10 Apps als Urlaubsretter


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Bald ist es so weit: Die großen Ferien rücken näher! Trotz sorgfältiger Planung kann dennoch so einiges schief gehen. Verpasster Flug, Autopanne oder Urlaubskrise - hier findet ihr ein paar App-Helferlein, die im Reisestress schon mal von Nutzen sein können.

1. FLIO - ein sicherer Hafen

Horrorszenario Nummer eins beim Reisen? Den Flug verpassen! Die kostenlose iPhone-App FLIO kann beim Eintreten dieses unglücklichen Falles deutlich die Stimmung heben. Nach Anmeldung verbindet FLIO den User automatisch mit den WLAN-Hotspots in über 300 kooperierenden Flughäfen. Ein Lageplan des jeweiligen Airports schafft schnell Orientierung und auch die Rabatte für Shops und Restaurants können den Aufenthalt angenehmer gestalten.

2. Pocket - Datenvolumen sparen

Nun, wo WLAN vorhanden, kann auch die nächste App verwendet werden: Mit Pocket kann man Artikel und Texte einfach auf das Smartphone herunterladen. Der Lesestoff kann während des Flugs dann auch offline abgerufen werden. Videos und andere Formate können mit Pocket gespeichert werden. Sind im Urlaubsland alle mobilen Daten aufgebraucht, wird die App schnell zum ständigen Begleiter.

3. Hotel Tonight - Spontan und flexibel

Angekommen am Reiseziel lauert der nächste Gefahrenherd: die Unterkunft. Seien es Fehler bei der Buchung oder Kakerlaken im Bad - mit Hotel Tonight können User blitzschnell andere Hotels finden, die noch in der gleichen Nacht über freie Zimmer verfügen. Für Spontan-Bucher und Sparfüchse kann Hotel Tonight der perfekte Reiseberater werden.

4. Views On Top - Die Welt von Oben

Die Nerven sind strapaziert und die Stimmung unten. "Hoch hinaus!", empfiehlt der Urlaubsretter. Verträumt in den weiten Horizont zu schauen, kann helfen, die Stimmung wieder zu heben. Aber wo bietet sich der beste Blick über das fremde Reiseland oder die unbekannte Stadt? Die kostenlose Views On Top-App gibt dem User genau diese Information an die Hand und bringt ihn über die Dächer der Stadt.

5. Bring! - Bloß nichts vergessen

Die Zeiten, in denen Menschen in ihrem Urlaub das Hotelgelände nicht verlassen, sind schon lange vorbei. Reisende wollen das Land erleben, Einheimische und deren Esskultur kennenlernen. Der Ausflug auf Wochenmärkte garantiert dabei einen authentischen Einblick in den lokalen Alltag. Ärgerlich, wenn beim Einkauf die Hälfte vergessen wird und wertvolle (Aus-)Zeit verloren geht. Die clevere Shoppingliste Bring! des Schweizer Gründer-Trios Marco Cerqui, Sandro Strebel und Dominic Mehr verhindert eben solche Probleme und schont dabei ganz nebenbei die Reisekasse.

6. Flush - Wenn ganz nötig

Auch im Urlaub kann es zu Problemen kommen, die ganz natürlicher Natur sind. Beim Sightseeing in fremden Metropolen kann das schnelle Finden einer Toilette zur großen Aufgabe werden, die Zeit und Nerven unnötig beansprucht. Mit der Applikation Flush kann jedoch nichts schiefgehen. Die Datenbank speichert über 200.000 öffentliche Toiletten weltweit und findet auch an unbekannten Orten das nächste stille Örtchen.

7. Sicher Reisen - Nicht nur bei Ein- und Ausreise

Was tun, wenn etwas mal so richtig schiefgeht? Ob Diebstahl oder gar eine Wetterkatastrophe im fremden Klima? Die vom Auswärtigen Amt zur Verfügung gestellte App Sicher Reisen beantwortet umfassend ganz grundsätzliche Fragen zum Reiseland und gibt für verschiedenste Situationen Handlungsempfehlungen.

8. Finde meine Medizin - Im Krankheitsfall

Aspirin und Reisetabletten gehören zur Standardausrüstung eines gut organisierten Urlaubers. Aber was tun, wenn im Unglücksfall besondere Medikamente gebraucht werden? Die App Finde meine Medizin zeigt landeseigene Pendants zu deutscher Medizin und vergleicht dabei auch Inhaltsstoffe und deren Dosierung.

9. ADAC Auslandshelfer - Kleine Starthilfe

Mit dem Mietwagen durchs Land und schon eröffnet sich eine ganz neue Welt von möglichen Schwierigkeiten. Die ADAC Auslandshelfer Anwendung bietet ADAC-Mitgliedern Hilfestellungen in vielen Notsituationen, z.B. bei Panne und Unfall, Krankheit oder Verletzung. Außerdem kann von einem juristischen Unfallratgeber in insgesamt 38 Ländern profitiert werden.

10. My Postcard - Zum Schluss ein Foto

Die Reise geht zu Ende, das Portemonnaie ist geschröpft und der Urlauber glücklich und zufrieden auf dem Weg nach Hause. Nur eine Sache wurde vergessen: Postkarten für die Lieben daheim. Mit My Postcard ist auch dieses letzte Problem schnell gelöst: Auf dem Handy kann aus den geschossenen Erinnerungen eine persönliche Postkarte gestaltet, beschrieben und direkt verschickt werden.


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Lokal handeln, bundesweit online verkaufen

Lokal handeln – so die Initiative von DHL und HDE, die Starthilfe für den stationären Handel in den Online-Handel bietet. Jetzt mit attraktiven Rabatten der Technologiepartner.

Seit 2020/21 finden Interessierte aus dem Einzelhandel Informationen und Kontakte zu den passenden Technologie- und Beratungspartnern auf der Seite der Gemeinschaftsinitiative „Lokal handeln“ von Handel und Versand. Zu den Partnern gehören die bekannten Namen von Shop-, Multichannel- und Warenwirtschaftssystemen, wie JTL-Software, plentymarkets, Billbee, DreamRobot, VARIO-Software und viele andere. Exklusiv über die Initiative „Lokal handeln“ bieten die teilnehmenden Partner aktuell besondere Rabatte für Neukund:innen an.

Wer seine Waren und Dienstleistungen bundesweit verkaufen will, hat jetzt die Chance, mit diesen Rabatten besonders günstig in den Online-Markt einzusteigen. Zu den Angeboten gehören Erlass der Grundgebühren, kostenfreie begleitende Beratung oder Rabatte auf die Software-Miete, teilweise das ganze erste Jahr. Den exklusiven Rabatt erhalten Interessierte über das Kontaktformular HIER. Einfach Name und E-Mail eingeben und auf den Button „Rabattcode senden“ klicken, dann wird der exklusive Rabatt zugeschickt, der beim Wunschpartner eingelöst werden kann.

Mit der Gemeinschaftsinitiative „Lokal handeln“ haben inzwischen rund 1.150 Einzelhändler:innen, die über 2.600 stationäre Geschäfte repräsentieren, den Sprung in den Online-Handel geschafft. Und stetig kommen neue dazu. Wie unterschiedlich die Motivation und die Wege in den Online-Handel aussehen können, berichten Unternehmer:innen aus ganz unterschiedlichen Branchen, wie Online-Apotheken, Tiernahrung, ökologische Mode, Fahrradhandel oder Kaffeerösterei, um nur einige Beispiele zu nennen. Jede:r Einzelhändler:in hat eigene Ziele und braucht dazu passende Technologie- und Beratungspartner. „Die Möglichkeiten, Menschen im Einzelhandel zu erreichen, sind endlich. Gerade in der heutigen Zeit ist die digitale Welt super wichtig. Mit einem Onlineshop ist es für Unternehmer deutlich attraktiver, weil man seine Umsätze vergrößern kann“, verdeutlicht Kira vom Eco-Mode-Label soki. Für sie war bei der Gründung wichtig, dass der Concept Store in Kassel trotz Einstieg in den Online-Handel Priorität hat. Für Uwe Prommer von Cofi Loco war – wie für viele andere auch – die Corona-Pandemie Anlass für den Einstieg in den Online-Handel. Heute sind Prommers Kaffeespezialitäten deutschlandweit gefragt. Und auch wenn sich Online- und Einzelhandel inzwischen gut ergänzen, gilt für den Geschäftsführer mittlerweile: online first!

Andere Unternehmer sind schon lange im Online-Handel etabliert und nutzen die Angebote der Initiative, um ihre Wettbewerbsfähigkeit zu steigern. Wie beispielsweise für den Apotheker Ingo Blümlein. Für ihn spielen nicht nur günstige Preise für frei verkäufliche Arzneimittel eine Rolle, sondern auch die Schnelligkeit und Zuverlässigkeit bei der Lieferung zum Kunden nach Hause. Denn vielfach werden die bestellten Arzneimittel und Medizinprodukte dringend benötigt.

Wer über den Einstieg in den Online-Handel nachdenkt, sollte sich die zeitlich begrenzte Rabattaktion der Gemeinschaftsinitiative nicht entgehen lassen. Die Rabatte sind exklusiv für Unternehmer:innen über die Gemeinschaftsinitiative „Lokal handeln“ von DHL und HDE erhältlich. Wer sich jetzt für den Sprung in den Online-Handel entscheidet, erhält beispielsweise bei Gambio 25% Rabatt auf das gesamte erste Vertragsjahr. plentymarkets schnürt ein Rabattpaket mit Erlass der Grundgebühr für plentymarkts Edition CLASSIC für drei Monate und einem 50%-Rabatt auf den Einstiegssupport. Und Tricoma erlässt allen Neueinsteiger:innen die Kosten für 3 Monate Grundgebühr für die Software, um nur ein paar Beispiele zu nennen. Auf der Seite von „Lokal handeln“ erhalten Sie Infos zu allen Technologie- und Beratungspartnern und ihren exklusiven Angeboten. Jetzt den lukrativen Sprung vom lokalen zum deutschlandweiten Handel mit attraktiven Sparpaketen wagen!

 

Warum Fleisch, wenn es auch Sonnenblumen gibt?

Langsam, aber stetig entscheiden sich immer mehr Deutsche für weniger oder sogar gar keinen Fleischkonsum. Doch fleischlose Alternativen etwa auf Sojabasis haben keine reine Klimaweste. Das Münchner Start-up Planty Of Meat setzt daher auf Sonnenblumen und verspricht echten Fleischgeschmack.

Der Oktober 2022 war der wärmste seit Beginn der Wetteraufzeichnungen in Deutschland. Die hiesigen Sommer eilen seit Jahren von einem Temperaturrekord zum nächsten – während viele Ackerflächen, Waldböden und private Rasenflächen regelrecht verdorren. Es ist nicht mehr von der Hand zu weisen: Der Klimawandel ist im vollen Gange und verändert das Wetter hierzulande dramatisch.

Vor dem Hintergrund dieser Entwicklungen fragen sich mehr und mehr Deutsche nach der eigenen Rolle, dem eigenen Klima-Fußabdruck und ihrer persönlichen Verantwortung: Die Zahl der Menschen, die zumindest häufiger als früher vom Auto aufs Fahrrad umsteigen, nimmt zu. Und auch bei den Ess- und Verbrauchsgewohnheiten der Konsumentinnen und Konsumenten zeigt sich ein Umdenken. So geht der Fleischkonsum – wenn auch im internationalen Vergleich nach wie vor auf sehr hoher Basis – leicht zurück.

Fleischkonsum der Deutschen: Umdenken hat eingesetzt

Im Jahr 2021 summierte sich der menschliche Verzehr von Fleisch hier in Deutschland auf rund 55 kg pro Kopf, ist bei Statista nachzulesen. Weiter heißt es dort: „Der Gesamtverbrauch, in dem der Verbrauch von Tierfutter, die industrielle Verwertung sowie die Produktverluste berücksichtigt sind, summierte sich auf etwa 81,7 kg. Die in Deutschland am meisten konsumierte Fleischsorte ist Schweinefleisch. Es folgen Geflügel mit rund 13,1 kg sowie Rindfleisch mit etwa 9,4 kg pro Kopf. Die tendenziell sinkende Konsummenge von Fleisch in Deutschland ist vor allem auf die Zurückhaltung gegenüber dem Schweinefleisch zu erklären. Der durchschnittliche Gesamtverbrauch von Schweinefleisch sank seit dem Jahr 1991 um rund acht Kilogramm.“

Wesentliche Gründe für den Rückgang sind die zahlreichen Tierzuchtskandale der jüngeren Vergangenheit, Berichte über teils katastrophale Bedingungen bei der Haltung und dem Schlachten der Tiere, aber eben auch das steigende Bewusstsein über die immens hohen direkten und indirekten Kohlendioxid- und Methanemissionen bei der Nutztierzucht, die das Weltklima stark belasten.

Die Einsicht und der Wille zur fleischärmeren bis gar zur fleischlosen Ernährung ist bei vielen Menschen da. Wäre da nicht die Sorge, auf den dem Menschen regelrecht angeborenen Fleischgeschmack verzichten zu müssen.

Fleischersatz mit vollem Fleischgeschmack

Diese Sorge hatte auch Johannes Biel, als er 2019 das Unternehmen Planty Of Meat gründete, in Garching, 20 Kilometer vor der Stadtgrenze Münchens: „Wir möchten natürlich konsumieren, gleichzeitig wollen wir unseren Kindern aber auch eine intakte Umwelt übergeben und nicht ohne Rücksicht auf Verluste leben.“ Als sich Johannes Biel mit dem Gedanken trug, eine „fleischlose Firma“ zu gründen, hatte er bereits eine Karriere in der klassischen Industrie hinter sich. Bis heute ist er auch in der fleischverabeitenden Industrie tätig. Wie passt das zusammen? Seine Antwort: „Sicherlich sind wir ein Traditionsunternehmen, auf was wir sehr stolz sind. Dennoch möchten wir uns aber dem Zeitgeist nicht verwehren und auf aktuelle Trends eingehen. Folglich ist Planty Of Meat unsere Auflösung dieses Konflikts.“ Als Fleischproduzent kennt Biel die Bedürfnisse der Deutschen bestens – und will daher auch beim Geschmack keine großen Abstriche machen. Sein Motto: Was nach Fleisch schmeckt, muss kein Fleisch enthalten. Dabei will er aber keinen Zwang ausüben, sondern Optionen aufzeigen: mal mit, mal ohne Fleisch, je nach Lebenseinstellung, Lust und Laune.

Wettbewerber am Markt für fleischlose Produkte gibt es zahlreich. Als Fleischersatz bieten sich viele Dinge an: Tofu, Seitan, Soja. Tatsächlich enthalten Seitan und Soja beinahe genauso viel Eiweiß wie Fleisch, unverarbeitet aber kaum Fett und keine Harnsäure. Doch die gesunden Inhalte aus Soja und Weizen wie Vitamine, Mineralstoffe und Ballaststoffe werden bei der Eiweißgewinnung herausgelöst.

Planty Of Meat: Sonnenblumen mit weißerer Weste als Soja

Hinzu kommt auf der Negativbilanz: Das sehr proteinreiche und damit begehrte Soja erreicht mit keiner wirklich reinen Weste die deutschen Supermärkte und später die Teller der Verbraucherinnen und Verbraucher hierzulande. Für die Ausweitung der Ackerfläche werden etwa in Südamerika riesige Wald- und Savannenflächen umgewandelt. Auf diese Weise gehen einzigartige Lebensräume für Pflanzen und Tiere verloren, fruchtbarer Boden wird zerstört und Wasser verseucht.

Planty Of Meat dagegen setzt auf Fleischersatzprodukte auf Basis von Sonnenblumen und Weizen. Diese stammen nicht aus fernen Regionen und haben dadurch keine langen Transportwege hinter sich. Produziert wird in den Niederlanden. Aktuell sind das etwa die fleischlosen Burger „Sunny Cut“ als Frisch- und Tiefkühlware. In Kürze sollen fleischlose Dönervarianten, Cevapcici und Hackbällchen folgen.

Planet A Foods: kakaofreie Schokolade zum Fest

Das 2021 in München gegründete Start-up Planet A Foods will mit der weltweit ersten 100 % kakaofreien Schokolade Nocoa die Süßwarenwelt gehörig umkrempeln.

Noch haben sich viele Menschen nicht mit der Idee von Fleischersatz-Produkten, Milch-Ersatz-Produkten und Co. angefreundet. Doch mittel- bis langfristig dürfte der Trend – aus Gründen wie Klimawandel und Bevölkerungswachstum – nicht aufzuhalten sein. Entsprechend sehen sich Forschende und Unternehmen nach weiteren Möglichkeiten um, gängige Lebensmittel mit (perspektivisch) umweltfreundlicheren Alternativen zu ersetzen. Eines davon ist das vom Geschwisterpaar Sara und Maximilian Marquart gegründete Münchner Start-up Planet A Foods. Mit Nocoa hat es eine Kakao-Alternative entwickelt – und steht knapp vor der Markteinführung.

Hafer ersetzt Regenwald-Rodung und Kinderarbeit

Der Hintergrund: Für die Kakaoproduktion werden jährlich große Regenwald-Flächen abgeholzt und es gibt ein massives Problem mit Kinderarbeit. Das Unternehmen setzt dagegen auf Hafer aus heimischer Produktion als wichtigste Zutat. Auch sonst nutzt Planet A Foods auf regionale Bestandteile.

Ersetzt werden im Nocoa sowohl Kakaopulver als auch Kakaobutter. „Wenn man Hafer richtig fermentiert und röstet, erhält man sehr ähnliche Aromen wie im Kakao“, erklärt Sara Marquart gegenüber der deutschen WirtschaftsWoche. Dazu adaptierte das Start-up Verfahren zur Fermentation. Bei Blindverkostungen sollen laut dem Start-up auch Lebensmittelexpert*innen den Unterschied zu gewöhnlicher Schokolade nicht geschmeckt haben.

Große Skalierungspläne mit Nocoa

Planet A Foods hat bislang rund sechs Millionen Euro Investment aufgenommen, unter anderem von Cherry Ventures aus Berlin, und hat am renommierten Y-Combinator-Accelerator-Programm im Silicon Valley teilgenommen. Überzeugt haben dürfte man die Geldgeber*innen auch mit der Strategie. Das Start-up will nämlich nicht – wie andere vergleichbare Unternehmen – erst einmal ein Edel-Produkt auf den Markt bringen, sondern fokussiert darauf, Schokolade in Massenprodukten wie Schokoriegeln zu ersetzen.

Die Vision laut Maximilian Marquart: „Eine Lebensmittelfirma aufbauen, die 500 Megatonnen Kohlendioxid im Jahr einsparen kann“. Derzeit baut das Start-up im tschechischen Pilsen eine 1000-Quadrameter-Halle, in der 400 Kilogramm Nocoa-Schokolade pro Stunde hergestellt werden sollen. Und der geplante Marktstart dürfte auch nicht zufällig gewählt sein – knapp vor Weihnachten soll es soweit sein.

Mihai Streza, Founder des Tech-Start-ups wondder.io

Mit wondder.io ging Mihai Strezas Traum in Erfüllung: ein erfolgreiches Technologieunternehmen zu gründen. Heute tauchen die Mitarbeitenden seiner Kund*innen tief in spezielle Situationen ein, wenn sie per VR zu den wichtigen Themen Diversity und Inclusion geschult werden – ein Novum im europäischen Raum.

Unternehmen zu gründen, das liegt Mihai Streza im Blut: er sah sich schon mit gerade einmal sieben Jahren dazu berufen, Bedarfe zu erkennen und passende Produkte oder Dienstleistungen anzubieten. Er selbst erzählt mit einem großen Augenzwinkern: „Die ersten Gesprächspartner dazu reichten von meinem Großvater, der, meiner geschulten siebenjährigen Meinung nach, auf seinem ländlichen Gut meine Dienstleistungen kaufen sollte (die fingen beim Sensen an), bis hin zu meinem Vater, dessen Hingabe für Physik ich zum Anlass nahm, um ihn als Investor für meine "Erfindungen" zu gewinnen. Dazu zählte unter anderem ein magnetischer Antrieb für Büchsenpatronen, der sich leider nirgendwo durchgesetzt hat."

Bereits im Kindesalter reizte es ihn, für bestehende “Probleme” bessere Lösungen zu entwickeln, auf die Belange seines Gegenübers einzugehen, Angebote entsprechend nachzubessern und bis zum krönenden Abschluss des Deals zu verhandeln. Der Lauf der Jahre hat seiner Umtriebigkeit und Geschäftstüchtigkeit keinen Abbruch getan – lediglich seine Geschäftsideen sind, hofft er, wieder mit dem großen Lächeln, “gesellschaftlich relevanter” geworden.

Neue Heimat, vielseitiges Studium und starke Mentoren
Streza kam im Alter von 19 Jahren aus Rumänien nach Deutschland. Seine Mentorin Dr. Mariana Bozesan motivierte ihn dazu, an der Technischen Universität Fridericiana zu Karlsruhe, dem heutigen KIT, das Informatikstudium aufzunehmen. Immer für eine zusätzliche Herausforderung gut, befasste sich der junge Student neben Robotik und Mensch-Maschine-Interaktion als Hauptstudium mit dem Unternehmertum als Nebenfach. Hier war es vor allem der als "Schraubenkönig" bezeichnete erfolgreiche Unternehmer Reinhold Würth, der mit seinen Entrepreneurship-Vorlesungen den weiteren Weg von Mihai Streza beeinflusste: „Ich glaube, er fand es amüsant, wie der junge Student ihm erklärt hat, dass er sich nicht von den wissenschaftlichen Mitarbeitern des Herrn Würths benoten lassen möchte, denn sie haben keine praktische Erfahrung im Unternehmertum – was ich mir natürlich einbildete, seit dem jungen Alter von sieben Jahren ausgebaut zu haben. Das endete in einem herrlichen Gespräch von einer Stunde, benotet vom Schraubenkönig selbst mit einer 1,0."


Ehrgeiziger Berufseinstieg und wichtige Erfahrungen

Bereits vor Abschluss des Studiums stieg Streza als Mitgründer bei eRockit ein, um in Berlin Elektrofahrzeuge zu entwickeln und herzustellen. Allerdings war der Zeitpunkt, nämlich das Jahr 2006, noch nicht reif für das Konzept. Heute sieht er darin einen typischen Gründer*innenfehler – falsches Timing – wie viele andere falsche Entscheidungen, die eben rund um ein Start-up getroffen werden. Er trat gleichzeitig mit der Gründung seinen ersten Job an: als Strategieberater bei Roland Berger; die Arbeitstage wurden sehr lang – verständlich, in einem Job, in dem den meisten Berufsanfänger*innen schnell die Puste ausgeht, und wo er parallel dazu noch ein Startup aufbaute. Sobald eRockit die vierte Prototyp-Serie entwickelte, stieg er bei Roland Berger aus und engagierte sich in Vollzeit im Start-up.

Die nächste Etappe seiner beruflichen Entwicklung war wieder in der Strategieberatung, diesmal allerdings mit einem höheren Sinn: Streza entwickelte unter der Leitung von Alexander Holst eine Abteilung für Nachhaltigkeitsstrategie bei Accenture mit. Stück für Stück näherte er sich seiner größeren Vision: von erfolgreichen Unternehmen, die gleichzeitig “das Gute, Schöne, Wahre” in die Welt bringen. Nach Accenture machte er einen wichtigen Abstecher zu AQAL Capital, dem Family Office seiner Mentoren, wo er die Entwicklung eines Systems für Frühphaseninvestitionen auf der Grundlage der Entwicklungspsychologie mitgestaltete. Die ESG-Kriterien (Environmental, Social, and Governance) – an sich zu diesem Zeitpunkt ein Novum in Deutschland – stellten den Anfangspunkt dieses Systems dar, das viel weiter reichte, und innere Dimensionen der menschlichen Psyche, wie Purpose und Passion als gleichwertig mit ESG deklarierte.

Rückzug, Besinnung und Fokussierung - das entscheidende Jahr 2018

„Was braucht die Welt von mir?", diese Frage bewegte Streza nach seinen aufregenden und richtungsweisenden Erfahrungen. Er nahm sich das ganze Jahr 2018, um SEINE Antwort auf diese existenzielle Frage zu finden. Die Exploration war erfolgreich, die Antwort: Milliarden von Menschen mithilfe von Technologie in ihrer Persönlichkeitsentwicklung befähigen – und zwar mit Virtueller Realität (VR) unter Einsatz ethischer künstlicher Intelligenz (KI). Das Jahr 2019 war geprägt von einer intensiven Beschäftigung mit diesen Technologien und der strategischen Konzeptionierung eines Unternehmens, das diese manifestiert: wondder.io. Hier setzte Streza seine in zwei Jahrzehnten gesammelte Expertise in Technologie, Strategie, Persönlichkeitsweiterentwicklung, Entwicklungspsychologie und Integrale Theorie nach Ken Wilber ein.

2019 war auch das Jahr der Teamfindung: Streza stellte ein kompaktes, hochkarätiges Team zusammen, in dem er den heutigen CSO und später den heutigen CTO mit ans Bord brachte. Wenige Monate später stellte er einen ersten Trainings-Prototypen bei einem Chemiekonzern vor, der früher zu seinen Consulting-Kund*innen gezählt hatte. Auch wenn die Resonanz verhalten war, da die Manager offenbar ein Science-Fiction-Erlebnis à la Black Mirror erwartet hatten, wusste Streza, dass er auf dem richtigen Weg war. Diesen Eindruck bestätigen seine erstklassigen Kund*innen in den letzten zwei Jahren und auch die Personalzuwächse in der Firma, die oft genug unverhofft, und perfekt getimt das Team verstärkten und neue Dynamik ins Geschehen brachten.

Schon heute europäischer Marktführer

„Wir wachsen momentan sehr stark und fokussieren uns in diesem Jahr auf den Ausbau des Teams, des Vertriebs sowie die weitere Entwicklung unseres Produktportfolios, dessen Größe sich dieses Jahr verdreifachen wird", so Streza zum aktuellen Stand. Mehr als 30 Kund*innen in verschiedenen Ländern nutzten bisher Demo-Versionen, darunter zahlreiche DAX-Unternehmen. Mit Fug und Recht kann wondder.io von sich behaupten, schon heute der führende Anbieter hochkarätigen VR-Trainings in Europa zu sein. „Wir werden von sehr erfahrenen und erfolgreichen Business Angels und Beratern unterstützt, die früh in uns investiert haben und unser Wachstum begleiten", betont Streza.

Mihais Tipps für andere Gründer*innen

Allgemeine Ratschläge finde ich problematisch, vor allem da es kein Rezept für Unternehmertum gibt. Statistisch gesehen hat jeder Mensch im Durchschnitt um die 80.000 Arbeitsstunden zur Verfügung in seinem Leben. Es sollte eine moralische Verpflichtung eines jeden Unternehmers bzw. einer jeden Unternehmerin sein, sich dem bewusst zu machen und anschließend immer wieder bewusst zu entscheiden, wofür man diese begrenzte Zeit einsetzt.

Pink Elements: Das Social Network für Umweltdaten

Pink Elements will Verbraucher*innen einen einfachen Zugang zu sicheren Informationen zur Qualität des Leitungswassers oder der Luft an ihrem Wohnort ermöglichen.

Knapp zwei Drittel (62 Prozent) der Deutschen befürchten, dass sich die Trinkwasserqualität aufgrund des Klimawandels verschlechtern wird. 39 Prozent fühlen sich aufgrund der Medienberichterstattung über Nitratbelastung, Arzneimittelrückstände und Krankheitserreger im Trinkwasser verun­sichert. Das Bewusstsein für die Bedeutung von sauberem Trinkwasser hat zugenommen. Doch woher bekommen wir die Informationen, um seine Qualität beurteilen zu können?

Die Vision: die größte Umweltdatenbank der Welt

„Ich habe über lange Zeit intensiv mit allen Beteiligten in der Wertschöpfungs­kette gearbeitet. Es gibt ein riesiges Misstrauen gegenüber Leitungswasser bei den Endverbraucher*innen sowie immer wieder neue Substanzen, die unser Trinkwasser verschmutzen und die Gesetzgebung und Wasserversorger vor große Herausforderungen stellen. Und es gibt viel zu wenig frei zugängliche Informationen über die Qualität von Trinkwasser“, meint Michael Hank. „Doch um eine wirksame Antwort auf diese Herausforderungen zu geben, müssen wir unsere Entscheidungen auf eine fundierte Datenbasis stützen können, unser Wissen teilen, unsere Lernprozesse beschleunigen und Menschen sensibilisieren und befähigen, Dinge zum Besseren zu wenden.“

Mit Umwelttechnologien kennt sich Michael aus, von dem die Gründingsidee zu Pink Elements stammt. Er hat in den letzten 20 Jahren bereits zwei Unternehmen im Bereich der Wasserfiltra­tion erfolgreich gegründet. Beide wurden von großen Konzernen übernommen. Nun will der Entrepreneur mit seinem Team nichts weniger, als die größte Umweltdatenbank der Welt schaffen.

Geschützter Raum für den Austausch von Umweltdaten

Mit Pink Elements will Michael mehr Transparenz und eine Demokratisierung der Daten erreichen. In einer intuitiv bedienbaren Smartphone-­App können essenzielle Umweltdaten wie zur Wasser- oder Luftqualität in einer dezentralen Community Plattform geteilt, bewertet und diskutiert werden – quasi ein smartes Wikipedia der Umweltdaten im Web3. Als Web3 wird eine neue Generation des World Wide Web bezeichnet, die auf der Blockchain-Technologie basiert und Merkmale wie Dezentralisierung und Token-basierte Wirtschaft beinhaltet.

Nutzer*innen können sich in Pink Elements austauschen oder mit Menschen vernetzen, die vergleichbare Probleme mit Wasser- und Umweltqualität haben. Die Absicherung der Daten durch die Blockchain-Technologie gewährleistet eine geschützte Plattform mit transparenten und verlässlichen, weil nachprüfbaren Daten.

Das Start-up erfasst und ver­arbeitet zudem automatisiert öffentlich zugängliche Onlinedaten zur Wasserqualität, beginnend mit vordefinierten Schwerpunktregionen bis hin zu einer späteren globalen Abdeckung. Die Plattform ist mit Schnittstellen zur Anbindung von IoT-fähigen Sensoren ausgerüstet, um Echtzeitdaten zu erheben. Zukünftig werden dann weitere Datenarten, wie beispielsweise Wetter, Lärm, Luftqualität etc., erfasst.

Um Daten aussagekräftiger zu machen, kommen modernste Technologien zum Einsatz. Verschiedene Datenebenen werden miteinander verknüpft, z.B. Wasserqualitätsdaten mit Wetter­daten oder geologischen Daten, um wechselseitige Einflüsse zu erkennen. Künstliche Intelligenz und Machine Learning ermöglichen es, Zusammenhänge schneller zu erkennen und Rückschlüsse aus Datenentwicklungen in der Vergangenheit zu ziehen. Damit werden umfassende Pro­gnosemodelle und intelligente Vorhersagen möglich. Laut Pink Elements gibt es derzeit nichts Vergleichbares auf dem Markt.

„Unsere Plattform bietet alle technischen Voraussetzungen, um sich zur weltweit größten Plattform für Umwelt­daten zu entwickeln: automatisierte, fortschrittliche Technologien zum Auffinden und Verarbeiten von Daten im Internet, die Möglichkeit, Daten sowohl durch Nutzer*innen als auch durch IoT-Sensoren und Datencrawler einzuspeisen, Datenspeicherung auf der Blockchain, um stets vertrauenswürdig zu sein“, führt Michael aus. „Ein einfaches Micropayment-System und Push-Benachrichtigungen über neue relevante Daten und Aktivitäten sollen die Nutzer*innen zur Teilnahme motivieren und ihr Engagement fördern.“

Blockchain garantiert Datensicherheit

Sämtliche Umweltdaten werden in Pink Elements unzensierbar und unveränderbar auf der Blockchain gespeichert. Die Blockchain-Technologie bildet eine grundlegende Komponente bei der Entwicklung von Pink Elements. Einerseits bietet die Distributed Ledger Technology (DLT) wesentliche Vorteile wie Offenheit, Dezentralisierung, Zensurresistenz und Vertrauenswürdigkeit der gespeicherten Informationen, da deren Historie nicht verändert werden kann.

Andererseits ermöglicht die Verwendung maßgeschneiderter Smart Token als Zahlungsmittel innerhalb der Plattform, dass Anbieter*innen von Umweltdaten von den Nutzer*innen, die diese Informationen abrufen, durch Kleinstbeträge entlohnt werden. Denn das Eigentum an den Daten, z.B. einer Trinkwasseranalyse, behalten dabei diejenigen, die sie zur Verfügung gestellt haben. Die Nutzungsentgelte werden in Pink Token bezahlt, einem Token-System innerhalb der Plattform. Von allen Transaktionen gehen 97 Prozent des Wertes an die Datenanbieter*innen und drei Prozent an Pink Elements.

Klimaneutral aufgestellt

Das Start-up hat sich bei der Umsetzung seiner dezentralen Datenplattform für Polygon entschieden, einer auf Ethereum basierenden, aber nachhaltiger und umweltfreundlicher arbeitenden Smart-Contract-Platform. Neben technischen Aspekten war vor allem das Nachhaltigkeitskonzept entscheidend. Polygon setzt als dezentrale Smart-Contract-Plattform auf den Consensus-Mechanismus „Proof of Stake“, der als ex­trem energieeffizient gilt und den CO-Ausstoß um bis zu 99 Prozent verringert. Darüber hinaus arbeitet Polygon klimaneutral, da jede Transaktion und ihre Umweltauswirkungen automatisch kompensiert werden. Hierzu arbeitet die Smart-­Contract-Platform mit KlimaDAO zusammen, einer Organisation, die On-Chain-CO-Ausgleichstechnologie bereitstellt.

„Pink Elements setzt der Unsicherheit über die Qualität des Trinkwassers ein Ende, schafft Klarheit und Bewusstsein und legt so den Grundstein für eine Veränderung hin zu nachhaltiger Verbesserung“, bringt es Michael abschließend auf den Punkt.

Michaels Tipps für andere Gründer*innen

  • Seid euch im Klaren über die „Implikationen“ des Kapitals, das ihr reinholt: Strategische Investor*innen haben ein strategisches Interesse an der Technologie. Später werden Start-ups dann in die größeren Strukturen des/der strategischen Investor*in integriert (da passt ihr als Gründer*innen typischerweise nicht rein!). Also nicht überrascht sein. Am besten immer mit einem/einer Finanzinvestor*in koppeln. Institutionelle Finanzinvestor*innen sind oft klarer in ihren Zielen: Rendite. Und das ist auch gut so; oft investieren sie „unser“ Geld, beispielsweise von Renten- und Pensionskassen. Außerdem helfen sie euch, den Exit zu möglichst hohen Bewertungen hinzukriegen. Business Angels sollten in der Regel im Anteil nicht über fünf Prozent kommen. And whatever you do, do it with SEM (someone elses money) – ihr seid die Gründer*innen, Treiber*innen und Ideengeber*innen.
  • Das Team, das ihr aufbaut, dreht sich um euch als Gründer*innen. Was zählt, ist eure exzentrische Art, Kreati­vität, eure Art zu arbeiten, eure Ideen und Visionen. Deswegen verlassen Leute ihre angestammten Jobs und kommen zu euch. Machmal sind sie dann aber auch überrascht, weil sie vielleicht die Vision aus der Ferne cool fanden, aber tatsächlich zu wenig Struktur in eurem Start-up herrscht. „Und wo sind jetzt mein Büro und meine Assistentin“, hat mich mal ein Vertriebsleiter gefragt, den ich eingestellt habe. Er zog nach wenigen Wochen weiter.
  • Sucht euch Mentor*innen und Angels, die euch mit ihrer Erfahrung und ihrem Netzwerk helfen können und auf eurem Weg begleiten.

Outfittery-Gründerin Julia Bösch über ihre Anfänge

Outfittery-Gründerin Julia Bösch wuchs am Bodensee auf. Einer Region, die nicht unbedingt für ihre Start-up-Szene bekannt war. Durch Glück gelangte sie an ein Praktikum beim einzigen Start-up in der Umgebung. Und ihre Geschichte startete.

„Als Schülerin hatte ich das Gefühl, die Richtung des Unternehmens und die Zukunft mitbestimmen zu können“, erinnert sie sich. „Da hat für mich der Traum begonnen, irgendwann einmal zu gründen.“

Vor Outfittery: Zuerst bei einem „kleinen“ Start-up lernen

Bis zu ihrer eigenen Firma sollte es aber noch ein langer Weg sein. Die gebürtige Österreicherin studierte in New York und München, und kam in Bayern mit dem CDTM (Center for Digital Technology and Management) in Kontakt.

Das Zentrum habe das Unternehmertum anfassbar gemacht, wie sie erklärt. Umringt von Menschen, die an Gründen interessiert waren, mit offenen Augen durch die Welt gelaufen sind und überall Möglichkeiten gesehen haben, wurde ihr Traum in einen wirklichen Plan transformiert. „Für mich war damals die Überlegung, ob ich gleich gründen soll, oder zu einem Startup gehen, um etwas zu lernen. Ich bin dann auf einen kleinen Onlineshop gestoßen und wurde 2009 dort die 40. Mitarbeiterin. Das war Zalando“, erinnert sich Bösch.

Innerhalb von zwei Jahren ist der deutsche Online-Versandhändler „komplett explodiert“ und die spätere Outfittery-Chefin durfte unterschiedliche Unternehmensphasen miterleben. Sie war verantwortlich für die Internationalisierung und hat mehrere Märkte in Europa erschlossen.

Ein Treffen bei Zalando

„Da habe ich jegliche Angst vor Geschwindigkeit verloren, bin ganz viele Risiken eingegangen und habe ein großes Selbstbewusstsein entwickelt. Und gemerkt, Wetten einzugehen lohnt sich“, erklärt Bösch ihr damaliges Mindset.

Bei Zalando kam es schließlich zu einem folgenschweren Treffen. Anna Alex trat in ihr Leben. Beide Frauen merkten bald, dass sie mit dem gleichen Ziel zum Online-Anbieter gegangen waren – lernen und später gründen. So verbrachten sie die Nächte und Wochenenden gemeinsam, recherchierten und planten. Die eigentliche Inspiration für beide Gründerinnen kam jedoch erst in den USA.

Bei einer Reise nach New York begleitete sie ein Freund, der absolut kein Interesse am Thema Shopping zeigte, aber für die Nachtclubs des „Big Apple“ doch schick aussehen wollte.

Die Idee zu Outfittery

Dieser Freund leistete sich vor Ort eine „Personal Shopperin“, quasi eine Kaufberaterin, die eine Auswahl an Kleidung für ihre Kunden zusammenstellt – für rund 200 US-Dollar die Stunde. Der Freund kehrte freudenstrahlend und modisch gestylt zurück und gab damit seinen Begleiterinnen die Idee zu Outfittery.

„Wir haben uns gefragt, wie man diese Luxus-Erfahrung online und allen Menschen kostenlos anbieten kann“, erinnert sich Bösch. „Wir waren begeistert, weil das eine ganz andere Herangehensweise war. Wir wollten das Modell umdrehen, nicht mit einem großen Sortiment, sondern vom Kunden aus starten. Schauen, wer dieser Mensch überhaupt ist und wie wir ihm oder ihr helfen können, ein tolles Outfit zu finden, das glücklich macht.“ So entsprang Outfittery den Köpfen beider Frauen.

Das Umfeld von Bösch war, wie sie erzählt, äußerst hilfsbereit. Zu dieser Zeit bereits im Berliner Umfeld unterwegs, wusste sie, dass „Startup der Weg war“ – denn es gab in der Umgebung der deutschen Hauptstadt nicht viel anderes. Sie fühlte sich nicht schreckhaft, sondern sah den Weg ins Unternehmerinnentum als nächsten logischen Schritt.

„Wir waren unglaublich naiv“, erklärt Bösch. „Wussten aber mit unserer Erfahrung, dass wir genügend Leute kennen, die helfen können. Vor allem, wenn wir im ersten Jahr Dinge angehen, von denen wir keine Ahnung haben.“

Zweifler und Schnaps

Ihre Pläne, ihren guten Job bei Zalando aufzugeben, weckte auch Zweifler im Umfeld, die die Gründerinnen aber ignorierten. Die Familie indes hatte ihren eigenen Umgang mit dem Vorhaben, etwas Eigenes zu starten. „Als ich meinen Verwandten zu Weihnachten von Outfittery erzählte, ist mein Onkel nervös geworden. ‚Was riskierst du da?‘, sagte er und hat sofort Schnaps bestellt“, erzählt Bösch lächelnd.
 

Hier gibt’s die ausführliche Outfittery-Gründungsstory zum Nachlesen


Das Risiko scheint sich ausgezahlt zu haben. Outfittery konnte seinen Umsatz 2021 auf über 70 Millionen Euro steigern – und das nach einem äußerst herausfordernden ersten Corona-Jahr.

„Pandemie hat Lebensrealität verändert“

„Die Pandemie hat die Lebensrealität total verändert“, sagt Bösch. „Wir konnten ‚live‘ in der Nachfrage beobachten, dass durch Home-Office und Lockdowns ‚Business-Outfits‘ nicht mehr angesagt waren. Kunden haben zu bequemen Sachen gegriffen, Sweater etwa. Oder verstärkt zu Kopfbedeckungen für Videocalls, weil die Friseurläden zu waren.“

Das Gründerinnen-Duo hat sich sehr schnell angepasst und das Sortiment umgestellt, Sportswear eingeführt. „Es war schwierig neue Kunden zu gewinnen, aber schön zu sehen, wie loyal Bestandskunden waren, die auch mehr bestellt haben, als sonst.“

Frauenmode bei Outfittery

Seit rund einem Jahr verfügt Outfittery auch über eine Frauensparte im Angebot. „Die Idee dazu ist bereits bei der Gründung entstanden und war immer Teil unserer Vision. Die Frage war nur, wann? Als Start-up ist es wichtig, sich zu fokussieren“, erklärt Bösch. „Die interne Diskussion drehte sich um die Frage, können wir es uns leisten, den Fokus nicht mehr rein auf Männer als Zielgruppe zu haben. Anfang 2021 haben wir schlussendlich gesagt, jetzt ist der Zeitpunkt. Es ändert sich so viel online.“

Bösch wusste, dass Frauen anders einkaufen, ging die „Wette ein“, die sie gewinnen wollte und riskierte ihr erfolgreiches Männermodebusiness. Das Ergebnis: Zum einjährigen Jubiläum gab es Kuchen und die Erkenntnis, dass jetzt doppelt so viele Frauen Outfittery nutzen, als noch im ersten Jahr.

Neue Märkte als Ziel

Julia Bösch hat nach diesem Erfolg geplant, in Zukunft in neue Märkte zu kommen – aktuell sind es neun. Dabei hat sie vor allem UK und Italien ins Auge gefasst, sowie Osteuropa. „Wir fragen uns auch“, sagt sie, „wie wir unseren Service künftig weiter ausbauen können. Wir haben unsere Expertise und das Knowledge von 150 Stylist*innen. Und sehen das Potenzial Outfittery zu verdreifachen.“

Sustainable Product und Business Model Innovations

Wo liegt die Zukunft der Chemiebranche und welche Rolle spielen Sustainable Chemical Entrepreneurship bzw. innovative Start-ups in diesem Kontext?

Die chemische Industrie bildet einen der Grundpfeiler industrialisierter Volkswirtschaften wie Deutschland oder den USA. Sie ist anderen Schlüssel-Branchen, wie z.B. dem Maschinenbau, in der Wertschöpfungskette vorgelagert, weshalb sie unseren Alltag und unser Wirtschaftsleben umfassend beeinflusst. Mit ihrem Ursprung in der Industriellen Revolution ist im Segment für Basischemikalien die Konsolidierung der Branche seit den 90er Jahren weitestgehend abgeschlossen. Auf der einen Seite haben Unternehmen wie die BASF ausgeprägte Skalen- und Verbundeffekte realisiert, sodass die Eintrittsbarrieren für junge Unternehmen in diesem Segment sehr hoch sind.

Auf der anderen Seite existieren Unternehmen im Segment der Feinchemikalien, die sehr forschungsintensiv sind und klar definierte Nischen abdecken. Im Gegensatz zu den Basischemikalien werden in diesem Segment deutlich geringere Mengen nachgefragt: statt Tonnen werden die Preise in Kilogramm oder Gramm notiert. Konkret dienen Basischemikalien, wie z.B. Ammoniak, hauptsächlich als Reaktionspartner für die Herstellung nachgelagerter chemischer Erzeugnisse. Im Gegensatz dazu haben Feinchemikalien meist einen tendenziell speziellen Anwendungszweck, z.B. in der Herstellung von Fotos.

Während im Basischemikalienmarkt eine Kostenführerschaft durch weitreichende Prozessoptimierung erreicht werden kann, jedoch eine Produktdifferenzierung kaum realisierbar ist, erreicht man im Feinchemikalienmarkt eine herausgehobene Wettbewerbsposition durch eine technologische und Know-how-getriebene Vorreiterrolle. In diesem forschungsintensiven Segment rentieren sich niedrigere Margenpreise dementsprechend nicht. Daraus wird erkennbar, dass sich die strategischen Anforderungen und Herausforderungen abhängig vom Marktsegment stark unterscheiden können.

Paradigmen- und Perspektivwechsel notwendig

Die großen Barrieren unserer Zeit vom Klimawandel bis hin zur Rohstoffknappheit führen zu großen Anforderungen in der ressourcen-, energie- und emissionsintensiven chemischen Industrie. Wir brauchen nicht nur neue technologische Innovationen, sondern auch einen Paradigmen- und Perspektivwechsel, damit die großen, bereits bestehenden Herausforderungen überwunden werden können. Etablierte Unternehmen sehen sich dem von Clayton Christensen identifizierten „Innovator’s Dilemma“ konfrontiert, welches beschreibt, wie sich etablierte Unternehmen aufgrund bestehender und vergangener Erfolge sowie starren und gefestigten Strukturen davor scheuen ihr Geschäftsmodell an externe Veränderungen anzupassen, getreu dem Motto: „Warum sollen wir etwas ändern? Die Vergangenheit hat doch gezeigt, dass wir es richtig machen, sonst wären wir nicht so erfolgreich gewesen.“

Diese Herangehensweise ist jedoch hinderlich, da durch veränderte Umweltbedingungen andere Produkte gefragt sein werden, sodass früher noch erfolgreiche Strategien in der Zukunft nicht mehr angewendet werden können und bisherige Produkte nicht mehr wettbewerbsfähig sein werden. Eine der wichtigsten Fähigkeiten des Topmanagements ist es daher externe Veränderungen wahrzunehmen, Innovationsprozesse zu initiieren und die eigene Wertschöpfungskette sowohl innerhalb als auch außerhalb des Unternehmens entsprechend anzupassen.

Die Vorteile der Newbies gegenüber den Etablierten

Auch wenn Jungunternehmen strukturell bedingt über weniger personelle und finanzielle Ressourcen verfügen, so haben sie doch einen entscheidenden Vorteil gegenüber den Etablierten: es bestehen naturgemäß keine bisherigen Erfolge, die einen Neuanfang erschweren würden. Die grüne Wiese, auf der Start-ups ihre junge Organisation aufbauen, kann daher auch in der Chemie-Industrie als Wettbewerbsvorteil für branchenspezifische Innovationen interpretiert werden. Für Jungunternehmen der Chemiebranche sind daher Innovationen im Sinne eines Sustainable Chemical Entrepreneurship notwendig, die wettbewerbsfähigere Produkte und Geschäftsmodelle hervorbringen.

In diesem Zusammenhang werden im Folgenden zwei Beispiele für Sustainable Innovations in der Chemiebranche vorgestellt.

Sustainable Product Innovations (SPI) am Beispiel von FlexPower

Die Produktinnovation von FlexPower ist eine Ausgründung der Innovationsgruppe von Prof. Dr. Xinliang Feng, Lehrstuhlinhaber der Professur für Molekulare Funktionsmaterialien der TU Dresden und Max-Planck-Institutsleiter für Mikrostrukturphysik in Halle. Die Ausgründung seiner Arbeitsgruppe rund um Dr. Ali Shaygan Nia, Dr. Payam Hashemi, Dr. Davood Sabaghi und Florian Sägebrecht (Doktorand der Wirtschaftswissenschaften) wird von Sarah Müller-Sägebrecht unterstützt. Sie ist Dozentin am Lehrstuhl für Entrepreneurship und Innovation der TU Dresden und fokussiert sich in ihrer Promotion auf den praxisrelevanten Themenbereich der Geschäftsmodellinnovation.

Auf Basis der Ausgründung bringt FlexPower ultra-dünne und flexible Superkondensatoren auf den Markt, welche die Herausforderungen bestehender Lithium-Ionen-Batterien und Superkondensatoren auf Basis organischer Flüssigkeiten überwinden. Im Gegensatz zu anderen Produkten am Markt enthalten die innovativen FlexPower Superkondensatoren weder gefährliche Schwermetalle, noch organische Lösungsmittel oder giftig, entflammbare oder explosive Chemikalien. Im Gegensatz zu den auf dem Markt befindlichen Produkten sind die innovativen FlexPower-Superkondensatoren wasserbasiert und verwenden Graphen anstelle von Schwermetalloxiden. Daher enthalten sie weder gefährliche Schwermetalle noch giftige Chemikalien oder organischen Lösungsmittel. Dabei verzichten die FlexPower-Produkte vollständig auf entzündliche und explosive Chemikalie als auch auf kritische Rohstoffe, die unter höchst unethischen Bedingungen in unterentwickelten Ländern abgebaut werden.

Durch ihre hohe Sicherheit und Nachhaltigkeit erreichen sie überdurchschnittliche elektrische Leistungen und vereinfachen durch drahtloses und schnelles Laden bestehende Anwendungen. Auf der neuen Technologie können andere innovative Produkte entwickelt werden, z.B. für den rasant wachsenden Markt von IoT-Geräten und Wearables.

FlexPower hat sich von Anfang an das Ziel gesetzt nachhaltig zu agieren, indem das Team zu fünf der durch die UN definierten Nachhaltigkeitsziele (Sustainable Development Goals) beitragen möchte. Die wasserbasierten, nachhaltigen, wiederaufladbaren Superkondensatoren leisten mit ihrer langen Lebensdauer sowie einer hohen Recyclingquote als saubere Energiequelle einen Beitrag zum Klimaschutz, womit sich FlexPower auch als Vorbild für nachhaltige Produktion und nachhaltigen Konsum sieht. Aufgrund ihrer hohen Sicherheit hat die Technologie das Potenzial, in Zukunft auch in biomedizinischen Anwendungen (z.B. Hautpflaster und Bio-Implantate) eingesetzt zu werden und damit das Wohlbefinden der betroffenen Patienten deutlich zu verbessern.

Die innovative Strahlkraft der Produktinnovation mit ökologischen und ökonomischen Vorteilen ist treibend für den Markteinstieg, da der radikale innovative Vorsprung Ressourcen an sich zieht und ein umfassender Schutz des geistigen Eigentums ein technologisch bedingtes Monopol zur Folge hat. Das Geschäftsmodell folgt in diesem Fall der Technologie, ohne dass es zu einer Abweichung des Geschäftsmodells vom Industriestandard kommen muss.

Sustainable Business Model Innovations (SBMI) am Beispiel von SAMPOCHEM

Heiuki: Kajak- und Paddle-Board-Automaten

Heiuki hat einen Automaten entwickelt, der den autonomen Verleih von Stand-up-Paddles (SUP) und Kajaks ganz einfach übers Handy ermöglicht. Vom Ausleihen bis zum Bezahlen – Kund*innen können die von Photovoltaik-Anlagen betriebenen Automaten 24/7 nutzen.

Mit bis zu 14 Schließfächern pro Automat bietet das Wiener Start-up Heiuki nicht nur eine automatisierte Lösung für weniger stark frequentierte Verleih-Standorte, sondern reduziert auch die Kosten für zusätzliches Personal. „Nach dem Aufstellen werden keine Angestellten benötigt und es gibt verlängerte Öffnungszeiten. Zudem steigert sich mit einem SUP- und Kajak-Automaten die Attraktivität des Standortes, indem er zahlreiche Menschen an sich und an die Natur zieht”, erklärt Felix Hiebeler, Gründer und Geschäftsführer von Heiuki.

Moderner und einfacher Verleih von Wasser-Trendsportgeräten

Die Idee zum vollständig autonomen SUP- und Kajakautomaten hatte der Gründer Felix Hiebeler im Sommer 2020. Der 20-Jährige realisierte die erhöhte Nachfrage für Paddle-Boards und Kajaks, wodurch klassische Verleih-Methoden den Bedarf an Sportequipment nicht mehr decken konnten. Felix’s Vision war es, eine moderne und einfache Verleih-Möglichkeit für Wasser-Trendsportarten zu bieten. Entstanden aus dem Wassersport-Erlebnisanbieter boats2sail – wo Felix auch als operativer Leiter tätig ist – musste die Idee zu Heiuki aufgrund laufender Expansionen von boats2sail aufgeschoben werden. Seit Herbst 2021 arbeitet der Jungunternehmer mit seinem Team an der Verwirklichung dieser Idee.

Planungen für 2023 laufen auf Hochtouren – Investor*innen sind willkommen

Nach der abgeschlossenen Pilotphase des ersten Prototypen vergangenen Winter gelang dem Start-up der Launch im Mai dieses Jahres. Aktuell hat Felix sechs Automaten in Österreich positioniert. Das Team rund um Felix entwickelt die Software laufend weiter und passt sie dem Kund*innenfeedback an. „Die Zahl der Standorte wächst seit der Testphase an. Unsere ersten sechs Automaten für 2022 waren binnen weniger Tage vergeben. Zudem ist die Interessenliste für 2023 bereits länger als die geplante Expansion für das kommende Jahr“, erklärt der Geschäftsführer.

Dabei deckt das eigenfinanzierte Verleih-Start-up sowohl die Interessen von B2B- als auch von B2C-Kund*innen ab. Die Haupteinnahmequelle von Heiuki besteht aus Mieteinnahmen von Nutzer*innen. Zudem verkauft und vermietet das Start-up seine Automaten durch eine Lizenzpartnerschaft auch an Freizeitanbieter*innen, Hotels, Campingplätze und Gastronomen. Neben den zwei größten Playern aus Deutschland – Kolula und Tiki – positioniert sich Heiuki als stärkster österreichischer Konkurrent. Zudem ist das Start-up mit Tiki kürzlich eine enge Kooperation eingegangen und strebt mit dem deutschen Mitbewerber eine verstärkte Marktpositionierung auf internationaler Ebene an.

Für das kommende Jahr verfolgt der Gründer zudem Expansionspläne in an Österreich angrenzende Länder und ist dafür offen für Gespräche mit potenziellen Investor*innen. Um die Reichweite des Start-ups zu erweitern, plant Felix die Automaten mit neuen Sportgeräten zu erweitern. „Bereits in den kommenden Jahren ist die Einführung von Wintersportgeräten, Fitnessgeräten, Fahrrädern und Segways geplant. Der Liste sind keine Grenzen gesetzt“, sagt der Heiuki-Gründer abschließend.

Dieser Beitrag erschien zuerst auf brutkasten.com

Leitfaden: Gründen in Berlin

Praxis-Tipps für kleine Betriebe auf dem Sprung in die Selbständigkeit. Nicht nur lesenswert für Berliner Gründungen.

Die deutsche Hauptstadt gehört zu den pulsierenden Gründungsmetropolen in Europa und gilt als die Gründerhauptstadt Deutschlands. Das besondere Berliner Flair der Party-, Kultur- und Weltstadt wird von einer Gruppe maßgeblich geprägt: kleine Unternehmen, Handwerksbetriebe und Start-ups, die ihre Liebe oder ihr Talent zum Beruf gemacht haben und mit Herzblut ihr Unternehmen betreiben. Denise Trottnow vom IT-Hersteller Comarch kennt diese Szene aus zahlreichen Digitalisierungsprojekten und gibt Tipps für die erfolgreichen ersten Schritte in Berlin.

Berlins Hunger nach frischen Projekten belegen auch zahlreiche Statistiken: jährlich werden rund 40.000 neue Gewerbe in Berlin angemeldet und 500 neue Start-ups gegründet. So konnten allein durch Start-ups 80.000 Arbeitsplätze in Berlin geschaffen werden. Im Jahr 2021 flossen 60 Prozent des gesamten investierten Kapitals in Deutschland nach Berlin – in Zahlen sind das 10,5 Mrd. Euro, die in über 500 Investitionsrunden verteilt wurden. Auch im internationalen Vergleich kann sich Berlin mehr als sehen lassen: in einem aktuellen Ranking des fDi Intelligence Report „European Cities and Regions of the Future 2022/23“ belegt Berlin mit seiner Strategie für ‚foreign direct investment‘ nach Barcelona und Mailand Platz 3 und untermauert so seine Attraktivität für Gründer*innen und Investor*innen gleichermaßen.

Es steht außer Frage, dass Berlin neben seiner bunten und vielfältigen Kultur auch wirtschaftlich unheimlich beliebt geworden ist. Doch wo fängt man am besten an, wenn man in der deutschen Hauptstadt in der Gründerszene Fuß fassen oder den Weg in die Selbstständigkeit gehen will?

In unserem Artikel erfährst du alles rund um die Gründung – von den Voraussetzungen über die allgemeinen Bedingungen bis hin zu weiteren Unterstützungsangeboten in Berlin.

Vor der Gründung – wichtige Überlegungen

Welche Geschäftsidee ist erfolgsversprechend und passt zu mir?

Alles beginnt mit einer Geschäftsidee: Sie ist der Ausgangspunkt und das Fundament eines erfolgreichen Unternehmens. Wenn du noch keine zündende Idee hattest kann es helfen, dir selbst folgende Fragen zu stellen: Was kann ich gut? Was motiviert mich? Welche Probleme kann ich lösen? Vielleicht muss es auch nicht eine brandneue Idee sein. Oftmals lassen sich bestehende Geschäftsideen einfach weiterentwickeln oder auf neue Märkte übertragen. Lass dich einfach inspirieren und überlegen dir, wie du bestehende Angebote verändern kannst, um daraus eine Geschäftsidee zu entwickeln. Teile deine Ideen auch mit Freunden oder Verwandten. Frage sie, was sie von deiner Geschäftsidee halten und nimm ihr Feedback für deine Weiterentwicklung auf. Hierzu kannst du passende Veranstaltungen besuchen, die in Berlin und Umgebung angeboten werden. Ein gutes Netzwerk zu haben ist außerdem immer Gold wert!

Bedenke: Hinter der Geschäftsidee verbirgt sich die Lösung für einen konkreten Bedarf oder ein Problem, welches man lösen kann.

In welcher Gründungssituation befinde ich mich?

Menschen stecken in ganz unterschiedlichen Lebenssituationen, wenn sie mit dem Gedanken spielen, sich selbstständig zu machen. Sie befinden sich in einer Anstellung, einem Studium oder in der Arbeitslosigkeit. Auch eine Unternehmensnachfolge - als Alternative zur Neugründung, ist möglich. Daraus ergeben sich verschiedene Besonderheiten, die es bei der Gründung zu beachten gibt.

Wichtig sollten für dich aber in erster Linie immer die Motive sein, die dich dazu animieren, eine Selbständigkeit anzustreben. Alternativlosigkeit oder ein erfolgloser Bewerbungsmarathon sind schwache Gründe, um sich selbstständig zu machen. Es kommt auf die intrinsische Motivation an: Wofür brennst du und welches Thema kann dich selbst noch an schlechten Tagen begeistern?

Tipp: Wenn du den Sprung ins kalte Wasser fürchtest, kommt Franchising vielleicht als Option für deine Existenzgründung in Frage.

Wie will ich arbeiten?

Im Gegensatz zum abhängigen Beschäftigungsverhältnis als Angestellte*r, erwirtschaftest du als Selbstständige*r dein Einkommen auf eigenes finanzielles und soziales Risiko. Ein abhängiges Arbeits- bzw. Beschäftigungsverhältnis zu einer auftraggebenden Person darf hierbei nicht bestehen. Somit bist du als Selbständige*r nicht in die Arbeitsorganisation eingegliedert und unterstehst keinen fremden Weisungen.

Achtung: Selbständig ist nicht gleich selbständig. Die gesetzgebende Instanz unterscheidet hier zwischen freiberuflicher Tätigkeit und gewerblicher Tätigkeit. Beide haben verschiedene Rechtsformen und unterliegen unterschiedlichen Regelungen.

Welche Rechtsform und Unternehmensbezeichnung bzw. Firmierung ist die richtige?

Ein Thema, an dem du nicht vorbeikommst (egal wo du deine Zelte aufschlägst), ist die Wahl der Rechtsform. Selbst wenn du nur ein Gewerbe anmeldest, spielt sie eine bedeutende Rolle. Denn von der Rechtsform hängt im Grunde ab, welche gesetzlichen Bestimmungen für deinen Betrieb gelten. Gründest du allein, dann ist dein Unternehmen ein Einzelunternehmen. Gründest du hingegen im Team, dann handelt es sich z. B. um eine offene Handelsgesellschaft (OHG).

Für Gründende und Unternehmen, die nicht im Handelsregister eingetragen sind, ist auch die Wahl der Unternehmensbezeichnung von nicht zu unterschätzender Relevanz. Bei der Geschäftsbezeichnung handelt es sich um einen Wahlnamen. Er hat eine wirtschaftliche Bedeutung und dient der werblichen Beschreibung des Unternehmens. Üblich sind hierbei Bezeichnungen, die auf die Produkt- und Leistungspalette verweisen oder sich auf die Branche oder die Tätigkeit (Transporte, Drogerie) beziehen. Ferner sind Phantasienamen oder sogenannte Etablissementbezeichnungen wie ,,Zum fidelen Wirt‘‘ oder ,,Boutique Ma Chérie‘‘ möglich. Da es in Berlin eine Vielzahl an (neuen) Unternehmen gibt, solltest du dir unbedingt Gedanken um einen unverwechselbaren, eingängigen Namen machen. Beispielsweise kannst du dich auf den Bezirk oder dein Kiez in Berlin beziehen, in dem du gründest?

Anders als bei der Geschäftsbezeichnung ist die Firmierung der Name eines Unternehmens im rechtlichen Sinne. Eine Firma wird in das Handelsregister eingetragen und kennzeichnet den Wirtschaftsbetrieb. Sie wird für den Geschäftsverkehr und für den Abschluss von Verträgen genutzt. Wichtig: Eine Firmierung muss den ihr entsprechenden Rechtsformzusatz enthalten wie z.B. ,,Elisa und Marie Flowerpower OHG‘‘.

Diese Steuern musst du in Berlin zahlen

Als selbstständig tätige Person kommen einige Steuern auf dich zu. Und obgleich dich dein Steuerbüro von Anfang an unterstützt, wird es ohne Grundkenntnisse der Besteuerung schwierig für dich, deine Leistungen zu kalkulieren und deine Geschäftsprozesse zu organisieren. Aber keine Bange, im Wesentlichen sind das nur vier bis fünf Steuerarten, mit denen du dich auskennen musst:

  • Umsatzsteuer
  • Einkommenssteuer
  • Lohnsteuer
  • Gewerbesteuer
  • Körperschaftssteuer

Ausnahme: Kleinunternehmerregelung

Wenn deine Umsätze

  • im vorangegangenen Kalenderjahr nicht über 22.000 Euro lagen und
  • im laufenden Kalenderjahr voraussichtlich nicht über 50.000 € liegen,

fällst du unter die sog. Kleinunternehmerregelung. Die IHK Berlin ist für dieses Thema immer ein guter Ansprechpartner und bietet viele Ressourcen zum Nachlesen an.

Solltest du diese in Anspruch nehmen, musst du keine Umsatzsteuervoranmeldungen abgeben und keine Umsatzsteuer an das Finanzamt abführen. Allerdings darfst du auf deinen Rechnungen auch keine Umsatzsteuer ausweisen und die Vorsteuer eingehender Rechnungen nicht bei deinem Finanzamt geltend machen.

Möchtest du auf den Status Kleinunternehmer*in verzichten, musst du einen entsprechenden Antrag beim zuständigen Berliner Finanzamt stellen. Dieser Verzicht ist jedoch für fünf Jahre bindend!

So planst du deine Gründung in Berlin

Die Gründung eines Start-ups erfolgt in verschiedenen Phasen und Schritten. Im Grunde ist die Gewerbeanmeldung oder Gewerbeanzeige im juristischen Sinne die Gründung.

Vom Geschäftsmodell zum Businessplan

Im weiteren Verlauf deiner Vorbereitungen formulierst du nun „kurz und knackig“ dein Geschäftsmodell. Es beschreibt in stark vereinfachter Form die grundlegende Funktionsweise deines Unternehmens. Dabei gehst du auf vier zentrale Punkte ein:

  • welchen Wert bzw. Nutzen schaffst du für deine Kundschaft (Value Proposition = Nutzenversprechen oder Kund*innennutzen),
  • wie erschaffst du diesen Wert (Geschäftsstruktur),
  • wie verdienst du damit Geld (Ertragsmodell) und
  • was treibt dich als Unternehmer*in an und welche Menschen holst du dafür in dein Team (Unternehmensgeist).

Nachdem du die wichtigsten Eckpunkte deines Geschäftsmodells erklärt hast, musst du diese Punkte nun konstruktiv miteinander verbinden. Dazu bieten verschiedene Institutionen aus Berlin hilfreiche Unterstützungen an, die man direkt nutzen kann. Das wichtigste Dokument ist hierbei wohl ein sorgfältig ausgearbeiteter Businessplan. In kurzen und einfachen Sätzen umreißt du alle wichtigen Aspekte deiner Unternehmung – vom Marktpotenzial über die Konkurrenz bis hin zu Marketing und Personal. Anhand dieses Businessplanes verdeutlichst du, dass deine Idee sorgfältig durchdacht ist. Im Berliner Raum gibt es zahlreiche Anlaufstellen und Wettbewerbe zu diesem Thema.

So finanzierst du dein Vorhaben in Berlin

Zur Umsetzung deiner Idee ist die Finanzierung ein ganz wesentlicher Faktor. Sie bildet die Grundlage für ein langfristig erfolgreiches Unternehmen. Kümmere dich am besten frühzeitig um die Finanzierung, um möglichst viele attraktive Förderungen einzustreichen.

Zur Bank, zum Investor oder mit Crowdfunding? Es gibt viele unterschiedliche Wege, eine Gründung zu finanzieren - und jeder hat so seine Vor- und Nachteile. Zwei entscheidende Fragen, die du dir stellen solltest sind: Wie wird finanziert und woher kommt das Geld?

Welche möglichen Finanzierungsarten und Fördermöglichkeiten in Berlin in Frage kommen, haben wir hier für dich aufgelistet:

In der Regel ist eine Kombination verschiedener Finanzierungsarten und Fördermöglichkeiten sinnvoll.

So gründest du in Berlin

Nach Planung und Theorie gelangst du zum finalen Schritt - die praktische Gründung deines Unternehmens mitsamt allen Formalitäten. Im Rahmen der Gründungsbürokratie kannst du dich jedoch schnell im Behördendschungel verlieren. Doch, keine Angst: es gibt hilfreiche Webseiten, die dich auf deinem kompletten Weg unterstützen können. Das genaue Vorgehen mit den diversen Behörden unterscheidet sich nach der gewählten Rechtsform oder ob du als Freiberufler:in tätig werden möchtest.

Freiberuflich gründen

Willst du als Freiberufler*in gründen, musst du dich spätestens vier Wochen nach Aufnahme deiner Tätigkeit beim zuständigen Finanzamt melden. Im Anschluss erhältst du einen Fragebogen zur steuerlichen Erfassung. In diesem Zusammenhang klärst du auch die Frage, ob du den Status Kleinunternehmer*in für dich wählen möchtest. Wenn du einen kammerpflichtigen Beruf (bspw. Apotheker*in, Notarin*in) ausüben willst, muss du dich zusätzlich bei der berufsständischen Kammer, der sogenannten Standeskammer registrieren. Damit geht auch die Pflicht zur Mitgliedschaft in einem Versorgungswerk der Kammer einher. Strebst du eine freiberufliche Tätigkeit als Künstler*in und Publizist*in an, wirst du in die Künstlersozialkasse (Künstlersozialversicherung) integriert. Außerdem musst du dich als Freiberufler*in in eine Berufsgenossenschaft eintragen.

Gewerblich gründen

Grundsätzlich solltest du vor der Gründung deines Gewerbes klären,

  • ob für deinen Geschäftsbetrieb eine Erlaubnis erforderlich (Genehmigungspflichtige Gewerbe wie z. B. Hotel- und Gaststättengewerbe) ist und
  • ob eine Anmeldung beim Handelsregister (z.B. als eingetragene:r Kauffrau/Kaufmann, e.K.) notwendig ist.

Ist dies geklärt, zeigst du dein Gewerbe beim Ordnungsamt im Bezirk des künftigen Unternehmenssitzes an.

Tipp: Indem du die Eröffnung deines Gewerbebetriebes direkt beim Finanzamt anzeigst, kannst du die Registrierung beschleunigen.

Gute Gründe für Gründende in Berlin

Egal ob du ein eigenes Unternehmen gründen oder dich selbstständig machen willst: Berlin bietet dir immense Möglichkeiten und Ressourcen, deine Geschäfts- oder Gründungsidee zu verwirklichen. Dabei muss es nicht immer das hippe, trendige Startup sein – auch Handwerks- und Dienstleistungsbetriebe (besonders beliebt sind in Berlin die Bau- und Handelsbranche) finden optimale Bedingungen vor.

Durch die tiefgreifende Verwebung von Wirtschaft und Wissenschaft sowie eine Vielzahl an Netzwerken und Fördermöglichkeiten hat es Berlin geschafft, ein attraktiver Hotspot der internationalen Gründerszene zu werden. Natürlich gehen all diese Besonderheiten in Berlin auch mit Nachteilen einher: durch die wachsende Beliebtheit Berlins wird Wohnraum knapper und teurer. Diese Entwicklung ist ebenso an Schulen und Kinderbetreuungseinrichtungen spürbar – die Nachfrage und der Bedarf steigen und stellen so Landespolitik und Stadtplanung vor viele Herausforderungen.

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CLAIMD: Der Creator-Economy-Booster

Die CLAIMD-Gründer Frederic Nachbauer und Christian Behrens wollen mit ihrer Plattform mehr Transparenz und Teilhabe in das Influencer-Marketing bringen.

Influencer-Marketing – dabei denken die meisten an Stars mit einer riesigen Reichweite wie Pamela Reif oder Dagi Bee, die enorme Summen für Produktplatzierungen erhalten. In den letzten Jahren hat sich das Feld jedoch stark weiterentwickelt: Allein von 2019 bis 2021 haben sich laut Forbes die Ausgaben für Influencer Marketing mehr als verdoppelt (auf 13,8 Milliarden US-Dollar).

Auch der Fokus hat sich gewandelt: Marken haben erkannt, dass sich neben den Mega-Influencer*innen die Zusammenarbeit mit kleineren Accounts lohnt. Diese haben zwar weniger Follower*innen, interagieren aber stärker und sind glaubwürdiger. Oft spezialisieren sie sich auf bestimmte Themen wie Fitness, Craft Beer oder vegane Rezepte. Durch Kooperationen mit ihnen können Marken spitzere Zielgruppen erreichen. In der Branche spricht man von Nano-Influencer*innen (ab 1000 Follower*innen) und Micro­Influencer*innen (ab 10.000 Follower*innen).

Das Freiburger Start-up CLAIMD der Gründer Frederic Nachbauer und Christian Behrens will die nächste Stufe in dieser Entwicklung einläuten. Es möchte allen, die Inhalte auf Social Media erstellen – also Content Creators – ermöglichen, die eigene Reichweite zu Geld zu machen – auch solchen, die nur 100 Follower*innen haben. Dafür hat CLAIMD eine Plattform entwickelt, die Con­tent Creators und Werbetreibende direkt miteinander verbindet.

Social Media braucht ein Update

„Wir ermöglichen eine neue Art von Social-Media-Werbung, von der beide Seiten profitieren“, sagt CEO Christian. „Content Creators sind als Markenbotschafter besonders glaubwürdig. Mit ihnen erreichen Marken Zielgruppen, die sie durch klassische Social-Media-Werbung oder mit großen Influencern nicht erreicht hätten.“

Christian hat einen langjährigen Background im Influencer-Marketing und Künstler*innenmanagement. Er war jahrelang in der Musikbranche tätig und gründete die MNTCI-Gruppe, eine Marketingagenturgruppe. Er ist außerdem Geschäftsführer der zugehörigen Agentur Project Z, die sich auf Kommunikation für die Generation Z spezialisiert hat. Hier gelangte er zur Überzeugung, dass es ein neues Werbemodell braucht, das Werbetreibende und Creators näher zusammenrückt. „Unser Ziel ist nichts weniger, als die Werbung in den sozialen Medien neu zu erfinden“, so Christian.

Werbung in der eigenen Community

Die Plattform von CLAIMD ging im März 2021 nach einer zwölfmonatigen Entwicklungszeit online. Sie funktioniert wie folgt: Werbetreibende stellen eine fertige Anzeige auf die Plattform (als Bild oder Video). Anhand von Kriterien wie Alter und Interessen bestimmen sie, welche Creators die Anzeige angezeigt bekommen. Außerdem legen sie ihr Budget und den CPM (Preis pro 1000 Views) fest, den sie zahlen wollen. Passende Creators können die Anzeige dann auswählen (claimen) und in ihre Story posten. 24 Stunden später reporten sie, wie viele Views ihr Post hat und bekommen den entsprechenden Wert gutgeschrieben. Für eine Anzeige mit 1000 Views sind das zwischen 5 und 30 Euro. CLAIMD verdient, indem es 15 Prozent als Gebühr berechnet. Aktuell ist das Angebot auf Instagram, WhatsApp-Stories und TikTok ausgelegt. Weitere Plattformen mit Story-Format sollen folgen. Für die technische Umsetzung ist Co-Gründer und CTO Frederic verantwortlich.

„Niemand kennt die eigene Community so gut wie die Creators selbst. Sie wissen, was sie interessiert und was gut ankommt“, sagt Christian. „Darum suchen sie über unsere Plattform genau die Anzeigen aus, die zu ihrer Community und zu ihrem Content passen. Für Werbetreibende erübrigt sich die aufwändige Abstimmung mit einzelnen Creators. Man könnte auch sagen: Wir standardisieren das Influencer-Marketing.“  Zu den Marken, die Werbung über die Plattform schalten, gehören ein Beauty-Shop und eine große Fitness-Gruppe. Auch eine Kooperation mit Ticket-Verkäufern ist geplant.

Die Idee, dass auch „normale User*innen“ Werbung schalten, ist zwar nicht neu. Bisherige Angebote bieten aber lediglich Rabatte für Posts über gekaufte Produkte an. Bei CLAIMD gibt es echtes Geld. Andere Influencer*innen-Plattformen sprechen wiederum nur reichweitenstarke Creators an.

Die Creator Economy: Das nächste Level des Internets?

Christian sieht CLAIMD als Beitrag zu einer größeren Bewegung: der Creator Economy. „Das Problem mit Social-Media-Anbietern ist, dass sie diejenigen, die die Inhalte erstellen, nicht für ihre Arbeit entlohnen. Stattdessen kassieren sie selbst sämtliche Werbeeinnahmen, die Creators sind kosten­lose Arbeitskräfte.“

Die Verfechter der Creator Economy wollen das ändern. Der Begriff beschreibt allgemein die Möglichkeit für Einzelpersonen, mit dem Internet Geld zu verdienen – sei es mit ­Gaming-Videos, einem Newsletter oder mit Tutorials. Die Einnahmen kommen dabei durch kostenpflichtige Inhalte oder durch Werbekooperationen. Das Prinzip ist nicht neu, ist aber in den letzten Jahren, ausgehend von der Tech- und VC-Szene in den USA, zu einer ­großen Bewegung geworden. Viele Kreative sehen in der Creator Economy und deren Versprechen, sie angemessen für Ideen und Dienstleistungen zu entlohnen, eine wirklich alternative Wirtschaft, die mehr Selbstbestimmung ermöglicht.

Für die Creators sind die viel gescholtenen großen Plattformen aber nach wie vor essenziell: Für knapp drei Viertel der Creators ist Instagram die wichtigste Einnahmequelle. „Ohne die Plattformen funktioniert es derzeit nicht – darauf sind weder User*innen noch Werbetreibende eingestellt. Darum haben wir auch ein Geschäftsmodell entwickelt, dass Creators für Posts auf den Plattformen entlohnt“, sagt Christian.

Die Gen Z im Fokus

Besonders attraktiv für die Creator Economy ist die Gen Z. „Sie ist mit Social Media groß geworden, 80 Prozent teilen regelmäßig eigene Inhalte. Für diese Leute ist es völlig natürlich, dass Creators, denen sie folgen, Werbung ausspielen. Sie vertrauen auf sie, solange sie authentisch bleiben. Und auch mit einem eigenen Post nebenbei Geld zu verdienen, ist für sie sehr attraktiv“, so Christian.Als ein Beispiel nennt Christian die 18-jährige Sina, die auf Instagram vor allem über Pferde und Hunde postet und mit CLAIMD-Postings für eine Tierfuttermarke über 100 Euro verdient hat. Es müssen aber keine spezialisierten Accounts sein. Auch viele sogenannte Meme-Accounts nutzen die Plattform. Im Schnitt verdienen die Creators laut Angaben der Gründer auf CLAIMD zwischen 25 und 100 Euro pro Post. Seinen ganzen Lebensunterhalt mit Social Media zu bestreiten, bleibt also weiterhin den großen Influencern vorbehalten. Aber Frederic und Christian bieten vielen die Möglichkeit, an der Creator Economy teilzuhaben.

Christians Tipps für andere Gründer*innen

  • Testen, testen, testen: Wenn man technische Lösungen entwickelt, passieren zwangsläufig Fehler – die meisten sind schnell zu fixen, andere bringen einen um Wochen aus dem Zeitplan. Stell dich darauf ein, lass dich nicht entmutigen – und teste, was das Zeug hält. Mach dir immer klar, dass es für jedes technische Problem auch eine technische Lösung gibt, auch wenn du sie vielleicht noch nicht siehst. Wir haben ein Jahr lang entwickelt und getestet, bevor wir gestartet sind.
  • Fang früh mit Kundinnengesprächen an: Kund*innengespräche sind wichtig. Auch schon sehr sehr früh. Lass dein Produkt von Menschen challengen, die noch nie davon gehört haben. Nimm die Bedenken ernst und das Lob an. Und dann heißt es wieder: testen. Es wird der Punkt kommen, an dem du jede Frage kennst und eine gute Antwort parat hast. Das ist der Punkt, an dem dein Produkt für den Markt bereit ist.
  • Gehe deinen Zweifeln auf den Grund: Du wirst immer Zweifel haben. An deinem Produkt, deinem Team, an den Investor*innen und an dir selbst. Das Wichtigste ist, den Selbstzweifeln auf den Grund zu gehen. Dann lösen sie sich meistens auf – und mit ihnen alle anderen Zweifel.

Die Trinkgeld-Retter

Mit dem Bargeld stirbt das Trinkgeld: Die Vision des Münchner Start-ups eDrixx ist, allen Servicekräften mehr Trinkgeld zukommen zu lassen und damit die Dienstleistungsbranche zu einem attraktiveren Arbeitsumfeld zu machen.

Im Einzelhandel etwa werden nur noch 38,5 Prozent der Transaktionen über Scheine und Münzen abgewickelt. Der Anteil der Deutschen, die im Handel und im Dienstleistungssektor mit Bargeld zahlen, sackt von 2021 auf 2022 um zwölf Prozent ab. Soweit aktuelle Erhebungen.

Für viele Verbraucher bedeutet dies ein Mehr an Convenience, doch für Deutschlands Dienstleistungsgewerbe wird der Trend hin zur bargeldlosen Bezahlung zu einer echten Herausforderung. Nämlich immer dann, wenn es um Trinkgeldzahlungen geht.

Die Krux mit dem Trinkgeld

Für Arbeitgebende, weil sie sich in einer steuerlichen Grauzone befinden und einen immens hohen Aufwand haben, wenn sie Trinkgeldzahlungen per Karte akzeptieren. So müssen diese Trinkgelder aus den Abrechnungen des Unternehmens herausgerechnet und bar verteilt werden.

Für Arbeitnehmende, weil sie häufig zu wenig oder gar kein Trinkgeld bekommen. Etwa, wenn der Gast kein oder kaum Bares dabeihat oder auch, wenn Servicekräfte (zum Beispiel Küche) für den Gast gar nicht sichtbar sind.

Einfach, innovativ, effizient

Genau hier setzt das Münchner Start-up eDrixx an. Das Unternehmen bietet europaweit die gleichnamige digitale Trinkgeldlösung, die alle oben genannten Hürden überwindet. Sie ermöglicht die transparente, faire und direkte Zahlung von Trinkgeld per Mobile Payment auf das Konto der jeweiligen Servicekraft – ohne Umwege über die Konten des Betriebs – so, wie es auch vom Gesetzgeber gedacht ist. Ganz einfach per QR Code oder NFC Tag vor Ort.

Trinkgeldgebende müssen sich weder registrieren noch eine App herunterladen – bezahlt wird wahlweise über Apple Pay, Google Pay oder Kreditkarte. Die Servicekraft identifiziert sich dabei über einen QR-Code. Alternativ oder auch ergänzend können die Mitarbeitenden entsprechende NFC Tags mit sich tragen. Auch digitale Team-Kassen sind möglich. Durch die Digitalisierung von Trinkgeld entstehen auch neue Möglichkeiten, z.B. Trinkgeld auch direkt an Küchenteams für ein besonders leckeres Essen zu geben.

eDrixx liefert die technologische Lösung und unterstützt auch bei der Bereitstellung der Infrastruktur vor Ort – von NFC Tags wie z.B. Armbändern und den QR Codes über Aufsteller bis hin zu Infoflyern in der jeweiligen CI des Unternehmens. Für jede Transaktion erhebt das Unternehmen eine Gebühr – Fixkosten fallen nicht an. Mit ihrem Angebot zielt eDrixx in erster Linie auf die Gastronomie. Aber auch andere Dienstleistungsbranchen, in denen Trinkgeld üblich ist, können von eDrixx profitieren.

„Trinkgeld ist für viele Servicekräfte ein entscheidender Einkommensfaktor. Wir wollen, dass dieser erhalten bleibt, weiter ausgebaut und zudem fair verteilt wird. Das steigert die Arbeitszufriedenheit und leistet zugleich einen Beitrag, die Attraktivität vieler Dienstleistungsbranchen zu erhalten, bei gleichzeitiger Entlastung von Arbeitgebern.“ so eDrixx-Geschäftsführer Rolf Zimmer, der das Start-up gemeinsam mit Sabine Stark, Christian Steinpichler und Chris Blättermann gegründet hat.

FemTech-Report 2022

Vom Nischendasein zum Hot Topic: Zahlen, Fakten und FemTech-Start-ups.

Im Rahmen einer Start-up- und Marktanalyse hat die Digital-Health-Beratung Brainwave den deutschen FemTech-Markt genauer unter die Lupe genommen. Die Erkenntnis: Lange Zeit wurde das Thema digitalgestützte Lösungen für die Frauengesundheit vernachlässigt, obwohl es immerhin die Hälfte der Bevölkerung betrifft. Mittlerweile scheint das Potenzial bei Gründer*innen und Investor*innen angekommen zu sein, denn in den Bereichen Technologie, neue Geschäftsmodelle und Start-up-Finanzierungen ist im letzten Jahr viel passiert.

Was ist FemTech?

Der Begriff umschreibt technologische Angebote und Services, die sich auf die Gesundheit der Frau konzentrieren. Die Lösungen reichen von Fruchtbarkeits- und Zyklus-Tracking, über Schwangerschaftsbegleitung und Tele-Hebammen bis hin zu Lösungen zum Thema Sexual Awareness und Menopause. Aber auch E-Commerce-Produkte, wie Periodenunterwäsche oder Supplements komplementieren den Trend. Der Begriff FemTech wurde insbesondere durch Ida Tin geprägt – die Gründerin der Zyklus- und Periodentracking App Clue.

Die wichtigsten FemTech-Trends

Viele FemTech-Angebote, besonders jene aus dem Bereich Schwangerschaft und Geburt, sind bereits in der medizinischen Versorgung angekommen. So wird beispielsweise die 2017 zur Schwangerschaftsbegleitung und Geburtsvorbereitung entwickelte App keleya heute von 19 Krankenkassen erstattet; das Start-up profitierte in der Pandemie von erhöhten Nutzungszahlen (monatlich 20.000 aktive Nutzerinnen im Jahr 2021).

In den letzten Monaten konnte ein rasantes Ansteigen an digitalen Geschäftsmodellen rund um das Thema Reproduktionsmedizin beobachtet werden. Start-ups wie Avery Fertility, Levy oder fertilly sind neu in den Markt eingestiegen und befassen sich mit Fruchtbarkeitsdiagnostik, künstlicher Befruchtung und Social Freezing (Einfrieren von Eizellen).

Das Jahr stand außerdem ganz im Zeichen der Onkologie: Start-ups wie Happie Haus, PINK! oder Brea treiben erfolgreich digitale Innovationen für Frauen mit Brustkrebs voran. Darüber hinaus entstehen auch neue Start-ups im Bereich Sexual Awareness, wie bspw. being female. Kurz gesagt: Der Start-up-Markt ist in Bewegung.

VC-Investments im FemTech-Bereich

Das globale Finanzierungsvolumen für FemTech-Start-ups lag im Jahr 2019 bei über 590 Mio. US-Dollar und war damit zehnmal so hoch wie noch vor zehn Jahren. Wenngleich dies 2019 gerade einmal zehn Prozent der weltweiten VC-Investments ausmachte, verstärkt sich der Trend doch zunehmend: In den Jahren 2020 und 2021 zeichnete sich ein konstant wachsendes Finanzierungsvolumen für FemTech-Start-ups ab. 2021 überstiegen die weltweiten VC-Investitionen in diesem Bereich zum ersten Mal die Marke von 1 Mrd. Dollar.

In Europa erhielten UK-Start-ups im vergangenen Jahr beachtliche Summen an Risikokapital: Das Londoner Start-up Elvie (auch auf dem deutschen Markt aktiv) erhielt 68 Mio. Euro in einer Series C-Finanzierungsrunde. Der Anbieter der Zyklustracking-App Flo Health erhielt 50 Mio. Dollar in einer Series B-Runde.

Die deutschen Start-ups fertilly und pregfit erhielten ein Seed-Funding. Auch wenn Investor*innen offensichtlich ein immer größeres Vertrauen in FemTech-Start-ups haben, steht das Finanzierungspotenzial noch klar am Anfang. Die Investitionen sind weiterhin nur ein winziger Betrag im Vergleich zum weltweiten VC-Funding oder den medizinischen Gesundheitsausgaben für Frauen (500 Mrd. Dollar). Hinzu kommt, dass FemTech-Start-ups meist von Frauen gegründet werden und diese es, im Vergleich zu ihren männlichen Kollegen, oft schwerer haben, Risikokapital einzusammeln. Der banal klingende Grund hierfür: Die Investor*innen-Community besteht zum Großteil aus Männern (94 Prozent bei den Top-100-Unternehmen), welche die Gesundheitsprobleme von Frauen in vielen Fällen nicht wirklich verstehen.

Die deutsche FemTech-Start-up-Landschaft

Brainwave hat den deutschen FemTech-Start-up-Markt analysiert und in einer übersichtlichen Marktdarstellung zusammengefasst (s. Abbildung). Dabei wurden verschiedene Kategorien entwickelt, welche die unterschiedlichen Bereiche des Markttrends abdecken. Die Kategorien zeigen deutlich, dass der größte Teil des Marktes von Start-ups bzw. Lösungen aus der Rubrik „Zyklus- und Fruchtbarkeitstracking“ ausgemacht wird. In diesem Bereich sind vor allem digitale Angebote in Form von Tracking-Apps, Vergleichsportalen für Verhütungsmittel sowie Wearables und weitere Tools vertreten. Neben den etablierten Playern im Bereich „Schwangerschaft und Geburtsvorbereitung“ werden in der Kategorie „Telemedizin & Testkits“ jene Start-ups zusammengefasst, die sich mittels Selbsttest-Kits chronischen Frauenkrankheiten widmen und häufig online einen integrativen Ansatz anbieten. Im Vergleich zum Jahr 2020 kam die neue Kategorie „Reproduktionsmedizin“ hinzu, welche die Themen „Fruchtbarkeitsdia­gnostik und Social Freezing“ abdeckt. Zusätzlich dazu heben sich Start-ups aus den indikationsgetriebenen Trends „Brustkrebs“, „Endometriose“ und „Menopause“ immer stärker hervor. Die Start-ups innerhalb dieser Kategorie versuchen, Frauen entlang des Patientinnenpfades mit Tracking, Digitalen Therapien, Supplements oder Communities zu unterstützen. Last, but not least finden sich in der Übersicht auch die Rubriken „Perioden-Konsumgüter“ und „Sexual Awareness“.

FemTech – quo vadis?

Der deutsche FemTech-Markt ist ein wachsender Markt mit viel Innovationspotenzial. Er bietet die Möglichkeit, nicht nur vielen Frauen auf der Welt zu helfen, sondern auch spannende unternehmerische Chancen auszuschöpfen. Der FemTech-Markt hat in den vergangenen Jahren starke Wachstumsraten erfahren und bleibt weiterhin eines der vielversprechendsten Segmente im Digital-Health-Markt mit einem riesigen Potenzial, verschiedenste sog. Pain Points im Bereich der Frauengesundheit zu lösen. Innovative Geschäftsmodelle in bereits etablierten Segmenten wie Schwangerschaft, Geburt und Zyklus werden mit Wachstumskapital und einer steigenden Akzeptanz weiter gestärkt und in den Massenmarkt getragen. Zukünftig kann erwartet werden, dass auf dem deutschen Markt weitere FemTech-Start-ups nach internationalen Vorbildern entstehen. Dies könnte insbesondere für Indikationen aus den Segmenten Menopause und Endometriose geschehen. Ebenfalls zu erwarten ist der Aufbau von Gesundheitsplattformen, die das Ziel verfolgen, Frauen umfassend mit verschiedensten Rundum-Services zu begleiten.

Im Folgenden stellen wir stellvertretend für die vielen, inhaltlich unterschiedlich aufgestellten FemTech-Start-ups vier Unternehmen im Kurzprofil vor:

Das Deep-Tech-Ei

BioNTech oder Celonis haben es hierzulande eindrucksvoll unter Beweis gestellt: Wer beim Gründen auf Deep Tech setzt, sichert sich im Idealfall „unfaire“ Vorteile und erhöht zugleich die Chancen, dem klassischen „Horse Race“ in den Märkten zu entfliehen.

Wer gründet, sieht eine Opportunity, mit der sich Geld verdienen und bestenfalls die Welt verbessern lässt. Aber das allein reicht nicht: Angesagt und cool sollte das Ganze ebenfalls sein. Immerhin ist das Unternehmen gerade zu Beginn Ausdruck der eigenen Persönlichkeit, und diese sehnt sich nach Reputation und Signaling, oder etwa nicht? Nur stellt sich die Frage, wie sinnvoll dieser Ansatz ist. Denn wäre er ein ökonomischer Geniestreich, würden nicht 80 bis 90 Prozent aller Start-ups in den ersten drei Jahren wieder vom Markt verschwinden.

Vielleicht ist es ja an der Zeit, die allgemeine Gründer*innenmentalität, die allzu oft nach fancy Themen sucht, zu hinterfragen und künftig vermehrt mit Ideen an den Markt zu gehen, die zwar weniger glitzern, dafür aber ihren Gründer*innen einen „unfairen“ Vorteil versprechen.

Wenn Wissenschaft auf Technik trifft

Je offensichtlicher ein Business, desto kompeti­tiver ist es auch. Bei Deep Tech ist das anders. Anfänglich wenig auffällig, ist Deep Tech ein Sammelbegriff für disruptive Technologien, die entstehen, wenn Wissenschaft auf Technik trifft. Alle Dinosaurier, die heute das Silicon Valley beherrschen, sind aus einem „Deep-Tech-Ei“ geschlüpft: Google, Apple, Microsoft. Zu Anfang, aber auch bis heute besitzen diese Unternehmen einen unfairen technologischen Vorteil, der als Grundlage ihres Geschäftsmodells dient.

Doch was zeichnet Deep Tech aus? Ihre Erfinder*innen greifen wenig bis gar nicht auf Bestehendes zurück, im Grunde entwickeln sie eine Technologie von Grund auf neu. Digital getriebene Deep-Tech-Kategorien sind unter anderem Blockchain, AI/KI oder Quantum Computing. Hinzu kommen Hardware- bzw. Engineering-lastige Kategorien wie BioTech, Advanced Materials, Drones & Robotics, New Energy oder Space Tech. Wichtiges Kriterium: Die neue Lösung hat einen wissenschaftlichen Ursprung und muss den bestehenden um Längen voraus sein, am besten um das Zehnfache. Daher spricht man auch von einem „10x-Unterschied“.

Wie kann ein(e) Gründer*in von solch fortschrittlichen Technologie profitieren und damit auch noch Geld verdienen? Eine berechtigte Frage, da Deep Tech offenkundig viel Forschungsarbeit benötigt und damit einiges an Zeit und Ressourcen bindet. Dazu sei gesagt: Gründer*innen müssen Technologien gar nicht unbedingt selbst erfinden bzw. entwickeln, es gibt sie bereits! Sie benötigen lediglich Zugriff darauf, um sie zu einem Geschäftsmodell weiterzuentwickeln beziehungsweise eine relevante Applikation darauf aufzubauen.

Der Zugang zu Deep Tech

Oftmals entsteht Deep Tech in Universitäten und Laboren. Sagen wir, eine Doktorandin forscht gemeinsam mit ihrem Professor nach einem Leichtbauwerkstoff für die Luftfahrt, und plötzlich ertönt ein lautes „Heureka“. Ein wissenschaftlicher Durchbruch, denn der neue Werkstoff ist leichter und günstiger als alle vergleichbaren. Nachdem die Jubelschreie verstummt sind, schlägt der Professor vor, ein gemeinsames Spin-off zu gründen; eine Ausgründung aus dem universitären Umfeld, das die Doktorandin leiten soll. Nunmehr sieht sich diese mit vielen neuen Fragen konfrontiert: Wie kann ich aus dem Werkstoff ein konkretes Produkt bauen? Wie kann dieses der Luftfahrtbranche helfen? Und wie erhalte ich Zugang zu den Entscheider*innen auf Kund*innenseite und finde obendrein Wagniskapitalgeber*innen? Es liegt auf der Hand, dass sie damit schnell überfordert ist, weil die Aufgaben völlig konträr zu jenen sind, die sie an der Universität zu bewältigen hatte.

Deep Tech beginnt nämlich in der Forschung als blanke Theorie, weit entfernt von einem marktreifen Produkt. Ziel im ersten Schritt ist es, einen Prototyp zu entwickeln und Sympathisant*innen zu finden. Nicht selten aber stirbt eine disruptive Idee in diesem Stadium, weil unklar bleibt, wie genau das Produkt aussieht, das dem/der Kund*in hilft. Den Gründer*innen fehlt der Zugang zu den richtigen Kontakten und das Wissen darüber, was der Markt im Detail benötigt. Und selbst wenn es den Gründer*innen gelingt, ein geeignetes Produkt zu entwickeln, wartet da noch das zweite Tal des Todes auf sie: Vertrieb und Marketing. Bis zu 100 Mal teurer kann der Aufbau und die Vermarktung einer Deep-Tech-Anwendung werden, als lediglich den zugrunde liegenden Technologiekern (Building Block) dahinter zu erarbeiten.

Deep Tech in seine Bausteine zerlegen

Die Lösung scheint, Deep Tech in seine Bestandteile zu zerlegen. Soll heißen, die zuvor erwähnte Doktorandin braucht rechtzeitig Hilfe, um den Prototyp zu entwickeln. Ihr Spezialgebiet ist nun mal die Forschung, und wenn sie ihren wissenschaftlichen Meilenstein in ein marktreifes Produkt überführen will, benötigt sie Zugang zum Markt. Das ist die Chance für Entrepreneur*innen und Co-Gründer*innen, deren Spezialität zwar nicht die Forschung, dafür aber die marktseitige Weiterentwicklung der Technologie in praktischer Anwendung ist. Sie bringen das mit, was der Doktorandin fehlt: ein Gespür dafür, was der Markt gebrauchen könnte und wie sich damit Geld verdienen lässt.

Und wie lässt sich jetzt beides verbinden? Zum einen muss der Doktorandin oder dem Team des schon gegründeten Forschungs-Spin-offs klar werden, dass ihre Lösung einen Building Block darstellt, der meist verschiedene Probleme in unterschiedlichen Vertikals lösen kann. Zum anderen braucht es dafür Applikationen, d.h. konkrete Produktanwendungen, die auf Basis der Deep Tech entwickelt werden, und natürlich Entrepreneur*innen, die das Marktgespür aus einer bestimmten Nische – besser noch – für ein spezifisches Industrieproblem mitbringen. Die Schnittstelle kann eine Kooperation oder ein Application Programming Interface (API) sein. Wichtig ist, dass der Building Block forschungsnah bleibt, damit er fortlaufend weiterentwickelt werden kann.

Die Monetarisierung erfolgt dann über ein separates Unternehmen, das den starken Technologievorteil in Form eines Produkts, respektive einer Anwendung im Zielmarkt verkauft. Mithilfe dieser Logik geht es weg von „Lab to Market“ hin zu „Market to Lab“. Der Prophet soll also nicht mehr zum Berg, sondern der Berg zum Propheten kommen. Derzeit ist das noch ein händischer Prozess, der stark auf Zufall und auf der Fähigkeit zu Netzwerken beruht. Gelingt es aber, sowohl den Markt als auch die Forschung anhand von greifbaren Erfolgen hierfür zu sensibilisieren, kann ein herausragendes Modell für beide Seiten resultieren. Und damit würde Entrepreneurship das Allzeitproblem des mangelhaften Technologietransfers lösen.

Um die Erfolgschancen zu erhöhen, ist eine Schnittstelle zwischen Forschung und Markt sinnvoll, eine sogenannte Middleware-Company (meist als Spin-off aufgesetzt), die sich als Building Block zwischen der Applikation und dem Deep-Tech-Ursprung befindet. Sie hat einerseits Zugang zu den Lehrstühlen mehrerer Universitäten, eben dorthin, wo Deep Tech oft seinen Ursprung hat. Andererseits beschäftigt sich die Middleware-Company nicht direkt mit Einzellösungen (Applikationen) am Markt, sondern fokussiert auf die Rolle des Enablers (ggf. sogar als Plattform) und stellt den Applikations-Companies den Technologiekern zur Verfügung. Das Risiko von Deep Tech wird aufgeteilt, da sich jede Partei auf ihr jeweiliges Fachgebiet konzentrieren kann. Das verschlankt den Prozess und reduziert die Gefahr, das Rad neu zu erfinden oder sich in unnötigen Aufgaben zu verlieren.

Die Zeit ist reif für Deep Tech

Zwischen 2016 und 2020 wuchs der Deep-Tech-Markt um das Vierfache, gemessen an den Investitionen. Beflügelt haben dieses Wachstum globale Probleme, allen voran das Bevölkerungswachstum und die Klimakrise. Deep Tech könnte sich als ein Problemlöser erweisen und Gründer*innen wie Wagniskapitalgeber*innen mit verteidigbaren Technologien ausstatten. Unter Umständen erweisen sich Technologie und Anwendungsfeld im ersten Moment als weniger fancy, als ursprünglich erdacht, aber dafür könnten die Parteien einen echten Fußabdruck hinterlassen und außerdem ein differenziertes Geschäftsmodell mit kraftvollem Kern entwickeln, der lange Zeit unangreifbar bleibt.

Daraus resultiert der eingangs erwähnte unfaire Vorteil, der sich allerdings gesellschaftlich betrachtet als äußerst fair erweisen könnte. Und das wiederum erfüllt die Arbeit der Gründer*innen mit mehr Freude und Sinnhaftigkeit. Das wäre mit einem wettbewerbsintensiven Geschäftsmodell wohl kaum realisierbar.

Der Autor Prof. Dr. Bastian Halecker ist Founding Partner des German Deep Tech Institutes und Deep Tech Entrepreneur­ship @ XU Exponential University, www.germandeeptech.institute

Bluu Seafood: Fisch, zellfrisch!

Bluu Seafood ist das erste und bislang einzige Unternehmen in Europa, das sich auf die kommerzielle Herstellung von gesunden, nachhaltigen und schmackhaften Fischprodukten aus Zellkulturen spezialisiert hat.

Wir sind auf dem besten Weg, unsere Ozeane und damit die Nahrungsquelle von Milliarden Menschen vollkommen zu zerstören. Laut Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen gelten über 90 Prozent der weltweiten Fischbestände bereits seit 2020 als überfischt oder maximal befischt. Mehr als drei Billionen Meerestiere werden jedes Jahr getötet – ein Großteil davon als Beifang. Und auch für uns Menschen wird Fischkonsum immer gesundheitsschädlicher: Der Gehalt an Mikroplastik und anderen bedenklichen Stoffen wie Schwermetallen nimmt stetig zu. Dennoch bleibt Fisch beliebt: Pro Kopf verspeist jeder Deutsche 14 kg Fisch und Fischereierzeugnisse pro Jahr – Tendenz steigend. Hinzu kommt, dass viele Menschen weltweit selbstgefangenen Fisch brauchen, um sich und ihre Familien ernähren zu können. Wie lösen wir dieses Dilemma?

Meeresbiologe trifft auf E-Commerceler

Diese Frage treibt Sebastian Rakers schon lange um. Der promovierte Zell- und Meeresbiologe beschäftigt sich seit mehr als zwölf Jahren mit der Erforschung und Entwicklung von Fischzelllinien, unter anderem an der Fraunhofer-Einrichtung für Marine Biotechnologie und Zelltechnik (EMB; jetzt Fraunhofer IMTE) in Lübeck. 2018 traf er dann den Unternehmer Simon Fabich. „Mir ging es damals wie vielen Wissenschaftlern: Ich wollte gern mehr bewegen und den Transfer von der Forschung in die Praxis aktiv vorantreiben, traute mir aber ohne die nötige unternehmerische Erfahrung den Alleingang nicht zu“, erinnert sich Sebastian. „Als ich Simon traf, war schnell klar, dass wir uns prima ergänzen würden. Er als erfolgreicher Gründer mit der notwendigen betriebswirtschaftlichen Erfahrung, ich mit dem fundierten, wissenschaftlichen Know-how aus mehr als einem Jahrzehnt angewandter Forschung.“

Gemeinsam gründeten sie Bluu Seafood (damals noch Bluu Biosciences), das erste und bislang einzige Unternehmen in Europa, das sich auf die kommerzielle Herstellung von gesunden, nachhaltigen und schmackhaften Fischprodukten aus Zellkulturen spezialisiert hat. Seit April 2021 zählt auch der US-Unternehmer und Molekularbiologe Dr. Christian Dammann als COO zum erweiterten Führungsteam. Mittlerweile hat Bluu 25 Mitarbeitende, die daran arbeiten, das kultivierte Fischfilet auf unsere Teller zu bringen.

Von der Zelle …

Am Anfang steht das natürliche Zellwachstum. Man entnimmt einem Fisch einmalig eine Zellprobe und extrahiert aus dieser Stammzellen, um im Anschluss eine sog. immortale Zelllinie zu entwickeln, die sich unbegrenzt vermehren und teilen lässt. Dafür braucht es viel Erfahrung und Geduld, will man wie bei Bluu Seafood die Immortalisierung der Zelllinien auf natürlichem Weg ohne gentechnische Manipulation erreichen. Die immortalen Zellen vermehren sich durch die Fütterung mit einem Wachstumsmedium – eine Flüssigkeit, die der Zelle alle zum Wachsen benötigte Nährstoffe gibt und ihr sagt, in welche Form sie sich differenzieren soll. Im Biofermenter erfolgt sodann die weitere Kultivierung.

 „Man kann sich den Prozess ähnlich wie in einer Brauerei vorstellen, nur dass wir Regenbogenforellen und Lachs herstellen statt Bier“, beschreibt Sebastian den Prozess mit einem Augenzwinkern. „Der Prozess verläuft ähnlich wie bei kultiviertem Fleisch, wobei Fische zwar tendenziell weniger hohe Wachstumsansprüche stellen, aber auch weniger erforscht sind. Weltweit gibt es nur eine Handvoll Unternehmen, die dieses Wissen haben.“ Setzt man dieses Wissen gut ein, wachsen die Zellen im Fermenter schließlich an Gerüststrukturen zu dreidimensionalen Produkten wie einem Fischfilet.

… zum Fischstäbchen

Allerdings wird es bis zum fertigen Filet noch bis mindestens 2024 dauern, denn ein Filet ist durch seine 3D-Struktur und die verschiedenen enthaltenen Zelltypen sehr komplex. Als erste Produkte wird das Foodtech-Start-up dieses Jahr die einfacher strukturierten Fischbällchen und Fischstäbchen vorstellen – sog. hybride Produkte, die neben Fischprotein auch andere gesunde, pflanzenbasierte Proteine enthalten. „Wenn wir wirklich den massenhaften Fischkonsum revolutionieren wollen, müssen wir logischerweise auch die Massenmärkte und -produkte adressieren“, betont Sebastian.

Als nächstes steht die Expansion nach Asien an, einer der größten Konsument*innenmärkte für Fischprodukte. Bluu kooperiert bereits mit dem chinesischen Unternehmen CellX, das kultivierte Schweinefleischprodukte entwickelt, um dort gemeinsam den Zulassungsprozess für alternative Proteine zu beschleunigen. „Für unsere Investor*innen sind alternative Proteine ein Investment in eine zukunftsträchtige, innovative Lebensmitteltechnologie, die komplett verändern wird, wie wir uns und wie sich die nachfolgenden Generationen ernähren. Aber sie sind auch ein Investment mit langem Atem“, erklärt Sebastian und ergänzt: „Das Business ist F&E-intensiv und auch die Zulassungsprozesse sind aufwendig. Bei geschätzten globalen Marktgrößen von bis zu einer Trillion (!) USD im Jahr 2035 lohnt es sich allerdings, früh mit einer starken Position im Markt und entsprechendem IP dabei zu sein.“

Das sehen die bisherigen Geldgeber*innen ähnlich: 2021 konnte Bluu Seafood in einer Seed-Runde mehr als 7 Mio. Euro einsammeln und einen internationalen Investor*innenkreis begeistern, darunter als Late Investor DX Ventures (Delivery Hero). „Wir sind mit unserer Technologie sehr skalierfähig, wir produzieren die weltweit am häufigsten konsumierten Fischarten und stellen noch dieses Jahr ein erstes Produkt vor. Damit ist Bluu Seafood bereits heute in der Lage, an den wenigen Wettbewerber*innen, die schon länger im Markt sind, vorbeizuziehen“, beschreibt Sebastian die Marktlage. „Für unsere Investor*innen und künftigen Kund*innen gilt das Motto: It’s never been more delicious to save our planet!“

Sebastians und Simons Tipps für andere Gründer*innen

1. Sei fokussiert: Gerade nach einer ersten erfolgreichen Fi­nanzierung prasseln hunderte Angebote auf dich ein, von denen du die meisten nicht brauchst. Vieles klingt verlockend, doch du solltest dich auf das konzentrieren, was dir wirklich hilft.

2. Bau dir ein Team auf, dem du bedingungslos vertrauen kannst: Es gibt so viele Aufgaben, die alle zeitlich kritisch sind. Daher brauchst du ein voll belastbares und gut funktionierendes Team, in dem sich jeder gegenseitig unterstützt. Grundvoraussetzung dafür ist jedoch, als Gründer*in loszulassen, Themen abzugeben und den Mitarbeitenden Vertrauen zu zeigen.

3. Bleib am Boden: Erfolg bringt Aufmerksamkeit und damit auch jede Menge Anerkennung. Dennoch halten wir es für enorm wichtig, am Boden zu bleiben und nicht abzuheben. Erfolg kommt nicht von allein, dafür muss weiter hart gearbeitet werden. Gerade in forschungsintensiven Bereichen zahlt sich Ausdauer aus.

4. Überlege gut, wessen Geld du nimmst: Neben der rein finanziellen Entscheidung ist es enorm wichtig, was ein(e) Investor*in dir noch bringen kann. Welche Kontakte hat er/sie, wie kann er/sie dich bei den nächsten Schritten und dem Wachstum unterstützen und dieses möglichst noch beschleunigen? Sieh es als Partnerschaft, denn du bist schließlich jemand, der Geld von anderen, die an dich glauben, einsetzt. Dafür und für den Erfolg solltest du dir Gedanken zu den langfristigen Zielen und Perspektiven machen.

5. Kenne deinen Markt: Wer gründet, brennt für seine Idee und kann andere begeistern. Wenn es um disruptive Ideen geht, sollte man aber bei allem Enthusiasmus die Kund*innen nicht aus dem Blick verlieren. Sonst besteht die Gefahr, an deren Nutzen vorbeizuentwickeln. Frühe User*innen-Tests und Feedback-Schleifen sind ein Muss.