Gründer der Woche: MUKA Travel – Äthiopien entdecken

Gründer der Woche 09/17


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Katharina Ley und Mulugeta Asteray Demssie sind das Gründerteam von MUKA Travel, einem jungen Reiseveranstalter mit Spezialisierung auf Äthiopien. Über die Idee und das Konzept sprechen wir mit Co-Gründerin Katharina.


Ihr seid der einzige deutsche Reiseveranstalter mit Spezialisierung auf Äthiopienreisen – ist das schon die Lizenz zum „Erfolg in der Nische“?

Die Sache mit der Nische hat Vor- und Nachteile. Die Tatsache, dass wir der einzige deutsche Spezial-Reiseveranstalter für Äthiopien sind, birgt viel Potenzial. Die Statistiken sprechen grundsätzlich für uns: die Deutschen reisen von Jahr zu Jahr mehr; die Nachfrage nach Fernreisen und ausgefallenen Reiseerlebnissen steigt; Äthiopien als Reiseziel wird immer bekannter. Sprich, das Interesse für Äthiopienreisen ist da und entwickelt voraussichtlich noch weiter.

Äthiopien ist jedoch weitläufig noch nicht als Reiseland etabliert; der Kundenkreis ist klein. Von diesem Kundenkreis müssen wir wahrgenommen werden. Die Schwierigkeit besteht darin, mit kleinem Budget einen ausreichenden Bekanntheitsgrad zu erlangen und sich gegen größere Reiseveranstalter durchzusetzen. In den letzten Monaten haben wir viel Energie in Suchmaschinenoptimierung investiert bis wir in der Google-Suche bei relevanten Suchbegriffen unter den ersten Ergebnissen auftauchten. Seitdem kamen erste Reisebuchungen und viele Anfragen von Individualreisenden, die die großen Reiseveranstalter oft nicht bedienen. Wir spüren, dass diese Nische funktionieren kann.


Wann und wie seid ihr auf die Idee zu MUKA Travel gekommen? Warum ist Äthiopien eurer Zielland?

Äthiopien als Zielland war naheliegend: Ich schrieb Bachelor- und Masterarbeit über nachhaltigen Tourismus in Äthiopien, lernte während des Tourismus-Masterstudiums meinen äthiopischen Freund und Mitgründer Mulugeta kennen und absolvierte ein längeres Praktikum in dem Land. Mulugeta arbeite mehrere Jahre in der Tourismusbranche Äthiopiens und leitete die Tourismusfakultät einer Universität, bevor er zum Masterstudium nach Europa kam. Wir kennen uns also beide mit Tourismus in Äthiopien aus und sind sicher, dass dort viel Potenzial vorhanden ist. Die Landschaften reichen von schroffen Gebirgen und Salz-Wüsten über aktive Vulkane bis hin zu Regenwäldern. Das Land ist geprägt von jahrtausendealter Geschichte – nahezu unberührt von äußeren Einflüssen, da Äthiopien nie Kolonie war. Im Norden erlebt man urchristliche Kultur und historische Gebäude; im Süden kann man ursprüngliche Naturvölker besuchen ...

Unser Plan war jedoch ursprünglich ein anderer. Nach dem Master ging Mulugeta für sein Doktorstudium nach Hong Kong. Ich selbst startete in Deutschland meine Suche nach einem festen Job. Den Reiseveranstalter wollten wir zunächst nebenher aufbauen und schauen, wie sich das Ganze entwickelt. Während meiner monatelangen Jobsuche schrieb ich am Business Plan und informierte mich in Seminaren und Beratungen übers Gründen. Die Jobsuche blieb erfolglos und gleichzeitig wurde uns das Potenzial unserer Reiseveranstalter-Idee bewusst. Wir merkten, dass sich da mehr draus machen ließe, wenn ich mich hier in Deutschland in Vollzeit darauf konzentrieren würde. Schließlich sagten wir uns: „Wenn nicht jetzt, wann dann?“


Was ist eure unternehmerische Philosophie rund um MUKA Travel?

Äthiopien liegt uns natürlich beiden sehr am Herzen. Mit unseren Reisen möchten wir zum einen die nachhaltige Entwicklung des Landes unterstützen und zum anderen einen authentischen Eindruck von Äthiopien vermitteln. Daher besuchen wir auf unseren Reisen sowohl touristische Highlights als auch Orte abseits der üblichen Touristenpfade. Da wir in dem Land zu Gast sind, halten wir es für selbstverständlich, uns dort verantwortungsvoll zu verhalten. Wir respektieren die Landeskultur, gestalten unsere Reisen nachhaltig, investieren in lokale Projekte und kompensieren unsere C02-Emissionen. Damit möglichst viel Geld bei der äthiopischen Bevölkerung ankommt, übernachten wir in inhabergeführten Unterkünften, anstatt in Hotels ausländischer Investoren, und beschäftigen lokale Reiseleiter, die übrigens fließend Deutsch sprechen. Zudem haben wir ein eigenes „Homestay“-Konzept entwickelt. Homestays sind Besuche bei lokalen Familien, z.B. ein gemeinsamer Kochabend, die Teilnahme an einer traditionellen Kaffeezeremonie oder sogar die Übernachtung in einem kleinen Dorf. Durch diese Besuche erleben die Reisenden spannende und authentische Einblicke in die Landeskultur. Gleichzeitig erhalten die äthiopischen Familien für die Besuche einen finanziellen Beitrag, der sie unabhängiger macht, z.B. von den schwankenden Erträgen der Landwirtschaft.


Seht ihr euch als Social Entrepreneure?

Ich weiß nicht, ob man uns wirklich so bezeichnen kann. Wir möchten einfach ein gutes Beispiel für faires Unternehmertum im Tourismus sein. Vor allem versuchen wir, den Spagat zwischen dem Bedienen der Kundennachfrage und einer nachhaltigen Reisegestaltung zu schaffen. Manchmal überschneidet sich beides, aber manchmal muss man auch Kompromisse finden. Studien zeigen beispielsweise, dass die meisten Deutschen zwar nachhaltig reisen möchten, dafür aber keinen Aufpreis zahlen wollen. Authentische und einmalige Urlaubserlebnisse spielen eine viel größere Rolle bei der Reiseentscheidung. Daher konzentrieren wir uns im Marketing mehr auf die spannenden Erlebnisse durch den Besuch der lokalen Familien. Gleichzeitig versuchen wir, mit unseren Preisen konkurrenzfähig zu bleiben. Wir können z.B. nur die CO2-Emissionen der internationalen Flüge und nicht die der gesamten Reise kompensieren und wir würden gerne noch mehr Projekte unterstützen. Aber hier mussten wir eben einen Mittelweg finden.


Was waren dann die wichtigsten Steps von der Gründung bis zum Go live eurer Reiseplattform?

Zum ersten Mal schwarz auf weiß zu sehen, dass man ein Unternehmen gegründet hat und „Geschäftsführer“ ist, war ein ziemlich gutes Gefühl. Nachdem der ganze Papierkram mit Notar, Gewerbeanmeldung, Kontoeröffnung usw. erledigt war, ging es ans Eingemachte. Wir haben uns viel Zeit für die Erstellung unserer Reiseangebote genommen. Alle Routen auszuarbeiten, Reisebeschreibungen zu formulieren, alles zu kalkulieren und Texte für die Website zu schreiben hat einige Geduld in Anspruch genommen. Es war aber wichtig, um durch ein professionelles Auftreten und eine hochwertige Angebotsauswahl überhaupt eine Chance gegenüber größeren Reiseveranstaltern zu haben. Zum Glück mussten wir uns weniger um Finanzierung oder Darlehen kümmern, da wir als Online-Business nur wenige Fixkosten haben und bisher von zu Hause aus arbeiten können. Der nächste große Step war dann die Onlineschaltung unserer Website und schließlich die erste Buchung.


Was kann ich über eure Plattform an Reisen buchen? Das normale Touri-Programm oder mehr?

Grundsätzlich gibt es bei uns alles rund ums Thema Äthiopienreisen. Wir bieten Kleingruppenreisen mit verschiedenen Schwerpunkten an (Highlights, Kultur, Natur, Komfort, Foto) sowie Uni-Exkursionen und maßgeschneiderte Individualreisen. Da wir ein deutsch-äthiopisches Team sind, bieten wir kompetente und persönliche Beratung in Deutschland an und können durch unser breites Netzwerk und Insider-Wissen in Äthiopien individuelle Reisewünsche ermöglichen.Besonderheit jeder Reise sind Einblicke in das authentische Äthiopien. Durch die Homestays bei lokalen Familien, den Besuch von touristischen Highlights und das Entdecken unberührter Orte gewinnt man ein ganzheitliches Bild vom Land.


Wie macht ihr in Sachen PR und Marketing auf euch aufmerksam, welche Kanäle nutzt ihr?

Das wichtigste für uns waren zunächst eine vernünftige Website und die Suchmaschinenoptimierung. Wir haben einen Flyer gestaltet, den wir z.B. auf Veranstaltungen und in äthiopischen Restaurants auslegen. Ich habe Kontakt zu allen möglichen regionalen und überregionalen Zeitungen, Radiosendern und Online-Plattformen aufgenommen, um in Artikeln oder Interviews erwähnt zu werden. Wir arbeiten auch mit dem Äthiopienfotografen Christian Sefrin zusammen und sind bei einigen seiner Äthiopien-Fotovorträgen mit einem Infostand vertreten. Vor Kurzem haben wir uns für unsere erste Messe angemeldet: die „Abenteuer Welt Köln“ – eine Reise- und Abenteuermesse. Ich finde es wichtig, mit Leuten direkt in Kontakt zu kommen und mit Ihnen zu sprechen, damit Sie Fragen stellen können und ein Gesicht hinter dem Unternehmen kennen. Daher versuche ich, sofern es das Budget erlaubt, an möglichst vielen Messen und Veranstaltungen teilzunehmen.


Was sind eure nächsten Ziele?

Ziel ist jetzt erst einmal durch verschiedene Marketingmaßnahmen den Bekanntheitsgrad zu steigern. Darüber hinaus suchen wir nach zusätzlichen Vertriebskanälen, sprich Reiseveranstalter, Reisebüros und Onlineanbieter, die unsere Äthiopienreisen mit in ihr Angebot aufnehmen möchten. Um unser Angebot noch attraktiver zu gestalten, stehen wir gerade in Kontakt mit ausländischen Partneragenturen. Wir möchten den Reisenden die Möglichkeit geben, ihre Äthiopienreise mit dem Besuch von Nachbarländern oder einer Insel-Badeerweiterung zu kombinieren.


Und last but not least: Was rätst du anderen Gründern aus eigener Erfahrung?

  • Folgt eurem Herzen und traut euch, den Schritt in die Selbstständigkeit zu machen.
  • Und dann heißt es: dranbleiben und einen langen Atem bewahren...bis irgendwann die ersten Kunden kommen.
  • Außerdem solltet ihr so oft es geht mit Leuten über eure Idee sprechen und nicht damit hinterm Berg halten. Ich bin jedes Mal erstaunt, durch welche Zufälle sich immer wieder neue interessante Kontakte oder sogar neue Geschäftsideen ergeben.

Hier geht’s zu MUKA Travel


Das Interview führte Hans Luthardt

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UnternehmerTUM gründet CIRCULAR REPUBLIC

UnternehmerTUM, Europas größtes Zentrum für Innovation und Gründung, startet mit CIRCULAR REPUBLIC eine einzigartige Kräftebündelung im Bereich Circular Economy.

Echte Nachhaltigkeit und damit auch Klimaneutralität ist nur dann erreichbar, wenn es gelingt, den Ressourcenverbrauch massiv zu reduzieren und etablierte Prozesse neu zu denken. Diese gewaltige Herausforderung bietet sowohl Unternehmen als auch Start-ups immenses Geschäftspotenzial und vielfältige Möglichkeiten für innovative Geschäftsmodelle. Sie können entscheidend sein, wenn es darum geht, dass sich Europa langfristig unabhängiger von globalen Lieferketten macht und so resilienter wird.

Ein Schlüssel zur Lösung existenzieller Krisen

Klima- und Energiekrise, Bevölkerungswachstum, Artensterben, fragile Lieferketten und zunehmende Ressourcenknappheit: Circular Economy ist ein Schlüssel zur Lösung existenzieller Krisen. Entsprechend der Vision einer nachhaltigen und Mensch-zentrierten Zukunft für Deutschland und Europa, will UnternehmerTUM mit CIRCULAR REPUBLIC eine zentrale Plattform für die Bündelung und aktive Gestaltung solcher Ideen in München schaffen. Kreislaufwirtschaft wird dabei als ein regeneratives Wirtschaftssystem verstanden, in dem Ressourcen in Kreisläufen gehalten werden und dessen Ziel es ist, die Wertschöpfung vom Ressourcenverbrauch zu entkoppeln.

Circular Economy marktgerecht weiterentwickeln

CIRCULAR REPUBLIC unterstützt Unternehmen und Start-ups dabei, ihre Innovationen und Ideen für die Circular Economy marktgerecht weiterzuentwickeln und in konkrete Geschäftsmodelle zu überführen. Zudem vernetzt die Initiative Unternehmen und Start-ups mit relevanten Akteuren aus Wissenschaft, Wirtschaft und der Venture Capital-Branche. Hierbei kommt dem Innovations-Ökosystem von UnternehmerTUM eine entscheidende Bedeutung zu: Die Initiative bietet konkret Zugang zu neuesten Forschungserkenntnissen aus dem Bereich Circular Economy der Technischen Universität München und berät selbst zu unternehmerischen Fragen und Herausforderungen.

Eine zentrale Leistung besteht zudem darin, Unternehmen und Start-ups in sogenannten Multi-Stakeholder-Projekten direkt miteinander zu vernetzen und als gemeinsame Plattform für Wissens- und Erfahrungsaustausch zu fungieren. Idealerweise finden die erarbeiteten Projekte anschließend ihren Weg in die konkrete Anwendung. Die Initiative wurde mit dem Gründungspartner BMW AG gestartet. Zu den ersten Partnerunternehmen gehören SAP, PreZero und Tengelmann.

Interdisziplinäres Gründungstrio

Um sich dem Gebiet der Circular Economy vollumfassend widmen zu können, braucht es diverse Blickwinkel und ein Team, mit ganz unterschiedlichen Hintergründen. Zum Gründungsteam der Initiative gehören Dr. Susanne Kadner, Dr. Matthias Ballweg und Niclas Mauß. Kadner initiierte und leitete zuvor die Circular Economy Initiative Deutschland. Ballweg verantwortete vor seiner Zeit bei CIRCULAR REPUBLIC die globalen Circular Economy Aktivitäten von SYSTEMIQ und Mauß hat an der Technischen Universität München Deutschlands größten Circular Economy Forschungsverbund initiiert und aufgebaut.

Multi-Stakeholder-Ansatz

Das erste Multi-Stakeholder-Projekt wird sich mit der Textilbranche beschäftigen - einem der am wenigsten zirkulär arbeitenden Sektoren überhaupt. Start-ups bieten hier zwar schon heute zahlreiche Teillösungen – etwa Recycling-Technologien – an, doch fehlt es an einer branchenübergreifenden Lösung, die nun gemeinsam entwickelt wird.

Ein weiteres Projekt wird sich anschließend um die Kreislaufführung von Batterien drehen. Die in der Initiative erarbeiteten Erkenntnisse – beispielsweise zur Start-up-Landschaft im Bereich Circular Economy– sollen auch mit der Öffentlichkeit geteilt werden. Ein eigens initiiertes Festival findet vom 15. bis 18. November 2023 in München statt und will herausragende Akteurinnen und Akteure der Kreislaufwirtschaft zusammenbringen.

Dr. Matthias Ballweg, Mitgründer und Director von CIRCULAR REPUBLIC, sagt: „Die globalen Entwicklungen rund um das Klima, mangelnde Ressourcen oder Versorgungsengpässe, sowie die damit einhergehenden regulatorischen Konsequenzen zeigen: In den 30er Jahren dieses Jahrhunderts wird es kein erfolgreiches Geschäftsmodell mehr geben, das auf der Ausbeutung von Primärrohstoffen basiert. Die Circular Economy wird der Schlüssel zur Lösung der Klimakrise und gleichzeitig die treibende Kraft für Innovation und Wohlstand in Europa sein. Die große Anzahl an Start-ups, die sich mit dem Thema Circular Economy beschäftigen – wir haben allein in Deutschland knapp 400 davon identifiziert – ist ein weiterer Indikator dafür, dass hier die Zukunft liegt.”

Finanzbildungs-FinTech Beatvest sichert sich 1,3 Mio. Euro

Das 2021 von Julia Kruslin und Sophie Thurner gegründete Finanzbildungs-FinTech-Start-up Beatvest setzt sich für Chancengleichheit am Aktienmarkt ein und sichert sich 1,3 Mio. Euro Wachstumskapital.

Das 2021 gegründerte Start-up Beatvest um Gründerinnen Julia Kruslin (28) und Sophie Thurner (31) setzt sich für Chancengleichheit am Aktienmarkt ein. Beatvest adressiert junge und unerfahrene Privatanleger*innen, die sich aufgrund von gesellschaftlichen und ökonomischen Entwicklungen, wie der hohen Inflation oder dem demographischen Wandel, in Richtung Börsenmärkte orientieren.

Mit ihrem Geschäftsmodell bedienen die Gründerinnen den Bedarf nach Finanzbildung, indem sie das nötige Know-how vermitteln, um rationale Entscheidungen an den Finanzmärkten zu treffen. Das Start-up will Privatpersonen befähigen, die eigene finanzielle Zukunft proaktiv zu gestalten und den wachsenden Herausforderungen zum Schließen der individuellen Vorsorgelücke zu begegnen. Dies geschieht per App über ansprechende, in den Alltag integrierbare Lektionen.

Ein noch fiktives Investment-Feature ermöglicht es zudem, die Bewegungen eigener Investments zu beobachten und sich mit dem Finanzmarkt vertraut zu machen. So will Beatvest von den ersten Schritten beim Investment bis zum Aufbau eines Depots für die Altersvorsorge unterstützen.

Der Frühphaseninvestor neosfer führt die Pre-Seed-Runde des Start-ups in Höhe von insgesamt 1,3 Millionen Euro an. Ebenso dabei sind der Trade-Republic-Investor Sino AG und der Early-Stage-Investor von Axel Springer & Porsche APX. Ergänzt werden die Investoren durch bekannte Business Angels der Start-up- und Medienszene wie Maximilian Tayenthal (N26), Marco Adelt (Clark), Tijen Onaran und Stephanie Caspar.

Neosfer trägt mit seinem Investment unmittelbar dazu bei, den Zugang zum Aktienmarkt für junge Privatanleger*innen sicherzustellen. Karim Menn & Sebastian Scheib, Investment Manager bei neosfer, betonen: „Beatvest hat ein enormes Marktpotenzial. Hinter dem Start-up stehen starke Gründerinnen mit viel Expertise, die mit Beatvest eine der wichtigsten Herausforderungen im Bereich Financial Services adressieren – die finanzielle Bildung. Wir freuen uns auf die spannenden Entwicklungen und das Wachstum, das diese Partnerschaft mit sich bringen wird!“

CamperBoys sichern sich Millionenbetrag zur Expansion

Der Helvetia Venture Fund erwirbt eine Minderheitsbeteiligung an der Campervermietung CamperBoys und legt damit den Grundstein für weitere Entwicklungen.

CamperBoys entsprang 2016 nicht nur dem Freiheitsdrang der beiden Gründer Andreas Mall und Paul Pizzinini, sondern auch ihrem Wunsch, die unvergesslich individuellen Reisemomente des Vanlifes für mehr Menschen zugänglich zu machen. Aus einem Traum und einem alten Wohnmobil wuchs schnell ein vielfältiges Team voller Tatendrang und eine Flotte aus 700 Fahrzeugen, die an sechs Standorten in Deutschland mietbar sind. Mithilfe von intern entwickelten Software-Tools setzt das junge Team Maßstäbe in der digitalen Customer Journey und erleichtert seinen Kund*innen zudem mit einem persönlichen Routenservice die Reiseplanung.

“Mit der Beteiligung an CamperBoys investiert der Helvetia Venture Fund in einen bei der Kundschaft sehr beliebten Anbieter für Camper-Miete im deutschen Markt und erhält so die Chance, aus erster Hand mehr über die sich verändernden Bedürfnisse von Urlaubern und ihre Freizeitaktivitäten, die sich während der Pandemie noch stärker und schneller gewandelt haben, zu lernen”, erklärt Stefano Saeger, Principal bei Helvetia Venture Fund.

Aus Sicht des Gründer-Duos war das Investment des Helvetia Venture Fund auch auf persönlicher Ebene ein Volltreer: “Eine freundschaftliche, wertschätzende und dennoch sehr ambitionierte Unternehmenskultur ist der wesentliche Treiber für den Erfolg von CamperBoys. Mit dem Helvetia Venture Fund konnten wir einen starken Partner gewinnen, der diese Werte teilt und uns mit seinem langfristigen Horizont begleiten kann.”

Mit den neuen Mitteln will CamperBoys die Expansion in neue Städte und den Ausbau des Produktportfolios vorantreiben. Sowohl in Frankfurt als auch in Weilheim an der Teck werden bald weitere Standorte eröffnet. Zudem werden die ersten Elektrocamper in die Flotte aufgenommen: Der VW ID Buzz mit eingebauter Campingaustattung soll neue Möglichkeiten für nachhaltigeres Reisen eröffnen.

Wechseljahres-Pionier XbyX – Women in Balance schließt siebenstellige Pre-Series-A Runde ab

Das 2019 von Peggy Reichelt und Monique Leonhardt gegründete Berliner Femtech-Unternehmen XbyX – Women in Balance ist eine D2C-Plattform für Frauen ab der Lebensmitte mit wissenschaftlich fundierten, ganzheitlichen Lösungen für Wechseljahre und gesundes Altern.

Das Unternehmen gab heute den Abschluss einer siebenstelligen Pre-Series-A Finanzierungsrunde bekannt, die das dynamische Wachstum 2023 finanzieren wird. Die Runde wird von der ECONA AG, der Venture- und Private-Equity-Gesellschaft eines Berliner Family-Office übernommen. Neben dem Lead Investor ECONA ist zudem der AUXXO Female Catalyst Fund seit Anfang 2022 in XbyX investiert.

Passion für Frauengesundheit ab der Lebensmitte

Die Idee zu XbyX hatte Seriengründerin Peggy Reichelt bereits 2018: Anfang 40, konfrontiert mit ihrer beginnenden Perimenopause, war sie irritiert, dass es kaum fundierte Informationen zu den Wechseljahren gab. Sie recherchiert, sucht Lösungen, testet selbst und gründet anschließend XbyX mit der Vision, die weibliche Gesundheit ab 40 ins Spotlight zu rücken und die Wechseljahre aus der Tabu-Ecke zu holen.

Die Gründerinnen konnten sich durch ihre Passion für Frauengesundheit ab der Lebensmitte und unterstützt von einem erfahrenen medizinischen Beirat in kürzester Zeit als Pionier im Tabubereich Wechseljahre positionieren. Sie bauten einen loyalen Kundeninnenstamm von über 50.000 Frauen auf und konnten nach eigenen Angaben ihren Umsatz im Geschäftsjahr 2022 mehr als verdoppeln. Neben einem stetig wachsenden Portfolio wissenschaftlich formulierter, pflanzlicher Nahrungsergänzungen, bietet XbyX drei umfangreiche Video-Education-Programme zu Hormonwissen, Kraftsport und Abnehmen ab der Lebensmitte an.

“Mit XbyX verstehen wir uns als beste Freundin unserer Kundinnen, als Wissensvermittlerinnen und Ort des Verständnisses. Wir setzen da an, wo im Gesundheitssektor Zeit oder auch Expertise fehlen und geben unseren Frauen das Wissen an die Hand, um autark die für sie individuell richtigen Entscheidungen treffen zu können”, so Monique Leonhardt.

“Anfangs kam oft die Frage, warum wir uns auf diese „kleine“ Nische konzentrieren”, so Peggy Reichelt. “Das zeigt, wie wenig Wissen hier existiert. Denn die Wechseljahre sind eine Lebensphase, die sich über Jahrzehnte zieht und deren Implikationen Frauen über den gesamten Alterungsprozess hinweg begleiten. Und sie betreffen jede Frau – und damit die Hälfte der Menschheit.”

Wechseljahre sind weit mehr als Hitzewallungen und das Ende der Periode

Die Wechseljahre sind schließlich weit mehr als Hitzewallungen und das Ende der Periode: Sie sind eine besonders wichtige Zeit, in der Frauen entscheidende Weichen für ihre Gesundheit im Alter stellen. Genau hier setzt XbyX an und bekommt nun durch die Finanzierung wertvolle Unterstützung. Peggy Reichelt: “Wir sind sehr glücklich über unsere Investorenrunde, die uns nicht nur finanziell den notwendigen Rückenwind gibt, sondern auch unsere langfristige Vision zu 100 % trägt. Die Wechseljahre und die Frauengesundheit ab der Lebensmitte bekommen so endlich die Aufmerksamkeit und die moderne Wahrnehmung, die sie verdienen.”

Mit dem Investment plant das Berliner Start-up seine Vision einer Pro-Age-Gesellschaft weiter zu verwirklichen. Die Mittel werden in die Team-Erweiterung, die Entwicklung neuer Produkte und Angebote sowie die Erschließung neuer Märkte und Kanäle fließen und so das weitere dynamische Wachstum finanzieren.

Praxisleitfaden: (Aus-)Gründungen an deutschen Universitäten

Orrick zeigt in seinem Praxisleitfaden OLNS#10, was bei (Aus-)Gründungen an deutschen Unis zu beachten ist und wie sich hierbei rechtliche Fallstricke vermeiden lassen.

Orrick wurde in der Bay Area gegründet und ist eine der weltweit führenden Technologiekanzleien. Der Praxisleitfaden soll Gründer*innen und Universitäten dabei helfen, universitäre Spin-offs auf den Weg zu bringen und dabei kostspielige rechtliche Fehler zu vermeiden. Das Ziel ist es, dass die Gründerinnen und Gründer mehr Zeit für die Entwicklung ihres Unternehmens haben und Universitäten möglichst viele erfolgreiche Start-ups hervorbringen.

Bei der Vorbereitung von OLNS#10 stützte sich das internationale und interdisziplinäre Orrick-Team auf die Erfahrung aus der weltweiten Beratung von mehr als 3.700 VC-finanzierten Unternehmen und mehr als 90 Unicorns sowie den aktivsten Fonds, Corporate-Investoren und börsennotierten Technologieunternehmen.

Der Guide gibt praktische Ratschläge zu folgenden Themen:

Die Gründungsphase

  • Zusammensetzung des Gründungsteams und Verteilung der Anteile
  • Struktur des ersten Cap Table
  • Steuerlich getriebene Holdingstrukturen (einschl. zweistufiger US/deutscher Doppelstockstrukturen)

Einbringung des universitären IP in das Start-up

  • Vollerwerb vs. Lizenzierungsmodelle (einschl. üblicher Lizenzbedingungen)
  • Einräumung einer echten oder virtuellen Beteiligung am Start-up als Teil der Gegenleistung

Finanzierung von Spin-offs

  • Finanzierungsprozess von Pre-Seed bis Post-IPO
  • Wann ist Venture Capital nicht das Richtige?
  • Besonderheiten bei Corporate-Investoren

und vieles mehr, einschließlich einer Checkliste für die Nachgründungsphase und einem Crashkurs zu den relevanten IP-Basics.

Der mehr als 160 Seiten umfassende Guide kann kostenlos hier abgerufen werden.

Was leisten Kundenbindungsprogramme?

Eine aktuelle Studie zu Kundenbindungsprogrammen zeigt unter anderem: Deutsche Konsument*innen lieben Rabatte.

Ob Stempelkarten beim Lieblingsrestaurant, Treuepunkte bei Supermärkten & Co. oder Clubmitgliedschaften bei Lifestyle- und Modegeschäften: Ziel all dieser Angebote ist es, Kund*innen mittels eines für sie relevanten Mehrwerts zu incentivieren und sie so an das eigene Angebot zu „binden“.

Wie dies die Kund*innen selbst erleben, war der Anknüpfungspunkt der Studie von Software Advice, für die im Oktober 2022 eine Online-Umfrage unter 5032 Teilnehmer*innen aus Australien, Deutschland, Frankreich, Spanien und dem Vereinigten Königreich durch, darunter 1012 Konsument*innen aus Deutschland. Die Befragten sind über 18 Jahre alt.

Kundenbindungsprogramme haben auch aus Kund*innensicht eine hohe Relevanz

Während sich viele Unternehmen Gedanken darüber machen, wie sie ihre Kund*innen (noch) besser an sich binden können, ist es natürlich auch wichtig zu verstehen, wie die Kund*innen aus eigener Sicht am ehesten überzeugt werden können, einer bestimmten Marke oder einem Unternehmen treu zu bleiben. So wurden die Studienteilnehmer*innen gefragt, wie für sie am besten die Beziehung zu einer Marke vertieft wird. An erster Stelle („wichtig“ und „sehr wichtig“ zusammengefügt) steht mit 96 % das Preis-Leistungs-Verhältnis, gefolgt von einer langfristigen Produkt- bzw. Servicequalität (95 %). Danach stehen Transparenz (90 %), Innovation (86 %), Nachhaltigkeit (85 %) und der Markenwert (83 %). Doch auch Treueprogramme spielen bei 82 % der Befragten eine wichtige bzw. sehr wichtige Rolle.

Deutscher Handel und Dienstleistungen: Beliebtheit der Kundenbindungsprogramme

Als strategischer Ansatz bieten Kundenbindungsprogramme meist vor allem einen klaren Vorteil für Unternehmen: bestehende Kund*innen zu binden ist in der Regel günstiger und weniger zeitintensiv, als neue Kund*innen zu gewinnen. Und auch die Kund*innen selbst sehen die positiven Aspekte darin. So nutzen 71 % der Befragten aktuell mindestens ein Loyalitätsprogramm, 80 % dieser Gruppe verwenden sogar mehrere. 36 % der Befragten, die Kundenbindungsprogramme nutzen, tun dies zwischen zwei- und sechs mal pro Woche, weitere 36 % nutzen diese zumindest einmal in der Woche. Den beliebtesten Bereich, in dem solche Programme eingesetzt werden, bilden mit Abstand Supermärkte und der Lebensmittelhandel mit 82 %, gefolgt von Kleidung / Schuhen (32 %) und Tankstellen (31 %).

Lea-Sophie Cramer: Die Entrepreneurin und Tech-Expertin wird Industry Advisor bei KKR

Lea-Sophie Cramer wird ihre unternehmerische Expertise und ihr Netzwerk einbringen und KKR sowie ausgewählte Portfoliounternehmen bei der Identifizierung und Bewertung neuer Investitions- und Wertschöpfungsmöglichkeiten unterstützen.

KKR, ein weltweit agierender Investor, hat Lea-Sophie Cramer zur Industry Advisor für das Private-Equity-Team ernannt. Damit baut KKR seine Expertise im europäischen E-Commerce- und Technologiesektor weiter aus. Zu den globalen Tech-Investitionen von KKR zählen unter anderem Investitionen in Cegid, Exact Software, Darktrace, Onestream und Box. In der DACH-Region investiert KKR seit über 20 Jahren vor Ort, vor allem durch strategische Partnerschaften mit Unternehmen wie Axel Springer, Contabo, Körbers Supply-Chain-Software-Geschäft, Scout24 Schweiz und SoftwareOne.

In ihrer Funktion wird Lea-Sophie Cramer ihre Expertise und Erfahrung als Unternehmerin einbringen, um KKR bei Investitionsmöglichkeiten zu beraten und ausgewählte Portfoliounternehmen bei internationalen Wachstumsstrategien unterstützen.

Die Unternehmerin und Investorin Lea-Sophie Cramer gehört zu den prominentesten Vertretern der Start-up-Szene in Deutschland. Nachdem sie das Asiengeschäft von Groupon leitete, gründete sie im Jahr 2013 Amorelie. Unter ihrer Führung wurde Amorelie zu einem der führenden E-Commerce-Unternehmen und digitalen Brands für das Liebesleben und trug so zum Wachstum und der Neupositionierung einer ganzen Branche bei. Amorelie wurde an ProSiebenSat.1 verkauft und Lea- Sophie Cramer gab 2019 ihre Position als CEO des Unternehmens ab.

Lea-Sophie Cramer ist als Business Angel aktiv und investiert in Venture Capital Fonds. Sie gehört zu den führenden Stimmen für moderne Führung und digitale Innovation. Im Jahr 2022 gründete sie die „10 More In“ Akademie, die ein digitales, modernes Führungsprogramm für Frauen anbietet. Cramer war Mitglied im Beirat von Amorelie und im Verwaltungsrat von Conrad Electronic. Darüber hinaus ist sie derzeit aktives Mitglied im Verwaltungsrat des Schweizer Fotoproduktunternehmens Ifolor Group.

In ihrer Rolle als Industry Advisor bei KKR wird Lea in den Verwaltungsrat des KKR- Portfoliounternehmens Wella Company einziehen, einem der weltweit führenden innovativen Beauty- Unternehmen. Als Non-Executive Board Director wird sie ihr Fachwissen bei der Entwicklung von E- Commerce-Lösungen, dem Aufbau nachhaltiger und innovativer Verbraucher- und Fachhandelsmarken und der Unterstützung des Unternehmens bei der Beschleunigung seines übergeordneten Wachstumsplans einbringen. Darüber hinaus wird Cramer ihr Wissen über den deutschsprachigen Konsumgütermarkt, einem der größten und wichtigsten Märkte für Wella Company, einbringen. Seit KKR vor zwei Jahren eine Mehrheitsbeteiligung an Wella Company übernahm, hat das Unternehmen als führender Anbieter von professionellen und Einzelhandelsprodukten für Haare, Nägel und digitale Schönheitstechnologien seinen Marktanteil weltweit erheblich gesteigert. Gleichzeitig hat Wella Company kontinuierlich in die Bereiche Nachhaltigkeit, Vielfalt, Gleichberechtigung und Inklusion investiert und diese Aspekte in den Mittelpunkt seines Handels gestellt. Das Unternehmen hat vor kurzem sein erstes ESG-Manifest veröffentlicht, in dem es seinen langfristigen Plan für Menschen, Planet und Produkte darlegt, der unter anderem die Reduzierung von CO2-Emissionen, nachhaltige Produktionsabläufe sowie Produktinnovationen für eine saubere und umweltfreundliche Zusammensetzung der Inhaltsstoffe.

Lea-Sophie Cramer: „Seit 15 Jahren widme ich mich dem Aufbau innovativer und kundenorientierter Marken in der deutschen Tech- und Start-up-Szene. KKR investiert in strategische Partnerschaften mit Gründern, Unternehmern und Managementteams und unterstützt deren Unternehmen dabei, ihr volles Potenzial zu entfalten. Deshalb freue ich mich sehr, meine Expertise für KKR und die Portfoliounternehmen einzubringen. In den Verwaltungsrat eines Unternehmens wie Wella Company mit seinen ikonischen Marken berufen zu werden ist eine großartige Chance. Die Entwicklung des Unternehmens unter CEO Annie Young-Scrivner ist beeindruckend und ich freue mich auf die Zusammenarbeit mit ihr und dem gesamten Team.“

Philipp Freise, Partner und Co-Head of European Private Equity bei KKR, kommentiert: „Wir bei KKR freuen uns sehr, Lea in unserem Team begrüßen zu dürfen. Mit ihrer beeindruckenden Erfolgsbilanz als Unternehmerin und ihrem Status als Vorbild für Gründer und Gründerinnen in ganz Europa bringt sie einen großen Erfahrungsschatz in unser Unternehmen ein. Gerade mit Blick auf den Technologiesektor, in dem wir unsere Aktivitäten global weiter ausbauen, verfügt Lea über herausragende Expertise. Sie hat wiederholt gezeigt, dass sie diverse Teams erfolgreich leiten kann und ein Talent für Innovationen hat. Auf unserer Mission, in Unternehmen zu investieren, die die digitale Transformation vorantreiben, werden wir von Leas Expertise extrem profitieren.“

Gründer*in der Woche: shoedoc – so wird (wieder) ein Schuh draus

Das Baden-Badener Start-up shoedoc von Matthias Vickermann bietet einen umfangreichen Online-Reparatur-Service für Schuhe und spricht sich damit klar gegen das Fast-Fashion-Zeitalter aus. Mehr dazu im Interview mit Matthias.

Wann und wie bist du auf die Idee zu shoedoc gekommen?

Die Herstellung von Leder, Lederwaren und Schuhen ist mit 128 Betrieben zu einem kleinen Industriezweig in Deutschland geschrumpft, der jedoch in regionalen Wirtschaftsräumen nach wie vor äußerst relevant ist. Schuhmacher, die ihr Handwerk beherrschen, sind eine Rarität. Aus dieser Not haben wir mit unserem Geschäftsmodell eine Tugend gemacht: Die Idee für shoedoc findet ihren Ursprung im Reparatur-Service unserer Maßschuh-Manufaktur. Immer mehr Kund*innen wollten auch ihre Serienschuhe reparieren lassen. Die Anfragen stiegen stetig und das Interesse ging über unsere Region hinaus. So gründeten wir 2019 unseren Online-Schuhreparatur-Service shoedoc und gliederten die Reparaturen aus. Wir haben ein Rund-um-sorglos-Paket kreiert. Unsere Kund*innen müssen sich um nichts weiter kümmern.

Wann lohnt sich die Schuhreparatur überhaupt?

Abgelaufene Sohlen oder defekte Reißverschlüsse sind noch lange kein Grund, das Schuhpaar achtlos zu entsorgen. Grundsätzlich können wir jeden Schuh reparieren. Dieses Angebot sollte auch jeder nutzen.

Gehen Schuhe heutzutage per se schneller kaputt?

Schuhe werden heutzutage anders produziert. Die Industrialisierung hat auch das Handwerk aus der Schuhproduktion vertrieben. Heutzutage gelten andere Ansprüche. Um die saisonalen Wünsche der Käufer*innen zu bedienen ist es nun einmal nötig, dass Massenware rasant produziert wird. Dabei entstehen leider häufig Produktionsfehler. Unter schneller und günstiger Herstellung, leidet oft die Materialauswahl. Sohlen aus vulkanisiertem Gummi werden kaum noch produziert. Absätze bestehen oft aus Lederersatz-Stoffen, wie beispielsweise Holzspänen. Die Schnelllebigkeit der Ware hat leider ihren Preis. Dessen müssen sich Verbraucher*innen bewusst sein.

Ist jeder Schuh zu retten?

Grundsätzlich ja. Schlecht erreichbare Stellen, können eine Reparatur erschweren. Doch für den Lieblingsschuh geben wir unser Bestes. Große Risse im Leder lassen sich leider nicht spurlos rekonstruieren.

Nun zu shoedoc: Welches Ziel verfolgst du mit deinem Online-Schuhreparatur-Service?

Mit unserer stark positionierten Marke wollen wir ein Zeichen setzen und deutschlandweit der Anbieter mit der größten Marktdominanz sein. Wir haben ein sehr nachhaltiges Anliegen und bieten unseren Kund*innen auch einen ethischen Mehrwert. Mit unserem Online-Schuhreparatur-Service sprechen wir uns ganz klar gegen das Fast-Fashion-Zeitalter aus. Schuhe lange zu tragen ist der nachhaltigste Umgang mit ihnen. Das garantieren wir. Durch unseren digitalisierten Prozess machen wir es Verbraucher*innen ganz einfach, eine nachhaltige Entscheidung zu treffen. Unser Reparatur-Service ist für jeden leicht zugänglich – egal von wo. Easy, per Click.

Bietet shoedoc ausschließlich Schuhreparaturen an?

Nein, unser Reparatur-Service spezialisiert sich nicht nur auf Schuhe. Mit unserer dazugehörigen Schwestermarke PurseNurse kümmern wir uns auch sorgfältig um alle Taschen. Egal, ob aus Leder oder anderen Materialien.

Was ist deine Vision mit shoedoc?

Shoedoc ist deutschlandweit der Ansprechpartner für den Reparatur-Service. Egal, ob Schuhe, Taschen oder sogar Kleidung. Wir wollen weiterhin expandieren und unsere Serviceleistung erweitern. Außerdem ist uns das Gesamtpaket sehr wichtig. Wir planen Repair-Cafés und wollen Freude und Mehrwert miteinander kombinieren. Wir haben viele Edutainment-Idee. Außerdem wollen wir unseren Wirkungskreis durch Pop-Up Stores in verschiedenen Metropolen erweitern. So sind wir noch präsenter und können eine direkte Beratung vor Ort anbieten. Für unsere Kunden, die wir nicht vor Ort erreichen, bieten wir eine Online-Video-Beratung an. Shoedoc soll weiterhin wachsen.

Gründer*in der Woche: Business Pendel Bus - Pendeln neu gedacht

Tobias Schemmel hat einen Mobilitätsservice gegründet, der sich an Firmen mit zahlreichen motorisierten Berufspendler*innen wendet. Sein Ziel: eine Alternative zum Individualverkehr bieten, Verkehr und Emissionen reduzieren und die Pendler*innen von der „verpendelten Lebenszeit“ befreien. Mehr dazu im Interview mit Tobias.

Wann und wie bist du auf die Idee zum Business Pendel Bus gekommen?

Die Idee kam mir noch vor Corona, als es noch üblich war, dass man täglich gependelt ist – das war bei mir nicht anders. Es war damals ein heißer Sommertag und wir wollten am Abend mit Freunden im Garten grillen. Ich wollte also nach Hause, um alles vorzubereiten – aber ich stand mal wieder am Mittleren Ring im Stau. Es ging nur meterweise im Schritttempo voran. Und weil ich ja nichts Besseres zu tun hatte, habe ich mir mal die anderen „Stauteilnehmer“ so angeschaut. Dabei ist mir aufgefallen, dass nahezu in jedem Auto nur eine Person sitzt. Und das bei laufender Klimaanlage und natürlich laufendem Motor. Aus Langweile schaltete ich das Radio an und in den Nachrichten kam die Meldung: „Die Luftqualität in deutschen Städten wird immer schlechter“.

Und da kam mir dann die Erkenntnis: „Ich bin Teil des Problems. Ich mach’s ja auch nicht anders.“

Auf der ganzen Heimfahrt hat mich dann der Gedanke nicht mehr losgelassen und ich habe überlegt, woran es liegt, dass auch ich täglich mit dem Auto unterwegs bin.

Was danach kam, waren viele Gedanken über mögliche, aber irgendwie nicht wirklich in Frage kommende, Alternativen und schlussendlich die Idee einen Service zu entwickeln, wie ich ihn selbst gerne nutzen würde.

Die Summe dieser Ideen ist heute das Angebot des Business Pendel Bus.

Was waren die wichtigsten Steps von der Gründung bis zum fertigen Service?

Ich würde sagen, das Finden der richtigen Partner. Meine Vorstellungen, wie das Ganze aussehen könnte, hatte ich ja bereits im Kopf. Aber wie soll ich so eine Firma auf die Beine stellen? Wo fängt man da an? Also habe ich Gespräche geführt und meine Idee einem Bekannten erzählt, der bei einer Bus Firma in der Geschäftsführung arbeitet. Nach dem Gespräch habe ich 2 Wochen nichts mehr gehört und mir gedacht, dass es vielleicht doch keine so außergewöhnliche Idee war. Danach hat er mich angerufen und gemeint, ich soll mein Konzept mal den Firmeninhabern vorstellen.

So habe ich dann auf der einen Seite ein Busunternehmen für mein Konzept gewinnen können, die den gesamten operativen Busbetrieb abdecken können: Von der Wartung und Pflege der Fahrzeuge, über die Bereitstellung und Einplanung von professionellen Busfahrern, bis hin zum wichtigen Teil der Genehmigungen, die für die Personenbeförderung benötigt werden.

Auf der anderen Seite arbeite ich inzwischen mit einem Münchner Startup zusammen, das eine Fahrgemeinschafts-Plattform speziell für Berufspendler anbietet. In diesen Dienst kann sich der Business Pendel Bus perfekt integrieren – und wir schaffen damit eine zusätzliche Mobilitätsalternative innerhalb der Plattform.

Diese beiden Partner erlauben es mir, den Service von Anfang an hochprofessionell anbieten zu können, so dass ich mich auf die inhaltlichen Gespräche und den Verkauf meines Konzeptes fokussieren kann.

Was ist das Besondere am Business Pendel Bus, wie unterscheidet er sich von anderen Mobilitätslösungen?

Der Business Pendel Bus ist darauf ausgelegt, dass die Pendler im Bus arbeiten können. Und das nicht nur auf einem „Brettl über den Knien“ – sondern auf einem Arbeitstisch, der den Namen auch verdient hat. Über WLAN kann man sich während der Fahrt ins Firmennetz einwählen, wie man es auch aus dem HomeOffice machen würde.

Das war eines der Schlüsselmerkmale, welches mir bei meiner Gründungsidee klar geworden ist: Pendeln ist ungeheure Zeitverschwendung. Das ist ja auch der Vorteil, den viele im HomeOffice sehen – die Fahrtzeiten fallen weg. Wenn man diese „verpendelte Zeit“ in Arbeitszeit umwandeln kann, ist man früher mit der Arbeit fertig und kann seine Lebenszeit der Familie, den Freunden und / oder den Hobbies widmen.

Der Business Pendel Bus verbindet für den Pendler diesen Zeitvorteil des HomeOffice mit den Vorteilen eines Bürotags, wo man seine Kollegen persönlich trifft und damit die Zusammenarbeit und Innovationskraft im Unternehmen erhalten bleibt.

Für wen ist dein Angebot gedacht bzw. wer sind deine Kund*innen?

Der Business Pendel Bus bietet endlich eine echte Alternative zum Auto. Er richtet sich an Pendler mit „digitalen Jobs“ – also Berufen, die auch viel Arbeit am Laptop / PC beinhalten. Viele dieser Pendler haben heute keine andere Möglichkeit, als mit dem Auto zu fahren. Sei es, weil der ÖPNV keine passende Verbindung bietet (bspw. auf dem Land), oder weil der Arbeitsplatz für Fahrrad oder eBike zu weit ist. Daher konkurrieren wir auch nicht mit dem ÖPNV – diesen hochsubventionierten Preis könnten wir auch niemals erreichen.

Unsere Kunden sind allerdings die Firmen, für die diese Pendler arbeiten. Wir bieten also ein B2B2C Angebot – in unserem Fall ein: Business to Business to Commuter. Der Business Pendel Bus kann ein hervorragendes Incentive sein, wenn es um Mitarbeiterloyalität oder
Mitarbeitergewinnung geht. Auch wenn es darum geht, die Mitarbeiter wieder zu mehr Präsenz im Büro zu motivieren. Wenn durch uns mehrere Firmenwägen eingespart werden können, ist ein Business Case auch schnell erreicht.

Wie hast du den Start und damit dich selbst finanziert?

Die Finanzierung ist eigentlich kein so großes Thema gewesen, weil ich parallel einen „normalen Job“ habe, der die täglichen Brötchen bringt.

Klar habe ich hier und da auch ein wenig Geld in die Hand genommen, aber das beläuft sich auf Investitionen in wirklich kleinerem Maßstab. Bspw. habe ich mir das Logo erstellen lassen, von dem ich heute auch noch richtig überzeugt und begeistert bin. (Hätten Sie erkannt, dass das „B“ einen Sitz darstellt und der Rahmen um das „B“ dem Seitenfenster eines Mercedes-Sprinter nachempfunden ist?)

Vor der Gründung habe ich auch ein „Vorgründer-Coaching“ der IHK in Anspruch genommen. Das hat mir auch sehr geholfen, um die Themen zu strukturieren und das Ganze aus einer rein geschäftlichen Perspektive zu betrachten.

Die Hauptinvestition sind allerdings die vielen, vielen Stunden, die in das Projekt geflossen sind. Meine Frau und Bekannte haben meine Ideen und Gedanken immer wieder mit Fassung ertragen.

Was sind deine weiteren unternehmerischen To-do's und Pläne?

Derzeit bin ich in guten Gesprächen mit mehreren potenziellen Kunden. Die Herausforderung ist, dass der Verkaufsprozess einigermaßen komplex und vielschichtig ist.

Die Vorteile unseres Angebots überzeugen schnell – schwieriger ist dann die Bestimmung des jeweiligen Potenzials an Pendlern: Woher, wie viele, wann und wie oft? Nachdem das Thema Pendeln bisher in den meisten Fällen das „Problem“ des Mitarbeiters war, gibt es in den Firmen weder eine Stelle, an die man sich zentral wenden kann, noch gibt es ausreichend Daten, um Annahmen zu unterfüttern. Allerdings gibt es bereits Startups, die genau in diese Lücke gehen und Mobilitätsanalysen anbieten. Hier weitere Partnerschaften zu finden, die bei der Vorbereitung von Abschlüssen behilflich sein können, ist eines meiner Ziele.

Ein weiteres Ziel ist, dass ich auch über den Großraum München hinaus Kunden überzeugen möchte. Das Konzept ist deutschlandweit ausrollbar – prinzipiell überall da, wo es Firmen gibt, mit vielen Autopendlern.

Und last but not least: Was rätst du anderen Gründer*innen aus eigener Erfahrung?

Betrachte andere Gründer nicht als deine Konkurrenz. Wenn es in der Richtung deiner Idee auch andere Gründer gibt, dann frage dich, wie und warum diese dein eigenes Produkt noch besser machen können.

Am Ende ist die Lösung des Problems wichtiger als ein in den Sternen stehender Profit.

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Das Interview führte Hans Luthardt

EdTech-Start-up Easy-Tutor sammelt 4,8 Mio. Euro ein

Easy-Tutor, 2017 von Massimo Cancellara und Jessica Contento gegründet, bietet Online-Nachhilfe für Schüler*innen aller Klassenstufen.

Der Online-Nachhilfeanbieter Easy-Tutor erhält im Zuge einer Series-A-Finanzierungsrunde 4,8 Millionen Euro. Das frische Kapital kommt vom Bestandsinvestor Bayern Kapital, der sich über seinen Innovationsfonds BKI EFRE erneut beteiligt. Neu investiert ist zudem das 2022 gegründete Münchner Family Office K+K1 rund um den Timify-Gründer Andreas Knürr.

Massimo Cancellara, CEO und Co-Gründer von Easy Tutor: „Vor dem Hintergrund der schleppenden Digitalisierung von Schulen, dem Lehrer*innenmangel und dem Fehlen von Fachkräften zeigt sich, dass das Sicherstellen einer flächendeckend guten und zeitgemäßen Bildung eine der wichtigsten gesellschaftlichen Aufgaben unserer Zeit ist. Wer heute Veränderung im Bildungsbereich herbeiführen möchte, muss Bildung neu denken.“

Dazu gehört für Easy-Tutor zum einen, den Fokus auf das Individuum zu legen und menschlich auf die jeweiligen Lernbedürfnisse einzugehen. Und zum anderen solle Bildung für alle zugänglich sein. Easy-Tutor stehe genau dafür ein und ergänze diese Faktoren mit dem notwendigen technischen Know-how. „Wir wissen zu schätzen, dass unsere Investoren genau diesem Konzept vertrauen und es mit ihrem Investment honorieren.“ ergänzt Co-Gründerin Jessica Contento.

Das frische Geld nutzt das EdTech, um die eigene digitale Plattform weiterzuentwickeln und das Wachstum voranzutreiben – im deutschsprachigen Raum wie auch im unmittelbaren Ausland ab Mitte 2023. „Dabei ist uns sehr wichtig, nicht um jeden Preis zu skalieren, sondern gesund und nachhaltig zu wachsen. So möchten wir in den kommenden Jahren europaweit zur Anlaufstelle Nummer Eins für Schüler*innen, Eltern und Schulen werden, wenn es um qualitativ hochwertige, digitale schulbegleitende Nachhilfe geht“, erklärt Massimo Cancellara.

Entsprechend investiert Easy-Tutor auch in weitere relevante Partnerschaften, etwa in Kooperationen mit Schulen und Vereinen. Im Moment nutzen etwa 200 Partnerschulen und 40 Prozent aller Bundesligavereine Easy-Tutor in ihrem Betreuungsangebot für Kinder und Jugendliche. Zudem sollen Unternehmen für eine Zusammenarbeit gewonnen werden, die durch ihre Zielgruppenrelevanz Easy-Tutor mehr Sichtbarkeit und den Kund*innen durch das Nachhilfeangebot einen starken Mehrwert bieten. Seit der Gründung 2017 wächst das Unternehmen nach eigenen Angaben stetig: Mittlerweile kümmern sich über 40 Mitarbeiter*innen um die etwa 12.000 Schüler*innen der Plattform.

Erste Kernfusion per Laserzündung mit Nettoenergiegewinn

US-Wissenschaftler haben erstmals eine Kernfusion per Laserzündung mit einem Nettoenergiegewinn erzeugt. Dies ist ein weiterer wichtiger Meilenstein auf dem Weg zu einer sicheren, sauberen und schier unerschöpflichen Energieerzeugung. Focused Energy, ein dt.-amerikanisches Start-up, mischt bei dem innovativen Thema kräftig mit.

Die Fusionsreaktion in Livermore/USA erzeugte rund 2,9 Megajoule Energie, was etwa 140 Prozent der 2,1 Megajoule Energie in den Lasern entspricht. Die genauen Bilanzwerte werden noch ausgewertet. „Für die meisten von uns war es nur eine Frage der Zeit, dass dieser nächste Meilenstein erreicht wurde“, so Prof. Markus Roth und Prof. Todd Ditmire, beide Mitgründer von Focused Energy und Wissenschaftler, die die Laseranlage in Livermore entscheidend mitentwickelt haben.

Focused Energy, das 2021 von der TU Darmstadt ausgegründete deutsch-amerikanische Start-up, setzt ebenfalls auf die laserbasierte Kernfusion und den gleichen Brennstoff Deuterium und Tritium, wie er in Livermore verwendet wurde.

Viele der Wissenschaftler, die diesen Erfolg in Livermore mitbegründet haben, arbeiten mittlerweile für Focused Energy. Das Start-up hat seinen Sitz in Darmstadt und in Austin/Texas und nutzt die in den vergangenen 30 Jahren in der Fusionsforschung gesammelten Erfahrungen seiner Gründer gepaart mit der Schnelligkeit eines jungen deutsch-amerikanischen Unternehmens und privaten Investitionen, um die laserbasierte Fusion zur Marktreife zu bringen und den weltweiten Energiehunger zu stillen.

Der Erfolg in Sachen Kernfusion per Laserzündung kommt zu einem Zeitpunkt, an dem viele Länder mit hohen Energiepreisen und der Notwendigkeit kämpfen, schnell von der Verbrennung fossiler Brennstoffe wegzukommen, um den Klimawandel einzudämmen.

Die Kernfusion ist die einzige Energieform, die bisher noch nicht realisiert werden konnte. Einer ihrer größten Vorteile: Sie ist sicher und es gibt keinen Vergleich zum Schadenspotenzial von Kernkraftwerken, die mit Kernspaltung arbeiten. Kernfusion und Kernspaltung haben nichts miteinander zu tun. Es gibt bei Fusionskraftwerken weder eine unkontrollierte Kettenreaktion noch muss man das Kraftwerk abschalten, wenn irgendwas schiefläuft. Die Kernfusion ist inhärent sicher. Auch wenn mehrere Komponenten ausfallen, bleibt das System ohne erhöhtes Gefahrenpotenzial funktionsfähig.

Weitere Experimente werden folgen. Für Focused Energy ist der Zielhorizont gesetzt. Ab Mitte der 30iger-Jahre soll das erste Fusionskraftwerk ans Netz gehen, so der Plan der Darmstädter.

New Work: Verhandlungs-Performance im Home-Office

Eine Studie der Universitäten Hohenheim und Potsdam, von der Deutschen Gesellschaft für Verhandlungsforschung (DGVF) in Auftrag gegeben, beleuchtet die Vor- & Nachteile beim Verhandeln aus dem Home-Office.

Auch berufliche Verhandlungen werden von dem häuslichen Arbeitssetting beeinflusst, wie eine aktuelle Studie der Universitäten Hohenheim und Potsdam in Kooperation mit der Deutschen Gesellschaft für Verhandlungsforschung e.V. (DGVF) belegt. Zwar schätzen Verhandler*innen die Flexibilität und Autonomie des Home-Offices. Mit den Verhandlungen insgesamt ist ein Großteil der Befragten jedoch eher unzufrieden.

Die gute Nachricht: Mit einer besseren Vor- und Nachbereitung der Verhandlungen ließe sich das verbessern, so die Erkenntnisse des Forschungsteams unter Leitung von Prof. Dr. Markus Voeth (Hohenheim) und Prof. Dr. Uta Herbst (Potsdam).

„Der Anspruch der Arbeitnehmenden, auch aus dem Home-Office heraus gute Arbeit zu leisten, ist hoch. Dazu gehört auch, erfolgreiche Verhandlungen zu führen und die eigenen Ziele zu erreichen“, erklärt Joana Roth, Wissenschaftliche Mitarbeiterin am Lehrstuhl für Marketing & Business Development der Universität Hohenheim.

„Gleichzeitig gibt es im Home-Office einige Faktoren, die das Verhandeln schwieriger machen. Zum Beispiel der Konflikt zwischen Arbeit und Familie“, ergänzt Jacqueline Sube, Wissenschaftliche Mitarbeiterin am Lehrstuhl für Marketing der Universität Potsdam.

Mit diesen Aussagen stützen sich Roth und Sube auf ihre Umfrage mit über 400 Praktiker*innen, die aus dem Home-Office heraus verhandeln. Befragt wurden Vertreter*innen aus unterschiedlichen Branchen und Positionen. Die Online-Umfrage wurde nach zwei Jahren Pandemie im Sommer und Herbst 2022 durchgeführt.

Verhandlungsziele werden im Home-Office effizienter verfolgt …

Ein Großteil der Befragten sieht es als vorteilhaft an, den eigenen Arbeitsalltag im Home-Office flexibler gestalten zu können. Auch steigt im Home-Office laut Angaben der Befragten auch der Erfolgsanspruch an die geführten Verhandlungen. Zudem werden die aus dem Home-Office geführten Verhandlungen als effizienter wahrgenommen. So geben die Befragten beispielsweise an, sich mehr auf die wesentlichen Aspekte zu konzentrieren und die Zeitplanung in Bezug auf die Verhandlungen besser zu kontrollieren.

… allerdings fehlt der Austausch zwischen den Parteien

Gleichzeitig sinkt im Home-Office die Verbindlichkeit der Verhandelnden gegenüber dem Arbeitgeber und den Verhandlungspartnern. So fehle im Vorfeld der Verhandlungen oft der Austausch mit Vorgesetzten oder im Team, in dem Ratschläge ausgetauscht werden oder an gemeinsame Verhandlungsziele erinnert wird. Auch der informelle Austausch mit dem Verhandlungsgegenüber, der für einen gemeinsamen Verhandlungserfolg eine wichtige Rolle spielt, käme bei digitalen Verhandlungen zu kurz.

Das Fazit: Obwohl die Verhandlungsziele im Home-Office effizienter verfolgt werden, ist ein Großteil der Befragten mit der Performance eher unzufrieden und glaubt, keine besseren Verhandlungsergebnisse zu erzielen.

Bessere Verhandlungsperformance durch gute Vorbereitung und das Feiern von Erfolgen

Die Frage, wie sich Verhandlungen aus dem Home-Office erfolgreicher gestalten ließen, vertieften das Forschungsteam und der DGVF-Vorstand in einem interaktiven Workshop mit rund 80 Praktiker*innen.

Das Ergebnis: Bereits eine gute Vorbereitung könne die Zufriedenheit mit Verhandlungen positiv beeinflussen. „Tatsächlich existieren bereits eine Reihe von interaktiven Tools und Techniken, durch die sich digitale Verhandlungen besser gestaltet lassen werden. So lässt es sich bereits durch simples Screensharing leichter über die abgegebenen Angebote und Konzessionsschritte sprechen“, sagt Joana Roth. So könnten Arbeitgeber*innen die verhandelnden Mitarbeiter*innen beispielsweise durch Kompetenztrainings zur Nutzung digitaler Medien entsprechend schulen.

Organisationen könnten zudem einen Verhaltenskodex für digitale Verhandlungen festlegen. „Dadurch können Unternehmen vor allem möglichen Unsicherheiten begegnen – etwa, was passiert, wenn Zoom ausfällt oder das Kind früher aus der Schule kommt und in die Verhandlung platzt“, so Sube.

Und auch im digitalen Raum sei sozialer Austausch möglich: „Indem man Erfolge digital im Team feiert, lässt sich die Motivation der Mitarbeitenden steigern“, so Roth. Dieser motivierende Faktor könne auch im Home-Office genutzt werden, etwa indem auch digital auf einen erfolgreichen Verhandlungsabschluss angestoßen wird.

GameChanger des Monats: StrollMe – Kindermobilität im Abo

StrollMe – gegründet von Timon Beutel und Sebastian Reichelt – hat es sich zur Aufgabe gemacht, im Sinne der Nachhaltigkeit Besitz rund um Kinder neu zu denken. Mehr dazu und damit über unsere GameChanger des Monats im Interview mit Sebastian.

Wir haben euch als unsere GameChanger des Monats ausgewählt, weil ihr rund um das Thema Baby- und Kindermobilität mit eurem Konzept des Mietens statt Kaufens konventionelle Wege verlasst und zugleich das Thema Nachhaltigkeit vorantreibt.

Zunächst zu euch Gründern: Wer seid ihr, wie seid ihr auf die Idee zu dem StrollMe gekommen und was treibt euch im Sinne eines GameChangers an?

Timon kommt aus dem UI/UX Design, ich aus der Modebranche. Timon hatte die Idee, als seine Frau Laura mit ihrem ersten Kind schwanger war und sie nirgends eine gute Alternative zum Kauf gefunden haben. Mich hatten seine Argumente, dass es viel besser ist einen Kinderwagen zu mieten als zu kaufen, auf Anhieb überzeugt. Daraufhin konnte ich ihn zum Glück sofort überzeugen, gemeinsam StrollMe zu gründen.

Das positive Feedback unserer Kunden treibt mich jeden Tag an. Außerdem können wir mit StrollMe zeigen, dass ein wirklich nachhaltiges Geschäftsmodell im Sinne der Kreislaufwirtschaft sowohl für die Kunden als auch wirtschaftlich funktioniert. In meinen Augen ist das ein wichtiger Baustein zur Entwicklung einer nachhaltigen Wirtschaft bzw. Gesellschaft.

Was ist das Besondere an eurem StrollMe-Konzept, wie funktioniert es und was kann ich alles per Abo mieten?

So besonders finde ich unser Konzept eigentlich gar nicht (lacht). Der größte Unterschied zu bestehenden Konzepten liegt darin, dass man die Produkte mietet, statt sie zu kaufen. Unsere Kunden bestellen das gewünschte Produkt zum gewünschten Termin und nutzen es, solange sie es benötigen. Wenn sie feststellen, dass sie z.B. mit dem Kinderwagen oder der Babytrage nicht zurechtkommen, können sie problemlos auf ein anderes Produkt wechseln. Da wir beide selbst Eltern sind, wissen wir, wie unterschiedlich Kinder und die Bedürfnisse sind. Die zurückgesendeten Produkte werden professionell aufbereitet und zu einem günstigeren Preis als „refurbished“ wiedervermietet. Man kann bei uns neben Kinderwagen, Kinderfahrrädern und Fahrradanhänger samt Zubehör auch Babytragen und Federwiegen mieten.

Wer sind eure Kund*innen?
In der Regel haben sie mindestens ein Kind ;-). Aber Spaß beiseite. Anfangs dachten wir, dass unser Modell eine spezifische Kundengruppe anspricht. Wir haben aber schnell festgestellt, dass alle Eltern, ob aus nachhaltigen oder finanziellen Gründen, oder wegen der Flexibilität potenzielle StrollMe-Kunden sind.

Was waren die wichtigsten Meilensteine von der Ideenfindung bis zum Go live von strollme.de?
Timon hatte schnell einen MVP gebaut und gezeigt, dass der Bedarf da war. Jetzt mussten wir nur noch Lieferanten überzeugen, uns zu beliefern. Das war im Corona Jahr 2020 nicht gerade einfach. Letzen Endes konnten wir Greentom nach einer zwölfstündigen Zugfahrt von uns überzeugen und so den Grundstein für unser Sortiment legen.

Wie habt ihr diese Phase finanziell gestemmt?
Wir haben beide unsere Ersparnisse eingebracht. Nach dem erfolgreichen Start haben wir Ende 2020 einen VC-Fonds und einen Business Angel von unserem Konzept überzeugen können.

Wie macht ihr auf euch bzw. StrollMe aufmerksam?
Übliche Kanäle wie Instagram, Podcast und Google aber auch spezifischere Kooperationen mit Hebammen und Kitas. Auch PR ist ein wichtiger Faktor und sorgt für positive Wahrnehmung unserer Marke.

Was sind eure nächsten unternehmerischen To-do’s und Pläne?
2022 haben wir gezeigt, dass StrollMe funktioniert und der Markt für uns bereit ist. 2023 wollen wir nun die nächsten Schritte gehen und aus unserem Start-up ein Scale-up machen. Bisher hatten wir viel Glück mit unserem Team. Wir hoffen auch weiterhin so tolle Mitarbeiter für uns gewinnen zu können. Natürlich arbeiten wir auch stetig an unserem Sortiment. 2023 werden viele weitere Kinderprodukte unser Angebot erweitern.

Was möchtet ihr als unsere GameChanger des Monats der Start-up-Community mit auf den Weg geben?
Beratung und Meinung von anderen einzuholen ist immer richtig. Versucht aber trotzdem auf euer Bauchgefühl zu hören und euren eigenen Weg zu finden. Uns wurde oft gesagt, dass wir nicht so sehr auf Profitabilität achten sollen sondern alles in Wachstum stecken müssen. Damit haben wir uns aber nie ganz wohl gefühlt. Heute sind wir froh, keine Geldverbrennungsmaschine zu sein und trotzdem jeden Monat zweistellig zu wachsen.

Hier geht's zu StrollMe

Das Interview führte Hans Luthardt

Frühphaseninvestor SquareOne legt 3. Fund mit 100 Mio. Euro auf

Der Berliner Frühphaseninvestor SquareOne legt einen neuen Fund in Höhe von 100 Mio Euro auf, der in B2B Enterprise Software / SaaS Start-ups in Europa investieren wird.

SquareOne wurde im Jahr 2010 unter dem Namen Paua Ventures in München gegründet und ist ein Venture Capital Fonds mit B2B Technologie Fokus. SquareOne investiert in europäische Gründerteams, um diese dabei zu unterstützen komplexe Probleme mit skalierbaren Technologien zu lösen. Seit Gründung hat der Geldgeber in mehr als 40 Start-ups investiert, bekannte Investments sind z.B Pipedrive, Stripe, Wandelbots oder VUE Storefront. Letzte Woche gab SquareOne die Umfirmierung bekannt. „Wir haben uns zum Rebranding entschlossen, um das was wir seit 13 Jahren tun, konkret in einer Marke abzubilden, nämlich Early-Stage-Investments. Wir sind Partner von Tag 1 für unsere Portfoliofirmen und obwohl sich viel verändert hat, bleibt unsere DNA die gleiche: we’ve always been doers at heart“, so Partner Christian Buchenau.

Fokus-Themen u.a. Enterprise Software, ClimateTech, OpenSource, Supply Chain/Procurement

SquareOne setzt nun die dritte Fund-Generationen mit 100 Mio. Euro auf. Investoren sind Fund of Funds und Family Offices, aber auch Mittelständler und Gründende, wie unter anderem von Instana, Signavio, Workday, Adyen oder Staffbase. Ziel war es, eine gute Mischung aus institutionellen und unternehmerischen Investoren aufzubauen. SquareOne will dabei der erste institutionelle Investor in der jeweiligen Firma sein. Fokus-Themen sind unter anderem Enterprise Software, ClimateTech, OpenSource und Supply Chain/Procurement.

Bereits 14 Investments getätigt

Die Strategie bleibt auch in SquareOne III dieselbe. „Uns begeistern Gründer, die Technologie bauen um komplexe Probleme in großen Märkten zu lösen. Wir glauben, dass jetzt eine gute Zeit ist, große und nachhaltig erfolgreiche Firmen zu bauen. Wir hatten noch nie so viele qualitativ hochwertige Gründerteams in unserem Dealflow“, so Christian Buchenau.

In dem neuen Fund wurden bereits 14 Investments getätigt. In vielen der Portfolio Firmen sind bekannte Start-up-Szenegrößen, aber auch ehemalige DAX-Vorstände co-investiert. „Um so viel Expertise wie möglich für die Gründer zu generieren bauen wir die Captable in enger Zusammenarbeit mit ihnen sehr strategisch auf.“ Das Konzept scheint aufzugehen: In 60 Prozent der Fälle investiert ein Tier 1 US Fund als Folge-Investor in die SquareOne Portfolio Firmen. „Diese Funds sehen in uns einen ,Feeder Fund‘ für ihren eigenen Dealflow“, so Christian Buchenau.