Gründer der Woche: Timly – smarte Ressourcen-Verwaltung

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Das Zürcher Start-up der Gründer Philipp Baumann und Fitim Mehmeti ermöglicht Firmenkunden mit seiner Cloud-basierten SaaS-Plattform eine smarte Verwaltung der wichtigsten Firmen-Ressourcen: Mitarbeiter und Inventar. Mehr zu Timly.com im Interview mit Philipp und Fitim.

Zunächst zur aktuellen Lage gefragt: Wie ist es euch in der Corona-Krise bislang ergangen?

Philipp: Wir haben die Timly Software AG Ende April dieses Jahres gegründet, also in Mitten der Pandemie in Westeuropa. Der Lockdown hat uns ohne Zweifel einige Wochen Zeit gekostet. Viele Unternehmen sind oder waren mit großen Unsicherheiten konfrontiert und haben andere Themen auf der Agenda gehabt, als sich mit der Einführung einer neuen Software auseinanderzusetzen. Trotz dieser extrem schwierigen Situation konnten wir sehr interessante Gespräche führen und die ein oder andere Firma von Timly überzeugen. Weiterhin haben wir die Zeit für viele interne Themen nutzen können, wie z.B. Produktentwicklung, Marketingvorbereitungen oder sonstige organisatorische Themen.

Habt ihr auch positive Learnings aus dieser Zeit mitnehmen können?

Philipp: Starke geschäftliche wie auch private Einschränkungen können unerwartet eintreten und massive Veränderungen hervorrufen. Dessen muss man sich im Klaren sein. Aus Unternehmenssicht kann man eine solche Krise allenfalls dafür nutzen, Prozesse weiter zu optimieren, die Organisation evtl. sogar zu restrukturieren und grundsätzlich effizienter zu werden. Wir sind davon überzeugt, dass man mit einer Softwarelösung wie wir sie anbieten, solche Ziele erreichen kann.

Nun zu eurer Gründung: Wann und wie seid ihr auf die Idee zu Timly gekommen?

Philipp: Die Idee zu Timly ist aus einer Kooperation mit dem Bauunternehmen LANG aus Bodenheim entstanden. Uns war von Beginn an klar, dass wir nur dann ein Start-up gründen, wenn wir für unsere Lösung auch einen Industriepartner haben, mit dem wir unsere Ideen und Lösungsansätze validieren können. Gemeinsam mit dem Bauunternehmen LANG haben wir begonnen, ein ungelöstes Industrieproblem im Bereich Arbeitskräfte Qualifizierungen & Zertifizierungen zu adressieren.

Konkret sind Firmen aus dem Bereich Bau und Versorgung dazu verpflichtet, technische und sicherheitsrelevante Qualifikationen von Fachkräften sicherzustellen. Dies, um einerseits gesetzlichen Anforderungen zu entsprechen und um andererseits wichtige Industriezertifizierungen und Qualitätssiegel zu erhalten - bspw. vom DVGW (Deutscher Verein des Gas- und Wasserfaches). Die Qualifikationen müssen regelmäßig erneuert bzw. nachgeschult werden, sodass die Überwachung der Qualifikationen eine Herausforderung war.

Fitim: Nach wie vor ziehen viele Unternehmen für eine solche Überwachung klassische Tools wie Excel heran. Bei kleineren Betrieben mag das noch funktionieren. Aber bei größeren Firmen stößt man mit Excel irgendwann an seine Grenzen. Zudem löst unsere Applikation auch eine nahtlose Dokumentation aller Schulungen in der Personalakte. Kommt es trotz aller Sicherheitsmaßnahmen und Qualifikationen zu einem Personenunfall, muss man als Arbeitgeber darlegen können, dass man seinen Ausbildungspflichten nachgekommen ist und der betroffene Mitarbeiter für die ausgeübte Tätigkeit ausreichend qualifiziert war.

Aus dieser ursprünglichen Problemstellung ist eine auf die Industrie maßgeschneiderte Personal-, Trainings- und Talentmanagement-Lösung entstanden. Timly war geboren.

Was waren dann die wichtigsten Steps von der Gründung bis zum Start eurer Cloud-basierten SaaS-Plattform?

Fitim: Wir haben uns sehr gefreut, mit einer Handvoll zahlender Kunden an den Start zu gehen. Das war nach der intensiven Entwicklungszeit im Jahr 2019 unser erster großer Meilenstein. Neben der Fristenüberwachung im Personal- und Qualifikationsbereich müssen Bauunternehmungen aber auch Fristen im Bereich technischer Ausstattung überwachen. Daraus etablierte sich ein zweites Standbein im Bereich Inventar & Services. Dieses Modul haben wir im April 2020 veröffentlicht und damit einen weiteren Meilenstein gefeiert.

In Timly Inventar & Services verbinden wir verschiedene Funktionalitäten rund um das Thema Inventarverwaltung: Inventardokumentation, Defekt- und Wartungsmanagement, GPS-Ortung, Erfassen und Abbilden von Betriebsstunden und Betriebskilometern. In diesem Anwendungsbereich bietet Cloud-Technologie große Vorteile, denn Informationen können überall dort abgerufen werden, wo ein Internetsignal vorhanden ist: sprich dort, wo auch die Geräte und Fahrzeuge stehen wie bspw. auf dem Bauhof oder auf der Baustelle. Jedes Objekt wird mit einem individualisierten QR-Code versehen. Nutzer müssen diesen lediglich mit ihrem Smartphone scannen und erhalten vor Ort sogleich alle Informationen. Dank der Standort-Historie sind Geräte und Fahrzeuge einfach auffindbar und Suchkosten und Materialverlust werden reduziert, was sich direkt auf die Profitabilität auswirkt.

Wir entdecken zudem regelmäßig neue Use-Cases in verschiedenen Branchen. Im Augenblick bereiten wir eine Pilot-Phase in der Immobilienbranche vor, wo wir einige Hundert Wohnungseinheiten mit einem QR-Code versehen werden. Mieter/innen können dann mit nur einem einfachen Abscannen des QR-Codes in der Wohnung bspw. die Anleitungen der elektronischen Geräte aufrufen, einen Service-Kontakt in Erfahrungen bringen oder unkompliziert einen Schaden in der Wohnung melden. Alle Meldungen laufen zentral in Timly zusammen und die Verwaltung kann diese unkompliziert über Timly im Web bearbeiten. Das vereinfacht die Kommunikation zwischen Mietern & Verwaltungen sehr, da keine separaten Apps oder Anmeldeinformationen benötigt werden, die nicht selten auf Ablehnung stoßen. Der Start dieser Pilotphase ist in den nächsten Monaten geplant und wird für uns sicher ein weiterer wichtiger Meilenstein werden.

Wie habt ihr diese Phase finanziert?

Philipp: Derzeit ist Timly noch komplett eigenfinanziert, um unsere Wachstumsambitionen jedoch realisieren zu können, ist eine Finanzierungsrunde Mitte 2021 vorgesehen.

Nun zu euren Dienstleistungen. Was genau bietet ihr mit bzw. über Timly.com?

Philipp: Über die zwei Module „Inventar & Services“ und „Personal & Talent“ decken wir zwei Bereiche der Ressourcenverwaltung ab. Mit dem Personal-Modul soll künftig die Personalakte digitalisiert werden. Damit lassen sich die Fähigkeiten, Zertifizierungen und absolvierte Schulungen sämtlicher Mitarbeiter in der Firma erfassen. So kann das interne Fachwissen und der Talente-Pool transparent gemacht und die Ausbildungsplanung vereinfacht werden – was letztlich die Compliance mit regulatorischen, branchenspezifischen oder auch internen Anforderungen erleichtert.

Das Modul „Inventar & Services“ ist ein elektronisches Inventarverzeichnis für Firmen. Informationen zu Anlagen, Geräten und Fahrzeugen fließen zentral in der Cloud zusammen und sind dank Mobiltechnologie und QR-Codes dort abrufbar, wo die Gegenstände stehen.

Weiterhin können in Timly die GPS-Positionen von Gegenständen gespeichert werden, sodass deren Standort schnell ermittelt und zurückverfolgt werden kann.

Wer ist die Zielgruppe?

Fitim: Derzeit haben wir Kunden aus der Bauindustrie, dem Gesundheitswesen, der öffentlichen Versorgung (Stadtwerke) und der Immobilienbranche (Verwaltungen, Genossenschaften und Facility Management). Timly eignet sich aufgrund der Konzeption als SaaS Lösung besonders gut für KMU, die häufig nicht über dedizierte IT-Teams und Infrastruktur verfügen oder die Investitionen darin scheuen. Bei Timly muss sich der Partner nicht über Hardware und Softwarebetrieb Gedanken machen. Aber auch große Kunden können von Timly profitieren und unsere Lösung als „Add-On“ an ein bestehendes ERP-System wie das von SAP oder ABACUS verwenden. Dazu bieten wir eine standardisierte Schnittstelle an.

Wie macht ihr marketingtechnisch auf euch bzw. Timly.com aufmerksam?

Fitim: Nebst der „klassischen“ Ansprache über SEO/SEA setzen wir im Vertrieb unter anderem auch auf LinkedIn. Das Netzwerk bietet für B2B Werbetreibenden durchaus interessante Möglichkeiten. Auch auf Software-Vergleichsplattformen wie Capterra sind wir gelistet. Nichtsdestotrotz generieren wir die meisten Leads über die klassische „Kaltakquise“ via E-Mail und Telefon. Dirty but efficient.

Wie hebt ihr euch vom Wettbewerb ab?

Fitim: Es gibt durchaus vergleichbare Angebote von großen Software-Konzernen wie bspw. SAP. Diese bedienen unsere Themen auch, aber nur sehr oberflächlich. Für KMU sind solche Lösungen jedoch nicht selten viel zu teuer und aufwendig im initialen Setup sowie Betrieb. Dort setzen wir an. Timly ist schnell einsatzbereit, kommt aus der Cloud und benötigt daher kein großes IT Projekt, um aufgesetzt zu werden. Wir kümmern uns um alle IT-Belange, sodass unsere Kunden rasch von den Verbesserungen profitieren können. Ein weiteres Thema ist die Benutzerfreundlichkeit von heutiger B2B Software. Im Consumer-Bereich werden wir mit wunderbar designten Applikationen beglückt, bei denen jeder Prozessschritt auf eine optimale User-Experience (UX) optimiert wird. Dann kommt man ins unternehmerische Umfeld und wird mit ERP-Lösungen konfrontiert, die aus den Nuller-Jahren stammen und weder intuitiv sind noch Spaß machen. Wir wollen deshalb attraktive und benutzerfreundliche Software bauen, die wir selber auch gern nutzen würden.

Was sind eure weiteren unternehmerischen Vorhaben?

Philipp: Produktseitig wollen wir die Konnektivität erhöhen. Einerseits zu etablierten ERP-Systemen, aber auch zu Geräten und Maschinen. Ein weiteres spannendes Gebiet ist das Thema IoT. Derzeit denken wir im Hinblick auf unser Inventar Modul auch darüber nach, ob GPS-Tracker oder andere Sensoren angebracht werden können. Denn so könnten die erfassten Objekte mit Live-Informationen angereichert werden. Das ist ein Zukunftsmarkt, in dem wir auch Timly sehen.

Und last but not least: Welchen Rat wollt ihr Gründerinnen und Gründern aus eigener Erfahrung mit auf den Weg geben?

Philipp: Aus meiner Sicht gibt es drei Themen, die ich gern mitgeben möchte:

1. Sales: Jeder Gründer muss sich dem Thema Sales widmen. Gerade zu Beginn, wenn das Produkt noch nicht so rund ist, ist jede Kundeninteraktion eine Möglichkeit weitere Ideen und das Produkt generell zu validieren. Zudem lernt man, was den Kunden wirklich wichtig ist. Als Gründer muss man sich dem Kunden stellen und kann das Thema (gerade zu Beginn) nur begrenzt delegieren oder outsourcen. Denn wenn man sein eigenes Produkt als Gründer nicht verkaufen kann, können es andere auch nicht.

2. Erfahrung: Das Gründerteam sollte so zusammengesetzt sein, dass es sich seitens Fähigkeiten ergänzt. Was uns auch viel in die Hände spielt ist, dass wir beide bereits einige Jahre Berufserfahrung haben und von anderen lernen konnten. So machen wir vieles nicht zum ersten Mal und sind wahnsinnig effektiv unterwegs.

3. Spaß: Habt Spaß, dann fällt euch die Arbeit einfacher. Wer nicht lacht, der nicht gewinnt! So kann man auch mal Zeiten durchstehen, die etwas schwieriger sind.

Hier geht's zu Timly

Das Interview führte Hans Luthardt

Gründer*in der Woche: SedaiNow – ESG-Management aus Verantwortung

Sustainability hat sich längst als (Ausschluss-)Kriterium für Geschäftspartner*innen, Kund*innen, Personal sowie potenzielle Investor*innen etabliert. SedaiNow, ein junges Team aus Investor*innen, ESG- und Technologie-Expert*innen, unterstützt Unternehmen dabei, sich ganzheitlich nachhaltig aufzustellen. Mehr dazu im Interview mit Co-Founder Christian Walter.

In welchem Maß werden hierzulande CSR- (Corporate Social Responsibility) sowie ESG (Environment, Social, Governance) -Ansätze immer noch „nur“ als Teil einer Marketingstrategie betrachtet?

Ich würde mal sagen zu 100 %, und das muss sich grundsätzlich auch nicht ändern. CSR- und ESG-Ansätze sollten allerdings nicht ausschließlich, Teil einer Marketingstrategie sein. Klar können Unternehmen 100 Seiten lange Berichte darüber schreiben, wie sie sich neben ihrem Kerngeschäft etwa in Afrika engagieren. Viel besser wäre es aber, darüber zu berichten, wie sie ihre Lieferkette angepasst haben, um die Mitarbeitenden ihrer Zuliefernden in Afrika überdurchschnittlich zu entlohnen. Wie sie Wasser und Energie einsparen, Abfall vermeiden und somit zum Wohlstand aller beitragen.

Somit geht es heute zuvorderst darum, ESG-orientierte Ziele in die gesamte Unternehmensstrategie zu integrieren. Welche Herausforderungen kommen dabei auf die Unternehmen zu? Es geht ja nicht „nur“ um die Reportings und ESG-Ausweise selbst, oder?

Das stimmt so nicht. Bei ESG geht es im ersten Schritt um Transparenz, das wird ganz gern vergessen. Wenn ich nicht weiß, was ich tue, kann ich strategisch und operativ nichts verbessern. Die gesamte Regulatorik zielt auch erst einmal auf Transparenz ab. Wir sehen gerade, wie Grundlagen geschaffen werden, damit Financial Accounting und Non-Financial Accounting die gleiche Wertigkeit erfahren. Es gibt auch keinen ESG-Ausweis. Es existieren lediglich Ratings von MSCI und ähnlichen Anbietern, die auf Basis von materiellen Risiken zeigen, welche Faktoren sich auf die Gewinn- und Verlustrechnung (P&L) eines Unternehmens auswirken.

Ein einfaches Beispiel: Ein Unternehmen nutzt russisches Gas in der Fertigung. Bis Mitte letzten Jahres haben die meisten Manager da mit den Schultern gezuckt und gesagt: „Ja, das ist sicher und stellt kein P&L-Risiko dar.“ Neun Monate später bekräftigt derselbe Manager: „Risiken? Produktionsausfall, Arbeitsplatzabbau und vielleicht sogar Konkurs. Hier muss der Staat uns helfen.“ Das Unternehmen hat sich also einem materiellen Risiko ausgesetzt – eigentlich sogar mindestens zwei: Erstenst bezieht es Gas von einem Lieferanten aus einer politisch schwer einschätzbaren Region und zweitens wird Gas in der Produktion verwendet und damit sind CO2-Emissionen verbunden. Beides hat potenziell negative Auswirkungen auf die P&L. Schaut man sich jetzt aber im Vergleich eine Fastfood- Kette an, dann sind aber die Emissionen für dieses Unternehmen nicht relevant. Schließlich haben sie keine direkten finanziellen Implikationen, auch wenn in ihrer Supply Chain durch die Fleischproduktion massiv Emissionen entstehen. Stattdessen sind zum Beispiel Hygiene und Mitarbeitendenbehandlung relevante Themen.

Warum sollten auch Gründer*innen von Anfang an auf eine ESG-konforme Business- Strategie achten?

ESG deckt die operativen, nichtfinanziellen Themen in einem Unternehmen ab, die einen negativen Einfluss auf das Wachstum haben können. Ich unterstelle mal, dass alle Start-ups wachsen möchten, deswegen geht es bei ESG einfach um gutes, nachhaltiges Wirtschaften. Nachhaltig ist dabei im Sinne der Mitarbeitenden, der Umwelt und des Profits zu verstehen.

Wann und wie bist du vor diesem Hintergrund zusammen mit deinem Mitgründer Kaspar Neftel auf die Idee zu SedaiNow gekommen?

Kaspar hat schon viele Unternehmen gegründet und ist in den letzten Jahren insbesondere durch strengere Procurement-Anforderungen von Konzernen mit dem Thema ESG konfrontiert worden. Als Mitgründer eines SDG-orientierten Impact Funds komme ich aus der Investment-Ecke. Wir bringen also beide Perspektiven mit: auf der einen Seite das operative Wirtschaften im täglichen Unternehmensbetrieb und auf der anderen Seite das ESG-analytische und stärker finanzmarktorientierte Vorgehen. In Zukunft werden viele ESG-Themen relevant für Finanzierungen, weshalb es für uns beide Sinn ergeben hat, uns dort zusammenzutun.

Was waren dann die wichtigsten Steps von der Gründung bis zum Go-live der Plattform?

Der wichtigste Schritt war sicherlich die Akquise des ersten Kunden und das damit verbundene Projekt. Nur die Arbeit mit Kund*innen liefert uns die Einblicke, die wir brauchen, um unsere Ideen zu validieren.

Was ist das Besondere an SedaiNow, was bietet ihr und wie unterscheidet ihr euch von anderen ESG-Management-Lösungen?

Unser Ansatz ist getrieben von dem Finanzmarkt sowie der Regulatorik und dementsprechend sehr flexibel. Nicht nur jede Unternehmensrealität ist anders, auch Gesetze verändern sich ständig oder werden teilweise noch geschrieben. Diese Unsicherheit im Markt haben wir zu unserer Stärke gemacht. Uns ist egal, wo die CO2-Daten herkommen, mit welchem ERP- System der Betrieb arbeitet und wohin oder in welcher Form reported werden muss. Unser System kann Daten sehr flexibel in auditierbarer Form abbilden und verarbeiten – Lieferkettenmanagement inklusive.

Wer sind eure Kund*innen?

Wir arbeiten aktuell insbesondere mit Banken, Versicherungen und Investor*innen. Zu unserem Kund*innenkreis gehören aber auch mittelständische Betriebe und Unternehmen im Immobilienbereich.

Wie macht ihr auf SedaiNow aufmerksam?

Unsere PR-Agentur Borgmeier macht, denke ich, einen guten Job, sonst würden wir ja auch nicht sprechen. Darüber hinaus gehen wir aber vor allem ganz gezielt auf Unternehmen und Partner*innen zu. Wir sind in einer Phase, in der wir das Volumen an Kund*innenanfragen noch nicht in Gänze abbilden können.

Was sind eure kommenden unternehmerischen Ziele und damit verbundenen Visionen?

Unsere Vision ist eine Wirtschaft, in der Menschen, die Umwelt und das Profitstreben im Einklang stehen. Das folgt den Triple-Bottom-Line-Prinzipien. Und das erfordert, dass finanzielle und nicht finanzielle Kriterien gleichberechtigt nebeneinanderstehen. Unser Ziel ist es, das zu ermöglichen.

Und last but not least: Was rätst du anderen Gründer*innen aus eigener Erfahrung?

Ich tue mich immer schwer mit Ratschlägen für andere Gründer*innen. Mir ist ein Ausspruch im Kopf geblieben, von dem ich nicht genau weiß, wer sein(e) Urheber*in ist, aber sinngemäß hat mir mal jemand gesagt: „Hör dir jeden Rat an, lächle höflich, denk in Ruhe darüber nach und dann mach das, was du für richtig hältst.“

Hier geht’s zu SedaiNow

Das Interview führte Hans Luthardt

1,1 Mio. Euro für Führungskräfte- und Talententwickler gyde

Lukas Heinzmann, Omar Sanchez und Dr. Andreas Bunz von gyde haben erfolgreich die erste Finanzierungsrunde ihrer Plattform für Führungskräfteentwicklung abgeschlossen.

„Die Arbeitswelt hat sich in den letzten Jahren rasend schnell verändert“, sagt Lukas Heinzmann, CEO von gyde. „Die Art und Weise, wie die meisten Unternehmen Weiterbildung gestalten, ist aber unverändert geblieben. Das ist ein riesiges Problem. Wir möchten den Unternehmen und Führungskräften eine zeitgemäße Art von Weiterbildung ermöglichen. Mit gyde bieten wir eine neue, digitale und vor allem hochwirksame Form des Lernens für Unternehmen und ihre Führungskräfte.“

Relevante und wirksame Weiterbildungsangebote sind gefragt

Das 2020 von den Stuttgartern Lukas Heinzmann und Omar Sanchez gegründete (und seit diesem Jahr durch Managementsoziologe und Führungskräftecoach Dr. Andreas Bunz im Leitungsteam verstärkte) Start-up setzt bei seinem Angebot für Führungskräfte aus mittelständischen Unternehmen und Scale-ups auf einen neuartigen Dreiklang aus fünf- bis zehnminütigen Lerneinheiten (Micro Learnings), thematischen Übungen und dem sogenannten Peer Coaching, unternehmensübergreifenden Gruppen-Coachings per Videocall. Diese Elemente werden auf einer digitalen Plattform durch Datenaustausch und weitere Features miteinander verbunden.

„Mitarbeitende und Führungskräfte erwarten heute relevante und wirksame Weiterbildungsangebote, die sie mit ihrem stressigen Alltag vereinbaren können“, führt gyde Co-Founder Omar Sanchez weiter aus. „Mit unserer digitalen Plattform, die intelligent Micro Learning, Reflexion und Gruppenaustausch verbindet, bieten wir genau das.“

Seit der Gründung haben laut gyde bereits 30 Unternehmen die Kursangebote für ihre Mitarbeitenden gebucht und über 200 Führungskräfte an den Kursen teilgenommen.

1,1 Mio. Euro fürs weitere Wachstum

Jetzt hat die digitale Plattform für Führungskräfteentwicklung ihre erste Finanzierungsrunde mit einem Funding von 1,1 Millionen Euro abgeschlossen. Mit seinem Konzept konnte gyde Investor*innen wie Benedikt Ilg (Gründer der internen Kommunikations-App Flip), Florian Buzin (Gründer & CEO des Businesskommunikationsanbieter Starface) ebenso überzeugen wie die Storytelling-Agentur Bär Tiger Wolf mit Gründer Theo Eißler und Robin Behlau (Gründer von AroundHome und valyria). Zu den neuen Investor*innen zählen auch und die Beteiligungsgesellschaften S-Kap, ES-Kapital, d.ventures und snabb Cap.

Dymium siegt beim Münchener Businessplan Wettbewerb 2022

Platz 1 geht an das Münchner MedTech-Start-up Dymium mit seiner minimalinvasiven Behandlungsmethode zur rückstandsfreien Entfernung von Nierensteinen.

Beim Münchener Businessplan Wettbewerb, der von BayStartUP, dem bayerischen Start-up-Netzwerk für Gründer*innen, Investor*innen und Unternehmen, durchgeführt wird, haben Start-ups aus Südbayern in drei Wettbewerbsphasen die Chance, sich mit ihren Geschäftskonzepten zu bewerben. Die einzelnen Phasen reflektieren die verschiedenen Entwicklungsschritte der Gründung eines Unternehmens, zum Beispiel die Erarbeitung der Geschäftsidee, das Geschäftsmodell sowie die Planung von Finanzierung und Umsatzentwicklung. Das Ziel nach Phase 3: ein vollständiger Businessplan, mit dem sich die Start-ups bei Kapitalgeber*innen, Unternehmen und Partner*innen vorstellen können.

Als einer der bekanntesten Wettbewerbe im Start-up-Ökosystem brachte der Münchener Businessplan Wettbewerb bereits Gewinner wie Fazua, EGYM oder Quantum-Systems hervor, die heute zu Deutschlands erfolgreichsten Start-ups zählen.

Dr. Carsten Rudolph, Geschäftsführer von BayStartUP, sagt: „Viele der Gründerteams kamen aus den Bereichen Life Science und Tech und entwickeln neue Technologien aus Hochschulen heraus. Die Nominierten und Sieger im diesjährigen Wettbewerb zeichnen sich durch einen hohen Reifegrad und technische Qualität aus. Beste Voraussetzungen, um auch in Krisenzeiten erfolgreich durchzustarten.“

And the Winner is ...

Den diesjährigen Wettbewerb hat das Münchner Start-up Dymium gewonnen. Dymium entwickelt eine minimalinvasive Behandlungsmethode zur rückstandsfreien Entfernung von Nierensteinen. Mithilfe der magnetischen Separationstechnologie kann die hohe Wiederauftrittsrate von über 30 Prozent deutlich gesenkt werden.

Florian Ebel, Mitbegründer von Dymium, über den Wettbewerbserfolg: „Wir haben in allen drei Phasen des Wettbewerbs teilgenommen. Mithilfe von BayStartUP konnten wir unser Netzwerk vergrößern, wertvolles Expertenfeedback einholen und uns damit stetig weiterentwickeln.“

Die Siegerteams im Überblick

1. Platz: Dymium

Dymium ist eine minimalinvasive Behandlungsmethode zur rückstandsfreien Entfernung von Nierensteinen. Verursacht durch Restfragmente kommt es bei über 30 % der Patientinnen und Patienten zu einem Wiederauftreten von Beschwerden. Diese hohe Rate kann mithilfe der magnetischen Separationstechnologie drastisch gesenkt werden.

2. Platz: NIMMSTA GmbH

Die NIMMSTA HS 50 ist eine Industrial Smart Watch, die eine Effizienzsteigerung von über 50 % bei zahlreichen intralogistischen Prozessen erreicht. Sie verbindet Smart Watch, Industrie-Scanner und E-Paper-Display in einem Device. Eingaben, Bestätigungen und Korrekturen werden unmittelbar getätigt und alle Daten kommen in Echtzeit im Warehouse Management System an.

3. Platz: Reverion GmbH

Reverion hat eine Technologie zur Stromerzeugung aus Biogas mit revolutionärem Wirkungsgrad, reversiblem Betriebsmodus (Power-to-Gas) und unerreichter Flexibilität entwickelt und patentiert. Mit einem Gründerteam, das in Summe mehr als 25 Jahre Erfahrung im Energiebereich mitbringt, erschließt Reverion neue Optimierungspotenziale im Biogasmarkt und läutet eine neue Ära der hochflexiblen, effizienten und dezentralen Energieversorgung ein.

Außerdem waren folgende Start-ups im Finale nominiert

2NA FISH aus München ermöglicht die einfache, kosteneffiziente und robuste Analyse der Genaktivität im räumlichen Kontext. Durch die Plattformtechnologie können erstmalig In-Vitro-Diagnostika zur Therapieentscheidung bei Krebserkrankungen entwickelt werden, welche Genaktivitätsmuster (RNA Expression) im räumlichen Gewebekontext quantifizieren.

Hyperdrives aus München entwickelt leistungsdichte und hochintegrierte elektrische Antriebssysteme. Schlüssel für die kompakten und effizienten E-Motoren ist die Kühlung – diese erfolgt direkt durch die Wicklung statt am Gehäuse.

Qlibri aus München baut und vertreibt ein neuartiges Mikroskop basierend auf einer Technologie aus der Quantenoptik. Forscher und Entwickler aus der Nano- und Quantentechnologie können so extrem kleine Objekte erstmals sichtbar machen.

sqior medical aus München entwickelt ein Smartphone-basiertes Assistenzsystem, das Klinikärzten Informationen bereitstellt, klinische Aufgaben vereinfacht und administrative Prozesse automatisiert. So kann bspw. die Kommunikation und Steuerung rund um den perioperativen Prozess automatisiert werden.

VESTIGAS aus Eggenfelden ermöglicht durch einen neu entwickelten Zertifizierungs-Algorithmus die digitale Verarbeitung von Lieferdokumenten in der Baustofflogistik, wodurch hohe Einsparungen für alle Prozessbeteiligten (Lieferanten, Spediteure und Bauunternehmen) entstehen.

KI-Start-up Conversion Maker erhält weitere 4 Mio. Euro

Mit dem zusätzlichen Funding möchte das Offenburger Start-up die einfach bedienbare Software zur Conversion-Rate-Optimierung weiterentwickeln und die Teamgröße verdoppeln.

Conversion Maker, der 2020 im badischen Offenburg von Seriengründer Michael Witzenleiter gegründete Spezialist für Conversion-Rate-Optimierung, hat ein Investment von vier Millionen Euro von der Christian Funk Holding erhalten. Erst im Februar hatte das Start-up die KI-basierte Software Conversion Maker AI zum einfachen Erstellen und Optimieren von Marketing-Texten gelauncht.

In der KW 14 war Michael Witzenleiter unser "Gründer der Woche" - hier gibt's das Interview mit ihm zum Nachlesen.

Mit dem neuen Kapital möchte das Unternehmen die Textoptimierung weiterentwickeln und die Plattform in neue Bereiche ausbauen. Dazu möchte das Start-up innerhalb der nächsten zwölf Monate die Anzahl der Mitarbeitenden von aktuell 20 auf 40 verdoppeln und einen neuen Firmensitz beziehen.

Conversion-Rate-Optimierung zugänglicher machen

Conversion Maker hat es sich zur Aufgabe gemacht, den Prozess der Conversion-Rate-Optimierung mithilfe von Technologie zugänglicher zu machen. Dafür setzt das Unternehmen auf zunehmend automatisierte Tools, die auch von Anwender*innen ohne Vorkenntnisse verwendet werden können. Das erste eigene Produkt – die Software Conversion Maker AI – erstellt mithilfe von künstlicher Intelligenz aus wenigen Stichworten einen Produkttext, eine E-Mail oder ein Social-Media-Beitrag. Diese sind auf verschiedene Faktoren wie Lesbarkeit und Emotionalität optimiert, um so mehr Interessent*innen zu Käufer*innen zu machen.

Textoptimierung nur der erste Schritt

„Die Textoptimierung war für uns nur der erste Schritt. Als nächstes planen wir ein Modul, das mithilfe von KI die Bildauswahl auf Webseiten verbessert, um so die Conversion Rate zu optimieren. Dafür führen wir bereits erste Studien durch“, sagt Founder Michael Witzenleiter. „Auch bei der Datenanalyse sehen wir noch Potenzial – hier wollen wir eine Lösung entwickeln, die Schwachstellen in Online-Shops automatisch identifiziert.“

Neben eigenen Produkten setzt Conversion Maker auch auf bestehende Software, um die Conversion-Rate-Optimierung als ganzheitliche Unternehmensstrategie zu verankern. Zu den Lösungen, die nach dem Best-of-Breed-Ansatz ausgewählt wurden, zählen u.a. die A/B-Testing-Plattform Kameleoon, das Produktanalyse-Tool Mixpanel und das Marketing-Datenanalyse-Tool TrackAd.

Gründer*in der Woche: heynannyly – Turbo-Babysitting

Flexible und zufriedene Mitarbeitende dank flexibler Kinderbetreuung bzw. schnell und einfach einen vertrauensvollen Babysitter finden und spontane Engpässe noch am selben Tag abdecken, das bieten die heynannyly-Gründerinnen Anna Schneider und Julia Kahle Unternehmen und Eltern. Mehr dazu im Interview mit Anna und Julia.

Wann und wie seid ihr auf die Idee zu heynannyly gekommen?
Anna:
Seit über 12 Jahren habe ich nebenbei und in verschiedenen Ländern als Baysitterin gearbeitet und immer wieder das gleiche erlebt. Eltern hatten überall das Problem, einfach und flexibel gute Kinderbetreuung zu bekommen, und auch für mich als Babysitterin war der Aufwand immens. Bei einem meiner Aufträge dachte ich, das muss ich ändern. Und dann habe ich Julia gefunden – eine workingMom, die mit ihren beiden Kids seit über zehn Jahren weiß, was Vereinbarkeit von Familie und Beruf bedeutet. Das hat sofort gematcht und wir wussten beide, dass wir genau hier etwas verändern wollen.

Julia: Absolut. Als ich Anna getroffen habe und sie mir von der Idee erzählt hat, wusste ich - das ist es. Betreuung an Randzeiten, wenn die Kids krank werden oder einfach die Krippen Schließzeiten nicht mit den Arbeitszeiten übereinstimmt. Da gibt es unzählige Beispiele. Durch meinen vorherigen Job als Head of HR Marketing im Konzern wusste ich auch, dass in den Unternehmen einfach kein Hebel und Benefit für arbeitende Eltern und mehr Flexibilität vorhanden ist. Und genau das braucht aus unserer Sicht new work.

Was waren die wichtigsten Steps von der Gründung bis zum Start im Mai dieses Jahres?
Anna:
Da gab es einige. Unsere GmbH-Gründung im März 2022 und den ersten Investor allygatr aus Berlin an Bord zu nehmen. Aber definitiv auch unseren MVP zu launchen. Wir haben schon von Anfang an immer möglichst viel Feedback eingeholt – aber das Feedback live zu bekommen ist am wertvollsten. Wir ändern quasi täglich kleine Features und unsere Product Roadmap.

Was ist das Besondere, das Innovative an heynannyly und wie unterscheidet ihr euch damit von anderen Kinderbetreuungsmöglichkeiten?
Julia:
Zum einen war uns ganz besonders wichtig, einfach und flexibel an sehr vertrauensvolle Betreuer*innen zu kommen. TRUST ist bei dem Thema unsere absolute Priorität. Als Mutter weiß ich, dass hier die Basis für eine gute Betreuung überhaupt erst geschaffen wird. Und mit unseren Recruiting Backgrounds war schnell klar, dass wir ein Screening machen ähnlich der Einstellung in Unternehmen (ID-Check, Background-Check, Video-Check) und alles transparent in den Profilen der Nannys einsehbar machen.

Anna: Dazu gehört auch das Thema Erste Hilfe, das wir als Schulung für unsere Nannys zur Verfügung stellen und die Haftpflichtversicherung, die bei allen unseren Buchungen inklusive ist. Und ja klar – die Verfügbarkeit innerhalb weniger Stunden gehört sicher auch zu unseren USPs.

Wie findet und bindet ihr geeignete Babysitter?
Anna:
Auch das ein echter Mehrwert mit Recruiting-Know-how – da haben wir scheinbar die richtigen Kanäle getroffen. In unserer Start-City München hatten wir recht schnell die ersten 1.000 Babysitter an Bord. Ganz genau verraten wollen wir die Quelle natürlich nicht – wir haben alles ausprobiert von SEA bis hin zu Guerilla Aktionen in der Stadt und Postwurfsendungen. Die Bindung erfolgt zum einen über einen fairen Stundenlohn, die Haftpflichtversicherung, den kostenlosen Account und eine Incentivierung für häufige Buchungen.

Wer sind eure Kund*innen?
Julia:
Alle Eltern, die Kinderbetreuungsbedarfe haben – sei es, weil sie keinen Kitaplatz bekommen haben, abends mal ausgehen oder sich für den Job Freiraum schaffen müssen. Und natürlich alle familienfreundlichen Unternehmen, die ihren Mitarbeitenden Entlastung und Flexibilität geben. Nicht nur in kaufmännischen Jobs, sondern unbedingt auch in Bereichen mit Schichtarbeit und natürlich überall da wo es nicht mehr so einfach ist gute Mitarbeitende zu gewinnen. Also als klarer Benefit.

Wie habt ihr die Startphase und damit auch euch selbst bislang finanziert?
Anna:
Die ersten Monate haben wir gebootstrapt und dann einen HR TECH VC mit an Bord genommen. Cash für die Programmierung, aber auch das Netzwerk und operativer Support waren hierbei unsere wichtigsten Aspekte.

Wie macht ihr auf euch und heynannyly aufmerksam?
Julia:
Zum einen natürlich mit digitalem Marketing und über die verschiedenen Mütter-/Väter-Netzwerke, in denen wir aktiv sind. Unser wichtigster Kanal bisher ist aber LinkedIn. Dort erzählen wir auch schon seit Beginn unseres Vorhabens über uns und den Aufbau von heynannyly.

Was sind eure weiteren unternehmerischen To Do's und Vorhaben?
Julia:
Gerade sind wir in unsere nächste Finanzierungsrunde gestartet – wir suchen je nach Run Rate 700k+ für unser Product Market Fit und den Scale. Wir wollen einen CPO mit an Bord nehmen und auch Know-how für Marketing & Sales integrieren. Das Produkt muss weiterentwickelt werden und Marketingbudget ist wichtig.

Anna: Nach dem Product Market Fit in München stehen die nächsten großen Städte an – wir wollen auch in die DACH-Region und in die Key Cities in Europa. Dabei sind wir relativ flexibel – wo wir die meisten Contracts einsammeln im Bereich B2B sind wir als erstes.

Und last but not least: Was wollt ihr anderen Gründer*innen aus eigener Erfahrung mit auf den Weg geben?
Anna:
Für uns war es die richtige Entscheidung zu zweit zu gründen – gemeinsam die Erfolge zu feiern und bei Fails und schwierigen Entscheidungen einen strategischen Partner zu haben ist eigentlich das Beste.

Julia: Und was wir selber oft gehört haben, hat auch bei uns gestimmt – geht so schnell wie möglich mit dem MVP auf den echten Markt. Es gibt keine wertvolleren Feedbacks.

Hier geht's zu heynannyly

In diesem Video erfahrt ihr mehr über die Gründerinnen und ihr Kids-Biz

Das Interview führte Hans Luthardt

Global EnergyTech Awards 2022

Nach dem Erfolg im vergangenen Jahr gibt Publicis Sapient den Start der zweiten Global EnergyTech Awards bekannt. Die Frist zur Einreichung läuft bis zum 30. September 2022. 

Mit den Awards werden einzigartige transformative Technologielösungen in der Energiebranche ausgezeichnet. Start-ups und Innovator*innen aus der ganzen Welt, die ihre Leidenschaft für die digitale Transformation der Energieindustrie teilen und einen positiven Beitrag zur Zukunft unserer Gesellschaft, Wirtschaft und unseres Planeten leisten, sind aufgerufen, sich zu bewerben. Die Finalist*innen werden von einer hochkarätigen internationalen Jury bewertet. Im vergangenen Jahr ging die Auszeichnung unter anderem an Solytic, ein Start-up aus Deutschland, und die Virtual Global Trading AG aus der Schweiz.

 Alle Details zu den Global EnergyTech Awards 2022 finden sich unter: www.globalenergytechawards.com

 „Wir freuen uns, die Global EnergyTech Awards zum zweiten Mal zu vergeben. Es besteht ein zunehmender Bedarf für Energieunternehmen, mit Innovatoren zusammenzuarbeiten, um die Fähigkeiten und Technologien auszubauen, die sie zur Erreichung der globalen Netto-Null-Ziele benötigen“, so Joe Tabita, Energy Lead für die EMEA- und APAC-Region bei Publicis Sapient. „Beim Übergang zu einer kohlenstofffreien Zukunft kann die Digitalisierung ein zentraler Treiber der Transformation der Energieerzeugung, Speicherung, des Handels und der Versorgung sein.“

Award-Kategorien und Kriterien

Die Global EnergyTech Awards wurden in diesem Jahr um drei neue Kategorien erweitert, um aktuelle Trends und Herausforderungen der Branche widerzuspiegeln. Es werden Preisträger in folgenden sieben Kategorien ausgezeichnet:

  • [NEU] Best Smart City Solution: Bürgernahe Lösungen, die eine bessere Vernetzung, eine bessere Ressourcennutzung und weniger Emissionen ermöglichen
  • [NEU] Best Digital Marketing Solution: Funktionen, Inhalte oder Erlebnisse, die Energiekunden begeistern und einbinden
  • [NEU] Best Network, Transport or Distribution Solution: Lösungen zur Schaffung nachhaltiger Vorteile für Energiekunden, Besitzer von Elektrofahrzeugen, Netze und damit verbundene Systeme
  • Best CleanTech: Einsatz digitaler Technologien zur Verringerung des Energieverbrauchs, zur verstärkten Nutzung sauberer Energie oder zur Verbesserung der Energieeffizienz
  • Best Solution Energy Trading: Technologien für Versorgung, Handel, Betrieb und Risikomanagement, um den Energiefluss weltweit in Schwung zu halten
  • Best Use of Data & Insights: Innovative Ansätze bei der Nutzung von strukturierten, unstrukturierten und Streaming-Daten, einschließlich Blockchain- und KI-Lösungen
  • Stand-out Performer: Unter allen Einreichungen wird eine Innovation ausgewählt, die besonders überzeugt und eine Spezialauszeichnung verdient

 Die Gewinner*innen der diesjährigen Global EnergyTech Awards werden im November 2022 bekannt gegeben. Ihnen winken ein Platz in der Startup Corner auf der VivaTech 2023, Europas größtem Start-up- und Tech-Event, sowie redaktionelle Berichterstattung. Zudem erwartet sie jeweils eine persönliche Mentoring-Session mit einem der Jurymitglieder sowie ein Workshop zum Thema der Skalierung und Beschleunigung von Produkten oder Lösungen.

100 Mio. Euro Fonds für FoodTech- und GreenTech-Start-ups

Der Green Generation Fund (GGF), ein neuer europäischer Early Stage Impact Investor, gibt den Launch seines ersten Fonds in Höhe von 100 Mio. Euro bekannt.

Der Green Generation Fund (GGF), ein neuer europäischer Early Stage Impact Investor (Pre-Seed, Seed und Series A), gibt nach einem überzeichneten ersten Closing im Herbst 2021 den Launch seines ersten Fonds in Höhe von 100 Mio. Euro bekannt – weniger als ein Jahr nach Start des Fundraisings. Das Berliner Team hat bereits die ersten acht Investments getätigt und plant sich mit seinem Kapital an 20 bis 25 europäischen und US-amerikanischen Start-ups in den Bereichen Food Tech und Green Tech zu beteiligen.

Gegründet wurde der Green Generation Fund von zwei Partnerinnen – Dr. Manon Sarah Littek und Janna Ensthaler – beide mit komplementärem Profil und seit mehr als zehn Jahren als Investorinnen und Unternehmerinnen tätig.

Dr. Manon Sarah Littek ist neben ihrer Rolle als Mitgründerin des GGF als unabhängige Board Direktorin bei Upfield tätig. Zuvor war sie über zehn Jahre in einer General Partner Rolle im Corporate Venture Capital Umfeld bei Katjesgreenfood, Europas erstem Food Impact Investor mit einem diversen EU/US Marken-Portfolio, und DLD Ventures, dem internationalen Investment-Arm von Burda Digital, tätig.

„Ich bin überzeugt, dass wir die deutsche und europäische Wirtschaft vor allem dadurch zukunftstauglich machen können, indem wir heute die Ökosysteme der Zukunft identifizieren und dann im Wettbewerb zu anderen Regionen der Welt schnellstmöglich aufbauen und für uns besetzen. Unsere Investment-Kategorien Food Tech und Green Tech sind zwei der bedeutendsten Zukunftsindustrien der nächsten Jahrzehnte“, so Littek.

Im Jahr 2012 reiste Janna Ensthaler mit Al Gore und seinen Wissenschaftler*innen in die Antarktis, um sich intensiver mit den Auswirkungen des Klimawandels zu beschäftigen. Zu dem Zeitpunkt war die Serien-Gründerin noch also CEO für ihre Firmen (GlossyBox, Event Inc. und Kaiserwetter) im Einsatz, fasste dann aber inspiriert durch die Reise den Entschluss, sich im Bereich Nachhaltigkeit zu engagieren. Ensthaler begann ihre Karriere bei Bain & Company in London.

Fokus auf Food- und GreenTech

Inhaltlich konzentriert sich die Investmenthypothese auf zwei Säulen: Innerhalb von FoodTech setzt der Berliner Impact Investor auf Unternehmen mit Technologien zur Herstellung der nächsten Generation fortschrittlicher Proteinquellen, Präzisionsfermentierung und Zellkultivierung sowie Clean Ingredients und Human Microbiome.

Investments in GreenTech konzentrieren sich vor allem auf nachhaltige Lösungen (Hardware und Software) für Materialien und Verpackungen, Technologien zur Dekarbonisierung sowie erneuerbare Energien und nachhaltige Lieferketten.

Bisher hat sich der Green Generation Fund an acht Unternehmen beteiligt, darunter Neggst (erstes pflanzliches Ei mit getrenntem Eigelb, Eiweiß und Eischale), Biomilq (zellkultivierte Brustmilch), Libre (Fleischersatz basierend auf Mycelium / Pilzen), Lypid (pflanzliche Alternative zu Fettgewebe), Change Foods (Käse auf Basis von Präzisionsfermentierung), The Rainforest Company (Acai-Superfood zum Schutz des Regenwaldes) aus dem Bereich FoodTech sowie Klim (Carbon Offsetting App für nachhaltige Landwirtschaft) und One Five (R&D Plattform für Plastikalternativen) aus der Kategorie GreenTech.

All diese Start-ups haben gemeinsam, dass ihre Technologien und Geschäftsmodelle messbare Fortschritte sowie einen signifikanten, positiven Einfluss auf die Umwelt haben, insbesondere im Bereich CO2-Vermeidung, Kreislaufwirtschaft, Ressourcen- und Klimaschutz, Tierwohl, Biodiversität sowie Gesundheitsförderung. Als künftiger Artikel 9 „Impact Fund“ der neuen EU Sustainable Finance Disclosure Regulation ist die Vergütung der Fundmanager ebenfalls an die Erreichung solcher Nachhaltigkeitsziele geknüpft.

Rund 30 Investor*innen sind beteiligt

Beteiligt haben sich neben Ankerinvestoren Florian Wendelstadt (Ex-MD General Atlantic Europa, Caldec) und Kaltroco (UK Family Office) eine Reihe weiterer namhafter, internationaler Investor*innen darunter Susan Danziger mit Albert Wenger (Eutopia), Canica (Schweiz/Norwegen) und Corecam Capital Partners (Singapur), Liesner & Co. (Hamburg) und Max Iann. Fund of Funds wie Equation oder Aldea und institutionelle Investoren wie KfW Capital haben sich ebenfalls signifikant engagiert.

Auch Industrieexperten wie z. B. Ex Aldi CEO Dr. Marc Heußinger, Peter Dill (Deutsche See), Babor (Aachen) und Dr. Anne-Marie Großmann (Georgsmarienhütte Unternehmensgruppe) sind in den GGF investiert. Dazu kommen Gründerinnen und Multiplikatorinnen wie Delia Lachance (Westwing), Lea-Sophie Cramer (Amorelie) und Verena Pausder. Insgesamt haben knapp 30 Investor*innen eine deutlich überdurchschnittliche Zusage von über 3 Mio. Euro gegeben.

STARTUP TEENS zeichnet unternehmerische Talente in Deutschland aus

And the STARTUP TEENS-Award goes to … Die Non-Profit Initiative STARTUP TEENS hat am Abend des 24. Juni in sieben Kategorien herausragende unternehmerische Ideen von 14- bis 19-jährigen Schüler*innen mit dem STARTUP TEENS-Award ausgezeichnet.

Die seit 2016 jährlich stattfindende STARTUP TEENS-Award ist der mit 7 x 10.000 Euro höchstdotierte Businessplanwettbewerb für Schüler*innen in Deutschland. In diesem Jahr haben 870 Projekte von rund 4.300 Schüler*innen teilgenommen. Bereits im Online Voting zeigten über 47.600 Votes für die 35 Videos die große Begeisterung für den Wettbewerb.

Top-Themen: Nachhaltigkeit und soziales Miteinander

Die vielen spannenden Projekte der Finalist*innen zeigen besonders das große Interesse an gesellschaftlichen Themen wie Nachhaltigkeit und sozialem Miteinander. „Das Finale der Businessplan-Challenge ist für mich jedes Jahr aufs Neue ein Blick nach vorne - die Projekte der Teilnehmenden beschäftigen sich mit Innovation, Chancengleichheit, Umweltschutz und vielem mehr. Unser Land ist gut aufgestellt, wenn junge Menschen mit Mut und Leidenschaft ihre eigenen Ideen verwirklichen können. Wir sind stolz, ein Teil dieser Entwicklung zu sein“, sagt Vorständin Classifieds Media bei Axel Springer SE, Dr. Stephanie Caspar.

„Unternehmerische Bildung hat an Schulen in Deutschland weiter einen zu geringen Stellenwert”, sagt der Mitgründer und Geschäftsführer von STARTUP TEENS, Hauke Schwiezer. „Deshalb haben wir STARTUP TEENS gegründet. Wir füllen diese Lücke seit Jahren mit unseren Angeboten im Bereich Entrepreneurship Education, Coding und Zukunfts-Skills. Diese Fähigkeiten brauchen nicht nur junge Gründer oder Unternehmensnachfolger sonder besonders auch unternehmerisch denkende Angestellte.”

Die Sieger*innen des Jahres 2022

In der Kategorie Sustainability & Diversity konnte sich Unique Nature (Aichwald / Baden-Württemberg) mit einer Folie für die Landwirtschaft durchsetzen, die Plastik vermeidet, sich biologisch abbaut und die Agrarwirtschaft nachhaltiger macht.

Smokesafe (Northeim / Niedersachsen) gewann mit einem innovativen Filter für Raucher, der Passivrauchen zu 85 Prozent verhindert die Kategorie Consumer Products.

LunarLoop von LunarRise (Geisenheim / Hessen) ist ein Schlafphasenwecker, der den Nutzer morgens sanft per Vibration zum optimalen Zeitpunkt aus einer Leichtschlafphase holt, überzeugte die Jury in der Kategorie Sciences & Health.

SafeSpace (Münster / NRW) setzte sich in der Kategorie Services & Platforms durch. Mit dieser App können Frauen abends mit einem sicheren Gefühl unterwegs sein und sich vernetzen.

Der Gewinner der Kategorie Social Networks & Gaming ist Improvable (Nürnberg / Bayern) mit einer App, welche die Bereiche Organisation und Selbstverbesserung miteinander kombiniert und diese in ein spielerisches Konzept einbettet.

Mit der Idee einer kostenlosen Lernplattform, die die englische Sprachfähigkeit der Benutzer durch aktives Sprechen verbessern soll war DiscussTme (Traustadt / Bayern) in der Kategorie Education nicht zu schlagen.

Das Preisgeld in der Kategorie Industry Products ging an FastAIMovies (Traunstein / Bayern), die das Problem teurer und zeitaufwendiger Videoproduktion durch den Einsatz von künstlicher Intelligenz löst.

RoleModel-Awards 2022

Ein weiteres Highlight des Tages war die Vergabe der RoleModel-Awards powered by STARTUP TEENS. Der Award wurde an sechs herausragende unternehmerische Vorbilder für die Generation Z verliehen.

In der Kategorie Gründerin waren Zarah Bruhn (socialbee, München), Lena Jüngst (air-up, München) und Anna Alex (Planetly, Berlin) nominiert. Gewonnen hat die Co-Founderin und CEO Zarah Bruhn.

Die Kategorie Gründer entschied Founder & CEO Philipp Pausder von thermondo, Berlin, für sich. Er setzte sich gegen Philipp Westermeyer (OMR, Hamburg) und Lawrence Leuschner (TIER, Berlin) durch.

Dina Reit (SK LASER, Wiesbaden) konnte die Kategorie Familienunternehmerin für sich entscheiden. Marlene Taschen (Taschen Verlag, Köln) und Nadine Sprügel (JAKO AG, Mufingen) belegten die Plätze 2 und 3.

In der Kategorie Familienunternehmer wurde Nils Glagau (Orthomol, Langenfeld) ausgezeichnet. Ebenfalls nominiert waren Sven Lindig vom Familienunternehmen Lindig Fördertechnik (Eisenach) und Tobias Heitmann vom Heitmann & Zimmermann, Dortmund.

Die Kategorie Managerin gewann Laura Bornmann (REWE, Dortmund). Sie setzte sich gegen Tina Müller (Douglas, Düsseldorf) und Natalya Nepomnyashcha (EY, Berlin) durch.

Toan Nguyen (Jung von Matt, Hamburg) wurde RoleModel der Kategorie Manager. Ebenfalls nominiert waren Tim Höttges (Telekom AG, Bonn) und Oliver Blume (Porsche AG, Stuttgart).

Entrepreneurship Monitor (GEM) Länderbericht Deutschland 2021/22

Wer gründet in Deutschland häufiger – Migrantinnen und Migranten oder in Deutschland Geborene? Und wie unterscheiden sich die Gründungsquoten zwischen Migrantinnen und Migranten? Wie sind ihre Wachstumsambitionen? Antworten liefert der Global Entrepreneurship Monitor (GEM) Länderbericht Deutschland 2021/22.

Laut des aktuellen GEM-Länderberichts Deutschland gründeten im Jahr 2021 in Deutschland den absoluten Zahlen nach zwar mehr Personen, die hierzulande geboren sind, allerdings ist die Gründungsquote der migrantischen Bevölkerung mit knapp 14 Prozent mehr als doppelt so hoch wie die Gründungsquote der einheimischen Bevölkerung (ca. 7 Prozent). Die GEM-Gründungsquote wird definiert als Anteil derjenigen 18- bis 64-Jährigen, die während der letzten 3,5 Jahre ein Unternehmen gegründet haben und/oder gerade dabei sind, ein Unternehmen zu gründen. Auffällig ist außerdem, dass die migrantische Gründungsquote von 2020 auf 2021 besonders stark gestiegen ist (2020: knapp 6 Prozent; 2021: knapp 14 Prozent) und dabei sogar den höchsten Stand seit Beginn der Erfassung der Daten zu Gründungen durch Migrantinnen und Migranten im GEM erreicht hat.

Migrantinnen und Migranten in Sachen Gründung gleichauf 

Das Geschlechterverhältnis war unter migrantischen Personen 2021 sehr ausgeglichen: Migrantische Frauen gründen genauso häufig wie Männer – die GEM-Gründungsquote liegt bei beiden Gruppen bei knapp 14 Prozent. Bei der einheimischen Bevölkerungsgruppe hingegen sind Gründerinnen deutlich seltener vertreten als Gründer (5 Prozent vs. 8 Prozent). Migrantinnen gründen in Deutschland also fast dreimal so häufig ein Unternehmen wie Nichtmigrantinnen. Dr. Susanne von Below, Leiterin Referat AS 1 – Arbeitsstab der Beauftragten der Bundesregierung für Migration, Flüchtlinge und Integration und der Beauftragten für Antirassismus im Bundeskanzleramt, stellte dazu fest: „Gründerinnen und Gründer mit Einwanderungsgeschichte sind ein essentieller Teil der Gründungslandschaft in Deutschland. Es gilt, das Augenmerk auf Chancen und wirtschaftliche Potenziale zu richten. Mit Blick auf Frauen mit Migrationshintergrund verspricht der Koalitionsvertrag explizit, Hürden bei Finanzierung und Förderung abzubauen.“

Wachstumsambitionen und eine internationale Ausrichtung sind bei Migrantinnen und Migranten am stärksten ausgeprägt 

Nach wie vor sind auch die Wachstumsambitionen, im GEM definiert als der erwartete prozentuale und absolute Zuwachs an Angestellten, bei migrantischen Gründenden im Schnitt deutlich stärker ausgeprägt (24 Prozent) als bei einheimischen Gründenden (10 Prozent).
Darüber hinaus richten knapp 22 Prozent der Migrantinnen und Migranten 2021 ihr Geschäft stark international aus, was bedeutet, dass nach Aussage dieser Gründenden mehr als 25 Prozent des Umsatzes im Ausland erwirtschaftet werden. Gründungen durch Einheimische richten sich etwas seltener international aus (19 Prozent). Diese Erkenntnis überrascht nicht: Die Internationalität von migrantischen Gründenden ist ein wichtiges Alleinstellungsmerkmal – migrantische Start-ups nutzen häufiger Englisch als Arbeitssprache, ihre Teams sind internationaler und sie verfügen häufiger über gute oder sehr gute internationale Netzwerke. All diese Faktoren verschaffen ihnen klare Vorteile bei der Etablierung ihres Unternehmens auf internationalen Märkten.

Die Daten des GEM zeigen also, dass Gründungen durch Migrantinnen und Migranten einen wichtigen Beitrag zum Gründungsgeschehen in Deutschland leisten. Deswegen ist es von großer Bedeutung, speziell für Migrantinnen und Migranten attraktive und unbürokratische Zugänge zum Arbeitsmarkt zu schaffen.

Der vollständige GEM Länderbericht Deutschland 2021/22 steht unter http://rkw.link/gem2022 zum Download zur Verfügung.

Planted: Millionen-Investment für den Klimaschutz

Das 2021 gegründete Kölner GreenTech-Start-up Planted will mit Millionen-Investment Unternehmen zu Klimarettern machen.

Planted ist ein 2021 von Cindy Schüller, Wilhelm Hammes Heinrich Rauh und Jan Borchert gegründetes Green-Tech-Start-up mit Sitz in Köln. Das 14-köpfige Team setzt sich für den Erhalt der Erde und ihrer Ressourcen ein – dabei geht es sowohl um das Reduzieren als auch das Vermeiden von CO2-Emissionen. Mithilfe unkomplizierter Abomodelle und einer eigens entwickelten Software-Lösung können Unternehmen in den aktiven Klimaschutz investieren. Ziel ist, dass Unternehmen ihre Netto-Null-Emissionen erreichen und so einen entscheidenden Beitrag beim Erreichen des 1,5-Grad-Ziels leisten.

Klimaschutz-Dreiklang

Planteds Strategie für aktiven Klimaschutz besteht aus einem Dreiklang globaler Klimaschutzprojekte, dem Pflanzen lokaler, klimastabiler Bäume und der allgemeinen Reduktion von CO2 in Unternehmen. Letzteres soll möglich werden dank einer innovativen Dekarbonisierungs-Software.

Im Rahmen einer 1-Millionen-Pre-Seed-Finanzierungsrunde beteiligen sich nun Smart Infrastructure Ventures und neoteq ventures an Planted. Darüber hinaus sind die Business Angels Julius Göllner (ARRtist), Jochen Berger (Groundbreaker), Friedrich Neumann (Urban Impact Capital), Johannes Sass (Wow Yes Ventures) und Lucas von Fürstenberg (Freiherr von Fürstenberg’sche Forstverwaltung) involviert sowie das Family Office Rivus Capital.

Von innen heraus dekarbonisieren

„Die Finanzierung ermöglicht es uns, eine innovative Software-Lösung zu entwickeln, mit der sich Unternehmen von innen heraus dekarbonisieren. Wir wollen ein kollektives Bewusstsein schaffen und dank individueller Challenges Firmen spielerisch zum Klimaschutz befähigen. Dabei soll jede Mitarbeiterin und jeder Mitarbeiter eine aktive Rolle einnehmen und Verantwortung für ein zukunftsfähiges Morgen übernehmen,” sagt Cindy Schüller, Mitgründerin von Planted.

Die vier Kölner*innen wollen nichts wengier als unseren Planeten zukunftsfähig für die nächsten Generationen machen – und suchen dabei den engen Schulterschluss mit Unternehmen und deren Mitarbeiter*innen. Mit an Bord ein eigener „Klimaförster“, der sich um die Bepflanzung der klimastabilen Bäume in deutschen Mischwäldern kümmert: Jan Borchert.

Jahresbilanz: 35.000 Tonnen CO2 ausgeglichen

Co-Founder Borchert zieht nach einem Jahr Planted ein erstes Zwischenfazit: „100.000 klimastabile Bäume in Deutschland – und das innerhalb von nur einem Jahr! Das war nur möglich dank toller Partnerfirmen wie Eurowings, Gerry Weber oder Electronic Sports League, die an unsere Vision glauben. Mit unseren über 100 Partnern haben wir insgesamt knapp 35.000 Tonnen CO2 ausgeglichen. Anders ausgedrückt konnten wir so über 60.000 Flüge von Köln nach Barcelona und zurück durch Klimaschutzprojekte ausgleichen. Dank der Finanzierungsrunde können wir jetzt nicht nur das Thema CO2-Ausgleich, sondern auch die aktive Vermeidung forcieren.“

Vormerken: Die spannende Planted-Gründerstory liest du in der kommenden Printausgabe von StartingUp – Heft 03/22, ab dem 01. September 22 im Handel.

Gründer*in der Woche: KIRIMANUFAKTUR - modulare Möbel aus Kiri-Holz

Die KIRIMANUFAKTUR, 2021 von Paul Helmeth in München gegründet, hat sich auf die Verarbeitung von nachhaltig in Europa angebautem Kiri-Holz spezialisiert. Wie er dieses besondere Holz für sich entdeckt hat und was Paul daraus fertigt, erfahrt ihr im Interview.

Wann und wie bist du als Pilot im Hauptberuf auf die Idee gekommen, zu gründen bzw. "etwas in Holz" zu machen?

Die nebenberufliche Selbstständigkeit war schon seit Jahren mein Ziel, dabei bietet es sich natürlich immer an aus seinem Hobby einen Beruf zu machen. Die Pandemie war hierfür der perfekte Zeitpunkt, da die Flugzeuge innerhalb weniger Wochen am Boden standen. Als Autodidakt im Möbelbau und mit über 25 Jahren Erfahrung im Holzbau stellte sich „nur“ die Frage: Womit am besten?

Wie bist du dann auf Kiri-Holz gekommen?

Die Wahl des Holzes war kein Zufall, vielmehr hat mich ein langjähriger Freund darauf gebracht – Peter Diessenbacher. Er ist Miteigentümer und Mitgründer des europäischen Marktführers im Kiri-Holz-Bereich, der WeGrow AG. Dabei hat mich das Kiri-Holz von vorne rein durch seine vielen positiven Eigenschaften überzeugt.

Welche Eigenschaften sind das?

Zum einen ist es extrem leicht: mit 270kg/m3 ist es fast halb so schwer wie vergleichbares Bauholz wie Fichte oder Kiefer mit 480kg/m3 – bei ähnlicher Stabilität. Für mich ebenfalls entscheidend ist die homogene Oberfläche, da es nahezu astfrei ist und somit einfach zeitlos. Hinzu kommt die hohe Formstabilität, der hohe Flammpunkt und der hohe Dämmwert, der sich durch den Lufteinschluss der wabenförmigen Struktur ergibt.

Neben den Materialeigenschaften ist Nachhaltigkeit bei der Wahl des Rohstoffes von zentraler Bedeutung. Der Kiri-Baum bindet CO2 wie kaum ein anderer Baum. Auf den Plantagen in Europa wird bis zu viermal so viel CO2 gebunden im Vergleich zu einem europäischen Mischwald. Als Alternative zu Tropenhölzern, schont der Anbau auf Plantagen heimische Wälder und reduziert deren Nutzungsdruck. Hinzu kommt, dass der Kiri-Baum als Pionierpflanze keine nährstoffreichen Böden benötigt. Durch seine großen Blätter entsteht jedoch mit der Zeit nähstoffreicher Humus, mit welchem sich dann weitere Pflanzen und Lebewesen ansiedeln - wie geschaffen für heimische Blumen und Gräser.

Als am schnellsten wachsender Laubbaum der Welt wächst der Kiribaum im ersten Jahr bis zu sechs Meter hoch. Nach fünf bis sechs Jahren werden die ersten Bäume geerntet, nach acht bis zehn Jahren haben sie einen Stammdurchmesser von bis zu 40 cm. Nach der Ernte treibt der Baum erneut aus dem Stumpf heraus aus. Viele Generationen hintereinander kann der Baum so geerntet werden und die Pflanzenwelt darunter bleibt unberührt. Das Wurzelwerk bleibt in Takt und speichert die Feuchtigkeit nach dem Regen viele Meter tief. So verbessert er ganz nebenbei das Mikroklima in Trockengebieten.

Gründer*in der Woche: GoodBytz – der intelligente Robotic-Sous-Chef

Das Hamburger Food-Tech-Start-up GoodBytz entwickelt intelligente Küchenassistenz-Roboter, mit deren Hilfe Köch*innen mehr Freiraum u.a. für kreative Dinge erhalten sollen. Mehr zu dem innovativen Konzept erfahrt ihr im Interview mit GoodBytz-CEO Dr. Hendrik Susemihl.

Wann und wie bist du zusammen mit Kevin und Philipp auf die Idee gekommen, einen Küchenassistenz-Roboter zu entwickeln?

Wir alle waren in den vergangenen Jahren beruflich immer viel unterwegs und haben dabei irgendwann festgestellt, dass wir uns oft bei To-Go oder Lieferessen nur sehr ungesund ernähren konnten. Auch die Qualität des Essens ließ häufig zu wünschen übrig. Irgendwann haben wir uns gefragt, woran das liegen könnte und festgestellt, dass die Gastronomie vor enormen Herausforderungen, wie z.B. dem Fachkräftemangel steht. Da wir zusammen seit vielen Jahren gemeinsam Roboter entwickeln, haben wir schnell erkannt, dass dies die perfekte Lösung für viele Probleme ist, da so nicht nur eintönige, ungesunde und unattraktive Arbeiten übernommen, sondern auch das notwendige Know-how leicht skaliert werden kann. Als uns das Potenzial hierbei klar geworden ist, haben wir kurze Zeit später GoodBytz gegründet.

Was waren die wichtigsten Steps von der Gründung bis zur in Kürze bevorstehenden ersten Pilotphase?

Begonnen haben wir mit Bootstrap und einer Förderung des IFB Hamburg InnoFounder Programms. Mit diesem Geld wurde unser erster Prototyp in gut drei Monaten entwickelt, welcher bereits frische Gerichte in wenigen Minuten voll automatisch zubereiten konnte. Eine erste Herausforderung war zu Beginn der Deep Dive in die Food Industrie, zu der wir bis dahin keinerlei Zugang hatten. Glücklicherweise sind wir sehr schnell auf viele Experten aus allen Bereichen gestoßen und konnten so den Produktfokus schärfen sowie den Markt tiefer durchdringen.

Die nächste Hürde bestand darin, als Hardware-Tech-Company Investoren zu gewinnen, was für viele Gründer die Hardware entwickeln, denke ich, eine Herausforderung darstellt. Da wir den Ansatz verfolgen, immer nach Wegen zu suchen, wie wir auch mit Hardware schnelle Iterationszyklen vergleichbar mit Softwareprodukten realisieren können, ist uns dies jedoch mit unserer Seed Runde und dem Investment von Oyster Bay Venture Capital Anfang des Jahres in kurzer Zeit gelungen.

Was ist das Besondere an euren Küchenassistenz-Robotern, was leisten sie und wo sollen sie zum Einsatz kommen?

Wir sehen Roboter als Tool, um Menschen zu unterstützen. Damit sie dies tun können, müssen sie auch von jedem bedient und programmiert werden können. Unser Fokus richtet sich dabei auf den B2B-Sektor. Jeder Zubereitungsschritt ist bei unserem System in Module aufgeteilt, welche in kürzester Zeit in verschiedenen Konfigurationen aufgestellt und in Betrieb genommen werden können. Was die Systeme dann kochen, können unsere Kunden selbst entscheiden, indem sie über ein ganz einfaches UI eigene Rezepte und Zubereitungsschritte anlernen. Im Anschluss müssen nur noch die Kühlsysteme mit Lebensmitteln befüllt werden und los geht’s!

Um dieses Konzept schnell skalieren zu können, setzen wir nicht auf Sonderbauten, sondern integrieren Standard Profiequipment aus der Gastronomie. Unsere Roboter bedienen dann im Grunde Systeme und Geräte, welche in der Branche bereits lange erprobt und akzeptiert sind.

Die ersten Roboter werden vor allem in systemischen Konzepten wie z.B. dem Delivery Bereich oder in öffentlicher Infrastruktur und Mitarbeiterverpflegung zum Einsatz kommen. Mit modernen Food-Konzepten und dem Einbinden von diversen Food-Creatorn wollen wir dabei vor allem Plant-based und gesundes Essen pushen und massenzugänglich machen.

In einer ersten Seed-Runde habt ihr gerade 2,5 Millionen Euro eingesammelt. Glückwunsch zu diesem Erfolg! Was ist mit dem frischen Kapital geplant?

Vielen Dank! Wir sind sehr glücklich, einen Partner gefunden zu haben, der in Food-Technologien und -Produkte investiert, welche einen positiven Einfluss auf die Gesellschaft haben. Mit dem Investment werden wir unsere Roboter weiterentwickeln und in Pilotprojekten am Markt erproben. Als ersten Schritt werden wir dazu ein eigenes Delivery Konzept in Hamburg betreiben, welches Endkonsumenten über die gängigen Plattformen bestellen können. Im zweiten Schritt bringen wir dann Systeme in B2B-Kunden betriebenen Konzepten an den Markt.

Was sind eure weiteren unternehmerischen Ziele?

Unser erstes Ziel ist es, hochwertiges und gesundes Essen überall und jederzeit auf Abruf verfügbar zu machen. Dazu schaffen wir in erster Instanz die erforderliche Roboterinfrastruktur in verschiedenen Konzepten an diversen Standorten.

Neben dem reinen Zubereiten von Gerichten zielen wir insbesondere auf das ganze digitale Ökosystem der Küche, also Warenwirtschaft, POS, Delivery Management und so weiter ab. Mit unseren Systemen im Zentrum lassen sich alle miteinander verknüpfen und so die gesamte Prozesskette vom Lebensmittelerzeuger bis zur Kundenexperience verbessern. Gleichzeitig schaffen wir eine nie da gewesene Datenlage, mit welcher wir bspw. Food-Waste verringern, automatisiert regionale Produkte ordern oder über Forecasting-Modelle und Empfehlungen für Menü-Optimierungen das Angebot je nach Region stetig optimieren und so Gastronomie als Ganzes profitabler gestalten können.

Und last but not least: Was willst du anderen Gründer*innen aus eigener Erfahrung mit auf den unternehmerischen Weg geben?

  • Der erste Tipp richtet sich vor allem an Gründer*innen, welche ebenfalls Hardwareanteile in ihren Produkten haben: Reduziert euer Produkt auf die wesentlichsten Funktionen, sodass ihr so schnell wie möglich zu Validierungen und Anwendungen bei echten Kunden findet. Nutzt dafür intensiv Technologien wie 3D-Druck und eigene Bearbeitungsschritte, um lange Lieferzeiten und hohe Kosten zu vermeiden. Nur so lassen sich kostenintensive Entwicklungsprozesse richtig steuern, da finanziell oft nur wenige falsche Entscheidungen möglich sind.
  • Die zweite Erfahrung kommt aus dem Talent Sourcing: Schaut vor allem auf das Potenzial zur Weiterentwicklung von neuen Talenten als nur auf die vorhandenen Qualifikationen. Start-Up heißt kontinuierlich zu lernen, also umgebt euch mit Menschen, die genau das gut können.
  • Als letztes kann ich euch nur die intensive Nutzung von digitalen Tools für Finanzen, Rechtliches, Aufgabenmanagement, Visualisierung, Personalwesen usw. ans Herz legen. Diese helfen euch die nötige Verwaltung so gut es geht zu automatisieren oder zu verschlanken, sodass ihr den Großteil eurer Zeit auf das Wichtigste eines jungen Unternehmens legen könnt – euer Produkt.

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Das Interview führte Hans Luthardt

6. EY Startup Academy – jetzt bewerben!

Start-ups aufgepasst: EY sucht Tech-Geschäftsmodelle mit Zukunftspotenzial. Bewerbt euch jetzt für die sechste Edition der EY Startup Academy.

Innovative Start-ups in der Frühphase ihrer Entwicklung können sich nun für die sechste Edition der EY Startup Academy bewerben. Start-ups, die die Alpha-Phase durchlaufen haben, bereits ein Minimum Viable Product oder einen Proof of Concept vorweisen können und innerhalb der nächsten 12 Monate eine Finanzierung anstreben, haben bis zum 31. August 2022 Zeit, sich anzumelden.

In dem sechswöchigen Programm erhalten die teilnehmenden Start-ups die Chance, ihr Geschäftsmodell mithilfe strukturierter Beratung von EY-Expert*innen zu verbessern. Die Gewinner*innen der EY Startup Academy, die im Closing Event am 17. November gekürt werden, erhalten ein Preisgeld und den Zugang zu einem hochkarätigen Netzwerk aus Unternehmen, Investor*innen und weiteren Akteur*innen aus dem Start-up-Ökosystem.

Im Herzen des Start-up-Ökosystems

In diesem Jahr startet das Programm am 15. September mit einem Investors Day und dem Pitch Contest der Start-ups – und das erstmals wieder physisch nach zwei Jahren, in denen das Programm rein virtuell stattfand. Aus einer Vorauswahl der eingegangenen Bewerbungen entscheidet eine mit den Partner*innen der EY Startup Academy besetzte Jury an diesem Tag, welche der Start-ups am vielversprechendsten sind und an der sechswöchigen Finalrunde teilnehmen können.

In den darauffolgenden mehr als 30 Veranstaltungen haben die teilnehmenden Start-ups die Chance, in Workshops, Training Events und Fireside Chats sowohl die EY-Expert*innen als auch die über 20 Partner*innen des Programms kennen zu lernen. Von Verbänden wie der Austrian Angels Investors Association oder den Business Angels FrankfurtRheinMan über Unternehmensvertreter*innen wie BERLIN-CHEMIE AG, Deutsche Bahn Digital Ventures, Deutsche Börse Venture Network, IBM, dem Sparkassen Innovation Hub, oder w&w brandpool bis hin zu Finanzinvestor*innen wie BlackWood Capital Partners, C3 Management, Dieter von Holtzbrink Ventures, neoteq ventures, seed + speed Ventures, SixThirty Ventures oder SpeedInvest decken die Partner*innen der EY Startup Academy das gesamte Spektrum des Ökosystems ab. Dies wird durch weitere, im Ökosystem gut vernetzte Akteur*innen wie Campus Founders, HIGHEST, TechQuartier und UPSTART komplementiert.

Ziele der EY Startup Academy

Mit der EY Startup Academy möchte EY Tech-Geschäftsmodelle mit Zukunftspotenzial bei ihrer Weiterentwicklung unterstützen. „Die EY Startup Academy bietet Gründern und Gründerinnen einen Zugang zu Kapitalgebern, Experten und potenziellen Kunden. In unseren Workshops vermitteln wir Start-ups Expertise zu wichtigen Fragestellungen rund um die wichtigsten Themen für ihre Entwicklung: von Klassikern wie Pitching und Finanzplan, bis hin zu Steuern, Buchhaltung und Bewertung, aber auch Vertrieb und Marketing. So können Start-ups ihre Investor Readiness schneller erreichen“, erläutert Dr. Francesco Pisani, Programmmanager der EY Startup Academy.

Asteria, Divizend, Finoa oder Finexity sind nur einige der Start-ups, die in den vergangenen Jahren an der EY Startup Academy teilgenommen haben und sich überaus erfolgreich entwickelt haben. Ihr wollt in diese Fußstapfen treten?

Gründer*in der Woche: Freshflow - Mit KI gegen Lebensmittelverschwendung

Das Berliner Start-up Freshflow hat eine Software entwickelt, um Lebensmittelverschwendung im (Einzel-)Handel deutlich zu reduzieren. Mehr dazu im Interview mit Co-Founder Avik Mukhija.

In Europa werden jedes Jahr Lebensmittel im Wert von mehr als 45 Milliarden Euro weggeworfen. Was sind die Hauptgründe für diesen Wahnsinn und sind es wirklich nur die Endverbraucher*innen, die hier umdenken müssen?

Nach unseren Recherchen ist der Wert von weggeworfenen Lebensmitteln in Europa sogar mind. viermal so hoch. Weltweit werden ca. 40 Prozent aller Lebensmittel weggeworfen. Genau wie du es sagst, ist es daher nicht nur ein ökologisches Problem, sondern auch ein wirtschaftliches.

Der/die Endverbraucher*in verursacht ca. die Hälfte davon, die andere Hälfte geschieht aber entlang der ganzen Lieferkette und endet beim Lebensmitteleinzelhandel. Eine große Ursache dafür ist falsche Ressourcenallokation, d.h. Überbestände an einer Stelle und Unterbestände an anderen. Bestellungen werden meist täglich manuell per Bauchgefühl gemacht und es wird wenig mit Daten gearbeitet.

Bei Frischwaren liegt das daran, dass es unglaublich schwierig ist, jeden Tag den optimalen Bestand zu führen. Nehmen wir an, es müssen Erdbeeren für morgen bestellt werden: Wie haben sich diese in der Vergangenheit verkauft? Wie ist das Wetter morgen? Gibt es lokale Events, Engpässe? Wie lange werden sie auf dem Regal frisch bleiben?

Bestellt man zu wenig, hat man leere Regale und unzufriedene Kund*innen. Bestellt man zu viel, entsteht Lebensmittelverschwendung und man zerstört die ohnehin dünnen Margen.

Wann und wie bist du dann vor diesem Hintergrund zusammen mit Carmine Paolino auf die Idee zu Freshflow gekommen?

Meine erste Zusammenarbeit mit dem Lebensmitteleinzelhandel entstand durch meine Masterarbeit an der ETH Zürich, wo ich erstmals das große Innovationspotenzial in dieser Industrie erkannte.

In der Berliner Kohorte des Talent Investors Entrepreneur First lernte ich später meinen Mitgründer Carmine kennen und wir konnten uns stark für das Thema Food Waste Bekämpfung begeistern.

Gekoppelt mit meiner vorherigen Erfahrung aus dem Lebensmitteleinzelhandel war das der Ursprungspunkt von Freshflow.

Was waren die wichtigsten Steps von der Gründung bis zur fertigen Software?

Wir brauchten anfänglich viele Daten und tiefe Einblicke in die existierenden Frischwaren-Bestellprozesse. Ersteres, um unsere KI entwickeln zu können, zweiteres, um eine erfreuliche User Experience für das Ladenpersonal schaffen zu können, was uns wirklich wichtig war und auch immer sein wird. Wir haben uns unglaublich viel Mühe gegeben, dass für die Verwendung von Freshflow keine Umschulung des Ladenpersonals benötigt wird, und wir uns intuitiv in den existierenden Arbeitsablauf eingliedern.

Es war daher wichtig, anfänglich einen Kunden zu gewinnen, der uns diese Einblicke bieten konnte und uns damals ohne eine fertige Lösung vertraut hat. Den hatten wir gefunden und konnten so die erste Version von Freshflow kreieren. Seitdem gab es natürlich unzählige Updates, der Schritt von 0 auf 1 hätte aber ohne nicht stattfinden können.

Was ist das Besondere an Freshflow, wo kommt die Software wie zum Einsatz und wer sind eure Kund*innen?

Das Besondere an Freshflow ist, dass wir europaweit die erste Lösung sind, die von Grund auf für Frischwaren - und speziell Obst & Gemüse - gebaut wurde. Sogenannte “Automatische Dispositionssysteme” für Trockenwaren werden im Einzelhandel schon seit Jahren erfolgreich eingesetzt. Diese scheitern aber, wenn es um Frischwaren geht: kurze variable Haltbarkeiten, falsche Bestände da per Gewicht und nicht per Stück verkauft wird, Saisonalität, etc. Dort ist es daher zum größten Teil weiterhin ein manueller, papierbasierter Bestellprozess. Wir haben Freshflow mit jeder dieser Herausforderungen im Kopf gebaut.

Zudem funktioniert Freshflow mit jedem herkömmlichen ERP System ohne langwierige IT-Integrationen - es ist Plug-And-Play und kann in wenigen Wochen ausgerollt werden.

In einer Seed-Runde habt ihr gerade 1,7 Millionen Euro eingesammelt. Glückwunsch zu diesem Erfolg! Was ist mit dem frischen Kapital geplant?

Das Kapital hat uns geholfen, unser Team stark vergrößern zu können, mit unglaublich motivierten Talenten aus ganz Europa und darüber hinaus. Wir werden damit große Fortschritte in der weiteren Produktentwicklung machen sowie mehr Projekte mit Lebensmitteleinzelhändlern (LEH) annehmen können.

Was sind eure weiteren unternehmerischen Ziele mit Freshflow?

Wir sind - zusätzlich zu unseren existierenden Partnern - europaweit in fortgeschrittenen Gesprächen mit einigen weiteren LEH. Das Ziel ist es, erfolgreiche Partnerschaften mit mehreren von diesen einzugehen und ihre Lebensmittelverschwendungen dabei um mindestens 30 Prozent zu reduzieren. Wir wollen uns als Go-To-Lösung für alles rund um Frischwaren im LEH etablieren.

Die Langzeit-Vision ist es, die Freshflow Lösung über den Lebensmitteleinzelhandel hinaus auch für den Rest der Lebensmittellieferkette anzubieten, da das Food-Waste-Problem entlang der ganzen Kette herrscht.

Und last but not least: Was wollt ihr anderen Gründer*innen aus eigener Erfahrung mit auf den unternehmerischen Weg geben?

Nie den engen Draht zum User verlieren, egal wie viel es sonst noch zu tun gibt.

Hier geht's zu Freshflow

Das Interview führte Hans Luthardt