Studie: Start-up ist (fast) Männersache


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Die Analyse der Technischen Universität München (TUM) zeigt u.a.: Nur rund drei Prozent der untersuchten deutschen Start-ups wurden bzw. werden von weiblichen Teams oder einzelnen Frauen gegründet.

Eine Studie der Technischen Universität München (TUM) in Zusammenarbeit mit der Roland Berger Stiftung für europäische Unternehmensführung zeigt das Ausmaß der Geschlechter-Ungleichheit in jungen Unternehmen. Frauen sind in deutschen und französischen Start-ups deutlich unterrepräsentiert, vor allem im Technologiebereich. Dies gilt sowohl für Gründerinnen als auch für Mitarbeiterinnen. Wurden die Unternehmen von weiblichen Teams gegründet, ist der Frauenanteil der Belegschaft fast doppelt so groß wie bei Gründungen von Männerteams. Zudem werden von Männern gegründete Start-ups weit höher bewertet.

Geschlechtergleichstellung in Start-ups immer wichtiger

Wie in etablierten Unternehmen gewinnt das Thema Geschlechtergleichstellung in Start-ups immer weiter an Bedeutung. Anders als in Konzernen ist der dortige Grad an Diversität aber wenig im Detail untersucht. Ein Forschungsteam der TUM hat deshalb, unterstützt von der Roland Berger Stiftung für europäische Unternehmensführung, rund 700 deutsche und rund 1.000 französische Start-ups analysiert. Um eine möglichst große Vergleichbarkeit zu gewährleisten, konzentrierten sich die Wissenschaftler*innen auf Unternehmen, die zwischen 2012 und 2016 Venture-Capital-Finanzierungen erhalten hatten. Sie nutzten dabei Informationen aus der Datenbank Dealroom und Angaben von rund 80.000 Mitarbeitenden der Start-ups, die diese auf der Karriereplattform LinkedIn veröffentlicht hatten.

Die Analyse zeigt, dass lediglich rund 3 Prozent der untersuchten deutschen und 4 Prozent der französischen Start-ups von weiblichen Teams oder einzelnen Frauen gegründet wurden. Rund 83 beziehungsweise 84 Prozent der Unternehmen hatten Männer gegründet, 14 beziehungsweise 12 Prozent wurden von gemischten Teams gestartet. Auch bei den Beschäftigten der Start-ups beider Länder ist der Männeranteil mit mehr als 60 Prozent deutlich größer. Dabei fällt auf, dass in den Unternehmen, die von weiblichen Teams ins Leben gerufen wurden, der Frauenanteil 62 Prozent beträgt, während er in Start-ups, die von Männerteams gegründet wurden, bei nur 35 Prozent liegt.

Vor allem im Tech-Bereich sind Frauen unterrepräsentiert

Das Forschungsteam wertete auch aus, wie sich der Geschlechteranteil nach Branchen unterscheidet. Vergleichsweise hoch liegt der Gründerinnenanteil in Deutschland im Bereich Partnersuche (50 %) und in der Modebranche (29 %). Kaum Gründerinnen gibt es beispielsweise bei Robotik und Immobilien (je 3 %). In Frankreich ist das Bild ähnlich. Hier sind Gründerinnen am stärksten in der Wellness- und Schönheitsbranche (25 %) vertreten, aber selten in Märkten wie etwa Fintech (5 %).

Auch die Analyse der Mitarbeitenden zeigt, dass Frauen in Technologie-Branchen besonders unterrepräsentiert sind. Zu den untersuchten Sektoren mit den niedrigsten Frauenanteilen gehört in Deutschland die Computerspiel-Wirtschaft (19 %), in Frankreich die Halbleiter-Industrie (17 %).

Keine Gründerinnen bei Quantentechnologien

Die Studie unterscheidet nicht nur nach produktbezogenen Branchen, sondern zeigt auch die Geschlechterverteilung je nachdem welche Technologien in den Start-ups zum Einsatz kommen. Am häufigsten gründeten Frauen in Deutschland Start-ups, die Virtual Reality nutzen (20 %). Start-ups, die Technologien für das Internet der Dinge entwickeln, wurden nur sehr selten von Frauen (3 %) gegründet. Gar keine Gründerinnen fanden sich bei Quantentechnologien, so auch in Frankreich. Dort ist der Gründerinnenanteil in Start-ups mit Nanotechnologie am größten (14 %).

Von Männern gegründete Start-ups erreichen höhere Bewertung

Ungleichheit prägt auch die Bewertung durch Investorinnen und Investoren in beiden Ländern: Während deutsche Start-ups mit männlichen Gründerteams im Median mit 21 Millionen US-Dollar bewertet werden, rangieren Start-ups mit weiblichen Gründungsteams nur bei rund 6 Millionen US-Dollar. In Frankreich werden von Männern gegründete Start-ups im Median mit 14 Millionen US-Dollar bewertet, bei Gründerinnen sind es 4 Millionen.


Gründungs- und Investitionsprozesse geschlechterneutraler gestalten

„Frauen sind in der Start-up-Szene sowohl als Gründerinnen als auch als Mitarbeiterinnen deutlich unterrepräsentiert – quer durch alle Branchen, Technologien und Erlösmodelle“, sagt die Studienleiterin Dr. Theresa Treffers vom Lehrstuhl für Strategie und Organisation der TUM. „Wir kennen aus sozialpsychologischen Studien die Ursachen für die mangelnde Geschlechtervielfalt. Männer sind in der Wahrnehmung von Kapitalgebern eher für die Unternehmerrolle geeignet. Außerdem gibt es zu wenig weibliche Studierende in MINT-Fächern, die als Gründerinnen und Beschäftigte zumeist infrage kommen. Der Frauenanteil liegt in MINT-Studienfächern nur bei rund 30 Prozent.“

Konkrete Maßnahmen gefordert

Um die Start-up-Szene vielfältiger und inklusiver zu gestalten, empfiehlt die Studie verschiedene Maßnahmen. „Das Wichtigste ist, gegen geschlechtsspezifische Vorurteile und Stereotype vorzugehen, etwa durch die frühzeitige Förderung weiblicher Vorbilder“, erläutert Felicitas Schneider, Mitglied des Management Board der Roland Berger Stiftung für europäische Unternehmensführung. „Gründerinnen müssen gezielt unterstützt werden, denn Frauen stellen mehr Frauen ein.“ Verbesserungsbedarf sieht die Studie auch bei den Gründungs- und Investitionsprozessen, etwa durch geschlechtsneutrale Start-up-Programme sowie einen höheren Frauenanteil in Führungspositionen von Risikokapitalgebern.

Hier gibt's die vollständige Studie als Download

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PE/VC finance & operations experts share a piece of their mind

The current environment is one of increased regulation and scrutiny, which has led to increased pressure on firms’ CFOs and COOs to manage their risks more effectively. This posed many interesting points of discussion and questions that were answered by seasoned experts, Christopher Parmo, Mirela Brox Montell, Bernd Eckel, Martin Kodar, Andrew Hampshire, Maximilian Fleitmann, and Christopher Conradi.

Keep reading to find out more on the current role of a CFO and COO in PE/VC firms, the biggest business and financial risks for the PE/VC industries, the challenges that drive interest in implementing a new technology, what do Limited Partners prioritize in the reports, and much more.

PE/VC finance & operations experts share a piece of their mind

What impact could a CFO/COO have on the strategic development of the fund? What are the top strategic priorities for the CFO in the near future?

Since CFOs & COOs have a massive impact on the strategic development of the fund, we started off by asking the CFO/COO of Verdane, Christopher Parmo, what kind of value a CFO/COO brings to a private equity/venture capital fund.

„There is enormous value creation potential in the CFO / COO role. Both in terms of optimizing structures, incentive programs, cost and governance, internal efficiency and digitalisation, but also revenue-generating activities, business development into new fund structures and thinking strategically. The sky is no limit for an ambitious and driven COO / CFO!“ He concludes.

What are the top business and financial risks for the VC and PE industries in 2022 and how to mitigate them?

As the CFO/COO of a fund, there are a few key things that you could do to ensure that you are mitigating the business and financial risks you could face. Who better to ask than the Director of Finance and Regulatory at Hadean Ventures, Mirela Brox Montell, about the risks in 2022/2023 and how to mitigate them?

Mirela explains that there are three main risk categories: sustainability, cybersecurity, and talent retention.

Sustainability:

She starts off by saying that climate change risk is a world concern and requires global mobilization and cooperation. As of today, Mirela suggests that everyone take action that can curb the worsening effects. This goes hand in hand with the ESG factors, she explains. This means no action on either ESG or environmental factors will be effective if taken alone. To combat climate change, Mirela believes the world needs strong governance, international cooperation, strong and sound institutions, good working conditions, educated population – all resulting in crucial innovation and thus progress in finding solutions.

Cybersecurity risk (which Mirela also describes as an S-risk):

When you choose to manage your cybersecurity risk, make sure you act responsibly. In the midst of rapid change, digitalization, and increasing levels of geopolitical conflict – it’s important to assess your risks regularly, put forth good policy, and create a strong corporate culture. „Concrete incident response plans, testing, regular policy and SOP revisions, and training are all necessary steps in risk handling and mitigation“ she explains.

Talent Retention:

Mirela explains that a lack of flexibility can be the downfall of a company. Inflation, pandemics, or other changes may necessitate change. Flexibility and rapid adjustments in response to changing working culture are important for talent retention.

How do you become a truly trusted partner? How do you create synergy between the fund and portfolio company?

With Senior Operating Partner at Quadriga Capital, Bernd Eckel, on board, we had to ask how to build stable strong relationships between a fund and the portfolio company, and here’s what he had to say. Bernd elaborates that it is essential to set ambitious but realistic targets during the holding period. “Based on transformation milestones, a roadmap with activities is necessary to define the proper support for portfolio companies in order to maximize their skills and accelerate transformation,” he explains. Bernd believes that then, trust will be built between all parties, which will result in reasonable expectations for stakeholders.

What do Limited Partners prioritize in the reports and communication received from the fund managers?

There are a few key things that modern investors want to see in reports and communication from private equity managers. Luckily, CFO & Managing Partner at BaltCap, Martin Kodar reveals exactly what CFOs and COOs should prioritize when communicating with Limited Partners.

First, Martin stresses the importance of punctuality and transparency.

Reports need to be sent within the pre-agreed time and format, contain relevant information, and be transparent.

„There is a well-known saying that good news can wait but bad news needs to be delivered urgently to LPs. LPs need to get relevant news from GP before they read about it in public sources“ he explains.

He also explains that ESG reporting and communications is an area where investors are particularly interested in seeing compliance with increasingly complex regulatory requirements. However, they also want to receive it in a simple and understandable way from GPs, such as portfolio case studies.

What are the challenges that drive interest in implementing a new technology?

Chief Operating Officer and Chief Technology Officer at Gresham House, Andrew Hampshire

reveals what it is that drives them to implement a new tool or technology.

He explains that at Gresham House, when looking to implement a new technology, it’s all about how much value the outcome holds. They examine what problems they’d be trying to solve and then decide on which systems would best bring those benefits to reality.

He explains that if you can’t clearly identify a problem or value with the new system, it doesn’t get prioritized. “This is critical – there is never an objective for us to ‘implement a system’ – the objective will always be the value we are trying to create,” he concludes.

What is the current stage of digitalization in the Venture Industry: What tools are being used and what are we going to see in the future?

Angel investor and Founding Partner at Wizard Ventures & Owner of VC Stack, Maximilian Fleitmann gave us his insights.

He also explains that each fund is different and decides to focus on digitizing different areas of

their firms depending on the firm’s needs. “But most investors realize that a proper tooling setup helps them spend more time on the essential things – finding the best investment opportunities, making decisions, and then supporting their portfolio founders,” he explains.

He then goes on to explain that he currently sees two trends arising:

1. The bundling of software in the VC space to create comprehensive all-in-one solutions

2. Providers double down on specific use cases like Fund Subscription or ESG management.

“It will be interesting to see if GPs and investment professionals prefer these all-in-one solutions or still want to use a best-of-breed approach,” he concludes.

What are the cybersecurity threats that arise when integrating a new tool to your firm?

There are a number of cybersecurity threats that can arise when integrating a new tool into your firm. In order to protect your firm from this type of threat, it is important to have a comprehensive data security strategy in place. We just had to ask Chief Digital Officer at FSN capital, Christopher Conradi for his experience with cybersecurity threats.

Christopher believes that there should be a balance between convenience and security.

„Striking this balance is crucial – and where I see mistakes being made,“ he explains.

Christopher goes on to explain that maybe your team should not be running security. If done incorrectly, it will just end up being a poor use of your time, and the end result will probably not be up to par.

„Rather, we outsource this to the pros. Meaning we rely on Microsoft for authentication, we rely on AON for auditing us, we rely on Google for patching our services.

By using public hyperscalers, and external auditors to check you are configuring things right, we feel we are getting the best protection on the planet, even though we have a small tech team, “ he concludes.

Stay ahead of the game with exclusive insights

You know how competitive this industry is. As addition, we are experiencing market downturn, inflation, geopolitical tensions, etc. How to differentiate to win? What are the best practices in these situations? What are the learnings from previous downturns?

The 0100 CFO & COO Forum is the place to be if you’re looking to gain exclusive market insights. You’ll meet the expert minds behind firms like 17 Capital, Adams Street Partners, Antin Infrastructure Partners, Antler, Astorg, Beringea, CapMan, EQT Partners, Kinnevik, Lakestar and many more!

Happening on the 24th of November 2022, in Hotel Riu Plaza, Berlin, Germany, the CFO & COO Forum will provide you with practical answers and real life examples to the questions that have been on our minds, like:

What are the biggest challenges for CFOs and COOs in the near future? How can finance and

operation roles also take part in value creation? What is the role of a CFO when it comes to deal sourcing, fundraising and exit strategy? Should you be focusing all your efforts in ESG investing and reporting? How can VCs foster a better relationship with their LPs?

At 0100 CFO & COO Forum, not only will you get a chance to meet all of the experts we

interviewed in this blog, but also over 120 senior finance, operations, ESG, and data experts.

Better than that is the content of the agenda! Here’s a glimpse of what will be discussed.

● The CFOs and COOs views on the PE and VC markets & The CFO’s role in the near

future.

● ESG revolution. The CFOs top standards and priorities for the future.

● LPs communication & reporting: how to provide LPs with relatable data and build a long-lasting relationship?

● The State of Digitalization of Private Equity

● Technology & automation in the VC fund: how to embrace new technologies to bring

efficiencies across the business?

● Strategic risk management in the fund. CFO’s role

● Relationship with portfolio companies: best practices & challenges

● We’ll even have an interactive workshop: What approaches should be taken in doing

Financial Due Diligence? Challenges and practical examples.

Sounds like something you don’t want to miss out on?

This is your chance to get first-hand insights. Register now and join the 0100 CFO & COO Forum in Berlin!

Gründer*in der Woche: promiseQ – KI-Tech für weniger Falschalarme

Die Zahl der Videoüberwachungskameras hat im vergangenen Jahr weltweit die Marke von einer Milliarde Geräten geknackt. Ein Problem bei der Sicherheitstechnologie sind jedoch die vielen fehlerhaften Alarmrufe, die Zeit und Ressourcen binden und enorme Kosten verursachen. Das 2021 von Elias Kardel und Tolga Ermis gegründete Start-up promiseQ hat eine Softwarelösung entwickelt, die Falschalarme signifikant reduziert. Mehr dazu im Interview mit CEO Tolga.

Wann und wie bist du zusammen mit deinem Mitgründer Elias auf die Idee zu promiseQ gekommen?

Die zündende Idee für promiseQ kam uns als Elias Schwiegervater, der Direktor einer Schule in Taiwan ist, sich darüber beklagte, dass er ständig Notifications von Falschalarmen auf seinem Handy erhielt. Das ging so weit, dass er die besagten Überwachungskameras auf dem Schulgelände einfach abschaltete, um nicht ständig mit Benachrichtigungen überhäuft zu werden. So kamen wir auf die Idee, eine Technologie zu entwickeln, die auf künstlicher Intelligenz (KI) basiert und genau diese Falschalarme automatisch herausfiltern kann. Nach einer gründlichen Marktstudie fanden wir heraus, dass es sich bei 95 Prozent aller weltweit ausgelöster Alarme um Falschalarme handelt. Wir haben so im Endeffekt ein dringendes Problem in der Sicherheitsbranche identifiziert und uns dann entschlossen, mit einer eigenen Firma etwas dagegen zu tun.

Was waren dann die wichtigsten Steps von der Gründung bis zur fertigen Softwarelösung?

Am Anfang haben wir neben unseren vorherigen Jobs an promiseQ gearbeitet. Ab einer gewissen Stelle war aber klar, dass man an seiner Idee nur ganz oder gar nicht arbeiten sollte. Nach ungefähr einem Jahr haben wir dann bei unseren früheren Arbeitgebern gekündigt. Es hat uns geholfen, dass wir dann direkt danach in den „Bosch Startup Harbour“ aufgenommen und dort finanziell sowie durch Mentoring unterstützt wurden. Am Ende des Accelerator-Programms haben wir uns dann für die Firmengründung wirklich bereit gefühlt. Durch das Programm wurden wir auch an unseren ersten Kunden empfohlen. Mit diesem kamen dann im nächsten Schritt erste Investoren und mehr Unterstützung aus der Sicherheitsindustrie, wodurch wir unser Produkt entscheidend weiterentwickeln konnten.

Von einer komplett fertigen Softwarelösung sollte man aber noch nicht reden, denn wir haben noch viel vor. Wir verfügen aktuell über ein erstes Kernprodukt, welches wir an eine wachsende Anzahl an Kunden vertreiben. Darüber hinaus entwickeln wir im agilen Austausch mit unseren Bestandskunden aber bereits weitere Features, um zukünftig eine ganzheitliche Plattformlösung zum Management der sogenannten „Alarmverarbeitungskette“ anbieten zu können.

Was ist das Besondere an promiseQ, wie unterscheidet ihr euch von anderen Sicherheitslösungen?

Das besondere an unserer Lösung ist, dass unsere KI vollautomatisch Crowdworker für ihre Entscheidung hinzuzieht, wenn sie sich nicht zu 100 Prozent sicher ist. Dadurch erreichen wir eine Filterleistung von bis zu 99,7 Prozent. Zusätzlich wird unsere KI mit den neuen Daten trainiert und wird dadurch immer genauer. Das Ziel ist es, dass die KI irgendwann von alleine so akkurat Entscheidungen treffen kann, dass keine Crowdworker mehr für die finale Verifizierung in Einzelfällen benötigt werden.

Wer sind eure Kund*innen bzw. wo und wie kommt promiseQ zum Einsatz?

Momentan konzentrieren wir uns auf Kunden aus der Sicherheitsbranche und insbesondere auf Notrufleitstellen. Mit Hilfe unserer Lösung können wir die operativen Kosten dort um 80 Prozent senken und einer „worker’s fatigue“ entgegenwirken, die bei monotoner Arbeit, wie der Filterung von Falschalarmen, auftreten kann. Bei immer gleicher Tätigkeit schleichen sich nämlich für gewöhnlich Fehler ein. Dieses „menschliche Versagen“ bei tatsächlichen Alarmen können wir mit unserer Technologie nahezu eliminieren.

Mittel- und langfristig wollen wir unseren Kundenstamm und Use Case ausbauen, um auch eine weitere automatische Erkennung von Gefahren anbieten zu können, wie beispielsweise Feuerdetektion oder der Erkennung von Gefahrensituationen wie Unfällen, Schlägereien oder Diebstahl.

Wie habt ihr die Software-Entwicklung und damit auch euch selbst bislang finanziert?

In der ersten Phase nachdem wir mit unserer Idee gestartet sind, waren wir Teil des „Bosch Startup Harbour“ und haben zudem das Berliner Start-up Stipendium erhalten. Danach haben sich der Berliner Frühphaseninvestor APX und ein paar namhafte Executives aus der Sicherheitsbranche als Business Angels im Rahmen unserer Pre-Seed-Finanzierungsrunde im April 2022 an promiseQ beteiligt.

Was sind eure weiteren unternehmerischen Vorhaben und To-dos nach der erfolgreichen sechsstelligen Pre-Seed-Finanzierung?

Wir sind aktuell dabei, einige wichtige Leads aus unserer Sales Pipeline erfolgreich als Kunden zu gewinnen. Wir konzentrieren uns momentan darauf, so viele Deals wie möglich abzuwickeln, um eine hohe Sales Traction aufzubauen. Damit wollen wir zeigen, dass unser Produkt am Markt bereits eine Relevanz hat und wirklich gebraucht wird. Außerdem geht es jetzt verstärkt darum, IT-Talente für unser Unternehmen zu gewinnen, um die Entwicklung unserer KI-Software voranzutreiben.

Und last but not least: Was rätst du anderen Gründer*innen aus eigener Erfahrung?

Irgendwann wird immer ein Moment des Zweifelns aufkommen. Genau dann ist es wichtig, nicht aufzugeben, sondern durchzuhalten und sich davon nicht abschrecken zu lassen. Das ist im Endeffekt der wichtigste Tipp, den ich allen Gründerinnen und Gründern ans Herz legen möchte. Glaubt an euch und an das, was ihr könnt, und beißt in schwierigen Situationen die Zähne zusammen - hört niemals auf, an eure Vision zu glauben!

Hier geht's zu promiseQ

Das Interview führte Hans Luthardt

Farben-Start-up MissPompadour holt sich den Shop Usability Award 2022

Das 2019 gegründete E-Commerce Start-up MissPompadour räumt beim Shop Usability Award 2022 groß ab.

MissPompadour ist ein junges E-Commerce-Start-up aus Sinzing, welches 2019 von Astrid Reintjes, Erik Reintjes und Niklas Lütteken gegründet wurde, und Farbe ins Leben bringt. Der Online-Anbieter für B2C-Farben und Lacke in DACH unterstützt Kund*innen bei der Umgestaltung ihres Zuhauses mit Produkten und Know-how. Die hauseigene Farb-Kollektion enthält über 90 verschiedene Farbtöne. Bei der Entwicklung dieser Farben wurde besonderen Wert auf Umweltverträglichkeit und Nachhaltigkeit bei größtmöglicher Belastbarkeit gelegt. Drüber hinaus bietet das Start-up auch vielerlei Streich-Zubehör – von Pinseln, Rollen, Schablonen bis hin zur Workwear.

Besonders der neue, liebevoll gestaltete Shop auf Shopware-Basis, der umfangreiche Content und die eigene App haben die Community und die Jury dieses Jahr begeistert. Der Shop Usability Award gehört seit 15 Jahren zu den wichtigsten Auszeichnungen des digitalen Handels in der DACH Region. Der Award wurde 2008 das erste Mal verliehen und bewertet seitdem jährlich über 700 Shops.

Erik Reintjes, Co-Gründer von MissPompadour: „Wir können es noch immer nicht wirklich glauben, dass wir der Gesamtsieger geworden sind. Es ist bereits eine große Auszeichnung, dass wir in der Kategorie „Haushalt, Heimwerk & Garten“ die Jury überzeugen konnten. Dass wir uns auch gegen die großen Konkurrenten wie Snocks, C&A, Babyone & Co durchsetzen konnten, macht uns besonders stolz. Es ist eine große Anerkennung und Wertschätzung für unsere Arbeit und die vom gesamten Team. Wir versuchen, uns ständig zu verbessern und unsere Services zu optimieren. So haben wir zuletzt Produkt-Sets für spezielle DIY Projekte zusammengestellt, damit die Kund*innen noch leichter und übersichtlicher fündig werden. Darüber hinaus bieten wir in Kooperation mit dem Start-up dropp in Hamburg, München und Berlin jetzt an, dass die MissPompadour-Farbe innerhalb von drei Stunden geliefert wird. Dass diese Bemühungen und Services honoriert werden, macht uns sehr dankbar und motiviert uns, den Weg auch zukünftig weiterzugehen und uns innovative und kundenorientierte Services und Produkte einfallen zu lassen.“

Marktanalyse zeigt: aktuell 18 Prozent weniger Gründungen als im 2. Quartal 2022

Im 3. Quartal hat sich die aktuelle Krise noch stärker auf den deutschen Start-up-Markt ausgewirkt als in der ersten Jahreshälfte 2022. Weitere Erkenntnisse der Marktstudie: Deutschlandweite Gründungs-Verteilung: Bayern erstmals gleich auf mit Berlin; Positive Entwicklungen im Bereich Deep-Tech.

Dies zeigt eine aktuelle Marktanalyse des technologie- und datengetriebenen Venture-Capital-Unternehmens Morphais VC. Basierend auf den Daten von Startupdetector wurden gerade einmal 578 neue Start-ups im 3. Quartal gegründet. Dies sind 18 Prozent weniger als im 2. Quartal dieses Jahres und sogar 30 Prozent weniger als im Vorjahresquartal 2021.

Dabei ist im Vergleich zum Boom-Jahr 2021 vor allem der Anteil an Neugründungen im Bereich E-Commerce sowie in der Software-Branche leicht rückläufig (E-Commerce: -2 Prozent, Software: -3 Prozent). Hingegen ist der Anteil von Start-ups, die aus dem Gesundheitstechnologie-Sektor kommen, im Vergleich zum Vorjahr von 10 Prozent auf 12 Prozent gestiegen.

Deutschlandweite Neugründungen: Bayern erstmals gleich auf mit Berlin

Prozentual gesehen kamen im letzten Jahr 18 Prozent aller Neugründungen aus Bayern, in diesem Jahr waren es zwischen Januar und September bereits 21 Prozent. Damit ist der Anteil an Neugründungen im bundesweiten Vergleich erstmals genauso hoch wie in Berlin (ebenfalls 21 Prozent). Auf dem dritten Platz befindet sich Nordrhein-Westfalen, wo zwischen Januar und September 17 Prozent aller neuen Start-ups gegründet wurden, gefolgt von Baden-Württemberg (11 Prozent) und Hessen (8 Prozent).

Anstieg von DeepTech: Der Anteil von DeepTech-Start-ups ist von 6 auf 10 Prozent gestiegen

In Zeiten der Krise verschiebt sich der Fokus auf neue technologische Lösungen. Besonders gut stehen deshalb die Chancen für DeepTech-Start-ups. DeepTechs entwickeln problemorientierte Produkte und Lösungen, die mehrheitlich auf wissenschaftlicher Forschung oder neuartigen Algorithmen basieren. Dabei verbinden sie verschiedene Technologieansätze und sind überwiegend schutzfähig, beispielsweise durch Patente, und damit schwerer nachahmbar.

Die Datenuntersuchung von Morphais VC zeigt einen kontinuierlichen Aufwärtstrend hinsichtlich der Zahl von DeepTech-Neugründungen. So wurden von Januar bis September dieses Jahres jetzt schon genauso viele DeepTech-Neugründungen in Deutschland gezählt, wie im gesamten Boom-Jahr 2021 (2022: 209 Startups, 2021: 207 Start-ups, 2020: 107 Start-ups). Insgesamt ist im Vergleich zum Vorjahr der Anteil von DeepTech-Start-ups von 6 Prozent auf 10 Prozent gestiegen.

DeepTech-Lösungen werden am häufigsten für den Gesundheitsbereich entwickelt

Des Weiteren belegt die Datenauswertung von Morphais VC, dass problemorientierte, technologische Lösungen aktuell am häufigsten für den Gesundheitsbereich entwickelt werden: 16 Prozent aller DeepTech-Neugründungen sind dem sogenannten HealthTech-Bereich zuzuordnen. Allgemein gilt der Gesundheitssektor als eine der Schlüsselbranchen, in denen innovative Lösungen besonders dringend notwendig sind. Zudem kommen 15 Prozent aus dem Bereich Software, 10 Prozent sind Industrie-Lösungen (z.B. Robotics), 9 Prozent fallen in die Kategorie Blockchain und Krypto und 8 Prozent sind Klima-Technologien.

ImpactNexus schließt erfolgreich erste Finanzierungsrunde ab

Das 2021 gegründete Start-up ImpactNexus bietet Venture-Capital- und Private-Equity-Portfoliomanagern Lösungen für effizientes Nachhaltigkeitsmanagement und hat seine erste Finanzierungsrunde über 800.000 Euro abgeschlossen.

Die Zielgruppe des Angebots von ImpactNexus sind vorerst vor allem Venture-Capital- und Private-Equity-Portfoliomanager, die derzeit vor einer großen Herausforderung stehen: Die Sustainable Finance Disclosure Regulation (SFDR) der EU sieht vor, dass Anbieter*innen von Finanzprodukten bis Juni 2023 erstmals einen jährlichen Bericht darüber vorlegen müssen, inwieweit sie Nachhaltigkeit in ihre Entscheidungsprozesse für ihre Finanzprodukte einbeziehen und welche Auswirkungen diese auf Umwelt, Klima und Gesellschaft haben. Und je mehr ein Fonds nachhaltigkeitsorientiert ist, desto höher die Reporting-Auflagen – dies führt bei vielen Anbieter*innen zu hohen Kosten und Aufwänden, zudem fehlt es oft an Know-how und an einem effektiven Datenfluss zwischen den diversen Stakeholdern in ihrem Portfolio.

Weniger Zeit und Kosten, um Nachhaltigkeitsziele zu erreichen

Genau hier kommt ImpactNexus ins Spiel. Das erklärte Ziel des Start-ups ist es, die Zeit und Kosten für Nachhaltigkeits-Reporting und Optimierungsmaßnahmen um das 10-fache zu reduzieren. Dafür entwickelt ImpactNexus innovative Software-as-a-Service-Lösungen mit einem erfahrenen Team aus Nachhaltigkeitsexperten, Softwareentwicklern und Data Scientists. Dazu gehört beispielsweise die Möglichkeit, Nachhaltigkeits-Daten mit wenigen Klicks bei Portfoliounternehmen abzufragen und SFDR-Berichte in Übereinstimmung mit den offiziellen Richtlinien der Europäischen Kommission zu generieren.

Das Herzstück dabei ist die wachsende NEXUS-Datenbank, welche eine automatisierte Bewertung des Impacts von Portfoliounternehmen möglich macht und zusätzlich maßgeschneiderte Vorschläge zur Optimierung liefert. „Mit unserer digitalen Lösung können Fondsmanager die soziale und ökologische Wirkung ihres Portfolios bewerten, ihren diversen Stakeholdern effizient Bericht erstatten und zugleich die Nachhaltigkeitsperformance optimieren“, sagt Dr. Jannic Horne, CEO von ImpactNexus.

Die Vision: Nachhaltigkeitsmanagement für den Mittelstand

Mittelfristig sieht ImpactNexus auch mittelgroße Unternehmen als Zielgruppe, da diese stark unter dem Mangel an Nachhaltigkeitsberatern leiden. Hier bietet der Zugang zur NEXUS-Datenbank einen effizienten, digitalen Weg zur Optimierung ihrer Nachhaltigkeitsperformance. Das Kapital der Finanzierungsrunde wird nun zur weiteren Produktentwicklung eingesetzt. An der Runde haben sich Investoren wie Vireo Ventures, das Investorinnen-Netzwerk encourageventures sowie weitere Business Angels und Fördergeldgeber beteiligt.

Jörg Walden ist Investor und Advisor von ImpactNexus. Er hat selbst bereits Unternehmen im Kontext von Compliance- und Nachhaltigkeits-Reporting sowie -optimierung gegründet, darunter iPoint und CircularTree. Zu seiner Investition in ImpactNexus sagt er: „Die Zukunft gehört ganz den Unternehmen, die nachhaltig, das heißt klimaneutral und im Sinne der Kreislaufwirtschaft handeln. ImpactNexus bietet mit seiner Datenbank und Software-Lösungen einen wichtigen Baustein, um Nachhaltigkeitsziele schneller zu erreichen.“

Gewerbeversicherungsreport von Finanzchef24/andsafe

Der Report zeigt u.a.: Kleine Unternehmen und Selbständige wollen ihre Margen durch besseren Wareneinkauf, mehr Digitalisierung und Kosteneinsparungen retten. Zwei Drittel der Befragten unterschätzen die allgemeinen Gefahren sowie Risiken, die sich aus neuen Betätigungsfeldern ergeben können.

Viele Selbständige blicken angesichts explodierender Betriebskosten, nachlassender Kaufkraft und der nächsten zu erwartenden Corona-Pandemiewelle voller Sorgen in die Zukunft. Aber: Die Kleinsten und Kleinen wollen der drohenden Rezession nicht tatenlos zusehen. Dieses Fazit lässt sich aus der jüngsten Befragung ziehen, die Finanzchef24 und andsafe zusammen mit dem Panelanbieter Consumerfieldwork unter 654 Unternehmern durchgeführt haben. „Nachdem sich viele Kleinst- und Kleinunternehmer in der Corona-Pandemie im Vergleich zu Konzernen von der Politik vernachlässigt gefühlt haben, wollen sie den Herausforderungen aktiver denn je entgegentreten“, sagt Payam Rezvanian, Geschäftsleitung von Finanzchef24, zur Vorstellung des dritten Gewerbeversicherungsreports. „Die Stimmung ist branchenabhängig unterschiedlich. Viele kleine Unternehmer und Unternehmerinnen eint allerdings eine neue Entschlossenheit und Agilität, nachdem sie sich von der Regierung während der Corona-Krise kaum gesehen oder alleingelassen gefühlt haben“, sagt er. So schaut immerhin gut die Hälfte optimistisch auf die Geschäftsentwicklung in den kommenden 12 Monaten.

Die neue Geldpolitik für viele zu spät gekommen

Die Abkehr von der ultralockeren Geldpolitik kommt für Deutschlands Kleinst- und Kleinunternehmer zu spät. 72 Prozent der Befragten sind der Meinung, dass die Inflation das wichtigste geschäftsbestimmende Thema in den nächsten 12 Monaten sein wird. Beim letzten Report, der zum Jahreswechsel 2021/22 erhoben wurde, lag die Inflation bei rund 5 Prozent. Damals hatten lediglich 29 Prozent die Inflation als geschäftsbestimmendes Thema auf dem Radar.

Eng beziehungsweise direkt verbunden mit der Inflation sind für Unternehmen die höheren Energiepreise, steigende Betriebsnebenkosten und sinkende Konsumausgaben. Entsprechend denken 68 Prozent, dass höhere Energiepreise ihre Geschäftsentwicklung auf Jahressicht beeinflussen werden. 41 Prozent erwarten zudem sinkende Konsumausgaben, die auf den Umsatz schlagen. „Selbst wenn ein Kleinst- oder Kleinunternehmer weniger Energie benötigt als die Industrie, so fressen die horrenden Energiepreise die ohnehin schmalen Margen. Die Kombination mit gleichzeitig nachlassender Nachfrage könnte für einige existenzbedrohlich werden“, fasst Payam Rezvanian zusammen.

Die größten (Dauer-)Probleme: Lieferkettenprobleme, Corona und Fachkräftemangel

Nicht mehr ganz so wichtig wie im Vorjahr stufen die Befragten im neusten Gewerbeversicherungsreport die Corona-Pandemie ein. War Covid-19 im Jahr 2021 für 64 Prozent das bestimmende Top-Thema für den Businessalltag, gehen im Herbst 2022 noch 47 Prozent der Befragten davon aus, dass ihr Geschäft unter der Pandemie leidet oder für einen weiteren Schub sorgt – je nach Branche.

35 Prozent der Befragten gehen weiter davon aus, dass sich Lieferprobleme auf den Geschäftsbetrieb auswirken. Der Fachkräftemangel rangiert aktuell mit 34 Prozent im Mittelfeld der geschäftsbeeinflussenden Faktoren. Gegenüber dem Vorjahr hat sich das Thema damit noch einmal zugespitzt, spielte es 2021 doch nur für 27 Prozent der Befragten eine Rolle. Ebenfalls im Mittelfeld der Themen zu finden, sind ökologische beziehungsweise Nachhaltigkeitsthemen für 32 Prozent der Befragten.

Teure Kredite als neues Problemfeld

Die geänderte Zinspolitik der Notenbanken hat zudem direkte Auswirkungen auf die Refinanzierung. Ob Geld für die Expansion oder Investitionen: Immerhin 28 Prozent der Unternehmen sehen höhere Zinsen für Darlehen als ein Problem an, das ihre Geschäftstätigkeit beeinflussen wird. Mehr als jeder vierte Unternehmer erwartet beim Thema Fremdkapital Gegenwind. Unternehmen, die Geld von der Bank benötigen, müssen deutlich mehr dafür zahlen oder scheitern an neuen Risikobestimmungen. Gerade auf Selbständige mit einem erhöhten Kapitalbedarf kommen schwierigere Zeiten zu, so die Folge.

Jede(r) Fünfte hat schlechte persönliche Konjunkturerwartungen

Dennoch gibt es Hoffnungsschimmer im kleinen Mittelstand. Laut Umfrage beurteilen 12 Prozent die mittelfristige Geschäftsentwicklung als sehr gut – Ukraine-Krieg, Inflation und Engpässen zum Trotz. Ganze 37 Prozent erwarten auf Jahressicht eine gute Geschäftsentwicklung. 30 Prozent sind unentschlossen. Mehr als jeder fünfte Kleinst- und Kleinunternehmer hat jedoch nur eine ausreichende oder sehr schlechte persönliche Konjunkturerwartung.

Der Gewerbeversicherungsreport zeigt jedoch auch: Hiesige Klein- und Mittelständler haben genaue Vorstellungen, welche Stellschrauben sie trotz oder gerade angesichts der exogenen Faktoren bedienen müssen. „Das Thema Wettbewerbsfähigkeit wird für den Kleinst- und Kleinunternehmer im Herbst 2022 neu ausgelotet. Es zählt nicht mehr allein, mit dem richtigen Produkt zu einem wettbewerbsfähigen Preis am Markt zu sein – sondern überhaupt zu einem Preis liefern zu können“, erklärt Payam Rezvanian. Ähnlich wie im Vorjahr sieht die Mehrheit in höheren Gewinnen beziehungsweise besseren Margen den wichtigsten Schlüssel, um am Markt zu punkten. Für 43 Prozent der Befragten ist dies die Top-Antwort (2021: 39 Prozent). Auf dem zweiten Platz der Maßnahmen steht die klassische Außenwerbung für 26 Prozent der Unternehmer (2021: 28 Prozent). Die dritte Stellschraube für mehr Wettbewerbsfähigkeit lautet für circa jeden fünften Kleinst- und Kleinunternehmer (21 Prozent) in Anbetracht der extremen Energiepreise Kostenreduktion durch Einsparungen.

Jede(r) Fünfte will schneller und digitaler werden

Auch das Thema Geschwindigkeit gewinnt in Zeiten von Corona, Fachkräftemangel und Knappheit an Fahrt. Es geht für den Mittelstand nicht nur darum, schneller in der Produktionszeit zu sein. Sondern ebenso schneller in Bezug auf sich ändernde Kundenbedürfnisse, agiler in puncto der Arbeitsprozesse sowie aufgeschlossener gegenüber Neuem und Veränderung. Ungefähr jeder fünfte befragte Kleinst- und Kleinunternehmer (19 Prozent) gibt an, seine Geschwindigkeit und Anpassungsfähigkeit für mehr Wettbewerbsvorteile erhöhen zu wollen. Die Digitalisierung wollen 18 Prozent vorantreiben. Jeder Neunte will jedoch ebenso seinen Wareneinkauf optimieren. 8 Prozent wollen ihre Lieferantenbeziehungen verbessern, um bei der Beschaffung eher oder schneller zum Zug zu kommen. 3 Prozent denken sogar darüber nach, komplett neue Rohstoffquellen zu erschließen.

Viele Selbstständige blauäugig unterwegs

Agilität ist für das unternehmerische Überleben wichtig, birgt laut Finanzchef24 und andsafe jedoch Gefahren. „Denn die Risiken werden umso mehr, je mehr Kleinst- und Kleinunternehmer ihren Wirkradius vergrößern. Dort, wo neue Chancen winken, kann das Nichtwissen um begleitende Gefahren schnell zur existenziellen Bedrohung werden“, sagt Christian Buschkotte, Managing Director bei andsafe. Diese deutlich selbstbestimmteren und an den Krisen der letzten Jahre gewachsenen Unternehmer müssen sich nach Worten des Experten neues Wissen aneignen, wie sie sich und ihre Unternehmung in Zeiten dieser Veränderungsdynamik adäquat schützen können. Welche Absicherungsmöglichkeiten der Gewerbeversicherung es dafür gibt, ist jedoch vielen laut den Zahlen des Gewerbeversicherungsreports nicht klar. Nur rund jeder Dritte bezeichnet seine Kenntnisse als sehr gut oder als gut (34 Prozent). Mehr als jeder Vierte (27 Prozent) sieht erhebliche Lücken. Und 39 Prozent beurteilen ihr eigenes Wissen diesbezüglich als befriedigend. Buschkotte: „Diese Unkenntnis führt ins Risiko. Ein Großteil der Selbstständigen ist kaum aufgeklärt und riskiert täglich seine finanzielle Existenz und Unabhängigkeit durch Nichtwissen.“

Weitere Infos zum Gewerbeversicherungsreport gibt’s hier

Deutsche Gründungsaktivitäten im Aufwind

Den Ergebnissen der aktuellen Ausgabe des Global Entrepreneurship Monitors (GEM) zufolge, stieg die Gründungsquote in Deutschland zuletzt wieder an: 2021 ist sie im Vergleich zu 2020 um rund 2 Prozent auf 6,9 Prozent gestiegen.

Die im Rahmen der vom RKW Kompetenzzentrum sowie der Leibniz Universität Hannover für Deutschland durchgeführten internationalen Vergleichsstudie ermittelte Gründungsquote von knapp 7 Prozent im Jahr 2021 enthält einen deutlichen Anstieg um 2,1 Prozentpunkte im Vergleich zum Vorjahr (4,8 Prozent in 2020). Ursächlich für die höhere Gründungsdynamik in Deutschland sind unter anderem die schnelle Anpassungsfähigkeit der Gründenden an die durch die Corona-Pandemie veränderten Rahmenbedingungen, die Reaktion auf die ökonomischen Auswirkungen der Pandemie seitens der Wirtschaftspolitik sowie durch die Pandemie neu entstandene unternehmerische Chancen, insbesondere in Bezug auf digitale Produkte und Dienstleistungen.

Die Gründungsquote in 2021 ist damit auf dem zweithöchsten Stand (Höchststand 2019, Gründungsquote 7,6 Prozent) der seit 1999 jährlich durchgeführten GEM-Erhebungen. Die Ergebnisse der letzten drei Jahre sind somit ein Indikator für einen möglichen Trend hin zu mittel- und langfristig höheren Gründungsaktivitäten in Deutschland. Diese Entwicklung wurde in 2020 – bedingt durch die Corona-Pandemie – zwar kurzzeitig ausgebremst, gleichzeitig gaben damals aber schon 63 Prozent der Personen mit Gründungsabsicht an, ihre Geschäftsaufnahme lediglich verschoben zu haben.

Zuwächse bei geplanten und umgesetzten Gründungen

Die Gründungsquote wird im GEM als Anteil derjenigen 18- bis 64-Jährigen definiert, die während der letzten 3,5 Jahre ein Unternehmen gegründet haben (Young Entrepreneurs) und/oder gerade dabei sind, ein Unternehmen zu gründen (Nascent Entrepreneurs). Die Gründungsquote der Young Entrepreneurs betrug im letzten Jahr 2,7 Prozent und erhöhte sich damit um 0,9 Prozentpunkte im Vergleich zu 2020. Die Gündungsquote der Nascent Entrepreneurs betrug 4,3 Prozent, das ist ein Anstieg um 1,2 Prozentpunkte im Vergleich zu 2020. Die Gründungsquoten beider im GEM untersuchten Gruppen haben sich somit in 2021 positiv entwickelt. Der Anteil der Nascent-Entrepreneurs an der GEM-Gründungsquote betrug auch in den durch die Corona-Pandemie geprägten Jahren 2020 und 2021 jeweils etwa zwei Drittel und ist somit unverändert zu den drei Vor-Pandemie-Jahren.

Dt. Gründungsquote im internationalen Vergleich auf dem Niveau von Frankreich, Finnland und Luxemburg

Deutschland belegte in 2021 unter den 31 GEM-Ländern mit hohem Einkommen in Bezug auf die Gründungsquote den 23. Rang. Europäische Nachbarländer wie Frankreich und Luxemburg sowie Finnland wiesen eine ähnliche Gründungsquote auf. Zu „Gründungsnationen“ wie den USA (Gründungsquote 16,5 Prozent) besteht mit einer Gründungsquote von 7 Prozent allerdings noch ein deutlicher Abstand. In diesem Zusammenhang ist jedoch anzumerken, dass in Ländern, in denen die Gründungsdynamik deutlich höher ist als in Deutschland, gleichzeitig auch die Anzahl der Geschäftsaufgaben ausgeprägter ist. So gaben in den USA im Vergleich zu Deutschland in 2021 rund zweimal so viele Personen an, ein ihnen gehörendes Unternehmen geschlossen zu haben. Das Unternehmertum in Deutschland zeichnet sich somit durch eine hohe Resilienz aus.

Zum Weiterlesen: Der vollständige GEM Länderbericht Deutschland 2021/22 steht hier zum Download zur Verfügung.

N26 wollte Bitpanda aufkaufen, aber kam nicht weit

Laut einem Bericht des Magazins Finance Forward wollte das Berliner Unicorn N26 2020 das damals noch nicht Unicorn Bitpanda aus Wien kaufen.

3,5 Milliarden Euro war Bitpanda nach der letzten großen Finanzierungsrunde – 223 Millionen Euro im August 2021 – wert. Auch wenn Investor*innen hier aktuell wegen des Krypto-Winters und nach der Kündigung von rund 300 Mitarbeiter*innen im Juni dieses Jahrs vielleicht Abschläge bei der Bewertung machen würden – eine Übernahme des Unicorns käme nur mehr für wirklich große Konzerne infrage. Mitte 2020, als Bitpanda gerade eine kleine Finanzierungsrunde mit dem auf FinTech spezialisierten Branchenfonds von Speedinvest abgeschlossen hatte und noch kein Unicorn war, sah das aber noch anders aus. Damals soll es laut einem Bericht von Finance Forward ein Übernahmeangebot von der Berliner Neobank N26 gegeben haben. Das Magazin bezieht sich im Bericht auf „Insider“.

N26 & Bitpanda: Übernahme-Verhandlungen scheiterten schon sehr früh

Der Hintergrund: Das von den beiden Wienern Valentin Stalf und Maximilian Tayenthal gegründete N26 wollte schon damals ein (Krypto-)Trading-Angebot in der eigenen App aufbauen. Das ist bis heute nicht umgesetzt worden. 2020 seien die Verhandlungen aber bereits in einem frühen Stadium wieder gescheitert, heißt es bei Finance Forward – wohl primär, weil das Krypto-Scale-up durch eigene Finanzierungsrunden weiter wachsen wollte, wird gemutmaßt. Wenige Monate später schloss Bitpanda eine eigene 44 Millionen Euro Serie A-Finanzierungsrunde ab und katapultierte sich wohl damit bereits in eine Bewertung, die N26 nicht mehr stemmen hätte können. Im März 2021 wurde das Wiener FinTech dann mit einer 142 Millionen Euro-Runde zum Unicorn. Schon vor den großen Finanzierungsrunden fuhr es hohe Umsätze ein und schrieb schwarze Zahlen.

Kooperation über Whitelabel-Lösung soll kommen – Warten auf Genehmigung

Die Gespräche zwischen N26 und Bitpanda gingen dem Vernehmen nach, nachdem eine Übernahme vom Tisch war, in Sachen Kooperation weiter. Bitpanda hat ein Whitelabel-Angebot, das unter anderem von Lydia aus Frankreich, Fabrick aus Italien oder Plum aus dem Vereinigten Königreich genutzt wird. Anfang dieses Jahres gab es dann Berichte über eine mögliche Kooperation zwischen dem Berliner und dem Wiener Unicorn. Laut Finance Forward steht bis dato allerdings eine Genehmigung der deutschen Finanzaufsicht BaFin für den genannten Service aus.

Prominenz für Quote: Den Löwen nur im Namen?

Bei „Die Höhle der Löwen“ gehört es mittlerweile zum guten Ton, Gastjuror*innen einzuladen. Zu oft wird seitens der Verantwortlichen allerdings auf den Bekanntheitsgrad geachtet und weniger nach Kompetenz ausgewählt. So sieht es zumindest Dirk Kreuter, Verkaufstrainer und selbst Investor:

„Was macht einen guten Investor aus? Ist es das richtige Bauchgefühl, der geschulte Blick oder doch die Risikobereitschaft? Wahrscheinlich ein wenig von allem. Attribute, welche jedoch vielen Gastjuroren, die eine Einladung in die beliebte Abendsendung ‚Die Höhle der Löwen‘ erhalten, immer häufiger fehlen. Zu nachweislich erfolgreichen Unternehmern wie Ralf Dümmel, Judith Williams oder Carsten Maschmeyer gesellen sich seit Neustem auch bekannte Gesichter wie Nico Rosberg, die das Investieren eher als Hobby denn als ihr Geschäft zu verstehen scheinen.“

Gefragt: Bauchgefühl, geschulter Blick und Risikobereitschaft

„Der Grund ist so simpel wie eindeutig: Prominente machen Quote und diese steht besonders im Privatfernsehen über allem anderen. Als neuste Entdeckung präsentiert VOX daher nun Diana zur Löwen – Influencerin und laut eigenen Angaben eben auch Unternehmerin. Kein dummer Schachzug, bedenkt man, dass besonders die Zielgruppe des jungen Internetstars sich dem linearen Fernsehen schon so gut wie abgewandt hat und konkurrierende Unterhaltungsprodukte wie Streaming und Social Media in der Generation Z mehr als nur die Nase vorne haben.“

Neue Sternchen in alten Formaten

„Mit der Integration dieser ‚neuen Sternchen‘ in alte Formate erhoffen sich Produzenten zurecht, diese ‚verlorenen Kinder‘ zurück vor den guten alten Fernseher zu locken und so die Einschaltquote nach oben zu treiben. Dabei scheinen sie jedoch zu vernachlässigen, dass oberste Priorität immer noch die Qualität der Show haben sollte. Diana zur Löwen mag eine kompetente und zweifelsohne erfolgreiche Frau sein – in der Show, die ironischerweise ihren Namen trägt, wirkte sie jedoch fehl am Platz. Leider wusste sie in bislang keinem Moment mit wirklicher Investment- Perspektive zu überzeugen und zu einem Einstieg in eines der zahlreichen und vielfältigen Projekte konnte sie sich auch nicht durchringen.“

Prominenz für Quote - ja, aber richtig auswählen

„Anders als etwa Raoul Plickat oder Lea-Sophie Cramer, die beide bereits in jungen Jahren ihr Unternehmergen unter Beweis gestellt, gegründet und investiert haben, fehlen der Influencerin die angesprochenen Attribute Bauchgefühl, Auge und Risikobereitschaft. Dadurch erweist sie sich als falsche Besetzung für diese Sendung. Sollte VOX nicht auf die Strategie ‚Prominenz für Quote‘ verzichten wollen, müssen sie ihre Gastjuroren dennoch etwas sorgfältiger auswählen und nicht auf berühmte Gesichter setzen, die den Löwen nur im Namen tragen.“

Gründer*in der Woche:CALIMA - digitales Notfall-System für Solist*innen

In Deutschland arbeiten 8,5 Millionen Menschen alleine und damit außerhalb von Ruf- und Sichtweite zu anderen Personen. Im Falle eines Sturzes, einer Bedrohung oder eines akuten gesundheitlichen Problems haben sie niemanden, der schnell Erste Hilfe leisten kann. Michael Zerbin, Tim Hautkappe und Katharina Hochmuth‍, die Gründer*innen der CALIMA Safety GmbH, haben eine Lösung entwickelt, die das Smartphone von Mitarbeiter*innen in ein persönliches Notsignal-Gerät verwandelt. Mehr dazu im Interview mit Katharina.

Wann und wie bist du zusammen mit deinen Mitgründer*innen auf die Idee zu CALIMA gekommen?

Der Ursprung der Idee liegt schon einige Jahre zurück. Tim und ich haben während unseres Maschinenbaustudiums 2013 bereits die App KommGutHeim entwickelt. KommGutHeim ermöglicht es, den eigenen Standort live mit ausgewählten Kontakten zu teilen und im Ernstfall schnell Hilfe anzufordern. Durch die hohe Reichweite von über 100.000 Nutzer*innen haben wir in den vergangenen Jahren immer häufiger Anfragen von Unternehmen erhalten, ob sich KommGutHeim auch zum Schutz von Mitarbeiter*innen einsetzen lässt. Im intensiven Austausch mit Experten zum Thema Arbeitsschutz und betrieblichen Notfall-Lösungen ist dann die Idee für CALIMA gewachsen.

Was waren die wichtigsten Steps von der Gründung bis zum fertigen Tool?

  • Entwicklung des MVP in enger Zusammenarbeit mit potentiellen Kund*innen.
  • Erfolgreicher Einsatz bei unserem ersten Kunden.
  • Closing unserer Pre-Seed Finanzierungsrunde von 325k.
  • Abschluss unseres ersten Enterprise-Kunden EWE NETZ GmbH mit 500 Lizenzen.

Was ist das Besondere an CALIMA, wie funktioniert das System und was sind die Vorteile gegenüber einer Hardware-Lösung?

Bei der Entwicklung von CALIMA haben wir besonders großen Wert auf die User Experience für Nutzer*innen und Administrator*innen gelegt. Durch die modulare Software-Architektur, sowie die Bereitstellung über die Cloud kann CALIMA im Vergleich zu Hardware-Lösungen innerhalb weniger Stunden im Unternehmen implementiert und die Notfallkette individuell angepasst werden. Da CALIMA auf den Dienst-Smartphones installiert wird, müssen Unternehmen im Vergleich zu Hardware-Lösungen keine hohen Anfangsinvestitionen tätigen. Die Tatsache, dass Mitarbeiter*innen keine zusätzlichen Geräte mit sich tragen müssen, hat im Vergleich auch eine deutlich höhere Nutzer*innenakzeptanz zum Vorteil.

Wie habt ihr die Produktentwicklung und damit auch euch selbst bislang finanziert?

In der Konzeptions- und Entwicklungsphase von CALIMA haben wir in einem Start-up Programm, dem Future City Incubator, teilgenommen und für 10 Monate das Gründerstipendium des Berliner Senats erhalten. Kurz nach unserer Gründung konnten wir mit drei Business Angels unsere Pre-Seed Finanzierungsrunde von 325 Tsd. Euro realisieren. Neben diesem Investment finanzieren wir uns aktuell durch den Gründerbonus und unsere Einnahmen.

Tech-Start-up Enmacc erhält zweistelligen Millionenbetrag

Das Münchner Tech-Start-up Enmacc erhält im Rahmen seiner Serie B-Finanzierung einen zweistelligen Millionenbetrag, um seine Führungsrolle in Europa auszubauen.

Seit Wochen dominieren die europäischen Energiemärkte die Schlagzeilen. Im Verlauf der öffentlichen Debatte wird immer deutlicher, wie komplex und wichtig der Handel mit Strom und Gas ist. Zugleich rücken Unternehmen ins Rampenlicht, die bisher nur Expert*innen bekannt waren.

Eines davon ist die 2016 in München gegründete Enmacc GmbH. Das junge deutsche Technologieunternehmen ist Europas größte OTC-Handelsplattform für Energie und übernimmt mit seiner digitalen Handelsplattform für Gas und Strom eine zentrale Aufgabe für den deutschen Energiegroßhandel. Diese hat sich binnen weniger Jahre als digitale und innovative Alternative zu den traditionellen Brokern und Börsen etabliert.

Enmacc ermöglicht den außerbörslichen Terminhandel (OTC, Over the Counter) von Gas, Strom und Grünstromzertifikaten. Das Alleinstellungsmerkmal der Enmacc-Plattform ist die proprietäre Handelslösung für den Request-For-Quote-Handel. Das bedeutet: Händler*innen können in Sekundenschnelle ihre Handelspartner*innen über ihr Interesse informieren. Im Gegenzug erhalten sie umgehend konkurrenzfähige, handelbare Quotierungen von mehreren Handelspartner*innen. Diese Art des digitalen Handels soll Händler*innen speziell dann Liquidität verschaffen, wenn in den traditionellen Order-Büchern der Börsen und Broker nur wenige Preise zur Verfügung stehen.

Series-B Finanzierungsrunde zum Ausbau der Führungsrolle

Als wichtige Etappe seiner Entwicklung hat Enmacc nun eine Series-B Finanzierungsrunde bekannt gegeben, um seine europäische Führungsrolle auszubauen und durch effiziente Handels- und Marktinfrastrukturen die Energiewende zu beschleunigen.

Jens Hartmann, CEO der Enmacc GmbH, erklärt: “Die Energiemärkte sind aktuell durch ein extremes Preisniveau, bisher ungekannte Volatilität und dadurch äußerst geringe Liquidität gekennzeichnet. Dies stellt die Marktteilnehmer vor enorme Herausforderungen. Gefragt sind jetzt vor allem digitale Handelsmöglichkeiten, die den Beteiligten helfen, ihr Netzwerk an Handelspartnern zu erweitern und letztlich ihre Liquidität zu verbessern. Die aktuelle Energiekrise zeigt, dass sich der Energiehandel weiterentwickeln muss. Er muss digitaler werden und die Diversität der Marktstrukturen fördern. Die Energiewende kann nur auf Grundlage effizienter Märkte gelingen, die wirtschaftliche Anreize zur Dekarbonisierung setzen.”

Lead-Investor der aktuellen Serie B-Finanzierung ist Klima Energy Transition, ein kürzlich bei 210 Millionen Euro geschlossener Spätphasen-Venture Capital-Fonds des weltweit tätigen Investment Banking und Asset Management-Unternehmens Alantra. Es beteiligen sich zudem Chevron Technology Ventures und Bestandsinvestoren an der Finanzierungsrunde. Bislang wurde Enmacc von namhaften VCs wie Cherry Ventures, Piton Capital, Illuminate Financial und der 10x-Gruppe finanziert. Weitere Investoren werden in den nächsten Wochen die bereits überzeichnete Runde komplettieren.

Gründer*in der Woche: THE LITTLE PALM – Geschenkboxen für Babys und Kids

Mit THE LITTLE PALM bietet Nina Lux individuelle, mit Liebe zum Detail zusammengestellte Babygeschenkboxen an. Mit ihren Produkten richtet sie sich an designorientierte Familien und Freund*innen von werdenden Eltern. Mehr dazu im Interview mit Nina.

Wann und wie bist du auf die Idee zu THE LITTLE PALM gekommen?

Anfang letzten Jahres bin ich selbst Mutter geworden und sah mich selbst mit der Frage konfrontiert, was wir uns zur Geburt wünschen. Ich wusste nicht so recht, was man benötigen würde und daher war es nicht leicht eine Antwort zu finden. Nach den ersten zwei Monaten mit Baby hatte ich eine sehr genaue Vorstellung von dem, was ein sinnvolles Geschenk zur Geburt ausmacht und begab mich auf die Suche nach einem Geschenk für eine schwangere Freundin. So richtig wurde ich nicht fündig, sollte das Geschenk doch nicht nur praktisch, sondern auch qualitativ hochwertig, nachhaltig und geschmackvoll verpackt sein - etwas Besonderes eben. Das war der Moment, an dem ich mir überlegte, selbst tätig zu werden.

Was waren dann die wichtigsten Schritte von der Gründung bis zum Launch der ersten Babygeschenkbox?

Neben der Entwicklung und Produktion der eigenen Produkte, war für mich besonders wichtig eine Geschenkbox zu designen, die zeitlos, modern, geschmackvoll und trotzdem persönlich ist. Als ehemalige Visual Merchandiserin weiß ich, wie wichtig der erste Eindruck ist, auch bei Geschenkverpackungen, und was kleine Details ausmachen. Ich wollte ein wirklich besonderes Auspackerlebnis schaffen.

Zudem hatte ich keinen Investor und nicht sehr viel Budget. Jeder Cent musste also genau verplant werden. Da für mich ein ansprechender Internetauftritt und gute Fotos so bedeutend sind, wie das Produkt selbst, war es wichtig alles finanziell im Rahmen zu halten.

Nicht zu vergessen ist, dass jeder Schritt der Entwicklung meines eigenen Kindes mir zusätzliche, wichtige Erkenntnisse und Impulse gebracht hat, um meine Produkte und die Boxinhalte zu optimieren.

Wie hast du die Start- und Entwicklungsphase finanziell gestemmt?

Ich konnte auf ein paar Rücklagen zurückgreifen, habe aber den Großteil durch Fremdkapital finanziert.

momox Second Hand Report 2022

Die repräsentative Studie belegt: In Zeiten von steigender Inflation gewinnen Second-Hand-Artikel weiterhin stark an Attraktivität.

So kaufen zwei Drittel (66 Prozent) der Second Hand Shopper*innen in Deutschland mindestens einmal im Jahr gebrauchte Bücher und/oder Medienartikel. Im Vergleich zum Vorjahr ist dies ein Anstieg um 18 Prozent. Auch der Trend beim Verkauf von Gebrauchtem ist weiter gestiegen: So hat jede(r) zweite Deutsche (48 Prozent) schon einmal gebrauchte Bücher und/oder Medienartikel zum Verkauf angeboten. 2021 waren es noch 39 Prozent.

Dies zeigt der aktuelle momox Second Hand Report 2022 für Bücher und Medien und gewährt einen detaillierten Einblick in den deutschen Gebrauchtwarenmarkt. Für den repräsentativen Report hat das Marktforschungsinstitut Kantar eine Umfrage im Auftrag von momox durchgeführt. Zudem wurden Kund*innen der momox Plattformen momox und medimops befragt. Insgesamt nahmen 13.290 Personen an den Umfragen teil.

Second-Hand-Kauf ist selbstverständlich und ersetzt Neues

Wie der aktuelle Report zeigt, gehört der Kauf von Second Hand in Deutschland mittlerweile zur Selbstverständlichkeit: Für jede(n) Zweite(n) (59 Prozent) ist das Second-Hand-Shopping selbstverständlich oder sehr selbstverständlich geworden. Dabei geben 73 Prozent der Befragten an, dass der Kauf von Second-Hand-Artikeln den Kauf eines neuen Buchs und/oder Medienartikels ersetzt hat. Weitere 66 Prozent geben an, dass sie weniger Geld für Bücher und/oder Medienartikel ausgegeben haben, weil sie gebrauchte Artikel gekauft haben. Ebenfalls 66 Prozent sagen, dass sie insgesamt mehr Bücher und/oder Medienartikel gekauft haben, da Second Hand im Vergleich zu Neuware günstiger ist. Für lediglich 9 Prozent hat der Kauf von Second Hand den Kauf eines neuen Buches und/oder Medienartikels nicht ersetzt.

Nachhaltigkeit ist eines der Hauptmotive für Second Hand

Wenn es um die Gründe für den Kauf von Second Hand geht, so gibt die Mehrheit (91 Prozent) an, dass für sie die niedrigen Preise am wichtigsten sind. 45 Prozent der Befragten geben an, dass die Artikel günstiger als Neuware sein müssen, die Höhe der Ersparnis ist an sich aber egal. Für 52 Prozent muss die Ersparnis hingegen so groß wie möglich sein. Als zweitwichtigsten Grund für den Kauf von Second-Hand-Büchern und/oder Medienartikeln geben 76 Prozent Nachhaltigkeit an. 2021 haben, im Vergleich, nur 66 Prozent der Umwelt zuliebe second hand geshoppt. Bei den Hauptgründen für den Verkauf geben 88 Prozent der Befragten den Wunsch nach mehr Platz und 87 Prozent den Nachhaltigkeitsaspekt an. Knapp jede(r) Zweite (44 Prozent) möchte beim Verkauf auch etwas dazu verdienen.

Gebrauchtwarenhandel findet primär online statt

Beschleunigt durch die Pandemie hat sich der Handel mit Gebrauchtware in den letzten zwei Jahren weiter ins Internet verlagert: So geben 71 Prozent der Second-Hand-Käufer*innen an, dass sie vor allem online shoppen. 2021 waren es hingegen noch 58 Prozent. Dabei sind mit 44 Prozent Onlinemarktplätze am beliebtesten, gefolgt von Onlineshops für Gebrauchtware (27 Prozent). Nur noch etwa jede(r) Fünfte (23 Prozent) kauft gern offline auf Flohmärkten oder in Second-Hand-Länden. Noch beliebter als das Online-Second-Hand-Shopping ist der Verkauf im Internet: Mit 81 Prozent verkaufen die Deutschen Bücher und/oder Medienartikel am liebsten online. Im Vorjahr waren es noch 73 Prozent. Am häufigsten wird auf Onlinemarktplätzen (57 Prozent) oder an Ankaufsservices (24 Prozent) verkauft. Die Beliebtheit vom Verkauf auf Flohmärkten ist im Vergleich zum Vorjahr von 18 Prozent auf 10 Prozent gesunken.

Second Hand wird am liebsten zu Geburtstagen und Weihnachten verschenkt

Second Hand hat schon längst sein Schmuddel-Image verloren: 84 Prozent der Befragten geben an, dass sie gebrauchte Artikel auch verschenken würden. Dabei ist es 76 Prozent wichtig, dass der Zustand der Artikel gut oder sehr gut ist. Acht Prozent wäre der Zustand sogar egal. Geburtstage (74 Prozent) und Weihnachten (59 Prozent) sind die beliebtesten Anlässe, um Second Hand zu verschenken. Weitere Anlässe sind etwa Ostern (21 Prozent) oder Muttertag (12 Prozent). Zum Valentinstag (5 Prozent) wird Gebrauchtes hingegen kaum verschenkt. Am ehesten werden gebrauchte Bücher (95 Prozent) verschenkt, gefolgt von Medienartikeln (48 Prozent), Kinderspielzeug (46 Prozent) und Gesellschaftsspielen (41 Prozent). Knapp ein Drittel (29 Prozent) würde auch Kleidung und/oder Schuhe aus zweiter Hand verschenken. Lediglich 16 Prozent schließen das Verschenken von Second Hand Produkten aus.

Second Hand ist in Frankfurt/Main am beliebtesten

Was das Second-Hand-Shopping wie auch den Verkauf angeht, so ist Frankfurt am Main die Second-Hand-Hauptstadt Deutschlands. Hier ist der An- wie auch Verkauf von Gebrauchtem am beliebtesten. Im Bundesländervergleich liegen hingegen Hamburg, Berlin und Hessen sowohl beim An- wie auch Verkauf auf den ersten drei Plätzen des Rankings. Im Städterennen ist die Hauptstadt hingegen das Schlusslicht der Top Ten.