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Selbstständigen-Report 2024: Bürokratie bremst, KI kaum genutzt
Gemeinsam mit dem Verband der Gründer und Selbstständigen Deutschland e.V. (VGSD) veröffentlicht WISO MeinBüro im Selbstständigen-Report 2024 spannende Fakten und Hintergründe rund um die selbständigen Unternehmer*innen in Deutschland.
2018 ist der Selbstständigen-Report erstmals erschienen. Sechs Jahre später zeigt die aktuelle Studie auf, wie sich das Stimmungsbild der Selbstständigen verändert hat und welche Themen und Herausforderungen die Selbstständigen heute beschäftigen.
Basis des vorliegenden „Selbstständigen-Report 2024“ bildet eine Online-Umfrage unter mehr als 2.100 Teilnehmenden. Die Befragung fand von Februar bis Mai 2024 statt. Teilgenommen haben Freiberufler*innen, Einzelunternehmer*innen und Inhaber*innen kleiner Personen- und Kapitalgesellschaften aus Deutschland. An der Umfrage haben sowohl Freiberufler*innen als auch Gewerbetreibende teilgenommen.
Für Selbständige hat sich die wirtschaftliche Lage verschlechtert
Rund 55 Prozent der befragten selbstständigen Unternehmerinnen und Unternehmer schätzen ihre gesamtwirtschaftliche Lage als gut bis hervorragend ein. Das auf den ersten Blick gute Ergebnis relativiert sich mit Blick auf 2018: Damals gaben noch 60 Prozent der Selbständigen an, dass sie ihre gesamtwirtschaftliche Lage als gut bis hervorragend einschätzen. Schaut man sich die einzelnen Bundesländer im Vergleich zu 2018 an, wird es noch deutlicher: In elf von 16 Bundesländern hat sich die wirtschaftliche Lage der Unternehmen nach Einschätzung der Befragten in den letzten sechs Jahren verschlechtert.
Die größte Veränderung wird im Bundesland Brandenburg sichtbar: Der Anteil derer, die die wirtschaftliche Lage ihres Unternehmens im Jahr 2018 als gut bis hervorragend eingeschätzt haben, hat sich heute verringert: Waren 2018 noch 69 Prozent der Selbständigen sehr zufrieden mit ihrer wirtschaftlichen Situation, sind es heute nur noch 43 Prozent. Damals war Brandenburg das Bundesland mit den meisten Selbständigen, die ihre wirtschaftliche Lage als mindestens gut beurteilt haben. Heute ist es das Schlusslicht.
In Hamburg ist die Stunde am wertvollsten, in Brandenburg am günstigsten
Ganz hinten liegt das Bundesland Brandenburg auch bei den Stundensätzen. Rund 14,7 Prozent der befragten Selbständigen – so viele wie sonst nirgendwo – geben an, ein Stundenhonorar von höchstens 20 Euro in Rechnung zu stellen. Im Gesamtdurchschnitt liegt das Bundesland mit seinem Stundenhonorar jedoch vor Mecklenburg-Vorpommern (59 Euro), Thüringen (66 Euro) und Sachsen-Anhalt (67 Euro). Im Durchschnitt liegt der Stundensatz in Brandenburg bei 68 Euro.
Spitzenreiter bei den Stundensätzen ist Hamburg. Rund sieben Prozent der Selbständigen mit Unternehmenssitz in der Hansestadt – so viele wie sonst nirgendwo – rufen ein Stundenhonorar von mehr als 201 Euro auf. Im Durchschnitt liegt der Stundensatz in Hamburg bei 117 Euro.
Frauen verlangen weniger Geld
Nach wie vor sind Frauen in der Selbständigkeit unterrepräsentiert, wie die Analysen von Mikrozensus und der Gründungsmonitor zeigen. Und die Frauen stellen auch heute noch wesentlich weniger in Rechnung als ihre männlichen Kollegen, wie der Selbstständigen-Report bestätigt: Die meisten Frauen rufen einen Stundensatz zwischen 51 und 75 Euro auf. Die meisten Männer hingegen rufen einen Stundensatz zwischen 76 und 100 Euro auf. Im Durchschnitt liegt der Stundensatz bei den Frauen bei 91 Euro und bei den Männern bei 98 Euro.
Zumindest haben die befragten Frauen den Stundensatz-Gap zu ihren männlichen Pendants verringern können. Denn im Jahr 2018 zeigte sich ein etwas drastischeres Bild. Die von uns befragten selbständigen Dienstleisterinnen gaben damals einen durchschnittlichen Stundensatz von 63 Euro an. Ihre männlichen Kollegen berechneten demgegenüber im Schnitt einen Stundensatz von 78 Euro.
KI-Tools insgesamt wenig genutzt – Frauen jedoch viel häufiger als Männer
Mehr als die Hälfte der Selbständigen nutzt bisher noch keine KI-Tools für die Arbeit. Ein klares, branchenübergreifendes Bild liefert dabei das Verhältnis von Bildung zur Nutzung von KI-Tools: Je höher der Bildungsabschluss ist, desto häufiger werden KI-Tools genutzt:
Spannend dabei ist: Dieser Umfrage folgend nutzen 44 Prozent der Frauen KI-Tools, aber nur rund 38 Prozent der Männer. Schaut man sich das Alter an, wird es noch klarer: 58 Prozent der 20- bis 39-jährigen Frauen nutzen KI-Tools. Bei den gleichaltrigen Männern sind es nur 53 Prozent. Unter den 50- bis 65-Jährigen sind es noch 42 Prozent der Frauen und 35 Prozent der Männer, die KI-Tools nutzen.
Mit Blick auf die regionale Verteilung derer, die KI-Tools nutzen, zeigt sich, dass besonders in Mecklenburg-Vorpommern, Brandenburg und Sachsen-Anhalt Selbstständige am wenigsten künstliche Intelligenz nutzen: In Mecklenburg-Vorpommern gaben nur zwölf Prozent der Menschen an, KI-Tools zu nutzen. In Brandenburg und Sachsen-Anhalt sind es rund 28 Prozent, die KI-Tools für ihre Arbeit nutzen. In Bremen, Hamburg und Berlin sieht das anders aus. Hier gab rund die Hälfte der Selbständigen an, KI-Tools zu nutzen.
KI wird unsere Arbeit übernehmen – das befürchtet die Hälfte der Befragten
Trotz derzeit noch geringer Nutzung der KI ist ihre Bedeutung für den Arbeitsalltag der Selbständigen unumstritten. Rund 44 Prozent der Selbständigen glaubt, dass in 20 Jahren mindestens die Hälfte ihrer aktuellen Arbeit durch Software bzw. Maschinen erledigt wird.
Noch vor sechs Jahren sah es ganz anders aus. Nur etwa jeder sechste Befragte (17,1 Prozent) ging davon aus, dass die damals ausgeübte Tätigkeit Ende der 2030er Jahre ganz oder überwiegend durch Software oder Roboter erledigt würde.
Bürokratie und Wertschätzung – Die Selbständigkeit wird vor Hürden gestellt
Für die meisten Selbständigen ist die Bürokratie eines der Hauptnachteile der Selbstständigkeit. Rund 66 Prozent der Befragten sehen das so. Dies war bereits 2018 der Fall. Seinerzeit bemängelten 59 Prozent der Befragten dieses Problem als Hauptnachteil ihrer Selbständigkeit.
Darüber hinaus mangelt es heute vielen Selbständigen hierzulande an Wertschätzung – und zwar speziell von der Politik: Rund 87 Prozent der Befragten gaben an, sich wenig bis gar nicht von der Politik in ihrer Selbständigen respektiert zu fühlen. Unter ihnen sind es 51 Prozent, die sich gar nicht von der Politik respektiert fühlen.
Bereits 2018 fühlten sich 85 Prozent der Befragten von der Politik wenig oder gar nicht respektiert. Es waren damals aber nur rund 43 Prozent, die sich gar nicht von der Politik in ihrer Selbständigen respektiert fühlen. Die Stimmung unter den Unternehmer*innen ist heute also etwas schlechter geworden.
Spannend ist, dass es bei diesem Thema kaum Unterschiede in der Wahrnehmung zwischen Ost und West gibt.
Ein anderes Bild zeigt sich bei Thema Wertschätzung in Bezug auf die eigene Kundschaft und das Umfeld. So fühlen sich rund 81 Prozent der Befragten von den eigenen Kund*innen sehr stark bis stark wertgeschätzt und rund 74 Prozent fühlen sich vom privaten Umfeld stark bis sehr stark wertgeschätzt.
Selbständige fühlen sich unfair sozial abgesichert – unabhängig von der politischen Präferenz
Rund 83 Prozent der Selbständigen sehen mitunter erheblichen Verbesserungsbedarf bei der sozialen Absicherung. Auch 2018 lag der Anteil bei 82,4 Prozent. Die Unzufriedenheit mit dem Thema bleibt also unverändert.
Im Rahmen dieser Studie wurde auch nach der Parteinähe gefragt: Rund 28 Prozent der Befragten fühlten sich zum Untersuchungszeitpunkt dieser Studie den Grünen am nächsten. Zweitstärkste Partei war die Union mit etwa 18 Prozent. Die FDP kam auf knapp 13 Prozent. Die AfD lag mit rund neun Prozent im niedrigen Zustimmungsbereich. Auch die SPD war mit etwa sechs Prozent weit von der Spitze entfernt. Die Freien Wähler lagen bei knapp fünf Prozent. Am schlechtesten schnitt mit rund vier Prozent die Linke ab.
Die Frage nach der sozialen Absicherung in Verbindung mit der Parteinähe zeigt deutlich: Die Unzufriedenheit ist riesig und geht über die Parteigrenze hinweg. Die größte Unzufriedenheit geben AfD-Wähler*innen an. Rund 87 Prozent finden, dass die soziale Absicherung hierzulande nicht fair gestaltet ist. Auch die Wähler*innen der FDP äußern Kritik: Rund 85 Prozent sehen die soziale Absicherung als nicht fair an. Und auch 80 Prozent der Grünen-Wähler*innen empfinden die soziale Absicherung als nicht fair gestaltet.
Schaut man sich an, wie die Frage nach der sozialen Absicherung in den einzelnen Bundesländern beantwortet wurde, wird schnell klar: Insgesamt sind sehr wenige Selbständigen zufrieden mit der sozialen Absicherung. In den meisten Bundesländern liegt der Prozentsatz derer, die vollkommen glücklich mit der sozialen Absicherung sind, nur zwischen ein und vier Prozent.
In Sachsen-Anhalt gibt es – relativ gesehen – die meisten Menschen, die vollkommen zufrieden mit der sozialen Absicherung sind: Rund neun Prozent gaben dies an. Auch hier gibt es zwischen Ost und West kaum Unterschiede in der Wahrnehmung der Teilnehmenden.
Die meisten sind zufrieden mit ihrer Entscheidung, selbständig zu sein
Rund 88 Prozent der Befragten gaben an, dass sie sich wieder selbständig machen würden. Selbstbestimmtes Arbeiten und flexible Arbeitszeiten sind dabei die Hauptmotivationen für die Selbständigkeit. Dennoch verlieren laut dieser Umfrage die beiden Hauptmotive für die Selbständigkeit an Gewicht: So gaben bei der Befragung im Jahr 2018 rund 45 Prozent der Teilnehmenden das selbstbestimmte Arbeiten als eine der Hauptmotivationen ihrer Selbständigkeit an. Heute sind es nur noch rund 30 Prozent. Ebenso gaben im Jahr 2018 rund 27 Prozent das flexible Arbeiten als eine der hauptsächlichen Motivationen an, heute sind es nur rund 23 Prozent.
„Unternehmer und Selbstständige sind mit höheren Kundenanforderungen konfrontiert. Das Geschäftsklima hat sich nach Corona und Energiekrise merklich verschlechtert und das Geschäftsumfeld ist für Selbstständige herausfordernder und restriktiver geworden. Selbstverwirklichung bleibt zwar Motiv Nr. 1 für die Selbstständigkeit, im täglichen Doing geht es aber dann um die Akquise des nächsten Auftrags“, sagt Dr. Oliver Stettes, Leiter Themencluster Arbeitswelt und Tarifpolitik vom Institut der deutschen Wirtschaft Köln.
Jahresumsatz 2024 – Was die Selbständigen dieses Jahr erwarten
Bei der Frage nach dem erwarteten Jahresumsatz für 2024 zeigte sich – ähnlich wie bei den Stundensätzen – ganz klar, dass Frauen tendenziell weniger Umsatz erwarten als ihre männlichen Kollegen.
Der entscheidende Punkt liegt bei einem erwarteten Jahresumsatz von 60.000 Euro: Während Frauen überdurchschnittlich oft einen Umsatz bis zu 60.000 Euro erwarten, gehen Männer häufiger von einem Umsatz über dieser Grenze aus.
Dieses Bild zeigte sich ähnlich bereits in 2018. Während fast die Hälfte der männlichen Selbständigen Umsätze zwischen 60.000 Euro und 240.000 Euro erwartete (46,9 Prozent), erwartete nur rund ein Viertel der selbständigen Frauen diese Umsatzhöhe (24,3 Prozent). Immerhin hat sich die Zahl der Frauen in diesem Umsatzsegment heute aber um zehn Prozentpunkte auf 34,8 Prozent erhöht.
Unter den Selbständigen im Jahr 2018, die mehr als 240.000 Euro umsetzten, waren Männer dreimal häufiger vertreten. Heute sind Männer in diesem Umsatzsegment noch rund zweieinhalb mal mehr vertreten.
Rund die Hälfte aller befragten selbstständigen Frauen mit einem Hochschulabschluss hat Kinder bekommen. Zudem zeigt sich klar, dass viele Frauen weniger Wochenstunden arbeiten als die befragten Männer. So arbeiten rund 27 Prozent der Frauen zwischen 30 und 39 Stunden pro Woche, aber nur knapp 12 Prozent der Männer. Im Bereich zwischen 40 und 49 Stunden pro Woche sehen wir eine gleichmäßige Verteilung: Rund 29 Prozent der Frauen und rund 30 Prozent der Männer arbeiten in diesem Zeitbereich. Mehr als 50 Arbeitsstunden pro Woche arbeiten nur rund 24 Prozent der Frauen, aber knapp 43 Prozent der Männer.
Steuerberatung? Nein Danke!
Rund 32 Prozent der Befragten gaben an, keine Steuerberatung zu konsultieren. Noch 2018 verzichteten 25 Prozent der Selbständigen auf diesen Service. Digitale Tools und Softwarelösungen tragen mitunter dazu bei, dass viele buchhalterische und steuerliche Aufgaben selbst erledigt werden.
"Wer sich dafür entscheidet, ganz auf professionelle Hilfe zu verzichten, sollte sicherstellen, dass er sich gut informiert und vor allem die richtige Software zur Hand hat. Moderne Steuerprogramme bieten eine Vielzahl an unterstützenden Funktionen, die Fehler vermeiden helfen und die Prozesse vereinfachen. Immer mehr Menschen, und dabei insbesondere Selbstständige und Freiberufler, erkennen den Vorteil digitaler Lösungen, die Zeit sparen und Komplexität verringern. Die steigende Akzeptanz ist nach unserer Einschätzung wesentlich auf die verbesserte Nutzungsfreundlichkeit, die Integration von KI-basierten Funktionen und die Möglichkeit, schnell und einfach steuerliche Angelegenheiten selbst zu regeln, zurückzuführen. Steuerberatung sollte vor allem dann hinzugezogen werden, wenn komplexe steuerliche Sachverhalte vorliegen, wie zum Beispiel bei größeren Unternehmensumstrukturierungen, internationalen Geschäftsaktivitäten oder bei der Nutzung spezieller steuerlicher Gestaltungsoptionen. In solchen Fällen kann die punktuelle Expertise einer Fachkraft helfen, rechtliche und finanzielle Risiken zu minimieren und das Optimum aus der steuerlichen Situation herauszuholen”, sagt Peter Schmitz, Geschäftsführer von WISO Steuer.
Die Macher der Studie sind von den Ergebnissen beeindruckt
Fin Glowick, CRO bei WISO MeinBüro ist zeigt sich zufrieden: “Ich bin sehr froh darüber, dass wir den Selbstständigen-Report in einer zweiten Auflage veröffentlichen. Seither gab es so viele Einflüsse – die Pandemie, die Energiekrise. Daher sind die Ergebnisse umso spannender. Ich finde es wichtig, den Selbstständigen in Deutschland eine Stimme zu geben und auf ihre Lage und Meinung aufmerksam zu machen. Mit dem Report können wir dies erreichen.”
Dr. Andreas Lutz, Vorstandsvorsitzender des VGSD e.V., ergänzt: “Solo- und Kleinstunternehmen bis neun Mitarbeitende machen 89 Prozent der Unternehmen in Deutschland aus. In diesem Bereich sind zehnmal so viele Menschen erwerbstätig wie in der Automobilindustrie. Selbstständige Expertinnen und Experten tragen neues Wissen in die Unternehmen und spielen eine zentrale Rolle für Innovation und Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Wirtschaft. Der Selbstständigen-Report zeigt jedoch ein Missverhältnis zwischen der hohen Wertschätzung, die Selbstständige von ihren Kunden erhalten, und der fehlenden Wertschätzung durch die Politik. 87 Prozent fühlen sich wenig oder gar nicht respektiert. Mit dem Report erhoffe ich mir mehr Aufmerksamkeit und Verständnis den Unternehmern und Unternehmerinnen gegenüber.”
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ewigbyte: Datenspeicher für die Ewigkeit?
Wie das 2025 von Dr. Steffen Klewitz, Dr. Ina von Haeften und Phil Wittwer gegründete Münchner DeepTech-Start-up Microsoft und die Tape-Industrie herausfordert und sich für seine Mission 1,6 Millionen Euro Pre-Seed-Kapital sichert.
Daten werden oft als das „Öl des 21. Jahrhunderts“ bezeichnet, doch ihre Lagerung gleicht technologisch oft noch dem Stand der 1950er Jahre. Während Künstliche Intelligenz und IoT-Anwendungen den weltweiten Datenhunger exponentiell in die Höhe treiben, werden Informationen physisch meist noch auf Magnetbändern (LTO) oder Festplatten archiviert. Diese Medien sind energiehungrig, müssen alle paar Jahre aufwändig migriert werden und sind anfällig für physikalische Zerfallsprozesse.
In diesen Markt für sogenannte Cold Data – also Daten, die archiviert, aber selten abgerufen werden – stößt nun das Münchner DeepTech-Start-up ewigbyte. Das Unternehmen, das erst im Jahr 2025 gegründet wurde, gab heute den Abschluss einer Finanzierungsrunde bekannt, die den Übergang in die industrielle Entwicklung ermöglichen soll. Angeführt wird das Konsortium von Vanagon Ventures und Bayern Kapital, ergänzt durch Business Angels aus dem BayStartUP-Netzwerk. Doch der Weg zum Markterfolg ist kein Selbstläufer, denn das Startup betritt ein Feld, auf dem sich bereits globale Giganten und etablierte Industriestandards tummeln.
Der Markt: Ein schlafender Riese erwacht
Der Zeitpunkt für den Vorstoß scheint indes gut gewählt. Branchenanalysten schätzen den globalen Markt für Archivdaten („Cold Storage“) auf ein Volumen von rund 160 bis 180 Milliarden Euro, mit Prognosen, die bis Mitte der 2030er Jahre auf über 450 Milliarden Euro ansteigen. Getrieben wird dies nicht nur durch KI-Trainingsdaten, sondern auch durch verschärfte Compliance-Regeln und den massiven Anstieg unstrukturierter Daten. Die derzeit dominierende Magnetband-Technologie stößt jedoch zunehmend an physikalische Dichtegrenzen und zwingt Rechenzentren zu kostspieligen Migrationszyklen alle fünf bis sieben Jahre, um Datenverlust durch Entmagnetisierung („Bit Rot“) zu verhindern.
Lasergravur statt magnetischer Ladung: So funktioniert es
Der Ansatz von ewigbyte bricht radikal mit diesem Paradigma. Statt Daten magnetisch oder elektronisch zu speichern, nutzt das Startup Femtosekunden-Laser, um Informationen mittels ultrakurzer Lichtpulse direkt in Quarzglas einzuschreiben.
Das Verfahren ähnelt mikroskopisch kleinen QR-Codes, die dreidimensional in das Material „graviert“ werden (Voxel). Das zentrale Versprechen: Einmal geschrieben, benötigen die Daten keinerlei Energie mehr zur Erhaltung. Das Glas ist resistent gegen Hitze, Wasser, elektromagnetische Impulse (EMP) und Cyberangriffe, da die Daten physisch fixiert sind (WORM-Speicher: Write Once, Read Many). Laut ewigbyte ermöglicht dies eine dauerhafte Archivierung über Jahrhunderte ohne die sonst üblichen laufenden Kosten für Klimatisierung und Migration.
Vom Hardware-Verkauf zum „Storage-as-a-Service“
Interessant für Gründer ist der strategische Schwenk im Geschäftsmodell, den ewigbyte vollzieht. Anstatt teure und wartungsintensive Lasermaschinen an Kunden zu verkaufen (CAPEX-Modell), positioniert sich das Start-up als Anbieter von „Storage-as-a-Service“. Kunden mieten Speicherkapazität, ewigbyte übernimmt das komplexe Handling der Laser. Dies senkt die Einstiegshürde für Pilotkunden massiv, erfordert aber vom Start-up hohe Vorab-Investitionen in die eigene Infrastruktur – ein klassisches „DeepTech“-Wagnis, das nur mit geduldigem Kapital funktioniert.
David gegen Goliath: Das Rennen um das Glas
Mit der Technologie ist ewigbyte allerdings nicht allein auf weiter Flur. Das Start-up begibt sich in direkten Wettbewerb mit einem der größten Technologiekonzerne der Welt: Microsoft forscht unter dem Namen „Project Silica“ seit Jahren an exakt dieser Technologie, um seine eigene Azure-Cloud-Infrastruktur unabhängiger von Magnetbändern zu machen. Auch lokal gibt es Konkurrenz: Das ebenfalls in München und den USA ansässige Unternehmen Cerabyte verfolgt einen ähnlichen Ansatz mit keramisch beschichtetem Glas, setzt dabei aber stärker auf kassettierte Hardware-Verkäufe.
Ewigbyte muss sich in diesem „Haifischbecken“ also klug positionieren. Mit dem frischen Kapital von 1,6 Millionen Euro will das Gründungsteam um CEO Dr. Steffen Klewitz, Technologiechef Phil Wittwer und Operations-Chefin Dr. Ina von Haeften nun den Schritt von der Forschung in die industrielle Anwendung vollziehen. Geplant ist die Entwicklung eines Prototyps, der als Basis für erste Pilotprojekte ab 2026 dienen soll. Ein entscheidender Vertrauensbeweis ist dabei der kürzlich erhaltene Validierungsauftrag der Bundesagentur für Sprunginnovationen (SPRIND). Dieses Mandat gilt in der DeepTech-Szene als Ritterschlag, da SPRIND gezielt Technologien fördert, die das Potenzial haben, Märkte disruptiv zu verändern, für klassische VCs aber oft noch zu risikoreich sind.
Die technologischen Nadelöhre
Trotz der Euphorie über die Finanzierung und das SPRIND-Siegel bleiben die technischen und ökonomischen Hürden hoch. Die Achillesferse optischer Speichermedien war historisch immer die Schreibgeschwindigkeit (Throughput). Während ein Magnetband Daten in rasender Geschwindigkeit aufspult, muss ein Laser beim Glas-Speicher physische Punkte brennen. Um im Zeitalter von Petabytes konkurrenzfähig zu sein, muss ewigbyte eine massive Parallelisierung des Schreibvorgangs erreichen – das Start-up spricht hier von „über einer Million Datenpunkten pro Puls“.
Ein weiterer Knackpunkt sind die Kosten pro Terabyte. Magnetbänder sind in der Anschaffung spottbillig. Glas als Rohstoff ist zwar günstig, doch die komplexe Lasertechnik treibt die Initialkosten. ewigbyte muss beweisen, dass die Gesamtkostenrechnung (Total Cost of Ownership) über 10 oder 20 Jahre hinweg günstiger ausfällt, weil Strom- und Migrationskosten entfallen. Zudem entsteht für Kunden ein neues Risiko: Da die Daten nur mit speziellen optischen Geräten lesbar sind, begeben sie sich in eine Abhängigkeit vom Technologieanbieter (Vendor Lock-in).
Digitale Souveränität als Verkaufsargument
Hier kommt der strategische Aspekt der „Digitalen Souveränität“ ins Spiel, den auch die Investoren betonen. Da ein Großteil europäischer Daten derzeit auf US-amerikanischer Cloud-Infrastruktur liegt oder von Hardware aus Fernost abhängt, könnte eine physische, langlebige Speicherlösung „Made in Germany“ für Behörden, Banken und kritische Infrastrukturen ein entscheidendes Argument sein. Sandro Stark von Vanagon Ventures sieht im Ausbau der Speicherinfrastruktur den „Schlüssel für alles, was davor liegt: KI, Energie, Rechenleistung“.
Ob ewigbyte tatsächlich zu einem Unternehmen von „generationeller Bedeutung“ wird, wie es die Investoren hoffen, wird sich zeigen, wenn der angekündigte industrielle Prototyp die geschützten Laborbedingungen verlässt. Der Bedarf an einer Alternative zum Magnetband ist unbestritten da – das Rennen darum, wer den Standard für das Glas-Zeitalter setzt, ist hiermit eröffnet.
Seed-Runde: Leipziger HRTech clarait erhält über 1,5 Mio. Euro
Das 2023 von Johannes Bellmann, Miriam Amin und Thilo Haase gegründete Start-up clarait digitalisiert einen der letzten analogen Bereiche im Unternehmen: die Zusammenarbeit zwischen Betriebsräten und HR.
Die clarait GmbH hat den Abschluss einer Seed-Finanzierungsrunde bekanntgegeben und sichert sich Kapital in Höhe von über 1,5 Millionen Euro. Lead-Investor der Runde ist der TGFS Technologiegründerfonds Sachsen, der einen siebenstelligen Betrag investiert. Als Co-Investor beteiligt sich der HR Angels Club, ein europaweites Netzwerk aus erfahrenen HR-Führungskräften und Investoren.
Marktlücke: Der „White Spot“ zwischen HR- und Legal-Tech
Während klassische HR-Prozesse wie Payroll oder Recruiting längst digitalisiert sind, gilt der Bereich der „Labour Relations“ (betriebliche Mitbestimmung) als einer der letzten kaum erschlossenen Märkte. In vielen Unternehmen dominiert hier noch der „Status Quo“ – ein Vorgehen, das angesichts strenger Compliance-Vorgaben und der DSGVO zunehmend riskant wird.
Clarait positioniert sich hier mit zwei verknüpften SaaS-Lösungen:
- BRbase unterstützt Betriebsräte bei der strukturierten Organisation von Sitzungen, Beschlüssen und Mitbestimmungsprozessen.
- HRflows liefert der Arbeitgeberseite juristisch geprüfte Workflows für mitbestimmungspflichtige Maßnahmen.
Wettbewerb & USP: Brückenbauer statt Insellösung
Im Wettbewerbsumfeld grenzt sich das Leipziger Start-up deutlich ab. Während etablierte Anbieter oft reine Insellösungen anbieten, verfolgt clarait einen Plattform-Ansatz. Ziel ist es, den Medienbruch zwischen Personalabteilung und Gremium zu beenden und beide Seiten auf einer Infrastruktur zu verbinden.
Das Start-up adressiert damit einen wachsenden Markt, der durch steigende regulatorische Anforderungen und den Trend zu revisionssicheren Workflows getrieben wird. Zu den Kunden zählen bereits DAX-40- und Fortune-500-Unternehmen.
Der „Perfect Fit“: Praxis trifft Prozesslogik
Ein wesentlicher Faktor für das Investment dürfte die Komposition des Gründerteams sein, das die nötige Neutralität für dieses politisch sensible Thema mitbringt:
- Johannes Bellmann (CEO) vereint die Perspektiven beider Verhandlungspartner und versteht das Geschäftsmodell sowie den Markt der betrieblichen Mitbestimmung tiefgehend.
- Thilo Haase (CPO) verantwortet die inhaltliche Ausgestaltung der Plattform.
- Miriam Amin (CTO) vervollständigt das Trio als technische Mitgründerin.
„Smart Money“ und KI-Pläne
Neben dem Kapital des TGFS bringt vor allem der Einstieg des HR Angels Club strategisches Gewicht. Das Netzwerk gilt als „Smart Money“ der HR-Tech-Szene und bietet Zugang zu Entscheidern in Personal- und Organisationsfunktionen. Sören Schuster, Geschäftsführer des TGFS, sieht in der Gremienverwaltung einen „bislang nur unzureichend digitalisierten Bereich“ und bescheinigt dem Team das Potenzial zum Qualitätsführer.
Das frische Kapital soll primär in den Ausbau der Vertriebsorganisation sowie die Weiterentwicklung der Software fließen. Geplant sind unter anderem die Integration von KI-gestützten Assistenzfunktionen sowie die Vorbereitung der Internationalisierung, die zunächst im deutschsprachigen Raum erfolgen soll.
Gründer*in der Woche: Famories – Wenn Stimmen bleiben
Wie das 2025 von Neele Himmelsbach und Lennie König gegründete Famories wertvollen Erinnerungen per privaten Podcasts ein digitales Zuhause gibt.
Die schönsten Familienerinnerungen entstehen zuhause, am Küchentisch, im Wohnzimmer, beim gemeinsamen Essen. Doch was passiert, wenn diese Momente verblassen? Neele Himmelsbach und ihr Co-Gründer Lennie König haben mit Famories eine Antwort darauf gefunden – und eine Plattform geschaffen, die Generationen verbindet, indem sie das Persönlichste bewahrt: unsere Stimme.
Es sind oft die leisen Momente, die den Anstoß für große Ideen geben. Für die Gründer*innen von Famories war es die Distanz zum Alltag, die die entscheidende Erkenntnis brachte. Während eines gemeinsamen Wanderurlaubs wurde Neele und Lennie schmerzlich bewusst, wie wenig sie eigentlich über die Lebensgeschichten ihrer eigenen Großeltern wussten. Diese Lücke im familiären Gedächtnis wurde durch einen Verlust noch deutlicher: Der Tod ihrer Großväter führte ihnen vor Augen, dass deren Geschichten, da sie nie festgehalten wurden, nun unwiederbringlich verloren waren.
Vom Sprachmemo zum „Privaten Podcast“
Die beiden beschlossen, es besser zu machen. Sie begannen, die Erinnerungen ihrer Großmütter aufzuzeichnen – ganz einfach per Sprachnachricht. Dabei machten sie eine entscheidende Entdeckung über die Kraft der eigenen Stimme: „Man hört Emotionen, Pausen, Lachen und dennoch ist die Hemmschwelle viel geringer als beim Schreiben oder Filmen“, so die Gründerin.
Der Ansatz war denkbar simpel: „Es reicht, eine Frage zu stellen und auf ‚Aufnehmen‘ zu drücken“, so Lennie. Doch die pragmatische Lösung offenbarte schnell ein technisches Problem: Die wertvollen Aufnahmen lagen verstreut auf verschiedenen Geräten. Aus diesem Chaos entwickelte Lennie den ersten Prototypen einer App, die diese Erinnerungen strukturiert und sicher speichert – die Idee des „privaten Familien-Podcasts“ war geboren. „Famories soll kein Telefonat ersetzen. Ich telefoniere weiterhin mit meiner Oma. Aber es schafft einen gemeinsamen Raum, in dem Geschichten gesammelt werden können, für die ganze Familie, über Generationen hinweg“, berichtet Neele.
Top-Start in die App-Charts
Was im Januar 2025 mit der Konkretisierung der Geschäftsidee im Digital Hub Aachen begann, nahm rasant Fahrt auf. Bereits im April 2025 wurde die Famories UG gegründet. Die Vision überzeugte nicht nur Investor*innen, sondern auch Jurys: Das Team sicherte sich das NRW-Gründerstipendium und gewann den Publikumspreis beim Pitch des Founder Institute Berlin. Der offizielle Launch im August 2025 zeigte, dass Famories einen Nerv getroffen hatte. Die App, die im Apple App Store und Google Play Store veröffentlicht wurde, positionierte sich bereits am ersten Wochenende auf Platz 24 der App-Store-Charts in der Kategorie „Soziale Netzwerke“.
Ein digitales Zuhause für alle Generationen
Heute ist Famories weit mehr als ein reines Archiv für Großeltern-Geschichten. Die Gründer*innen formulieren ihre Mission klar: „Unser Ziel ist es, Familien dauerhaft näher zusammenzubringen, indem wir ein digitales Zuhause schaffen“, so die Gründer*innen.
Durch wöchentliche Fragen und thematische Alben entstehen in der App echte „Erzählräume“. Egal ob für Pendler*innen, Studierende im Ausland oder Eltern – die App hilft Familien, Erinnerungen festzuhalten, die sonst verloren gingen. „Wir bekommen immer wieder Nachrichten von Nutzer*innen, die Famories für ganz unterschiedliche Lebensmomente nutzen: Eine Nutzerin hat uns geschrieben, dass sie die Meilensteine ihrer Kinder festhält, ein anderer Nutzer hat Famories sogar auf seiner eigenen Hochzeit genutzt. Das zeigt uns, dass unsere App viel breiter eingesetzt wird, als wir es ursprünglich gedacht haben.“
Wie wichtig dieser Ansatz gesellschaftlich ist, zeigte ein Pilotprojekt im Juli 2025 in Senioren-Wohngemeinschaften in Wildau und Zeuthen. Gemeinsam mit den Bewohner*innen wurden Lebensgeschichten festgehalten, was nicht nur den Dialog zwischen den Generationen stärkte, sondern auch den immensen Wert erzählter Erinnerungen für Angehörige und Pflegende unterstrich. „Das Projekt hat uns gezeigt: Jeder Mensch hat spannende Geschichten, man muss sich nur die Zeit nehmen, nachzufragen und zuzuhören. Genau das geht im Alltag oft verloren“, erzählt Lennie.
Vernetzung und Vision
Gründerin Neele treibt die Vision des Unternehmens konsequent voran. Im November 2025 wurde sie in das renommierte SHEROES-Investmentnetzwerk aufgenommen. Auch die Präsenz in der Öffentlichkeit wächst: Am 11. Februar sind die Gründer*innen im Rahmen des „Leaders & Mission Podcasts“ zu Gast bei IKEA in Berlin-Tempelhof. Dort diskutieren sie, wie IKEA Räume für Begegnung schafft, während Famories „die Geschichten bewahrt, die dort entstehen“.
Mit Funktionen wie personalisierbaren Weihnachtszeitungen und einem digitalen Adventskalender hat das Start-up zuletzt eindrucksvoll Gespür für emotionale Bindung bewiesen. Famories zeigt damit, dass in einer immer schnelleren digitalen Welt das Bedürfnis nach Beständigkeit wächst – und bietet eine Lösung, damit die Geschichten, die uns verbinden, nie wieder verloren gehen. „Langfristig wollen wir Geschichten nicht nur digital in der App bewahren, sondern Nutzer*innen ermöglichen, aus den Folgen Bücher oder sogar Videos zu generieren. Kinder sollen eine Tonie-Figur ihrer eigenen Oma erhalten, die ihre Geschichte erzählt“, träumt Neele.
exist Leuchtturm konkret: Wie die Startup Factory FUTURY ihre Kräfte im Bausektor bündelt
Der Bund will mit seinen exist Startup Factories international sichtbare Gründungs-Leuchttürme schaffen. In Hessen zeigt sich nun, wie diese Theorie in die Praxis übersetzt wird: Die Frankfurter Factory FUTURY und der mittelhessische Hub LOVEDIS formen eine strategische Allianz.
Es ist eines der ambitioniertesten Projekte der deutschen Gründungsförderung: Mit dem Leuchtturmwettbewerb will das Bundeswirtschaftsministerium (BMWK) die Fragmentierung der deutschen Start-up-Landschaft überwinden. Das Ziel sind hoch vernetzte, kapitalstarke Ökosysteme – sogenannte Startup Factories –, die Public-Private-Partnerships auf ein neues Level heben. Hintergründe dazu in unserem Special zu den exist Startup Factories.
FUTURY, einer der Gewinner dieses Wettbewerbs, liefert nun den Beweis, dass das Konzept „Factory“ mehr ist als ein Label: Durch die Allianz mit LOVEDIS (ehemals StartMiUp) wird die Innovationskraft des Finanzplatzes Frankfurt mit der industriellen Substanz Mittelhessens verzahnt.
Die Logik der Startup Factory: Skalierung durch Arbeitsteilung
Die Kernidee der Startup Factories – die Bündelung von Ressourcen für größere Schlagkraft – wird am Beispiel des Programms „The Mission Construction“ exemplarisch durchdekliniert. Während FUTURY als zentraler Hub und methodischer Enabler fungiert und die Verbindung zu Kapitalgebern und internationalen Netzwerken hält, übernimmt LOVEDIS die operative Führung im vertikalen Marktsegment Bau.
Dieser Schritt ist strategisch konsequent: LOVEDIS sitzt in Marburg inmitten einer Region, die reich an Hidden Champions des Baugewerbes ist. Die neue Aufgabenteilung verlagert die Validierung von Innovationen somit direkt an die Quelle der industriellen Wertschöpfung, während FUTURY den Rahmen für Skalierung und Methodik liefert.
Vom Pitch-Deck ins Real-Labor
Für Gründer*innen im Bereich ConstructionTech bedeutet diese Strukturreform eine Abkehr vom reinen Pitch-Training hin zur industriellen Integration. Der für 2026 angesetzte Accelerator nutzt die Factory-Struktur, um Startups Zugang zu sogenannten Real-Laboren zu verschaffen. Partner wie Lupp, FingerHaus oder Weimer Bau fungieren dabei nicht nur als Sponsoren, sondern öffnen ihre Baustellen und Datenräume für Pilotprojekte.
Das Ziel der Factory-Strategie ist dabei klar definiert: Weg von der Insel-Lösung, hin zu systemrelevanten Kooperationen. Nach einer dreimonatigen Validierungsphase mündet das Programm in einen One-on-One-Accelerator, der gezielt auf langfristige Lieferbeziehungen oder Co-Entwicklungen hinarbeitet.
10 Millionen Euro als Hebel für 1.000 Start-ups
Die Allianz zwischen LOVEDIS und FUTURY ist auch ein Signal an die Politik und Geldgeber. FUTURY tritt an, um bis 2030 rund 1.000 neue Startups hervorzubringen – unterstützt durch bis zu 10 Millionen Euro Bundesförderung, die durch private Mittel gespiegelt werden müssen.
Dass nun LOVEDIS als starker regionaler Partner die Federführung in einem Schlüsselsektor übernimmt, zeigt, wie die Mittel eingesetzt werden: Um regionale Exzellenzcluster (wie die Bauindustrie in Mittelhessen) an die große Infrastruktur der Startup Factory anzudocken. Mara Steinbrenner (CEO LOVEDIS) und Melissa Ott (MD FUTURY) betonen unisono, dass diese „Kollaboration der neue Standard“ sei – ein Modell, das notwendig ist, um im europäischen Wettbewerb um DeepTech- und Industrie-Innovationen bestehen zu können.
Vom Labor zur Großindustrie: MicroHarvest startet Bau einer 15.000-Tonnen-Anlage
Das 2021 von Katelijne Bekers, Jonathan Roberz und Dr. Luísa Cruz gegründete Hamburger BioTech MicroHarvest vollzieht den Schritt vom Labor in die industrielle Massenproduktion. Im Chemiepark Leuna entsteht eine kommerzielle Großanlage mit einer Jahreskapazität von 15.000 Tonnen.
Der Hamburger Proteinhersteller MicroHarvest verlässt den Pilotmaßstab und beginnt mit der industriellen Umsetzung seiner Fermentationstechnologie. Wie das Unternehmen am 12. Februar bekannt gab, fiel die Standortwahl für die erste kommerzielle Großanlage auf den Chemiepark Leuna in Sachsen-Anhalt.
Rapider Aufstieg: Von der Gründung zum Anlagenbau
Das Tempo, das MicroHarvest vorlegt, ist im Deep-Tech-Bereich ungewöhnlich hoch. Gegründet 2021 von Katelijne Bekers (CEO), Jonathan Roberz (COO) und Dr. Luísa Cruz (CTO) in Hamburg, gelang dem Gründer-Trio binnen weniger Jahre gelang der Sprung von der Verfahrensentwicklung zur Planung einer Großanlage, deren Produktionsstart bereits in rund zwei Jahren vorgesehen ist.
Technologie: Biomasse-Fermentation in Rekordzeit
Kern des Erfolgs ist ein proprietäres Verfahren der Biomasse-Fermentation. Anders als bei der Präzisionsfermentation werden hier die Mikroorganismen selbst zum Produkt: Bakterien vermehren sich exponentiell und werden zu sogenanntem Single Cell Protein (SCP) verarbeitet. Der technologische USP liegt in der Geschwindigkeit: Vom Rohstoff bis zum fertigen Protein vergehen laut MicroHarvest nur 24 Stunden. Das Verfahren gilt als eines der effizientesten weltweit und benötigt nur einen Bruchteil der Fläche und des Wassers konventioneller Proteinquellen.
Validierung durch Top-Investoren und Awards
Dass das Scale-up nun eine Investition im mittleren zweistelligen Millionenbereich stemmen kann, ist auch das Resultat einer soliden Finanzierungsstrategie. Bereits 2022 sicherte sich MicroHarvest in einer Series-A-Runde Kapital, angeführt von FoodTech-VCs wie Astanor Ventures und FoodLabs. Für den Bau in Leuna kommt nun ein Zuwendungsbescheid über knapp 5,5 Millionen Euro aus der Bundesförderung für Energie- und Ressourceneffizienz hinzu.
Standortentscheidung und Marktstrategie
In Leuna sollen rund 25 direkte Arbeitsplätze entstehen. Die Entscheidung für den Standort fiel nach der Prüfung von rund 40 Optionen in Europa. Ausschlaggebend waren die industrielle Infrastruktur und die Nähe zu regionalen Rohstoffen wie Melasse, die kurze Transportwege ermöglichen.
„Wir bauen kein Pilotprojekt, sondern eine Produktionsinfrastruktur für relevante Mengen. Leuna bietet dafür genau das richtige Umfeld: bestehende Industrie, verlässliche Utilities und ein regionales Agrar- und Verarbeitungsnetzwerk“, betont Co-Founder Jonathan Roberz.
Marktseitig ist der Boden bereitet: MicroHarvest zielt zunächst auf den B2B-Markt für Tiernahrung und Aquakultur und konnte bereits Produkteinführungen mit Partnern wie VEGDOG und THE PACK realisieren. Perspektivisch arbeitet das Unternehmen auch an Anwendungen für den Human-Food-Bereich.
Learnings für Gründer*innen
Der Case MicroHarvest zeigt exemplarisch, dass für Hardware-Start-ups die Standortwahl keine reine Immobilienthematik ist. Die Anbindung an bestehende Ökosysteme – hier die Stoffströme und Utilities eines etablierten Chemieparks – kann den entscheidenden Geschwindigkeitsvorteil beim Roll-out liefern. Zudem beweist die Finanzierungsstruktur, wie wichtig der intelligente Mix aus Venture Capital und staatlicher Förderung (hier für Capex) ist, um kapitalintensive Industrieprojekte zu realisieren.
SET100-Liste 2026: ClimateTech entwächst den Kinderschuhen
Zum zehnten Mal hat die Deutsche Energie-Agentur (dena) die globalen Top-Start-ups der Energiewende identifiziert. Die Analyse der SET100-Liste 2026 zeigt: Statt Visionen dominieren heute umsatzstarke Geschäftsmodelle und industrielle Hardware-Lösungen.
Wer verstehen will, wie sich die globale Start-up-Szene im Bereich Energie und Klima entwickelt, muss in diesem Jahr auf den Reifegrad der Technologien schauen. Die Zeiten, in denen Climate Tech vornehmlich aus Software-Piloten im frühen Stadium bestand, scheinen vorbei zu sein. Zum zehnjährigen Jubiläum der Innovationsplattform Start Up Energy Transition (SET) veröffentlichte die dena am 11. Februar 2026 die neue SET100-Liste. Ein Blick in die Daten der 100 ausgewählten Unternehmen offenbart eine massive Verschiebung hin zu marktreifen Lösungen.
Vom Prototyp zum Markteintritt
Aus insgesamt 470 Bewerbungen aus 79 Ländern wählte eine internationale Jury die vielversprechendsten Kandidat*innen aus. Auffällig ist dabei der hohe technologische Reifegrad (Technology Readiness Level, TRL). 79 Prozent der gelisteten Start-ups befinden sich bereits in der „Late Stage“ (TRL 7-9), verfügen also über marktreife Produkte oder sind bereits in der Skalierung.
Philipp Richard, Bereichsleiter Digitale Technologien & Start-up Ökosystem bei der dena, betont die fortgeschrittene technische Bereitschaft dieses Jahrgangs: „Viele Start-ups befinden sich jetzt auf TRL 7-9, was auf Lösungen hinweist, die für den sofortigen Einsatz auf dem Markt bereit sind.“. Die Start-ups haben die Pilotphase weitgehend hinter sich gelassen – 80 Prozent verfügen über Produkte, die über den Status eines „Minimum Viable Product“ (MVP) hinausgehen.
Umsatzsprung und Kapitalfluss
Diese Reife spiegelt sich auch in den betriebswirtschaftlichen Kennzahlen wider. Die monatlichen Umsätze der SET100-Unternehmen haben sich im Jahresvergleich mehr als verdoppelt – von 10,1 Millionen Euro im August 2024 auf 20,9 Millionen Euro im August 2025.
Dabei zeigt sich eine klare Trennung bei der Kapitalverteilung. Obwohl der Sektor „Clean Energy & Storage“ mit 39 Start-ups die größte Gruppe in der Liste stellt, floss das meiste Kapital in einen anderen Bereich. Die Finalisten der Kategorie „Industry“ konnten mit 93,6 Millionen Euro mehr als die Hälfte des gesamten Finanzierungsvolumens der Finalisten auf sich vereinen. Dies deutet auf ein wachsendes Interesse von Investor*innen an Lösungen für schwer dekarbonisierbare Industriesektoren (Hard-to-Abate-Sectors) hin, die oft kapitalintensive Hardware erfordern.
Hardware dominiert, Software flankiert
Die Analyse der Geschäftsmodelle zeigt, dass reine Softwarelösungen in vielen Bereichen zur Minderheit werden. Besonders in den Sektoren „Buildings & Construction“ sowie „Mobility & Transportation“ dominieren Hardware-Lösungen mit 62 Prozent beziehungsweise 50 Prozent. Lediglich im Bereich „Clean Energy & Storage“ liegt der Software-Anteil mit 51 Prozent noch vorn, was auf die hohe Bedeutung von Netzmanagement und digitalen Speicherlösungen hinweist.
Insgesamt zeigt die Liste 2026 eine hohe Produktkomplexität: 59 Prozent der Lösungen werden als „sehr komplex“ eingestuft. Gleichzeitig ist der Weg zur Profitabilität für viele greifbar: 18 Prozent der Start-ups haben den Break-even bereits erreicht, weitere 36 Prozent erwarten diesen Schritt innerhalb der nächsten 12 Monate.
Die Finalist*innen im Überblick
Aus den Top 100 wurden 15 Finalist*innen ausgewählt, die ihre Lösungen am 17. März 2026 auf dem SET Tech Festival in Berlin präsentieren werden. Die Bandbreite reicht von Kreislaufwirtschaft bis zu KI-gesteuerter Netzstabilität:
- Clean Energy & Storage: Hier treten unter anderem Alternō (Singapur) mit thermischen Speichern auf Sandbasis und Flower (Schweden) mit KI-basiertem Energiehandel an.
- Industry: In dieser kapitalstarken Kategorie finden sich Unternehmen wie Cyclic Materials (Kanada), das Seltene Erden recycelt, und InPlanet (Deutschland), das auf beschleunigte Gesteinsverwitterung zur CO2-Speicherung setzt.
- Buildings & Construction: Hier liegt der Fokus auf Materialien und Inspektion, etwa durch Birdsview (Norwegen) mit KI-gestützter Betondiagnose oder Mykor (UK) mit Dämmstoffen aus Pilzmyzel.
- Mobility: Finalisten wie CLIP.bike (USA) setzen auf E-Bike-Nachrüstungen, während Gridio (Estland) intelligentes Laden von E-Autos ermöglicht.
- Energy Access: Unternehmen wie Acecore (USA/Nigeria) und BioMassters (Ruanda) adressieren die Energieversorgung im globalen Süden.
Herausforderungen bleiben bestehen
Trotz der positiven Entwicklung sehen sich die Gründerinnen und Gründer weiterhin mit signifikanten Hürden konfrontiert. Als größte Herausforderung identifizieren die Unternehmen die Anpassung an politische Rahmenbedingungen und Regulierung – ein Thema, das besonders im stark reglementierten Energiesektor schwer wiegt. Auch die internationale Expansion und die Akquise von Talenten zählen zu den drängendsten Problemen. Im Industriesektor, der stark auf spezialisierte Ingenieurskunst angewiesen ist, wird der Fachkräftemangel als besonders kritisch bewertet.
Der SET Award 2026 markiert einen Wendepunkt: ClimateTech ist keine Nische für Idealisten mehr, sondern ein reifer Markt mit validierten Geschäftsmodellen, der zunehmend traditionelle Industriestrukturen aufbricht.
40 Mio. EUR Series-A für Berliner CleanTech metiundo
Das Berliner EnergieTech metiundo will das Tempo beim Smart-Meter-Rollout erhöhen und sichert sich dafür in einer der aktuell größten Series-A-Runden im deutschen CleanTech-Sektor 40 Mio. Euro.
Die Digitalisierung der Energiewende im Gebäudesektor erhält frisches Kapital: Das 2021 von von Dennis Nasrun und Felix Mücke gegründete metiundo hat eine Finanzierungsrunde über 40 Millionen Euro abgeschlossen. Das Kapital stammt aus Fonds, die von Octopus Energy Generation verwaltet werden, einem der führenden europäischen Investoren für grüne Infrastruktur. Für das Berliner Unternehmen markiert das Investment den nächsten Schritt vom Nischenanbieter zum breiten Marktakteur.
Kapital für Skalierung und Software
Das Geschäftsmodell von metiundo basiert auf „Smart Metering as a Service“. Anders als klassische Messstellenbetreiber deckt das Unternehmen die gesamte Wertschöpfungskette ab – von der Installation der Zähler über den Betrieb bis hin zur Aufbereitung der Daten über eine eigene Softwareplattform. Bislang hat das Unternehmen nach eigenen Angaben über 21.000 Zähler installiert.
Mit den nun eingesammelten 40 Millionen Euro soll vor allem die technische und personelle Infrastruktur ausgebaut werden. Konkret plant das Unternehmen Investitionen in die Weiterentwicklung der proprietären Softwareplattform sowie den Ausbau der eigenen Montage- und Installationsteams. Gesucht werden Fachkräfte in den Bereichen Softwareentwicklung, Installation und Betrieb, um die Kapazitäten für den bundesweiten Rollout zu erhöhen.
Dennis Nasrun, Co-Founder und CEO von metiundo, betont den strategischen Fokus: „Von Anfang an haben wir konsequent in unsere eigene Software investiert. Mit der neuen Finanzierung gehen wir jetzt entschlossen in die weitere Skalierung: mehr Installationen, höhere Qualität und noch mehr Geschwindigkeit beim Ausbau unserer Plattform.“
Sektorkopplung im Fokus der Investoren
Für den Investor Octopus Energy Generation ist der Einstieg bei metiundo Teil einer breiteren Strategie zur Dekarbonisierung des Immobiliensektors. Alex Brierley, Co-Head des Fondsmanagement-Geschäfts bei Octopus, verweist auf die Relevanz des Marktes: „Der Gebäude- und Wärmesektor zählt zu den größten CO2-Verursachern in Deutschland und ist für rund 30% der energiebezogenen Emissionen verantwortlich.“
Das Ziel der Investition ist es, integrierte Smart-Meter-Netzwerke über mehrere Liegenschaften hinweg aufzubauen. Dies soll nicht nur Transparenz schaffen, sondern die Grundlage für datenbasierte Zusatzlösungen bilden – etwa die Optimierung von Photovoltaikanlagen und Batteriespeichern vor Ort, um Betriebskosten zu senken.
Wettbewerb im Messstellenmarkt
Der Markt für Messstellenbetreiber in Deutschland ist derzeit starker Dynamik unterworfen. Der Gesetzgeber drückt beim Smart-Meter-Rollout aufs Tempo, wobei wettbewerbliche Messstellenbetreiber wie metiundo als „zentraler Hebel“ gelten, um die Installation intelligenter Messsysteme in der Fläche zu beschleunigen.
Ein Differenzierungsmerkmal von metiundo ist dabei der spartenübergreifende Ansatz: Die Plattform bündelt nicht nur Stromdaten, sondern integriert auch Wasserverbräuche, um ein Gesamtbild der energetischen Situation einer Immobilie zu erstellen.
Startschuss für SouthwestX: Eine von zehn offiziellen exist Startup Factories nimmt Arbeit auf
Die Startup-Factory SouthwestX hat am 6. Februar 2026 den operativen Betrieb aufgenommen. Als eines von bundesweit nur zehn Leuchtturm-Projekten, die sich im exist-Leuchtturmwettbewerb des Bundeswirtschaftsministeriums (BMWK) durchsetzen konnten, startet das Konsortium mit einem Gesamtbudget von 22,5 Millionen Euro.
Der offizielle Start markiert den Abschluss eines intensiven Auswahlprozesses. SouthwestX gehört damit zum exklusiven Kreis der zehn vom Bund prämierten exist Startup Factories, die beauftragt sind, Deutschland international als führenden Deep-Tech-Standort zu etablieren. Ziel des in Saarbrücken ansässigen Hubs ist die Förderung von Ausgründungen in der Großregion Saarland, Rheinland-Pfalz, Luxemburg und Frankreich.
Exzellenz-Status und Finanzierung
Der Status als offizielle exist Startup Factory ist an strikte Kriterien geknüpft. Um den finalen Zuschlag und die damit verbundene Bundesförderung von 10 Millionen Euro zu erhalten, musste SouthwestX den Wettbewerb nicht nur fachlich gewinnen, sondern auch die Wirtschaftlichkeit durch privates Kapital nachweisen. Dem Konsortium gelang es, 12,5 Millionen Euro an privaten Mitteln aus der Industrie zu akquirieren. Diese Public-Private-Partnership sichert dem Standort eine Gesamtfinanzierung von 22,5 Millionen Euro für die erste Phase.
Langfristige Strukturziele
Die Initiatoren verfolgen mit der Factory langfristige strukturpolitische Ziele. Nach eigenen Angaben sollen in den kommenden zehn Jahren über die Plattform rund 1.500 Startups gegründet und etwa 20.000 Arbeitsplätze in der Region geschaffen werden. Der inhaltliche Fokus liegt auf der Überführung wissenschaftlicher Erkenntnisse in industrielle Anwendungen (Deep Tech) sowie auf Technologien zur ökologischen Transformation der Wirtschaft (Green Transformation).
Grenzüberschreitender Ansatz und KI-Fokus
Im Vergleich zu den anderen neun Factories positioniert sich SouthwestX mit einem dezidiert europäischen Profil. Durch die Einbindung von Partnern aus Frankreich und Luxemburg entsteht ein grenzüberschreitendes Innovationsnetzwerk. Ein thematischer Schwerpunkt liegt auf „Responsible AI“ (vertrauenswürdige Künstliche Intelligenz). Hierbei wird unter anderem auf die Expertise des Deutschen Forschungszentrums für Künstliche Intelligenz (DFKI) zurückgegriffen.
Zum Start 2026 wurden drei Kernprogramme aufgelegt:
- Startup Journey: Ein Inkubator-Programm für Teams in der Frühphase.
- Innovation Journey / GTI: Das Programm „Green Transformation Innovation“ zielt auf die Vermittlung von Kooperationen und Pilotprojekten zwischen Startups und etablierten Industrieunternehmen.
- Startup Leaders Program: Ein Weiterbildungs- und Vernetzungsangebot für Wachstumsunternehmen (Scale-ups) mit Fokus auf Internationalisierung.
Beteiligte Institutionen
Das Partnernetzwerk umfasst neben dem DFKI unter anderem die WHU – Otto Beisheim School of Management, die Max-Planck-Institute, die Universität des Saarlandes sowie die Rheinland-Pfälzische Technische Universität Kaiserslautern-Landau (RPTU).
Ralf Zastrau, Co-CEO von SouthwestX, bezeichnete den Start als Schritt, um „aus wissenschaftlicher Exzellenz unternehmerische Dynamik“ zu erzeugen. Der saarländische Wirtschaftsminister Jürgen Barke betonte im Rahmen der Veranstaltung die Bedeutung des Transfers zwischen Forschung und wirtschaftlicher Anwendung für den Standort.
Stadt vs. Land: Warum Gründerinnen urbane Räume bevorzugen – und welche Chancen die Provinz bietet
Jede(r) kennt die Hotspots unserer Start-up-Szene. Doch wie sieht es jenseits der Metropolen aus? Der aktuelle Women Entrepreneurship Monitor 2024/25 zeigt: Frauen gründen auf dem Land zwar seltener, lassen sich vom Standort aber weniger abschrecken als Männer.
Der Traum vom eigenen Unternehmen – er blüht in der Stadt deutlich stärker als auf dem Land. Das bestätigt der neuste Women Entrepreneurship Monitor, der vom RKW Kompetenzzentrum gemeinsam mit dem Thünen-Institut veröffentlicht wurde. Die Analyse der Daten aus dem Global Entrepreneurship Monitor (GEM) der Jahre 2015 bis 2024 liefert spannende Einblicke in die Geografie des Gründens.
Klares Stadt-Land-Gefälle
Die nackten Zahlen bestätigen zunächst das Klischee: Während sich in städtischen Regionen 5,4 Prozent der befragten Frauen für eine Gründung entschieden, waren es in ländlichen Räumen nur 4,3 Prozent.
Interessant wird es jedoch im direkten Vergleich mit den männlichen Kollegen. Auch Männer zieht es in die Städte (9,5 Prozent Gründungsquote) statt aufs Land (6,5 Prozent). Der statistische Twist:
- Bei Frauen ist die Gründungsaktivität auf dem Land um rund 20 Prozent niedriger als in der Stadt.
- Bei Männern bricht die Quote auf dem Land um über 30 Prozent ein.
Das Fazit der Expert*innen: Der Wohnort ist für Frauen bei der Gründungsentscheidung statistisch gesehen weniger ausschlaggebend als für Männer. Frauen gründen dort, wo sie sind – Männer ziehen eher dorthin, wo gegründet wird.
Warum das Land (noch) bremst
Warum ist der ländliche Raum für Gründerinnen oft ein härteres Pflaster? Die Studie identifiziert strukturelle Hürden, die über reines Internet-Tempo hinausgehen:
1. Industriestrukturen: Viele wirtschaftsstarke ländliche Räume sind geprägt von männerdominierten Branchen (Fahrzeugbau, Chemie). Das drückt nicht nur die Frauenquote in Führungspositionen, sondern sorgt auch für überdurchschnittlich hohe Gender Pay Gaps.
2. Care-Arbeit: Fehlende Kita-Plätze und eingeschränkte Pflegeangebote für Angehörige sind auf dem Land oft noch virulenter als in der Stadt. Für Gründerinnen wird die Vereinbarkeit von Familie und Business hier zur organisatorischen Herkulesaufgabe.
Die „Hidden Opportunity“: Warum sich das Land lohnen kann
Doch der Monitor warnt davor, das Land abzuschreiben. Für clevere Gründerinnen liegen genau hier ungenutzte Chancen:
- Geringere Burn-Rate: Mieten und Löhne sind deutlich niedriger („Einstiegskosten“).
- Weniger Konkurrenz: Wer eine Marktlücke besetzt, ist oft der einzige Anbieter weit und breit.
- Alternative zum Arbeitsmarkt: In Regionen mit einseitiger Branchenstruktur ist die Selbständigkeit oft der attraktivste Weg zu einer erfüllenden Karriere.
Mindset: Geld regiert die (Stadt-)Welt
Was treibt die Gründerinnen an? Überall steht der Wunsch nach Wohlstand oben auf der Liste. Doch in der Stadt ist der finanzielle Hunger größer: Für 51 Prozent der städtischen Gründerinnen sind hohes Einkommen und Reichtum ein „sehr wichtiges“ Motiv – auf dem Land sagen das nur 38 Prozent.
Überraschend: Auch die „Fortführung einer Familientradition“ ist eher ein städtisches Phänomen (44 Prozent) als ein ländliches (30 Prozent).
Bildung als der große Gleichmacher
Egal ob Kuhweide oder Co-Working-Space: Bildung ist der Schlüssel. Gründerinnen sind im Schnitt deutlich besser qualifiziert als der Rest der Bevölkerung.
- Land: 25 Prozent der Gründerinnen haben einen Hochschulabschluss (Bevölkerungsschnitt: 12 Prozent).
- Stadt: 43 Prozent der Gründerinnen sind Akademikerinnen (Bevölkerungsschnitt: 25 Prozent).
Das zeigt: Entrepreneurship ist in Deutschland weiterhin stark akademisch geprägt. Die Diskrepanz zwischen Stadt und Land ist dabei größer als die zwischen den Geschlechtern.
Potenzial noch lange nicht ausgeschöpft
Die Studie zeigt, dass wir das Potenzial von Gründerinnen im ländlichen Raum noch lange nicht ausgeschöpft haben. Während die Städte mit Netzwerkeffekten punkten, bietet das Land Raum für nachhaltiges Wachstum abseits des Hypes. Um die Lücke zu schließen, braucht es aber mehr als nur Mut: Es braucht eine Infrastruktur, die Care-Arbeit und Business vereinbar macht.
Wachstumsfinanzierung für Batterie-Analytik: EIB stellt TWAICE 24 Mio. Euro bereit
Das Münchner DeepTech TWAICE erhält frisches Kapital von der Europäischen Investitionsbank. Das 24-Mio.-Euro-Darlehen soll die internationale Expansion und die Produktentwicklung im Bereich der prädiktiven Batterieanalyse beschleunigen.
Der Markt für Energiespeicher wächst im Zuge der Energiewende rasant, bringt jedoch neue operative Herausforderungen für Betreiber mit sich. In diesem Umfeld hat sich TWAICE, ein Anbieter von Analysesoftware für Batteriespeicher, eine signifikante Finanzierung gesichert. Die Europäische Investitionsbank (EIB) gewährt dem Unternehmen ein langfristiges Venture-Debt-Darlehen in Höhe von 24 Millionen Euro, abgesichert durch das InvestEU-Programm der Europäischen Union.
Datengetriebene Skalierung statt manueller Überwachung
Das Geschäftsmodell von TWAICE adressiert einen kritischen Engpass in der Elektrifizierung: Die Performance und Lebensdauer von Lithium-Ionen-Batterien. Sowohl in stationären Batteriespeichersystemen (BESS) als auch in Elektrofahrzeugen (EV) unterliegen Zellen einer natürlichen Degradation. Durch den Einsatz prädiktiver Analytik und KI-gestützter Auswertungen historischer sowie Echtzeit-Daten zielt die Software darauf ab, diesen Verschleiß frühzeitig zu erkennen und Wartungsprozesse zu automatisieren.
Für Betreiber von Speicherparks ist dies vor allem eine Frage der Skalierbarkeit. Laut einer aktuellen Erhebung des Unternehmens sehen sich 45 Prozent der BESS-Betreiber mindestens einmal monatlich mit unerwarteten technischen Problemen konfrontiert. „Wenn Speicherbetreiber ihre Flotten vergrößern, benötigen sie einen Betrieb, der genauso mitwächst“, erklärt Dr. Stephan Rohr, Co-CEO von TWAICE. Ziel sei der Übergang von einer reaktiven Fehlerbehebung hin zu einer automatisierten, datengetriebenen Steuerung, die den manuellen Aufwand reduziert und die Profitabilität sichert.
Strategische Bedeutung für den Standort Europa
Die Beteiligung der EIB unterstreicht die politische Relevanz der Technologie. Batterien gelten als Schlüsselkomponente für die Energieunabhängigkeit und die Stabilisierung der Stromnetze bei steigendem Anteil volatiler erneuerbarer Energien.
Nicola Beer, Vizepräsidentin der EIB, ordnet das Investment in den breiteren Kontext ein: „Mit der Unterstützung von TWAICE stärken wir nicht nur die technologische Führungsrolle Europas in der modernen Batterieanalytik, sondern fördern auch Innovationen, die eine intelligentere Nutzung umweltfreundlicher Energie ermöglichen.“ Die Finanzierung ist Teil der EIB-Strategie, Technologien zu fördern, die zur Dekarbonisierung beitragen und die europäische Wertschöpfungskette im Batteriesektor widerstandsfähiger machen.
Wachstum und Effizienzgewinne
Das frische Kapital fließt primär in zwei Bereiche: Die Weiterentwicklung der Analyse-Algorithmen und die Erschließung internationaler Märkte. Nach eigenen Angaben konnte TWAICE sein Geschäft im Bereich der stationären Speicher im Jahr 2025 fast verdreifachen.
Für die Kunden – darunter Energieversorger und Flottenbetreiber – stehen dabei harte Kennzahlen im Vordergrund. Analysen aus dem Kundenstamm zeigen, dass durch den Einsatz der Software die tatsächlich verfügbare Speicherleistung im Schnitt um fünf Prozent gesteigert werden konnte, während sich die Zeit für technische Analysen durch automatisierte Reports um bis zu 90 Prozent reduzierte. Neben dem Speichergeschäft bleibt die Zusammenarbeit mit Automobilherstellern (OEMs) ein zweites Standbein, bei dem die Software bereits in der Entwicklungsphase von Fahrzeugbatterien zum Einsatz kommt.
Zweistelliges Mio.-Investment: Dresdner E-Motor-Pionier Additive Drives zündet nächste Wachstumsstufe
Das Dresdner Tech-Unternehmen Additive Drives hat sich frisches Kapital in mittlerer zweistelliger Millionenhöhe gesichert, um seine weltweit führende 3D-Druck-Technologie für Elektromotoren global auszurollen.
Vom Start-up zum Technologieführer
Hinter dem Erfolg steckt eine rasante Entwicklung „Made in Saxony“: 2020 von Philipp Arnold, Axel Helm und Dr. Jakob Jung gegründet, hat sich Additive Drives innerhalb weniger Jahre zu einem profitablen Technologieführer entwickelt. Mit inzwischen über 70 Mitarbeitenden am Standort Dresden fertigt das Unternehmen Elektromotoren, die durch additive Fertigungsverfahren (3D-Druck) Leistungsdaten erreichen, die mit konventionellen Methoden physikalisch kaum möglich wären.
Durch das patentierte Design, etwa bei 3D-gedruckten Kupferwicklungen, erzielen die Motoren eine Energieeffizienz von bis zu 98 Prozent. Damit übertreffen die Dresdner den höchsten Industriestandard (IE5) deutlich und erreichen effektiv das Niveau der Klasse IE7. Ein entscheidender Hebel für den Klimaschutz, da Elektromotoren weltweit für rund 53 Prozent des Stromverbrauchs verantwortlich sind.
Unabhängigkeit von Seltenen Erden
Ein strategischer Wettbewerbsvorteil der Technologie ist der Verzicht auf kritische Rohstoffe. Die Motoren können ohne Seltene Erden gefertigt werden, was die Abhängigkeit von geopolitisch unsicheren Lieferketten eliminiert – ein wichtiges Argument für die industrielle Souveränität Europas. Zu den Kunden, die diese Technologie bereits nutzen, zählen globale Schwergewichte wie Amazon, Airbus, Audi, BMW und Schaeffler.
Profitabilität und schnelle Skalierung
Im Gegensatz zu vielen jungen DeepTechs wirtschaftet das Gründer-Trio bereits hochprofitabel. In einem aktuellen deutschen Finanzranking belegte Additive Drives Platz 7 unter 8.000 analysierten Firmen. Ein Schlüssel dazu ist die Geschwindigkeit: Prototypen können in Dresden innerhalb von nur 21 Tagen gefertigt werden, was die Entwicklungszyklen in der Industrie massiv verkürzt.
„Wir sind schon früh Cashflow-positiv gewesen“, erklärt Philipp Arnold, CFO und Mitgründer. „Mit Nordic Alpha Partners haben wir nun einen operativen Partner an der Seite, der über das nötige Rüstzeug verfügt, um unser Wachstum global massiv zu beschleunigen und neue Märkte zu erschließen.“
Investoren sehen europäisches Leuchtturm-Projekt
Auch die Investorenseite hebt die operative Exzellenz hervor. „Es ist selten, ein Gründerteam zu sehen, das technologisch so bahnbrechend ist und gleichzeitig weniger als fünf Jahre nach dem Start eine so starke finanzielle Performance liefert“, kommentiert Nikolaj Magne Larsen, Partner bei Nordic Alpha Partners.
Arno Held, Managing Partner beim ersten Investor AM Ventures, sieht in Additive Drives ein „Musterbeispiel für die Innovationskraft des deutschen Mittelstands“. Mit dem Einstieg des neuen Partners sei der Weg frei, um aus dem Dresdner Unternehmen einen europäischen Champion für nachhaltige Antriebe zu formen.
Gründer*in der Woche: Gamba Zamba – Garnelen Made in Germany
Das FoodTech-Start-up aquapurna der Gründer David Gebhard und Florian Gösling zeigt, dass Garnelen verantwortungsvoll und regional angeboten werden können – aus deutscher Aufzucht.
Die Geschichte von Gamba Zamba beginnt auf einer Reise: Als Florian Gösling in Asien Einblicke in die industrielle Garnelenproduktion erhält, ist er schockiert. Zurück in Deutschland tauschte er sich mit David Gebhard, seinem langjährigen Freund aus dem Bergsport und heutigen Co-Gründer von Gamba Zamba aus, und stellte die Frage: „Warum sollten Garnelen nicht auch hier bei uns wachsen können – frisch, nachhaltig und ohne Tierleid?“
Bei ihren Recherchen stellten die beiden fest: Europäische Alternativen gibt es, aber sie sind mehrfach teurer als Importware. Eine weitere Erkenntnis: Zwar ist die Technologie für landbasierte Kreislaufaquakultur grundsätzlich vorhanden, befindet sich jedoch noch in einem frühen Entwicklungsstadium und verursacht zu hohe Kosten.
Florian und David waren sich sicher, dass das besser geht, schritten zur Tat und gründeten mitten in der Corona-Pandemie auf dem Gelände einer ehemaligen Kali-Mine bei Hannover ihr eigenes Garnelenforschungszentrum.
Hightech trifft Naturverständnis
Dort, in der eigens entwickelten Kreislaufanlage, wachsen seitdem Garnelen unter stabilen, artgerechten Bedingungen auf. Das System spart über 99 Prozent Wasser, arbeitet vollständig ohne Antibiotika und Chemie und ermöglicht eine Aufzucht, die Natur und Technologie intelligent verbindet.
Das sogenannte SmartReef-System schafft künstliche Riffstrukturen, auf denen sich die Tiere häuten und zurückziehen können. Sensoren überwachen permanent die Wasserqualität. „Unsere Tiere sollen sich wohlfühlen. Nur dann können sie gesund wachsen“, so Florian.
Während den Garnelen-Weibchen in Asien und Südamerika ein Auge entfernt wird, damit sie ihre Eier ablegen – was meist zu ihrem Tod führt –, setzt Gamba Zamba auf natürliche Vermehrung und eine Diät aus Tintenfisch und Miesmuscheln. „Für uns ist das ein absolutes No-Go. Wir sehen Garnelen als Lebewesen, nicht als reine Commodity“, betont David.
Auch sonst unterscheidet sich die Aufzucht grundlegend von herkömmlichen Methoden: Das Start-up verzichtet konsequent auf Antibiotika, Sulfite (E223), die allergische Reaktionen auslösen können, Phosphate, die Wasser binden und Konsument*innen täuschen, übermäßige Glasur – also das typische „Pfannenwasser“, und chemische Entkeimungsmittel wie Chlor oder Peroxide. Das Ergebnis: reine, unverfälschte Garnelen mit natürlichem Geschmack und fester Textur.
„Viele Menschen möchten bewusster essen, ohne auf Genuss zu verzichten. Genau das bieten wir: frische Garnelen aus deutscher Aufzucht – mit vollem Geschmack und gutem Gewissen“, erklärt Florian.
Bisher hatten Garnelen-Fans hierzulande kaum eine Wahl: Entweder billige Importware mit zweifelhaftem Ursprung und hohem CO₂-Fußabdruck oder europäische Nischenprodukte für teils über 120 Euro pro Kilo. „Wir schaffen endlich eine leistbare, nachhaltige Alternative“, sagt Florian.
metergrid: Stuttgarter Start-up sammelt 10 Mio. Euro für Mieterstrom-Plattform ein
Das 2021 gegründete metergrid ist auf Software- und Abwicklungslösungen für sogenannte Mieterstrommodelle spezialisiert. Die Runde ist laut metergrid die bislang größte Wachstumsfinanzierung im deutschen Mieterstrom-Markt.
Das 2021 gegründete EnergyTech-Start-up metergrid hat eine Series-A-Finanzierungsrunde in Höhe von 10 Mio. Euro abgeschlossen. Wie das Unternehmen mitteilte, handelt es sich dabei um die bislang größte Wachstumsfinanzierung im deutschen Mieterstrom-Markt. Angeführt wird die Runde von dem niederländischen Investor SET Ventures. Auch die Bestandsinvestoren Hager, LBBW Venture Capital, Mätch VC sowie mehrere Business Angels beteiligten sich erneut.
Metergrid ist auf Software- und Abwicklungslösungen für sogenannte Mieterstrommodelle spezialisiert. Diese ermöglichen es, Solarstrom von Dächern mehrgeschossiger Wohngebäude direkt an die Bewohner zu verkaufen. Das Stuttgarter Unternehmen konnte die Zahl der versorgten Bewohner*innen nach eigenen Angaben im vergangenen Jahr von rund 10.000 auf über 53.000 steigern.
Ausbau zur Gesamtplattform geplant
Mit dem frischen Kapital plant das Unternehmen, sein Geschäftsmodell von einer reinen Abrechnungslösung zu einer umfassenden Energie-Plattform für Mehrparteienhäuser auszubauen. Ziel sei es, neben Photovoltaik-Anlagen künftig auch Ladeinfrastruktur für E-Mobilität, Energiemanagementsysteme, Speicherlösungen sowie Heiz- und Nebenkostenabrechnungen über eine zentrale Software abzuwickeln.
„Wir machen Energieversorgung im Mehrparteienhaus erstmals automatisiert, wirtschaftlich und massentauglich“, erklärte Johannes Mewes, Co-Founder und Geschäftsführer von metergrid. Bis zum Jahr 2030 will das Unternehmen nach eigenen Angaben eine Million Menschen in Mehrparteienhäusern mit erneuerbarer Energie versorgen.
Hürden beim Mieterstrom
Rund 44 Mio. Menschen in Deutschland leben in Mehrparteienhäusern. Die Umsetzung von lokalen Energiekonzepten scheiterte dort bislang oft an komplexen regulatorischen und administrativen Hürden. Metergrid adressiert dieses Marktsegment, indem es Vermietern, Wohnungseigentümergemeinschaften und Wohnungsbaugesellschaften die bürokratische Abwicklung – von der behördlichen Anmeldung bis zur Abrechnung mit den Mietern – abnimmt.
Dr. Till Stenzel, Partner beim Lead-Investor SET Ventures, sieht in der Lösung das Potenzial, den Markt für urbane Energieversorgung zu erschließen: „Mehrparteienhäuser konnten bisher noch praktisch gar nicht an der Energiewende teilnehmen – metergrids Lösung sorgt hier für eine ganzheitliche, volldigitalisierte Lösung.“
