Gründer der Woche: snapADDY - Lead-Recherche per Knopfdruck

Gründer der Woche, KW 05


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Das Würzburger Start-up will die Recherche und Übernahme von Adressen und Kontakten vereinfachen, indem die Software snapADDY diese automatisch aus Webseiten, E-Mail-Signaturen und anderen Dokumenten übernimmt. Darüber sprechen wir mit dem Gründer und CEO Jochen Seelig:

Wie sind Sie auf die Idee zu Ihrer Software gekommen?

Jeder, der selbst schon einmal Kontakte gesucht und Adressen in ein CRM-System manuell eingeben musste, weiß, wieso wir die Idee hatten. Eine lästige und zeitaufwändige Aufgabe, die zum Alltag der Vertriebsmitarbeiter dazugehört. Um guten und effizienten Vertrieb und Akquise betreiben zu können, benötigt man eine gute Basis an hochwertigen Leads. Diese müssen erst im CRM-System angelegt werden. Roland und ich sind beide schon immer im Bereich Vertrieb aktiv gewesen. Wir haben keine gute Lösung auf dem Markt gefunden und uns gemeinsam mit Sebastian für die Entwicklung von snapADDY entschieden.

2015 haben Sie dann gegründet. Wer gehört zum Gründerteam und was waren die wichtigsten Schritte bis zum Markteintritt?

Zum Gründerteam gehören Roland Hötzl, Sebastian Metzger und ich. Die Grundlage für die snapADDY-Software war ein Adress-Parser, der Adressen aus unstrukturierten Texten erkennen kann. Wichtige Meilensteine bis zum Markteintritt waren die Abstimmungen mit potenziellen Kunden. In der offenen Beta-Phase hatten wir teilweise bis zu 600 User, die unsere Software getestet haben. Durch gezielte Gespräche konnten wir das gewonnene Feedback direkt in die Weiterentwicklung von snapADDY einfließen lassen. So erkennt man direkt wo der Schuh drückt und kann an den Schwachstellen nachbessern.

Was genau kann Ihre Software namens snapADDY Grabber? Welche technischen Voraussetzungen muss ich haben, um sie zu nutzen?

Der snapADDY Grabber hilft einem als Assistent bei der gezielten Recherche von Leads. Er übernimmt automatisch Adressen aus Webseiten, E-Mail-Signaturen oder sonstigen Dokumenten. Die Software zeigt direkt die passenden Ansprechpartner aus XING und LinkedIn an und schlägt auf Basis eines E-Mail-Musters die passende E-Mail-Adresse vor. Diese Zusammenstellung läuft auf Knopfdruck und ohne Tipparbeit. Die neuen Leads können so direkt in die gängigsten CRM-Systeme importiert werden. Der Sales-Funnel kann also viel schneller mit neuen Leads gefüllt werden.

Wer sind die Kunden? Sind auch Start-ups darunter?

Unsere Produkte richten sich vor allem an Unternehmen, die einen aktiven B2B-Vertrieb durchführen. Zu unseren Kunden gehören bereits etliche Start-ups wie Service Partner One, die Gastfreund GmbH oder Mietercasting.de. Aber auch große Unternehmen wie die Netfonds AG oder die Statista GmbH erleichtern sich die Leadrecherche und Adressübernahme mit snapADDY.

Wie haben Sie den Start finanziert?

Bisher haben wir den Start mittels Bootstrapping finanziert. Im Frühjahr ist jetzt eine erste Finanzierungsrunde geplant.

Welche Marketing-Kanäle nutzen Sie, um auf sich aufmerksam zu machen?

Unser Marketing läuft überwiegend über den Online-Kanal. Wir schalten gezielte PPC-Kampagnen und erstellen tolle Inhalte für unser Zielgruppenpublikum in unserem Blog. So bekommen wir momentan täglich über 500 Besucher auf unserer Webseite und erhalten (Test-)Anfragen zu unserer Softwarelösung. Aus unserer Sicht funktioniert gerade in einem solchen Umfeld ein Marketing über Kompetenz. Man sollte sich als Gründer sehr intensiv mit den Problemen der Zielgruppe beschäftigen.

Eine Marketing-Kampagne haben Sie speziell an Start-ups adressiert: den kostenlosen Online-Kurs „Vertrieb für Startups“. Was erwartet Gründer darin?

Viele Start-ups unterschätzen die Vertriebsarbeit. „Man macht einfach mal eine Webseite und baut ein tolles Produkt. Dann wird es schon laufen.“ So einfach ist das leider nicht. Auch Kunden wollen gefunden werden. Sie müssen erst auf sich aufmerksam machen, damit die richtigen Kunden das Produkt oder die  Dienstleistung kaufen. Deshalb haben wir in dem Online-Kurs "Vertrieb für Startups" alle wichtigen Informationen zusammengestellt, die man als Start-up über den Vertrieb wissen sollte. Ich bin sicher, dass wir damit einen guten Vertriebsleitfaden für alle Gründer bereitstellen können.

Was sind – auf den Punkt gebracht – die größten Vertriebshürden für Gründer?

Oftmals ist es die Angst vor der Reaktion. Man möchte sich wie es schön heißt, nicht die Hände schmutzig machen. Vertrieb ist gerade am Anfang eines der schwierigsten Aufgaben in einem Start-up. Die Marke hat noch keine Bekanntheit und vielleicht gibt es für das Produkt noch nicht mal einen bestehenden Markt. Hier muss man sogar erst Verständnis für die Notwendigkeit des Produktes aufbauen. Zudem muss man im Vertrieb auch mal mit einer verbalen Zurückweisung klar kommen.
Ich kann nur sagen: Lasst euch nicht unterkriegen und macht immer weiter. Gerade der Anfang ist schwer, aber irgendwann wird man dafür belohnt.

Was sind Ihre weiteren unternehmerischen Pläne?

Wir wollen mit der snapADDY GmbH weitere tolle Produkte rund um die Vertriebs- und Recherchearbeit aufbauen – die Entwicklungspipeline ist randvoll. Zudem ist eine Expansion in weitere Länder geplant und das Team wird deutlich größer. Am wichtigsten ist aber immer mit 150 Prozent Energie und Spaß an die Arbeit zu gehen.

Was raten Sie anderen Gründern aus eigener Erfahrung?

Versucht möglichst schnell mit euren Produkten auf den Markt zu gehen. Nehmt euch Zeit für die Gespräche mit den Usern und Kunden und plant Rückschläge mit ein. Der Alltag eines Gründers ist eine Achterbahnfahrt.

Hier geht's zu snapADDY und zum Online-Kurs „Vertrieb für Startups“


Das Interview führte Hans Luthardt

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Lokal handeln, bundesweit online verkaufen

Lokal handeln – so die Initiative von DHL und HDE, die Starthilfe für den stationären Handel in den Online-Handel bietet. Jetzt mit attraktiven Rabatten der Technologiepartner.

Seit 2020/21 finden Interessierte aus dem Einzelhandel Informationen und Kontakte zu den passenden Technologie- und Beratungspartnern auf der Seite der Gemeinschaftsinitiative „Lokal handeln“ von Handel und Versand. Zu den Partnern gehören die bekannten Namen von Shop-, Multichannel- und Warenwirtschaftssystemen, wie JTL-Software, plentymarkets, Billbee, DreamRobot, VARIO-Software und viele andere. Exklusiv über die Initiative „Lokal handeln“ bieten die teilnehmenden Partner aktuell besondere Rabatte für Neukund:innen an.

Wer seine Waren und Dienstleistungen bundesweit verkaufen will, hat jetzt die Chance, mit diesen Rabatten besonders günstig in den Online-Markt einzusteigen. Zu den Angeboten gehören Erlass der Grundgebühren, kostenfreie begleitende Beratung oder Rabatte auf die Software-Miete, teilweise das ganze erste Jahr. Den exklusiven Rabatt erhalten Interessierte über das Kontaktformular HIER. Einfach Name und E-Mail eingeben und auf den Button „Rabattcode senden“ klicken, dann wird der exklusive Rabatt zugeschickt, der beim Wunschpartner eingelöst werden kann.

Mit der Gemeinschaftsinitiative „Lokal handeln“ haben inzwischen rund 1.150 Einzelhändler:innen, die über 2.600 stationäre Geschäfte repräsentieren, den Sprung in den Online-Handel geschafft. Und stetig kommen neue dazu. Wie unterschiedlich die Motivation und die Wege in den Online-Handel aussehen können, berichten Unternehmer:innen aus ganz unterschiedlichen Branchen, wie Online-Apotheken, Tiernahrung, ökologische Mode, Fahrradhandel oder Kaffeerösterei, um nur einige Beispiele zu nennen. Jede:r Einzelhändler:in hat eigene Ziele und braucht dazu passende Technologie- und Beratungspartner. „Die Möglichkeiten, Menschen im Einzelhandel zu erreichen, sind endlich. Gerade in der heutigen Zeit ist die digitale Welt super wichtig. Mit einem Onlineshop ist es für Unternehmer deutlich attraktiver, weil man seine Umsätze vergrößern kann“, verdeutlicht Kira vom Eco-Mode-Label soki. Für sie war bei der Gründung wichtig, dass der Concept Store in Kassel trotz Einstieg in den Online-Handel Priorität hat. Für Uwe Prommer von Cofi Loco war – wie für viele andere auch – die Corona-Pandemie Anlass für den Einstieg in den Online-Handel. Heute sind Prommers Kaffeespezialitäten deutschlandweit gefragt. Und auch wenn sich Online- und Einzelhandel inzwischen gut ergänzen, gilt für den Geschäftsführer mittlerweile: online first!

Andere Unternehmer sind schon lange im Online-Handel etabliert und nutzen die Angebote der Initiative, um ihre Wettbewerbsfähigkeit zu steigern. Wie beispielsweise für den Apotheker Ingo Blümlein. Für ihn spielen nicht nur günstige Preise für frei verkäufliche Arzneimittel eine Rolle, sondern auch die Schnelligkeit und Zuverlässigkeit bei der Lieferung zum Kunden nach Hause. Denn vielfach werden die bestellten Arzneimittel und Medizinprodukte dringend benötigt.

Wer über den Einstieg in den Online-Handel nachdenkt, sollte sich die zeitlich begrenzte Rabattaktion der Gemeinschaftsinitiative nicht entgehen lassen. Die Rabatte sind exklusiv für Unternehmer:innen über die Gemeinschaftsinitiative „Lokal handeln“ von DHL und HDE erhältlich. Wer sich jetzt für den Sprung in den Online-Handel entscheidet, erhält beispielsweise bei Gambio 25% Rabatt auf das gesamte erste Vertragsjahr. plentymarkets schnürt ein Rabattpaket mit Erlass der Grundgebühr für plentymarkts Edition CLASSIC für drei Monate und einem 50%-Rabatt auf den Einstiegssupport. Und Tricoma erlässt allen Neueinsteiger:innen die Kosten für 3 Monate Grundgebühr für die Software, um nur ein paar Beispiele zu nennen. Auf der Seite von „Lokal handeln“ erhalten Sie Infos zu allen Technologie- und Beratungspartnern und ihren exklusiven Angeboten. Jetzt den lukrativen Sprung vom lokalen zum deutschlandweiten Handel mit attraktiven Sparpaketen wagen!

 

Studie: Start-up ist (fast) Männersache

Die Analyse der Technischen Universität München (TUM) zeigt u.a.: Nur rund drei Prozent der untersuchten deutschen Start-ups wurden bzw. werden von weiblichen Teams oder einzelnen Frauen gegründet.

Eine Studie der Technischen Universität München (TUM) in Zusammenarbeit mit der Roland Berger Stiftung für europäische Unternehmensführung zeigt das Ausmaß der Geschlechter-Ungleichheit in jungen Unternehmen. Frauen sind in deutschen und französischen Start-ups deutlich unterrepräsentiert, vor allem im Technologiebereich. Dies gilt sowohl für Gründerinnen als auch für Mitarbeiterinnen. Wurden die Unternehmen von weiblichen Teams gegründet, ist der Frauenanteil der Belegschaft fast doppelt so groß wie bei Gründungen von Männerteams. Zudem werden von Männern gegründete Start-ups weit höher bewertet.

Geschlechtergleichstellung in Start-ups immer wichtiger

Wie in etablierten Unternehmen gewinnt das Thema Geschlechtergleichstellung in Start-ups immer weiter an Bedeutung. Anders als in Konzernen ist der dortige Grad an Diversität aber wenig im Detail untersucht. Ein Forschungsteam der TUM hat deshalb, unterstützt von der Roland Berger Stiftung für europäische Unternehmensführung, rund 700 deutsche und rund 1.000 französische Start-ups analysiert. Um eine möglichst große Vergleichbarkeit zu gewährleisten, konzentrierten sich die Wissenschaftler*innen auf Unternehmen, die zwischen 2012 und 2016 Venture-Capital-Finanzierungen erhalten hatten. Sie nutzten dabei Informationen aus der Datenbank Dealroom und Angaben von rund 80.000 Mitarbeitenden der Start-ups, die diese auf der Karriereplattform LinkedIn veröffentlicht hatten.

Die Analyse zeigt, dass lediglich rund 3 Prozent der untersuchten deutschen und 4 Prozent der französischen Start-ups von weiblichen Teams oder einzelnen Frauen gegründet wurden. Rund 83 beziehungsweise 84 Prozent der Unternehmen hatten Männer gegründet, 14 beziehungsweise 12 Prozent wurden von gemischten Teams gestartet. Auch bei den Beschäftigten der Start-ups beider Länder ist der Männeranteil mit mehr als 60 Prozent deutlich größer. Dabei fällt auf, dass in den Unternehmen, die von weiblichen Teams ins Leben gerufen wurden, der Frauenanteil 62 Prozent beträgt, während er in Start-ups, die von Männerteams gegründet wurden, bei nur 35 Prozent liegt.

Vor allem im Tech-Bereich sind Frauen unterrepräsentiert

Das Forschungsteam wertete auch aus, wie sich der Geschlechteranteil nach Branchen unterscheidet. Vergleichsweise hoch liegt der Gründerinnenanteil in Deutschland im Bereich Partnersuche (50 %) und in der Modebranche (29 %). Kaum Gründerinnen gibt es beispielsweise bei Robotik und Immobilien (je 3 %). In Frankreich ist das Bild ähnlich. Hier sind Gründerinnen am stärksten in der Wellness- und Schönheitsbranche (25 %) vertreten, aber selten in Märkten wie etwa Fintech (5 %).

Auch die Analyse der Mitarbeitenden zeigt, dass Frauen in Technologie-Branchen besonders unterrepräsentiert sind. Zu den untersuchten Sektoren mit den niedrigsten Frauenanteilen gehört in Deutschland die Computerspiel-Wirtschaft (19 %), in Frankreich die Halbleiter-Industrie (17 %).

Keine Gründerinnen bei Quantentechnologien

Die Studie unterscheidet nicht nur nach produktbezogenen Branchen, sondern zeigt auch die Geschlechterverteilung je nachdem welche Technologien in den Start-ups zum Einsatz kommen. Am häufigsten gründeten Frauen in Deutschland Start-ups, die Virtual Reality nutzen (20 %). Start-ups, die Technologien für das Internet der Dinge entwickeln, wurden nur sehr selten von Frauen (3 %) gegründet. Gar keine Gründerinnen fanden sich bei Quantentechnologien, so auch in Frankreich. Dort ist der Gründerinnenanteil in Start-ups mit Nanotechnologie am größten (14 %).

Von Männern gegründete Start-ups erreichen höhere Bewertung

Ungleichheit prägt auch die Bewertung durch Investorinnen und Investoren in beiden Ländern: Während deutsche Start-ups mit männlichen Gründerteams im Median mit 21 Millionen US-Dollar bewertet werden, rangieren Start-ups mit weiblichen Gründungsteams nur bei rund 6 Millionen US-Dollar. In Frankreich werden von Männern gegründete Start-ups im Median mit 14 Millionen US-Dollar bewertet, bei Gründerinnen sind es 4 Millionen.


Gründungs- und Investitionsprozesse geschlechterneutraler gestalten

„Frauen sind in der Start-up-Szene sowohl als Gründerinnen als auch als Mitarbeiterinnen deutlich unterrepräsentiert – quer durch alle Branchen, Technologien und Erlösmodelle“, sagt die Studienleiterin Dr. Theresa Treffers vom Lehrstuhl für Strategie und Organisation der TUM. „Wir kennen aus sozialpsychologischen Studien die Ursachen für die mangelnde Geschlechtervielfalt. Männer sind in der Wahrnehmung von Kapitalgebern eher für die Unternehmerrolle geeignet. Außerdem gibt es zu wenig weibliche Studierende in MINT-Fächern, die als Gründerinnen und Beschäftigte zumeist infrage kommen. Der Frauenanteil liegt in MINT-Studienfächern nur bei rund 30 Prozent.“

Konkrete Maßnahmen gefordert

Um die Start-up-Szene vielfältiger und inklusiver zu gestalten, empfiehlt die Studie verschiedene Maßnahmen. „Das Wichtigste ist, gegen geschlechtsspezifische Vorurteile und Stereotype vorzugehen, etwa durch die frühzeitige Förderung weiblicher Vorbilder“, erläutert Felicitas Schneider, Mitglied des Management Board der Roland Berger Stiftung für europäische Unternehmensführung. „Gründerinnen müssen gezielt unterstützt werden, denn Frauen stellen mehr Frauen ein.“ Verbesserungsbedarf sieht die Studie auch bei den Gründungs- und Investitionsprozessen, etwa durch geschlechtsneutrale Start-up-Programme sowie einen höheren Frauenanteil in Führungspositionen von Risikokapitalgebern.

Hier gibt's die vollständige Studie als Download

GameChanger des Monats: Resourcify - Wertstoffe besser nutzen

Laut dem aktuellen Circularity Gap Report entnehmen wir der Erde jährlich mehr als 100 Milliarden Tonnen Rohstoffe. Nur knapp neun Prozent dieser Materialien werden recycelt. Resourcify ermöglicht es mit seiner All-in-One-Plattform für Abfallmanagement und Recycling, Wertstoffe besser zu nutzen bzw. zu entsorgen. Mehr dazu im Interview mit Co-Founder Felix Heinricy.

2015 hast du Resourcify gegründet. Wie bist du zusammen mit deinen Co-Foundern Gary Lewis und Pascal Alich auf die Idee gekommen und wie sah damals der Abfallmanagement- und Recycling-Markt hierzulande aus?

Als Team haben wir von Beginn an die Vision einer abfallfreien Zukunft geteilt und wollten gemeinsam etwas bewegen. Als wir uns dann die Marktsituation angeschaut haben, haben wir festgestellt, dass wir gerade in Deutschland eine vielversprechende Grundlage für ein Unternehmen in diesem Bereich haben: eine bereits vorhandene, aber zu wenig genutzte Recycling-Infrastruktur.

Wir haben schnell die Gelegenheit erkannt, die sich daraus ergibt, denn gerade Unternehmen können Abfälle verantwortungsbewusst und effizient entsorgen, um auf der einen Seite selbst Kosten zu sparen und auf der anderen Seite Ressourcen zu schonen, die noch immer größtenteils aufwändig importiert werden. Langfristig möchten wir den linearen Produktions- und Abfallweg durch einen Kreislauf ersetzen und somit eine Kreislaufwirtschaft etablieren. Nur so werden wir unabhängig von Importen, schonen die Umwelt und machen Recycling gleichzeitig zum Profitcenter für Unternehmen.

Was waren dann die wichtigsten Steps von der Gründung bis zum Go-live der Plattform?

Wir haben vieles ausprobiert, um den Markt zu knacken. Die Plattform Resourcify, wie Kund*innen sie heute nutzen, ist das Ergebnis vieler Iterationen und unzähliger Tests.

Gestartet haben wir mit der Baumarktkette Hornbach. Hornbach hat als Koryphäe des Wertstoffmanagements viel operatives Wissen mit in unsere Plattform gebracht, so dass wir uns nah am Kunden und der Realität entwickelt haben. Schnell sind weitere Kunden wie Bosch, McDonald's und Fraport mit dazu gestoßen. Das Tolle: Jeder Kunde bringt sein spezifisches Wissen mit in unsere Plattform ein und wird so auch Teil der kontinuierlichen Weiterentwicklung.

Was ist das Besondere, das Innovative an eurer All-in-One-Plattform? Und was genau leistet sie?

Wir digitalisieren einen Bereich, der einen maßgeblichen Beitrag zur Lösung der Probleme unserer Zeit liefern könnte: das Abfallmanagement. Wir helfen Unternehmen, indem wir wertvolle Abfälle identifizieren, die recycelt werden können. Deutsche Unternehmen geben jährlich im Schnitt mehr als 500.000 Euro für die Abfallentsorgung aus. Die Abfallentsorgung ist bis dato allerdings nicht nur teuer, sondern erfordert ebenso einen hohen internen Koordinationsaufwand mit vielen involvierten Mitarbeiter*innen. Resourcify hilft Unternehmen, ein kosteneffizientes Abfallmanagement in großem Maßstab zu betreiben.

Mühsame Vorgänge und Papierkram werden automatisiert und das Recycling verbessert, indem wir mit spezialisierten, lokalen Recyclern zusammenarbeiten – und das alles über eine einfache und integrierte Plattform.

Wer sind eure Kund*innen?

Unsere Kund*innen sind vor allem Konzerne wie Hornbach, McDonald’s (Havi) und Fraport. Einsatz kann Resourcify also in jeder Branche finden. Zurzeit sehen wir außerdem hohen Bedarf im Gesundheitswesen, denn in Krankenhäusern fallen ebenfalls unheimlich viele Abfälle an. Hier arbeiten wir zum Beispiel sehr eng mit der Uniklinik Bonn zusammen, die tolle Fortschritte im Abfallmanagement durch unsere Plattform sieht.

Wie haben sich die Themen Abfallmanagement und Recycling in den letzten sieben Jahren verändert?

Gerade im Hinblick auf Digitalisierung hat sich bereits etwas getan und es geht in die richtige Richtung, aber die Umstellung läuft schleppend und Optimierungspotentiale bleiben ungenutzt. Es gab bereits eine Bewegung weg von Fax und Telefon hin zur E-Mail, aber das reicht noch nicht. Die größte Herausforderung hierbei ist, dass oft die nötigen Schnittstellen zwischen den verschiedenen Systemen der Unternehmen und der Entsorger fehlen, wodurch die vollständige Digitalisierung des Abfallmanagements erschwert wird.

Was sind eure weiteren unternehmerischen To-dos und Ziele?

Wir möchten unser Produkt weiterentwickeln und noch besser an die Bedürfnisse unserer Kund*innen anpassen, um die Transformation hin zur Kreislaufwirtschaft zu vereinfachen. Außerdem ist es uns wichtig, mehr über das Thema in den Medien zu lesen. Die Kreislaufwirtschaft erhält unserem Geschmack nach noch zu wenig Aufmerksamkeit. Darüber hinaus erweitern wir Schritt für Schritt unsere Perspektive auf Europa als Markt und richten unsere Expansion darauf aus.

Und last but not least: Was willst du als unser GameChanger des Monats anderen Gründer*innen aus eigener Erfahrung mit auf den Weg geben?

Die Vision unerbittlich im Kopf behalten, hartnäckig sein und das bestmögliche Produkt auf den Markt bringen.

Hier geht's zu Resourcify

Das Interview führte Hans Luthardt

Wer gewinnt die EY Startup Academy 2022?

Am 24. November ist es so weit und es entscheidet sich, welches Start-up die größten Fortschritte in den letzten Wochen gemacht hat und den EY Startup Academy Award gewinnt. So könnt ihr dabei sein!

Seit die acht Finalist*innen aus den knapp 90 eingegangenen Bewerbungen Mitte September ausgewählt wurden, haben sie an über 30 Workshops und Trainings teilgenommen. Zu den inhaltlichen Schwerpunkten zählten neben Pitch Training, Fundraising, Pricing, Business Planung und Investor Readiness auch Regulatorik und Datenschutz.

Pitch Contest …

Am 24. November treten Cognate Language Learning, CryptoMate, Data Lake, ICsec S.A., Retalos, revelaire.finance, Rhoman Aerospace und Zonifero S.A. in einem Pitch Contest gegeneinander an. Die Teilnehmer*innen des diesjährigen Programms sind sehr international und kommen nicht nur aus dem europäischen Ausland – sogar Start-ups aus den USA haben sich für eine Teilnahme an der EY Startup Academy entschieden. Dabei sind die Geschäftsmodelle der Teilnehmer*innen sehr spannend: Das Spektrum reicht von Cybersicherheitslösungen über Krypto-Anbieter oder die Analyse von medizinischen Daten bis hin zu Drohnen.

… Top-Keynotes und Panel-Diskussionen

Bei dem Closing Event am 24. November stimmt eine mit Expert*innen besetzte Jury darüber ab, welches der Gründerteams während des Programms die größten Fortschritte gemacht hat – doch auch die Zuschauer*innen dürfen für ihren Favoriten abstimmen. Daneben wird es spannende Keynotes und Panel-Diskussionen mit Teilnehmer*innen aus dem Start-up-Ökosystem geben.

Auf einen Blick

Was: EY Startup Academy Closing Event
Wo: TechQuartier, Platz der Einheit 2, 60327 Frankfurt/Main (und online - Link folgt)
Wann: 24. November 2022 | 18.00 – 19.30 Uhr

Meldet euch jetzt für unser Closing Event am 24. November, um 18.00 Uhr, an und seid live im TechQuartier in Frankfurt dabei. Für diejenigen, die nicht vor Ort sein können, wird ein Livestream angeboten.

ImpactNexus schließt erfolgreich erste Finanzierungsrunde ab

Das 2021 gegründete Start-up ImpactNexus bietet Venture-Capital- und Private-Equity-Portfoliomanagern Lösungen für effizientes Nachhaltigkeitsmanagement und hat seine erste Finanzierungsrunde über 800.000 Euro abgeschlossen.

Die Zielgruppe des Angebots von ImpactNexus sind vorerst vor allem Venture-Capital- und Private-Equity-Portfoliomanager, die derzeit vor einer großen Herausforderung stehen: Die Sustainable Finance Disclosure Regulation (SFDR) der EU sieht vor, dass Anbieter*innen von Finanzprodukten bis Juni 2023 erstmals einen jährlichen Bericht darüber vorlegen müssen, inwieweit sie Nachhaltigkeit in ihre Entscheidungsprozesse für ihre Finanzprodukte einbeziehen und welche Auswirkungen diese auf Umwelt, Klima und Gesellschaft haben. Und je mehr ein Fonds nachhaltigkeitsorientiert ist, desto höher die Reporting-Auflagen – dies führt bei vielen Anbieter*innen zu hohen Kosten und Aufwänden, zudem fehlt es oft an Know-how und an einem effektiven Datenfluss zwischen den diversen Stakeholdern in ihrem Portfolio.

Weniger Zeit und Kosten, um Nachhaltigkeitsziele zu erreichen

Genau hier kommt ImpactNexus ins Spiel. Das erklärte Ziel des Start-ups ist es, die Zeit und Kosten für Nachhaltigkeits-Reporting und Optimierungsmaßnahmen um das 10-fache zu reduzieren. Dafür entwickelt ImpactNexus innovative Software-as-a-Service-Lösungen mit einem erfahrenen Team aus Nachhaltigkeitsexperten, Softwareentwicklern und Data Scientists. Dazu gehört beispielsweise die Möglichkeit, Nachhaltigkeits-Daten mit wenigen Klicks bei Portfoliounternehmen abzufragen und SFDR-Berichte in Übereinstimmung mit den offiziellen Richtlinien der Europäischen Kommission zu generieren.

Das Herzstück dabei ist die wachsende NEXUS-Datenbank, welche eine automatisierte Bewertung des Impacts von Portfoliounternehmen möglich macht und zusätzlich maßgeschneiderte Vorschläge zur Optimierung liefert. „Mit unserer digitalen Lösung können Fondsmanager die soziale und ökologische Wirkung ihres Portfolios bewerten, ihren diversen Stakeholdern effizient Bericht erstatten und zugleich die Nachhaltigkeitsperformance optimieren“, sagt Dr. Jannic Horne, CEO von ImpactNexus.

Die Vision: Nachhaltigkeitsmanagement für den Mittelstand

Mittelfristig sieht ImpactNexus auch mittelgroße Unternehmen als Zielgruppe, da diese stark unter dem Mangel an Nachhaltigkeitsberatern leiden. Hier bietet der Zugang zur NEXUS-Datenbank einen effizienten, digitalen Weg zur Optimierung ihrer Nachhaltigkeitsperformance. Das Kapital der Finanzierungsrunde wird nun zur weiteren Produktentwicklung eingesetzt. An der Runde haben sich Investoren wie Vireo Ventures, das Investorinnen-Netzwerk encourageventures sowie weitere Business Angels und Fördergeldgeber beteiligt.

Jörg Walden ist Investor und Advisor von ImpactNexus. Er hat selbst bereits Unternehmen im Kontext von Compliance- und Nachhaltigkeits-Reporting sowie -optimierung gegründet, darunter iPoint und CircularTree. Zu seiner Investition in ImpactNexus sagt er: „Die Zukunft gehört ganz den Unternehmen, die nachhaltig, das heißt klimaneutral und im Sinne der Kreislaufwirtschaft handeln. ImpactNexus bietet mit seiner Datenbank und Software-Lösungen einen wichtigen Baustein, um Nachhaltigkeitsziele schneller zu erreichen.“

Gewerbeversicherungsreport von Finanzchef24/andsafe

Der Report zeigt u.a.: Kleine Unternehmen und Selbständige wollen ihre Margen durch besseren Wareneinkauf, mehr Digitalisierung und Kosteneinsparungen retten. Zwei Drittel der Befragten unterschätzen die allgemeinen Gefahren sowie Risiken, die sich aus neuen Betätigungsfeldern ergeben können.

Viele Selbständige blicken angesichts explodierender Betriebskosten, nachlassender Kaufkraft und der nächsten zu erwartenden Corona-Pandemiewelle voller Sorgen in die Zukunft. Aber: Die Kleinsten und Kleinen wollen der drohenden Rezession nicht tatenlos zusehen. Dieses Fazit lässt sich aus der jüngsten Befragung ziehen, die Finanzchef24 und andsafe zusammen mit dem Panelanbieter Consumerfieldwork unter 654 Unternehmern durchgeführt haben. „Nachdem sich viele Kleinst- und Kleinunternehmer in der Corona-Pandemie im Vergleich zu Konzernen von der Politik vernachlässigt gefühlt haben, wollen sie den Herausforderungen aktiver denn je entgegentreten“, sagt Payam Rezvanian, Geschäftsleitung von Finanzchef24, zur Vorstellung des dritten Gewerbeversicherungsreports. „Die Stimmung ist branchenabhängig unterschiedlich. Viele kleine Unternehmer und Unternehmerinnen eint allerdings eine neue Entschlossenheit und Agilität, nachdem sie sich von der Regierung während der Corona-Krise kaum gesehen oder alleingelassen gefühlt haben“, sagt er. So schaut immerhin gut die Hälfte optimistisch auf die Geschäftsentwicklung in den kommenden 12 Monaten.

Die neue Geldpolitik für viele zu spät gekommen

Die Abkehr von der ultralockeren Geldpolitik kommt für Deutschlands Kleinst- und Kleinunternehmer zu spät. 72 Prozent der Befragten sind der Meinung, dass die Inflation das wichtigste geschäftsbestimmende Thema in den nächsten 12 Monaten sein wird. Beim letzten Report, der zum Jahreswechsel 2021/22 erhoben wurde, lag die Inflation bei rund 5 Prozent. Damals hatten lediglich 29 Prozent die Inflation als geschäftsbestimmendes Thema auf dem Radar.

Eng beziehungsweise direkt verbunden mit der Inflation sind für Unternehmen die höheren Energiepreise, steigende Betriebsnebenkosten und sinkende Konsumausgaben. Entsprechend denken 68 Prozent, dass höhere Energiepreise ihre Geschäftsentwicklung auf Jahressicht beeinflussen werden. 41 Prozent erwarten zudem sinkende Konsumausgaben, die auf den Umsatz schlagen. „Selbst wenn ein Kleinst- oder Kleinunternehmer weniger Energie benötigt als die Industrie, so fressen die horrenden Energiepreise die ohnehin schmalen Margen. Die Kombination mit gleichzeitig nachlassender Nachfrage könnte für einige existenzbedrohlich werden“, fasst Payam Rezvanian zusammen.

Die größten (Dauer-)Probleme: Lieferkettenprobleme, Corona und Fachkräftemangel

Nicht mehr ganz so wichtig wie im Vorjahr stufen die Befragten im neusten Gewerbeversicherungsreport die Corona-Pandemie ein. War Covid-19 im Jahr 2021 für 64 Prozent das bestimmende Top-Thema für den Businessalltag, gehen im Herbst 2022 noch 47 Prozent der Befragten davon aus, dass ihr Geschäft unter der Pandemie leidet oder für einen weiteren Schub sorgt – je nach Branche.

35 Prozent der Befragten gehen weiter davon aus, dass sich Lieferprobleme auf den Geschäftsbetrieb auswirken. Der Fachkräftemangel rangiert aktuell mit 34 Prozent im Mittelfeld der geschäftsbeeinflussenden Faktoren. Gegenüber dem Vorjahr hat sich das Thema damit noch einmal zugespitzt, spielte es 2021 doch nur für 27 Prozent der Befragten eine Rolle. Ebenfalls im Mittelfeld der Themen zu finden, sind ökologische beziehungsweise Nachhaltigkeitsthemen für 32 Prozent der Befragten.

Teure Kredite als neues Problemfeld

Die geänderte Zinspolitik der Notenbanken hat zudem direkte Auswirkungen auf die Refinanzierung. Ob Geld für die Expansion oder Investitionen: Immerhin 28 Prozent der Unternehmen sehen höhere Zinsen für Darlehen als ein Problem an, das ihre Geschäftstätigkeit beeinflussen wird. Mehr als jeder vierte Unternehmer erwartet beim Thema Fremdkapital Gegenwind. Unternehmen, die Geld von der Bank benötigen, müssen deutlich mehr dafür zahlen oder scheitern an neuen Risikobestimmungen. Gerade auf Selbständige mit einem erhöhten Kapitalbedarf kommen schwierigere Zeiten zu, so die Folge.

Jede(r) Fünfte hat schlechte persönliche Konjunkturerwartungen

Dennoch gibt es Hoffnungsschimmer im kleinen Mittelstand. Laut Umfrage beurteilen 12 Prozent die mittelfristige Geschäftsentwicklung als sehr gut – Ukraine-Krieg, Inflation und Engpässen zum Trotz. Ganze 37 Prozent erwarten auf Jahressicht eine gute Geschäftsentwicklung. 30 Prozent sind unentschlossen. Mehr als jeder fünfte Kleinst- und Kleinunternehmer hat jedoch nur eine ausreichende oder sehr schlechte persönliche Konjunkturerwartung.

Der Gewerbeversicherungsreport zeigt jedoch auch: Hiesige Klein- und Mittelständler haben genaue Vorstellungen, welche Stellschrauben sie trotz oder gerade angesichts der exogenen Faktoren bedienen müssen. „Das Thema Wettbewerbsfähigkeit wird für den Kleinst- und Kleinunternehmer im Herbst 2022 neu ausgelotet. Es zählt nicht mehr allein, mit dem richtigen Produkt zu einem wettbewerbsfähigen Preis am Markt zu sein – sondern überhaupt zu einem Preis liefern zu können“, erklärt Payam Rezvanian. Ähnlich wie im Vorjahr sieht die Mehrheit in höheren Gewinnen beziehungsweise besseren Margen den wichtigsten Schlüssel, um am Markt zu punkten. Für 43 Prozent der Befragten ist dies die Top-Antwort (2021: 39 Prozent). Auf dem zweiten Platz der Maßnahmen steht die klassische Außenwerbung für 26 Prozent der Unternehmer (2021: 28 Prozent). Die dritte Stellschraube für mehr Wettbewerbsfähigkeit lautet für circa jeden fünften Kleinst- und Kleinunternehmer (21 Prozent) in Anbetracht der extremen Energiepreise Kostenreduktion durch Einsparungen.

Jede(r) Fünfte will schneller und digitaler werden

Auch das Thema Geschwindigkeit gewinnt in Zeiten von Corona, Fachkräftemangel und Knappheit an Fahrt. Es geht für den Mittelstand nicht nur darum, schneller in der Produktionszeit zu sein. Sondern ebenso schneller in Bezug auf sich ändernde Kundenbedürfnisse, agiler in puncto der Arbeitsprozesse sowie aufgeschlossener gegenüber Neuem und Veränderung. Ungefähr jeder fünfte befragte Kleinst- und Kleinunternehmer (19 Prozent) gibt an, seine Geschwindigkeit und Anpassungsfähigkeit für mehr Wettbewerbsvorteile erhöhen zu wollen. Die Digitalisierung wollen 18 Prozent vorantreiben. Jeder Neunte will jedoch ebenso seinen Wareneinkauf optimieren. 8 Prozent wollen ihre Lieferantenbeziehungen verbessern, um bei der Beschaffung eher oder schneller zum Zug zu kommen. 3 Prozent denken sogar darüber nach, komplett neue Rohstoffquellen zu erschließen.

Viele Selbstständige blauäugig unterwegs

Agilität ist für das unternehmerische Überleben wichtig, birgt laut Finanzchef24 und andsafe jedoch Gefahren. „Denn die Risiken werden umso mehr, je mehr Kleinst- und Kleinunternehmer ihren Wirkradius vergrößern. Dort, wo neue Chancen winken, kann das Nichtwissen um begleitende Gefahren schnell zur existenziellen Bedrohung werden“, sagt Christian Buschkotte, Managing Director bei andsafe. Diese deutlich selbstbestimmteren und an den Krisen der letzten Jahre gewachsenen Unternehmer müssen sich nach Worten des Experten neues Wissen aneignen, wie sie sich und ihre Unternehmung in Zeiten dieser Veränderungsdynamik adäquat schützen können. Welche Absicherungsmöglichkeiten der Gewerbeversicherung es dafür gibt, ist jedoch vielen laut den Zahlen des Gewerbeversicherungsreports nicht klar. Nur rund jeder Dritte bezeichnet seine Kenntnisse als sehr gut oder als gut (34 Prozent). Mehr als jeder Vierte (27 Prozent) sieht erhebliche Lücken. Und 39 Prozent beurteilen ihr eigenes Wissen diesbezüglich als befriedigend. Buschkotte: „Diese Unkenntnis führt ins Risiko. Ein Großteil der Selbstständigen ist kaum aufgeklärt und riskiert täglich seine finanzielle Existenz und Unabhängigkeit durch Nichtwissen.“

Weitere Infos zum Gewerbeversicherungsreport gibt’s hier

Hamburgs Zukunftswerkstatt für Food-Innovationen gestartet

Hamburgs Zukunftswerkstatt für Food-Innovationen – der Food Harbour Hamburg (FHH) – startet seine Innovationsarbeit für die Food- & Beverage-Industrie.

Gerade in der aktuellen gesamtwirtschaftlichen Situation, wo Kostenoptimierung im Fokus steht, sind alle Akteur*innen herausgefordert, nachhaltig relevante Innovationen zu entwickeln und in den Markt zu bringen. „Heute kämpfen einerseits dynamisch wachsende Start-ups mit der Skalierung, also der effizienten Steigerung ihrer Stückzahlen, während andererseits die bereits etablierten Unternehmen herausgefordert sind, sich und ihre Produkte zum Teil komplett neu zu erfinden“, beschreibt Food Harbour Hamburg Co-Founder und Geschäftsführer Jochen Matzer die aktuelle Ausgangssituation.

„Exakt diese Herausforderung, nämlich mit Innovationen effizient zu wachsen, lösen wir mit dem Full-Service-Angebots unseres Food-Accelerators“, so Co-Geschäftsführer Sebastian Heinz. „Denn wir bieten sowohl etablierten Food- & Beverage-Produzenten wie auch Food-Start-ups ein umfangreiches, modulares Service-Portfolio, das von der Definition des Produkt- und Markenkonzepts bis zur Rezepturentwicklung, der ersten Kleinserienproduktion sowie der mehrkanaligen Vermarktung reicht.“


Verkaufsfähige Kleinserien entwickeln

Seinen Partner*innen und Projektkund*innen bietet der Food Harbour Hamburg auf dem Food-boom-Campus in der Billstraße 114 eine vollwertige Entwicklungs- und Produktionsumgebung, in der Starts-ups und Industrie die ersten, verkaufsfähigen Kleinserien entwickeln und im nächsten Schritt produzieren können. „Wir werden perspektivisch die relevanten Anlagen hier vor Ort haben. Ansonsten verstehen wir uns als Schnittstelle zu entsprechenden Produktionsdienstleistern sowie den spezialisierten Forschungs- und Entwicklungseinrichtungen, wo wir alle weiteren Prozessschritte durchführen können“, so Kay Schumacher, der im Team den Bereich Processing und Technologie verantwortet. Zusätzlich profitieren die Harbour-Partner*innen von der kulinarischen Kompetenz des Harbour-Mitgesellschafters Foodboom: „Wir verfügen über eine langjährige Kompetenz, neue Trends aus der Gastronomie in innovative Markenprodukte zu übertragen“, so Mitgründer Hannes Arendholz, der die Entwicklung neuer Rezepturen verantwortet.

Die zentralen Vorteile dieses One-Stop-Shopping-Angebots liegen laut Matzer klar auf der Hand: „Unsere Partner beschleunigen ihre Inhouse-Innovationsprozess deutlich, haben gleichzeitig die Möglichkeit, unser vielfältiges Know-how sowie unsere breiten Entwicklungs- und Produktionsressourcen flexibel und kosteneffizient für sich zu nutzen und sich außerdem im kreativen Austausch mit weiteren Food- und Beverage-Pionieren zu vernetzen.“

Hamburger Ernährungswirtschaft als Wachstumstreiber

Nach über zweijähriger Entwicklungsarbeit gab der Hamburger Senator für Wirtschaft und Innovation Michael Westhagemann jetzt den offiziellen Startschuss. Der Food Harbour Hamburg ist dabei ein Kernelement der Wachstums- und Innovationsoffensive von Hamburger Senat und Bürgerschaft mit dem Ziel, die Ernährungswirtschaft in der Metropolregion Hamburg zu einem Wachstumstreiber zu machen. Westhagemann: „Der Food Harbour Hamburg ist ein besonderes Projekt des zukünftigen Food Cluster Hamburg, weil es den Heimathafen für viele Food Start-ups und Mittelstand Unternehmen bildet, um Lebensmittel einer neuen Generation zu entwickeln. So sollen neue und innovative Produkte entstehen und Rohstoffe der Zukunft aus Hamburg heraus kreiert werden.“

Start-up-Programm, Know-how und mehr

Zum Angebot des Harbours gehört auch ein sechsmonatiges Start-up-Programm, in dem Jung-Unternehmer*innen auf die nächste Entwicklungsstufe gebracht werden. „Wir liefern dafür den Start-ups gezielt das Know-how und die Ressourcen, die sie für den nächsten Wachstumsschritt brauchen“, so Programmleiterin und Co-Founderin Stefanie Ostendorf. Mit dem morgigen Startschuss für den Food Harbour startet auch der erste Batch für fünf Start-ups aus der Metropolregion Hamburg, die sich mit ihren Produkt-Innovationen den Teilnehmern der Eröffnungsveranstaltung vorstellen.

Neben einer initialen Förderung durch die Hamburger Behörde für Wirtschaft und Innovation wird der Betrieb des Food Harbour Hamburg durch die Businesspartner- und Projektkund*innenen finanziert, die ihre individuellen Leistungspakete entsprechend vergüten. Dabei haben die Businesspartner*innen den Vorteil, dass sie sich auf Basis eines dreijährigen Rahmenvertrags den bevorzugten Zugriff auf die vorhandenen Ressourcen sichern.

„Co-Creation ist unsere Mission. Nur gemeinsam machen wir Hamburg zum Hotspot eines neuen, nachhaltigen Food Systems. Deshalb ist uns die Zusammenarbeit mit den bestehenden Pionieren wie foodactive, dem Food Innovation Camp, dem foodlab und FoodWorks sowie den entsprechenden Wissenschaftsinstituten der Hamburger Universitäten“, so Mitgründer Philipp Stradtmann.

Gründer*in der Woche: Gorilla Funds UG - der NFT-Shop-Builder

Mit Ende 30 hat Jakob Sievers sein verbeamtetes Lehrerdasein hinter sich gelassen, um sich der Entwicklung von Anwendungen im Web3-Bereich zu widmen. Was ihn antreibt und was er mit seinem Start-up unternehmerisch auf die Beine gestellt hat, verrät uns Jakob im Interview.

Was war für dich der Auslöser, deine sichere Existenz als verbeamteter Lehrer aufzugeben und stattdessen ein Unternehmen zu gründen?

Es gab nicht einen einzigen Auslöser. Es war eher ein langer Prozess. Ich bin gegen 2013 auf die Blockchain-Technologie aufmerksam geworden und diese hat mich seitdem nicht mehr losgelassen. Ab da habe ich alles gelesen, was ich in die Finger bekam und ein Proof of Concept nach dem anderen gebaut. Mit dem Gewinn eines Hackathons im Jahr 2020 war für mich dann klar, dass der Weg der richtige ich und ich gründete die Gorilla Funds UG.

Was waren dann die wichtigsten Schritte von der Gründung bis zum Launch der ersten Anwendungen?

Wir finanzieren uns momentan überwiegend über Grants. Daher denke ich, der wichtigste Schritt war, das erste erfolgreiche Einreichen eine Proposals, um einen Grant zu erhalten. Mit Hilfe dieser Starthilfe hatten wir die Mittel, um unser erstes MVP zu bauen.

Was genau bietest du mit Gorilla Funds und wer sind deine Kund*innen?

Wir haben momentan zwei Produkte online. Zwei weitere sind in Arbeit. Zum einen haben wir das Figma Plugin UNIKAT entwickelt, das es ermöglich, schnell und mit vergleichsweise wenig Aufwand NFT-Kollektionen zu erstellen. Das zweite Produkt ist unser Shop-Page-Builder. Dieser ermöglicht es ohne Programmierkenntnisse NFT-Shops auf Basis des NFT-Marktplatzes Mintbase aufzusetzen und an die eigenen Erfordernisse anzupassen. Die NFT-Shops sind mit einem Content-Manangement-System verknüpft, sodass man einfach Content einpflegen kann und zum Beispiel einfach einen Blog hinzufügen kann.

Unser Produkt AUTOMAT, dass wir derzeit entwickeln, wird das Minten der erstellten NFT-Kollektionen für diese NFT-Shops per Klick ermöglichen. Zu Beginn möchten wir damit NFT-Künstler*innen helfen, einfach ihre digitale Kunst mittels ihres eigenen NFT-Shops vertreiben zu können. Ich sehe Künstler*innen aber nur als die erste Zielgruppe für uns. Ebenfalls denkbar sind Ticket-Shops oder Musiker*innen bzw. Bands. Für diese Zielgruppe entwickeln wir momentan geeignete Templates, sodass die Webshops exakt für diese Anwendungsfelder passen.

Worin siehst du das große (Zukunfts-)Potenzial von NFTs?

NFTs also nun Non fungible Token sind ja nun - wie es schon im Namen steckt - einzigartig. Das gilt ebenfalls für reale Gegenstände. Ich denke, dass in der Zukunft viele reale Produkte in der digitalen Welt eine Entsprechung in Form eines NFTs haben, die als Proof of Ownership für diese realen Produkte fungieren. Ein Kauf eines NFTs entspricht dann dem Übergang des Besitzes des realen Produktes auf den Käufer bzw. die Käuferin. Dies hat viele Vorteile: Nimmt man zum Beispiel an, dass ein NFT mit einem Gebrauchtwagen verknüpft ist. Da auf der Blockchain beim Kauf des NFT immer ein Eintrag erfolgt, könnte ein Käufer des NFT sehr einfach nachschauen, wie viel Vorbesitzer der Gebrauchtwagen hat. Aber auch Mitgliedschaften für eine Fitness-Center könnten einfach mittels NFTs realisiert werden. Ein potentielles Fitness-Center-Mitglied kauf eine Mitgliedschaft für das Fitness-Center online in Form eines NFTs. Im Fitness-Center wird der Einlass gewährt, wenn man den NFT nachweisen kann. Der Vorteil der Nutzung von NFTs wäre hier, dass ohne Probleme weitere Services an den Besitz des NFTs gekoppelt werden könnten. Zum Beispiel könnte dieser Token Zugang zu Internet-Inhalten wie Fitnessvideos erlauben und vieles mehr. Die flexible Natur der NFTs, der Fakt, dass die Blockchain für jedermann einsehbar und die Entwicklung überwiegend Open Source ist, wird die Entwicklung von Services ermöglichen, die bisher so nicht denkbar waren.

Wie machst du auf dich und deine Services aufmerksam?

Wir haben mit Student Creates einen Social-Media-Partner, der uns hilft, über LinkedIn, Twitter, Instagramm, TikTok, Discord und Facebook potentielle Kunden zu erreichen.

Und last but not least: Was rätst du anderen Gründer*innen aus eigener Erfahrung?

Gründen ist ein Marathon, kein Sprint. Also sollte man einen langen Atem haben und permanent in der Lage sein, flexibel auf neue Situationen zu reagieren, gerade im Blockchain-Space. Die Entwicklungsgeschwindigkeit ist enorm hoch und Flexibilität ein Muss, um mit den Entwicklungen Schritt zu halten.

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Das Interview führte Hans Luthardt

Gründer*in der Woche: extrazwei – sorgt für mediale Resilienz

Heide Hüttner und Franzi Seidel haben extrazwei gegründet, um uns alle dabei zu unterstützen, digitalem Stress flexibler zu begegnen. Mehr dazu im Interview mit den beiden Gründerinnen.

Wann und wie habt ihr das Thema Stress und digitale Medien für euch "entdeckt"?

Heide: Ich habe Gesundheitswissenschaften studiert und mich dabei selbstverständlich mit dem Thema Stress auseinandergesetzt, schließlich ist es eines der größten Gesundheitsrisiken der heutigen Zeit. Franzi hat Medienpädagogik studiert und sich dabei u.a. mit einer selbstbestimmten Mediennutzung auseinandergesetzt. In unserem letzten festen Job (da haben wir uns auch kennengelernt) habe ich für das Team einen Workshop zum Umgang mit Stress gegeben. Der hat bei Franzi einiges bewegt, und wir sind danach viel in den Austausch gekommen. Ich war damals super unzufrieden mit meiner Smartphone-Nutzung und dann haben wir erkannt, wie eng beide Themen zusammengehören und wie wenig sie bisher zusammengedacht werden. Und dass wir dieses Wissen und diese Erkenntnis mit anderen teilen möchten.

Was waren dann die wichtigsten Schritte von der Gründung von extrazwei bis zum Launch des ersten Programms?

Franzi: Wir hatten das Glück, dass wir an einem Programm der HHL in Leipzig teilnehmen durften, was Frauen auf dem Weg in die Selbständigkeit unterstützt (Gründerinnenklasse). Dort haben wir viel hilfreichen Input zu den organisatorischen Angelegenheiten (Steuern, Recht etc.), aber auch zur Ausarbeitung unseres Businessplans bekommen. Ein erster großer Schritt war dann der Launch unserer selbstgebauten Homepage und dann das Kündigen der Festanstellung, gefolgt von der offiziellen Gründung.

Was genau bietet ihr mit bzw. in euren Programmen und wer sind eure Kund*innen?

Heide: Im Moment liegt unser Fokus auf der Zusammenarbeit mit Unternehmen. Wir vermitteln in unseren Workshops, wie ein gesundes, digitales Arbeiten gelingt. Dabei geht es einerseits um das Identifizieren und das Reduzieren von digitalem Stress im Arbeitsalltag. Andererseits liegt dem auch eine ganzheitliche Betrachtung von Stress zu Grunde: Wir vermitteln die Wichtigkeit von Pausen und Regeneration, schauen das Thema Zeitmanagement an und legen einen Fokus auf die Stärkung der mentalen Gesundheit.

Außerdem bieten wir das online-Programm „Gelassen digital“ an. Daran kann jede Person teilnehmen und in einem von uns persönlich begleiteten Online-Kurs lernen, wie es gelingt, digitale Medien selbstbestimmt zu nutzen. Und vor allem auch erst mal erkennen, welchen Einfluss die digitalen Medien auf das eigene Stresslevel haben. Es ist immer wieder beeindruckend und toll zu sehen, wie viel sich bei den Teilnehmer*innen in den zehn Wochen verändert. Ein paar Mal im Jahr bieten wir auch Retreats zu dem Thema an.

Welches Feedback von den Teilnehmenden hat euch am meisten motiviert? Was kommt bei ihnen am besten an?

Franzi: Bei allen Programmen wird immer wieder die abwechslungsreiche Moderation, die gute Struktur unserer Konzepte und genau die richtige Tiefe der Inhalte betont. Dadurch haben die Teilnehmenden natürlich mehr Spaß und es bleibt mehr hängen. Das motiviert und bestärkt uns enorm, weil es auch zeigt, dass wir gut sind, indem was wir machen und wir anderen Menschen wirklich helfen können.

Heide: Wir geben auch Workshops für junge Erwachsene. Dabei schauen wir in einem Smartphone-Check, wie hoch die tägliche Nutzungsdauer ist. Viele wollen das erst mal gar nicht wissen und schätzen es falsch ein. Dabei hatten wir eine Teilnehmerin, die eine durchschnittliche Nutzungszeit von sieben Stunden pro Tag hatte. Sieben Stunden! Nach drei Monaten haben wir über die Gruppenleiterin erfahren, dass sich ihre Nutzungszeit auf zwei Stunden reduziert hat und sie sich sehr viel besser fühlt. Das hat uns natürlich sehr gefreut.

Wie macht ihr auf euch und eure Angebote aufmerksam?

Heide: Wir vernetzen uns auf Veranstaltungen und Messen, vor allem auch hier vor Ort in Leipzig. Außerdem nutzen wir LinkedIn und unsere Homepage. Aber aus unserer Erfahrung bringen „echte“ Kontakt schon am meisten. Und wir haben selbst einen Stammtisch gegründet, um uns mit anderen zu vernetzten, die sich mit dem Thema Stress beschäftigen. Da freuen wir uns immer über neue Leute.

Und last but not least: Was ratet ihr anderen Gründer*innen aus eigener Erfahrung?

Franzi: Netzwerken, Netzwerken, Netzwerken! Und andere Personen als Inspiration und nicht als Vergleich sehen. Besonders in der Gründung sieht man, was bei allen anderen schon so super läuft und bei sich selbst nicht. Hier hilft es sich mit sich selbst vor ein paar Monaten oder einem Jahr zu vergleichen und nicht mit anderen. Denn der eigene Entwicklungsfortschritt ist enorm und das selbst wertzuschätzen gibt unfassbar viel Motivation und Durchhaltevermögen.

Heide: Und sich Zeit für Pausen und Erholung zu nehmen. Als Gründer*innen machen wir jeden Tag Sachen zum ersten Mal und es passiert unglaublich viel. Da es alles aufregend ist, fühlt es sich erst mal nicht so anstrengend an. Wir haben den riesengroßen Vorteil, dass wir zu zwei sind. Wir ergänzen uns super, und so fällt es leichter, auch im Urlaub komplett abzuschalten und mal eine Auszeit zu haben. Also ich würde allen empfehlen, zu zweit zu gründen oder zumindest einen Buddy an der Seite zu haben.

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Das Interview führte Hans Luthardt

Kick-Off der EY Startup Academy 2022

Seid beim Kick-Off der EY Startup Academy am 15. September mit dabei!

Fast 90 Start-ups haben sich für die Teilnahme an der EY Startup Academy 2022 beworben – ein toller Erfolg! Am 15. September treten die vielversprechendsten Gründer*innen in einem Pitch Contest im Techquartier in Frankfurt gegeneinander an. Die mit Vertretern aus dem Partner-Netzwerk der EY Startup Academy besetzte Jury wählt die Finalist*innen für das sechswöchige Programm aus.

Voten, Netzwerken und Insights erfahren

Doch auch die Zuschauer*innen können für ihr favorisiertes Start-up abstimmen! Daneben habt ihr die Chance, mit Investoren und anderen Akteuren aus dem Startup Ökosystem zu netzwerken und spannenden Vorträgen und Keynotes zu lauschen. Unter anderem wird Martin Möllmann, Senior Investment Manager beim High-Tech Gründerfonds (HTGF), eine Keynote zu den aktuellen Entwicklungen im Markt halten und eine Einschätzung dazu aus Investorensicht geben.

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Gründer*in der Woche:CALIMA - digitales Notfall-System für Solist*innen

In Deutschland arbeiten 8,5 Millionen Menschen alleine und damit außerhalb von Ruf- und Sichtweite zu anderen Personen. Im Falle eines Sturzes, einer Bedrohung oder eines akuten gesundheitlichen Problems haben sie niemanden, der schnell Erste Hilfe leisten kann. Michael Zerbin, Tim Hautkappe und Katharina Hochmuth‍, die Gründer*innen der CALIMA Safety GmbH, haben eine Lösung entwickelt, die das Smartphone von Mitarbeiter*innen in ein persönliches Notsignal-Gerät verwandelt. Mehr dazu im Interview mit Katharina.

Wann und wie bist du zusammen mit deinen Mitgründer*innen auf die Idee zu CALIMA gekommen?

Der Ursprung der Idee liegt schon einige Jahre zurück. Tim und ich haben während unseres Maschinenbaustudiums 2013 bereits die App KommGutHeim entwickelt. KommGutHeim ermöglicht es, den eigenen Standort live mit ausgewählten Kontakten zu teilen und im Ernstfall schnell Hilfe anzufordern. Durch die hohe Reichweite von über 100.000 Nutzer*innen haben wir in den vergangenen Jahren immer häufiger Anfragen von Unternehmen erhalten, ob sich KommGutHeim auch zum Schutz von Mitarbeiter*innen einsetzen lässt. Im intensiven Austausch mit Experten zum Thema Arbeitsschutz und betrieblichen Notfall-Lösungen ist dann die Idee für CALIMA gewachsen.

Was waren die wichtigsten Steps von der Gründung bis zum fertigen Tool?

  • Entwicklung des MVP in enger Zusammenarbeit mit potentiellen Kund*innen.
  • Erfolgreicher Einsatz bei unserem ersten Kunden.
  • Closing unserer Pre-Seed Finanzierungsrunde von 325k.
  • Abschluss unseres ersten Enterprise-Kunden EWE NETZ GmbH mit 500 Lizenzen.

Was ist das Besondere an CALIMA, wie funktioniert das System und was sind die Vorteile gegenüber einer Hardware-Lösung?

Bei der Entwicklung von CALIMA haben wir besonders großen Wert auf die User Experience für Nutzer*innen und Administrator*innen gelegt. Durch die modulare Software-Architektur, sowie die Bereitstellung über die Cloud kann CALIMA im Vergleich zu Hardware-Lösungen innerhalb weniger Stunden im Unternehmen implementiert und die Notfallkette individuell angepasst werden. Da CALIMA auf den Dienst-Smartphones installiert wird, müssen Unternehmen im Vergleich zu Hardware-Lösungen keine hohen Anfangsinvestitionen tätigen. Die Tatsache, dass Mitarbeiter*innen keine zusätzlichen Geräte mit sich tragen müssen, hat im Vergleich auch eine deutlich höhere Nutzer*innenakzeptanz zum Vorteil.

Wie habt ihr die Produktentwicklung und damit auch euch selbst bislang finanziert?

In der Konzeptions- und Entwicklungsphase von CALIMA haben wir in einem Start-up Programm, dem Future City Incubator, teilgenommen und für 10 Monate das Gründerstipendium des Berliner Senats erhalten. Kurz nach unserer Gründung konnten wir mit drei Business Angels unsere Pre-Seed Finanzierungsrunde von 325 Tsd. Euro realisieren. Neben diesem Investment finanzieren wir uns aktuell durch den Gründerbonus und unsere Einnahmen.

Cannabis-Start-up Sanity Group sichert sich rund 38 Mio. Euro

Die Berliner Sanity Group sichert sich größte Finanzierungsrunde in ein Cannabisunternehmen in Europa und sendet damit zugleich ein starkes Signal für den Cannabismarkt in Deutschland und Europa.

Die 2018 gegründete Sanity Group, Deutschlands führendes Unternehmen im Bereich Cannabinoide (hier unsere ausführliche Sanity-Group-Gründerstory zum Nachlesen), hat heute den Abschluss einer neuen Finanzierungsrunde (Series-B) in Höhe von 37,6 Millionen Euro bekanntgegeben. Die Finanzierung wird von Neuinvestor BAT Group angeführt, auch bestehende Investoren wie u.a. Redalpine und Casa Verde Capital haben sich erneut beteiligt. Die neue Finanzierungsrunde ist die größte in ein Cannabisunternehmen in Europa und folgt auf die im vergangenen Jahr realisierte Series-A-Runde im Volumen von über 35 Millionen Euro; das Gesamtinvestment in die Gruppe steigt damit auf über 100 Millionen Euro.

Mit dem neuen Kapital soll das bestehende Geschäft ausgebaut werden und die Vorbereitungen für die geplante Cannabis-Legalisierung in Deutschland weiter vorangetrieben werden. Zudem plant das 2018 gegründete Unternehmen, seine Forschungs- und Entwicklungsaktivitäten weiter zu stärken.

Die Sanity Group beschäftigt heute rund 120 Mitarbeiter*innen in den Bereichen Medical, Consumer-Health und Wissenschaft. Nach erfolgreicher Etablierung im deutschen Markt strebt die Sanity Group auch die Expansion ihres Geschäfts in Europa an. Ziel ist es, die Lebensqualität durch den Einsatz von Cannabinoiden zu verbessern. Der Schwerpunkt liegt dabei auf innovativen Arzneimitteln, Medizinprodukten und Konsumgütern im Bereich Kosmetik, Wellbeing und Lifestyle.

„Diese Finanzierungsrunde ist ein wichtiger Meilenstein für uns und ein starkes Signal für die Entwicklung des Cannabismarkts in Deutschland und Europa. Ich bin dankbar für das Vertrauen von neuen wie bestehenden Investoren. Unser Ziel ist es, das gesamte Potenzial der Cannabispflanze auszuschöpfen und die verschiedenen Cannabinoide zu erforschen. Mit dem frischen Kapital können wir unsere Geschäftsbereiche weiter vorantreiben und uns darüber hinaus auch auf die geplante Legalisierung von Cannabis zu Genusszwecken in Deutschland vorbereiten”, sagt Finn Age Hänsel, Gründer und CEO der Sanity Group.

„Diese Finanzierungsrunde ist nicht nur die bisher größte Finanzierungsrunde eines europäischen Cannabisunternehmens, sondern auch eine der wenigen Upsizing-Runden in der deutschen Startup-Szene in der aktuellen wirtschaftlichen Phase. Vor dem Hintergrund einer herausfordernden Weltwirtschaft sind wir stolz darauf, eine Finanzierung dieser Größenordnung erreicht zu haben, die es uns ermöglicht, unsere Mission, eines der führenden Cannabisunternehmen in Europa zu werden, weiter zu verfolgen und voranzutreiben”, ergänzt Max Narr, Chief Investment Ocer bei der Sanity Group.

Gründer*in der Woche: THE LITTLE PALM – Geschenkboxen für Babys und Kids

Mit THE LITTLE PALM bietet Nina Lux individuelle, mit Liebe zum Detail zusammengestellte Babygeschenkboxen an. Mit ihren Produkten richtet sie sich an designorientierte Familien und Freund*innen von werdenden Eltern. Mehr dazu im Interview mit Nina.

Wann und wie bist du auf die Idee zu THE LITTLE PALM gekommen?

Anfang letzten Jahres bin ich selbst Mutter geworden und sah mich selbst mit der Frage konfrontiert, was wir uns zur Geburt wünschen. Ich wusste nicht so recht, was man benötigen würde und daher war es nicht leicht eine Antwort zu finden. Nach den ersten zwei Monaten mit Baby hatte ich eine sehr genaue Vorstellung von dem, was ein sinnvolles Geschenk zur Geburt ausmacht und begab mich auf die Suche nach einem Geschenk für eine schwangere Freundin. So richtig wurde ich nicht fündig, sollte das Geschenk doch nicht nur praktisch, sondern auch qualitativ hochwertig, nachhaltig und geschmackvoll verpackt sein - etwas Besonderes eben. Das war der Moment, an dem ich mir überlegte, selbst tätig zu werden.

Was waren dann die wichtigsten Schritte von der Gründung bis zum Launch der ersten Babygeschenkbox?

Neben der Entwicklung und Produktion der eigenen Produkte, war für mich besonders wichtig eine Geschenkbox zu designen, die zeitlos, modern, geschmackvoll und trotzdem persönlich ist. Als ehemalige Visual Merchandiserin weiß ich, wie wichtig der erste Eindruck ist, auch bei Geschenkverpackungen, und was kleine Details ausmachen. Ich wollte ein wirklich besonderes Auspackerlebnis schaffen.

Zudem hatte ich keinen Investor und nicht sehr viel Budget. Jeder Cent musste also genau verplant werden. Da für mich ein ansprechender Internetauftritt und gute Fotos so bedeutend sind, wie das Produkt selbst, war es wichtig alles finanziell im Rahmen zu halten.

Nicht zu vergessen ist, dass jeder Schritt der Entwicklung meines eigenen Kindes mir zusätzliche, wichtige Erkenntnisse und Impulse gebracht hat, um meine Produkte und die Boxinhalte zu optimieren.

Wie hast du die Start- und Entwicklungsphase finanziell gestemmt?

Ich konnte auf ein paar Rücklagen zurückgreifen, habe aber den Großteil durch Fremdkapital finanziert.

momox Second Hand Report 2022

Die repräsentative Studie belegt: In Zeiten von steigender Inflation gewinnen Second-Hand-Artikel weiterhin stark an Attraktivität.

So kaufen zwei Drittel (66 Prozent) der Second Hand Shopper*innen in Deutschland mindestens einmal im Jahr gebrauchte Bücher und/oder Medienartikel. Im Vergleich zum Vorjahr ist dies ein Anstieg um 18 Prozent. Auch der Trend beim Verkauf von Gebrauchtem ist weiter gestiegen: So hat jede(r) zweite Deutsche (48 Prozent) schon einmal gebrauchte Bücher und/oder Medienartikel zum Verkauf angeboten. 2021 waren es noch 39 Prozent.

Dies zeigt der aktuelle momox Second Hand Report 2022 für Bücher und Medien und gewährt einen detaillierten Einblick in den deutschen Gebrauchtwarenmarkt. Für den repräsentativen Report hat das Marktforschungsinstitut Kantar eine Umfrage im Auftrag von momox durchgeführt. Zudem wurden Kund*innen der momox Plattformen momox und medimops befragt. Insgesamt nahmen 13.290 Personen an den Umfragen teil.

Second-Hand-Kauf ist selbstverständlich und ersetzt Neues

Wie der aktuelle Report zeigt, gehört der Kauf von Second Hand in Deutschland mittlerweile zur Selbstverständlichkeit: Für jede(n) Zweite(n) (59 Prozent) ist das Second-Hand-Shopping selbstverständlich oder sehr selbstverständlich geworden. Dabei geben 73 Prozent der Befragten an, dass der Kauf von Second-Hand-Artikeln den Kauf eines neuen Buchs und/oder Medienartikels ersetzt hat. Weitere 66 Prozent geben an, dass sie weniger Geld für Bücher und/oder Medienartikel ausgegeben haben, weil sie gebrauchte Artikel gekauft haben. Ebenfalls 66 Prozent sagen, dass sie insgesamt mehr Bücher und/oder Medienartikel gekauft haben, da Second Hand im Vergleich zu Neuware günstiger ist. Für lediglich 9 Prozent hat der Kauf von Second Hand den Kauf eines neuen Buches und/oder Medienartikels nicht ersetzt.

Nachhaltigkeit ist eines der Hauptmotive für Second Hand

Wenn es um die Gründe für den Kauf von Second Hand geht, so gibt die Mehrheit (91 Prozent) an, dass für sie die niedrigen Preise am wichtigsten sind. 45 Prozent der Befragten geben an, dass die Artikel günstiger als Neuware sein müssen, die Höhe der Ersparnis ist an sich aber egal. Für 52 Prozent muss die Ersparnis hingegen so groß wie möglich sein. Als zweitwichtigsten Grund für den Kauf von Second-Hand-Büchern und/oder Medienartikeln geben 76 Prozent Nachhaltigkeit an. 2021 haben, im Vergleich, nur 66 Prozent der Umwelt zuliebe second hand geshoppt. Bei den Hauptgründen für den Verkauf geben 88 Prozent der Befragten den Wunsch nach mehr Platz und 87 Prozent den Nachhaltigkeitsaspekt an. Knapp jede(r) Zweite (44 Prozent) möchte beim Verkauf auch etwas dazu verdienen.

Gebrauchtwarenhandel findet primär online statt

Beschleunigt durch die Pandemie hat sich der Handel mit Gebrauchtware in den letzten zwei Jahren weiter ins Internet verlagert: So geben 71 Prozent der Second-Hand-Käufer*innen an, dass sie vor allem online shoppen. 2021 waren es hingegen noch 58 Prozent. Dabei sind mit 44 Prozent Onlinemarktplätze am beliebtesten, gefolgt von Onlineshops für Gebrauchtware (27 Prozent). Nur noch etwa jede(r) Fünfte (23 Prozent) kauft gern offline auf Flohmärkten oder in Second-Hand-Länden. Noch beliebter als das Online-Second-Hand-Shopping ist der Verkauf im Internet: Mit 81 Prozent verkaufen die Deutschen Bücher und/oder Medienartikel am liebsten online. Im Vorjahr waren es noch 73 Prozent. Am häufigsten wird auf Onlinemarktplätzen (57 Prozent) oder an Ankaufsservices (24 Prozent) verkauft. Die Beliebtheit vom Verkauf auf Flohmärkten ist im Vergleich zum Vorjahr von 18 Prozent auf 10 Prozent gesunken.

Second Hand wird am liebsten zu Geburtstagen und Weihnachten verschenkt

Second Hand hat schon längst sein Schmuddel-Image verloren: 84 Prozent der Befragten geben an, dass sie gebrauchte Artikel auch verschenken würden. Dabei ist es 76 Prozent wichtig, dass der Zustand der Artikel gut oder sehr gut ist. Acht Prozent wäre der Zustand sogar egal. Geburtstage (74 Prozent) und Weihnachten (59 Prozent) sind die beliebtesten Anlässe, um Second Hand zu verschenken. Weitere Anlässe sind etwa Ostern (21 Prozent) oder Muttertag (12 Prozent). Zum Valentinstag (5 Prozent) wird Gebrauchtes hingegen kaum verschenkt. Am ehesten werden gebrauchte Bücher (95 Prozent) verschenkt, gefolgt von Medienartikeln (48 Prozent), Kinderspielzeug (46 Prozent) und Gesellschaftsspielen (41 Prozent). Knapp ein Drittel (29 Prozent) würde auch Kleidung und/oder Schuhe aus zweiter Hand verschenken. Lediglich 16 Prozent schließen das Verschenken von Second Hand Produkten aus.

Second Hand ist in Frankfurt/Main am beliebtesten

Was das Second-Hand-Shopping wie auch den Verkauf angeht, so ist Frankfurt am Main die Second-Hand-Hauptstadt Deutschlands. Hier ist der An- wie auch Verkauf von Gebrauchtem am beliebtesten. Im Bundesländervergleich liegen hingegen Hamburg, Berlin und Hessen sowohl beim An- wie auch Verkauf auf den ersten drei Plätzen des Rankings. Im Städterennen ist die Hauptstadt hingegen das Schlusslicht der Top Ten.