Gründer der Woche: 180° Sicherheit – Alarmanlage mit Live-Täteransprache

Gründer der Woche 24/17


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Die 180° Sicherheit GmbH aus Düsseldorf bietet bundesweit Konzepte zum Schutz vor Einbruch, Diebstahl und Vandalismus an. Darüber und über die Chancen für Gründer in der Sicherheitsbranche sprechen wir mit Co-Gründer Christoph Schwitulla:

In Deutschland sind 2016 der Polizeilichen Kriminalstatistik zufolge zum ersten Mal seit zehn Jahren weniger Wohnungseinbrüche registriert worden. Dennoch liegt die Aufklärungsrate bei unter 20 Prozent. Was läuft hier letztlich schief bzw. was muss noch geleistet werden?

Die Einbruchskriminalität hat sich in den letzten Jahren immer weiter professionalisiert. Im Vergleich zu früher werden heute nicht mehr Gelegenheitstäter und Junkies, sondern organisierte Banden für einen Großteil der Taten verantwortlich gemacht. Außerdem geben die genannten Zahlen aus der Polizeilichen Kriminalstatistik (PKS) lediglich die Einbruchzahlen in privaten Räumlichkeiten wider. Gewerbliche Einbrüche müssen in dieser Statistik noch hinzuaddiert werden.

Dazu kommt, dass die „aufgeklärten Fälle“ nicht etwa einen festgenommenen oder gar verurteilten Täter erfordern. Vielmehr gilt eine Tat aus polizeilicher Sicht dann als aufgeklärt, wenn ein Tatverdächtiger ermittelt werden kann. Wird ein Täter festgenommen, dem man anhand des Modus Operandi ein paar Dutzend weitere Taten zuordnen könnte, gelten diese Taten (trotz fehlender Beweise) als aufgeklärt.

Hinter vorgehaltener Hand berichten uns Polizisten regelmäßig davon, dass sie die Menge an Einbrüchen lediglich verwalten und abarbeiten, aber nicht wirklich ermitteln können. Durch die massive Professionalisierung der Täter scheint die Polizei den Einbrechern lediglich hinterherzulaufen.

Nun zu Ihrem Sicherheits-Business: Wann und Wie sind Sie und Ihr Co-Gründer Malte Tasto auf die Idee zu Ihrem „Live-Einbruchschutz“ gekommen?

Da wir bereits seit zehn Jahren in der Sicherheitsbranche aktiv sind, wussten wir früh um die Schwachstellen klassischer Alarmanlagen, von denen sich heutzutage kaum noch jemand abschrecken lässt. Da es hier smartere und vor allem effektivere Möglichkeiten gibt, die Einbrecher unmittelbar wieder zu vertreiben, sind wir mit dem Live-Einbruchschutz 2014 an den Start gegangen.

Was waren die größten Herausforderungen von der Gründung bis zum Start Ihres Business?

Das waren hauptsächlich die klassischen Herausforderungen, die jedem Unternehmer vor Gründung widerfahren. Zudem haben wir uns mit allerhand technischer Details auseinandersetzen müssen. Aber wie sagt man so schön: man wächst mit seinen Herausforderungen.

Wie genau funktioniert der „Live-Einbruchschutz“?

Anders als bei klassischen Alarmanlagen wird bei einem Einbruch keine Blitzlichtsirene angesteuert. Vielmehr baut unsere Alarmzentrale eine akustische Live-Verbindung zur 24h besetzten Leitstelle auf. Dort sitzen rund um die Uhr geschulte Mitarbeiter, die dann innerhalb von Sekunden über eine aktive Hör-/Sprech- und Sehverbindung beurteilen können, was in den Räumlichkeiten vor sich geht. Ein Operator kann aus der Ferne z.B. Schritte, Stimmen, Geräusche wahrnehmen und durch die Einbindung von Kameras auch ein Bild der Alarmsituation übermittelt bekommen. Dann spricht er die Täter äußerst lautstark an: „04.17 Uhr, gesperrter Bereich, nennen Sie das Kennwort!“.

Diese Schocksituation bringt die Täter dazu, meist unmittelbar in einem 180°-Bogen das Objekt wieder aus der Richtung zu verlassen, aus der sie gekommen sind. Wir nennen das den 180°-Effekt. Der üblicherweise entstehende Schaden kann dadurch auf ein Minimum reduziert werden. Zudem kann der Operator einen Echtalarm sehr schnell von einem Falschalarm unterscheiden. Für diese Unterscheidung fahren sonst zunächst einmal Wachfahrer zum Objekt, die erst bei einem bestätigten Einbruch die Polizei hinzuziehen. Dieses Zeitfenster verkürzen wir massiv und können durch die Beurteilung aus der Ferne unmittelbar die Polizei verständigen.

Wäre es nicht sinnvoller, wenn anstelle der Live-Ansprache ein Wachdienstler oder besser noch die Polizei schnell vor Ort wäre, um den Täter dingfest zu machen? Denn so kann der Dieb ja „bequem“ nach der Kontaktaufnahme abhauen?

Das ist richtig. Nur letztlich verstehen wir uns als Dienstleister unserer Kunden. Deren größtes Interesse besteht darin, ohne Ausfälle am nächsten Morgen handlungsfähig zu sein. Würden wir die Täter nicht ansprechen, hätten diese noch ein paar Minuten mehr Zeit am Tatort. Die Wahrscheinlichkeit einer Festnahme würde zwar steigen, allerdings können skrupellose Einbrecher in ein paar Minuten auch massive Schäden anrichten, die für unsere Kunden viel Zeit, Nerven und Aufwand bedeuten.

Sie überwachen ja letztlich akustisch die Räumlichkeiten Ihrer Kunden. Gibt es hier datenschutzrechtliche Probleme bzw. Herausforderungen?

Sicherlich ist der Datenschutz in Deutschland ein gewichtiges Thema. Demnach unterwerfen auch wir uns dem geltenden Bundesdatenschutzgesetz. Ein einfaches Reinhören nach Lust und Laune ist nicht möglich. Vielmehr müssen zwei Bedingungen erfüllt sein, damit eine Verbindung aufgebaut werden kann: Einerseits muss der Kunde seine Alarmanlage scharf geschaltet – also aktiviert – haben. Zum anderen muss dann im scharfen Zustand noch ein Einbruchalarm ausgelöst werden. Nur dann baut die Einbruchmeldezentrale eine Verbindung in Richtung Leitstelle auf. Aber wenn dies nicht so wäre, würden uns nicht zahlreiche Steuerberater, Ärzte, Apotheker und andere sensible Kunden vertrauen.

Welche Kosten kommen auf mich als Kunden zu?

Das schöne ist, dass der Live-Einbruchschutz von unseren Kunden nicht gekauft wird. Stattdessen bieten wir eine Dienstleistung mit einer monatlichen Servicepauschale im Rundum-Sorglos-Paket an. Klassische Alarmanlagen kosten nicht nur viel Geld in der Anschaffung. Neben den Kosten für die Installation und eine regelmäßige Wartung, müssen zudem Kosten für die Instandhaltung außerhalb der Gewährleistungsfrist einkalkuliert werden. Außerdem schlagen eine Wachdienstaufschaltung und insbesondere jede einzelne Wachdienstanfahrt zu Buche.

An wen adressieren Sie Ihre Sicherheitslösungen?

Unsere Zielkunden sind primär Gewerbekunden. Dabei reicht die Range vom Apotheker bis hin zu Autohäusern und großen Industriekunden. Im Privatbereich sichern wir vornehmlich die privaten Räumlichkeiten der Geschäftsführer und Vorstände unserer Gewerbekunden ab.

Zu welchen weiteren Sicherheitsmaßnahmen raten Sie Ihren Kunden?

Eine mechanische Sicherung ist als zusätzliche Maßnahme nie verkehrt. Durch mechanische Sicherungsmaßnahmen brauchen die Täter länger, um ins Objekt zu gelangen. Doch: wer reinkommen will, kommt rein. Drum raten wir unseren Kunden auch dringend davon ab, sich ausschließlich auf mechanischen Einbruchschutz zu verlassen. Ist dieser erst einmal überwunden, haben die Täter im Objekt alle Zeit der Welt um sich „auszutoben“…

Und last but not least: Was raten Sie anderen Gründern aus der Sicherheitsbranche aus eigener Erfahrung?

Der Markt ist gigantisch. Mit dem nötigen Maß an Engagement, Fachwissen und Professionalität lässt sich viel bewegen. Allerdings schenken uns die Kunden auch einen enormen Vertrauensvorschuss, dem man natürlich gerecht werden muss.

Hier geht’s zu 180° Sicherheit


Das Interview führte Hans Luthardt

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Gründer*in der Woche: 3EA - die Drone-as-a-Service-Pioniere

Benjamin Wiens und Marius Schröder, die Gründer der Third Element Aviation (3EA), bieten als erstes deutsches Unternehmen kommerzielle Drohnen-Logistikflüge an und setzen damit auch in der EU Maßstäbe.

Im Herzen Nordrhein-Westfalens, in Bielefeld, ist ein Start-up beheimatet, das sich anschickt, die Grenzen dessen, was in der europäischen Drohnen-Luftfahrtlogistik möglich ist, zu definieren. Third Element Aviation (3EA) hat es sich zur Aufgabe gemacht, mittels hochentwickelter Drohnentechnologie logistische Prozesse fliegen zu lassen, und hat dies vor wenigen Monaten mit dem ersten kommerziellen Logistik-Drohnenflug in Deutschland eindrucksvoll gezeigt. Der Weg dorthin war alles andere als einfach. Die Europäische Union, die für ihre strenge Regulierung bekannt ist, stellt Start-ups wie 3EA vor beträchtliche Herausforderungen.

Vision trifft auf bürokratische Hürden

Als der Drohnenhersteller, bei dem Benjamin Wiens und Marius Schröder, die Gründer von 3EA, beschäftigt waren, 2016 seine Pforten schloss, entschieden sie sich gegen den sicheren Hafen einer neuen Anstellung und für das ungewisse Meer der Selbständigkeit. Mit einem dänischen Partner und einigen früheren Kollegen gründeten sie ihr eigenes Start-up. Ihre Vision: eine Drohnen-Airline, die Materialien schneller, effizienter und umweltfreundlicher transportieren kann als jeder LkW.

Doch die Vision stieß schnell auf die Realitäten des europäischen Rechtssystems. Die Unionsgesetzgebung zu Drohnen ist ein Labyrinth aus nationalen und supranationalen Vorschriften, das ständig in Bewegung ist. Die Sicherheitsanforderungen sind hoch und die bürokratischen Wege lang. Aber es ist ein ganz klares Entgegenkommen zwischen Politik und Wirtschaft erkennbar, das Potenzial für Drohnen in Europa weiter zu heben und nicht mit Gesetzen zu verbauen. Das unterstreicht auch Marius Schröder: „Wir sehen deutlich mehr Rechtssicherheit und Klarheit. Und wir sehen – was noch viel wichtiger ist – einen Weg hin zum sicheren Betrieb von Drohnen, auch wenn keine Piloten direkt danebenstehen. Unsere Kunden nehmen diese Veränderung wahr, und es werden wieder viel mehr Projekte angefragt.“ 3EA kennt das Spielfeld der Drohnen-Verordnungen genau, man konzentriert sich aber auf den eigenen technologischen Fortschritt auf dem sich immer weiter regulierten Markt.

Regulierungsschlacht mit Perspektiven

Drohnen operieren in einer rechtlichen Unsicherheit zwischen unbemannter Luftfahrt und ziviler Nutzung. Die Gesetzgebung muss sowohl die Sicherheit der Bevölkerung garantieren als auch einen fairen Wettbewerb ermöglichen. „Jedes Land in der EU hat seine eigenen Regeln, was eine EU-weite Expansion zu einem bürokratischen Albtraum macht“, sagt Benjamin Wiens. 3EA musste nicht nur mit den deutschen Behörden verhandeln, sondern auch die unterschiedlichen Anforderungen anderer EU-Staaten berücksichtigen. „Wir stehen ganz am Anfang einer Erschließung eines gesamten Sektors, da ist es doch ganz normal, dass Spielraum vorhanden ist. Das macht es auch so spannend und bietet eher Chancen“, sagt Benjamin Wiens.

Die logistische Revolution

Derweil schreibt 3EA Geschichte mit dem ersten kommerziellen Drohnenflug über dem Industriegebiet von Lüdenscheid. Hochtechnologische Drohnen transportieren Werkzeuge und andere Güter über eine der verkehrsreichsten Regionen Deutschlands, ohne in Staus zu geraten. Seit dem 21. Februar dieses Jahres gibt es einen dauerhaften Linienflug von ferngesteuerten Drohnen aus einer Art Kommunikationszentrale heraus, in der Drohnenpilot*innen mehrere Drohnen gleichzeitig überwachen – alles in Zusammenarbeit mit der Koerschulte Group. Damit sind sie das erste deutsche Unternehmen, das kommerzielle Logistikflüge, kurz – Drone-as-a-Service – anbietet. Das Potenzial ist riesig, denn in der Luft wird nicht nur Zeit gespart, sondern auch die Umwelt­belastung des städtischen Verkehrs erheblich reduziert.

„Wir haben lange an der Zuverlässigkeit unserer Fluggeräte gearbeitet und können jetzt eine sichere Überquerung urbaner Gebiete garantieren“, erklärt Benjamin Wiens. Die Drohnen von 3EA sind mit modernsten Navigations- und Sicherheitssystemen ausgestattet, die es ihnen erlauben, selbständig Hindernissen auszuweichen und bei technischen Problemen sicher zu landen.

Potenzial und Risiken

Analyst*innen prognostizieren ein starkes Wachstum des EU-Markts für Drohnenlogistik, besonders angesichts der zunehmenden Urbanisierung und der Suche nach nachhaltigen Transportlösungen. Wenn alle an einem Strang ziehen – dazu gehören Politik, Wirtschaft und Gesellschaft –, kann in der Luft wirklich ein Schloss entstehen; die Weichen sind gestellt. „Jedes neue Gesetz, jede Änderung in der EU-Drohnenpolitik kann uns natürlich ein Stück zurückwerfen. Aber die Vergangenheit und die Entwicklung der Gesetzgebung haben gezeigt, dass alle Seiten den Luftraum als logistische Zukunft sehen“, sagt Benjamin Wiens.

Das Vertrauen in die Flugsicherheit von Drohnen ist da. Dass es auch so bleibt, dafür sind alle Beteiligten mitverantwortlich. Drohnen sind komplexe Systeme, deren Betrieb von präziser Softwaresteuerung und fehlerfreien mechanischen Komponenten abhängt. „Sicherheit steht für uns immer an erster Stelle. Gesetzgebungen und starke Regulierungen sind enorm wichtig, weil wir als gesamte Branche das Vertrauen in eine neue Logistik aus der Luft gewinnen und vor allem langfristig halten müssen, um nachhaltig Erfolg zu haben“, sagt Benjamin Wiens.

Die Zukunft ist in der Luft zu Hause

Während klassische Use Cases im B2B-Bereich wie Dach­in­spektionen oder Filmaufnahmen bereits gut funktionieren, schaffen neue Technologien und neue regulatorische Möglichkeiten die künftige Basis für weitere Geschäftsfelder. Bereits 2025 soll jede dritte Drohne im B2B-Bereich eingesetzt werden. Vor allem der Logistikmarkt wächst. Allied Market Research geht von einem jährlichen Wachstum von über 20 Prozent bis 2030 aus. „Wir stehen erst am Anfang dessen, was mit Drohnen möglich ist“, sagt Benjamin Wiens. Die nächste Stufe könnte die Integration von KI-Systemen sein, die nicht nur die Naviga­tion, sondern auch die logistischen Entscheidungen autonom treffen können. Dadurch könnte die Effizienz weiter gesteigert und die menschliche Fehlerquote minimiert werden.

3EA steht an der Spitze einer technologischen Revolution, welche die Art und Weise, wie wir über Transport und Logistik denken, verändern könnte. Die Kombination aus innova­tiver Technologie und einer proaktiven Herangehensweise an die europäische Regulierungslandschaft macht das Unternehmen zu einem spannenden, wenn auch unsicheren Spieler auf dem Feld der modernen Luftfahrtlogistik.

Der Erfolg oder das Scheitern von 3EA wird nicht nur die eigene Zukunft bestimmen, sondern auch die Richtung, in die sich die Drohnenlogistik in Europa und darüber hinaus entwickeln wird. Benjamin Wiens und Marius Schröder sind als erste mit Drohnen kommerziell in der Luft und zeigen eindrucksvoll, dass sie alles andere als eine Luftnummer bieten. Aber ist das Pilotprojekt aus Lüdenscheid in ganz Deutschland oder sogar im gesamten europäischen Luftraum kopierbar? Ja, es ist möglich, denn die Industrie schaut für zukünftige Logistik­lösungen nach vorne und vor allem nach oben.

lemon.markets: Berliner FinTech-Start-up sichert sich 12. Mio. Euro

Das 2020 von Max Linden gegründete Berliner FinTech lemon.markets sichert sich 12 Mio. Euro von CommerzVentures als Lead-Investor sowie den Bestandsinvestoren wie Creandum, Lakestar und Lightspeed.

Als Brokerage-as-a-Service-Plattform bietet das von der BaFin lizenzierte lemon.markets anderen Finanzdienstleister*innen und FinTechs die IT-Infrastruktur für die Abwicklung von Wertpapiergeschäften über eine Investment-API an.

Jetzt sichert sich das Start-up 12 Millionen Euro von CommerzVentures, Heliad und ihren bestehenden Investoren, darunter Creandum, Lakestar, Lightspeed und System.one, um sein ehrgeiziges Ziel weiterzuverfolgen: Die Wertpapier-Infrastruktur für 100 Mio. Anleger*innen bereitzustellen. Mit dem frischen Kapital aus dieser Finanzierungsrunde will das Unternehmen den Ausbau der Plattform und Go-live neuer Partner*innen vorantreiben.

„In CommerzVentures haben wir einen starken Investor aus der Branche gefunden, der uns als Team mit seinem tiefen Verständnis für unseren Markt beeindruckt hat. Wir teilen die gleiche Vision und Philosophie, um lemon.markets zu einem der relevantesten Player in der Branche zu etablieren. Zusammen wollen wir den Rückenwind im Markt nutzen, um unsere nächsten Partner und Produkte in den kommenden Monaten live zu bringen“, erläutert Max Linden, Gründer und CEO von lemon.markets.

lemon.markets: Lizenzen, Launch und Partnerschaften

Im ersten Halbjahr 2024 erreichte lemon.markets viele wichtige Meilensteine: Lizenzen, Go-live erster Partner und die kontinuierliche Erweiterung der Plattform. Im Januar 2024 hat das Unternehmen umfangreiche Zulassungen der BaFin als Wertpapierinstitut erhalten. Damit darf lemon.markets die Anlage- und Abschlussvermittlung, die Anlageberatung, die Finanzportfolioverwaltung, das Finanzkommissionsgeschäft, den Eigenhandel sowie das Depotgeschäft erbringen.

Die Geschäftsaufnahme erfolgte in Kooperation mit den Branchengrößen Deutsche Bank, BNP Paribas und Tradegate. Den Auftakt zum offiziellen Launch im März macht die Finanzbildung-App beatvest. Als ersten Anwendungsfall im Wealth-Management-Vertical ermöglicht es lemon.markets dem FinTech, seinen B2C-Nutzer*innen ETF-Investments anzubieten.

Im Rahmen der kürzlich verkündeten Partnerschaft mit Tomorrow dringt das Start-up in das Bankensegment vor. Gleichzeitig beinhaltet die Kooperation das erste Migrationsprojekt: Der nachhaltige Banking-Anbieter Tomorrow wechselt mit seinem Wertpapierangebot von der Solaris SE zu lemon.markets. Mit Allfunds, einem der weltweit führenden Fondsmarktplätze, erweitert das Start-up gleichzeitig sein Angebotsspektrum um das Finanzinstrument Fonds.

„Unser Fokus liegt darauf, die talentiertesten Teams bei der Lösung der komplexesten Probleme im Finanzwesen zu unterstützen. lemon.markets ist dafür ein Paradebeispiel. Max ist ein beeindruckender junger Gründer, der ein erstklassiges Team um sich herum aufgebaut hat. Und wir freuen uns sehr, diese Finanzierungsrunde anführen zu dürfen und das Team dabei zu unterstützen, mit lemon.markets die größte und modernste Brokerage- und Verwahrungsplattform in Europa aufzubauen“, sagt Jonas Wenke, Principal bei CommerzVentures.

Nächste Schritte: Mehr Partner*innen, neue Produkte und weiteres Teamwachstum

Der Markt für Brokerage- und Custody-Infrastruktur zeigt eine große Dynamik, mit einem prognostizierten Marktvolumen von 63 Milliarden US-Dollar in den kommenden fünf Jahren und einem Wachstum von rund 39 Prozent allein für den Custody-Markt. Traditionelle Player sowie FinTechs haben das Potenzial erkannt, digitale Anlagelösungen neu zu denken, die das Investieren für Verbraucher*innen zugänglicher machen. Dass das notwendig ist, zeigen die Zahlen: Allein in Deutschland liegt der Großteil des Geldvermögens (41,7 Prozent laut Bundesbank) in Bargeld und als Einlagen bei Banken und Sparkassen wie Tages- und Festgeld vor – das waren 3.214 Mrd. Euro zum Jahresende 2023.

lemon.markets ermöglicht FinTechs, Banken und Vermögensverwaltern über seine Infrastruktur, den Handel mit ETFs, Fonds und zukünftig Aktien, als Anlageprodukt für Kund*innen zugänglich zu machen. Die Brokerage-as-a-Service-Plattform ist modular aufgebaut und kann basierend auf dem individuellen Anwendungsfall des Partners / der Partnerin konfiguriert werden. Eine API-first Architektur reduziert dabei die Integrationszeit erheblich. Durch die konsequente Kombination von Technologie und Compliance-Expertise positioniert sich lemon.markets als digitaler, regulierter und kundenzentrierter Infrastrukturanbieter und unterstützt Partner*innen entlang der gesamten Wertschöpfungskette.

„Ich bin fest davon überzeugt, dass es noch mehr digitale Anlageprodukte braucht, damit mehr Menschen am Kapitalmarkt investieren. Dafür müssen auch etablierte Player in der Vermögensverwaltung, dem Banking und Brokerage ihre Infrastruktur neu denken. Das lemon.markets-Team bringt tiefstes Wertpapierwissen gepaart mit FinTech-Erfahrung mit, was sie ideal positioniert, um sowohl FinTechs als auch traditionelle Player als Kunden zu gewinnen“, sagt Simon Schmincke, General Partner bei Creandum.

Gründer*in der Woche: bobbie - Social Media als Start-up-Retter

Wie das Aachener Start-up bobbie der Gründer Alex Gran und Tim Kuhlmann mit einem LinkedIn-Post die Insolvenz in letzter Minute abgewendet hat.

Dass es um den Risikokapitalmarkt aktuell nicht rosig bestellt ist und Start-ups, die auf Seed- oder Wachstumskapital angewiesen sind, vor großen, teils existenzbedrohenden Herausforderungen stehen, ist nicht neu. Doch auch gestandene und erfolgreiche Start-ups mit sehr guter Auftragslage und großem Kund*innenstamm können oft schneller unter die Räder des zurückhaltenden Finanzmarkts kommen als gedacht. Das zeigt das Beispiel von bobbie, das seine Insolvenz in diesem Frühjahr in letzter Minute abwenden konnte.

Um die Achterbahnfahrt des Aachener Scale-ups Revue passieren zu lassen und daraus zu lernen, sprachen wir mit boobie-Mitgründer Alexander Gran und Dr. Christian Klusmann, Head of Startup Coaching und Consulting im digitalHUB Aachen.

Vom Baustoffhandel-Disruptor …

Seit seiner Gründung im Jahr 2017 verfolgt bobbie die Vision, den Baustoffhandel zu digitalisieren. Durch eine Kombination aus Plattform- und SaaS-Geschäftsmodell verfolgt das Unternehmen einen disruptiven Ansatz und vereint die klassischen Baustoffhandelsleistungen mit allen Möglichkeiten, die die Digitalisierung bietet. Dazu hat bobbie eine Baustoff-Datenbank mit allen relevanten Informationen an den Start gebracht, um Baustoffe schnell auffindbar, vergleichbar und digital verkäuflich zu machen. Das System automatisiert Schritt für Schritt die Transaktionsschritte von der Kund*innenanfrage bis zur Lieferung an die Baustelle. Mittlerweile ist bobbie einer der führenden digitalen Baustoffhändler in Deutschland und beschäftigt über 40 Mitarbeitende remote und an den Standorten in Aachen und München. Soweit die Erfolgsstory von bobbie, das zugleich eine der Vorzeigegründungen aus dem Aachener Start-up-Ökosystem ist.

… an den Abgrund der Insolvenz

Was dann geschah, mutet wie ein hochemotionaler Krimi an. Trotz aller positiven Entwicklungen und Prognosen drohte plötzlich die Insolvenz und damit das Aus für die Gründer Alex­ander Gran, Tim Kuhlmann und ihr bobbie-Team. Was war geschehen? Seit Mitte 2023 sei klar gewesen, dass Ende Februar 2024 das Geld ausgehen würde, berichtet Alexander Gran. „Bis zum Break Even fehlte uns eine Million, und wir wollten drei Millionen einsammeln, um weiter zu expandieren. Unsere Bestandsinvestoren konnten oder wollten kein Geld nachschieben, viele Strategen aus der Branche hatten selbst ein Cashflow-Problem und andere großen Brancheninvestoren kamen von vornherein nicht in Frage, weil unser Geschäftsmodell davon lebt, dass wir ein neutraler Spieler sind“, erklärt er. Bis zum letzten Moment hatten die Gründer einen vielversprechenden Investorenkontakt. Doch der Investor sagte kurzfristig ab – alle Hoffnung und Zuversicht zerplatzen.

So gingen die Gründer am Freitag, dem 1. März 2024, zum Aachener und Münchener Landgericht, um den Insolvenzantrag einzureichen. „Hätten wir 2019 Insolvenz anmelden müssen, weil wir gegen den Handel nicht angekommen wären, wäre das zwar sehr ärgerlich, aber okay gewesen. Doch 2024 waren die größten Risiken längst beseitigt und die wichtigsten Herausforderungen gemeistert. Das hat es umso schwerer gemacht“, sagt Alexander Gran, und ergänzt: „Der Weg zum Landgericht zum Insolvenzanmelden ist wohl der schwerste Schritt, den ein Gründer gehen kann, es war ein harter und tränenreicher Schlag für uns alle. Aber wenn man sowieso vor dem Aus steht, kann man auch gleich ganz die Hosen runterlassen“, findet er.

Ein LinkedIn-Post sorgt für den Wendepunkt

Also machte er kurzerhand ein Selfie mit dem Insolvenzantrag in der Hand und postete es mit einem aufgewühlten, erklärenden Text auf LinkedIn, verbunden mit dem Aufruf: „Falls jemand jemanden kennt, der die Euros investieren will, wäre jetzt ein verdammt guter Zeitpunkt.“ Was dann folgte, hatte er so niemals angenommen. Der Post ging viral. Über eine Millionen Aufrufe, 500 Kommentare, mehr als 200 Mal wurde der Beitrag geteilt, gleichzeitig meldeten sich zirka 400 Personen über LinkedIn, E-Mail, Telefon und WhatsApp.

Bis tief in die Nacht nahmen die Geschäftsführer Anrufe und Kontaktaufnahmen entgegen und pitchten in folgenden zwei Wochen öfter als in den letzten sechs Monaten zuvor. „Ihr habt meine kühnsten Erwartungen übertroffen. In einem Moment völliger Verzweiflung gab es nicht nur Unmengen an warmen Worten, sondern auch etliche sehr konkrete Hilfsangebote“, schrieb Alexander Gran auf LinkedIn.

Zahlreiche Angebote trafen ein, bereits zwei Tage nach dem Post war das erste konkrete Millionenangebot da. Gran und Kuhlmann konnten letztlich aus zwei Handvoll Angeboten auswählen. Man habe sich dann, wie Gran es formuliert, für einen sehr solventen, agilen Investor entschieden, der kommerziell und menschlich das beste Angebot machte, als Marktbegleiter aber anonym bleiben wolle. „Dennoch können wir allen Geschäftspartner*innen persönlich versprechen, dass unsere Neutralität absolut gewährleistet bleibt – Interessenkonflikte sind ausgeschlossen“, versichert er. Das Geld floss schnell, und so konnten die Gründer bereits am 12. März – also keine zwei Wochen nach dem Gang zu den Landgerichten – die Insolvenzanträge zurückziehen.

Und was blieb übrig? Happy End oder doch ein riesiger Scherbenhaufen? „Zum Glück kein riesiger Scherbenhaufen. Es war wunderbar zu sehen, dass es weit weniger schlimm war als befürchtet. Wir haben tatsächlich keines unserer Projekte verloren. Offensichtlich haben wir so viel Vertrauen aufgebaut, dass wir mit ganz vielen Kunden und Lieferanten ‚einfach weitermachen‘ konnten, fast so, als ob nichts passiert wäre. Am Ende ist B2B halt doch ein People Business. Wir sind unfassbar dankbar für das Vertrauen und die Treue unserer Kunden und Partner“, fasst es Gran zusammen.

Virales Wunder oder die Power des Aachener Start-up-Ökosystems

Wie lässt sich nun erklären, dass die Gründer monatelang keinen Investor finden konnten und erst Insolvenz anmelden mussten, bevor ein Social-Media-Post eine solche Wirkmacht entfaltete? „Ich denke, da spielen mehrere Faktoren eine Rolle“, sagt Dr. Christian Klusmann, der seitens des Startup- und Digitalisierungszentrums digitalHUB Aachen die Rettungs­aktion engmaschig begleitet und unterstützt hat. „Zunächst kämpfen die meisten Gründerinnen und Gründer bis zuletzt und vermeiden es – verständlicherweise – frühzeitig das Wort Insolvenz explizit in den Mund zu nehmen, obwohl Begriffe wie ‚Runway‘ nichts anderes aussagen. Grundsätzlich ist auch immer abzuwägen, wen man wie früh über Liquiditätseng­pässe oder das drohende Aus informiert und aus dem Netzwerk involviert. Hätten einige Personen im Netzwerk früher Bescheid gewusst, hätten sich vielleicht auch noch andere Lösungen ergeben, ohne dass der LinkedIn-Post überhaupt notwendig geworden wäre.“

Weiter führt er aus: „Umgekehrt war das Timing für den Post selbst in dieser Form genau richtig. Ich bezweifle, dass die Wirkung genauso stark gewesen wäre und die Lösung in dieser Geschwindigkeit und Qualität gefunden worden wäre, wenn bobbie die drohende Insolvenz früher öffentlich gemacht hätte. Durch den LinkedIn-Post wurde einfach das ganze Start-up-Ökosystem, das in Aachen unter anderem durch den digitalHUB Aachen, die Gründungszentren der RWTH und FH Aachen sowie das Aachener Business-Angel-Netzwerk ziemlich stark aufgestellt und sehr gut vernetzt ist, gleichzeitig aktiviert. Entsprechend schnell zog die Nachricht immer größere Kreise. Dar­auf folgten knapp drei intensive Arbeits­wochen für uns alle, an deren Ende ein hervorragender Investor mit an Bord geholt und so die Insolvenz zurückgenommen werden konnte. Im Ergebnis ist bobbie nun meiner Ansicht nach sogar bedeutend besser aufgestellt als zuvor. Technologisch war bobbie schon immer dem Markt voraus. Jetzt ist auch die Finanzierung nachhaltig gesichert, sodass sich der Wettbewerb, der bobbie nachweislich auf alle erdenkliche Weise aus dem Markt drängen wollte, endgültig warm anziehen muss.“

Bobbie-CEO Alexander Grans abschließender Tipp: „Es lohnt sich immer – auch wenn du denkst, dass es deinem Start-up gut geht –, sich mit dem Thema Insolvenz und allem, was juristisch dazugehört, zu beschäftigen. Das hätte uns einiges an Zeit und vor allem Nerven erspart.“

ISPTech: 2 Mio. Euro Pre-Seed-Finanzierung für „grüne“ Antriebstechnologie für Weltraumfahrzeuge

Das 2023 von Dr. Lukas Werling und Felix Lauck gegründete SpaceTech-Start-up entwickelt auf „grünen“ Treibstoffen basierende Antriebssysteme für Raumfahrzeuge. Die Technologie soll Ende 2025 zum Einsatz kommen.

Die InSpacePropulsion Technologies GmbH (ISPTech) ist ein Spin-off des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR) und wurde 2023 von Dr. Lukas Werling und Felix Lauck gegründet. Das SpaceTech-Start-up entwickelt innovative Antriebssysteme für Raumfahrzeuge, die auf ungiftigen „grünen“ Treibstoffen basieren und bietet damit kostengünstige, schnell verfügbare und zuverlässige Lösungen für die Raumfahrtindustrie. Die Antriebe bieten eine überlegene Leistung im Vergleich zu derzeit am Markt erhältlichen grünen Treibstoffsystemen. Das Angebot richtet sich an alle Raumfahrzeuge, von kleinen CubeSats bis hin zu großen Satelliten, Kapseln oder Landeeinheiten.

Derzeitige Antriebssysteme sind oft teuer und nutzen hochgiftige Treibstoffe, was die Handhabung und den Entwicklungsprozess erschwert und die Gesamtkosten erhöht. ISPTech hat diese Probleme gelöst und bietet Antriebssysteme an, die nicht nur umweltfreundlich, sondern auch leistungsstark und kosteneffizient sind. Auf der Grundlage von mehr als zehn Jahren Forschungs- und Entwicklungsarbeit am Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) haben die Gründer von ISPTech zwei Technologien entwickelt: Eine ist bereits weltraumtauglich (HyNOx), die zweite bietet einzigartige Vorteile (HIP_11). Die HyNOx Systeme werden mit Ethan und Distickstoffoxid betrieben. Diese Technologie ermöglicht einen kontinuierlichen Betrieb bei hoher Leistung ohne Überhitzungsprobleme.

HIP_11 ist eine einzigartige Antriebstechnologie für große Raumfahrzeuge wie Lander, Kapseln und Satelliten. Sie reduziert die Komplexität und Kosten vergleichen mit anderen Systemen und ist wiederbetankbar. HIP_11 ermöglicht einen hybriden Betrieb von elektrischen und chemischen Triebwerken.

ISPTech hat bereits bemerkenswerte Fortschritte erzielt: Seit der Gründung im Sommer 2023 konnte das Unternehmen erste zahlende Kund*innen gewinnen und den Vertrag für einen Flug ins All abschließen. Zudem wurden die ersten Antriebssysteme für den Einsatz im Weltraum qualifiziert. Bedeutende Akteure der Raumfahrtbranche haben ebenfalls ihr Interesse an den Technologien von ISPTech bekundet.

Jetzt hat ISPTech erfolgreich eine Pre-Seed-Finanzierungsrunde in Höhe von 2 Millionen Euro abgeschlossen. Angeführt vom HTGF investieren First Momentum Ventures und Possible Ventures. Die eingeworbenen Mittel werden zur Weiterentwicklung der Antriebstechnologie verwendet, um die Qualifikation für den Weltraumflug zu erreichen und erste Kund*innen zu bedienen. Die Technologie von ISPTech soll in ersten Missionen Ende 2025 zum Einsatz kommen. Diese Flüge werden die Funktionsfähigkeit, Robustheit und Leistung der ISPTech-Antriebssysteme demonstrieren und die Grundlage für eine breitere Markteinführung schaffen.

Die ISPTech-Gründer Felix Lauck und Dr. Lukas Werling in einer gemeinsamen Erklärung: „Wir haben viele Jahre damit verbracht, Antriebstechnologien zu erforschen, Produkte unserer derzeitigen Wettbewerber zu testen und mit vielen unserer zukünftigen Kunden zusammenzuarbeiten. In all dieser Zeit haben wir eine klare und große Marktnachfrage nach kostengünstigen, schnell verfügbaren und robusten Antriebstechnologien erlebt. Unsere Aufgabe ist es nun, diese Nachfrage zu bedienen.“

Dr. Koen Geurts, Investment Manager beim HTGF: „Das Wachstum des Satellitenmarktes im nächsten Jahrzehnt und der zunehmende Bedarf an Manövern zur Vermeidung von Weltraummüll werden zu einer enormen Nachfrage nach chemischen Antriebssystemen führen, insbesondere nach ungiftigen Lösungen, die den Zugang zum Weltraum demokratisieren. ISPTech ist das einzige Startup-Unternehmen, das Lösungen von unter 1N bis 1kN mit hohem TRL anbietet und hervorragend positioniert ist, um einen neuen Marktstandard zu setzen.“

Dr. Maximilian Ochs, Investor bei First Momentum Ventures: „In den nächsten zehn Jahren erwarten wir eine steigende Nachfrage nach Manövern im Weltraum, die nur durch chemische Antriebe ermöglicht werden können. ISPTech ist in einer erstklassigen Position, um der europäische Marktführer für ungiftige chemische Antriebe zu werden. Ihre Systeme sind der Konkurrenz in Bezug auf Leistung, Stabilität und Robustheit bereits weit voraus.“

Dr. Christoph Baumeister, Principal bei Possible Ventures: „Mit dem Wachstum der Weltraumwirtschaft wird die Nachfrage nach zuverlässigen, umweltfreundlichen und kostengünstigen chemischen Antriebssystemen unverzichtbar. ISPTech ist mit seinem innovativen Ansatz und seiner europäischen Ingenieurskunst führend, und wir sind stolz darauf, ihre Mission zu unterstützen.“

Clypp: rund 1 Mio. Euro für KI-basierte Wissensmanagementsoftware

Das 2020 von Maximilian Zeyda und Edwin Sauer gegründete Start-up Clypp macht Unternehmen und Mitarbeitenden das Teilen Ihres Wissens so einfach wie möglich.

Clypp hat seine Finanzierungsrunde erfolgreich abgeschlossen. Dabei konnte das Team das Family-Office Secways des spanischen Software-Unternehmers und Investors Pere Hospital und den auf HR-Tech spezialisierten Investor allygatr für sich gewinnen.

Das Investment ist vor allem von strategischer Bedeutung für Clypp. „Mit Secways und allygatr haben wir erfahrene Investoren von uns überzeugt, die selbst schon in unseren Schuhen als Gründer waren“, so Maximilian Zeyda, Gründer von Clypp. „Dank des großen Netzwerks von Secways bekommen wir auf dem europäischen Markt vielseitige Unterstützung. Das ist eine große Wachstumschance für unser Unternehmen, weil wir bis dato vor allem im deutschsprachigen Raum mittlere und große Unternehmen von Clypp überzeugen konnten. Secways öffnet nicht nur den spanischen Markt, sondern unterstützt uns darüber hinaus mit ihrer Expertise in der Skalierung innovativer Software-Geschäftsmodelle.“

Mit den neuen finanziellen Mitteln will Clypp nun vor allem das Produkt auf die nächste Stufe heben und weitere Kund*innen ansprechen. „Unser Ziel ist es, mithilfe von Automatisierung und künstlicher Intelligenz wirklich jedem Unternehmen und allen Mitarbeitenden das Teilen Ihres Wissens so einfach wie möglich zu machen. Die Digitalisierung und Bereitstellung von Know-how sind und bleiben die entscheidenden Wettbewerbsfaktoren für Unternehmen in Zeiten des Fachkräftemangels und Generationenwandels“, so Zeyda.

In nur knapp zwei Jahren hat Clypp seine Lösungen für Video-basierten Wissenstransfer in deutschen Unternehmen etabliert. Mit Clypp können Mitarbeitende ihr Wissen schnell und einfach in Videoform festhalten. Die künstliche Intelligenz unterstützt Nutzer*innen sowohl in der Erstellung, als auch in der automatischen Bearbeitung der Inhalte, inklusive Untertitel und Screenshots – und das in jeder gewünschten Sprache. Die sogenannten Clypps werden auf der angebundenen Plattform geteilt und können nahtlos in jedes digitale Tool integriert werden.

Die Zahlen können sich sehen lassen: Das bayerische Start-up zählt nach eigenen Angaben bereits etwa 10.000 Nutzer*innen. Über 50 Kund*innen sind überzeugt, darunter Firmen wie Telefónica Deutschland, E.ON oder die Nürnberger Versicherung. Dadurch arbeitet das Start-up schon heute kostendeckend – angetrieben durch das starke Wachstum ein weiterer Erfolgsfaktor, der die Investor*innen vom Team um die beiden Gründer überzeugen konnte.

Gründer*in der Woche: certflow - Kampf dem Zertifizierungsstau in der Solarbranche

Der Zertifizierungsstau kostet die Solarbranche jährlich 100 Mio. Euro und bremst die Energiewende aus – das 2022 von Jelena Mrvelj und Gratian Permien gegründete Start-up certflow (ehemals nue) will dies ändern.

„Allein im Jahr 2022 konnten 1000 fertig geplante Anlagen nicht ans Netz gehen, weil ihnen die Zertifizierung fehlte. Und 2023 waren viele Zertifizierungsstellen bereits im August überlastet, so dass keine weiteren Anträge mehr bewilligt werden konnten“, sagt Mitgründerin Jelena Mrvelj, die mit ihrem Berliner Start-up certflow genau hier ansetzt und nun den Turbo zündet: Über die von ihr und ihrem Team entwickelte Plattform kann die Zertifizierung von so genannten Typ-B-Anlagen mit einer Anschlussleistung ab 135 kW in gerade mal vier Wochen erfolgen. Bislang dauert der Prozess durchschnittlich acht Monate.

„Wir reden also über eine Zeitersparnis von 85 Prozent und einer immensen Kosteneinsparung. Denn jeder vergeudete Monat kostet pro Anlage im Schnitt 1500 Euro. Auf die 1000 Anlagen pro Jahr hochgerechnet, ergibt sich für die Anlagenbetreiber allein durch diese Beschleunigung ein Einsparpotenzial von fast 100 Millionen Euro“, so Mrvelj, die für ihre Rechnung mit offiziellen Zahlen des Bundesverbands Solarwirtschaft von 2022 kalkuliert hat. In den sieben Monaten, in denen Anlagen durch das beschleunigte Zertifizierungsverfahren früher ans Netz können, ließen sich pro Anlage demnach fast 240.000 kWh Strom regenerativ nutzen, was einer CO2-Einsparung von über 125.000 Tonnen entspricht.

Der aktuelle Zertifizierungsstau der Solarbranche ist laut Mrvelj nur die Spitze des Eisbergs. „Wenn die Zulassungsstellen schon jetzt, bei einem Bedarf von jährlich ca. 3500 Anträgen, überfordert sind, dann fahren wir die Energiewende voll an die Wand. Denn bis 2027 rechnen die Bundesregierung und die Vertreter der Solarbranche ja mit einer Steigerung auf bis zu 15.000 neuen Anlagen pro Jahr in diesem Leistungssegment. Da kann der Zertifizierungsprozess auf herkömmlichen Weg nicht mehr funktionieren“, sagt Mrvelj und sieht genau hier das Potenzial für certflow.

Weniger Bürokratie, weniger Papierkram, weniger Kosten

Denn das Start-up will genau das bieten: weniger Bürokratie, weniger Papierkram, dafür ein intuitiver flotter Prozess, Zertifizierungen in Rekordzeit und unterm Strich einfach viel mehr Energiewende. Möglich macht das die gleichnamige digitale Plattform. Sie bringt Fachbetriebe, Netz- und Anlagenbetreiber sowie Zertifizierungsstellen zusammen und vereinfacht den Zertifizierungsprozess nach VDE 4110 für PV-Anlagen in der Leistungsklasse ab 135 kW. Damit das wie am Schnürchen klappt, stellt certflow Daten sowie individuell geforderte Unterlagen vollautomatisiert bereit, bietet einheitliche Strukturen sowie persönliche Hilfestellung und macht Plausibilitätschecks auf Basis von künstlicher Intelligenz. So ergibt sich die eingangs erwähnte Zeitersparnis bei der Anlagenzertifizierung von 85 Prozent.

certflow: Zertifizierungs-, Informations- und Wissensplattform

Schritt für Schritt können Fachbetriebe ihre Zertifizierungsanträge vorbereiten, dokumentieren und einreichen. Zertifizierungsstellen können die Anträge sofort prüfen, dokumentieren und freigeben. Netzbetreibern ist es möglich, ihre Netzanschlussbegehren produktiv und effizient abzuarbeiten. Auch die Anlagenbetreiber profitieren vom einfachen Workflow, sie können über die Plattform ihr gesamtes Portfolio einfach und schnell managen. Die Website ist dabei viel mehr als eine Zertifizierungs-, sondern vielmehr auch eine Informations- und Wissensplattform. Im umfangreichen Wissensblog klärt das Start-up nicht nur über neue Verordnungen und Zertifizierungsvorgaben auf, sondern beispielsweise auch darüber, in welchen Bundesländern eine Solarpflicht gilt.

In erster Linie hilft der rasche Workflow allerdings Geld sparen: Geht man von einer durchschnittlichen Anlage von 410 Kilowatt aus und rechnet mit einer durchschnittlichen Zeitersparnis von sieben Monaten im Vergleich zum herkömmlichen, manuellen Zertifizierungsprozess, sind das pro Anlage 239.167 kWh an regenerativem Stromgewinn. Bei einem Preis von 40 Cent pro kWh macht das über 95.000 Euro Ersparnis pro Anlage aus.

Breit aufgestellt für die Zukunft

Mit ihrem Start-up hat Jelena Mrvelj nicht nur Solaranlagen ab 135 kW im Visier, sondern auch Windanlagen. „Auch hier rechnen wir mit einem deutlichen Anstieg der Zertifizierungsanfragen in den kommenden Jahren“, erklärt die Gründerin. Das Konzept von certflow geht auf: 2024 will das junge Unternehmen die Eine-Million-Marke im Umsatz knacken.

DIE EICHE: Einzigartiges Kolumbarium eröffnet in Lübeck

Bestattung neu denken – mit diesem Anspruch eröffneten die Initiator*innen und DIE EICHE GmbH Gründer*innen Peggy Morenz und Michael Angern am 20. Juni 24 ihr Kolumbarium in Lübeck.

Ein Kolumbarium ist ein Friedhof in einem eigenen Gebäude. Hier werden Urnen mit der Asche Verstorbener aufbewahrt. DIE EICHE in Lübeck, ein ästhetisch anspruchsvoll gestaltetes überkonfessionelles Kolumbarium, befindet sich in einem ehemaligen Kornspeicher, den der Vater von Literaturnobelpreisträger Thomas Mann 1873 errichten ließ. Nach umfangreichen Umbauten findet das denkmalgeschützte Gebäude am historischen Hansahafen nun eine neue Nutzung.

Die Trägerschaft liegt bei der Heilsarmee, die Einrichtung des Friedhofs erfolgte privatwirtschaftlich. Ehrenamtliche Trauerbegleiter der Heilsarmee sind ständig im Haus präsent und bieten Hinterbliebenen Zuspruch. Moderne Licht- und Raumgestaltung, Bildende Kunst sowie kuratierte Erinnerungsstücke der Verstorbenen machen den alten Kornspeicher zu einem Ruhepol. Konzerte und Lesungen verbinden das Lebendige mit dem Kontemplativen.

Co-Initiator Michael Angern: „Die Eröffnung der EICHE als Kolumbarium macht mich sehr glücklich. Zehn Jahre sind seit der ersten Idee vergangen. Mit der EICHE interpretieren wir das Thema Urnenfriedhof neu und tragen zur Vielfalt der Bestattungsmöglichkeiten bei. Gleichzeitig holen wir den Friedhof wieder mitten in die Stadt, mitten ins Leben, wie es jahrhundertelang in Europa üblich war.“

Rund 3400 Verstorbene finden Platz im Kolumbarium. Die Urnengräber verteilen sich dezent über den ersten und zweiten Boden des Gebäudes. Hier gibt es Räume wie Galerien, Bibliotheken und ein Kabinett, in denen Sofas und Sessel zum Verweilen einladen.

Bei der Konzeption standen die Verstorbenen und ihre Angehörigen im Mittelpunkt aller Überlegungen. Michael Angern: „Wir wollten einen Raum schaffen, der Tod und Leben verbindet und Angehörigen die schwere Zeit des Abschieds erleichtert. Die Namen und Geschichten der Verstorbenen sollen weiterhin gewürdigt werden.“ Diese Vorstellung findet in den „Lebenszeichen“ ihren Ausdruck: Auf den Galerien gibt es beispielsweise vor den eigentlichen Grabkammern Vitrinen, in denen Erinnerungen in vielfältiger Form „in Szene gesetzt“ werden. An anderer Stelle erinnern von Biographen geschriebene Rückblicke an die Lebensgeschichte Verstorbener. Im Kabinett erzählen Fotos aus ihrem Leben von ihnen.

Alle als „Lebenszeichen“ erhaltenen Erinnerungen werden im Laufe der Zeit zu einem kulturellen Gedächtnis des Ortes, sie machen Gesellschaftsgeschichte erlebbar und konstituieren Gemeinschaft

Das Gebäude

Das Kolumbarium DIE EICHE befindet sich in einem ehemaligen Kornspeicher am Hansahafen an der Trave in Lübeck. Senator und Kaufmann Thomas Johann Heinrich Mann ließ das siebenstöckige Gebäude 1873 erbauen. Sein Sohn, der Nobelpreisträger Thomas Mann, erwähnte es in den „Buddenbrooks“. Nach wechselnden Nutzungen erwarb Michael Angern das Gebäude im Jahr 2013.

Das denkmalgeschützte Gebäude ist 13 Meter breit und 27 Meter lang. Die neugotische Backsteinfassade zieren vorn 30 Fenster, weitere 23 befinden sich auf der Rückseite. Mächtige Holzstützen tragen die Lagerböden bis ins sechste Obergeschoss. In enger Abstimmung mit dem Denkmalschutz schufen geschickte architektonische Eingriffe im Inneren einen Raum mit einem starken sakralen Charakter. Alte Kirchenbänke für bis zu 100 Gäste unterstreichen diesen Eindruck.

Die „Eiche“ ist der einzige von insgesamt sieben Mann’schen Kornspeichern, der heute noch existiert. Die Namen der anderen Speicher lauteten „Linde“, „Adler“ und „Walfisch“, „Löwe“, „Hirsch“ und „Elephant“. Sie wurden so benannt, damit die Schauermänner mit ihren Kornsäcken sie leichter fanden.

StoryBox: 5,5 Mio. Euro für KI-gestützte Video-Creation-Lösungen

Seit der Gründung 2017 durch Ben Rodrian und Rusmin Causevic hat sich StoryBox als eine führende Plattform im Bereich Video-Creation-Management für Unternehmen etabliert und will seine Innovationsführerschaft ausbauen.

StoryBox, der Innovator im Bereich der KI-gestützten Video-Creation-Lösungen für Unternehmen, hat erfolgreich 5,5 Millionen Euro in einer Series A Runde eingesammelt. Angeführt wurde die Runde von Neuinvestor Wille Finance mit der Beteiligung der Bestandsinvestoren BayBG, High-Tech Gründerfonds (HTGF), CK Ventures und G8 Way Ventures.

Seit der Gründung 2017 durch Ben Rodrian und Rusmin Causevic hat sich StoryBox als eine führende Plattform im Bereich Video-Creation-Management für Unternehmen etabliert. Mit einem erfahrenen Team und einem klaren Fokus auf Innovation und Benutzerfreundlichkeit, strebt StoryBox danach, die Art und Weise, wie Unternehmen kommunizieren, nachhaltig zu verändern. Mit innovativen KI-Technologien und einem "video-first" Ansatz verbessert die Plattform die Effizienz und Passgenauigkeit bei der Erstellung und Verbreitung von Video-Content. Speziell in den Bereichen HR, Employer Branding, Know-how-Management und Social Marketing, die StoryBox fokussiert, ist der Bedarf riesig. Die Herausforderung für Unternehmen besteht darin, die Planung, Erstellung, das Management und die Auswertung von Video Content effektiv und skalierbar zu gestalten. Dazu hat StoryBox eine Lösung entwickelt, die dies end-to-end abdeckt und dabei in einer drastischen Steigerung der Produktivität bei der Content-Produktion und -Verwaltung resultiert. Zu den Kunden zählen namhafte Unternehmen wie Allianz, Evonik, RWE, Telekom.

Investitionen für Wachstum und Innovation

Mit dem neuen Investment stärkt StoryBox seine Rolle als Innovationsführer im Markt. Die Investition fließt in die Weiterentwicklung der Plattform, den Ausbau der bestehenden Geschäftsfelder und die Expansion in neue Bereiche.

Ben Rodrian CEO und Mitgründer von StoryBox: „Wir freuen uns, einen so renommierten Investor wie die Wille Finance gewonnen zu haben und von unserer Vision, mit Video die Unternehmenskommunikation zu revolutionieren, überzeugt zu haben."

Katharina Iten von Wille Finance dazu: „StoryBox kombiniert nahtlos Technologie und menschliche Beziehungen, nutzt KI zur Revolutionierung der Videoerstellung in HR, Kommunikation und Social Media und ermöglicht Mitarbeitern, mühelos überzeugende Videos zu produzieren. Bei einer Investition in StoryBox geht es nicht nur um ein Technologieprodukt, sondern auch um die Investition eines transformativen Tools, das die Zukunft des Storytellings und der Kommunikation in Unternehmen fördert, während wir als Investor gleichzeitig in ein großartiges Team investiert haben, das diese Vision lebt.“

Christian Arndt, Senior Investment Manager beim HTGF: „Seit unserem Investment 2020 hat StoryBox tolle Fortschritte erzielt und sich als eine führende Video-Creation Software etabliert. Mit der Series A wird StoryBox das effiziente Wachstum der letzten Jahre fortsetzen und insbesondere die KI-Capabilities weiter ausbauen."

„Bewegtbild ist ein Wachstumsmarkt, professioneller Video-Content entwickelt sich zunehmend zu einem integralen Bestandteil der Unternehmenskommunikation. StoryBox macht den Videodreh besonders einfach, mit ihrer „No code“ Video-Content-Lösung minimieren sie den technischen Aufwand“, erklärt Alexander Ullmann, Investment Manager der BayBG. „Wir haben als Early Investor die erfolgreiche Entwicklung von StoryBox in den letzten Jahren begleitet und freuen uns, den eingeschlagenen Wachstumskurs fortzusetzen.“

Start-up oder Corporate: Wen bzw. was sucht die GenZ im Arbeitsmarkt?

Die GenZ Studie 2024 zeigt eine Generation zwischen Work-Life-Balance und Work-Life-Blending, und Start-ups sind nicht automatisch die erste Wahl für die GenZ.

Mitten im Fach- und Arbeitskräftemangel tritt mit zunehmender Geschwindigkeit die sogenannte Generation GenZ in den Arbeitsmarkt ein. In ihrer dritten Studie „Zukunft der Arbeit“ untersucht Zenjob, einer der führenden Online-Marktplätze für die Vermittlung temporärer Nebenjobs, erneut die Bedürfnisse junger Arbeitnehmer*innen. Wie bereits in den ersten beiden GenZ Studien in den Jahren 2021 und 2022 bemüht sich Zenjob, zu einer besseren Vermittlung zwischen Unternehmen und der zukünftigen Belegschaft beizutragen.

Anfang Mai 2024 hat Zenjob 1.141 Vertreter*innen der Gen Z in Deutschland zu ihren Ansichten zur Arbeitswelt befragt. Davon 594 deutschsprachige Talents und 547 englischsprachige, also internationale Talents, die in Deutschland arbeiten. Im Mittelpunkt der GenZ Studie 2024 stehen erneut die Fragen, die auch alle Arbeitgebenden beschäftigen, die für die zukünftig tonangebende Generation attraktiv bleiben möchten: Was sucht diese Generation in einem Job und bei einem Arbeitgebenden? Wie wird ihr Arbeitsleben aussehen? Wenig überraschend zeigte die anhaltende Wirtschaftskrise deutliche Auswirkungen auf das Denken und Handeln der jüngsten Teile der Belegschaft in deutschen Unternehmen.

Eine Generation zwischen Work-Life-Balance und Work-Life-Blending

Der Blick von außen zeigt ein komplexes und nicht immer kohärentes Verhältnis der GenZ zu ihrer Arbeitseinstellung. Die Generation der zwischen 1997 und 2012 geborenen Arbeitnehmer*innen ist gespalten zwischen dem Wunsch nach einem sicheren Arbeitsverhältnis (52 %) und dem Bedürfnis nach Flexibilität (68 %).

Während 65 % der GenZ ihr Berufs- und Privatleben klar trennen möchten, haben 44 % kein Problem damit, auch während des Urlaubs für ihre Arbeitgeber erreichbar zu sein.

Ein Konsens scheint jedoch in der Bedeutung von Autonomie zu bestehen. 75 % der Befragten möchten ihre Zeit selbst organisieren, um in ihrem eigenen Tempo zu arbeiten. Diese Art der Selbstorganisation bringt jedoch einige Herausforderungen mit sich: 58 % geben an, dass ihnen dies nicht immer gelingt.

Werte der Gen Z

Bei der Rangliste der Jobpräferenzen der GenZ erinnert diese eher an ein Dating-Profil als an eine traditionelle Stellenausschreibung – zumindest abgesehen von der Gehaltskategorie. Die unter 25-Jährigen wünschen sich unverändert stark Ehrlichkeit, Offenheit für Kommunikation, Ideen und Konzepte und schätzen es, wenn Unternehmen in ihre individuelle und berufliche Entwicklung investieren. Anforderungen an die Unternehmensstruktur wie Diversität, flache Hierarchien und Firmenfeiern sind weniger wichtig.

Im Vergleich zur letzten GenZ Studie 2022 hat die Bedeutung eines guten Gehalts signifikant zugenommen und ist auf Platz 1 gerückt. Hier zeigen Rezession und Inflation ihre Wirkung deutlich.

Rangliste: Was GenZ an einem Arbeitgebenden schätzt

1. Gutes Gehalt

2. Karrieremöglichkeiten

3. Ehrlichkeit und offene Kommunikation

4. Möglichkeit zur Weiterbildung und beruflichen Entwicklung

5. Offenheit für neue Ideen und Konzepte

6. Soziales Engagement

7. Diversität in der Belegschaft

8. Flache Hierarchien

9. Regelmäßige Firmenfeiern


Mitgestalter*innen statt Rebell*innen oder Karrierist*innen

Der Bericht zeigt, dass eines sicher ist: Eine Karriere allein reicht nicht mehr aus. Während die GenZ nicht gegen den Arbeitsmarkt rebelliert, möchte sie aktiv an der Gestaltung aller Lebensbereiche teilnehmen – einschließlich ihrer Arbeit. Doch es sind nicht nur die Vereinbarkeit des Jobs mit dem Privatleben (78 %) und die Flexibilität (68 %), die für diese Generation wesentliche Bedürfnisse darstellen.

Stark abgenommen im Vergleich zur Studie 2022 haben die Suche nach persönlicher Identifikation (von 54,7 auf 19%) und vielfältigen Aufgaben (von 52,5 auf 38 %). Auch hier zeigt die Wirtschaftskrise ihre klare Auswirkung und eine Rückbesinnung auf “harte” Werte.

Darüber hinaus ist die Jobsicherheit für 52 % der Gen Z weiterhin wichtig (zuvor 42 %) und hat zusätzlich signifikant zugenommen. Etwa die Hälfte der Befragten (42 %) möchte für ein digitales und progressives Unternehmen arbeiten. Dieser Wert hat sich mehr als verdoppelt und zeigt den zunehmenden Druck auf Arbeitgebende, neue technologische Entwicklung in den Arbeitsablauf zu integrieren.

GenZ bevorzugt Corporate- über Start-up-Karrieren – auch die junge Generation sucht nach mehr Sicherheit

Ältere Generationen verbinden mit der GenZ automatisch lose, jüngere Unternehmensstrukturen und somit Start-up-Unternehmen. Im Gegensatz dazu zeigen jedoch die Ergebnisse, dass die Befragten deutlich größere, ältere Unternehmen, sogenannte Corporates, präferieren. 40 % könnten sich vorstellen, für ein Start-up zu arbeiten, wobei dies 52 % bei einem größeren Unternehmen mit mehr als 250 Mitarbeitenden bejahen. Noch viel eklatanter wird diese Präferenz bei der Unterscheidung zwischen deutsch- und englischsprachigen Befragten, also deutschen und internationalen Talente, die im Land arbeiten: Während 52 % der internationalen Talente sich vorstellen können, in einem Start-up zu arbeiten, sind dies bei den deutschsprachigen Talenten lediglich 29 %. Start-ups sind also nicht automatisch die erste Wahl für die GenZ, sondern eher Corporates, wobei gilt: je größer, desto besser. Auch hier geht also Sicherheit vor vermeintlicher Freiheit und Spass.

Keine klare Präferenz für die Vier-Tage-Woche

Während die Einführung der Vier-Tage-Woche in den Medien derzeit stark diskutiert wird, zeigt sich hierzu bei der GenZ keine klare Präferenz: 38 % der Befragten befürworten die Begrenzung der Arbeitszeit auf vier Tage. Auch hier zeigt sich ein deutlicher Unterschied zwischen deutschsprachigen (47 %) und internationalen Talenten (29 %). Währenddessen bevorzugen 38 % aller Befragten die Fortführung einer 35 Stunden Woche und 23 % eine Teilzeitbeschäftigung mit weniger als 35 Stunden, jedoch im Rahmen einer Fünf-Tage-Arbeitswoche.

Eine Generation, die weiß, was sie will. Aber die in Krisenzeiten auch etwas umdenkt.

Frederik Fahning, Mitgründer und Vorstand von Zenjob, zu den Ergebnissen der dritten Zenjob-Studie „Zukunft der Arbeit“:

„Unsere Studie zeigt deutlich, dass Einstellung und Werte für die Mitarbeiter von morgen im Vordergrund stehen. Sie möchten, dass ihr Arbeitgeber diese Werte lebt und ihnen Raum für ihr eigenes Leben, persönliche Entwicklung und Mitgestaltung bei der Weiterentwicklung des Unternehmens gibt. Unsere Umfrage räumt viele Vorurteile älterer Generationen gegenüber der GenZ aus. Sie sind alles andere als passiv. Sie zeigen Engagement und wollen etwas bewirken. Davon können und sollten wir alle etwas lernen. Allerdings konnten wir in wirtschaftlich schwierigen Zeiten eine deutliche Interessenverschiebung bei der GenZ feststellen. Im Vergleich zu unserer letzten GenZ Studie aus dem Sommer 2022 legt die GenZ nun deutlich mehr Wert auf härtere Kriterien wie gutes Gehalt und Jobsicherheit. Weiche Faktoren wie Work-Life-Balance oder ehrliche Kommunikation bleiben wichtig. Jedoch sind die Vertreter der GenZ als jüngere Arbeitnehmer erstmals mit den Auswirkungen von Rezession und Inflation konfrontiert und gewichten daher die klassischen harten Werte spürbar höher. In Krisenzeiten geht es also ans Eingemachte und der stets wertebezogene Ansatz der GenZ leidet. Dies könnte anzeigen, dass langfristig die GenZ vielleicht in Teilen auch gar nicht so anders tickt, als vorherigen Generationen. Am Ende arbeiten wir alle auch, um unser tägliches Leben zu finanzieren. An weichere Faktoren, auf die man die GenZ bislang gern reduziert hat, denkt auch diese Generation erst, wenn Miete und Lebensmittel bezahlt sind. Wie immer gilt: Werte muss man sich leisten können.“

Beagle Systems und AIRMO: Start-up-Power gegen Methanemissionen

Die Kooperation der Start-ups zielt darauf ab, die steigenden Anforderungen der EU-Regulierungen zu Methanemissionen zu adressieren, um eine Schlüsselrolle in der Überwachung und Minimierung dieser Emissionen zu spielen.

Das 2019 gegründete Beagle Systems mit Sitz in Hamburg, ein führendes Unternehmen im Bereich der Luftdatenerfassung, und das Münchner Start-up AIRMO, Entwickler von Satelliten zur Methanmessung, haben ihre Kräfte gebündelt, um einen innovativen Service zur Überwachung von Methanemissionen zu entwickeln. Die Kooperation zielt darauf ab, die steigenden Anforderungen der EU-Regulierungen zu Methanemissionen zu adressieren und gleichzeitig präzisere Daten zur Umweltüberwachung bereitzustellen.

AIRMO hat einen hochmodernen Sensor entwickelt, der nächstes Jahr an einem Satelliten ins All geschickt werden soll, um Methanmessungen aus dem Weltall zu ermöglichen. Dieser Sensor, der ursprünglich für Messungen aus mehreren hundert Kilometern Entfernung konzipiert wurde, bietet aus geringerer Entfernung eine erheblich höhere Messgenauigkeit. Beagle Systems wird diese Technologie in niedriger Flughöhe zur Datenerfassung nutzen. Dies ermöglicht es, präzise Daten viel effizienter als bisher zu sammeln und den Kund*innen als Service anzubieten.

Oliver Lichtenstein, CEO und Mitgründer von Beagle Systems, freut sich über die Partnerschaft: „Die Zusammenarbeit mit AIRMO repräsentiert einen signifikanten Fortschritt in unserer Mission, präzise Umweltdaten zugänglich zu machen. Indem wir unseren marktführenden geospatialen Datendiensten mit AIRMOs innovative Sensortechnologie verbinden, bieten wir unseren Kund*innen nicht nur eine verbesserte Datenqualität, sondern unterstützen sie auch dabei, die strengeren Anforderungen der neuen EU-Methanverordnung zu erfüllen.“

AIRMO-Gründerin Daria Stepanova über die Zusammenarbeit: „Wir freuen uns sehr über die Zusammenarbeit mit Beagle Systems. Diese Partnerschaft ermöglicht es uns, unsere Technologie auf neue und wirkungsvolle Weise zu nutzen. Durch die Kombination unser Methansensors mit der Expertise von Beagle Systems in der Datenerfassung können wir unseren Kund*innen schon heute einen präzisen Emissionsüberwachungsdienst anbieten.“

Die verabschiedete EU-Methanverordnung verlangt von Betreiber*innen von Pipelines und Anlagen, ab zwölf Monaten nach Veröffentlichung der Verordnung, Methanemissionen alle drei bis 36 Monate präzise zu erfassen. Beagle Systems und AIRMO sind mit dieser neuen Serviceleistung gut positioniert, um eine Schlüsselrolle in der Überwachung und Minimierung dieser Emissionen zu spielen, die bis zu 60-mal potenter und damit umweltschädlicher als CO sind.

HTGF Opportunity Fonds startet mit 660 Mio. Euro für die Wachstumsphase

Mit dem zehnten Baustein des Zukunftsfonds setzt die Bundesregierung eine weitere Maßnahme ihrer Start-up-Strategie um und stärkt so den Start-up-Standort Deutschland.

Der Zukunftsfonds des Bundes hat zum Ziel, die Wachstumskapitalfinanzierung bis zum Jahr 2030 und darüber hinaus deutlich auszubauen – durch öffentliche Mittel, die stets gemeinsam mit privatem Kapital investiert werden. Durch die verschiedenen Bausteine des Zukunftsfonds profitieren insbesondere Start-ups in der Wachstumsphase mit hohem Kapitalbedarf. Durch zusätzliche Mittel aus dem ERP-Sondervermögen, vom EIF, von der KfW/KfW Capital und insbesondere von privaten Investoren wird substanziell zusätzliches Kapital gehebelt. KfW Capital koordiniert im Auftrag des Bundes den Zukunftsfonds in enger Abstimmung mit dem Bundesministerium für Wirtschaft und Klimaschutz und dem Bundesministerium der Finanzen. Bislang sind bereits zehn Bausteine des Zukunftsfonds (inkl. des HTGF Opportunity-Fonds) mit einem Gesamtvolumen von mehr als 10 Mrd. Euro umgesetzt; weitere Bausteine in Höhe von 1,75 Mrd. EUR sind in Vorbereitung.

HTGF Opportunity Fonds als zehnter Baustein des Zukunftsfonds

Die deutsche Bundesregierung verstärkt mit dem zehnten Baustein des Zukunftsfonds ihr Engagement im Bereich der Wachstumsfinanzierung und setzt eine weitere Maßnahme der Start-up-Strategie um. Sie stellt dafür Mittel aus dem Zukunftsfonds sowie dem ERP-Sondervermögen zur Verfügung. Die privaten Fonds-Investoren der vier Frühphasenfonds des HTGF werden die Möglichkeit erhalten, sich über einen separaten Fonds an dieser Initiative zu beteiligen. Der HTGF Opportunity Fonds startet mit einem Fondsvolumen von 660 Millionen Euro

Robert Habeck, Bundesminister für Wirtschaft und Klimaschutz: „Seit der Initiierung durch das BMWK im Jahr 2005 hat der High-Tech Gründerfonds über 750 Gründungsteams finanziert und so einen erheblichen Beitrag zur Belebung der deutschen Start-up-Szene geleistet. Nun wird ihm mit Hilfe des Zukunftsfonds ermöglicht, die Besten auch in späteren Finanzierungsrunden über den HTGF Opportunity mit zusätzlichen Millionen Euro zielgerichtet zu unterstützen. Dies ist ein zentraler Baustein unserer Start-up-Strategie und ein weiterer wichtiger Impuls für den gesamten Start-up Standort Deutschland.“

Christian Lindner, Bundesminister der Finanzen: „Deutschlands Gründerinnen und Gründer sind der Motor für künftiges Wachstum. Sie prägen unsere Innovationskraft und schaffen neue Arbeitsplätze. Umso mehr freue ich mich, dass es uns mit dem HTGF Opportunity Fonds gelingt, ausgewählte Unternehmen nun auch in späteren Wachstumsphasen mit großen Finanzierungssummen zu unterstützen. Nur wenn wir es schaffen, vermehrt privates Kapital zu mobilisieren, verbessern sich die Finanzierungsbedingungen für Start-ups in Deutschland nachhaltig. Es liegt an uns, die richtigen Rahmenbedingungen zu setzen, um die Wirtschaftswende zu schaffen und sicherzustellen, dass wachsende und aufstrebende Unternehmen sich langfristig in Deutschland ansiedeln.“

Dr. Alex von Frankenberg, Geschäftsführer des HTGF: „Mit dem HTGF Opportunity Fonds wird es uns gelingen, den allerbesten HTGF-Portfoliounternehmen die Mittel zur Verfügung zu stellen, um deutlich größer zu werden und marktführende Positionen zu erreichen. Idealerweise erreichen sie dann eine Größe, die es ihnen ermöglicht, über Börsengänge als neue unabhängige Unternehmen weiter zu wachsen. Aus dem sehr erfolgreichen HTGF-Portfolio und deutschen Start-up-Ökosystem müssen und werden mehr internationale Champions entstehen. Wir danken unseren Fondsinvestoren für das Vertrauen.“

Later-Stage-Finanzierungsrunden bedarfsgerecht vergrößern

Ziel des HTGF Opportunity Fonds ist es, das Volumen von Later-Stage-Finanzierungsrunden bedarfsgerecht zu vergrößern; denn gerade bei Wachstumsfinanzierungen besteht in Deutschland im Vergleich zu anderen Nationen wie etwa den USA ein erheblicher Rückstand.  Der HTGF kann mit dem neuen Fonds in der Regel bis zu 30 Millionen Euro, in Ausnahmefällen auch bis zu 50 Millionen Euro in ausgewählte Portfolio-Unternehmen investieren. Dabei finanziert er stets gemeinsam mit einem oder mehreren privaten Investoren. Der HTGF Opportunity Fonds ist dabei voll in die bestehende Struktur des HTGF integriert. Das Management übernehmen als Chief Investment Officers Dr. Ulrich Schmitt, Partner beim HTGF, und Dr. Anke Caßing, Principal beim HTGF.

„Wahlverlierer ist die EU selbst“

Das durch die EU-Wahl ausgelöste Gewitter tobt sich in vollen Zügen aus. Wichtig erscheint es, die (EU-weiten) Ergebnisse jenseits nationaler politischer Scheuklappen zu analysieren und klare Folgerungen zu ziehen. Dazu haben wir einige Statements angesehener Player aus der Wirtschaft eingefangen.

Verena Pausder, Vorstandsvorsitzende des Startup-Verband e.V.

„Die Europawahl ist entscheidend, um die Richtung der Europäischen Union für die kommenden fünf Jahre zu bestimmen. Deshalb freue ich mich sehr über die für eine Europawahl hohe Wahlbeteiligung. Der hohe Stimmenanteil für populistische Parteien ist absolut erschreckend und zeigt, was für destruktive Kräfte auf unsere Demokratien wirken. Vermeintlich leichte Lösungen gibt es in unserer Welt nicht. Ein zersplitterter Kontinent würde in der Bedeutungslosigkeit versinken – deshalb ist für mich klar: Wir brauchen nicht weniger, sondern mehr Europa.“

Mehr Europa dürfe aber nicht mehr Auflagen und Bürokratie bedeuten. Es müsse darum gehen, den Rahmen für Innovation und Wachstum klug zu setzen. „Im Fokus muss die Stärkung der Wettbewerbsfähigkeit stehen. Für Start-ups und Scale-ups ist es wichtig, dass die Kapitalmarktunion in den nächsten Monaten vorangetrieben wird. Nur mit attraktiven Exit-Kanälen und einem dynamischen Kapitalmarkt wird es gelingen, dauerhaft ein starker Startup-Standort zu sein“, so Pausder weiter.

„Mit einem offenen, liquiden Kapitalmarkt steigern wir die Attraktivität der EU als Finanzplatz, verbessern unser Wachstumspotenzial und schaffen mehr rentable Investitionsmöglichkeiten. Ohne stärkere Investitionen in Innovationen verliert Europa technologisch den Anschluss an die USA und China und verbaut sich seine Wachstumsperspektiven.“

Marcel Fratzscher, Präsident des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW Berlin)

„Die Europawahlen bedeuten eine Schwächung und weitere Polarisierung Europas. Rechtspopulistische und rechtsextreme Parteien haben deutlich gewonnen, in Frankreich löst dies gar Neuwahlen aus. Pro-europäische Parteien und Positionen wurden empfindlich geschwächt. Die entscheidende Frage für die Zukunft Europas wird es sein, ob die Konservativen als stärkste Fraktion weiterhin ausschließlich mit Sozialdemokraten und Liberalen kooperieren werden, oder ob sie in Zukunft auch punktuell mit Parteien am rechten Rand gemeinsame Sache machen. Die Ergebnisse der Europawahlen werden den Wirtschaftsstandort Europa schwächen und dürften für Europa ein weiterer Nachteil im Wettbewerb gegenüber China und den USA bedeuten. Die Chancen einer Vollendung des Binnenmarktes, einer gemeinsamen Industriepolitik und Verteidigungspolitik sowie eine Fortsetzung des Green New Deals haben sich durch diese Wahlen deutlich verschlechtert. Ich erwarte zunehmend nationale Alleingänge – so wie dies die Bundesregierung bereits in den letzten beiden Jahren allzu häufig schon getan hat. Dies wird es China und den USA noch leichter machen, europäische Länder gegeneinander auszuspielen. Deutschland wird zu den größten Verlierern eines gespaltenen Europas gehören, denn die deutsche Wirtschaft hat im globalen Wettbewerb gegenüber China und den USA besonders viel zu verlieren.“

Dr. Ralf Wintergerst, Bitkom-Präsident

„Verlierer der Wahlen zum Europäischen Parlament sind weniger die Grünen, es ist vielmehr die EU selbst. Parteien, die der EU besonders kritisch bis klar ablehnend gegenüberstehen, verzeichnen europaweit die größten Zuwächse und bringen in Sachsen sogar die absolute Mehrheit der Wählerinnen und Wähler hinter sich. Eine Rückkehr zum Tagesgeschäft sollte sich nicht nur in Frankreich und Belgien ausschließen, sie verbietet sich auch in Deutschland. In 15 Monaten finden Bundestagswahlen statt. Die Bundesregierung muss jetzt zeigen, dass sie handlungswillig und handlungsfähig ist. Problemlösungskompetenz und Bürgernähe sind gefragt. Die Stärkung der Wirtschaft, die Modernisierung des Staats und eine leistungsfähige Verwaltung gehören neben der Förderung gesellschaftlichen Zusammenhalts ganz oben auf die politische Agenda. Digitale Technologien sind hier zumindest Teil, oft sogar Kern der Lösung. Auch für die Bundesregierung gilt: Digitalisierung ist eine riesige Chance, sie entfaltet Wirkungen, die unmittelbar bei den Menschen ankommen. Die Bundesregierung sollte jetzt alles auf die digitale Karte setzen.“

Thilo Brodtmann, Hauptgeschäftsführer, VDMA

„Wir dürfen keine Zeit verlieren und müssen uns in Europa stark und schnell aufstellen. Das bedeutet: Die europäischen Parteien sollten sich zeitnah einigen, eine Koalition der Mitte bilden und ihren Kandidaten für das Amt des Kommissionspräsidenten festlegen, damit die nächste Europäische Kommission sich zusammenfinden und mit der Arbeit beginnen kann. Auch die Mitgliedstaaten sind aufgerufen, die Handlungsfähigkeit der EU nationalen Interessen unterzuordnen. Insbesondere die Entwicklungen in Frankreich dürfen nicht zu einer Blockade führen. Klar ist, dass die Wettbewerbsfähigkeit der europäischen Industrie ganz oben auf der strategischen Agenda der EU für die nächsten fünf Jahre stehen muss. Weniger und gleichzeitig bessere Regulierung und mehr Vertrauen in das Unternehmertun sollten dabei die Leitlinie sein. Der Zulauf an Stimmen für die rechtsextremen Parteien in Europa besorgt. Die Stärkung von politischen Gruppierungen, die Freiheit, Wohlstand und Frieden in Europa eher gefährden als fördern, ist ein alarmierendes Zeichen. Diese Entwicklung ist weder im Interesse der Wirtschaft und der Bürgerinnen und Bürger noch der Politik. Mehr Überzeugungsarbeit ist gefragt – auch von uns –, um europäische Werte in der Öffentlichkeit zu verankern.“

Tanja Gönner, Hauptgeschäftsführerin Bundesverband der Deutschen Industrie e.V. (BDI)

„Europa braucht jetzt zügig einen Wachstumsplan. Europa muss handlungsfähig bleiben. Es ist gut, dass die proeuropäischen Parteien im Europäischen Parlament weiterhin klar in der Mehrheit sind. Die Mitglieder des EU-Parlaments müssen jetzt Verantwortung übernehmen und sich zügig auf eine starke Führungsmannschaft mit einem Wachstumsplan für Europa einigen. Der Zuwachs an rechtspopulistischen Abgeordneten ist ein besorgniserregendes Signal. Damit schwindet der Anteil derjenigen, die wie wir Europa gestalten und stärken wollen. Europafeindliche Parteien gefährden den gesellschaftlichen Zusammenhalt und unseren Wohlstand.“

Heike Vesper, WWF-Vorständin für Politik & Transformation

„Die demokratischen Parteien sollten das Ergebnis der Europawahl als Aufforderung verstehen: Der Wahlkampf ist vorbei, jetzt müssen sie gemeinsam an den Lösungen der Zukunftsfragen arbeiten. Die vielfältigen Sicherheits-, Klima-, Energie- und Naturkrisen haben sich nicht über Nacht gelöst. Die Union muss nach den Europawahlen jetzt Verantwortung übernehmen. Es ist tragisch, dass populistische und rechtsextreme Parteien überall in Europa Zulauf haben, obwohl sie keine Antworten auf die drängendsten Zukunftsfragen haben. Als Wahlsieger in Deutschland und auf europäischer Ebene steht die Union in der Verantwortung, nun verlässlich die demokratische Zusammenarbeit an Lösungen zu organisieren. Dafür muss sich aber klar von den populistischen und rechtsextremen Kräften abgrenzen und diese nicht bei Zukunftsfragen als Mehrheitsbeschaffer in den Blick nehmen. Die größte Aufgabe bleibt: Wenn wir unsere Wirtschaft nicht klimaneutral und ressourcenschonend umbauen, werden wir im internationalen Wettbewerb zurückfallen. Wir setzen unseren Wohlstand aufs Spiel. Klima- und Naturschutz sichern unsere Lebens- und Wirtschaftsgrundlagen und damit die Wettbewerbsfähigkeit des Standorts Europa. Der Green Deal bleibt eine zentrale Aufgabe für die nächste EU-Legislatur. Unabhängig von der gestrigen Wahl zeigen aktuelle Umfragen, dass für die Mehrheit der Europäerinnen und Europäer Umweltfragen eine zentrale Bedeutung für ihr tägliches Leben haben. Und mehr als vier von fünf stimmen zu, dass EU-Rechtsvorschriften notwendig sind, um Klima und Natur in ihrem Land zu schützen. Angesichts der vielfältigen Krisen sind die Menschen stark verunsichert. Rechtspopulisten machen sich diese Verunsicherung der Menschen zunutze. Deshalb ist es wichtig, dass die weitere EU-Politik die Menschen mitnimmt und sozial absichert. Das steht dick unterstrichen im Hausaufgabenheft der demokratischen Parteien für die nächste Legislaturperiode. Auch weil frühere Regierungen die Lösung dieser drängenden Probleme über lange Zeiten verschleppt haben. Jeder, der verspricht, dass wir es nur so wie ‚früher' machen müssen, trägt nicht zur Lösung bei.“

EY Startup Academy 2024 – jetzt bewerben!

Die EY Startup Academy ist zurück – gesucht sind Tech- und FinTech-Start-ups, die innerhalb der nächsten 12 bis 18 Monate über einen nachgewiesenen Product-Market-Fit, ein Minimum Viable Product, klare Wachstumsambitionen und einen Finanzierungsbedarf verfügen. Bis zum 1. September kannst du dich bewerben – hier gibt’s alle Infos.

Die unaufhaltsame Digitalisierung bringt neue Herausforderungen und Chancen mit sich. Parallel zu diesen Veränderungen hat die digitale Transformation sämtliche Branchen mit Wucht erreicht. Mit der vollständigen Durchdringung der privaten und unternehmerischen Realität durch Online-Kanäle und Smartphones bis hin zum Internet of Things ist die technologie­basierte Innovation zu einem wesentlichen Treiber der Veränderung geworden. Neue Lösungen und Produkte – bis dato nicht gefragt oder unvorstellbar – werden plötzlich verlangt.

EY hat sich mit seinem Motto Building a better working world unter anderem der Förderung des Fortschritts verschrieben. Die EY Startup Academy stellt in diesem Rahmen einen weiteren Schritt zur Fortentwicklung unternehmerischer Innovation durch Start-ups dar.

Am 26. September 2024 beginnt die nächste EY Startup Academy. Gesucht werden ambitionierte Tech- und FinTech-Geschäftsmodelle mit Zukunftspotenzial, um sie gemeinsam weiterzuentwickeln.

Was ist die EY Startup Academy?

Die EY Startup Academy ist ein 6-wöchiges Programm, bei dem ausgewählte Start-ups die einmalige Chance bekommen, ihr Geschäftsmodell und dessen Hauptkomponenten durch strukturierte Hilfe und Beratung von EY-Expert*innen verbessern zu können. Das Programm findet einmal jährlich von September bis November statt. Die Teilnahme ist kostenfrei.

Das Programm richtet sich an Tech-Start-ups, welche die Alpha-Phase durchlaufen haben, bereits ein Minimum Viable Product oder einen Proof of Concept vorweisen können und innerhalb der nächsten 12 Monate eine Finanzierung anstreben.

Die EY Startup Academy besteht aus einer Reihe von Workshops und Training-Events, die von EY in Frankfurt angeboten werden. Zusätzlich werden Fireside Chats mit Investor*innen und ausgewählten Corporates sowie Founders Chats mit bereits erfolgreichen Gründer*innen zum Erfahrungsaustausch durchgeführt. Insgesamt finden im Rahmen des Programms über 30 Veranstaltungen statt.

EY veranstaltet die Startup Academy zusammen mit Austrian Angels Investors Association, BlackWood Capital Partners, Blockchain Founders Capital, Business Angels FrankfurtRheinMain, C3 Management, Campus Founders, ChannelCreator, CTG Consulting, CV VC, Dieter von Holtzbrinck Ventures (DvH Ventures), GE Healthcare, HIGHEST, High-Tech Gründerfonds (HTGF), IBM, neosfer, neoteq ventures, Optio Incentives, OVHcloud, seed + speed Ventures, SixThirty Ventures, Sparkassen Innovation Hub, SpeedInvest, StartingUp, STATION, TechQuartier, UPSTART und W&W-Gruppe.

Die EY Startup Academy ist Ausdruck des EY-Engagements, das Startup Ökosystem und die Gründer*innen bei ihrer Reise „from Idea to Exit“ zu unterstützen. Mit diesem Programm hilft EY Start-ups bei schwierigen Fragestellungen rund um Steuern, Audit und Finanzierung/Bewertung. Hinterfragt wird mit der Brille des/der Investor*in Businessplan, Skalierungsfähigkeit von Organisation und IT, sowie rechtliche und regulatorische Rahmenbedingungen mit dem Ziel, dass sich Start-ups auf ihre Kernaktivitäten fokussieren und ihre Investor Readiness schnellstmöglich erreichen können. Das Ziel ist es, damit auch zum nachhaltigen Wachstum des Ökosystems für Start-ups in Europa beizutragen – im Sinn von Building a better working world.

 Was ist der Mehrwert für dich als Teilnehmer*in der EY Startup Academy?

  • Langfristige, honorarfreie Begleitung durch EY in strategischen und operativen Fragestellungen auch in späteren Stufen der Unternehmensentwicklung
  • Zugang zum EY Ökosystem für Start-ups: Academy Alumni Club, Entrepreneur of the Year, Zugang zu globalen und regionalen EY Events
  • Konzentrierter Wissenstransfer in Bereichen, die für Start-ups von zentraler Bedeutung sind
  • Zahlreiche Möglichkeiten zur Vernetzung mit Investor*innen, Corporates, erfolgreichen Gründer*innen und anderen Start-ups
  • Kostenfreier Zugang zum TechQuartier mit jeweils zwei Arbeitsplätzen für die Dauer des Programms
  • Preisgeld von insgesamt 10.000 Euro und das EY Startup Academy Siegel, mit dem du werben kannst
  • Bühne, um deine Bekanntheit zu steigern
  • Exklusiver Zugriff auf proprietäre EY Tools, die den Innovationszyklus ganzheitlich abdecken und ständig weiterentwickelt werden auf Basis unseres weltweiten Ökosystems von Start-ups und Entrepreneur*innen. EY Growth Navigator hilft Strategien und Wachstumspläne zu evaluieren und entwickeln, EY VentureBuilder hilft markt-orientierte Produkt-Roadmaps ganzheitlicher zu entwickeln und umzusetzen, EY Finance Navigator hilft Finanzpläne entwickeln und Geschäftsmodelle zu modellieren.

Neugierig geworden? Am 26. September 2024 beginnt die nächste EY Startup Academy. Bis zum 1. September 2024 kannst du dich bewerben!

Gründer*in der Woche: Rechargy – Powerbank to go

Das Berliner Start-up Rechargy ermöglicht es Nutzer*innen, in Sekundenschnelle unterwegs eine Powerbank zu mieten und mobile Endgeräte aufzuladen. Die Rückgabe erfolgt an einer beliebigen Rechargy Powerbankstation. Mehr dazu im Interview mit Rechargy-Gründer Emre Ates.

Wie entstand die Idee zu Rechargy?

Vor acht Jahren saßen mein Bruder Furkan Ates und ich in einem Café, und mein Bruder hat auf einen wichtigen Anruf von seinem Anwalt gewartet. Er hatte jedoch nur einen Prozent Akku auf seinem Telefon. Er hat den Kellner gefragt, ob sie eine Lademöglichkeit haben. Dieser hat jedoch nur auf das Kabel hinter der Theke verwiesen. Da haben wir uns gedacht, warum es denn keine Ladelösung in Cafés gibt, wo man das Gerät auf dem Tisch laden kann und hierfür einen kleinen Betrag zahlt. Wir sind daraufhin in die Recherche nach ähnlichen Anbietern eingestiegen und haben dann mit Boxen, in die man einen Euro einwirft, unser erstes Produkt auf den Markt gebracht. Wir haben dann schnell erkannt, dass die Lösung nicht skalierbar und nachhaltig ist. Weshalb wir uns schnell auf die Suche nach einem zukunftsfähigen Gerät gemacht haben, welches wir seit mittlerweile zwei Jahren für unsere Dienstleistung, als Rechargy, verwenden.

Zu euren Kund*innen gehört unter anderem die Uber Arena in Berlin. Welche Meilensteine habt ihr (als Team) für die kommende Zeit?

Unsere Ziele für die nächsten Jahre sehen so aus, dass wir unsere Position als Deutschlands größter Anbieter mobiler Ladelösungen für mobile Geräte ausbauen und verteidigen wollen. Zukünftig wollen wir einen verstärkten Fokus auf E-Mobilität legen und dabei unkomplizierte Lösungen für E-Autos und E-Mopeds entwickeln. Asiatische Länder sind uns da weit voraus und haben einen großen Vorsprung, den es aufzuholen gilt.

Des Weiteren befinden wir uns derzeit in der Expansionsphase unserer Marke und sind ebenso dabei, unser Team zu erweitern. Neben der Suche nach Franchise Partnern, sind wir derzeit auf der Suche nach Kooperationspartnern in der nationalen Eventbranche. Vor allem suchen wir nach einer Win-Win-Situation für alle Beteiligten: der Kunde, unsere Partner und wir stehen da in einem direkten Zusammenhang.

Zurückblickend auf die Anfänge von Rechargy – was würdest du anders machen? Welche Fehler sollten Gründer*innen vermeiden?

Mein größtes Learning ist es, keine Angst vor Fehlern zu haben. Während der Unternehmensgründung macht man viele Fehler und es ist wichtig, aus diesen Fehlern zu lernen, seine Erkenntnisse zu ziehen und weiter zu machen. Hauptsache ist, dass man an die Idee und die Vision glaubt. Ebenso ist es wichtig, bei der Einstellung von Mitarbeitern die Vision des Unternehmens zu vermitteln und diese ins Boot zu holen. So soll Zeit gespart werden, denn Zeit ist für ein junges Start-up das wichtigste Gut. Daher ist es wichtig seine Zeit effizient und effektiv zu nutzen und direkt, konsequent zum Punkt zu kommen.

Wo siehst du Rechargy in fünf Jahren und was benötigt ihr, um die Ziele zu erreichen?

Ich sehe Rechargy in fünf Jahren als europäischer Marktführer auf dem Gebiet der mobilen Ladelösungen, als auch in der Mobilitätsbranche. Ebenso sehe ich unser Unternehmen als innovativer Vorreiter mobiler Werbeflächen, durch die Bildschirme in unseren Ladestationen. Hierfür brauchen wir Nutzer mit einem nachhaltigen Bewusstsein, die sich dafür engagieren und einsetzen wollen, um den Elektroschrott zu mindern.

Zudem werden wir in den kommenden Jahren an der Platzierung unserer Dienstleistung in diversen Eventlocations, Flughäfen und Lokalitäten arbeiten. Weiterhin wollen wir an einer Finanzierungsrunde und der Suche nach einem erfahrenen, strategischen Investor arbeiten. Im Best Case Szenario unterstützt dieser aktiv unser Wachstum und hilft uns mit seinem Netzwerk beim Ausbau unserer Marke. Zudem halten wir Ausschau nach einem Partner mit Erfahrung in der Werbebranche beziehungsweise im DOOH-Bereich, für die Vermarktung über die Bildschirme.

Emre, vielen Dank für das Interview!

Das Interview führte Daniel Ignatenko

Hier geht’s zu Rechargy