Gründen mit einer App, Teil 1: Die App-Idee

Was Sie wissen sollten, wenn Sie Ihre Geschäftsidee mit einer App realisieren wollen

Autor: Monika Weiß
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In dieser Serie geben wir Gründern, die sich mit einer App selbständig machen wollen, Tipps und Tricks - von der Ideenfindung bis zur Vermarktung. Der erste Teil handelt von der Ideenfindung.

An der Nase reiben, auf Sterne warten und die Idee blitzt - beim kleinen Wickinger-Kinderhelden Wickie ist das die Formel zum Geistesblitz. Außerhalb der Comic-Welt ist es leider nicht immer so einfach - vor allem, wenn es sich um eine langfristig erfolgreiche App-Idee handelt.
Die Zahl mobiler Anwendungen ist - gefühlt - kaum noch messbar und hat die zwei Millionengrenze bereits überstiegen. Für (fast) alles gibt es eine App. Doch Ideen nicht weiterzuverfolgen, weil es aussichtslos erscheint oder nur in Kindercomics funktioniert - ein Trugschluss. Im Gegenteil. Grübeln Sie intensiv über Ihre App-Idee und machen Sie die Applikation so zum „Must Have“ der Zielgruppe.

Die folgenden Tipps helfen Ihnen dabei, Ihre App-Idee einzuschätzen und zu konkretisieren.

Tipp 1:

Schauen Sie in den App-Stores, ob es bereits ähnliche Anwendungen gibt.
Falls ja: Testen Sie die Apps. Eventuell unterscheiden sie sich doch von Ihrer Idee oder bieten nicht den versprochenen Mehrwert. Darüber hinaus erkennen Sie eventuell das ein oder andere Optimierungspotenzial.
Falls nein: umso besser.


Tipp 2:

Halten Sie Ihre Vision für die App in schriftlicher Form fest. Das macht es leichter, die folgenden Schritte umzusetzen und Influencer zu überzeugen. Was macht Ihre App aus? Was macht sie besonders? Wie solch eine Vision aussehen kann, zeigen die Beispiele:
„Die Spiele-App XYZ katapultiert die Beliebtheit von Gesellschaftsspielen auf ein neues Level. Sie hüllt klassische Brettspiele in ein modernes Gewand, um sie bei der Zielgruppe U20 wieder beliebter zu machen. Daraus wird ein neuer Trend.“
„Im nächsten Jahr wird unsere ABC-App alle Spezial-Schmierstoff-Bestellungen der Metallunternehmen im Raum Berlin abwickeln. Die Anwendung wird zum Marktführer, da sie komfortabler und effektiver als die bisherigen Bestellsysteme ist.“


Tipp 3:

Verschaffen Sie sich einen Überblick über die möglichen Funktionen und Bestandteile der App. Ein Mindmap eignet sich hierfür sehr gut. Bilden Sie Überbegriffe und Kategorien für die einzelnen Funktionen.

Tipp 4:

Holen Sie sich so viel Feedback ein, wie nur möglich. Von wem?
Freunde, Familie, Bekannte, Fremde, bestenfalls aus der gewählten Zielgruppe. Seien Sie nah an den Interessenten der App und hören Sie darauf, was sie wollen, brauchen oder was ihnen weiterhilft. Häufig sind es wertvolle Hinweise, auf die man selbst nicht gekommen wäre.
Ebenso wichtig sind die potenziellen Kunden, wie zum Beispiel die Metallunternehmen aus dem zweiten Visionsbeispiel (Tipp 2). Mit der vorbereiteten Vision fällt es Ihnen leichter, an die Unternehmen heranzutreten und auch diese höflich um Mithilfe zu bitten. Erkennen Unternehmer den Mehrwert Ihrer App, sind sie gern bereit Feedback zu geben. Die Arbeit für ein solches Marktscreening lohnt sich – sie ist essenziell für den Erfolg der App-Idee.
Auch Agenturen sind in dieser Phase ein wertvoller Lieferant von Expertenmeinungen: Durch ihre Erfahrungen geben Sie Ihnen ebenso einen Einblick in den Markt beziehungsweise Hinweise zur technischen Umsetzung und Machbarkeit Ihrer Idee.

Tipp 5:

Erzählen Sie der Welt von Ihrer Idee. Wie wäre es beispielsweise mit einem eigenen Blog oder einem anderen Social Media Kanal? Achten Sie darauf, im Anfangsstadium noch keine sensiblen Details preiszugeben. Allerdings ist die Angst, jemand könnte die Idee vor Ihnen umsetzen, in den meisten Fällen eher unwahrscheinlich. Sie haben jetzt selbst einen Eindruck davon bekommen, wie aufwändig es sein kann, die Idee zu konkretisieren und ein ausgefeiltes Konzept zu entwickeln. Mit diesem Tipp sammeln Sie weiteren Input aus der Zielgruppe, von Multiplikatoren sowie möglichen Investoren. Sie sollten dabei selbst entscheiden, wie öffentlich Sie mit Ihrer Idee umgehen. Ein effektiver Weg, um sich zu vernetzen und den Markt zu bewerten, ist es allemal.

Sie haben sich nicht nur an der Nase gerieben und auf Sterne gewartet, sondern nach dem Geistesblitz weitere Recherchen angestellt und die beschriebenen Tipps berücksichtigt? Dann können Sie sich auf die kommen Beiträge der Reihe „Unternehmensgründung mit einer App“ freuen.

In den nächsten Artikeln erläutern wir, wie Sie mit Ihrer App Geld verdienen oder ob sich Ihre App-Idee patentrechtlich schützen lässt.

Die Autorin Monika Weiß ist Marketingmanagerin bei der inhabergeführten App-Agentur FLYACTS GmbH. Die Full-Service-Agentur für mobile Apps und Web-Anwendungen entwickelt sowohl für Gründer und Start-ups als auch für etablierte Konzerne und begleitet ihre Kunden von der App-Idee über die Entwicklung hinaus bis zur Vermarktung.

Wunderflats: 7 Tipps aus 7 Jahren Unternehmensgeschichte

Arkadi Jampolski, Co-Gründer und COO von Wunderflats, mit sieben Learnings aus sieben Jahren Start-up-Unternehmertum.

Die sieben Weltwunder, die sieben Todsünden, sieben Jahre Pech, das verflixte siebte Jahr, im siebten Himmel: Kaum eine Zahl ist mit so vielen Mythen verbunden wie die Sieben. Immer wieder erscheint sie uns als relevante Größe, an der man Dinge misst. Auch für junge Unternehmen ist die Zahl Sieben ein relevanter Erfolgsindikator. Durchschnittlich 90 Prozent aller gegründeten Start-ups scheitern bereits nach fünf Jahren. Ist dieser statistische Meilenstein geschafft, kann es also nur noch nach oben gehen – so die Hoffnung.

Bei unserem 2015 gegründeten Berliner Unternehmen Wunderflats ist genau das der Fall gewesen. Aus einer einfachen Idee – möblierten Wohnraum einfach, flexibel und sicher zwischen Mieter*innen und Vermieter*innen zu vermitteln – ist im siebten Jahr des Bestehens Deutschlands Marktführer für möbliertes Wohnen auf Zeit geworden. Dass der Weg vom jungen, wilden Start-up hin zum dynamischen Scale-up von Veränderung und Umbrüchen geprägt war, versteht sich von selbst. Wir teilen unsere sieben wichtigsten Learnings.

Verbindet Vielfalt durch eine gemeinsame Mission

Zahlreichen Studien zufolge ist ein diverses (Gründer-)Team erfolgreicher als ein homogenes. Meinen Mitbegründer Jan Hase und mich verbindet eine übereinstimmende Wertebasis – wir teilen eine Vision und verfolgen die gleiche Mission. Dass wir zudem beide aus bescheidenen Verhältnissen kommen, ist ein weiterer gemeinsamer Nenner. Doch Arbeit und Leben gestalten wir oft unterschiedlich. Für uns zählt Vielfalt – das gilt auch für die gesamte Wunderflats-Familie: Wir bringen Führungskräfte aus jungen Unternehmen wie GetYourGuide, AirBnB oder Flixbus mit anderen zusammen, die in sehr professionellen Konzernen wie Mercedes gelernt haben. Bei uns arbeiten Menschen mit Top-Uniabschlüssen, Kolleg*innen ohne Studium, junge und jung gebliebene Mitarbeitende ziehen an einem Strang und ergänzen einander. Denn für uns ist eines klar: Wer Unterschiedlichkeiten durch ein gemeinsames Fundament aus Vertrauen, gegenseitigem Verständnis und transparenter Kommunikation zusammenbringt und eine vereinende Mission verfolgt, gewinnt.

Fortschritt im Markt für Fortschritt im Unternehmen

Eine weitere wichtige Erkenntnis, die Gründer*innen verinnerlichen sollten: Ein Unternehmen schwebt nicht auf einer einsamen Wolke, sondern ist immer eingebettet in ein Ökosystem aus Wirtschaft, Gesellschaft und Politik. Es lohnt sich für Unternehmerinnen und Unternehmer, sich mit anderen Stakeholdern zu vernetzen und gemeinsam die Branche voranzubringen, statt immer nur das eigene Unternehmen im Blick zu haben. Mein Co-Gründer Jan beispielsweise engagiert sich in mehreren Kommissionen wie der Bundeskommission für Digitalisierung oder der Bundesfachkommission Bau, Immobilien & Smart Cities, deren Arbeit indirekt auch auf unsere Unternehmensziele einzahlt. Auf diese Weise entstehen Symbiosen, die für alle Beteiligten sinnvoll und gewinnbringend sind.

Das Bauchgefühl durch Analysen zu unterdrücken ist fatal

Jede Unternehmerin, jeder Unternehmer steht an irgendeinem Punkt im Unternehmenszyklus vor harten Entscheidungen. Die wichtigsten Fragen, die man sich in solchen Momenten stellen sollte, lauten: Wie groß ist das Erfolgspotenzial? Wie hoch sind die Kosten, diese Entscheidung in Zukunft zu ändern, anzupassen oder weiterzuentwickeln? Liegen alle Perspektiven auf dem Tisch? Wie viel Momentum verlieren wir, wenn wir uns nicht sofort entscheiden? Auch wenn die rationale Faktenlage noch so klar sein mag, am Ende darf eine Entscheidung auch immer emotional geprägt sein; durch das altbekannte Bauchgefühl. Wenn nötige Fakten fehlen, um eine Entscheidung zu treffen, hilft oft nur die Intuition. Und anders herum weist uns unser Bauchgefühl auch auf Entwicklungen hin, die sich vielleicht noch nicht in den Daten niederschlagen. Es ist wichtig, sich das bewusst zu machen, denn ein Momentum ist schnell vergangen und ohne Momentum gibt es keinen Fortschritt.

Kultur frisst die Strategie zum Frühstück

Ein weiterer Punkt mit enormer Strahlkraft ist die eigene Unternehmenskultur. Gerade für neue Teammitglieder und junge Menschen, die frisch in den Arbeitsalltag starten, bietet eine starke Firmenkultur eine hervorragende Orientierung dafür, welche Werte im Berufsleben hochgehalten und aktiv vertreten werden können. Die Formulierung und der erklärte Purpose sind das Eine – doch den schönen Worten müssen Taten folgen. Gemeinsame und von allen geteilte Werte sind so etwas wie der Kleber eines Unternehmens, der die verschiedenen Puzzleteile zusammenhält. Nur mit einer wertebasierten Unternehmenskultur können Teams das gemeinsame Ziel verfolgen und an einem Strang ziehen. Gerade für Unternehmen im Wachstum ist eine geteilte Kultur enorm wichtig, um Teams zusammenzuschweißen und nicht ins Micromanagement zu verfallen.

Lernen, lernen, lernen – und dabei den Fokus nicht verlieren

Je größer ein Start-up wird, desto komplexer werden die Herausforderungen, die mit dem Wachstum einhergehen. Die Offenheit für andere Meinungen und die Bereitschaft zu kontinuierlichem Lernen sind wesentliche Fähigkeiten einer guten Unternehmensleitung. Als Team profitieren wir vom ständigen Austausch zu Erfahrungen – auch mit neuen Kolleg*innen. Am besten lernt man differenziell. Der Begriff kommt aus der Sportwissenschaft und bezeichnet das explorative Testen unterschiedlicher Optionen: Man überlegt sich Abläufe oder Neuerungen und probiert sie aus. Dann wird geschaut, was gut funktioniert oder was stattdessen funktionieren könnte. Dazu sucht man sich Best Practices. Dem differenziellen Lernprozess vorangestellt ist die Fähigkeit, zu beobachten und zuzuhören. Stress, Ablenkung und Alltagslärm strapazieren unsere Präsenz und Aufmerksamkeit, so dass wir schließlich aufhören, dazuzulernen. Das kann zum Stillstand führen und am Ende zum selbstverursachten Ende des Unternehmens.

Jedes Unternehmen trägt als Teil der Gesellschaft Verantwortung

Jedes Unternehmen ist Teil der Gesellschaft und trägt damit Verantwortung. Jedes Team verfügt über einzigartige Fähigkeiten, die es im Sinne der Gesellschaft zu nutzen gilt, nicht nur für den eigenen Unternehmenswert. Diese einzigartigen Fähigkeiten sollten dafür eingesetzt werden, um zuallererst den Firmen-Zweck, die eigene Mission zu fördern und voranzutreiben. Unterstützend braucht es Professionalität, ein funktionierendes Geschäftsmodell und damit verbundene Profitabilität, gesichert durch finanzielle Nachhaltigkeit – denn ein Unternehmen ist eine Organisationsform in der Gesellschaft, die Wohlstand schaffen muss, sonst kann es keinen gewinnbringenden Beitrag für die größere Mission leisten.

Sei bescheiden. Bleibe bescheiden

Zum Abschluss einer der wichtigsten Tipps für Gründer*innen: Vergesst nie eure Anfänge. Wir können unser Glück und den Zufall nicht beeinflussen. Wenn wir Glück haben, können wir mit unserer Leistung aber mehr daraus machen. Erfolg hängt also mit Leistung zusammen, es braucht dafür aber auch immer die entscheidende Portion Glück. Das Zurückbesinnen auf die eigenen Anfänge im Berufsleben, auf die individuelle Entstehungsgeschichte – und eben auf das Quäntchen Glück – erdet im Sog von Finanzierungsrunden und Expansion ganz besonders. Sei also bescheiden – und bleibe es.

Über Arkadi Jampolski

Arkadi Jampolski ist Co-Gründer und COO von Wunderflats. In Russland geboren und aufgewachsen, kam Arkadi mit acht Jahren mit seiner Familie nach Deutschland. Neben seinem Doppel-Bachelor-Abschluss (BA European Business & BSc Financial Management) war Arkadi einige Zeit selbständig und hatte bereits ein mal gegründet, bevor 2015 Wunderflats, die führende deutsche Plattform für möbliertes Wohnen auf Zeit, entstand.

Green Economy in der Industrie: Mögliche Ansätze

Die Industrie ist zwar Deutschlands Wirtschaftsmotor, sie ist aber ebenso in vielen Belangen der bedeutendste Ressourcenverbraucher der Republik. Mit herkömmlichen Methoden des Wirtschaftens kollidieren diese beiden Faktoren. Unter dem Stichwort Green Economy jedoch gelangen sie auf eine gemeinsame Ebene. Doch wie lässt sich das aus Gründersicht umsetzen?

Traditionelles Wirtschaften: Eine nicht mehr zeitgemäße Methode?

Klassische industrielle Herangehensweisen bringen eine ganze Reihe von Problemen mit sich. Es sind Auswirkungen traditionellen Wirtschaftens, die aus heutiger Sicht im Grunde nicht mehr tragbar sind. Dabei geht es nicht rein um Umwelt, Natur und Klima – Bereiche, für die die Aufmerksamkeit und das Bewusstsein seit einigen Jahren deutlich gestiegen sind. Vielmehr sind Unternehmen und vor allem Start-ups gut damit beraten, auch aus Sicht von unternehmerischer Wirtschaftlichkeit klassische industrielle Methoden zu hinterfragen und zu überdenken.

Das Grundproblem des traditionellen Wirtschaftens beruht vielen Theorien und Kritikern zufolge auf dessen Kernziel, der Gewinnmaximierung. Die Gewinnmaximierung als Ziel bestimmt, welche Produkte für den Markt produziert und welche Dienstleistungen angeboten werden. Sie bestimmt außerdem über die Verkaufsstrategien und in welchem Umfang bezahlte Arbeit dafür verwendet wird. Aus der Logik dieses Ziels heraus, werden Güter und Dienste stets nur für einen begrenzten Bedürfnisbereich angeboten.

Wichtigere Bedürfnisbereiche aber, wie etwa existenzsichernde Erwerbsarbeitsplätze, verkümmern unter ihrer Logik. Schließlich ist es weniger gewinnbringend, wenn Arbeitskräften mehr gezahlt wird als man muss, wenn diese doch auch für weniger Geld zur Arbeit erscheinen. Außer Acht gelassen wird dabei die Zufriedenheit durch das Gehalt. Oder, noch drastischer, gar der Druck, selbst für wenig Geld arbeiten zu müssen, weil die Angst vor sonstiger Arbeitslosigkeit oder die schiere Unmöglichkeit, eine andere Stelle zu finden, so enorm ist.

Doch damit nicht genug: Traditionelles Wirtschaften sorgt auch dafür, dass es für immer weniger Jugendliche Berufsausbildungsplätze gibt. Es nutzt die patriarchale Arbeitsteilung. Und es vereinnahmt unbezahlte Arbeit für eigene Interessen – und das ist nicht erst seit gestern, sondern schon viele Jahre so.

Nicht zuletzt ist die Art und Weise, wie diverse Bedürfnisbereiche gestillt werden, ebenfalls oftmals als stark problematisch einzustufen. Das gilt für Anbieter mit Monopolstellung auf den Märkten genauso wie für kleinere Unternehmen, die auf traditionelle Weise wirtschaften.

Die bereits erwähnte Reihe von Problemen, die aus dieser Wirtschaftsweise hervorgehen und die über bereits Angesprochenes hinausgeht, ist zahlreich. Wir wollen daher an dieser Stelle nur fünf ausgewählte dieser Probleme konkreter nennen, um einen Eindruck davon zu vermitteln, warum die Green Economy als neuzeitlicher Denkansatz zukunftsträchtigere Konzepte mit sich bringt.

Probleme traditionellen Wirtschaftens

  • Die Isolation der Menschen

Die traditionelle Wirtschaft isoliert die Menschen, anstatt sie zusammenzubringen. Die Erfahrungen, die in einer Branche oder einem bestimmten Marktsegment funktionieren, gelten möglicherweise nicht für andere Segmente. Jedes traditionell wirtschaftende Unternehmen bleibt dadurch in einer Art Bubble, was die wirtschaftlichen Wachstumsmöglichkeiten einschränkt.

Denn ein Austausch bringt nicht etwa das Risiko von Ideenklau durch die Konkurrenz mit sich, wie oft angenommen. Vielmehr fördert er gegenseitig die Kreativität, kann zu spannenden Kooperationen führen und wirkt als Innovationstreiber.

Doch beim traditionellen Wirtschaften arbeiten die meisten Unternehmen allein, um die ganz persönlichen spezifischen Bedürfnisse zu befriedigen und Ziele zu erfüllen – ohne dabei über den Tellerrand hinaus oder auf das große Ganze zu blicken.

  • Das Minimum an Lebensqualität

Klassische Wirtschaftsweisen, in der Industrie und in allen anderen Bereichen, beschränken die Lebensqualität häufig auf ein Minimum. Das zeichnet sich im Extremfall durch Arbeitslöhne am absoluten Existenzminimum ab, aber auch durch beispielsweise geringe medizinische Versorgung am Arbeitsplatz (Stichwort heute vor allem „Mentale Gesundheit“) oder mangelnde Flexibilität in der Arbeitseinteilung.

Wird das soziale Wohlergehen der Wirtschaftenden außerdem weniger wertgeschätzt und gefördert, kommt es schneller zu Unzufriedenheit am Arbeitsplatz und zu vermehrten Konflikten. Außerdem entgeht Unternehmen dadurch die Chance, durch Transparenz und Offenheit effizientere und effektivere Arbeitsflüsse zu erreichen.

  • Die Einschränkung der Wahl

Traditionelles Wirtschaften schränkt oft die Wahl ein – die Wahl etwa von Arbeitnehmern, aber auch Arbeitgebern. Geht es allein um die Maximierung der Gewinne, werden oft nicht die qualifiziertesten, sondern die günstigsten Arbeitskräfte ausgewählt.

Sie arbeiten dann nicht so gut, aber eben günstiger. Eine Zeit lang mag dies profitabel sein, mit der Zeit aber sorgt mangelnde Qualität mitunter für Unzufriedenheit bei Kunden. Zudem riskieren gerade junge Unternehmen heute ihren Ruf, wenn sie durch etwa schlecht bezahlte oder behandelte Mitarbeiter auffallen. In Zeiten sozialer Medien und Shitstorms können solche Skandale im Handumdrehen die Insolvenz bedeuten.

Die Wahl der Arbeitnehmer wiederum wird in einer traditionellen Wirtschaft durch begrenzte Arbeitsplätze und oben genannte Entscheidungsmechanismen eingeschränkt. Der Mensch wird als Arbeitskraft und nicht als Mensch gesehen und in seinen persönlichen Potenzialen und Entscheidungen beschnitten.

Mihai Streza, Founder des Tech-Start-ups wondder.io

Mit wondder.io ging Mihai Strezas Traum in Erfüllung: ein erfolgreiches Technologieunternehmen zu gründen. Heute tauchen die Mitarbeitenden seiner Kund*innen tief in spezielle Situationen ein, wenn sie per VR zu den wichtigen Themen Diversity und Inclusion geschult werden – ein Novum im europäischen Raum.

Unternehmen zu gründen, das liegt Mihai Streza im Blut: er sah sich schon mit gerade einmal sieben Jahren dazu berufen, Bedarfe zu erkennen und passende Produkte oder Dienstleistungen anzubieten. Er selbst erzählt mit einem großen Augenzwinkern: „Die ersten Gesprächspartner dazu reichten von meinem Großvater, der, meiner geschulten siebenjährigen Meinung nach, auf seinem ländlichen Gut meine Dienstleistungen kaufen sollte (die fingen beim Sensen an), bis hin zu meinem Vater, dessen Hingabe für Physik ich zum Anlass nahm, um ihn als Investor für meine "Erfindungen" zu gewinnen. Dazu zählte unter anderem ein magnetischer Antrieb für Büchsenpatronen, der sich leider nirgendwo durchgesetzt hat."

Bereits im Kindesalter reizte es ihn, für bestehende “Probleme” bessere Lösungen zu entwickeln, auf die Belange seines Gegenübers einzugehen, Angebote entsprechend nachzubessern und bis zum krönenden Abschluss des Deals zu verhandeln. Der Lauf der Jahre hat seiner Umtriebigkeit und Geschäftstüchtigkeit keinen Abbruch getan – lediglich seine Geschäftsideen sind, hofft er, wieder mit dem großen Lächeln, “gesellschaftlich relevanter” geworden.

Neue Heimat, vielseitiges Studium und starke Mentoren
Streza kam im Alter von 19 Jahren aus Rumänien nach Deutschland. Seine Mentorin Dr. Mariana Bozesan motivierte ihn dazu, an der Technischen Universität Fridericiana zu Karlsruhe, dem heutigen KIT, das Informatikstudium aufzunehmen. Immer für eine zusätzliche Herausforderung gut, befasste sich der junge Student neben Robotik und Mensch-Maschine-Interaktion als Hauptstudium mit dem Unternehmertum als Nebenfach. Hier war es vor allem der als "Schraubenkönig" bezeichnete erfolgreiche Unternehmer Reinhold Würth, der mit seinen Entrepreneurship-Vorlesungen den weiteren Weg von Mihai Streza beeinflusste: „Ich glaube, er fand es amüsant, wie der junge Student ihm erklärt hat, dass er sich nicht von den wissenschaftlichen Mitarbeitern des Herrn Würths benoten lassen möchte, denn sie haben keine praktische Erfahrung im Unternehmertum – was ich mir natürlich einbildete, seit dem jungen Alter von sieben Jahren ausgebaut zu haben. Das endete in einem herrlichen Gespräch von einer Stunde, benotet vom Schraubenkönig selbst mit einer 1,0."


Ehrgeiziger Berufseinstieg und wichtige Erfahrungen

Bereits vor Abschluss des Studiums stieg Streza als Mitgründer bei eRockit ein, um in Berlin Elektrofahrzeuge zu entwickeln und herzustellen. Allerdings war der Zeitpunkt, nämlich das Jahr 2006, noch nicht reif für das Konzept. Heute sieht er darin einen typischen Gründer*innenfehler – falsches Timing – wie viele andere falsche Entscheidungen, die eben rund um ein Start-up getroffen werden. Er trat gleichzeitig mit der Gründung seinen ersten Job an: als Strategieberater bei Roland Berger; die Arbeitstage wurden sehr lang – verständlich, in einem Job, in dem den meisten Berufsanfänger*innen schnell die Puste ausgeht, und wo er parallel dazu noch ein Startup aufbaute. Sobald eRockit die vierte Prototyp-Serie entwickelte, stieg er bei Roland Berger aus und engagierte sich in Vollzeit im Start-up.

Die nächste Etappe seiner beruflichen Entwicklung war wieder in der Strategieberatung, diesmal allerdings mit einem höheren Sinn: Streza entwickelte unter der Leitung von Alexander Holst eine Abteilung für Nachhaltigkeitsstrategie bei Accenture mit. Stück für Stück näherte er sich seiner größeren Vision: von erfolgreichen Unternehmen, die gleichzeitig “das Gute, Schöne, Wahre” in die Welt bringen. Nach Accenture machte er einen wichtigen Abstecher zu AQAL Capital, dem Family Office seiner Mentoren, wo er die Entwicklung eines Systems für Frühphaseninvestitionen auf der Grundlage der Entwicklungspsychologie mitgestaltete. Die ESG-Kriterien (Environmental, Social, and Governance) – an sich zu diesem Zeitpunkt ein Novum in Deutschland – stellten den Anfangspunkt dieses Systems dar, das viel weiter reichte, und innere Dimensionen der menschlichen Psyche, wie Purpose und Passion als gleichwertig mit ESG deklarierte.

Rückzug, Besinnung und Fokussierung - das entscheidende Jahr 2018

„Was braucht die Welt von mir?", diese Frage bewegte Streza nach seinen aufregenden und richtungsweisenden Erfahrungen. Er nahm sich das ganze Jahr 2018, um SEINE Antwort auf diese existenzielle Frage zu finden. Die Exploration war erfolgreich, die Antwort: Milliarden von Menschen mithilfe von Technologie in ihrer Persönlichkeitsentwicklung befähigen – und zwar mit Virtueller Realität (VR) unter Einsatz ethischer künstlicher Intelligenz (KI). Das Jahr 2019 war geprägt von einer intensiven Beschäftigung mit diesen Technologien und der strategischen Konzeptionierung eines Unternehmens, das diese manifestiert: wondder.io. Hier setzte Streza seine in zwei Jahrzehnten gesammelte Expertise in Technologie, Strategie, Persönlichkeitsweiterentwicklung, Entwicklungspsychologie und Integrale Theorie nach Ken Wilber ein.

2019 war auch das Jahr der Teamfindung: Streza stellte ein kompaktes, hochkarätiges Team zusammen, in dem er den heutigen CSO und später den heutigen CTO mit ans Bord brachte. Wenige Monate später stellte er einen ersten Trainings-Prototypen bei einem Chemiekonzern vor, der früher zu seinen Consulting-Kund*innen gezählt hatte. Auch wenn die Resonanz verhalten war, da die Manager offenbar ein Science-Fiction-Erlebnis à la Black Mirror erwartet hatten, wusste Streza, dass er auf dem richtigen Weg war. Diesen Eindruck bestätigen seine erstklassigen Kund*innen in den letzten zwei Jahren und auch die Personalzuwächse in der Firma, die oft genug unverhofft, und perfekt getimt das Team verstärkten und neue Dynamik ins Geschehen brachten.

Schon heute europäischer Marktführer

„Wir wachsen momentan sehr stark und fokussieren uns in diesem Jahr auf den Ausbau des Teams, des Vertriebs sowie die weitere Entwicklung unseres Produktportfolios, dessen Größe sich dieses Jahr verdreifachen wird", so Streza zum aktuellen Stand. Mehr als 30 Kund*innen in verschiedenen Ländern nutzten bisher Demo-Versionen, darunter zahlreiche DAX-Unternehmen. Mit Fug und Recht kann wondder.io von sich behaupten, schon heute der führende Anbieter hochkarätigen VR-Trainings in Europa zu sein. „Wir werden von sehr erfahrenen und erfolgreichen Business Angels und Beratern unterstützt, die früh in uns investiert haben und unser Wachstum begleiten", betont Streza.

Mihais Tipps für andere Gründer*innen

Allgemeine Ratschläge finde ich problematisch, vor allem da es kein Rezept für Unternehmertum gibt. Statistisch gesehen hat jeder Mensch im Durchschnitt um die 80.000 Arbeitsstunden zur Verfügung in seinem Leben. Es sollte eine moralische Verpflichtung eines jeden Unternehmers bzw. einer jeden Unternehmerin sein, sich dem bewusst zu machen und anschließend immer wieder bewusst zu entscheiden, wofür man diese begrenzte Zeit einsetzt.

GreenTech-Report

Von jungen Start-ups bis hin zu etablierten Unternehmen – technologische Innovationen und klimaschonende Lösungen sind weltweit auf Wachstumskurs.

Globale Herausforderungen wie die Klimakrise erfordern komplexe Lösungen sowie ressourcen- und umweltschonende Dienstleistungen und Produkte. Grüne Technologieunternehmen und Start-ups haben Nachhaltigkeit und positive Auswirkungen auf die Umwelt zum Kern ihrer Mission gemacht.

Nach Angaben des jüngsten Umweltatlas GreenTech made in Germany des Bundesministeriums für Umwelt, Naturschutz und nukleare Sicherheit hat die GreenTech-Branche ein enormes Wachstumspotenzial: Bis 2030 wird weltweit ein jährliches Wachstum von 7,3 Prozent erwartet. Damit deutsche Unternehmen diese Entwicklung mittragen und gleichzeitig ihre Prozesskosten senken können, muss die Wettbewerbsfähigkeit sowohl durch die Branche selbst als auch durch die Politik (besonders gegenüber den USA und China) langfristig gesichert werden.

Mit dem Europäischen Grünen Deal will die EU den Weg zu einem klimaneutralen Europa bis 2050 mit zusätzlichen Klimamaßnahmen ebnen. Eine Maßnahme des zur Einhaltung des Pariser Klimaabkommens bisher nicht ausreichenden Pakets ist die EU-Taxonomie, die dazu dienen soll, mehr Geld in nachhaltige Wirtschaftsaktivitäten zu lenken. Mit unternehmerischen Lösungen versuchen Pionier*innen indes durch nachhaltige Umwelttechnologien einen Beitrag zu leisten, um die Klimaziele, zu denen sich alle Staaten im Rahmen des Pariser Klimaabkommens von 2015 verpflichtet haben, doch noch erreichen zu können.

Die wichtigsten Markttrends

Der Markt für Klimatechnologien zeigt sich als schnell reifende Anlageklasse, die Investor*innen auch als Chance für ökologische und soziale Lösungen ansehen. So wurden laut dem Startupdetector-Report 2021 rund 75 Prozent mehr Umwelttechnologie-Neugründungen in Deutschland unterstützt als im Jahr davor. Das Startup-Barometer von Ernst & Young zeigt, dass auch die Finanzierung grüner Start-ups weiter zunimmt – das Investitionsvolumen aus dem Jahr 2021 übersteigt mit 17,4 Milliarden Euro sogar die drei vorherigen Jahre.

Viele Gelder fließen in den Energiesektor, der sich laut dem Umweltatlas in den vergangenen Jahren zum größten Leitmarkt der GreenTech-Branche entwickelt hat. Besonders in Deutschland hat die Energiewende starke Auswirkungen auf Energieerzeugung, -speicherung und -verteilung. Russlands Krieg gegen die Ukraine hat diese Entwicklung noch verstärkt und stellt die Energietransformation vor ein Dilemma, unter anderem durch die derzeit rasant ansteigenden Strompreise.

Kreative Energielösungen made in Germany

Das Münchner Tech-Start-up tado beispielsweise produziert Heimthermostate und Klimaanlagensteuerungen für Privathaushalte und kleine Unternehmen, welche Wettervorher­sagen aufgreifen und sich in Echtzeit anpassen. Das Hamburger Start-up vilisto hat ein innovatives Thermostat entwickelt, das hilft, Energie einzusparen. Ein Kraftblock speichert industrielle Abwärme und speichert überschüssigen Strom als Wärme zwischen.

Auch in den Energiebereichen Photovoltaik, Windkraft und stationäre Speichertechnologien in Form von Batterien und Wasserstoff steigt die Nachfrage nach innovativen Lösungen. Das Unternehmen Zolar bietet beispielsweise einen Online-­Konfigurator zur Planung von Solaranlagen und Solytic optimiert als datengesteuerter Marktplatz PV-Anlagen im Solar­energiebereich. Das Münchner Start-up gridX trägt seinerseits zur Digitalisierung der Energiebranche bei, indem es umweltfreundliche Ressourcen für erneuerbare Energien erschwinglich anbietet.

Das Wachstum für den deutschen Energiemarkt wird sich voraussichtlich auch auf den nachhaltigen Mobilitätsmarkt auswirken, der mit 91 Milliarden Euro den zweitgrößten Leitmarkt der GreenTech-Branche ausmacht. An dritter Stelle steht die Rohstoff- und Materialeffizienz – und auch hier sind kreative Unternehmen am Start. Das Unternehmen refurbed setzt sich im Bereich Kreislaufwirtschaft für nachhaltiges Recycling von Elektrogeräten durch seinen Online-Marktplatz ein. Ein ähnliches Geschäftsmodell verfolgt das Berliner Start-up Grover, welches technische Geräte mit unterschiedlichen Abo-Modellen vermietet, statt sie zu verkaufen.

Start-ups mit Umweltverantwortung

Solche GreenTech-Unternehmen übernehmen eine Vordenkerrolle hinsichtlich der Umweltverantwortung in Verbindung mit rentablen Geschäftspraktiken. Sie spielen bei der Gestaltung einer ökologisch und ökonomisch nachhaltigen Zukunft eine herausragende Rolle. Doch die Annahme, dass nur Unternehmen mit einem nachhaltigen Geschäftsmodell einen Unterschied machen, ist falsch. Alle Unternehmen haben Verantwortung, können und sollten einen Beitrag zum nachhaltigen Wirtschaften leisten.

Um diese Transition zu begleiten, bietet Planetly seit 2020 eine Plattform für die Messung des CO-Fußabdrucks für Unternehmen und Plan A automatisiert die ESG- und CO-Berichterstattung. The Climate Choice bietet eine Plattform für das Klimarating von Unternehmen und deren Lieferketten.

Diese Liste innovativer und junger Start-up-Beispiele zeigt, dass gesellschaftliche Veränderungen durch die allgegenwärtige Klimakrise Gründer*innen motiviert, ihre Geschäfte im Bereich grüner Umwelttechnologien auszubauen. Die Auswirkungen der Erderwärmung werden global weiter zunehmen. Damit Deutschland international wettbewerbsfähig bleiben kann, brauchen wir noch mehr kreative Innovationen und mutige Nachhaltigkeits-Start-ups, die uns im Kampf gegen die Klimakrise begleiten.

Diese Start-ups bringen frischen Wind ins System

GreenTech hat Zukunftspotenzial, so viel ist klar. (Inter-)na­tionale Klimaschutzziele, der EU Green Deal, der CO-Zertifikatehandel, aber auch die EU-Taxonomie sorgen immer mehr dafür, dass alle Branchen nach Lösungen suchen, um ihren ökologischen Fußabdruck zu verringern und so CO-arm wie möglich zu erwirtschaften. Vor allem Lösungen aus dem Bereich Mobilität und Energie sowie Klimaschutz-Management von Plan A, Planetly oder The Climate Choice liegen auf der Hand. Dabei umfasst GreenTech noch viel mehr: Es fängt beim Recruiting von Talenten für diese spannende Branche an und betrifft auch den Lebensmittelsektor. Die nachfolgende Auswahl zeigt, wie divers und innovativ die GreenTech-Szene ist.

ecoligo

Das 2016 von Martin Baart und Markus Schwaninger gegründete Berliner Unternehmen revolutioniert mit seinen Solarprojekten die Energielandschaft in Schwellenländern, treibt dort den Umstieg auf erneuerbare Energien voran und schlägt damit zwei Fliegen mit einer Klappe. Die vollständig finanzierten Solar-as-a-Service-Projekte bringen ecoligos Kund*innen nicht nur finanzielle Ersparnisse, sondern ermöglichen ihnen auch, nachhaltig zu wachsen. Indem eco­ligo Gewerbe- und Industrieunternehmen in den am schnellsten wachsenden Volkswirtschaften der Welt mit Solarenergie versorgt, trägt das Unternehmen messbar zur Einsparung von schädlichem CO bei und schützt so aktiv das Klima. Durch die bisher unterzeichneten Projekte konnten bereits fast eine Million Tonnen CO eingespart werden. Möglich gemacht werden diese Projekte von engagierten und umweltbewussten Crowd­investor*innen, die mit ihren Investitionen in diese Solarprojekte den Klimawandel bekämpfen, während sie ihr Geld gewinnbringend anlegen.

Vom Cannabis-Boom profitieren

Mit der anstehenden Legalisierung von Cannabis in Deutschland wird ein riesiger Boom erwartet. Wir erzählen mehr. Wir informieren.

Cannabis (Hanf) ist eine Nutz- und Heilpflanze, die zunehmend Potenzial entwickelt. In Deutschland sind aufgrund des noch vorherrschenden Verbots THC-haltiger Produkte die Möglichkeiten beschränkt. THC (Tetrahydrocannabinol) ist der Wirkstoff der Hanfpflanze, welcher einen Rausch auslöst.

Mit CBD (Cannabidiol) erobert gerade eine andere Hanfsubstanz die Märkte. Der Wirkstoff wird mit entspannenden, entzündungshemmenden und schmerzlindernden Eigenschaften in Verbindung gebracht. Hersteller aus Branchen wie Wellness, Kosmetik, Lebensmittel und Medizin haben die Möglichkeiten erkannt und verarbeiten Cannabidiol in einer zunehmenden Anzahl von Produkten.

Für Gründer und Start-ups bietet CBD einige Geschäftsmodelle an. Auch Investoren sagen Cannabis eine goldene Zukunft voraus. Vor allem dann, wenn die anstehende Legalisierung hierzulande zügig durchgeführt wird.

Cannabis als Geschäftsmodell

Derzeit ist es vor allem CBD, welches Gründern interessante Perspektiven bietet. Als bevorzugtes Produkt gilt CBD Öl. Dabei sind die Hürden zur Herstellung derzeit noch hoch. So dürfen nur lizenzierte Landwirte Nutzhanf anbauen und das Saatgut muss von der EU (Europäische Union) zertifiziert sein. Die Pflanzen selbst dürfen einen THC-Gehalt von 0,2 % nicht überschreiten. Potente, THC-haltige Kreuzungen wie tropische Mango (Mango Kush), Runtz oder Girl Scout Cookies dürften reißenden Absatz finden, sobald die Legalisierung den Bundesrat passiert hat.

Für Gründer, die in der Cannabis-Branche mit ihren vielversprechenden Zukunftsaussichten Fuß fassen möchten, bieten sich einige Geschäftsmodelle an.

White Label

Die Aufgabe des Gründers eines White Labels besteht darin, eine eigene Marke mit vollständigem Corporate Design zu kreieren und schützen zu lassen. Die Produkte, in der Regel CBD Öl, können bei den meisten großen Herstellern ohne Etiketten und Aufdrucke bestellt werden, und zwar zu etwas verbesserten Konditionen, als sie der Endverbraucher erwarten darf.

Diese Ware beklebt das Start-up mit den eigenen Etiketten und vertreibt sie mit einem Preisaufschlag. Dabei ist zu beachten, dass alle rechtlich relevanten Aspekte transparent auf dem Etikett und der Verpackung platziert werden.

Franchising

Das Start-up geht bei diesem Modell eine Kooperation mit einem großen Anbieter ein. Gegen eine monatliche Franchise-Gebühr erhält der Gründer das Recht, die Produkte des bekannten Herstellers zu vertreiben.

Es wird dabei vom Bekanntheitsgrad der Marke profitiert, eine gesonderte Markteinführung wird nicht notwendig. Zudem kann auf bewährte Strukturen zurückgegriffen werden. Viele Franchise-Geber stehen ihren Geschäftspartnern als Berater zur Verfügung. Der Franchise-Nehmer profitiert von den günstigen Einkaufspreisen, die der Franchise-Geber aufgrund seiner Marktmacht zu erzielen fähig ist.

Dropshipping

Dieses Modell besticht durch seine simplen Geschäftsabläufe. Sowohl die Lieferung an den Kunden als auch die Zahlung werden vom Hersteller abgewickelt. Der Online-Händler ist zwischengeschaltet und erhält für seine Verkäufe eine Provision. Ein Lager ist nicht notwendig, die Einnahmen bei diesem Geschäft bleiben allerdings recht überschaubar.

Investment in Cannabis-Aktien

Vor allem auf dem nordamerikanischen Kontinent sind schon einige Unternehmen an der Börse notiert, weil dort der Cannabismarkt schon ab 2018 weitestgehend liberalisiert wurde. In Deutschland gelang das mit SynBiotic bisher nur einer Firma, die im Cannabis-Geschäft tätig ist. Einige weitere Unternehmen sitzen in den Startlöchern und warten darauf, dass die Legalisierung in trockene Tücher gelegt wird. Von den folgenden Unternehmen können schon Aktien erworben werden:

  • Tilray: Das Unternehmen wurde 2013 gegründet und ist auf die Herstellung medizinischen Cannabis spezialisiert. Tilray beliefert weltweit Apotheken, Ärzte, Krankenhäuser, Behörden und Forschungseinrichtungen. Die Firma engagiert sich führend in der Erforschung und Herstellung von Cannabinoiden, die sich zu Therapiezwecken eignen.
  • Canopy Growth: Das 2014 in Kanada gegründete Unternehmen vertreibt Cannabisgeräte, Hanf und bietet die verschiedensten cannabishaltigen Produkte an. Die Unternehmensgruppe ist inzwischen auf allen fünf Kontinenten aktiv. Die Erweiterungen fanden zu einem großen Teil durch Übernahmen statt.
  • SynBiotic: Die Münchner haben bisher als einziges deutsches Cannabis-Unternehmen den Sprung an die Börse gewagt. Das Unternehmen nimmt für sich in Anspruch, die gesamte Wertschöpfungskette vom Anbau bis zum Vertrieb abzudecken. Dabei wird versucht, die stärksten Unternehmen der Branche unter einem Dach zu vereinigen.

Fazit

Cannabis wird in Deutschland als ein schlafender Riese angesehen, der aufgrund seines gewaltigen Potenzials Milliardenumsätze und Zehntausende von Arbeitsplätzen verspricht. Doch solange das Cannabis-Verbot wie ein Damoklesschwert über der Branche droht, wird die Entwicklung künstlich gehemmt. Dass es anders geht, zeigt ein Blick über den großen Teich nach Nordamerika, wo seit der Legalisierung viele Start-ups aus dem Boden schießen.

Green Manufacturing

Wenn digitalisieren, dann bitte nachhaltig statt „nur“ mit Blick auf die Quick-Wins.

Die Digitalisierung in Industrie und produzierendem Gewerbe schreitet unaufhaltsam voran. Motiviert von der Aussicht auf mehr Effizienz im Produktionsprozess und damit verbundenen Kosten- sowie Wettbewerbsvorteilen, setzen immer mehr Unternehmen Technologien, etwa aus den Bereichen Sensorik oder künstliche Intelligenz, ein. Sie rühmen sich mit dem Prädikat „Green Manufacturing“. Dabei schauen die meisten nur auf den unmittelbaren ökologischen und ökonomischen Nutzen. Was hingegen fehlt, ist die Berechnung der Gesamtbilanz dieser Digitalisierungsmaßnahmen und der Weitblick in Sachen Nachhaltigkeit.

Viele Digitalisierung-Projekte in Industrieunternehmen zielen auf Quick-Wins ab: Ergebnisse müssen schnell eintreten und Kostenreduktionen direkt in den Büchern ersichtlich werden. Nur so, meinen viele, ließen sich Investitionen in digitale Lösungen rechtfertigen. Die Frage ist jedoch: Ist der gewählte Ansatz tatsächlich langfristig effektiv und auch nachhaltig? Hat man mit dem ersten Projekt nämlich eine „falsche“ Richtung eingeschlagen, die nur kurzfristig Vorteile bietet, aber sich nicht mit zukünftigen Anforderungen vereinbaren lässt, ist ein Kurswechsel ebenso aufwendig wie teuer. Es geht also nicht nur darum, Produktionsprozesse effizienter zu machen, sondern Nachhaltigkeit von Anfang an mitzudenken und dies in einem ganzheitlichen Ansatz von Green Manufacturing münden zu lassen.

Was ist Green Manufacturing?

Als Green Manufacturing bezeichnet man die umweltfreundliche und ressourcenschonende Gestaltung von Produktionsprozessen, beispielsweise im Hinblick auf Energieverbrauch oder Schadstoff-Emission, und der Produkte selbst, etwa bezogen auf die verwendeten Materialien. Entscheidend ist, dass alle Produktionsprozesse überprüft werden, um eine Beeinträchtigung, Ausbeutung oder gar Schädigung von Mensch und Umwelt präventiv zu vermeiden. Dabei spielt es nicht nur eine Rolle, welche Outputs, zum Beispiel Schmutzwasser, Abfall oder Treibhausgase, ein Unternehmen produziert, sondern auch woher der Input stammt – von den Materialien bis hin zu den genutzten Wasser- und Energiequellen.

Die fünf Prinzipien von Green Manufacturing

  • Ganzheitliche Betrachtung des Produktionssystems
  • Prüfung von Prozessen bis ins kleinste Detail (vertikal) und von Anfang bis Ende (horizontal)
  • Verringerung schädlicher In- und Outputs im Produktionssystem (z.B. Carbon Footprint)
  • Reduktion des Ressourcenverbrauchs bzw. positive Ressourcen-Bilanz
  • Berücksichtigung von Langzeiteffekten

Aspekte nachhaltig „grüner“ Produktionsprozesse

Smarte Technologien im Rahmen einer modernen IT-Infrastruktur können den Ansatz des Green Manufacturing durchaus unterstützen, indem sie einerseits dabei helfen, den Produktionsprozess transparent zu machen sowie Potenziale für die Reduktion schädlicher In- und Outputs oder für Ressourceneinsparungen zu identifizieren. Hier spielen beispielsweise Sensoren eine zentrale Rolle. Andererseits gestatten es digitale Lösungen, den Prozess selbst – etwa durch softwaregestützte Automatisierung oder unter Einsatz künstliche Intelligenz – zu optimieren, den Ressourcenverbrauch zu minimieren und schadstofflastige Teilprozesse gänzlich obsolet zu machen. Was Unternehmen dabei nicht vergessen dürfen: Die Prinzipien des Green Manufacturing beinhalten eine zeitliche Komponente: Bei aller „grün“-motivierten Modernisierung und Digitalisierung gilt es daher, den Energieverbrauch von digitalen Lösungen, den ökologischer Fußabdruck entlang der gesamten Wertschöpfungskette und langfristige Effekte für Mensch und Umwelt zu bedenken. Das bedeutet, Nachhaltigkeit gewinnt nicht nur an Bedeutung, sondern verlangt von Unternehmen auch, immer weiter in die Zukunft zu denken.

Beispiel: Green Manufacturing in der Zerspanungstechnik

Der Weitblick in Sachen Nachhaltigkeit erfordert zwar initial Investitionen, mindert aber die Kosten, die bei einem späteren Kurswechsel oder etwaigen Anpassungen auftreten. Als Beispiel fungiert hier eine industrielle Zerspanungsanlage, die ein Maschinenbauer bei seinen Kunden aufstellt und wartet. Natürlich entwickelt und produziert der Hersteller diese Anlage nach den aktuellen Bedürfnissen seiner Kunden, aber was ist mit zukünftigen Anforderungen? Insbesondere im Bereich Nachhaltigkeit? Hier können nämlich Sensoren in den Maschinen relevante Produktionsdaten erfassen: den Materialverbrauch, die Ausschussmenge, die Abnutzungserscheinungen der Zerspanungsmesser sowie Wartungs- und Stillstandzeiten.

Diese Informationen helfen dem Hersteller dabei, die Anlagen so zu optimieren, dass sich zum Beispiel die Lebensdauer der Bauteile verlängert, weniger Produktionsausschuss entsteht oder der Energieverbrauch deutlich sinkt. Ein Nachrüsten solcher Sensoren (sowie die Implementierung der nötigen Übermittlungs- und Analyse-Software) ist zwar möglich, erfordert aber Kosten und Zeit, die die Kunden womöglich nicht aufwenden wollen. Beginnt der Anlagenbauer jedoch frühzeitig, die Anlagen dieser Baureihe mit Sensoren auszustatten und deren Mehrwert gegenüber den Kunden schon im Vertriebsgespräch zu verdeutlichen, profitieren er wie auch die Zerspanungsunternehmen selbst von immensen Kosteneinsparungen im Produktionsprozess.

Benefits: Kostenersparnis, Fachkräftebindung und Wettbewerbsvorteile

Zwar ist Digitalisierung häufig getrieben vom Wunsch nach unmittelbarer Effizienzsteigerung und Kostenreduktion. Doch im Zusammenhang mit Green Manufacturing stehen Kosten in einem viel größeren Verhältnis – nämlich im Vergleich zu langfristigen Ressourceneinsparungen, nachhaltigen Prozessen sowie zukunftsfähigen Produkten und Lösungen. Dafür braucht es jedoch Weitsicht und Geduld, um die Digitalisierung nachhaltig zu gestalten und nicht durch Schnellschüsse sowie spätere Kurskorrekturen unnötig Geld zu verschwenden. Außerdem ermöglichen sorgfältig und nachhaltig digitalisierte Prozesse eine kürzere Time-to-Market bei gleichzeitiger Ressourcenschonung, was die Kosten weiter senkt.

Zugleich sind Digitalisierung und Nachhaltigkeit zunehmend ein Image-Thema für die Arbeitgebermarke, insbesondere für Branchen, die von hoher Fluktuation oder akutem Fachkräftemangel betroffen sind. Denn nachhaltige Unternehmen und Projekte ziehen Mitarbeitende an und können diese länger halten, weil das Thema gesellschaftlich relevant ist und weil die eigene Arbeit – insbesondere bei jüngeren Arbeitnehmer-Generationen – mehr Sinn stiften soll. Aber auch in hart umkämpften Marktsegmenten und im Wettbewerbsumfeld kann Nachhaltigkeit bzw. Green Manufacturing den Unterschied machen zwischen Abschluss und verpasster Verkaufschance. Denn Kunden und Lieferanten, die sich selbst „grüner“ aufstellen wollen, legen zumeist auch Wert auf Geschäftspartner, die sich dem gleichen Ziel verschrieben haben.

Green Manufacturing richtig definieren und etablieren

Erfolgsentscheidend für Unternehmen und für das Gelingen von Green Manufacturing ist, eine solide und zukunftsfähige Basis zu schaffen. Das heißt, Unternehmen müssen damit beginnen, Ihre Produktionsprozesse vor dem Hintergrund des Green Manufacturing zu überprüfen und neu zu definieren. Daraufhin offenbaren sich zumeist neue Anforderungen – an die Technologie, um etwa Produktionsdaten erfassen zu können, oder an ein digitales Geschäftsmodell, um eine Produktinnovation überhaupt am Markt oder in Wertschöpfungsketten einbinden zu können. Bei Green Manufacturing geht es zudem darum, weg vom Prototyping hin zu ressourcenschonender, virtueller Simulation – etwa durch den Einsatz digitaler Zwillinge – zu gelangen. Doch die neuen Anforderungen klar zu definieren und sie sukzessive umzusetzen, ist keine Aufgabe, die sich von einer Stelle im Unternehmen aus – ob Management, Produktion oder IT – bewältigen lässt, ganz gleich, wie stark die Innovationskraft in diesem Bereich ist.

Nicht zu unterschätzen: Faktor Mensch

Dass die Technologie der Schlüssel ist, mag nur dann stimmen, wenn alle im Unternehmen bereit sind, durch die damit geöffnete Tür hindurchzugehen. Folglich gilt es, die Belegschaft von Beginn an für das Vorhaben „Green Manufacturing“ zu begeistern und in die einzelnen Entwicklungsschritte einzubeziehen. Auch hier ist Weitblick gefragt: Nicht nur, dass ein gemäßigtes und nachhaltigeres Vorgehen die Mitarbeitenden leichter abholt, es beweist auch die Ernsthaftigkeit des Vorhabens. Denn das eigene Team durchschaut Schnellschüsse, Insellösungen und plumpe Effekthascherei als erstes. Neben den Mitarbeitenden erfordert ein professioneller Aufbau von Green Manufacturing einen kompetenten Partner, der sowohl das erforderliche IT-Know-how mitbringt, aber auch die Erfahrung im Bereich Nachhaltigkeit in der Produktion – mit allem, was dazugehört. Besonders hilfreich ist es, wenn der Partner selbst ein nachhaltiges und gemeinwohlorientiertes Unternehmen ist und die nötige Flexibilität im Hinblick auf spezielle und sich rasch verändernde Anforderungen mitbringt. Hier können Business-Ökosysteme gegenüber globalen Anbietern oder Software-Herstellern punkten.

Fazit: Der Weg ins „Grüne“ ist lang – doch er lohnt sich

Ob es nun darum geht, mittels Sensortechnik wertvolle Daten im Produktionsprozess zu sammeln, oder darum, IT-Komponenten und Software-Lösungen für die Analyse zu entwickeln – moderne Technologien sind die Grundpfeiler für nachhaltige und nachhaltig digitale Prozesse. Das Konzept des Green Manufacturing gestattet allerdings keine Insellösungen mehr oder gar Schnellschüsse. Vielmehr geht es darum, die Produktionsprozesse komplett zu durchdenken und Nachhaltigkeit ganzheitlich sowie mit Weitblick angehen. Damit werden die beliebten Quick-Wins womöglich etwas kleiner ausfallen, dafür sind die langfristigen Erfolge enorm. Denn mit einer durchdachten, agilen und weitsichtigen Vorgehensweise werden die Mehrwerte deutlich spürbar: Neue Mitarbeitende kommen gern ins Unternehmen und bleiben auch länger, die Kosteneffizienz ist auf lange Sicht deutlich besser und Unternehmen können sich nicht nur optimal im Wettbewerb positionieren, sondern auch sicher für die Zukunft aufstellen.

Der Autor Jonas Grundler ist Head of New Business Development und Senior Managing Consultant bei der Novatec Consulting GmbH. Seit 2011 berät er Kund*innen bei Digitalisierungsprojekten und stärkt so deren Innovationskraft und Kreativität.

Anlegen per Smartphone: Generation Neobroker

Neo- und Smartphone-Brokern wollen einen leichten Einstieg in den Handel mit Wertpapieren und einen unkomplizierten Zugang zu lukrativen Geldanlagen ermöglichen.

Neo- und Smartphone-Broker erfreuen sich einer immer größer werdenden Beliebtheit. Sie bestechen durch zahlreiche Vorteile und ermöglichen einen leichten Einstieg in den Handel mit Wertpapieren. Gleichzeitig sind sie bestrebt, eine Demokratisierung des Aktienmarktes voranzutreiben. Der unkomplizierte Zugang zu lukrativen Geldanlagen wird dadurch für zahlreiche Menschen ermöglicht.

Was ist ein Neobroker?

Bei Neobrokern handelt es sich um eine ganz neue Generation der Online-Broker. Dies wird auch anhand der Namensgebung deutlich. „Neo“ bedeutet so viel wie neu. Ein Neobroker ist somit ein neuer Broker. Der Fokus von Neobrokern liegt dabei auf innovativen Konzepten, welche Anlegern einen einfachen Einstieg und Handel mit Wertpapieren ermöglichen möchten. Der umfängliche Neobroker Vergleich etwa von Finanzwissen.de hilft dabei, den passenden Neobroker für einen schnellen und unkomplizierten Einstieg in das Brokergeschäft zu finden. Gleichzeitig bieten die neuen Broker lukrative Angebote, wodurch dem Wertpapierhandel neues Leben eingehaucht werden kann.

Neobroker oder klassischer Broker?

Die Generation Neobroker befindet sich auf dem Vormarsch. Vielen Anlegern und Interessierten ist jedoch gar nicht bewusst, worin sich der neue Broker von einem klassischen Broker unterscheidet. Aufgrund dessen steht oftmals die Frage im Raum: „Was ist der Unterschied zwischen einem Neobroker und einem klassischen Broker?“. Die Frage lässt sich jedoch leicht beantworten. Neo- und Smartphone-Broker bieten eine fokussierte und neuartige Herangehensweise an. Der Fokus liegt auf einem dedizierten Bereich des Wertpapierhandels. Herkömmliche Broker sind hingegen breit aufgestellt, sodass aus einem großen Angebot aus Dienstleistungen und Tradingmöglichkeiten ausgewählt werden kann. Diese Herangehensweise kann insbesondere für Neueinsteiger überfordernd sein.

Da sich Neobroker im Gegenzug auf bestimmte Bereiche, wie den ETF-Sparplan spezialisiert haben, bestechen sie im Brokergeschäft durch Expertise und fachliche Kompetenz. Wichtig ist aber zu wissen, dass sich Smartphone-Broker meist ausschließlich auf mobile und digitale Anwendungen spezialisiert haben. Neobroker haben sich zudem zum Ziel gesetzt, dass sie eine Demokratisierung des Aktienmarktes vorantreiben möchten. Im Umkehrschluss bedeutet das einen einfachen und unkomplizierten Zugang zu Regionalbörsen und den unterschiedlichen Tradingmöglichkeiten. Das Ziel ist es, dass möglichst viele Menschen einen Zugang zu Geldanlagen mithilfe des umfangreichen Vergleichs haben. Die neuen Broker können Anlegern zudem den Handel mit Wertpapieren zu günstigen Konditionen anbieten.

Doch warum können Neobroker im Vergleich zu Banken so günstige Gebühren anbieten? Neo- und Smartphone-Broker finanzieren sich durch Provisionen, welche sie von Handelsplätzen oder Börsen erhalten. Konnte ein passender Broker im Neobroker Vergleich gefunden werden, so wird eine Aktie gekauft. Für diesen Kauf über einen Handelsplatz erhalten die neuen Broker eine Vergütung. Das ist der Grund, warum sie moderate Gebühren anbieten können und auch für Einsteiger besonders interessant sind. Des Weiteren liegt der Fokus auf dem Kerngeschäft, sodass Kosten für Personal oder einen Standort eingespart werden können. Die Rechnung ist dabei einfach. Je geringer die Kosten ausfallen, desto kostengünstiger kann der Service angeboten werden.

Die Vorteile im Überblick

Neobroker sind nicht nur für Einsteiger besonders interessant, sondern auch für erfahrene Anleger. Erfahrene Anleger sollten zudem aufgrund der Preisrevolution einen Depotumzug in Betracht ziehen. Die Vorteile im Überblick helfen bei der Entscheidungsfindung und ermöglichen eine neuartige Finanzierungsmöglichkeit.

  • Der Einstieg: Mithilfe eines Neobrokers erhalten sowohl Einsteiger als auch routinierte Anleger einen vereinfachten Einstieg in das Brokergeschäft und den Handel mit Wertpapieren. Gleichzeitig erfolgt dadurch eine Demokratisierung des Aktienmarktes, wodurch auch Einsteiger eine bessere Chance erhalten.
  • Die Preisrevolution: Ein klarer Vorteil liegt eindeutig in der Preisrevolution. Mussten Anleger einst eine Mindestordergröße von 1.000 Euro vorweisen, liegt die Mindestordergröße bei einem Neobroker meist zwischen 100 und 500 Euro. Des Weiteren bieten die neuen Broker ihren Service zu günstigen Konditionen an, welches auch in den Gebühren für Ausführungskurse deutlich wird.
  • Transparenz und Struktur: Durch den Handel mit Wertpapieren vom Smartphone aus, haben Anleger ihre Finanzen und Geldanlagen stets im Blick. Dies ermöglicht ein schnelles Reagieren auf Veränderungen an den Regionalbörsen. Gleichzeitig ist die Oberfläche benutzerfreundlich und übersichtlich.

So findet man den passenden Neobroker

Auch wenn der Handel mit Wertpapieren außerhalb der normalen Handelszeiten lukrativ ist, sollte der Online-Broker mit Bedacht ausgewählt werden. Ein umfangreicher Neobroker Vergleich unterstützt bei der Entscheidungsfindung. Schließlich passt nicht jeder Broker zu jedem Anleger. Bei der Wahl des Neobrokers sollten die Kosten das wichtigste Kriterium darstellen. Dazu zählen sowohl die Ausführungskurse als auch die Mindestordergröße. Des Weiteren sollte darauf geachtet werden, welche Handelsplätze ein Broker anbietet. Viele Neobroker fokussieren sich dabei auf Regionalbörsen und bieten überwiegend zwischen einem und zwei Handelsplätzen an.

Ebenfalls relevant ist die Angebotspalette. Hierfür ist es wichtig zu wissen, mit welchen Wertpapieren gehandelt werden soll. Die Angebotspalette der meisten Neobroker umfasst den Handel mit Aktien, ETFs, Optionsscheinen sowie Krypto-ETFs und Hebelprodukten. Investition statt Inflation ist wichtig, jedoch sollte die ausgewählte Geldanlage auch zu den persönlichen Anforderungen und Möglichkeiten passen.

Bei dem Handel mit Wertpapieren sollte zudem ein besonderes Augenmerk auf die mögliche Rendite gelegt werden. Ein Depotumzug kann sich als lohnend erweisen, wenn das neue Depot über günstige Gebühren sowie hervorragende Leistungen verfügt.

Fazit

Neobroker stellen eine optimale Alternative zu klassischen Brokern dar. Sie zeichnen sich durch günstige Gebühren wie die Ausführungskurse, individuelle Investitionsmöglichkeiten sowie einen einfachen Einstieg in den Wertpapierhandel aus. Vor der Entscheidungsfindung wie bei einem Depotumzug sollte jedoch ein umfänglicher Neobroker Vergleich angestrebt werden. Dieser hilft dabei, den passenden Online-Broker zu finden.

desenrasco: Ein Schuh fürs Leben

Bianca Both und Matthias Janßen haben als Quereinsteiger*innen mit ihrem Schuh-Start-up desenrasco eine Nische besetzt. Mehr dazu im Interview mit Bianca.

Wie seid ihr beiden auf die Idee zu desenrasco gekommen?

Matthias und ich widmen uns als Quereinsteiger*innen dem Thema Schuhe mit einem neuartigen Fokus. Mitten in der Pandemie haben wir uns selbständig gemacht und in diese Haifisch-Branche gewagt. Bis vor ein paar Jahren ärgerten wir uns ständig darüber, dass unsere Schuhe so schnell schlapp gemacht haben. Mit unserem Hund sind wir sehr viel unterwegs und konnten nach einem halben Jahr unsere Schuhe wegwerfen. Eine Reparatur war meistens nicht möglich. Alternativen, die länger halten, haben wir nur im Businessbereich gefunden. Das passt aber nicht so gut zu uns. Wir wollten ein natürliches Produkt, dass nachhaltig ist und lange hält.

Da wir nicht fündig geworden sind, mussten wir selbst aktiv werden. Mehr oder weniger zufällig haben wir die Eigentümer unserer jetzigen Partnermanufaktur in unserem Lieblingsland Portugal kennengelernt und waren fasziniert von ihrer Arbeit. Über mehrere Jahre sind so die Idee und der Plan eines eigenen Unternehmens gewachsen.

Was macht eure Schuhe so besonders?

Wir haben mit unserer Marke eine Kollektion geschaffen, die natürliche Alltagsbegleiter anbietet – gemacht für die Ewigkeit. Unsere Schuhe fühlen sich beim Meeting genauso wohl wie bei der anschließenden Tour mit dem Hund über die Felder. Nachhaltigkeit bedeutet für uns die Verbindung von nachhaltigen Materialien, fairer Produktion, zeitlosen Designs und Langlebigkeit. Was nützt ein Schuh aus recycelten Materialien, wenn er nur ein halbes Jahr hält? Wir setzen auf die hochwertigste und langlebigste Machart in der Schuhbranche – unsere Schuhe sind alle rahmengenäht. In unserer Partnermanufaktur fertigen rund 20 Mitarbeitende schon seit Generationen hochwertige, rahmengenähte Schuhe.

Unsere Schuhe sind keine Massenware, sondern jeder Schuh wird in bis zu vier Stunden Handarbeit nach alter Handwerkskunst gefertigt. Das macht jeden Schuh zu einem Unikat. Unsere Alltagsbegleiter sind bei guter Pflege über viele Jahre an eurer Seite. Das Tolle an dieser Machart ist, dass sich die Sohle nicht vom Oberleder lösen kann und zwischen Brandsohle und Laufsohle ein tolles Korkfußbett verbaut wird, in welches man seinen individuellen Fußabdruck hineinläuft. Zusätzlich verwenden wir ausschließlich pflanzlich gegerbtes Leder aus einer Familiengerberei in Portugal. Das ist gesünder, umweltfreundlicher und naturbelassener als die klassische Chromgerbung. Unser Leder wird zudem nicht künstlich gedeckt, man nennt das auch gefinished, sondern bleibt atmungsaktiv und natürlich schön. All unsere Lieferwege sind transparent und europäisch. Wir sind sehr konsequent bei der Auswahl der Materialien, Langlebigkeit ist dabei unsere höchste Anforderung an alle Materialien.

Mit rahmengenähten Lederschuhen verbindet man gern den Manager im Büro. Ist das eure Zielgruppe?

Nicht wirklich. Der Manager kauft unsere Schuhe zwar auch, aber mit einem anderen Ziel. Das Tolle an desenrasco ist, dass wir zeitlose, rahmengenähte Schuhe fertigen, die aber mit Natürlichkeit und Alltagstauglichkeit punkten. Diese Kombination ist auf dem Markt einzigartig! Das pflanzlich gegerbte Leder entwickelt eine tolle Patina und ist komplett naturbelassen. Von Lack und Leder sind wir weit entfernt. Unsere Schuhe wollen nicht geschont, sondern getragen werden! Unser(e) Kund*in kann ein Selbständiger sein, der nach dem Meeting noch mit dem Hund in den Wald fährt, oder eine Ärztin, die nach einem langen Tag mit dem Rad noch eine Runde dreht und ihren Füßen etwas Gutes tun möchte. Es kann auch der junge Backpacker sein, der bequeme und lang­lebige Schuhe braucht, oder die junge Mutter, die den ganzen Tag auf den Beinen ist. Allen ist gemeinsam, dass sie unsere Werte teilen und auf sich selbst und ihre Umwelt Acht geben.

Wo findet man eure Schuhe?

Unsere Schuhe findet man in unserem Onlineshop und bei ganz unterschiedlichen Händler*innen. Vom Schuhhaus mit einem Blick für Hochwertigkeit bis hin zur Boutique oder zum Gesundschuhgeschäft sind wir querbeet vertreten. Unsere Händler*innen erkennen unseren Mehrwert. Rahmengenähte Schuhe, die nur auf schick getrimmt sind, brauchen in Zeiten vom Home Office und legerer Kleidung immer weniger Menschen. Gleichzeitig suchen die Kund*innen immer mehr nach Schuhen, die nachhaltig sind und der eigenen Gesundheit guttun. Unser Korkfußbett und sehr gute, entspannte Passformen machen unseren Schuh zum idealen Begleiter. Gleichzeitig unterstützen wir die Händler*innen mit guten Margen und einem Produkt, das die Themen der Zeit aufgreift. Gerade im Moment steigen für die Händler*innen die Kosten enorm und sie müssen sich heute spezialisieren und etwas Besonderes bieten, um zu bestehen. Wir freuen uns sehr, wenn wir unseren Teil dazu beitragen können.

Eure Schuhe sind keine Schnäppchen. Wie seid ihr auf den Preis gekommen?

Da stellst du eine gute Frage. Unser Preis ergibt sich aus den Anforderungen, die wir an unser Produkt gestellt haben. Pflanzlich gegerbtes Leder, eine super langlebige Verarbeitung und keine Ausbeutung in der gesamten Lieferkette. Wir sagen immer: Unsere Schuhe sind nicht preiswert, aber definitiv ihren Preis wert. Wer unsere Schuhe kauft, spart langfristig. Denn du musst jetzt nicht mehr jede Saison neu kaufen, um bei aktuellen Trends mitzuhalten. Und du musst auch nicht alle paar Monate neue Schuhe kaufen, weil deine alten kaputt sind. Du kaufst bei uns echte Begleiter. Unsere Kund*innen sind nicht alle Topverdiener*innen, sondern zumeist schlicht und ergreifend Menschen, die unsere Werte teilen und Lust auf Qualität und Nachhaltigkeit haben.

Das klingt schlüssig. Wie kommt ihr mit eurem Konzept am Markt an?

Wir freuen uns sehr, wie gut unser Konzept vom Markt aufgenommen wird. Gerade im Vertrieb über den Einzelhandel sind wir unbedarft an die alten Strukturen rangegangen, und das kommt gut an. Die Branche folgt manchmal verstaubten Mustern mit festen Order-Zyklen, großen Verbänden, Mindestmengen und starren Regeln. Da machen wir nicht mit und arbeiten mit unseren Händler*innen einfach so zusammen, wie es uns gefällt. Mit dieser authentischen und unkonventionellen Art stoßen wir auf viel positive Resonanz.

Unser Produkt liefert zudem Antworten auf wichtige Fragen der heutigen Zeit. Wo kommt es her? Unter welchen Bedingungen wird es gefertigt? Wie wirkt sich mein Konsum auf die Umwelt aus? Wir finden es klasse, wie viele Händler*innen den Trend der Zeit erkennen und unsere Werte und Einstellungen teilen. Dadurch entsteht eine ganz tolle positive Zusammenarbeit, die uns viel Spaß macht.

Und last but not least: Bianca – welche Tipps hast du für andere Gründer*innen aus eigener Erfahrung?

  • Verliert euch nicht in zu vielen Details und Perfektion: Dazu neige ich auch manchmal, aber das kostet viel zu viel Zeit und lohnt sich nicht. Habt immer eure Vision vor Augen und lasst euch nicht entmutigen! Mitten in der Pandemie zu starten, war nicht die leichteste Herausforderung, aber auch das geht.
  • Baut euer Unternehmen unbedingt auf Prozesse und Produkte auf, hinter denen ihr zu 100 Prozent steht: Nur dann bringt ihr auch die nötige Begeisterung und das Durchhaltevermögen mit. Habt keine Angst vor Themen, bei denen ihr euch nicht auskennt: Man kann sich überall einarbeiten.
  • Das Wichtigste: Bleibt nicht in eurer Seifenblase, sondern holt euch immer wieder Feedback – von Kund*innen, Freund*innen, Bekannten und Unterstützer*innen.

Das Interivew führte Hans Luthardt

CLAIMD: Der Creator-Economy-Booster

Die CLAIMD-Gründer Frederic Nachbauer und Christian Behrens wollen mit ihrer Plattform mehr Transparenz und Teilhabe in das Influencer-Marketing bringen.

Influencer-Marketing – dabei denken die meisten an Stars mit einer riesigen Reichweite wie Pamela Reif oder Dagi Bee, die enorme Summen für Produktplatzierungen erhalten. In den letzten Jahren hat sich das Feld jedoch stark weiterentwickelt: Allein von 2019 bis 2021 haben sich laut Forbes die Ausgaben für Influencer Marketing mehr als verdoppelt (auf 13,8 Milliarden US-Dollar).

Auch der Fokus hat sich gewandelt: Marken haben erkannt, dass sich neben den Mega-Influencer*innen die Zusammenarbeit mit kleineren Accounts lohnt. Diese haben zwar weniger Follower*innen, interagieren aber stärker und sind glaubwürdiger. Oft spezialisieren sie sich auf bestimmte Themen wie Fitness, Craft Beer oder vegane Rezepte. Durch Kooperationen mit ihnen können Marken spitzere Zielgruppen erreichen. In der Branche spricht man von Nano-Influencer*innen (ab 1000 Follower*innen) und Micro­Influencer*innen (ab 10.000 Follower*innen).

Das Freiburger Start-up CLAIMD der Gründer Frederic Nachbauer und Christian Behrens will die nächste Stufe in dieser Entwicklung einläuten. Es möchte allen, die Inhalte auf Social Media erstellen – also Content Creators – ermöglichen, die eigene Reichweite zu Geld zu machen – auch solchen, die nur 100 Follower*innen haben. Dafür hat CLAIMD eine Plattform entwickelt, die Con­tent Creators und Werbetreibende direkt miteinander verbindet.

Social Media braucht ein Update

„Wir ermöglichen eine neue Art von Social-Media-Werbung, von der beide Seiten profitieren“, sagt CEO Christian. „Content Creators sind als Markenbotschafter besonders glaubwürdig. Mit ihnen erreichen Marken Zielgruppen, die sie durch klassische Social-Media-Werbung oder mit großen Influencern nicht erreicht hätten.“

Christian hat einen langjährigen Background im Influencer-Marketing und Künstler*innenmanagement. Er war jahrelang in der Musikbranche tätig und gründete die MNTCI-Gruppe, eine Marketingagenturgruppe. Er ist außerdem Geschäftsführer der zugehörigen Agentur Project Z, die sich auf Kommunikation für die Generation Z spezialisiert hat. Hier gelangte er zur Überzeugung, dass es ein neues Werbemodell braucht, das Werbetreibende und Creators näher zusammenrückt. „Unser Ziel ist nichts weniger, als die Werbung in den sozialen Medien neu zu erfinden“, so Christian.

Werbung in der eigenen Community

Die Plattform von CLAIMD ging im März 2021 nach einer zwölfmonatigen Entwicklungszeit online. Sie funktioniert wie folgt: Werbetreibende stellen eine fertige Anzeige auf die Plattform (als Bild oder Video). Anhand von Kriterien wie Alter und Interessen bestimmen sie, welche Creators die Anzeige angezeigt bekommen. Außerdem legen sie ihr Budget und den CPM (Preis pro 1000 Views) fest, den sie zahlen wollen. Passende Creators können die Anzeige dann auswählen (claimen) und in ihre Story posten. 24 Stunden später reporten sie, wie viele Views ihr Post hat und bekommen den entsprechenden Wert gutgeschrieben. Für eine Anzeige mit 1000 Views sind das zwischen 5 und 30 Euro. CLAIMD verdient, indem es 15 Prozent als Gebühr berechnet. Aktuell ist das Angebot auf Instagram, WhatsApp-Stories und TikTok ausgelegt. Weitere Plattformen mit Story-Format sollen folgen. Für die technische Umsetzung ist Co-Gründer und CTO Frederic verantwortlich.

„Niemand kennt die eigene Community so gut wie die Creators selbst. Sie wissen, was sie interessiert und was gut ankommt“, sagt Christian. „Darum suchen sie über unsere Plattform genau die Anzeigen aus, die zu ihrer Community und zu ihrem Content passen. Für Werbetreibende erübrigt sich die aufwändige Abstimmung mit einzelnen Creators. Man könnte auch sagen: Wir standardisieren das Influencer-Marketing.“  Zu den Marken, die Werbung über die Plattform schalten, gehören ein Beauty-Shop und eine große Fitness-Gruppe. Auch eine Kooperation mit Ticket-Verkäufern ist geplant.

Die Idee, dass auch „normale User*innen“ Werbung schalten, ist zwar nicht neu. Bisherige Angebote bieten aber lediglich Rabatte für Posts über gekaufte Produkte an. Bei CLAIMD gibt es echtes Geld. Andere Influencer*innen-Plattformen sprechen wiederum nur reichweitenstarke Creators an.

Die Creator Economy: Das nächste Level des Internets?

Christian sieht CLAIMD als Beitrag zu einer größeren Bewegung: der Creator Economy. „Das Problem mit Social-Media-Anbietern ist, dass sie diejenigen, die die Inhalte erstellen, nicht für ihre Arbeit entlohnen. Stattdessen kassieren sie selbst sämtliche Werbeeinnahmen, die Creators sind kosten­lose Arbeitskräfte.“

Die Verfechter der Creator Economy wollen das ändern. Der Begriff beschreibt allgemein die Möglichkeit für Einzelpersonen, mit dem Internet Geld zu verdienen – sei es mit ­Gaming-Videos, einem Newsletter oder mit Tutorials. Die Einnahmen kommen dabei durch kostenpflichtige Inhalte oder durch Werbekooperationen. Das Prinzip ist nicht neu, ist aber in den letzten Jahren, ausgehend von der Tech- und VC-Szene in den USA, zu einer ­großen Bewegung geworden. Viele Kreative sehen in der Creator Economy und deren Versprechen, sie angemessen für Ideen und Dienstleistungen zu entlohnen, eine wirklich alternative Wirtschaft, die mehr Selbstbestimmung ermöglicht.

Für die Creators sind die viel gescholtenen großen Plattformen aber nach wie vor essenziell: Für knapp drei Viertel der Creators ist Instagram die wichtigste Einnahmequelle. „Ohne die Plattformen funktioniert es derzeit nicht – darauf sind weder User*innen noch Werbetreibende eingestellt. Darum haben wir auch ein Geschäftsmodell entwickelt, dass Creators für Posts auf den Plattformen entlohnt“, sagt Christian.

Die Gen Z im Fokus

Besonders attraktiv für die Creator Economy ist die Gen Z. „Sie ist mit Social Media groß geworden, 80 Prozent teilen regelmäßig eigene Inhalte. Für diese Leute ist es völlig natürlich, dass Creators, denen sie folgen, Werbung ausspielen. Sie vertrauen auf sie, solange sie authentisch bleiben. Und auch mit einem eigenen Post nebenbei Geld zu verdienen, ist für sie sehr attraktiv“, so Christian.Als ein Beispiel nennt Christian die 18-jährige Sina, die auf Instagram vor allem über Pferde und Hunde postet und mit CLAIMD-Postings für eine Tierfuttermarke über 100 Euro verdient hat. Es müssen aber keine spezialisierten Accounts sein. Auch viele sogenannte Meme-Accounts nutzen die Plattform. Im Schnitt verdienen die Creators laut Angaben der Gründer auf CLAIMD zwischen 25 und 100 Euro pro Post. Seinen ganzen Lebensunterhalt mit Social Media zu bestreiten, bleibt also weiterhin den großen Influencern vorbehalten. Aber Frederic und Christian bieten vielen die Möglichkeit, an der Creator Economy teilzuhaben.

Christians Tipps für andere Gründer*innen

  • Testen, testen, testen: Wenn man technische Lösungen entwickelt, passieren zwangsläufig Fehler – die meisten sind schnell zu fixen, andere bringen einen um Wochen aus dem Zeitplan. Stell dich darauf ein, lass dich nicht entmutigen – und teste, was das Zeug hält. Mach dir immer klar, dass es für jedes technische Problem auch eine technische Lösung gibt, auch wenn du sie vielleicht noch nicht siehst. Wir haben ein Jahr lang entwickelt und getestet, bevor wir gestartet sind.
  • Fang früh mit Kundinnengesprächen an: Kund*innengespräche sind wichtig. Auch schon sehr sehr früh. Lass dein Produkt von Menschen challengen, die noch nie davon gehört haben. Nimm die Bedenken ernst und das Lob an. Und dann heißt es wieder: testen. Es wird der Punkt kommen, an dem du jede Frage kennst und eine gute Antwort parat hast. Das ist der Punkt, an dem dein Produkt für den Markt bereit ist.
  • Gehe deinen Zweifeln auf den Grund: Du wirst immer Zweifel haben. An deinem Produkt, deinem Team, an den Investor*innen und an dir selbst. Das Wichtigste ist, den Selbstzweifeln auf den Grund zu gehen. Dann lösen sie sich meistens auf – und mit ihnen alle anderen Zweifel.

Die Trinkgeld-Retter

Mit dem Bargeld stirbt das Trinkgeld: Die Vision des Münchner Start-ups eDrixx ist, allen Servicekräften mehr Trinkgeld zukommen zu lassen und damit die Dienstleistungsbranche zu einem attraktiveren Arbeitsumfeld zu machen.

Im Einzelhandel etwa werden nur noch 38,5 Prozent der Transaktionen über Scheine und Münzen abgewickelt. Der Anteil der Deutschen, die im Handel und im Dienstleistungssektor mit Bargeld zahlen, sackt von 2021 auf 2022 um zwölf Prozent ab. Soweit aktuelle Erhebungen.

Für viele Verbraucher bedeutet dies ein Mehr an Convenience, doch für Deutschlands Dienstleistungsgewerbe wird der Trend hin zur bargeldlosen Bezahlung zu einer echten Herausforderung. Nämlich immer dann, wenn es um Trinkgeldzahlungen geht.

Die Krux mit dem Trinkgeld

Für Arbeitgebende, weil sie sich in einer steuerlichen Grauzone befinden und einen immens hohen Aufwand haben, wenn sie Trinkgeldzahlungen per Karte akzeptieren. So müssen diese Trinkgelder aus den Abrechnungen des Unternehmens herausgerechnet und bar verteilt werden.

Für Arbeitnehmende, weil sie häufig zu wenig oder gar kein Trinkgeld bekommen. Etwa, wenn der Gast kein oder kaum Bares dabeihat oder auch, wenn Servicekräfte (zum Beispiel Küche) für den Gast gar nicht sichtbar sind.

Einfach, innovativ, effizient

Genau hier setzt das Münchner Start-up eDrixx an. Das Unternehmen bietet europaweit die gleichnamige digitale Trinkgeldlösung, die alle oben genannten Hürden überwindet. Sie ermöglicht die transparente, faire und direkte Zahlung von Trinkgeld per Mobile Payment auf das Konto der jeweiligen Servicekraft – ohne Umwege über die Konten des Betriebs – so, wie es auch vom Gesetzgeber gedacht ist. Ganz einfach per QR Code oder NFC Tag vor Ort.

Trinkgeldgebende müssen sich weder registrieren noch eine App herunterladen – bezahlt wird wahlweise über Apple Pay, Google Pay oder Kreditkarte. Die Servicekraft identifiziert sich dabei über einen QR-Code. Alternativ oder auch ergänzend können die Mitarbeitenden entsprechende NFC Tags mit sich tragen. Auch digitale Team-Kassen sind möglich. Durch die Digitalisierung von Trinkgeld entstehen auch neue Möglichkeiten, z.B. Trinkgeld auch direkt an Küchenteams für ein besonders leckeres Essen zu geben.

eDrixx liefert die technologische Lösung und unterstützt auch bei der Bereitstellung der Infrastruktur vor Ort – von NFC Tags wie z.B. Armbändern und den QR Codes über Aufsteller bis hin zu Infoflyern in der jeweiligen CI des Unternehmens. Für jede Transaktion erhebt das Unternehmen eine Gebühr – Fixkosten fallen nicht an. Mit ihrem Angebot zielt eDrixx in erster Linie auf die Gastronomie. Aber auch andere Dienstleistungsbranchen, in denen Trinkgeld üblich ist, können von eDrixx profitieren.

„Trinkgeld ist für viele Servicekräfte ein entscheidender Einkommensfaktor. Wir wollen, dass dieser erhalten bleibt, weiter ausgebaut und zudem fair verteilt wird. Das steigert die Arbeitszufriedenheit und leistet zugleich einen Beitrag, die Attraktivität vieler Dienstleistungsbranchen zu erhalten, bei gleichzeitiger Entlastung von Arbeitgebern.“ so eDrixx-Geschäftsführer Rolf Zimmer, der das Start-up gemeinsam mit Sabine Stark, Christian Steinpichler und Chris Blättermann gegründet hat.

UVC-Technologie - Sensation im Bereich Desinfektion

Die Corona-Pandemie hat uns vor Augen geführt, wie gefährlich Infektionskrankheiten sind. Um Infektionen in geschlossenen Räumen entgegenzuwirken, setzt das Start-up Viraprevent auf die Technologie der UV-C-Strahlen.

Die Corona-Pandemie hat uns vor Augen geführt, wie gefährlich Infektionskrankheiten sind. Immerhin sind sie eine der häufigsten Ursachen für Erkrankungen. Eine besondere Herausforderung sind multiresistente Keime, gegen die kaum noch ein Antibiotikum wirkt. Viren, Bakterien und Keime gefährden das Gesundheitssystem und seine verschiedenen Einrichtungen. Um Infektionen in geschlossenen Räumen entgegenzuwirken, braucht es kreative, innovative und vor allem effiziente Desinfektionsmethoden. Als Sensation und bahnbrechender Durchbruch gilt die Technologie der UV-C-Strahlen.

UV-Licht und seine desinfizierenden Eigenschaften

Schon vor etwa 80 Jahren hat die Wissenschaft herausgefunden, dass ganz bestimmte Wellenlängen des ultravioletten Lichts Bakterien und Viren inaktivieren können, indem sie deren DNA mithilfe eines elektromagnetischen Wellenfeldes denaturieren. Vor allem eine Wellenlänge von 254nm schaltet viele Bakterien und Viren aus. Das große Problem dabei ist, dass UV-Licht dieser Wellenlänge als extrem gesundheitsschädlich gilt, weil es die oberen Hautschichten durchdringt, in die Iris des Auges eindringt und verschiedene Krebsvarianten zu verursachen scheint. Aufgrund dieser Erkenntnisse kommt UV-Licht zwar bei der Infektion von Räumen zum Einsatz, wird aber nur in leeren Räumen ohne Menschen genutzt.

Natürlich haben Wissenschaftler weiter an diesen besonderen Eigenschaften des UV-Lichts geforscht. Dabei wurde entdeckt, dass sogenanntes far-UVC-Licht mit Wellenlängen zwischen 190nm und 230nm Viren und Bakterien ebenfalls sehr effizient ausschaltet, dabei allerdings kein Gesundheitsrisiko darstellt. Hierfür wird der Umstand verantwortlich gemacht, dass das UVC-Licht in diesem Wellenlängenspektrum nicht in der Lage ist, in Haut oder Iris des Menschen einzudringen.

Eine Besonderheit der neu entwickelten UVC-Lichtstrahler besteht darin, dass sie nicht nur bis zu 99,99 Prozent aller Bakterien, Viren und Keime inaktivieren, sondern dies, je nach Entfernung vom Gerät, auch noch in einer extrem kurzen Zeit von 2 bis 49 Sekunden schaffen. Dabei desinfizieren sie nicht nur die Raumluft, Ihre Wirkung erstreckt sich auch auf sämtliche Oberflächen von vorhandenem Mobiliar. Die Strahler können aufgrund ihrer geringen Maße und des niedrigen Geräuschpegels zudem überall aufgestellt werden. Dadurch eignet sich UVC-Licht für Hotelzimmer und Restaurants ebenso, wie für Krankenzimmer, Büros oder Wohnungen. Durch die Technologie solcher UVC-Strahler kann ein Raum mit einer Größe von 6m x 6m x 4m (also 150 m3) von einem einzigen Gerät desinfiziert werden.

Dr. Lutz Rothe – „Vater“ innovativer Entwicklungen

Der Leipziger Dr. Lutz Rothe, Gründer und CEO des Unternehmens Viraprevent, ist mit einem kreativen Erfindergeist ausgestattet und wird mit Recht als einer der erfolgreichsten Erfinder der Bundesrepublik angesehen. Seiner Kreativität sind so überaus hilfreiche Technologien wie Flachantennen in Fahrzeugen, Telekommunikationsverstärker für S-Bahnen oder Autobahn-SOS-Säulen entsprungen, allesamt Erfindungen, die der Menschheit das alltägliche Leben deutlich erleichtern. Mit der Weiterentwicklung der UV-Licht-Technologie und den patentierten (RayPraeventio) UVC-Strahlern stellt er der gesamten Gesellschaft ein weiteres, dienliches Gerät zur Verfügung.

UVC-Licht revolutioniert die Desinfektion im Gesundheitsbereich

Viele Experten erhoffen sich von dieser neuen Technologie einen Durchbruch im Gesundheitsbereich. Gerade in Gesundheitseinrichtungen wie Kliniken, Rehabilitations-, Alten- und Pflegeeinrichtungen befinden sich Menschen, die aufgrund von Erkrankungen ohnehin ein geschwächtes Immunsystem besitzen. Gerade multiresistente Keime sind ja eine Herausforderung und die vom HealthTech-Unternehmen Viraprevent entwickelten Strahler können laut Rothe ein wichtiges Element im Kampf gegen solche multiresistenten und hartnäckigen Keime sein.

Gerade in solchen Einrichtungen haben es Viren, Bakterien und auch multiresistente Keime besonders leicht, Schäden anzurichten und Infektionen auszulösen. Oft müssen Patienten tagelang in geschlossenen Räumen verbringen, in denen sich Krankheitserreger besonders gut ausbreiten können. Hier bräuchte es eine besonders gründliche und effektive Form der Desinfizierung für die Luft und Oberflächen in den Innenräumen.

Die Aussicht, genau an solchen Orten eine effiziente Desinfektionsmethode einsetzen zu können, versetzt die Verantwortlichen in Euphorie, was sich auch an den hohen Bestellzahlen für solche UVC-Strahler ablesen lässt. Es sind aber nicht nur Einrichtungen aus dem Bereich des Gesundheitswesens, deren Interesse an solchen Neuentwicklungen steigt. Vor allem als Lehre aus der Corona-Pandemie mit ihren notwendigen Beschränkungen und staatlichen Auflagen suchen auch Veranstaltungs-Agenturen, Fitnessstudios, Hotels, Kinos und Theater nach einer adäquaten und vor allem funktionierenden Art der Desinfektion.

Diese revolutionäre neue Technologie, die das Team von Viraprevent entwickelt hat, ist also nicht nur für eine einzige Branche ein echter Durchbruch in Sachen Desinfektion, sondern hat das Potenzial, seine Wirksamkeit branchenübergreifend zu beweisen. Auch auf diese Weise möchte das Unternehmen sein langfristiges Ziel erreichen, das von CEO Dr. Lutz Rothe folgendermaßen beschrieben wird: „ Wir wollen verhindern, dass weiterhin jährlich mehr als 20 Millionen Menschen aufgrund von Bakterien, Viren und multiresistenten Keimen sterben.“

Wissenschaftliche Studien zum Thema UVC-Licht-Technologie

Hinsichtlich dieser revolutionären Technologie wurden von namhaften Institutionen bzw. Universitäten verschiedene Studien durchgeführt. So hat etwa das Leibniz Ferdinand Braun Institut mithilfe einer Untersuchung die Einhaltung aller geltenden Richtlinien des deutschen Bundesinstituts für Strahlenschutz nachgewiesen. An der Columbia University hat sich eine Studie mit der Sicherheit des UV-Lichts für Mensch und Tier befasst und die gesundheitliche Unbedenklichkeit nachgewiesen. An der britischen Leeds Beckett University schließlich konnte eine wissenschaftliche Studie die Wirksamkeit von der UVC-Technologie bei der Bekämpfung von Bakterien, Viren und Keimen bestätigen.

Das Deep-Tech-Ei

BioNTech oder Celonis haben es hierzulande eindrucksvoll unter Beweis gestellt: Wer beim Gründen auf Deep Tech setzt, sichert sich im Idealfall „unfaire“ Vorteile und erhöht zugleich die Chancen, dem klassischen „Horse Race“ in den Märkten zu entfliehen.

Wer gründet, sieht eine Opportunity, mit der sich Geld verdienen und bestenfalls die Welt verbessern lässt. Aber das allein reicht nicht: Angesagt und cool sollte das Ganze ebenfalls sein. Immerhin ist das Unternehmen gerade zu Beginn Ausdruck der eigenen Persönlichkeit, und diese sehnt sich nach Reputation und Signaling, oder etwa nicht? Nur stellt sich die Frage, wie sinnvoll dieser Ansatz ist. Denn wäre er ein ökonomischer Geniestreich, würden nicht 80 bis 90 Prozent aller Start-ups in den ersten drei Jahren wieder vom Markt verschwinden.

Vielleicht ist es ja an der Zeit, die allgemeine Gründer*innenmentalität, die allzu oft nach fancy Themen sucht, zu hinterfragen und künftig vermehrt mit Ideen an den Markt zu gehen, die zwar weniger glitzern, dafür aber ihren Gründer*innen einen „unfairen“ Vorteil versprechen.

Wenn Wissenschaft auf Technik trifft

Je offensichtlicher ein Business, desto kompeti­tiver ist es auch. Bei Deep Tech ist das anders. Anfänglich wenig auffällig, ist Deep Tech ein Sammelbegriff für disruptive Technologien, die entstehen, wenn Wissenschaft auf Technik trifft. Alle Dinosaurier, die heute das Silicon Valley beherrschen, sind aus einem „Deep-Tech-Ei“ geschlüpft: Google, Apple, Microsoft. Zu Anfang, aber auch bis heute besitzen diese Unternehmen einen unfairen technologischen Vorteil, der als Grundlage ihres Geschäftsmodells dient.

Doch was zeichnet Deep Tech aus? Ihre Erfinder*innen greifen wenig bis gar nicht auf Bestehendes zurück, im Grunde entwickeln sie eine Technologie von Grund auf neu. Digital getriebene Deep-Tech-Kategorien sind unter anderem Blockchain, AI/KI oder Quantum Computing. Hinzu kommen Hardware- bzw. Engineering-lastige Kategorien wie BioTech, Advanced Materials, Drones & Robotics, New Energy oder Space Tech. Wichtiges Kriterium: Die neue Lösung hat einen wissenschaftlichen Ursprung und muss den bestehenden um Längen voraus sein, am besten um das Zehnfache. Daher spricht man auch von einem „10x-Unterschied“.

Wie kann ein(e) Gründer*in von solch fortschrittlichen Technologie profitieren und damit auch noch Geld verdienen? Eine berechtigte Frage, da Deep Tech offenkundig viel Forschungsarbeit benötigt und damit einiges an Zeit und Ressourcen bindet. Dazu sei gesagt: Gründer*innen müssen Technologien gar nicht unbedingt selbst erfinden bzw. entwickeln, es gibt sie bereits! Sie benötigen lediglich Zugriff darauf, um sie zu einem Geschäftsmodell weiterzuentwickeln beziehungsweise eine relevante Applikation darauf aufzubauen.

Der Zugang zu Deep Tech

Oftmals entsteht Deep Tech in Universitäten und Laboren. Sagen wir, eine Doktorandin forscht gemeinsam mit ihrem Professor nach einem Leichtbauwerkstoff für die Luftfahrt, und plötzlich ertönt ein lautes „Heureka“. Ein wissenschaftlicher Durchbruch, denn der neue Werkstoff ist leichter und günstiger als alle vergleichbaren. Nachdem die Jubelschreie verstummt sind, schlägt der Professor vor, ein gemeinsames Spin-off zu gründen; eine Ausgründung aus dem universitären Umfeld, das die Doktorandin leiten soll. Nunmehr sieht sich diese mit vielen neuen Fragen konfrontiert: Wie kann ich aus dem Werkstoff ein konkretes Produkt bauen? Wie kann dieses der Luftfahrtbranche helfen? Und wie erhalte ich Zugang zu den Entscheider*innen auf Kund*innenseite und finde obendrein Wagniskapitalgeber*innen? Es liegt auf der Hand, dass sie damit schnell überfordert ist, weil die Aufgaben völlig konträr zu jenen sind, die sie an der Universität zu bewältigen hatte.

Deep Tech beginnt nämlich in der Forschung als blanke Theorie, weit entfernt von einem marktreifen Produkt. Ziel im ersten Schritt ist es, einen Prototyp zu entwickeln und Sympathisant*innen zu finden. Nicht selten aber stirbt eine disruptive Idee in diesem Stadium, weil unklar bleibt, wie genau das Produkt aussieht, das dem/der Kund*in hilft. Den Gründer*innen fehlt der Zugang zu den richtigen Kontakten und das Wissen darüber, was der Markt im Detail benötigt. Und selbst wenn es den Gründer*innen gelingt, ein geeignetes Produkt zu entwickeln, wartet da noch das zweite Tal des Todes auf sie: Vertrieb und Marketing. Bis zu 100 Mal teurer kann der Aufbau und die Vermarktung einer Deep-Tech-Anwendung werden, als lediglich den zugrunde liegenden Technologiekern (Building Block) dahinter zu erarbeiten.

Deep Tech in seine Bausteine zerlegen

Die Lösung scheint, Deep Tech in seine Bestandteile zu zerlegen. Soll heißen, die zuvor erwähnte Doktorandin braucht rechtzeitig Hilfe, um den Prototyp zu entwickeln. Ihr Spezialgebiet ist nun mal die Forschung, und wenn sie ihren wissenschaftlichen Meilenstein in ein marktreifes Produkt überführen will, benötigt sie Zugang zum Markt. Das ist die Chance für Entrepreneur*innen und Co-Gründer*innen, deren Spezialität zwar nicht die Forschung, dafür aber die marktseitige Weiterentwicklung der Technologie in praktischer Anwendung ist. Sie bringen das mit, was der Doktorandin fehlt: ein Gespür dafür, was der Markt gebrauchen könnte und wie sich damit Geld verdienen lässt.

Und wie lässt sich jetzt beides verbinden? Zum einen muss der Doktorandin oder dem Team des schon gegründeten Forschungs-Spin-offs klar werden, dass ihre Lösung einen Building Block darstellt, der meist verschiedene Probleme in unterschiedlichen Vertikals lösen kann. Zum anderen braucht es dafür Applikationen, d.h. konkrete Produktanwendungen, die auf Basis der Deep Tech entwickelt werden, und natürlich Entrepreneur*innen, die das Marktgespür aus einer bestimmten Nische – besser noch – für ein spezifisches Industrieproblem mitbringen. Die Schnittstelle kann eine Kooperation oder ein Application Programming Interface (API) sein. Wichtig ist, dass der Building Block forschungsnah bleibt, damit er fortlaufend weiterentwickelt werden kann.

Die Monetarisierung erfolgt dann über ein separates Unternehmen, das den starken Technologievorteil in Form eines Produkts, respektive einer Anwendung im Zielmarkt verkauft. Mithilfe dieser Logik geht es weg von „Lab to Market“ hin zu „Market to Lab“. Der Prophet soll also nicht mehr zum Berg, sondern der Berg zum Propheten kommen. Derzeit ist das noch ein händischer Prozess, der stark auf Zufall und auf der Fähigkeit zu Netzwerken beruht. Gelingt es aber, sowohl den Markt als auch die Forschung anhand von greifbaren Erfolgen hierfür zu sensibilisieren, kann ein herausragendes Modell für beide Seiten resultieren. Und damit würde Entrepreneurship das Allzeitproblem des mangelhaften Technologietransfers lösen.

Um die Erfolgschancen zu erhöhen, ist eine Schnittstelle zwischen Forschung und Markt sinnvoll, eine sogenannte Middleware-Company (meist als Spin-off aufgesetzt), die sich als Building Block zwischen der Applikation und dem Deep-Tech-Ursprung befindet. Sie hat einerseits Zugang zu den Lehrstühlen mehrerer Universitäten, eben dorthin, wo Deep Tech oft seinen Ursprung hat. Andererseits beschäftigt sich die Middleware-Company nicht direkt mit Einzellösungen (Applikationen) am Markt, sondern fokussiert auf die Rolle des Enablers (ggf. sogar als Plattform) und stellt den Applikations-Companies den Technologiekern zur Verfügung. Das Risiko von Deep Tech wird aufgeteilt, da sich jede Partei auf ihr jeweiliges Fachgebiet konzentrieren kann. Das verschlankt den Prozess und reduziert die Gefahr, das Rad neu zu erfinden oder sich in unnötigen Aufgaben zu verlieren.

Die Zeit ist reif für Deep Tech

Zwischen 2016 und 2020 wuchs der Deep-Tech-Markt um das Vierfache, gemessen an den Investitionen. Beflügelt haben dieses Wachstum globale Probleme, allen voran das Bevölkerungswachstum und die Klimakrise. Deep Tech könnte sich als ein Problemlöser erweisen und Gründer*innen wie Wagniskapitalgeber*innen mit verteidigbaren Technologien ausstatten. Unter Umständen erweisen sich Technologie und Anwendungsfeld im ersten Moment als weniger fancy, als ursprünglich erdacht, aber dafür könnten die Parteien einen echten Fußabdruck hinterlassen und außerdem ein differenziertes Geschäftsmodell mit kraftvollem Kern entwickeln, der lange Zeit unangreifbar bleibt.

Daraus resultiert der eingangs erwähnte unfaire Vorteil, der sich allerdings gesellschaftlich betrachtet als äußerst fair erweisen könnte. Und das wiederum erfüllt die Arbeit der Gründer*innen mit mehr Freude und Sinnhaftigkeit. Das wäre mit einem wettbewerbsintensiven Geschäftsmodell wohl kaum realisierbar.

Der Autor Prof. Dr. Bastian Halecker ist Founding Partner des German Deep Tech Institutes und Deep Tech Entrepreneur­ship @ XU Exponential University, www.germandeeptech.institute

I feel Food!

Franziska Schaal und Fabian Zbinden bieten mit feelfood Instant-Mahlzeit in veganer Bio-Qualität und wollen unsere schnellen Mittagspausen auf ein neues geschmack­liches Level heben.

Es beginnt wie ein Rezept: Man nehme eine deutsche BWL-Studentin und engagierte Vorsitzende des Entrepreneurs Club Cologne mit der Leidenschaft, unsere Gesellschaft und Umwelt ein bisschen besser zu machen. Dabei will die Vielbeschäftigte aber auch zwischen Meetings und Deadlines nicht auf rasche, gesunde und leckere Mahlzeiten verzichten.

Und man nehme einen Koch aus der Schweiz, der nach mehreren Jahren in der Hollywood-Spitzengastronomie zu seinen Wurzeln zurückkehrt. In seiner Heimat serviert der kreative Freigeist im eigenen Foodtruck vegane Eintopfgerichte im Brot. Mit seiner ersten Idee einer Fast-Fertig-Suppe holt er 2019 in der Sendung „Die Höhle der Löwen“ sogar einen Deal.

Wie ein Blind Date für Geschäftspartner*innen

Vernetzt wurden Franziska Schaal und Fabian Zbinden durch einen persönlichen Kontakt in der Kölner Start-up-Szene. „Das ganze fühlte sich etwas an wie ein gecastetes Blind Date für Geschäftspartner“, lacht Franziska. „Jedoch stimmten unsere Werte, Vorstellungen und unsere Begeisterung für feines, gesundes Essen überein.“ So trafen sich die beiden gleich am nächsten Tag wieder. Nach einer langen Brainstorming-Nacht fingen sie an, eine Idee für ihr Start-up auszuarbeiten. Ihre Vision: pflanzliche und qualitativ hochwertige Mahlzeiten schnell verfügbar machen. „Fertigmahlzeiten haben nicht unbedingt den Ruf, lecker und gesund zu sein“, erzählt Fabian.

Eine Idee macht noch kein Unternehmen

Nun war die Idee von feelfood geboren. „Aber eine Idee macht noch kein Unternehmen“, lächelt Franziska. „Oft denkt man nur daran, dass ein gutes Produkt entwickelt werden muss, aber im Hintergrund muss nun mal auch ein komplettes Unternehmen mit vollständigen Strukturen entstehen.“ So standen zuerst drei Bereiche auf der Agenda: Produktentwicklung, Branding und die Unternehmensgründung 2020 inklusive erster Finanzierung. „Leider fallen in den ersten Steps auch schon viele recht­liche Themen wie etwa Markenanmeldung und Datenschutzerklärungen an. Aber wenn man das Grundsetup erstmal aufgebaut hat, dann kann man darüber auch schon sehr schnell die ersten Produkte verkaufen.“ Franziska hat ihren Bachelor in BWL inzwischen absolviert und bei feelfood die Strukturen aufgebaut. Sie verantwortet Marketing, Finanzen und Operations, während Fabian der kreative Produktentwickler und Vertriebler ist. So unterschiedlich die beiden ticken, so perfkt ergänzen sie sich als Team, sind sie doch beide Menschen, die etwas bewegen möchten.

Gut essen und sich gut fühlen

Das wichtigste Kriterium bei der Produktentwicklung war: Das Essen muss fein schmecken. Fabian ist stolz: „Es ist mir gelungen, die ersten Instant-Gerichte, die wie selbst gekocht schmecken, zu kreieren.“ Dabei haben sich die beiden nicht aktiv für die Kategorie der Instant-Mahlzeiten entschieden. „Vielmehr war es unsere Idee, den Menschen das Leben zu vereinfachen, indem wir die bestmöglichen Nährstoffe auf die bequemste Art und Weise liefern. Und da das mit bereits getrockneten Elementen wie Reis, Cashews und ähnlichen Zutaten am besten funktioniert, wurde feelfood ein Instantprodukt. Genau gesagt, eine vollwertige Instant-Mahlzeit in bio und vegan“, so der Koch. Das Aufmischen bzw. Umkrempeln des Instant-Mahlzeiten-Marktes war also eher ein positiver Nebeneffekt. Franziska ergänzt: „Das Tolle ist, dass die Handhabung von Instant weit bekannt ist. Konsument*innen verstehen sofort, dass sie sich aufwändiges Kochen und damit sehr viel Zeit sparen können. Neu ist, dass sie dank unserer vollwertigen Bio-Mahlzeiten gut essen und sich gut fühlen können.“

Simple Idee, komplizierte Rohstoffbeschaffung

So rasch und einfach der Genuss zubereitet ist – mit der Produktion konnten die Jungunternehmer nicht ganz so schnell starten. „Wir haben ein sehr komplexes Produkt und die Zutaten müssen sowohl Instant (vorgekocht und getrocknet) als auch in Bio-Qualität verfügbar sein. Diese Kombination wird aber nur selten angeboten“, erklärt Fabian. Franziska ergänzt: „Die wohl schwerste Hürde für uns ist die Rohstoffbeschaffung und die damit verbunden Lieferzeiten. Es war für uns zum Start nicht einfach, überhaupt einen Produzenten zu finden. Erst nach einiger Zeit fanden wir einen familienbetriebenen Bio-Bauernhof, der die Zutaten direkt vom Feld in die hof­eigene Produktion überführt. Zeitaufwendig war es zudem auch, Maschinenteile für unsere Pappbecher anzufertigen.“

Crowdfunding für die erste große Produktion

Im Jahr 2020 stieg feelfood mit einem Soft-Launch von wenigen Produkten in den Markt ein, um das Interesse an gesunder Convenience zu testen. Damals waren es Mahlzeiten auf Basis von verschiedenen Getreiden, Hülsenfrüchten und Kernen sowie verschiedenem Gemüse. Das Feedback war positiv, Anregungen zu Geschmack und Konsistenz wurden inzwischen umgesetzt. Fabian hat drei komplett neue herzhafte Mahlzeiten kreiert: eine Pasta Bolognese vegan, ein Red Lentil Dal und ein Chili sin Carne. Zudem haben die beiden das Design auf ein neues Level gehoben und die Verpackungen ready für den Lebensmitteleinzelhandel gemacht. Ende 2021 hat das Start-up eine Crowdfunding-Kampagne lanciert, wie Franziska erzählt: „Mit dem Funding von 12.500 Euro konnten wir die erste große Produktion der drei Sorten finanzieren.“

Funding, Finanzierung – das ist nur ein Themenbereich, der Start-ups stark beschäftigt. Herausforderungen sind aber genau das Spannende daran, da sind sich Franziska und Fabian einig: „Gründen bedeutet für uns, losgelöst von alten Strukturen Neues zu kreieren und die Freiheit und Chance zu haben, für die Menschen das Leben auf unserem Planeten ein bisschen einfacher zu gestalten.“ Die Betriebswirtin kennt noch eine andere Motivation: „Zudem treibt uns der Gedanke an, dass wir uns selbst, aber auch anderen jungen Menschen Arbeitsplätze bieten können, an denen sie sich wohlfühlen und sie die Möglichkeit haben, etwas aufzubauen.“ Sie erinnert sich zurück an ihr Studium, wo ihr Bekannte gesagt hätten, sie wüssten nicht, woran sie in Zukunft arbeiten möchten oder dass ihnen die Arbeit keinen Spaß machen würde. „Den Gedanken finde ich schrecklich, wenn man sich bewusst macht, dass die Arbeit den zeitlichen Hauptteil unseres Lebens ausmacht.“ Bei feelfood am Standort in Köln engagieren sich Franziska und Fabian heute mit einem sechsköpfigen Team.

Gesunde Alternative im Supermarktregal

Franziska und Fabian wollen sich als gesunde Lifestyle Brand für Vielbeschäftigte etablieren. Um so viele Menschen wie möglich zu erreichen, soll feelfood langfristig über den eigenen Onlineshop mit Lieferung durch DHL GoGreen, über den stationären Handel in Deutschland sowie in der Schweiz verkauft werden. Das Start-up möchte seine Produkte im Supermarkt platzieren. „Es kann nicht sein, dass es im Regal nur Instant-Produkte voller Konservierungsmittel mit schlechten Nährwerten und wenig Geschmack gibt“, so Franziska. „Wir zeigen, dass es auch anders geht: praktisch, lecker und gesund.“ An der Nachfrage zweifeln sie nicht. Denn wie oft falle im vollen Tagesprogramm die Mittagspause zeitlich zu knapp aus. Gut, wenn man da zu einem feelfood-Becher greifen kann. So wie Franziska und Fabian das selbst gern tun. Franziskas Favorit ist übrigens das Red Lentil Dal, bei Fabian ist es die Pasta: „Auf die Pasta Bolo bin ich besonders stolz, die mag ich am liebsten!“