Gründer der Woche: Lunchio - die Mittagspause smart organisiert

Gründer der Woche 37/16


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Das Berliner Start-up Lunchio will mit seinem Online-Dienst eine neue, smarte Corporate Lunchkultur schaffen und hat sich dafür vor kurzem ein hohes sechsstelliges Seed-Investment gesichert. Über die Geschäftsidee und das Investment sprechen wir mit Co-Gründer und COO Deniz Caglayan.

Sie und Ihre Mitstreiter Jan Christian Saupe, Sebastian Blautzik und Dennis Ortmann haben 2015 in Witten gegründet. Wie sind Sie auf die Idee zu Lunchio gekommen?
Das war damals im Studium. Wir hatten am Wochenende häufiger Blockseminare, aber die Kantine war zu, so dass wir zum Mittagessen zu Restaurants gefahren sind. Die langen Wartezeiten aufs Bestellen, das Essen und am Ende noch auf die Rechnung führten dazu, dass wir häufiger zu spät zurück ins Seminar kamen. Wir dachten, dass das sicher ein Problem ist, dass nicht nur ein paar Studenten, sondern vor allem auch Berufstätige mit vollen Terminkalendern und wirklich wenig Zeit haben. Also suchten wir nach einer smarten, digitalen Lösung zur einfachen Organisation der Mittagspause in Unternehmen. Das war die Geburtsstunde zu Lunchio.

Welche Hürden hatten Sie bei der Realisierung Ihrer Idee zu meistern?
Anfangs standen natürlich erstmal viele Fragezeichen im Raum, was die reine Konzeptionierung anging, denn mit vielen Themen, die auf einmal relevant waren hatten wir uns vorher nie beschäftigt. Wir mussten uns anfangs also erstmal sehr viel Wissen aneignen, um unseren Markt und auch unser Geschäftsmodell besser zu verstehen. Eine weitere Hürde war, dass wir Lunchio zu Beginn komplett mit geringen Eigenmitteln finanziert haben. Das grenzt den Handlungsspielraum natürlich etwas ein, da man im Grunde alles selber machen muss. Also auch Dinge, zu denen man eigentlich nicht wirklich qualifiziert ist oder für die man keine Erfahrung hat. Es zeigt einem aber auch gut auf, was alles möglich ist, wenn man hart arbeitet und ein starkes Team um sich hat.

Wie funktioniert Lunchio?
Lunchio ist eine smarte Lösung zur Mitarbeiterverpflegung. Der Nutzer wählt ein umliegendes Restaurant oder Café aus, in dem er gerne zu Mittag essen möchte und kann sich per Lunch-Event direkt noch mit Kollegen verabreden. Als nächstes kann dann ganz bequem vom Schreibtisch aus das Mittagessen online zum Wunschzeitpunkt vorbestellt und bargeldlos bezahlt werden. Bei Ankunft im Restaurant wird das Essen direkt serviert oder steht bereits zur Abholung bereit. Es gibt also keinerlei Wartezeiten mehr und auch das lästige Bezahlen am Ende entfällt. Das ist besonders praktisch für die chronisch Bargeldlosen unter uns – vor allem, wenn das Restaurant keine Kartenzahlung akzeptiert, was gerade hier in Berlin oft der Fall ist.
Das Besondere an Lunchio: Ein Teil der Rechnung lässt sich mit Digitalen Essensmarken vom Arbeitgeber bezahlen. Diese sind direkt in Lunchio integriert und werden einfach beim Bestellen abgezogen. So können Mitarbeiter jeden Tag bis zu 6,20 Euro sparen.

Das Ziel ist demnach, Zeit und Geld in der Mittagspause zu sparen. Lässt sich das auch spontan, ohne lange Planung in einer Mittagspause realisieren?
Wir glauben, dass wir mit unserem Konzept eine gute Lösung gefunden haben, um dem Nutzer beides zu ermöglichen. Wer gutes Essen und eine nette Atmosphäre schätzt und darauf mittags trotz vollen Terminkalenders nicht verzichten möchte, ist bei Lunchio genau richtig.

Sie zielen auf Angestellte und deren Mittagspause ab. Der Nutzen für die Mitarbeiter ist klar. Sie möchten aber auch mit den betreffenden Arbeitgebern ins Geschäft kommen. Was bieten Sie diesen konkret an?
Unternehmen können ihren Mitarbeitern mit Digitalen Essensmarken von Lunchio ein Essensbudget zur Verfügung stellen und so jährlich über 1300 Euro an Lohnnebenkosten einsparen. Die ganze Abwicklung erfolgt unkompliziert und komplett online. Neben diesem Einsparpotenzial, dass Unternehmen mit Lunchio aktivieren, ist es auch eine hervorragende Maßnahme für Employer Branding. Wir bekommen zusätzlich das Feedback, dass sich die Unternehmenskultur verbessert, wenn sich Mitarbeiter untereinander per Lunch-Event zum Mittagessen verabreden und sich so besser vernetzen. Hierfür werden wir in Zukunft auch weitere Features entwickeln, geplant ist beispielsweise ein "Secret Lunch", bei dem sich zwei Mitarbeiter per Zufall zum Mittagessen verabreden. So lernt der Marketing-Projektleiter den Lead Developer kennen und die interne Unternehmenskommunikation und Kultur wird zusätzlich verbessert.

Wie aufwändig ist es, Gastronomen von Ihrer Idee zu überzeugen? Und wie offen sind diese für neue Wege und neue Strukturen in ihren Lokalen?
Natürlich mangelt es aktuell gerade nicht an neuen Food Start-ups, vor allem hier in Berlin. Das merkt man natürlich auch im Vertrieb. Wir haben die Erfahrung gemacht, dass Gastronomen es schätzen, dass wir ihnen wieder mehr Gäste ins Restaurant bringen und mit unserem Corporate-Ansatz umliegende Unternehmen ansprechen. Eine Zusammenarbeit mit Lunchio ist für sie lohnenswert, da sie so einerseits den Umsatz durch einen höheren Tischumschlag steigern, ein neues Kundensegment ansprechen und ihr Restaurant über den Mittagstisch hinaus bekannt machen. Die Gastronomen merken aber auch, dass die Digitalisierung in ihrer Branche angekommen ist und sich dadurch viele neue Chancen ergeben. Sehr engagiert ist da unter anderem die Metro Group, nicht zuletzt durch ein eigenes Accelerator-Programm für digitale Gastronomie- und Hotellerie-Konzepte, mit der wir sehr eng zusammenarbeiten.

In welchen Städten können hungrige und zeitgeplagte Kunden Ihren Service derzeit nutzen?
Aktuell sind wir am stärksten in Berlin vertreten. Wir haben aber auch in Nordrhein-Westfalen, speziell im Ruhrgebiet aufgrund unserer Anfänge dort einige Partner-Restaurants, z.B. in Bochum, Dortmund und natürlich in Witten, aber auch in Düsseldorf sind wir vertreten.

Sie sind inzwischen von Witten nach Berlin übersiedelt. Lässt sich ein solches Online-Business nur aus der Start-up-Metropole steuern?
Sicher nicht ausschließlich, aber es hat schon entscheidende Vorteile. Berlin ist für Start-ups eine unglaublich interessante und attraktive Stadt, die aufgrund der kulturellen Vielfalt und offenen, pulsierenden Atmosphäre viele Talente anzieht. Und natürlich lässt sich in Berlin als Start-up-Hotspot auch ein größeres Netzwerk zu Investoren aufbauen, als vielleicht im Ruhrgebiet. Letztlich ausschlagend für den Umzug nach Berlin war aber unsere Aufnahme in den Techstars Metro Accelerator letztes Jahr.

Sie haben vor kurzem finanzstarke Geldgeber für sich und Ihr Business gewinnen können. Es wird von einer hohen sechsstelligen Summe gesprochen: Wie haben sie die Finanziers überzeugt und wofür wird das frische Kapital eingesetzt?
Die Mittel fließen zum größten Teil in Entwicklung und Vertrieb. Wir freuen uns sehr, mit Dr. Max Iann einen Investor gefunden zu haben, der uns nicht nur finanziell unterstützt, sondern auch strategisch durch seine langjährige Erfahrung als erfolgreicher Unternehmer und durch sein exzellentes Netzwerk. Er teilt unsere Vision einer Corporate Lunch Culture, in der Unternehmen ihren Mitarbeiter Digitale Essensmarken zur Verfügung stellen und diese damit gemeinsam mit Kollegen ihr Mittagessen in den umliegenden Restaurants online vorbestellen und bezahlen.

Sie sind mit Ihrem Thema Corporate Lunchkultur nicht allein auf weiter Flur. So bietet etwa das Start-up Foodninja ein ähnliches Konzept an – wie hart ist der Markt?
Wie gesagt, mangelt es aktuell sicher nicht an Start-ups aus dem Bereich Food/Tech, wobei das Thema Corporate Lunchkultur da aktuell vielleicht noch eher ein Nischendasein pflegt, allerdings mit sehr viel Potenzial. Was sowohl unsere B2B-Kunden sowie deren Mitarbeiter, als auch unsere Investoren und Partner schätzen ist, dass Lunchio die Interessen aller drei Stakeholder-Gruppen, nämlich Unternehmen, Mitarbeiter und Restaurants gleichermaßen bedient.

Wohin geht Ihre Business-Reise? Was sind die nächsten Steps?
Aktuell konzentrieren wir uns auf das Onboarding von Unternehmen, die sich bereits für Lunchio als Mitarbeiterverpflegung entschieden haben. Unser Kundenportfolio erstreckt sich dabei von kleineren Agenturen mit 30 Mitarbeitern bis zu anderen Start-ups mit über 500 Mitarbeitern. So wie diese Firmen wollen wir zukünftig noch weitere Unternehmen von Lunchio überzeugen und mittelfristig auch in neue Städte gehen. Für 2017 ist dann eine Series-A Finanzierungsrunde geplant. Wir möchten mit Lunchio erste Wahl sein für Mitarbeiter, Unternehmen und Restaurants, wenn es um eine smarte und effiziente Organisation der Mittagspause geht und sehen uns als Pionier auf diesem Gebiet.

Last but not least: Was raten Sie anderen Gründern aus eigener Erfahrung?
Es ist wichtig eine gute Mischung zu finden aus "an die eigene Vision glauben" und trotzdem offen für konstruktives Feedback zu sein. Erfahrene Mentoren und die eigenen Kunden sind oft die besten Ratgeber und man sollte sich Zeit nehmen, ihre Hinweise aufzunehmen und zu verarbeiten.

Hier geht's zu Lunchio


Das Interview führte Hans Luthardt

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Eine Milliarde für Zukunftstechnologien im Deep-Tech-Bereich

Der DeepTech & Climate Fonds startet sein operatives Geschäft – investiert wird in das Wachstum von Unternehmen mit Zukunftstechnologien – in den kommenden Jahren bis zu einer Milliarde Euro.

Um den Technologie-Standort und die Wagniskapitalfinanzierung in Deutschland weiter auszubauen, stellt die Bundesregierung zusätzliche Mittel bereit. Diese sollen vor allem als Wachstumskapital dienen. Das Bundesministerium für Wirtschaft und Klimaschutz und das Bundesfinanzministerium haben dafür den DeepTech & Climate Fonds (DTCF) entwickelt.

Der DTCF ist ein neuer Fonds, der ab sofort in das Wachstum von Unternehmen mit Zukunftstechnologien investiert - in den kommenden Jahren bis zu einer Milliarde Euro. Die Mittel stammen aus dem Zukunftsfonds der Bundesregierung und dem ERP-Sondervermögen.

Mit seinem Beitrag zur Finanzierung unterstützt der DTCF die Technologie-Champions der Zukunft, sich zum neuen technologiebasierten Mittelstand zu entwickeln. Dabei fokussiert sich der Fonds auf die kapitalintensive Wachstumsphase von Unternehmen in den Bereichen Deep-Tech und Climate-Tech und legt seinen Schwerpunkt auf Unternehmen mit einem validierten Geschäftsmodell.

Der Fonds investiert in Deep-Tech-Bereiche wie Industry 4.0, Robotik, Künstliche Intelligenz, Quantencomputing, Prozessautomatisierung und in Unternehmen mit einem technologiebasierten Geschäftsmodell wie zum Beispiel Digital Health, New Energy, Smart City, New Materials und ausgewählte Biotech-Bereiche. Die Vorbereitungsmaßnahmen haben im 4. Quartal 2022 begonnen. Das erste Investment steht kurz vor dem Abschluss.

Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck: „Start-ups sind ein zentraler Baustein für die langfristige Wettbewerbsfähigkeit und die klimafreundliche Transformation unserer Volkswirtschaft. Mit dem Start des DeepTech & Climate Fonds setzen wir einen wichtigen Bestandteil der von der Bundesregierung beschlossenen Start-up-Strategie um. Durch die Finanzierung neuartiger klimafreundlicher Technologien stärkt der Fonds den deutschen Innovationsstandort und trägt dazu bei, dass sich eigenständige und erfolgreiche Technologieunternehmen entwickeln können. Damit bieten wir Deep-Tech-Unternehmen eine langfristige Perspektive in Deutschland.“

Bundesfinanzminister Christian Lindner: „Neue Geschäftsmodelle sind die Voraussetzung für wirtschaftliches Wachstum und künftigen Wohlstand. Wir möchten den DeepTech & Climate Fonds als Ankerinvestor für neue deutsche Weltmarktführer aufbauen. Dafür nehmen wir 1 Milliarde Euro in die Hand. Kapital allein entscheidet aber nicht über Erfolg. Nun kommt es darauf an, aus jedem eingesetzten Euro das Beste zu machen. Eine solche Aufgabe gehört in qualifizierte Hände.“

Die Beauftragte des Bundesministeriums für Wirtschaft und Klimaschutz für die digitale Wirtschaft und Start-ups Anna Christmann: „Zukunftstechnologien sind auch ein Schlüssel für die Bewältigung der Herausforderungen der Klimakrise. Der DTCF schafft ein attraktives Finanzierungsumfeld für Unternehmen, die mit ihren Technologien zur Erneuerung der Wirtschaft in Richtung Klimaneutralität beitragen.“

Vorsicht: Rückforderungen von Coronahilfen

Das müssen Unternehmen und Solo-Selbstständige jetzt wissen, wenn ein Rückzahlungsbescheid ins Haus flattert.

Mitten in der Energiekrise erhalten viele Solo-Selbstständige und Unternehmen Rückzahlungsbescheide für bereits ausgezahlte Coronahilfen. Viele dieser Bescheide sind allerdings nicht rechtens und können deshalb juristisch angefochten werden. Rechtsanwalt Marc Baschin von der Wirtschaftskanzlei Goldenstein beantwortet nachfolgend die wichtigsten Fragen zum Thema.

Wieso werden bereits genehmigte und ausgezahlte Coronahilfen zurückgefordert?

Die Auszahlung von Coronahilfen erfolgte sehr unbürokratisch und oftmals ohne große Vorprüfung der jeweiligen Anträge. Umso akribischer prüfen die zuständigen Behörden diese Anträge nun rückwirkend auf fehlerhafte Angaben. Sobald bei dieser Nachkontrolle Ungereimtheiten festgestellt werden, wird die zuvor ausgezahlte Summe teilweise oder vollständig zurückgefordert.

Da die die Auszahlung der Coronahilfen von den Bundesländern individuell organisiert wurde, kümmern diese sich auch einzeln um die Nachprüfung der Anträge. Dementsprechend gehen Rückforderungsbescheide auch zu unterschiedlichen Zeitpunkten bei den jeweiligen Unternehmen und Solo-Selbstständigen ein. Zudem sollen Zahlungsempfänger in einigen Bundesländern eine mögliche Rückerstattung ihrer Coronahilfen selbstständig auf einer eigens dafür eingerichteten Website überprüfen.

Wie sollten auf Rückzahlungsbescheide reagiert werden?

Viele Rückzahlungsbescheide sind nicht rechtens. Daher sollte die angeforderte Zahlung nicht ohne vorherige Überprüfung veranlasst werden. Um keine Fristen verstreichen zu lassen, ist es allerdings wichtig, sich nach dem Erhalt eines Rückzahlungsbescheids schnellstmöglich rechtlich beraten zu lassen. Ansonsten müssen möglicherweise Verzugszinsen gezahlt werden. Wer zu lange wartet, riskiert sogar eine Zahlungsverpflichtung, obwohl sich der Rückzahlungsbescheid im Nachhinein möglicherweise als unzulässig herausstellt.

Wieso sind einige Rückzahlungsbescheide nicht rechtens?

Es gibt vielfältige Gründe, weshalb ein Rückzahlungsbescheid unzulässig sein kann. Generell gilt: Wer einen berechtigten Anspruch auf die Auszahlung von Coronahilfen hatte, den jeweiligen Antrag korrekt ausgefüllt und das erhaltene Geld im dafür vorgesehenen Zeitraum entsprechend des Förderungszwecks genutzt hat, muss einer Rückforderung nicht nachkommen. In solchen Fällen basieren Rückforderungsbescheide oft nur auf Missverständnissen, die mittels eines kurzen Schriftwechsels aufgeklärt werden können.

Manchmal ist es aber auch nötig, weitere juristische Schritte einzuleiten. Beispielsweise können einige Coronahilfen schon allein deshalb nicht zurückgefordert werden, weil diese zum Zeitpunkt der Auszahlung als nicht rückzahlbar deklariert wurden. In diesen Fällen konnten die Zahlungsempfänger also gar nicht wissen, dass das erhaltene Geld zu einem späteren Zeitpunkt möglicherweise zurückgezahlt werden muss. Dennoch lassen es die verantwortlichen Behörden in solchen Fällen erfahrungsgemäß auf ein Gerichtsverfahren ankommen.

Grundsätzlich ist es aber auch in weniger eindeutigen Fällen möglich, erfolgreich gegen einen Rückzahlungsbescheid vorzugehen, obwohl erhaltene Gelder beispielsweise auch für private Zwecke oder erst nach dem dafür vorgesehenen Zeitraum ausgegeben haben. Dies kann beispielsweise der Fall sein, wenn dieses geplante Ausgabeverhalten im genehmigten Antrag exakt so kommuniziert wurde. Daher sollten Rückzahlungsbescheide unbedingt überprüft werden, bevor einer Aufforderung zur Rückzahlung nachgekommen wird.

Wie können sich Unternehmen und Solo-Selbstständige gegen unzulässige Rückzahlungsbescheide wehren?

Betroffene Unternehmen und Solo-Selbstständige sollten ihre Ansprüche von einer spezialisierten Rechtsanwaltskanzlei prüfen lassen. Auf Basis einer solchen (Erst-)Beratung kann herausgefunden werden, ob der jeweilige Rückzahlungsbescheid angefochten werden sollte.

Ist dies der Fall, sollte zunächst Widerspruch gegen den Bescheid eingelegt werden. Dadurch ist es möglich, sich etwas Zeit zu verschaffen und der verantwortlichen Behörde zu übermitteln, weshalb der jeweilige Bescheid nicht rechtens ist. Sollte die Behörde dieser Argumentation nicht folgen, ist es unter Umständen nötig, den Bescheid vor Gericht anzufechten. Dann muss das verantwortliche Verwaltungsgericht die Sachlage bewerten.

Gab es schon Urteile zugunsten betroffener Unternehmen?

Ja. Mehrere deutsche Gerichte haben bereits entschieden, dass unterschiedliche Rückforderungsbescheide im Zusammenhang mit ausgezahlten Coronahilfen ungültig sind. Es ist zudem davon auszugehen, dass das Bundesverwaltungsgericht noch in diesem Jahr die ersten höchstrichterliche Grundsatzurteile zum Thema verkünden wird.

Können Rückforderungsbescheide auch angefochten werden, wenn diese bereits beglichen wurden?

Wenn die Rechtmäßigkeit eines Rückzahlungsbescheids angezweifelt wird, sollte dieser auch nicht unmittelbar beglichen werden. Dennoch besteht auch nach einer bereits erfolgten Zahlung die Option, gegen den jeweiligen Bescheid vorzugehen und das zurückgezahlte Geld zurückzufordern. Allerdings müssen diesbezüglich bestimmte Fristen eingehalten werden, die sich von Bundesland zu Bundesland unterscheiden können.

Was passiert, wenn Solo-Selbstständige oder Unternehmen gar nicht auf einen Rückforderungsbescheid reagieren?

Mit Zustellung des Rückforderungsbescheides laufen verschiedene Fristen, die unbedingt beachtet werden müssen. Wird nicht rechtzeitig Widerspruch gegen einen Bescheid eingelegt, muss der Rückforderungsbetrag möglicherweise bezahlt werden, obwohl sich dieser im Nachhinein als unberechtigte Forderung herausstellt. Unter anderem deshalb sollten Solo-Selbstständige und Unternehmen entsprechende Bescheide keinesfalls komplett ignorieren.

Kölner PropTech aedifion sammelt 12 Mio. Euro ein - europäische Marktführerschaft angestrebt

Das 2017 von Felix Dorner, Dr.-Ing. Johannes Fütterer, Dr. Jan Henrik Ziegeldorf und Erik Brümmendorf gegründete PropTech-Unternehmen aedifion hat 12 Millionen Euro in einer Series-A-Runde von neuen und Bestandsinvestoren eingesammelt.

Aedifion wurde 2017 aus einem führenden Forschungsinstitut für Gebäudetechnik an der RWTH Aachen ausgegründet und nimmt an mehreren vom Bundesministerium für Wirtschaft und Klimaschutz (BMWK) geförderten Forschungsprojekten anderer Hochschulen und Forschungseinrichtungen teil. Mit der Cloud-Software von aedifion können Verwalter*innen und Inhaber*innen gewerbliche Gebäude einfacher und digitaler betreiben – und sie effizienter und damit auch deutlich klimafreundlicher machen. Bis zu 40 Prozent – im Schnitt zwischen 20 und 30 Prozent – kann der Energiebedarf für das Heizen und Kühlen von Gebäuden durch Optimierung der Abläufe gesenkt werden, wie das Unternehmen selbst in zahlreichen veröffentlichten Case Studies darlegt.

Lead-Investoren der überzeichneten Runde sind der auf Climate-Tech spezialisierte Berliner Wagniskapitalgeber World Fund und die Technologie- und Investmentplattform BeyondBuild für die Bau- und Immobilienbranche unter Beteiligung des Family Offices der SAP-Gründerfamilie Hopp. Zu den weiteren Investoren zählen Bauwens, Drees & Sommer und MOMENI Ventures. Auch die Bestandsinvestoren BitStone Capital und Phoenix Contact Innovation Ventures investieren in dieser Runde erneut.

Smarte Gebäude als Teil des Energiesystems

Das frische Kapital will aedifion unter anderem für die Erweiterung der Produktpalette nutzen und die europäische Marktführerschaft anstreben. „Wir wollen Gebäude zu einem Teil des Energiesystems der Zukunft machen“, sagt Gründer und CEO Johannes Fütterer. „Dank Digitalisierung und Künstlicher Intelligenz können Gebäude zum Teil der Energiewende werden – als virtuelle Kraftwerke, die Teil eines smarten Netzes sind.“

Eine künstliche Intelligenz, die beispielsweise Heizungsanlagen vorausschauend steuert, nutzt dafür zahlreiche Daten vom Wetter bis zur per Software ermittelten thermischen Kapazität des Gebäudes. „So können die Wärmepumpen dann eingeschaltet werden, wenn der Strompreis günstig ist.” Gerade wenn viele Immobilien so gebündelt smart gesteuert werden, spart das nicht nur Emissionen und Geld, sondern dient auch der Stabilität des Stromnetzes insgesamt. „Das ist ein wichtiger Baustein für das Gelingen der Energiewende, denn mit mehr Sonne und Wind im Netz schwankt auch das Stromangebot", sagt Fütterer.

Darüber hinaus bietet die Cloud-Software Eigentümer*innen, Verwalter*innen, Facility-Manager*innen und Ingenieurbüros zahlreiche digitale Werkzeuge zur Optimierung und Regelung von Gebäudetechnik.

Einsparpotenzial: 10 Millionen Tonnen CO2

Die Software arbeitet unabhängig davon, welche Gebäudetechnik verbaut ist, und kann über offene Schnittstellen mit anderen Anwendungen kommunizieren. Das Potenzial ist groß: Allein in Deutschland gibt es 2,7 Millionen gewerbliche Gebäude mit rund 1,35 Milliarden Quadratmeter Nettogrundfläche. Damit könnten mehr als 10 Millionen Tonnen CO2 pro Jahr nur durch den Einsatz der Cloud-Plattform eingespart werden. „Bürogebäude sind für 6,6% der globalen CO2-Emission verantwortlich und bieten damit gleichzeitig ein riesiges Potential für den Klimaschutz”, sagt World-Fund-Investment-Manager Mark Windeknecht. „aedifion ist ein exzellentes Deep-Tech-Beispiel, das zeigt, wie Klimaschutz und Kostenersparnisse per Software skaliert werden können.“ Alexander Reichhuber, Managing Partner bei BeyondBuild, ergänzt: „Wir sind der festen Überzeugung, dass aufgrund der gebotenen Dringlichkeit bei der Erreichung der Klimaziele ein effizientes Optimieren vor einem zeitaufwendigen Transformieren von Gebäuden unausweichlich ist. aedifion spielt hierbei mit ihrer Technologie eine Schlüsselrolle.“

Finanzbildungs-FinTech Beatvest sichert sich 1,3 Mio. Euro

Das 2021 von Julia Kruslin und Sophie Thurner gegründete Finanzbildungs-FinTech-Start-up Beatvest setzt sich für Chancengleichheit am Aktienmarkt ein und sichert sich 1,3 Mio. Euro Wachstumskapital.

Das 2021 gegründerte Start-up Beatvest um Gründerinnen Julia Kruslin (28) und Sophie Thurner (31) setzt sich für Chancengleichheit am Aktienmarkt ein. Beatvest adressiert junge und unerfahrene Privatanleger*innen, die sich aufgrund von gesellschaftlichen und ökonomischen Entwicklungen, wie der hohen Inflation oder dem demographischen Wandel, in Richtung Börsenmärkte orientieren.

Mit ihrem Geschäftsmodell bedienen die Gründerinnen den Bedarf nach Finanzbildung, indem sie das nötige Know-how vermitteln, um rationale Entscheidungen an den Finanzmärkten zu treffen. Das Start-up will Privatpersonen befähigen, die eigene finanzielle Zukunft proaktiv zu gestalten und den wachsenden Herausforderungen zum Schließen der individuellen Vorsorgelücke zu begegnen. Dies geschieht per App über ansprechende, in den Alltag integrierbare Lektionen.

Ein noch fiktives Investment-Feature ermöglicht es zudem, die Bewegungen eigener Investments zu beobachten und sich mit dem Finanzmarkt vertraut zu machen. So will Beatvest von den ersten Schritten beim Investment bis zum Aufbau eines Depots für die Altersvorsorge unterstützen.

Der Frühphaseninvestor neosfer führt die Pre-Seed-Runde des Start-ups in Höhe von insgesamt 1,3 Millionen Euro an. Ebenso dabei sind der Trade-Republic-Investor Sino AG und der Early-Stage-Investor von Axel Springer & Porsche APX. Ergänzt werden die Investoren durch bekannte Business Angels der Start-up- und Medienszene wie Maximilian Tayenthal (N26), Marco Adelt (Clark), Tijen Onaran und Stephanie Caspar.

Neosfer trägt mit seinem Investment unmittelbar dazu bei, den Zugang zum Aktienmarkt für junge Privatanleger*innen sicherzustellen. Karim Menn & Sebastian Scheib, Investment Manager bei neosfer, betonen: „Beatvest hat ein enormes Marktpotenzial. Hinter dem Start-up stehen starke Gründerinnen mit viel Expertise, die mit Beatvest eine der wichtigsten Herausforderungen im Bereich Financial Services adressieren – die finanzielle Bildung. Wir freuen uns auf die spannenden Entwicklungen und das Wachstum, das diese Partnerschaft mit sich bringen wird!“

Wechseljahres-Pionier XbyX – Women in Balance schließt siebenstellige Pre-Series-A Runde ab

Das 2019 von Peggy Reichelt und Monique Leonhardt gegründete Berliner Femtech-Unternehmen XbyX – Women in Balance ist eine D2C-Plattform für Frauen ab der Lebensmitte mit wissenschaftlich fundierten, ganzheitlichen Lösungen für Wechseljahre und gesundes Altern.

Das Unternehmen gab heute den Abschluss einer siebenstelligen Pre-Series-A Finanzierungsrunde bekannt, die das dynamische Wachstum 2023 finanzieren wird. Die Runde wird von der ECONA AG, der Venture- und Private-Equity-Gesellschaft eines Berliner Family-Office übernommen. Neben dem Lead Investor ECONA ist zudem der AUXXO Female Catalyst Fund seit Anfang 2022 in XbyX investiert.

Passion für Frauengesundheit ab der Lebensmitte

Die Idee zu XbyX hatte Seriengründerin Peggy Reichelt bereits 2018: Anfang 40, konfrontiert mit ihrer beginnenden Perimenopause, war sie irritiert, dass es kaum fundierte Informationen zu den Wechseljahren gab. Sie recherchiert, sucht Lösungen, testet selbst und gründet anschließend XbyX mit der Vision, die weibliche Gesundheit ab 40 ins Spotlight zu rücken und die Wechseljahre aus der Tabu-Ecke zu holen.

Die Gründerinnen konnten sich durch ihre Passion für Frauengesundheit ab der Lebensmitte und unterstützt von einem erfahrenen medizinischen Beirat in kürzester Zeit als Pionier im Tabubereich Wechseljahre positionieren. Sie bauten einen loyalen Kundeninnenstamm von über 50.000 Frauen auf und konnten nach eigenen Angaben ihren Umsatz im Geschäftsjahr 2022 mehr als verdoppeln. Neben einem stetig wachsenden Portfolio wissenschaftlich formulierter, pflanzlicher Nahrungsergänzungen, bietet XbyX drei umfangreiche Video-Education-Programme zu Hormonwissen, Kraftsport und Abnehmen ab der Lebensmitte an.

“Mit XbyX verstehen wir uns als beste Freundin unserer Kundinnen, als Wissensvermittlerinnen und Ort des Verständnisses. Wir setzen da an, wo im Gesundheitssektor Zeit oder auch Expertise fehlen und geben unseren Frauen das Wissen an die Hand, um autark die für sie individuell richtigen Entscheidungen treffen zu können”, so Monique Leonhardt.

“Anfangs kam oft die Frage, warum wir uns auf diese „kleine“ Nische konzentrieren”, so Peggy Reichelt. “Das zeigt, wie wenig Wissen hier existiert. Denn die Wechseljahre sind eine Lebensphase, die sich über Jahrzehnte zieht und deren Implikationen Frauen über den gesamten Alterungsprozess hinweg begleiten. Und sie betreffen jede Frau – und damit die Hälfte der Menschheit.”

Wechseljahre sind weit mehr als Hitzewallungen und das Ende der Periode

Die Wechseljahre sind schließlich weit mehr als Hitzewallungen und das Ende der Periode: Sie sind eine besonders wichtige Zeit, in der Frauen entscheidende Weichen für ihre Gesundheit im Alter stellen. Genau hier setzt XbyX an und bekommt nun durch die Finanzierung wertvolle Unterstützung. Peggy Reichelt: “Wir sind sehr glücklich über unsere Investorenrunde, die uns nicht nur finanziell den notwendigen Rückenwind gibt, sondern auch unsere langfristige Vision zu 100 % trägt. Die Wechseljahre und die Frauengesundheit ab der Lebensmitte bekommen so endlich die Aufmerksamkeit und die moderne Wahrnehmung, die sie verdienen.”

Mit dem Investment plant das Berliner Start-up seine Vision einer Pro-Age-Gesellschaft weiter zu verwirklichen. Die Mittel werden in die Team-Erweiterung, die Entwicklung neuer Produkte und Angebote sowie die Erschließung neuer Märkte und Kanäle fließen und so das weitere dynamische Wachstum finanzieren.

DEM - Deutsche E Metalle AG sichert sich 8 Mio. Euro zur Rohstoff-Gewinnung

Die derzeit einzige deutsche "Junior Mining Company für kritische Rohstoffe" DEM - Deutsche E Metalle AG aus Dresden sammelt in einer ersten öffentlichen Finanzierungsrunde 8 Mio. Euro ein.

Bei der 2021 in Dresden gegründete DEM - Deutsche E Metalle AG laufen bereits zwei DEM-Projekte: Ein Joint-Venture in den argentinischen Anden zur Gewinnung von Lithium sowie der Aufbau eines Projekts für Seltene Erden in der Provinz Buenos Aires. Die hierfür notwendigen Investitionen lassen sich jedoch nicht mit dem vorhandenen Kapital der DEM und seiner drei Gründeraktionäre stemmen. Daher strebte das Start-up eine Kapitalerhöhung an.

Investorensuche für die Rohstoff-Gewinnung

Im November 2022 startete der Vorstand gemeinsam mit Rainer Witt von der intelligentis die Investorensuche. Es galt, immerhin acht Millionen Euro zu akquirieren. Die ebenfalls aus Dresden stammende intelligentis verfügt über ein großes Netzwerk potenzieller Investoren – denn seit Jahren sucht das Team um Rainer Witt als „externe M&A-Abteilung“ für Investoren und Unternehmer das passende Wunschinvestment sowie für Start-ups und andere spannende Unternehmen die passenden Investoren. Einerseits sprachen die Spezialisten strategische Investoren für die DEM an, die für ihre Unternehmen Rohstoffe sichern wollen. Aber auch Fonds-Gesellschaften und andere Investoren wurden kontaktiert, die von den guten Wertsteigerungsaussichten profitieren wollen.

Zwei Akquise-Phasen - viele Interessenten

In einer ersten Akquise-Phase ging das Team mit der Unternehmensstory und einem ‚Fact Book‘ auf Investorensuche. „intelligentis hatte die richtigen Zugänge zu Investoren und Portalen, um eine erfolgreiche Akquise durchzuführen“, sagt Dr. Zauner. Sobald ein gefestigtes Interesse vorlag, erhielten die potenziellen Anteilseigner in der zweiten Phase Zugang zu einem eigens erstellten Datenraum mit allen nötigen Zahlen und Unterlagen. „Schnell stießen wir auf ein großes Interesse bei den Investoren und Unternehmen“, erzählt Rainer Witt. Bis Ende Februar 2023 können sie ihre Investition tätigen. Zugesagt haben bereits ein ‚Family Office‘, das das private Vermögen einer Eigentümerfamilie verwaltet, sowie mehrere strategische Investoren aus der Automotive-Branche und private Investoren, die die Story der DEM einfach spannend finden.

Eigene Unternehmensbewertung bestätigt

Unter Federführung der intelligentis war die DEM von der Gründung an klar, transparent und systematisch aufgestellt. „Rainer Witt als Start-up-Experte brachte hier sehr viel Know-how ein“, erinnert sich Dr. Micha Zauner. „Wir hatten dann direkt vor der Investorensuche zusammen mit der intelligentis eine eigene Bewertung unserer DEM vorgenommen, die sich auch an angelsächsischen börsennotierten Unternehmen orientiert. Diese wurde später in den von den Interessenten durchgeführten, sehr intensiven Prüfungen im Rahmen der Due Diligence weitestgehend bestätigt.“

Entwicklung hin zum Börsengang geplant

Mit der erfolgreichen Kapitalerhöhung legt die DEM gleichzeitig die Basis für ihre weitere Wachstumsgeschichte: Denn die Aktiengesellschaft will sich im Zuge der Welle der Elektromobilität zu einem der ‚Global Player‘ bei E-Materials für E-Mobility entwickeln. Dafür ist in wenigen Jahren ein Börsengang geplant. Nach Überzeugung von Vorstand Dr. Micha Zauner sind die benötigten strategischen und kritischen Rohstoffe – wie Lithium, Kobalt, Seltene Erden, Mangan, Kupfer und Graphit – aktuell nicht ansatzweise ausreichend vorhanden. Die enorme Verknappung führt bereits heute zu Verteilungskämpfen zwischen den Industrienationen und natürlich zu signifikant steigenden Preisen und Bewertungen von Projekten.

Das Fehlen dieser kritischen Rohstoffe hat jedoch erhebliche Folgen für die Wirtschaft und die nationale Sicherheit eines Landes. Deshalb entwickelt und finanziert die DEM aussichtsreiche Projekte weltweit, um die Rohstoffe für die deutsche Wirtschaft nutzbar zu machen. „Wir dürfen in Deutschland nicht weiter zuschauen, wie sich andere Nationen – allen voran China und die USA – die Rohstoffe sichern. Deutsche Investoren und Unternehmen müssen Venture Capital in die Hand nehmen, um einen guten Teil der Rohstoffe für die deutsche Industrie zu sichern. Denn unser Wohlstand fußt nicht zuletzt auf Rohstoffen, da sie am Beginn der Wertschöpfungskette stehen“, so der Vorstand.

Praxisleitfaden: (Aus-)Gründungen an deutschen Universitäten

Orrick zeigt in seinem Praxisleitfaden OLNS#10, was bei (Aus-)Gründungen an deutschen Unis zu beachten ist und wie sich hierbei rechtliche Fallstricke vermeiden lassen.

Orrick wurde in der Bay Area gegründet und ist eine der weltweit führenden Technologiekanzleien. Der Praxisleitfaden soll Gründer*innen und Universitäten dabei helfen, universitäre Spin-offs auf den Weg zu bringen und dabei kostspielige rechtliche Fehler zu vermeiden. Das Ziel ist es, dass die Gründerinnen und Gründer mehr Zeit für die Entwicklung ihres Unternehmens haben und Universitäten möglichst viele erfolgreiche Start-ups hervorbringen.

Bei der Vorbereitung von OLNS#10 stützte sich das internationale und interdisziplinäre Orrick-Team auf die Erfahrung aus der weltweiten Beratung von mehr als 3.700 VC-finanzierten Unternehmen und mehr als 90 Unicorns sowie den aktivsten Fonds, Corporate-Investoren und börsennotierten Technologieunternehmen.

Der Guide gibt praktische Ratschläge zu folgenden Themen:

Die Gründungsphase

  • Zusammensetzung des Gründungsteams und Verteilung der Anteile
  • Struktur des ersten Cap Table
  • Steuerlich getriebene Holdingstrukturen (einschl. zweistufiger US/deutscher Doppelstockstrukturen)

Einbringung des universitären IP in das Start-up

  • Vollerwerb vs. Lizenzierungsmodelle (einschl. üblicher Lizenzbedingungen)
  • Einräumung einer echten oder virtuellen Beteiligung am Start-up als Teil der Gegenleistung

Finanzierung von Spin-offs

  • Finanzierungsprozess von Pre-Seed bis Post-IPO
  • Wann ist Venture Capital nicht das Richtige?
  • Besonderheiten bei Corporate-Investoren

und vieles mehr, einschließlich einer Checkliste für die Nachgründungsphase und einem Crashkurs zu den relevanten IP-Basics.

Der mehr als 160 Seiten umfassende Guide kann kostenlos hier abgerufen werden.

GameChanger des Monats: Calcolution - CO2-Emissionen, fair berechnet

Das junge GreenTech-Start-up Calcolution aus Oberursel begleitet Unternehmen, Investor*innen und Institutionen auf ihrem individuellen Weg zur Sustainability Leadership mit innovativen Visualisierungen und Kooperationsmethoden. Mehr dazu im Interview mit dem Gründer Christian Schwehm.

Wir haben dich bzw. euch als GameChanger ausgewählt, weil du eine neuartige Methode entwickelt hast, um die „beeinflussbare“ Klimawirkung der eigenen Aktivitäten bzw. Emissionen seriös und fair zu bilanzieren. Wann und wie bist du auf die Idee zu Calcolution bzw. dem Stakeholder Carbon Footprint (SCF) gekommen?

Vor gut drei Jahren habe ich den CO2-Rechner des Umweltbundesamtes genutzt. Das hat mich auf die Idee gebracht, die kompletten Emissionen meiner Familie seit 1974 zu visualisieren. Als Wirtschaftsmathematiker habe ich 20 Jahre Erfahrung im Portfoliomanagement und mit der Entwicklung von Investment Plattformen bei der DWS, ACATIS und der QUONIAM. Mit dieser Expertise habe ich einen ersten Prototyp entwickelt, der die „beeinflussbare“ Klimawirkung der eigenen Aktivitäten in den Vordergrund stellt.

Mit dem Stakeholder Carbon Footprint (SCF) hast du eine neuartige Methodik entwickelt, um Emissionen zu visualisieren und anhand des Nutzens und Einflusses zwischen den Akteur*innen aufzuteilen. Wo liegt deiner Meinung nach das Problem bei den bestehenden Lösungen?

Aus meiner Arbeit als Portfolio Manager kenne ich die Ansätze zur Bilanzierung der Emissionen. Das Greenhouse Gas Protocol mit der Aufteilung in direkte (Scope 1) und indirekte (Scope 2 & 3) Emissionen ist ein guter Anfang, hat aber unserer Meinung nach drei Schwachstellen.

  1. Häufig werden nur sehr enge Systemgrenzen betrachtet, sodass z.B. bei den Emissionen pro Auto-km lediglich die Verbrennung des Normverbrauchs am Auspuff gemessen wird.
  2. Die Emissionen werden sowohl beim Autofahrenden als auch bei den verschiedenen beteiligten Unternehmen in unterschiedlichen Scopes berücksichtigt und es kommt dadurch zu Mehrfachzählungen.
  3. Der eigene Einfluss auf andere Akteure, wenn z.B. Online-Meetings die eigene Reisetätigkeit aber auch die der Geschäftspartner reduzieren, wird vernachlässigt. Innovation und Aufklärungsarbeit bei Veranstaltungen oder in Verbänden sind ebenfalls wichtige Treiber der Emissionsvermeidung, die oft als Handabdruck bezeichnet werden. Weitere externe Effekte entstehen durch den Geldabdruck, der den Einfluss von Kapitalanlagen oder Spenden misst.

Durch viele Gespräche, Vorträge, Artikel oder Podcasts und insbesondere in der Umsetzung des Konzeptes für die Softwareberatung abat und den Anlageberater ESG Portfolio Management wurde das Konzept geschärft. Am 8-köpfigen Projektteam waren außerdem die Uni Göttingen und der VfU (Netzwerk von Sustainable Finance Professionals) beteiligt.

Auf den Punkt gebracht: Was ist das Besondere an Calcolution?

Calcolution besteht aus drei aufeinander aufbauenden Komponenten. Die Basis ist das Konzept des Stakeholder Carbon Footprint (SCF) zur Stärkung der Eigenverantwortung. Best Practice Clubs (BPC) bieten einen Raum zum konstruktiven Erfahrungsaustausch und leisten so einen Beitrag zur Transparenz im „Siegeldschungel“. Die Eco Solution Corner (ESC) soll Kooperation durch das Teilen von Wissen fördern und das gemeinsame Umsetzen effizienter Lösungen beflügeln.

Wie kann man sich das konkret vorstellen?

 Stakeholder Carbon Footprint (SCF) ist ein Rahmen, der passgenau auf die eigenen Anforderungen zugeschnitten werden kann. Das Ziel hierbei ist keine offizielle Zertifizierung, sondern Prozessverständnis für die eigenen Emissionen – denn nur wer versteht was er verändern kann, glaubt an den eigenen positiven Einfluss.

Zu Beginn des SCF steht ein Fragebogen, um die Höhe und den eigenen Einfluss auf die Emissionen der Kategorien von Fuß-, Geld- und Handabdruck zu ermitteln. Die Ergebnisse dieses Fragebogens dienen zunächst als interne Diskussionsgrundlage für den einzelnen Stakeholder, um die wirklich relevanten Emissionsbereiche zu finden. Dort kann dann eine tiefere Analyse und eine Berechnung des SCF auf Basis sinnvoller Systemgrenzen folgen. Diese Ergebnisse sind ein idealer Ausgangspunkt für den konstruktiven Austausch über Nachhaltigkeit mit Kunden, Zulieferern oder Investoren.

Die Best Practice Clubs sollen einen virtuellen Raum für diese Form der Transparenz bieten. Nachhaltigkeit wird immer mehr zum zentralen Thema in der Unternehmensstrategie und die Fragestellungen und Lösungsmöglichkeiten sind für alle Akteure sehr ähnlich. Die gemeinsame Entwicklung einer Nachhaltigkeitsstrategie mit Gleichgesinnten erhöht den Erfahrungsschatz, vermeidet Fehler und senkt die Kosten. Studierende der Nordakademie haben gerade gemeinsam mit Calcolution ein innovatives Konzept für die Softwareplattform entwickelt, das mit Hilfe von Gamification Anreizen Transparenz fördert.

Die dritte und letzte Komponente ist die Eco Solution Corner. Hier werden wir ein strukturiertes Lösungsportal mit Projekten, Artikeln und Datenquellen anbieten, das durch die Community befüllt wird und über Kommentare und Sternchenbewertungen die hilfreichsten Tipps herausstellt. Das Portal unterstützt so auch die Kooperation in den Best Practice Clubs, denn über Skaleneffekte können Kosten gesenkt und der Impact gesteigert werden.  

Wie hast du die Produktentwicklung und damit den Start bislang finanziert?

Bisher finanzieren wir uns aus eigenen Rücklagen und durch eine Existenzgründerförderung. Weitere Unterstützer wie Consileon, abat, The Information Lab oder die Landes Energie Agentur Hessen haben uns mit Beratungsleistungen und Softwarelizenzen geholfen. Im Jahr 2023 werden wir eine GmbH gründen und gemeinsam mit strategischen Partnern die Softwareplattform umsetzen. Parallel dazu setzen wir einzelne Beratungsprojekte auf Basis der aktuellen Prototypen um.

Wo ist die Stakeholder-Carbon-Footprint-Methode aktuell im Einsatz bzw. wer ist die Zielgruppe?

Die Erfahrungen aus den beiden Pilotprojekten mit abat und ESG Portfolio Management vertiefen wir in verschiedenen Best Practice Clubs. Hierzu werden wir gemeinsam mit dem BAUM e.V. den Klima Club Hamburg starten, außerdem sind derzeit eine Umsetzung für mehrere Vermögensverwalter sowie eine Lösung für einen Asset Manager und dessen Kunden geplant.

Was sind eure weiteren unternehmerischen To-do's und Pläne?
Die Finanzierung der Plattformentwicklung und die Entscheidung für die richtigen strategischen Partner sind die zentralen Themen der nächsten Monate. Außerdem möchten wir das Konzept bekannter machen und es gemeinsam mit Universitäten und Forschungsinstituten im Diskurs weiter verfeinern.

Und last but not least: Was rätst du anderen Gründer*innen aus eigener Erfahrung?

Das Zauberwort heißt Transparenz! Wir sind davon überzeugt, dass man Ideen teilen muss, um sie gemeinsam weiterzuentwickeln. Nichts ist wertvoller als konstruktive Kritik und daher ist es wichtig, sich so früh wie möglich Partner zu suchen, denen man vertraut. Niemand kann alles allein und daher ist es zentral zu entscheiden, was man selbst tut und was durch Partner abgedeckt werden soll. Kooperation ist der Schlüssel zum Erfolg.

Außerdem muss man flexibel in der Umsetzung bleiben und Dinge ausprobieren. Man darf nicht selbstverliebt an Ideen festhalten, sondern man muss auch den Mut haben Fehler zu machen und dann gegenzusteuern.

Hier geht's zu Calcolution und dem Fragebogen zum Ausprobieren

Das Interview führte Hans Luthardt

Gründer*in der Woche: Steets – der Gehhilfen-Booster

Wohin mit der Gehhilfe, wenn eine freie Hand gebraucht wird? Für alle, die auf Gehhilfen angewiesen sind, eine große Herausforderung. Das Start-up Steets der drei Studenten Thorben Engel, Phil Janßen und Philipp Battisti hat dafür eine innovative Lösung entwickelt. Mehr dazu im Interview mit Co-Founder Phil.

Wann und wie bist du zusammen mit deinen Mitgründern auf die Idee zu eurem "Abstützmodul für europäische Gehhilfen" gekommen?
Das Problem, dass sich Gehhilfen nur schwer beiseitestellen lassen, kennen vermutliche viele, besonders diejenigen, die bereits aufgrund eines Unfalls, einer Sportverletzung, einer Krankheit, einer Behinderung oder aufgrund des Alters auf Gehhilfen angewiesen waren. Mir ist die Relevanz hinter diesem Problem erst bewusst geworden, als ich es bei meinem Opa und anschließend bei meiner Freundin beobachtet habe. Trotz der Altersdifferenz stellte das Umfallen sowohl meinen Opa als auch meine Freundin vor eine Herausforderung. Nach dem kurzen Anlehnen an Tischkanten oder Wänden fielen die Gehhilfen um, lagen am Boden und waren außer Reichweite. Das Umfallen war für sie nicht nur sehr lästig und verursachte Schrammen in Möbeln oder Böden, sondern bereitete ihnen zusätzliche Schmerzen. Statt die Genesung zu unterstützen, wurden die Gehhilfen beim Aufhebeben zur potenziellen Gefahrenquelle. Deshalb suchte ich im Internet nach einer adäquaten Lösung, wurde jedoch leider nicht fündig. 2020 entstand dann mit meinen zwei Mitgründern, Thorben und Philipp, die Idee und der Wunsch, ein innovatives Zusatzmodul zu entwickeln, um die Gehhilfen vor dem lästigen Umfallen zu bewahren und einen echten Mehrwert im Alltag zu generieren.

Was waren die wichtigsten Steps von der Entwicklung bis zum funktionstüchtigen Prototyp?
Bei der Entwicklung war und ist bis heute unsere höchste Priorität, mit Gehhilfen-Nutzer*innen, Physiotherapeut*innen und Ärzt*innen zusammenzuarbeiten, um deren Feedback in die Entwicklung einließen zu lassen. Die u.a. aus einer Testphase gewonnenen Erkenntnisse flossen in die konstruktive Modellierung ein und verhinderten, dass wir uns mit unserem Vorhaben in eine „Einbahnstraße“ bewegten und ein Produkt entwickelten, das weder hilfreich noch praktisch ist.

Was ist das Besondere, das einzigartige an eurer Lösung?
Wir konnten ein Nachrüstmodul für europäische Unterarmgehstützen entwickelt, welches den Anwender*innen ermöglicht, die bestehende Gehhilfe dank eines einzigartigen, alltagstauglichen Systems und einer einfachen, intuitiven Bedienung an jeder gewünschten Stelle schnell und sicher abzustellen. Die Anwender*innen werden darin befähigt, die Gehhilfen nicht nur in den eigenen vier Wänden zur Seite zu stellen, sondern erleben diesen Mehrwert auch im öffentlichen Raum wie beispielsweise im Supermarkt, in der Rehaklinik oder beim Hausarzt. Das Modul verändert weder das Gangverhalten noch schränkt es die Nutzung der Gehhilfe ein, fördert die Mobilität und unterstützt die Rehabilitation – „es ist einfach sau praktisch“ und „ein echter Alltagshelfer“ wie es zwei Probandinnen in der Klinik sagten.

Gründer*in der Woche: shoedoc – so wird (wieder) ein Schuh draus

Das Baden-Badener Start-up shoedoc von Matthias Vickermann bietet einen umfangreichen Online-Reparatur-Service für Schuhe und spricht sich damit klar gegen das Fast-Fashion-Zeitalter aus. Mehr dazu im Interview mit Matthias.

Wann und wie bist du auf die Idee zu shoedoc gekommen?

Die Herstellung von Leder, Lederwaren und Schuhen ist mit 128 Betrieben zu einem kleinen Industriezweig in Deutschland geschrumpft, der jedoch in regionalen Wirtschaftsräumen nach wie vor äußerst relevant ist. Schuhmacher, die ihr Handwerk beherrschen, sind eine Rarität. Aus dieser Not haben wir mit unserem Geschäftsmodell eine Tugend gemacht: Die Idee für shoedoc findet ihren Ursprung im Reparatur-Service unserer Maßschuh-Manufaktur. Immer mehr Kund*innen wollten auch ihre Serienschuhe reparieren lassen. Die Anfragen stiegen stetig und das Interesse ging über unsere Region hinaus. So gründeten wir 2019 unseren Online-Schuhreparatur-Service shoedoc und gliederten die Reparaturen aus. Wir haben ein Rund-um-sorglos-Paket kreiert. Unsere Kund*innen müssen sich um nichts weiter kümmern.

Wann lohnt sich die Schuhreparatur überhaupt?

Abgelaufene Sohlen oder defekte Reißverschlüsse sind noch lange kein Grund, das Schuhpaar achtlos zu entsorgen. Grundsätzlich können wir jeden Schuh reparieren. Dieses Angebot sollte auch jeder nutzen.

Gehen Schuhe heutzutage per se schneller kaputt?

Schuhe werden heutzutage anders produziert. Die Industrialisierung hat auch das Handwerk aus der Schuhproduktion vertrieben. Heutzutage gelten andere Ansprüche. Um die saisonalen Wünsche der Käufer*innen zu bedienen ist es nun einmal nötig, dass Massenware rasant produziert wird. Dabei entstehen leider häufig Produktionsfehler. Unter schneller und günstiger Herstellung, leidet oft die Materialauswahl. Sohlen aus vulkanisiertem Gummi werden kaum noch produziert. Absätze bestehen oft aus Lederersatz-Stoffen, wie beispielsweise Holzspänen. Die Schnelllebigkeit der Ware hat leider ihren Preis. Dessen müssen sich Verbraucher*innen bewusst sein.

Ist jeder Schuh zu retten?

Grundsätzlich ja. Schlecht erreichbare Stellen, können eine Reparatur erschweren. Doch für den Lieblingsschuh geben wir unser Bestes. Große Risse im Leder lassen sich leider nicht spurlos rekonstruieren.

Nun zu shoedoc: Welches Ziel verfolgst du mit deinem Online-Schuhreparatur-Service?

Mit unserer stark positionierten Marke wollen wir ein Zeichen setzen und deutschlandweit der Anbieter mit der größten Marktdominanz sein. Wir haben ein sehr nachhaltiges Anliegen und bieten unseren Kund*innen auch einen ethischen Mehrwert. Mit unserem Online-Schuhreparatur-Service sprechen wir uns ganz klar gegen das Fast-Fashion-Zeitalter aus. Schuhe lange zu tragen ist der nachhaltigste Umgang mit ihnen. Das garantieren wir. Durch unseren digitalisierten Prozess machen wir es Verbraucher*innen ganz einfach, eine nachhaltige Entscheidung zu treffen. Unser Reparatur-Service ist für jeden leicht zugänglich – egal von wo. Easy, per Click.

Bietet shoedoc ausschließlich Schuhreparaturen an?

Nein, unser Reparatur-Service spezialisiert sich nicht nur auf Schuhe. Mit unserer dazugehörigen Schwestermarke PurseNurse kümmern wir uns auch sorgfältig um alle Taschen. Egal, ob aus Leder oder anderen Materialien.

Was ist deine Vision mit shoedoc?

Shoedoc ist deutschlandweit der Ansprechpartner für den Reparatur-Service. Egal, ob Schuhe, Taschen oder sogar Kleidung. Wir wollen weiterhin expandieren und unsere Serviceleistung erweitern. Außerdem ist uns das Gesamtpaket sehr wichtig. Wir planen Repair-Cafés und wollen Freude und Mehrwert miteinander kombinieren. Wir haben viele Edutainment-Idee. Außerdem wollen wir unseren Wirkungskreis durch Pop-Up Stores in verschiedenen Metropolen erweitern. So sind wir noch präsenter und können eine direkte Beratung vor Ort anbieten. Für unsere Kunden, die wir nicht vor Ort erreichen, bieten wir eine Online-Video-Beratung an. Shoedoc soll weiterhin wachsen.

100.000 Euro beim 1. Social Startup Pitch der Fritz Henkel Stiftung vergeben

Das sind die Gewinner des ersten Social Startup Pitch „Teilhabe schaffen“ der Fritz Henkel Stiftung. Insgesamt wurden Preisgelder im Wert von 100.000 Euro vergeben.

Die Gewinner*innen des ersten Social Startup Pitch „Teilhabe schaffen“ der Fritz Henkel Stiftung in Zusammenarbeit mit der Social Impact gGmbH stehen fest. Drei Start-ups haben mit ihren Präsentationen im Rahmen eines Pitch-Events in Düsseldorf überzeugt und belegen die ersten Plätze. Der Publikumspreis geht an „Über den Tellerrand“ aus Berlin. Insgesamt wurden Preisgelder im Wert von 100.000 Euro vergeben.

Die drei erstplatzierten Start-ups überzeugten die Jury mit ihren innovativen, unternehmerischen Ideen und ihrer Präsentation auf der Bühne beim Pitch-Event. Alle acht Teilnehmenden haben gemeinsam, dass sie sich für gesellschaftliche Teilhabe von Geflüchteten und Menschen mit Migrationsgeschichte durch Bildungsangebote im kulturellen Umfeld engagieren.

Die Gewinner*innen:

  • Platz 1: Heartbeat Edutainment, Frankfurt a.M., 40.000 Euro
  • Platz 2: Nyabinghi Lab, Berlin, 30.000 Euro
  • Platz 3: myBuddy, Mannheim, 20.000 Euro
  • Publikumspreis: Über den Tellerrand, Berlin, 10.000 Euro

Das Siegerteam Heartbeat unterstützt mit Hip-Hop-Bildung und Persönlichkeitsentwicklung von Kindern mit und ohne Migrationshintergrund.

Nyabinghi Lab setzt sich für Wandel im deutschen Kulturbetrieb ein und schafft mehr Sichtbarkeit für Perspektiven von Migrant*innen und People of Color.

Der/die Drittplatzierte myBuddy bietet verschiedene niedrigschwellige Formate, um kulturellen Zusammenhalt zu fördern, beispielsweise ein Buddy-Programm und ein jährliches Kulturfestival.

Der Publikumspreis ging an Über den Tellerrand, die niedrigschwellige kulturelle Begegnungsangebote für Menschen mit und ohne Migrations- oder Fluchtgeschichte organisieren, zum Beispiel von Migrant*innen geleitete Kochkurse, Tanz oder ein Sprachcafé. Das Social Startup aus Berlin gewinnt damit 10.000 Euro.

Insgesamt wurden Preisgelder in einer Gesamthöhe von 100.000 Euro vergeben. Ausgangspunkt für den Social Startup Pitch der Fritz Henkel Stiftung ist die grundlegende Überzeugung, dass kulturelle Bildung Türen öffnen und Begegnungen auf neuen Ebenen ermöglichen kann. „Gerade für Menschen mit Migrationsgeschichte oder Fluchterfahrung bietet sich durch kulturelle Bildung die Chance, stärker an der Gesellschaft teilzuhaben. Deswegen ist es so wichtig, diese Projekte zu unterstützen“, sagt Karol-Monique Westhoff, Geschäftsführerin der Fritz Henkel Stiftung.

Biomethan-Start-up agriportance sichert sich Mio.-Investment

Das 2021 in Münster gegründete Biomethan-Start-up agriportance sichert sich eine siebenstellige Finanzierungssumme, um fossiles Erdgas durch Biomethan zu ersetzen.

Das Biomethan-Start-up agriportance erhält in einer Seed-Finanzierungrunde eine siebenstellige Finanzierungssumme vom Seed-Investor High-Tech Gründerfonds sowie weiteren Business-Angels. Das Gründerteam möchte mit dem frischen Geld vor allem die Digitalisierung des Produktes sowie den europäischen Markteintritt vorantreiben.

In Deutschland gibt es rund 9.500 Biogasanlagen, die knapp 6 Prozent zur Stromerzeugung beitragen und die auf diversen Betrieben verteilt sind, die ihre feste EEG-Vergütung nach 20 Jahren verlieren und nun neue Vertriebswege finden müssen. Die Reinigung des Biogases und die Einspeisung in das Erdgasnetz bieten attraktive Möglichkeiten für die Betriebe. Allerdings sind dabei wichtige Punkte wie die Treibhausgasbilanz und Vermarktung bisher auf der Strecke geblieben, die die Biogasproduzenten vor große Herausforderungen stellen.

Das hat auch agriportance-Mitgründer Henning Dicks früh erkannt, der als Landwirt selbst einen engen Bezug zur Branche hat. Zusammen mit dem Software-Entwickler Thorsten Rohling hat er das Münsteraner Start-up im Juni 2021 gegründet. Das Produkt von agriportance schafft die digitale Infrastruktur, mit der Biogasanlagen die grüne Erdgas-Alternative Biomethan erzeugen können.

„Biogasproduzenten kamen immer mit denselben zwei Problemen auf uns zu: Auf der einen Seite die komplexe Treibhausgasbilanz und auf der anderen Seite viele Fragezeichen bei der Vermarktung an Abnehmer aus der Energiewirtschaft, die nicht selten ihre Büros in London, Amsterdam oder Paris haben“, erklärt Dicks.

Agriportance hat sich zum Ziel gesetzt, die Prozesse bei der komplexen Zertifizierung von Biomethan zu automatisieren. Dabei verfolgt es die Vision eines stark florierenden europäischen Biomethanmarkts. Um dieses Vorhaben sowie das notwendige Momentum zu ermöglichen, hat sich das junge Unternehmen in einer Seed-Runde frisches Kapital vom HTGF sowie weiteren Business-Angels gesichert. Darunter auch der bestehende Business-Angel Ingo Hoff aus dem Münsterland.

„Durch das frische Kapital können wir unsere Mission stärken durch Biomethan einen erheblichen Anteil fossilen Erdgases in Europa zu verdrängen und dadurch die Dekarbonisierung des Energiesektors voranzutreiben", so Henning Dicks.

Erste Kernfusion per Laserzündung mit Nettoenergiegewinn

US-Wissenschaftler haben erstmals eine Kernfusion per Laserzündung mit einem Nettoenergiegewinn erzeugt. Dies ist ein weiterer wichtiger Meilenstein auf dem Weg zu einer sicheren, sauberen und schier unerschöpflichen Energieerzeugung. Focused Energy, ein dt.-amerikanisches Start-up, mischt bei dem innovativen Thema kräftig mit.

Die Fusionsreaktion in Livermore/USA erzeugte rund 2,9 Megajoule Energie, was etwa 140 Prozent der 2,1 Megajoule Energie in den Lasern entspricht. Die genauen Bilanzwerte werden noch ausgewertet. „Für die meisten von uns war es nur eine Frage der Zeit, dass dieser nächste Meilenstein erreicht wurde“, so Prof. Markus Roth und Prof. Todd Ditmire, beide Mitgründer von Focused Energy und Wissenschaftler, die die Laseranlage in Livermore entscheidend mitentwickelt haben.

Focused Energy, das 2021 von der TU Darmstadt ausgegründete deutsch-amerikanische Start-up, setzt ebenfalls auf die laserbasierte Kernfusion und den gleichen Brennstoff Deuterium und Tritium, wie er in Livermore verwendet wurde.

Viele der Wissenschaftler, die diesen Erfolg in Livermore mitbegründet haben, arbeiten mittlerweile für Focused Energy. Das Start-up hat seinen Sitz in Darmstadt und in Austin/Texas und nutzt die in den vergangenen 30 Jahren in der Fusionsforschung gesammelten Erfahrungen seiner Gründer gepaart mit der Schnelligkeit eines jungen deutsch-amerikanischen Unternehmens und privaten Investitionen, um die laserbasierte Fusion zur Marktreife zu bringen und den weltweiten Energiehunger zu stillen.

Der Erfolg in Sachen Kernfusion per Laserzündung kommt zu einem Zeitpunkt, an dem viele Länder mit hohen Energiepreisen und der Notwendigkeit kämpfen, schnell von der Verbrennung fossiler Brennstoffe wegzukommen, um den Klimawandel einzudämmen.

Die Kernfusion ist die einzige Energieform, die bisher noch nicht realisiert werden konnte. Einer ihrer größten Vorteile: Sie ist sicher und es gibt keinen Vergleich zum Schadenspotenzial von Kernkraftwerken, die mit Kernspaltung arbeiten. Kernfusion und Kernspaltung haben nichts miteinander zu tun. Es gibt bei Fusionskraftwerken weder eine unkontrollierte Kettenreaktion noch muss man das Kraftwerk abschalten, wenn irgendwas schiefläuft. Die Kernfusion ist inhärent sicher. Auch wenn mehrere Komponenten ausfallen, bleibt das System ohne erhöhtes Gefahrenpotenzial funktionsfähig.

Weitere Experimente werden folgen. Für Focused Energy ist der Zielhorizont gesetzt. Ab Mitte der 30iger-Jahre soll das erste Fusionskraftwerk ans Netz gehen, so der Plan der Darmstädter.