Gründer der Woche: bookitgreen - nachhaltiger Reisen

Gründer der Woche 32/19


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Die Plattform bookitgreen, gegründet von Moritz Hintze und Phillip Fickl, ermöglicht online das einfache Suchen und Buchen nachhaltiger Urlaubsunterkünfte. Wie das funktioniert und welche Kriterien die "grünen" Gastgeber erfüllen müssen, erklärt uns Co-Gründer Moritz im Interview.

Die bookitgreen-Gründer Phillip Fickl und Moritz Hintze

Wann und Wie seid ihr auf die Idee gekommen?

Als Kind war ich jedes Jahr mit der ganzen Familie auf dem Biobauernhof Helchenhof am Bodensee im Urlaub, und hatte deshalb schon immer einen Bezug zum Thema Nachhaltigkeit. Während meinem Studium habe ich dann meinen Mitgründer Phillip kennengelernt. Wir haben gemeinsam festgestellt, wie kompliziert der Prozess ist, eine nachhaltige Ferienunterkunft online zu finden und zu buchen. Da läuft noch ganz viel über E-Mail, Telefon und eine langwierige Suche im Internet. Das passt einfach nicht mehr in unsere Zeit. Deshalb haben wir uns dazu entschieden, eine Plattform aufzubauen, die es möglich macht, nachhaltige Ferienunterkünfte online zu buchen. Mit der ersten Version sind wir dann im September 2017 online gegangen.

Was ist eure Vision vom nachhaltigen Reisen bzw. Wohnen?

Nachhaltiges Reisen sollte eine Selbstverständlichkeit sein. Es gibt immer mehr technologische Neuheiten und diese sollten wir nutzen um nachhaltiger zu agieren und gleichzeitig verstehen das Nachhaltigkeit nicht mit Verzicht einhergehen muss. Wir halten wenig davon nur noch Urlaub auf Balkonien zu machen. Dafür sammelt man viel zu viele Erfahrungen und Erlebnisse auf Reisen. Gleichzeitig sollten vorhandene, nachhaltige Alternativen aktiv genutzt und gefördert werden.

Das geht bei der Anreise los und reicht dann natürlich bis zu Unternehmungen am Urlaubsziel, die möglich sozialverträglich und umweltfreundlich gewählt werden sollten.

Was waren dann die wichtigsten Meilensteine bis vom Go live von bookitgreen?

Der erste Meilenstein war die Teilnahme am Axel Springer Plug and Play Accelerator und der anschließende Launch von bookitgreen. Mit unserer ersten Version konnten wir erste Zahlen liefern und eine Angel Finanzierungsrunde einsammeln um bookitgreen technisch immer weiterzuentwickeln. Außerdem waren wir auch noch Teil des Climate KIC Accelerator und hatten so einen ziemlich guten Start, durch den wir zeigen konnten, dass bookitgreen wirklich funktionieren kann. Wir haben erste Buchungen abgewickelt, hatten über 750 Gastgeber auf der Plattform und haben gleichzeitig versucht bookitgreen als klassischen Venture Capital Case aufzubauen. Leider sind wir daran gescheitert schnell genug zu skalieren, um dann eine neue Finanzierungsrunde aufzustellen.

Seitdem haben wir Gründer wieder Vollzeitjobs, haben noch samebutgreen als Shop für nachhaltige Reiseprodukte gelauncht und querfinanzieren so den weiteren Aufbau von bookitgreen. So geht es stetig voran und wir werden da sein, wenn der Wunsch nach nachhaltigen Reisen bei mehr Menschen angekommen ist. Quasi eine klassische Gründerstory mit allen Höhen und Tiefen die eben dazugehören.

Die meisten "grünen" Unterkünfte befinden sich in Deutschland, Österreich, Spanien, Italien, Frankreich und Portugal

Wie funktioniert bookitgreen und was unterscheidet euch von anderen „grünen“ Anbietern?

Bookitgreen ist eine klassische Buchungsplattform, das heißt man kann entweder nach Regionen oder Unterkünften filtern und dann direkt über die Seite die Unterkunft buchen. Zum Glück bekommt das Thema nachhaltiges Reisen immer mehr Aufmerksamkeit und es entstehen immer mehr Plattformen, die sich mit dem Thema befassen. Unser Alleinstellungsmerkmal ist allerdings, dass wir ganz klar die Ambition haben technisch auf ein Level mit den „klassischen Plattformen“ zu kommen und es so eben wirklich unkompliziert zu machen. Gleichzeit steht der Fokus immer auf Nachhaltigkeit und wir konzentrieren uns nicht auf eine spezifische Art von Unterkunft, sondern haben quasi jede Unterkunftsart im Angebot.  

Wie wählt ihr die Unterkünfte bzw. Gastgeber aus? Und welche Art von Unterkünften habt ihr im Portfolio?

Wir bekommen viele Bewerbungen von Gastgebern, die Teil von bookitgreen sein wollen. Wir haben drei Bereiche rund um das Thema Nachhaltigkeit entwickelt. Zum einen schauen wir uns bestehende Zertifikate auf dem Markt an und sobald eine Unterkunft ein Zertifikat in nachhaltigem Tourismus hat, stellen wir es auf unsere Seite dar. Außerdem haben wir 15 Nachhaltigkeitskriterien entwickelt und abhängig davon wie viele die Unterkunft erfüllt, bekommt sie ein bis fünf grüne Blätter. Das ist ein einfacher Indikator für den Gast um zu sehen wie nachhaltig die Unterkunft ist. Als letzten und dritten Bereich, haben die Gäste nach ihrem Aufenthalt die Möglichkeit die Unterkunft in Bezug auf ihre Nachhaltigkeit zu bewerten. Wir versuchen so ein holistisches Bild rund ums Thema Nachhaltigkeit darzustellen. Unsere Gastgeberzahl wächst stetig und reicht vom Biobauernhof über Biohotels, Ferienhäuser bis hin zu Jurten und anderen besonderen Unterkünften.

Welche Destinationen stehen bei euch im Fokus?

Die meisten Unterkünfte befinden sich in Deutschland, Österreich, Spanien, Italien, Frankreich und Portugal. Vereinzelte finden sich auch außerhalb von Europa.

Wie macht ihr auf euch und euer Angebot aufmerksam?

Wenn es ums Thema nachhaltiges Reisen geht sind wir ziemlich gut bei Google zu finden und noch dazu setzen wir momentan stark auf Empfehlungen von Gästen. Das Budget für klassische Werbung ist aktuell noch nicht vorhanden.

Was sind eure weiteren unternehmerischen Pläne?

Aktuell konzentrieren wir uns darauf bookitgreen nach und nach weiterzuentwickeln. Wir sehen, dass die Buchungszahlen weiter nach oben gehen und sich immer mehr Gastgeber bei uns melden. Das freut uns natürlich sehr und wir sehen eine positive Entwicklung für die Zukunft.
In Verbindung mit samebutgreen wollen wir bald wieder bereit sein in eine stärkere Wachstumsphase überzugehen.

Und last but not least: Was rätst du anderen Gründern aus eigener Erfahrung?

Einfach loslegen und erst externes Kapital einsammeln, wenn das Produkt wirklich bereit ist skaliert zu werden. Wir wären im Nachhinein besser dran gewesen, ohne am Anfang relativ viel Geld zur Verfügung zu haben.

Hier geht's zu bookitgreen

Das Interview führte Hans Luthardt

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