Gründer der Woche: KoRo Drogerie GmbH - die etwas andere Drogerie

Gründer der Woche, KW 16


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Die KoRo Drogerie GmbH wurde Ende 2012 von Constantinos Calios und Robert Schyska gegründet und ist ein Online-Drogerieversand für Privathaushalte und Gewerbekunden. Über YouTube hat das Start-up zuletzt deutliches Umsatzwachstum generiert. Darüber und über das E-Commerce-Geschäftsmodell sprachen wir mit Co-Gründer Robert Schyska.

Wie sind Sie und Ihr Mitgründer auf das Thema Drogerie gekommen?

Wir haben in sehr vielen Bereichen nach Produkten recherchiert und sind zu dem Schluss gekommen, dass gerade im Drogeriebereich ein enormes Potenzial besteht. Viele Produkte werden hier sehr teuer verkauft, weshalb wir die Möglichkeit erkannt haben, durch eine optimierte Kostenstruktur günstigere Preise als die Konkurrenz zu bieten und damit das Marktpotenzial auszuschöpfen.

Was waren die wichtigsten Steps von der Gründung bis zum Online-Start?

Als erstes Stand die Auswahl der Unternehmensform auf dem Programm, bzw. die Erledigung aller notwendigen Formalien für eine Gründung. Dazu gehört neben dem Notarbesuch auch die Gewerbeanmeldung und die Errichtung eines eigenen Geschäftskontos. Als wir damit durch waren, haben wir uns an die technische Umsetzung gemacht. Nach der Marktanalyse und der Erfassung der Konkurrenten haben wir uns an die Ausgestaltung unseres Online-Shops gemacht. Bevor wir dann endgültig online gehen konnten, haben wir uns noch die notwendigen rechtlichen Vorgaben angesehen.  Als alles fertig war, konnten wir dann online gehen.

Auf Ihrer Webseite ist zu lesen: "Wir haben die Drogerie nicht neu erfunden. Wir haben einfach nur alles Überflüssige weggelassen, was Sie mitfinanzieren." Heißt, Ihr USP ist der günstigste Endpreis?

Unsere USP ist das gute Preis-Leistungs-Verhältnis. Beispielsweise enthalten unsere Trockenfrüchte keine künstlichen Zusätze und keinen zusätzlichen Zucker. Durch unsere Kostenstruktur und den Großpackungen können wir unsere Produkte entsprechend günstiger anbieten.

Was ist – abgesehen von der Preisgestaltung – das Besondere an Ihrem E-Commerce-Konzept?

Wir bieten teilweise ausgefallene Produkte an die sonst nur selten angeboten werden. Wir wurden damals inspiriert von Günter Faltins Kampagnenprinzip. Das Kampagnenprinzip zeichnet sich in erster Linie durch konsequentes Outsourcing und das verwenden von Großpackungen aus. Das Geschäftskonzept in dieser Form wird nur von wenigen Unternehmen konsequent so verwendet, trotz seiner Vorteile. Anders als bei Faltins Kampagnenprinzip bieten wir eine deutlich breitere Produktpalette an. Wir sehen uns selber als eine Art Online-Drogerie Discounter für qualitativ hochwertige Produkte.

Was finde ich in Ihrem Online-Discounter, was ich woanders eher nicht bekomme? Und inwiefern hat sich Ihr Angebot seit dem Start verändert?

Wir bieten beispielsweise viele ausgefallene Trockenfrüchte wie z.B. Kiwischeiben, Jackfrucht oder die Schisandra Beere an. Wir hatten am Anfang einen Schwerpunkt auf Wasch- und Reinigungsprodukten. Mittlerweile haben wir unseren Schwerpunkt auf haltbare und gesunde Lebensmittel verlagert, weil das Marktpotenzial in diesem Bereich mit Großpackungen deutlich größer ist.

Im letzten Jahr haben Sie ein Business-Angel-Investment verkünden können - was machen Sie mit dem Kapital?

Das Kapital wird in erster Linie für das Marketing eingesetzt. Außerdem sind weitere Optimierungen am Shop und Sortimentsausweitungen geplant. Insbesondere wollen wir neue Bereiche neben Trockenfrüchten/ Nüssen erschließen. Für uns kommen eigentlich haltbare Drogerieartikel in Frage, die am Markt überteuert angeboten werden.

Welche Marketingkanäle nutzen Sie?

Unser wichtigster Marketingkanal ist Youtube. Wir haben viele Marketingformen ausprobiert und Youtubesponsorings haben sich als Marketingform mit dem kürzesten ROI erwiesen. Außerdem betreiben wir natürlich auch Suchmaschinenoptimierung, Affiliatemarketing, Social Media Marketing, Retargeting und Adwords.

Wie haben Sie es zuletzt konkret via YouTube geschafft, Umsatzwachstum zu generieren?

Da wir Schwerpunktmäßig gesunde Lebensmittel verkaufen, war die logische Schlussfolgerung dass wir uns an bekannte Fitness- und Ernährungs-Youtuber wenden. Wir haben daraufhin mit einigen der bekanntesten Youtuber in dem Bereich wie z. B. Karl Ess zusammengearbeitet. Dadurch sind wir in einer relevanten Zielgruppe sehr schnell bekannt geworden und konnten dadurch natürlich auch unseren Umsatz massiv steigern.

Was sind Ihre nächsten unternehmerischen Pläne?

Wir planen unser Wachstum fortzusetzen und unser Produktsortiment massiv zu erweitern. Langfristig wollen wir zu Deutschlands erfolgreichsten Online Shops in den Bereichen Food und Drogerie gehören. Außerdem sind auch Expansionen in weitere Länder geplant.

Welche Tipps haben Sie für andere Gründer?

Das wichtigste ist harte Arbeit und ein unermüdlicher Wille. Als Gründer muss man risikobereit sein und Durchhaltevermögen besitzen. Außerdem halte ich es für extrem wichtig, eine Geschäftsidee mit klaren USPs zu erarbeiten. Ohne klare USPs werden die meisten Gründungen scheitern. Es ist auch sehr wichtig, kostenoptimiert zu arbeiten und persönliche Ansprüche nach hinten zu stellen. Nur so kann eine erfolgreiche Gründung ablaufen.

Hier geht es zur KoRo Drogerie

Das Interview führte Hans Luthardt

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Eine Milliarde für Zukunftstechnologien im Deep-Tech-Bereich

Der DeepTech & Climate Fonds startet sein operatives Geschäft – investiert wird in das Wachstum von Unternehmen mit Zukunftstechnologien – in den kommenden Jahren bis zu einer Milliarde Euro.

Um den Technologie-Standort und die Wagniskapitalfinanzierung in Deutschland weiter auszubauen, stellt die Bundesregierung zusätzliche Mittel bereit. Diese sollen vor allem als Wachstumskapital dienen. Das Bundesministerium für Wirtschaft und Klimaschutz und das Bundesfinanzministerium haben dafür den DeepTech & Climate Fonds (DTCF) entwickelt.

Der DTCF ist ein neuer Fonds, der ab sofort in das Wachstum von Unternehmen mit Zukunftstechnologien investiert - in den kommenden Jahren bis zu einer Milliarde Euro. Die Mittel stammen aus dem Zukunftsfonds der Bundesregierung und dem ERP-Sondervermögen.

Mit seinem Beitrag zur Finanzierung unterstützt der DTCF die Technologie-Champions der Zukunft, sich zum neuen technologiebasierten Mittelstand zu entwickeln. Dabei fokussiert sich der Fonds auf die kapitalintensive Wachstumsphase von Unternehmen in den Bereichen Deep-Tech und Climate-Tech und legt seinen Schwerpunkt auf Unternehmen mit einem validierten Geschäftsmodell.

Der Fonds investiert in Deep-Tech-Bereiche wie Industry 4.0, Robotik, Künstliche Intelligenz, Quantencomputing, Prozessautomatisierung und in Unternehmen mit einem technologiebasierten Geschäftsmodell wie zum Beispiel Digital Health, New Energy, Smart City, New Materials und ausgewählte Biotech-Bereiche. Die Vorbereitungsmaßnahmen haben im 4. Quartal 2022 begonnen. Das erste Investment steht kurz vor dem Abschluss.

Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck: „Start-ups sind ein zentraler Baustein für die langfristige Wettbewerbsfähigkeit und die klimafreundliche Transformation unserer Volkswirtschaft. Mit dem Start des DeepTech & Climate Fonds setzen wir einen wichtigen Bestandteil der von der Bundesregierung beschlossenen Start-up-Strategie um. Durch die Finanzierung neuartiger klimafreundlicher Technologien stärkt der Fonds den deutschen Innovationsstandort und trägt dazu bei, dass sich eigenständige und erfolgreiche Technologieunternehmen entwickeln können. Damit bieten wir Deep-Tech-Unternehmen eine langfristige Perspektive in Deutschland.“

Bundesfinanzminister Christian Lindner: „Neue Geschäftsmodelle sind die Voraussetzung für wirtschaftliches Wachstum und künftigen Wohlstand. Wir möchten den DeepTech & Climate Fonds als Ankerinvestor für neue deutsche Weltmarktführer aufbauen. Dafür nehmen wir 1 Milliarde Euro in die Hand. Kapital allein entscheidet aber nicht über Erfolg. Nun kommt es darauf an, aus jedem eingesetzten Euro das Beste zu machen. Eine solche Aufgabe gehört in qualifizierte Hände.“

Die Beauftragte des Bundesministeriums für Wirtschaft und Klimaschutz für die digitale Wirtschaft und Start-ups Anna Christmann: „Zukunftstechnologien sind auch ein Schlüssel für die Bewältigung der Herausforderungen der Klimakrise. Der DTCF schafft ein attraktives Finanzierungsumfeld für Unternehmen, die mit ihren Technologien zur Erneuerung der Wirtschaft in Richtung Klimaneutralität beitragen.“

UnternehmerTUM gründet CIRCULAR REPUBLIC

UnternehmerTUM, Europas größtes Zentrum für Innovation und Gründung, startet mit CIRCULAR REPUBLIC eine einzigartige Kräftebündelung im Bereich Circular Economy.

Echte Nachhaltigkeit und damit auch Klimaneutralität ist nur dann erreichbar, wenn es gelingt, den Ressourcenverbrauch massiv zu reduzieren und etablierte Prozesse neu zu denken. Diese gewaltige Herausforderung bietet sowohl Unternehmen als auch Start-ups immenses Geschäftspotenzial und vielfältige Möglichkeiten für innovative Geschäftsmodelle. Sie können entscheidend sein, wenn es darum geht, dass sich Europa langfristig unabhängiger von globalen Lieferketten macht und so resilienter wird.

Ein Schlüssel zur Lösung existenzieller Krisen

Klima- und Energiekrise, Bevölkerungswachstum, Artensterben, fragile Lieferketten und zunehmende Ressourcenknappheit: Circular Economy ist ein Schlüssel zur Lösung existenzieller Krisen. Entsprechend der Vision einer nachhaltigen und Mensch-zentrierten Zukunft für Deutschland und Europa, will UnternehmerTUM mit CIRCULAR REPUBLIC eine zentrale Plattform für die Bündelung und aktive Gestaltung solcher Ideen in München schaffen. Kreislaufwirtschaft wird dabei als ein regeneratives Wirtschaftssystem verstanden, in dem Ressourcen in Kreisläufen gehalten werden und dessen Ziel es ist, die Wertschöpfung vom Ressourcenverbrauch zu entkoppeln.

Circular Economy marktgerecht weiterentwickeln

CIRCULAR REPUBLIC unterstützt Unternehmen und Start-ups dabei, ihre Innovationen und Ideen für die Circular Economy marktgerecht weiterzuentwickeln und in konkrete Geschäftsmodelle zu überführen. Zudem vernetzt die Initiative Unternehmen und Start-ups mit relevanten Akteuren aus Wissenschaft, Wirtschaft und der Venture Capital-Branche. Hierbei kommt dem Innovations-Ökosystem von UnternehmerTUM eine entscheidende Bedeutung zu: Die Initiative bietet konkret Zugang zu neuesten Forschungserkenntnissen aus dem Bereich Circular Economy der Technischen Universität München und berät selbst zu unternehmerischen Fragen und Herausforderungen.

Eine zentrale Leistung besteht zudem darin, Unternehmen und Start-ups in sogenannten Multi-Stakeholder-Projekten direkt miteinander zu vernetzen und als gemeinsame Plattform für Wissens- und Erfahrungsaustausch zu fungieren. Idealerweise finden die erarbeiteten Projekte anschließend ihren Weg in die konkrete Anwendung. Die Initiative wurde mit dem Gründungspartner BMW AG gestartet. Zu den ersten Partnerunternehmen gehören SAP, PreZero und Tengelmann.

Interdisziplinäres Gründungstrio

Um sich dem Gebiet der Circular Economy vollumfassend widmen zu können, braucht es diverse Blickwinkel und ein Team, mit ganz unterschiedlichen Hintergründen. Zum Gründungsteam der Initiative gehören Dr. Susanne Kadner, Dr. Matthias Ballweg und Niclas Mauß. Kadner initiierte und leitete zuvor die Circular Economy Initiative Deutschland. Ballweg verantwortete vor seiner Zeit bei CIRCULAR REPUBLIC die globalen Circular Economy Aktivitäten von SYSTEMIQ und Mauß hat an der Technischen Universität München Deutschlands größten Circular Economy Forschungsverbund initiiert und aufgebaut.

Multi-Stakeholder-Ansatz

Das erste Multi-Stakeholder-Projekt wird sich mit der Textilbranche beschäftigen - einem der am wenigsten zirkulär arbeitenden Sektoren überhaupt. Start-ups bieten hier zwar schon heute zahlreiche Teillösungen – etwa Recycling-Technologien – an, doch fehlt es an einer branchenübergreifenden Lösung, die nun gemeinsam entwickelt wird.

Ein weiteres Projekt wird sich anschließend um die Kreislaufführung von Batterien drehen. Die in der Initiative erarbeiteten Erkenntnisse – beispielsweise zur Start-up-Landschaft im Bereich Circular Economy– sollen auch mit der Öffentlichkeit geteilt werden. Ein eigens initiiertes Festival findet vom 15. bis 18. November 2023 in München statt und will herausragende Akteurinnen und Akteure der Kreislaufwirtschaft zusammenbringen.

Dr. Matthias Ballweg, Mitgründer und Director von CIRCULAR REPUBLIC, sagt: „Die globalen Entwicklungen rund um das Klima, mangelnde Ressourcen oder Versorgungsengpässe, sowie die damit einhergehenden regulatorischen Konsequenzen zeigen: In den 30er Jahren dieses Jahrhunderts wird es kein erfolgreiches Geschäftsmodell mehr geben, das auf der Ausbeutung von Primärrohstoffen basiert. Die Circular Economy wird der Schlüssel zur Lösung der Klimakrise und gleichzeitig die treibende Kraft für Innovation und Wohlstand in Europa sein. Die große Anzahl an Start-ups, die sich mit dem Thema Circular Economy beschäftigen – wir haben allein in Deutschland knapp 400 davon identifiziert – ist ein weiterer Indikator dafür, dass hier die Zukunft liegt.”

Gründer*in der Woche: consalio - schafft Transparenz bei Beratungsaktivitäten

Felicia Mundhenke hat 2021 ihr Start-up consalio mit der Vision gegründet, Beraterkosten in Unternehmen und im öffentlichen Sektor transparenter zu machen. Mehr dazu im Interview mit Felicia.

Wann und wie bist du auf die Idee zu consalio gekommen?
Ich habe viele Jahre in einem großen Konzern Marketing-Kampagnen entwickelt und hier mit vielen Agenturen, Beratern und Freelancern gearbeitet. Die Idee zu consalio entstammt tatsächlich aus einem echten „Pain“, den ich in der Zusammenarbeit mit den Agenturen regelmäßig erfahren habe.

Die Herausforderung war, bei großen Projekten und einer Vielzahl an externen Dienstleistern die Kosten jederzeit im Blick zu behalten und rechtzeitig, also vor Rechnungseingang, gegensteuern zu können. Auch wenn während des Projektes alles gut lief, gab es häufig bei der Abrechnung ein böses Erwachen begleitet von unangenehmen Gesprächen und Nachverhandlungen.

Ich hätte mir ein Tool gewünscht, das mir in Echtzeit ein Status-Reporting sämtlicher Dienstleister gibt und immer wiederkehrende Fragen zu Budget, Kostenentwicklung, Abrechnungsstatus per Klick beantwortet. Auch das Thema Freigabeprozesse („Sind die Rechnungen inhaltlich in Ordnung?“) und Bewertung („Wie zufrieden waren wir bei der vorletzten Kampagne mit Agentur xy?“) waren nicht wirklich standardisiert. Jedes Mal standen wir vor denselben Fragen.

Also habe ich mich damit beschäftigt, wie man die Kommunikation zwischen dem Kunden und dem Berater transparenter und standardisierter gestalten könnte und die manuellen und zeitintensiven Reporting- und Freigabe Prozesse über Excel, E-Mails und Telefonate effizienter machen könnte.

Hier setzt consalio an: die Software liefert dem Kunden in ein Echtzeit Überblick über sämtliche Berateraktivitäten und -kosten in der Abteilung (oder dem Unternehmen) und ermöglicht eine qualitative und quantitative Analyse von projektrelevanten Kennzahlen (Kosten, Staffing, Timelines, Fortschritt etc.). Daran schließt sich die Freigabe von Leistungsnachweisen oder Proforma Rechnungen an und der gesamte Prozess wird auf einmal nachvollziehbar. Mit consalio erhalten die Unternehmen eine Entscheidungsgrundlage und zwar automatisiert und ohne Aufwand für den Kunden oder Berater.

Was waren die wichtigsten Steps von der Gründung bis zu deiner fertigen Advisor-Spend-Management-Lösung?

Im Prinzip dreht sich bei uns (wie in jedem Start-up) alles um die vier wichtigsten „Baustellen“, die alle parallel laufen und gleichzeitig voneinander abhängig sind:

1. Finanzierung

Da ich als Betriebswirtin selbst keine Software-Entwicklungskenntnisse habe, musste ich das Produkt mit externer Unterstützung bauen, was die Finanzierung von Tag 1 auf die Agenda brachte. Fundraising ist unglaublich zeitintensiv, aber notwendig, um die für die jeweilige Unternehmensphase passende Finanzierungsart und Investoren zu finden. Wir hatten das große Glück, eine unglaublich starke Gruppe an Business Angels zu gewinnen, die uns zum Teil schon unterstützen, als das Produkt nur als Prototyp vorhanden war.

2. Team

Von Investoren wird man auf die Frage, was am wichtigsten ist, immer die Antwort bekommen: „1. Team, 2. Team, 3. Team“. Nachvollziehbar, denn gerade am Anfang müssen die „PS auf die Straße gebracht werden“, um die Idee umzusetzen. Das ist keine One-Man/One-Woman-Show, dafür braucht es ein Team zu haben, idealerweise mit unterschiedlichen Profilen und Expertisen. Ich bin sehr froh, mit Seong-Min einen Mitgründer an meiner Seite zu haben, der leidenschaftlicher Entwickler ist und langjährige Erfahrung in der Führung von technischen Teams hat. Um das Produkt schnell zur Marktreife zu bringen, liegt sein Fokus neben dem Programmieren beim Aufbau des Entwickler-Teams. Mit der nächsten Finanzierungsrunde wir dann das Sales Team aufgebaut, so dass die Vertriebsorganisation und -prozesse professionalisiert werden. Ihr kennt ja sicher den Spruch: „It takes a village to raise a child.“ Das trifft auch auf ein Start-up zu.

3. Produkt

Was uns sicher geholfen hat, war ein konkretes Problem aus dem Berufsalltag zu haben, wofür wir eine Lösung bauen wollten. Um die Skalierbarkeit zu validieren, haben wir mit weit über hundert Abteilungsleitern aus unterschiedlichen Bereichen gesprochen. Wir stellten fest, dass das Problem in allen Bereichen besteht, in denen mit externen Dienstleistern gearbeitet wird, also auch Rechtsabteilungen, Steuerabteilungen, IT-Departments, M&A Boutiquen etc. Es wurde schnell klar, wie mächtig eine solche Lösung aufgrund der gewonnenen Daten werden kann und wo die Reise für consalio hingehen könnte. Die Herausforderung war, daraus die Prioritäten für die Funktionalitäten abzuleiten und diese konsistent abzuarbeiten. Oftmals waren wir selbst so begeistert von einem neuen Feature und mussten uns gegenseitig bremsen, um erstmal eine Sache fertig zu stellen, sie testen zu lassen und basierend auf dem Feedback weiterzuentwickeln.

4. Kunden

Uns war wichtig, so früh wie möglich mit „echten“ Daten zu arbeiten und das Feedback von den Kunden zu erhalten, um das Produkt zu entwickeln. Nur dann kann man auch beweisen, dass es sich um ein relevantes Problem handelt und die verschiedenen Anwendungsfälle bedient werden können. Für Investoren ist ein stetig wachsender Kundenstamm essentielles Kriterium, um in ein Start-up zu investieren. Mit den ersten Kunden im Gepäck laufen die Gespräche mit Investoren und potenziellen Neukunden um einiges leichter. Vielleicht aber auch deshalb, weil man selbst an Selbstvertrauen gewinnt und einen besseres Verständnis für die Anforderungen der Kunden hat.

Was ist das Besondere an consalio, wie unterscheidet sich deine Lösung von anderen?

Wir haben consalio entwickelt, um die Fachabteilungen zu unterstützen, also diejenigen, die mit den Beratern, Agenturen, Kanzleien inhaltlich tagtäglich arbeiten. Bisherige Lösungen fokussieren sich meisten auf den Einkauf oder das Controlling, sind aber für die Fachabteilungen nicht zugänglich oder nur schwer zu bedienen und liefern aufgrund der Datenquellen immer die ex-post Sicht (also idR. nach Rechnungszahlung). Durch eine Übermittlung der „work-in-progress“ Daten direkt von den Beratern und noch vor Abrechnung sind wir in der Lage, ein Echtzeit Bild abzuliefern und die Freigabe direkt in consalio abwickeln und nachhalten zu können. Auf diese Weise unterstützen wir Unternehmen dabei, die Effizienz der Beratungsleistungen zu verbessern und durch die automatisierten Prozesse Zeit zu gewinnen für das Wesentliche.

Wer sind deine Kund*innen bzw. wo kommt deine Lösung zum Einsatz?
Das Spannende ist, dass die fehlende Kostentransparenz bei Beratungsprojekten in sehr vielen Bereichen besteht: im Rechtsabteilungen, Steuerabteilungen, M&A sowie IT Abteilungen – im Prinzip überall, wo mit externen Beratern und Dienstleistern gearbeitet wird.

Unsere Kunden sind also Abteilungsleiter*innen aus den Bereichen Recht, Steuern, Marketing, IT mittelständischen und großen Unternehmen, die Budgetverantwortung haben und Transparenz über die Beratungen, Kanzleien oder Agenturen in ihren jeweiligen Abteilungen benötigen. Oftmals sind es aber auch die CFO-Offices, die einen Gesamt-Überblick über sämtliche Dienstleister im Unternehmen haben möchten. Beides können wir bedienen.

Was sind deine weiteren unternehmerischen Pläne und To-do's?

Wir haben Ende letzten Jahres das Produkt zur Marktreife gebracht und gehen nun aktiv in die Vermarktung. Das ist für uns ein spannender Punkt, denn jetzt zeigt sich, in welchen Bereichen der Nutzen von consalio am größten ist und wo wir künftig den Fokus legen werden. Interessanterweise ist das Feedback auch von der Beratungs-Seite sehr positiv, da eine vereinfachte Leistungsfreigabe dazu führt, dass die Rechnungen vom Kunden schneller bezahlt werden. Das eröffnet uns natürlich viele spannende Ansatzpunkte für Kooperationen mit Beratungen, Agenturen und Kanzleien.

Und last but not least: Was rätst du anderen Gründer*innen aus eigener Erfahrung?

Bei einer Unternehmensgründung gibt es noch keine Prozesse, man fängt bei Null an und muss alles selbst aufbauen. Und es gibt keine Budgets für Berater. Für jemanden, die wie ich aus dem Konzern kommt, war das schon eine Umstellung. Was mir dabei geholfen hat und was ich mir jeden Tag vor Augen halte ist ein Satz von Desmond Tutu: „There is only one way to eat an elephant: a bite at a time.“ Das Ziel sollte man immer vor Augen haben, aber es hilft, sich den Weg dahin in kleine Etappen zu verpacken und auch nur bis zur nächsten Etappe zu schauen. Dann wird der Rückblick umso mehr Spaß machen, wenn man sieht, was man schon alles geschafft hat.

Hier geht's zu consalio

Das Interview führte Hans Luthardt

CamperBoys sichern sich Millionenbetrag zur Expansion

Der Helvetia Venture Fund erwirbt eine Minderheitsbeteiligung an der Campervermietung CamperBoys und legt damit den Grundstein für weitere Entwicklungen.

CamperBoys entsprang 2016 nicht nur dem Freiheitsdrang der beiden Gründer Andreas Mall und Paul Pizzinini, sondern auch ihrem Wunsch, die unvergesslich individuellen Reisemomente des Vanlifes für mehr Menschen zugänglich zu machen. Aus einem Traum und einem alten Wohnmobil wuchs schnell ein vielfältiges Team voller Tatendrang und eine Flotte aus 700 Fahrzeugen, die an sechs Standorten in Deutschland mietbar sind. Mithilfe von intern entwickelten Software-Tools setzt das junge Team Maßstäbe in der digitalen Customer Journey und erleichtert seinen Kund*innen zudem mit einem persönlichen Routenservice die Reiseplanung.

“Mit der Beteiligung an CamperBoys investiert der Helvetia Venture Fund in einen bei der Kundschaft sehr beliebten Anbieter für Camper-Miete im deutschen Markt und erhält so die Chance, aus erster Hand mehr über die sich verändernden Bedürfnisse von Urlaubern und ihre Freizeitaktivitäten, die sich während der Pandemie noch stärker und schneller gewandelt haben, zu lernen”, erklärt Stefano Saeger, Principal bei Helvetia Venture Fund.

Aus Sicht des Gründer-Duos war das Investment des Helvetia Venture Fund auch auf persönlicher Ebene ein Volltreer: “Eine freundschaftliche, wertschätzende und dennoch sehr ambitionierte Unternehmenskultur ist der wesentliche Treiber für den Erfolg von CamperBoys. Mit dem Helvetia Venture Fund konnten wir einen starken Partner gewinnen, der diese Werte teilt und uns mit seinem langfristigen Horizont begleiten kann.”

Mit den neuen Mitteln will CamperBoys die Expansion in neue Städte und den Ausbau des Produktportfolios vorantreiben. Sowohl in Frankfurt als auch in Weilheim an der Teck werden bald weitere Standorte eröffnet. Zudem werden die ersten Elektrocamper in die Flotte aufgenommen: Der VW ID Buzz mit eingebauter Campingaustattung soll neue Möglichkeiten für nachhaltigeres Reisen eröffnen.

Wechseljahres-Pionier XbyX – Women in Balance schließt siebenstellige Pre-Series-A Runde ab

Das 2019 von Peggy Reichelt und Monique Leonhardt gegründete Berliner Femtech-Unternehmen XbyX – Women in Balance ist eine D2C-Plattform für Frauen ab der Lebensmitte mit wissenschaftlich fundierten, ganzheitlichen Lösungen für Wechseljahre und gesundes Altern.

Das Unternehmen gab heute den Abschluss einer siebenstelligen Pre-Series-A Finanzierungsrunde bekannt, die das dynamische Wachstum 2023 finanzieren wird. Die Runde wird von der ECONA AG, der Venture- und Private-Equity-Gesellschaft eines Berliner Family-Office übernommen. Neben dem Lead Investor ECONA ist zudem der AUXXO Female Catalyst Fund seit Anfang 2022 in XbyX investiert.

Passion für Frauengesundheit ab der Lebensmitte

Die Idee zu XbyX hatte Seriengründerin Peggy Reichelt bereits 2018: Anfang 40, konfrontiert mit ihrer beginnenden Perimenopause, war sie irritiert, dass es kaum fundierte Informationen zu den Wechseljahren gab. Sie recherchiert, sucht Lösungen, testet selbst und gründet anschließend XbyX mit der Vision, die weibliche Gesundheit ab 40 ins Spotlight zu rücken und die Wechseljahre aus der Tabu-Ecke zu holen.

Die Gründerinnen konnten sich durch ihre Passion für Frauengesundheit ab der Lebensmitte und unterstützt von einem erfahrenen medizinischen Beirat in kürzester Zeit als Pionier im Tabubereich Wechseljahre positionieren. Sie bauten einen loyalen Kundeninnenstamm von über 50.000 Frauen auf und konnten nach eigenen Angaben ihren Umsatz im Geschäftsjahr 2022 mehr als verdoppeln. Neben einem stetig wachsenden Portfolio wissenschaftlich formulierter, pflanzlicher Nahrungsergänzungen, bietet XbyX drei umfangreiche Video-Education-Programme zu Hormonwissen, Kraftsport und Abnehmen ab der Lebensmitte an.

“Mit XbyX verstehen wir uns als beste Freundin unserer Kundinnen, als Wissensvermittlerinnen und Ort des Verständnisses. Wir setzen da an, wo im Gesundheitssektor Zeit oder auch Expertise fehlen und geben unseren Frauen das Wissen an die Hand, um autark die für sie individuell richtigen Entscheidungen treffen zu können”, so Monique Leonhardt.

“Anfangs kam oft die Frage, warum wir uns auf diese „kleine“ Nische konzentrieren”, so Peggy Reichelt. “Das zeigt, wie wenig Wissen hier existiert. Denn die Wechseljahre sind eine Lebensphase, die sich über Jahrzehnte zieht und deren Implikationen Frauen über den gesamten Alterungsprozess hinweg begleiten. Und sie betreffen jede Frau – und damit die Hälfte der Menschheit.”

Wechseljahre sind weit mehr als Hitzewallungen und das Ende der Periode

Die Wechseljahre sind schließlich weit mehr als Hitzewallungen und das Ende der Periode: Sie sind eine besonders wichtige Zeit, in der Frauen entscheidende Weichen für ihre Gesundheit im Alter stellen. Genau hier setzt XbyX an und bekommt nun durch die Finanzierung wertvolle Unterstützung. Peggy Reichelt: “Wir sind sehr glücklich über unsere Investorenrunde, die uns nicht nur finanziell den notwendigen Rückenwind gibt, sondern auch unsere langfristige Vision zu 100 % trägt. Die Wechseljahre und die Frauengesundheit ab der Lebensmitte bekommen so endlich die Aufmerksamkeit und die moderne Wahrnehmung, die sie verdienen.”

Mit dem Investment plant das Berliner Start-up seine Vision einer Pro-Age-Gesellschaft weiter zu verwirklichen. Die Mittel werden in die Team-Erweiterung, die Entwicklung neuer Produkte und Angebote sowie die Erschließung neuer Märkte und Kanäle fließen und so das weitere dynamische Wachstum finanzieren.

Deutscher Innovationsgipfel 2023: Große Deals für Start-ups

Jetzt noch bewerben für den Deutschen Innovationsgipfel (DIG2023) am 10. Mai 2023 in München.

Neben großen, innovativen Unternehmen und Partnern des DIG2023 wie AUDI, BOSCH oder die Deutsche Telekom bietet der Deutsche Innovationsgipfel (#16DIG2023) auch Start-ups wieder die Chance, neue Kund*innen, hochwertige Kontakte und große Deals auf dem crossindustriellen Entscheidertreffen am 10. Mai in München einzufädeln.

Die hochkarätige Vernetzung der Gründer*innen findet bereits am Vorabend des DIG statt, einer Plattform, auf der Vordenker, Wegbereiter und andere kreative Köpfe ihr Wissen, ihre Erfahrungen teilen, gemeinsam neue Geschäftsmodelle entwickeln. Auf Einladung des Innovation Network, mit seinen mehr als 4.500 Unternehmen Veranstalter des Deutschen Innovationsgipfel, treffen sich Partner*innen und Gründer*innen bereits zum Auftakt in exklusiver Runde. Dabei positioniert das Innovation Network die Jungunternehmer*innen so, dass deren Geschäftsmodelle zu den Geschäftsführern und Vorständen namhafter Unternehmen im Umfeld passen.

StartUP – WarmUP: Start-ups zum Frühstück

Gleich zum Auftakt des Deutschen Innovationsgipfel präsentieren sich die Gründer*innen dann im StartUP – WarmUP. Moderiert werden die Pitch-Präsentationen in lockerer Frühstücksrunde von Moritz Förster, Managing Partner bei den TechFounders, Deutschlands erfolgreicher Start-up-Rampe. So neugierig auf sich und ihr Unternehmen gemacht, haben die Start-ups direkt im Anschluss dann die Möglichkeit, sich an einem eigenen Stand auf dem Showfloor zu präsentieren und ganztägig für individuelle Gespräche zur Verfügung zu stehen.

Damit die Teilnehmer*innen des Entscheidertreffens – jede(r) zweite Besucher*in gehört der Geschäftsführung bzw. dem Vorstand eines Unternehmens an – auch möglichst schnell in intensive Gespräche kommen, hinterliegt dem „innovativsten Tag des Jahres“ ein einmaliges Konzept in sich verzahnter Bausteine.

Ob Business-Speed-Dating, InnovationWalk oder interaktive Workshops: die Start-ups können an sämtlichen Angeboten und den vielfältigen Aktivitäten des DIG teilnehmen.

Erfolgsstorys des Deutschen Innovationsgipfel

„Nach dem erfolgreichen DIG 2021 haben wir auch am DIG 2022 teilgenommen. Wieder wurden unsere Erwartungen übertroffen. Es entstanden zahlreiche Kontakte, die auch zu konkreten Projekten führten“, so Torsten Becker, Geschäftsführer carbonauten GmbH. „Die angenehme Größe mit nahezu familiärem Charakter, die exzellente Stimmung, die Vielfalt der Teilnehmer, das Rahmenprogramm suchen seinesgleichen." Mittlerweile haben sich die Erfolgsgeschichten des Deutschen Innovationsgipfel auch über die Landesgrenzen hinaus herumgesprochen.

Wie erfolgreich eine Teilnahme an der bekannten Innovationsplattform sein kann, belegen die Zitate auf der Website www.deutscher-innovationsgipfel.de oder im Kurz-Video (https://youtu.be/w0scOWseYkE) eindeutig.

Kontakt/Rückfragen für interessierte Start-ups

Dipl. Ing. Peter Becker, Innovation Network, Eckerkamp 139B, 22391 Hamburg
M. +49-170-56 47 99-1[email protected]

Digital Identity Index Deutschland 2023

Die repräsentative Studie von IDnow gibt spannende Einblicke in die Akzeptanz von digitalen (Identifizierungs-)Verfahren in Deutschland.

Basis des Index ist eine repräsentative Studie unter 2.040 Erwachsenen ab 18 Jahren in Deutschland, die von YouGov zwischen dem 6. und 8. Dezember 2022 durchgeführt wurde.

Hier die wichtigsten Ergebnisse auf einen Blick:

Laut Umfrage stören sich die allermeisten Deutschen bei analogen Vorgängen und Anträgen an den damit verbundenen langen Wartezeiten bei der Bearbeitung (59 %). Auch unflexible Termine und beschränkte Öffnungszeiten (58 %) sowie die Anfahrt zur jeweiligen Behörde, Bank oder Institution (40 %) wird als störend empfunden. Zudem stören sich 26 Prozent am Drucken von Dokumenten und 20 Prozent am Papierverbrauch. Die Adaption digitaler Methoden hinkt trotzdem noch etwas hinterher und das, obwohl der Wunsch nach mehr digitalen Diensten in der Bevölkerung vorhanden ist.

Digitale Dienste: Wunsch vs. Realität

Zwei Drittel (66 %) der Deutschen würden beispielsweise gerne mehr digitale Behördengänge nutzen. Nur neun Prozent tun das bisher allerdings. Die Hälfte der Bevölkerung (50 %) würde gern auch die Gesundheitsakte digital einsehen bzw. die Krankschreibung digital einreichen. Beides ist möglich, aktuell machen aber nur 16 Prozent der Bevölkerung davon Gebrauch.

Auffällig ist auch die Diskrepanz zwischen Vertragsabschlüssen für Banken oder Versicherungen gegenüber dem Abschluss von Miet- oder Arbeitsverträgen. Während jeweils über 60 Prozent der Befragten Vertragsabschlüsse bei Banken oder Versicherungen bereits digital nutzen bzw. es gerne tun würden, sind es bei Miet- und Arbeitsverträgen nur sechs Prozent, die diese Verträge digital abschließen; 40 Prozent möchten diese Verträge nicht digital abschließen. Dementsprechend wenig verbreitet ist die qualifizierte elektronische Unterschrift (QES), die hierfür zum Einsatz käme. Sie wurde lediglich von sechs Prozent der Deutschen bisher verwendet.

Popularität der Fernidentifizierungsverfahren

Während die QES bisher noch ein Nischendasein fristet, haben viele Deutsche bereits mehrmals ein digitales bzw. Fernidentifizierungsverfahren durchlaufen. Am weitesten verbreitet sind die Vor-Ort-Identifizierung in einer Postfiliale (40 %), das VideoIdent-Verfahren in einem Videochat mit einer Person (38 %) sowie vollautomatisierte Ident-Verfahren mit Foto/Selfie (14 %). Die eID-Funktion des deutschen Personalausweises hingegen wird auch über zehn Jahre nach deren Einführung kaum genutzt: Nur acht Prozent haben sie schon mal eingesetzt. Die privaten Lösungen werden gegenüber der staatlichen eID von den Nutzenden also klar bevorzugt. Identity Wallets, wie sie aktuell unter anderem auf EU-Ebene diskutiert werden, kommen bisher erst bei einem Prozent der Bevölkerung zum Einsatz.

Fehlendes Verständnis von eIDAS 2.0, eID und digitalen Identitäten

Über die Hälfte der Bevölkerung (52 %) hat laut Umfrage keine nähere Vorstellung was sich hinter „digitaler Identität“, „qualifizierter elektronischer Signatur“, oder „eID“, verbirgt. Schlusslicht in Sachen Verständnis der Begrifflichkeiten bilden die „EuID“ (4 %) und „eIDAS 2.0“ (2 %).

„Wenn wir bedenken, dass die eIDAS 2.0-Verordnung weitreichende Auswirkungen auf die fortschreitende Digitalisierung in unserem Alltag haben wird, ist es überraschend, dass die Diskussionen der EU bisher nicht von den Endnutzern wahrgenommen werden. Sowohl Staat als auch Privatwirtschaft müssen hier noch viel Aufklärungsarbeit leisten, damit es der EuID langfristig nicht wie der deutschen eID ergeht und sie im Bewusstsein der Nutzer verschwindet,“ kommentiert Dr. Heinrich Grave, Senior Vice President Digital Identity bei IDnow.

Identity Wallets: Vertrauen gegenüber Unternehmen aus Deutschland

Gegen die geplanten Identity Wallets – ein Kernstück der eIDAS 2.0-Verordnung – spricht aus Sicht der deutschen Bevölkerung vor allem die fehlende Sicherheit der Daten vor Identitätsmissbrauch oder Fälschungen (44 %), gezielte Hackerangriffe (43 %) und der Verlust bzw. Defekt des Smartphones (41 %). Rund jeder Dritte ist auch durch die Überwachung von Unternehmen (31 %) oder vom Staat (27 %) beunruhigt. Diese Bedenken schlagen sich in den Auswahlkriterien für eine Identity Wallet nieder: Den Deutschen ist Sicherheit (55 %) und Datenschutz (46 %) am wichtigsten. Für 36 Prozent ist die Nutzerfreundlichkeit ein zentrales Auswahlkriterium.

Für beide Kriterien, Sicherheit und Nutzerfreundlichkeit der Identity Wallet, spielt der Sitz des Unternehmens eine große Rolle. Die Bevölkerung ist skeptisch gegenüber Unternehmen außerhalb der EU. Nur vier Prozent trauen ihnen eine gleichzeitig sichere Verarbeitung ihrer Daten sowie eine nutzerfreundliche Erfahrung zu. 28 Prozent trauen Unternehmen mit Sitz in Deutschland die Balance aus Sicherheit und Nutzerfreundlichkeit zu. Weitere 26 Prozent glauben, dass rein staatliche Institutionen oder Stellen aus Deutschland diese Kriterien in einer Identity Wallet erfüllen könnten.

„Unser Digital Identity Index 2023 zeigt, dass es für die Nutzung von digitalen Diensten in Deutschland immer noch Luft nach oben gibt, insbesondere im Vergleich zum Rest der EU. Nutzer entscheiden sich aufgrund von Bedenken, oder aufgrund von Unwissenheit, noch häufig für analoge Prozesse, wo digitale Verfahren schon längst zur Verfügung ständen. In Hinblick auf die anstehenden Veränderungen, die Identity Wallets in der gesamten EU bringen werden, ist es deshalb so ungemein wichtig, Sicherheit mit Nutzerfreundlichkeit zu vereinbaren. Nur so können Politik und Wirtschaft ein zukunftsfähiges System für digitale Identitäten schaffen und deutsche Bürgerinnen und Bürger von ihren Vorteilen überzeugen“, ergänzt Heinrich Grave.

Der vollständige Digital Identity Index 2023 Deutschland steht hier als PDF-Report zum Download bereit.

Lea-Sophie Cramer: Die Entrepreneurin und Tech-Expertin wird Industry Advisor bei KKR

Lea-Sophie Cramer wird ihre unternehmerische Expertise und ihr Netzwerk einbringen und KKR sowie ausgewählte Portfoliounternehmen bei der Identifizierung und Bewertung neuer Investitions- und Wertschöpfungsmöglichkeiten unterstützen.

KKR, ein weltweit agierender Investor, hat Lea-Sophie Cramer zur Industry Advisor für das Private-Equity-Team ernannt. Damit baut KKR seine Expertise im europäischen E-Commerce- und Technologiesektor weiter aus. Zu den globalen Tech-Investitionen von KKR zählen unter anderem Investitionen in Cegid, Exact Software, Darktrace, Onestream und Box. In der DACH-Region investiert KKR seit über 20 Jahren vor Ort, vor allem durch strategische Partnerschaften mit Unternehmen wie Axel Springer, Contabo, Körbers Supply-Chain-Software-Geschäft, Scout24 Schweiz und SoftwareOne.

In ihrer Funktion wird Lea-Sophie Cramer ihre Expertise und Erfahrung als Unternehmerin einbringen, um KKR bei Investitionsmöglichkeiten zu beraten und ausgewählte Portfoliounternehmen bei internationalen Wachstumsstrategien unterstützen.

Die Unternehmerin und Investorin Lea-Sophie Cramer gehört zu den prominentesten Vertretern der Start-up-Szene in Deutschland. Nachdem sie das Asiengeschäft von Groupon leitete, gründete sie im Jahr 2013 Amorelie. Unter ihrer Führung wurde Amorelie zu einem der führenden E-Commerce-Unternehmen und digitalen Brands für das Liebesleben und trug so zum Wachstum und der Neupositionierung einer ganzen Branche bei. Amorelie wurde an ProSiebenSat.1 verkauft und Lea- Sophie Cramer gab 2019 ihre Position als CEO des Unternehmens ab.

Lea-Sophie Cramer ist als Business Angel aktiv und investiert in Venture Capital Fonds. Sie gehört zu den führenden Stimmen für moderne Führung und digitale Innovation. Im Jahr 2022 gründete sie die „10 More In“ Akademie, die ein digitales, modernes Führungsprogramm für Frauen anbietet. Cramer war Mitglied im Beirat von Amorelie und im Verwaltungsrat von Conrad Electronic. Darüber hinaus ist sie derzeit aktives Mitglied im Verwaltungsrat des Schweizer Fotoproduktunternehmens Ifolor Group.

In ihrer Rolle als Industry Advisor bei KKR wird Lea in den Verwaltungsrat des KKR- Portfoliounternehmens Wella Company einziehen, einem der weltweit führenden innovativen Beauty- Unternehmen. Als Non-Executive Board Director wird sie ihr Fachwissen bei der Entwicklung von E- Commerce-Lösungen, dem Aufbau nachhaltiger und innovativer Verbraucher- und Fachhandelsmarken und der Unterstützung des Unternehmens bei der Beschleunigung seines übergeordneten Wachstumsplans einbringen. Darüber hinaus wird Cramer ihr Wissen über den deutschsprachigen Konsumgütermarkt, einem der größten und wichtigsten Märkte für Wella Company, einbringen. Seit KKR vor zwei Jahren eine Mehrheitsbeteiligung an Wella Company übernahm, hat das Unternehmen als führender Anbieter von professionellen und Einzelhandelsprodukten für Haare, Nägel und digitale Schönheitstechnologien seinen Marktanteil weltweit erheblich gesteigert. Gleichzeitig hat Wella Company kontinuierlich in die Bereiche Nachhaltigkeit, Vielfalt, Gleichberechtigung und Inklusion investiert und diese Aspekte in den Mittelpunkt seines Handels gestellt. Das Unternehmen hat vor kurzem sein erstes ESG-Manifest veröffentlicht, in dem es seinen langfristigen Plan für Menschen, Planet und Produkte darlegt, der unter anderem die Reduzierung von CO2-Emissionen, nachhaltige Produktionsabläufe sowie Produktinnovationen für eine saubere und umweltfreundliche Zusammensetzung der Inhaltsstoffe.

Lea-Sophie Cramer: „Seit 15 Jahren widme ich mich dem Aufbau innovativer und kundenorientierter Marken in der deutschen Tech- und Start-up-Szene. KKR investiert in strategische Partnerschaften mit Gründern, Unternehmern und Managementteams und unterstützt deren Unternehmen dabei, ihr volles Potenzial zu entfalten. Deshalb freue ich mich sehr, meine Expertise für KKR und die Portfoliounternehmen einzubringen. In den Verwaltungsrat eines Unternehmens wie Wella Company mit seinen ikonischen Marken berufen zu werden ist eine großartige Chance. Die Entwicklung des Unternehmens unter CEO Annie Young-Scrivner ist beeindruckend und ich freue mich auf die Zusammenarbeit mit ihr und dem gesamten Team.“

Philipp Freise, Partner und Co-Head of European Private Equity bei KKR, kommentiert: „Wir bei KKR freuen uns sehr, Lea in unserem Team begrüßen zu dürfen. Mit ihrer beeindruckenden Erfolgsbilanz als Unternehmerin und ihrem Status als Vorbild für Gründer und Gründerinnen in ganz Europa bringt sie einen großen Erfahrungsschatz in unser Unternehmen ein. Gerade mit Blick auf den Technologiesektor, in dem wir unsere Aktivitäten global weiter ausbauen, verfügt Lea über herausragende Expertise. Sie hat wiederholt gezeigt, dass sie diverse Teams erfolgreich leiten kann und ein Talent für Innovationen hat. Auf unserer Mission, in Unternehmen zu investieren, die die digitale Transformation vorantreiben, werden wir von Leas Expertise extrem profitieren.“

GastroTech-Start-up VisioLab sichert sich 3,1 Mio Euro

Das Osnabrücker Start-up VisioLab bietet KI-basierte Self-Checkout-Lösungen für die Gastronomie und und bereitet nun den US-Markteintritt vor.

Das 2019 gegründete Osnabrücker Start-up VisioLab bietet KI-basierten Self-Checkout-Lösungen für die Gastronomie. Die Lösungen des Unternehmens sind darauf ausgelegt, den Kassiervorgang zu vereinfachen und das Kund*innenerlebnis zu verbessern, während sie gleichzeitig die Arbeitskosten für Gastronomiebetriebe reduzieren.

Das Herzstück der VisioLab-Technologie ist die visuelle Echtzeiterkennung von Gerichten, Getränken und Lebensmitteln. Die Gäste platzieren ihr Tablett einfach unter der Kamera des iPads, einmal blinzeln, und schon hat die KI alle Produkte erkannt. Anschließend die Karte zum Bezahlen auf das Terminal legen und mehr Zeit in die Pause mitnehmen.

Die aktuelle Finanzierungsrunde wurde vom High-Tech Gründerfonds (HTGF) angeführt, weitere Investoren sind das lokale Family-Office zwei.7 sowie die derzeitigen Gesellschafter NBank Capital, Axel Springer & Porsche Accelerator (APX) und Jens Ohr.

Außerdem wird VisioLab am Sodexo Live Accelerator in den USA teilnehmen, einem Programm zur Förderung des Wachstums und der Entwicklung innovativer Food-Service-Unternehmen. Der Accelerator bietet VisioLab wichtige Ressourcen, Kontakte und Unterstützung, um auch auf dem US-Markt Fuß zu fassen und sich schnell zu etablieren.

„Wir freuen uns sehr über die Unterstützung einer so starken Investorengruppe, um unsere Self-Checkout-Lösungen weiter zu skalieren. Der Sodexo Live Accelerator bietet uns die Möglichkeit, eng mit Branchenführern zusammenzuarbeiten und deren Fachwissen zu nutzen, um unser Geschäft zu erweitern und unsere Lösungen einem breiteren Publikum auf dem US-Markt zugänglich zu machen“, so Tim Niekamp, CEO von VisioLab.

Gründer*in der Woche: Business Pendel Bus - Pendeln neu gedacht

Tobias Schemmel hat einen Mobilitätsservice gegründet, der sich an Firmen mit zahlreichen motorisierten Berufspendler*innen wendet. Sein Ziel: eine Alternative zum Individualverkehr bieten, Verkehr und Emissionen reduzieren und die Pendler*innen von der „verpendelten Lebenszeit“ befreien. Mehr dazu im Interview mit Tobias.

Wann und wie bist du auf die Idee zum Business Pendel Bus gekommen?

Die Idee kam mir noch vor Corona, als es noch üblich war, dass man täglich gependelt ist – das war bei mir nicht anders. Es war damals ein heißer Sommertag und wir wollten am Abend mit Freunden im Garten grillen. Ich wollte also nach Hause, um alles vorzubereiten – aber ich stand mal wieder am Mittleren Ring im Stau. Es ging nur meterweise im Schritttempo voran. Und weil ich ja nichts Besseres zu tun hatte, habe ich mir mal die anderen „Stauteilnehmer“ so angeschaut. Dabei ist mir aufgefallen, dass nahezu in jedem Auto nur eine Person sitzt. Und das bei laufender Klimaanlage und natürlich laufendem Motor. Aus Langweile schaltete ich das Radio an und in den Nachrichten kam die Meldung: „Die Luftqualität in deutschen Städten wird immer schlechter“.

Und da kam mir dann die Erkenntnis: „Ich bin Teil des Problems. Ich mach’s ja auch nicht anders.“

Auf der ganzen Heimfahrt hat mich dann der Gedanke nicht mehr losgelassen und ich habe überlegt, woran es liegt, dass auch ich täglich mit dem Auto unterwegs bin.

Was danach kam, waren viele Gedanken über mögliche, aber irgendwie nicht wirklich in Frage kommende, Alternativen und schlussendlich die Idee einen Service zu entwickeln, wie ich ihn selbst gerne nutzen würde.

Die Summe dieser Ideen ist heute das Angebot des Business Pendel Bus.

Was waren die wichtigsten Steps von der Gründung bis zum fertigen Service?

Ich würde sagen, das Finden der richtigen Partner. Meine Vorstellungen, wie das Ganze aussehen könnte, hatte ich ja bereits im Kopf. Aber wie soll ich so eine Firma auf die Beine stellen? Wo fängt man da an? Also habe ich Gespräche geführt und meine Idee einem Bekannten erzählt, der bei einer Bus Firma in der Geschäftsführung arbeitet. Nach dem Gespräch habe ich 2 Wochen nichts mehr gehört und mir gedacht, dass es vielleicht doch keine so außergewöhnliche Idee war. Danach hat er mich angerufen und gemeint, ich soll mein Konzept mal den Firmeninhabern vorstellen.

So habe ich dann auf der einen Seite ein Busunternehmen für mein Konzept gewinnen können, die den gesamten operativen Busbetrieb abdecken können: Von der Wartung und Pflege der Fahrzeuge, über die Bereitstellung und Einplanung von professionellen Busfahrern, bis hin zum wichtigen Teil der Genehmigungen, die für die Personenbeförderung benötigt werden.

Auf der anderen Seite arbeite ich inzwischen mit einem Münchner Startup zusammen, das eine Fahrgemeinschafts-Plattform speziell für Berufspendler anbietet. In diesen Dienst kann sich der Business Pendel Bus perfekt integrieren – und wir schaffen damit eine zusätzliche Mobilitätsalternative innerhalb der Plattform.

Diese beiden Partner erlauben es mir, den Service von Anfang an hochprofessionell anbieten zu können, so dass ich mich auf die inhaltlichen Gespräche und den Verkauf meines Konzeptes fokussieren kann.

Was ist das Besondere am Business Pendel Bus, wie unterscheidet er sich von anderen Mobilitätslösungen?

Der Business Pendel Bus ist darauf ausgelegt, dass die Pendler im Bus arbeiten können. Und das nicht nur auf einem „Brettl über den Knien“ – sondern auf einem Arbeitstisch, der den Namen auch verdient hat. Über WLAN kann man sich während der Fahrt ins Firmennetz einwählen, wie man es auch aus dem HomeOffice machen würde.

Das war eines der Schlüsselmerkmale, welches mir bei meiner Gründungsidee klar geworden ist: Pendeln ist ungeheure Zeitverschwendung. Das ist ja auch der Vorteil, den viele im HomeOffice sehen – die Fahrtzeiten fallen weg. Wenn man diese „verpendelte Zeit“ in Arbeitszeit umwandeln kann, ist man früher mit der Arbeit fertig und kann seine Lebenszeit der Familie, den Freunden und / oder den Hobbies widmen.

Der Business Pendel Bus verbindet für den Pendler diesen Zeitvorteil des HomeOffice mit den Vorteilen eines Bürotags, wo man seine Kollegen persönlich trifft und damit die Zusammenarbeit und Innovationskraft im Unternehmen erhalten bleibt.

Für wen ist dein Angebot gedacht bzw. wer sind deine Kund*innen?

Der Business Pendel Bus bietet endlich eine echte Alternative zum Auto. Er richtet sich an Pendler mit „digitalen Jobs“ – also Berufen, die auch viel Arbeit am Laptop / PC beinhalten. Viele dieser Pendler haben heute keine andere Möglichkeit, als mit dem Auto zu fahren. Sei es, weil der ÖPNV keine passende Verbindung bietet (bspw. auf dem Land), oder weil der Arbeitsplatz für Fahrrad oder eBike zu weit ist. Daher konkurrieren wir auch nicht mit dem ÖPNV – diesen hochsubventionierten Preis könnten wir auch niemals erreichen.

Unsere Kunden sind allerdings die Firmen, für die diese Pendler arbeiten. Wir bieten also ein B2B2C Angebot – in unserem Fall ein: Business to Business to Commuter. Der Business Pendel Bus kann ein hervorragendes Incentive sein, wenn es um Mitarbeiterloyalität oder
Mitarbeitergewinnung geht. Auch wenn es darum geht, die Mitarbeiter wieder zu mehr Präsenz im Büro zu motivieren. Wenn durch uns mehrere Firmenwägen eingespart werden können, ist ein Business Case auch schnell erreicht.

Wie hast du den Start und damit dich selbst finanziert?

Die Finanzierung ist eigentlich kein so großes Thema gewesen, weil ich parallel einen „normalen Job“ habe, der die täglichen Brötchen bringt.

Klar habe ich hier und da auch ein wenig Geld in die Hand genommen, aber das beläuft sich auf Investitionen in wirklich kleinerem Maßstab. Bspw. habe ich mir das Logo erstellen lassen, von dem ich heute auch noch richtig überzeugt und begeistert bin. (Hätten Sie erkannt, dass das „B“ einen Sitz darstellt und der Rahmen um das „B“ dem Seitenfenster eines Mercedes-Sprinter nachempfunden ist?)

Vor der Gründung habe ich auch ein „Vorgründer-Coaching“ der IHK in Anspruch genommen. Das hat mir auch sehr geholfen, um die Themen zu strukturieren und das Ganze aus einer rein geschäftlichen Perspektive zu betrachten.

Die Hauptinvestition sind allerdings die vielen, vielen Stunden, die in das Projekt geflossen sind. Meine Frau und Bekannte haben meine Ideen und Gedanken immer wieder mit Fassung ertragen.

Was sind deine weiteren unternehmerischen To-do's und Pläne?

Derzeit bin ich in guten Gesprächen mit mehreren potenziellen Kunden. Die Herausforderung ist, dass der Verkaufsprozess einigermaßen komplex und vielschichtig ist.

Die Vorteile unseres Angebots überzeugen schnell – schwieriger ist dann die Bestimmung des jeweiligen Potenzials an Pendlern: Woher, wie viele, wann und wie oft? Nachdem das Thema Pendeln bisher in den meisten Fällen das „Problem“ des Mitarbeiters war, gibt es in den Firmen weder eine Stelle, an die man sich zentral wenden kann, noch gibt es ausreichend Daten, um Annahmen zu unterfüttern. Allerdings gibt es bereits Startups, die genau in diese Lücke gehen und Mobilitätsanalysen anbieten. Hier weitere Partnerschaften zu finden, die bei der Vorbereitung von Abschlüssen behilflich sein können, ist eines meiner Ziele.

Ein weiteres Ziel ist, dass ich auch über den Großraum München hinaus Kunden überzeugen möchte. Das Konzept ist deutschlandweit ausrollbar – prinzipiell überall da, wo es Firmen gibt, mit vielen Autopendlern.

Und last but not least: Was rätst du anderen Gründer*innen aus eigener Erfahrung?

Betrachte andere Gründer nicht als deine Konkurrenz. Wenn es in der Richtung deiner Idee auch andere Gründer gibt, dann frage dich, wie und warum diese dein eigenes Produkt noch besser machen können.

Am Ende ist die Lösung des Problems wichtiger als ein in den Sternen stehender Profit.

Hier geht's zum Business Pendel Bus

Das Interview führte Hans Luthardt

Start-up-Finanzierung in der Krise – drei Founder berichten

Wir haben drei Start-ups, die jüngst Finanzierungsrunden in Millionenhöhe vermelden konnten, gefragt, wie sie die aktuellen Anforderungen durch VCs wahrnehmen und was es bei der Equity-Story zu beachten gilt.

Ein wirtschaftlich schwieriges Jahr neigt sich dem Ende zu. Das betrifft natürlich auch die Start-up-Szene. Inflation, Rezessionsängste und geopolitische Konflikte stellen viele Jungunternehmer*innen vor ernsthafte Finanzierungsschwierigkeiten. Vor allem die gestiegenen Kapitalkosten haben zur Folge, dass Start-ups nicht mehr so hohe Bewertungen erreichen und schwieriger an Kapital kommen.

Aber auch der Blick auf den US-Venture-Capital-Markt, wo die Zinsen bereits Anfang des Jahres erhöht wurden, veranlasste europäische Wachstumsunternehmen zu massiven Einsparungen, mitunter durch Massenentlassungen. Trotz dieser Entwicklung bleiben erfolgreiche Investment-Meldungen in diesen Tagen nicht aus.

Wir haben drei Start-ups, die jüngst Finanzierungsrunden in Millionenhöhe verkünden konnten, gefragt, wie sie die derzeitigen Anforderungen durch VCs wahrnehmen und was es bei der Equity-Story heutzutage zu beachten gilt.

Orderlion

Das 2018 gegründete Start-up operiert in der Lebensmittelindustrie – der größten Branche der Welt. Orderlion hat sich zum Ziel gesetzt, ein optimiertes, digitales B2B-Shopsystem für Zulieferer in der Gastronomie zu entwickeln. Heute hat das Start-up eine Reihe an Erfolgen vorzuweisen, wie etwa die jüngste Finanzierungsrunde in Höhe von vier Millionen US-Dollar oder die Übernahme eines französischen Konkurrenten.

Mit ihrer “B2B Food Supply-Chain” wollen die Gründer Stefan Strohmer und Patrick Schubert einer angeschlagenen, aber riesigen Branche zur Seite stehen und die Gastronomie digitalisieren. „Wenn es an guten Mitarbeitern mangelt und man trotzdem noch Kosten einsparen muss, dann ist Automatisierung genau das Richtige. Am schnellsten und effizientesten automatisierst du deinen Betrieb durch Digitalisierung der Unternehmensprozesse – zum Beispiel im Bestellwesen”, erklärt CEO Strohmer den Ansatz von Orderlion.

Start-ups von VCs konservativer bewertet

Was die Finanzierung betrifft, so weiß das Orderlion-Team, dass sich die Anforderungen der VCs an Start-ups verändert haben. “Valuation“ bei Funding-Runden sei derzeit konservativer; es werde mehr Fokus auf KPIs wie „Monthly Recurring Revenue“ und deren „Month over Month Growth Rate“ gesetzt. Zudem wurde die Aggressivität der „Burn Rate“ zurückgeschraubt – für 18 statt bisher zwölf Monate „Runway“. Allgemein werden, Orderlion nach, Start-ups konservativer bewertet als bisher.

Ein weiterer bemerkenswerter Punkt, den Strohmer und Schubert ausgemacht haben, ist, dass heutzutage Profitabilität nicht mehr zwingend notwendig sei. Es stelle sich eher die Frage, wo man Kosten sparen könne, um den Runway zu verlängern.

„Spart man zu sehr in Sales und Marketing, dann ist das zu kurzfristig gedacht“, sagt Co-Founder Stefan Strohmer dazu. „Man reduziert zwar sofort einen ‚Burn‘, aber damit auch eine Wachstumsrate. Die Folge ist: Man braucht länger, um Revenue aufzubauen. Besser ist es, wenn man an anderen Stellen einsparen kann, etwa ‚Product‘ und ‚Support‘ nicht so stark ‚over hired‘ und weiterhin in Sales und Marketing investiert. Nur nicht zu extrem, wie vielleicht zu 2021er-Zeiten.“

Stabile KPIs

Für die eigenen Investor*innen hatten Vorhersagen von Orderlion mehr Glaubwürdigkeit, da ihre Sales-KPIs sehr stabil sind. Je nach Phase des Unternehmens seien jedoch auch andere KPIs wichtig. In der aktuellen, wo Kapital knapper und teurer ist, erweise sich gute Finanzplanung als noch essentieller.

Der Lebensmittelmarkt sei, trotz aller Krisen (Covid, Supply Chain Issues, Staff Shortages, Inflation, Product Shortages …), weiterhin standfest und attraktiv, da derzeit viele Unternehmen entlang der „Food Supply Chain“ erkannt haben, dass sie ihre Kostenstruktur optimieren müssen, um zu überleben.

„Wenn es an guten Mitarbeitern mangelt und man trotzdem noch Kosten einsparen muss, dann ist Automatisierung genau das richtige. Am schnellsten und effizientesten automatisiert man den eigenen Betrieb durch Digitalisierung der Unternehmensprozesse, etwa im Bestellwesen. Genau diese Expertise holen sich diese Unternehmen jetzt von Orderlion“, so Strohmer weiter.

Tipps von Orderlion

Um durch stürmische Zeiten zu navigieren und mit knappen Ressourcen hauszuhalten, rät der Founder dazu, ganz bewusst fokussiert zu arbeiten. Ein wichtiges Hauptziel zu definieren und alles andere diesem unterordnen. So würden aus zehn Projekten eines; dadurch könne man mit weniger Ressourcen mehr erreichen.

Ebenfalls sollte man seinen „Go To Market“-Prozess sowie sein Produkt durchleuchten, ob man hier verschlanken kann, sodass weniger manuelle Arbeiten anfällt (Self-Service etwa).

„Bei uns können Lieferanten ihren Bestellannahmeprozess automatisieren über eigene Bestell-Apps und darüber auch noch Zusatzverkäufe fördern, also Kosten einsparen und Umsätze steigern“, sagt er.

Ausblick/Erfolgsfaktoren nach Orderlion

  • Start-ups werden konservativer bewertet (andere Kennzahlen)
  • Es muss an den richtigen Ecken und Enden gespart werden (Marketing > Product)
  • Gute Finanzplanung ist ein A und O
  • Gute Branche
  • Start-ups unterstützen mit ihrem Produkt selbst Unternehmen bzw. eine Branche, um die Krise zu meistern (Automatisierung)
  • Start-ups helfen bei Kosteneinsparung und Umsatzsteigerung

Medudoc

Das Health-Start-up Medudoc wurde 2020 von Michael Horacek gegründet. Konkret handelt es sich um einen Anbieter für digitale Patientenaufklärung mit Teams in Wien, Berlin und Luzern. Vor kurzem gab man bekannt, dass im Sommer eine Finanzierungsrunde von über zwei Millionen erfolgreich abgeschlossen wurde.

Medudoc – kurz für „medical education and documentation“ – arbeitet als SaaS-Plattform an der Reduzierung von Unsicherheiten und Komplexitäten für Patient*innen und deren Angehörige. Denn, aktuell würden Patient*innen an unverständlichen medizinischen Informationen in Vorbereitung auf ihre OP verzweifeln. Dennoch seien sie rechtlich dazu verpflichtet, einzuwilligen, verständlich und umfangreich über ihren Eingriff und den damit verbundenen Risiken sowie Alternativen aufgeklärt worden zu sein.

Bewertung stark unter Druck

Medudoc nach haben sich die Anforderungen der VCs an Start-ups hierzulande nicht sehr stark verändert.

„Aus der Sicht der breiteren (öffentlichen) Wahrnehmung wissen wir, dass in den USA bzw. UK die, zuletzt sehr hohen, Bewertungen stark unter Druck gekommen sind“, sagt Co-Founder Michael Horacek. „In Europa waren die Amplituden, mit Ausnahmen, nicht vergleichbar mit US-Werten. Alle Teilnehmer im Markt werden jedoch nun mehr auf nachvollziehbare Zahlen achten und vielleicht kurzfristig auch mehr auf ‚Stability‘ und echte Innovation, als auf reine ‚Opportunity setzen‘.“

Für den Healthtech-Gründer gibt es je nach Industrie verschiedene Wege, eine glaubwürdige Perspektive auf Profitabilität aufzuzeigen. „Ein Strategieschwenk in Richtung schnellerer Profitabilität ist einer davon. Marktanteil, messbare Effizienzsteigerung und u.a. langfristig gesicherte ‚Revenues‘ werden auch wichtiger als reine Marktgröße“, so Horacek weiter.

In Sachen Investor*innen vertrauen sei ein Erfolgsgeheimnis, dass es sich bei Medudoc um branchennahe Kapitalgeber handle und jene den Realitätsgrad ihrer „Sales-Roadmap“ gut einschätzen könnten. Zudem bleiben Transparenz und Fakten wichtige Faktoren bei der Kapitalsuche.

Health-Bereich unter Druck

Der Markt selbst, den Medudoc bedient, wird sich in den nächsten Jahren weiterhin – trotz oder gerade wegen mancher Krisen – attraktiv zeichnen. Einer der USPs des Startups ist, die Zeitersparnis für Ärzt*innen sicherzustellen bzw. zu erhöhen.

Im aktuellen Umfeld stehen zudem die Gesundheitssysteme im DACH- und UK-Raum (vor allem in den nächsten Jahren) durch dramatische Fehlzahlen bei Mediziner*innen stark unter Druck. Ein effizienterer Umgang mit deren Kapazitäten (Zeit) sei daher existenziell notwendig.

Tipps von Medudoc

Um in schwierigen Zeiten auch mit knappen Ressourcen haushalten zu können, rät Horacek dazu, eine Crew zu haben, die von der Vision und dem eigenen Kurs überzeugt ist. „Nie den Nordstern aus den Augen verlieren“, präzisiert er. „Egal ob Sturm, Nebel oder Sonne, die Kosten muss man immer im Griff haben. Aktuell ist die Fähigkeit, auch größere Stürme durchsegeln zu können (runway) sicher hilfreich.“

Ausblick/Erfolgsfaktoren nach Medudoc

  • Kein Vergleich zur US-Krise
  • Stärker auf nachvollziehbare Zahlen achten und kurzfristig mehr auf Stabilität und echte Innovation als auf reine Opportunity setzen
  • Marktanteil, messbare Effizienzsteigerung, langfristig gesicherte ‚Revenues‘ werden wichtiger als reine Marktgröße
  • Großteil der Investor*innen kommt aus der eigenen Branche
  • Eigene Lösung leistet Beitrag zu einer gravierenden Krise
  • Kosten stets im Griff haben

Shopstory

Shopstory entwickelt eine SaaS-Lösung (Software as a Service), welche schlicht als „intelligenter Performance-Marketing-Assistent“ für Onlinehändler*innen beschrieben werden kann. Die auf künstlicher Intelligenz basierte Software möchte Onlineshops dabei helfen, ihren Umsatz, die Profitabilität sowie deren generelle Wettbewerbsfähigkeit zu erhöhen.

Für Sebastian Schwelle, Co-Founder von Shopstory, hat sich in den letzten Monaten klar gezeigt, dass die Investmentaktivität zurückgegangen ist und auch Bewertungen nicht mehr einfach so akzeptiert werden.

„Während weiterhin Wachstum gewünscht wird, ist es auch immer wichtiger zu zeigen, dass man effizient neue Kunden gewinnen kann“, sagt er. „Der sogenannte Burn Multiple ist mehr in den Vordergrund gerückt, sprich, wie viel Kapital benötige ich zusätzlich, um neuen Umsatz zu erzeugen.“

Für den Co-Founder geht es in Sachen glaubwürdiger Perspektive auf Profitabilität ganz stark darum aufzuzeigen, wie groß das Team sein muss, um in seinem Umfeld weiterhin bestehen zu können. Oder anders gesagt, um weiterzuwachsen.

Agilität und Teamstärke

„Kann man diese Größe mit den aktuellen Mitteln erreichen, kann man auch aufzeigen, dass man hier rechtzeitig den Schwenk zur Profitabilität hinbekommt“, präzisiert er. „Es zeigt sich in diesem Umfeld, dass man seine Vorteile als Startup stark ausspielen muss. Das bedeutet agil und flexibel genug zu bleiben, um auf eine laufend ändernde Marktsituation rechtzeitig zu reagieren. Es geht auch immer darum zu beweisen, dass man im Team stark genug aufgestellt ist, um schnell zu reagieren.“

Tipps von Shopstory

Sebastian Schwelle weiß, dass der E-Commerce-Markt ein bewegtes Jahr hinter sich hat und auch nächstes Jahr noch auf eine herausfordernde Zeit blicken wird.

„Mit unserem Ansatz, mit möglichst wenig Mitteln viele Performance-Aktivitäten im eigenen Haus abzubilden, sehen wir uns aber auch in Zukunft sehr gut aufgestellt“, sagt er. „Dies zeigt die weiterhin hohe Nachfrage nach unserer Software. Allgemein gesprochen, braucht es ein starkes Team und gleichzeitig das Bewusstsein, dass jeder mit anpacken muss, um in stürmischen Zeiten bestehen zu können.“

Ausblick/Erfolgsfaktoren nach Shopstory

  • Burn Multiple im Vordergrund
  • Teamstärke
  • Auf Marktsituation reagieren
  • Mit wenig Mitteln viel Performance

Family-Fintech Bling sichert sich Millionen-Invest

Bling, Europas erstes Family-Fintech, hat mit seiner Seed-Finanzierungsrunde sechs Monate nach dem Launch Millionen eingesammelt. Lead-Investor ist Peak aus Amsterdam, den Co-Lead übernimmt La Famiglia aus Berlin.

Bling wurde 2021 von Leon Stephan und Nils Feigenwinter in Berlin gegründet. Das erste Family-Fintech Europas startete als Taschengeld-App, um die Finanzkompetenz von Kindern und Jugendlichen zu stärken. Für viele von ihnen ist es die erste selbständige Bezahlerfahrung.

Seit Sommer 2022 bietet Bling eine Family-Banking-Lösung an: mit der Bling-Card und -App bezahlen Kinder und Jugendliche selbständig. Mit der App lernt zudem die ganze Familie den optimierten Umgang mit Geld.

Eine Idee, die nicht nur bei Investor*inneen gut ankommt: Wenige Monate nach dem Start nutzen – so das Start-up – bereits tausende Familien das Angebot; bereits über 10.000 Kinder und Jugendliche haben mit Bling ihre erste Bezahlerfahrung gemacht.

Neben Business Angels wie Lea-Sophie Cramer, Felix Haas (IDnow), Jakob Schreyer (Orderbird) und dem ehemaligen ING-Diba CEO Ben Tellings investieren jetzt auch die Familien-Influencerin Carmen Kroll und Prediction Capital im Zuge der Seed-Runde.

„Die abgeschlossene Finanzierungsrunde ermöglicht es, unser Angebot schneller auszubauen und zu wachsen. Unsere Produkte orientieren sich an der Entwicklung von Familien. Mit neuen Sparangeboten – schon zur Geburt – werden wir diese Strategie weiter forcieren“, sagt der 22-jährige Co-Gründer und CEO Nils Feigenwinter und ergänzt: „Über Jahrzehnte wurden Familien als Zielgruppe vernachlässigt. Das ändern wir.“

Mitgründer und CTO Leon Stephan ergänzt: „Wir sehen, dass sich das Engagement der Erstnutzer und die Anzahl der User innerhalb einer Familie von Monat zu Monat steigern. So wird unsere App auch innerhalb der Familie als Tool von Erwachsenen genutzt, das prägt unsere Tech-Strategie für die Zukunft.“

New Work: Verhandlungs-Performance im Home-Office

Eine Studie der Universitäten Hohenheim und Potsdam, von der Deutschen Gesellschaft für Verhandlungsforschung (DGVF) in Auftrag gegeben, beleuchtet die Vor- & Nachteile beim Verhandeln aus dem Home-Office.

Auch berufliche Verhandlungen werden von dem häuslichen Arbeitssetting beeinflusst, wie eine aktuelle Studie der Universitäten Hohenheim und Potsdam in Kooperation mit der Deutschen Gesellschaft für Verhandlungsforschung e.V. (DGVF) belegt. Zwar schätzen Verhandler*innen die Flexibilität und Autonomie des Home-Offices. Mit den Verhandlungen insgesamt ist ein Großteil der Befragten jedoch eher unzufrieden.

Die gute Nachricht: Mit einer besseren Vor- und Nachbereitung der Verhandlungen ließe sich das verbessern, so die Erkenntnisse des Forschungsteams unter Leitung von Prof. Dr. Markus Voeth (Hohenheim) und Prof. Dr. Uta Herbst (Potsdam).

„Der Anspruch der Arbeitnehmenden, auch aus dem Home-Office heraus gute Arbeit zu leisten, ist hoch. Dazu gehört auch, erfolgreiche Verhandlungen zu führen und die eigenen Ziele zu erreichen“, erklärt Joana Roth, Wissenschaftliche Mitarbeiterin am Lehrstuhl für Marketing & Business Development der Universität Hohenheim.

„Gleichzeitig gibt es im Home-Office einige Faktoren, die das Verhandeln schwieriger machen. Zum Beispiel der Konflikt zwischen Arbeit und Familie“, ergänzt Jacqueline Sube, Wissenschaftliche Mitarbeiterin am Lehrstuhl für Marketing der Universität Potsdam.

Mit diesen Aussagen stützen sich Roth und Sube auf ihre Umfrage mit über 400 Praktiker*innen, die aus dem Home-Office heraus verhandeln. Befragt wurden Vertreter*innen aus unterschiedlichen Branchen und Positionen. Die Online-Umfrage wurde nach zwei Jahren Pandemie im Sommer und Herbst 2022 durchgeführt.

Verhandlungsziele werden im Home-Office effizienter verfolgt …

Ein Großteil der Befragten sieht es als vorteilhaft an, den eigenen Arbeitsalltag im Home-Office flexibler gestalten zu können. Auch steigt im Home-Office laut Angaben der Befragten auch der Erfolgsanspruch an die geführten Verhandlungen. Zudem werden die aus dem Home-Office geführten Verhandlungen als effizienter wahrgenommen. So geben die Befragten beispielsweise an, sich mehr auf die wesentlichen Aspekte zu konzentrieren und die Zeitplanung in Bezug auf die Verhandlungen besser zu kontrollieren.

… allerdings fehlt der Austausch zwischen den Parteien

Gleichzeitig sinkt im Home-Office die Verbindlichkeit der Verhandelnden gegenüber dem Arbeitgeber und den Verhandlungspartnern. So fehle im Vorfeld der Verhandlungen oft der Austausch mit Vorgesetzten oder im Team, in dem Ratschläge ausgetauscht werden oder an gemeinsame Verhandlungsziele erinnert wird. Auch der informelle Austausch mit dem Verhandlungsgegenüber, der für einen gemeinsamen Verhandlungserfolg eine wichtige Rolle spielt, käme bei digitalen Verhandlungen zu kurz.

Das Fazit: Obwohl die Verhandlungsziele im Home-Office effizienter verfolgt werden, ist ein Großteil der Befragten mit der Performance eher unzufrieden und glaubt, keine besseren Verhandlungsergebnisse zu erzielen.

Bessere Verhandlungsperformance durch gute Vorbereitung und das Feiern von Erfolgen

Die Frage, wie sich Verhandlungen aus dem Home-Office erfolgreicher gestalten ließen, vertieften das Forschungsteam und der DGVF-Vorstand in einem interaktiven Workshop mit rund 80 Praktiker*innen.

Das Ergebnis: Bereits eine gute Vorbereitung könne die Zufriedenheit mit Verhandlungen positiv beeinflussen. „Tatsächlich existieren bereits eine Reihe von interaktiven Tools und Techniken, durch die sich digitale Verhandlungen besser gestaltet lassen werden. So lässt es sich bereits durch simples Screensharing leichter über die abgegebenen Angebote und Konzessionsschritte sprechen“, sagt Joana Roth. So könnten Arbeitgeber*innen die verhandelnden Mitarbeiter*innen beispielsweise durch Kompetenztrainings zur Nutzung digitaler Medien entsprechend schulen.

Organisationen könnten zudem einen Verhaltenskodex für digitale Verhandlungen festlegen. „Dadurch können Unternehmen vor allem möglichen Unsicherheiten begegnen – etwa, was passiert, wenn Zoom ausfällt oder das Kind früher aus der Schule kommt und in die Verhandlung platzt“, so Sube.

Und auch im digitalen Raum sei sozialer Austausch möglich: „Indem man Erfolge digital im Team feiert, lässt sich die Motivation der Mitarbeitenden steigern“, so Roth. Dieser motivierende Faktor könne auch im Home-Office genutzt werden, etwa indem auch digital auf einen erfolgreichen Verhandlungsabschluss angestoßen wird.