Gründer der Woche: meerkorn – Seife ökologisch neu gedacht

Gründer der Woche 05/20


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Jennifer Wolf, die Gründerin des Hamburger Start-ups meerkorn, hat den „Soap Grinder“ entwickelt und will mit dieser weltweit ersten Seifenmühle für Traveller auch einen Beitrag gegen Umweltverschmutzung und für mehr Nachhaltigkeit leisten. Mehr dazu im Interview mit Jennifer.

Die meerkorn-Gründerin Jennifer Wolf mit ihrer Seifenmühle und dem Rohmaterial (c) meerkorn

Wann und wie bist du auf die Idee zu deinem Seifen-Start-up gekommen?

Die ursprüngliche Idee kam mir, als mir mal wieder mein Shampoo wären einer Reise im Rucksack ausgelaufen ist. Für meine nächste Reise besorgte ich mir also Hartseife, war jedoch unzufrieden, dass die Seife unabhängig vom Behältnis auf der ganzen Reise feucht, matschig und unschön zu benutzen war. Ich suchte eine Lösung, Hartseife einfach und hygienisch auf meinen Reisen zu verwenden. Das die Seifenmühlen aus alten, recycelten Fischernetzen bestehen, hat den persönlichen Grund, dass ich mit meinem Schaffen einen positiven Beitrag zu unserer Umwelt leisten möchte.

Was waren dann die wichtigsten Steps von der Gründung bis zum Start bzw. fertigen Produkt?

Vom initialen Anstoß bis zur Seifenmühlenidee vergingen viele Monate. Die Entscheidung, die Lösung selbst zu entwickeln und mich selbstständig zu machen, war ein riesiger Schritt. Die Konstruktion und Prototypenfertigung hat mir persönlich als Ingenieurin am meisten Spaß gemacht. Die Kunst liegt wohl darin, alles in kleine, überschaubare Teilschritte aufzuteilen. Die Crowdfunding Kampagne war jedoch der bisher größte Meilenstein. Man teilt dabei sein „Baby“ mit der Welt und hofft, dass diese es genauso gut findet wie man selbst.

Wie hast du diese Phase finanziert?

In den letzten Jahren habe ich auch neben meerkorn viel gearbeitet und konnte mir so etwas Geld zur Seite legen. Als junger Gründer hat man ja meist nicht viel Geld zur Verfügung, da hilft es auch, wenn man seinen Lebensstil noch auf dem Niveau einer Studierenden belässt.

Nun zu deinem Soap Grinder. Was ist der Sinn deiner Seifenmühle?

Unsere Seifenmühle soll die Vorteile von Flüssigseife und Hartseife vereinen. Für die Meisten spielt der gesundheitliche Aspekt von Hartseife die entscheidende Rolle. Vor allem naturbelassene Seife ohne Mikroplastik und andere Zusatzstoffe ist nicht nur besser für die Haut, sondern ebenso für die Natur. Für mich war aber vor allem das geringere Gewicht im Gepäck eine positive Überraschung. Der Vorteil unserer Seifenmühle besteht darin, dass die Seifenflocken sich aufgrund der großen Oberfläche schnell auflösen und der Seifenblock selbst hygienisch bleibt. Die Frage nach dem richtigen Behältnis erledigt sich so und es gibt keinen matschigen, unhygenischen Seifenblock, der im Gepäck herumfliegt. Natürlich hat man mit einer meerkorn-Seifenmühle auch keine Handgepäckbeschränkungen mehr.

Die Seifenmühle "Soap Grinder" besteht aus alten, recycelten Fischernetzen und ersetzt nicht nur auf Reisen flüssige Seife und deren Verpackungsmüll (c) meerkorn

Wer ist die Zielgruppe?

Meerkorn ist zum einen für Gesundheitsbewusste gedacht, die schon heute Hartseife aufgrund ihrer vielseitigen Vorteile nutzen oder in Zukunft nutzen wollen und es satthaben, ein Seifenstück im Bad herumfliegen zu haben. Zum anderen ist meerkorn die ideale Lösung für Reisende, die auf ihren Reisen gewichtsoptimiert gesunde, naturbelassene, ökologisch abbaubare Seife mitnehmen möchten oder einfach der Handgepäckregulierungen entgehen wollen.

Gibt es vergleichbare Produkte? Ich wusste bislang nur von einem Start-up, das sich dem Thema Flüssigseife, die durch Tabs ersetzt wird, angenommen hat.

Ja, die Seifenmühle von meerkorn ist die erste und einzige auf dem Markt. Die Alternativen wären traditionelle Flüssigseifen diverser Hersteller mit all ihren Nachteilen: Inhaltstoffe wie Mikroplastik und Palmöl, Flüssigkeitsbeschränkungen im Fluggepäck, Einwegplastikverpackungen und das zusätzliche Gewicht des in der Flüssigseife gelösten Wassers. Die andere Alternative wären gewöhnliche Hartseifen. Wie das, mit welcher Verpackung auch immer, funktioniert, weiß wohl jeder, der schon einmal eine Hartseife verwendet hat. Während des Reisens wird sie immer verschmierter oder zerfällt in ihre Einzelteile.

Wie machst du auf dich und deine Seifenmühle aufmerksam?

Zuallererst versuchen wir über Freunde und Familie möglichst viele Menschen zu erreichen und auf die Problematik unserer verschmutzen Meere aufmerksam zu machen. Wir sind natürlich bei Instagram, Facebook und Co. und seit dem 16.01.2020 auf der Crowdfundingseite Kickstarter, wo wir Geld für die Umsetzung unseres Projekts einsammeln. Wir bekommen jetzt schon viel positives Feedback und freuen uns über jede Hilfe bei der Umsetzung und Verbreitung.

Was sind deine weiteren Vorhaben nach der Kampagne?

Nach der erfolgreichen Finanzierung folgt die Herstellung der Spritzgussformen, welche aufgrund des aus alten, ausrangierten Fischernetzen hergestellten Rohstoffs besonderen Ansprüchen genügen müssen. Außerdem werden wir unser Team vergrößern, um jedem Unterstützer schnellstmöglich seine meerkorn-Mühle übergeben zu können.

Und last but not least: Was rätst du anderen Gründerinnen und Gründern aus eigener Erfahrung?

Keep it short and simple. Probiere so klein und „lean“ zu starten wie es dir möglich ist. Viele Gründungen scheitern intern an den viel zu groß gesteckten Zielen. Halte deine Idee nicht geheim, habe keine Angst vor Feedback und achte auf deine eigene Passion. Du musst hinter dem Wandel stehen, den du in die Welt zu bringen versuchst. Nichts ist schwieriger als sich zu motivieren, wenn man gegen seine eigene Überzeugung arbeitet.

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Das Interview führte Hans Luthardt