Gründer der Woche: pinkwhy - Kunst direkt aufs Display

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Das Start-up pinkwhy aus Dessau-Roßlau bietet Kunst zum Download auf digitalen Endgeräten an und will damit zum "Spotify der Kunst" werden. Mehr dazu erfahrt ihr im Interview mit pinkwhy-Gründer Joerg Schnurre.

pinkwhy-Gründer Joerg Schnurre

Wann und wie sind Sie auf die Idee gekommen, Kunst zum Download auf digitalen Endgeräten anzubieten?

Auf Kunstmessen, Ausstellungen und Vernissagen ist zunehmend zu beobachten, dass Besucher Fotos von den Originalkunstwerken machen. Egal ob jung oder alt. Im Gespräch stellt sich dann oft heraus, dass man sich das Original nicht leisten könne oder dass man keinen Platz dafür habe. Viele äußern den Wunsch, Kunst in guter Qualität für das Smartphone oder Tablet zu bekommen. Für mich steht außer Frage, dass sich der Kunstmarkt der zunehmenden Digitalisierung nicht entziehen kann. Umso wichtiger finde ich die Idee, die Künstler unmittelbar zu unterstützen – so wie es bei pinkwhy passiert. Bei Facebook und Instagram verdienen Künstler keinen Cent. Das muss sich ändern.

Gibt es demnach einen Online-Trend bzw. Trend zur Digitalisierung in der Kunstbranche? Es gibt bspw. diverse Online-Kunsthändler, die den Kunstmarkt transparenter und Kunst erschwinglicher machen wollen ...

Da ist noch lange nichts transparent. Online-Kunsthandel bedeutet bisher ja nichts anderes, als den Handel der physischen Originale in das Internet zu verlagern – dabei verändert sich nichts, die Preisbildung bleibt weiterhin eine Blackbox, die ganze Branche bewusst ein Mysterium, in das keiner rein schauen soll. Um es zu überspitzen: Niemand kauft das Mastertape von ´Satisfaction´, der Rolling Stones oder das Manuskript der ´Bibel´, sondern immer eine gute Reproduktion. Genau da setzt pinkwhy an: reproduzierte Kunst als digitales Angebot zum Download für jedermann, an jedem Ort, zu jeder Zeit, in einem erschwinglichen Rahmen. Um wieder auf den allgemeinen Rahmen zurück zu kommen und das Thema einzuordnen: Es gibt inzwischen einige Start-ups, die sich mit Tech, Digitalisierung und Kunst auseinandersetzen. Hier ist geplant, eine Austauschplattform zu diesem Thema beim Bundesverband Deutsche Startups zu gründen.

Und wie genau funktioniert Ihr Online-Kunsthandel auf pinkwhy.com? Und welche Art von Kunst haben Sie im Portfolio?

Zunächst einmal sind wir kein Kunsthandel, sondern auf der einen Seite eine Art Plattenlabel für Kunst und andererseits der Vorläufer vom Spotify der Kunst. Wir adaptieren die erfolgreichen Konzepte der Musik für die Kunstbranche. Aktuell können unsere User die Kunstwerke in unserem Webshop herunterladen. Das ist ein absolutes Minimum Viable Produkt, aber es funktioniert, die Fans der Künstler nutzen es. Der Großteil unseres Teams kommt aus der Hip Hop, Graffiti, Streetart- und Urban-Art-Szene. Da haben wir oft ganz persönliche, langjährige Beziehungen und damit ist unser Schwerpunkt klar. Vor allem junge Menschen sind von Graffiti und Streetart beeindruckt, zumal sie mit der Nutzung digitaler Inhalte auf mobilen Endgeräten bestens vertraut sind. Aber auch unsere Technikpartner finden den Schwerpunkt gut, weil sie damit ihre Zielgruppe besser erreichen. Deshalb pinkwhy einfach mal ausprobieren. Mit dem Smartphone auf unsere Seite gehen, Motiv und Smartphone als Format auswählen, bezahlen, runterladen und auf dem Smartphone einstellen. Sieht gut aus oder? Mit einer App, die wir gerade entwickeln, wird das dann einfacher.

Sind Sie auf einen der bei Ihnen gelisteten Künstler bzw. Künstlerinnen besonders stolz? Vielleicht weil es dessen erste Online-Vermarktung ist?

Stolz wäre der falsche Begriff. Eher fühle ich mich geehrt, dass die KünstlerInnen den Mut haben, mitzumachen und mir dieses Vertrauen geben. Wir sind mit pinkwhy noch in einem sehr frühen Stadium, was die Digitalisierung des Kunstmarktes betrifft. Dass Graffiti-Pioniere wie Loomit oder Cantwo dabei sind, von denen ich als Kid schon Fan war, das beeindruckt mich nach wie vor.

Was ist der günstigste Download und was der derzeit teuerste?

Es geht doch nicht um günstig oder teuer. Es geht eher um ´erschwinglich´ und gute Qualität bzw. um die Verbindung von Künstler und Fan. Der Vorteil für die Künstler ist klar: Sie behalten weiterhin das Original. Mit jedem Download können wir gleichzeitig definieren, wie sich der Wert des Originals bzw. Künstlers entwickelt. Damit können wir die Top 100 des Kunstmarktes künftig über die Downloads transparent darstellen. Nach 100 Downloads beispielsweise steigt der Wert um einen Faktor X. Ein Download für das Smartphone liegt bei 99 Cent, für das Tablet bei 2,49 Euro und bei einem Download für einen TV-Screen bei 11,99 Euro. Die Künstler bekommen 50 Prozent von diesen Einnahmen. Die Preise stehen natürlich nicht im Einklang mit dem Wert des Originals, sondern orientieren sich eher an ähnlichen digitalen Medieninhalten wie Songs und Kinofilmen.


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pinkwhy bringt Kunst direkt aufs Display

Was geschieht, wenn mir die Display-Kunst nach dem Download auf meinem Display nicht gefällt? Gibt es ein Rückgaberecht?

Das ist analog zum Kauf von Musiksongs bzw. Kinofilmen. Bei Abschluss des Kaufvertrages tritt der Käufer von seinem Umtauschrecht zurück.

Wie garantieren Sie Ihren Künstlern, dass der Download dann im Falle einer Rückgabe nicht weiter genutzt wird?

Die Frage ist doch eher: Wie sichern wir, dass die Kunst nach dem Download nicht unberechtigt vervielfältigt wird? Zum einen über AGB´s, zum anderen rechtlich, da wir jeden Missbrauch zur Anzeige bringen. Was mich zu einem Zitat von Netflix verleitet: ´Give the people what they want, when they want it, in a format they want it in, at a reasonable price and they will more likely pay for rather then steal it´. Ganz zu schweigen von der Frage, wie bisher Originale bzw. Drucke vor Kopien geschützt werden? Und dann kommt der Aspekt dazu, dass viele Künstler ihre Werke bisher gratis in den sozialen Medien zur Verfügung stellen, defacto damit ihre Rechte daran abtreten und obendrein keine Gewinnbeteiligung von Facebook und Instagram erhalten.

Wer sind Ihre Kunden? Großstadt-Hipster?

Das geht querbeet. Bei den Smartphone- und Tabletnutzern sind es auf jeden Fall Menschen, die weder die Standard-Wallpaper, noch Familienfotos auf dem Display haben wollen. Da geht es dann eher um Inspiration und Lifestyle. Ist ja mit Musik genauso. Bei den TV-Screen-Nutzern sind es vor allem Menschen, die keinen schwarzen Bildschirm im Wohnzimmer haben wollen. Grundsätzlich gilt aber, dass wir für Privat- und Geschäftskunden gleichermaßen interessant sind. Denn oft sind in Besprechungsräumen schwarze Monitore, die mit Kunst bespielt werden können. Ähnliches gilt für öffentliche Räume wie Bahnhöfe, Flughäfen und Shoppingmalls. Dort können nicht nur permanent visuelle Kaufreize und Produkte laufen, sondern es braucht auch visuelle Entschleunigung. Bei der Hintergrundmusik funktioniert das ja auch.

Wie machen Sie auf sich und Ihre Plattform aufmerksam?

Auf ganz unterschiedliche Form. Wir sind auf Veranstaltungen, Messen, in den sozialen Medien, in der Presse und wir arbeiten mit Technikpartnern wie bspw. LOEWE zusammen. Die wollen unsere App ab Werk auf ihre Geräte spielen. Das ist dann B2B2C. Aber auch die Künstler und Fans sind für uns wichtige Kanäle. Schauen Sie mal, wenn ein Musikerkünstler ein neues Album veröffentlicht - da stehen unter dem Post meist vier Linkverweise, wo es die Musik zu kaufen bzw. zu hören gibt.

Was sind Ihre weiteren unternehmerischen Pläne?

Das Spotify der Kunst zu werden. Dazu gehören Künstlerakquise, die Entwicklung einer App, starke Partner und Investoren sowie ein internationaler Markteintritt.

Und last but not least: Was raten Sie anderen Gründern aus eigener Erfahrung?

If you are willing to die for your idea – do it. Otherwise don´t waste your life!

Hier geht's zu pinkwhy


Das Interview führte Hans Luthardt


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