen wird.

Dabei gibt es viele verschiedene Marktteilnehmer mit ihren spezifischen Rollen. Die Grenzen zwischen dem Markt der "nativen Kryptowährung" und den "traditionellen Finanzsystemen" verschwimmen zunehmend, sowohl in Bezug auf bestehende Anlageinstrumente als auch in Bezug auf die Infrastruktur des gesamten Krypto-Ökosystems. Dies erhöht natürlich auch den Druck auf den Gesetzgeber und die Finanzverwaltung, die bestehenden steuerrechtlichen Rahmenbedingungen sowohl hinsichtlich der Besteuerung auf Anlegerebene als auch in Bezug auf eine vollständige Erfassung und Überprüfung der steuerpflichtigen Einkünfte weiterzuentwickeln.

Ivana Jovanic: Im Grunde geht es dabei um folgende zwei Fragen:

  1. Wie werden Einkünfte und Gewinne aus Kryptowährungen auf Ebene einzelner Anleger besteuert?
  2. Wie sollte ein effektives Meldesystem, d.h. „Steuerreporting“ ausgestaltet werden, um eine mögliche Steuerhinterziehung zu verhindern?

Können Sie kurz die diesbezüglichen Antworten des Gesetzgebers und der Finanzverwaltung darstellen?

Petar Groseta: Bezüglich der Besteuerungsfragen hat das Bundesfinanzministerium (BMF) am 10. Mai 2022 sein lang erwartetes Schreiben zu den Einzelfragen der ertragsteuerrechtlichen Behandlung von virtuellen Währungen und sonstigen Token veröffentlicht. Mit dem Schreiben äußert sich das BMF zum ersten Mal umfassend zu den verschiedenen Krypto-Sachverhalten, die zunächst technisch erläutert und danach aus der Finanzverwaltungssicht ertragsteuerrechtlich eingeordnet werden.

Sehr erfreulich dabei ist, dass nunmehr auch nach der Auffassung der Finanzverwaltung die Veräußerungen von Kryptowährungen im Rahmen privater Vermögensverwaltung nur dann steuerpflichtig sind, wenn die Veräußerung innerhalb der Ein-Jahresfrist nach der Anschaffung stattfindet. Damit geht auch das BMF davon aus, dass sich die für die Steuerpflicht relevante Einjahresfrist nicht verlängert, wenn die Kryptowährungen zur Einkünfteerzielung, z.B. durch Lending oder Staking eingesetzt werden.

Ein weiterer wichtiger Punkt ist die Abgrenzung zwischen Gewerblichkeit und privater Vermögensverwaltung. Auch dazu nimmt das BMF ausführlich Stellung. Dabei geht das BMF insbesondere in den Fällen von „passivem“ Staking - etwa im Rahmen der Beteiligung an einem Staking-Pool - grundsätzlich von der privaten Vermögensverwaltung aus.

Ivana Jovanic: Auch wenn es sehr zu begrüßen ist, dass sich die Finanzverwaltung mit dem BMF-Schreiben ausführlich zu der Besteuerung von Kryptowährungen geäußert hat, betreffen die Aussagen des BMF nur die steuerlichen Folgen von direkten Investments in Kryptowährungen. Allerdings können die Investments nicht nur direkt, sondern auch indirekt über verschiedene Formen der „traditionellen“ Finanzinstrumente wie Tracking-Notes, Knock-Out Zertifikate oder ETFs erfolgen. Da die Steuerfolge, je nach Investmentform, sehr unterschiedlich sein kann, sollte diese aufgrund ihres erheblichen Einflusses auf die Netto-Rendite in die Investitionsentscheidung unbedingt immer miteinbezogen werden.

Und wie sieht es mit dem steuerlichen Reporting aus?

Ivana Jovanic: Hier hat die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) am 22. März 2022 ein öffentliches Konsultationsdokument mit den Vorschlägen zur Einführung eines Rahmens für die Meldung von Krypto-Vermögenswerten, sog. Crypto-Asset Reporting Framework (CARF), veröffentlicht. Die öffentliche Konsultation lief bis 29. April 2022. Die OECD plant, im Oktober 2022 endgültige Vorschläge für die neuen Regeln zu veröffentlichen.

Das von der OECD vorgeschlagene Regelwerk basiert im Wesentlichen auf dem Modell des Meldestandards für grenzüberschreitende Meldungen von „traditionellen“ Konten- und Depotwerten durch Finanzinstitute, dem Common Reporting Standard (CRS). Anstatt jedoch die Meldung von gehaltenen Vermögenswerten zu verlangen, schreibt CARF die Meldung von Krypto-Transaktionen vor. Es ist durchaus vorstellbar, dass einige „Early-Adopters“-Länder die Vorschriften bereits ab dem 1. Januar 2024 umsetzen.

Petar Groseta: Neben den oben beschriebenen Bemühungen auf der OECD-Ebene arbeitet auch die EU-Kommission derzeit an einem unionseigenen Meldesystem für Krypto-Vermögenswerte im Rahmen der 8. Änderung der EU-Amtshilferichtline (DAC 8), die ebenfalls demnächst vorgestellt werden soll. Es ist davon auszugehen, dass die OECD Vorschläge zu CARF mit den Reporting-Pflichten nach DAC 8 abgestimmt sein werden.

Auf der nationalen Ebene hat zudem das BMF ein separates Schreiben hinsichtlich der Mitwirkungs- und Aufzeichnungspflichten der deutschen Krypto-Investoren angekündigt.

Welche Implikationen werden diese haben und was ist für unser Audience – Investoren und Start-ups – wichtig zu wissen?

Ivana Jovanic: Die Investoren werden die Veröffentlichung des BMF-Schreibens sicherlich sehr begrüßen, da damit zahlreiche Zweifelsfragen aus der Sicht der Finanzverwaltung beantwortet werden.

Petar Groseta: Die Implikationen für die Start-ups bzw. die Finanzindustrie im Allgemeinen werden nicht zuletzt davon abhängen, welche Rolle sie im „Krypto-Ökosystem“ einnehmen. Es sollte bedacht werden, dass eine effektive Nutzung der Kryptowährung sehr stark von der Existenz der Infrastruktur abhängt, die die Speicherung, Übertragung, das Ausleihen/Verleihen und den Handel unterstützt, genau wie es beim traditionellen Finanzsystem mit seinen Börsen, Brokern, Händlern, Marktmachern, Verwahrern, Kreditgebern und Zahlungssystemen der Fall ist. Hier könnten insbesondere die zu erwarteten Steuerreportingpflichten zum Teil beachtliche Auswirkungen auf die Geschäftsstrukturierung und Kosten der Compliance haben. Man kann jedenfalls sagen, dass die steuerlichen Auswirkungen in alle geschäftspolitischen Überlegungen miteinbezogen werden sollten.

Welche weitere Entwicklung erwarten Sie bzw. welchen Ausblick können Sie geben?

Petar Groseta: Es ist klar erkennbar, dass die Fragen der Besteuerung und der steuerlichen Transparenz mit großer Geschwindigkeit Eingang in die Krypto-Welt finden, sodass seitens der deutschen Finanzverwaltung, bzw. auf globaler Ebene mit weiteren Maßnahmen gerechnet werden kann. Dies hat auch die parlamentarische Staatssekretärin Katja Hessel sehr prägnant auf den Punkt gebracht, als sie meinte, dass die Veröffentlichung des BMF-Schreibens selbstverständlich nicht der Schlusspunkt der Auseinandersetzung mit dem Thema, sondern ein Zwischenergebnis sei, und dass die rasche Entwicklung der "Kryptowelt" dafür sorgen wird, dass uns die Themen nicht ausgehen.

Ivana Jovanic: In der Tat sollten sich die davon betroffenen Marktteilnehmer und Investoren intensiv mit dieser Materie auseinandersetzen, deren rechtlichen und wirtschaftlichen Auswirkungen auf ihre Investmententscheidungen bzw. Geschäftsmodelle analysieren und ggf. die für sie relevanten Punkte rechtzeitig in die Diskussion einbringen.

KfW-Gründungsmonitor 2022

Die aktuelle Erhebung zeigt: Gründungstätigkeit 2021 zurück auf Vorkrisenniveau: mehr Chancengründungen, mehr Jüngere, mehr Gründerinnen, mehr Digitales.

Die wichtigsten Erkenntnisse auf einen Blick:

Zahl der Gründungen gestiegen

Die Gründungstätigkeit in Deutschland ist nach dem Corona-Knick 2020 im Jahr 2021 wieder auf das Vorkrisenniveau gestiegen. Mit 607.000 Existenzgründungen haben sich 70.000 bzw. 13 % mehr Menschen selbständig gemacht als 2020. Es gab sowohl im Voll- als auch im Nebenerwerb einen Anstieg der Gründungstätigkeit. Ausgehend von ihrem im Jahr 2020 erreichten bisherigen Tiefpunkt legte die Zahl der Vollerwerbsgründungen auf 236.000 zu (+35.000 »+18 %), die Zahl der Nebenerwerbsgründungen auf 371.000 (+35.000 »10 %).

Mehr Geschäftsgelegenheiten werden realisiert

Wie bereits im ersten Corona-Jahr ist der Anteil von Gründungen zur Wahrnehmung einer Geschäftsgelegenheit gestiegen. Ihr Anteil erhöhte sich 2021 erneut auf nun 82 %, die Zahl dieser Chancengründungen nahm auf 498.000 zu. Gründungen aus Mangel an besseren Erwerbsalternativen bleiben mit 91.000 (15 %) im Tief.

Zahl der Gründerinnen legt zu

Nachdem sich die Zahl der Gründerinnen drei Jahre lang kaum veränderte, ist sie im vergangenen Jahr überdurchschnittlich stark gestiegen. So setzten 2021 257.000 Frauen eine Existenzgründung um (+52.000 »+25 %). Die Zahl der Gründer legte auf 350.000 zu (+18.000 »+5 %). Der Gründerinnenanteil hat sich somit auf 42 % erhöht (2020: 38 %). Insbesondere jüngere Frauen trugen dazu bei. Der Anteil der unter 30-Jährigen ist im Jahresvergleich von 28 auf 37 % gestiegen.

Mehr digitale und internetbasierte Gründungen

Die Corona-Pandemie hat die Schwächen traditioneller Geschäftsmodelle schonungslos offengelegt. Gründer*innen haben darauf offensichtlich reagiert: Deutlich mehr Gründungen sind digital und internetbasiert. Mit Anteilen von 31 % digitalen und 41 % internetbasierten Gründungen gipfelten die bereits seit Jahren positiven Trends 2021 in ihren bisherigen Höchstwerten.

Ausblick 2022

Trotz sinkender Planungsquote ist zu erwarten, dass sich die Gründungstätigkeit im Jahr 2022 auf einem ähnlichen Niveau bewegt wie 2021.

Hier kannst du den vollständigen KfW-Gründungsmonitor 2022 downloaden

Zahlen, Fakten, Diagramme

Bluu Seafood: Fisch, zellfrisch!

Bluu Seafood ist das erste und bislang einzige Unternehmen in Europa, das sich auf die kommerzielle Herstellung von gesunden, nachhaltigen und schmackhaften Fischprodukten aus Zellkulturen spezialisiert hat.

Wir sind auf dem besten Weg, unsere Ozeane und damit die Nahrungsquelle von Milliarden Menschen vollkommen zu zerstören. Laut Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen gelten über 90 Prozent der weltweiten Fischbestände bereits seit 2020 als überfischt oder maximal befischt. Mehr als drei Billionen Meerestiere werden jedes Jahr getötet – ein Großteil davon als Beifang. Und auch für uns Menschen wird Fischkonsum immer gesundheitsschädlicher: Der Gehalt an Mikroplastik und anderen bedenklichen Stoffen wie Schwermetallen nimmt stetig zu. Dennoch bleibt Fisch beliebt: Pro Kopf verspeist jeder Deutsche 14 kg Fisch und Fischereierzeugnisse pro Jahr – Tendenz steigend. Hinzu kommt, dass viele Menschen weltweit selbstgefangenen Fisch brauchen, um sich und ihre Familien ernähren zu können. Wie lösen wir dieses Dilemma?

Meeresbiologe trifft auf E-Commerceler

Diese Frage treibt Sebastian Rakers schon lange um. Der promovierte Zell- und Meeresbiologe beschäftigt sich seit mehr als zwölf Jahren mit der Erforschung und Entwicklung von Fischzelllinien, unter anderem an der Fraunhofer-Einrichtung für Marine Biotechnologie und Zelltechnik (EMB; jetzt Fraunhofer IMTE) in Lübeck. 2018 traf er dann den Unternehmer Simon Fabich. „Mir ging es damals wie vielen Wissenschaftlern: Ich wollte gern mehr bewegen und den Transfer von der Forschung in die Praxis aktiv vorantreiben, traute mir aber ohne die nötige unternehmerische Erfahrung den Alleingang nicht zu“, erinnert sich Sebastian. „Als ich Simon traf, war schnell klar, dass wir uns prima ergänzen würden. Er als erfolgreicher Gründer mit der notwendigen betriebswirtschaftlichen Erfahrung, ich mit dem fundierten, wissenschaftlichen Know-how aus mehr als einem Jahrzehnt angewandter Forschung.“

Gemeinsam gründeten sie Bluu Seafood (damals noch Bluu Biosciences), das erste und bislang einzige Unternehmen in Europa, das sich auf die kommerzielle Herstellung von gesunden, nachhaltigen und schmackhaften Fischprodukten aus Zellkulturen spezialisiert hat. Seit April 2021 zählt auch der US-Unternehmer und Molekularbiologe Dr. Christian Dammann als COO zum erweiterten Führungsteam. Mittlerweile hat Bluu 25 Mitarbeitende, die daran arbeiten, das kultivierte Fischfilet auf unsere Teller zu bringen.

Von der Zelle …

Am Anfang steht das natürliche Zellwachstum. Man entnimmt einem Fisch einmalig eine Zellprobe und extrahiert aus dieser Stammzellen, um im Anschluss eine sog. immortale Zelllinie zu entwickeln, die sich unbegrenzt vermehren und teilen lässt. Dafür braucht es viel Erfahrung und Geduld, will man wie bei Bluu Seafood die Immortalisierung der Zelllinien auf natürlichem Weg ohne gentechnische Manipulation erreichen. Die immortalen Zellen vermehren sich durch die Fütterung mit einem Wachstumsmedium – eine Flüssigkeit, die der Zelle alle zum Wachsen benötigte Nährstoffe gibt und ihr sagt, in welche Form sie sich differenzieren soll. Im Biofermenter erfolgt sodann die weitere Kultivierung.

 „Man kann sich den Prozess ähnlich wie in einer Brauerei vorstellen, nur dass wir Regenbogenforellen und Lachs herstellen statt Bier“, beschreibt Sebastian den Prozess mit einem Augenzwinkern. „Der Prozess verläuft ähnlich wie bei kultiviertem Fleisch, wobei Fische zwar tendenziell weniger hohe Wachstumsansprüche stellen, aber auch weniger erforscht sind. Weltweit gibt es nur eine Handvoll Unternehmen, die dieses Wissen haben.“ Setzt man dieses Wissen gut ein, wachsen die Zellen im Fermenter schließlich an Gerüststrukturen zu dreidimensionalen Produkten wie einem Fischfilet.

… zum Fischstäbchen

Allerdings wird es bis zum fertigen Filet noch bis mindestens 2024 dauern, denn ein Filet ist durch seine 3D-Struktur und die verschiedenen enthaltenen Zelltypen sehr komplex. Als erste Produkte wird das Foodtech-Start-up dieses Jahr die einfacher strukturierten Fischbällchen und Fischstäbchen vorstellen – sog. hybride Produkte, die neben Fischprotein auch andere gesunde, pflanzenbasierte Proteine enthalten. „Wenn wir wirklich den massenhaften Fischkonsum revolutionieren wollen, müssen wir logischerweise auch die Massenmärkte und -produkte adressieren“, betont Sebastian.

Als nächstes steht die Expansion nach Asien an, einer der größten Konsument*innenmärkte für Fischprodukte. Bluu kooperiert bereits mit dem chinesischen Unternehmen CellX, das kultivierte Schweinefleischprodukte entwickelt, um dort gemeinsam den Zulassungsprozess für alternative Proteine zu beschleunigen. „Für unsere Investor*innen sind alternative Proteine ein Investment in eine zukunftsträchtige, innovative Lebensmitteltechnologie, die komplett verändern wird, wie wir uns und wie sich die nachfolgenden Generationen ernähren. Aber sie sind auch ein Investment mit langem Atem“, erklärt Sebastian und ergänzt: „Das Business ist F&E-intensiv und auch die Zulassungsprozesse sind aufwendig. Bei geschätzten globalen Marktgrößen von bis zu einer Trillion (!) USD im Jahr 2035 lohnt es sich allerdings, früh mit einer starken Position im Markt und entsprechendem IP dabei zu sein.“

Das sehen die bisherigen Geldgeber*innen ähnlich: 2021 konnte Bluu Seafood in einer Seed-Runde mehr als 7 Mio. Euro einsammeln und einen internationalen Investor*innenkreis begeistern, darunter als Late Investor DX Ventures (Delivery Hero). „Wir sind mit unserer Technologie sehr skalierfähig, wir produzieren die weltweit am häufigsten konsumierten Fischarten und stellen noch dieses Jahr ein erstes Produkt vor. Damit ist Bluu Seafood bereits heute in der Lage, an den wenigen Wettbewerber*innen, die schon länger im Markt sind, vorbeizuziehen“, beschreibt Sebastian die Marktlage. „Für unsere Investor*innen und künftigen Kund*innen gilt das Motto: It’s never been more delicious to save our planet!“

Sebastians und Simons Tipps für andere Gründer*innen

1. Sei fokussiert: Gerade nach einer ersten erfolgreichen Fi­nanzierung prasseln hunderte Angebote auf dich ein, von denen du die meisten nicht brauchst. Vieles klingt verlockend, doch du solltest dich auf das konzentrieren, was dir wirklich hilft.

2. Bau dir ein Team auf, dem du bedingungslos vertrauen kannst: Es gibt so viele Aufgaben, die alle zeitlich kritisch sind. Daher brauchst du ein voll belastbares und gut funktionierendes Team, in dem sich jeder gegenseitig unterstützt. Grundvoraussetzung dafür ist jedoch, als Gründer*in loszulassen, Themen abzugeben und den Mitarbeitenden Vertrauen zu zeigen.

3. Bleib am Boden: Erfolg bringt Aufmerksamkeit und damit auch jede Menge Anerkennung. Dennoch halten wir es für enorm wichtig, am Boden zu bleiben und nicht abzuheben. Erfolg kommt nicht von allein, dafür muss weiter hart gearbeitet werden. Gerade in forschungsintensiven Bereichen zahlt sich Ausdauer aus.

4. Überlege gut, wessen Geld du nimmst: Neben der rein finanziellen Entscheidung ist es enorm wichtig, was ein(e) Investor*in dir noch bringen kann. Welche Kontakte hat er/sie, wie kann er/sie dich bei den nächsten Schritten und dem Wachstum unterstützen und dieses möglichst noch beschleunigen? Sieh es als Partnerschaft, denn du bist schließlich jemand, der Geld von anderen, die an dich glauben, einsetzt. Dafür und für den Erfolg solltest du dir Gedanken zu den langfristigen Zielen und Perspektiven machen.

5. Kenne deinen Markt: Wer gründet, brennt für seine Idee und kann andere begeistern. Wenn es um disruptive Ideen geht, sollte man aber bei allem Enthusiasmus die Kund*innen nicht aus dem Blick verlieren. Sonst besteht die Gefahr, an deren Nutzen vorbeizuentwickeln. Frühe User*innen-Tests und Feedback-Schleifen sind ein Muss.

Gründer*in der Woche: Freshflow - Mit KI gegen Lebensmittelverschwendung

Das Berliner Start-up Freshflow hat eine Software entwickelt, um Lebensmittelverschwendung im (Einzel-)Handel deutlich zu reduzieren. Mehr dazu im Interview mit Co-Founder Avik Mukhija.

In Europa werden jedes Jahr Lebensmittel im Wert von mehr als 45 Milliarden Euro weggeworfen. Was sind die Hauptgründe für diesen Wahnsinn und sind es wirklich nur die Endverbraucher*innen, die hier umdenken müssen?

Nach unseren Recherchen ist der Wert von weggeworfenen Lebensmitteln in Europa sogar mind. viermal so hoch. Weltweit werden ca. 40 Prozent aller Lebensmittel weggeworfen. Genau wie du es sagst, ist es daher nicht nur ein ökologisches Problem, sondern auch ein wirtschaftliches.

Der/die Endverbraucher*in verursacht ca. die Hälfte davon, die andere Hälfte geschieht aber entlang der ganzen Lieferkette und endet beim Lebensmitteleinzelhandel. Eine große Ursache dafür ist falsche Ressourcenallokation, d.h. Überbestände an einer Stelle und Unterbestände an anderen. Bestellungen werden meist täglich manuell per Bauchgefühl gemacht und es wird wenig mit Daten gearbeitet.

Bei Frischwaren liegt das daran, dass es unglaublich schwierig ist, jeden Tag den optimalen Bestand zu führen. Nehmen wir an, es müssen Erdbeeren für morgen bestellt werden: Wie haben sich diese in der Vergangenheit verkauft? Wie ist das Wetter morgen? Gibt es lokale Events, Engpässe? Wie lange werden sie auf dem Regal frisch bleiben?

Bestellt man zu wenig, hat man leere Regale und unzufriedene Kund*innen. Bestellt man zu viel, entsteht Lebensmittelverschwendung und man zerstört die ohnehin dünnen Margen.

Wann und wie bist du dann vor diesem Hintergrund zusammen mit Carmine Paolino auf die Idee zu Freshflow gekommen?

Meine erste Zusammenarbeit mit dem Lebensmitteleinzelhandel entstand durch meine Masterarbeit an der ETH Zürich, wo ich erstmals das große Innovationspotenzial in dieser Industrie erkannte.

In der Berliner Kohorte des Talent Investors Entrepreneur First lernte ich später meinen Mitgründer Carmine kennen und wir konnten uns stark für das Thema Food Waste Bekämpfung begeistern.

Gekoppelt mit meiner vorherigen Erfahrung aus dem Lebensmitteleinzelhandel war das der Ursprungspunkt von Freshflow.

Was waren die wichtigsten Steps von der Gründung bis zur fertigen Software?

Wir brauchten anfänglich viele Daten und tiefe Einblicke in die existierenden Frischwaren-Bestellprozesse. Ersteres, um unsere KI entwickeln zu können, zweiteres, um eine erfreuliche User Experience für das Ladenpersonal schaffen zu können, was uns wirklich wichtig war und auch immer sein wird. Wir haben uns unglaublich viel Mühe gegeben, dass für die Verwendung von Freshflow keine Umschulung des Ladenpersonals benötigt wird, und wir uns intuitiv in den existierenden Arbeitsablauf eingliedern.

Es war daher wichtig, anfänglich einen Kunden zu gewinnen, der uns diese Einblicke bieten konnte und uns damals ohne eine fertige Lösung vertraut hat. Den hatten wir gefunden und konnten so die erste Version von Freshflow kreieren. Seitdem gab es natürlich unzählige Updates, der Schritt von 0 auf 1 hätte aber ohne nicht stattfinden können.

Was ist das Besondere an Freshflow, wo kommt die Software wie zum Einsatz und wer sind eure Kund*innen?

Das Besondere an Freshflow ist, dass wir europaweit die erste Lösung sind, die von Grund auf für Frischwaren - und speziell Obst & Gemüse - gebaut wurde. Sogenannte “Automatische Dispositionssysteme” für Trockenwaren werden im Einzelhandel schon seit Jahren erfolgreich eingesetzt. Diese scheitern aber, wenn es um Frischwaren geht: kurze variable Haltbarkeiten, falsche Bestände da per Gewicht und nicht per Stück verkauft wird, Saisonalität, etc. Dort ist es daher zum größten Teil weiterhin ein manueller, papierbasierter Bestellprozess. Wir haben Freshflow mit jeder dieser Herausforderungen im Kopf gebaut.

Zudem funktioniert Freshflow mit jedem herkömmlichen ERP System ohne langwierige IT-Integrationen - es ist Plug-And-Play und kann in wenigen Wochen ausgerollt werden.

In einer Seed-Runde habt ihr gerade 1,7 Millionen Euro eingesammelt. Glückwunsch zu diesem Erfolg! Was ist mit dem frischen Kapital geplant?

Das Kapital hat uns geholfen, unser Team stark vergrößern zu können, mit unglaublich motivierten Talenten aus ganz Europa und darüber hinaus. Wir werden damit große Fortschritte in der weiteren Produktentwicklung machen sowie mehr Projekte mit Lebensmitteleinzelhändlern (LEH) annehmen können.

Was sind eure weiteren unternehmerischen Ziele mit Freshflow?

Wir sind - zusätzlich zu unseren existierenden Partnern - europaweit in fortgeschrittenen Gesprächen mit einigen weiteren LEH. Das Ziel ist es, erfolgreiche Partnerschaften mit mehreren von diesen einzugehen und ihre Lebensmittelverschwendungen dabei um mindestens 30 Prozent zu reduzieren. Wir wollen uns als Go-To-Lösung für alles rund um Frischwaren im LEH etablieren.

Die Langzeit-Vision ist es, die Freshflow Lösung über den Lebensmitteleinzelhandel hinaus auch für den Rest der Lebensmittellieferkette anzubieten, da das Food-Waste-Problem entlang der ganzen Kette herrscht.

Und last but not least: Was wollt ihr anderen Gründer*innen aus eigener Erfahrung mit auf den unternehmerischen Weg geben?

Nie den engen Draht zum User verlieren, egal wie viel es sonst noch zu tun gibt.

Hier geht's zu Freshflow

Das Interview führte Hans Luthardt

Werbeartikel, die zum Anlass passen: 5 kreative Ideen

Werbeartikel haben noch immer eine große Wirkung. Allerdings nicht mehr auf genau dieselbe Art wie früher – es müssen einige Dinge beachtet werden. So werden Kunden zunehmend sensibler, wenn es um Umweltfreundlichkeit und Nachhaltigkeit geht. Gleichzeitig sind Werbeartikel in einigen Branchen allgegenwärtig, weshalb es schwierig sein kann, sich von der Masse abzuheben.

Ein Weg, um als Start-up relevante Werbeartikel zu finden, ist das Gestalten für konkrete Anlässe. Einen Artikel wählen, das Logo aufdrucken und ihn dann tausendfach für jeden Anlass von Kundengespräch bis hin zur Fachmesse zu verwenden, ist möglich, aber selten sinnvoll. Wer den Anlass und die Erwartungen allerdings kennt, der kann sehr viel spezifischer arbeiten und so mehr aus den Werbegeschenken herausholen.

Firmenfeier

Auf Firmenfeiern aller Art braucht es Werbeartikel, die sich von einfacher Streuware unterscheiden. Das 1. Jubiläum, die Eröffnungsfeier der neuen Geschäftsräume oder auch die Weihnachtsfeier können wichtige Faktoren im Zusammenhalt des Teams und in der Außendarstellung sein.

Kugelschreiber, Schreibblöcke und Co. sind meist etwas zu unauffällig. Elektronik-Werbeartikel oder auch Textilien kommen schon besser an. Sie kosten zwar mehr, halten aber auch länger und können gleich zur Identifikation mit dem Unternehmen beitragen. Außerdem zeigt man Mitarbeitern und Kunden, dass man sie schätzt. Bei Promostore kann man sich inspirieren lassen.

Messen

Ein typischer Ort für Streuartikel mit Werbeaufschrift sind Messen aller Art. Ob es nun die Fachmesse oder die öffentliche Messe für jedermann ist, am Ende des Tages gehen die Besucher mit vielen Werbeartikeln nach Hause.

Möchte man sich von der Masse absetzen, ohne dabei hohe Kosten zu haben, dann sollte man auf ausgefallene Designs setzen. Eine besondere Grafik kann zum Beispiel dafür sorgen, dass sich viele Menschen den Werbeartikel sichern wollen und somit an den Stand oder die Ausstellungsfläche kommen. Eine ungewöhnliche Farbe ist wiederum gut, um zwischen den vielen Werbeartikeln aufzufallen. Da auf Messen viele Artikel benötigt werden, sollte man sich online unbedingt nach guten Angeboten umschauen. Bleiben Werbegeschenke übrig, können sie an Mitarbeiter vergeben oder bei der nächsten Veranstaltung genutzt werden.

Verlosungen

Eine besondere Form der Werbegeschenke sind die Produkte, die speziell für Gewinnspiele genutzt werden. Je wertvoller der mögliche Preis, umso mehr Menschen wollen meist mitmachen. Der Aufwand einer Gewinnspielteilnahme rechnet sich eher nicht, wenn es um einen Magneten oder Textmarker geht.

Elektronik eignet sich immer gut für diese Verlosungen. Etliche Dienstleister sorgen dafür, dass das eigene Logo ideal auf einem Tablet oder USB-Stick platziert wird. Aufgrund der langen Nutzungsdauer sollte man von veranstaltungsspezifischen Aufdrucken oder Datumsangaben lieber absehen. Je länger die Gewinner das Produkt nutzen, umso länger sehen sie selbst und andere den Firmennamen.

Für Mitarbeiter

Werbegeschenke eignen sich auch für die eigenen Mitarbeiter. Gerade in der Start-up-Szene wird meist nicht von 8 bis 16 Uhr gearbeitet. Überstunden, Extraschichten, Deadline-Druck und mehr gehören zum Arbeitsalltag dazu. Für Gründer kann es sinnvoll sein, nach einer Weile auch mit einem Geschenk danke zu sagen.

Ähnlich wie bei den Firmenfeiern gilt, dass man darauf achten sollte, dass der Artikel wirklich zum Anlass passt. Einen Kugelschreiber als Dankeschön zu verteilen, wirkt eher knausrig. USB-Sticks, Regenschirme oder Kaffeetassen sind hingegen Dinge, die Menschen auch wirklich im Alltag benutzen und über die sie sich freuen.

Treuegeschenke

Nicht nur Mitarbeiter darf man für ihre Treue belohnen. Auch Kunden und Unterstützern kann man mit Werbegeschenken für ihre Treue danken. Das gilt für Start-ups noch einmal besonders, da Freunde oder Bekannte oftmals aushelfen. Stühle räumen, über einen Text drüberlesen oder auch einfach mal zuhören, wenn es gerade nicht so läuft – wer solche Unterstützer hat, möchte ihnen danken.

Gleiches gilt für Kunden, die schon lange dabei sind. Ihnen bei ihrem nächsten Kauf oder Besuch ein T-Shirt, einen Thermobecher oder einen Rucksack zu geben, wird nicht nur für eine kleine Überraschung sorgen, sondern auch dafür, dass sie sich geschätzt fühlen.

Gründer*in der Woche: GreenFor - für die Welt von morgen und die Kids von heute

Das Ziel des Thüringer Start-ups GreenFor ist es, Kitas, Schulen, Bildungseinrichtungen etc. durch fair gehandelte und abbaubare Verbrauchsprodukte auf Nachhaltigkeit umzustellen. Wie die Gründerinnen Franziska Seebauer und Manuela Büttner das schaffen wollen, erzählen sie uns im Interview.

Wann und wie seid ihr beiden auf die Idee zu GreenFor gekommen?

Franziska: Alles fing bei unserer Arbeit in der Kita an. Am Mittag beim Zähneputzen fragte mich ein Kind, warum ich mir denn mit einer „Holzzahnbürste“ die Zähne putze. Es war eine Bambuszahnbürste und die hat uns im Frühling 2020 zum Nachdenken angeregt.

Mit unseren Kindern sprachen wir viel über die Themen Umwelt, Natur und Nachhaltigkeit und sie waren super sensibel dafür. Wenn wir in der Natur waren, nahmen wir immer einen Müllbeutel mit, um den gefunden Müll einzusammeln. Auch Mülltrennung war für unsere Kinder ein Leichtes – warum dann nicht auch nachhaltige Produkte im Kita-Alltag einführen und nutzen?

Was waren dann die wichtigsten Steps von der GreenFor-Gründung bis zum Markteintritt (online und Vor-Ort-Service)?

Manuela: Ja, nach dem wir uns diese Frage gestellt hatten, lies sie uns auch nicht mehr los. Jede freie Minute recherchierten wir nach Produkten, Möglichkeiten und ob es da nicht schon jemanden gab, der sich auf Kitas und Schule spezialisiert hatte. Nachdem uns klar war, dass alle Plattformen und Onlineshops, die wir fanden, entweder super komplex waren, die Auswahl viel zu groß oder die Entscheidung zwischen wirklich nachhaltigen Produkten und Greenwashing nur schwer möglich war, gründeten wir im Oktober 2020, GreenFor.

Ein entscheidender Schritt war, Menschen zu finden, die uns in den Bereichen unterstützen, von denen wir nur wenig Ahnung hatten.

Weitere wichtige Schritte waren die Namensfindung, das Erarbeiten des Logos, die Websiteerstellung, Produktrecherche, Social-Media-Kanäle, Markenauftritt, Businessplan …

Auf den Punkt gebracht: Was ist das Besondere an GreenFor bzw. eurem Konzept und wer sind eure Kund*innen?

Franziska: Unsere Kund*innen sind Kitas, Schulen, SOS-Kinderdörfer, Unternehmen aber auch private Haushalte. Wir bieten alles kompakt auf einer Seite an, d.h. alles, was unsere Kund*innen an nachhaltigen, gut recherchierten Verbrauchsprodukten benötigen. Sie haben eine Zeitersparnis und wir die Möglichkeit, flächendeckend einen Mehrwert zu schaffen.

Das Konzept ist klar, der Nutzen auch. Doch wenn es dann darum geht, dass die Täger*innen einer Einrichtung mehr Geld investieren sollen, wird’s wahrscheinlich oft eng – oder nicht? Wie überzeugt ihr eure Kund*innen?

Manuela: Wir nutzen gern das Wort begeistern, überzeugen möchten wir unsere Kund*innen nicht. Sie wissen um die Problematik, in der unser Planet steckt, und sie wissen auch, dass wir handeln müssen. Ja, und die finanziellen Mittel sind natürlich ein Thema, jedoch darf man dazu sagen, dass einige Kommunen in Deutschland bereits in einer Transformation in Richtung Klimaneutralität stecken und diese bereits schrittweise umsetzen. Das ist natürlich eine gute Grundlage, da ist das Verständnis schon präsent und deren Umsetzung im Alltag leichter anzugehen.

Der Preis, den unsere kommenden Generationen zahlen werden, ist ein ganz anderer, wenn wir uns nicht zeitnah auf den Weg machen! Getreu unserem Motto: „Im Kleinen GROSSES bewirken!“

Wie habt ihr euch und damit die Startphase von GreenFor finanziert?

Franziska: In erster Linie mit Eigenkapital, Privatinvestor*innen aus Familie, Freundeskreis und mithilfe der BAFA-Förderung. Das erste Jahr nach der Gründung haben wir parallel zu GreenFor noch in unserem Job in der Kita gearbeitet, bis zu dem Zeitpunkt, wo beides miteinander zeitlich nicht mehr vereinbar war.

Erst jetzt haben wir einen Bankkredit bekommen, doch der Weg dahin war mehr als steinig und von Vorurteilen und veralteten Strukturen geprägt.

Was sind eure weiteren unternehmerischen To Do's und Ziele?

Manuela: Wir haben es uns zum Ziel gesetzt, bis 2030 zwischen 25 und 30 Prozent aller Kitas und Schulen in Deutschland auf nachhaltig umgestellt zu haben. Das klingt viel, aber 30 Prozent sind noch nicht 100 Prozent und das sollte und wird das eigentliche Ziel sein.

Aktuell arbeiten wir an unserer Marketingstrategie, um noch mehr Menschen auf uns und die Problematik aufmerksam zu machen. Ich denke, ansonsten haben wir ähnlich Ziele wie viele andere Start-ups: Stabilität zu erreichen, noch weitere Unterstützung zu erhalten, z.B. in Form von Investor*innen mit einem größeren Netzwerk und Know-how, weitere Kooperationen mit nachhaltigen Unternehmen eingehen, die Etablierung auf dem deutschen Markt und darüber hinaus auf dem europäischen Markt sowie eigene Produkte anzubieten.

Und last but not least: Was wollt ihr anderen Gründer*innen aus eigener Erfahrung mit auf den unternehmerischen Weg geben?

Franziska: „Nach jedem Tief kommt ein Hoch!“ Ganz egal, wie steinig der Weg ist, wie groß die Hürden sind, es lohnt sich, dran zu bleiben. Scheut euch nicht davor, Fehler zu machen. Fehler gehören dazu und lassen euch lernen und wachsen. Netzwerken macht Spaß, es gibt tolle Netzwerke mit Menschen, die euch auf eurem Weg unterstützen. Fragt nach und vernetzt euch. Noch ein letzter Tipp: Manchmal hilft es wie Kinder zu denken, nicht in Problemen, sondern in Lösungen!

Hier geht's zu GreenFor

Das Interview führte Hans Luthardt

Digitalstage.io: Fanbindung 2.0

Die Berliner Plattform Digitalstage.io ermöglicht es Künstler*innen, mit ihren Fans weltweit digital in Kontakt zu treten und neuartige Monetarisierungsmodelle zu nutzen.

Die vergangenen zwei Jahre haben die Musikindustrie nachhaltig erschüttert: Die Corona-Pandemie sorgte für leere Konzerthallen und volle Live-Streams; (Live-)Musik gab es fast nur noch online. Vorbereitet war die Branche darauf nicht. Mit den Konzerten brach auch die Haupteinnahmequelle vieler Künstler*innen weg. Streams konnten die Lücke nicht schließen: Verdienten Künstler*innen und Label früher mit Live-DVDs noch einiges dazu, war der YouTube-Stream für viele nur noch ein zusätzliches Marketinginstrument. Im Lockdown waren Streams probate Mittel, Fans bei der Stange zu halten – Geld verdienen ließ sich mit ihnen aber nicht.

Ich habe Live-Konzerte vermisst

Richard Harless will das ändern: „Ich habe, wie viele Menschen, Live-Konzerte vermisst. Die Versuche vieler Künstler*innen, über Social Media mit ihrem Publikum in Kontakt zu treten, waren kein wirklicher Ersatz. Also habe ich begonnen, darüber nachzudenken, wie sich das Live-Erlebnis in den digitalen Raum transportieren ließe.“ Das Ergebnis heißt Digitalstage.io, eine Plattform, die nicht weniger will als die Beziehung zwischen Fans und Künstler*innen auf eine ganz neue Grundlage zu stellen.

Der seit vielen Jahren in Berlin lebende US-Amerikaner Richard ist in der Branche kein unbeschriebenes Blatt: Als Deutschlandchef machte er die Musik-App Shazam auch hierzulande zu einer Erfolgsgeschichte. Anschließend brachte er die Musiktext-Plattform Genius.com nach EMEA.

Live-Stream als Gamechanger

Die Gründung seines Unternehmens vollzog Richard Ende 2020, die ersten Events folgten in der ersten Hälfte des Jahres 2021. Bald begann Sony Music, die Plattform für seine Künstler*innen zu nutzen. Auch investorenseitig tat sich einiges: Nachdem Richard und einige Mitstreiter*innen die initiale Finanzierung selbst übernahmen, folgte 2021 zunächst eine Angel-Runde und Ende des Jahres eine Seed-Finanzierung.

Digitalstage.io ermöglicht es Künstler*innen, mit ihren Fans weltweit digital in Kontakt zu treten. Erstere erhalten dafür eigene Seiten, auf denen sie Events nach ihren Wünschen anbieten können: von gestreamten Live-Konzerten über Albumpremieren bis hin zu Interviews und Diskussionen. Dabei lassen sich etwa zum Stream-­Konzert Merchandise-Verkäufe oder Live-Chats, exklusive Meet and Greets nach dem Gig oder gar exklusive Sammlerstücke via NFT hinzufügen.

„Wir wollen Menschen ein Erlebnis bieten, wie sie es von realen Events kennen“, erläutert Richard. „Wir wollen das Verhältnis zu den Künstler*innen stärken, egal wo auf der Welt sie sind. Künstler*innen geben wir die Möglichkeit, diese Beziehung zu monetarisieren. Der Live-Stream soll nicht mehr nur ein Marketinginstrument sein – er rückt in den Mittelpunkt der Fan-Künstler*in-Beziehung.“

Doch das Ziel der Plattform geht darüber hinaus, eine Ergänzung zu realen Live-Erlebnissen zu bieten. Die Beziehung zwischen Künstler*innen und Fans zu stärken, heißt auch, sie aus ihrer Fragmentierung zu befreien, betont Richard: „Fans kaufen Alben, sie kaufen Konzerttickets, sie kaufen Merchandise. Doch das ist nur in den allerseltensten Fällen miteinander verbunden. Künstler*innen haben bislang keinerlei Kon­trolle über die kommerziellen Aspekte der Fanbeziehung. Sie wissen nicht, wer Tickets für ihre Shows oder ihre Alben kauft. Damit kennen sie auch nicht ihre Super-Fans, haben keine Ahnung, bei wem es sich lohnt, besondere Erlebnisse anzubieten, wer Backstage-Zugang verdient oder wer an exklusiven Sammlerstücken interessiert sein könnte.“ Digitalstage.io, so die Vision des Gründers, soll genau das ermöglichen.

Dezentrale Blockchain-Technologie

Dazu braucht es natürlich auch die passende technische Grundlage. Digitalstage.io setzt von Beginn an auf die dezen­trale Blockchain-Technologie. Mit der Celo-Blockchain hat das Unternehmen jetzt sein perfektes Fundament gefunden. Celo ist eine Mobile-First-Plattform, die auf Basis einer eigenen Blockchain-Infrastruktur Bezahlungen und Finanz-Apps für alle Smartphone-Nutzer*innen weltweit zugänglich machen will. So wie Celo mobiles Bezahlen demokratisiert, will Digitalstage.io dies für den Zugang von Künstler*innen und Fans zueinander leisten. Für eine Plattform, die zum Ziel hat, diese Beziehung zum Nutzen beider Seiten zu monetarisieren, ein optimaler Partner.

Das sehen auch die Macher hinter Celo so: Der von ihnen gestartete Early-Stage-Investmentfond Flori Ventures investierte im Rahmen der Pre-Seed-Finanzierung eine sechsstellige Summe in Digitalstage.io. Mehr noch: Gleichzeitig wurde das Berliner Unternehmen in das Accelerator-Programm Celo Camp aufgenommen, das Start-ups dabei unterstützen soll, gemeinsam Lösungen und Anwendungen für ein dezentrales und für alle offenes Finanzsystem zu entwickeln. Mit Erfolg: Digitalstage.io gehörte zu den Finalisten des letztjährigen Camps.

(Live-)Time is Money

Und auch sonst kann die Plattform nach gerade mal einem Jahr schon einiges vorweisen. Ihren Start hatte sie Anfang 2021 mit einer Livestream-Performance der deutschen Dark-Pop-Band Blackout Problems. Seitdem fanden auf der Plattform 57 Veranstaltungen unterschiedlichster Art und Größe statt. Auch manche große Namen haben die Plattform bereits genutzt. Rock-Superstars Kings of Leon etwa, die ihr neues Album auf Digitalstage.io vorstellten. Oder Star-DJ Martin Garrix, der exklusiv Fragen von Fans beantwortete. Oder Eurovi­sion-Gewinner Måneskin: Die italienische Band streamte ein Record-Release-Konzert mit begleitendem Chat live aus Berlin in Clubs in 18 Ländern.

„Die wichtigste Metrik für uns ist, wie lange die Menschen bei einem Event dabeibleiben, wie viel Zeit sie letztlich mit dem Künstler oder der Künstlerin verbringen“, betont Richard. „Und da ist Digitalstage.io extrem erfolgreich: Im Schnitt bleibt das Publikum für 95 Prozent der Dauer des Streams dabei – durchschnittlich mehr als 30 Minuten pro Event. Je mehr Zeit der Fan investiert, desto enger wird die Beziehung – und desto besser lässt sie sich auch monetarisieren.“

NFTs als Zukunftstrend

Dabei, so ist der Gründer überzeugt, spielen zukünftig NFTs eine wichtige Rolle. Diese bieten etwa Super-Fans die Möglichkeit, exklusiv digitale Sammlerstücke zu besitzen. Den Anfang machten Richard und sein Team im September 2021: Im Rahmen des Live-Streams zu einem Single-Launch von Sängerin und TikTok-Star Loi wurde ein viral gegangener und mit exklusivem Artwork versehener Ausschnitt des Songs als NFT-Sammlerstück angeboten.

Richard Harless sieht hier einen Zukunftstrend für die gesamte Branche: „NFTs werden die Fan-Künstler*in-Beziehung nachhaltig revolutionieren, denn sie können so viel mehr: Sie sind in der Lage, die Fragmentierung der kommerziellen Fan-Künstler*in-Beziehung aufzubrechen.“ Aus diesem Grund wird Digitalstage.io im ersten Quartal 2022 einen NFT-Musikmarktplatz starten. Auf diesem können Fans NFTs mit ihren Einkäufen sammeln, und Künstler*innen können dann ihren Fans genau definierte Inhalte anbieten. Erstmals wird es Künstler*innen damit möglich sein, beispielsweise Ticket- und Merchandise-Verkäufe miteinander zu verknüpfen und somit ihre größten Fans kennenzulernen.

Live-Streaming ist gekommen, um zu bleiben

Und noch einen zweiten Trend sieht Richard für die Zukunft: hybride Events. „Live-Streaming ist gekommen, um zu bleiben. Künstler*innen werden zukünftig jede Live-Show zu einem Live-Stream machen können. So rücken Künstler*innen und Fans mit- und untereinander viel enger zusammen, was ganz neue Interaktionen ermöglicht.“ Der Gründer sieht sein Unternehmen an der Spitze eines echten Wandels: „Wir befinden uns am Anfang einer völligen Neudefinition des Verhältnisses zwischen Künstler*in und Publikum. Statt voneinander getrennte Transaktionen greift zukünftig alles ineinander: Streams und Live-Konzerte, Ticketing und Merchandise-Verkäufe, das emotionale Erlebnis und die kommerzielle Beziehung.“ Richard Harless und sein Berliner Team sind entschlossen, diesen Wandel aktiv voranzubringen.