Watch & Build gewinnt den German Innovation Award in Gold


44 likes

Gestern Abend wurden die Gründer von Watch & Build, eine 2021 gelaunchte Plattform für Aufbau-Anleitungen, mit dem German Innovation Award in Gold in der Kategorie „Excellence in Business to Business – Retail & Trade Solutions“ ausgezeichnet.

Für das 2021 gegründete Start-up Watch & Build sind "goldene Zeiten" angebrochen. Dafür hat am gestrigen Abend im Futurium in Berlin die Jury des German Innovation Award gesorgt. Denn das sechsköpfige Gremium hat dem Berliner Tech-Start-up, das Aufbauanleitungen für erklärungswürdige Produkte als Videos auf einer digitalen Plattform veröffentlicht, die renommierte Auszeichnung in Gold verliehen, und zwar in der Kategorie „Excellence in Business to Business – Retail & Trade Solutions“.

Der German Innovation Award zeichnet branchenübergreifend Produkte und Lösungen aus, die sich vor allem durch Nutzerzentrierung und einen Mehrwert gegenüber bisherigen Lösungen unterscheiden. Die „Watch & Build-Engine“ fällt als Self-Enabling-Plattform für Endverbraucher*innen voll in dieses Profil, wie die Jury in ihrer Preisbegründung erläutert: „Sie hilft Herstellerinnen und Herstellern verschiedener Branchen wie z B. Möbel und Einrichten, Haushaltsgeräte, Consumer Electronics oder Sport und Freizeit, für ihre Produkte eine gute und verständliche Montage- oder Bedienungsanleitung zu erstellen.“

Insbesondere lobt die Jury die Nutzer*innenfreundlichkeit der Anwendung: „Die Plattform wirkt äußerst durchdacht und überzeugt mit einer klaren, bedienfreundlichen Oberfläche, die durch eine kontextbezogene dynamische Verlinkung statische Elemente wie Bilder und Text mit Videos und Animationen kombiniert. Je komplexer ein Produkt ist, umso wichtiger ist eine gute Anleitung. Das verbessert die User Experience und auch die Hersteller*innen selbst profitieren davon, da Reklamationen und Retouren reduziert werden und die Bereitschaft der Kundinnen und Kunden, Produkt und Marke weiterzuempfehlen, steigt.“

Dass die Jury gleich im ersten Jahr nach dem Start von Watch & Build zur höchsten Auszeichnung gegriffen hat, erfüllt die beiden Gründer Arndt Rubart und Heinrich Erkens mit Stolz und Freude: „Wir möchten mit unserer Lösung dazu beitragen, die Customer Journeys in unterschiedlichen Konsumgüterbranchen zu optimieren. Wir sind sehr glücklich, dass die Expertinnen und Experten in der Jury das ebenfalls so bewerten“, sagt Arndt Rubart. Heinrich Erkens ergänzt: „Der Award verleiht uns einen kräftigen Schub für die nächsten Schritte von Watch & Build. Wir möchten den Self-Enabling-Ansatz auch am anderen Ende der Customer Journey ermöglichen. Konsumgütermarken und -hersteller sollen die Plattform zukünftig auch selbst managen können, wenn sie das wünschen, um die Verbraucher unabhängig und kosteneffizient mit ihren Montagevideos erreichen zu können.“

Diese Artikel könnten Sie auch interessieren:

Barrierearme App gegen Cyber-Mobbing geht online

Am 22.02.24 ist der internationale "Behaupte dich gegen Mobbing"-Tag. Zu diesem Anlass stellen wir eine besondere Initiative der Werkstätten in Berlin und klicksafe vor: die „Cyber-Mobbing Leichte Hilfe App“.

Die Landesarbeitsgemeinschaft der Werkstätten für behinderte Menschen Berlin e.V. (LAG WfbM Berlin) setzt sich für umfassende berufliche Teilhabe ein. Dazu zählen unter anderem auch Schulungen und Bildungsangebote zum Thema Gewaltprävention und Medien. Mit der „Cyber-Mobbing Leichte Hilfe App“ wurde nun in Kooperation mit der EU-Initiative klicksafe, die in Deutschland von der Medienanstalt Rheinland-Pfalz koordiniert und gemeinsam mit der Landesanstalt für Medien NRW umgesetzt wird, ein Präventions- und Hilfsangebot geschaffen, das über die Werkstätten hinausgeht und sich an alle Menschen mit Beeinträchtigungen richtet.

Klicksafe hat zum Ziel, die Online-Kompetenz unterschiedlicher Zielgruppen zu fördern und hatte bereits eine App zum Thema Cybermobbing für Kinder und Jugendliche entwickelt. Für Erwachsene mit Beeinträchtigung gab es zuvor noch kein solches Angebot.

Die „Cyber-Mobbing Leichte Hilfe App“

Die App zeichnet sich durch einen besonders partizipativen Ansatz aus, der bereits bei ihrer Entwicklung begann. Eine Arbeitsgruppe, die aus Menschen mit Beeinträchtigungen bestand, erarbeitete sich das Thema Cyber-Mobbing über einen Zeitraum von zwei Jahren hinweg, entwickelte gemeinsam die Inhalte und realisierte die Umsetzung.

Begleitet wurden die Werkstattbeschäftigten von der Fachberatungsstelle Gewaltprävention, Mitarbeiter*innen aus den Sozialdiensten der Werkstätten, einem Gebärdensprachdolmetscher und einer Medienpädagogin. So wurde nicht nur ein hohes Maß an Partizipation der Zielgruppe erreicht, sondern auch ein überzeugendes Ergebnis erzielt.

Verständliche und barrierearme Gestaltung

Wichtig war dabei vor allem die verständliche und barrierearme Gestaltung der Inhalte. Alle Informationen und Erklärungen rund um das Thema digitale Gewalt sind in einfacher Sprache verfasst, darüber hinaus gibt es bildbasierte Anleitungen, die Schritt für Schritt zeigen, wie man Kontakte auf Social-Media-Plattformen blockieren, melden oder löschen kann. Ein wesentliches Element der „Cyber-Mobbing Leichte Hilfe App“ sind zudem Videos, in denen die Teilnehmenden der Arbeitsgruppe selbst als Expert*innen auftreten. Dabei vermitteln sie in einfachen Worten oder Gebärdensprache wichtige Tipps, z.B. wie man einen Screenshot erstellt oder eine Anzeige bei einer Onlinewache macht.

Die Idee für dieses Projekt entstand aus den Erfahrungen der Fachberatungsstelle Gewaltprävention mit Werkstattbeschäftigten, die mit digitaler Gewalt konfrontiert wurden. Dabei sollte es nicht nur um einen verantwortungsbewussten Umgang, sondern um Aufklärungs- und Verhinderungsarbeit gegen Cyber-Mobbing gehen. Mithilfe von begleitenden Materialien für den Berufsbildungsbereich und anderen Angeboten kann die App deshalb auch zum Erwerb einer verbesserten Medienkompetenz der Zielgruppe genutzt werden.

Menschen mit Beeinträchtigung stärken

„Das Internet ist für alle ein wichtiger digitaler Raum. Auch Menschen mit Beeinträchtigungen nutzen ihn und begegnen dabei digitaler Gewalt. Umso wichtiger ist es, dass es entsprechende Unterstützungs- und medienpädagogische Angebote gibt. Die Erfahrungen der Werkstattbeschäftigten waren ausschlaggebend für die Themen dieser App. Mit der ‚Cyber-Mobbing Leichte Hilfe App‘ stärken wir Menschen mit Beeinträchtigung. Besonders stolz sind wir auf die inklusive Arbeitsgruppe und die Protagonist*innen der Videos. Sie vermitteln dieses Thema als Expert*innen in eigener Sache und liefern ganz konkrete Tipps an die Hand, um sich gegen Angriffe im Internet zu wehren“, so Bettina Neuhaus Geschäftsführerin der LAG WfbM Berlin.

„Gerade, wenn es um Mobbing oder Hass im Netz geht, sind vulnerable Gruppen besonders betroffen. Wir freuen uns, dass wir hier einen Beitrag leisten können: mit unserer Expertise im Bereich Cyber-Mobbing sowie den Grundlagen der bereits erfolgreichen Cyber-Mobbing Erste-Hilfe App für Jugendliche“, ergänzt Deborah Woldemichael, Leiterin von klicksafe.

Im ersten Schritt steht die „Cyber-Mobbing Leichte Hilfe App“ ab sofort als iOS-Version für iPhone & Co. im App Store zum kostenlosen Download zur Verfügung. Eine Android-Version sowie begleitende Unterrichtsmaterialien für Bildungsveranstaltungen sollen zeitnah folgen.

Gründer*in der Woche: Anna Deimann – Erfolg hat kein Geschlecht

Mit 19 gründete Anna Deimann ihre Digitalagentur AD Consulting, um Mittelständlern zu mehr Reichweite und Sichtbarkeit zu verhelfen. Ihr Weg in einer von Männern dominierten Business-Welt.

„Darin liegt die Schönheit des Unternehmertums – im Wachsen und Lernen.“ Dieses persönliche Mantra spiegelt Anna Deimanns unternehmerische Reise perfekt wider. Geboren und aufgewachsen ist Anna in Iserlohn. Nach dem Abitur entschied sie sich, auf Entdeckungsreise zu gehen: „Ich ging für einige Zeit nach Australien, um Erfahrungen zu sammeln, die weit über die Grenzen des Klassenzimmers hinausgehen“, so Anna. Anschließend kehrte sie nach Deutschland zurück und gründete nur ein Jahr später ihr eigenes Unternehmen.

AD Consulting: Aus Traum und Leidenschaft

Getrieben von ihrer Leidenschaft für digitales Marketing und dem Wunsch, mittelständischen Unternehmen dabei zu helfen, ihre Online-Präsenz zu verbessern, gründete Anna mit 19 Jahren ihr Unternehmen – die AD Consulting GmbH in Dortmund. „Meine Inspiration entstand während meiner Ausbildung zur Kauffrau für Marketingkommunikation und meines Dualen Studiums zur Marketing Managerin. Ich erkannte das Potenzial, welches sich im digitalen Marketing verbirgt, und entschloss mich, dieses mit AD Consulting auszuschöpfen“, so die Gründerin.

Als junge Unternehmerin und als Frau in der Tech-Branche stand Anna vor besonderen Herausforderungen. „In einer von Männern dominierten Welt begegnete ich Vorurteilen und Stereotypen, die meine Fähigkeiten infrage stellten. Doch ich ließ mich nicht entmutigen, auch wenn aller Anfang alles andere als einfach war“, erinnert sich die Unternehmerin.

Fest davon überzeugt, das Schicksal selbst in die Hand zu nehmen, sah sie den Schlüssel zum Erfolg im Überwinden von Zweifeln und der Fähigkeit, aus Fehlern zu lernen. „Ich nutzte mein Wissen und meine Kreativität, um innovative Lösungen zu entwickeln, und bewies allen, die an mir zweifelten, dass Erfolg keine Frage des Geschlechts ist“, so Anna.

Partnerschaften mit Perspektive

Mit AD Consulting möchte Anna ihre Kund*innen dabei unterstützen, erfolgreich im digitalen Zeitalter zu sein. „Doch mir geht es um mehr als das pure Quid-pro-quo der Geschäftswelt“, so Anna, „Bei AD Consulting geht es uns nicht nur darum, Dienstleistungen anzubieten; wir schaffen Partnerschaften, die Werte schaffen und Visionen verwirklichen. Was uns von anderen unterscheidet, ist unser unermüdliches Streben, jede Kundenbeziehung mit einer maßgeschneiderten und ganzheitlichen Betreuung zu pflegen.“

Das bedeutet: Anna und ihr Team passen sich nicht nur den individuellen Bedürfnissen der Kund*innen an, sondern setzen sich auch leidenschaftlich dafür ein, messbare Ergebnisse zu liefern, die über Erwartungen hinausgehen. „Dieses Engagement für langfristige Partnerschaften spiegelt den Glauben an nachhaltigen Erfolg wider, und die Flexibilität ermöglicht es, proaktiv auf Markttrends und Kundenbedürfnisse zu reagieren“, so Anna.

Vorbild und Inspiration

Dass ihr Konzept nicht nur bei den Kund*innen ankommt, zeigt auch die Auszeichnung als Vorbildunternehmerin durch das Bundesministerium Ende 2022. „Das war eine besondere Ehre. Diese Anerkennung hat meine Leidenschaft für die Unterstützung von Frauen, die den Schritt in die Selbständigkeit wagen wollen, noch verstärkt“, sagt Anna nicht ohne Stolz.

Im Rahmen der Initiative „FRAUEN unternehmen engagiert sich Anna zudem ehrenamtlich für diese Ziele und freut sich, ihre Erfahrungen weitergeben zu können.

Wo geht die Reise hin?

„In fünf Jahren sehe ich AD Consulting als eine etablierte Digitalagentur, die nicht nur erfolgreich für ihre Kunden arbeitet, sondern auch einen Beitrag zur Weiterentwicklung digitaler Lösungen leistet. Wir streben danach, weiter zu wachsen, innovative Strategien zu entwickeln und unsere Präsenz auf dem Markt zu stärken“, bringt es Anna auf den Punkt.

Annas Tipps für andere Gründer*innen

Und abschließend hat die junge Unternehmerin ein paar Tipps für Gleichgesinnte:

  • „Seid mutig und vertraut eurer Vision. Der Weg zum Erfolg ist oft nicht geradlinig, aber der Glaube an die eigene Idee ist entscheidend.
  • Baut ein starkes Team auf. Gemeinsam erreicht man mehr, und die Menschen, mit denen man arbeitet, sind entscheidend für den Erfolg des Unternehmens.
  • Lernt aus Rückschlägen und seid bereit, euch anzupassen. Der Unternehmensalltag ist dynamisch. Die Fähigkeit zur Anpassung ist entscheidend für das Wachstum und die Entwicklung des Start-ups.“

Gründer*in der Woche: Ecoblister - Medikamentenverpackung neu gedacht

Unsere Gründer*in der Woche: Falsch eingenommene Medikamente sorgen alljährlich für unzählige Krankenhausaufenthalte und sogar Todesfälle. Die Geschwister Jan Angermann, Anett Tanger und Mona Syhre wollen das mit ihrem Start-up Ecoblister ändern.

Alljährlich sterben in Deutschland mehr Menschen durch zu viele oder falsch eingenommene Medikamente als durch Verkehrsunfälle, illegale Drogen und Suizide zusammen. Das Problem liegt auf der Hand und ist ausgiebig wissenschaftlich untersucht: Insbesondere Menschen, die viele Medikamente gleichzeitig einnehmen müssen, verlieren leicht den Überblick. Viele Pillen sehen ähnlich aus und werden auch noch in ähnlichen Verpackungen ausgeliefert.

Es gibt eine einfache und erprobte Lösung: die patient*innenindividuelle Verblisterung. Das bedeutet, dass sich insbesondere Menschen mit vielen verschiedenen Medikamenten diese individuell verpacken lassen können. Und zwar sortiert nach Tag und Uhrzeit, zu denen sie eingenommen werden müssen. Entsprechende Angebote gibt es schon seit mehr als 20 Jahren. Doch bisher fristen sie ein Nischendasein. Ein Beispiel: Von den rund sieben Millionen Menschen in Deutschland, die regelmäßige Pflege erhalten, bekommt weniger als eine Million ihre Medikamente individuell vorverpackt.

Mona Syhre hat zusammen mit ihren Geschwistern Anett Tanger und Jan Angermann das Leipziger Start-up Ecoblister gegründet, um das zu ändern. Dazu haben sie den Arznei­kalender erfunden, der sogar noch mehr bietet als individuell verblisterte Medikamente. Für ihr Produkt hat die Chemikerin Mona ein Material entwickelt, das vorher noch keine Medikamentenverpackung weltweit zu bieten hatte: Es ist kompostierbar, bietet aber dieselbe Sicherheit wie die bisher üblichen Verbundverpackungen aus Kunststoff und Aluminium.

Bei der Gründung war Mona bereits 57 Jahre alt. „Wir sagen immer, wir sind ein erwachsenes Start-up“, meint sie. Mit dem jungen Start-up-Umfeld können sich die Geschwister oft nicht identifizieren. Start-up-Veranstaltungen seien zwar eine gute Gelegenheit, um zu netzwerken und sich auszutauschen, trotzdem empfindet Mona solche Veranstaltungen häufig als oberflächlich und wenig konkret. Die Gründung im höheren Alter sei für sie aber die beste Entscheidung gewesen: „Im Gegensatz zu jungen Unternehmer*innen bringe ich viel Berufserfahrung mit und lasse mich nicht so leicht verunsichern.“

Neuseeland als Initialzündung

Das erste Mal sah Mona nach Tag und Uhrzeit vorsortierte Medikamente in einer Apotheke in Neuseeland. Das machte sie neugierig. Sie war damals in der Forschung tätig und hatte bereits eine lange Karriere hinter sich. Trotzdem wurde ihr schnell klar, dass dieses Thema ihrem Berufsleben noch einmal eine neue Richtung geben könnte.

„Schon bei der ersten Recherche stieß ich auf erschreckende Zahlen“, sagt sie. Laut einer Stellungnahme des Bundestags aus dem Jahr 2018 stecken Medikationsfehler hinter rund 250.000 Krankenhauseinweisungen jährlich alleine in Deutschland. Die Schätzungen darüber, wie viele Menschen als Folge falsch eingenommener Medikamente sogar frühzeitig sterben, gehen weit auseinander. Laut einer in der Zeitschrift MWW – Fortschritte in der Medizin veröffentlichten Schätzung liegt die Zahl derer, die in Folge sogenannter Polymedikation sterben, zwischen 15.000 und 25.000. Die Krankenkasse BARMER geht sogar von bis zu 70.000 Todesfällen aus, die sich jedes Jahr durch besseres Arzneimitteltherapie­Management verhindern ließen.

Ein Beitrag zur Umwelt und Gesundheit

Damit war die Idee von Ecoblister geboren. Da die Pharma­branche enormen Plastikmüll produziert, war für Mona von Anfang an klar, dass ihre Lösung umweltfreundlich sein sollte. Jährlich werden laut ABDA – Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände e.V. allein 42 Millionen Packungen Ibuprofen in Deutschland verkauft – so gut wie alle in Kunststoff (PVC) verpackt und mit Alufolie verschlossen. Diese Mischung ist in der Müllverwertung kaum zu trennen und damit auch nicht recyclebar. Das Ziel von Ecoblister war es, den weltweit ersten kompostierbaren Blister zu entwickeln.

Nachdem das Ziel klar war, mussten die Geschwister das Marktpotenzial herausarbeiten und professionelle Partner*innen für das Produkt finden. Dazu ließen sie zunächst zahlreiche mögliche Materialien testen: auf Kompostierbarkeit einerseits, aber auch, ob sie die strengen Verpackungsvorschriften für Medikamente erfüllen. Auch andere Unternehmen bat Mona um Hilfe, bis sie schließlich mit ihrem Produkt zufrieden war.

„Die größte Herausforderung war anschließend, Investor*innen zu finden, die an unsere Idee glauben. Gerade in Deutschland ist das für Start-ups oft schwierig, selbst wenn sie bereits ein fertiges Produkt und Produktionspartner*innen haben“, sagt Mona. Eine weitere Herausforderung war, dass viele potenzielle Investor*innen Einfluss auf das Produkt nehmen wollten, obwohl sie nicht vom Fach waren. Schließlich entschieden sich die Geschwister für einen Kredit.

Zielgruppe Senior*innen

Der Fokus des Arzneikalenders liegt vor allem auf Patient*innen mit Polymedikation, also solchen, die dauerhaft fünf oder mehr Medikamente gleichzeitig einnehmen müssen. Wer schon einmal mehr als zwei oder drei Medikamente gleichzeitig regelmäßig einnehmen musste, kennt sehr wahrscheinlich diese Fragen: Habe ich die Dosis für heute Abend schon genommen? Ist die braune Pille das richtige Präparat oder nur eine von den Vitamintabletten, die so ähnlich aussehen? Und wo ist nochmal der Zettel mit den Einnahme-Anweisungen für das neue Medikament? Häufig betrifft das Menschen über 65 Jahren. Das zeigen auch Analysen des BARMER GEK Arzneimittelreports: Innerhalb eines Quartals wurden etwa einem Drittel aller Versicherten über 65 Jahre fünf und mehr Medikamente zur täglichen Anwendung verordnet.

2023, also mehr als 20 Jahre, nachdem Verblistern zum ersten Mal in Deutschland angeboten werden durfte, kommt langsam Bewegung in den Markt: Eine erste Versandapotheke bietet sogenannte Blisterrollen als kostenlosen Service an. Mit diesem System werden die Medikamente zwar nach Einnahmezeitpunkt neu sortiert und verpackt, allerdings erhalten Patient*innen die einzelnen Blister-Abteile in einer langen Rolle, weshalb insbesondere Menschen mit einer Sehbehinderung immer noch Probleme haben dürften, diese auseinanderzuhalten. Und das Müllproblem der Branche löst dieses Angebot auch nicht.

Überzeugungsarbeit für ein sicheres Gesundheitswesen

Damit Verblisterung flächendeckend funktioniert, sind insbesondere ältere Patient*innen ohnehin oft auf ihre lokale Apotheke angewiesen. „Es ist nicht damit getan, dass wir den Ecoblister entwickelt haben“, sagt Mona. „Ich leiste auch täglich Überzeugungsarbeit – bei Apotheken, Ärzt*innen, Krankenkassen und auf Blister-Workshops, die wir regelmäßig organisieren.“ In vielen anderen Ländern, etwa in den benachbarten Niederlanden, zahlt die Krankenkasse, wenn Medikamente individuell sortiert und neu verpackt werden. Dort hat man erkannt, dass individuelle Verblisterung ein einfacher und günstiger Weg ist, die Gesundheit von Menschen zu schützen. In Deutschland übernehmen die Kassen die Kosten trotzdem nur dann, wenn ein professioneller Pflegedienst die Dienstleistung bestellt. Wer nicht im Heim wohnt und beispielsweise von Angehörigen zu Hause versorgt wird, geht leer aus.

Monas Traum ist, dass irgendwann alle Apotheken in Deutschland auf Wunsch individuell verblistern – und dass dabei möglichst wenig Müll entsteht. Dazu braucht es einerseits klare Regeln, wer dafür bezahlt. Andererseits müssten die Apotheken auch mehr Medikamente als sogenannte Schüttware bestellen können, also in großen Behältern verpackt, anstatt, wie aktuell üblich, bereits einzeln verblistert.

Der Erfolg gibt Mona und ihren Geschwistern Recht: Im vergangenen Jahr ist Ecoblister um 50 Prozent gewachsen, bereits 40 Apotheken haben die Produkte in ihr Sortiment aufgenommen. Ohne ihr in langer Berufserfahrung gewonnenes Wissen und hartnäckiges Networking wäre das nicht gelungen, sagt Mona. Ihr Tipp für jüngere Gründer*innen lautet: Nicht verunsichern lassen, keine Angst haben, nach Hilfe zu fragen und immer hartnäckig bleiben. „Ich kann gar nicht zählen, wie viele Menschen mir von der Gründung abgeraten haben. Ich habe einfach weitergemacht – und es funktioniert.“

Hier geht’s zu Ecoblister

Studie: Nachfolgerinnen in Familienunternehmen

Eine aktuelle Untersuchung zeigt die großen Chancen und wichtigsten Herausforderungen von bzw. für Nachfolgerinnen in Familienunternehmen auf.

Die Untersuchung hat der Verband deutscher Unternehmerinnen gemeinsam mit der Friedrich-Naumann-Stiftung eine Untersuchung zu Nachfolgerinnen in Familienunternehmen beauftragt, die das Institut für Familienunternehmen und Management der WHU - Otto Beisheim School of Management durchgeführt.

Das Potenzial von Frauen als Nachfolgerinnen

Familienunternehmen sind das Rückgrat der deutschen Wirtschaft und ihr langfristiger Erfolg hängt stark von einer effektiven Nachfolgeplanung ab. Das Potenzial von Frauen als Nachfolgerinnen in Verantwortung von Familienunternehmen ist bei weiten nicht ausgeschöpft. Schon heute spielen Nachfolgerinnen eine immer wichtigere Rolle bei der Sicherung des Fortbestands von Familienunternehmen als Stabilitätsanker der Wohlstandssicherung Deutschlands. Mit den richtigen Rahmenbedingungen kann es gelingen, das Potenzial von Nachfolgerinnen weiter zu aktivieren.

Mit den Fokusthemen Kinderbetreuung, Vereinbarkeit von Familie und Unternehmen und ländlicher Standort schließt die Studie eine wissenschaftliche Lücke und bietet ein umfassendes Verständnis darüber, mit welchen Herausforderungen sie in diesen Bereichen konfrontiert werden. Anhand dessen werden konkrete politische Empfehlungen abgeleitet.

Kinderbetreuung

Mit einer betrieblichen Kinderbetreuung wird der begrenzten Verfügbarkeit von Betreuungsmöglichkeiten entgegengewirkt und weiteren Beschäftigten die Vereinbarkeit von Beruf und Familie erleichtert. Politik kann hier Anreize schaffen und für eine Vereinfachung von Genehmigungsverfahren bei der betrieblichen Kinderbetreuung sorgen.

Vereinbarkeit von Familie und Unternehmertum

Bürokratische Hürden in Unternehmen binden zeitliche Kapazitäten und erschweren damit die Vereinbarkeit von Familie und Unternehmen. Gezielte Entbürokratisierungsmaßnahmen für mittelständische Unternehmen können hier Abhilfe schaffen und Nachfolgerinnen entlasten.

Ländlicher Raum

Der ländliche Raum bietet Freiräume und Gestaltungsmöglichkeiten für das familiäre Zusammenleben, dabei stellt die infrastrukturelle Anbindung eine zentrale Herausforderung dar. Eine Einführung und Förderung von „Kindertaxis“ wird als vielversprechende Maßnahme beschrieben, um Nachfolgerinnen zeitlich und mental zu entlasten.

Jasmin Arbabian-Vogel, Präsidentin des Verbands deutscher Unternehmerinnen: „Dem deutschen Mittelstand fehlt es an Nachfolgerinnen. Das muss nicht sein: Wenn es gelingt, pragmatische und vor allem ganztagsflächendeckende Kinderbetreuung zu gewährleisten und überbordende Bürokratie abzubauen, wird Frauen der Weg ins Unternehmertum erleichtert und Nachfolge als Karriereoption attraktiv – damit wäre potenziellen Unternehmerinnen und nicht zuletzt dem Mittelstand geholfen!“

Maren Jasper-Winter, Vorstandsmitglied der Friedrich-Naumann-Stiftung für die Freiheit: „Frauen können Unternehmensführung! Sie können einen entscheidenden Beitrag zur Entschärfung des Nachfolgeproblems leisten – ohne ihr Potenzial wird es in den nächsten Jahren schwierig. Damit sich mehr potentielle Nachfolgerinnen für die Übernahme von Verantwortung entscheiden, müssen wir sie aber besser unterstützen. Die Kinderbetreuungsmöglichkeiten müssen beispielsweise weiter ausgebaut und qualitativ verbessert werden.“

Die Studie gibt es hier zum Download

Chatbot-Pionier Kauz schließt 2,3 Mio. Euro Finanzierungsrunde ab

Das 2016 von Dr. Thomas Rüdel gegründete Chatbot-Unternehmen Kauz GmbH erhält für den weiteren Ausbau seiner generativen KI-Plattform 2,3 Mio. Euro vom Investorennetzwerk Companisto.

Kauz kombiniert führende Large Language Modelle mit der selbst entwickelten NLU-Technologie und ermöglicht damit einen kontrollierbaren KI-Einsatz in Unternehmen.

2.3 Millionen über den Angel Club und Privatinvestoren

Kauz ging bereits im März 2023 als erster Chatbot-Anbieter im DACH-Raum mit einer ChatGPT-Integration auf den Markt. Parallel dazu wurde der Ausbau zu einer Self-Service Plattform für KI-Assistenten forciert, die durch zusätzliche finanzielle Mittel beschleunigt werden soll. Dabei wurde ganz bewusst auf das Privatinvestorennetzwerk von Companisto gesetzt, um den bisher erfolgreichen Expertenansatz in der Technologieentwicklung auch in den kommenden Jahren unabhängig fortsetzen zu können. Innerhalb weniger Wochen wurden über den Angel Club, Bestandsinvestoren einschließlich einer Wandelanleihe des Gründers sowie über Mikroinvestments von Privatinvestoren 2,3 Millionen Euro zugesagt. “Die rasche und unkomplizierte Durchführung der Finanzierungsrunde bestätigt das bereits jetzt greifbare Potenzial unseres Technologie- und Marktansatzes”, zeigt sich der Gründer und CEO von Kauz Dr. Thomas Rüdel erfreut.

Kauz aiStudio: Self-Service Plattform für KI-Assistenten

Die Finanzierung wird in den weiteren Ausbau des Kauz aiStudios investiert, das Unternehmen jeder Größe den Einsatz von Website-Chatbots und KI-Assistenten für interne Bedarfe ermöglicht. Die Mission von Kauz besteht in der Sicherstellung der Kontrollierbarkeit von KI-Lösungen. Diesem Ziel dient auch die Einführung sogenannter “privater Modelle”, mit denen Kauz den Trend zu Open- Source-Modellen, die kundenindividuell anpassbar und bei Bedarf auch on-premise einsetzbar sind, unterstützt.

“Historisch sind wir mit 180 Chatbot-Anwendungen überwiegend im Mittelstands-Segment angesiedelt. Durch die Nutzbarkeit von generativer KI können wir mit dem Kauz aiStudio unsere Lösung nun noch besser skalieren und damit auch die Digitalisierung im Mittelstand beschleunigen und sogar neue Kundensegmente wie zum Beispiel Handwerksbetriebe erschließen", bestätigt Dr. Rüdel weiters eine neue Marktfacette.

Neocom: KI-Start-up erhält 4,5 Mio. US-Dollar zur globalen Expansion

Das 2020 von Dana Nedamaldeen und Sebastian Slomski gegründete Start-up Neocom ist eine KI-gestützte Guided Selling-Plattform.

Neocom, ein Pionier in der digitalen Kaufberatung, hat heute einen bedeutenden Fortschritt bekanntgegeben. Das Münchner Unternehmen sicherte sich eine Finanzierung in Höhe von 4,5 Millionen US-Dollar, angeführt von Carbide Ventures und Sangha Capital. Diese wichtige Investition ist ein wesentlicher Schritt für Neocom, um zwei der größten Herausforderungen im Online-Shopping zu meistern: “Choice Overload” durch die fehlende Produktberatung für Verbrauchende und den Mangel von einzigartigen Kundendaten für Unternehmen.

Die Konsumierenden in den Mittelpunkt stellen

Dana Nedamaldeen, CEO und Mitgründer, betonte die Vision, welche die Konsumierenden in den Mittelpunkt stellt: "Wir sind auf einer Mission, digitale Storefronts neu zu definieren. Mit Hilfe von künstlicher Intelligenz unterstützen wir die Kundschaft bei der Suche nach dem richtigen Produkt und revolutionieren das bisherige Online-Einkaufserlebnis. Diese jüngste Finanzierungsrunde ermöglicht es uns, unser Wachstum finanziell, personell und technologisch signifikant zu beschleunigen und unseren Innovationsvorsprung weiter auszubauen."

Strategische Verlagerung in die USA

Die strategische Verlagerung des Unternehmens in die USA markiert einen entscheidenden Schritt in seiner globalen Expansionsstrategie und unterstreicht das Ziel von Neocom, eine führende Rolle im E-Commerce-Sektor einzunehmen und seine innovativen Lösungen einem breiteren Publikum zugänglich zu machen. Im Mittelpunkt stehen intelligente Algorithmen, welche die Kundschaft schrittweise zum idealen Produkt leitet, indem sie nutzungsorientierte Fragen stellen. Nutzende erhalten in Echtzeit präzise Produktempfehlungen, die ihren Anforderungen entsprechen. Gleichzeitig liefert die Plattform von Neocom wertvolle Daten durch die Analyse des Kundenverhaltens während der Suche. Bis heute hat das Start-up nach eigenen Angaben über 5 Millionen Verbrauchenden geholfen, das „perfekte Produkt“ zu finden.

Sebastian Slomski, CTO und Mitgründer von Neocom, hebt den strategischen Ansatz des Unternehmens im Umgang mit Daten hervor: "Die Zero-Party-Daten und Erkenntnisse, die wir durch Interaktionen mit den Verbrauchenden gewinnen, sind für Einzelhändler und Marken von unschätzbarem Wert. Sie bieten ein tiefes Verständnis der Kundenpräferenzen und ermöglichen effektivere, personalisierte Erlebnisse."

BOX ID: 3,5 Mio. Euro für Münchner Software-Start-up

Das 2018 gegründete, auf intelligente und transparente Logistik und Lieferketten spezialisierte Software-Start-up BOX ID hat eine Finanzierungsrunde im Gesamtvolumen von 3,5 Mio. Euro abgeschlossen.

Das auf intelligente und transparente Logistik und Lieferketten spezialisierte Software-Start-up BOX ID hat eine Finanzierungsrunde im Gesamtvolumen von 3,5 Millionen Euro abgeschlossen. Die Mittel kommen neben Bayern Kapital unter anderem von KPN Ventures (Lead), dem High-Tech Gründerfonds (HTGF), der Wille Finance AG sowie einem Konsortium erfahrener Business Angels. Bayern Kapital hatte sich erstmals 2018 an dem wachstumsstarken Unternehmen beteiligt.

Die weltweiten Produktions- und Lieferketten sind komplexer denn je. Zudem sind Industrieunternehmen angesichts zunehmenden Kostendrucks dazu angehalten, ihre globalen Warenströme zu optimieren und dabei Verluste und Versandfehler zu vermeiden. Sie wollen außerdem die Verfügbarkeit ihrer Produkte maximieren und gleichzeitig ihre Kosten und nicht zuletzt den ökologischen Fußabdruck ihrer Logistik reduzieren.

Echtzeit-Tracking und -management von Behältern, Gestellen und Co.

Für diese Herausforderungen bietet das 2018 in München gegründete Logistiksoftware-Unternehmen BOX ID eine Lösung. BOX ID hat eine Plattform für die IoT-basierte Steuerung von Behälterkreisläufen und zur Überwachung von Logistikprozessen entwickelt. Sie macht Waren- und Behälterflüsse ortsübergreifend abbildbar und erzeugt daraus verwertbare Steuerungsdaten für Logistikverantwortliche. Um das zukünftige Unternehmenswachstum noch weiter zu beschleunigen und langfristig mit der Technologie zusätzliche Geschäftsfelder in der Logistik erschließen zu können, hat BOX ID nun 3,5 Millionen Euro bei erfahrenen Investor*innen eingesammelt.

Prozesse und Logistik-Assets, wie zum Beispiel wiederverwendbare Behälterflotten, Kisten und Einzelsendungen, lassen sich mit der Software von BOX ID IoT-basiert gestalten, managen und optimieren – alles anhand von Echtzeitinformationen zu Aufenthaltsort und Zustand der Assets. Diese sind mit all ihren Daten in der Software erfasst und können darin beliebig gruppiert und gefiltert werden. So bringt BOX ID Transparenz und Kontrolle in komplexe, weltweite Lieferketten mit aus Millionen von Mehrwegtansportbehältern, Regalen, Racks oder Wechselbrücken.

Im Schnitt 20 Prozent weniger Umlaufzeiten und 95 Prozent weniger Schwund

Die Vorteile für die Kunden von BOX ID, die aktuell vor allem aus den Branchen Automotive, Glas/Fensterbau, Maschinenbau, Großhandel sowie aus der Logistikdienstleistung stammen, umfassen eine Reduzierung der Umlaufzeiten von Transportbehältern von durchschnittlich 20 Prozent, eine höhere Verfügbarkeit, reduzierten Behälterbedarf, geringere Kosten für Engpassversorgung und Ersatzverpackungen sowie eine deutliche Verringerung – bis zu 95 Prozent – des Schwundes in der Behälter- und Ladungsträgerflotte.

„Heutige Systeme zur logistischen Bestandsverfolgung haben wenig bis keinen Echtzeit-Prozesskontext. Sie erstellen Berichte, damit man am Ende analysieren kann, was falsch gelaufen ist“, erklärt BOX-ID-Co-Gründer und Geschäftsführer Dr. Wolfgang Vogl „Unsere Software überwacht ständig die Prozessausführung, um Fehler zu identifizieren und zu vermeiden, bevor diese überhaupt erst auftreten. Auf diese Weise verhindern wir Verschwendung entlang der gesamten Lieferkette für unsere Kunden, indem wir Echtzeitdatenströme automatisch mit den angestrebten Prozessen abgleichen. Die Reduzierung von Verlusten, Fehlmengen und fehlgeleiteten Artikeln optimiert dabei nicht nur die Verfügbarkeit, sondern hilft auch bei der Kosteneinsparung und Verbesserung des gesamten ökologischen Fußabdrucks von Lieferketten. So unterstützen wir unsere Kunden zusätzlich dabei, ihr Gesamtgeschäft umweltfreundlicher zu gestalten und tragen zum Kampf gegen den Klimawandel bei: Dementsprechend sind wir unseren Investoren sehr dankbar dafür, dass sie uns dabei unterstützen, unsere Lösung noch breiter in den Markt zu bringen.“

„Weltweit haben globale Industrie-Player mit immer stärkerem Effizienzdruck zu kämpfen. Die Digitalisierung der Lieferketten ist dabei einer der wichtigsten Transformationsfaktoren“, sagt Monika Steger, Geschäftsführerin von Bayern Kapital. „BOX ID hat mit seiner innovativen SaaS-Lösung bereits namhafte Kunden überzeugen können und ist dabei erst am Anfang der Skalierung ihres Geschäftsmodells. Deshalb unterstützen wir das Unternehmen gerne bei seinen weiteren Wachstumsschritten.“

Rabot Charge: Öko-Strom-Start-up sammelt 17,5 Mio. Euro in Series A Runde ein

Rabot Charge ist ein 2021 in Hamburg gegründeter digitaler Öko-Stromversorger, der seine Kund*innen dank flexibler Stromtarife von Marktpreisschwankungen profitieren lässt.

Die Finanzierung soll das Wachstum des 2021 von Jan Rabe und Maximilian Both gegründeten Hamburger Unternehmens Rabot Charge beschleunigen, die Entwicklung von KI-basierten Algorithmen für den Stromeinkauf an kurzfristigen Märkten vorantreiben und weitere Produktinnovationen ermöglichen.

Angeführt wird die Runde von einem der führenden Wachstumsinvestor in Europa, HV Capital. Beteiligt haben sich zudem All Iron und 9900 Capital sowie bestehende Investoren, wie yabeo Impact, HTGF und vent.io, die damit ihr Vertrauen in das Team von Rabot Charge bekräftigen. Seit der Gründung im Jahr 2021 hat Rabot Charge insgesamt 25 Millionen Euro Kapital eingesammelt.

Rabot Charge bietet deutschlandweit dynamische Stromtarife für Haushalte an – und das auch ohne die Notwendigkeit eines Smart Meters. Kund*innen profitieren nicht nur von günstigen Strompreisen, sondern können auch den Energieverbrauch mit einer intelligenten App optimieren. Mit der KI-basierten Lösung für Stromnutzung und Einkauf treibt Rabot Charge die Digitalisierung im Energiesektor wesentlich voran. Zudem bietet das Unternehmen White-Label-Lösungen für Energieversorger, Smart-Asset-Anbieter, Installationsbetriebe und andere Unternehmen mit Endkundenzugang. Sie können auf die bestehende Software und Infrastruktur zugreifen, um ihren Kunden dynamische Stromtarife unter eigenem Label anzubieten. Aktuell beschäftigt Rabot Charge rund 60 Mitarbeiter an den Standorten Berlin, Hamburg und München.

Jan Rabe, CEO von Rabot Charge: „Dynamische Stromtarife haben sich in Ländern wie Schweden oder Norwegen bereits durchgesetzt. Deutschland belegt im europäischen Vergleich die hinteren Plätze. Im Rahmen der Energiewende sind solche Tarife unverzichtbar. Sie ermöglichen, den Stromverbrauch nach preislichen und ökologischen Aspekten zu steuern. Mit Rabot Charge wollen wir die Probleme im Strommarkt lösen und unsere Vision von fairen Strompreisen und smarter Energienutzung vorantreiben.“

Innerhalb eines Jahres hat Rabot Charge nach eigenen Angaben über 35.000 Kund*innen in ganz Deutschland gewonnen. Besonders profitieren Haushalte mit Elektroautos und Wärmepumpen. Diese können auch auf Rabot Charge-App zurückgreifen. Die App informiert Nutzer*innen, wann Strom am günstigsten ist, und hilft ihnen, den Verbrauch entsprechend zu planen. Wer die App mit seinem Elektrofahrzeug koppelt, kann Ladevorgänge automatisiert starten. Einen Teil des eingesammelten Kapitals wird Rabot Charge nutzen, um eben dieses Prinzip für weitere große Energieverbraucher*innen im Haushalt und Industrie auszubauen.

Dank seines KI-basierten Algorithmus kauft Rabot Charge Strom zu günstigen Preisen auf kurzfristigen Märkten ein, darunter der Day-Ahead- und Intraday-Markt. Die auf diese Weise erzielten Einsparungen gibt das Unternehmen an seine Kund*innen weiter. Mit dieser innovativen Methode können Verbraucher*innwn ihre Stromrechnungen um mehrere hundert Euro im Jahr reduzieren und gleichzeitig ihren Grünstromanteil erhöhen.

David Kuczek, General Partner HV Capital: „Rabot Charge ist ein wichtiger Akteur in der Energiewende. Das Team hilft Verbrauchern dabei, leichter auf erneuerbare Energien ohne zusätzliche Kosten umzusteigen. Das Modell setzt auf das Stromangebot aus erneuerbaren Quellen und hilft Haushalten viel Geld zu sparen – allein in Deutschland könnten die 40 Millionen Haushalte ihre Stromausgaben um mehrere Milliarden Euro reduzieren."

Gründer*in der Woche: Beyond Emotion - die Health-Tech-Visionär*innen

Unsere Gründer*in der Woche: Das Hamburger Start-up Beyond Emotion hat eine kamerabasierte Software entwickelt, die Emotionen und Gesichtsausdrücke erkennt und so einen gesellschaftlichen Mehrwert in den Bereichen Gesundheit und häusliche Pflege bieten will.

Eine Folge des demografischen Wandels sind überfüllte Pflegeheime, fehlende Pflegekräfte und immer mehr Senior*innen, die alleine zu Hause leben. Diese Entwicklung stellt eine der größten Herausforderungen in der Gesundheits- und Pflegebranche dar. Was hier fehlt, sind innovative technologische Lösungen, die einen gesellschaftlichen Mehrwert in den Bereichen Gesundheit und Pflege liefern können. Um diesem Mangel entgegenzuwirken, gründeten die Informatiker Dr. Arne Bernin und Sobin Ghose zusammen mit Hanne Butting, einer Wirtschaftspsychologin mit tiefgehender Leidenschaft für Emotionserkennung, 2021 das Start-up Beyond Emotion.

Der innovative Ansatz von Beyond Emotion liegt in der Entwicklung einer kamerabasierten Software, die 17 verschiedene Emotionen und Gesichtsausdrücke erkennen kann. „Obwohl es bereits verschiedene Mitbewerber auf dem Markt gibt, die ebenfalls KI für die Unterstützung von Senior*innen zu Hause nutzen, ist der Einsatz von Emotionserkennung bisher einmalig“, erklärt Mitgründerin Hanne.

Ihr Produkt BEJOY ist ein digitaler Bilderrahmen, der speziell für ältere Menschen entwickelt wurde und über integrierte Funktionen zur Stimmungs- und Aktivitätserkennung verfügt. Der digitale Bilderrahmen ist über die dazugehörige Smartphone-App mit den Angehörigen verbunden. Dadurch wird es möglich, Fotos direkt via Bilderrahmen zu teilen.

Der digitale Bilderrahmen kann aber nicht nur Fotos empfangen und anzeigen, sondern den Angehörigen auch wichtige Informationen über die Aktivitäten und Stimmungen der zu pflegenden Personen liefern. „Er bietet Echtzeit-Informationen über das Wohlbefinden der Senior*innen und schafft so ein zusätzliches Maß an Sicherheit und Entlastung für pflegende Angehörige“, erklärt Hanne. Der Bilderrahmen löst eine Benachrichtigung über die App aus, wenn negative Emotionen erkannt werden. Die Angehörigen können daraufhin zum Beispiel anrufen und direkt nachfragen.

Die Basis: 18 Jahre Forschungserfahrung

Die Ausgründung aus der Hochschule für Angewandte Wissenschaften in Hamburg war das Ergebnis einer langen und gründlichen Forschungsphase von Arne und Sobin. Die Entwicklung von BEJOY wurde durch die individuellen Forschungs- und Berufserfahrungen des Gründungsteams stark beeinflusst. Insbesondere die Projekte „Affective Computing“ und „EmotionBike“, an denen Arne und Sobin beteiligt waren, sowie die intensive Auseinandersetzung mit den Belastungen pflegender Angehöriger von Demenzerkrankten durch Hanne, trugen zur Sensibilisierung des Teams für die Herausforderungen und Bedürfnisse in der Gesundheits- und Pflegebranche bei. Insgesamt flossen vorab mehr als 18 Jahre Forschungserfahrung der Mitgründer*innen in die Entwicklung ein.

Mithilfe des EXIST-Gründerstipendiums konnten dann notwendige Ressourcen und Expertise mobilisiert und die Entwicklungsarbeit ohne Verzögerungen angegangen werden. „Diese Unterstützung war schlussendlich der Kataly­sator für die Entwicklung der künstlichen Intelligenz, die 17 verschiedene Emotionen und Gesichtsausdrücke kamera­basiert zuverlässig erkennt“, so Mitgründer Sobin.

Die Finanzierung durch verschiedene Förderprogramme sowie die Unterstützung durch Venture Capital bildeten ein solides Fundament für die Realisierung des Gründungsvorhabens. „Trotz der Herausforderungen, gerade in der Anfangsphase genügend Finanzierungen für unser Vorhaben zu sichern, war die Ausweitung des Teams ein mutiger Schritt, um unsere gemeinsame Vision zu verwirklichen“, sagt Hanne. „Dank der unterschiedlichen Fähigkeiten und Kenntnisse jedes Teammitglieds, konnten wir kontinuierlich wachsen, ein innovatives Produkt entwickeln und unseren Beitrag leisten, um dem demografischen Wandel gewachsen zu sein.“

Zertifizierung und EU-Markt im Visier

Um das Produkt mittelfristig noch attraktiver für potenzielle Nutzer*innen zu gestalten, strebt das Team 2024 eine DiPA-Zertifizierung an. „Das würde bedeuten, dass die monatlichen Gebühren für BEJOY von den Pflegekassen übernommen werden würden. Ein gewaltiger Schritt, der die Legitimität des Produktes definitiv steigern würde und eine große Hilfe für pflegende Angehörige wäre“, erklärt Arne. Darüber hinaus plant das Unternehmen, BEJOY im Jahr 2025 im EU-Markt zu lancieren und durch die Einführung neuer Features wie Videotelefonie kontinuierlich weiterzuentwickeln.

Pilotprojekte, wie die Zusammenarbeit mit einer großen Fachklinik für Psychiatrie zur Validierung der Behandlungsqualität bei depressiven Patient*innen, unterstreichen das Engagement von Beyond Emotion, die Lebensqualität von Menschen zu verbessern und den gesellschaftlichen Mehrwert von KI im Gesundheitswesen hervorzuheben. „Der B2B-Markt, insbesondere im Bereich der Seniorenheime und des betreuten Wohnens, birgt ein enormes Potenzial für den Einsatz unserer Software, den wir ebenfalls noch angehen wollen. BEJOY kann dabei unterstützen, das Wohlbefinden der Bewohner*innen besser zu verstehen und unterstützt die Pflegekräfte darin, zeitnah auf ihre emotionalen Bedürfnisse einzugehen“, so Hanne.

So vielseitig einsetzbar die Emotionserkennung ist, so schwierig war es anfangs, den richtigen Use Case zu finden. „Eines der wichtigsten Learnings war es, einen klaren Anwendungsfall für unsere Technologie zu identifizieren, bevor wir uns in die Entwicklung stürzten“, so Hanne. „Anfangs standen wir vor einem Meer von Möglichkeiten, was zu einem längeren Prozess führte, bis wir BEJOY entwickeln konnten. Durch die Ausrichtung auf einen konkreten Use Case haben wir uns darauf konzentriert, ein Produkt mit einem echten gesellschaftlichen Mehrwert zu schaffen.“

Datenschutz als zentraler Aspekt

Auch das Thema Datenschutz ist ein zentraler Aspekt, insbesondere in Bereichen wie Gesundheit und Pflege. „Bei Beyond Emotion haben wir den Datenschutz ernst genommen und ihn zu einer unserer höchsten Prioritäten gemacht. Um ein höheres Maß an Datenschutz zu gewährleisten, nutzen wir Edge Computing“, so Hanne. Edge Computing ermöglicht es, direkt auf dem Gerät des Nutzenden die Bilddaten auszuwerten, anstatt die Bilddaten an einen entfernten Server zu senden. „Ich bin stolz, darauf, dass meine Kollegen die KI-Modelle so performant gestalten konnten, dass – wo andere Serverfarmen brauchen – für uns ein Tablet ausreicht, um die Bilddaten zu verarbeiten. Wir haben es geschafft, dass die Bilddaten ausschließlich auf dem Bilderrahmen ausgewertet werden. Lediglich das Ergebnis der Analyse ,Hans geht es gut‘, wird an die Angehörigen geschickt“, ergänzt Hanne.

Das bedeutet, dass die gesamte Verarbeitung der für die Emotionserkennung benötigten Daten lokal auf dem Gerät des Nutzenden durchgeführt wird, und keine sensiblen Bilddaten über das Netzwerk gesendet oder auf entfernten Servern gespeichert werden. Dadurch wird das Risiko eines Datenverlusts oder -diebstahls deutlich minimiert.

Die Reise in den Gesundheits- und Pflegesektor war laut der Gründer*innen keineswegs einfach, aber die positive Wirkung, die ihr Produkt auf das Leben von älteren Menschen und ihren Angehörigen hat, habe sich als äußerst belohnend erwiesen. „Unsere Erfahrungen haben uns gezeigt, dass der Bedarf an Technologien, die sowohl effektiv als auch ethisch sind, groß ist. Wir sind begeistert von den vielfältigen Anfragen aus verschiedenen Sektoren, die die breite Anwendbarkeit und das Potenzial unserer Emotionserkennung zeigen“, so Hanne Butting abschließend.

Mondu: B2B-FinTech sichert sich 30. Mio. Euro Fremdfinanzierung

Mondu wurde 2021 von Malte Huffmann, Philipp Povel und Gil Danziger mit dem Ziel gegründet, den Zahlungsverkehr im B2B-Bereich zu vereinfachen. Das frische Kapital soll zur weiteren Expansion verwendet werden.

Im Oktober 2022 sicherte sich Mondu bereits 20 Millionen Euro von der VVRB. Mit der Erweiterung des Darlehens erhöht sich die Gesamtfinanzierung durch die VVRB für Mondu nun auf 50 Millionen Euro. Seit seiner Gründung im Oktober 2021 hat Mondu insgesamt mehr als 120 Millionen US-Dollar an Eigen- und Fremdkapital von verschiedenen Investor*innen erhalten.

Philipp Povel, Co-Gründer und Co-CEO von Mondu, erklärt: „Diese Finanzierung wird unsere europäische Expansion weiter vorantreiben und es uns ermöglichen, die Expansion auf dem gesamten europäischen Markt auszuweiten sowie zusätzliche Zahlungslösungen zum Vorteil unserer Geschäftskunden zu entwickeln. Dieser Schritt stärkt unser Engagement für Innovation und Wertsteigerung im B2B-BNPL-Ökosystem weiter. Wir sind dankbar für das anhaltende Vertrauen und die Unterstützung der VVRB und freuen uns über die Vertiefung unserer Partnerschaft.“

Ralf Magerkurth, CEO von VVRB, fügt hinzu: „Aufbauend auf dem Erfolg unserer Zusammenarbeit in Deutschland und Österreich sind wir weiterhin fest von Mondus Geschäftsmodell und dessen Wachstumspotenzial überzeugt. Unser Engagement wird zukünftig über Deutschland und Österreich hinausgehen, denn wir werden nun die Expansion in weitere europäische Länder unterstützen. Dieser Schritt ist Zeichen unseres Vertrauens in die Vision und Fähigkeiten von Mondu. Wir sind stolz darauf, Mondu auf dem Weg zur Neugestaltung der Branche in ganz Europa zu unterstützen.“

2023 war ein bedeutendes Wachstumsjahr für Mondu. Das Unternehmen arbeitet mit führenden Einzelhändlern, Großhändlern und B2B-Marktplätzen in Europa zusammen. Mondu eröffnete Büros in Amsterdam und London und registrierte sich erfolgreich bei der britischen Finanzaufsichtsbehörde (Financial Conduct Authority). Mittlerweile stellt Mondu seine Zahlungsmöglichkeiten mehr als 25 britischen Händlern zur Verfügung. Neben Großbritannien steht Mondu auch Händlern in Deutschland, Österreich und den Niederlanden sowie Käufern in Belgien und Frankreich zur Verfügung.

Mondu hat einen digitalen Trade Account eingeführt, der die Abwicklung regelmäßiger Einkäufe vereinfacht, indem Kunden wiederkehrende Einkäufe in einer Abrechnung zusammenfassen und diese später bezahlen können. Darüber hinaus hat Mondu seine BNPL-Produkte erweitert, um nicht nur typische Online-B2B-Käufe abzuwickeln, sondern auch flexible Zahlungen im Außendienst, im Televerkauf oder bei E-Mail-Bestellungen anzubieten. Darüber hinaus wurden eine Reihe von Kooperationen zur weiteren Steigerung des Kundenwachstums ins Leben gerufen, u.a. Partnerschaften mit dem britischen Zahlungsspezialisten Acquired.com, der führenden Composable-Commerce-Plattform Spryker und MangoPay, einem Anbieter für modulare und flexible Zahlungen auf Marktplätzen und Plattformen.

GovTech-Start-up Locaboo sichert sich 1,2 Mio. Euro

Das 2021 von Michael Loy und Andreas Michel gegründete Locaboo erhält eine Seed-Finanzierung in Höhe von 1,2 Mio. Euro unter Führung von SCALEHOUSE Capital sowie VENTIS.

Das 2021 in München gegründete GovTech-Start-up Locaboo bietet eine Cloud-Lösung zur digitalen Verwaltung und Buchung öffentlicher Räume, Sportplätze und Veranstaltungsflächen. Die Software steigert die Effizienz und Nachhaltigkeit der Ressourcennutzung und unterstützt die Datenbasis für zukünftige Stadtentwicklung.

Mitgründer und Geschäftsführer von Locaboo, Andreas Michel, betont: "Mit Unterstützung unserer Investoren wollen wir unsere Marktposition weiter ausbauen und ein unverzichtbarer Partner für Städte und Kommunen sein. Damit ermöglichen wir nicht nur Effizienzsteigerungen, sondern auch die Grundlage für eine nachhaltige und zukunftsorientierte Stadtverwaltung."

Trotz kontinuierlicher Profitabilität seit der Gründung 2021 hat sich Locaboo dazu entschieden, den Bootstrap-Modus zu verlassen. Das Start-up verzeichnet nach eigenen Angaben bereits siebenstellige Jahresumsätze und ein organisches, bisher rein durch Einnahmen finanziertes Wachstum. Der nun erfolgte strategische Schritt soll dazu dienen, die vielversprechenden Potenziale im öffentlichen Sektor in Europa auszuschöpfen. Gleichzeitig soll das Team von aktuell 12 Mitarbeitenden gezielt ausgebaut und die Marktdurchdringung in der DACH-Region gestärkt werden.

Michael Loy und Andreas Michel gründeten Locaboo im August 2021. Während seiner IT-Ausbildung in einer Kreisstadt erkannte Loy, dass die Verwaltungsprozesse kommunal genutzter Gebäude und Liegenschaften unterdigitalisiert waren. Deutschland rangiert laut dem UN E-Government-Index lediglich auf Platz 25 hinsichtlich des Digitalisierungsgrades der Verwaltung.  Auch von den selbstgesteckten Zielen ist Deutschland noch weit entfernt. Jedes siebte digitalpolitische Vorhaben für diese Legislatur wurde noch nicht angegangen. Stand Januar 2024 sind erst 60 der insgesamt 334 Initiativen von der Bundesregierung umgesetzt worden.

Jesse Jeng, Gründer von SCALEHOUSE Capital, unterstreicht: "Locaboos Fähigkeit, effiziente Lösungen für komplexe Verwaltungsaufgaben bereitzustellen, hat uns beeindruckt. Sie haben das Potenzial, eine führende Rolle in der Digitalisierung des öffentlichen Sektors einzunehmen."

Mit Blick auf die derzeit angespannte Lage für Jungunternehmen hebt Investor Christoph Sagemann, Geschäftsführer von VENTIS, hervor: "Die Kapitaleffizienz und das starke Wachstum von Locaboo haben uns überzeugt. Wir freuen uns, das Team auf ihrem Weg zu unterstützen."

Große Städte wie Ludwigsburg, Bayreuth, München und Coburg unterstützt Locaboo bereits beim digitalen Ressourcen-Management. Mit dem frisch eingesammelten Kapital plant das Münchner Unternehmen für 2024 und darüber hinaus weitere erfolgreiche Partnerschaften. Gleichzeitig arbeitet das Team auch künftig daran, die innovative Cloud-Lösung weiterzuentwickeln und eine noch tiefere Integration in die Prozesslandschaft von Städten und Kommunen zu gewährleisten.

Studie: Generative KI in der europäischen Start-up Landscape

Die erste Studie über den Status Quo von generativer KI in europäischen KI-Start-ups zeigt, dass sie ‌unter mangelnder Finanzierung leiden. Hier alle Ergebnisse im Überblick.

Das gemeinnützige appliedAI Institute for Europe veröffentlicht die erste Studie über den Status Quo von generativer KI in europäischen KI-Start-ups. Befragt wurden 95 Start-ups aus diesem Bereich zur Entwicklung von generativer KI sowie zu ihren Herausforderungen im internationalen Wettbewerb.

Die Ergebnisse unterstreichen die dringende Notwendigkeit, die Rahmenbedingungen für KI-Start-ups zu verbessern und damit die Wettbewerbsfähigkeit Europas erheblich zu stärken.

  • Insgesamt gibt es etwa 6.300 KI-Start-ups in der EU, davon sind 669 aus dem generativen KI-Bereich
  • Die meisten generativen KI-Start-ups kommen aus Deutschland (19,9 Prozent)
  • Das Funding generativer KI-Start-ups aus Europa beläuft sich auf bisher insgesamt 2,37 Mrd. Euro
  • Die größten Herausforderungen der Start-ups sind Finanzierung, Regulierung und Rechenkapazität

Die Start-ups wurden unter anderem zu Bereichen wie Finanzierung, spezifischen Tätigkeitsfeldern, Größe sowie ihren individuellen Herausforderungen als generatives KI-Startup in Europa befragt. Aus den zum Teil alarmierenden Ergebnissen leitet das appliedAI Institute for Europe wegweisende Handlungsempfehlungen für Politik und Wirtschaft ab.

Wesentliche Erkenntnisse der Studie sind, die Investitionen in diesem Bereich voranzutreiben und eu­ropäische Start-ups dabei zu unterstützen, die Entwicklung von generativer KI in Europa zu beschleunigen. Denn diese Technologie hebt die Effizienz und Produktivität entlang der gesamten Wertschöpfungskette auf ein neues Niveau. Europäische KI-Start-ups sind dabei unverzichtbar. Sie haben das Potenzial, die nächste Generation von generativen KI-Modellen zu entwickeln, die europäischen Werten entsprechen.

Die wichtigsten Ergebnisse im Überblick

Fokusfelder der generativen KI-Start-ups in Europa

Aktuell arbeiten 31 Prozent der 95 Start-ups an der Entwicklung sogenannter Basismodelle. 41,6 Prozent konzentrieren sich auf die Bereitstellung von Entwicklungstools und Infrastruktur für generative KI-Modelle. Zusätzlich entwickeln 62,9 Prozent Downstream-Anwendungen auf Grundlage bestehender Basismodelle. „Downstream” bezeichnet hier eine nachgelagerte Phase und bezieht sich auf die Anwendbarkeit und Erledigung spezifischer Aufgaben, die auf den Ergebnissen von KI-Modellen aufbauen. (Bei der Beantwortung waren Mehrfachnennungen möglich.)

Etwa die Hälfte der befragten Start-ups (52,6 Prozent) fokussiert sich speziell auf einzelne Schichten des Technologie-Stacks, während 47,4 Prozent in mindestens zwei Schichten des Technologie-Stacks aktiv sind.

Die größten Herausforderungen für generative KI-Start-ups (Mehrfachnennungen möglich):

  • Mangelnde Finanzierung (51 %)
  • Regulierung (24 %)
  • Begrenzte Verfügbarkeit von Rechenleistung (19 %)
  • Mangel an qualifizierten Fachkräften (18 %)
  • Zugang zu hochwertigen Daten (17 %)
  • Faire Wettbewerbsbedingungen (14 %)
  • Sonstige regulatorisch-gesetzliche Aspekte (z. B. IP) (10 %)
  • Sicherheit (5 %)
  • Sonstige (11 %)
  • Externe Faktoren nehmen Start-ups Handlungsspielraum

Die Frage nach den Herausforderungen der Start-ups ist ein zentraler Teil dieser Studie. Mangelnde Finanzierung, die Regulierung in der EU sowie die begrenzte Verfügbarkeit von Rechenleistung sind dabei die drei Bereiche, welche die Start-ups am stärksten beeinflussen und in denen dringender Handlungsbedarf besteht.

Es mangelt an finanzieller Unterstützung

Investitionen in generative KI sind unerlässlich für die europäische Wirtschaft und Wettbewerbsfähigkeit. Sie führen zu einem erhöhten Maß an Unternehmertum, gesteigerter Produktivität und einer zukunftsorientierten Wirtschaft, welche die Entwicklung generativer KI aktiv mitgestaltet. Start-ups fungieren dabei als wirtschaftlicher Katalysator.

Etwa die Hälfte (51 Prozent) der befragten Start-ups gab an, dass ihre größte Herausforderung in der Finanzierung bzw. dem Funding liegt, insbesondere im Vergleich zu den USA und China. Den Daten zufolge haben europäische generative KI-Start-ups bisher nur rund 2,37 Mrd. Euro an Finanzmitteln gesammelt. Im Gegensatz dazu haben allein zwei Player aus den USA, OpenAI und Anthropic, bis Dezember 2023 bereits über 14 Milliarden Euro an Finanzierung erhalten. Allein diese beiden außereuropäischen KI-Start-ups haben sechsmal so viel Geld erhalten wie alle rund 669 generativen KI-Start-ups in der EU zusammen.

Die Zurückhaltung in europäische generative KI-Startups zu investieren, ist groß. Eine mangelnde Finanzierung erschwert allerdings das unerlässliche, aber kostenintensive Modelltraining enorm. Dies führt zu einem bedeutenden Wettbewerbsnachteil auf internationaler Ebene.

Start-ups zwischen Unsicherheit und Relevanz von Regulierung

24 Prozent der 95 Start-ups äußerten Bedenken aufgrund anstehender regulatorischer Maßnahmen, die teilweise als übermäßig komplex und restriktiv empfunden werden. Diese Umstände erzeugen Unsicherheit unter den Start-ups. Zusätzlich werden das bürokratisch geprägte Verwaltungsverfahren in Europa und die Frage des Urheberrechts als Wettbewerbsnachteil wahrgenommen.

Trotz dieser Herausforderungen betonen zahlreiche Start-ups die Relevanz von einheitlichen Vorschriften im Rahmen des EU AI Acts. Diese sollen die europäischen Werte sowie die Gesellschaft schützen.

Eingeschränkte Rechenleistung als Bottleneck

Die Daten zeigen, dass etwa die Hälfte (51,6 Prozent) der europäischen Start-ups im Bereich generative KI den Zugang zu den Supercomputern der European High-Performance Computing Joint Undertaking nutzen möchte, um ihre Modelle zu trainieren. Das EuroHPC JU ist eine Einrichtung von europäischen Staaten und privaten Partnern, die darauf abzielt, die Hochleistungsrechenkapazitäten in der EU voran­zutreiben. Die andere Hälfte der Befragten (48,4 Prozent) ist allerdings der Ansicht, dass ein solcher Zugang keinen nennenswerten Mehrwert für ihr Startup bringen würde.

Die begrenzte Verfügbarkeit von Rechenleistung wird von 18 Prozent der Start-ups als Herausforderung gesehen. Die eingeschränkte Verfügbarkeit in Europa sowie die hohen Kosten für Grafikprozessoren (GPU) und die Nutzung von Cloud-Services bringen Startups erhebliche Wettbewerbsnachteile im Vergleich mit außereuropäischen Start-ups. Dies resultiert auch aus einem generellen Mangel an Cloud-Anbietern in Europa.

Dr. Frauke Goll, Managing Director des appliedAI Institute for Europe, kommentiert die Ergebnisse der Studie: „Generative KI-Start-ups sind an der Spitze neuer technologischer Entwicklungen und treiben Europas Wettbewerbsfähigkeit und Innovationskraft voran. Um sicherzustellen, dass Europa eine aktive Rolle bei der Gestaltung und Entwicklung generativer KI spielt, ist daher unverzügliches Handeln notwendig. Andernfalls werden wir nur vom Spielfeldrand zusehen.“

Fünf Handlungsfelder zur Stärkung der generativen KI-Landschaft in Europa

Basierend auf der Analyse des europäischen Ökosystems für generative KI-Start-ups ergeben sich verschiedene Handlungsfelder, um die Entwicklung von generativer KI „Made in Europe“ zu schützen und zu beschleunigen.

1. Vertrauen in generative KI stärken

Vertrauen ist ein wichtiger Schlüssel, um das europäische Ökosystem zu stärken. Ohne Vertrauen sind Unternehmen nicht bereit, kritische Daten und interne Dokumente für das Training von KI-Modellen zur Verfügung zu stellen. Es ist wichtig, dass Unternehmen Vertrauen in generative KI-Lösungen aufbauen. Jedoch muss ebenfalls sichergestellt werden, dass diese Lösungen das Vertrauen auch verdienen.

2. Finanzierung für Risikokapitalgeber attraktiver gestalten

Im Vergleich zu den USA oder China hinken die EU-Länder bei der Finanzierung durch Risikokapitalgeber erheblich hinterher. Um dieses Problem anzugehen, bedarf es eines umfassenden Ansatzes, der die Zusammenarbeit zwischen Investoren, politischen Entscheidungsträgern und dem Startup-Ökosystem fördert. Dazu gehört auch ein verstärktes „Matchmaking“ zwischen europäischen KI-Start-ups und international agierenden Investoren.

3. Europäische Wertschöpfung ankurbeln

46 Prozent der generativen KI-Start-ups, die Bedenken gegenüber der Nutzung von EuroHPC JU äußerten, argumentieren, dass dies auf die Verwendung vergleichsweise kleiner Modellgrößen oder den Einsatz von vortrainierten Modellen zurückzuführen ist.  Die Nutzung vortrainierter Modelle kann die Kosten senken, da Start-ups die Grundmodelle nicht selbst erstellen und trainieren müssen. Allerdings werden diese Dienste hauptsächlich von Technologieunternehmen aus den USA angeboten. Dies bedeutet, dass europäische generative KI-Start-ups, die diese benötigen, mehrheitlich auch an außereuropäische Technologieunternehmen gebunden sind. Es muss daran gearbeitet werden, Europa als Arbeitsstandort attraktiver zu gestalten, damit die generative KI-Wertschöpfung in Europa und nicht in den USA oder China stattfindet.

4. Zugang zu hochwertigen Daten erleichtern

Generative KI-Start-ups in Europa stehen bei der Datenbeschaffung vor besonderen Herausforderungen, da sie, wie beschrieben, größtenteils von US-amerikanischen Anbietern abhängig sind. Zudem besteht Rechtsunsicherheit in Bezug auf personenbezogene Daten. Zusätzlich sind Daten in den europäischen Sprachen insgesamt nur begrenzt verfügbar. Dies erschwert den Zugang zu großen, hochwertigen Datensätzen für europäische Unternehmen. Es braucht Maßnahmen wie die Bereitstellung des Zugangs zu Datensätzen und die Schaffung eines Umfelds, in dem Startups und weitere Branchenteilnehmer Daten austauschen und gemeinsam experimentieren können.

5. Fragmentierung vermeiden und vorhandene Expertise nutzen

Die Verbindung zwischen verschiedenen europäischen Akteuren muss gestärkt werden, um eine Fragmentierung zu vermeiden und von der Expertise eines jeden Landes zu profitieren. Dazu müssen weitere Möglichkeiten für Start-ups und Investoren aus verschiedenen Ökosystemen geschaffen werden, um auf europäischer Ebene gezielt zusammenzuarbeiten. Daher ruft das appliedAI Institute for Europe weitere EU-Länder auf, verstärkt zusammenzuarbeiten und sich der European AI Startup Landscape anzuschließen, um das europäische KI-Ökosystem zu erweitern.

Den Anschluss nicht verlieren

„Das globale KI-Wettrennen ist in vollem Gange und Europa muss eine aktive und führende Rolle bei der Gestaltung der Zukunft übernehmen. Akteure aus den USA und China können unter wesentlich günstigeren Bedingungen arbeiten. Diese Umstände erschweren es europäischen generativen KI-Start-ups erheblich, mit stark finanzierten Unternehmen aus den USA zu konkurrieren. Die ungleichen Wettbewerbsbedingungen stellen ein Hemmnis für Wachstum und Erfolg auf dem Markt dar und erfordern enorme Anstrengungen und Ressourcen”, so Dr. Andreas Liebl, Managing Director des appliedAI Institute for Europe.

„KI-Start-ups sind ein wesentlicher Beschleuniger für die Innovationskraft in Europa. Daher ist es entscheidend, dass sie ein unterstützendes Ökosystem sowie attraktive Rahmenbedingungen vorfinden, damit sie nicht ins außereuropäische Ausland abwandern“, ergänzt, Dr. Goll. „Mit unserer Vision eines Open-Access Accelerators für Trustworthy AI tragen wir mit unseren Partnern dazu bei, das KI-Start-up-Ökosystem zu gestalten. Unsere Handlungsempfehlungen dienen dabei als Impuls für den weiteren Dialog mit Wirtschaft, Start-ups und öffentlicher Hand.”

Zur Methodik: Basis der Datenerhebung waren ca. 1.170 KI-Start-ups, die im Rahmen der European AI Startup Landscape in den beteiligten EU-Länder identifiziert wurden. Diese KI-Start-ups wurden auf der Grundlage von Kriterien wie Daten, Fachkräfte, KI-Methoden, Skalierbarkeit und Gesamtqualität identifiziert. Zur Aufschlüsselung von generativen KI-Start-ups wurde ein KI-basiertes Klassifizierungssystem entwickelt und von zwei unabhängigen KI-Experten*innen validiert.

Die Studie (n=95) verwendete ein Querschnittsdesign. Jedes generative KI-Startup wurde durch Expert*innen der jeweiligen KI-Partnerinitiative im Zielland kontaktiert. Die Teilnahme erfolgte nur auf Einladung über verschiedene Kanäle. Die Datensammlung dauerte vier Wochen (23.10.2023 - 17.11.2023) und erfolgte in englischer Sprache. In der Umfrage wurden sowohl quantitative als auch qualitative Daten über die europäische generative KI-Landschaft erhoben.

Europas Top-50-Tech-Start-ups gekürt: 10 deutsche mit Unicorn-Potenzial

Das ist die Top-50-Liste der am schnellsten wachsenden, wagniskapitalfinanzierten Tech-Unternehmen in Europa. 10 deutsche Start-ups mit Unicorn-Potenzial sind im Ranking von TechTour Growth dabei.

Zum neunten Mal in Folge haben mehr als 90 namhafte Wachstumskapitalgeber im Rahmen der TechTour Growth die Top-50-Liste der am schnellsten wachsenden, wagniskapitalfinanzierten Tech-Unternehmen in Europa identifiziert – allesamt mit Bewertungen bereits jenseits der 100 Mio. Euro und dem Potenzial, zu „Unicorns“ (Bewertung von über 1 Mrd. Euro) zu avancieren. Deutschland nimmt in diesem Jahr mit 10 Unternehmen auf der Top 50-Liste gemeinsam mit Großbritannien den Spitzenplatz ein. Danach folgt Frankreich mit sieben Unternehmen.

Insgesamt haben die 10 deutschen Start-ups in der Liste bis Ende 2023 1,6 Mrd. Euro an Investorengeldern eingeworben. Besonders stark vertreten sind deutsche Unternehmen aus dem Bereich erneuerbare Energien und Nachhaltigkeit: Unter den fünf von 15 Unternehmen befindet sich u.a. die Energiespeicher-Firma CMBlu und das Wasserstoff-Speicherungs- und -Transportunternehmen Hydrogenious.

Die deutschen Unternehmen unter den Top 50 sind:

  • Aleph Alpha
  • Amboss
  • CMBlu
  • Hydrogenious
  • Isar Aerospace Technologies
  • Kaja Health
  • Marvel Fusion
  • Numbat
  • Resolve Biosciences
  • Twaice

Über TechTour

TechTour ist eine paneuropäische Plattform, die Wachstumsunternehmen aus dem High-Tech-Bereich mit Investoren weltweit zusammenbringt (www.techtour.com). In ihrem Rahmen haben über 90 Investoren in den letzten Monaten rund 300 privat finanzierte, later-stage Technologieunternehmen aus Europa mit einer Bewertung von derzeit noch unter 1 Mrd. US-Dollar analysiert und anschließend die 50 Kandidaten mit der stärksten Wachstumsdynamik und dem größten Einfluss auf ihre jeweilige Branche ausgewählt.

Kapitalbeschaffung unter ungewohnt schwierigen Bedingungen

Laut TechTour-Analysen haben die Growth50-Unternehmen in den vergangenen sechs investitionsstarken Jahren beeindruckende 6,7 Mrd. Euro [oder durchschnittlich 133,8 Mio. Euro pro Unternehmen] einwerben können, davon 40 % allein in den letzten 12 Monaten.

Hier allerdings ist das Bild durch einige spektakuläre Finanzierungsrunden verfälscht, erläutert Falk Müller-Veerse, Mitglied im Auswahlkomitee der TechTour: „Von den rund 2,7 Mrd. Euro hat allein schon der deutsche KI-Spezialist Aleph Alpha im letzten Jahr 486 Mio. Euro eingesammelt, das Team von Isar Aerospace Technologies hat immerhin gut 155 Mio. Euro einwerben können. Insgesamt hat sich das Fundraising-Umfeld 2023 aber deutlich verschlechtert.“

So sei die Gesamtinvestitionssumme im Laufe des Jahres 2023 weltweit, einschließlich Europa, um 40 % auf 285 Mrd. USD zurückgegangen. „Die Finanzierung durch Wagniskapital lag im vergangenen Jahr auf dem niedrigsten Stand in sechs vergleichsweise guten Jahren, für viele Start-ups und Scale-ups war es ungewohnt schwierig, Investments für ihr Wachstum zu beschaffen,“ so Müller-Veerse.

„Tatsächlich haben viele Gründer jetzt erstmals die Erfahrung gemacht, dass die Fähigkeit zur Kapitalbeschaffung ein echter Wettbewerbsvorteil sein kann.“ Immerhin gäbe es auch weiterhin echte Erfolgs-Stories: „Aleph Alpha etwa ist ein hervorragendes Beispiel für deutsches Unternehmertum. Die Entwicklung fand weitgehend unterhalb des Radars der Öffentlichkeit statt und das Team hat gewartet, bis der Markt bereit war, diese Art von Technologie zu akzeptieren,“ kommentiert Müller-Veerse.

Hier fließt am meisten Kapital

Grundsätzlich ziehen europaweit alle Technologiebereiche gleichermaßen beträchtliche Investitionen an - die durchschnittliche Finanzierungshöhe der Growth50-Unternehmen in den Bereichen Gesundheit, Nachhaltigkeit und Digitaltechnik unterscheidet sich nicht wesentlich. In den letzten sechs Jahren haben die Unternehmen im Bereich Digitales durchschnittlich 151 Mio. EUR eingesammelt, im Bereich Gesundheit sind es 124 Mio. EUR und im Bereich Nachhaltigkeit 109 Mio. EUR. Dies zeigt, dass Wachstumsinvestitionen inzwischen in alle Technologiebereiche fließen, vor allem in Bereiche im DeepTech- und Sustainability-Umfeld, Quantencomputing, Photonik, neue Raumfahrt, KI, Gesundheit, grüne Energie, Fusion- oder Klimatechnologie.

Deutschland nach Großbritannien Spitzenreiter in Europa

Das Vereinigte Königreich, Deutschland und Frankreich schneiden gut ab: Das Vereinigte Königreich führt erneut die Liste der Growth50-Unternehmen mit 12 Vertretern an, gefolgt von Deutschland mit zehn Unternehmen und Frankreich mit sieben. Auch die Schweiz und Finnland stehen im Verhältnis zu ihrer wirtschaftlichen Größe mit jeweils vier Unternehmen gut da.

Wachstumsinvestoren sind in der EU immer noch Mangelware: 49 % der geschätzten Zahl der Growth50-Investoren befinden sich außerhalb der EU und 34 % außerhalb Europas, hauptsächlich in den USA (24 %). Staatliche Investoren aus der EU, wie der Europäische Innovationsrat (EIC), fungieren jedoch zunehmend als Cornerstone-Investoren: 5 von 6 Investoren, die 4 oder mehr Unternehmen auf der Liste unterstützen, sind staatliche Investoren, wobei der EIC mit 17 Unternehmen auf der Liste der 50 Unternehmen weit vorne liegt.

Ungleichgewicht zwischen den Geschlechtern bleibt bestehen

Trotz der großen öffentlichen Debatte und Sensibilisierung für die Geschlechtervielfalt sind nur 13 % der Gründer und Führungskräfte in den Growth50-Unternehmen Frauen. Positiv zu vermerken ist, dass nur 1 von 10 Unternehmern bereits in Serie gegründet haben. „Es sind also nicht immer die gleichen Player, sondern wir sehen hier laufend neue Gesichter und Gründer-Stories, denn es geht nicht mehr nur um neue Geschäftsmodelle, sondern vielfach um wirklich bahnbrechende technologisch Innovationen,“ so Müller-Veerse.

State of Mobile Report 2024: TikToks Siegeszug und die dt. Spiel- und Shoppinglust

Zum Jahresbeginn veröffentlicht die Plattform für Mobile Analytics data.ai (vormals App Annie) ihren „State of Mobile Report 2024“, der die globale App-Economy untersucht. Hier die spannenden Ergebnisse.

Neben der üblichen Top-Kategorie „Games“ traten im letzten Jahr vor allem Kurzvideo- und Social-Media-Apps in den Vordergrund. Die Monetarisierungsmaßnahmen des chinesischen Social-Media-Kanals TikTok trugen Früchte und katapultierten die Shortvideo-Plattform auf den Top-Rang bei den Konsumausgaben der User*innen. Lediglich hinsichtlich der aktiven App-Nutzer*innen lagen hierzulande die etablierten Angebote aus dem Hause Meta vorne. Im Jahr 2023 wurden weltweit fast 490.000 Apps pro Minute heruntergeladen, ein neuer beeindruckender Höchststand.

Mit TEMU auf Platz 1 der deutschen Downloads 2023 wird auch in Deutschland der Einfluss chinesischer Shopping-Apps deutlich. Zudem wuchs das Interesse an Reise- und Event-Apps nach den Pandemiejahren – nicht zuletzt durch die Konzerthighlights von Taylor Swift und Beyoncé. Data.ai präsentiert in seinem Bericht detaillierte Einblicke in die verschiedenen Zweige der mobilen Ökonomie und beleuchtet Trends und Entwicklungen, die die Branche prägten und weiter prägen werden.

TikTok triumphiert und ermöglicht neue Monetarisierung

Im Bereich der Social-Media-Anwendungen ist die Zahl der monatlich aktiven User*innen in Deutschland 2023 bei fast allen Applikationen gewachsen. Besonders beliebt waren dabei Kurzvideos und Diskussionsplattformen. Nur Microblogging-Dienste wie X, ehemals Twitter, haben im vergangenen Jahr Nutzer*innen verloren. Im Vergleich zum Vorjahr sind die deutschen Nutzungszahlen von Kurzvideo-Apps um 3,2 Millionen gestiegen. TikTok schaffte es als erste Non-Gaming-App, die 10-Milliarden-Dollar-Grenze bei den weltweiten Verbraucherausgaben zu überschreiten. Theodore Krantz, Chief Executive Officer von data.ai, ist sich sicher: „2024 wird TikTok die Spiele-Giganten überholen und sich die Position als umsatzstärkste App der Geschichte sichern.“

Hierzulande ist der Konkurrent Instagram jedoch noch immer relevanter als die chinesische Videounterhaltungsplattform. Was die monatliche Nutzung angeht, belegten die drei Meta-Angebote WhatsApp, Facebook und Instagram die ersten Ränge der hiesigen Jahrescharts. Während Instagram in den USA bei den Werbeausgaben 2023 weit oben mitspielte, liegt im nationalen Wettbewerb um die beste Monetarisierung weiterhin TikTok vorne. Besonders die neu eingeführte „Tips“-Option katapultierte TikTok an die Spitze. Meta könnte mit einem ähnlichen Modell 2024 nachziehen.