Gründer der Woche: Wildling Shoes – Kinderschuhe für naturnahes Laufen

Gründer der Woche, KW 40


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Das Gummersbacher Start-up Wildling Shoes widmet sich ganz den Kinderfüßen. Die Schuhe des Ehepaars Anna und Ran Yona suggerieren durch ihren speziellen Aufbau ein Gefühl der Barfüßigkeit. Wir sprachen mit Anna Yona.

Anna-Ran-Yona


Hallo Frau Yona! Bitte erzählen Sie uns kurz, was es mit Ihren Kinderschuhen auf sich hat und wie es zu der Idee für diese besonderen Schuhe kam!

Für uns ist der Schuh kein (reines) Modeobjekt, sondern ein notwendiges Übel, da ganzjähriges Barfußlaufen für viele Kinder keine Option ist. Bei der Entwicklung unseres Schuhs stehen der Kinderfuß und der natürliche Bewegungsablauf im Mittelpunkt. Alle Eigenschaften des Schuhs, von der Passform bis zur innovativen Sohle, sind darauf ausgelegt, den Fuß und den gesamten Bewegungsapparat in seiner Form und Funktion so wenig wie möglich zu beeinflussen.

Die Idee entstand durch unseren eigenen Bedarf an besserem Schuhwerk. Unsere Kinder sind die ersten Jahre in Israel aufgewachsen – natürlich barfuß. Nach unserem Umzug nach Deutschland brauchten sie im Winter Schuhe. Mit anzusehen, wie normale Kinderschuhe ihre Bewegung verändert und die Füße eingeengt haben, war schmerzhaft. So schmerzhaft, dass wir uns daran gemacht haben, einen besseren Schuh zu entwickeln.


Hatten Sie bereits zuvor beruflich mit Schuhen zu tun?

Nein, wir sind absolute Quereinsteiger in diesem Bereich.

Als Sporttherapeut und Lauftrainer hat Ran sich aber jahrelang mit natürlichen Bewegungsabläufen beschäftigt. In seinem Laufclub hat er Erwachsenen das Laufen wieder beigebracht. Erste Lektion – Schuhe aus! Auf den Standard-Hausregeln seines Fitnessstudios war der Paragraph "Beim Training ist ordnungsgemäßes Schuhwerk zu tragen" durchgestrichen und ein dickes Schild hing daneben – "Hier darf barfuß trainiert werden" (das war so natürlich nicht mit der Versicherung abgesprochen).


Wie haben Sie die besonderen Anforderungen an einen innovativen Kinderschuh umgesetzt – woher stammt das Experten-Wissen? Was ist das Neuartige und Besondere an Ihren Schuhen?

Wir haben zunächst die Probleme konventioneller Schuhe analysiert. Dies sind einige: zu enge Passform (vor allem vorn im Zehenbereich), zu steife, dicke Sohlen, unnötige Stütz- und Polsterelemente wie Fußbett und Absatz, problematische Materialien und häufig nicht nachvollziehbare Produktionsbedingungen in Fernost.

Unser Konzept von einem besseren Kinderschuh haben wir dann mit verschiedenen Experten – Leistenbauern, Schuhdesignern und Modelleuren – Stück für Stück umgesetzt. Die Herausforderung für uns war und ist herauszufühlen, wann wir uns auf vorhandenes Wissen verlassen können, und wann wir – auch mal mit dem Kopf durch die Wand – unseren eigenen Weg finden müssen.

Herausgekommen ist ein Schuh in Fußform (das ist nicht so selbstverständlich, wie es klingt), komplett weich und flexibel, mit einer Sohle, die jede Bewegung mitmacht und einen direkten Bodenkontakt ermöglicht. Alle Stütz- und Aufpralldämpfungsfunktionen wurden eliminiert, damit der Fuß und seine Muskulatur arbeiten können. Wir verwenden Naturstoffe wie (Bio-)Baumwolle, Kautschuk, Hanf, Moos und Kork und unsere Schuhe werden unter fairen Bedingungen in Portugal hergestellt.


Wie lange hat die Entwicklung bis zur Serienfertigungsreife gedauert? Und wo werden die Schuhe produziert?

Die Entwicklung hat von der ersten Idee bis zum fertigen Prototyp fast zwei Jahre gedauert, und es wird sicherlich ständige Weiterentwicklungen und Optimierungen geben.

Hergestellt werden die Schuhe in einem alten Familienbetrieb in Portugal.


Wie haben Sie die Entwicklung und den Produktionsstart finanziert?

Die Entwicklung haben wir zu einem großen Teil aus dem Verkauf unseres Fitnessstudios in Israel finanziert. Der Rest wurde (und wird) über das KfW-Startgeld finanziert, das wir beide beantragt haben.


Für wann ist der Verkaufsstart geplant? Was ist bis dahin noch zu leisten?

Der Verkaufsstart ist für Anfang Dezember geplant, dann soll die erste Produktion an unser Lager geliefert werden. Wir werden diese erste Produktion sehr intensiv betreuen müssen, da viele Abläufe neu für uns sind. Ran fliegt dazu alle paar Wochen nach Porto, um alles im Auge behalten zu können.

Wildling-Shoes


Wo wird man die Schuhe finden? Im Fachhandel oder exklusiv im eigenen Online-Shop?

Unser Vertriebskonzept wächst und gedeiht und sieht jeden Monat wieder ein bisschen anders aus. Die erfolgreiche Crowdfunding-Kampagne gibt uns die Möglichkeit, mehr auf den Direktvertrieb zu bauen, weil wir dort nicht von Null starten. Ergänzend dazu ist ein Partnerschaftskonzept mit ausgewählten Partnern aus dem Fachhandel geplant. Das geht in die Richtung regionalisierter Onlinevertrieb. Ob sich das tatsächlich lohnt, wird sich zeigen, da das gesamte Lagerrisiko und die Produktionskosten von uns getragen werden müssen.


Wie machen Sie auf den Markteintritt Ihrer Schuhe aufmerksam?

Unsere Markteintrittskampagne war unsere Crowdfunding-Kampagne. So eine Kampagne ist ein guter Aufhänger für PR-Kontakte, aber sie ist vor allem eine Möglichkeit, die ersten Kunden mit in Entscheidungsfragen ein- und auf lange Sicht an das Produkt zu binden.


Wie sehen Ihre Pläne für die Zukunft aus? Soll es auch Schuhe für Erwachsene geben?

Vom Konzept und Herzen ist Wildling eine Kinderschuh-Marke. Wir haben noch viele Pläne für wilde Kinderfüße – z.B. weitere Modelle und eine Ausweitung des Konzepts auf Laufanfänger. Aber es soll ja auch Kinder mit größeren Füßen geben.


Und wie immer zum Schluss die Frage: Haben Sie grundsätzliche Tipps, die Sie anderen Gründern mit auf den Weg geben möchten?

1. Nehmt euch die Zeit, die es braucht, das Konzept komplett zu durchdenken. Durch die relativ lange Entwicklungsphase konnte unser Konzept wachsen und reifen. Das hat sich nachher ausgezahlt.

2. Beginnt früh mit dem Marketing. Ein häufig gehörter Tipp, aber er ist richtig. Die Zeit, während der das Konzept wächst und reift, sollte man nutzen, um seine Followergemeinde aufzubauen. Dann kann man nach Abschluss der Entwicklungsphase richtig durchstarten.

3. Finde deine Nische. Je konkreter dein USP, desto genauer die Zielgruppen-Analyse und desto geringer die Streuverluste.


Frau Yona, vielen Dank für das Interview!


Hier geht es zu Wildling Shoes

Das Interview führte Fabian Otto

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