Gründer der Woche: Jalall D'or - vom Marktstand zum Online-Genuss

Gründer der Woche 49/19


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Wer in Westfalen gern Nüsse und Trockenfrüchte nascht, kennt vielleicht schon länger den Marktstand von Jalall D´or in Münster, auf dem Dorothea Linnenbrink und Jalalledin Eshaghi seit 15 Jahren Feinschmecker-Nüsse und Trockenfrüchte anbieten. Vor einigen Jahren haben die beiden damit begonnen, ihre Köstlichkeiten auch übers Netz anzubieten. Da dies allerdings wesentlich mehr Arbeit war als ursprünglich gedacht, beschlossen Dorothea und Jalalledin, den Online-Marktstand in neue, fähige Hände abzugeben. Birgit Hövener und Eva Becker haben die Jalall D'or GmbH gegründet und sind dabei, den Onlineshop bekannt zu machen. In Interview erzählen uns die beiden Gründerinnen, wie es dazu kam und was sie unternehmerisch alles planen.

Wer seid ihr und was ist euer Background?

Birgit: Die Frage ist gar nicht so einfach zu beantworten, je nachdem welche Perspektive man einnimmt. Ich bin zusammen mit meinem Mann Geschäftsführerin der Dr. Hövener Nachf. GmbH, wir vermieten hochwertige Ferienwohnungen an verschiedenen Standorten in Deutschland. Privat bin ich leidenschaftliche Mutter von zwei Mädels, 8 und fast 12 Jahre alt, die mir mit ihren Augen viele neue Perspektiven aufzeigen und zu guter Letzt bin ich ehrenamtlich Vorstandsmitglied von Frauen u(U)nternehmen e.V.

Nach einer klassischen Bankausbildung habe ich noch klassischer (lacht) ein BWL-Studium absolviert. Als Kind vom Bauernhof kenne ich die Selbstständigkeit aus erster Hand, mein Traum war es immer eigenverantwortlich und selbstständig zu arbeiten.

Evi und ich kennen uns aus unserem Heimatdorf, lange Zeit haben wir Seite an Seite im gastronomischen Betrieb ihrer Eltern gearbeitet und dann in unserer Sturm-und-Drang-Zeit viele Höhen und Tiefen miteinander erlebt. Das schweißt fürs Leben zusammen, so eine tiefe Freundschaft kann so schnell nichts erschüttern.

Eva: Ich bin ein absoluter Familienmensch und glückliche Mama von zwei Jungs, mit 5 und 7 Jahren. Seit vielen Jahren reite ich und bin begeisterte Läuferin. Als Betriebswirtin bin ich schon in verschiedenen Branchen tätig gewesen. Sehr prägend war dabei die Zeit als kaufmännische Leiterin bei der Firma sieger design im Münsterland. Birgit und ich kennen uns seit über 25 Jahren aus der Zusammenarbeit als Jugendliche in meinem elterlichen Betrieb. Sehr schnell entstand aus gemeinsamer Arbeit eine sehr besondere und wegweisende Freundschaft.

Wie und wann seid ihr in Kontakt zu Jalall D'or gekommen?

Birgit: Jalall D‘or ist ein fester Bestandteil des Münsteraner Wochenmarktes. Die tollen Produkte habe ich durch eine Freundin vor vielen Jahren bereits kennengelernt. Schon mehrere Jahre in Folge haben wir unsere Kunden mit Weihnachtsgeschenken von Jalall D’or beschenkt. Die Rückmeldungen waren ausnahmslos positiv.

Eva: Im Jahr 2018 habe ich von Birgit ein schönes Weihnachtspäckchen erhalten. Leider wurde dieses auf dem Postweg beschädigt und mir kullerten mehrere Handvoll leuchtende, orangene Kügelchen entgegen. In ein Schälchen gefüllt, habe ich sie zunächst wieder vergessen. Als ich sie dann in einem entspannten Moment ein Kügelchen in den Mund steckte, erlebte ich eine totale Geschmacksexplosion. Da ich durch den Postschaden keine Verpackung aufbewahrt hatte, habe ich erst viel später erfahren, dass diese von Jalall D´or sind. Dadurch war meine Neugier entfacht und ich wollte alles aus dem Sortiment kennen lernen. Daran, dass wir Monate später diesen Shop selbst betreiben sollten, habe ich in dem Moment noch lange nicht gedacht (lacht).

Wie habt ihr Dorothea und Jalalledin dann kennengelernt?

Birgit: Zusammen mit Dorothea bin ich schon mehrere Jahre in einem Frauennetzwerk, Frauen u(U)nternehmen e.V. Sie hat dort ihr Unternehmen vor einiger Zeit im Rahmen einer Veranstaltung vorgestellt. Da habe ich schon gedacht „wie spannend“. Als sie dann den Verkauf ansprach, war ich direkt Feuer und Flamme. Jalalledin habe ich dann im Gespräch über den Verkauf kennen gelernt. Wir haben uns sofort gemocht, seine freundliche und wertschätzende Art gefällt mir sehr.

Eva: Jalalledin durfte ich mitten in Aktion auf dem Münsteraner Wochenmarkt kennenlernen. Es war eine große Freude, ihn in Interaktion mit seinen Kunden zu beobachten und tief in das Sortiment von Jalall D‘or einzusteigen. Er lebt sein Geschäft und begeistert die Wochenmarktbesucher für die wunderbaren Köstlichkeiten. Genauso schön war es Dorothea im Rahmen eines Übernahmeworkshops kennenzulernen. Dieses Herzblut, das sie in die Marke gesteckt hat, spürt man sofort, wenn sie von Jalall D´or spricht. Die Zusammenarbeit war von Anfang an sehr offen und vertraut.

Wie entstand die Idee, die Nüsse und Trockenfrüchte online zu verkaufen?

Birgit: Bei einer Karnevalsveranstaltung erzählte Dorothea mir von der Überlegung des Verkaufs. Ich hatte direkt ein Kribbeln im Bauch und war hin und hergerissen zwischen Übermut und spannender Herausforderung.

Eva: Da ich immer offen für neue Herausforderungen bin und eine persönliche Affinität für gesunde Ernährung und Snacken habe, war die Entscheidung dieses Projekt mit meiner langjährigen Freundin gemeinsam zu gestalten, sehr leicht. Aus der spontanen Idee, dass Birgit mich mit ins Boot nimmt, wurde in kürzester Zeit ein festes Vorhaben.

Musstet ihr Dorothea und Jalalledin erst noch von eurer Idee überzeugen?

Birgit: Recht gleichzeitig mit uns, interessierte sich noch ein anderer Käufer für den Shop. Doch schnell war klar, dass wir die Werte und Ideen besser weitertragen können. Ein großes Vertrauen war zwischen mir und Dorothea über die Jahre gewachsen.

Ist das nicht ein gewagter Sprung in ein völlig neues Gebiet? Wie viel Abenteuer steckt in eurem Projekt?

Birgit: Ehrlich gesagt ist es ein großes Abenteuer für uns. Seit der Entscheidung ist einige Zeit vergangen. In dieser Zeit ist mir klar geworden wie umfangreich die neue Aufgabe ist. Die Herausforderungen sind vielfältig, aber auch sehr spannend und interessant. Immer wenn ich in meinem Umkreis von Jalall D‘or erzähle, habe ich ein breites Grinsen im Gesicht, ich freue mich sehr auf diese große Aufgabe.

Eva: Natürlich ist das ein großes Abenteuer für uns. Aber da wir so überzeugt von der Qualität dieser besonderen Produkte sind, können wir es gar nicht erwarten, unsere Kunden daran teilhaben zu lassen. Durch meine Tätigkeit im Onlineshop-Marketing für s.Oliver sind die bevorstehenden Aufgaben auch nicht alle ganz neu.

Ihr habt eingangs geschildert, dass ihr auch Familienmenschen seid. Wie vereinbart ihr Selbständigkeit und Familien(arbeit)?

Birgit: Jede berufstätige Mutter ist ein Organisationstalent (lacht), in der Selbständigkeit kommt jedoch die Flexibilität hinzu. Das war für mich ein großer Grund für das eigene Business. Wenn dann noch der Mann voll dahintersteht (und auch selbständig ist) und die Oma ab und zu einspringt, steht das Kartenhaus.

Eva: Gute Frage! (lacht) Das ist natürlich nicht immer so planbar, weil gerade das Familienleben oft unvorhersehbar ist. Plötzlich ein krankes Kind und die Planung steht Kopf. Aber die Berufswelt ist inzwischen schon so weit entwickelt, dass größtenteils Verständnis besteht. In beide Richtungen. Dafür arbeiten wir dann auch mal zu Zeiten, wenn angestellte Mitarbeiter Feierabend haben.

Was waren wichtige Learnings seit eurem Start?

Birgit: Begriffe wie H2, Keywords, A+ Content, Theme konnte ich noch vor wenigen Wochen in keinen Zusammenhang bringen. Auch, dass die Online -Welt anders funktioniert, ist uns klar geworden. Aber natürlich auch über unsere Produkte haben wir sehr viel gelernt. Wann erfolgt welche Ernte und warum schmeckt eine Dattel mit einer Walnuss noch mal besser als jedes Einzelteil?!

Eva: In meinen vorherigen Tätigkeiten bin ich lange nicht so tief in die Aufgabengebiete eingestiegen. Durch unsere Selbständigkeit beschäftigt man sich auch mit ganz neuen Herausforderungen, wie beispielsweise die Auswahl eines geeigneten Shopsystems oder die Gesetzmäßigkeiten als Amazon-Seller. Dank der wertvollen Daten, die wir von Dorothea und Jalalledin erhalten, haben wir aber auch einen ganz großen Schatz bekommen und arbeiten intensiv an dem Wissenstransfer und Produkt-Knowhow. Manchmal sind es aber auch Erkenntnisse, dass man zunächst auch Kompromisse machen muss und zum Beispiel für technische Veränderungen Geduld benötigt (lacht).

Was bringt ihr an neuen Ideen mit?

Birgit: Die Nuss-Trockenfrucht-Mischungen sind wichtige Produkte bei Jalall D'or. Im Februar fahren wir auf die Biofachmesse und wollen neue Leckereien für unsere Kunden einkaufen. Auch eine Produktgruppenerweiterung können wir uns vorstellen. Trockenfrüchte und Nüsse sind ein sehr wertschätzendes Geschenk, auch hier wollen wir das Sortiment ausbauen. Eine Idee ist der Einbau einer Abofunktion, damit immer wieder „von allein“ Nachschub ins Haus kommt.

Eva: Zunächst haben Dorothea und Jalalledin eine fantastische Arbeit gemacht und wir sind sehr dankbar, dass wir einen Teil Ihres Lebenswerkes weiterführen dürfen. Natürlich denken wir gleichzeitig über weitere Produktergänzungen nach und wollen vor allem das Thema "Geschenke" noch weiter bewerben. Wir denken, dass in diesem Bereich noch jede Menge Potenzial steckt, denn unsere Produkte eignen sich hervorragend als besondere Präsente zu den unterschiedlichsten Anlässen.

Was sind eure kommenenden Vorhaben run um Jalall D'or?

Birgit: Wir sind in den letzten Wochen und Monaten zu Nuss- und Trockenfrüchtespezialisten geworden. Wir möchten insbesondere den Unterschied in der Qualität darstellen. Dazu gibt es viel Wissen in kleinen Videos!

Eva: Wir planen jede Menge großartige Aktionen für unsere Kunden. Sie können sich neben Gratisproben auf Rabattaktionen und spannende Informationen rund um unsere Produkte freuen.
Gerne dürfen unsere Leser unseren Onlineshop direkt durchstöbern! Dafür verschenken wir einen Gutschein im Wert von 5 EUR. Einfach am Ende der Bestellung den Code NUSSUNDFRUCHT eingeben. Gültig ist er bis 31.01.2020, einmalig pro Person und Bestellung ab einem Mindestwert von 25 EUR einlösbar. Viel Freude beim Stöbern!

Und last but not least: Was ratet ihr anderen Gründerinnen und Gründern aus eigener Erfahrung?

Birgit: Aus eigener Erfahrung rate ich Gründern, vernetzt euch und nutzt bestehende Netzwerke jeder Art, an vielen Stellen warten wertvolle Tipps in den Gesprächen/Treffen. Und auch Durchhalten und Dranbleiben ist ein Tipp, keine Gründung – und das kann ich nach zwei Gründungen sicher sagen – geht ohne starte Zeiteinbindung und persönlichen Aufwand, aber am Ende wird es gut, spätestens nach einem Jahr muss das Schlimmste vorbei sein (so zumindest mein Plan).

Eva: Ich denke Gründerinnen und Gründer sollten keine Angst vor Entscheidungen haben. Gerade am Anfang gilt es viele Weichen zu stellen, da kann ein ausgeprägter Perfektionismus schon mal hinderlich sein. Zudem gibt es eigentlich für jede Fragestellung kompetente Menschen, die einem professionell und gern zur Seite stehen. Es werden zudem auch tolle Förderprogramme angeboten und man kann von Netzwerkern und Netzwerkerinnen auch jede Menge kostenlose Tipps bekommen. Super ist, wenn man sein konkretes Ziel im Auge behält und dieses stets mit Leidenschaft verfolgt, auch wenn der Weg hin und wieder steinig ist.

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Gründer*in der Woche: SIRPLUS – Überlebenskampf im Food-Outlet-Markt

Während der millionenschwere Rivale Motatos aus Deutschland flieht, schreibt ein einstiger Sanierungsfall plötzlich schwarze Zahlen. Wie unser(e) Gründer*in der Woche – das Berliner Social Business SIRPLUS von Raphael Fellmer – vom gehypten Start-up zum krisenerprobten Mittelständler reifte.

Das Berliner Social Business SIRPLUS hat bewegte Jahre hinter sich. Nach einer überstandenen Insolvenz 2024 erfindet sich das ehemalige Vorzeige-Start-up um Gründer Raphael Fellmer aktuell neu – und setzt auf Community statt auf klassisches VC-Kapital. Mitten in diese Konsolidierungsphase platzt im April 2026 der Deutschland-Rückzug des Konkurrenten Motatos. Ein Lehrstück über die harten Grenzen des Skalierens und den schmerzhaften Weg vom gehypten Start-up zum krisenerprobten Mittelständler.

Paradoxon im Food-Markt: Der Sanierungsfall überlebt den Giganten

Es ist eine Nachricht, die in der hiesigen FoodTech-Szene aktuell für ein mittelschweres Beben sorgt: Der schwedische Online-Discounter Motatos zieht sich aus Deutschland zurück. Trotz rund 300.000 aktiven Kund*innen und einem beachtlichen Jahresumsatz von über 35 Millionen Euro zieht das Unternehmen Mitte April 2026 die Reißleine. Das Deutschland-Geschäft blieb hochgradig defizitär. Die Begründung: Man wolle sich auf das profitable Wachstum in den nordischen Heimatmärkten konzentrieren. Dieser Rückzug wirft ein grelles Licht auf die strukturellen Herausforderungen des deutschen Lebensmittelmarkts. Doch während der finanzstarke Konkurrent aus dem Norden kapituliert, hält ausgerechnet das Berliner Unternehmen SIRPLUS die Stellung – ein Turnaround-Case, der erst vor Kurzem selbst am Abgrund stand.

Warum überlebt SIRPLUS dort, wo ein millionenschwerer Riese aufgibt? Gründer Raphael Fellmer macht sich keine Illusionen über das Marktumfeld. „Wir haben in Deutschland wohl einen der härtesten umkämpften Lebensmittelmärkte in der EU“, analysiert er die Lage. Dass nach dem US-Giganten Walmart nun mit Motatos der nächste Konzern den Rückzug antrete, sei bezeichnend. Die eigene Überlebensstrategie liege in den Lehren der bitteren Vergangenheit. „Wir haben bei SIRPLUS 2.0 einen so radikalen Pivot hingelegt, wie ich es nicht für möglich gehalten hätte“, betont der Gründer. Das Erfolgsrezept liege heute nicht mehr in der reinen Größe, sondern in extremer Agilität und einem strikten Fokus auf organisches Wachstum. Die Rechnung scheint aufzugehen: Auch wenn die Berliner rund 20-mal weniger Umsatz machen als der scheidende Konkurrent Motatos, schreiben sie laut Fellmer bereits schwarze Zahlen. Für 2026 kündigt er erstmals seit der Gründung mehr Einnahmen als Ausgaben an.

„Das entlastet mich persönlich sehr, weil ich seit Jahren im Dauerfunding-Modus bin.“
Raphael Fellmer über die ersten schwarzen Zahlen seit der Gründung 2017


„Wir sind nicht per Du“: Wenn Purpose auf Realität prallt

Die Geschichte von SIRPLUS ist untrennbar mit seinem prominenten Gründer verbunden. Der Klimaaktivist erlangte Bekanntheit, weil er aus Protest gegen die Wegwerfgesellschaft fünfeinhalb Jahre lang komplett ohne Geld lebte und sich durch „Containern“ ernährte. Nach dem Aufbau der Foodsharing-Initiative folgte 2017 gemeinsam mit Martin Schott die Gründung von SIRPLUS. Das Kern-Geschäftsmodell: Das Unternehmen rettet bei Produzent*innen und Großhändler*innen überschüssige Ware – etwa wegen nahendem Mindesthaltbarkeitsdatum (MHD), Überproduktionen oder Verpackungsfehlern – und verkauft diese D2C (Direct-to-Consumer) über den eigenen Online-Shop mit Rabatt an Endkund*innen.

Damals griff das Team mit diesem Konzept nach den Sternen des klassischen Start-up-Wachstums. Doch der Spagat zwischen Weltverbesserung und knallhart skalierbarem E-Commerce erwies sich als tückisch. Das zeigte sich eindrücklich im September 2019 bei einem denkwürdigen Auftritt in der TV-Show Die Höhle der Löwen. Fellmer und Schott forderten 700.000 Euro für 6 Prozent der Anteile – was einer überaus ambitionierten Firmenbewertung von fast 11,7 Millionen Euro entsprach.

Die Kombination aus Social-Impact-Rhetorik und massiver kapitalistischer Bewertung sorgte für einen beispiellosen Eklat. Investor Georg Kofler warf dem Duo „moralisierendes Schöngerede“ vor. Als die Gründer sich rechtfertigen wollten und Kofler dabei duzten, unterbrach dieser scharf mit einem Satz, der in die deutsche TV-Geschichte einging: „Wir sind nicht per Du. Unter Multimillionären ist man eine Weile per Sie.“ Das Team verließ das Studio ohne Deal. Die Investoren hatten den wunden Punkt getroffen: Ein gesellschaftliches Problem moralisch aufzuladen, heilt keine schwachen Unit Economics.

Rückblickend gibt sich Fellmer geläutert, verhehlt aber auch seine damalige Verletztheit nicht. Die Einladung zur Show habe man primär angenommen, um Reichweite für das Thema Lebensmittelverschwendung zu generieren. „Dass wir so stark kritisiert und vor allem auch persönlich angegriffen würden, hätte ich mir nicht vorstellen können“, gibt er unumwunden zu. Die völlig überzogene Firmenbewertung rechnet er heute der eigenen Naivität an: „Wir kannten uns nicht aus und waren glücklich darüber – ohne zu verstehen, dass eine zu hohe Bewertung auch hinderlich sein kann.“

Der harte Cut: Vom 90-Köpfe-Team zum Sanierungsfall

Die Kritik der Löwen sollte sich in gewisser Weise als prophetisch erweisen. Das Geschäftsmodell erfordert es, schwere, niedrigpreisige Güter aufwendig zu lagern, zu kommissionieren und per Paketdienst zu verschicken. Die Logistikkosten fraßen die Margen auf. Als Ende 2023 im ohnehin schwierigen Marktumfeld eine rettende Finanzierungsrunde platzte, musste SIRPLUS im Januar 2024 Insolvenz anmelden. Und das, obwohl das Team von ehemals rund 90 auf unter 30 Mitarbeitende Monate vor der Pleite radikal eingedampft wurde. Die verlustreichen stationären „Rettermärkte“ gehörten schon zwei Jahre zuvor der Vergangenheit an. Im Mai 2024 gelang zwar die Rettung durch drei Viertel der Bestandsinvestor*innen, doch der Preis war hoch: Aus dem einstigen Hyper-Wachstums-Narrativ wurde ein harter Überlebenskampf. SIRPLUS wurde zeitweise vom gehypten Start-up zum Sanierungsfall.

„Es war sehr hart, nach sieben Jahren Kampf anzuerkennen, dass wir es einfach nicht geschafft haben, wirtschaftlich zu werden.“
Raphael Fellmer über den Tiefpunkt vor dem Neustart


Der personelle Aderlass ging an die Substanz. Zwischenzeitlich kämpfte der Gründer praktisch allein, mit seinem Bruder als einzigem Mitarbeiter. Dennoch sei sein Wille ungebrochen gewesen. Den operativen Neustart nach der Pleite diktierte der Rotstift: „Leane Struktur ohne Obst und Gemüse, keine bezahlte Werbung, sondern organisches Wachstum, kein Büro, sondern Remote-Only“, summiert Fellmer die harten Schnitte. Statt teurer Bezahldeals stütze man sich heute auf langfristige Partnerschaften.

Der radikale Pivot: Community statt teurer Klicks

Aktuell ist SIRPLUS Teil der neuen YouTube-Show The Green Deal, ein Format, das gezielt die Abkehr vom rein kapitalgetriebenen Skalieren propagiert. Der neue Hebel für SIRPLUS: Reichweite, Community-Building und Creator-Beteiligungen. Die betriebswirtschaftliche Logik dahinter ist zwingend: Wenn hohe Customer Acquisition Costs (CAC) im klassischen Performance-Marketing das ohnehin margenschwache Modell ruinieren, muss die Kundenakquise organisch erfolgen. Durch die enge Bindung an Influencer und eine wertegetriebene Community sollen treue Käufer*innenschichten aufgebaut werden.

Dass dieses Konzept mehr als nur eine Notlösung für fehlendes VC-Geld ist, belegen harte Zahlen. Fellmer beziffert die aktuellen Customer Acquisition Costs stolz auf „unter 5 Euro“. Dieser Wert sei sieben- bis zehnmal besser als noch zu Zeiten von SIRPLUS 1.0. Auf klassische Bezahlkooperationen verzichtet das Start-up mittlerweile völlig; man vergütet rein über Umsatzbeteiligungen oder gespendete Schulmahlzeiten. „Wir suchen weiter nach authentischen Partnerschaften mit Menschen mit Reichweite, die sich für eine Welt einsetzen wollen, in der alle genügend zu essen haben“, skizziert Fellmer sein Anforderungsprofil an Creator. Die Strategie trägt Früchte: Von Q1 2025 auf Q1 2026 verzeichnete das Unternehmen laut Gründer ein Wachstum von 100 Prozent.

Die SIRPLUS-Formel: Drei harte Lektionen für Social Start-ups

Warum widmen wir uns bei StartingUp einem neunjährigen Unternehmen, das streng genommen längst kein Start-up mehr ist? Weil junge Gründer*innen aus exakt dieser Transformation unbezahlbare Lehren für die eigene Frühphase ziehen können:

  1. Purpose ersetzt keine Unit Economics: Der Fall SIRPLUS demonstriert schonungslos, dass selbst die stärkste gesellschaftliche Mission eine fehlerhafte betriebswirtschaftliche Basis (hohe Logistikkosten bei niedrigen Warenkörben) nicht dauerhaft kompensieren kann. Wer heute ein Social Start-up gründet, muss seine Margen noch rigoroser verteidigen als traditionelle E-Commerce-Modelle.
  2. Die Grenzen des VC-Modells erkennen: Nicht jedes Geschäftsmodell eignet sich für Venture Capital. Die Entwicklung von SIRPLUS und der aktuelle Motatos-Exit zeigen, dass der Food-Outlet-Markt extrem schwer zu skalieren ist. Junge Start-ups lernen hier, alternative Wachstumswege frühzeitig in Betracht zu ziehen, bevor sie sich in eine gefährliche VC-Abhängigkeit begeben.
  3. Resilienz als Kernkompetenz: Dass Raphael Fellmer das Tal der Tränen durchschritten hat und sich dem Markt nach einer Insolvenz mit angepasstem Modell neu stellt, ist ein Meisterkurs in Pivotierung und unternehmerischer Widerstandskraft.

Die Konkurrenzsituation hat sich durch den Motatos-Exit nun paradoxerweise entspannt. Ob die Gleichung „Reichweite statt Performance-Marketing“ am Ende aufgeht, wird eine der spannendsten Case Studies der aktuellen Wirtschaftsszene – und ein wertvoller Blueprint für die Start-ups von morgen.

Fellmer selbst zeigt sich für die Zukunft demütig, aber siegessicher. Auf dem Weg zur Profitabilität habe man zwar fast 10 Millionen Euro an Funding benötigt und schmerzhaftes Lehrgeld gezahlt, doch „das Dranbleiben, Neudenken und nicht Aufgeben hat sich gelohnt“. Für 2026 verspricht der Gründer erstmals ein nachhaltig profitables Gesamtjahr. Neben der rein wirtschaftlichen Stabilität hat der passionierte Kämpfer gegen Food Waste inzwischen aber auch einen „ganz profanen“ Meilenstein im Visier: „Für mich persönlich ist dieses Jahr ein echter mehrwöchiger Urlaub nach 14 Jahren des Fast-Durch-Arbeitens ein wichtiges Ziel.“

Energie-Betriebssystem fürs Mehrfamilienhaus: Berliner Start-up VREY sichert sich 3,3 Millionen Euro Seed-Kapital

Das Climate-Tech-Start-up VREY sammelt eine Millionenfinanzierung ein, um sich als zentrales „EnergyOS“ für Vermieter*innen zu etablieren. Doch der Markt ist umkämpft und hält operative Tücken bereit.

VREY (rechtlich firmierend unter RE Joule GmbH ) hat den Abschluss einer Seed-Finanzierungsrunde in Höhe von 3,3 Millionen Euro bekannt gegeben. Angeführt wird die Runde von Rubio Impact Ventures. Als weitere Investor*innen steigen der High-Tech Gründerfonds (HTGF) sowie der Impact-Investor Kopa Ventures ein. Das frische Kapital soll in die Skalierung des aktuell rund 20-köpfigen Teams sowie in die Weiterentwicklung der eigenen Software-Plattform fließen.

Warum PV auf Mietshäusern bisher oft scheiterte

Solaranlagen auf Einfamilienhäusern sind längst ein Erfolgsmodell, doch auf Mehrfamilienhäusern galten sie lange als operativ komplex und wirtschaftlich wenig attraktiv. Der Hauptgrund: Vermieter*innen, die ihren Mieter*innen Strom vom eigenen Dach anbieten wollten, fielen beim klassischen Mieterstrom-Modell schnell in die Pflichten eines vollwertigen Energieversorgers. Sie mussten unter anderem eine Vollversorgung garantieren – also auch dann Reststrom einkaufen und liefern, wenn die Sonne nicht schien. Komplexe Abrechnungsprozesse und teure Messtechnik schreckten zusätzlich ab.

Mit der Einführung der „Gemeinschaftlichen Gebäudeversorgung“ (GGV) entfällt ein Großteil dieser Hürden, insbesondere die Notwendigkeit für Eigentümer*innen, selbst als Energieversorger*innen aufzutreten.

VREY als „EnergyOS“

Genau auf diese regulatorische Neuerung setzt VREY. Das Start-up kombiniert eine automatisierte Abrechnungssoftware mit der Zulassung als zertifizierter Messstellenbetreiber. VREY positioniert sich damit als eine Art Betriebssystem („EnergyOS“) für die Messung, Abrechnung und Steuerung von Energieflüssen im Mehrfamilienhaus.

Die Wertschöpfung ist in der Theorie für alle Parteien lukrativ:

  • Vermieter*in: Eine typische 30-kWp-Anlage auf einem Zehn-Parteien-Haus kann laut VREY rund 5.500 Euro an zusätzlichen jährlichen Einnahmen generieren.
  • Mieter*in: Bewohner*innen können ihren Strom bis zu 20 Prozent günstiger beziehen, was laut Unternehmensangaben jährlichen Einsparungen von etwa 120 bis 250 Euro entspricht.

Hohes Tempo seit Gründung

Gegründet wurde VREY im Jahr 2024 von Julius Pahmeier und Cedric Jaeger. Das Tempo des Gründerduos ist beachtlich: Laut Unternehmensangaben hat VREY bereits eine dreistellige Anzahl von Projekten in allen 16 Bundesländern umgesetzt. Die Kundschaft reicht von privaten Vermietern bis hin zu großen Immobilienunternehmen und Wohnungsbaugenossenschaften.

Flaschenhälse und Konkurrenzkampf

Der adressierbare Markt für VREY ist mit über 20 Millionen potenziellen Wohneinheiten in Deutschland enorm. Doch das Start-up bewegt sich keinesfalls im luftleeren Raum.

Der Wettbewerb: Die Marktchancen der GGV haben auch andere Player erkannt. Etabliertere Lösungsanbieter wie Einhundert Energie, Metergrid, Pionierkraft oder das zu Enviria gehörende prosumergy adressieren den Markt für dezentrale Energieversorgung teils seit Jahren mit eigenen Hard- oder Softwarelösungen. VREY muss in der Praxis beweisen, dass die eigene Plattform-Architektur der Konkurrenz langfristig überlegen ist.

Operative Hürden: Obwohl die gesetzlichen Rahmenbedingungen verbessert wurden, ist die Umsetzung oft steinig. Branchenverbände wie die Deutsche Gesellschaft für Sonnenenergie (DGS) kritisieren, dass die Umsetzung der GGV in Deutschland derzeit vielerorts an strukturellen Blockaden der klassischen, grundzuständigen Messstellenbetreiber scheitert. Es kommt zu Verzögerungen beim zwingend notwendigen Einbau intelligenter Messsysteme (Smart Meter).

VREY umgeht diesen Flaschenhals clever, indem das Unternehmen selbst als zertifizierter Messstellenbetreiber agiert und sich so autark von lokalen Netzbetreiber*innen macht. Dennoch bleibt eine zweite operative Hürde bestehen: Die Installation der Anlagen. Hier verlässt sich VREY auf lokale, frei wählbare Installationsbetriebe. Das Wachstum des Start-ups korreliert somit unweigerlich mit den Kapazitäten und dem anhaltenden Fachkräftemangel im deutschen Handwerk.

Fazit

VREY zeigt, wie Start-ups durch neue regulatorische Rahmenbedingungen Märkte erschließen können, die vorher als unprofitabel galten. Die Kombination aus Software-Abrechnung und der Lizenz als eigener Messstellenbetreiber ist ein starker USP, um bürokratische Trägheit zu umschiffen. Mit der soliden Seed-Finanzierung im Rücken hat das Team nun den nötigen Spielraum, um im Kampf um die deutschen Mietshaus-Dächer eine entscheidende Rolle einzunehmen – sofern die Koordination mit dem Handwerk reibungslos skaliert.

Spritgeld für den Start-up-Motor: PR-Stunt oder genialer Dealflow-Generator? Der neue „GründerTank“ von Christopher Obereder im Check

Reisekosten, Tankrechnungen und Bahntickets sind für junge Bootstrapping-Start-ups oft schmerzhafte Posten. Der Münchner Investor und Ex-Silicon-Valley-Macher Christopher Obereder will mit einer neuen privaten Initiative für Start-ups in Deutschland genau hier ansetzen. Ein Gesamtbudget von bis zu 100.000 Euro steht für betriebliche Mobilitätskosten bereit. Doch hinter der pragmatischen Fördermittel-Story verbirgt sich ein überaus cleveres Geschäftsmodell zur Startup-Akquise. Eine Einordnung.

Wer den GründerTank verstehen will, muss zunächst auf seinen Initiator blicken. Christopher Obereder, in der Szene oft schlicht Startup-Chris genannt, ist kein Unbekannter. Bereits 2017 landete er als 26-Jähriger auf der renommierten „Forbes 30 Under 30“-Liste. Im Silicon Valley erarbeitete er sich einen Ruf als Experte für virales Marketing. Mit Exits und Engagements bei Hit-Apps wie Tellonym baute er sich finanzielles Gewicht auf. Durch medienwirksame Formate, wie die von ihm initiierte Bayern 3 Startup Challenge, brachte er das Thema Start-up-Finanzierung einem breiten Publikum nahe. Heute leitet er von Taufkirchen aus die Start-up-Chris Ventures GmbH und investiert gezielt in junge Tech-Unternehmen.

Spritgeld statt Folien-Bingo

Mit dem GründerTank, der von Unicorn AI unterstützt wird, ruft Obereder nun eine konkrete Mobilitätsförderung ins Leben. Der Fokus liegt dabei nicht auf schönen Präsentationen, sondern auf der harten operativen Realität. Unterstützt werden können je nach Einzelfall unter anderem Kraftstoffkosten für geschäftliche Fahrten, ÖPNV-Tickets, Carsharing oder Reisen zu Messen und Investoren.

Obereders Argumentation ist bestechend pragmatisch: „Wir tanken nicht nur Autos. Wir helfen Gründerinnen und Gründern, in Bewegung zu bleiben“, erklärt der Investor. „Viele Programme sprechen über Innovation. Mich interessiert, ob Gründer wirklich unterwegs sind, Kunden treffen, Feedback einsammeln und Momentum aufbauen. [...] Wenn Bewegung im Alltag ein echter Hebel ist, soll sie nicht an ein paar Rechnungen scheitern.“

Erstes gefördertes Start-up dieser Initiative ist Kluuu, eine innovative Lernplattform, die es Studierenden ermöglicht, ihren Lernstoff in interaktive Quizze umzuwandeln. Deren Vertreter Leon Sean Brown bestätigt den Schmerzpunkt vieler Start-ups: „Die Tankpreise sind hoch, operative Wege kosten Zeit und Geld, und genau dort entsteht oft der nächste Wachstumsschritt.“ Gerade in der frühen Phase zähle jeder Euro.

Der wahre Motor: Dealflow zum Discount-Tarif

Liest man die Ankündigung, wirkt das Projekt sehr wohlwollend. Doch bei genauerer Betrachtung erweist sich der GründerTank als strategisches Meisterstück der Dealflow-Generierung für Obereders Investmentvehikel.

  1. Geringer Kapitaleinsatz, maximaler Einblick: Die ausgelobten 100.000 Euro sind ein Gesamtbudget. Im Gegenzug für die Chance auf die Übernahme von Zugtickets oder Tankrechnungen reichen unzählige Start-ups ihre Unterlagen und Traktionsdaten ein. Für einen professionellen Investor ist dies ein unschlagbar kostengünstiger Weg, um an hochqualitative, topaktuelle Unternehmensdaten der umtriebigsten Frühphasen-Gründer*innen des Landes zu gelangen. Reguläre Venture-Capital-Fonds geben für das Scouting ein Vielfaches dieses Budgets aus.
  2. Skalierung durch künstliche Intelligenz: Die Flut an Bewerbungen wird nicht mühsam per Hand sortiert. Die eingereichten Unterlagen werden zunächst KI-gestützt vorbewertet. Die KI dient ausschließlich der Vorbewertung und Priorisierung, bevor am Ende Menschen die finale Auswahl treffen.
  3. Exzellentes PR-Narrativ: Die Story positioniert Obereder als echten „Hands-on“-Macher und adressiert ein spürbares Problem. Ein Rechtsanspruch auf Teilnahme oder Förderung besteht dabei ausdrücklich nicht, weshalb das finanzielle Risiko für den Initiator absolut gedeckelt ist.

Fazit: Mitfahren, aber smart

Sollten junge Unternehmerinnen und Unternehmer beim GründerTank mitmachen? Die Antwort lautet: Ja, aber mit strategischem Bewusstsein. Für Bootstrapping-Teams bietet das Programm eine unkomplizierte Hilfe. Wer den Zuschlag erhält, gewinnt nicht nur finanzielle Beinfreiheit, sondern landet unweigerlich auf dem Radar eines bestens vernetzten Investors.

Gründer*innen müssen sich jedoch des Tauschgeschäfts bewusst sein: Sie gewähren tiefe Einblicke in ihr Geschäftsmodell, um im Gegenzug potenziell Mobilitätskosten erstattet zu bekommen. Man sollte das Programm daher weniger als reine Spendenaktion betrachten, sondern vielmehr als das, was es im Kern ist: Einer der innovativsten und kosteneffizientesten Start-up-Scouting-Funnel der aktuellen Szene.

11 Mio. USD für VisioLab: Stürzt ein Osnabrücker Start-up die Kassen-Dinos?

Das Start-up VisioLab der Gründer an Tim Niekamp und Iwo Gernemann hat den Kassen-Dinos den Kampf angesagt, in dem es den Checkout in Mensen und Arenen durch simple iPad-KI automatisiert.

In der Systemgastronomie, in Mensen und Stadien ist der größte Engpass oft nicht die Küche, sondern die Kasse. Das Osnabrücker Start-up VisioLab adressiert dieses Problem mit künstlicher Intelligenz und verwandelt handelsübliche iPads in voll funktionsfähige Self-Checkout-Systeme. Für die weitere globale Skalierung hat das Unternehmen nun eine Series-A-Finanzierung in Höhe von 11 Millionen US-Dollar abgeschlossen. Angeführt wird die Runde von eCAPITAL Entrepreneurial Partners und Simon Capital, unterstützt von bestehenden Investor*innen wie dem High-Tech Gründerfonds, APX, dem Family Office zwei.7 und Business Angels wie Jens Ohr. Doch wie robust ist dieses scheinbar simple Geschäftsmodell im hart umkämpften Markt der Kassenautomatisierung wirklich?

Aus der Mensa in die NBA: Die Köpfe hinter dem Kassen-Killer

Gegründet wurde VisioLab im Jahr 2019 in Osnabrück von CEO Tim Niekamp und President & COO Iwo Gernemann. Die Idee entsprang einem stark spürbaren Schmerzpunkt in der Gastronomie: Zur Mittagszeit oder in der Halbzeitpause stauen sich die Gäste, während herkömmliche Kassensysteme oft im fünfstelligen Preisbereich liegen und aufwendig geschultes Personal erfordern. Zudem verschärft der chronische Personalmangel in der Foodservice-Branche die Lage massiv.

Die Vision der Gründer war von Beginn an, den Checkout-Prozess durch KI so drastisch zu vereinfachen, dass die zugrundeliegende Technologie im Betrieb kaum noch als solche wahrgenommen wird. Mit einem aktuellen Team von rund 25 Mitarbeitern an den Standorten Osnabrück und Boston haben Niekamp und Gernemann das System iterativ zur Marktreife geführt und internationalisiert. Das frische Kapital soll nun genutzt werden, um das Team auf etwa 40 Mitarbeiter auszubauen – gezielt verstärkt durch ehemalige Führungskräfte von Klarna, SumUp und Google.

Ein iPad als Kassensystem: Geniestreich oder Achillesferse?

Die technische Umsetzung besticht durch Hardware-Minimalismus. VisioLab eliminiert teure, proprietäre Scanner-Kassen und setzt stattdessen auf ein Apple iPad samt Kamera, kombiniert mit einem kompakten Bluetooth-Bezahlterminal und der eigenen KI-App. Die KI erkennt Speisen und Getränke auf dem Tablett in Echtzeit – unabhängig davon, ob diese verpackt oder lose sind. VisioLab vertreibt dieses Setup als "Plug-and-Play"-Lösung direkt als E-Commerce-Produkt über einen Online-Shop. Ein einziges Foto genügt laut Unternehmensangaben, um der KI ein neues Produkt beizubringen, wodurch das System in weniger als fünf Minuten startklar sein soll.

Die fundamentalen Zahlen belegen, dass diese Strategie derzeit voll aufgeht:

  • Transaktionen: Weltweit verarbeiten rund 500 Installationen etwa eine Million Transaktionen im Monat.
  • Gesamtvolumen: Das kumulierte Transaktionsvolumen liegt mittlerweile bei knapp 100 Millionen US-Dollar.
  • Wirtschaftlichkeit: Im vergangenen Quartal verzeichnete das Unternehmen erstmals einen positiven Cashflow.

Kritisch hinterfragt

Der Verzicht auf stark spezialisierte Hardware ist ein zweischneidiges Schwert. Einerseits ermöglicht es VisioLab eine enorme Vertriebsgeschwindigkeit ohne große Hardware-Vorfinanzierungen und langwierige Installationen. Andererseits ist die rein kamerabasierte 2D-Erkennung auf einem handelsüblichen Tablet potenziell anfällig für komplexe Lichtverhältnisse oder optisch nahezu identische Gerichte. Zudem begibt sich das Start-up in eine absolute Abhängigkeit vom Apple-Ökosystem. Das Geschäftsmodell erfordert eine konstante technologische Weiterentwicklung, um die "Churn-Rate" (Kund*innenabwanderung) gering zu halten, da die Wechselkosten für Gastronom*innen bei einer reinen iPad-Lösung verhältnismäßig niedrig sind.

Der Kampf um die Food-Erkennung

Der globale Markt für "AI Food Recognition" und Self-Checkout erlebt derzeit einen massiven Schub. VisioLab hat sich in diesem Umfeld geschickt in lukrativen, hochfrequentierten Nischen positioniert:

  • Sport & Entertainment: In den USA stattet VisioLab beispielsweise die Arena des NBA-Teams Orlando Magic mit 43 Systemen aus und deckt damit fast das gesamte Stadion ab. Weitere Kunden sind die NFL-Teams Atlanta Falcons und Carolina Panthers sowie der Fußballclub Inter Miami.
  • Bildung & Corporate: Etwa jeder dritte deutsche Uni-Campus nutzt die Technologie über die Studierendenwerke. Hinzu kommen Betriebskantinen von DAX-Konzernen und Kooperationen mit globalen Caterern wie der Compass Group und Aramark.

Allerdings agiert VisioLab nicht konkurrenzlos. Der Wettbewerb ist technologisch divers und hochkapitalisiert. Das US-Start-up Mashgin gilt als einer der härtesten globalen Konkurrenten. Im Gegensatz zu VisioLab setzt Mashgin auf spezielle Kiosk-Terminals mit multiplen 3D-Kameras. Das erhöht zwar die Hardwarekosten und den Installationsaufwand drastisch, verspricht aber eine extrem hohe Erkennungsgenauigkeit selbst bei chaotischen Objektanordnungen. Auch auf dem Heimatmarkt gibt es mit Start-ups wie auvisus ("VisionCheckout") starke Wettbewerber*innen, die ebenfalls KI-Bilderkennung für Betriebsrestaurants und Kantinen anbieten.

Fazit: Hyperwachstum mit Haken

Für die Start-up-Szene liefert VisioLab ein beeindruckendes Beispiel dafür, wie kluges "Go-to-Market"-Design aussieht. Anstatt den kapitalintensiven Weg proprietärer Hardware-Entwicklung zu gehen, nutzt das Team Standard-Consumer-Hardware und fokussiert die gesamte Wertschöpfung auf die smarte KI-Software am Endgerät.

Diese agile Entscheidung ermöglicht das derzeitige Hyperwachstum: Das US-Geschäft steuert bereits rund 50 Prozent zum Umsatz bei und wächst jährlich um über 1.000 Prozent. Mit dem frischen Kapital, dem Ausbau des US-Standorts durch Co-Founder Iwo Gernemann sowie der gezielten Expansion nach Australien, Neuseeland, Österreich, Großbritannien und in die Niederlande stellt VisioLab die Weichen auf globale Skalierung.

Ob das Osnabrücker Start-up langfristig gegen bestens finanzierte US-Giganten und 3D-Kamera-Spezialisten bestehen kann, wird sich an der Robustheit der Software im massenhaften Dauerbetrieb zeigen. Gelingt es VisioLab, durch kontinuierliches KI-Training seinen Genauigkeits- und "Plug-and-Play"-Vorteil auszubauen, hat das Team hervorragende Chancen, den Checkout-Prozess in der Systemgastronomie dauerhaft zu dominieren.

Brainjo: 2-Mio-EUR-Spritze für die Therapie-Brille

Lange Wartelisten und ein überlastetes Gesundheitssystem: Das Regensburger Start-up brainjo will die Lücken in der klassischen Psychotherapie mit Virtual Reality (VR) schließen.

Das Digital-Health-Start-up brainjo hat erfolgreich eine Seed-Finanzierung in Höhe von zwei Millionen Euro abgeschlossen. Angeführt wird die Finanzierungsrunde vom High-Tech Gründerfonds (HTGF). Zu den weiteren Geldgebern gehören die MEDICE Health Family als strategischer Partner sowie Business Angels, darunter der Regensburger Investor Andreas Weinhut und der Münchner VC better ventures. Mit dem frischen Kapital finanziert das Unternehmen den Start einer klinischen Studie und treibt die Zulassung seiner ersten digitalen Gesundheitsanwendung (DiGA) voran.

Von der Studenten-Idee zum Digital-Health-Start-up

Hinter brainjo steht ein zehnköpfiges, interdisziplinäres Team, das Expertise aus den Bereichen Technologie, Psychologie und Gesundheit vereint. Gegründet wurde die brainjo GmbH im Jahr 2022 mit Sitz in Regensburg. Die Wurzeln des Unternehmens liegen in einem Ausgründungsprojekt der Ostbayerischen Technischen Hochschule (OTH) Regensburg. Die Gründer – allen voran Christian Gnerlich, Alexander Pilling und Constantin Demigha – begannen bereits 2021 in der lokalen TechBase mit der Vision, Gehirntraining durch Virtual Reality greifbar zu machen.

Was als Projekt für generelle "Mental Fitness" startete, hat sich mittlerweile zu einem klinisch fundierten Ansatz im Bereich Digital Health weiterentwickelt. Heute lenken Markus Wensauer (Co-Founder und CEO) und Christian Gnerlich das operative Geschäft, während Alexander Pilling die VR-Entwicklung verantwortet.

Das Produkt: Psychotherapie im Gaming-Gewand

Brainjo entwickelt VR-basierte DiGAs für die Psychotherapie. Diese sollen künftig von Therapeut*innen oder Ärzt*innen verordnet und von den Krankenkassen erstattet werden. Der Ansatz des Start-ups ist es nicht, die klassische Psychotherapie zu ersetzen, sondern die teils gravierenden Versorgungslücken des Systems zu schließen. Patient*innen sollen so von zuhause aus Zugang zu einer immersiven und individualisierten Behandlungsform erhalten.

Die erste Anwendung richtet sich an Kinder mit ADHS und entsteht in direkter Kooperation mit der MEDICE Health Family. Um die oft geringe Therapiemotivation der jungen Zielgruppe zu knacken, setzt brainjo stark auf Gamification. Die Kinder tauchen per VR in virtuelle Welten ein und trainieren dort durch spielerische Elemente Alltagssituationen und kognitive Fähigkeiten. Laut HTGF-Principal Dr. Jörg Traub unterscheidet sich das Start-up genau durch diese Tiefe der Immersion von reinen Software-Lösungen, was einen klinisch relevanten Ansatz darstelle, um die Therapietreue (Adhärenz) signifikant zu steigern.

Der strategische Schachzug von MEDICE

Der Markt für Therapie auf Rezept (DiGA) ist in Deutschland stark umkämpft. Im Segment ADHS formiert sich bereits handfeste Konkurrenz:

  • Bei Erwachsenen: Im Sommer 2025 wurde mit der App ORIKO (entwickelt von Takeda und MiNDNET) die erste DiGA für erwachsene ADHS-Patient*innen in das offizielle Verzeichnis des Bundesinstituts für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) aufgenommen.
  • Im Kinder- und Jugendbereich: Mit hiToco existiert bereits ein etabliertes, Smartphone-basiertes Elterntraining für Kinder zwischen 4 und 11 Jahren (Zulassung ebenfalls Mitte 2025).

Besonders interessant: Hinter hiToco steht die medigital GmbH – eine Tochter der MEDICE Health Family. Der Einstieg von MEDICE bei brainjo ist daher mehr als nur ein finanzielles Investment. Der Pharmakonzern baut sich hier offensichtlich ein lückenloses, digitales ADHS-Ökosystem auf: hiToco für die Schulung der Eltern, brainjo für die direkte VR-Therapie der Kinder.

Unsere Einordnung

Der technologische Ansatz von brainjo ist vielversprechend und adressiert mit langen Wartelisten in der Psychotherapie ein massives gesellschaftliches Problem. Die strategische Einbettung in das MEDICE-Portfolio ist ein cleverer Hebel. Dennoch muss sich das Modell in den kommenden Jahren harten Herausforderungen stellen:

  1. Die Hardware-Hürde: Anders als eine einfache Smartphone-App erfordert die Lösung von brainjo teure VR-Brillen. Wer bezahlt die Hardware? Krankenkassen übernehmen in der Regel nur die Kosten für die reine DiGA-Nutzungslizenz. Wenn Eltern in Vorleistung gehen müssen oder ein aufwendiges Leih-System etabliert werden muss, verliert die Therapie ihren propagierten skalierbaren und einfachen Zugang.
  2. Zulassung und Zeitplan: Die Marktzulassung ist erst für 2028 geplant. Im schnelllebigen Start-up-Sektor ist das eine halbe Ewigkeit. Bis dahin muss brainjo mit den frischen zwei Millionen Euro den Betrieb sichern und vor allem die anstehende klinische Studie erfolgreich durchführen. Ohne wasserdichte Evidenzdaten platzt der Traum der BfArM-Zulassung.
  3. Akzeptanz bei Eltern und Behandler*innen: Eine immersive VR-Welt löst bei Kindern Begeisterung aus – bei Eltern potenziell Skepsis. Das Team muss pädagogisch überzeugend belegen, dass die zusätzliche „Bildschirmzeit“ unter der Brille einen rein therapeutischen Zweck erfüllt und eine ohnehin bestehende Reizüberflutung bei ADHS-Patient*innen nicht noch verstärkt.

Fazit

Brainjo verlässt die ausgetretenen Pfade der 2D-Apps und wagt sich an die hochkomplexe Schnittstelle zwischen VR-Hardware, Gaming und klinischer Therapie. Gelingt der klinische Wirksamkeitsnachweis und lässt sich die Verteilung der Hardware logistisch reibungslos organisieren, könnte das Start-up die Psychotherapie nachhaltig verändern. Bis 2028 bleibt dieses Vorhaben jedoch ein kapitalintensiver Ausdauerlauf.

Gründer*in der Woche: Pax Lupus – Mit KI und Drohnen gegen den Wolf

Wolfsbiss in Hamburg: Die Debatte brennt. Das Start-up Pax Lupus von Anna-Karina Katt und Karsten Schmiegel will Herden nun autonom mit KI und Drohnen schützen.

Die Rückkehr des Wolfes nach Deutschland erreicht eine neue Eskalationsstufe: Am 30. März 2026 kam es in einem Einkaufszentrum in Hamburg-Altona zur Bissverletzung einer Frau durch einen Wolf. Es ist der erste Vorfall dieser Art seit der Wiederansiedlung der Tiere vor fast 30 Jahren. Obwohl die betroffene Frau das Universitätsklinikum nach ambulanter Behandlung inzwischen verlassen konnte, ist die Debatte um den Umgang mit dem Raubtier voll entbrannt.

Alexander Bonde, Generalsekretär der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU), stellt in diesem Kontext klar: Aus Artenschutzperspektive sei die Rückkehr des Wolfs positiv, doch Wölfe gehören in die Natur und nicht in Städte. Für die freie Natur komme es laut Bonde nun auf wirtschaftliche und praktische Schutzmechanismen an, die ein Nebeneinander von Wild- und Nutztieren ermöglichen. Genau hier setzt das von der DBU mit der „Green Startup“-Förderung unterstützte Unternehmen Pax Lupus an.

Gründer*innen & Vision

Hinter Pax Lupus steht das Gründungsduo Anna-Karina Katt und Karsten Schmiegel. Die beiden haben sich dem Thema Herdenschutz verschrieben und entwickeln ein autonomes System zur nicht-tödlichen Abwehr von Wolfsrudeln. Ihre Motivation speist sich auch aus der Kritik an gängigen Praktiken: Laut Anna-Karina Katt seien etablierte Maßnahmen wie Zäune, Netze und Herdenschutzhunde nicht nur arbeitsintensiv, sondern teils auch umweltschädigend. Besonders die engmaschigen Kunststoffnetze seien kurzlebig und produzierten große Mengen an nicht-recyclebarem Müll. Ein weiteres Problem laut Katt: Andere Wildtiere wie Rehe oder Feldhasen verfangen sich in diesen Netzen, was nicht selten zu schweren Verletzungen oder gar zum Verenden führe.

Das Produkt: Autonome Luftabwehr statt Plastiknetz

Das von Katt und Schmiegel entwickelte Herdenschutzsystem soll völlig netzunabhängig und nach einem mehrstufigen Prinzip auf Basis künstlicher Intelligenz (KI) arbeiten. Für die Überwachung und Sensorik wird in der Mitte der Weide ein Mast aufgestellt, der mit Kameras und Sensoren ausgestattet ist und über Solarmodule mit Strom versorgt wird. Diese Sensoren überwachen Tag und Nacht einen Radius von bis zu 200 Metern und sollen erkennen, wenn sich ein Wolf nähert. Die entwickelte Technik soll dabei zuverlässig Menschen oder andere Tiere von Wölfen unterscheiden, sodass bei harmlosen Weidebesuchern kein Alarm ausgelöst wird.

Wird tatsächlich ein Wolf registriert, eskalieren die Abwehrmaßnahmen schrittweise zur Vergrämung. Aus der Basisstation steigt eine kleine Drohne auf, fliegt das Tier gezielt an und soll es durch entsprechende Manöver vertreiben. Um auch eine Echtzeit-Intervention zu ermöglichen, werden die Schäferinnen und Schäfer bei bestehender Netzabdeckung zeitgleich über den Vorfall alarmiert. Sie können die Lage dann über Kameras zusätzlich einschätzen und die Drohnen-Abwehr bei Bedarf manuell abbrechen. Laut Anna-Karina Katt vertreibt das System Wölfe nicht nur situativ: Durch wiederholte Vergrämung sollen Wölfe lernen, die Weidetiere auch langfristig zu meiden. Dies ermögliche es den Schäfer*innen, lediglich einen einfachen Grundschutz wie Weidezäune aufzustellen.

Geschäftsmodell & Marktanalyse

Pax Lupus bewegt sich in der wachsenden Nische des Agri-Tech und liefert einen innovativen Ansatz für ein hoch emotionales und drängendes Problem in der Landwirtschaft. Beim Vertrieb setzt das Start-up auf den Verkauf sowie das Leasing des Systems und bietet zudem die Übernahme der Wartung an. Die darüber hinaus geplanten „Notfall-Mieten“ bei akuten Wolfsrissen sind strategisch klug positioniert. Damit senkt Pax Lupus die Einstiegshürde für betroffene Schäfer*innen enorm und platziert das Produkt direkt dort, wo der akute Bedarf entsteht.

Der rein deutsche Markt für Wolfsschutz ist trotz stetig wachsender Population zunächst auf klassische Weidebetriebe limitiert. Um als Start-up skalieren zu können, ist die von Pax Lupus geplante Ausweitung auf andere Nutztiere wie Kühe, Pferde oder Hühner entscheidend. Das angedachte KI-Training zur Abwehr von weiteren Raubtieren wie Füchsen oder Kojoten öffnet zudem potenziell die Tür zu internationalen Märkten.

Die stärksten Wettbewerber*innen bleiben vorerst etablierte Zäune und Herdenschutzhunde. Pax Lupus muss beweisen, dass die Gesamtkosten ihres Hightech-Systems für oft margenschwache Weidebetriebe attraktiv sind. Zudem stehen Hardware-Startups immer vor physischen Hürden: Die Solartechnik und Drohnenmechanik müssen auch bei widrigem Wetter fehlerfrei funktionieren.

Fazit

Pax Lupus kombiniert auf clevere Weise Tierschutz mit moderner KI und entlastet Weidetierhalter. Gelingt es dem Startup, die Hardwarekosten wettbewerbsfähig zu halten und die Software zügig auf weitere Raubtierarten auszuweiten, könnte dieses System den Herdenschutz nachhaltig verändern. Letztlich schützt Technologie hier nicht nur das Schaf, sondern hilft laut Anna-Karina Katt auch, artenreiche Offenlandschaften wie Bergweiden, Heide und Deiche als wichtigen Bestandteil Mitteleuropas zu erhalten.

Gründer*in der Woche: Little World – Spracherwerb durch echte Begegnung

Wie Oliver Berlin mit seinem Aachener Social-Start-up Little World trotz beachtlichen Erfolgs vor der großen Herausforderung der Anschlussfinanzierung steht – und was das über ein strukturelles Defizit in unserem Fördersystem verrät.

Es ist eine dieser Geschichten, die eigentlich ein Happy End haben müssten. Die Zahlen stimmen, die gesellschaftliche Wirkung ist messbar, und die Menschen sind begeistert. Doch Oliver Berlin, Wirtschaftsingenieur und Gründer des Social-Start-ups Little World, blickt derzeit nicht auf Erfolgsstatistiken, sondern auf ein finanzielles Problem. Sein Projekt offenbart ein strukturelles Defizit in unserem Fördersystem und steht vor einer massiven Herausforderung, da eine essenzielle Förderung Ende 2025 ausgelaufen ist.

Spracherwerb durch echte Begegnung

Die Vision von Little World ist so simpel wie effektiv: Menschen, die Deutsch sprechen, treffen sich im digitalen Raum mit Menschen, die Deutsch lernen. Es geht dabei nicht um klassische Nachhilfe oder sture Grammatik, sondern um echten Austausch auf Augenhöhe über den Alltag, Hobbys und die Familie.

Auslöser für die Gründung war Berlins eigene Erfahrung während der Pandemie, als er beobachtete, wie seine Mutter täglich ältere Menschen anrief, um ihnen Gesellschaft zu leisten. Zusammen mit Tim Schupp und Sean Blundell fusionierte er 2022 diese Idee zu Little World. Der Erfolg ließ nicht lange auf sich warten. Innerhalb der ersten drei Monate nach dem Launch verzeichnete die Plattform bereits 1.000 Anmeldungen. Heute vernetzt das Start-up bundesweit rund 6.500 Menschen und vermittelt jährlich etwa 1.200 Gesprächspaare.

Wie die Community über sich hinauswächst

Dass Little World weit mehr ist als eine reine Vermittlungsmaschine, zeigt sich daran, wie sich das Angebot mittlerweile organisch aus der Community heraus weiterentwickelt. Neben den 1-zu-1-Gesprächen gibt es inzwischen auch von den Teilnehmenden selbst initiierte Gruppenformate, wie etwa den neuen Online-Buchclub.

Ins Leben gerufen wurde dieser von der 27-jährigen Varvara, die selbst erst seit Anfang 2025 als Deutschlernende auf der Plattform aktiv ist. Ihr eigenes Deutsch hat sie sich maßgeblich durch das Lesen erarbeitet. Nun gibt sie diese Leidenschaft weiter: Alle zwei Wochen treffen sich im virtuellen Lesekreis Lernende und Freiwillige, um über vorab vereinbarte Texte zu sprechen – die Bandbreite reicht von Harry Potter bis Franz Kafka. In kleinen Breakout-Rooms geht es dabei weniger um strenge Literaturkritik, sondern vielmehr darum, das freie Sprechen zu üben und eigene Erfahrungen zu teilen.

Das Paradoxon des Erfolgs: Wenn die Förderung wegbricht

Es sind genau diese Momente der Begegnung und Integration, die aktuell auf dem Spiel stehen. Denn während die Community wächst und floriert, tickt im Hintergrund die finanzielle Uhr. Eine substanzielle Förderung der Deutschen Fernsehlotterie in Höhe von 400.000 Euro, die dem Start-up zwei Jahre lang Luft zum Atmen und Wachsen gab, ist Ende 2025 ausgelaufen. Das Kernteam wurde zwar vergrößert, doch die laufenden Betriebskosten für Server, technischen Support und das Matchmaking bleiben …

Hier schnappt die Falle des deutschen Fördersystems zu. Stiftungen und staatliche Töpfe finanzieren gerne den innovativen Aufbau oder Pilotphasen. Ist ein Projekt jedoch etabliert und läuft erfolgreich, ziehen sich die Geldgeber*innen zurück. Sozialunternehmer wie Oliver Berlin verbringen infolgedessen oft mehr Zeit mit dem Schreiben von Anträgen als mit ihrer eigentlichen gesellschaftlichen Mission.

Kooperationen statt Rückzug

Trotz des immensen Drucks richtet das Team den Blick nach vorn und setzt auf eine strategische Neuausrichtung. Jüngst schloss Little World ein Bündnis mit Lern-Fair, einem Verein zur Unterstützung bildungsbenachteiligter Schüler*innen. Durch diese Zusammenarbeit sollen Ressourcen geteilt und neue Zielgruppen, wie etwa Eltern, erschlossen werden.

Zusätzlich rückt die Wirtschaft stärker in den Fokus. Das Social Start-up positioniert sich zunehmend als Tool für Unternehmen, die ihren Mitarbeitenden über Corporate Volunteering ein unkompliziertes Engagement ermöglichen wollen. Gleichzeitig können Firmen so frühzeitig Kontakt zu internationalen Talenten aufbauen. Um das Modell auf breitere Schultern zu stellen und die Struktur langfristig zu sichern, sollen neben Spenden künftig auch Stiftungen und Unternehmen eine entscheidende Rolle spielen. „Sprachvermittlung ist unser Vehikel – unser Ziel ist gesellschaftlicher Zusammenhalt“, appelliert Berlin.

Steckrübe statt Schwein: Verrano sichert sich hohe sechsstellige Finanzierung für die „Clean Label“-Revolution

Das 2023 gegründete Frankfurter Start-up Verrano hat ein neuartiges Verfahren entwickelt, das regionales Wurzelgemüse durch Reifung und Räucherung in eine pflanzliche Alternative zu Wurstersatzprodukten verwandelt.

Hinter Verrano, das Anfang 2023 in Frankurt/Main gegründet wurde, steht ein branchenerfahrenes, dreiköpfiges Gründerteam rund um Geschäftsführer Manuel Siskowski. Die Idee reifte jedoch schon lange vor der formellen Gründung. Getreu dem internen Motto „natürlich köstlich“ experimentierten die Gründer – zu denen auch Maximilian Bubenheim mit seiner Erfahrung aus der Sternegastronomie sowie Felix Linnenschmidt gehören – mehrere Jahre mit Wurzelgemüse.

Dabei wendeten sie ein Verfahren an, das in ähnlicher Form beim Reifen von klassischem Schinken zum Einsatz kommt. Nach ersten erfolgreichen Testläufen im regionalen Bio-Handel konnten bald die ersten Kund*innen mit Mengen aus der in Biebertal bei Gießen installierten Pilotanlage beliefert werden.

Handwerkstradition trifft Gemüse

Anstatt klassische Fleischersatzprodukte nachzuahmen, setzt Verrano auf die handwerkliche Veredelung. Regionale Rohstoffe wie Steckrübe, Sellerie und Rote Beete werden einem speziellen Fermentations- und Räucherverfahren unterzogen. Das Endprodukt zeichnet sich durch einen enormen Gemüseanteil von rund 95 Prozent aus und kommt mit nur wenigen Zutaten aus, ohne künstliche Zusatzstoffe zu verwenden. Das Ergebnis soll laut Unternehmensangaben in seiner Textur und dem Geschmack an hochwertige Fleischprodukte wie Schinken erinnern. Die kulinarischen Kreationen werden bereits als dünner Aufschnitt, im Würfelmix oder am Stück in den Markt eingeführt und eignen sich flexibel als Brotbelag, zum Kochen oder für Snackplatten. Die Innovationskraft dieses Ansatzes wurde kürzlich von PETA mit dem „VEGAN AWARD 2026“ in der Kategorie „beste vegane Innovation“ ausgezeichnet.

Eine neue Kategorie jenseits der Imitation

Der Markt für pflanzliche Alternativen konsolidiert sich aktuell, während die Lebensmittelbranche verstärkt nach innovativen pflanzlichen Produkten sucht, die neue Geschmackserlebnisse erzeugen. Hier positioniert sich Verrano in der stark wachsenden Nische der „Clean Label“-Produkte. Direkte Wettbewerber*innen mit einem identischen Ansatz sind rar, da die meisten großen Player*innen weiterhin auf Extrusionsverfahren von Proteinisolaten setzen. Verrano erschafft vielmehr eine neue Kategorie: Eine pflanzliche Feinkost, die das Naturprodukt Gemüse transformiert. Dass diese Nische massentauglich ist, bewies das Start-up jüngst im Veganuary durch aufmerksamkeitsstarke Listungen deutschlandweit in den Bordbistros der Deutschen Bahn.

Die Herausforderungen am Markt

Trotz der vielversprechenden Traction und der Skalierbarkeit, die bereits mit der Pilotanlage bewiesen wurde, steht das Start-up vor großen operativen Herausforderungen, um den Start im breiten Handel zu ermöglichen. Ein Reifeprozess, der Wochen in Anspruch nimmt, bindet extrem viel Working Capital, da enorme Mengen vorproduziert und gelagert werden müssen. Zudem verhält sich Gemüse im Reifeprozess mikrobiologisch grundlegend anders als Fleisch. Die Qualitätssicherung erfordert hochpräzise Produktionsumgebungen, um die Haltbarkeit bei größeren Mengen zu garantieren. Letztlich bedarf es auch starker Aufklärungsarbeit und forcierter Vertriebsaktivitäten am Konsument*innen, um Wurzelgemüse dauerhaft als Premium-Feinkostprodukt zu etablieren.

Reale Skalierung statt VC-Hype

Genau bei diesen Herausforderungen zeigt sich die strategische Passung der aktuellen Finanzierungsrunde. Dass Verrano die bestehenden Produktionskapazitäten massiv ausweiten muss, um die ansteigende Nachfrage zu bedienen, ist der klassische Flaschenhals von Food-Start-ups. Der überwiegende Teil der eingeworbenen Mittel fließt in genau diesen Zweck. Dass die Finanzierungsrunde dabei, wie StartingUp aus Branchenkreisen erfuhr, im hohen sechsstelligen Bereich liegt, beweist die Kapitaleffizienz des Unternehmens. Anstatt reines Risikokapital in teure Eigenentwicklungen zu pumpen, setzt Verrano auf „Smart Money“.

Mit dem Maschinenbauer Weber Food Technology und der Wurst- und Schinkenmanufaktur Bedford holen sie sich zwei strategische Industrie-Schwergewichte an Bord. Verrano profitiert hier direkt von jahrzehntelanger Expertise in der mikrobiologischen Reifung sowie im industriellen High-Tech-Slicing. Zusammen mit der BMH, die als VC-Tochter der Helaba aktuell Fonds mit einem Volumen von 450 Millionen Euro verwaltet, hat das Start-up starke Partner für die anstehende Geschäftsentwicklung gewonnen. Dieses Konsortium bietet das Rüstzeug, um die Nische der veganen Boutiquen zu verlassen und den Lebensmitteleinzelhandel zu adressieren.

cuisyn schließt Finanzierungsrunde ab und startet Gastro-Roll-up im Rhein-Main-Gebiet

Das Frankfurter Start-up cuisyn hat sich frisches Kapital gesichert und übernimmt auf einen Schlag sieben Traditionsbetriebe. Nun soll das Modell auf die Individualgastronomie übertragen werden. Eine spannende Wette auf Skaleneffekte im Hintergrund – doch lässt sich der Charme eines Einzelrestaurants wirklich in ein Konzernkorsett pressen?

Das von der blueworld.group gegründete Gastronomie-Unternehmen cuisyn hat eine neue Finanzierungsrunde abgeschlossen. Als neuer strategischer Investor steigt die Beteiligungsgesellschaft Summiteer ein, die von Ex-Akasol-CEO Sven Schulz gegründet wurde und von Geschäftsführer Dominik Bär geleitet wird.

Mit dem frischen Kapital (über die Höhe wurden keine Angaben veröffentlicht) beschleunigt cuisyn seine Buy-and-Build-Strategie massiv und verkündet die Übernahme von sieben weiteren Betrieben im Rhein-Main-Gebiet. Konkret handelt es sich dabei um:

  • das IZU Asian Bistro,
  • das Hotel und Restaurant Paulaner am Dom,
  • die Oberschweinstiege,
  • die Zur Käsmühle,
  • sowie die Lokale Paulaner und Little Italy im Gebäude THE SQUAIRE.

Durch diese gezielten Zukäufe verdreifacht die Gruppe ihren Umsatz im Vergleich zum Vorjahr und plant bereits die nächste Expansionsphase in weitere deutsche Städte.

Team & Gründungshistorie

Hinter der im Jahr 2021 gegründeten Dachgesellschaft Mutti freut sich GmbH steht eine Mischung aus Serial Entrepreneuren und Gastro-Veteranen. Dr. Rigbert Fischer, der als Gründer und Geschäftsführer agiert, bringt die Blaupause für das Geschäftsmodell mit: Mit seiner blueworld.group formte er bereits das „Haus der Bäcker“ durch gezielte Nachfolgelösungen zu einer schlagkräftigen Gruppe.

Markus Langkamm steuert als weiterer Geschäftsführer die operative Branchenexpertise bei, nachdem er zuvor zahlreiche Konzepte für die renommierte Gekko Group entwickelte und führte. Ergänzt wird das Führungsteam unter anderem durch Matthias Kapaun (Process Development), ehemals Managing Director bei GO by Steffen Henssler, sowie durch die HR-Managerin Hannah Issing.

Die Front bleibt individuell, das Backend wird Systemgastro

Der Kernansatz von cuisyn ist es, erfolgreiche, individuelle Gastronomiebetriebe zu kaufen und deren Einzigartigkeit, Werte und Historie zu erhalten. Dem Gast soll im Restaurant nicht auffallen, dass er sich in einem stark systematisierten Filialbetrieb befindet.

Das Versprechen an die übernommenen Betriebe lautet, die Individualgastronomie zukunftsfähig zu machen, indem die Stärken der Systemgastronomie im Hintergrund genutzt werden. Während sich die Teams vor Ort auf die Kernkompetenzen Service und Küche fokussieren, zentralisiert und digitalisiert cuisyn die sekundären Prozesse. Dazu gehören:

  • Digitale Systeme und IT,
  • Finanzen und Controlling,
  • Marketing und Employer Branding,
  • Personalbeschaffung,
  • Qualitätsmanagement und HACCP,
  • Einkauf und Wareneinsatz.

Kritische Einordnung für das Start-up-Ökosystem

Das Vorhaben von cuisyn wirft aus operativer Sicht kritische Fragen auf, die über Erfolg oder Scheitern der Plattform entscheiden werden. Ein zentraler Punkt sind die Grenzen der Synergieeffekte: Anders als beim „Haus der Bäcker“, wo zentrale Großbäckereien standardisierte Teiglinge liefern können, sind die kulinarischen Konzepte bei cuisyn extrem heterogen. Ein asiatisches Bistro hat gänzlich andere Einkaufsbedürfnisse als ein gutbürgerliches Wirtshaus. Die versprochenen Synergien im Zentraleinkauf dürften daher bei den Rohwaren weitaus geringer ausfallen als in der klassischen Systemgastronomie. Skaleneffekte beschränken sich primär auf sekundäre Betriebsprozesse wie IT und Personalwesen.

Hinzu kommt der sogenannte „Wirt-Faktor“. Die Seele eines erfolgreichen Individualbetriebs ist oft der Gründer oder Inhaber. Ein Buy-and-Build-Modell muss beweisen, dass die emotionale Bindung der Stammgäste nicht abreißt, wenn der Fokus auf standardisierten Systemen im Hintergrund liegt. cuisyn steht vor der massiven Herausforderung, den Charakter der einzelnen Konzepte nicht zu verlieren, während nachhaltige Strukturen aufgebaut werden.

Fazit

Die Steuerung dieser Komplexität erfordert ein extrem agiles Management. Standardisierung ist der eigentliche Hebel eines Roll-ups – cuisyn muss den perfekten Balanceakt meistern, im Hintergrund effiziente Prozesse zu etablieren, ohne dass die „Front“ ihre Authentizität verliert. Gelingt es dem Team um Dr. Rigbert Fischer jedoch, diesen Beweis anzutreten, könnte cuisyn in den kommenden Jahren zu einer führenden Plattform in der deutschen Gastronomielandschaft heranwachsen.

Selbstständigen-Report 2026: Wachsender Frust in der Gründer*innen-Szene

Der neue Selbstständigen-Report 2026 zeichnet das Bild einer demoralisierten Leistungsträger*innenschicht: Immer mehr Selbständige schätzen ihre wirtschaftliche Lage als prekär ein und fühlen sich von der Politik im Stich gelassen. Doch wer steckt hinter diesen alarmierenden Zahlen, und wie ist die Lage für Gründer*innen und Start-ups strategisch einzuordnen?

Herausgegeben wird der Report als Gemeinschaftsprojekt von WISO MeinBüro und dem Verband der Gründer und Selbstständigen Deutschland e.V. (VGSD). Die aktuelle Umfrage, an der sich zwischen Mitte Dezember 2025 und Mitte Februar 2026 insgesamt 2684 Personen beteiligten, zeigt die harte Realität der Solo-Selbständigen.

Nur noch knapp 46 Prozent schätzen die Lage ihres Unternehmens als gut bis hervorragend ein. Der Report zeigt einen deutlichen Abwärtstrend: 2024 waren es noch 55 Prozent, im Jahr 2018 waren es sogar 60 Prozent. Thüringen bildet 2026 mit nur rund 37 Prozent Zufriedenheit das Schlusslicht. Nur in Brandenburg scheint sich die Lage gebessert zu haben: Dort bewerteten rund 46 Prozent der Befragten die wirtschaftliche Lage ihres Unternehmens als gut.

Rund 90 Prozent der Befragten teilten mit, dass sie sich als Selbständige überhaupt nicht bis wenig von der Politik respektiert fühlen. Rund 38 Prozent der Befragten haben in den letzten zwei Jahren darüber nachgedacht, auszuwandern. Bürokratie ist dabei der potenzielle Auswanderungsgrund Nummer eins, genannt von 41,6 Prozent der Umfrageteilnehmenden.

Ein besonderer Dorn im Auge der Unternehmer*innen ist zudem das heikle Thema Scheinselbständigkeit, dessen Dringlichkeit bei vielen Befragten noch nicht vollends angekommen zu sein scheint. Im behördlichen Prüfverfahren wird immer nur ein Auftraggebender konkret angeschaut. Dieses Statusfeststellungsverfahren birgt enorme rechtliche und finanzielle Unsicherheiten bei den Selbständigen.

Ebenso sorgt neue Gesetzgebung für Unmut: Seit dem 1. Januar 2026 gilt die Aktivrente. Rentner*innen können bis zu 2.000 Euro monatlich steuerfrei dazuverdienen, wenn sie in einem Angestellt*innenverhältnis sind. Selbständige Rentnerinnen und Rentner dagegen sind weiterhin voll steuerpflichtig. Rund 81 Prozent der Befragten finden diese Ungleichbehandlung ungerecht.

Fazit

Die Hauptmotivationen, selbständig zu sein, sind – wie auch bei den letzten beiden Befragungen – eigenbestimmtes Arbeiten und flexible Arbeitszeiten. Trotz aller Widrigkeiten würden sich mehr als 83,3 Prozent der Befragten wieder selbständig machen.
So zieht Dr. Andreas Lutz, VGSD e. V., das Fazit: „Die Ergebnisse zeigen eine Mischung aus dem für Selbstständige typischen Unternehmergeist, Resilienz und Durchhaltevermögen einerseits und einem hohen Maß an Frustration über die politischen Rahmenbedingungen andererseits. Viele Selbstständige blicken nicht optimistisch, aber sehr realistisch auf die Zukunft: Sie erkennen die Herausforderungen der Zeit, leiten Maßnahmen ab, treiben ihr Geschäft aktiv voran und tragen auch in schwierigen Zeiten Verantwortung. Dieses Potenzial für Wirtschaft und Gesellschaft muss die Politik erkennen und nutzen – und Bedingungen schaffen, die es ihnen nicht weiter unnötig schwer machen. Genau darin liegt die politische Botschaft dieses Reports.“

Der gesamte Report sowie weitere Informationen stehen hier zum kostenlosen Download bereit: https://www.meinbuero.de/selbststaendigen-report-2026/

Architektur statt Strukturgröße: Aachener Chip-Start-up INCIRT sichert sich 4,8 Mio. Euro

Das Halbleiter-Start-up INCIRT hat eine Finanzierungsrunde in Höhe von 4,8 Millionen Euro abgeschlossen. Angeführt wird die Runde vom finnischen Early-Stage-VC Lifeline Ventures, während der High-Tech Gründerfonds (HTGF) – der bereits in der Seed-Runde 2022 investierte – erneut mitzieht. Das frische Kapital soll die Industrialisierung und den Markteintritt einer neuen Generation von Hochleistungs-Datenwandlern beschleunigen, die vor allem in Satelliten, 5G/6G-Infrastruktur und KI-Rechenzentren zum Einsatz kommen sollen.

Hinter dem DeepTech-Unternehmen steht ein Team mit tiefen akademischen Wurzeln. INCIRT entstand Anfang 2022 als exist-gefördertes Spin-off der RWTH Aachen. Die promovierten Elektrotechniker Dr. Oner Hanay (CEO), Dr. Erkan Bayram und Dr. Mohamed Saeed Elsayed brachten das wissenschaftliche Fundament mit, während Sebastian Waters (CCO/CFO) die kaufmännische Seite abdeckt. Technisch beraten wird das Team durch Prof. Dr. Renato Negra. Bereits im Gründungsjahr sorgten die Aachener für Aufsehen und gewannen den renommierten "Falling Walls Venture"-Award.

Intelligenz schlägt Nanometer

Der technologische Ansatz von INCIRT zielt auf ein Kernproblem der Halbleiterindustrie ab: Dem klassischen „Moore’s Law“ folgend, wurden Leistungssteigerungen in der Vergangenheit vor allem durch immer kleinere Transistoren (mittlerweile im einstelligen Nanometer-Bereich) erkauft. Dieser Weg stößt an physikalische Grenzen und lässt die Produktionskosten explodieren.

INCIRT setzt stattdessen auf eine patentierte, stark parallelisierte Systemarchitektur für seine Analog-Digital- und Digital-Analog-Wandler. Laut Unternehmensangaben ermöglichen diese eine bis zu 100-mal schnellere Datenübertragung bei signifikant geringerem Energieverbrauch. Der entscheidende strategische Vorteil: Weil die Architektur so effizient ist, können die Chips im etablierten, weitaus günstigeren 22-Nanometer-Verfahren produziert werden – und zwar direkt in Europa. Das macht das Start-up zu einem spannenden Akteur im Bestreben der EU, digitale Souveränität aufzubauen und die Abhängigkeit von asiatischen Mega-Foundries wie TSMC zu verringern.

Zwischen IP-Lizenz und Hardware-Hürden

So vielversprechend die Technologie ist, so steinig ist der Weg zur Kommerzialisierung. Der globale Markt für Datenwandler wird von etablierten US-Giganten wie Analog Devices, Texas Instruments oder Broadcom dominiert. Diese Konzerne verfügen nicht nur über Milliardenbudgets für Forschung, sondern auch über extrem tief verwurzelte Lieferbeziehungen zu den großen Netzwerkausrüstern und der Raumfahrtindustrie.

Zudem offenbart die Hardware-Entwicklung extrem lange Validierungszyklen. Bauteile, die in den Weltraum geschossen werden, müssen jahrelange Zertifizierungen durchlaufen. CEO Oner Hanay formuliert dennoch das ambitionierte Ziel, in zehn Jahren bis zu 10.000 europäische Satelliten mit INCIRT-Technologie auszurüsten.

Hier drängt sich die kritische Frage nach dem finalen Geschäftsmodell auf: Zur Seed-Runde 2022 positionierte sich INCIRT noch primär als skalierbarer Anbieter von „IP-Lösungen“ (Intellectual Property), der reine Baupläne lizenziert. In der aktuellen Kommunikation rückt nun die physische "Chipproduktion" in den Vordergrund. Sollte INCIRT als "Fabless"-Unternehmen auftreten, das Chips auf eigene Rechnung produzieren lässt, sind 4,8 Millionen Euro in der Halbleiterindustrie kaum mehr als ein Tropfen auf den heißen Stein. Allein um die Maskenkosten (Tape-outs) und das Working Capital für Massenmärkte zu finanzieren, wird mittelfristig ein Vielfaches an Kapital oder ein starker Industrie-Partner nötig sein.

Fazit

Die neue Runde verschafft INCIRT die entscheidende "Runway", um erste Kundenprojekte zu starten und die Leistungsfähigkeit der Chips im harten Praxiseinsatz zu beweisen. Gelingt es den Aachenern, die Platzhirsche bei Leistung, Kosten und Liefersicherheit zu schlagen, könnte das Spin-off ein essenzieller Baustein der europäischen Telekommunikationszukunft werden. Bis dahin bleibt es eine klassische DeepTech-Wette: Hochriskant, extrem kapitalintensiv – aber mit immensem Hebel, falls sie aufgeht.

Start-up trifft Industrie-Giganten: Wie planqc mit BMW und Infineon die Logistik der Zukunft berechnet

Wenn ein junges Technologie-Unternehmen mit Branchenriesen und der Spitzenforschung an einem Tisch sitzt, lohnt sich ein genauerer Blick. Das Garchinger Start-up planqc zeigt im neuen Forschungsprojekt „QIAPO“, wie der Brückenschlag zwischen hochkomplexer Quantenphysik und handfesten Industrie-Herausforderungen gelingen soll.

Für Gründer*innen im DeepTech-Segment ist es oft die größte Hürde: Wie übersetzt man Grundlagenforschung in ein Produkt, das für die Industrie greifbare Probleme löst? Das Münchner Start-up planqc liefert darauf aktuell eine spannende Antwort. Gemeinsam mit der Universität des Saarlandes sowie den Konzernen BMW und Infineon arbeitet das Team an einer Lösung für eines der hartnäckigsten Probleme der Wirtschaft: die Routen- und Prozessoptimierung bei unzähligen Variablen. Dass planqc hier als Quanten-Spezialist auftritt, ist das Ergebnis eines rasanten Aufstiegs in der europäischen Tech-Szene.

planqc: Aus der Forschung in die Wirtschaft

Gegründet 2022 von den Quantenphysikern Dr. Alexander Glätzle (CEO), Dr. Sebastian Blatt (CTO) und Dr. Johannes Zeiher, ist planqc das erste Spin-off des renommierten Max-Planck-Instituts für Quantenoptik. Das Team bringt nicht nur geballtes Know-how aus Garching mit, sondern verfolgt einen technologischen Ansatz, der sich bewusst von einigen BigTech-Giganten unterscheidet.

Während viele globale Konzerne auf fehleranfällige und aufwendig auf den absoluten Nullpunkt gekühlte Systeme setzen, nutzt planqc neutrale Atome als Qubits, die durch Laserlicht in optischen Gittern festgehalten werden. Dieser Ansatz ermöglicht den Betrieb bei Raumtemperatur und verspricht eine leichtere Skalierbarkeit der Qubits. Anstatt im Labor auf den theoretisch perfekten Rechner der fernen Zukunft zu warten, wählt das junge Unternehmen einen stark anwendungsorientierten Weg.

Der schnelle Aufstieg: Millionen-Investments und Großaufträge

Wie sehr dieser pragmatische Ansatz im Markt verfängt, zeigt die jüngere Firmengeschichte. Bereits kurz nach der Gründung zog planqc staatliche Großaufträge an Land – darunter den Zuschlag für die Entwicklung eines Quantencomputers für das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR).

Der vorläufige Höhepunkt der wirtschaftlichen Skalierung folgte im Sommer 2024 mit einer Series-A-Finanzierungsrunde in Höhe von 50 Millionen Euro. Mittlerweile ist das Start-up auf rund 100 Mitarbeitende angewachsen und wurde im September 2025 mit dem renommierten Deutschen Gründerpreis in der Kategorie „StartUp“ ausgezeichnet. Das aktuelle, vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) mit 2,3 Millionen Euro geförderte Projekt „QIAPO“ fügt sich nahtlos in diese strategische Ausrichtung ein.

Das Problem: Der limitierte klassische Computer

Ob bei der Produktion von Mikrochips (Infineon) oder in den weltweiten Lieferketten der Automobilindustrie (BMW) – überall lauern logistische Herausforderungen. Klassische Computer stoßen hier an ihre Grenzen. Sie lösen extreme Optimierungsprobleme oft nur noch mit Näherungswerten und extrem langen Rechenzeiten. Bisher galt in der Industrie daher oft die Devise: Man macht das Beste aus den vorhandenen Heuristiken.

Die Lösung: Ein hybrides Teamwork der Systeme

Genau hier setzt QIAPO (Quanteninformierte approximative Optimierung auf NISQ und partiell fehlertoleranten Quantencomputern) an. Das Projektteam erprobt ein Zusammenspiel aus zwei Welten. Den Anfang macht das System von planqc: Der Quantencomputer soll mit seinen speziellen Eigenschaften den hochkomplexen „Dschungel“ des logistischen Problems massiv ausdünnen. Das Problem wird auf diese Weise quasi „kleiner gerechnet“. Sobald es entscheidend vereinfacht ist, übernehmen wieder herkömmliche Rechner und nutzen ihre in der Praxis erprobten Algorithmen, um das greifbarere Problem zu Ende zu rechnen.

„Wir demonstrieren damit bereits heute, wie sich hochkomplexe, industrierelevante Herausforderungen in Quantenalgorithmen übersetzen lassen – die schließlich auf Quantencomputern getestet werden können“, erklärt Dr. Martin Kiffner, Head of Algorithms bei planqc.
 
Der unternehmerische Pragmatismus: Warum 85 % ein Erfolg sind

Das Besondere an diesem Ansatz – und ein wichtiges Learning für B2B-Gründer*innen – ist der Fokus auf messbare industrielle Fortschritte statt auf Perfektion. Prof. Dr. Peter P. Orth von der Universität des Saarlandes, der das Projekt koordiniert, betont, dass es auch mit dieser hybriden Methode vorerst keine 100-prozentige Lösung geben wird.

Ein theoretisches Rechenbeispiel verdeutlicht jedoch das Potenzial: Wenn ein Lieferketten-Problem heute durch klassische Rechner mit 80-prozentiger Genauigkeit gelöst wird, könnte die Kombination mit Quanten-Hardware diese Genauigkeit auf 85 oder 95 Prozent anheben. Für Corporates wie BMW und Infineon bedeutet genau diese kleine Marge durch Ressourceneinsparungen bei extrem hohen Produktionsvolumina einen enormen wirtschaftlichen Hebel.

Fazit

Planqc beweist, dass Start-ups nicht zwangsläufig das allumfassende, finale Endprodukt vorweisen müssen, um für internationale Konzerne hochrelevant zu sein. Oft reicht es, mit der eigenen Spitzentechnologie präzise in eine Lücke zu stoßen, die bestehende Systeme hinterlassen – und sich über starke Industriepartnerschaften das Rüstzeug für die weitere Skalierung zu sichern.

Start-up-Ökosystem abseits der Metropolen: Wie Ostwestfalen-Lippe das Förder-Vakuum überwindet

280 Neugründungen und über 1.000 neue Arbeitsplätze: Das Förderprojekt „Exzellenz Start-up Center.OWL“ (ESC.OWL) zieht nach sechs Jahren Laufzeit eine beachtliche Schlussbilanz. Die eigentliche Nachricht für die Start-up-Szene liegt jedoch in der Zeit nach dem Förderende: Die Region verankert ihre aufgebauten Inkubator-Strukturen dauerhaft und führt die Vision einer „Startup Factory“ auch ohne finale exist-Bundesförderung fort.

Mit dem Abschluss des Jahres 2025 endete die Förderung des Projekts ESC.OWL, das die regionale Gründer*innenszene in Ostwestfalen-Lippe (OWL) seit 2019 maßgeblich geprägt hat. Rund 16 Millionen Euro flossen in dieser Zeit in das Vorhaben, innovative Geschäftsideen aus der Forschung der beteiligten Hochschulen auf den Weg zu bringen. Geleitet wurde das Konsortium vom „Center für Transfer durch Existenzgründung“ (TECUP) der Universität Paderborn, das auch die Start-up-Schmiede garage33 betreibt. Mit an Bord waren zudem die Technischen Hochschule OWL und die Hochschule Bielefeld.

Ambitionierte Ziele deutlich übertroffen

Die Initiatoren hatten sich für die sechsjährige Laufzeit hohe Ziele gesteckt – und diese letztlich deutlich übertroffen. Die Bilanz in harten Zahlen:

  • Statt der anvisierten 150 Ausgründungen entstanden aus über 700 begleiteten Gründungsvorhaben insgesamt 280 neue Start-ups.
  • Diese jungen Unternehmen schufen in OWL mehr als 1.000 neue Arbeitsplätze.
  • Mehr als 40.000 Menschen wurden für Themen rund um die Existenzgründung sensibilisiert (geplant waren 25.000).
  • Über 20.000 Teilnehmerinnen und Teilnehmer besuchten die diversen Formate, von Ideenwettbewerben über Pitch-Events bis hin zu Networking-Veranstaltungen mit Investoren und Business Angels.

B2B-Fokus: 87 Millionen Euro Wagniskapital eingeworben

Dass sich das Projekt derart dynamisch entwickelte, liegt an der spezifischen DNA der Region. Ostwestfalen-Lippe galt in der landesweiten Förderinitiative „Exzellenz Start-up Center.NRW“ als wichtiges Puzzleteil abseits der klassischen Ballungsräume. Die Region bot ideale Bedingungen für eine hochspezialisierte Art von Start-ups: Als Heimat des Spitzenclusters „Intelligente Technische Systeme“, zahlreicher Weltmarktführer und in direkter Nähe zum Fraunhofer-Institut IEM bildet OWL ein natürliches Testfeld für B2B-Geschäftsmodelle.

Diese enge Verzahnung von universitärer Forschung und etablierter Industrie ermöglichte es vielen Tech-Gründungen, rasch Pilotkunden zu finden. Wie lukrativ dieses Umfeld für Wagniskapitalgeber ist, zeigt eine aktuelle Zahl: Insgesamt warben Start-ups aus dem Ökosystem der garage33 seit 2019 über 87 Millionen Euro an Wagniskapital ein.

Ein Paradebeispiel für diesen Dealflow ist das Paderborner KI-Start-up ONE WARE. Das Team hat eine Software entwickelt, die ressourcenschonende neuronale Netze für verschiedenste Hardwareplattformen generiert. Dieser Ansatz überzeugte den Essener Technologieinvestor Cusp Capital, der das Start-up in dessen erster institutioneller Finanzierungsrunde mit 2,5 Millionen Euro ausstattete.

Verstetigung: Ein physisches Zuhause für Hardware-Gründer

Die größte Schwachstelle vieler staatlich geförderter Hubs ist oft ihr Ablaufdatum. Das ESC.OWL hat hier jedoch frühzeitig entgegengesteuert. An der Universität Paderborn wurde das TECUP offiziell als zentrale Betriebseinheit etabliert, wodurch die Unterstützungsleistungen für gründungsinteressierte Hochschulangehörige langfristig gesichert sind.

Darüber hinaus wurde der Gründer*innenszene ein neues physisches Zuhause geschaffen: Parallel zur ESC.NRW-Förderung bezog die garage33 den Neubau des Start-up Campus OWL im Paderborner Zukunftsquartier. Dieser bietet Start-ups modernste Büro- und Co-Working-Flächen sowie Raum zur Entwicklung physischer Prototypen.

„Wir gewährleisten so, dass Gründungsinteressierte auch künftig kontinuierlich und auf hohem Niveau unterstützt werden können, wenn sie ihre wissenschaftlichen Erkenntnisgewinne in tragfähige Geschäftsmodelle überführen möchten“, resümiert Prof. Dr. Sebastian Vogt, Direktor des TECUP.

Blick nach vorn: Die Vision geht unabhängig weiter

Das Projekt ESC.OWL ist formal abgeschlossen, doch die Region baut auf dem starken Fundament auf. Unter dem Namen Factory33 hatte sich das hochschulübergreifende Konsortium im prestigeträchtigen exist-Leuchtturmwettbewerb „Startup Factories“ des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie (BMWE) beworben.

Bei der finalen Prämierung der zehn bundesweiten Leuchttürme 2025 erhielten in NRW jedoch die Gateway Factory und die Factory BSA / BRYCK Startup Alliance den Zuschlag. Die Vision in Ostwestfalen-Lippe bleibt von dieser Entscheidung unberührt: Mit dem Ziel, einen international sichtbaren Hotspot für B2B-Gründungen der industriellen Transformation zu etablieren, wird das regionale Ökosystem seine Plattform nun als eigenständige und tragfähige Basis weiter vorantreiben.