Digitalisierung in der Gesundheitsbranche


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Die Digitalisierung geht in Deutschland eher schleppend voran. Dabei sind entsprechende Technologien für verschiedene Branchen von großem Wert. Gerade in der Gesundheitsbranche ist es durch digitalisierte Prozesse viel einfacher, Patienten medizinisch besser zu versorgen. Für Start-ups bieten sich hier viele Chancen, die Digitalisierung in der Gesundheitsbranche voranzutreiben.

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Mehr Digitalisierung durch Start-ups

Start-up-Unternehmen sind im digitalen Zeitalter von großer Bedeutung: Sie bringen frische Geschäftsideen auf den Markt und sorgen in der Wirtschaft für neue Denkanstöße.

Das gilt auch für den Bereich der Digitalisierung, die nur durch solche innovativen Impulse vorangetrieben werden kann. Viele Start-ups legen ihren Schwerpunkt auf Digitalisierung und entwickeln entsprechende Anwendungen für das Geschäft zwischen zwei Unternehmen, das Internet der Dinge (IoT) sowie für die Robotik, Biotechnologie und Mikroelektronik.

Auf diese Weise können Start-ups mittelständischen Unternehmen dabei helfen, neue Geschäftsmodelle zu entwickeln, sich Zugang zu neuen Technologien zu verschaffen oder für mehr Innovation und Digitalisierung im Unternehmen zu sorgen.

Umgekehrt hat die Zusammenarbeit mit einem mittelständischen auch für die Start-ups große Vorteile: Sie profitieren von mehr Wachstum und Skalierung, außerdem gewinnen sie erste Referenzkunden mit einem etablierten Kunden- und Vertriebsnetzwerk.

Digitale Verwaltung im medizinischen Bereich

Überfüllte Wartezimmer, medizinische Notfälle außerhalb der Sprechzeiten, überlastete Notaufnahmen – mit solchen und ähnlichen Problemen war jeder schon einmal konfrontiert. Sie könnten bald der Vergangenheit angehören, denn es gibt verschiedene Lösungen, welche die Verwaltungsangelegenheiten digitalisieren und damit um einiges effizienter machen.

  • Telemedizinische Sprechstunden
    Beschwerden richten sich nicht nach den ärztlichen Sprechzeiten und nicht immer ist es möglich, stundenlang in der Notaufnahme zu warten. Abhilfe schafft die digitale Sprechstunde. Sie verspricht medizinische Hilfe – zu jeder Zeit, überall und ohne lange Wartezeiten. Patienten können per Telefon, Video oder Chat mit Fachärzten aus unterschiedlichen Bereichen Kontakt aufnehmen und das rund um die Uhr. So ist eine erstklassische medizinische Versorgung möglich, ohne vorher im überfüllten Wartezimmer zu sitzen.
  • Elektronische Patientenakten
    E-Akten oder auch elektronische Gesundheitsakten (eGA) steigern die Produktivität und Effizienz von ärztlichen Diensten. Wenn Patientenakten in der elektronischen Form vorliegen, können sie schneller zwischen den einzelnen Leistungsbringern weitergeleitet werden. Das ermöglicht reibungslosere Abläufe und nimmt viel weniger Zeit für die Administration in Anspruch, außerdem müssen weniger Tests durchgeführt werden, weil die Informationen aus der Akte bereits vorliegen. Wichtig ist jedoch, dass die Patienten jederzeit die Kontrolle über ihre Daten behalten und entscheiden, welcher Arzt oder welches Krankenhaus darauf zugreifen darf.
  • Elektronische Rezepte
    Ähnlich vereinfacht das E-Rezept die Abläufe in Arztpraxen und Krankenhäusern. In der papierlosen Form können die Rezepte viel einfacher an Apotheken oder andere Leistungsbringer übermittelt werden. Das spart Aufwand und steigert zugleich die Qualität der Patientenversorgung, weil die verschriebenen Medikamente automatisch auf Wechselwirkungen geprüft werden können.
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Generell senkt der Einsatz dieser digitalen Technologien die Kosten für Arztpraxen und ärztliche Zentren und schlussendlich auch für die Patienten. Laut einer McKinsey-Studie aus dem Jahr 2018 könnten im deutschen Gesundheitswesen pro Jahr bis zu 34 Milliarden Euro eingespart werden. In der Studie wurden 26 digitale Gesundheitstechnologien auf ihr Einsparpotenzial hin analysiert und in sechs verschiedene Kategorien aufgeteilt. Die hier aufgeführten Lösungen bieten gemäß der Studie das größte Einsparpotenzial.

Insgesamt ist in der Gesundheitsbranche ein Wechsel zur digitalen Verwaltung in vielerlei Hinsicht sinnvoll. Damit die Umstellung gelingt und der Übergang zur digitalen Verwaltung möglichst reibungslos vonstattengehen kann, ist professionelle Unterstützung sehr wichtig – auch vor Ort. Das System muss sicher und anwenderfreundlich sein. So gibt es weniger Schwierigkeiten bei der Umstellung auf die digitale Verwaltung. Außerdem lässt sich das digitale System variabel an die jeweiligen Bedürfnisse und Ansprüche des medizinischen Betriebs anpassen und nachregulieren.

Genanalysen aus der Cloud

Die digitale Speicherung von Patientendaten in einer elektronischen Gesundheitsakte kann auch für Genanalysen genutzt werden. Dieser Aspekt macht es möglich, biomedizinische Daten in Echtzeit zu analysieren, und birgt daher gute Chancen für Start-ups. Denn über die digitale Genanalyse lässt sich prognostizieren, ob und wie ein Körper auf Medikamente anspricht.

Das ist insofern von Vorteil, als dass jeder Mensch anders auf Medikamente reagiert. Somit hilft die Genanalyse dabei, jedem Patienten genau die Medikamente zu verschreiben, die für seinen Körper am besten sind, und die richtige Dosierung zu bestimmen. Mit dieser Methode sind keine Nebenwirkungen mehr zu befürchten, während gleichzeitig die Medikamente schneller und besser wirken.

Künstliche Intelligenz in der Medizin

Wer sich mit Künstlicher Intelligenz (KI) auseinandersetzt, merkt schnell, dass sie bereits jetzt fest in unserem Arbeitsalltag integriert ist – auch wenn Deutschland in dem Bereich Nachholbedarf hat. Beide Aspekte sind eine gute Basis für kleine Unternehmen und Start-ups, um die Entwicklung der KI voranzutreiben.

  • Medizinische Bildanalyse durch KI
    In Deutschland werden jährlich rund 100 Millionen radiologische Untersuchungen durchgeführt. Die Mediziner stehen meist unter großem Druck und so bleibt kaum Zeit, um die umfangreichen Datenmengen zu beurteilen und Befunde zu erstellen. Eine KI-gestützte Bildanalyse entlastet die Mediziner, weil sie in der Lage ist, die kritischen Bildbereiche herauszufiltern. Ärzte müssen sich dann nur auf diese Bereiche fokussieren und können somit in kürzerer Zeit sicherere Diagnosen stellen.
  • Digitale Unterstützung bei Operationen
    Intelligente Software hilft nicht nur dabei, die Vielzahl an Daten zu einem Patienten und seinem Krankheitsbild zusammenzuführen, sondern unterstützt Ärzte auch bei Operationen. Es geht darum, den Chirurgen von sämtlichen Nebentätigkeiten zu befreien, damit er sich voll und ganz auf seine eigentliche Arbeit konzentrieren kann. Somit kommt es zu weniger Fehlern und Komplikationen. Möglich ist das durch eine Kamera und spezielle Software. Sie zeigt an, an welcher Stelle im Operationsprozess sich der Chirurg befindet und kann den nächsten Schritt vorausberechnen.
  • Schnellere Entwicklung neuer Medikamente
    Bislang kostet es Unmengen an Zeit und Geld, neue Medikamente zu entwickeln. Künstliche Intelligenz lässt sich in sämtlichen Stufen der Arzneimittelentwicklung einsetzen – vom Verständnis einer Krankheit und ihrer Resistenzen, über das Auffinden passender Wirkstoffe und geeigneter Testpersonen bis hin zum Auffinden von Biomarkern bei (potenziellen) Patienten.
    Die Machine-Learning-Algorithmen, die dafür verwendet werden, liefern treffsicherere Ergebnisse und automatisieren einzelne Entwicklungsprozesse. Dadurch geht die Arzneimittelentwicklung insgesamt schneller vonstatten und es werden weniger Geldmittel zur Finanzierung benötigt.

AAL und Mobile Devices

Einige Start-ups entwickeln Alltagsunterstützende Assistenzlösungen (AAL) als Haushaltshilfen für Senioren und Mobile Devices für den Berufsalltag der Pflegekräfte. Ziel von AAL und Mobile Devices ist es, älteren und (chronisch) kranken Menschen das selbständige Agieren im Alltag zu ermöglichen und die Pflegekräfte zu entlasten.

  • AAL
    Alltagsunterstützende Assistenzlösungen helfen Senioren dabei, ein selbstbestimmtes Leben im eigenen Haushalt zu führen. Ebenso unterstützen sie das Wohnen in Heimen und überwachen Kranke und Demenzkranke über das Internet respektive IoT. Das erfolgt über Funktionen wie die Sturzdetektion und Bewegungsmelder für die Anwesenheitsermittlung. Außerdem erfassen AAL-Konzepte die Vitalfunktionen, regeln die Raumtemperatur und die Beleuchtung.
    Zu AAL gehören auch sicherheitsrelevante Funktionen: Sie können die Alarmanlage steuern sowie die Rollladen, Rauchmelder und das An- und Abschalten von Elektrogeräten.
  • Mobile Devices
    In der ambulanten Pflege ist die Digitalisierung von Arbeitsabläufen eine enorme Entlastung. Diese sogenannten Mobile Devices vereinfachen den Berufsalltag und ebenso die Kommunikation zwischen Pflegern, Patienten und Verwaltung. Sie werden in Form von Apps auf Smartphones und Tablets geladen. Über die Apps haben die Pfleger jederzeit Zugang zur Pflegedokumentation und zu Patientenakten sowie zum Klientenmanagement und zur Tourenplanung.
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Fazit: Chancen und Herausforderungen der Digital Health Care

Die Digitalisierung in der Gesundheitsbranche bietet für Gründer zahlreiche gute Möglichkeiten, die Effizienz und Qualität der medizinischen Versorgung zu steigern. Ziel ist es, Patienten und Pflegebedürftige schneller und besser zu versorgen, Pflegekräfte, Ärzte und Praxispersonal zu entlasten sowie Senioren so viel Selbständigkeit im Alltag zu verschaffen, wie möglich. Dadurch soll die Betreuung verbessert und dem Fachkräftemangel entgegengewirkt werden.

Allerdings stehen Start-ups, die sich mit der Digitalisierung der Gesundheitsbranche beschäftigen wollen, einigen Herausforderungen gegenüber. Start-ups müssen darauf achten, dass die entwickelten Technologien, die im Bereich der AAL eingesetzt werden sollen, für Senioren und Pfleger verständlich und anwendbar sind.

Sie sollten ihr Angebot außerdem so strukturieren, dass Krankenkassen und Versicherungen die Pflegeleistung abdecken, damit keine Zusatzkosten für die Patienten oder ihre Angehörigen entstehen.

Generell sind die Finanzierungsmöglichkeiten und die gesetzlichen Einschränkungen aktuell noch ein recht großer Stolperstein für neue digitale Entwicklungen. Nicht zuletzt muss gewährleistet sein, dass die digitalisierten Personendaten absolut sicher sind und nicht an Unbefugte gelangen können.

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