GEM-Länderbericht Deutschland 2022/23: Gründungen werden jünger und vielfältiger


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Die aktuellen Daten des Global Entrepreneurship Monitors (GEM) zeigen u.a.: Die Quote der Gründungsaktivitäten in Deutschland liegt erstmals über 9 Prozent. Auch spannend: Angst vorm Scheitern spielt eine eher geringe Rolle.

Der GEM-Länderbericht Deutschland ist im Rahmen einer Kooperation zwischen dem RKW Kompetenzzentrum und dem Institut für Wirtschafts- und Kulturgeographie der Leibniz Universität Hannover für das Bundesministerium für Wirtschaft und Klimaschutz (BMWK) entstanden. Die Ergebnisse des Länderberichts basieren auf Befragungen von weltweit über 164.000 Bürger*innen (davon 4.110 in Deutschland) in 49 Ländern sowie von 2.147 Gründungsexpert*innen in 51 Ländern (davon 70 in Deutschland).

Hohe Gründungsquote, viele Migrations-Gründungen, geringer Frauenanteil

Eine wichtige und vor allem positive Nachricht des aktuellen GEM ist die hohe Gründungsquote: Diese lag in 2022/23 bei 9,1 Prozent und erhöhte sich damit um 2,2 Prozentpunkte gegenüber dem Vorjahr (GEM 2021/22: 6,9 Prozent). Das ist der höchste Wert seit dem Start des GEM im Jahr 1999. Des Weiteren zeigt der GEM, dass Menschen mit Einwanderungsgeschichte deutlich öfter gründen. Dieser Trend besteht schon seit einigen Jahren, aber besonders deutlich waren die Ergebnisse im Jahr 2022 – knapp 20 Prozent der befragten Personen mit Einwanderungsgeschichte bejahten die Frage, ob sie in den letzten dreieinhalb Jahren ein Unternehmen gegründet haben oder derzeit dabei sind, ein Unternehmen zu gründen. Bei den Befragten ohne Einwanderungsgeschichte bejahten diese Frage weniger als 10 Prozent.

Dr. Florian Täube, Leiter des Fachbereichs Gründung beim RKW Kompetenzzentrum: „Die aktuellen Daten des Global Entrepreneurship Monitors (GEM) zeigen, dass die Quote der Gründungsaktivitäten in Deutschland erstmals über 9 Prozent liegt. Das insgesamt höhere Niveau an Gründungsaktivitäten hat aber nicht zu einer Verringerung des Gendergaps geführt. Der Anteil von Frauen, die den Schritt in die Selbständigkeit wagen, ist deutlich geringer als der Anteil der Männer. Für die Volkswirtschaft bedeutet dies, dass das unternehmerische Potenzial vieler gut ausgebildeter Frauen ungenutzt bleibt. Deswegen hat das BMWK einen Aktionsplan für mehr Unternehmerinnen initiiert, um mehr Frauen zu motivieren, ein Unternehmen zu gründen.“

Prof. Dr. Rolf Sternberg, GEM-Team-Leader, Leibniz Universität Hannover, ergänzte: „Dass Personen mit Einwanderungsgeschichte eine wichtige Rolle für das Gründungsgeschehen in Deutschland spielen, ist unbestritten. Die GEM-Gründungsquote von Personen mit Einwanderungsgeschichte ist 2022 mehr als doppelt so hoch wie die der Personen ohne Einwanderungsgeschichte. Es ist auch erkennbar, dass sich in Deutschland in den letzten Jahren ein Wandel in der Unternehmenslandschaft und in der Struktur beruflicher Selbstständigkeit von Migrantinnen und Migranten vollzogen hat. Diesem Wandel sollte ein Wandel bei den auf diese Zielgruppe ausgerichteten Gründungsförderprogrammen folgen.“

Weitere wichtige GEM-Ergebnisse beziehen sich auf die Themen Nachhaltigkeit und wie sich junge und etablierte Unternehmen bezüglich Nachhaltigkeitsbestreben unterscheiden, sowie „Gründungen durch junge Personen“, denn das Gründungsgeschehen hat sich in den letzten fünf Jahren immer mehr in die jüngeren Altersgruppen verschoben.

Der GEM-Länderbericht Deutschland 2022/23 steht unter https://rkw.link/gem2023 zum Download zur Verfügung.

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EdTech-Start-up fobizz übernimmt EdTech-Start-up to teach

Das 2018 gegründete fobizz übernimmt das 2022 gegründete KI-EdTech to teach mit dem gemeinsamen Ziel, den Alltag von Lehrkräften durch fachdidaktisch treffsicheren Einsatz von KI zu erleichtern.

Der Zusammenschluss soll es ermöglichen, zukünftig didaktisch hochwertige Bildungsinhalte für Lehrkräfte auf Verlagsniveau anzubieten. Gemeinsam verfolgen fobizz und to teach das Ziel, den Alltag von Lehrkräften durch fachdidaktisch treffsicheren Einsatz von künstlicher Intelligenz (KI) zu erleichtern und deren Potenziale im Bildungssystem auszuschöpfen. Die To teach-Gründer Felix Weiß und Marius Lindenmeier bleiben Geschäftsführer.

Fobizz I 101skills GmbH ist der führende Anbieter von KI-Anwendungen, digitalen Tools und Fortbildungen für Lehrkräfte und wurde 2018 von Dr. Diana Knodel (CEO) und Frederik Dietz (CTO) gegründet. To teach ist ein junges EdTech-Start-up, das im Sommer 2022 von Felix Weiß (CEO) nach seinem Lehramtsstudium und seinem Mitgründer Marius Lindenmeier (CTO) gegründet wurde. To teach unterstützt Lehrkräfte bei der Unterrichtsplanung und -vorbereitung und nutzt KI, um personalisierte Unterrichtsmaterialien und interaktive Übungsaufgaben basierend auf redaktionell erstellten Vorlagen mit nur wenigen Klicks zu erstellen. Durch die Übernahme verschmelzen zwei erfolgreiche EdTechs, die für die digitale Transformation der Bildung in Deutschland und weltweit stehen. To teach wurde Didacta Start-up des Jahres 2023 und war Finalist beim Global Start-up Edtech Award 2023 für Deutschland und Österreich. Fobizz wurde 2023 als Bundessieger des KfW Award Gründen ausgezeichnet und hat darüber hinaus den Publikumspreis beim AI Summit 2023 gewonnen.

„Durch den Zusammenschluss mit to teach möchten wir unsere Position als Marktführer im Bereich Weiterbildung von Lehrkräften und KI-Tools weiter ausbauen und die digitale Transformation von Schulen im DACH-Raum sowie auch international weiter vorantreiben“, begründet Jeyran Sanee-Khonsari, Chief Strategy Officer bei fobizz, den Zusammenschluss.

“Künstliche Intelligenz bietet die Möglichkeit, die Bildung nachhaltig positiv zu verändern. Gemeinsam mit fobizz gehen wir jetzt den nächsten Schritt, um noch mehr Lehrkräfte weltweit bei der Arbeit zu unterstützen und befähigen diese, auf die individuellen Fähigkeiten und Bedürfnisse ihrer Lernenden einzugehen”, so Felix Weiß.

Personalisierte Bildung – abgestimmt auf die Bildungspläne der Länder

Zukünftig plant to teach, Lehrkräften Unterrichtsmaterialien und vorbereitete Unterrichtsstunden anhand der Bildungspläne der einzelnen Bundesländer sowie auf Basis der internationalen Curricula anderer Länder weltweit zur Verfügung zu stellen. „Die Idee dahinter ist, didaktisch-pädagogisches Wissen, redaktionelle Expertise und KI, abgestimmt auf die einzelnen Bildungspläne, zusammen zu bringen, um passgenaue Unterrichtsentwürfe, Arbeitsblätter, Übungsaufgaben und Präsentationen zu erstellen", kommentiert Dr. Diana Knodel.

Nutzer*innen von fobizz können dann neben den bereits verfügbaren digitalen Lern- und Lehrmaterialien nahtlos auch das Angebot von to teach zur Erstellung von personalisierten und binnendifferenzierbaren Materialien nutzen. Zusätzlich stehen zukünftig interaktive Übungen von to teach über die fobizz Klassenräume zur Nutzung mit Schüler*innen zur Verfügung. Über die fobizz Klassenräume können Lehrkräfte verschiedene KI-Tools im Unterricht gemeinsam mit ihren Schüler*innen DSGVO-konform nutzen und sie dabei entsprechend begleiten.

ecoligo: Impact-Scale-up erhält 11 Mio. Euro Wachstumskapital

Mit der Kapitalerhöhung will das 2016 von Martin Baart und Markus Schwaninger gegründete ecoligo seine Marktposition im Bereich Solarprojekte festigen und u.a. neue Finanzprodukte auf dem deutschen Markt einführen.

Martin Baart, CEO, und Markus Schwaninger, CIO, gründeten ecoligo im Jahr 2016, um die Energiewende weltweit voranzutreiben. Unternehmen in Schwellenländern wachsen schnell und brauchen billigere und sauberere Energie. Obwohl sie am meisten von Solaranlagen profitieren würden, haben sie oft keinen Zugang zu den notwendigen Finanzierungen. Kleinanleger*innen machen diese Solarprojekte möglich. Seit seiner Gründung hat ecoligo nach eigenen Angaben mehr als 130 Projekte in 11 Schwellenländern erfolgreich umgesetzt und damit 1,7 Millionen Tonnen CO2-Emissionen eingespart. Martin Baart und Markus Schwaninger kommen beide aus dem Bereich der erneuerbaren Energien und verfügten vor der Gründung bereits über langjährige Erfahrung in Beratung, Vertrieb und Bau von Solaranlagen weltweit.

Jetzt hat das Impact-Scale-up erfolgreich eine überzeichnete Finanzierungsrunde von 11 Millionen Euro abgeschlossen. Die Kapitalerhöhung erfolgte durch bestehende Investoren unter Beteiligung von zwei neuen Investoren. Unter ihnen: Der Energy Entrepreneurs Growth Fund ist ein Impact Fund mit Sitz in Luxemburg, der von Triple Jump BV verwaltet und von Persistent Energy beraten wird. Dieser innovative Fonds bietet Catalytic Financing für Unternehmen in der Früh- und Wachstumsphase, die im Ökosystem für den Zugang zu Energie in Afrika südlich der Sahara tätig sind. Gaia Energy Impact Fund II (GEIF II) ist ein französischer Venture Capital Fonds, der sich auf Unternehmen aus Schwellenländern konzentriert, die in der gesamten Wertschöpfungskette der Energiebranche tätig sind. GEIF II wird von Capital Croissance verwaltet und von Gaia Impact beraten.

Marktposition festigen und Wachstum generieren

Mit der Kapitalerhöhung will ecoligo seine Marktposition im Bereich Solarprojekte festigen und neue Finanzprodukte auf dem deutschen Markt einführen. Ecoligo will sein Angebot an Finanzprodukten auch auf ausgewählte europäische Länder ausweiten. Das Unternehmen hat bereits 130 Solarsysteme im Wert von 40 Millionen Euro weltweit in Schwellenländern entwickelt und installiert, die innerhalb der Gruppe betrieben werden und innerhalb ihrer erwarteten Lebensdauer mehr als 1,7 Millionen Tonnen CO2-Emissionen einsparen.

Martin Baart sagt: "Wir sind stolz darauf, zwei weitere namhafte Investmentfonds für unsere Wachstumsstory im Zeichen der globalen Energiewende gewonnen zu haben. In dem derzeit schwierigen Marktumfeld für Scale-ups ist dies ein großer Erfolg. Wir freuen uns auch sehr, dass sich bestehende Anteilseigner, wie z.B. EIT InnoEnergy, ebenfalls an dieser Runde beteiligt und damit gezeigt haben, dass sie weiterhin an das Unternehmen glauben. Wir – und unsere Kleinanleger – haben vielen Unternehmen geholfen, ihren Energiebedarf unabhängig zu decken. Das motiviert sowohl uns als auch unsere Investoren."

Das sagen die Investoren

Frederic Pfister, geschäftsführender Gesellschafter von Gaia Impact, sagt: "Wir freuen uns sehr, an der ecoligo-Reise teilzunehmen. Diese Entscheidung trafen wir aus der tiefen Überzeugung, dass privates Kapital eine entscheidende Rolle dabei spielt, Unternehmen in Entwicklungsländern Zugang zu zuverlässiger und dekarbonisierter Energie zu verschaffen. Während unserer Due-Diligence-Prüfung waren wir von den Leistungen des ecoligo-Teams sehr beeindruckt. Ihr Engagement für Nachhaltigkeit und ihre Fähigkeit, innovative Energielösungen umzusetzen, sind bemerkenswert. Mit unserer Beteiligung an ecoligo verpflichten wir uns, ihre Mission aktiv zu unterstützen und sie auf ihrem weiteren Weg zu begleiten."

„Wir freuen uns, dass wir unsere Unterstützung und Investition in ecoligo fortsetzen können", sagt Jan-Henrik Kuhlmann, Head of Direct Investments bei Triple Jump. "Das Engagement des Unternehmens, in Schwellenländern erschwingliche Solarlösungen für gewerbliche und industrielle Kunden anzubieten, fügt sich nahtlos in unsere Mission ein, den Übergang zu erneuerbaren Energien zu beschleunigen. Wir sind davon überzeugt, dass diese Folgeinvestition ecoligo bei der Erreichung seiner ehrgeizigen Ziele weiter voranbringen und die Position als führendes Unternehmen auf dem Markt für erneuerbare Energien festigen wird. Mit dieser jüngsten Investition ist ecoligo in der Lage, seine Reichweite zu vergrößern, die Projektentwicklung zu beschleunigen und neue Partnerschaften einzugehen, um eine noch größere Wirkung im Bereich der erneuerbaren Energien zu erzielen."

Gründer*in der Woche: Pferdegold: Innovation auf vier Hufen

In der Welt des E-Commerce hat sich Pferdegold als ein starkes Beispiel für Innovation und unternehmerischen Erfolg etabliert. Hinter dem Erfolg steht Gründer Florian Keller, der von Kindesbeinen an eine tiefe Verbindung zu Pferden pflegte.

In nur vier Jahren hat sich Pferdegold von einem ambitionierten Start-up zu einem florierenden Unternehmen mit einem Jahresumsatz im hohen siebenstelligen Bereich und einem Team von 23 Mitarbeiter*innen entwickelt. Die Erfolgsgeschichte zeugt von Florian Kellers unternehmerischem Geschick sowie seiner Vision, die Gesundheit und das Wohlergehen der Pferde in den Mittelpunkt zu stellen. Die Produktpalette von Pferdegold fokussiert sich dabei ausschließlich auf Produkte, die Pferde wirklich brauchen. So basiert das Zusatzfutter auf natürlichen Inhaltsstoffen und ist frei von künstlichen Zusätzen, Industriezucker oder billigen Füllstoffen.

Frühe Learnings fürs (Gründer-)Leben

Florian verband schon in seiner Kindheit eine tiefe Zuneigung zu Pferden. Florians Jugend war jedoch nicht frei von Herausforderungen. Während seiner Schulzeit erlebte er intensive Phasen des Mobbings, die ihn tief prägten. Er war zunächst nur auf kleinen Schulen, doch nach einem Schulwechsel im Alter von etwa 12 Jahren, begann das Mobbing durch seine Mitschüler*innen, welches deutlich über das übliche Maß hinausging und bleibende Eindrücke hinterließ.

„Diese schwierigen Erfahrungen hatten große Auswirkungen auf meinen Charakter und meine Entschlossenheit. Irgendwann hatte ich genug, fing mit körperlicher Fitness an, verlor Gewicht und befreite mich selbst aus der Opferrolle. Ich begann endlich mich gegen die Mobber zu wehren.“ Diese Erfahrung vermittelte ihm eine wichtige Lektion: „Ich habe realisiert, dass nur ich allein die Kontrolle über mein eigenes Leben übernehmen kann.“

Florians Interesse an Ernährung und Fitness wurde zu einer Konstanten, und er entschied sich später, Ernährungsberater zu werden.

Alles auf eine Karte gesetzt

Florian Keller absolvierte sein Studium an der Technischen Hochschule Würzburg-Schweinfurt (THWS). Er schloss sein Studium im Bereich Wirtschaftsingenieurwesen als Diplom-Ingenieur ab und spezialisierte sich anschließend im Masterstudium auf 'Innovation im Mittelstand'.

Ursprünglich hatte Florian die Absicht, ein Supplement für Menschen zu entwickeln. Diese Idee war bereits in der Entwicklungsphase, als er realisierte, dass diese Richtung ihn nicht vollständig erfüllte. Der Umschwung kam durch eine Begegnung mit der Reitfreundin seiner Mutter, die ihm einen Eimer voll mit Pferdefutter hinhielt: „Das Futter war extrem minderwertig und enthielt viel zu viel Zucker, sodass es eher schädlich als zuträglich für die Pferde war. Mir wurde sofort klar: Hier muss sich etwas ändern.“ Die Idee von Pferdegold war geboren.

Entschieden, seinem Traum zu folgen, setzte Florian alles auf eine Karte. Er nahm sich eine zweijährige Auszeit, um sich ausschließlich auf die Gründung seines Unternehmens zu konzentrieren. In dieser Phase finanzierte er sich von seinen Ersparnissen und investierte diese auch vollends in die Gründung von Pferdegold.

Qualität und Wirksamkeit rechtfertigen den höheren Preis

Eine der ersten Herausforderungen für Pferdegold war die Suche nach geeigneten Herstellern und Logistikpartnern, die Florians hohen Ansprüchen an Qualität und Nachhaltigkeit gerecht werden konnten. „Ich stieß dabei oft auf Skepsis und Widerstand, insbesondere als ich meine Vision für hochwertige Inhaltsstoffe in den Pferdegold-Produkten vorstellte. Einige Hersteller äußerten Bedenken, ob sich ein derart qualitativ hochwertiges Produkt zu einem entsprechenden Preis verkaufen lassen würde.“

Trotz dieser anfänglichen Zweifel blieb Florian standhaft bei seiner Überzeugung und fand letztendlich einen Hersteller am Chiemsee, der bereit war, seine Vision zu teilen und die Produkte nach seinen Vorstellungen zu produzieren. „Obwohl ich mit meiner Idee auf viel Widerstand stieß, war ich überzeugt, dass Qualität und Wirksamkeit den höheren Preis rechtfertigen würden.“

Marketing-Geschick und tiefe Verbundenheit zu Pferden

Die Herausforderungen beschränkten sich allerdings nicht nur auf die Produktionsseite. Auch beim Online-Marketing und Vertrieb musste Florian sich neues Wissen aneignen. Obwohl er sich zu Beginn seiner Unternehmung nicht ausgiebig mit Online-Marketing und Vertrieb auskannte, bewies Florian großes Geschick dafür, seine Marke im digitalen Raum zu positionieren.

Ein Schlüsselmoment in der Marketinggeschichte von Pferdegold war die Zusammenarbeit mit Dodo Laugks, einer bekannten Persönlichkeit in der Reitsportwelt. Ihre positive Rückmeldung zu den Produkten und das daraus resultierende gemeinsame Video, das auf Facebook veröffentlicht wurde, markierten einen Wendepunkt. „Das Engagement von Dodo Laugks war nicht nur entscheidend für unseren Erfolg, sondern hat auch langfristig dazu beigetragen, das Bewusstsein für Futterqualität in Deutschland zu stärken.“

Florians natürliche Fähigkeit, authentische und überzeugende Inhalte zu erstellen, kombiniert mit seinem tiefen Verständnis für die Bedürfnisse und Wünsche von Pferdeliebhaber*innen, trug maßgeblich zum Erfolg seiner Marketing-Offensive bei. Er verstand es, Geschichten zu erzählen, die nicht nur die Qualität der Produkte hervorhoben, sondern auch die tiefe Verbundenheit und Liebe zu Pferden widerspiegelten.

Family-Power und Team-Spirit

Pferdegold, ursprünglich aus der Vision eines Einzelnen entstanden, ist in Wahrheit ein echtes Familienunternehmen. Florians Eltern, Susanne und Michael Keller, schlossen sich ihm seit dem Start im Jahr 2019 an. „Die frühe Unterstützung und das Engagement meiner Eltern sind von unschätzbarem Wert für das Wachstum und die Entwicklung von Pferdegold. Sie haben maßgeblich dazu beigetragen, das Unternehmen zu formen und zu festigen.“

Die Zusammenarbeit in der Familie brachte eine einzigartige Dynamik in das Unternehmen. Die Kombination aus Florians innovativen Ideen, seinem unternehmerischen Geist, dem praktischen Wissen und der Erfahrung seiner Eltern schuf eine starke Grundlage für den Erfolg von Pferdegold. Dies spiegelte sich in der Qualität der Produkte, der Kund*innenbeziehung und der allgemeinen Unternehmensphilosophie wider.

Darüber hinaus wuchs das Team von Pferdegold stetig. Von den Anfängen mit nur wenigen Mitarbeitenden hat sich das Unternehmen zu einem Team von 23 engagierten und talentierten Individuen entwickelt. Jedes Teammitglied hilft bei der kontinuierlichen Verbesserung und Innovation von Pferdegold mit. „Unser starkes Teamgefüge ist ein wesentlicher Faktor für die Fähigkeit von Pferdegold, auf die sich ständig ändernden Anforderungen des Marktes zu reagieren und dabei stets die höchsten Standards an Produktqualität und Kundenservice zu halten.“

Das Plus: Offenheit für Veränderungen

Pferdegold hat seit seiner Gründung einen beeindruckenden Wachstumspfad beschritten. Innerhalb von nur vier Jahren gelang es dem Unternehmen, einen Jahresumsatz im hohen siebenstelligen Bereich zu erzielen. Auch die Produktpalette wird immer größer und umfasst mittlerweile Bereiche wie Stoffwechsel, Muskeln, Nerven bis hin zu Gelenkfutter für Pferde. Dieser Erfolg ist nicht nur ein Zeugnis für die Qualität der Produkte und die Wirksamkeit der Marketingstrategien, sondern auch für Florians Engagement, seine Vision in die Realität umzusetzen.

Ein wesentlicher Aspekt von Pferdegolds Erfolg war, sich schnell an Marktveränderungen anzupassen und auf die Bedürfnisse der Kund*innen einzugehen. Die Firma hat stets darauf geachtet, Produkte anzubieten, die auf wissenschaftlichen Erkenntnissen basieren und einen echten Mehrwert für die Gesundheit und das Wohlbefinden von Pferden bieten. Diese Haltung hat Pferdegold einen treuen Kund*innenstamm und eine starke Position in einem wettbewerbsintensiven Markt gesichert.

Florian lebt sein Engagement für soziale Verantwortung nicht nur im Unternehmensalltag der Pferdebranche, sondern versucht auch, einen positiven Einfluss auf die breitere Gesellschaft zu haben. So wird ein Teil der Einnahmen von Pferdegold regelmäßig an soziale Einrichtungen wie Gut Aiderbichl gespendet.

Barrierearme App gegen Cyber-Mobbing geht online

Am 22.02.24 ist der internationale "Behaupte dich gegen Mobbing"-Tag. Aus diesem Anlass stellen wir eine besondere Initiative der Werkstätten in Berlin und klicksafe vor: die „Cyber-Mobbing Leichte Hilfe App“.

Die Landesarbeitsgemeinschaft der Werkstätten für behinderte Menschen Berlin e.V. (LAG WfbM Berlin) setzt sich für umfassende berufliche Teilhabe ein. Dazu zählen unter anderem auch Schulungen und Bildungsangebote zum Thema Gewaltprävention und Medien. Mit der „Cyber-Mobbing Leichte Hilfe App“ wurde nun in Kooperation mit der EU-Initiative klicksafe, die in Deutschland von der Medienanstalt Rheinland-Pfalz koordiniert und gemeinsam mit der Landesanstalt für Medien NRW umgesetzt wird, ein Präventions- und Hilfsangebot geschaffen, das über die Werkstätten hinausgeht und sich an alle Menschen mit Beeinträchtigungen richtet.

Klicksafe hat zum Ziel, die Online-Kompetenz unterschiedlicher Zielgruppen zu fördern und hatte bereits eine App zum Thema Cybermobbing für Kinder und Jugendliche entwickelt. Für Erwachsene mit Beeinträchtigung gab es zuvor noch kein solches Angebot.

Die „Cyber-Mobbing Leichte Hilfe App“

Die App zeichnet sich durch einen besonders partizipativen Ansatz aus, der bereits bei ihrer Entwicklung begann. Eine Arbeitsgruppe, die aus Menschen mit Beeinträchtigungen bestand, erarbeitete sich das Thema Cyber-Mobbing über einen Zeitraum von zwei Jahren hinweg, entwickelte gemeinsam die Inhalte und realisierte die Umsetzung.

Begleitet wurden die Werkstattbeschäftigten von der Fachberatungsstelle Gewaltprävention, Mitarbeiter*innen aus den Sozialdiensten der Werkstätten, einem Gebärdensprachdolmetscher und einer Medienpädagogin. So wurde nicht nur ein hohes Maß an Partizipation der Zielgruppe erreicht, sondern auch ein überzeugendes Ergebnis erzielt.

Verständliche und barrierearme Gestaltung

Wichtig war dabei vor allem die verständliche und barrierearme Gestaltung der Inhalte. Alle Informationen und Erklärungen rund um das Thema digitale Gewalt sind in einfacher Sprache verfasst, darüber hinaus gibt es bildbasierte Anleitungen, die Schritt für Schritt zeigen, wie man Kontakte auf Social-Media-Plattformen blockieren, melden oder löschen kann. Ein wesentliches Element der „Cyber-Mobbing Leichte Hilfe App“ sind zudem Videos, in denen die Teilnehmenden der Arbeitsgruppe selbst als Expert*innen auftreten. Dabei vermitteln sie in einfachen Worten oder Gebärdensprache wichtige Tipps, z.B. wie man einen Screenshot erstellt oder eine Anzeige bei einer Onlinewache macht.

Die Idee für dieses Projekt entstand aus den Erfahrungen der Fachberatungsstelle Gewaltprävention mit Werkstattbeschäftigten, die mit digitaler Gewalt konfrontiert wurden. Dabei sollte es nicht nur um einen verantwortungsbewussten Umgang, sondern um Aufklärungs- und Verhinderungsarbeit gegen Cyber-Mobbing gehen. Mithilfe von begleitenden Materialien für den Berufsbildungsbereich und anderen Angeboten kann die App deshalb auch zum Erwerb einer verbesserten Medienkompetenz der Zielgruppe genutzt werden.

Menschen mit Beeinträchtigung stärken

„Das Internet ist für alle ein wichtiger digitaler Raum. Auch Menschen mit Beeinträchtigungen nutzen ihn und begegnen dabei digitaler Gewalt. Umso wichtiger ist es, dass es entsprechende Unterstützungs- und medienpädagogische Angebote gibt. Die Erfahrungen der Werkstattbeschäftigten waren ausschlaggebend für die Themen dieser App. Mit der ‚Cyber-Mobbing Leichte Hilfe App‘ stärken wir Menschen mit Beeinträchtigung. Besonders stolz sind wir auf die inklusive Arbeitsgruppe und die Protagonist*innen der Videos. Sie vermitteln dieses Thema als Expert*innen in eigener Sache und liefern ganz konkrete Tipps an die Hand, um sich gegen Angriffe im Internet zu wehren“, so Bettina Neuhaus Geschäftsführerin der LAG WfbM Berlin.

„Gerade, wenn es um Mobbing oder Hass im Netz geht, sind vulnerable Gruppen besonders betroffen. Wir freuen uns, dass wir hier einen Beitrag leisten können: mit unserer Expertise im Bereich Cyber-Mobbing sowie den Grundlagen der bereits erfolgreichen Cyber-Mobbing Erste-Hilfe App für Jugendliche“, ergänzt Deborah Woldemichael, Leiterin von klicksafe.

Im ersten Schritt steht die „Cyber-Mobbing Leichte Hilfe App“ ab sofort als iOS-Version für iPhone & Co. im App Store zum kostenlosen Download zur Verfügung. Eine Android-Version sowie begleitende Unterrichtsmaterialien für Bildungsveranstaltungen sollen zeitnah folgen.

Holidu übernimmt ferienwohnungen.de

Das 2014 von Johannes Siebers und Michael Siebers gegründete Ferienhaus-Unternehmen Holidu mit Hauptsitz in München übernimmt ferienwohnungen.de, ein Online-Portal für Ferienhausvermietung in Deutschland.

Ferienwohnungen.de wurde 1998 gegründet und ist ein führendes Portal für die Buchung von Ferienunterkünften in Deutschland und eine der letzten großen eigenständigen Marken im DACH-Markt. Vor der Akquisition offerierte die Website rund 7.000 Ferienwohnungen und Ferienhäuser und zählte jeden Monat mehr als 450.000 Website-Besucher*innen. Die meisten der Angebote waren jedoch nur auf Anfrage buchbar. Mit der Übernahme sollen Gastgeber*innen nun von einer direkten Online-Buchbarkeit, der modernen Softwarelösung von Holidu und einem lokalen persönlichen Service inklusive eines professionellen Fotoshootings profitieren.

Für Gäste bedeutet die Integration mit Holidu ein erweitertes Angebot an Unterkünften, da ab sofort das vollständige Holidu-Inventar auf der Webseite www.ferienwohnungen.de gesucht und gebucht werden kann.

Auf dem Weg zu mehr Online-Buchbarkeit

„Mit der Kooperation nehmen wir Gastgeber an die Hand und begleiten sie auf dem Weg in die Online-Buchbarkeit”, erklärt Johannes Siebers, CEO und Co-Founder von Holidu. „Dazu bieten wir den Gastgebern eine noch bessere technologische Lösung und eine Vereinfachung vieler Prozesse, von einer optimierten Kalenderplanung bis hin zur effizienten Zahlungsabwicklung.” Holidu setzt dabei nicht nur auf innovative Technologien, sondern auch auf persönliche Beziehungen zu den Vermieter*innen.

Thomas Frost, geschäftsführender Inhaber bei ferienwohnungen.de, sagt: „Wir sind sehr glücklich, einen Partner gefunden zu haben, der unseren Gästen und Gastgebern die beste Technologie auf dem Markt bietet. Gemeinsam mit dem Holidu-Team werden wir die Reichweite des Portals noch weiter ausbauen. „Darauf freuen wir uns besonders.”

Holidu betreibt ein gleichnamiges Buchungsportal für Ferienhäuser, das jährlich mehr als 100 Millionen Nutzer*innen verzeichnet. Zudem bietet das Unternehmen eine Software- und Servicelösung für Ferienhausvermieter*innen an, die ihnen hilft, mehr Buchungen mit weniger Aufwand zu generieren. Vermieter*innen können nicht nur auf eine einfach zu bedienende Software zurückgreifen, sondern werden von Reise-Expert*innen vor Ort persönlich unterstützt.

„Solche strategischen Akquisitionen sind für uns ein starker Wachstumstreiber auf der Gastgeber- sowie Gästeseite, der uns einen Wachstumsschub an direkt verwalteten Unterkünften verschafft”, berichtet Johannes Siebers.

Das Büro bei Flensburg soll bestehen bleiben und Teil des Unternehmens Holidu mit über 500 Mitarbeitenden europaweit werden. Holidu-CEO Johannes Siebers freut sich auf die Zusammenarbeit: „Wir heißen die neuen Kollegen herzlich willkommen und freuen uns, gemeinsam an unserer Mission zu arbeiten: dass Gastgeber und Gäste ihr Ferienhaus rundum genießen können, voller Freude und ohne Bedenken.”

Gründer*in der Woche: Ecoblister - Medikamentenverpackung neu gedacht

Unsere Gründer*in der Woche: Falsch eingenommene Medikamente sorgen alljährlich für unzählige Krankenhausaufenthalte und sogar Todesfälle. Die Geschwister Jan Angermann, Anett Tanger und Mona Syhre wollen das mit ihrem Start-up Ecoblister ändern.

Alljährlich sterben in Deutschland mehr Menschen durch zu viele oder falsch eingenommene Medikamente als durch Verkehrsunfälle, illegale Drogen und Suizide zusammen. Das Problem liegt auf der Hand und ist ausgiebig wissenschaftlich untersucht: Insbesondere Menschen, die viele Medikamente gleichzeitig einnehmen müssen, verlieren leicht den Überblick. Viele Pillen sehen ähnlich aus und werden auch noch in ähnlichen Verpackungen ausgeliefert.

Es gibt eine einfache und erprobte Lösung: die patient*innenindividuelle Verblisterung. Das bedeutet, dass sich insbesondere Menschen mit vielen verschiedenen Medikamenten diese individuell verpacken lassen können. Und zwar sortiert nach Tag und Uhrzeit, zu denen sie eingenommen werden müssen. Entsprechende Angebote gibt es schon seit mehr als 20 Jahren. Doch bisher fristen sie ein Nischendasein. Ein Beispiel: Von den rund sieben Millionen Menschen in Deutschland, die regelmäßige Pflege erhalten, bekommt weniger als eine Million ihre Medikamente individuell vorverpackt.

Mona Syhre hat zusammen mit ihren Geschwistern Anett Tanger und Jan Angermann das Leipziger Start-up Ecoblister gegründet, um das zu ändern. Dazu haben sie den Arznei­kalender erfunden, der sogar noch mehr bietet als individuell verblisterte Medikamente. Für ihr Produkt hat die Chemikerin Mona ein Material entwickelt, das vorher noch keine Medikamentenverpackung weltweit zu bieten hatte: Es ist kompostierbar, bietet aber dieselbe Sicherheit wie die bisher üblichen Verbundverpackungen aus Kunststoff und Aluminium.

Bei der Gründung war Mona bereits 57 Jahre alt. „Wir sagen immer, wir sind ein erwachsenes Start-up“, meint sie. Mit dem jungen Start-up-Umfeld können sich die Geschwister oft nicht identifizieren. Start-up-Veranstaltungen seien zwar eine gute Gelegenheit, um zu netzwerken und sich auszutauschen, trotzdem empfindet Mona solche Veranstaltungen häufig als oberflächlich und wenig konkret. Die Gründung im höheren Alter sei für sie aber die beste Entscheidung gewesen: „Im Gegensatz zu jungen Unternehmer*innen bringe ich viel Berufserfahrung mit und lasse mich nicht so leicht verunsichern.“

Neuseeland als Initialzündung

Das erste Mal sah Mona nach Tag und Uhrzeit vorsortierte Medikamente in einer Apotheke in Neuseeland. Das machte sie neugierig. Sie war damals in der Forschung tätig und hatte bereits eine lange Karriere hinter sich. Trotzdem wurde ihr schnell klar, dass dieses Thema ihrem Berufsleben noch einmal eine neue Richtung geben könnte.

„Schon bei der ersten Recherche stieß ich auf erschreckende Zahlen“, sagt sie. Laut einer Stellungnahme des Bundestags aus dem Jahr 2018 stecken Medikationsfehler hinter rund 250.000 Krankenhauseinweisungen jährlich alleine in Deutschland. Die Schätzungen darüber, wie viele Menschen als Folge falsch eingenommener Medikamente sogar frühzeitig sterben, gehen weit auseinander. Laut einer in der Zeitschrift MWW – Fortschritte in der Medizin veröffentlichten Schätzung liegt die Zahl derer, die in Folge sogenannter Polymedikation sterben, zwischen 15.000 und 25.000. Die Krankenkasse BARMER geht sogar von bis zu 70.000 Todesfällen aus, die sich jedes Jahr durch besseres Arzneimitteltherapie­Management verhindern ließen.

Ein Beitrag zur Umwelt und Gesundheit

Damit war die Idee von Ecoblister geboren. Da die Pharma­branche enormen Plastikmüll produziert, war für Mona von Anfang an klar, dass ihre Lösung umweltfreundlich sein sollte. Jährlich werden laut ABDA – Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände e.V. allein 42 Millionen Packungen Ibuprofen in Deutschland verkauft – so gut wie alle in Kunststoff (PVC) verpackt und mit Alufolie verschlossen. Diese Mischung ist in der Müllverwertung kaum zu trennen und damit auch nicht recyclebar. Das Ziel von Ecoblister war es, den weltweit ersten kompostierbaren Blister zu entwickeln.

Nachdem das Ziel klar war, mussten die Geschwister das Marktpotenzial herausarbeiten und professionelle Partner*innen für das Produkt finden. Dazu ließen sie zunächst zahlreiche mögliche Materialien testen: auf Kompostierbarkeit einerseits, aber auch, ob sie die strengen Verpackungsvorschriften für Medikamente erfüllen. Auch andere Unternehmen bat Mona um Hilfe, bis sie schließlich mit ihrem Produkt zufrieden war.

„Die größte Herausforderung war anschließend, Investor*innen zu finden, die an unsere Idee glauben. Gerade in Deutschland ist das für Start-ups oft schwierig, selbst wenn sie bereits ein fertiges Produkt und Produktionspartner*innen haben“, sagt Mona. Eine weitere Herausforderung war, dass viele potenzielle Investor*innen Einfluss auf das Produkt nehmen wollten, obwohl sie nicht vom Fach waren. Schließlich entschieden sich die Geschwister für einen Kredit.

Zielgruppe Senior*innen

Der Fokus des Arzneikalenders liegt vor allem auf Patient*innen mit Polymedikation, also solchen, die dauerhaft fünf oder mehr Medikamente gleichzeitig einnehmen müssen. Wer schon einmal mehr als zwei oder drei Medikamente gleichzeitig regelmäßig einnehmen musste, kennt sehr wahrscheinlich diese Fragen: Habe ich die Dosis für heute Abend schon genommen? Ist die braune Pille das richtige Präparat oder nur eine von den Vitamintabletten, die so ähnlich aussehen? Und wo ist nochmal der Zettel mit den Einnahme-Anweisungen für das neue Medikament? Häufig betrifft das Menschen über 65 Jahren. Das zeigen auch Analysen des BARMER GEK Arzneimittelreports: Innerhalb eines Quartals wurden etwa einem Drittel aller Versicherten über 65 Jahre fünf und mehr Medikamente zur täglichen Anwendung verordnet.

2023, also mehr als 20 Jahre, nachdem Verblistern zum ersten Mal in Deutschland angeboten werden durfte, kommt langsam Bewegung in den Markt: Eine erste Versandapotheke bietet sogenannte Blisterrollen als kostenlosen Service an. Mit diesem System werden die Medikamente zwar nach Einnahmezeitpunkt neu sortiert und verpackt, allerdings erhalten Patient*innen die einzelnen Blister-Abteile in einer langen Rolle, weshalb insbesondere Menschen mit einer Sehbehinderung immer noch Probleme haben dürften, diese auseinanderzuhalten. Und das Müllproblem der Branche löst dieses Angebot auch nicht.

Überzeugungsarbeit für ein sicheres Gesundheitswesen

Damit Verblisterung flächendeckend funktioniert, sind insbesondere ältere Patient*innen ohnehin oft auf ihre lokale Apotheke angewiesen. „Es ist nicht damit getan, dass wir den Ecoblister entwickelt haben“, sagt Mona. „Ich leiste auch täglich Überzeugungsarbeit – bei Apotheken, Ärzt*innen, Krankenkassen und auf Blister-Workshops, die wir regelmäßig organisieren.“ In vielen anderen Ländern, etwa in den benachbarten Niederlanden, zahlt die Krankenkasse, wenn Medikamente individuell sortiert und neu verpackt werden. Dort hat man erkannt, dass individuelle Verblisterung ein einfacher und günstiger Weg ist, die Gesundheit von Menschen zu schützen. In Deutschland übernehmen die Kassen die Kosten trotzdem nur dann, wenn ein professioneller Pflegedienst die Dienstleistung bestellt. Wer nicht im Heim wohnt und beispielsweise von Angehörigen zu Hause versorgt wird, geht leer aus.

Monas Traum ist, dass irgendwann alle Apotheken in Deutschland auf Wunsch individuell verblistern – und dass dabei möglichst wenig Müll entsteht. Dazu braucht es einerseits klare Regeln, wer dafür bezahlt. Andererseits müssten die Apotheken auch mehr Medikamente als sogenannte Schüttware bestellen können, also in großen Behältern verpackt, anstatt, wie aktuell üblich, bereits einzeln verblistert.

Der Erfolg gibt Mona und ihren Geschwistern Recht: Im vergangenen Jahr ist Ecoblister um 50 Prozent gewachsen, bereits 40 Apotheken haben die Produkte in ihr Sortiment aufgenommen. Ohne ihr in langer Berufserfahrung gewonnenes Wissen und hartnäckiges Networking wäre das nicht gelungen, sagt Mona. Ihr Tipp für jüngere Gründer*innen lautet: Nicht verunsichern lassen, keine Angst haben, nach Hilfe zu fragen und immer hartnäckig bleiben. „Ich kann gar nicht zählen, wie viele Menschen mir von der Gründung abgeraten haben. Ich habe einfach weitergemacht – und es funktioniert.“

Hier geht’s zu Ecoblister

HolyPoly: Mit rund 1 Mio. Euro auf dem Weg zum Scale-up

Mit fast einer Million Euro aus dem jüngsten Crowdinvesting will das 2021 von Johanna Bialek und Fridolin Pflüger gegründete Kunststoff-Recycling-Start-up HolyPoly gezielt auf die Suche nach neuen Talenten gehen und zum „Closed-Loop-Weltmeister“ werden.

HolyPoly ist ein gefragter Full-Service-Partner für Kunststoff-Recycling in der Industrie. Auch in Finanzdingen geht das Unternehmen neue Wege und finanziert die nächste Wachstumsetappe mit einem Crowdinvesting, das fast eine Million Euro einbrachte – für neue „Recycling-Talente“ und zur Internationalisierung.

Der Erfolg der Crowdinvesting-Premiere hat selbst die Optimisten bei HolyPoly überrascht: Nach nur zwei Wochen war das angepeilte Investitionsziel von 750.000 Euro in Sicht und das Funding-Limit konnte auf 1 Million Euro erhöht werden. Als die Kampagne im Januar 2024 endete, war selbst diese Marke fast erreicht. Weniger als 10.000 Euro fehlten schließlich an der magischen Summe. Das offizielle Endergebnis: 990.850 Euro.

„Mit diesem überwältigenden Erfolg starten wir sehr zuversichtlich ins Jahr 2024“, sagt HolyPoly CEO Fridolin Pflüger – „denn wir haben uns viel vorgenommen, besonders im Recruiting.“ Mit der Investitionssumme will man bei HolyPoly vor allem neue Talente akquirieren. „Wir haben schon jetzt mehr Projektanfragen auf der Liste als wir bewältigen können“, erklärt Pflüger den wachsenden Personalbedarf. „Unter den potenziellen Kunden finden sich etliche weltweit agierende Marken, die von unserer Expertise profitieren wollen. Darauf können wir nicht verzichten, wenn wir unsere Mission, Kunststoffrecycling selbstverständlich zu machen, wirklich ernst nehmen.“

Um diesem Ziel gerecht zu werden, stellt HolyPoly 2024 wichtige Weichen für eine Transformation. Der geplante Personalzuwachs von zehn bis 15 Prozent folgt dem Ziel, „vom Start-up zum ‘Scale-up’ zu werden“, wie es CEO Pflüger formuliert. Die Wachstumsstrategie zielt deshalb nicht nur auf die Personalgewinnung, sondern forciert auch die bereits angestoßene Internationalisierung im Kundenportfolio und die Umsetzung von Projekten mit wesentlich größeren Produktionsvolumen.

„Wir haben gezeigt, dass unsere Kreislaufprozesse für die Großserienproduktion bereit sind“, sagt Fridolin Pflüger selbstbewusst und geht davon aus, dass „HolyPoly Ende 2025 der Closed-Loop Weltmeister“ ist. Auch mittelfristig legt er die Messlatte für den Unternehmenserfolg hoch: Eine Million Tonnen hochwertiges Rezyklat will HolyPoly bis 2030 durch seine Kund*innenprojekte in hochwertige Kunststoffanwendungen überführen.

Wie wichtig industrielle Recyclinglösungen sind, haben viele Unternehmen verstanden. Sie sehen, dass eine weltweite Kunststoffrecyclingquote von nur 10 Prozent viel zu wenig ist. Namhafte Firmen wie Bosch, Mattel, NUK oder Lamy setzten deshalb heute schon auf die Expertise des HolyPoly-Teams. Mehr als 30 Mitarbeitende aus Bereichen wie Kunststofftechnik, Recycling, Chemie, IT, Design, Kommunikation, Recht, Logistik, Beratung und Nachhaltigkeit arbeiten daran, für diese Kund*innen smarte und zeitgemäße Recyclingprozesse für hochwertige Kunststoffprodukte zu entwickeln.

Die Unternehmenszahlen zeigen deutlich, dass HolyPoly sich erfolgreich in einem extrem dynamischen Wachstumsmarkt mit enormem Entwicklungspotenzial positioniert hat. Der Umsatz hat nach drei Jahren die Grenze von 1,5 Millionen Euro überschritten und die Prognose ist auch hier eindeutig: Wachstum! 54 Projekte hat das Unternehmen inzwischen abgeschlossen. Zu den Kund*innen in Deutschland und Europa kommen derzeit verstärkt auch große internationale Konzerne, die künftig einen erheblichen Beitrag zum Umsatzwachstum leisten werden.

GameChanger des Monats: Tao Climate – CO2 binden mittels Industriehanf

Die Mission der Tao-Climate-Founder Felix Roick und Gary Byrnes ist es, Industriehanfbauern und -produzenten weltweit zu vereinen, um CO2 zu binden und dauerhaft einzulagern. Mit ihrem neuesten Projekt haben sie das Finale von Elon Musks 100-Millionen-Dollar-Wettbewerb XPRIZE Carbon Removal erreicht.

Das von Gary Byrnes und Felix Roick gegründete GreenTech-Start-up Tao Climate, Mitglied der in Berlin ansässigen Greentech Alliance, setzt sich dafür ein, Technologie für einen positiven, messbaren Einfluss auf die Umwelt zu nutzen und die drängende Herausforderung des Klimawandels anzugehen. Tao Climates Mission ist es, Industriehanfbauern und -produzenten weltweit zu vereinen, um CO2 zu binden und dauerhaft einzulagern. Durch den Verkauf hochwertiger CO2-Zertifikate generiert Tao Climate zusätzliche Mittel für die Industriehanf-Industrie weltweit, um letztendlich die Hanfproduktion zu erhöhen und die UN-Emissionslücke von 23 Gigatonnen CO2 pro Jahr zu schließen.

Finale des 100 Mio. Dollar Wettbewerb XPRIZE Carbon Removal erreicht

Jetzt gibt Tao Climate, Mitglied des Google Startups for Sustainable Development-Programms, bekannt, das Finale von Elon Musks Wettbewerb XPRIZE Carbon Removal erreicht zu haben. Der XPRIZE Carbon Removal zielt darauf ab, die größte Bedrohung für die Menschheit anzugehen – den Kampf gegen den Klimawandel und das Wiederherstellen des Kohlenstoffkreislaufs der Erde. Finanziert von Elon Musk und der Musk Foundation, ist dieser 100-Millionen-Dollar-Wettbewerb der größte Anreizpreis in der Geschichte.

Das gemeinsame Projekt mit Hemp Technology, einem ukrainischen Unternehmen für die Verarbeitung und den Bau von Hanfbeton, unterstreicht die Kraft von Innovation, Umweltverantwortung und sozialem Engagement und bietet eine überzeugende und effektive Lösung für die Klimakrise. Die gemeinsame Einreichung konzentriert sich auf den Bau nachhaltiger Hanfbeton-Häuser für 170 Binnenvertriebene und Kriegswaisen in Lwiw, Westukraine. Die sichere und dauerhafte Einlagerung des extrahierten CO2 wurde von einer unabhängigen dritten Partei verifiziert.

Hanfbeton, oder auch Hanfkalk genannt, ist ein Verbundmaterial aus Hanfschäben, Kalk und Wasser. Dieses seit Jahrhunderten genutzte Baumaterial bietet nicht nur widerstandsfähigen Schutz, sondern auch beispiellose Umweltvorteile, einschließlich dauerhafter CO2-Einlagerung. Die Vision von Tao Climate besteht darin, die nachhaltige Rekonstruktion der Ukraine aktiv durch den Einsatz von Hanfbeton-Gebäuden zu unterstützen, sowohl während als auch nach Ende des Konflikts.

"Bei Tao Climate sind wir fest entschlossen, die Kraft der Natur für eine nachhaltige Zukunft zu nutzen", bekräftigt Gary Byrnes, CEO von Tao Climate. "Unsere Zusammenarbeit mit Hemp Technology repräsentiert eine ideale Synergie von Innovation, Umweltverantwortung und sozialem Einfluss. Gemeinsam präsentieren wir unseren Finalbeitrag im XPRIZE Carbon Removal Wettbewerb und heben das enorme Potenzial von Hanfbeton zur Reduzierung von Kohlenstoffdioxid Emissionen und zur Verbesserung von Lebensbedingungen hervor."

Chatbot-Pionier Kauz schließt 2,3 Mio. Euro Finanzierungsrunde ab

Das 2016 von Dr. Thomas Rüdel gegründete Chatbot-Unternehmen Kauz GmbH erhält für den weiteren Ausbau seiner generativen KI-Plattform 2,3 Mio. Euro vom Investorennetzwerk Companisto.

Kauz kombiniert führende Large Language Modelle mit der selbst entwickelten NLU-Technologie und ermöglicht damit einen kontrollierbaren KI-Einsatz in Unternehmen.

2.3 Millionen über den Angel Club und Privatinvestoren

Kauz ging bereits im März 2023 als erster Chatbot-Anbieter im DACH-Raum mit einer ChatGPT-Integration auf den Markt. Parallel dazu wurde der Ausbau zu einer Self-Service Plattform für KI-Assistenten forciert, die durch zusätzliche finanzielle Mittel beschleunigt werden soll. Dabei wurde ganz bewusst auf das Privatinvestorennetzwerk von Companisto gesetzt, um den bisher erfolgreichen Expertenansatz in der Technologieentwicklung auch in den kommenden Jahren unabhängig fortsetzen zu können. Innerhalb weniger Wochen wurden über den Angel Club, Bestandsinvestoren einschließlich einer Wandelanleihe des Gründers sowie über Mikroinvestments von Privatinvestoren 2,3 Millionen Euro zugesagt. “Die rasche und unkomplizierte Durchführung der Finanzierungsrunde bestätigt das bereits jetzt greifbare Potenzial unseres Technologie- und Marktansatzes”, zeigt sich der Gründer und CEO von Kauz Dr. Thomas Rüdel erfreut.

Kauz aiStudio: Self-Service Plattform für KI-Assistenten

Die Finanzierung wird in den weiteren Ausbau des Kauz aiStudios investiert, das Unternehmen jeder Größe den Einsatz von Website-Chatbots und KI-Assistenten für interne Bedarfe ermöglicht. Die Mission von Kauz besteht in der Sicherstellung der Kontrollierbarkeit von KI-Lösungen. Diesem Ziel dient auch die Einführung sogenannter “privater Modelle”, mit denen Kauz den Trend zu Open- Source-Modellen, die kundenindividuell anpassbar und bei Bedarf auch on-premise einsetzbar sind, unterstützt.

“Historisch sind wir mit 180 Chatbot-Anwendungen überwiegend im Mittelstands-Segment angesiedelt. Durch die Nutzbarkeit von generativer KI können wir mit dem Kauz aiStudio unsere Lösung nun noch besser skalieren und damit auch die Digitalisierung im Mittelstand beschleunigen und sogar neue Kundensegmente wie zum Beispiel Handwerksbetriebe erschließen", bestätigt Dr. Rüdel weiters eine neue Marktfacette.

Planet A Foods: 15,4 Mio. Dollar-Investment für die weltweit erste kakaofreie Schokolade

Das Münchner B2B-FoodTech-Start-up wurde 2021 von den Zwillingen Dr. Sara und Dr. Max Marquart gegründet und investiert das Geld die internationale Expansion seiner kakaofreien Schokolade ChoViva.

Planet A Foods, ein Start-up für nachhaltige Lebensmittel-Zutaten, hat in einer neuen Series-A-Finanzierungsrunde 15,4 Millionen US-Dollar frisches Kapital eingesammelt. Das B2B-Food-Start-up will das Geld dazu nutzen, die Produktion der Kakaoalternative ChoViva zu skalieren, die Kosten zu senken und in weitere Märkte zu expandieren. Die Finanzierungsrunde wurde bereits 2023 abgeschlossen.

„In Zukunft wird Schokolade teurer werden als Kaviar, wenn wir nichts dagegen unternehmen. Wir arbeiten jeden Tag daran, mit ChoViva Teil der Lösung zu sein. Mit dem Produkt bauen wir eine Alternative zu Schokolade auf und entlasten so die Kakaolieferkette“, sagt Mitgründer und CEO Dr. Max Marquart. Die Series-A-Finanzierungsrunde wird vom Climate-Tech-Wagniskapitalgeber World Fund mit Sitz in Berlin angeführt. Omnes Capital, Cherry Ventures, Mudcake, Nucleus Capital und TriplePoint Capital sowie weitere beteiligten sich ebenfalls.

„Dass diese Series-A-Finanzierungsrunde trotz eines allgemeinen Rückgangs der Investitionen in der Lebensmittelbranche überzeichnet war, steht für den Erfolg von Planet A Foods”, sagt Daria Saharova, Managing Partner des World Funds.

Müslimarke Kölln setzt bereits auf ChoViva

Planet A Foods ist mittlerweile unter anaderem bei REWE in einer Reihe namhafter Produkte zu finden, darunter von Müslihersteller Peter Kölln und Kekshersteller Griesson - de Beukelaer. Lufthansa bietet den Business-Class-Gästen die ChoViva-Tafeln an. Das Startup hat darüber hinaus kürzlich ein Produkt zusammen mit der Schokoladenmarke Lindt eingeführt. „Innerhalb von drei Jahren hat Planet A Foods aus einem Proof-of-Concept ein industrietaugliches Produkt gemacht, das heute in den Regalen steht, und Partnerschaften

mit großen globalen Lebensmittelunternehmen geschlossen“, so World-Fund-Partnerin Saharova.

Das Team von Planet A Foods hat bereits einen Teil der Finanzierung für den Ausbau der Produktion in seinem Werk in Pilsen (Tschechien) verwendet. Inzwischen kann das Unternehmen 750 Kilogramm ChoViva pro Stunde in einer hocheffizienten Produktionsumgebung herstellen. Der Prozess ist nach IFS zertifiziert, einem international anerkannten Standard für Lebensmittelsicherheit.

Planet A Foods hat eine Reihe von Produkteinführungen für 2024 geplant, und die Gründer*innen planen die Besetzung wichtiger neuer Positionen in ihrem über 40-köpfigen Team in Deutschland. Die gesammelten Mittel werden außerdem für die weitere Optimierung der Technologieplattformund für die Markteinführung in Großbritannien in diesem Jahr verwendet. Die Geschwister befinden sich darüber hinaus in Gesprächen mit strategischen Vertriebspartnern in anderen europäischen Märkten, Asien und in den USA. „Die Series A hat die Weiterentwicklung unserer Technologieplattform beschleunigt und ermöglicht uns, hochkarätige Expert*innen in den Bereichen Lipide, Schokolade und Synbio einzustellen,“ sagt Dr. Sara Marquart.

ChoViva: umweltfreundliche Kakaoalternative

Im Fermentationsprozess des Unternehmens werden lokal bezogene Zutaten – darunter Hafer und Sonnenblumenkerne – mithilfe firmeneigener Technologien in ChoViva verwandelt: ein Produkt mit zartschmelzender Textur und Schokoladengeschmack. „Mithilfe der Finanzierung haben wir nicht nur unser Produktportfolio erweitert, sondern auch Geschmack und Textur verbessert und unsere führende Position im Bereich alternativer Kakao- und Schokoladenprodukte gefestigt“, sagt Dr. Sara Marquart, CTO und Mitgründerin von Planet A Foods. ChoViva kann in Kombination mit herkömmlicher Schokolade oder als vollwertiger Ersatz verwendet werden. Es enthält bis zu 30 Prozent weniger Zucker und hat dank lokaler Zutaten und kurzer Lieferketten einen deutlich geringen CO2-Fußabdruck.

Das Unternehmen geht von einem riesigen Markt für das umweltfreundliche Produkt aus, da im Vergleich zu Kakao auch die Kosten attraktiv sind. Die Schokoladenpreise haben angesichts der Ernteausfälle infolge der Klimakrise derzeit ein 45-Jahres-Hoch erreicht.

Marktforscher erwarten, dass die aktuell 254 Milliarden US-Dollar schwere Schokoladenindustrie zwischen 2024 und 2028 jährlich um mehr als 5,6 Prozent wachsen wird.

Am Anfang stand ein Thermomix

Max Marquart, studierter Materialwissenschaftler und zweifacher Start-up-Gründer, wurde zur Idee für das Unternehmen inspiriert, nachdem er ein Buch von Rob Dunn mit dem Titel „Never out of Season“ gelesen hatte, in dem die zunehmend gefährdete Situation der globalen Monokultur-Lebensmittelproduktion beschrieben wird. „Mein Gedanke: Wollen wir wirklich eine Welt ohne Schokolade?'”, sagt er. Die Schwester des Unternehmers, Sara Marquart, ist Lebensmittelchemikerin und Expertin für Biotechnologie mit Spezialisierung auf Aromaherstellung. Sie arbeitete zuvor als Leiterin der Abteilung für Aromen an der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften und verfügte daher über die Expertise, um ein kakaofreies Produkt zu entwickeln, das wie Schokolade schmeckt.

„Nach Hunderten von Versuchen hatten wir unseren ersten essbaren Prototyp. Als wir dann bei Y Combinator angenommen wurden, ging es Schlag auf Schlag“, sagt Sara. „Danach wurden wir als die Chocolate Siblings bekannt und unsere Produkte wurden inzwischen auf der ganzen Welt verkostet, von Mexiko bis nach Japan.“

Rabot Charge: Öko-Strom-Start-up sammelt 17,5 Mio. Euro in Series A Runde ein

Rabot Charge ist ein 2021 in Hamburg gegründeter digitaler Öko-Stromversorger, der seine Kund*innen dank flexibler Stromtarife von Marktpreisschwankungen profitieren lässt.

Die Finanzierung soll das Wachstum des 2021 von Jan Rabe und Maximilian Both gegründeten Hamburger Unternehmens Rabot Charge beschleunigen, die Entwicklung von KI-basierten Algorithmen für den Stromeinkauf an kurzfristigen Märkten vorantreiben und weitere Produktinnovationen ermöglichen.

Angeführt wird die Runde von einem der führenden Wachstumsinvestor in Europa, HV Capital. Beteiligt haben sich zudem All Iron und 9900 Capital sowie bestehende Investoren, wie yabeo Impact, HTGF und vent.io, die damit ihr Vertrauen in das Team von Rabot Charge bekräftigen. Seit der Gründung im Jahr 2021 hat Rabot Charge insgesamt 25 Millionen Euro Kapital eingesammelt.

Rabot Charge bietet deutschlandweit dynamische Stromtarife für Haushalte an – und das auch ohne die Notwendigkeit eines Smart Meters. Kund*innen profitieren nicht nur von günstigen Strompreisen, sondern können auch den Energieverbrauch mit einer intelligenten App optimieren. Mit der KI-basierten Lösung für Stromnutzung und Einkauf treibt Rabot Charge die Digitalisierung im Energiesektor wesentlich voran. Zudem bietet das Unternehmen White-Label-Lösungen für Energieversorger, Smart-Asset-Anbieter, Installationsbetriebe und andere Unternehmen mit Endkundenzugang. Sie können auf die bestehende Software und Infrastruktur zugreifen, um ihren Kunden dynamische Stromtarife unter eigenem Label anzubieten. Aktuell beschäftigt Rabot Charge rund 60 Mitarbeiter an den Standorten Berlin, Hamburg und München.

Jan Rabe, CEO von Rabot Charge: „Dynamische Stromtarife haben sich in Ländern wie Schweden oder Norwegen bereits durchgesetzt. Deutschland belegt im europäischen Vergleich die hinteren Plätze. Im Rahmen der Energiewende sind solche Tarife unverzichtbar. Sie ermöglichen, den Stromverbrauch nach preislichen und ökologischen Aspekten zu steuern. Mit Rabot Charge wollen wir die Probleme im Strommarkt lösen und unsere Vision von fairen Strompreisen und smarter Energienutzung vorantreiben.“

Innerhalb eines Jahres hat Rabot Charge nach eigenen Angaben über 35.000 Kund*innen in ganz Deutschland gewonnen. Besonders profitieren Haushalte mit Elektroautos und Wärmepumpen. Diese können auch auf Rabot Charge-App zurückgreifen. Die App informiert Nutzer*innen, wann Strom am günstigsten ist, und hilft ihnen, den Verbrauch entsprechend zu planen. Wer die App mit seinem Elektrofahrzeug koppelt, kann Ladevorgänge automatisiert starten. Einen Teil des eingesammelten Kapitals wird Rabot Charge nutzen, um eben dieses Prinzip für weitere große Energieverbraucher*innen im Haushalt und Industrie auszubauen.

Dank seines KI-basierten Algorithmus kauft Rabot Charge Strom zu günstigen Preisen auf kurzfristigen Märkten ein, darunter der Day-Ahead- und Intraday-Markt. Die auf diese Weise erzielten Einsparungen gibt das Unternehmen an seine Kund*innen weiter. Mit dieser innovativen Methode können Verbraucher*innwn ihre Stromrechnungen um mehrere hundert Euro im Jahr reduzieren und gleichzeitig ihren Grünstromanteil erhöhen.

David Kuczek, General Partner HV Capital: „Rabot Charge ist ein wichtiger Akteur in der Energiewende. Das Team hilft Verbrauchern dabei, leichter auf erneuerbare Energien ohne zusätzliche Kosten umzusteigen. Das Modell setzt auf das Stromangebot aus erneuerbaren Quellen und hilft Haushalten viel Geld zu sparen – allein in Deutschland könnten die 40 Millionen Haushalte ihre Stromausgaben um mehrere Milliarden Euro reduzieren."

COLIPI: Hamburger DeepTech-Start-up schließt 1,8 Mio. Euro Seed-Finanzierung ab

Das 2022 von Philipp Arbter, Tyll Utesch, Jonas Heuer und Maximilian Webers gegründete Start-up COLIPI entwickelt ein industriell-biotechnologisches Verfahren, welches klimaschädliches CO2 und kohlenstoffhaltige Industrieabfälle in Climate Oil umwandelt.

COLIPI: die "Brauerei für Öle"

Das 2022 gegründete Start-up, eine Ausgründung der Technischen Universität Hamburg, unterstützt durch das EXIST Forschungstransfer Programm (Bundesministerium für Wirtschaft und Klimaschutz) und das InnoRampUp Programm (IFB Innovationsstarter GmbH), revolutioniert die Art der Ölherstellung. COLIPI ist gewissermaßen eine Brauerei für Öle. Kohlenstoff wird aus der Luft gewonnen bzw. gefiltert statt aus dem Erdreich gepumpt. CO2-haltige Industrieabgase und organische Nebenströme, z.B. aus der Agrarindustrie, werden durch Mikroorganismen via Fermentationen in wertvolle Biomaterialien wie Climate Oil umgewandelt. Das Verfahren ist, gemessen am CO2-Fußabdruck und der Auswirkung auf die Artenvielfalt, nachhaltiger als Erdöl oder Palmöl. Es wird durch einen patentierten Bioprozess, eine Kombination aus einem speziell entwickelten Gas-Fermentationsbioreaktor und den weltweit schnellsten CO2-konsumierenden Bakterien, ermöglicht.

Industriepartner, die Produkte wie zum Beispiel Kosmetika auf Basis von Climate Oil anbieten, werden den Corporate CO2-Footprint deutlich reduzieren können. Die Gründer Philipp Arbeiter, Tyll Utesch, Jonas Heuer und Maximilian Webers streben an, ab 2039 jährlich viele Millionen Tonnen Climate Oil pro Jahr zu produzieren und ein Vielfaches dessen an CO2 zu vermeiden. Das wird ein aktiver Beitrag zum Klimaschutz und damit zum Schutz der Menschheit.

Team vergrößern, Markt testen, Technik skalieren

Die nun abgeschlossene Seed-Finanzierung ist ein weiterer Meilenstein für das junge Unternehmen. Das Kapital wird genutzt, um das Team zu vergrößern, den Markt zusammen mit von Partnern hergestellten Produkten zu testen und die Technik zu skalieren.

Zu den Investor*innen gehören der High-Tech Gründerfonds (HTGF), der Innovationsstarter Fonds Hamburg (IFH), Nidobirds Ventures GmbH und Stefan De Loecker. Mit dem Investment kommt COLIPI ihrer Vision “Fermenting Renewable Carbon For Generational Life Quality” ein großes Stück näher.

“Wir glauben fest daran, dass unser Gas-Fermentations-Prozess ein Meilenstein für Bioprozesse darstellt, mit dem riesigen Potential, Biomaterialien wie Öle massenhaft zu günstigen Preisen und ohne umweltschädliche Einflüsse zu produzieren. Climate Oil soll eine klimaneutrale Alternative zu Palm- und Erdöl werden, die der Industrie hilft, Klimaziele leichter zu erreichen durch Reduktion von GHG Scope 3 und die Umwelt zu schützen. Mit Stefan De Loecker, HTGF, Innovationsstarter Fonds Hamburg und Nidobirds stehen wir zum Teil seit 2021 in regelmäßigen Austausch und freuen uns in ihnen die perfekten Partnerinnen für unsere nächsten Schritte gefunden zu haben”, kommentiert Maximilian Webers, Co-Founder & CEO von COLIPI.

Dr. Nik Raupp, Senior Investment Manager beim HTGF: „Die COLIPI-Gründer sind mit ihrer hohen technischen Kompetenz in der Biotechnologie und ihren wirklich innovativen Ansätzen zur nachhaltigen Lösung einer großen Herausforderung ein Paradebeispiel für das Potenzial der Bioökonomie.”

Dörte Bunge, Principal beim Innovationsstarter Fonds: „Ich freue mich auf die zukünftige Zusammenarbeit mit dem Team der COLIPI GmbH. Diese Technologie hat das Potenzial, ein Massenprodukt zu einem akzeptablen Preis zu ersetzen und kann damit einen wirklichen Impact erreichen.”

Prof. Dr.-Ing. Andreas Timm-Giel, Präsident TU Hamburg: „Technologietransfer aus Universitäten erfolgt neben direkten Industriekooperationen, Veröffentlichungen, Patenten und Absolventen auch über Start-ups. Technologische Lösungen, wie von COLIPI entwickelt, werden benötigt, um den Klimawandel abzumildern. Wir freuen uns, dass wir als Gründerhochschule mit unserem Startup Port @ TUHH eine Reihe von erfolgreichen Startups in Green Technologies zur Gründung führen konnten. COLIPI gratulieren wir ganz herzlich zu dieser weiteren Förderung und begleiten sie gerne auf ihrem weiteren Weg!”

Stefan De Loecker: „Die Innovation von COLIPI kann einen wesentlichen Beitrag zum Schutz des Klimas liefern, insbesondere weil auch die Wirtschaftlichkeit der Technologie attraktiv ist. Dieses Thema liegt mir seit Jahren sehr am Herzen und die Begeisterung des COLIPI Teams ist ansteckend.”

Nicholas Keuper, Geschäftsführer Nidobirds Ventures: “COLIPI passt strategisch genau zu unserer Value Investing-Philosophie. Für uns steht die Qualität des Gründerteams immer an erster Stelle, und dieses Team hat uns überzeugt.”

Gründer*in der Woche: Beyond Emotion - die Health-Tech-Visionär*innen

Unsere Gründer*in der Woche: Das Hamburger Start-up Beyond Emotion hat eine kamerabasierte Software entwickelt, die Emotionen und Gesichtsausdrücke erkennt und so einen gesellschaftlichen Mehrwert in den Bereichen Gesundheit und häusliche Pflege bieten will.

Eine Folge des demografischen Wandels sind überfüllte Pflegeheime, fehlende Pflegekräfte und immer mehr Senior*innen, die alleine zu Hause leben. Diese Entwicklung stellt eine der größten Herausforderungen in der Gesundheits- und Pflegebranche dar. Was hier fehlt, sind innovative technologische Lösungen, die einen gesellschaftlichen Mehrwert in den Bereichen Gesundheit und Pflege liefern können. Um diesem Mangel entgegenzuwirken, gründeten die Informatiker Dr. Arne Bernin und Sobin Ghose zusammen mit Hanne Butting, einer Wirtschaftspsychologin mit tiefgehender Leidenschaft für Emotionserkennung, 2021 das Start-up Beyond Emotion.

Der innovative Ansatz von Beyond Emotion liegt in der Entwicklung einer kamerabasierten Software, die 17 verschiedene Emotionen und Gesichtsausdrücke erkennen kann. „Obwohl es bereits verschiedene Mitbewerber auf dem Markt gibt, die ebenfalls KI für die Unterstützung von Senior*innen zu Hause nutzen, ist der Einsatz von Emotionserkennung bisher einmalig“, erklärt Mitgründerin Hanne.

Ihr Produkt BEJOY ist ein digitaler Bilderrahmen, der speziell für ältere Menschen entwickelt wurde und über integrierte Funktionen zur Stimmungs- und Aktivitätserkennung verfügt. Der digitale Bilderrahmen ist über die dazugehörige Smartphone-App mit den Angehörigen verbunden. Dadurch wird es möglich, Fotos direkt via Bilderrahmen zu teilen.

Der digitale Bilderrahmen kann aber nicht nur Fotos empfangen und anzeigen, sondern den Angehörigen auch wichtige Informationen über die Aktivitäten und Stimmungen der zu pflegenden Personen liefern. „Er bietet Echtzeit-Informationen über das Wohlbefinden der Senior*innen und schafft so ein zusätzliches Maß an Sicherheit und Entlastung für pflegende Angehörige“, erklärt Hanne. Der Bilderrahmen löst eine Benachrichtigung über die App aus, wenn negative Emotionen erkannt werden. Die Angehörigen können daraufhin zum Beispiel anrufen und direkt nachfragen.

Die Basis: 18 Jahre Forschungserfahrung

Die Ausgründung aus der Hochschule für Angewandte Wissenschaften in Hamburg war das Ergebnis einer langen und gründlichen Forschungsphase von Arne und Sobin. Die Entwicklung von BEJOY wurde durch die individuellen Forschungs- und Berufserfahrungen des Gründungsteams stark beeinflusst. Insbesondere die Projekte „Affective Computing“ und „EmotionBike“, an denen Arne und Sobin beteiligt waren, sowie die intensive Auseinandersetzung mit den Belastungen pflegender Angehöriger von Demenzerkrankten durch Hanne, trugen zur Sensibilisierung des Teams für die Herausforderungen und Bedürfnisse in der Gesundheits- und Pflegebranche bei. Insgesamt flossen vorab mehr als 18 Jahre Forschungserfahrung der Mitgründer*innen in die Entwicklung ein.

Mithilfe des EXIST-Gründerstipendiums konnten dann notwendige Ressourcen und Expertise mobilisiert und die Entwicklungsarbeit ohne Verzögerungen angegangen werden. „Diese Unterstützung war schlussendlich der Kataly­sator für die Entwicklung der künstlichen Intelligenz, die 17 verschiedene Emotionen und Gesichtsausdrücke kamera­basiert zuverlässig erkennt“, so Mitgründer Sobin.

Die Finanzierung durch verschiedene Förderprogramme sowie die Unterstützung durch Venture Capital bildeten ein solides Fundament für die Realisierung des Gründungsvorhabens. „Trotz der Herausforderungen, gerade in der Anfangsphase genügend Finanzierungen für unser Vorhaben zu sichern, war die Ausweitung des Teams ein mutiger Schritt, um unsere gemeinsame Vision zu verwirklichen“, sagt Hanne. „Dank der unterschiedlichen Fähigkeiten und Kenntnisse jedes Teammitglieds, konnten wir kontinuierlich wachsen, ein innovatives Produkt entwickeln und unseren Beitrag leisten, um dem demografischen Wandel gewachsen zu sein.“

Zertifizierung und EU-Markt im Visier

Um das Produkt mittelfristig noch attraktiver für potenzielle Nutzer*innen zu gestalten, strebt das Team 2024 eine DiPA-Zertifizierung an. „Das würde bedeuten, dass die monatlichen Gebühren für BEJOY von den Pflegekassen übernommen werden würden. Ein gewaltiger Schritt, der die Legitimität des Produktes definitiv steigern würde und eine große Hilfe für pflegende Angehörige wäre“, erklärt Arne. Darüber hinaus plant das Unternehmen, BEJOY im Jahr 2025 im EU-Markt zu lancieren und durch die Einführung neuer Features wie Videotelefonie kontinuierlich weiterzuentwickeln.

Pilotprojekte, wie die Zusammenarbeit mit einer großen Fachklinik für Psychiatrie zur Validierung der Behandlungsqualität bei depressiven Patient*innen, unterstreichen das Engagement von Beyond Emotion, die Lebensqualität von Menschen zu verbessern und den gesellschaftlichen Mehrwert von KI im Gesundheitswesen hervorzuheben. „Der B2B-Markt, insbesondere im Bereich der Seniorenheime und des betreuten Wohnens, birgt ein enormes Potenzial für den Einsatz unserer Software, den wir ebenfalls noch angehen wollen. BEJOY kann dabei unterstützen, das Wohlbefinden der Bewohner*innen besser zu verstehen und unterstützt die Pflegekräfte darin, zeitnah auf ihre emotionalen Bedürfnisse einzugehen“, so Hanne.

So vielseitig einsetzbar die Emotionserkennung ist, so schwierig war es anfangs, den richtigen Use Case zu finden. „Eines der wichtigsten Learnings war es, einen klaren Anwendungsfall für unsere Technologie zu identifizieren, bevor wir uns in die Entwicklung stürzten“, so Hanne. „Anfangs standen wir vor einem Meer von Möglichkeiten, was zu einem längeren Prozess führte, bis wir BEJOY entwickeln konnten. Durch die Ausrichtung auf einen konkreten Use Case haben wir uns darauf konzentriert, ein Produkt mit einem echten gesellschaftlichen Mehrwert zu schaffen.“

Datenschutz als zentraler Aspekt

Auch das Thema Datenschutz ist ein zentraler Aspekt, insbesondere in Bereichen wie Gesundheit und Pflege. „Bei Beyond Emotion haben wir den Datenschutz ernst genommen und ihn zu einer unserer höchsten Prioritäten gemacht. Um ein höheres Maß an Datenschutz zu gewährleisten, nutzen wir Edge Computing“, so Hanne. Edge Computing ermöglicht es, direkt auf dem Gerät des Nutzenden die Bilddaten auszuwerten, anstatt die Bilddaten an einen entfernten Server zu senden. „Ich bin stolz, darauf, dass meine Kollegen die KI-Modelle so performant gestalten konnten, dass – wo andere Serverfarmen brauchen – für uns ein Tablet ausreicht, um die Bilddaten zu verarbeiten. Wir haben es geschafft, dass die Bilddaten ausschließlich auf dem Bilderrahmen ausgewertet werden. Lediglich das Ergebnis der Analyse ,Hans geht es gut‘, wird an die Angehörigen geschickt“, ergänzt Hanne.

Das bedeutet, dass die gesamte Verarbeitung der für die Emotionserkennung benötigten Daten lokal auf dem Gerät des Nutzenden durchgeführt wird, und keine sensiblen Bilddaten über das Netzwerk gesendet oder auf entfernten Servern gespeichert werden. Dadurch wird das Risiko eines Datenverlusts oder -diebstahls deutlich minimiert.

Die Reise in den Gesundheits- und Pflegesektor war laut der Gründer*innen keineswegs einfach, aber die positive Wirkung, die ihr Produkt auf das Leben von älteren Menschen und ihren Angehörigen hat, habe sich als äußerst belohnend erwiesen. „Unsere Erfahrungen haben uns gezeigt, dass der Bedarf an Technologien, die sowohl effektiv als auch ethisch sind, groß ist. Wir sind begeistert von den vielfältigen Anfragen aus verschiedenen Sektoren, die die breite Anwendbarkeit und das Potenzial unserer Emotionserkennung zeigen“, so Hanne Butting abschließend.