doQtor: Kostenlose, psychologische Ersthilfe für ukrainische Geflüchtete


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Das 2020 in Köln gegründete Mental-Health-Start-up doQtor leistet mit seinem Projekt „Mental Help for Ukraine“ Geflüchteten psychologische Ersthilfe und sucht nach weiteren Unterstützer*innen.

Seit Russlands Angriffskrieg gegen die Ukraine erleben wir mitten in Europa die am schnellsten wachsenden Flüchtlingskrise seit dem Zweiten Weltkrieg. Zerbombte Wohnhäuser, heulende Sirenen, düstere Schutzkeller – teilweise ohne Strom und Wasser, und die Flucht ins Ungewisse von Millionen von Menschen. Sie müssen ihr Leben aus einem Provisorium neu errichten, mit unklarem Ausgang und drängenden Fragen an die Gegenwart und die Zukunft. Wo befinden sich nahestehende Verwandte und Freunde? Wie kann ich sie erreichen? Werde ich meine Familie in Deutschland versorgen können? Solche Erlebnisse hinterlassen oft tiefe Spuren in der Psyche der Betroffenen: Sie werden von vielen als traumatisierend erlebt.

Mental-Health Start-up leistet psychologische Erste Hilfe

Durch den Krieg in der Ukraine finden wir uns plötzlich an vorderster Front einer sich entwickelnden Krise der psychischen Gesundheit wieder. Das Kölner Start-up für psychische Gesundheit doQtor hat daher das Projekt „Mental Help for Ukraine“ ins Leben gerufen, das psychologische Erste Hilfe für Geflüchtete mit lokalen Psycholog*innen und psychologischen Fachberater*nnen leistet. Die digitale Plattform für Unternehmen, die ihren Mitarbeitern einen umfassenden Service in psychosozialen Belastungssituationen bieten wollen, unterstützt die Geflüchteten dabei, in ihrer belastenden Situation eine passende psychologische Hilfe zu finden.

Geflüchtete Ukrainer*innen können auf doQtor.de nicht nur Informationen rund um das Thema in ukrainischer oder englischer Sprache herunterladen, sondern sich auch direkt online einen Gesprächstermin buchen. Das Team vermittelt dann die belasteten Menschen an psychologisch geschultes Personal mit ukrainischen oder russischen Sprachkenntnissen, aktuell vorwiegend im Rheinland und im Raum Köln. Der kostenlose Vermittlungsservice wird in Kürze deutschlandweit ausgerollt.

Geflüchtete Ukrainerin leitet das Projekt

Die Mitarbeiterin aus dem doQtor-Team Emily Herter hatte über 15 Jahre lang jeden Sommer ein ukrainisches Gastkind bei sich in der Familie, Yuliia Duliepa aus Kiew - heute 21 Jahre alt, von Beruf Übersetzerin für Deutsch und Englisch. Nach Kriegsausbruch vor über vier Wochen hat es Yuliia unversehrt bis an die polnische Grenze geschafft, wo ihre ehemalige deutsche Gastfamilie sie erneut, diesmal aber unter ganz anderen Umständen, in Empfang nehmen und nach Deutschland bringen konnte.

“Yuliia hat bei uns Hilfe gesucht und unserem Team berichtet, wie stark traumatisiert die Geflüchteten sind, wie sehr es sie zerreißt, nicht zu wissen wie es ihren Verwandten geht, die sie zurücklassen haben müssen. Aus den Gesprächen mit Yuliia entstand die Idee, unsere digitale Plattform, die wir Unternehmen für ihre Mitarbeiter in psychosozialen Fragen zur Verfügung stellen, so anzupassen, dass wir damit Geflüchtete schnell und unbürokratisch unterstützen und sie in professionelle, psychologische Unterstützung bringen können”, erklärt doQtor-Gründer Benjamin Schwarz. 

Yuliia ist nun festes Teammitglied, sie leitet das Projekt “Mental Help Ukraine” und steht als erste Ansprechpartnerin für Hilfesuchende zur Verfügung. Sie sagt: “Für mich ist es so wichtig, hier eine Aufgabe zu haben und meinen Landsleuten zu helfen.”

doQtor ist auf weitere professionelle Unterstützung für „Mental Help for Ukraine“ angewiesen, es wird deutschlandweit weiteres psychologisch geschultes Personal mit entsprechenden Sprachkenntnissen benötigt. Wer bereit ist, zu helfen, kann sich jederzeit über die Website melden. https://www.doqtor.de/ukraine

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100 Mio. Euro Kapital für europäische Health-Tech-Start-ups

Die 2021 von Prof. Dr. Reinhard Meier und Markus Feuerecker gegründete YZR Capital legt einen neuen Investitionsfonds für europäische Early-Stage-Health-Tech-Start-ups mit Fokus auf Pre-Seed, Seed und Series A Finanzierungen auf.

YZR wurde 2021 von dem TeleClinic-Mitgründer und Arzt Prof. Dr. Reinhard Meier und dem erfahrenen Private Equity Investor Markus Feuerecker gegründet und ist ein in München ansässiges Beteiligungsunternehmen, das auf sektorenfokussierte Investitionen setzt. Der 100 Millionen Euro Venture Capital Fonds YZR Capital Fund I stellt jungen europäischen Health-Tech-Unternehmen Kapital und Expertise zur Verfügung.

Knapp 60 Prozent des angestrebten Zielvolumens in Höhe von 100 Millionen Euro wurden bereits im First Closing Ende November gezeichnet. Anleger*innen sind institutionelle und strategische Investor*innen wie der European Investment Fund, Bertelsmann Investments und die Beiersdorf AG. Zudem sind Family-Offices sowie Industrie- und Tech-Unternehmer*innen investiert. Mit dem neu ins Leben gerufenen Fonds unterstützt YZR europäische Health-Tech-Gründer*innen auf ihrem Weg zu globalen Technologieführern und möchte einen Beitrag dazu leisten, den europäischen Health-Tech-Standort zu stärken.

Entsprechend komplementär ist das Gründerteam von YZR Capital. Gründungspartner Prof. Dr. Reinhard Meier war praktizierender Arzt und Mitgründer der telemedizinischen Plattform TeleClinic, die 2020 an einen börsennotierten Konzern verkauft wurde. Der Digital Health Pionier unterstützt bereits seit Jahren das deutsche Health-Tech-Gründer*in-Ökosystem als Business Angel. Gründungspartner Markus Feuerecker verfügt über mehr als zehn Jahre Erfahrung als Private Equity Investor. Er investierte für namhafte Fonds in den Disziplinen Venture Capital, Wachstumskapital und Buy-Out. Das Team um die YZR-Initiatoren deckt außerdem ein weites Spektrum der Gesundheits- und Tech-Branche ab. Es besteht u.a. aus Seriengründer*innen und ehemaligen CEOs der Gesundheitsindustrie.

Die ersten sechs Investments des Fonds stehen

Die ersten sechs Investments des Fonds stehen bereits. Beispielsweise die Beteiligung an scan.com, einer u.a. im Vereinigten Königreich und den USA tätigen Buchungsplattform für medizinische Bildgebung. Weitere Beteiligungen bestehen u.a. an clare&me und ApoQlar. clare&me ist eine sprachbasierte KI-Lösung für psychische Erkrankungen im englischsprachigen Markt. ApoQlar ist ein global operierender Anbieter eines Betriebssystems für 3D-Datenvisualisierung, die Ärzten die Durchführung von Operationen erleichtert.

Das aktuell schwierige Kapitalmarktumfeld sieht YZR als Opportunität. Einerseits weil die Covid-Pandemie nachhaltige Technologiesprünge im Gesundheitswesen beschleunigte, anderseits weil YZR antizyklisch im vielversprechenden und sich langfristig positiv entwickelnden Gesundheitsmarkt agiert. „Aufgrund des Kapitalmarktumfeldes haben es Gründer momentan bei der Kapitalbeschaffung schwerer. Dabei sind Investitionen in frische Ideen im Gesundheitsbereich essenziell für ein langfristig funktionierendes und sich weiterentwickelndes Gesundheitswesen. Damit Europa im Gesundheitssektor zukunftsfähig bleibt und das hierzu benötigte Startup-Ökosystem skaliert, wollen wir europäische Tech- Gründer auf ihrem Weg zu globalen Technologieführern unterstützen. Als Arzt und Investor ist mir wichtig, Ideen eine Chance zu geben, die die Gesundheit der Menschen nachhaltig verbessern können“, sagt Reinhard Meier.

Die langfristige Perspektive ist entscheidend

Markus Feuerecker ergänzt: „Mit Blick auf das Marktumfeld ist die langfristige Perspektive entscheidend, da wir sehr große, durch Technologiesprünge getriebene Märkte adressieren. Dank unserer langjährigen Investmenterfahrung sind wir ein souveräner Partner, der sich nicht von aktuellen Nachrichten lähmen oder euphorisieren lässt. Nach unserer Überzeugung ist jetzt der perfekte Zeitpunkt, um frühphasig in Health-Tech-Unternehmen in Europa zu investieren. Um das Potenzial voll auszuschöpfen, bindet YZR Capital die besten Gründer in sein Netzwerk ein. Hierbei ist der direkte Wissensaustausch zwischen Gründern und dem YZR-Team elementar und erhöht die Chancen europäischer Start-ups zu globalen Champions aufzusteigen signifikant.“

OroraTech: 15 Mio. Euro für Satelliten-basierten Klimaschutz

Das 2018 in München gegründete SpaceTech-Start-up OroraTech sammelt 15 Mio. Euro zum Ausbau seiner Satelliten-basierten Lösungen zur Bekämpfung des Klimawandels ein.

OroraTech, der Münchner Anbieter für satelliten-basierte Wärmebilderfassung, hat mit privaten Investor*innen und zusätzlicher Co-Finanzierung durch öffentliche Geldgeber*innen seine Series-A-Runde um 15 Millionen Euro erweitert. Mit der neuen Finanzierung will OroraTech als erster und einziger kommerzieller Anbieter von satelliten-basierten Wärmebildern bereits im Mai 2023 seine zweite Wärmebildkamera ins Weltall bringen. Zudem nutzt OroraTech den verstärkten Rückenwind zur Entwicklung weiterer, neuer Lösungen zur Anpassung und Bekämpfung des Klimawandels.

Die Investitionsrunde wurde von Lead-Investor Edaphon, einem in Belgien ansässigen Impact-Investor, zusammen mit den bestehenden Investoren Findus Ventures, Ananda Impact Ventures, Wachstumsfonds Bayern 2, ConActivity, APEX Ventures, SpaceTec Capital und Industrieexperten Ingo Baumann und Clemens Kaiser abgeschlossen. Zusätzliches Geld wurde durch Aufträge und Förderungen der Europäischen Weltraumorganisation (ESA) und des Freistaates Bayern eingesammelt.  

 „Ich bin sehr stolz darauf, was wir innerhalb eines Jahres erreicht haben – wir haben unsere erste Kamera im Weltall gestartet, die selbst unsere eigenen Erwartungen übertroffen hat und weltweit einzigartig ist. Mit der zusätzlichen Finanzierung werden wir unsere zweite Kamera in den Orbit bringen und unsere Expansionsstrategie in weitere Anwendungsfelder beschleunigen. OroraTech’s schnelles Wachstum wird auch von Investoren anerkannt und ich freue mich daher sehr, unseren neuen Investor Edaphon an Bord begrüßen zu dürfen. Gemeinsam werden wir unser Ziel weiter vorantreiben, alle 30 Minuten die Temperatur der Erde zu messen, um für mehr Transparenz zu sorgen und um bessere Entscheidungen in der Bekämpfung des Klimawandels zu ermöglichen“, erklärt Thomas Grübler, CEO von OroraTech.

Waldbrände als Klimakiller

Das im Pariser Klimaabkommen 2015 beschlossene Ziel, die globale Erderwärmung auf 1.5°C zu begrenzen, beschäftigt die Klimapolitik weltweit, auch wenn jetzt im Rahmen der COP27 Konferenz in Ägypten festgehalten wurde, dass dieses Ziel nicht mehr realistisch ist. Fakt ist: Die Erde hat dauerhaftes „Fieber“, das zu Naturkatastrophen und damit einhergehenden finanziellen Verlusten führt. Waldbrände beispielsweise sind jedes Jahr für 17 bis 20 Prozent der gesamten globalen CO2-Emissionen verantwortlich und verursachen versicherte Schäden in der Höhe von über zehn Milliarden Dollar Schäden. Aus dem Temperaturanstieg resultierende Folgen wie diese haben einen schwerwiegenden Einfluss auf die Ziele für nachhaltige Entwicklung (Sustainable Development Goals, SDGs) zum Schutz von biologischer Vielfalt, Wasser, Gesundheit, Landwirtschaft und Klima.

Satelliten-basierter Klimaschutz

Bereits heute tragen satelliten-basierte Technologien entscheidend zur Verringerung der Treibhausgasemissionen bei. Informationen von Bodensensoren in Kombination mit Satelliten-Daten helfen bei der Verbesserung der Luftqualität, dem Schutz der Wälder sowie bei der Verifizierung von Kohlenstoffkrediten für Waldbesitzer*innen. 

Angetrieben von der Vision „Thermal intelligence for a sustainable Earth“ brachte OroraTech Anfang 2022 den ersten ungekühlten Thermal-Infrarotsensor ins Weltall. Der erfolgreiche Launch war ein entscheidender Meilenstein auf dem Weg zu einer Konstellation, die bereits 2024 jeden Punkt der Erde alle 12 Stunden und ab 2026 rund alle 30 Minuten erfassen wird. 

OroraTech’s erstes Produkt, die Wildfire Intelligence Solution, wird bereits von Kund*innen weltweit eingesetzt. Die Plattform nutzt verfügbare Erdbeobachtungsdaten zur Erkennung und Überwachung von Waldbränden. Mit der Wildfire Intelligence Solution werden bereits heute über 100.000 Brände täglich erkannt und mehr als 160 Millionen Hektar Wald auf sechs Kontinenten geschützt.

Die Internationale Grüne Woche wieder live in Berlin

Nach zwei Jahren pandemiebedingter Pause findet die Internationale Grüne Woche vom 20.-29. Januar 2023 wieder live auf dem Berliner Messegelände statt. Das erwartet dich.

10 Tage Genuss, Know-how und aktuelle Themen

Besucherinnen und Besucher erwarten zehn Tage voller Köstlichkeiten aus Deutschland und der Welt, spannende Informationen aus den Bereichen Ernährung, Landwirtschaft und Gartenbau sowie tierische Begegnungen, die es sonst in einer Großstadt wie Berlin nicht ohne Weiteres gibt.

Auch den Themen unserer Zeit – Klimaschutz, Kreislaufwirtschaft, Ressourcenschonung und nachhaltige Landnutzung – gibt die Internationale Grüne Woche 2023 ein Podium. In der neuen Themenwelt grünerleben können Besucherinnen und Besucher erleben, wie vielseitig Nachhaltigkeit sein kann.

Im Re-Use-Superstore zeigt die Berliner Senatsverwaltung für Umwelt, Mobilität, Verbraucher- und Klimaschutz, wie vielfältig wiederverwenden sein kann – mit Upcycling-Möbeln, Second-Hand-Kleidung, Repair-Café und vielen Workshops.

Startup-Days auf der Grünen Woche – Agtech- und Foodtech-Startups im Ptich

Zum fünften Mal in Folge veranstaltet die Internationale Grüne Woche 2023 die Startup-Days. Erstmals finden sie auf dem ErlebnisBauernhof statt und können damit von allen Besucherinnen und Besuchern verfolgt werden. Am 24. und 25. Januar stellen sich innovative Unternehmen aus den Bereichen Agtech und Foodtech einer Jury vor und pitchen ihre Geschäftsideen. Ziel der Startup-Days ist es, Gründerinnen und Gründer mit der Lebensmittelindustrie, der Landwirtschaft und dem Handel zusammenzubringen. Denn Startups liefern spannende Innovationen für die Branchen.

Tickets für die Internationale Grüne Woche 2023 gibt es in diesem Jahr ausschließlich hier im Online-Ticketshop. Weitere Informationen zur Messe findest du hier.

500.000 Euro Pre-Seed Finanzierung für Traindoo

Das 2022 aus einem Forschungsprojekt der TU München ausgegründete Software-Start-up Traindoo gibt das Closing seiner Pre-Seed-Finanzierung über eine halbe Million Euro bekannt.

Der von Jonas Flach, Manuel Mandl und Fabian Flach gegründete SaaS-Anbieter Traindoo befähigt mit seinem Softwaretool zur datengetriebenen Trainings- und Therapieplanung Physiotherapeut*innen und Personal Trainer, ihre Kund*innen digital zu betreuen und eröffnet dadurch den Gesundheitsdienstleister*innen den Weg in die Teletherapie, welchen nach Angaben von Traindoo bereits 1500 Beta-Nutzer*innen zusammen mit dem Start-up bestreiten.

Das Produkt ist eine Software-Plattform mit einer begleitenden App für die Patient*innen, wobei die Therapeut*innen und Trainer*innen erstmalig von einer KI unterstützt werden, die auf Basis der Analyse des Trainingsfortschritts kontinuierlich zielgerichtete Maßnahmen ableitet. Im Zusammenspiel mit einem integrierten Kommunikationsmodul wird so eine individuelle 24/7-Betreuung ermöglicht.

Traindoo sichert sich nun in einer sehr frühen Unternehmensphase eine beachtliche Summe und konnte namhafte Kapitalgeber*innen überzeugen: Freiraum Capital sowie drei Business Angels aus Deutschland und USA steigen als Investor*innen bei dem Münchner Software-Start-up ein. „Wir freuen uns, dass wir so früh nach der Gründung und trotz der aktuellen Marktumstände sehr erfahrene Investoren und Unternehmer überzeugen konnten und diese uns ihr Vertrauen entgegenbringen. Die positive Resonanz der ersten Kunden zeigt, dass wir mit unserer Trainingsplanungssoftware eine innovative Lösung gefunden haben. Nun gilt es, unser Angebot weiter auszubauen und unsere Lösung möglichst vielen Gesundheitsdienstleistern zugänglich zu machen, um für diese den Weg in das digitale Arbeiten zu ebnen“, bekräftigen die Traindoo-Gründer.

Gründer*in der Woche: promiseQ – KI-Tech für weniger Falschalarme

Die Zahl der Videoüberwachungskameras hat im vergangenen Jahr weltweit die Marke von einer Milliarde Geräten geknackt. Ein Problem bei der Sicherheitstechnologie sind jedoch die vielen fehlerhaften Alarmrufe, die Zeit und Ressourcen binden und enorme Kosten verursachen. Das 2021 von Elias Kardel und Tolga Ermis gegründete Start-up promiseQ hat eine Softwarelösung entwickelt, die Falschalarme signifikant reduziert. Mehr dazu im Interview mit CEO Tolga.

Wann und wie bist du zusammen mit deinem Mitgründer Elias auf die Idee zu promiseQ gekommen?

Die zündende Idee für promiseQ kam uns als Elias Schwiegervater, der Direktor einer Schule in Taiwan ist, sich darüber beklagte, dass er ständig Notifications von Falschalarmen auf seinem Handy erhielt. Das ging so weit, dass er die besagten Überwachungskameras auf dem Schulgelände einfach abschaltete, um nicht ständig mit Benachrichtigungen überhäuft zu werden. So kamen wir auf die Idee, eine Technologie zu entwickeln, die auf künstlicher Intelligenz (KI) basiert und genau diese Falschalarme automatisch herausfiltern kann. Nach einer gründlichen Marktstudie fanden wir heraus, dass es sich bei 95 Prozent aller weltweit ausgelöster Alarme um Falschalarme handelt. Wir haben so im Endeffekt ein dringendes Problem in der Sicherheitsbranche identifiziert und uns dann entschlossen, mit einer eigenen Firma etwas dagegen zu tun.

Was waren dann die wichtigsten Steps von der Gründung bis zur fertigen Softwarelösung?

Am Anfang haben wir neben unseren vorherigen Jobs an promiseQ gearbeitet. Ab einer gewissen Stelle war aber klar, dass man an seiner Idee nur ganz oder gar nicht arbeiten sollte. Nach ungefähr einem Jahr haben wir dann bei unseren früheren Arbeitgebern gekündigt. Es hat uns geholfen, dass wir dann direkt danach in den „Bosch Startup Harbour“ aufgenommen und dort finanziell sowie durch Mentoring unterstützt wurden. Am Ende des Accelerator-Programms haben wir uns dann für die Firmengründung wirklich bereit gefühlt. Durch das Programm wurden wir auch an unseren ersten Kunden empfohlen. Mit diesem kamen dann im nächsten Schritt erste Investoren und mehr Unterstützung aus der Sicherheitsindustrie, wodurch wir unser Produkt entscheidend weiterentwickeln konnten.

Von einer komplett fertigen Softwarelösung sollte man aber noch nicht reden, denn wir haben noch viel vor. Wir verfügen aktuell über ein erstes Kernprodukt, welches wir an eine wachsende Anzahl an Kunden vertreiben. Darüber hinaus entwickeln wir im agilen Austausch mit unseren Bestandskunden aber bereits weitere Features, um zukünftig eine ganzheitliche Plattformlösung zum Management der sogenannten „Alarmverarbeitungskette“ anbieten zu können.

Was ist das Besondere an promiseQ, wie unterscheidet ihr euch von anderen Sicherheitslösungen?

Das besondere an unserer Lösung ist, dass unsere KI vollautomatisch Crowdworker für ihre Entscheidung hinzuzieht, wenn sie sich nicht zu 100 Prozent sicher ist. Dadurch erreichen wir eine Filterleistung von bis zu 99,7 Prozent. Zusätzlich wird unsere KI mit den neuen Daten trainiert und wird dadurch immer genauer. Das Ziel ist es, dass die KI irgendwann von alleine so akkurat Entscheidungen treffen kann, dass keine Crowdworker mehr für die finale Verifizierung in Einzelfällen benötigt werden.

Wer sind eure Kund*innen bzw. wo und wie kommt promiseQ zum Einsatz?

Momentan konzentrieren wir uns auf Kunden aus der Sicherheitsbranche und insbesondere auf Notrufleitstellen. Mit Hilfe unserer Lösung können wir die operativen Kosten dort um 80 Prozent senken und einer „worker’s fatigue“ entgegenwirken, die bei monotoner Arbeit, wie der Filterung von Falschalarmen, auftreten kann. Bei immer gleicher Tätigkeit schleichen sich nämlich für gewöhnlich Fehler ein. Dieses „menschliche Versagen“ bei tatsächlichen Alarmen können wir mit unserer Technologie nahezu eliminieren.

Mittel- und langfristig wollen wir unseren Kundenstamm und Use Case ausbauen, um auch eine weitere automatische Erkennung von Gefahren anbieten zu können, wie beispielsweise Feuerdetektion oder der Erkennung von Gefahrensituationen wie Unfällen, Schlägereien oder Diebstahl.

Wie habt ihr die Software-Entwicklung und damit auch euch selbst bislang finanziert?

In der ersten Phase nachdem wir mit unserer Idee gestartet sind, waren wir Teil des „Bosch Startup Harbour“ und haben zudem das Berliner Start-up Stipendium erhalten. Danach haben sich der Berliner Frühphaseninvestor APX und ein paar namhafte Executives aus der Sicherheitsbranche als Business Angels im Rahmen unserer Pre-Seed-Finanzierungsrunde im April 2022 an promiseQ beteiligt.

Was sind eure weiteren unternehmerischen Vorhaben und To-dos nach der erfolgreichen sechsstelligen Pre-Seed-Finanzierung?

Wir sind aktuell dabei, einige wichtige Leads aus unserer Sales Pipeline erfolgreich als Kunden zu gewinnen. Wir konzentrieren uns momentan darauf, so viele Deals wie möglich abzuwickeln, um eine hohe Sales Traction aufzubauen. Damit wollen wir zeigen, dass unser Produkt am Markt bereits eine Relevanz hat und wirklich gebraucht wird. Außerdem geht es jetzt verstärkt darum, IT-Talente für unser Unternehmen zu gewinnen, um die Entwicklung unserer KI-Software voranzutreiben.

Und last but not least: Was rätst du anderen Gründer*innen aus eigener Erfahrung?

Irgendwann wird immer ein Moment des Zweifelns aufkommen. Genau dann ist es wichtig, nicht aufzugeben, sondern durchzuhalten und sich davon nicht abschrecken zu lassen. Das ist im Endeffekt der wichtigste Tipp, den ich allen Gründerinnen und Gründern ans Herz legen möchte. Glaubt an euch und an das, was ihr könnt, und beißt in schwierigen Situationen die Zähne zusammen - hört niemals auf, an eure Vision zu glauben!

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Das Interview führte Hans Luthardt

Hospitality-TechStart-up limehome sichert sich 45 Mio. Euro an frischem Kapital

Limehome, der 2018 in München gegründete, technologiebasierte Anbieter und Betreiber von voll digitalisierten Design-Apartments in Europa, erhält 45 Millionen Euro neues Wachstumskapital.

Das Münchner Hospitality-TechStart-up limehome wuchs dank seines konsequent digitalen Geschäftsmodells in der Krise im Business- wie auch im Leisure-Segment weiter dynamisch. So konnte das Unternehmen seinen Umsatz in den Pandemiejahren jährlich verdreifachen. Der Markteintritt in weiteren europäischen Ländern steht kurz bevor. Bereits heute ist limehome schon an über 100 Standorten in sieben Ländern vertreten.

Dank seiner proprietären Betriebsplattform automatisiert limehome alle herkömmlichen Prozesse eines Hotelbetriebs – vom Pricing über Buchung, Check-in, Reinigung, Customer Service bis hin zur Rechnungserstellung. Die höhere Effizienz im Betrieb und in Flächennutzung erlauben auch kleinere Standorte profitabel zu betreiben, die für herkömmliche Hotelkonzepte nicht attraktiv sind. Seit der Gründung 2018 expandierte das Münchner Start-up in mehr als 100 Standorte und hat mehr als 3.000 Apartments in sieben Ländern unter Vertrag. Die Auslastung der von limehome angebotenen Apartments liegt laut Angaben des Start-ups seit über einem Jahr konstant bei rund 90 Prozent bei einer hohen Profitabilität über alle Standorte hinweg.

Das zusätzliche Kapital wollen die Münchner vor allem in die Expansion fließen lassen. Neben weiterem organischen Wachstum soll ein Teil des Kapitals auch in Übernahmen von bestehenden Betreibern fließen, bei denen limehome auch in der Vergangenheit bereits deutliche Performance-Steigerungen erzielen konnte. Außerdem will limehome die Skalierbarkeit und das hohe Servicelevel der eigenen Technologieplattform weiter ausbauen.

„Unsere beiden neuen Investoren schätzen die Kombination aus hohem Wachstum und einem hochprofitablen Bestandsgeschäft. Wir freuen uns über ihr Vertrauen in unsere Vision und sehen uns darin bestätigt, auf dem richtigen Weg zu sein, um limehome zu einem hochprofitablen technologiebasierten Betreiber von Design-Apartments zu entwickeln”, sagt Cesar de Sousa Freitas, Geschäftsführer von limehome.

„Die letzten Jahre haben gezeigt, dass unsere voll ausgestatteten Design-Apartments mit digitaler Customer Journey und einer konsistenten Qualität sowohl im Leisure- als auch im Business-Segment großen Anklang finden. Mit der Unterstützung unserer Investoren werden wir unser Konzept kontinuierlich weiterentwickeln und in neue Märkte bringen”, ergänzt Dr. Josef Vollmayr, Mitgründer und Geschäftsführer von limehome.

„Wir haben frühzeitig in limehomes innovatives Geschäftsmodell investiert. Darin sehen wir uns durch die außergewöhnliche Entwicklung des Unternehmens bestätigt. Wir sind davon überzeugt, dass limehome durch sein klares Konzept und die starke Umsetzung seine führende Stellung als technologiebasierter Betreiber in Europa weiter ausbauen wird“, so Fabian Gruner, Principal beim Investor HV Capital. 

Marktanalyse zeigt: aktuell 18 Prozent weniger Gründungen als im 2. Quartal 2022

Im 3. Quartal hat sich die aktuelle Krise noch stärker auf den deutschen Start-up-Markt ausgewirkt als in der ersten Jahreshälfte 2022. Weitere Erkenntnisse der Marktstudie: Deutschlandweite Gründungs-Verteilung: Bayern erstmals gleich auf mit Berlin; Positive Entwicklungen im Bereich Deep-Tech.

Dies zeigt eine aktuelle Marktanalyse des technologie- und datengetriebenen Venture-Capital-Unternehmens Morphais VC. Basierend auf den Daten von Startupdetector wurden gerade einmal 578 neue Start-ups im 3. Quartal gegründet. Dies sind 18 Prozent weniger als im 2. Quartal dieses Jahres und sogar 30 Prozent weniger als im Vorjahresquartal 2021.

Dabei ist im Vergleich zum Boom-Jahr 2021 vor allem der Anteil an Neugründungen im Bereich E-Commerce sowie in der Software-Branche leicht rückläufig (E-Commerce: -2 Prozent, Software: -3 Prozent). Hingegen ist der Anteil von Start-ups, die aus dem Gesundheitstechnologie-Sektor kommen, im Vergleich zum Vorjahr von 10 Prozent auf 12 Prozent gestiegen.

Deutschlandweite Neugründungen: Bayern erstmals gleich auf mit Berlin

Prozentual gesehen kamen im letzten Jahr 18 Prozent aller Neugründungen aus Bayern, in diesem Jahr waren es zwischen Januar und September bereits 21 Prozent. Damit ist der Anteil an Neugründungen im bundesweiten Vergleich erstmals genauso hoch wie in Berlin (ebenfalls 21 Prozent). Auf dem dritten Platz befindet sich Nordrhein-Westfalen, wo zwischen Januar und September 17 Prozent aller neuen Start-ups gegründet wurden, gefolgt von Baden-Württemberg (11 Prozent) und Hessen (8 Prozent).

Anstieg von DeepTech: Der Anteil von DeepTech-Start-ups ist von 6 auf 10 Prozent gestiegen

In Zeiten der Krise verschiebt sich der Fokus auf neue technologische Lösungen. Besonders gut stehen deshalb die Chancen für DeepTech-Start-ups. DeepTechs entwickeln problemorientierte Produkte und Lösungen, die mehrheitlich auf wissenschaftlicher Forschung oder neuartigen Algorithmen basieren. Dabei verbinden sie verschiedene Technologieansätze und sind überwiegend schutzfähig, beispielsweise durch Patente, und damit schwerer nachahmbar.

Die Datenuntersuchung von Morphais VC zeigt einen kontinuierlichen Aufwärtstrend hinsichtlich der Zahl von DeepTech-Neugründungen. So wurden von Januar bis September dieses Jahres jetzt schon genauso viele DeepTech-Neugründungen in Deutschland gezählt, wie im gesamten Boom-Jahr 2021 (2022: 209 Startups, 2021: 207 Start-ups, 2020: 107 Start-ups). Insgesamt ist im Vergleich zum Vorjahr der Anteil von DeepTech-Start-ups von 6 Prozent auf 10 Prozent gestiegen.

DeepTech-Lösungen werden am häufigsten für den Gesundheitsbereich entwickelt

Des Weiteren belegt die Datenauswertung von Morphais VC, dass problemorientierte, technologische Lösungen aktuell am häufigsten für den Gesundheitsbereich entwickelt werden: 16 Prozent aller DeepTech-Neugründungen sind dem sogenannten HealthTech-Bereich zuzuordnen. Allgemein gilt der Gesundheitssektor als eine der Schlüsselbranchen, in denen innovative Lösungen besonders dringend notwendig sind. Zudem kommen 15 Prozent aus dem Bereich Software, 10 Prozent sind Industrie-Lösungen (z.B. Robotics), 9 Prozent fallen in die Kategorie Blockchain und Krypto und 8 Prozent sind Klima-Technologien.

Gründer*in der Woche: planelli - Junggesellinnenabschiede mit Plan

Junggesellinnenabschiede könnten für alle Beteiligten stressfrei sein, wenn die Organisation aus einem Guss wäre – was leider eher selten der Fall ist. Die planelli-Gründer*innen wollen hier Abhilfe schaffen. Mehr dazu im Interview mit Co-Founderin und CEO Sandrin Lange.

Wann und wie bist du zusammen mit deinen Mitgründer*innen Melanie Möhlmann und Christian Schmitz auf die Idee zu planelli gekommen? Waren eigene negative Erfahrungen im Spiel?

Ja! Denn so schön der Tag selbst auch ist, die Planung eines Junggesellinnenabschieds bringt doch einige Herausforderungen mit sich. Häufig findet die Organisation größtenteils über Messenger statt, was sehr schnell für alle sehr unübersichtlich wird. Wer hat nochmal was wann geschrieben? Welche Vorschläge wurden schon gemacht? Wer ist eigentlich mit dabei oder kann an welchem Datum nicht? Und wie viel wollen wir ausgeben? Da gibt es viel zu klären und viel zu diskutieren. Wir haben das immer als recht anstrengend erlebt und im Rahmen so einer Planung dann selbst nach einem digitalen Tool gesucht, das uns hilft. Und keins gefunden. Unsere Lösung: Selbst einen Planer entwickeln. Die passenden Hintergründe haben wir zum Glück mitgebracht. Christian und ich kommen aus dem Bereich UX Design, Melanie zaubert als Fullstack Engineer den planelli Code.

Was sind deiner Erfahrung nach die größten Knackpunkte bzw. No-Gos bei der Planung von Junggesellinnenabschieden (kurz JGA)?

Zum einen die schon erwähnte Unübersichtlichkeit der gesamten Planung innerhalb einer Chatgruppe. Dann werden häufig digitale Tools genutzt, die aber alle woanders zu finden sind. Auch da muss man den Überblick behalten. Und ein ganz heikles Thema: Das liebe Geld. Die einen würden für den Tag ordentlich was investieren, die anderen möchten oder können nicht so viel ausgeben, finden es aber vielleicht unangenehm darüber zu reden. Deswegen haben wir zum Beispiel eine anonyme Abstimmung über das Budget pro Kopf integriert.

Was waren die wichtigsten Steps von der Gründung bis zum fertigen Produkt, eurem digitalen JGA Planer planelli?

Ganz wichtig: User Research. Als allererstes haben wir unsere Idee so validiert und machen immer wieder Testrunden, um entlang der Nutzerbedürfnisse zu entwickeln. Außerdem sind wir Schritt für Schritt live gegangen. Zunächst mit unserer Website inklusive Programmseite, auf der sich über 100 Aktivitäten für einen JGA finden (und auch buchen) lassen. Schritt zwei war dann der Planer selbst. Denn im Sinne des MVP (Minimum Viable Product) wollten wir uns nicht im Detail verlieren, bevor wir live gehen. Stattdessen so schnell wie möglich launchen, in der Live-Umgebung testen und weiter iterieren.

Was ist das Besondere an planelli, wie unterscheidet ihr euch von den zahlreichen anderen Lösungen in diesem Bereich?

Wir bieten die wichtigsten Tools für die Planung an einem einzigen Ort statt auf vielen verschiedenen Seiten. Bei uns findet man Inspiration für die Programmplanung, kann Aktivitäten über Partnerseiten buchen und direkt über das Datum und das Budget für den Tag abstimmen lassen. Außerdem kann die Planung mit allen Teilnehmer*innen geteilt werden. Wir vereinfachen damit enorm die Kommunikation und Organisation des Tages.

Wie habt ihr die Produktentwicklung und damit auch euch selbst bislang finanziert?

Wir sind bis jetzt komplett selbstfinanziert. Unser Geschäftsmodell basiert aktuell auf Affiliate Marketing, der nächste Schritt ist ein Premiummodell für den Planer. Die User haben dann die Wahl zwischen einem kostenfreien Plan und einer Version mit mehr Funktionen und Möglichkeiten.

Wie macht ihr auf euch und eure Services aufmerksam?

Zum einen nutzen wir unser Netzwerk, zum anderen bauen wir unsere Social-Media-Kanäle auf und aus. Unser Fokus liegt allerdings stark auf Instagram, wo sich unsere Zielgruppe hauptsächlich tummelt. Wir schalten hier regelmäßig Werbung und setzen außerdem auf eine ausgefeilte PR-Strategie.

Was sind eure weiteren unternehmerischen To-dos und Pläne?

Wir sind noch lange nicht fertig. Planelli soll weiter wachsen und neben den wichtigsten Planungstools weitere Lösungen bieten, damit die Organisation eines JGAs noch einfacher wird und schlichtweg mehr Freude macht. Es geht aber noch weiter: Wir möchten DIE Adresse für die (digitale &) einfache Planung jeglicher Events werden. Denn es gibt ja noch mehr zu organisieren als Junggesellinnenabschiede.

Und last but not least: Was rätst du anderen Gründer*innen aus eigener Erfahrung?

Im Brainstorming sollte man sich nicht limitieren, in der Entwicklung ist dann aber MVP das Zauberwort. Nicht zu lange und bis ins letzte Detail im stillen Kämmerlein vor sich hin werkeln. Lieber auf das Wesentliche konzentrieren, live gehen und mit dem echten Feedback und datengetrieben weiterarbeiten.

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Das Interview führte Hans Luthardt

Hamburgs Zukunftswerkstatt für Food-Innovationen gestartet

Hamburgs Zukunftswerkstatt für Food-Innovationen – der Food Harbour Hamburg (FHH) – startet seine Innovationsarbeit für die Food- & Beverage-Industrie.

Gerade in der aktuellen gesamtwirtschaftlichen Situation, wo Kostenoptimierung im Fokus steht, sind alle Akteur*innen herausgefordert, nachhaltig relevante Innovationen zu entwickeln und in den Markt zu bringen. „Heute kämpfen einerseits dynamisch wachsende Start-ups mit der Skalierung, also der effizienten Steigerung ihrer Stückzahlen, während andererseits die bereits etablierten Unternehmen herausgefordert sind, sich und ihre Produkte zum Teil komplett neu zu erfinden“, beschreibt Food Harbour Hamburg Co-Founder und Geschäftsführer Jochen Matzer die aktuelle Ausgangssituation.

„Exakt diese Herausforderung, nämlich mit Innovationen effizient zu wachsen, lösen wir mit dem Full-Service-Angebots unseres Food-Accelerators“, so Co-Geschäftsführer Sebastian Heinz. „Denn wir bieten sowohl etablierten Food- & Beverage-Produzenten wie auch Food-Start-ups ein umfangreiches, modulares Service-Portfolio, das von der Definition des Produkt- und Markenkonzepts bis zur Rezepturentwicklung, der ersten Kleinserienproduktion sowie der mehrkanaligen Vermarktung reicht.“


Verkaufsfähige Kleinserien entwickeln

Seinen Partner*innen und Projektkund*innen bietet der Food Harbour Hamburg auf dem Food-boom-Campus in der Billstraße 114 eine vollwertige Entwicklungs- und Produktionsumgebung, in der Starts-ups und Industrie die ersten, verkaufsfähigen Kleinserien entwickeln und im nächsten Schritt produzieren können. „Wir werden perspektivisch die relevanten Anlagen hier vor Ort haben. Ansonsten verstehen wir uns als Schnittstelle zu entsprechenden Produktionsdienstleistern sowie den spezialisierten Forschungs- und Entwicklungseinrichtungen, wo wir alle weiteren Prozessschritte durchführen können“, so Kay Schumacher, der im Team den Bereich Processing und Technologie verantwortet. Zusätzlich profitieren die Harbour-Partner*innen von der kulinarischen Kompetenz des Harbour-Mitgesellschafters Foodboom: „Wir verfügen über eine langjährige Kompetenz, neue Trends aus der Gastronomie in innovative Markenprodukte zu übertragen“, so Mitgründer Hannes Arendholz, der die Entwicklung neuer Rezepturen verantwortet.

Die zentralen Vorteile dieses One-Stop-Shopping-Angebots liegen laut Matzer klar auf der Hand: „Unsere Partner beschleunigen ihre Inhouse-Innovationsprozess deutlich, haben gleichzeitig die Möglichkeit, unser vielfältiges Know-how sowie unsere breiten Entwicklungs- und Produktionsressourcen flexibel und kosteneffizient für sich zu nutzen und sich außerdem im kreativen Austausch mit weiteren Food- und Beverage-Pionieren zu vernetzen.“

Hamburger Ernährungswirtschaft als Wachstumstreiber

Nach über zweijähriger Entwicklungsarbeit gab der Hamburger Senator für Wirtschaft und Innovation Michael Westhagemann jetzt den offiziellen Startschuss. Der Food Harbour Hamburg ist dabei ein Kernelement der Wachstums- und Innovationsoffensive von Hamburger Senat und Bürgerschaft mit dem Ziel, die Ernährungswirtschaft in der Metropolregion Hamburg zu einem Wachstumstreiber zu machen. Westhagemann: „Der Food Harbour Hamburg ist ein besonderes Projekt des zukünftigen Food Cluster Hamburg, weil es den Heimathafen für viele Food Start-ups und Mittelstand Unternehmen bildet, um Lebensmittel einer neuen Generation zu entwickeln. So sollen neue und innovative Produkte entstehen und Rohstoffe der Zukunft aus Hamburg heraus kreiert werden.“

Start-up-Programm, Know-how und mehr

Zum Angebot des Harbours gehört auch ein sechsmonatiges Start-up-Programm, in dem Jung-Unternehmer*innen auf die nächste Entwicklungsstufe gebracht werden. „Wir liefern dafür den Start-ups gezielt das Know-how und die Ressourcen, die sie für den nächsten Wachstumsschritt brauchen“, so Programmleiterin und Co-Founderin Stefanie Ostendorf. Mit dem morgigen Startschuss für den Food Harbour startet auch der erste Batch für fünf Start-ups aus der Metropolregion Hamburg, die sich mit ihren Produkt-Innovationen den Teilnehmern der Eröffnungsveranstaltung vorstellen.

Neben einer initialen Förderung durch die Hamburger Behörde für Wirtschaft und Innovation wird der Betrieb des Food Harbour Hamburg durch die Businesspartner- und Projektkund*innenen finanziert, die ihre individuellen Leistungspakete entsprechend vergüten. Dabei haben die Businesspartner*innen den Vorteil, dass sie sich auf Basis eines dreijährigen Rahmenvertrags den bevorzugten Zugriff auf die vorhandenen Ressourcen sichern.

„Co-Creation ist unsere Mission. Nur gemeinsam machen wir Hamburg zum Hotspot eines neuen, nachhaltigen Food Systems. Deshalb ist uns die Zusammenarbeit mit den bestehenden Pionieren wie foodactive, dem Food Innovation Camp, dem foodlab und FoodWorks sowie den entsprechenden Wissenschaftsinstituten der Hamburger Universitäten“, so Mitgründer Philipp Stradtmann.

Deutsche Gründungsaktivitäten im Aufwind

Den Ergebnissen der aktuellen Ausgabe des Global Entrepreneurship Monitors (GEM) zufolge, stieg die Gründungsquote in Deutschland zuletzt wieder an: 2021 ist sie im Vergleich zu 2020 um rund 2 Prozent auf 6,9 Prozent gestiegen.

Die im Rahmen der vom RKW Kompetenzzentrum sowie der Leibniz Universität Hannover für Deutschland durchgeführten internationalen Vergleichsstudie ermittelte Gründungsquote von knapp 7 Prozent im Jahr 2021 enthält einen deutlichen Anstieg um 2,1 Prozentpunkte im Vergleich zum Vorjahr (4,8 Prozent in 2020). Ursächlich für die höhere Gründungsdynamik in Deutschland sind unter anderem die schnelle Anpassungsfähigkeit der Gründenden an die durch die Corona-Pandemie veränderten Rahmenbedingungen, die Reaktion auf die ökonomischen Auswirkungen der Pandemie seitens der Wirtschaftspolitik sowie durch die Pandemie neu entstandene unternehmerische Chancen, insbesondere in Bezug auf digitale Produkte und Dienstleistungen.

Die Gründungsquote in 2021 ist damit auf dem zweithöchsten Stand (Höchststand 2019, Gründungsquote 7,6 Prozent) der seit 1999 jährlich durchgeführten GEM-Erhebungen. Die Ergebnisse der letzten drei Jahre sind somit ein Indikator für einen möglichen Trend hin zu mittel- und langfristig höheren Gründungsaktivitäten in Deutschland. Diese Entwicklung wurde in 2020 – bedingt durch die Corona-Pandemie – zwar kurzzeitig ausgebremst, gleichzeitig gaben damals aber schon 63 Prozent der Personen mit Gründungsabsicht an, ihre Geschäftsaufnahme lediglich verschoben zu haben.

Zuwächse bei geplanten und umgesetzten Gründungen

Die Gründungsquote wird im GEM als Anteil derjenigen 18- bis 64-Jährigen definiert, die während der letzten 3,5 Jahre ein Unternehmen gegründet haben (Young Entrepreneurs) und/oder gerade dabei sind, ein Unternehmen zu gründen (Nascent Entrepreneurs). Die Gründungsquote der Young Entrepreneurs betrug im letzten Jahr 2,7 Prozent und erhöhte sich damit um 0,9 Prozentpunkte im Vergleich zu 2020. Die Gündungsquote der Nascent Entrepreneurs betrug 4,3 Prozent, das ist ein Anstieg um 1,2 Prozentpunkte im Vergleich zu 2020. Die Gründungsquoten beider im GEM untersuchten Gruppen haben sich somit in 2021 positiv entwickelt. Der Anteil der Nascent-Entrepreneurs an der GEM-Gründungsquote betrug auch in den durch die Corona-Pandemie geprägten Jahren 2020 und 2021 jeweils etwa zwei Drittel und ist somit unverändert zu den drei Vor-Pandemie-Jahren.

Dt. Gründungsquote im internationalen Vergleich auf dem Niveau von Frankreich, Finnland und Luxemburg

Deutschland belegte in 2021 unter den 31 GEM-Ländern mit hohem Einkommen in Bezug auf die Gründungsquote den 23. Rang. Europäische Nachbarländer wie Frankreich und Luxemburg sowie Finnland wiesen eine ähnliche Gründungsquote auf. Zu „Gründungsnationen“ wie den USA (Gründungsquote 16,5 Prozent) besteht mit einer Gründungsquote von 7 Prozent allerdings noch ein deutlicher Abstand. In diesem Zusammenhang ist jedoch anzumerken, dass in Ländern, in denen die Gründungsdynamik deutlich höher ist als in Deutschland, gleichzeitig auch die Anzahl der Geschäftsaufgaben ausgeprägter ist. So gaben in den USA im Vergleich zu Deutschland in 2021 rund zweimal so viele Personen an, ein ihnen gehörendes Unternehmen geschlossen zu haben. Das Unternehmertum in Deutschland zeichnet sich somit durch eine hohe Resilienz aus.

Zum Weiterlesen: Der vollständige GEM Länderbericht Deutschland 2021/22 steht hier zum Download zur Verfügung.

Gründer*in der Woche: extrazwei – sorgt für mediale Resilienz

Heide Hüttner und Franzi Seidel haben extrazwei gegründet, um uns alle dabei zu unterstützen, digitalem Stress flexibler zu begegnen. Mehr dazu im Interview mit den beiden Gründerinnen.

Wann und wie habt ihr das Thema Stress und digitale Medien für euch "entdeckt"?

Heide: Ich habe Gesundheitswissenschaften studiert und mich dabei selbstverständlich mit dem Thema Stress auseinandergesetzt, schließlich ist es eines der größten Gesundheitsrisiken der heutigen Zeit. Franzi hat Medienpädagogik studiert und sich dabei u.a. mit einer selbstbestimmten Mediennutzung auseinandergesetzt. In unserem letzten festen Job (da haben wir uns auch kennengelernt) habe ich für das Team einen Workshop zum Umgang mit Stress gegeben. Der hat bei Franzi einiges bewegt, und wir sind danach viel in den Austausch gekommen. Ich war damals super unzufrieden mit meiner Smartphone-Nutzung und dann haben wir erkannt, wie eng beide Themen zusammengehören und wie wenig sie bisher zusammengedacht werden. Und dass wir dieses Wissen und diese Erkenntnis mit anderen teilen möchten.

Was waren dann die wichtigsten Schritte von der Gründung von extrazwei bis zum Launch des ersten Programms?

Franzi: Wir hatten das Glück, dass wir an einem Programm der HHL in Leipzig teilnehmen durften, was Frauen auf dem Weg in die Selbständigkeit unterstützt (Gründerinnenklasse). Dort haben wir viel hilfreichen Input zu den organisatorischen Angelegenheiten (Steuern, Recht etc.), aber auch zur Ausarbeitung unseres Businessplans bekommen. Ein erster großer Schritt war dann der Launch unserer selbstgebauten Homepage und dann das Kündigen der Festanstellung, gefolgt von der offiziellen Gründung.

Was genau bietet ihr mit bzw. in euren Programmen und wer sind eure Kund*innen?

Heide: Im Moment liegt unser Fokus auf der Zusammenarbeit mit Unternehmen. Wir vermitteln in unseren Workshops, wie ein gesundes, digitales Arbeiten gelingt. Dabei geht es einerseits um das Identifizieren und das Reduzieren von digitalem Stress im Arbeitsalltag. Andererseits liegt dem auch eine ganzheitliche Betrachtung von Stress zu Grunde: Wir vermitteln die Wichtigkeit von Pausen und Regeneration, schauen das Thema Zeitmanagement an und legen einen Fokus auf die Stärkung der mentalen Gesundheit.

Außerdem bieten wir das online-Programm „Gelassen digital“ an. Daran kann jede Person teilnehmen und in einem von uns persönlich begleiteten Online-Kurs lernen, wie es gelingt, digitale Medien selbstbestimmt zu nutzen. Und vor allem auch erst mal erkennen, welchen Einfluss die digitalen Medien auf das eigene Stresslevel haben. Es ist immer wieder beeindruckend und toll zu sehen, wie viel sich bei den Teilnehmer*innen in den zehn Wochen verändert. Ein paar Mal im Jahr bieten wir auch Retreats zu dem Thema an.

Welches Feedback von den Teilnehmenden hat euch am meisten motiviert? Was kommt bei ihnen am besten an?

Franzi: Bei allen Programmen wird immer wieder die abwechslungsreiche Moderation, die gute Struktur unserer Konzepte und genau die richtige Tiefe der Inhalte betont. Dadurch haben die Teilnehmenden natürlich mehr Spaß und es bleibt mehr hängen. Das motiviert und bestärkt uns enorm, weil es auch zeigt, dass wir gut sind, indem was wir machen und wir anderen Menschen wirklich helfen können.

Heide: Wir geben auch Workshops für junge Erwachsene. Dabei schauen wir in einem Smartphone-Check, wie hoch die tägliche Nutzungsdauer ist. Viele wollen das erst mal gar nicht wissen und schätzen es falsch ein. Dabei hatten wir eine Teilnehmerin, die eine durchschnittliche Nutzungszeit von sieben Stunden pro Tag hatte. Sieben Stunden! Nach drei Monaten haben wir über die Gruppenleiterin erfahren, dass sich ihre Nutzungszeit auf zwei Stunden reduziert hat und sie sich sehr viel besser fühlt. Das hat uns natürlich sehr gefreut.

Wie macht ihr auf euch und eure Angebote aufmerksam?

Heide: Wir vernetzen uns auf Veranstaltungen und Messen, vor allem auch hier vor Ort in Leipzig. Außerdem nutzen wir LinkedIn und unsere Homepage. Aber aus unserer Erfahrung bringen „echte“ Kontakt schon am meisten. Und wir haben selbst einen Stammtisch gegründet, um uns mit anderen zu vernetzten, die sich mit dem Thema Stress beschäftigen. Da freuen wir uns immer über neue Leute.

Und last but not least: Was ratet ihr anderen Gründer*innen aus eigener Erfahrung?

Franzi: Netzwerken, Netzwerken, Netzwerken! Und andere Personen als Inspiration und nicht als Vergleich sehen. Besonders in der Gründung sieht man, was bei allen anderen schon so super läuft und bei sich selbst nicht. Hier hilft es sich mit sich selbst vor ein paar Monaten oder einem Jahr zu vergleichen und nicht mit anderen. Denn der eigene Entwicklungsfortschritt ist enorm und das selbst wertzuschätzen gibt unfassbar viel Motivation und Durchhaltevermögen.

Heide: Und sich Zeit für Pausen und Erholung zu nehmen. Als Gründer*innen machen wir jeden Tag Sachen zum ersten Mal und es passiert unglaublich viel. Da es alles aufregend ist, fühlt es sich erst mal nicht so anstrengend an. Wir haben den riesengroßen Vorteil, dass wir zu zwei sind. Wir ergänzen uns super, und so fällt es leichter, auch im Urlaub komplett abzuschalten und mal eine Auszeit zu haben. Also ich würde allen empfehlen, zu zweit zu gründen oder zumindest einen Buddy an der Seite zu haben.

Hier geht's zu extrazwei

Das Interview führte Hans Luthardt

Entrepreneurship Summit 2022

Am Donnerstag, 06. Oktober, als hybrides Event online, und dann in Berlin vor Ort am 22./23. Oktober treffen sich mehr als 1000 Entrepreneur*innen, Gründende und Gründungsinteressierte, um die Transformation der Ökonomie voranzutreiben. Das erwartet dich online und vor Ort.

“The Berlin Way of Entrepreneurship”

Unter dem Motto “The Berlin Way of Entrepreneurship” versammeln sich am 22./23. Oktober 2022 mehr als 1000 Entrepreneur*innen, Gründer und Gründungsinteressierte auf dem Entrepreneurship Summit in Berlin, um die Transformation der Ökonomie voranzutreiben. Berlin steht als Sinnbild für ein europäisches, wertebasiertes Entrepreneurship, das auch künstlerische, fantasievolle, unkonventionelle Wege einschlagen kann.

Im Henry-Ford-Bau der Freien Universität in Berlin-Dahlem wird von Samstag früh bis Sonntag spät alles geboten, was Gründer*innen, Gründungsinteressierte und Zukunftsenthusiast*innen brauchen. Workshops, Keynotes, Pitches vor Expert*innen, Diskussionen und ein einzigartiger Wettbewerb, bei dem 10 Gründer*innen den Proof of Concept, den Markttest, für ihre Idee/ ihr Projekt vor gesammeltem Entrepreneurship-Summit-Publikum machen.

Das Alleinstellungsmerkmal von Entrepreneurship nutzen

Auf dem Entrepreneurship Summit soll es aber nicht nur darum gehen, Vorschläge zu machen, die die Welt retten – davon gibt es schon viele. Und es soll nicht nur darum gehen, Unternehmen zu gründen – auch dafür braucht man keine weitere Veranstaltung mehr.

Es soll vielmehr darum gehen, mit unternehmerischem Denken und Handeln neue Handlungsmöglichkeiten zu eröffnen, um die Welt zu retten.

Und das kann eine ungeahnte Dynamik auslösen. Weil Entrepreneur*innen nicht auf politische Mehrheiten warten müssen, um ihre Idee, die Welt zu retten, in die Praxis umzusetzen. Sie können hier und jetzt starten.

Der Entrepreneurship Summit 2022 wird veranstaltet von der Stiftung Entrepreneurship unter der Leitung von Prof. Günter Faltin.

Tech-Start-up Enmacc erhält zweistelligen Millionenbetrag

Das Münchner Tech-Start-up Enmacc erhält im Rahmen seiner Serie B-Finanzierung einen zweistelligen Millionenbetrag, um seine Führungsrolle in Europa auszubauen.

Seit Wochen dominieren die europäischen Energiemärkte die Schlagzeilen. Im Verlauf der öffentlichen Debatte wird immer deutlicher, wie komplex und wichtig der Handel mit Strom und Gas ist. Zugleich rücken Unternehmen ins Rampenlicht, die bisher nur Expert*innen bekannt waren.

Eines davon ist die 2016 in München gegründete Enmacc GmbH. Das junge deutsche Technologieunternehmen ist Europas größte OTC-Handelsplattform für Energie und übernimmt mit seiner digitalen Handelsplattform für Gas und Strom eine zentrale Aufgabe für den deutschen Energiegroßhandel. Diese hat sich binnen weniger Jahre als digitale und innovative Alternative zu den traditionellen Brokern und Börsen etabliert.

Enmacc ermöglicht den außerbörslichen Terminhandel (OTC, Over the Counter) von Gas, Strom und Grünstromzertifikaten. Das Alleinstellungsmerkmal der Enmacc-Plattform ist die proprietäre Handelslösung für den Request-For-Quote-Handel. Das bedeutet: Händler*innen können in Sekundenschnelle ihre Handelspartner*innen über ihr Interesse informieren. Im Gegenzug erhalten sie umgehend konkurrenzfähige, handelbare Quotierungen von mehreren Handelspartner*innen. Diese Art des digitalen Handels soll Händler*innen speziell dann Liquidität verschaffen, wenn in den traditionellen Order-Büchern der Börsen und Broker nur wenige Preise zur Verfügung stehen.

Series-B Finanzierungsrunde zum Ausbau der Führungsrolle

Als wichtige Etappe seiner Entwicklung hat Enmacc nun eine Series-B Finanzierungsrunde bekannt gegeben, um seine europäische Führungsrolle auszubauen und durch effiziente Handels- und Marktinfrastrukturen die Energiewende zu beschleunigen.

Jens Hartmann, CEO der Enmacc GmbH, erklärt: “Die Energiemärkte sind aktuell durch ein extremes Preisniveau, bisher ungekannte Volatilität und dadurch äußerst geringe Liquidität gekennzeichnet. Dies stellt die Marktteilnehmer vor enorme Herausforderungen. Gefragt sind jetzt vor allem digitale Handelsmöglichkeiten, die den Beteiligten helfen, ihr Netzwerk an Handelspartnern zu erweitern und letztlich ihre Liquidität zu verbessern. Die aktuelle Energiekrise zeigt, dass sich der Energiehandel weiterentwickeln muss. Er muss digitaler werden und die Diversität der Marktstrukturen fördern. Die Energiewende kann nur auf Grundlage effizienter Märkte gelingen, die wirtschaftliche Anreize zur Dekarbonisierung setzen.”

Lead-Investor der aktuellen Serie B-Finanzierung ist Klima Energy Transition, ein kürzlich bei 210 Millionen Euro geschlossener Spätphasen-Venture Capital-Fonds des weltweit tätigen Investment Banking und Asset Management-Unternehmens Alantra. Es beteiligen sich zudem Chevron Technology Ventures und Bestandsinvestoren an der Finanzierungsrunde. Bislang wurde Enmacc von namhaften VCs wie Cherry Ventures, Piton Capital, Illuminate Financial und der 10x-Gruppe finanziert. Weitere Investoren werden in den nächsten Wochen die bereits überzeichnete Runde komplettieren.