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Die Curated-Shopping-Queen
Anna Alex hat mit Outfittery den milliardenschweren europäischen Markt für Männermode erobert. Dazu hat sie mit ihrer Co-Gründerin Julia Bösch nichts weniger getan, als den Einzel- und den Onlinehandel neu zu denken. Curated Shopping ist ihr E-Commerce-Erfolgsmodell.
Was ist mit den Männern los – zumal mit den echten Kerlen? Fehlt ihnen das Shopping-Gehen-Gen oder sind sie einfach nur zu faul oder überfordert, aus dem unendlich erscheinenden Angebot an Klamotten, Schuhen und Co. auszuwählen? Die Sicht der Frauen auf diese Fragestellung bzw. auf das Modebewusstsein der Männer bringt etwas Licht ins Dunkel. Das Marktforschungsinstitut Appinio hat im Herbst 2016 herausgefunden: Etwas mehr als die Hälfte aller Frauen, genauer gesagt 52,4 Prozent, sind vom Styling der Männer hierzulande nicht wirklich überzeugt.
Und das, obwohl fast 70 Prozent der befragten Frauen im Alter von 25 bis 55 Jahren durchaus Spaß daran haben oder hätten, einen Mann in Sachen Mode zu beraten oder für ihn shoppen zu gehen. Die repräsentative Befragung lässt leider offen, warum die betroffenen Männer das offensichtlich vorhandene weibliche Angebot nicht nutzen, denn sonst wäre das Voting in Sachen Männeroutfits wohl deutlich besser ausgefallen.
Die Service-Revoluzzer
Einen Weg aus diesem „Männer-Dilemma“ bieten zwei Frauen an. Seit 2012 sind sie angetreten, um Männern auf neuartige Art und Weise zum passenden Outfit zu verhelfen. Wobei die beiden Unternehmerinnen nicht etwa die Herrenmode neu erfunden haben. Ihr Fokus liegt auf dem besonderen Einkaufserlebnis, auf innovativen Services rund um das Shoppen von Mode. Und das online. Und das mit großem Erfolg: Die geschätzten zweistelligen jährlichen Wachstumsraten und der ebenfalls geschätzte Unternehmenswert von rund 100 Mio. US-Dollar unterstreichen dies.
Anna Alex und Julia Bösch, beide Anfang dreißig, sind die zwei Service-Revoluzzerinnen. Outfittery heißt ihr in Berlin beheimatetes Start-up und das dahinter befindliche Geschäftsmodell ist Curated Shopping, zu Deutsch: betreutes Einkaufen. Letzteres klingt zunächst nicht sonderlich sexy, ist aber ein bereits in den USA erprobter Trend, den Anna und Julia während eines USA-Aufenthalts 2011 kennengelernt haben. Personal Shopping ist dort, zumindest in Businesskreisen, längst verbreitet. Bei dieser Art des betreuten Einkaufens geht ein Stylist als Berater stellvertretend für den Kunden Einkaufen, sodass dieser nur noch die für ihn exklusiv ausgesuchten Outfits anprobieren muss. Neben diesem Einkaufsservice lernen die beiden in den USA auch die digitale Personal-Shopping-Version kennen, und zwar in Form des Online-Modeausstatters Trunk Club.
Sowohl von der Offline- als auch von der Online-Variante dieser Geschäftsidee inspiriert, machen sich Anna und Julia nach ihrer Rückkehr hierzulande daran, Curated Shopping speziell für männliche Einkaufsmuffel online anzubieten. Wobei die von Outfittery avisierte Kundengruppe der ca. 30- bis 50-Jährigen durchaus keine Modemuffel sind und darüber hinaus sogar willens, jenseits vom Schnäppchenjägertum ordentlich in modische Outfits zu investieren – solange der Weg dahin so bequem und damit so entstresst wie möglich ist.
Pionierarbeit
Anna und ihre Outfittery-Mitgründerin Julia sind europaweit die maßgeblichen Pioniere des Curated Shoppings und damit die Wegbereiterinnen einer neuen Form des Modehandels. Ihr Start-up als reines Copy Cat des US-Vorbilds Trunk Club zu klassifizieren, fällt leicht, zumindest was die Kernidee des Business betrifft. Doch Anna wiegelt ab: „Wir hatten keine Möglichkeiten, in das Unternehmen reinzuschauen. Wenn man sich die Webseite anguckt, ist sie ja eigentlich nur dafür da, dass man sich registrieren kann. Was man aber über Curated Shopping verstehen muss, ist, dass der größte Teil des Zaubers eigentlich im Hintergrund stattfindet. Insofern konnten wir nicht sagen: ,Das machen wir einfach genauso‘. Wir mussten das Ganze schon von Grund auf für uns entdecken, verstehen, was unsere Kunden wollen.“
Letztlich gilt: Die Strukturen rund um das neue Modebusiness müssen sich Anna und Julia selbst erarbeiten. Diese basieren auf digitaler, innovativer Technologie und Big-Data-Nutzung – und sind damit ein Musterbeispiel für eine disruptive E-Commerce-Geschäftsidee, die klassischen Modehändlern – online wie offline – bis heute Tränen in die unternehmerischen Augen schießen lässt.
Was ist Curated Shopping?
Curated Shopping ist, wie bereits angedeutet, ein noch junges E-Commerce-Modell, das sich von konventionellen Onlineshops zunächst durch eine besondere Form der Beratung unterscheidet. Diese erfolgt persönlich und individuell – sie kann online, per Social Media oder telefonisch erfolgen, meist handelt es sich dabei um eine Kombination aus persönlichem Gespräch und digitaler Kommunikation. Aufgrund der persönlichen (Online-)Beratung soll der Kunde von der „Last“ befreit werden, aus einem schier unbegrenzten Online-Angebot an Klamotten und Co. auswählen zu müssen. „Beratung ist das, was wir als Herzstück in unsere modernen Zeiten übersetzen und sowohl online als auch aufs Handy bringen wollen, aber dabei trotzdem eine gute und persönliche Beratung bieten wollen“, so Anna.
Damit hebt sich Curated Shopping nicht nur vom herkömmlichen Onlinehandel ab, sondern gräbt auch dem stationären Einzelhandel zusätzlich Wasser ab. Zumal sich der Kunde so den zeitaufwändigen Gang in den Laden erspart, mit allem was im Worst Case dazugehört: Warten auf Beratung, Warten vor der Umkleide, Warten an der Kasse. Dies sind klare Pluspunkte fürs Curated Shopping. „Wir sehen Outfittery als diejenigen, die die Brücke schlagen zwischen Offline und Online, und als diejenigen, die das Beste aus beiden Welten miteinander kombinieren“, so Anna. Outfittery vereint als disruptive Innovation somit die bislang dem stationären Modehandel vorbehaltene persönliche Fachberatung mit dem Potenzial des klassischen Onlinehandels. „Disruptiv ist, dass wir den Handel komplett neu und anders denken, indem wir für den Kunden die persönliche Beratung mit einer wirklichen Relevanz der Artikel kombinieren“, bringt es Julia, die gebürtige Vorarlbergerin, auf den Punkt.
Das Outfittery-Prinzip: Relevanz
Eines wird hier schon überdeutlich: Curated Shopping ist maßgeblich auf Kundenbindung – genauer gesagt: auf langfristige Kundenbindung – ausgerichtet. Denn der Aufwand pro Kunde ist zunächst ungleich höher als bei einem klassischen Webshop. Der Mehraufwand kann sich aber letztlich auszahlen, und zwar in Form von größeren, sprich teureren Warenkörben, größerer Kundenzufriedenheit und damit engerer (Stamm-)Kundenbindung. Das ist das erklärte Ziel des Business, und dazu muss der Anbieter seinen Kunden zunächst einmal so genau wie möglich kennenlernen.
Bei Outfittery geschieht dies per Fragebogen, den ein Kunde online beantwortet. Darin gibt er seine Vorlieben kund und seine Vorstellungen über Mode bzw. Style. Ein Outfittery-Stylist – davon beschäftigt man heute rund 150, mehrheitlich Frauen – stellt dann nach dem Online-Kontakt und einem persönlichen Telefonat mehrere komplette Outfits zusammen. „Jeder Kunde wird persönlich beraten und erhält eine eigene Stylistin, zu der er immer wieder zurückkommen kann. Durch diesen persönlichen Service schaffen wir eine absolute Relevanz für den Kunden“, erläutert Anna. Dieser Service ist naturgemäß die reinste Big-Data-Quelle. „Wir haben Informationen über unsere Kunden, die weit hinausgehen über das, was andere Online-Shops haben. Aber nur, weil unsere Kunden einen Mehrwert darin sehen, wenn sie uns beispielsweise sagen, wohin sie in Urlaub fahren. Denn dann können wir ihnen ein besseres Outfit zusammenstellen für diese Gelegenheit. Deswegen ist es ein Geben und Nehmen“, erläutert Anna.
Der Kunde legt also selbst keine Waren in den Warenkorb, sondern erhält mehrere, von der Stylistin zusammengestellte Outfits zur Ansicht. „Wir erreichen durchschnittlich einen Warenkorb, der beim Kunden bleibt, von 300 Euro. Das ist drei Mal so viel wie man es aus dem klassischen Onlineshop kennt“, verrät Anna. Was dem Kunden aus seiner Outfittery-Box gefällt und passt, bleibt bei ihm, der Rest geht als Retoure zurück. Der geschilderte Service ist kostenlos.
Geld verdient Outfittery dadurch, dass es die Kleidung, allesamt hochwertige und damit hochpreisige Markenware von seinen Partnern – aktuell sind das rund 100 Marken aus dem Premiumsegment – direkt bezieht und direkt weitergibt. „Unser Geschäftsmodell ist im Prinzip ein relativ klassisches: Wir kaufen bei den Marken ein zum Einkaufspreis und verkaufen zum Verkaufspreis. Wir geben die Garantie, dass unsere Preise den Ladenpreisen entsprechen“, erläutert Anna. Rabatte oder Schnäppchen gibt es bei Outfittery nicht. „Wir geben keine Rabatte, aber wir schlagen auch nichts drauf“, so Anna, und konkretisiert: „Gute Beratung hat ihren Preis, und deswegen ist jeder, der irgendwie fünf Euro aufs Hemd sparen möchte, bei uns auch nicht unbedingt richtig.“
Auch klar: Nur wenn die zusammengestellten Outfits nicht zurückgeschickt werden, fließt Geld. Doch Retouren, so Anna, seien nicht das wirkliche Problem im E-Commerce. „Das Thema ist bei Zalando immer so hochgepuscht worden. Ich finde, wenn man seine Prozesse im Griff hat, dann kann man auch mit Retouren umgehen. Retouren sind einfach etwas, an das man sich im E-Commerce gewöhnen muss. Wir haben demnach auch von Anfang an nicht darauf gesetzt, unsere Retouren so klein wie möglich zu halten. Der Warenkorb, der bei dem Kunden bleibt, war uns von Anfang an wichtiger“, so Anna.
Vorsprung durch Technologie und Innovationen
Neben dem Kennenlernen des Kunden, also dem Sammeln möglichst vieler relevanter Daten über Typ, Vorlieben, Modebewusstsein etc., fußt Curated Shopping auf dem bereits erwähnten modernen, innovativen Einkaufserlebnis. „Vor zwei Jahren haben wir den Männerscanner live gestellt, einen 3D-Scanner, mit einer Technologie, die damals noch ganz neu war“, berichtet Anna. Der Body-Scanner, der am Münchner Center for Digital Technology & Management entwickelt wurde, stand dann einige Wochen bei der Deutschen Bank in Berlin, wo sich die männlichen Kunden nach dem Geldabheben noch passgenau scannen lassen konnten.
Seit Mitte 2015 setzt Outfittery als europäischer Vorreiter auch aufs Smartphone-Shopping via Messenger-Dienst WhatsApp. „Wir holen unsere Kunden genau da ab, wo sie sich kommunikativ bewegen. Unsere Kunden können uns nun noch viel leichter z.B. von unterwegs Fotos von Outfits oder Styles schicken, die ihnen gefallen. Oder auch einfach Bilder von sich selbst, um die kostenlose Beratung unserer Style-Experten in Anspruch zu nehmen“, erläutert Julia. Die Idee für den WhatsApp-Style-Chat hatte übrigens eine Style-Expertin von Outfittery.
Als erster Mode-Anbieter in Deutschland präsentiert Outfittery seine Outfits in 360-Grad-Ansicht. Seit November 2016 wird ausgewählten Kunden ein sog. Cardboard in die Box gelegt, das in Kombination mit dem Smartphone zu einer Virtual-Reality-Brille wird. Via 360-Grad-Video erhält der User so Zutritt in den Berliner Outfittery-Showroom, wo er von einem Einkäufer und drei Stylisten unterschiedliche Styles in 3D präsentiert bekommt.
Aber auch auf die Männermode selbst bezogen sind Anna und Julia innovativ-experimentell. Denn Technologie hat längst das Fashion-Design in Form von trendigem Tech-Couture oder Wearables erobert. Auch hier mischt Outfittery mit, indem Mann für einen begrenzten Zeitraum auch ausgewählte Tech-Couture angeboten bekommt. So entwarf das Fashion-Tech-Label Elektrocouture für Anna und Julia eine Sonderedition seines Strickschals für Männer, der mit LEDs ausgestattet ist.
Vorsprung durch Technologie und Innovationen – das ist die Marschroute. „Da sieht man schon unseren Mindset. Wir greifen neue Technologien sehr gern auf, testen diese sehr schnell an unseren Kunden und sehen uns technologisch auch als einen Innovationstreiber“, so Anna. Innovative Beratungsservices sind der Kern des Business. Oder in Julias Worten formuliert: „Wir verkaufen zwar Mode, aber eigentlich geht es um den Service.“
Lehrmeister Rocket Internet
Was hier als Geschäftsmodell so eingängig erscheint, müssen sich die Gründerinnen aber erst Mal hart erarbeiten. Dabei kommt es Anna und Julia sehr zugute, dass sie bereits profunde Kenntnisse im E-Commerce und zum Thema Start-ups gesammelt haben. Julia arbeitet vor der Gründung bei Zalando, dem Mode-E-Commerce-Start-up von Rocket Internet. Auch Anna kommt schon früh mit der Start-up-Szene in Verbindung. Während ihres Wirtschaftssoziologie- und VWL-Studiums absolviert sie auch Praktika in Start-ups und stellt dabei fest: „Das war die Welt, in der ich mich bewegen wollte. Das Thema Start-up hat mich dann auch nicht mehr losgelassen.“ Ihre Abschlussarbeit handelt grob gesagt von dem Zusammenwirken von Start-ups und Investoren. Bei den Recherchen kommt sie mit der Start-up-Schmiede Rocket Internet in Kontakt – und man bietet ihr prompt einen Job an. Anna greift zu, macht ihren Abschluss, zieht nach dem Studium nach Berlin und arbeitet für Rocket im technischen Produktmanagement in unterschiedlichen Start-ups.
Während ihres Einsatzes bei Zalando lernt Anna dann auch Julia kennen. „Die Zalando-Zeit hat uns beide sehr geprägt, insofern, als wir dort ein enormes Wachstum miterleben durften, aber auch ein bisschen die Angst vor Schnelligkeit, vor Wachstum verloren haben“, so Anna rückblickend. Wichtig war auch die Erkenntnis: „Die machen das super, was sie tun, aber am Ende des Tages kochen die auch nur mit Wasser. Und das war der Punkt, an dem auch der Wunsch entstanden ist: ,Das möchten wir irgendwann auch mal selber machen‘.“
Anfänge und Learning
Das Selbermachen beginnt direkt nach der bereits erwähnten USA-Reise. Zurück in Berlin kündigen beide ihre Jobs und beginnen ab Januar 2012, in und an ihrem eigenen Unternehmen zu bauen. „Am Anfang hatten wir gar kein Büro, wir saßen im Wohnzimmer von Julia“, so Anna. „Als erstes haben wir einen CTO gesucht und relativ schnell gefunden, der hat dann angefangen, an der Plattform und an der Seite zu bauen. Was wir außerdem in den ersten Wochen und Monaten sehr intensiv gemacht haben, war, das Ganze auszuprobieren und mit den Kunden zu sprechen“, berichtet Co-Gründerin Anna rückblickend.
Doch mit den Testkäufern ist das so eine Sache. „Damals hatten wir noch keine externen Kunden, dafür mussten dann unsere Freunde, Väter, Onkels, Großväter usw. herhalten, mit denen wir dann Telefonate geführt haben, um herauszufinden, worum es den Männern geht, worauf wir achten müssen“, so Anna. Nach der intensiven Testphase stellen Anna und Julia die erste Stylistin ein, mieten das erste Büro an, „einen ganz kleinen Raum zur Untermiete“, und gehen – vier Monate nach der Gründung – im April 2012 online. In ihrem Büro werden die Beratungen per Telefon geführt und „jede einzelne Box mit der Kleidung selbst gepackt“, erinnert sich Anna. Vieles muss schlichtweg improvisiert werden. Das Business kommt schnell ins Rollen: „Am Anfang kannte ich noch jeden einzelnen Kunden mit Namen. Dann kamen plötzlich die ersten Kunden, die wir nicht persönlich kannten. Das war natürlich ein sehr spannender Moment.“
Spannend ist es für die beiden Gründerinnen auch, die etablierten Modemarken von sich zu überzeugen. „Die Modebranche ist konservativ, vielleicht rangiert sie so kurz hinter den Ärzten“, urteilt Anna und lacht dabei. „Am Anfang haben viele, meist größere bekannte Marken gesagt: ,Kenne ich nicht, will ich nicht, brauche ich nicht.‘ Es waren eher die kleineren, die das Potenzial zuerst erkannt haben.“ Diese Zeiten sind längst vorbei. „Mittlerweile kommen die großen Marken auf uns zu und wollen mit uns zusammenarbeiten, denn sie haben das Modell mittlerweile verstanden, sehen, dass es funktioniert, und haben verstanden, wie sie davon profitieren können“, so die Outfittery-Chefin.
Investoren und Wachstu
Die Rollen bei Outfittery sind von Anfang an klar verteilt: Julia ist für Marketing und Finanzen zuständig, Anna für Produkt und Operations. Die ersten Monate finanzieren die beiden Gründerinnen selbst, dann werden Investoren auf sie aufmerksam und steigen bei Outfittery ein. Bis heute hat das Unternehmen mehr als 50 Mio. US-Dollar eingesammelt, um das fürs Business benötigte schnelle Wachstum generieren zu können. „Wachstum ist der primäre Fokus. Wir haben Geldgeber, die uns erlauben, diesen Fokus zu setzen. Das ist ja auch ein gewisser Luxus“, urteilt Anna.
Und Wachstum ist von Anfang an auch deshalb gefordert, weil Outfittery hierzulande nicht allein auf weiter Curated-Shopping-Gründer-Flur zugange ist. Ebenfalls in Berlin ansässig und sogar noch etwas länger am Markt als Outfittery ist Modomoto, bis heute der härteste Wettbewerber in Sachen „Curated-Männer-Shopping“. Diesen Konkurrenten muss man sich so weit wie möglich vom Halse halten. Anna selbst sieht das weniger dramatisch: „Ja, wir hatten von Anfang an Wettbewerb. Das war für uns aber eigentlich eine positive Nachricht, weil man ja immer sagt, solange es keinen Wettbewerb gibt, gibt es vielleicht auch keinen Markt. Wir haben uns sogar gegenseitig geholfen, weil unser Modell einfach ein neues ist, das man erst mal erklären muss, und dazu hat jeder seinen Teil beigetragen."
Längst ist Outfittery aus den Kinderschuhen herausgewachsen. Aus dem winzigen Büro sind vier Stockwerke in einer alten Fabrik im Herzen von Berlin-Kreuzberg geworden. Dort tummeln sich viele junge Leute, man hört sie auf Deutsch, Englisch, Schwedisch oder Französisch miteinander sprechen – ein kreativer Ort, der internationales Flair versprüht und von dem aus die unternehmerischen Fäden von Outfittery in Deutschland und in Europa gezogen werden. Neben den Headquarters in Berlin mit Showroom unterhält das Start-up heute Büros in Düsseldorf und in Zürich. Die Outfittery-Familie ist mittlerweile auf 300 Mitarbeiter gewachsen. Diese kümmern sich aktuell um rund 400.000 Kunden in acht europäischen Ländern.
Der Kampf um die europäische Männerherrschaft
Tempo und Wachstum sind auch künftig überlebenswichtig, zumal sich der erwähnte Konkurrent Modomoto im Jahr 2016 auf europäischer Ebene mit The Cloakroom, dem niederländischen Curated-Shopping-Anbieter, und finanzstarken Investoren zusammengetan hat und nun als Curated Shopping Group agiert. Man selbst bezeichnet sich seitdem gern als europäischer Marktführer – was Anna aber ziemlich kalt lässt: „Man kann vieles behaupten, wenn der Tag lang ist, letztlich sprechen die Zahlen für sich. Wir haben relativ verlässliche Zahlen drüber, dass wir bedeutend größer sind.“
An dieser Entwicklung wird ersichtlich, dass Outfittery längst von einem maßgeblichen Pionier der Curated-Shopping-Economy zum Gejagten der Branche geworden ist. Daran beteiligt ist auch Anna und Julias ehemaliger Arbeitgeber Rocket Internet, der den beiden das milliardenschwere Curated-Shopping-Potenzial nicht kampflos überlassen will. Mit seinem eigenen Curated-Shopping-Angebot namens Zalon fokussiert Rocket seit 2015 jedoch auf Männer und auf Frauen. „Es war für uns der Ritterschlag überhaupt, dass unser ehemaliger Arbeitgeber uns kopiert hat. Da fühlten wir uns schon sehr bestätigt in unserem Weg, den wir gehen“, urteilt Anna selbstbewusst, und ergänzt: „Natürlich haben wir auch gesunden Respekt vor denen, allerdings kristallisiert sich heraus, dass sich Zalon sehr stark auf Frauen konzentriert, sodass wir uns bisher nicht so stark in die Quere gekommen sind“.
Weitere Curated-Shopping-Wettbewerber sind hierzulande aktiv. Die meisten von ihnen adressieren ihr Modeangebot ausschließlich an Frauen, so Kisura oder 3compliments, und bieten zumindest bislang meist deutlich weniger innovatives Einkaufserlebnis als Outfittery.
Die Modehandelsriesen blamieren sich
Und wie reagiert der stationäre Einzelhandel in Form der großen Modehandelsunternehmen? Auf dem Papier haben sie ja eigentlich die besseren Karten für das Curated-Shopping-Geschäftsmodell. Denn sie verfügen über die Ware, die Kunden, die Kundendaten und über langjährige Erfahrung aus der Kundenberatung. Doch rasch zeigt sich, dass deren Ambitionen, im Curated-E-Commerce ernsthaft mitzumischen, höflich formuliert, als zaghaft zu bezeichnen sind. Dazu Anna: „Das haben wir von Anfang an genau beobachtet. Was sich mittlerweile herausgestellt hat, ist: Die haben es so lange versäumt, sich zu digitalisieren, und das ganze Thema E-Commerce ist erst einmal an ihnen vorbeigegangen.“
Peek & Cloppenburg ist ein Paradebeispiel. Ende März 2015 ist der Düsseldorfer Modehändler mit seinem Online-Angebot namens Stilbox (zunächst als Fashion ID gestartet) in das betreute Einkaufen eingestiegen – und mittlerweile bereits wieder offline. Die Gründe dafür liegen laut Anna auf der Hand: „Peek & Cloppenburg hat tatsächlich sieben Jahre gebraucht, um einen Onlineshop zu launchen, der dann noch nicht mal unter dem eigenen Namen lief, sondern unter Fashion ID.“
Mit solch behäbigem Agieren kann man heute wohl kaum mehr wachstumsgetriebenen, innovativ aufgestellten Start-ups das Wasser reichen. „Die (Anm.d.Red.: Modehändler) folgen einer anderen Logik – einer, die sehr viel auf Erhalt ausgerichtet ist, anstatt sich zu öffnen und zu überlegen, was die Kunden heutzutage möchten und wie man da mithalten kann. Deswegen haben sie sich da selbst ein bisschen aus dem Rennen geschossen.“ Ähnliches gilt wohl auch für den Versuch des angeschlagenen Modehändlers Wöhrl, mit seinem Online-Angebot „My Outfit“ das Thema Curated Shopping zu besetzen.
Offensichtlich sind die etablierten Offline-Player aus der Modebranche nicht wirklich in der Lage, ihre Geschäftsmodelle auf die digitale Zukunft hin auszurichten. Behäbigkeit mag ein Grund sein, mangelnde Visionen ein weiterer. „Wenn man unser Modell von außen sieht, denkt man: ,Setzt da ein paar Stylistinnen hin und das war’s schon.‘ Aber dafür ist unser Modell einfach zu komplex, und das haben sie einfach unterschätzt.“ Annas nicht ganz uneigennütziger Rat: „Anstatt Curated Shopping anzubieten, sollten die Stationärhändler lieber dafür sorgen, dass das Einkaufen in den Läden wieder ein rundum zufriedenstellendes Erlebnis für den Kunden wird.“ Und sie wird noch deutlicher: „Man kann durchaus behaupten, dass sich der Einzelhandel in gewisser Weise selbst etwas abgeschafft hat. Denn wenn er dabei geblieben wäre, gute Beratung zu bieten, dann wäre er auch nicht in der Situation, in der er heute ist.“
Wohin geht die Curated-Shopping-Tour?
Wie wird sich Outfittery weiterentwickeln? Ist Curated Shopping beispielsweise ohne persönliche Beratung durch Stylisten, also nur basierend auf Big-Data-Analysen vorstellbar? „Nein“, lautet Annas Antwort. „Mode hat viel mit Inspiration und Gefühl zu tun und damit, etwas Neues zu entwickeln. Was Data letztlich macht, ist zu reproduzieren, was in der Vergangenheit mal geklappt hat, um daraus zu lernen. Aber Geistesblitze, Inspiration, das haben Daten nicht und auch Maschinen nicht.“
Klar ist, dass Outfittery weiter international wachsen muss. Gemunkelt wird vom bevorstehenden Markteintritt in Großbritannien. „Vielleicht“, äußert sich Anna dazu, und fügt hinzu, dass es dazu noch nichts Konkretes gibt. Und weil bei der letzten Investorenrunde auch namhafte italienische Modedynastien bei Outfittery eingestiegen sind, darf man darüber spekulieren, ob darin bereits erste Vorbereitungen für den Einstieg in den italienischen Online-Modehandel zu sehen sind. Dazu gibt es keine Äußerungen seitens Outfittery.
Eine knappe Äußerung gibt es immerhin zu der Frage nach Überlegungen zu einem eigenen Mode-Label. Dies könnte eine lukrative Erweiterung des Geschäftsmodells über die Kooperation mit den Markenpartnern hinaus sein. „Definitiv, das könnte kommen, ist aber nicht aktuell“, so Anna.
Spannender sind daher die Überlegungen, was sich die Curated-Shopping-Pionierinnen über das Thema Mode hinaus vorstellen können. Die gesammelten Big-Data lassen ja sehr viele Erkenntnisse zu, die auch in anderen Branchen relevant und wertvoll wären. Zumal der von Anna und Julia maßgeblich implementierte Trend seit etwas mehr als fünf Jahren bei uns bzw. europaweit anhält und bereits in weiteren Branchen ausprobiert wird. Ein Beispiel ist Roomhero.de, das Curated Shopping für Möbel und Inneneinrichtung bietet, und auch im Schmuckbereich gibt es die ersten Nachahmer.
„Hinsichtlich anderer Bereiche sehen wir sehr viel Potenzial, allerdings sehen wir noch immer sehr viel Potenzial in der Mode, und bei den Männern. Deswegen werden wir uns auch in den nächsten Monaten nicht irgendwie um Möbel oder so was kümmern, sondern bleiben schon dem treu, was wir können und von dem wir wissen, dass wir es können“, erläutert Anna, und ergänzt: „Man guckt sich immer neue Bereiche an und sieht spannende Entwicklungen. Wir sind ja auch froh, dass wir das ganze Thema Curated Shopping als Bereich vorangetrieben haben – in Deutschland, in Europa –, und es sind immer schöne Momente, wenn jemand sagt: ,Ich habe dies und das überlegt und das ist eigentlich Outfittery für soundso‘.“
Fakt ist: Das Curated-Shopping-Modell ist nicht auf die Modebranche beschränkt. Das E-Commerce-Modell ist durchaus für ganz unterschiedliche Handelsbereiche interessant und kann eine lohnende strategische Ergänzung für stationäre Händler und klassische Onlineshops darstellen. „Ich glaube einfach an das Prinzip an sich, weil unsere Welt sehr schnell geworden ist, in der Mode wie in anderen Bereichen“, so die Outfittery-Chefin Anna. „Wir reduzieren die Komplexität für unseren Kunden auf die Teile, die für ihn relevant sind. Und es ist vollkommen gerechtfertigt, dies auch in anderen Bereichen vom Prinzip her anzuwenden, und die Relevanz in den Vordergrund zu stellen und nicht mehr die Auswahl. Es geht nicht mehr um ,Je mehr desto besser‘, sondern um ,Je weniger, dafür relevantes Angebot‘.“
Noch ist viel Luft nach oben
Ein garantiertes Erfolgsrezept ist Curated Shopping natürlich nicht, verfügt aber über viel Zukunftspotenzial. Denn noch ist viel Luft nach oben: Das E-Commerce-Center Köln hat in einer repräsentativen Umfrage unter Online-Shoppern herausgefunden, dass jeder Fünfte sich vorstellen kann, in Zukunft betreut zu shoppen. Bisher haben aber nur knapp vier Prozent der Befragten überhaupt schon einmal diese Dienste genutzt (eine GfK-Studie geht aktuell von rund sechs Prozent aus).
Wem es also gelingt, bestehende, idealerweise erprobte Geschäftsmodelle aus dem stationären Handel sowie aus dem klassischen Onlinehandel um die persönliche und damit wirklich relevante Beratung und das innovative Einkaufserlebnis zu erweitern, kann Curated Shopping für sich und sein Business nutzen. Die Outfittery-Erfolgsstory zeigt, dass die etablierten Player oft zu träge agieren, um mithalten zu können. Auch für neue Ideen rund ums Curated Shopping ist sicherlich noch Platz. Dennoch ist das E-Commerce-Modell, es sei nochmals betont, kein Selbstläufer!
Und man muss letztlich auch Gewinne erzielen. Dies ist – so zumindest die Einschätzung der Analysten – bei Outfittery noch nicht der Fall, trotz geschätzter millionenschwerer Umsätze. Outfittery dürfte 2014 auf Jahresumsätze zwischen 18 und 19 Mio. Euro gekommen sein, und 2015 um die 25 Mio. Euro erzielt haben. Einen veritablen Gewinn, der nicht vielen Gründern vergönnt ist, können die Outfittery-Chefinnen Anna und Julia auf jeden Fall für sich verbuchen: „Wenn man sozusagen als Begrifflichkeit für eine ganze Kategorie steht, sind das die Momente, die einen als Gründer besonders stolz machen“, sagt Anna Alex abschließend.
Was nach Outfittery geschah
P.S.: Dieser Beitrag stammt aus dem Jahr 2017. Ende 2018 zog sich Anna Alex aus dem operativen Geschäft zurück, unterstützt das Unternehmen aber weiterhin als Vorstandsmitglied.
Im Jahr 2019 trat Anna der Klimainitiative "Leaders for Climate Action" bei, die von mehr als 100 digitalen Unternehmern in Deutschland ins Leben gerufen wurde. Inspiriert von den Zielen der Initiative und getrieben von dem Wunsch, aktiv und unternehmerisch mit der Klimakrise umzugehen, gründete Anna zusammen mit Benedikt Franke Planetly. Sie ist davon überzeugt, dass "Daten und Technologie das Zeug dazu haben, Unternehmen die nötige Transparenz ihres Co2-Fußabdrucks zu verschaffen, die zu umsetzbaren Schritten zu dessen Reduzierung führt".
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Fazit
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Der Autor Nico Gaviola ist VP Digital Natives & Emerging Enterprise bei Databricks EMEA.
Medizinal-Cannabis: Zwischen Wachstumsschub und regulatorischer Neujustierung
Zwischen Boom und strengeren Regeln: Der Markt für Medizinal-Cannabis steht nach einem Rekordjahr am Scheideweg. Investoren und Patienten blicken gespannt auf mögliche Gesetzesänderungen für 2026.
2025 war das erste vollständige Geschäftsjahr nach Inkrafttreten des Medizinal-Cannabisgesetzes im April 2024 – und damit ein echter Praxistest für den deutschen Markt. Mit der Entkopplung von Cannabis aus dem Betäubungsmittelrecht und der Vereinfachung der Verschreibung über Telemedizinplattformen änderten sich die Rahmenbedingungen spürbar. Die Effekte ließen nicht lange auf sich warten und resultierten in steigende Verordnungszahlen, stark wachsende Importmengen und einem beschleunigten Ausbau von Versorgungsstrukturen. Doch wie geht es weiter?
Ein Markt im ersten Jahr nach der Reform
Die Importzahlen verdeutlichen die Dynamik. Während 2023 noch rund 30 Tonnen medizinisches Cannabis nach Deutschland eingeführt wurden, entwickelten sich die Zahlen anschließend immer rasanter. Das Bundesministerium für Gesundheit vermeldete im ersten Halbjahr 2025 einen Anstieg der Importe von mehr als 400 Prozent, von rund 19 auf 80 Tonnen. Hochgerechnet auf das Gesamtjahr dürfte das Volumen jenseits der 140-Tonnen-Marke liegen. Diese Änderungen haben einen aufstrebenden Markt geschaffen, wodurch sich Deutschland zum größten Einzelmarkt für Medizinal-Cannabis in Europa entwickelt hat.
Parallel dazu stieg auch die Zahl der ausgestellten Rezepte deutlich an. Schätzungen gehen inzwischen von mehreren Millionen Patientinnen und Patienten aus, die Cannabis auf ärztliche Verordnung nutzen. Das Marktvolumen wird für 2025 auf bis zu eine Milliarde Euro geschätzt.
Ausbau der Strukturen und steigende Professionalisierung
Für viele Unternehmen der Branche war 2025 ein Jahr des Ausbaus. Investiert wurde in GMP-konforme Prozesse (Good Manufacturing Practice), Lieferkettenstabilität, Qualitätssicherung und digitale Patientensteuerung. Deutschland bleibt stark importabhängig, die inländische Produktion deckt weiterhin nur einen begrenzten Teil des Bedarfs. Internationale Partnerschaften mit Produzenten in Kanada, Portugal oder anderen EU-Staaten sind daher weiterhin zentraler Bestandteil der Marktstruktur.
Politische Reaktionen auf das Wachstum
Mit der steigenden Bedeutung des Marktes wächst auch die politische Aufmerksamkeit, die Debatte rund um die Teillegalisierung polarisiert und spaltet Meinungen. Vertreter der CDU äußerten frühzeitig Bedenken, dass vereinfachte Verschreibungswege zu Fehlentwicklungen führen könnten. Besonders digitale Plattformmodelle bzw. Telemedizinanbieter mit Sitz im Ausland geraten dabei in den Fokus der Kritik.
Im Herbst 2025 wurde von Warken & Co. ein Gesetzeswurf zur Änderung des Medizinal-Cannabisgesetzes vorgestellt. Dieser sieht unter anderem strengere Vorgaben für telemedizinische Verschreibungen vor, genauer gesagt einen verpflichtenden persönlichen Arztkontakt sowie ein Versandverbot über Telemedizinanbieter. Ziel ist es, medizinische Standards zu präzisieren und potenziellen Missbrauch zu verhindern. Die politische Argumentation verweist auf die stark gestiegenen Importzahlen und die zunehmende Zahl digital vermittelter Rezepte. Gleichzeitig wird betont, dass Cannabis als medizinische Therapie klar vom Freizeitkonsum abgegrenzt bleiben müsse und sich dabei viele Freizeitkonsumenten als Patienten ausgeben.
Innerhalb der Branche wird diese Entwicklung differenziert bewertet. Sascha Mielcarek, CEO der Canify AG, ordnet den Gesetzentwurf nüchtern ein: „Der Kabinettsentwurf zur Änderung des MedCanG schießt mit Kanonen auf Spatzen. Wir haben ein wachsendes Problem mit der missbräuchlichen Anwendung von Opioiden, Benzodiazepin und anderen verschreibungspflichtigen Medikamenten. Die Therapie mit Cannabis bietet in vielen Fällen eine nebenwirkungsärmere Alternative und mit dem Gesetzentwurf würde der Zugriff genau darauf erschwert werden. Medizinisches Cannabis eignet sich nicht, einen Präzedenzfall zu schaffen. Der Gesetzentwurf ist kein Beitrag zur Patientensicherheit.“
Unabhängig von der Bewertung einzelner Maßnahmen zeigt sich vor allem, dass der regulatorische Rahmen weiterhin in Bewegung ist. Für Unternehmen bedeutet das eine Phase erhöhter Unsicherheit bei gleichzeitig stabiler Nachfrage. Experten befürchten, dass der Markt um die Hälfte einbrechen könnte, sollte ein physischer, persönlicher Arztkontakt Wirklichkeit werden.
Was bedeutet das für Start-ups und Investoren?
Für Gründer und Kapitalgeber bleibt der Markt grundsätzlich attraktiv. Das Wachstum der vergangenen zwei Jahre zeigt eine robuste Nachfrage. Gleichzeitig sind die Eintrittsbarrieren hoch. Wer im medizinischen Cannabissektor aktiv werden möchte, benötigt regulatorisches Know-how, belastbare Lieferketten, medizinische Anbindung und Kapital für Qualitätssicherung und Compliance.
Gerade diese Anforderungen wirken jedoch auch stabilisierend. Der Markt ist stark reguliert, professionell organisiert und eingebettet in bestehende Gesundheitsstrukturen. Für Investoren stellt sich daher weniger die Frage nach dem Potenzial als nach der Planbarkeit. Politische Anpassungen wirken sich unmittelbar auf Geschäftsmodelle, Bewertungen und Expansionsstrategien aus.
Ausblick auf 2026
Mit Blick auf das neue Jahr zeichnet sich ein Szenario der Neujustierung ab. Möglich ist eine Konsolidierung, bei der sich professionelle Anbieter weiter etablieren und regulatorische Klarstellungen für mehr Stabilität sorgen. Ebenso denkbar sind weitere gesetzliche Anpassungen, die das Wachstum stärker strukturieren. 2026 wird zeigen, unter welchen regulatorischen Bedingungen sich dieser Markt weiterentwickelt – und wie attraktiv er für Gründer und Investoren langfristig bleibt.
Rouge: Vom Tabu zum Geschäftsmodell
Die Menstruation ist ein Milliardenmarkt – und dennoch oft unsichtbar. Das von Tina Frey und Patrick Gsell gegründete Start-up Rouge bricht mit diesem Muster. Was Ende 2022 als Vision in der Schweiz begann, hat sich durch geschickte Positionierung und Expansion nach Deutschland zu einem ernstzunehmenden Player im FemTech-Bereich entwickelt.
Die Grundidee von Rouge ist so simpel wie strategisch klug: Statt die Menstruation zu verstecken, wird sie zum sichtbaren Lifestyle-Element. „Mich hat fasziniert, wie sehr die Menstruation unseren Alltag beeinflusst und wie konsequent wir trotzdem darüber schweigen“, erklärt Mitgründerin Tina Frey. „Bald wurde mir klar: Das ist ein gesellschaftliches Problem.“ Dass dieser Ansatz einen Nerv trifft, zeigt der rasche Aufstieg des Unternehmens. Durch gezielte Medienarbeit gelang es dem Team, das Thema aus der Nische in den Mainstream zu heben – Tina Frey positioniert sich dabei konsequent nicht nur als Unternehmerin, sondern als Expertin für Frauengesundheit.
Differenzierung im "Red Ocean"
Im Zentrum der Marke steht der Rouge-Drink, ein Pulver-Supplement mit Eisen, Vitamin B12 und Granatapfel. Doch der eigentliche USP liegt nicht in den Inhaltsstoffen, sondern in der Inszenierung. Die transparente Flasche mit der roten Flüssigkeit fungiert als bewusstes „Statement-Piece“.
Hier gelingt dem Start-up ein entscheidender Schachzug im wachsenden Markt für Zyklusgesundheit: Während Wettbewerber wie FEMNA oder MYLILY auf funktionale Nahrungsergänzung in diskreter Kapselform setzen, inszeniert Rouge die Einnahme als genussvollen Wellness-Moment. Gleichzeitig emanzipiert sich das Duo von den „lauten“ Tabubrechern der Branche wie The Female Company: Rouge setzt weniger auf Provokation durch Hygieneartikel, sondern transformiert die Linderung von Regelbeschwerden von einer medizinischen Notwendigkeit in eine „ästhetische Selbstverständlichkeit“.
„Sichtbarkeit verändert Verhalten“, so Tina Frey. „Die Flasche macht den Zyklus im Alltag sichtbar und löst Gespräche aus. Noch wichtiger: Viele Frauen erleben dadurch eine neue Selbstverständlichkeit und mehr Selbstbewusstsein.“ Dieser Social-Impact-Gedanke ist fest im Geschäftsmodell verankert: Ein Teil der Erlöse fließt in Aufklärungsprojekte. „Sozialer Impact ist kein Marketing-Trick, sondern eine Notwendigkeit“, ergänzt Co-Founder Patrick Gsell. „Gleichzeitig braucht es wirtschaftliche Stabilität, um langfristig bestehen zu können.“
Diverse Kompetenzen als Wachstumstreiber
Hinter der Marke steht ein komplementäres Gründungs-Duo. Tina Frey bringt als Marketing-Expertin das kommunikative Rüstzeug mit, während Patrick Gsell – seit über 20 Jahren Geschäftsführer eines Softwareunternehmens – die strategische Struktur und Skalierungserfahrung liefert. Patrick Gsell, der 2022 den Bund-Essay-Preis gewann, liefert zudem den intellektuellen Unterbau. „Die Hälfte der Menschheit erlebt die Menstruation. Trotzdem betrifft sie die ganze Gesellschaft und nicht zuletzt das Verständnis zwischen Mann und Frau. Genau deshalb finde ich es so spannend, mit Rouge am Anfang eines gesellschaftlichen Wandels zu stehen“, so Patrick Gsell.
Expansion mit lokaler Strategie
Nach der Etablierung auf dem Schweizer Heimatmarkt erreichte Rouge im Herbst 2025 den nächsten Meilenstein: den Markteintritt in Deutschland. Anders als bei reinen Export-Modellen setzt das Start-up hierbei auf lokale Strukturen und Partner vor Ort. „Der deutsche Markt bietet großes Potenzial, aber jede Gesellschaft tickt anders“, begründet Tina Frey den Schritt. Das Ziel bleibt grenzüberschreitend gleich: Die Menstruation soll kein Nischenthema bleiben, sondern als normaler Teil der weiblichen Gesundheit akzeptiert werden – sichtbar gemacht durch eine rote Flasche, die den Dialog eröffnet.
Der beste Freund aus der Cloud – Made in Bavaria
Wie ein Internet-Pionier mit BestFriend die Einsamkeit hackt.
Silicon Valley? Nein, Klosterlechfeld. Hier, im „bayerischen Outback“ zwischen Augsburg und Landsberg, sitzt Horst Christian (Chris) Wagner. Kein 20-jähriger Hoodie-Träger, der in der Garage von der Weltherrschaft träumt, sondern ein Mann, der das Internet schon nutzte, als es nur aus grauem Text bestand. Wagner ist ein digitaler Veteran. Und er hat gerade eine Wette auf die menschliche Seele abgeschlossen. Sein Einsatz: Die App BestFriend.
Schluss mit dem bloßen Befehlston
Vergesst kurz ChatGPT. Die großen KIs schreiben Bachelorarbeiten oder programmieren Code – sie sind Werkzeuge. Chris' Vision mit BestFriend beginnt dort, wo die Silicon-Valley-Riesen aufhören: beim Gefühl.
BestFriend ist kein Lexikon. Die App soll der Zuhörer sein, der nachts um drei Uhr noch wach ist. Sie soll Zusammenhänge verstehen, nicht nur Fakten abspulen. Aber braucht die Welt wirklich noch einen Bot? „ChatGPT ist brillant im Antworten geben. BestFriend ist dafür gebaut, beim Menschen zu bleiben“, so Chris. „Der Unterschied ist nicht die Intelligenz, sondern die Haltung. BestFriend will nichts erledigen, nichts optimieren, nichts verkaufen. Die App hört zu, merkt sich Zusammenhänge, reagiert emotional konsistent und bewertet nicht. Viele Nutzer sagen mir: ChatGPT fühlt sich an wie ein extrem kluger Kollege, BestFriend eher wie jemand, der dich kennt.“
Wer tiefer verstehen will, wofür die App im Alltag eingesetzt wird, findet im BestFriend-Magazin zahlreiche Beispiele. Dort wird offen gezeigt, in welchen Situationen Nutzer*innen die App einsetzen – von Einsamkeit über Selbstreflexion bis hin zu ganz praktischen Lebensfragen. Für Chris zugleich ein Beweis dafür, dass es hier um einen neuen Umgang mit Technologie geht.
Vertrauen als Währung
Wer einer Maschine von Liebeskummer erzählt, macht sich nackt. Genau hier spielt Chris den Standortvorteil Made in Germany aus. Während US-Apps wie Replika oft wirken, als würden sie Daten direkt an die Werbeindustrie weiterleiten, setzt BestFriend auf die „sichere Schulter“.
Datenschutz ist in diesem intimen Bereich keine Fußnote, sondern das Produkt. Chris weiß: Niemand öffnet sich, wenn er fürchten muss, dass seine Ängste morgen in einer Datenbank für personalisierte Werbung landen. Doch das wirft Fragen auf: Wie wird garantiert, dass nichts nach außen dringt? Und wo zieht die Software die Reißleine, wenn ein(e) Nutzer*in wirklich Hilfe braucht?
Dazu Chris: „Erstens: technisch. Daten werden minimal erhoben, verschlüsselt verarbeitet und nicht für Training oder Drittzwecke genutzt. Es gibt keine versteckte Monetarisierung über Profile. Punkt. Zweitens: inhaltlich. BestFriend weiß sehr genau, was es nicht ist. Die App gibt keine Diagnosen, keine Therapieanweisungen und keine falsche Nähe. Bei klaren Krisensignalen wird nicht weiter ‚gecoacht‘, sondern aktiv auf echte Hilfe hingewiesen. Das ist eine harte Grenze im System. BestFriend soll Halt geben, nicht Verantwortung übernehmen, die einer KI nicht zusteht.“
Ein Mann, eine KI, kein Overhead
Die Entstehung von BestFriend ist fast so spannend wie das Produkt selbst. Chris hat keine millionenschwere Finanzierung und kein riesiges Entwicklerteam im Rücken. Er nutzt die KI selbst, um die KI zu bauen. Er nennt das „Umsetzungs-Multiplikator“. Ein einzelner Experte dirigiert heute eine Armee aus Algorithmen.
Doch Code ist geduldig. Die Wahrheit liegt auf dem Display der Nutzenden. Ob Senior*innen, denen der/die Gesprächspartner*in fehlt, oder die Gen Z, die lieber tippt als spricht – die Zielgruppe ist riesig, der Bedarf an Resonanz ebenso. Auf die Frage ob es schon diesen einen Moment, diese eine Rückmeldung gab, bei er dachte: Okay, das ist jetzt mehr als nur Software, das hilft wirklich, antwortete Chris: „Ja. Ein Tester schrieb mir: ,Ich habe gemerkt, dass ich abends nicht mehr so viel grüble, weil ich Dinge vorher loswerde.‘ Das war der Moment, in dem mir klar wurde: Das ist kein Gimmick. Die App hat kein Problem gelöst, aber sie hat einen Menschen entlastet. Und manchmal ist genau das der Unterschied zwischen Einsamkeit und Resonanz.“
Echte Freundschaft per Algorithmus?
In Klosterlechfeld entsteht gerade der Versuch, Technologie wieder menschlich zu machen – weg von SEO und Klickzahlen, hin zu einer KI, die „Resonanz“ erzeugt. Ob ein Algorithmus echte Freundschaft ersetzen kann? Das bleibt eine philosophische Frage. Aber für den Moment, in dem sonst niemand zuhört, hat Chris Wagner zumindest eine Antwort parat.
Europa kann KI!
Was wir von den besten EU-AI-Companies lernen können, erläutert KI-Experte Fabian Westerheide.
Europa muss sich bei KI nicht kleinreden. Wir sehen gerade sehr deutlich: Aus Europa heraus entstehen Unternehmen, die Kategorien besetzen – und dann auch das große Kapital anziehen. Beispiele gibt es genug: Mistral AI, DeepL, Black Forest Labs, Parloa, Helsing, Lovable oder n8n.
Ich schreibe das aus drei Blickwinkeln: als Investor (AI.FUND), als Konferenz-Initiator (Rise of AI Conference) und als Autor von „Die KI-Nation“. Was du hier bekommst, ist kein „Europa-hat-ein-Problem“-Essay – sondern eine Analyse plus ein Execution-Set an Empfehlungen, das du direkt auf dein Start-up übertragen kannst.
Die Realität: Seed geht oft – Scale ist das Spiel
Am Anfang brauchst du selten „zu viel“ Geld. MVP, erste Kunden, Iteration: Das klappt in Deutschland in vielen Fällen mit Seed. Die echte Trennlinie kommt später – wenn du aus einem starken Start-up einen Kategorie-Gewinner bauen willst.
Denn KI ist zunehmend Winner-takes-most. Und das gilt auch fürs Kapital: In vielen Fällen ist die Growth-Finanzierung in den USA grob 25-mal größer – bei den aktuellen Front-Runnern (Modelle, Infrastruktur, Distribution) wirkt es teilweise wie 100-mal, weil Kapital sich auf die vermuteten Sieger stapelt. (Nicht „fair“, aber Marktmechanik.)
Die gute Nachricht: Genau die EU-Vorbilder oben zeigen, dass du das nicht wegdiskutieren musst – du musst es exekutieren.
Was die EU-Winner gemeinsam haben: 6 Execution-Prinzipien
1. Starkes Gründerteam – aber vor allem: vollständig
Alle genannten Vorbilder hatten (oder bauten sehr schnell) ein Team, das drei Dinge gleichzeitig kann:
- Tech & Produkt (nicht nur „Model-IQ“, sondern Produktgeschmack)
- Go-to-Market (Vertrieb, Buyer-Verständnis, Pricing)
- Tempo (entscheiden, shippen, lernen)
Wenn eine Säule fehlt, zahlst du später mit Zeit. Und Zeit ist in KI eine Währung, die dir niemand schenkt.
Founder-Move: Benenne eine Person, die Umsatz genauso hart verantwortet wie Modellqualität. Wenn das „später“ ist, ist das sehr wahrscheinlich dein Bottleneck.
2. Global denken – aber spitz: KI-Nische statt Bauchladen
Die EU-Winner sind nicht „KI für alles“. Sie besetzen klare Nischen:
Language-AI (DeepL), Customer-Experience-Agents (Parloa), GenAI-Modelle (Black Forest Labs), Defence-Tech (Helsing), Builder/Vibe-Coding (Lovable), Orchestration & Automation (n8n), Foundation-Model-Ambition (Mistral).
Founder-Move: Formuliere deinen Claim so, dass er in einem Satz sagt, welche Kategorie du dominierst. Wenn du drei Absätze brauchst, bist du noch zu breit.
3. Umsatz ist keine Nebenwirkung – Umsatz ist Souveränität
Der schnellste Weg zu Growth-Capital ist nicht „noch ein Pilot“, sondern Revenue, der deine Kategorie glaubwürdig macht.
Parloa kommuniziert z.B. ARR > 50 Mio. USD und wächst international – genau die Art Signal, die große Runden freischaltet.
Founder-Move (gegen Pilotitis): Kein PoC ohne schriftlichen Pfad in einen Vertrag (Budget, KPI, Entscheidungstermin). Sonst finanzierst du mit deiner Runway den Lernprozess des Kunden.
4. Internationales Kapital früh anbahnen – bevor du es brauchst
Das Muster ist klar: Erst Kategorie-Story + Traktion, dann große Checks.
Mistral (Series C 1,7 Mrd. €) oder Lovable (330 Mio. USD bei 6,6 Mrd. Bewertung) sind kein „Glück“ – das ist Momentum + Positionierung + Timing.
Founder-Move (90-Tage-Plan):
- Baue eine Capital Map deiner Nische (wer zahlt Growth-Checks?)
- Definiere die drei Metriken, die diese Investor:innen sehen wollen
- Organisiere zehn Intros jetzt, nicht erst bei sechs Monaten Runway
5. Compute ist keine IT-Zeile – es ist ein Wachstumshebel
In KI ist Compute Teil deiner Wettbewerbsfähigkeit. Geschwindigkeit beim Trainieren, Testen und Deployen entscheidet, wie schnell du am Markt lernst.
Founder-Move: Plane Compute-Runway wie Cash-Runway. Verhandle früh Kontingente, bevor dein Verbrauch explodiert – sonst wird Wachstum plötzlich zur Margen-Frage.
6. Trust & Compliance als Verkaufsargument – nicht als Ausrede
Gerade in DACH gilt: Wer secure, audit-fähig, enterprise-ready wirklich liefern kann, gewinnt Deals.
DeepL betont genau diesen Business-Wert: verlässliche, sichere Lösungen statt Hype.
Founder-Move: Baue Trust-Artefakte früh – Dokumentation, Governance, Datenflüsse, Rollen, Audit-Spuren. Das beschleunigt Enterprise-Vertrieb, statt ihn zu bremsen.
Kurz-Checkliste: Wenn du in Europa KI gewinnen willst
- Kategorie in einem Satz (spitze Nische, globaler Anspruch)
- Klarer Revenue-Pfad (weniger Piloten, mehr Verträge)
- Capital Map (international früh andocken)
- Compute-Runway (wie Cash planen)
- Trust by Design (verkaufsfähig machen)
- Tempo als Kultur (shippen, messen, nachschärfen)
Europa kann KI. Die Frage ist nicht, ob hier Talent existiert – das ist bewiesen.
Die Frage ist, ob du Execution so aufsetzt, dass aus Talent Marktführerschaft wird.
Der Autor Fabian Westerheide gestaltet als KI-Vordenker, Investor, Ökosystem-Pionier und Keynote Speaker seit über einem Jahrzehnt die Debatte um KI, Macht und digitale Zukunft mit.
Die Wächter des Firmengedächtnisses
Wie das 2025 von Christian Kirsch und Stefan Kirsch gegründete Start-up amaiko den Strukturwandel im Mittelstand adressiert.
Der demografische Wandel und eine erhöhte Personalfluktuation stellen mittelständische Unternehmen zunehmend vor die Herausforderung, internes Know-how zu bewahren. Viele Unternehmen stehen vor der Schwierigkeit, dass Firmenwissen fragmentiert vorliegt. Informationen sind häufig in unterschiedlichen Systemen oder ausschließlich in den Köpfen der Mitarbeitenden gespeichert. Verlassen langjährige Fachkräfte den Betrieb in den Ruhestand oder wechseln jüngere Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer kurzfristig die Stelle, gehen diese Informationen oft verloren. Zudem bindet die Suche nach relevanten Dokumenten in verwaisten Ordnerstrukturen Arbeitszeit, die in operativen Prozessen fehlt.
Das 2025 gegründete Start-up amaiko aus Niederbayern setzt hierbei auf einen technischen Ansatz, der auf die Einführung neuer Plattformen verzichtet und stattdessen eine KI-Lösung direkt in die bestehende Infrastruktur von Microsoft Teams integriert. Vor diesem Hintergrund entwickelten die Brüder Christian und Stefan Kirsch mit amaiko eine Softwarelösung, die spezifisch auf die Ressourcenstruktur mittelständischer Betriebe ausgelegt ist.
Integration statt neuer Insellösungen – und die Abgrenzung zu Copilot
Ein wesentliches Merkmal des Ansatzes ist die Entscheidung gegen eine separate Software-Plattform. Christian Kirsch, Geschäftsführer von PASSION4IT und amaiko, positioniert die Lösung als „Teams-native“. Das bedeutet, dass der KI-Assistent technisch in Microsoft Teams eingebettet wird – jene Umgebung, die in vielen Büros bereits als primäres Kommunikationswerkzeug dient. Ziel ist es, die Hürden bei der Implementierung zu senken, da Nutzer ihre gewohnte Arbeitsumgebung nicht verlassen müssen.
Angesichts der Tatsache, dass Microsoft mit dem „Microsoft 365 Copilot“ derzeit eine eigene, tief integrierte KI-Lösung ausrollt, stellt sich die Frage nach der Positionierung. Christian Kirsch sieht hier jedoch keine direkte Konkurrenzsituation, sondern eine klare Differenzierung: Copilot sei eine sehr breite, Microsoft-zentrische KI-Funktion. Amaiko hingegen verstehe sich als spezialisierter, mittelstandsorientierter Wissensassistent, der Beziehungen, Rollen, Prozesse und Unternehmenslogik tiefgreifend abbildet.
Ein entscheidender Vorteil liegt laut Kirsch zudem in der Offenheit des Systems: „Während Copilot naturgemäß an Microsoft‑Systeme gebunden ist, lässt sich amaiko herstellerunabhängig in eine viel breitere Softwarelandschaft integrieren – vom ERP über CRM bis zu Branchenlösungen. Unser Ziel ist nicht, Copilot zu kopieren, sondern reale Mittelstandsprozesse nutzbar zu machen“, so der Co-Founder.
Funktionsweise, Sicherheit und Haftung
Funktional unterscheidet sich das System von herkömmlichen Suchmasken durch eine agentenähnliche Logik. Die Software bündelt Wissen aus internen Quellen wie Richtlinien oder Projektdokumentationen und stellt diese kontextbezogen zur Verfügung. Ein Fokus liegt dabei auf der Datensouveränität. Hierbei betont Christian Kirsch, dass Kundendaten nicht in öffentlichen Modellen verarbeitet werden: „Die Modelle laufen in der europäischen Azure AI Foundry, unsere eigenen Dienste auf deutschen Servern. Die Daten des Kunden bleiben on rest vollständig im jeweiligen Microsoft‑365‑Tenant. Es findet kein Training der Foundation Models mit Kundendaten statt – weder bei Microsoft noch bei uns. Grundlage dafür sind die Azure OpenAI Non‑Training Guarantees, die Microsoft in den Product Terms sowie in SOC‑2/SOC‑3‑ und ISO‑27001‑Reports dokumentiert.“
Auch rechtlich zieht das Start-up eine klare Grenze, sollte die KI einmal fehlerhafte Informationen, sogenannte Halluzinationen, liefern. „Amaiko generiert Vorschläge, keine rechts‑ oder sicherheitsverbindlichen Anweisungen. Das stellen wir in unseren AGB klar: Die Entscheidungshoheit bleibt beim Unternehmen. Wir haften für den sicheren Betrieb der Plattform, nicht für kundenseitig freigegebene Inhalte oder daraus abgeleitete Maßnahmen. Es geht um eine saubere Abgrenzung – technische Verantwortung bei uns, inhaltliche Verantwortung beim Unternehmen“, so Christian Kirsch.
Geschäftsmodell und Markteintritt
Seit der Vorstellung der Version amaiko.ai im Juli 2025 wird das System nach Angaben des Unternehmens mittlerweile von über 200 Anwendern genutzt. Durch die Integration in die bestehende Microsoft-365-Landschaft entfällt für mittelständische Kunden eine aufwendige Systemmigration, was die technische Eintrittsbarriere gering hält.
Passend zu diesem Ansatz ist amaiko als reines SaaS-Produkt konzipiert, das Unternehmen ohne Einstiegshürde direkt online buchen können. Laut Kirsch sind keine Vorprojekte, individuellen Integrationspfade oder teuren Beratungspflichten notwendig: „Die Nutzung ist selbsterklärend und leichtgewichtig. Wer zusätzlich Unterstützung möchte – etwa zur Wissensstrukturierung oder Governance – kann sie bekommen. Aber die technische Einführung selbst ist bewusst so gestaltet, dass Mittelständler ohne Implementierungsaufwand starten können.“
Unterm Strich liefert amaiko damit eine pragmatische Antwort auf den drohenden Wissensverlust durch den demografischen Wandel: Statt auf komplexe IT-Großprojekte zu setzen, holt das bayerische Start-up die Mitarbeitenden dort ab, wo sie ohnehin kommunizieren. Ob sich die „Teams-native“-Strategie langfristig gegen die Feature-Macht von Microsoft behauptet, bleibt abzuwarten – doch mit dem Fokus auf Datensouveränität und mittelständische Prozesslogik hat amaiko gewichtige Argumente auf seiner Seite, um sich als spezialisierter Wächter des Firmengedächtnisses zu etablieren.
Diese 10 Start-ups bauen an der Zukunft der AgriFood-Branche
Die deutsche Start-up-Landschaft verzeichnete 2025 ein Rekordhoch bei Neugründungen. Doch gerade im AgriFood-Sektor ist der Weg vom Prototyp zum Marktführer steinig. Kapitalintensive Hardware und strenge Regulatorik bremsen viele aus. Der Growth Alliance Accelerator zeigt, wie Gründer*innen diese Hürden überspringen – und präsentiert zehn Akteure, die auf der Erfolgsspur sind.
Es ist ein Paradoxon: Die Nachfrage nach nachhaltigen Lebensmitteln und effizienter Landwirtschaft ist so hoch wie nie, doch für Gründer*innen und junge Unternehmen in der AgriFood-Branche bleibt der Markteintritt ein Hürdenlauf. Während Software-Start-ups oft mit geringem Kapital skalieren, kämpfen Food- und AgTech-Pioniere mit der „Hardware-Falle“. Sie benötigen teure Produktionsanlagen, Labore und müssen langwierige Zulassungsverfahren (z.B. Novel-Food-Verordnung) durchlaufen.
Dennoch ist die Branche im Aufwind: Laut dem Deutschen Startup Monitor und aktuellen Zahlen des Startup-Verbands stiegen die Gründungszahlen 2025 um beachtliche 29 Prozent. Das Kapital ist da, doch es fließt selektiv. Investor*innen suchen heute keine reinen Ideen mehr, sondern validierte Geschäftsmodelle mit technologischem Tiefgang (DeepTech). Genau hier setzte das Finale des Growth Alliance Accelerator 2025 am 28. Januar 2026 in Frankfurt/Main an.
Brückenschlag zwischen Acker und Finanzwelt
Initiiert vom TechQuartier und der Landwirtschaftlichen Rentenbank, hat sich der Accelerator als Schmiede für die „Scale-up“-Phase etabliert. Vier Monate lang wurden zehn Start-ups, die bereits eine Nutzer*innenbasis vorweisen konnten, fit für die nächste Finanzierungsrunde gemacht.
Das Programm adressierte genau die Pain Points der Branche: Verhandlungstaktik, Rechtsfragen und vor allem den Zugang zu Kapital. Ein Highlight war das Investor Dinner im November 2025, bei dem die Gründer*innen direkten Zugang zu Risikokapitalgeber*innen erhielten – in der aktuellen Marktphase ein entscheidender Wettbewerbsvorteil.
Die „Class of 2025“: Wer die Transformation treibt
Die zehn Absolvent*innen decken die gesamte Wertschöpfungskette ab – vom Boden über das Labor bis zum Supermarktregal. Hier ein Blick auf die Köpfe hinter den Innovationen:
1. High-Tech auf dem Acker: Robotik und Daten
Die Digitalisierung der Landwirtschaft (Smart Farming) ist der stärkste Hebel für mehr Effizienz.
Paltech GmbH
Die Brüder Felix und Florian Schiegg gründeten 2022 Paltech zusammen mit Jorge Decombe im Allgäu. Ihr autonomer Roboter für chemiefreie Unkrautbekämpfung im Grünland ist eine Antwort auf strengere Pestizid-Gesetze und Personalmangel.
Bacchus Software GmbH
Das 2023 gegründete Start-up bacchus Weinbau-Software um das Trio Maximilian Dick, Julian Herrlich und Philipp Bletzer digitalisiert den Weinbau. Ihre Software ersetzt das händische Fahrtenbuch und koordiniert die komplette Weinbergsarbeit.
Agrario Energy
Die Energiewende macht Landwirt*innen zu Energiewirt*innen. Seit 2023 bieten die Gründer Alexander von Breitenbach und Chris Weber mit Agrario Energy eine unabhängige Vergleichsplattform, die Flächeneigentümer mit Betreiber*innen von Erneuerbare-Energien-Anlagen zusammenbringt.
2. Deep Tech & Sicherheit: Das Labor als Wächter
Lebensmittelsicherheit wird durch globale Lieferketten immer komplexer. Hier setzen wissenschaftsbasierte Ausgründungen an.
NanoStruct GmbH
NanoStruct wurde 2021 als Spin-off der Universität Würzburg gegründet. Das Team nutzt Nanotechnologie, um gefährliche Bakterien in Lebensmitteln in Minuten statt Tagen aufzuspüren.
SAFIA Technologies
Gegründet 2020 von Timm Schwaar (aus der Bundesanstalt für Materialforschung), entwickelt das Berliner Start-up SAFIA Technologies Schnelltests für Mykotoxine (Schimmelpilzgifte). Ihre Technologie ermöglicht Laborqualität im Schnelltest-Format.
Landman.Bio
Das noch junge Unternehmen (Gründung 2023) Landman.Bio nutzt Bakteriophagen (Viren, die Bakterien fressen) als natürliche Waffe gegen Pflanzenkrankheiten – eine dringend benötigte Alternative zu Antibiotika und klassischen Pestiziden in der Nutzpflanzenzucht.
3. Sustainability & Climate: Kohlenstoff als Währung
CO2-Tracking ist kein Marketing-Gimmick mehr, sondern ökonomische Notwendigkeit.
CinSOIL
Das 2024 in Berlin gegründete CinSOIL-Team um Dr. Giorgi Shuradze, Dr. Antonella Succurro und Dr. Tavseef Shah kommt aus der Wissenschaft. Ihr KI-Tool nutzt Satellitendaten, um Bodenkohlenstoff zu erfassen. Das ermöglicht Agrarunternehmen, Dekarbonisierung nicht nur zu behaupten, sondern zu beweisen.
Niatsu
Gegründet 2023 von Marius Semm und Jakob Tresch in Zürich, adressiert Niatsu die Lebensmittelindustrie. Ihre Software berechnet den Product Carbon Footprint (PCF) automatisiert und kostengünstig, was gerade für den Mittelstand entscheidend ist.
4. Future Food
Was wir morgen essen (und trinken).
VANOZZA
Eines der etabliertesten Start-ups der Runde. Gegründet 2019 von Nico Hansen in Hamburg, hat sich Vanozza mit fermentierten Käsealternativen auf Cashew-Basis einen Namen gemacht und arbeitet nun an der „zweiten Generation“ ihrer Produkte.
food42morrow/JUMA
Die Frankfurter Gründer Raoul und Max Kammann sowie Carlos Lopez Granado gründeten die GmbH bereits 2020 und brachten 2022 ihre Marke JUMA (Tee-Eistees auf Guayusa-Basis) auf den Markt. Sie bedienen den Trend zu „Functional Food“.
Fazit
Die AgriFood-Start-ups des Abschlussjahrgangs des Growth Alliance Accelerators 2025 haben die Phase der reinen Ideen-Findung bereits eindrucksvoll gemeistert. Jetzt geht es um Skalierung, industrielle Anwendung und messbaren Impact. Programme wie die Growth Alliance sind dabei der Katalysator, der wissenschaftliche Exzellenz mit dem nötigen Geschäftssinn verbindet.
Der industrielle Wasserkocher: Wie das Start-up SYPOX die Chemie grün färbt
Die chemische Industrie hat ein massives Emissionsproblem, denn ihre Prozesse verschlingen Unmengen an Erdgas. Das 2021 geründete Start-up SYPOX, ein Spin-off der TUM will das ändern – mit einer Technologie, die so simpel wie genial klingt: Ein riesiger, elektrischer Tauchsieder soll die fossile Verbrennung ersetzen. Nun meldet das junge Unternehmen den ersten Durchbruch auf dem Weltmarkt.
Wenn Dr. Martin Baumgärtl erklären will, wie er die chemische Industrie revolutionieren möchte, wählt er ein Bild, das jeder versteht: „Im Grunde ist es wie ein Wasserkocher in der heimischen Küche – nur im industriellen Maßstab.“ Baumgärtl ist CTO von SYPOX, und was er beschreibt, könnte einer der wichtigsten Hebel für die Dekarbonisierung einer der schmutzigsten Branchen der Welt sein.
Die chemische Industrie ist süchtig nach Energie. Um Basischemikalien wie Methanol oder Ammoniak herzustellen, wird sogenanntes Synthesegas benötigt – eine Mischung aus Wasserstoff und Kohlenmonoxid. Die Herstellung geschieht in gewaltigen Hochtemperaturprozessen. Bisher wird die dafür nötige Hitze fast ausschließlich durch das Verbrennen von Erdgas oder Öl erzeugt. Die Folge: Gigantische CO₂-Emissionen.
Strom statt Flamme
Genau hier setzt SYPOX an. Das 2021 in Freising gegründete Unternehmen ersetzt die offenen Gasflammen durch elektrischen Strom. In ihren Reaktoren, die von außen wie gewöhnliche Druckbehälter aussehen, stecken hochkomplexe elektrische Heizelemente, die direkt hinter den Katalysatoren platziert sind.
Der Effekt ist enorm: „In konventionellen Verfahren entfallen rund 40 Prozent der Emissionen allein auf die Wärmeerzeugung aus fossilen Energieträgern“, rechnet Baumgärtl vor. Durch die Elektrifizierung des Reaktors fallen diese Emissionen weg – vorausgesetzt, der Strom kommt aus erneuerbaren Quellen. Zudem lässt sich der Prozess laut den Gründern präziser und sicherer steuern.
Der Anti-Trend im Silicon Valley
Doch nicht nur technologisch, auch ökonomisch schwimmt SYPOX gegen den Strom. In der Tech-Szene ist es üblich, dass Start-ups jahrelang Verluste schreiben und sich von einer Venture-Capital-Runde zur nächsten hangeln, getrieben von Investoren, die schnelles Wachstum fordern.
Die bayerischen Gründer wählten einen konservativeren, fast schon mittelständischen Ansatz. „Es entsprach nicht unserem Stil, Geld einzuwerben – wir haben vielmehr von Anfang an versucht, auf Basis unserer Technologie ein tragfähiges Geschäft aufzubauen“, erklärt CEO Dr. Gianluca Pauletto. Man wolle bodenständig bleiben und sich aus Umsätzen finanzieren, statt sich in Abhängigkeiten zu begeben.
Vom Container im Altmühltal zum Großkunden
Die Wurzeln des Unternehmens liegen an der Technischen Universität München (TUM). Die Idee brachte Pauletto aus seiner Zeit in Montréal mit, an der TUM fand er in Prof. Johannes Lercher und dem damaligen Doktoranden Martin Baumgärtl die wissenschaftlichen Mitstreiter.
Der Weg zum marktreifen Produkt war – typisch für „Deep Tech“ – langwierig. „Vier Jahre Forschung und zahlreiche Versuchsreihen waren notwendig“, erinnert sich Lercher. Während andere Software im Co-Working-Space programmierten, baute das SYPOX-Team eine Pilotanlage in einem einfachen Stahlcontainer auf dem Gelände einer Biogasanlage im ländlichen Dollnstein (Altmühltal).
Diese Beharrlichkeit zahlt sich nun aus. Das Start-up hat, unterstützt durch den Spezialchemie-Konzern Clariant, seinen ersten Großkunden an Land gezogen. Ab 2026 soll eine erste industrielle Anlage in Betrieb gehen, die täglich 150 Tonnen Synthesegas produziert. „Das ist nicht nur ein Meilenstein für uns, sondern auch ein starkes Signal an die gesamte chemische Industrie“, so Baumgärtl.
Für das Team, das inzwischen in Langenbach bei Freising sitzt und weiterhin Labore auf dem Forschungscampus Garching betreibt, ist das der Beweis: Die Elektrifizierung der Chemie ist keine Zukunftsmusik mehr, sie beginnt jetzt.
reltix: Vom Aktenordner zum Algorithmus
Wie das 2025 von Andreas Plakinger, Jan Horstmann und Léon Bamesreiter gegründete Düsseldorfer PropTech-Start-up reltix das angestaubte Image einer Branche poliert.
Hausverwaltungen gelten nicht gerade als Sprintdisziplin. Schwer erreichbare Ansprechpartner, Papierberge und zähe Abläufe prägen das Image einer Branche, in der es an Nachwuchs fehlt und Fristen dennoch gnadenlos ticken. Genau da setzt reltix an und wächst: Im März 2025 gegründet, zählt das Düsseldorfer Start-up inzwischen 2000 Kund*innen.
Gegründet wurde reltix von drei ehemaligen Kommilitonen, die sich an der WHU Otto Beisheim School of Management in Vallendar bei Koblenz kennenlernten: Léon Bamesreiter, Jan Horstmann und Andreas Plakinger. Der Motor für die Gründung war eine große Portion eigener Unzufriedenheit. Bamesreiter kaufte mit 20 Jahren während seines dualen Studiums bei einer Großbank seine erste Wohnung, weitere folgten. Seine Erfahrung mit den Verwaltungen: dicke Ordner, langsame Reaktionen, wenig Transparenz. „Ich hatte das Gefühl, ich werde selbst zum Hausverwalter.“
Weniger Bürokratie und mehr Präsenz am Objekt
Mit dem Gründungsstipendium starteten die Drei eine Umfrage unter über 120 Eigentümer*innen: 87 Prozent gaben an, mit ihrer Verwaltung unzufrieden zu sein. Reltix will diese Unzufriedenheit nicht mit mehr Personal, sondern mit Digitalisierung im Hintergrund beheben. Herzstück ist eine selbst entwickelte Software, die E-Mails und WhatsApp-Nachrichten erfasst, automatisch Tickets anlegt, digitale Unterlagen ausliest und Vorgängen zuordnet. Handwerkeranfragen werden systemgestützt angestoßen, Daten zentral strukturiert. Gleichzeitig setzen die Düsseldorfer auf eine feste Ansprechperson je Immobilie.
Erklärtes Ziel der Gründer: weniger Bürokratie und mehr Präsenz am Objekt. Für diesen Ansatz erhielt das Team gerade eine Zusage zur Forschungszulage des Bundesministeriums für Forschung, Technologie, und Raumfahrt zum weiteren Ausbau der eigenen Software mit einer Projektsumme von 1,3 Millionen Euro.
Jahresendspurt brachte Mandate ...
Den größten Schub spürte reltix im Dezember 2025. Viele Hausverwaltungsverträge enden zum 31. Dezember, gleichzeitig laufen Abrechnungsfristen aus. Wer bis Jahresende keine neue Verwaltung findet, bekommt schnell kalte Füße. In den letzten Wochen des Jahres kamen deshalb laut Unternehmen 500 Mandate kurzfristig hinzu, darunter Neubauprojekte in Langenfeld und Köln. Einige namhafte Banken, Family Offices und größere private Bestandshalter zählt das Unternehmen ebenso zu seinen Kund*innen.
... und Personalaufbau
Das Start-up musste personell nachziehen und stockt zum Februar von 14 auf 17 Mitarbeitende auf. Während viele klassische Verwaltungen über fehlenden Nachwuchs klagen, setzt reltix auf junge Mitarbeitende, Quereinsteiger*innen und bildet selbst aus. Das Unternehmen ist IHK Ausbildungsbetrieb und beschäftigt eine Auszubildende im ersten Lehrjahr. Die 28-Jährige, aus der Ukraine geflüchtet, ist aktuell die älteste im Team. Dazu kommen Quereinsteiger*innen: Ein früherer Maschinenbauingenieur leitet inzwischen die Mietverwaltung, eine Mitarbeiterin aus dem Bankgeschäft arbeitet in der Buchhaltung.
Von Rhein-Ruhr bis an den Main
Neben der Verwaltung großer Objekte bietet das Düsseldorfer PropTech für kleinere Eigentümer*innengemeinschaften mit drei bis acht Einheiten die sogenannte Kompaktverwaltung. Enthalten ist darin eine rechtssichere Abrechnung, die Durchführung von Eigentümer*innenversammlungen sowie größere Sanierungen, während Alltägliches bei den Eigentümer*innen bleibt. Regional liegt der Fokus auf Rhein-Ruhr sowie dem Umfeld Köln Bonn. Frankfurt mit einem weiteren Standort ist als nächster Schritt Richtung Sommer geplant. Düsseldorf soll Hauptsitz bleiben.
Infinite Roots: Hamburger BioTech bringt pilzbasierte Gerichte ins Kühlregal
Das 2018 von Dr. Mazen Rizk, Anne-Cathrine Hutz und Dr. Thibault Godard als Mushlabs gegründete Hamburger Start-up Infinite Roots (ehemals Mushlabs) bringt die Vorteile der Pilzwelt erstmals als eigenständige Hauptzutat ins Kühlregal.
Infinite Roots ist ein forschungsgetriebenes BioTech-Unternehmen aus Hamburg. Seit 2018 entwickelt das Unternehmen (zunächst unter dem Namen Mushlab) neuartige Lebensmittel auf Basis von Pilzen – inspiriert vom Myzel, dem unterirdischen Wurzelgeflecht essbarer Pilze. Durch Fermentation schafft Infinite Roots Produkte, die über bloße Fleischalternativen hinausgehen. Das Ziel ist es, eine neue Kategorie zu etablieren: Lebensmittel, die echtes Umami und wertvolle Nährstoffe liefern, mit kurzen Zutatenlisten auskommen und die Umwelt entlasten.
Mit mehr als 60 Expert*innen aus Biotechnologie, Data, Lebensmittelwissenschaft und Kulinarik will das Team neue Standards für Geschmack, Qualität und Nachhaltigkeit setzen und zeigen, dass die Ernährung der Zukunft nicht Verzicht bedeutet, sondern Vielfalt und Genuss.
Die MushRoots-Produkte des Unternehmens sind keine Fleischimitate, sondern bieten ein eigenständiges, pilzbasiertes Geschmackserlebnis. Sie zeichnen sich durch einen saftigen, herzhaften Biss und ausgeprägte Umami-Noten aus. Die Hamburger setzen dabei auf Speisepilze, kombiniert mit vertrauten, hochwertigen Zutaten. Entsprechend bauen die Produkte auf einer natürlichen Zutatenliste auf und verzichten auf künstliche Aromen, Geschmacksverstärker und Farbstoffe. So entsteht ein Geschmackserlebnis, das an herzhafte Hausmannskost erinnert. Die Produkte lassen sich vielseitig im Alltag, etwa als Hack, Bällchen oder Patties.
„Im Kühlregal sehen Konsument*innen seit Jahren dieselbe Logik: Tierprotein hier, Pflanzenprotein dort“, sagt Philip Tigges, CCO/CFO von Infinite Roots. „Mit MushRoots bringen wir nicht nur eine dritte Option ins Regal, sondern kehren auch zu Lebensmitteln mit einer natürlichen Hauptzutat zurück. Pilze bieten einen herzhaften Geschmack, sind vielseitig, in allen gewohnten Rezepten einsetzbar und können kinderleicht zubereitet werden.“
MushRoots setzt dabei auf eine Proteinquelle mit vergleichsweise geringem ökologischen Fußabdruck. Pilze lassen sich lokal und ressourcenschonend kultivieren. „Wir wollten nie ein weiteres Fleischimitat herstellen, sondern eine eigene Kategorie umami-reicher Pilzprodukte schaffen, die durch Charakter und Geschmack überzeugen“, ergänzt Tigges. „Unser Ziel ist es jetzt, Menschen für Pilzprodukte zu gewinnen, ohne dass sie Fleisch vermissen.“
Jetzt meldet Infinite Roots, dass vier MushRoots-Produkte ab sofort bei REWE Nord in Norddeutschland und Billa Plus in Österreich erhältlich sind und damit eine neue Kategorie an Pilz-Produkten in die Kühlregale Einzug gehalten haben.
Außenbereiche in der Gastro gestalten: Diese Details werden 2026 wichtig
Erfahre, welche Details 2026 für Außenbereiche in der Gastronomie zählen und Trends prägen.
Im Jahr 2026 werden Außenbereiche in der Gastronomie zu wichtigen Markenbotschaftern. Gäste erwarten mehr als bequeme Sitzplätze: Sie suchen emotionale Erlebnisse, nachhaltige Designs und ein stimmiges Ambiente. Nach Jahren des Wandels hat sich das Verhalten der Gäste spürbar verändert.
Der Fokus liegt auf Authentizität, Wohlgefühl und einem hochwertigen Gesamteindruck. Restaurants, Cafés und Bars nutzen ihre Terrassen zunehmend als Bühne für Stilbewusstsein und Gastfreundschaft. Studien zeigen, dass für viele Gäste der Außenbereich ein entscheidendes Auswahlkriterium ist. Terrassen mit recyceltem Holz, stimmungsvoller Beleuchtung und begrünten Wänden stehen für diese Entwicklung. Die wachsende Bedeutung von Wetterschutz, Lichtkonzepten und Begrünung verdeutlicht, dass der Außenbereich längst nicht mehr Nebenschauplatz ist, sondern zentraler Bestandteil des gastronomischen Erfolgs. 2026 markiert damit eine neue Ära der Freiluftgastronomie – funktional, ästhetisch und emotional zugleich. Die folgenden Abschnitte zeigen, worauf Verantwortliche achten sollten.
Wetter- und Klimaschutz: Komfort bei jedem Wetter
Ganzjährige Nutzbarkeit wird 2026 zum entscheidenden Erfolgsfaktor gastronomischer Außenräume.
- Innovative Überdachungen, langlebige Marktschirme, Windschutzsysteme und moderne Heizlösungen schaffen Behaglichkeit bei wechselnden Wetterbedingungen.
- Glasdächer mit UV-Filtern, textile Pergolen oder transparente Windschutzwände verbinden Schutz mit Offenheit.
- Elektrische Infrarotheizungen verlängern die Freiluftsaison und reduzieren Energieverluste.
- Mobile Heizlösungen und wetterfeste Bodenbeläge sichern Funktionalität bei Regen und Kälte.
- Automatische Luftzirkulationssysteme verhindern sommerliche Überhitzung und steigern die Energieeffizienz.
Entscheidend ist die Balance zwischen technischer Leistungsfähigkeit und optischer Leichtigkeit. So werden Außenbereiche zu wandelbaren Räumen, die unabhängig von Jahreszeit und Wetter hohen Komfort bieten – ein klarer Wettbewerbsvorteil im anspruchsvollen Gastronomiemarkt.
Materialwahl und Möblierung: Wenn Langlebigkeit und Stil aufeinandertreffen
Die Auswahl der Materialien prägt sowohl das Erscheinungsbild als auch die Langlebigkeit eines gastronomischen Außenbereichs. Robuste Metalle wie Aluminium oder Edelstahl, kombiniert mit wetterfestem Teakholz, setzen ästhetische Akzente und sorgen für Beständigkeit.
Hochwertige Textilien aus Acrylgewebe ergänzen das Gesamtbild: Sie sind pflegeleicht, widerstandsfähig und schützen vor dem Ausbleichen durch Sonnenlicht. Besonders gefragt sind langlebige Sonnenschirme, die Schatten spenden und Design mit Funktion verbinden. Modelle mit integrierter Beleuchtung oder komfortabler Öffnungsmechanik erhöhen den Nutzungskomfort.
Modulare Loungemöbel und ergonomische Sitzlandschaften prägen 2026 den Trend zu Flexibilität und Wohlbefinden.
Farben wie warmes Taupe und gedecktes Grün schaffen visuelle Ruhe und unterstreichen die natürliche Anmutung. So entsteht die Basis für harmonische, witterungsbeständige und zugleich stilvolle Außenbereiche.
Nachhaltigkeit als Schlüsselthema: Umweltbewusste Gestaltungskonzepte im Fokus
Nachhaltigkeit ist 2026 kein Zusatz mehr, sondern die Grundlage jeder gelungenen Außengestaltung. Viele Gastronomiebetriebe setzen auf recycelte Materialien, regionale Pflanzen und eine ressourcenschonende Planung mit kurzen Transportwegen.
Bambus, zertifiziertes Holz und recyceltes Aluminium gelten als bevorzugte Werkstoffe. Begrünte Pergolen und Dachgärten verbessern das Mikroklima und binden Feinstaub. Energieeffiziente LED-Beleuchtung reduziert Stromverbrauch und Wartungsaufwand. Neben der Materialwahl spielt auch der Umgang mit Wasser eine zentrale Rolle: Regenwasserspeicher und automatische Bewässerungssysteme unterstützen ein ökologisches Gleichgewicht. Moderne Lösungen rund um Geschäftsideen, die unter anderem aus dem Bereich der KI stammen, könnten hier in Zukunft noch weiter relevant werden.
Heimische Pflanzen wie Lavendel oder Ziergräser schaffen ergänzend natürliche Rückzugsorte und unterstreichen die ästhetische Wirkung nachhaltiger Gestaltung. Nachhaltigkeit bedeutet bewusste, umweltgerechte Planung – ästhetisch, zukunftsorientiert und wirtschaftlich sinnvoll.
Beleuchtungskonzepte: So entsteht Atmosphäre durch Licht
Beleuchtung entscheidet über Stimmung und Aufenthaltsqualität im Außenbereich. 2026 liegt der Fokus auf atmosphärischem Licht, das Funktion und Emotion miteinander verbindet und auf detailreichen Akzenten.
- Warmweiße LED-Leisten, dezente Spots oder laternenartige Leuchten schaffen Struktur und Tiefe. Indirekte Beleuchtung – über reflektierende Flächen geführt – betont architektonische Elemente und sorgt für eine angenehme Lichtwirkung.
- Farblich variable und flexibel steuerbare Systeme ermöglichen eine Anpassung an Tageszeit und Anlass.
- Solarleuchten gewinnen an Bedeutung, da sie Nachhaltigkeit mit hoher Flexibilität verbinden und den Energieverbrauch deutlich reduzieren.
- Lichtinseln an Tischen und Wegen fördern Orientierung und Sicherheit.
Am Abend wird das Zusammenspiel von Helligkeit und Schatten selbst zum Gestaltungselement. Ein durchdachtes Beleuchtungskonzept schafft Atmosphäre und unterstreicht den Charakter des gastronomischen Außenbereichs.
Flexibilität und Modularität: So praktisch sind anpassungsfähige Außenkonzepte
Flexibilität wird 2026 zur Grundvoraussetzung moderner Außenkonzepte. Saisonale Veränderungen, wechselnde Wetterbedingungen und unterschiedliche Gästezahlen erfordern wandelbare Strukturen.
Modulare Möbel, klappbare Trennelemente und mobile Theken ermöglichen schnelle Umgestaltungen. Design und Funktion greifen dabei nahtlos ineinander. Flexible Bodenmodule, frei positionierbare Lichtlösungen und rollbare Pflanzenkübel erleichtern den Umbau zusätzlich.
Der Begriff des dynamischen Außenraums beschreibt Bereiche, die sich je nach Nutzungssituation verändern lassen. Temporäre Überdachungen und anpassbare Windschutzlösungen schaffen weitere Freiräume.
So steht Wandlungsfähigkeit nicht nur für Praktikabilität, sondern auch für kreative Gestaltungsfreiheit, die Außenbereiche lebendig, vielseitig und zukunftssicher macht.
Pflanzen und Begrünung: Natürlichkeit als Gestaltungselement
Begrünung ist 2026 mehr als Dekoration – sie wird zum zentralen Designelement gastronomischer Außenräume. Vertikale Gärten, bepflanzte Trennwände und saisonal wechselnde Blühflächen schaffen natürliche Strukturen und verbessern das Mikroklima. Besonders urbane Standorte profitieren von dieser grünen Aufwertung. Pflanzen wie Lavendel, Gräser oder Olivenbäume verbinden mediterrane Leichtigkeit mit robuster Alltagstauglichkeit.
Auch Nutzpflanzen wie Kräuter, Minze oder essbare Blüten gewinnen an Bedeutung und verleihen dem Außenbereich Authentizität. Moderne Begrünungssysteme erleichtern Pflege und Bewässerung und machen grüne Konzepte dauerhaft praktikabel. Begrünung fördert Biodiversität, vermittelt Ruhe und schafft eine einladende Atmosphäre. So wird der Außenbereich zur kleinen Oase, in der Natur, Design und Gastlichkeit harmonisch zusammenfinden.
Technologische Innovationen: Smarte Lösungen im Außenbereich werden immer beliebter
Technologie prägt 2026 die Gestaltung gastronomischer Außenbereiche nachhaltig. Digitale Lösungen ermöglichen einen optimierten Betrieb und steigern zugleich den Gästekomfort.
- Smarte Heizsysteme mit Bewegungssensoren
- automatisierte Schirmsteuerungen
- appbasierte Lichtkonzepte
machen Abläufe effizienter und energiesparender. Vernetzte Systeme passen Beleuchtung, Temperatur und Beschattung automatisch an Wetter und Tageszeit an. Digitale Reservierungslösungen zeigen Sitzplatzverfügbarkeiten in Echtzeit und erleichtern die Planung.
USB-Ladepunkte an Tischen und kabellose Soundsysteme erweitern die Funktionalität und erhöhen den Komfort. So ergänzt moderne Technik energieeffiziente Konzepte und verleiht Außenbereichen ein zeitgemäßes, hochwertiges Erscheinungsbild. Das Zusammenspiel von Technik und Design macht smarte Außenräume zukunftsfähig und sorgt für ein stimmiges Gästeerlebnis – vom frühen Abend bis in die Nacht.
Farben und Designs: Was liegt 2026 im Trend?
Farb- und Designtrends prägen 2026 die Atmosphäre gastronomischer Außenflächen. Natürliche Töne wie Sand, Oliv und Terrakotta dominieren, während Akzente in Ockergelb oder Petrol Frische und Tiefe verleihen.
Strukturen gewinnen an Bedeutung: Geflochtene Texturen, matte Oberflächen und handwerkliche Details vermitteln Authentizität. Organische Formen und modulare Gestaltungskonzepte setzen auf Leichtigkeit und Flexibilität.
Auch die Einbindung lokaler Materialien stärkt die regionale Identität und verleiht Außenbereichen Charakter. Farbkonzepte folgen dem Prinzip „Weniger ist mehr“: Feine Kontraste zwischen warmen und kühlen Nuancen schaffen Ruhe und Orientierung. Biophiles Design, das Natur und Architektur verbindet, sowie der Japandi-Stil – eine Verbindung aus japanischem Minimalismus und skandinavischer Klarheit – prägen die Ästhetik.
Das Ergebnis sind Außenbereiche mit visueller Klarheit, zeitloser Eleganz und stilistischer Beständigkeit.
Darum ist es wichtig, das Thema Geräuschmanagement nicht zu unterschätzen
Akustik wird 2026 zu einem entscheidenden Faktor für das Wohlbefinden in gastronomischen Außenbereichen, besonders in urbanen Lagen. Lärmreduktion und gezielte Klanggestaltung – also die bewusste Steuerung von Schall und Nachhall – verbessern oft spürbar die Aufenthaltsqualität.
Schalldämpfende Materialien wie Akustikpaneele aus recycelten Fasern oder begrünte Wände kommen dabei vermehrt zum Einsatz.
Auch schallabsorbierende Textilien, gepolsterte Möbel und bepflanzte Flächen wirken geräuschmindernd.
So entstehen Rückzugsorte mitten im städtischen Trubel. Dezente Hintergrundmusik schafft Balance, ohne Gespräche zu überlagern. Das Ergebnis sind entspannte Außenbereiche, in denen Kommunikation mühelos möglich bleibt. Akustisches Design wird damit zu einem zentralen Bestandteil moderner Gastronomiearchitektur – funktional, ästhetisch und wohltuend zugleich.
KI-Modelle erfolgreich im Unternehmen einführen
Worauf es bei der Implementierung von KI wirklich ankommt.
Künstliche Intelligenz (KI) gewinnt in Unternehmen zunehmend an Bedeutung. Sie kann Prozesse beschleunigen, große Datenmengen sinnvoll nutzbar machen und Entscheidungen unterstützen. Doch in der Praxis zeigt sich: Moderne Technologie allein führt noch nicht zum Erfolg. Entscheidend ist ein strukturiertes Vorgehen, bei dem Ziele klar definiert, Daten sorgfältig vorbereitet und organisatorische Rahmenbedingungen von Beginn an berücksichtigt werden. „Viele KI-Initiativen scheitern daran, dass am Anfang die Orientierung fehlt“, sagt Benedikt Weber, Geschäftsführer der applord GmbH. „Struktur schafft Entscheidungsfähigkeit – noch bevor über konkrete KI-Modelle gesprochen wird.“
Organisatorischer Wandel und Einbindung der Mitarbeitenden
Der Einsatz von KI verändert Arbeitsabläufe, Verantwortlichkeiten und Entscheidungswege. Mitarbeitende arbeiten verstärkt mit automatisierten Systemen zusammen, Aufgaben verschieben sich, Rollen entwickeln sich weiter. Wird dieser Wandel nicht aktiv begleitet, entstehen Unsicherheiten oder Ablehnung gegenüber neuen Technologien. Erfolgreiche Unternehmen setzen deshalb auf transparente Kommunikation und frühzeitige Einbindung der Mitarbeitenden. Sie erklären, warum KI eingesetzt wird, welche Aufgaben sie übernimmt und wo menschliche Expertise weiterhin unverzichtbar bleibt. Fehlt dieses gemeinsame Verständnis, werden neue Systeme häufig nur eingeschränkt genutzt. „KI-Projekte scheitern selten an der Technologie“, betont Weber. „Viel häufiger fehlt ein klares Bild davon, welchen konkreten Nutzen KI für Mitarbeitende und Organisation wirklich bringt.“
Auswahl der passenden KI-Lösung
Das Angebot an KI-Lösungen wächst rasant. Für Unternehmen besteht die Herausforderung darin, nicht der technischen Vielfalt zu folgen, sondern eine Lösung zu wählen, die zum eigenen Geschäftsprozess passt. Der Ausgangspunkt sollte immer ein klar definierter Anwendungsfall sein: Welche Aufgabe soll KI konkret unterstützen oder verbessern? Neben den Funktionen spielen auch Fragen der Nachvollziehbarkeit, Integration in bestehende Systeme und regulatorische Anforderungen eine Rolle. Werden diese Aspekte zu spät berücksichtigt, entstehen Lösungen, die technisch leistungsfähig sind, im Alltag aber keinen Mehrwert liefern. „Viele Unternehmen wählen KI nach dem Funktionsumfang aus und stellen später fest, dass sie nicht zum eigenen Prozess passt“, erklärt Weber. „Erfolgreich ist KI dann, wenn sie Abläufe sinnvoll ergänzt und verständliche Ergebnisse liefert.“
Datenqualität als Grundlage für verlässliche Ergebnisse
KI-Modelle sind vollständig von der Qualität ihrer Daten abhängig. In vielen Unternehmen existieren relevante Informationen zwar, sie sind jedoch über verschiedene Systeme verteilt, unterschiedlich gepflegt oder historisch gewachsen. Diese Ausgangslage erschwert nicht nur den Einsatz von KI, sondern kann zu fehlerhaften oder schwer nachvollziehbaren Ergebnissen führen. Datenmanagement ist daher keine einmalige Vorarbeit, sondern eine kontinuierliche Aufgabe. Dazu gehören klare Zuständigkeiten, regelmäßige Prüfungen und eine strukturierte Aufbereitung der Daten. „Der Aufwand für Datenqualität wird häufig unterschätzt“, sagt Weber. „Ohne geprüfte und konsistente Daten lassen sich keine stabilen und verlässlichen KI-Ergebnisse erzielen – unabhängig davon, wie gut das Modell ist.“
Schrittweise Einführung statt großer Umbruch
Statt KI sofort unternehmensweit einzusetzen, empfiehlt sich ein schrittweises Vorgehen. Unternehmen können so mit klar abgegrenzten Anwendungsfällen beginnen, Lösungen im Alltag testen und die Ergebnisse anhand messbarer Kriterien, wie Benutzerfreundlichkeit oder verständlicher Anleitungen, bewerten. So lassen sich Risiken reduzieren und Erkenntnisse gezielt nutzen. Pilotprojekte liefern nicht nur technische Erkenntnisse, sondern zeigen auch, wie gut KI im Arbeitsalltag akzeptiert wird. Auf dieser Basis lässt sich entscheiden, welche Lösungen ausgebaut werden sollten. „Unternehmen, die mit überschaubaren Anwendungsfällen starten, treffen langfristig fundiertere Entscheidungen“, so Weber. „Praxiserfahrungen sind dabei deutlich wertvoller als theoretische Annahmen.“
19 Start-up-Geschenkideen für Xmas
Die Teilnehmer*innen des Hessischen Gründerpreises haben pfiffige, nutzwertige und stylische Produkte im Angebot, die bestens unter den Weihnachtsbaum passen.
Socken oder ein Buch? Gutschein oder Bargeld? Für viele Menschen ist die Weihnachtszeit auch stressig, denn sie müssen Geschenke für ihre Liebsten finden – und nicht immer nur für die. Für ein wenig Inspiration präsentieren wir geschenktaugliche Produkte und Dienstleistungen von jungen Unternehmen. Sie alle haben sich 2025 beim Hessischen Gründerpreis beworben, manche von ihnen sind ins Halbfinale gekommen, wurden als Preisträger*innen oder Sieger*innen ausgezeichnet.
19 Start-up-Inspirationen für Weihnachten
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Kurse rund um den Obstbaumschnitt und Erlebnisse auf der Streuobstwiese ermöglicht www.obstbaumglück.de
Musikgarten, Babymassage und Yoga für Kinder, liebevolle Kurse bietet www.mainglueckskind.de
An Weihnachten kommt gerne mal ein festlicher Hirsch- oder Rehbraten auf den Tisch. Das Fleisch dafür gibt es bei www.wildvonotto.de
Monatliche, von Montessori inspirierte Themenboxen mit liebevoll gestalteten Lern- und Bastelaktivitäten für Kinder von 3 bis 6 Jahren www.foxbox.kids
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Sprechende Wanduhr erinnert Kinder automatisch per Sprachausgabe an Aufgaben und Termine und fördert Selbstständigkeit auf spielerische Weise www.routime.de
Tassen und andere 3D-gedruckte Keramik in herausragendem Design von www.additivum.de
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www.schmunzelgeist.de ist eine Schokoladenmanufaktur, die außer leckeren Pralinen und Schokoladen auch Workshops und Tastings im Programm hat
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Weihnachten und der Winter sind die klassische Backsaison. Bio-Backmischungen ohne Industriezucker gibt es bei www.hasenzaehnchen.de
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