EWE-Projekt zur Förderung von Frauen in der Gründung


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Das Gründerinnen-Netzwerk WES startet sein Modellprojekt EWE für mehr Sichtbarkeit und Förderung von Gründerinnen in ganz Deutschland. Was Gründer*innen erwartet, liest du hier.

Das Projekt Women Entrepreneurs in Science (kurz: WES) der Uni Wuppertal hat in den vergangenen vier Jahren die Sichtbarkeit und Förderung von Gründerinnen in Nordrhein-Westfalen maßgeblich vorangetrieben. Mit „Empowering Women Entrepreneurs“ (EWE) können die Verantwortlichen nun direkt an diesen Erfolg anknüpfen und noch viel weitergehen. In dem Modellprojekt erproben sie ab sofort für ganz Deutschland neue Ansätze zur Förderung von Frauen in der Gründung.

Rückblick: WES als Erfolgsmodell für NRW

Frauen sind in der deutschen Gründungsszene mit 18,8 Prozent (Deutscher Start-up Monitor 2024) nach wie vor unterrepräsentiert. Um die Zahl der Gründerinnen zu erhöhen, setzt die Dachmarke WES verschiedene Maßnahmen ein, um strukturelle Barrieren abzubauen und tief verankerten Geschlechterstereotypen entgegenzuwirken. Durch die Einbindung erfolgreicher Gründerinnen aus unterschiedlichen Bereichen in die Aktivitäten von WES wird gezeigt, dass Frauen in allen Branchen gründen.

Und auch das ist WES: Durch den Aufbau eines starken Netzwerks, zielgruppengerechte Workshops und Veranstaltungen sowie die Entwicklung eines Leitfadens für eine bedarfsorientierte Beratung, die individuelle Ziele und Lebensrealitäten der Frauen berücksichtigt, wird die Unternehmensgründung als alternativer Karriereweg positioniert und der Zugang für Frauen verbessert.

Ein zentrales Problem bleibt der sogenannte Same-Gender-Effekt: Männliche Investoren bevorzugen unbewusst männliche Gründer, was Frauen den Zugang zu Startkapital und allgemein finanzieller Förderung erschwert. Als Maßnahme hat WES den Dialog zwischen Gründerinnen und Investor*innen in verschiedenen Veranstaltungsformaten gestärkt.

Seit seiner Gründung prägt WES die Gründungsszene an Hochschulen in NRW wie folgt:

  • Aufbau eines Hochschul-Netzwerks mit über 30 NRW-Hochschulen.
  • Durchführung von 125 Veranstaltungen und Workshops mit 1.461 Teilnehmerinnen.
  • Zentrales Event: „Gründerinnen SUMMIT“ mit steigenden Teilnehmendenzahlen.
  • Mentorinnenprogramm mit stetigem Wachstum – aktuell 76 Mentorinnen im Netzwerk.
  • Entwicklung von neun innovativen Veranstaltungsformaten.
  • Recherche von 53 internationalen Best-Practice-Maßnahmen für Gründerinnen.
  • Aufbau eines Investor*innen-Netzwerks.

„Diese Indikatoren verdeutlichen den Erfolg des Projektes, das darauf ausgerichtet ist, Strukturen und Maßnahmen zu schaffen, die Frauen gezielt bei der Entwicklung und Umsetzung ihrer Gründungsprojekte an Hochschulen unterstützen“, fasst Projektleiterin Prof. Dr. Christine Volkmann von der Bergischen Universität Wuppertal zusammen.

Ausblick: Empowering Women Entrepreneurs (EWE) als bundesweite Skalierung

Am 1. März 2025 startet mit „Empowering Women Entrepreneurs“ (kurz: EWE) ein Modellprojekt, das die erfolgreichen Ansätze von WES bundesweit ausrollen will. Mit einer Laufzeit von drei Jahren und einer Fördersumme von 1,57 Millionen Euro wird EWE durch das Bundesministerium für Wirtschaft und Klimaschutz (BMWK) sowie das Ministerium für Wirtschaft, Industrie, Klimaschutz und Energie (MWIKE) gefördert.

EWE setzt auf einen ganzheitlichen Ansatz zur Unterstützung von Gründerinnen und erweitert die Zielgruppen insbesondere um Frauen, die als Nachfolgerinnen ein Unternehmen übernehmen.

  • Online-Lernmodule & KI-gestützte Kontaktvermittlung zur gezielten Unterstützung von Gründerinnen und Nachfolgerinnen.
  • Train-the-Trainer-Programm für Hochschulen zur Umsetzung gendersensibler Ansprache und Kommunikation sowie von Workshops und Gründungsförderung.
  • Internationalisierung.
  • Aufbau einer Datenbank von Investorinnen.

„Mit EWE geht WES den nächsten großen Schritt, um die Förderung von Frauen in der Gründung deutschlandweit auf ein neues Level zu heben. Das erfolgreiche Konzept aus NRW wird weiterentwickelt und ausgeweitet, um noch mehr Frauen für das Unternehmer*innentum an Hochschulen zu gewinnen und mit zielgerichteten Angeboten zu unterstützen“, betont Prof. Volkmann.

Zelara sammelt 3 Mio. Euro ein: KI-Start-up fordert den etablierten CRM-Markt heraus

Das 2025 gegründete Berliner Start-up bläst zum Angriff auf den Status quo im Lifecycle Marketing. Mit einer Finanzierungsspritze von drei Millionen Euro will Zelara statisches, regelbasiertes Kampagnenmanagement durch lernende KI ersetzen. Die von der Risikokapitalgesellschaft NAP angeführte Pre-Seed-Runde – mit Beteiligung von Heartfelt und Angel Invest – soll die technologische Basis für das anvisierte Wachstum legen. Doch reicht ein kluges KI-Layer-Konzept, um im hart umkämpften Haifischbecken der CRM-Giganten zu bestehen?

Das starke Fundament von Zelara ruht primär auf dem Profil seiner beiden Macher. Das in Berlin ansässige Start-up wurde von Nikolas Schriefer und Björn Heckel gegründet. Die Motivation zur Gründung entsprang einer branchenbekannten Frustration: Trotz hoher Investitionen in Marketingtechnologien bleibt die Kundenkommunikation in vielen Unternehmen statisch, regelbasiert und weitgehend lernresistent. Beide Gründer bringen tiefgreifende operative Erfahrung in den Markt ein. Björn Heckel verantwortete mehr als zwei Jahrzehnte lang den Aufbau von Kundenbindungs- und Personalisierungssystemen bei Tech-Riesen wie Uber, HelloFresh und Salesforce. Nikolas Schriefer bringt neben seiner Erfahrung als Leiter von KI-Initiativen bei HelloFresh auch das strategische Wissen aus der Gründung und dem Verkauf eines eigenen AdTech-Unternehmens mit.

Das KI-Layer: Anflanschen statt Austauschen

Technologisch verfolgt Zelara einen pragmatischen Integrationsansatz für den Enterprise-Markt. Die Plattform versteht sich nicht als Ersatz für etablierte CRM-Systeme, sondern positioniert sich als ergänzende Intelligenzschicht. Unternehmen müssen demnach weder ihren bestehenden CRM-Stack austauschen noch aufwendige Anpassungen an der Customer Journey vornehmen. Anstatt mit groben Segmenten zu arbeiten, ermittelt Zelara nach eigenen Angaben kontinuierlich die passende Botschaft, den optimalen Kanal und den idealen Zeitpunkt für jeden einzelnen Kunden. Während Marketingteams lediglich die groben Rahmenbedingungen vorgeben, übernimmt die Software die operative Aussteuerung.

Der zentrale Wettbewerbsvorteil liegt dabei im fortlaufenden maschinellen Lernen: Jede Interaktion fließt in einen geschlossenen Lernkreislauf ein, der die Zielgenauigkeit der Plattform kontinuierlich optimieren soll. Ein erster prominenter Anwendungsfall untermauert das Versprechen: Bei einer führenden europäischen Neobank konnte die Software die Kundenreaktivierung laut Unternehmensangaben um 66 Prozent steigern. Die neu eingeworbenen drei Millionen Euro fließen nun maßgeblich in die technologische Weiterentwicklung der Plattform und den Aufbau weiterer Partnerschaften mit B2C-Unternehmen.

Im Becken der Tech-Haie

Der Markt für Customer Engagement und Marketing-Automatisierung gehört zu den am stärksten konsolidierten Softwaremärkten weltweit. Zelara betritt hier kein unberührtes Gewässer, sondern ein echtes Haifischbecken. Das Start-up konkurriert auf der einen Seite mit etablierten Giganten wie Salesforce, Adobe oder SAP, die die Budgets der großen B2C-Konzerne beherrschen und derzeit selbst massiv in KI-Optimierungen investieren. Auf der anderen Seite haben sich agile Engagement-Spezialisten wie Braze oder Klaviyo in den letzten Jahren rasant entwickelt. Sie bieten bereits tief integrierte, hyperpersonalisierbare Marketing-Pipelines und dominieren weite Teile des innovativeren B2C-Marktes.

Genialer Schachzug oder riskante Wette?

Für den Beobachter im Start-up-Ökosystem ergibt sich bei Zelara ein hochspannendes, aber auch risikobehaftetes Gesamtbild. Das junge Unternehmen punktet zweifellos mit einem exzellenten Gründer-Markt-Fit. Wer über zwanzig Jahre lang bei Größen wie Salesforce und Uber die Schwächen großer Engagement-Systeme aus nächster Nähe analysiert hat, kennt den Schmerz der Marketing-Verantwortlichen genau. Zudem ist die Markteintrittsstrategie klug: Indem Zelara lediglich als aufsetzendes Add-on auftritt, ohne den Austausch der bestehenden IT-Infrastruktur zu erzwingen, sinkt die Wechselbarriere für Unternehmenskunden drastisch.

Dennoch gibt es strategische Hürden, die das Team überwinden muss. Da Zelara als zusätzliche Schicht auf bestehenden Systemen fungiert, ist das Startup zwingend auf saubere Daten und reibungslose Schnittstellen auf Kundenseite angewiesen. Zudem erfordert der Vertrieb eines solchen Tools das Vertrauen von Marketing und IT gleichermaßen. Die damit einhergehenden langen B2B-Sales-Zyklen führen gerade in der kritischen Skalierungsphase oft zu hohem Kapitalbedarf. Auch der Einsatz von maschinellem Lernen auf Basis individueller Nutzerinteraktionen erfordert im europäischen Markt höchste Sensibilität hinsichtlich des Datenschutzes. Zelara muss der Industrie beweisen, dass die versprochene vollumfängliche Hyperpersonalisierung datenschutzkonform und skalierbar betrieben werden kann.

Fazit: Das Gegengift für explodierende Marketingkosten

Zelara adressiert ein echtes Schmerzthema der Industrie, nämlich den unrentablen Streuverlust im Bestandskundenmarketing. In Zeiten, in denen die Kosten für die Neukundengewinnung explodieren, wird die intelligente Nutzung von First-Party-Daten zum überlebenswichtigen strategischen Vorteil für Marken. Das passgenaue Werkzeug dafür haben Schriefer und Heckel nun gebaut. Gelingt es dem Berliner Team, reibungslose Integrationen sicherzustellen und die langen Verkaufszyklen erfolgreich zu überbrücken, hat Zelara das Zeug dazu, sich als treibende Kraft im europäischen Marketing-Tech-Sektor zu etablieren.

Kyrok sichert sich 3,1 Mio. Euro: KI-Pflaster für die alternde Supply-Chain des Mittelstands

Das Berliner Start-up Kyrok sammelt frisches Kapital ein, um Lieferketten in der europäischen Chemie- und Pharmabranche mittels KI zu modernisieren. Doch während das „Overlay“-Geschäftsmodell schnelle Erfolge und das Umgehen alter IT-Strukturen verspricht, bleibt die strategische Frage, ob es die tieferliegenden IT-Altlasten des deutschen Mittelstands langfristig beheben kann.

Das Industrie-KI-Start-up Kyrok hat sich 3,1 Millionen Euro in einer Pre-Seed-Runde gesichert. Angeführt wird die Finanzierungsrunde von dem europäischen Risikokapitalgeber Speedinvest. Zu den weiteren Investoren zählen Arve Capital und das Family Office des Marktführers für aktive Pharmaverpackungen Sanner. Hinzu kommen renommierte Köpfe aus Industrie und Tech: Dr. Marcell Vollmer (Ex-CPO SAP), Dr. André Heeg (BCG), Dr. Stephan Rohr (CEO TWAICE), die Langdock-Gründer Jonas Beisswenger, Tobias Kemkes und Lennard Schmidt sowie Rodrigo Martinez über HelloWorld. Mit dem frischen Kapital baut Kyrok das Betriebssystem aus, entwickelt weitere Module und erweitert gezielt das Berliner Team, um die wachsende Nachfrage zu bedienen.

Gründungshistorie und die Köpfe dahinter

Gegründet wurde Kyrok 2025 von Daniel Hofinger und Lukas Bierfreund in Berlin. Beide Gründer absolvierten die WHU und Hofinger studierte zudem an der Frankfurt School of Finance & Management. Das Duo verfügt über ein umfassendes Know-how in der Implementierung von Software bei Industriekunden. Der Wirtschaftsinformatiker Hofinger hat mit seinen bisherigen Software-Gründungen zusammengerechnet mehr als 1.200 Mittelständler betreut und achtstellige Umsätze erzielt. Noch bevor eine Zeile Code geschrieben wurde, hatten die beiden über 200 Interviews mit Entscheidern aus Pharma und Chemie geführt und in zahlreichen Werksbesuchen und Workshops die Produktions- und ERP-Prozesse im Mittelstand analysiert.

Markt und Problemstellung: Der immense Druck auf den Mittelstand

Das Start-up zielt auf den europäischen Pharma- und Chemie-Mittelstand ab. Pharma und Chemie sind nach dem Fahrzeug- und Maschinenbau der drittgrößte Industriezweig Deutschlands und stehen laut Verband der Chemischen Industrie für mehr als 560.000 Beschäftigte. Über 90 Prozent der Unternehmen sind mittelständisch geprägt. Gleichzeitig altert die Belegschaft: In der Fertigung ist heute jeder vierte Beschäftigte 55 Jahre oder älter. Gehen diese erfahrenen Fachkräfte in Rente, droht wertvolles Prozesswissen verloren zu gehen.

Während über digitale Souveränität diskutiert wird, läuft ein erheblicher Teil der deutschen Pharma- und Chemieproduktion noch auf SAP R/3 aus den 1990er-Jahren oder auf Excel. Gleichzeitig steigt der Druck auf die Lieferketten. Allein zum Jahresende 2025 bestanden laut Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) knapp 560 Lieferengpassmeldungen. Erhöht die europäische Industrie ihre Produktivität im internationalen Wettbewerb nicht, drohen weitere Produktionsverlagerungen. Alterung, Engpässe und Wettbewerbsdruck treffen damit ausgerechnet die Unternehmen am härtesten, die das Rückgrat der Branche bilden: den Mittelstand.

Das Produkt: Evolution statt aufwendiger IT-Migration

Kyroks Betriebssystem für Supply-Chain-Teams legt sich als Anwendungsebene über bestehende ERP-Systeme, ganz ohne Systemmigration, und überwindet so gewachsene Daten-Silos. Statt zwischen ERP und weiteren Anwendungen zu wechseln, arbeiten die Teams in einer modernen Oberfläche, in der industriespezifische KI-Agenten sie durch ihre Prozesse führen. Den Anfang macht der Kundenservice bei der Auftragserfassung, bevor Produktionsplanung, Materialplanung und Einkauf folgen.

Die Software lernt mit jeder Interaktion die nutzerspezifischen Verhaltensmuster besser kennen, sodass Wissen von den Köpfen ins System wandert. Die KI-Agenten übernehmen die Routine, doch die Entscheidung bleibt beim Menschen. Erste Pilotphasen bei mittelständischen Pharma- und Chemieunternehmen zeigen, dass Kyrok mehr als 80 Prozent komplexer Aufträge fehlerfrei erfasst. Bei Routineaufgaben ergeben sich ein hoher Zeitgewinn und eine deutlich reduzierte Fehlerquote. Alle Daten liegen dabei DSGVO-konform auf europäischer Infrastruktur in Frankfurt am Main.

Der „Overlay“-Ansatz als zweischneidiges Schwert

Kyroks Go-to-Market-Strategie adressiert elegant das akuteste Problem bei der Digitalisierung im Mittelstand: die immense Trägheit und die Angst vor riesigen IT-Umstellungen. Der Verzicht auf eine langwierige Systemmigration reißt die wohl höchste Einstiegshürde bei der Einführung neuer Enterprise-Software ein. Das Modell setzt darauf, die oftmals ungeliebte Bedienung von Legacy-ERP-Systemen einfach durch ein modernes, mit KI gestütztes „Frontend“ auszutauschen.

Aus unternehmerischer Sicht ist das ein brillanter Schachzug, da es die Verkaufszyklen massiv verkürzt. Langfristig muss die Branche jedoch die Frage beantworten, ob das bloße „Überstülpen“ einer intelligenten KI-Schicht einer tiefgreifenden digitalen Transformation gleichkommt. Es besteht das Risiko, dass die signifikanten technischen Schulden (Technical Debt), die tief in den Altsystemen schlummern, nur oberflächlich kaschiert werden. Die zwingend notwendige Modernisierung der fundamentalen Infrastruktur könnte durch eine gut funktionierende Oberfläche lediglich weiter in die Zukunft aufgeschoben werden.

Wettbewerb und Marktpositionierung

Der Markt für Industrie-KI und Supply-Chain-Optimierung ist lukrativ und verdichtet sich rasant. Während Kyrok mit einer fokussierten „Niche-to-Win“-Strategie gezielt auf den mittelständischen Pharma- und Chemiesektor setzt, formiert sich auf Konzernebene längst schwergewichtiger Widerstand. Big-Tech-Akteure haben das Potenzial veralteter Lieferketten erkannt und Allianzen wie die jüngste strategische Partnerschaft zwischen T-Systems und SupplyOn arbeiten intensiv daran, KI-gestützte Lieferketten auf souveränen europäischen Plattformen auszurollen.

Um sich gegen solche generalistischen und finanzstarken Großlösungen zu behaupten, wird Kyrok dauerhaft beweisen müssen, dass ihre feingranulare Branchenintegration den entscheidenden, unersetzbaren Mehrwert liefert. Hier könnte der konsequente Human-in-the-Loop-Ansatz zum stärksten Verkaufsargument gegenüber einer traditionell sicherheitsbedürftigen Zielgruppe werden. Wer hochsensible chemische oder medizinische Produktionsketten verantwortet, toleriert keine vollautonomen „Black-Box“-Entscheidungen einer KI. Kyrok hat ausgezeichnete Chancen, den Markt zu durchdringen, sofern es dem Team gelingt, nicht nur ein bequemes KI-Pflaster für veraltete SAP-Systeme zu bleiben, sondern zur unverzichtbaren Schaltzentrale für die Sicherung von essenziellem Prozesswissen heranzuwachsen.

Der Kakaoschock und die Bohnen-Lösung: Oyster Bay feiert Millionen-Exit mit Nukoko

Der Hamburger Impact-Investor Oyster Bay Venture Capital verkauft das britische Start-up Nukoko an den globalen Zutatenriesen Döhler. Warum dieser Deal für die europäische Food-Tech-Szene ein Meilenstein ist – und wieso die kakaofreie Schokolade nun vor dem finalen Härtetest steht.

Die europäische Food-Tech-Branche hat einen neuen Vorzeige-Deal: Der auf Food- und AgriTech spezialisierte Hamburger Investor Oyster Bay Venture Capital (unter anderem bekannt durch frühe Investments in Oatly und Air Up) hat einen erfolgreichen Exit verkündet. Das britische Portfolio-Unternehmen Nukoko, Entwickler der weltweit ersten „Bean-to-Bar“-Schokoladenalternative auf Basis von Ackerbohnen, wird vom global agierenden Zutatenhersteller Döhler übernommen. Über die finanziellen Details der Transaktion wurde Stillschweigen vereinbart.

Für Oyster Bay markiert der Deal den ersten erfolgreichen Verkauf aus dem erst vor acht Monaten geschlossenen, über 100 Millionen Euro schweren zweiten Fonds. „Für uns ist der erfolgreiche Exit von Nukoko ein herausragendes Beispiel dafür, wie europäische Food-Tech-Innovationen globale Herausforderungen lösen können“, erklärt Philip Stark, Principal von Oyster Bay Venture Capital. Doch jenseits der üblichen PR-Rhetorik offenbart der Deal einen tiefgreifenden Strukturwandel im Markt für Süßwaren. Zeit für eine fundierte Einordnung für Gründer und Investoren.

Der Markt: Warum Kakao zum Krisenrohstoff mutiert

Die traditionelle Schokoladenindustrie steht massiv unter Druck. Drastische Ernteausfälle in Westafrika – bedingt durch extreme Wetterphänomene und Pflanzenkrankheiten – ließen die Kakaopreise an den Rohstoffbörsen in den letzten zwei Jahren zeitweise auf historische Rekordhöhen explodieren. Hinzu kommt ein verschärftes regulatorisches Umfeld in Europa: Die EU-Verordnung für entwaldungsfreie Lieferketten (EUDR) zwingt Konzerne zu lückenlosen Nachweisen, dass für ihre Produkte keine Wälder gerodet wurden – in kleinteiligen afrikanischen Kooperativen ein administrativer Kraftakt.

Das Zeitfenster für „Alt-Choc“ (Alternative Schokolade) steht damit weit offen. Startups, die den Geschmack, das Schmelzverhalten und die Textur von Schokolade ohne Kakaobasis replizieren können, rennen in den Forschungs- und Entwicklungsabteilungen der Lebensmittelkonzerne offene Türen ein. Neuartige Rohstofflösungen sind längst kein reines Nachhaltigkeits-Gadget mehr, sondern eine Frage der wirtschaftlichen Resilienz.

Das Geschäftsmodell: Als „Intel Inside“ in die industrielle Skalierung

Nukoko, 2022 unter anderem vom Pflanzenbiologen Prof. David Salt gegründet, nutzt einen geschützten Fermentationsprozess, um heimische Ackerbohnen in eine geschmackliche Schokoladenalternative zu verwandeln. Die strategischen Vorteile: Ackerbohnen (Faba Beans) können kostengünstig und stabil in Europa angebaut werden, was Lieferketten verkürzt und das Abholzungsrisiko eliminiert. Zudem punktet das Endprodukt mit einem vorteilhaften Nährwertprofil und erlaubt zuckerreduzierte Rezepturen.

Dennoch standen die Briten vor der klassischen Sollbruchstelle junger DeepFood-Tech-Unternehmen: dem kapitalintensiven Sprung von der Pilotphase in die industrielle Massenproduktion (CapEx). Genau an dieser Schnittstelle greift das strategische Kalkül der Übernahme durch Döhler. Als internationaler Gigant im Bereich technologiebasierter Zutaten-Systeme verfügt Döhler über die nötigen globalen Produktionskapazitäten und Vertriebskanäle. Für Nukoko bedeutet dies den sofortigen Zugriff auf weltweite Skaleneffekte. Statt mühsam und teuer eine eigene Consumer-Brand im Einzelhandel aufzubauen, etabliert sich das Start-up als funktionale B2B-Zutat – quasi als das „Intel Inside“ für die Süßwarenindustrie der nächsten Dekade.

Die drei Hürden der Kakaofreiheit

Trotz des Exit-Erfolgs ist das Segment kein Selbstläufer. Wer den Markt erobern will, muss drei zentrale Herausforderungen lösen:

  1. Die Kennzeichnungshürde: In der Europäischen Union ist der Begriff „Schokolade“ über die Kakaoverordnung streng geschützt. Da Nukoko ohne Kakaobestandteile auskommt, müssen Hersteller*innen auf Bezeichnungen wie „kakaofreier Überzug“ oder „Süßware nach Schokoladenart“ ausweichen. Das erfordert erhebliche Aufklärungsarbeit am Point of Sale.
  2. Die Preisparität: Obwohl die Ackerbohne als agrarischer Rohstoff günstig ist, sind die biotechnologischen Fermentations- und Verarbeitungsschritte hochkomplex. Um im Massenmarkt konventionelle Schokolade zu verdrängen, müssen die Produktionskosten pro Tonne drastisch sinken. Ob Döhler diesen Skaleneffekt schnell genug erzwingen kann, bleibt abzuwarten.
  3. Die sensorische Akzeptanz: Die Geschichte der pflanzlichen Fleisch- und Milchalternativen zeigt: Sobald Konsument*innen geschmackliche Kompromisse eingehen müssen, bricht die Wiederkaufsrate ein. Nukoko muss den Beweis erbringen, dass die „Ackerbohnen-Illusion“ auch im industriellen Großmaßstab das anspruchsvolle Schmelzverhalten echter Kakaobutter im Mund imitiert.

Wettbewerber-Check: Wer dominiert den Markt?

Der Exit von Nukoko bringt zusätzliche Dynamik in ein hochkompetitives Marktumfeld, in dem auch deutsche Pioniere bereits eine dominierende Rolle spielen. Ein prominentes Beispiel ist das Münchner Start-up Planet A Foods. Die Gründergeschwister Max und Sara Marquart setzen bei ihrer Kakaoalternative auf die Fermentation von Hafer und Sonnenblumenkernen. Mit großem Erfolg: Ihre Ingredient-Marke ChoViva gilt derzeit als absoluter Platzhirsch im DACH-Raum und ist bereits fest in bekannte Großprodukte wie Nestlés Choco Crossies, im Sortiment von Griesson sowie in diversen REWE-Eigenmarken integriert. Das Münchner Unternehmen fokussiert sich dabei stark auf eine sichtbare B2B2C-Markenstrategie und tritt durch offensives Co-Branding auf den Verpackungen direkt mit den Endkonsumenten in Kontakt.

Ebenfalls um Marktanteile kämpft das Londoner Start-up WNWN Food Labs, das für seine Schokoladenalternative auf eine technologische Basis aus Gerste und Johannisbrot vertraut. Während das britische Unternehmen in der Vergangenheit vor allem durch PR-wirksame, limitierte Direct-to-Consumer-Testläufe viel mediale Aufmerksamkeit auf sich zog, forciert es nun ebenfalls eine strategische Neuausrichtung und baut seine lukrativen B2B-Partnerschaften mit der Industrie weiter aus.

Fazit & Takeaways für die StartingUp-Community

Der Deal zwischen Oyster Bay, Nukoko und Döhler liefert wertvolle Learnings für die europäische Startup-Szene:

  • B2B schlägt D2C im FoodTech: Die Ära, in der Risikokapitalgeber unbegrenzt Millionen in den Aufbau neuer, kapitalintensiver Consumer-Lebensmittelmarken gepumpt haben, ist vorerst vorbei. Gefragt sind Enabler: Start-ups, die als Zulieferer existenzielle Probleme der Industrie (Lieferkettensicherheit, CO2-Reduktion, Rohstoffknappheit) lösen.
  • Frühzeitige Kooperation mit Corporates: DeepFood-Tech ist zutiefst hardwaregetrieben. Die Allianz mit einem etablierten Industrie-Schwergewicht löst das größte Wachstumsproblem junger Tech-Unternehmen: den extrem teuren Bau eigener Großanlagen.
  • Fokus auf heimische Rohstoff-Resilienz: Die Nutzung europäischer Agrarprodukte (wie Ackerbohnen oder Hafer) trifft den Nerv von Impact-Investoren. Start-ups, die sich von volatilen, geopolitisch anfälligen globalen Lieferketten entkoppeln, sichern sich einen fundamentalen Wettbewerbsvorteil.

DeepTech-Moonshot gegen Krebs: CollimateHealth sichert sich 6 Mio. Euro Seed-Kapital – und fordert die Radiotherapie-Giganten heraus

Das 2026 von Prof. Dr. Stefan Bartzsch, Dr. Johanna Winter und Dr. Hans Maria Heÿn gegründete Münchner MedTech-Start-up CollimateHealth will die Strahlentherapie revolutionieren. Mit extrem feinen Mikrostrahlen sollen Tumore präziser bekämpft und das Immunsystem aktiviert werden. Eine überzeichnete Seed-Runde in Höhe von 6 Millionen Euro gibt dem Team massiven Rückenwind. Doch der Weg zur Marktreife in einem von Großkonzernen dominierten Markt ist lang und extrem kapitalintensiv. Eine Analyse.

Die klassische Strahlentherapie gehört bei rund der Hälfte aller Krebspatienten weltweit zur Standardbehandlung. In den letzten Jahrzehnten hat sie sich technologisch stetig verbessert, operiert jedoch weiterhin mit einem grundlegenden Dilemma: Um Krebszellen zu zerstören, arbeiten Kliniken typischerweise mit vergleichsweise breiten Strahlen und niedrigen Dosen, was unweigerlich auch gesundes Gewebe schädigt und teils starke Nebenwirkungen hervorruft.

Das Münchner Start-up CollimateHealth tritt an, um dieses Paradigma zu brechen. Für die Entwicklung einer radikal neuen Mikrostrahltherapie konnte das Unternehmen nun namhafte europäische Life-Science-Investoren überzeugen. VP Venture Partners, Positron, XISTA Science Ventures, der High-Tech Gründerfonds (HTGF) sowie caesar investieren gemeinsam 6 Millionen Euro in einer deutlich überzeichneten Seed-Phase.

Vom Stadion-Beschleuniger zum Start-up

Die technologische Basis von CollimateHealth ist kein kurzfristiger Geistesblitz, sondern das Resultat von beinahe zehn Jahren akademischer Forschung, maßgeblich vorangetrieben an der Technischen Universität München (TUM) und dem Klinikum rechts der Isar, flankiert durch Institute wie das Forschungszentrum Jülich.

Die ingenieurstechnische Meisterleistung dahinter ist immens: Um medizinische Mikrostrahlen in der benötigten Dosis zu erzeugen, waren bislang Teilchenbeschleuniger (Synchrotrone) nötig, die den Platzbedarf eines Fußballstadions haben. Dem wissenschaftlichen Kernteam um Prof. Dr. Stefan Bartzsch (Chief Scientific Officer) und Dr. Johanna Winter (Chief Technology Officer) ist es laut eigenen Angaben gelungen, die Strahlführung derart zu miniaturisieren, dass das künftige System auf einer Grundfläche von unter zehn Quadratmetern in gängige Klinikräume passt.

Zusammen mit Dr. Hans Maria Heÿn, der als CEO unternehmerische Erfahrung im Aufbau von Deep-Tech-Firmen mitbringt, wurde das Start-up schließlich als Venture-Build-Projekt von VP Venture Partners ausgegründet.

Die Technologie: Gezielter Zelltod und neue Synergien

Der biologische Ansatz unterscheidet sich fundamental vom Standard. Statt auf das "Gießkannen-Prinzip" setzt das System auf gebündelte, schmale X-Ray-Strahlen (etwa in der Breite eines menschlichen Haares) in wesentlich höheren Dosen.

Der Clou dabei ist laut aktuellem Forschungsstand weniger die bloße physikalische Zerstörung, sondern die biologische Reaktion: Werden Tumore derart intensiv bestrahlt, durchlaufen sie eine besondere Form des Zelltods. Diese steigert die Antigenpräsentation und soll so das körpereigene Immunsystem anregen, Krebszellen auch über das primäre Bestrahlungsfeld hinaus zu bekämpfen. Zudem erzeugen die feinen Strahlen mikroskopische, temporäre Kanäle im Gewebe, die die Aufnahme von Medikamenten aus zeitgleichen Chemo- oder Immuntherapien drastisch verbessern können.

Das Geschäftsmodell und der lange Atem

Trotz technologischer Brillanz und frischem Kapital steht CollimateHealth vor massiven unternehmerischen Hürden. Das Geschäftsmodell bringt alle Nachteile der Hardware-Entwicklung im medizinischen Sektor mit sich: enormer Vorab-Kapitaleinsatz und extrem lange Zyklen.

Mit den 6 Millionen Euro soll zunächst "nur" der erste klinische Prototyp gebaut und die präklinische Datenbasis für künftige Zulassungsverfahren (MDR in Europa, FDA in den USA) geschaffen werden. Den ersten Einsatz am Menschen peilt das Unternehmen für Ende 2028 an. Das Start-up hat also noch Jahre der reinen Cash-Burn-Phase ohne jegliche Umsätze vor sich. Letztlich entscheidet später der nachweisbare klinische Nutzen, ob das System von den strengen Erstattungssystemen der Krankenkassen getragen wird – ohne Kassenübernahme wird ein Medizinprodukt in diesem Segment nicht überleben.

Ein Kampf gegen Oligopole und neue Hypes

Wer MedTech-Hardware für die Radioonkologie baut, legt sich mit Giganten an. Der globale Markt gleicht einem Oligopol, fest in den Händen weniger Player wie Siemens Healthineers (Varian) und Elekta. Diese verfügen über jahrzehntelange Vertriebsstrukturen und weltweite Service-Netzwerke.

Gleichzeitig schläft die hochfinanzierte Innovationskonkurrenz nicht. Derzeit strömt viel Kapital in Alternativkonzepte wie die sogenannte "FLASH-Radiotherapie". Dabei wird die Dosis in Bruchteilen einer Sekunde verabreicht, um gesundes Gewebe zu schonen. Hier preschen Start-ups wie das französische THERYQ vor, das für die Entwicklung seiner Maschine (FLASHDEEP) zusammen mit dem Institut Gustave-Roussy rund 38 Millionen Euro an staatlichen Fördermitteln (France 2030) zugesagt bekam.

CollimateHealth muss sich künftig also nicht nur gegen den Status Quo der Großkonzerne behaupten, sondern auch klinisch beweisen, dass ihr Weg der räumlichen Fraktionierung (Mikrostrahlen) echte Vorteile gegenüber der zeitlichen Fraktionierung (FLASH) bietet.

Was Gründer*innen hieraus lernen können

Der Fall CollimateHealth ist ein Lehrstück für das europäische Start-up-Ökosystem:

  1. Hardware-DeepTech ist finanzierbar: Während VCs oft auf schnelle SaaS-Modelle schielen, beweist die Runde (u. a. durch den HTGF), dass europäisches Risikokapital bereit ist, in physische "Moonshots" zu investieren, sofern sie globale Problemstellungen adressieren und wissenschaftlich exzellent untermauert sind.
  2. Venture Building mindert das Risiko: Hardware-Ausgründungen scheitern oft an mangelnder Business-Expertise der Forschenden. Das Venture-Build-Modell mit erfahrenen Partnern (VP Venture Partners) und einem unternehmerisch erfahrenen CEO schlägt hier die Brücke zwischen Labor und freier Wirtschaft.
  3. Patentierter "Burggraben": Zehn Jahre Vorlaufforschung schaffen eine immense Barriere (Moat) für Nachahmer. Wer im Deep-Tech-Bereich gründen will, muss vor dem Gang zum VC seine IP (Intellectual Property) wasserdicht gesichert haben.

Fazit

CollimateHealth liefert herausragende Wissenschaft mit dem disruptiven Potenzial, ein Grundpfeiler der zukünftigen Onkologie zu werden. Ob es dem Management jedoch gelingt, das Start-up durch das berüchtigte "Tal des Todes" bis zur Kommerzialisierung zu manövrieren, wird eine der spannendsten Deep-Tech-Storys der kommenden Jahre.

Krypto im Mittelstand: Das Augsburger Start-up terahash im strategischen Kreuzfeuer

Eine neue Allianz mit dem FinTech 21bitcoin rückt das Augsburger Start-up terahash in den Fokus. Entstanden als Spin-off eines etablierten Industrieunternehmens, versucht terahash, das energieintensive Bitcoin-Mining für den deutschen Mittelstand zu erschließen. Ein regulatorisch und ökonomisch ambitioniertes Vorhaben im europäischen Hochstrompreisland.

In der deutschen Web3-Landschaft zieht derzeit ein Akteur außerhalb der typischen Metropolen Aufmerksamkeit auf sich. Die Ende 2022 gegründete terahash.energy GmbH ist kein klassisches universitäres Tech-Spin-off, sondern ging aus der Kläger Group hervor – einem seit über 75 Jahren bestehenden, familiengeführten Industrieunternehmen aus dem Großraum Augsburg, das im Kerngeschäft auf Kunststofftechnik und Aerosol-Abfüllung setzt.

Der Vorstoß in die Krypto-Infrastruktur geht auf Kristian Kläger, CEO der Kläger Group, zurück. Neben dem industriellen Hintergrund setzte das Start-up bei der Gründung auf eine gezielte Personalstrategie: Mit Roman Reher, dem Betreiber der reichweitenstarken deutschen Bitcoin-Plattform „Blocktrainer“, und dessen Geschäftspartner Bastian Bleker wurden zwei in der Community verankerte Akteure als Co-Founder integriert. Diese Konstellation kombiniert die Kapitalbasis eines Industriebetriebs mit der organischen Reichweite einer bestehenden Krypto-Community – eine Struktur, die dem Start-up den Markteintritt sichtlich erleichterte.

Kooperation als Vertriebskanal: Die Allianz mit 21bitcoin

Wie komplex und erklärungsbedürftig das Thema Bitcoin in der B2B-Sphäre nach wie vor ist, verdeutlicht die aktuelle Meldung des Unternehmens. terahash geht eine strategische Allianz mit der in Salzburg und München ansässigen Wealth-Plattform 21bitcoin ein.

Während das MiCAR-lizenzierte Fintech 21bitcoin mit rund 120.000 Nutzer*innen die regulierte Handels- und Verwahrinfrastruktur stellt, besetzt terahash die energietechnische Beratungskomponente. Das deklarierte Ziel der Kooperation – die Bündelung von „Bitcoin-Bildung“ – ist dabei auch aus vertrieblicher Sicht strategisch motiviert: Um Dienstleistungen rund um die Blockchain an Unternehmen zu verkaufen, muss im ersten Schritt das informationelle Fundament bei den Entscheidern gelegt werden. Der offizielle Start der Kooperation erfolgt über eine Podcast-Aufzeichnung auf der Branchenmesse BTC Prague 2026.

Die Strompreis-Problematik

Ein Geschäftsmodell, das Bitcoin-Mining im DACH-Raum verorten will, stößt unweigerlich auf erhebliche ökonomische Skepsis. Aufgrund der im globalen Vergleich extrem hohen Strompreise in Deutschland ist ein profitables Mining unter Normalbedingungen kaum darstellbar.

Das Konzept von terahash ruht daher auf zwei Säulen, die diese Standortnachteile umgehen sollen:

Auslands-Mining (Managed Mining): Das Start-up vermittelt Rechenleistung und Hardware-Kapazitäten an Standorte mit günstigeren, oft überschüssigen erneuerbaren Energien (u. a. in Skandinavien und den USA). Die operative Abwicklung verbleibt im Ausland, während terahash als Asset-Manager für Family Offices und institutionelle Kund*innen fungiert.

Infrastruktur-Integration im Heimatmarkt: Für den DACH-Raum agiert terahash als Projektierer. Da Bitcoin-Miner den eingesetzten Strom fast vollständig in Abwärme umwandeln, sollen die Rechencluster in bestehende Energiesysteme von Industrie- und Gewerbebetrieben integriert werden – etwa als Kopplung mit Photovoltaik-Überschussanlagen, Großspeichern und Wärmepumpen.

Markt, Wettbewerb & Risiken

Dieser Ansatz der energetischen Sektorenkopplung ist theoretisch schlüssig, im B2B-Markt jedoch mit hohen Hürden verbunden. Terahash bewegt sich in einem engen Nischensegment. Während Wettbewerber*innen wie das österreichische Start-up 21energy mit dezentralen Bitcoin-Heizlüftern eher standardisierte Consumer- und Kleingewerbe-Lösungen anstreben, zielt terahash auf maßgeschneiderte Großprojekte im Mittelstand.

Hier liegen die kritischen Variablen:

Hohe Investitionskosten (CapEx): Die Integration von ASIC-Servern und Wärmetauschern in bestehende Fabrikarchitekturen erfordert signifikante Vorabinvestitionen der Kund*innen.

Volatilität der Amortisation: Da die Erträge in Bitcoin generiert werden, hängen die Amortisationszyklen direkt vom hochvolatilen Kryptomarkt ab. Fällt der Bitcoin-Kurs über längere Zeit, drohen kalkulierte Effizienzgewinne der Industrieanlagen durch den Wertverlust des geschürften Assets aufgefressen zu werden.

Regulatorische Unsicherheit: Die politische Debatte um den Energieverbrauch von Proof-of-Work-Protokollen in Europa birgt latente regulatorische Risiken für Unternehmen, die diese Technologie in ihre Bilanz oder Infrastruktur aufnehmen.

Einordnung & Learnings

Trotz der inhärenten Marktrisiken bietet das Konstrukt hinter terahash für die Start-up-Szene relevante Erfahrungswerte:

  • Das Spin-off-Modell als Innovationshebel: Der Case zeigt, wie traditionelle Familienunternehmen über eigenständige Ausgründungen in hochspekulativen Tech-Märkten agieren können, ohne das operative Kerngeschäft des Mutterkonzerns den Risiken des Web3-Marktes auszusetzen.
  • Co-Founder-Matching statt klassischem Marketing: Durch die Beteiligung von etablierten Branchen-Influencer*innen (Blocktrainer*innen) sichert sich das Start-up Vertrauen und Reichweite in einer spitzen Zielgruppe, was die Kund*innenakquisitionskosten (CAC) im B2B-Bereich senkt.
  • Content-driven B2B-Sales: Wenn das Produkt so komplex ist, dass der Markt es noch nicht vollumfänglich versteht, wird Content- und Bildungsarbeit (wie die Allianz mit 21bitcoin) zum primären Vertriebswerkzeug.

Terahash ist eine unternehmerische Wette darauf, dass sich Krypto-Infrastruktur als Werkzeug für das lokale Energiemanagement im Mittelstand etablieren lässt. Ob das Konzept aufgeht, wird sich daran messen lassen, wie viele deutsche Fabrikant*innen bereit sind, die Volatilität des Kryptomarktes in ihre physische Betriebsinfrastruktur zu integrieren.

PropTech-Markt in Bewegung: Mietz und Regionalimmobilien24 schmieden neues Immobilien-Ökosystem

Der hart umkämpfte und oftmals träge Immobilienmarkt erhält einen neuen digitalen Impuls. Wie am 10. Juni 2026 bekannt wurde, bündeln das Immobilienportal Regionalimmobilien24 und das Berliner Start-up Mietz ihre Kräfte in einer strategischen Partnerschaft. Die Kombination beider Ansätze – deutschlandweite Reichweite auf der einen, volldigitalisierte Vermietungsprozesse auf der anderen Seite – zeigt deutlich, wohin die Reise im PropTech-Sektor geht: weg von Insellösungen, hin zu integrierten Plattformen, die den gesamten Prozess abbilden.

Die Idee zu Mietz entstand aus einem klassischen „Pain Point“, den zahllose Wohnungssuchende in Metropolen kennen. Co-Gründerin und Geschäftsführerin Lena Tuckermann verbrachte 2021 auf der Suche nach einer Wohnung in Hamburg hochgerechnet über 50 Stunden damit, Vermieter*innen erfolglos per E-Mail anzuschreiben. Gemeinsam mit Mitgründer Johann Kim rief sie daraufhin Mietz ins Leben. Das erklärte Ziel: den Bewerbungs- und Vermietungsprozess radikal zu digitalisieren und drastisch zu verkürzen.

Das Geschäftsmodell: Swipe-Prinzip für die Wohnungssuche

Das Kernstück der Mietz-App adaptiert das bewährte Swipe-Prinzip bekannter Dating-Apps für den Immobilienmarkt. Wohnungssuchende legen ein detailliertes Profil samt verifizierter Dokumente an und „swipen“ sich durch passende Angebote. Gibt es von Seiten des Vermieters – der vorab Kriterien definiert – ein „Match“, können beide Parteien interagieren.

Während die App für Suchende kostenlos ist, monetarisiert sich Mietz über professionelle Vermieter, Makler und Wohnungsunternehmen. Diese zahlen für ein volldigitales Bewerbermanagement, das unübersichtliche E-Mail-Fluten verhindert und sämtliche Schritte bis zur Dokumentenprüfung und dem Vertragsabschluss bündelt. Dass dieses Konzept Potenzial hat, sahen auch prominente Angel-Investor*innen: So stiegen in der Vergangenheit unter anderem Shutterstock-Gründer Jon Oringer, Fußballprofi Mario Götze und Investorin Christine Kiefer bei dem PropTech ein.

Bereits heute verzeichnet Mietz über 150.000 wohnungssuchende Nutzer*innen und verwaltet Vermietungsprozesse für rund 30.000 Wohneinheiten.

Der strategische Deal: Synergien statt Alleingang

Durch die nun geschlossene Kooperation werden die über 37.000 Immobilienangebote von Regionalimmobilien24 künftig über Mietz zugänglich gemacht. Im Gegenzug erhalten Anbieter, die über Mietz vermarkten, zusätzliche Sichtbarkeit im Netzwerk von Regionalimmobilien24.

Lars Rupprecht, Geschäftsführer von Regionalimmobilien24, verdeutlicht den strategischen Wandel: „Wir verstehen Regionalimmobilien24 nicht als klassisches Immobilienportal, sondern als digitales Ökosystem rund um Wohnen und Finanzieren.“ Lena Tuckermann ergänzt: „Der Wohnungsmarkt braucht nicht nur mehr Reichweite, sondern vor allem intelligent vernetzte Prozesse.“

Unsere Einordnung für den Markt: Zwischen Effizienz und Realität

Für StartingUp-Leser*innen lohnt sich ein nüchterner Blick auf das Marktumfeld:

  • Der Flaschenhals bleibt das Angebot: Mietz optimiert die Prozesse entlang der gesamten Vermarktungsstrecke enorm, löst aber nicht das drängendste Problem – den massiven Mangel an bezahlbarem Wohnraum in den Ballungszentren. Eine effizientere Verwaltung schafft keine neuen Wohnungen.
  • Datenschutz und Diskriminierungsgefahr: Das Profil-gestützte Swipe-Modell birgt latent die Gefahr, dass Vermieter vorschnell nach oberflächlichen Kriterien oder Fotos aussortieren. Zwar steuert Mietz mit standardisierten Datenpaketen gegen, doch das System erfordert ein hohes Maß an datenschutzrechtlicher und ethischer Sensibilität.
  • Wettbewerb mit den Platzhirschen: Der Markt wird von Giganten wie ImmoScout24 und Immowelt dominiert. Die größte Herausforderung für das junge Bündnis bleibt es, die breite Masse an traditionellen Vermieter*innen zu akquirieren, für die die etablierten Portale oft noch der gewohnte Standard sind.

Fazit

Regionalimmobilien24 bringt die dringend benötigte Reichweite in das Bündnis ein, während Mietz die technologische Infrastruktur für digitale Vermietungsprozesse beisteuert. Gelingt die nahtlose Einbindung der Immobilienangebote auf beiden Seiten, entsteht ein vernetztes Ökosystem, das die Immobilienvergabe spürbar modernisiert – und den etablierten Player*innen perspektivisch Marktanteile abnehmen könnte.

Tokura sichert sich Millionen-Seed-Runde: Ein Scale-up-Ansatz für den Milliardenmarkt der Ambulantisierung

Das Berliner HealthTech-Start-up Tokura hat eine erste Finanzierungsrunde in mittlerer siebenstelliger Höhe abgeschlossen. Mit dem frischen Kapital wollen die Gründer Dr. Daniel Kreter und David Rizor eine eigene Technologieplattform aufbauen und spezialisierte ambulante OP-Zentren etablieren. Das ambitionierte Ziel: Eine Million Operationen pro Jahr in den ambulanten Sektor verlagern. Doch der Markt ist hochkomplex, streng reguliert und lockt zunehmend finanzkräftige Player an.

Das deutsche Gesundheitssystem steht vor einer historisch tiefgreifenden Transformation. Durch die schrittweise Einführung sogenannter Hybrid-DRGs (sektorenunabhängige Fallpauschalen) sollen Behandlungen, die bisher klassischerweise stationär im Krankenhaus stattfanden, konsequent in den ambulanten Sektor verlagert werden. Das ökonomische und medizinische Potenzial ist gigantisch: Laut Daten des Wissenschaftlichen Instituts der AOK (WIdO) weisen rund 60 Prozent aller stationären Fälle – das entspricht etwa 8 Millionen Eingriffen jährlich – ein klares Ambulantisierungspotenzial auf.

Die Realität hinkt dem politischen Willen jedoch hinterher. Es fehlt flächendeckend an der spezialisierten, hochmodernen Infrastruktur, um ein solches OP-Volumen sicher, digitalisiert und vor allem skalierbar aufzufangen. Eine erfolgreiche Ambulantisierung erfordert massive Investitionen in hocheffiziente Räumlichkeiten sowie nahtlose digitale Prozesse.

Das Geschäftsmodell: „Space-as-a-Service“ für Mediziner*innen

Hier setzt das Konzept von Tokura an. Das Start-up positioniert sich als operativer Infrastruktur- und Technologiepartner für medizinische Leistungserbringer.

  • Flexibles Kooperationsmodell: Niedergelassene Operateur*innen sowie Krankenhäuser können sich in den Tokura-Zentren einmieten, um dort auf spezialisierte Räumlichkeiten, eingespielte OP-Teams und verlässliche Prozesse zurückzugreifen.
  • Joint Ventures: Zudem bietet das Unternehmen an, neue ambulante OP-Zentren gemeinschaftlich mit medizinischen Partnern aufzubauen und zu betreiben.
  • Technologie-Hebel: Herzstück soll eine proprietäre Plattform sein, die den gesamten operativen Alltag digital steuert und damit die Wirtschaftlichkeit drastisch erhöht.

Die Macher: Scale-up-DNA ersetzt das Stethoskop

Hinter Tokura stehen keine Brancheninsider aus dem klassischen Klinikbetrieb, sondern erfahrene Köpfe aus der Tech- und Skalierungswelt. Dr. Daniel Kreter bringt über 15 Jahre Start-up-Erfahrung mit, unter anderem von Schwergewichten wie Zalando und Taxfix. Co-Gründer David Rizor verantwortete bei Taxfix die Unternehmensstrategie und koordinierte dort Finanzierungsrunden mit einem Gesamtvolumen von über 300 Millionen Euro.

Dass diese Tech- und Fundraising-Expertise bei Investor*innen verfängt, zeigt das prominente Cap-Table: Die Seed-Runde wird von den namhaften VCs Heal Capital und Redalpine angeführt. Zudem beteiligen sich Business Angels der Investor*innen-Allianz better ventures. Um die fehlende medizinische Vita auszugleichen, setzt Tokura auf einen hochkarätigen medizinischen Beirat, unter anderem besetzt mit PD Dr. med. Clemens Gwinner (Leitender Oberarzt an der Charité Berlin) und erfahrenen Praxisbetreiber*innen.

Zwischen Skalierungstraum und Investitionsrealität

Das Vorhaben von Tokura ist so logisch wie ambitioniert, birgt für ein klassisches Venture-Capital-Case jedoch spezifische Risiken:

  • Enormer Investitionsbedarf (CapEx): Der Aufbau physischer OP-Zentren ist extrem kapitalintensiv. Ein mittlerer siebenstelliger Betrag ist ein solider Start für den ersten Standort – für das Ziel von einer Million Operationen wird Tokura jedoch in rascher Folge dreistellige Millionenbeträge einsammeln müssen.
  • Finanzstarke Konkurrenz: Der Markt für ambulante Operationsstrukturen konsolidiert sich bereits im Rekordtempo. Private-Equity-getriebene MVZ-Ketten wie das Orthopädie-Netzwerk Ortivity bewegen sich in völlig anderen Finanzierungsdimensionen. Gleichzeitig drängen etablierte Medizintechnik-Riesen wie B. Braun mit maßgeschneiderten Prozesslösungen für ambulante Zentren in den Markt.
  • Das Schnittstellen-Risiko: Krankenhäuser und niedergelassene Ärzte gelten in Digitalisierungsfragen als notorisch träge und veränderungsresistent. Ob sich die „Zalando- und Taxfix-DNA“ der Gründer reibungslos auf den stark regulierten und von Standespolitik geprägten Medizinbetrieb übertragen lässt, muss sich im operativen Alltag erst noch beweisen.

Fazit

Tokura besetzt zur richtigen Zeit eine der größten strukturellen Bruchstellen des deutschen Gesundheitssystems. Gelingt es dem Team, die Effizienz digitaler Plattformen mit der komplexen Realität physischer Medizin-Infrastruktur zu verknüpfen, hat das Start-up das Potenzial zum Gamechanger. Wenn nicht, droht das junge Unternehmen zwischen den hohen Fixkosten eigener Standorte und der Marktmacht finanzstarker MVZ-Konzerne zerrieben zu werden.

Gründer*in der Woche: Mevio – Revolution im Messenger?

Mevio, das junge Stuttgarter Start-up von Maja Mast und Christoph Beringer, will den Aufbau eines digitalen Business radikal vereinfachen – per Chat-Befehl statt Website-Baukasten. Wir haben uns das Geschäftsmodell genauer angesehen und die Gründer*innen befragt.

Wer sich heute als Coach oder Berater*in selbständig macht, steht oft vor einer unüberwindbaren Wand aus Server-Einstellungen und Datenschutz-Hürden. das junge Stuttgarter Start-up Mevio will den Aufbau eines digitalen Business nun radikal vereinfachen – per Chat-Befehl statt Website-Baukasten. Das Start-up verspricht ein komplettes Business, gesteuert über den heimischen Messenger. Das klingt verlockend, doch hält das Geschäftsmodell der harten Realität im umkämpften Software-Markt stand?

Die Köpfe hinter der Chat-Innovation

Hinter Mevio stehen die Gründer Maja Mast und Christoph Beringer, der als Co-CEO und Technik-Experte fungiert. Die Gründungsidee entspringt dem klassischen „Scratch your own itch“-Prinzip: Maja Mast kennt die schmerzhaften, langwierigen technischen Hürden bei der Unternehmensgründung aus eigener Erfahrung. Gemeinsam mit Beringer entwickelte sie einen bewussten Gegenentwurf zu den Systemen etablierter US-Konzerne. Ihre Zielgruppe ist klar definiert: Dienstleister*innen, Berater*innen und Coaches, denen die Hürden der Digitalisierung bisher zu technisch und rechtlich zu riskant waren.

„Wir haben selbst erlebt, wie schnell man bei der Gründung oder Digitalisierung eines Angebots in technischen Themen hängen bleibt – Website, Datenschutz, Zahlungsanbieter, Automationen und zig verschiedene Tools“, erinnert sich Maja Mast an den eigenen Breaking Point. Irgendwann sei die Erkenntnis gereift: „Das muss einfacher gehen. Uns wurde klar, dass viele Menschen nicht an ihrer Idee scheitern, sondern an der technischen Komplexität drumherum.“

Der Startschuss für die Plattform fällt am 1. Juni mit einer kostenlosen Beta-Phase. Der Aufbau der ersten Version ohne große Budgets war zwar herausfordernd, wie Mast einräumt, habe aber auch den Blick geschärft. „Genau dadurch mussten wir uns von Anfang an auf das Wesentliche konzentrieren: Was brauchen Nutzer*innen wirklich – und was ist eigentlich nur unnötige Komplexität?“, betont die Gründerin.

All-in-one zum Kampfpreis

Die Kernidee von Mevio ist radikal simpel: Anstatt sich durch Menüs zu klicken, tippen Nutzer*innen ihre Anforderungen in einen Messenger ein. Im Hintergrund übernimmt die Software den Rest. Sie baut die Website, digitalisiert Produkte, kümmert sich um Domain-Buchungen und wickelt Rechnungen, Terminbuchungen sowie Zahlungen automatisiert ab. Auch das Hosting von Online-Kursen gehört zum Repertoire der All-in-one-Plattform.

Abgerechnet wird über ein Abo-Modell, das bei sportlichen 20 Euro im Monat startet. Ein zentrales Verkaufsargument ist dabei die Datensicherheit. Christoph Beringer verweist auf den kompromisslosen Fokus auf europäische Server und eine absolut DSGVO-konforme Infrastruktur. Man wolle den neuen Gründer*innen die ständige Angst nehmen und ein rechtlich wasserdichtes Fundament bauen.

Doch wie finanziert man Support und Infrastruktur bei dieser extrem aggressiven Preisstrategie? „Uns war von Anfang an wichtig, eine Lösung zu bauen, die sich wirklich kleine Anbieter*innen leisten können“, verteidigt Beringer das Modell. Weil Mevio bewusst Bereiche bündle, für die Nutzer*innen sonst einzeln zahlen müssten, lasse sich vieles effizienter gestalten. Aktuell ist das Start-up komplett bootstrapped und wächst Schritt für Schritt mit der Community. Den befürchteten Support-Aufwand bei einer technisch wenig versierten Zielgruppe sieht der Co-CEO gelassen und kontert: „Unser Ziel ist ja gerade, technische Komplexität massiv zu reduzieren, damit viele Probleme gar nicht erst entstehen.“ Durch starke Automatisierung solle sich die Plattform selbsterklärend anfühlen.

Markt, Wettbewerb und der "Meta-Irrglaube"

So elegant die Idee auf dem Papier wirkt, ein journalistisch-kritischer Blick offenbart einige Sollbruchstellen. Die Pressemitteilung inszeniert Mevio markig als Gegenentwurf zu „Meta und Co.“ Doch Meta ist im Bereich Website-Building und Kurs-Hosting kein echter Wettbewerber. Die tatsächliche Konkurrenz heißt Wix, Squarespace, Shopify oder – im spezifischen Coach-Segment – Elopage, Kajabi und Digistore24. Diese Player dominieren den Markt mit ausgereiften Ökosystemen.

Warum sollten diese finanzstarken Riesen den Chat-Ansatz nicht einfach kopieren? Maja Mast gibt sich selbstbewusst: „Uns geht es nicht darum, einfach bestehende Systeme um eine Chatfunktion zu ergänzen. Der eigentliche Unterschied liegt in der Denkweise hinter dem Produkt.“ Während viele Plattformen klassisch gebaut und später vereinfacht wurden, werde Mevio von Beginn an radikal aus Nutzer*insicht gedacht. „Die Messenger-Steuerung ist deshalb für uns nicht nur ein Feature, sondern der Kern des gesamten Produkts“, stellt sie klar. Die eigentliche Herausforderung für die Konkurrenz liege darin, hochkomplexe Systeme im Nachhinein radikal zu vereinfachen, ohne die technische Infrastruktur zu verlieren.

Grenzen der Chat-Bedienung

Websites sind visuelle Medien. Eine Website intuitiv per Chat einzupflegen, mag für eine simple Landingpage gut funktionieren. Doch sobald Kund*innen individuelle Design-Anpassungen wünschen, stößt ein textbasiertes Interface schnell an seine Grenzen. Das Versprechen, das unpersönliche Klick-Chaos zu ersetzen, könnte sich in ein zähes Text-Chaos verwandeln.

Christoph Beringer weicht diesem UX-Risiko nicht aus: „Sobald es um sehr individuelle oder komplexe Design-Wünsche geht, stoßen rein textbasierte Interfaces natürlich irgendwann an Grenzen.“ Deshalb begreife man den Chat nicht als Ersatz für alles, sondern als den einfachsten Einstiegspunkt, der Geschwindigkeit und Einfachheit schaffe. „Unser Ziel ist nicht, professionelle Design-Tools komplett abzulösen, sondern Menschen die technischen Hürden am Anfang abzunehmen“, erklärt der Techniker. Um die kreative Freiheit nicht einzuschränken, kombiniert Mevio die Chat-Steuerung deshalb mit klassischen visuellen Bearbeitungsmöglichkeiten direkt im Browser. Die Zielgruppe seien ohnehin keine professionellen Web-Agenturen, sondern Menschen, die ohne Technikstress ein professionelles digitales Business aufbauen möchten.

Fazit und Ausblick

Mevio adressiert ein unbestreitbar echtes Problem: die oft unüberwindbare Wand aus Datenschutz-Hürden und Technik-Stress für Selbständige. Die garantierte DSGVO-Konformität auf europäischen Servern ist im deutschen Markt ein massiver Wettbewerbsvorteil gegenüber amerikanischen Anbieter*innen. Die Kombination aus Messenger-Steuerung und Business-Backend ist innovativ und könnte den Nerv technikmüder Gründer*innen treffen. Der Erfolg wird jedoch maßgeblich davon abhängen, ob das System im Hintergrund wirklich so fehlerfrei arbeitet wie versprochen – und ob die Zielgruppe bereit ist, visuelle Gestaltungsfreiheit gegen radikale Einfachheit einzutauschen.

Blickt man auf das kommende Jahr, bleiben die Gründer fokussiert. „Für uns wird der wichtigste Meilenstein zunächst sein, zu beweisen, dass digitale Selbständigkeit wirklich deutlich einfacher funktionieren kann“, formuliert Maja Mast das Ziel für Mitte 2027. Und die internationale Expansion? Die hat das Start-up zwar auf dem Schirm, da technische Überforderung kein rein deutsches Phänomen ist. Mast resümiert jedoch pragmatisch: „Aber im Moment konzentrieren wir uns bewusst darauf, zuerst ein starkes Fundament aufzubauen, bevor wir größere internationale Schritte gehen.“

25 Mio. Euro Funding für ClimateTech encosa

Das 2024 von Sascha Koberstaedt und Sebastian Becker gegründete Münchner Start-up encosa hat sich eine Gesamtfinanzierung in Höhe von 25 Millionen Euro gesichert, um sein Portfolio gewerblich und industriell genutzter Batteriespeicher massiv auszubauen.

Die Kombination aus Venture Capital und einer skalierbaren Fremdkapitalfazilität soll das „Energy-as-a-Service“-Modell des Unternehmens im deutschen Mittelstand etablieren. Für Gründer*innen und Investor*innen im ClimateTech-Segment ist dieser Case ein starkes Signal – doch das hochkomplexe und kapitalintensive Hardware-Geschäft birgt in der Praxis spezifische Herausforderungen.

Gründer und Historie

Hinter encosa stehen Sascha Koberstaedt (CEO) und Sebastian Becker (COO), die das Unternehmen im Juni 2024 ins Leben gerufen haben. Koberstaedt bringt bereits tiefe Erfahrung im Aufbau komplexer Hardware-Unternehmen mit – unter anderem als Mitgründer des Münchner Elektrotransporter-Start-ups Evum Motors. In weniger als zwei Jahren konnte das Duo ein beachtliches Tempo vorlegen, erste Anlagen in Betrieb nehmen und ein spezialisiertes Team formieren.

Die rasante Finanzierungshistorie unterstreicht das Vertrauen des Marktes:

  • Pre-Seed-Runde: First Momentum Ventures und Redstone stiegen als Lead-Investoren ein, flankiert von Heliad, UTUM Funding for Innovators und WEPA Ventures.
  • Seed-Runde: Angeführt vom sektorfokussierten Frühphasen-VC Realyze Ventures, beteiligten sich Verve Ventures, Blum Ventures, Kopa Ventures und Bayern Kapital. Alle Pre-Seed-Investoren zogen erneut mit.
  • Business Angels: Prominente Köpfe wie Andreas Kupke (Finanzcheck.de), Marc Stilke (Immobilienscout24) und Sebastian Bärhold (IDnow) unterstützen das Unternehmen.

Das Geschäftsmodell: Nutzung statt Besitz

Der Mittelstand leidet unter volatilen Strompreisen, steigenden Netzentgelten und strengeren CO2-Vorgaben. Batteriespeicher gelten als Schlüsseltechnologie, um Lastspitzen zu kappen (Peak Shaving) und Energiekosten zu senken. Dennoch scheiterten Projekte im Mittelstand bislang oft an hohen Investitionskosten (CapEx) und komplexen Prozessen.

Hier setzt encosa mit einer All-in-one-Lösung an:

  • Zero CapEx: Das Start-up übernimmt die komplette Planung, Finanzierung, Installation und den Betrieb der Anlagen. Kund*innen benötigen keine eigene Anfangsinvestition.
  • Flexible Finanzierung: Kunden wählen flexibel zwischen Kauf, Miete oder Pacht.
  • Duale Wertschöpfung: Erlöse werden sowohl durch die Optimierung des Kund*innenverbrauchs („Behind the Meter“) als auch über den aktiven Energiehandel am Strommarkt („Front of the Meter“) generiert.

Laut encosa amortisieren sich die Anlagen je nach Verbrauchsprofil innerhalb von 18 Monaten bis fünf Jahren.
 

Merkmal

Klassischer Speicherkauf

encosa Modell

Investitionskosten (CapEx)

Hoch

Keine Anfangsinvestition nötig

Betriebsrisiko

Liegt komplett beim Kunden

Wird durch encosa minimiert

Erlösquellen

Meist nur lokale Optimierung

Mix aus Einsparung & Energiehandel

Projektmanagement

Eigenverantwortlich / komplex

Komplettlösung aus einer Hand


Markt, Wettbewerb und die Risiken des Asset-Heavy-Modells

Der Markt für gewerbliche und industrielle Speicher (C&I) in Deutschland boomt, ist aber hart umkämpft. Etablierte Player wie Tesvolt oder Fenecon dominieren den Hardware-Vertrieb. Start-ups wie Voltfang besetzen die Nachhaltigkeitsnische mit Second-Life-Batterien, während Akteure wie Kyon Energy im Bereich der Groß-Netzspeicher aktiv sind.

Der Ansatz von encosa, die Speicher auf die eigene Bilanz zu nehmen bzw. über Zweckgesellschaften zu finanzieren, birgt fundamentale Risiken: Das Risiko der Hardware-Degradation (Zellverschleiß) verbleibt beim Anbieter. Zudem ist der deutsche Markt durch hochkomplexe regulatorische Rahmenbedingungen (z.B. Netzentgelte nach § 19 StromNEV) und bürokratische Netzanschlussverfahren geprägt, was die Skalierung ausbremsen kann.

Strategisch hat das Team diese Klippe jedoch clever umschifft: Während das teure Eigenkapital (VC-Geld) ausschließlich in Team, Software und Plattformentwicklung fließt, wird die kapitalintensive Hardware über die neu gesicherte Debt-Facility (Fremdkapital) finanziert. Diese saubere Trennung verhindert eine Verwässerung der Gründeranteile und zeigt, dass institutionelle Geldgebende die Cashflow-Modelle als bankfähig (bankable) einstufen.

Fazit

Batteriespeicher entwickeln sich rasant von einer technischen Notwendigkeit zu einer hochrentablen, eigenständigen Assetklasse. Für die Bau-, Logistik- und Immobilienwirtschaft, in der Investor*innen wie Realyze Ventures tief vernetzt sind, sind solche Modelle der Schlüssel zur Dekarbonisierung.

encosa zeigt exemplarisch, wohin sich ClimateTech entwickelt: Reine Software-Dashboards reichen nicht mehr aus. Gefragt sind integrierte „Full-Stack“-Modelle, die dem/der Kund*in das operative Risiko abnehmen und die Arbitrage-Möglichkeiten der europäischen Strommärkte algorithmisch voll ausschöpfen. Die Bewährungsprobe für encosa wird nun sein, diese Performance auch bei sinkenden Spreads an den Strombörsen stabil zu halten.

Dealroom Index 2026: Europas DeepTech-Erwachen – Warum München jetzt bei Defense-Tech dominiert

London holt sich die Krone von Paris zurück, Europa führt bei der „Innovationsdichte“ – und Deutschland festigt seine Rolle im DeepTech- und Rüstungssektor. Der neue Global Tech Ecosystem Index 2026 von Dealroom zeigt einen Kontinent im Umbruch. Doch hinter den starken Pro-Kopf-Zahlen verbirgt sich weiterhin Europas ungelöstes Skalierungsproblem.

Europa ist Heimat der weltweit leistungsstärksten Tech-Ökosysteme – zumindest, wenn man die reine Anzahl an Hubs im Verhältnis zur Bevölkerungsgröße betrachtet. Zu diesem Schluss kommt der neue Global Tech Ecosystem Index, den die Datenplattform Dealroom am Donnerstag vorstellt. Demnach stellt Europa 45 der Top-100-Städte im sogenannten Density-Ranking und verweist Nordamerika (40) auf Platz zwei. Der Bericht unterstreicht einen fundamentalen Wandel: Europa versucht, seine wirtschaftliche Stagnation durch einen forcierten Fokus auf DeepTech, künstliche Intelligenz und strategische Autonomie zu kompensieren.

London verdrängt Paris, kleinere Hubs rücken auf

Nachdem Paris im vergangenen Jahr die Spitzenposition im europäischen Maßstab innehatte, hat London den Thron 2026 zurückerobert. Befeuert durch ein Rekord-Investitionsvolumen von 7 Milliarden US-Dollar im KI-Sektor (ein sattes Plus gegenüber den 3,9 Milliarden US-Dollar aus 2024) und eine wachsende Liste von mittlerweile 138 Unicorns (darunter Wayve und ElevenLabs), festigt die britische Hauptstadt ihren Status als globaler Fixpunkt. Paris bleibt mit 5 Milliarden US-Dollar an eingeworbenem Venture Capital (VC) und Aushängeschildern wie Mistral AI der schärfste Kontrahent auf dem Festland. KI macht in Europa mittlerweile rund 30 Prozent der gesamten VC-Investitionen aus.

Spannend für die Start-up-Landschaft ist jedoch die Entwicklung abseits der Megametropolen. Europas Wettbewerbsfähigkeit wird zunehmend von spezialisierten, stark forschungsgetriebenen Clustern getragen.
 

Kategorie

Top 5 Hubs in Europa (Dealroom 2026)

Fokus / Ökosystem-Merkmal

Global Champions


 

(Absolute Skalierung)

1. London


 

2. Paris


 

3. Stockholm


 

4. Berlin


 

5. Lausanne

Fokus auf massives VC-Volumen, Mega-Rounds, Enterprise-Software und absolute Unicorn-Dichte.

Density Leaders


 

(Innovation pro Kopf)

1. Cambridge


 

2. London


 

3. Stockholm


 

4. Gent


 

5. München

Starke Universitätsnähe, hohe Patentdichte, Deep Tech und effiziente Start-up-Aktivität.



Deutschland: München boomt bei Rüstung, Berlin bleibt stabil

Der Blick auf die DACH-Region und insbesondere den deutschen Markt offenbart eine klare Rollenverteilung:

  • München (Platz 5 der europäischen Density-Hubs, Platz 24 global): Die bayerische Landeshauptstadt hat sich in bemerkenswerter Geschwindigkeit zu einem zentralen Dreh- und Angelpunkt für europäische Verteidigungs- und Industrietechnologie entwickelt. Getrieben durch das exzellente universitäre Umfeld (insbesondere die TU München) und den starken industriellen Mittelstand, sammelten allein die Vorzeige-Unternehmen Helsing und ARX Robotics im vergangenen Jahr rund 763 Millionen US-Dollar ein.
  • Berlin (Platz 4 der europäischen Global Champions, Platz 22 global): Die Hauptstadt bleibt das deutsche Aushängeschild für absolute Volumina und späte Finanzierungsrunden. Die historisch starken Sektoren Fintech und Enterprise-Software werden zunehmend durch starke KI-Investitionen flankiert, wodurch Berlin seinen Platz unter den führenden Tech-Metropolen behauptet.

Kritische Einordnung: Zwischen Autonomie und Realitätscheck

Die Dealroom-Zahlen lesen sich für europäische Ohren und politische Entscheidungsträger*innen wie Balsam. Dennoch bedürfen sie gerade aus Gründer*innen-Perspektive einer nüchternen Einordnung:

1. Der "Per-Capita-Trostpreis" vs. echtes Scaling

Dass Europa die Density Leaders dominiert, belegt die herausragende Qualität der universitären Forschung in Städten wie Cambridge, Gent oder München. Es verschleiert jedoch die Tatsache, dass in absoluten Zahlen – beim Wachstumkapital für Mega-Rounds (Series C+) und beim Aufbau von globalen Monopolisten – das Silicon Valley und andere US-Hubs in einer eigenen Liga spielen. Europa ist mittlerweile exzellent darin, Deep-Tech-Start-ups zu gründen; es hinkt aber weiterhin beim Skalieren hinterher, weil heimisches Spätphasen-Kapital fehlt.

2. "Strategic Autonomy" als neuer Investment-Case

Die Dealroom-Daten belegen einen massiven Paradigmenwechsel: Tech-Investitionen in Europa sind sicherheitspolitisch relevant geworden. Rüstungstechnologie (DefenseTech), lange Zeit von ESG-getriebenen europäischen Fonds gemieden, ist nun massentauglich. Der Schwenk hin zu "Dual Use"-Technologien und Resilienz spült dringend benötigtes Geld in Hardware- und B2B-Start-ups. Jan-Hendrik Boelens, CEO von Alpine Eagle, fasst diesen Zeitgeist treffend zusammen, wenn er auf die Notwendigkeit verweist, dass Europa „mehr eigene strategische Fähigkeiten aufbauen muss“.

3. Fragmentierung: Vielfalt oder Flickenteppich?

Die Studie feiert die dezentrale Struktur Europas mit vielen aufstrebenden Hubs (wie Kiew, Zagreb oder Tallinn, die das "Rising Stars"-Ranking anführen) als Vorteil. Für ambitionierte Gründer bedeutet diese Fragmentierung im operativen Alltag jedoch nach wie vor die Konfrontation mit einem Flickenteppich aus unterschiedlichen Regularien, Steuergesetzen und fragmentierten Kapitalmärkten. Diese Struktur ist die größte Hürde auf dem Weg zu einem homogenen europäischen Binnenmarkt für Tech-Unternehmen.

Fazit

Der Dealroom-Index 2026 zeigt klar, dass die DACH-Region die richtige Abzweigung genommen hat. Den akademischen Forschungsgeldern folgen nun handfeste Venture-Capital-Investments im DeepTech-Sektor. Damit aus den europäischen Density Leaders jedoch echte Global Champions auf Augenhöhe mit den USA oder China werden, muss Europa den Weg für grenzüberschreitende Wachstumsfinanzierungen massiv erleichtern.

Vor dem EU Chips Act II: Rekordinvestitionen treffen auf bürokratische Hürden

Trotz Rekordkapital lähmt Bürokratie Europas Chip-Start-ups. Vor dem Chips Act II fordern Investor*innen Reformen gegen den US-Exodus.

Das Interesse von Investor*innen an europäischen Halbleiter-Start-ups erreicht neue Höchststände, doch der Weg vom Forschungslabor zur Marktreife bleibt für viele Unternehmen steinig. Während die Europäische Kommission am 27. Mai den mit Spannung erwarteten Entwurf für den Chips Act II vorlegen wird, warnen Investor*innen und Branchenexpert*innen: Ohne einen drastischen Bürokratieabbau und eine verbesserte Wachstumsfinanzierung droht der Europäischen Union ein weiterer Exodus zukunftsweisender Deep-Tech-Unternehmen.

Ein Ökosystem der Kontraste

Die aktuellen Rahmenbedingungen für DeepTech-Gründungen in Europa zeichnen ein paradoxes Bild. Einerseits verzeichnen europäische Chip-Start-ups ein massives Finanzierungsmomentum, das Investor*innen zunehmend anzieht. Laut Analysen von PitchBook sammelten Halbleiter-Start-ups auf dem Kontinent im Jahr 2025 die Rekordsumme von 972 Millionen Euro ein. Allein im ersten Quartal 2026 flossen bereits weitere 380 Millionen Euro in den Sektor. Hardware-Start-ups aus Bereichen wie Halbleitertechnik, Quantentechnologie und Robotik rücken verstärkt in den Fokus von Geldgebern, da ihre zugrunde liegenden Innovationen weitaus schwerer zu kopieren sind als klassische softwarebasierte KI-Lösungen (Software-as-a-Service).

Andererseits kämpft Europa massiv damit, diese unbestreitbare wissenschaftliche Stärke in skalierbare Geschäftsmodelle umzuwandeln. Ein aktueller Bericht von Dealroom belegt, dass Europa zwar 30 Prozent der weltweiten Top-Universitäten im DeepTech-Bereich beheimatet und doppelt so viele Absolvent*innen in natur- und ingenieurwissenschaftlichen Fächern hervorbringt wie die USA. Dennoch haben fast 40 Prozent der europäischen DeepTech-Unicorns ihren Sitz bereits vor oder nach der Finanzierung in die USA verlegt.

Die Erwartungen an den Chips Act II

Der erwartete Chips Act II baut auf dem ersten europäischen Chip-Gesetz auf, das im September 2023 in Kraft trat und nach Angaben der Kommission Investitionen in Fertigungskapazitäten von über 80 Milliarden Euro auslöste. Aktuell hält Europa einen weltweiten Marktanteil von rund 10 Prozent, der durch die politische Initiative bis 2030 auf 20 Prozent verdoppelt werden soll.

Das ist ein überaus ehrgeiziges Ziel angesichts eines globalen Branchenwertes, der laut McKinsey bis zum Ende des Jahrzehnts auf 1,6 Billionen US-Dollar anwachsen könnte. Industrievertreter*innen und politische Entscheidungsträger*innen weisen jedoch darauf hin, dass die bisherigen Fortschritte nicht ausreichen, um mit der expandierenden Subventions- und Ausbaupolitik der USA sowie asiatischer Wirtschaftsmächte mitzuhalten.

Einordnung: Das "Tal des Todes" bei der Kommerzialisierung

Daiva Rakauskaitė, Partnerin und Fondsmanagerin bei Aneli Capital, einer Fondsgesellschaft mit Fokus auf zentral- und osteuropäische (CEE) Start-ups, warnt davor, sich auf den aktuellen Rekordsummen auszuruhen. Das stärkere Interesse der Investoren löse den wesentlichen Engpass Europas – die zu langsame Kommerzialisierung – nicht automatisch.

„Viele junge europäische DeepTech-Unternehmen stehen vor einer schwierigen mittleren Phase zwischen Forschungsförderung und kommerziellen Einnahmen“, erklärt die Expertin. Besonders Halbleiter-Start-ups benötigen massives Vorabkapital für teures Prototyping, Tests, Zertifizierungen und Kundenqualifizierungen, bevor sie überhaupt im großen Stil wachsen können.

Der Erfolg der neuen EU-Initiative wird laut Rakauskaitė maßgeblich davon abhängen, ob es gelingt, die regulatorische Fragmentierung zwischen den EU-Mitgliedsstaaten abzubauen. Als direkte Bremsklötze für die europäische Wettbewerbsfähigkeit nennt sie:

  • Verzögerungen bei der Genehmigungsvergabe.
  • Zersplitterte Prozesse im staatlichen Beihilferecht.
  • Zu hohe Compliance-Kosten für junge Unternehmen.
  • Ein gravierender Mangel an Wachstumskapital ab der Series-B-Phase.

Europas Halbleiter-Ambitionen auf einen Blick

Kennzahl

Aktueller Stand / Prognose

Quelle

Finanzierung 2025

972 Mio. Euro (Rekordwert)

PitchBook

Finanzierung Q1/2026

>380 Mio. Euro

PitchBook

Abwanderungsquote

~40 % der Deep-Tech-Unicorns wandern in die USA ab

Dealroom

EU-Marktanteil

Aktuell ~10 % -> Ziel: 20 % bis 2030

EU-Kommission

Globaler Marktwert

1,6 Billionen USD (bis 2030)

McKinsey


Fazit für die Start-up-Szene

Während Analyst*innen von Dealroom erwarten, dass demnächst mehrere europäische Fonds mit einem Volumen von über 1 Milliarde Euro auf den Markt kommen, um DeepTech-Unternehmen zu unterstützen, braucht es für einen nachhaltigen Durchbruch tiefgreifende Reformen.

Um das Abwandern technologischer Souveränität zu verhindern, fordert der Markt systemische Veränderungen. Dazu gehören flexiblere öffentlich-private Finanzierungsmodelle, schnellere Freigaben für staatliche Beihilfen und eine deutlich aktivere Rolle von Pensionskassen im Risikokapitalmarkt. Der Chips Act II wird daran gemessen werden, ob er nicht nur den Bau großer Produktionsstätten fördert, sondern gezielt schnellere und marktorientiertere Bedingungen für die heimische Unternehmenslandschaft schafft.

Millionenmarkt Frauengesundheit: Bonner MedTech Femi-ON sichert sich Seed-Finanzierung

Das 2025 von Meike Kreutel, Alexej Domnich und Marion Schink gegründete Start-up Femi-ON hat erfolgreich eine Seed-Finanzierungsrunde abgeschlossen. Zu den Geldgeber*innen gehören unter anderem die NRW.BANK und die Digitaler Hub Region Bonn AG. Femi-ON entwickelt ein Medizinprodukt, das Menstruationsbeschwerden künftig durch Vibration statt durch Medikamente lindern soll. Ein Blick auf das Geschäftsmodell und die Hürden der Marktzulassung.

Das in Bonn ansässige FemTech-Start-up Femi-ON hat den Abschluss seiner Seed-Finanzierungsrunde – über die genaue Summe wurde Stillschweigen vereinbart – bekannt gegeben. Neben der NRW.BANK und Der Digitaler Hub Region Bonn AG beteiligen sich mehrere Business Angels an dem Unternehmen. Das Kapital soll in die weitere Produktentwicklung, den Start von Pilotprojekten sowie in die Vorbereitung der Medizinproduktezulassung fließen.

Der Ansatz: Niederfrequente Vibration statt Medikamente

Hinter Femi-ON steht das interdisziplinäre Gründungsteam um Meike Kreutel, Alexej Domnich und Marion Schink. Das Start-up adressiert ein weitverbreitetes medizinisches Problem: Millionen Frauen leiden unter starken Menstruationsbeschwerden (Dysmenorrhoe) oder Endometriose. Bisherige Therapieansätze stützen sich häufig auf hormonelle Präparate oder Schmerzmittel.

Femi-ON entwickelt mit den Konzepten „Tamp-ON“ und „Ring-ON“ hardwarebasierte Medizinprodukte, die im Körper getragen werden sollen.

  • Geplante Wirkungsweise: Die Schmerzlinderung soll durch niederfrequente Vibrationsenergie erfolgen, die gezielt an der Schmerzquelle ansetzt und die Weiterleitung der Schmerzsignale über die Nerven modulieren soll.
  • Materialien: Die wiederverwendbaren Devices sollen aus biokompatiblen Materialien gefertigt werden.
  • Digitale Anbindung: Die Hardware wird via Bluetooth über eine eigene App gesteuert, die den Nutzerinnen ein individuelles Tracking ihrer Symptome ermöglichen soll.

Die Entwicklung des Unternehmens wurde in der Frühphase bereits durch verschiedene Institutionen gestützt. Femi-ON durchlief den Inkubator der Impact Factory in Duisburg, erhielt das Gründungsstipendium NRW und war Teil des Investment SHEroes Accelerator-Programms des Digital Hub Bonn, der nun auch als Investor auftritt.

Marktumfeld: Chancen und regulatorische Hürden

Der FemTech-Sektor verzeichnet international ein starkes Wachstum. Doch der hardwarebasierte MedTech-Bereich, in dem Femi-ON agiert, ist mit spezifischen Herausforderungen verbunden. Ein kritischer Blick auf das Geschäftsmodell zeigt die zentralen Meilensteine, die das Start-up noch nehmen muss.

Technologie- und Marktabgrenzung

Kriterium

Ansatz Femi-ON

Etablierte TENS-Wearables

Konventionelle Medizin

Wirkansatz

Interne Vibration (geplant)

Externe transkutane Nervenstimulation

Systemische Wirkstoffe

Anwendung

Intern

Extern (Klebepads auf der Haut)

Oral (Tabletten) / Hormonell

Zulassungshürde

Hoch (internes Medizinprodukt nach MDR)

Mittel (externes Medizinprodukt)

Hoch (Pharma)



Kritische Einordnung des Markteintritts

  1. Zulassung als Bottleneck: Die Zertifizierung als Medizinprodukt nach der strengen europäischen Medical Device Regulation (MDR) für ein Device, das in den Körper eingeführt wird, ist kosten- und zeitintensiv. Diese Phase entscheidet maßgeblich über die Überlebensfähigkeit von MedTech-Start-ups.
  2. Nutzer*innenakzeptanz: Zwar wächst der Markt für Gesundheits-Wearables stetig, doch die Hürde, ein smartes Device vaginal einzuführen und per App zu steuern, erfordert Aufklärungsarbeit. Der Vorteil gegenüber externen Schmerzgeräten, die oft sichtbare Kabel oder Klebepads erfordern, liegt in der Diskrete der Anwendung im Alltag.
  3. Kund*innenakquise (CAC): Das Marketing für Produkte der Frauengesundheit unterliegt auf großen Werbenetzwerken häufig strengen und teils inkonsistenten Restriktionen. Start-ups in diesem Segment sind stark auf organisches Community-Building und B2B2C-Strategien (etwa Kooperationen mit Krankenkassen) angewiesen.

Fazit

Mit dem Abschluss der Seed-Runde sichert sich Femi-ON den finanziellen Spielraum für die kostenintensive Zertifizierungsphase. Gelingt die komplexe MDR-Zulassung, positioniert sich das Bonner Start-up in einem wachstumsstarken Markt für nicht-medikamentöse Schmerztherapien.

Paragrafen auf Autopilot: Das Kanzlei-Spin-off Justima im Check

Die europäische Regulierungswelle rollt unaufhaltsam – und mit ihr wächst der regulatorische Druck auf Unternehmen. Während Compliance-Teams in manueller Recherche versinken, schicken sich drei Gründer – Gereon Abendroth, Alexander Lilienbeck und Christian Braun –  mit ihrem neuen Kanzlei-Spin-off an, diesen Prozess zu automatisieren. Pünktlich zum offiziellen Launch im Mai 2026 blicken wir hinter die Kulissen der Ausgründung Justima. Für die Gründungsszene wirft dieses Modell spannende Fragen auf: Kann ein Corporate Spin-off agil genug sein, und behauptet sich eine rein vertikale KI gegen die Tech-Giganten?

Die Entstehungsgeschichte von Justima ist im konservativen Rechtsmarkt eine kleine Sensation. Es handelt sich um die erste Ausgründung in der über 250-jährigen Geschichte der internationalen Wirtschaftskanzlei Osborne Clarke, die das Start-up als exklusiver Partner unterstützt.

Hinter dem Kölner Legal-Tech-Start-up steht ein dreiköpfiges Führungsteam, das juristische Expertise mit tiefem technologischem Know-how verknüpfen will. Die operative Leitung übernimmt der Volljurist und Softwareentwickler Alexander Lilienbeck als CEO, der bereits 2025 vom Branchenmagazin JUVE als einer der „Top 10 Legal Tech Rising Stars in Germany“ ausgezeichnet wurde. Ihm zur Seite steht der CTO Christian Braun, ein auf KI und Machine Learning spezialisierter Tech-Kopf, der vor Justima bereits zwei KI-Startups erfolgreich aufgebaut hat. Komplettiert wird das Management durch Gereon Abendroth als Chairman & Managing Director. Er bringt mehr als 20 Jahre Kanzlei- und Inhouse-Erfahrung ein und schlägt als Partner bei Osborne Clarke sowie Vorsitzender des globalen AI Management Boards der Kanzlei die strategische Brücke zum Mutterkonzern.

Die Idee entstand direkt aus dem Kanzleialltag: Mandanten ächzten unter dem massiven Aufwand, europäische Gesetzesänderungen lückenlos zu verfolgen. Die potenziellen Folgen von Non-Compliance sind drastisch – laut den von Justima zitierten Marktstudien liegen die finanziellen Schäden durch verpasste Regulierungsvorgaben im Schnitt rund 2,7-mal höher als die Investitionen in funktionierende Compliance-Prozesse.

Das Geschäftsmodell: Skalierbares SaaS statt teurer Beratung

Das Produkt bricht bewusst mit dem klassischen Geschäftsmodell von Anwaltskanzleien, das meist auf der Abrechnung von Stunden basiert. Justima durchleuchtet mithilfe spezialisierter KI-Agenten täglich mehr als 200 europäische Rechts- und Regulierungsquellen wie Amtsblätter, Behördenseiten und Gerichtsentscheidungen. Die Plattform filtert diese Flut gegen das spezifische Profil des Kunden und bereitet relevante Änderungen in Klartext, inklusive Handlungsbedarf und Quellenbeleg, für die operative Arbeit auf. Technisch und regulatorisch ist das Startup hochgradig abgesichert, da der Betrieb vollständig DSGVO-konform ausschließlich in der EU läuft, flankiert von ISO 27001- und SOC 2-Zertifizierungen.

Spannend ist der Blick auf das Vertriebsmodell, das das Start-up über eine skalierbare Software-as-a-Service-Struktur (SaaS) abbildet. Justima bietet eine kostenlose Testmöglichkeit an. Erweiterte Funktionen, tiefere Analysen und der Zugriff auf internationale Märkte können dann über kostenpflichtige Upgrades flexibel freigeschaltet werden. Die Pakete starten beim Starter-Paket für Einzelpersonen ab 149 € und beim Professional-Paket ab 479 € pro Monat. Dass dieser automatisierte Ansatz im Markt auf Interesse stößt, zeigt die vom Start-up vermeldete Pre-Launch-Traktion: Rund 60 Unternehmen registrierten sich für den Early Access, darunter bekannte Namen wie Condor, AUTODOC und die Karlsberg Brauerei sowie weitere DAX-40- und Fortune-500-Unternehmen.

Die Achillesfersen des Modells

Auch wenn die Story wie ein solider Case klingt, müssen Gründer*innen und Investor*innen das Modell differenziert betrachten:

1. Vertikale KI vs. Horizontale Tech-Giganten

Justima positioniert sich explizit als „vertikale KI“ für exakt einen Anwendungsfall. Das Argument von CTO Christian Braun leuchtet ein: Generische Modelle von OpenAI oder Anthropic neigen zu Halluzinationen, während in der Compliance nicht entscheidend ist, wie viele Änderungen ein Modell findet, sondern welche es übersieht. Eine einzige verpasste Verordnung kostet ein Unternehmen oft mehr, als ein Generalist je einsparen kann.

Das Risiko liegt jedoch in der rasanten Entwicklungsgeschwindigkeit bei horizontalen Sprachmodellen. Sobald Tech-Riesen spezialisierte, verifizierbare Such- und Embedding-Strukturen standardmäßig integrieren, schrumpft der technologische Vorsprung kleinerer Vertikal-Anbieter. Justima muss kontinuierlich beweisen, dass die gemeinsam mit Osborne Clarke entwickelte Relevanzlogik den Systemen der Big Techs dauerhaft überlegen bleibt.

2. Der „Golden Cage“ der Kanzlei-Partnerschaft

Die exklusive Partnerschaft mit Osborne Clarke verschafft Justima vom ersten Tag an enorme regulatorische Expertise und schnellen Marktzugang. Gleichzeitig kann diese extreme Nähe jedoch andere Großkanzleien abschrecken, die Plattform für ihre eigenen Mandanten zu lizenzieren. Ein solches Corporate Spin-off läuft Gefahr, im freien Markt primär als verlängerter Arm des Mutterhauses wahrgenommen zu werden, was das globale Skalierungspotenzial im B2B-Anwaltsmarkt hemmen könnte.

Markt & Wettbewerb

Der Markt für automatisiertes Regulierungsmonitoring ist im Jahr 2026 heiß umkämpft. Justima stößt keineswegs in ein Vakuum vor, sondern trifft auf namhafte Konkurrenz aus verschiedenen Richtungen.

Auf der einen Seite stehen etablierte LegalTech-Herausforderer wie das österreichisch-deutsche Start-up Codara, das seine Compliance-Suite in den vergangenen Monaten massiv ausgebaut hat. Mit direkten Schnittstellen zu EUR-Lex und dem deutschen Bundesrecht sowie einem eigenen Tool zur proaktiven Verfolgung von Gesetzesentwürfen („Legislative Radar“) besetzt Codara ein sehr ähnliches Terrain und bedient bereits namhafte Großkunden.

Auf der anderen Seite positionieren sich mächtige Corporate- und Verlags-Giganten im Markt. Schwergewichte wie KPMG Law bieten mit ihren „Legal Managed Services“ ebenfalls intelligentes Risk- und Regulatory Monitoring an. Gleichzeitig drängen große Fachverlage wie LexisNexis mit spezialisierten KI-Assistenten (wie Lexis+ Protégé) und tief integrierten Recherchetools direkt in die Rechtsabteilungen. Justima muss sich somit in einem Sandwich aus agilen, unabhängigen Startups und kapitalstarken Traditions- und Beratungshäusern behaupten.

Fazit und Einordnung

Für Gründerinnen und Gründer liefert der Case Justima wertvolle Learnings, allen voran den unaufhaltsamen Trend zur Hyper-Vertikalisierung. Die Zeit der rein generischen KI-Wrapper ist vorbei. Justima zeigt exemplarisch, dass der B2B-Markt nach maßgeschneiderten Lösungen verlangt, die haftungssichere, auditierbare Ergebnisse statt vager Chat-Antworten liefern.

Gleichzeitig verdeutlicht das Beispiel, dass eine Ausgründung aus einem etablierten Unternehmen einen vielversprechenden alternativen Pfad zum klassischen VC-Weg darstellt. Die Symbiose aus der tiefen Domain-Expertise eines großen Partners wie Osborne Clarke und der Agilität eines erfahrenen Gründungsteams kann die Time-to-Market drastisch verkürzen. Ob Justima den Vorsprung auf Dauer halten kann, wird sich im harten Wettbewerb zeigen. Die nötigen Grundzutaten – ein starkes Gründer-Duo, Branchen-Rückendeckung und ein realer, validierter Schmerzpunkt – sind jedenfalls vorhanden.