Gründer der Woche: nopixgo – Hightech gegen Mückenstiche

Gründer der Woche 19/20


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Das Schweizer Start-up NopixGlobal AG sagt Stechmücken den Kampf an: Mit dem Hightech-Armband nopixgo, das ohne chemische Wirkstoffe auskommt und so die Natur schont. Mehr zu dem innovativen Konzept im Interview mit Richard Karlsson, CEO & Inhaber.

Richard Karlsson, CEO & Inhaber

Wie sind Sie und Ihre Mitstreiter dazu gekommen, sich mit der Anti-Mücken-Technologie zu befassen?

In unseren Breitengraden stören wir uns hauptsächlich am Jucken der Stiche, manche Menschen haben auch Allergien, aber in vielen anderen Teilen der Welt kann ein Stich über Leben oder Tod entscheiden. Momentan erhalten wir von den Medien täglich die aktuellen Zahlen über das Corona-Virus. Um das einmal in Perspektive zu setzen: Alleine an Malaria sterben jedes Jahr mehr als 400.000 Menschen weltweit – Dengue Fieber, Zika, West-Nil Virus und weitere Erkrankungen, die durch Mücken übertragen werden, noch gar nicht eingerechnet.

Kurt Stoll, der Erfinder der Technologie und nopixgo hat beruflich als Elektroingenieur verschiedene afrikanischen Länder bereist und war tief betrübt wie viel Leid ein so ein kleines Insekt anrichten kann. Heutzutage werden vor allem Chemikalien zum Mückenschutz eingesetzt. Als Physiker hat Kurt Stoll sich dann mit der Mücke aus einer anderen Perspektive auseinandergesetzt und wollte einen Mückenschutz entwickeln, der nicht nur wirksam, sondern auch im Einklang mit der Gesundheit von Menschen, Tieren und Umwelt steht. Dieser Kerngedanke prägt unsere Firma bis heute. Wir wollen Menschen schützen und unsere Technologie weltweit in die Länder bringen, die sie am meisten brauchen.

Was waren die wichtigsten Steps von der Gründung bis zum marktfähigen Produkt?

Kurt Stoll hat mit seiner Kernforschung die Grundlage für das heutige Produkt Nopixgo gelegt. Von den Prototypen bis zum heutigen Produkt hat es eine Weile gedauert. Viele kleine Schritte waren wichtig – diese gingen nicht immer in eine Richtung. Leider hatten wir kein Handbuch, in dem wir nachschauen konnten. Ein wichtiger Meilenstein ist die Zusammenarbeit mit vertrauensvollen und erfahrenen Partnern, die uns finanziell unterstützen und selbst ins Risiko gegangen sind. Wir alle haben immer an das Produkt geglaubt. Von Allmen, IFTEST und Rutronik sind unsere strategischen Partner. Als grosser Player im Elektronikgeschäft unterstützt uns Rutronik bei der Auswahl & Beschaffung von Bauteilen und in Marketing & Vertrieb.

Wie haben Sie diese Phase finanziert?

Den Start des Projektes finanzierte ich durch den Verkauf meiner Personalvermittlungsfirma. Darüber hinaus gab es Supporter, die von der Technologie und Wirksamkeit begeistert waren und das Projekt finanziell unterstützt haben – ganz alleine hätten wir das nicht geschafft.

Das Hightech-Mückenschutzarmband nopixgo

Nun zu Ihrem Produkt. Was genau ist nopixgo und wie funktioniert es?

Nopixgo ist ein elektronisches Armband, das vor Mückenstichen schützt. Es werden schwache elektromagnetische Signale ausgesendet, die das Stechverhalten von Mücken beeinflussen. Diese Signale simulieren ein aufkommendes Gewitter. Dabei werden Mücken nicht aus der Umgebung vertrieben, sondern ein Teil ihrer Sinne so verändert, dass sie sich primär um ihren Selbstschutz kümmern, statt zu stechen. Dies kann eine Fluchtreaktion sein, aber auch ein Aussitzen der wahrgenommenen "vorgetäuschten" Gefahr. Welche Mücke möchte schon durch einen Regentropfen ihr Leben verlieren. Für Mensch und Tier stellen die Signale keine Bedrohung dar. Wir arbeiten mit einer Signalstärke von unter 0.1 Prozent eines Smartphones, das ist für Mensch und Tier nicht wahrnehmbar.

Wie heben Sie sich mit nopixgo vom Wettbewerb ab?

Nopixgo ist einfach in der Anwendung und kann überall mitgenommen werden - ohne Gerüche, Geräusche oder Chemie. Unterschiedliche Studien zertifizieren die Wirksamkeit unseres Produktes und wir sind ständig dabei, das Produkt weiter zu entwickeln. Schwangere Frauen und Kleinkinder dürfen keine chemischen Mittel auf die Haut auftragen. Diese Menschen sind unsere «Propheten», die der Welt von nopixgo und seiner Wirksamkeit berichten.

Wie machen Sie marketingtechnisch auf sich aufmerksam?

Online und Social Media sind die Kernmedien, die wir belegen. Mit unseren Vertriebspartnern schalten wir u.a. Kampagnen in Magazinen von Fluggesellschaften und Automobilclubs. Unsere grösste Herausforderung ist, die erklärungsbedürftige Technologie in den Markt zu bringen und gleichzeitig die Menschen zu erreichen, die sich vor Mückenstichen schützen wollen. Die Erfahrungen unserer Kunden sind für uns sehr wichtig. Viele Menschen die nopixgo getestet haben, empfehlen es später auch weiter.

Wo erhält man das Hightech-Armband?

Das Mückenschutzarmband kann bei unserem Vertriebspartner Rutronik über die Seite www.rutronik.com/nopixgo bezogen werden. In der Schweiz ist nopixgo über unsere Website und in ausgewählten Apotheken, Sportfachgeschäften und Elektronikmärkten erhältlich. In Boardshops bei der Swiss und bei Edelweis können Sie das nopixgo Mückenarmband ebenfalls kaufen.

Welchen Einfluss hat die aktuelle Corona-Krise auf ihr Business?

Aufgrund von Corona wurden viele Reisen ins Ausland storniert, das bekommen wir aktuell sehr zu spüren. Die im Frühjahr geplanten Vertriebs-Messen wurden abgesagt. Normalerweise starten die Umsätze im März und April eines Jahres. Dieses Jahr ist dieser Start quasi ausgeblieben.

Mit nopixgo sind wir auf eine funktionierende Supplychain für unsere Bauteile angewiesen. Diese ist aktuell praktisch nicht gegeben. Momentan haben wir noch eine ausreichende Lagerkapazität. Sollte der Flugverkehr und der Ausgang weiterhin beschränkt bleiben, wird es aber auch für uns schwierig, neue Produkte zu produzieren. Unsere Fertigung ist zu 100 Prozent in der Schweiz. Als junges Unternehmen müssen wir uns immer mit neuen Herausforderungen beschäftigen. Wir sind derzeit alle im Home-Office. Die Gesundheit unserer Mitarbeiter und ihrer Familien steht an erster Stelle.

Was sind Ihre weiteren Vorhaben?

Ende des Jahres launchen wir nopixgo 2.0 mit einer erweiterten Reichweite. Und wir werden ein Standmodell auf dem Markt bringen, um Terrassen, Restaurants und Biergärten vor stechenden Mücken zu befreien. Sie können sich sicher sein, dass wir noch einige weitere spannende Produkte in der Planung haben.

Und last but not least: Was raten Sie anderen Gründerinnen und Gründern aus eigener Erfahrung?

Im Geist der aktuellen Zeit – auch wenn die Gründungszeit viel Entbehrung und Einsatz von euch verlangt –, vergesst nicht auf euch selbst zu achten: gute Ernährung, Sport und ausreichend Schlaf. Euer Business ist wichtig, aber ihr habt nur ein Leben.

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Das Interview führte Hans Luthardt