Gründer der Woche: Familyship – Co-Parenting und mehr

Gründer der Woche, KW 03


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Neben der traditionellen Familie gibt es heute die verschiedensten Modelle für das Zusammenleben von Erwachsenen und Kindern. Die Plattform Familyship ermöglicht die Kontaktaufnahme zwischen Menschen, die auf der Suche nach einer alternativen Familienform sind. Wir sprachen mit Christine Wagner, einer der beiden Gründerinnen von Familyship.


Hallo Christine, bitte sage uns zunächst, wer Ihr seid und wie es zu Familyship gekommen ist!

Familyship entstand Ende 2011. Miriam (34, Projektleiterin bei einem Digitalverband) und ich (33, Ärztin) waren damals ein lesbisches Paar mit Kinderwunsch. Wir hatten uns überlegt, dass wir für unser Kind gerne einen zukünftigen aktiven schwulen Vater hätten. Aber wir hatten keine Vorstellung davon, wo wir den finden konnten. So haben wir vergeblich im Netz gesucht, Chiffre-Anzeigen in Magazinen gelesen und eine Kinderwunschgruppe für Lesben und Schwule besucht – erfolglos. So saßen wir also eines Abends recht frustriert auf dem Sofa und dachten: Verdammt, warum gibt es denn nichts im Netz, das uns weiterhilft! Das erschien uns bis dahin unvorstellbar, wir dachten, für all unsere Probleme habe das Netz eine Lösung parat. So kamen wir also beide zeitgleich auf den Gedanken, eine Plattform wie Familyship zu gründen.


Bitte erkläre unseren Lesern kurz das Konzept Eurer Plattform. Wie funktioniert es?

Familyship ist eine Website, auf der es möglich ist, mit Menschen in Kontakt zu kommen, die auf freundschaftlicher Basis eine Familie gründen möchten. Da kann man Schlagworte nennen wie Co-Parenting oder Regenbogenfamilie oder Queer-Family oder auch Patchwork-Familie. Letztlich geht es um die Umsetzung eines alternativen Familienmodells, das zwischen den biologischen Elternteilen nicht auf Liebesbasis fußt und von Partnerschaft entkoppelt ist. Man richtet sich also ein Profil ein, kann ein Foto hochladen, gibt den Wohnort an und das Alter und überlegt sich, welche Rolle man gerne später einnehmen möchte. Beispielsweise Vater mit Onkelfunktion oder Mutter mit Tantenfunktion oder aktive Mutter oder Yes-Samenspender. Leihmutterschaft und No-Samenspenden schließen wir aus.


Beim Co-Parenting sind viele verschiedenen Rollen möglich – kannst Du sie kurz erläutern?

Co-Parenting bedeutet, dass es mindestens zwei Menschen gibt, die sich, in welchem Umfang auch immer, um das Kind kümmern wollen. Das reicht in unserem Verständnis von Bei-Bedarf-mal-zum-Kaffee-Treffen bis zum Zusammenwohnen. Die Modelle, die dahinter stehen, sind letztendlich so individuell wie die Menschen hinter den Profilen. Beispielsweise gibt es da die 39-jährige Frau, sie hat womöglich studiert und danach ein Praktikum gemacht, dann folgte der Berufseinstieg, anschließend die ersten Jahre zum Fuß-Fassen und dann scheitert plötzlich die letzte langjährige Beziehung mit ihrem Freund und sie ist plötzlich Single und hat trotzdem einen Kinderwunsch und, biologisch gesehen, tatsächlich nicht mehr allzu viel Zeit. Vielleicht sucht sich diese Frau nun einen schwulen Mann oder ein schwules Paar, weil sie nicht in emotionale Verstrickungen geraten möchte mit dem Kindsvater und gleichzeitig aber auch nicht alleine verantwortlich sein will.

Oder es gibt einen Mann, der gerne Kinder hätte, aber sich nicht als Familienmensch versteht. Dieser Mann würde sich vielleicht ein lesbisches Paar suchen, das sich wünscht, dass das Kind regelmäßig Kontakt zum Vater hat, den Lebensmittelpunkt aber bei den Frauen behält. Oder es gibt eine lesbische Single-Frau, die einen schwulen Single-Mann sucht, oder zwei Männer suchen zwei Frauen, oder eine heterosexuelle Frau sucht einen heterosexuellen Mann und wer weiß, vielleicht verlieben sie sich ja doch und wenn nicht, ist das nicht schlimm, weil im Zentrum ihres Kennenlernens der gemeinsame Kinderwunsch stand. So oder so ist viel denkbar. Zentral jedenfalls ist der Kinderwunsch.


Wie sind die Rollen unter Euren Mitgliedern quantitativ verteilt?

Es gibt bei Familyship etwa zwei Drittel weibliche und ein Drittel männliche Nutzer. Bei den Frauen überwiegt der Wunsch nach einer aktiven Mutterrolle, bei den Männer ist das ausgewogen.


Welche Menschen interessieren sich besonders für alternative Familienmodelle?

Im Großen und Ganzen zeigt sich ein ausgeprägtes Interesse von Frauen, die um die 40 Jahre alt sind, gebildet, fest im Berufsleben stehend, die mit der Liebe aber in der Vergangenheit einfach nicht viel Glück hatten und dennoch ihren Kinderwunsch mit sich tragen. Zudem finden sich viele homosexuell orientierte Menschen bei Familyship.


Für wie wichtig haltet Ihr es, dass ein Kind sowohl eine Mutter als auch einen Vater hat?

Wir halten es für wichtig, dass ein Kind in einem liebevollen und emphatischen Umfeld aufwachsen kann. Welchen Geschlechts die Bezugsperson oder Bezugspersonen sind, halten wir für nicht relevant. Das Kind sollte allerdings die Möglichkeit haben herauszufinden, von wem es biologisch abstammt. Wir betrachten das als ein Grundrecht des Kindes.


Kannst Du ein oder zwei besonders schöne Beispiele dafür nennen, dass Menschen mit Eurer Hilfe als Familie zusammengefunden haben?

So ganz viel Rückmeldung bekommen wir meist gar nicht. Es ist eher zufällig, wenn wir davon erfahren, dass irgendwo ein Kind geboren wurde, dessen Eltern sich auf Familyship kennengelernt haben. Von einem Beispiel weiß ich durch einen Beitrag bei der Deutschen Welle: In Berlin hat ein schwules Paar ein lesbisches Paar kennen gelernt. Am Stadtrand haben sie inzwischen zwei Häuser gebaut. Nebeneinander. In dem einen wohnen die Männer und in dem anderen die Frauen. Mittlerweile lebt mit ihnen ihr gemeinsamer Sohn, und ein weiteres Kind soll bald folgen. Sie teilen sich die Verantwortung und treffen sich oft auch zusammen. Im Sommer auch im eigenen Garten.


Über welche Kanäle macht Ihr auf Euch aufmerksam?

Wir arbeiten viel über Vernetzung mit Verbänden. Zudem suchen wir den Kontakt zur Presse und sind in den sozialen Netzwerken aktiv.


Hast Du grundsätzliche Tipps, die Du anderen GründerInnen mit auf den Weg geben möchtest?

Wenn Eure Idee im Fokus steht, Ihr Euch immer wieder darauf besinnt und Ihr langfristig selbst davon überzeugt seid, dann findet Ihr Euren Weg und auch andere werden Euch folgen, egal wie oft im Vorfeld von Notaren, Steuerberatern oder Freunden der Kopf geschüttelt wurde, die Idee ist wie das Olympische Feuer!

Christine, vielen Dank für das Interview, und Euch weiterhin alles Gute!


Hier geht es zu Familyship


Das Interview führte Fabian Otto

Vorschläge für diese Rubrik an [email protected]

Deutscher Startup Monitor 2022 vorgestellt

Der 10. Deutsche Startup Monitor ist veröffentlicht: Die wichtigsten Punkte auf einen Blick: Startup-Geschäftsklima kühlt ab / Mitarbeitendenzahl und Neueinstellungen stabil / Nachhaltigkeit spielt bei immer mehr Gründungen eine Rolle / Gründerinnenanteil entwickelt sich weiter positiv / Fachkräftemangel für Startups zunehmende Herausforderung / Gerade wachstumsstarke Start-ups fordern Neuregelung der Mitarbeiterbeteiligung

Unsicherheit unter Start-ups nimmt deutlich zu

Angesichts der aktuellen wirtschaftlichen und politischen Turbulenzen hat die Unsicherheit unter Start-ups deutlich zugenommen. Das Start-up-Geschäftsklima kühlt spürbar ab, ist aber im Vergleich zum Corona-Jahr 2020 deutlich positiver und auch mit Blick auf die Gesamtwirtschaft noch wesentlich optimistischer. Mit durchschnittlich 18 Beschäftigten zeigt sich das Start-up-Ökosystem insgesamt robust – 9 geplante Neueinstellungen pro Startup machen zudem deutlich, dass junge Unternehmen auch unter den aktuellen Bedingungen wachsen wollen. In diesem Kontext verschärft sich auch unter Start-ups der Fachkräftemangel das zweite Jahr in Folge enorm und geeignetes Personal zu finden ist für mittlerweile 35 Prozent der Start-ups eine zentrale Herausforderung. Als Strategie gegen den Fachkräftemangel fordern 92 Prozent der Startups mit mehr als 25 Beschäftigten vom Gesetzgeber attraktivere Regelungen für Mitarbeiterbeteiligungen. Zu diesen Ergebnissen kommt der 10. Deutsche Startup Monitor, den der Startup-Verband und PwC Deutschland in Zusammenarbeit mit der Universität Duisburg-Essen erstellen. Knapp 2.000 deutsche Start-ups haben sich an der Umfrage beteiligt.

Start-ups verbinden Nachhaltigkeit, Innovation und Wachstum

Die jüngst gestiegenen Energie- und Rohstoffkosten führen in der etablierten Wirtschaft zu enormen Herausforderungen – mit der Entwicklung innovativer Technologien sind Startups in diesem Feld essenziell: 46 Prozent wollen einen gezielten Beitrag zum Umwelt- und Ressourcenschutz leisten und begreifen sich als Teil der Green Economy. Start-ups verbinden dabei ökologische Nachhaltigkeit und Wachstum: 61 Prozent verfolgen beide Ziele als wichtigen Teil ihrer Unternehmensstrategie und bringen so die ökologische Transformation in die Breite der Wirtschaft. Auch beim Einsatz digitaler Technologien haben Startups eine Vorreiterrolle: Für 45 Prozent spielt der Einsatz künstlicher Intelligenz eine wichtige Rolle – womit diese weiter an Bedeutung gewinnt. Relevant sind zudem die Themen Industrie 4.0 (33 Prozent) und Internet of Things (31 Prozent). „Gründer*innen und ihre Startups prägen die Wirtschaft von morgen maßgeblich. Sie zeigen uns, dass wirtschaftliche Verantwortung und technologischer Fortschritt keine Widersprüche sind, sondern Hand in Hand gehen“, kommentiert Franziska Teubert, Geschäftsführerin des Startup-Verbands.

Diversität ist Wachstumsfaktor

Auch in diesem Jahr steigt der Anteil der Gründerinnen weiter und liegt nun bei 20 Prozent. Trotz dieser positiven Entwicklung ist der Wert nach wie vor gering. Dabei wird unter anderem das Thema Vereinbarkeit als Herausforderung sichtbar: Während unter Gründern nur 61 Prozent angeben, mit der Vereinbarkeit von Gründung und Familie zufrieden zu sein, sind es unter Gründerinnen sogar nur 51 Prozent. Auf Ebene der Beschäftigten zeigt sich eine ähnliche Lage: Hier liegt der Frauenanteil mit 37 Prozent zwar deutlich höher, aber ebenfalls noch unter dem Wert in der Erwerbsbevölkerung. Mit Blick auf den zunehmenden Fachkräftemangel werden für Startups zudem internationale Arbeitsmärkte wichtiger: Aktuell stammen 28 Prozent der Beschäftigten in deutschen Startups aus dem Ausland. „Diversität ist ein echter Wachstumsfaktor, dessen Potenzial wir nur mit vollem Effekt heben können, wenn wir bestehende Strukturen hinterfragen. Wenn wir Barrieren abbauen und Diversity fest in Unternehmensstrategien verankern, dann steigern wir nicht nur den Anteil der Gründerinnen, sondern generieren positiven Impact für das gesamte Startup-Ökosystem“, so Florian Nöll, Partner PwC Deutschland.

Kapitalbedarf weiter hoch – staatliche Fördermittel in Frühphase wichtig

Gute Finanzierungsbedingungen sind für das Start-up-Wachstum entscheidend: 68 Prozent der Befragten haben in den kommenden zwölf Monaten externen Kapitalbedarf – im Schnitt liegt dieser bei 3,1 Millionen Euro. Nach staatlichen Fördermitteln, die vor allem in der Frühphase relevant sind, bevorzugen die Gründer*innen dabei eine Finanzierung durch Business Angels (46 Prozent), Venture Capital (44 Prozent) und Strategische Investoren (43 Prozent) – noch besteht aber gerade bei Venture Capital eine deutliche Lücke zu den realisierten Investitionen (19 Prozent). Investor*innen liefern auch über das Kapital hinaus Mehrwerte: Ihre Erfahrungen in der Zusammenarbeit mit Venture Capital-Investor:innen (77 Prozent) und Business Angel (82 Prozent) bewertet die große Mehrheit der Gründer:innen positiv. Gerade in Start-up-Hotspots nehmen gründungserfahrene Business Angel eine wichtige Rolle ein: Schon heute sind 14 Prozent der befragten Gründer*innen selbst als Business Angel aktiv – Seriengründer*innen sogar noch häufiger. „Die Bedeutung des Start-up-Ökosystems für den deutschen Arbeitsmarkt nimmt weiterhin kontinuierlich zu. Entsprechend müssen wir darauf achten, dass eine drohende Rezession auf ein möglichst robustes Ökosystem trifft. Ein Erfolgsfaktor von Ökosystemen sind gute Finanzierungsbedingungen in einem eng verbundenen Start-up- und Investmentsektor. Erfolgreiche Exits bieten die Möglichkeit, Erlöse zu reinvestieren – so landen Geld, Erfahrung und Expertise wieder im Ökosystem“, betont Prof. Dr. Tobias Kollmann, Universität Duisburg-Essen.

Zusammenarbeit mit der etablierten Wirtschaft im Fokus

Seit dem Corona-Jahr 2020 ist der Anteil der Start-ups in Kooperationsprojekten mit der etablierten Wirtschaft um knapp neun Prozentpunkte gesunken. Da diese Zusammenarbeit große Synergien schafft, etwa bei der Digitalisierung der Industrie, sollte der Negativtrend Anstoß für neue Initiativen zur Stärkung von Kooperationen sein. Dass es sich lohnt, verdeutlichen die Studienergebnisse: 75 Prozent bewerten die Zusammenarbeit mit etablierten Unternehmen positiv. Auch Investitionen von etablierten Unternehmen in Startups spielen eine wichtige Rolle – bisher haben 30 Prozent der VC-finanzierten Start-ups von Corporate Venture Capital (CVC) profitiert. Knapp die Hälfte der Startups mit VC-Präferenz äußert den Wunsch nach CVC, was zeigt, dass an der Schnittstelle zwischen Startups und etablierter Wirtschaft noch enorme Potenziale zu heben sind. „In der Zusammenarbeit können sich Startups und Corporates bei essenziellen Punkten gegenseitig ergänzen – finanzielles Backing, gewachsene Netzwerke und Strukturen treffen auf innovative Ideen, Technologien und neue Arbeitsweisen. So machen wir die Wirtschaft in der Breite fit für kommende Generationen“, kommentiert Florian Nöll, Partner PwC Deutschland.

Klarer Handlungsbedarf seitens der Politik

Den wichtigsten Hebel zur Stärkung des Gründungsstandortes Deutschland sehen 90 Prozent in der Beschleunigung und Vereinfachung von Verwaltungsprozessen – gerade im internationalen Vergleich zeigt sich, dass Deutschland aufholen muss. Potenzial sehen die Startups auch beim Thema öffentliche Vergabe: Während erst 15 Prozent staatliche Aufträge für sich gewinnen konnten, fordern 76 Prozent, die Vergabe für Startups zugänglicher zu machen. Für größere und wachstumsstärkere Start-ups mit mehr als 25 Mitarbeitenden rückt das Thema Mitarbeiterbeteiligung in der Prioritätenliste auf Platz eins: 92 Prozent fordern bessere Rahmenbedingungen, um Mitarbeiter*innen am finanziellen Erfolg des Unternehmens teilhaben zu lassen. “Mitarbeiterbeteiligungen sind für Startups entscheidend, um Top-Talente zu gewinnen. Die deutschen Regelungen sind international nicht konkurrenzfähig und müssen vereinfacht werden. Christian Lindner hat die Chance, das mit dem angekündigten Zukunftsfinanzierungsgesetz umzusetzen”, fordert Franziska Teubert, Geschäftsführerin des Startup-Verbands.

Weitere spannende Fakten aus dem Deutschen Startup Monitor 2022

  • Gründer*innen arbeiten durchschnittlich 55 Stunden in der Woche, davon 48 Stunden unter der Woche und 7 Stunden am Wochenende.
  • Auch unter Gründer*innen ist das Homeoffice beliebt: 43 Prozent ihrer Arbeitszeit verbringen sie zu Hause, das Büro liegt mit 45 Prozent nur knapp vorne.
  • In 63 Prozent der Gründer*innen-Teams kommen wirtschaftliche und technische Expertise zusammen – so profitieren sie von Beginn an vom breiteren Know-how.
  • Die RWTH Aachen, TU München und die WHU in Vallendar führen das Ranking der Top-Gründungshochschulen im Deutschen Startup Monitor an.
  • Hochschulen sind zentraler Pfeiler des Startup-Ökosystems: 74 Prozent bewerten die Nähe zu Universitäten an ihrem Standort positiv.
  • 80 Prozent ihrer Umsätze machen die Start-ups in Deutschland, Europa ist mit 12 Prozent wichtigster Auslandsmarkt, vor Nordamerika mit 5 Prozent.

Quelle: DSM 22

Mehr Infos und Details zum Deutschen Startup Monitor 2022 findest du hier

Gründer*in der Woche: Spiritory – die Trading-Plattform für edle Spirituosen

Das Münchner FinTech-Start-up Spiritory der Gründer Tilo Saurin, Jan Hofmayer und Janis Wilczura hat es sich zum Ziel gesetzt, das Traden von bzw. Investieren in Spirituosen und (Schaum-)Weine zu demokratisieren. Mehr dazu im Interview mit Co-Founder und CEO Janis.

Das Handeln mit begehrten Weinen und erlesenen Spirituosen ist meist eher elitären Kreisen vorbehalten. Was treibt euch an, dies mit Spiritory zu ändern?

Wenn wir uns anschauen welche Asset-Klassen in den vergangenen zehn Jahren die größten Renditen abgeworfen haben, dann waren das nicht etwa Aktien, Immobilien, Uhren oder Gold, sondern mit großem Abstand seltener Whisky. Das Problem dabei ist einerseits, dass kaum jemand weiß, dass seltener Whisky 582 Prozent Rendite erzielt hat und zum anderen, dass diese Rendite nur ein paar wenigen Leuten vorbehalten war, welche sich in den richtigen Kreisen befunden haben.

Wir sind davon überzeugt, dass jeder der eine Affinität zu Investments hat Zugang haben sollte - sei es nun zum Konsum dieser feinen Tropfen, aus einer Sammelleidenschaft oder aber zum klassischen Investieren in eine alternative Assetklassen mit überragender Performance.

Was waren dann die wichtigsten Schritte von der Gründung im März 2022 bis zum Launch eurer Trading-Plattform?

Wichtig war zunächst einmal loszulegen. Wir haben unsere Corporate Jobs gekündigt, um die nötige Zeit zu haben, ein gutes Produkt zu konzipieren und entwickeln. Ich bin besonders stolz darauf, dass Spiritory zu 100% In-House programmiert wurde. Natürlich waren sowohl der Launch und die ersten Transaktionen besondere Meilensteine. Grundsätzlich kann man festhalten, dass es bisher eine unfassbar spannende und lehrreiche Zeit war, aus der wir viel mitgenommen haben. Und ich bin davon überzeugt, dass dies so bleiben wird.

Wie habt ihr diese Startphase finanziert?

Bis heute haben wir uns eigenfinanziert und nutzen hierfür Rücklagen. Ich selbst habe beispielsweise einen Großteil meines Aktienportfolios aufgelöst, um für Spiritory All-In zu gehen.

Nun zu Spiritory. Was genau bietet ihr mit eurer Trading-Plattform und auf welche Weise schafft ihr es, das Traden und Investieren von Spirituosen- und Wein zu demokratisieren?

Unser Ziel ist es, eine innovative, transparente und einfach zu nutzende Plattform zu entwickeln, welche es Nutzer*innen aus der ganzen Welt ermöglicht, auf eine clevere und sichere Art und Weise begehrte Spirituosen, wie zum Beispiel Whisky und Weine zu traden. Im Mittelpunkt steht dabei unser einzigartiges Börsenmodell, welches sowohl Käufer*- als auch Verkäufer*innen die Möglichkeit gibt, Daten wie Marktwerte oder Wertzuwächse zur Lieblingsflasche zu erhalten und darauf basierend einen „Wunschpreis“ für das entsprechende Produkt zu hinterlegt. Ähnlich wie an der Börse kommt es nämlich erst dann zu einer Transaktion, wenn sich ein Käufer*in und Verkäufer*in gefunden haben, die bereit sind, zum gleichen Preis zu Kaufen bzw. zu Verkaufen. Dabei ist es irrelevant, wer von beiden als erstes ein Angebot abgibt. Auf diese Weise verändern wir nachhaltig den Handel von begehrten Spirituosen und Weinen. Wir haben uns dabei von revolutionären Geschäftsmodellen aus anderen Branchen inspirieren lassen, wie beispielweise Trade Republic in Bezug auf das Handeln von Aktien oder StockX, die das Kaufen und Verkaufen von seltenen Sneakern vereinfachen.

Darüber hinaus bieten wir unseren Nutzer*innen noch weitere Funktionen wie unser Portfolio. Nutzer*innen können mit wenigen Klicks ihre private Sammlung hinzufügen und erhalten von uns einen vollumfänglichen digitalen Überblick zur Performance den eigenen Flaschen inklusive Marktwerte oder Renditen. Wir schaffen so Transparenz und ermöglichen einer breiteren Masse den einfachen Einstieg in Spirituosen-Investments.

momox Second Hand Report 2022

Die repräsentative Studie belegt: In Zeiten von steigender Inflation gewinnen Second-Hand-Artikel weiterhin stark an Attraktivität.

So kaufen zwei Drittel (66 Prozent) der Second Hand Shopper*innen in Deutschland mindestens einmal im Jahr gebrauchte Bücher und/oder Medienartikel. Im Vergleich zum Vorjahr ist dies ein Anstieg um 18 Prozent. Auch der Trend beim Verkauf von Gebrauchtem ist weiter gestiegen: So hat jede(r) zweite Deutsche (48 Prozent) schon einmal gebrauchte Bücher und/oder Medienartikel zum Verkauf angeboten. 2021 waren es noch 39 Prozent.

Dies zeigt der aktuelle momox Second Hand Report 2022 für Bücher und Medien und gewährt einen detaillierten Einblick in den deutschen Gebrauchtwarenmarkt. Für den repräsentativen Report hat das Marktforschungsinstitut Kantar eine Umfrage im Auftrag von momox durchgeführt. Zudem wurden Kund*innen der momox Plattformen momox und medimops befragt. Insgesamt nahmen 13.290 Personen an den Umfragen teil.

Second-Hand-Kauf ist selbstverständlich und ersetzt Neues

Wie der aktuelle Report zeigt, gehört der Kauf von Second Hand in Deutschland mittlerweile zur Selbstverständlichkeit: Für jede(n) Zweite(n) (59 Prozent) ist das Second-Hand-Shopping selbstverständlich oder sehr selbstverständlich geworden. Dabei geben 73 Prozent der Befragten an, dass der Kauf von Second-Hand-Artikeln den Kauf eines neuen Buchs und/oder Medienartikels ersetzt hat. Weitere 66 Prozent geben an, dass sie weniger Geld für Bücher und/oder Medienartikel ausgegeben haben, weil sie gebrauchte Artikel gekauft haben. Ebenfalls 66 Prozent sagen, dass sie insgesamt mehr Bücher und/oder Medienartikel gekauft haben, da Second Hand im Vergleich zu Neuware günstiger ist. Für lediglich 9 Prozent hat der Kauf von Second Hand den Kauf eines neuen Buches und/oder Medienartikels nicht ersetzt.

Nachhaltigkeit ist eines der Hauptmotive für Second Hand

Wenn es um die Gründe für den Kauf von Second Hand geht, so gibt die Mehrheit (91 Prozent) an, dass für sie die niedrigen Preise am wichtigsten sind. 45 Prozent der Befragten geben an, dass die Artikel günstiger als Neuware sein müssen, die Höhe der Ersparnis ist an sich aber egal. Für 52 Prozent muss die Ersparnis hingegen so groß wie möglich sein. Als zweitwichtigsten Grund für den Kauf von Second-Hand-Büchern und/oder Medienartikeln geben 76 Prozent Nachhaltigkeit an. 2021 haben, im Vergleich, nur 66 Prozent der Umwelt zuliebe second hand geshoppt. Bei den Hauptgründen für den Verkauf geben 88 Prozent der Befragten den Wunsch nach mehr Platz und 87 Prozent den Nachhaltigkeitsaspekt an. Knapp jede(r) Zweite (44 Prozent) möchte beim Verkauf auch etwas dazu verdienen.

Gebrauchtwarenhandel findet primär online statt

Beschleunigt durch die Pandemie hat sich der Handel mit Gebrauchtware in den letzten zwei Jahren weiter ins Internet verlagert: So geben 71 Prozent der Second-Hand-Käufer*innen an, dass sie vor allem online shoppen. 2021 waren es hingegen noch 58 Prozent. Dabei sind mit 44 Prozent Onlinemarktplätze am beliebtesten, gefolgt von Onlineshops für Gebrauchtware (27 Prozent). Nur noch etwa jede(r) Fünfte (23 Prozent) kauft gern offline auf Flohmärkten oder in Second-Hand-Länden. Noch beliebter als das Online-Second-Hand-Shopping ist der Verkauf im Internet: Mit 81 Prozent verkaufen die Deutschen Bücher und/oder Medienartikel am liebsten online. Im Vorjahr waren es noch 73 Prozent. Am häufigsten wird auf Onlinemarktplätzen (57 Prozent) oder an Ankaufsservices (24 Prozent) verkauft. Die Beliebtheit vom Verkauf auf Flohmärkten ist im Vergleich zum Vorjahr von 18 Prozent auf 10 Prozent gesunken.

Second Hand wird am liebsten zu Geburtstagen und Weihnachten verschenkt

Second Hand hat schon längst sein Schmuddel-Image verloren: 84 Prozent der Befragten geben an, dass sie gebrauchte Artikel auch verschenken würden. Dabei ist es 76 Prozent wichtig, dass der Zustand der Artikel gut oder sehr gut ist. Acht Prozent wäre der Zustand sogar egal. Geburtstage (74 Prozent) und Weihnachten (59 Prozent) sind die beliebtesten Anlässe, um Second Hand zu verschenken. Weitere Anlässe sind etwa Ostern (21 Prozent) oder Muttertag (12 Prozent). Zum Valentinstag (5 Prozent) wird Gebrauchtes hingegen kaum verschenkt. Am ehesten werden gebrauchte Bücher (95 Prozent) verschenkt, gefolgt von Medienartikeln (48 Prozent), Kinderspielzeug (46 Prozent) und Gesellschaftsspielen (41 Prozent). Knapp ein Drittel (29 Prozent) würde auch Kleidung und/oder Schuhe aus zweiter Hand verschenken. Lediglich 16 Prozent schließen das Verschenken von Second Hand Produkten aus.

Second Hand ist in Frankfurt/Main am beliebtesten

Was das Second-Hand-Shopping wie auch den Verkauf angeht, so ist Frankfurt am Main die Second-Hand-Hauptstadt Deutschlands. Hier ist der An- wie auch Verkauf von Gebrauchtem am beliebtesten. Im Bundesländervergleich liegen hingegen Hamburg, Berlin und Hessen sowohl beim An- wie auch Verkauf auf den ersten drei Plätzen des Rankings. Im Städterennen ist die Hauptstadt hingegen das Schlusslicht der Top Ten.

GBP-Monitor August 2022

Die wichtigsten Unternehmenstrends im August 22: Mehr als die Hälfte der Unternehmen erhielt Corona-Hilfen, Krisenunternehmen fordern jetzt weitere Staatshilfen.

Die Auswirkungen des Ukraine-Kriegs haben die Unternehmen in Deutschland weiterhin fest im Griff. Das zeigt der August-Bericht des German Business Panel (GBP) an der Universität Mannheim: Die Gewinnerwartungen der Unternehmen fallen im Juli auf einen neuen Tiefststand, auch die Investitionen werden weiterhin stark zurückgefahren. Forderungen nach neuen Hilfsmaßnahmen werden daher wieder lauter. Insbesondere die Corona-Krisenbranchen sind auf weitere staatliche Hilfen angewiesen. Lehren aus der Corona-Hilfe können bei der Ausgestaltung effektiver Maßnahmen unterstützen.

Seit Ausbruch des Ukraine-Kriegs nehmen die betriebswirtschaftlichen Kennzahlen der Unternehmen in Deutschland eine negative Entwicklung. Investitionen und Gewinne haben im Juli einen neuen Tiefststand erreicht. Während Unternehmen kurz vor Ausbruch des Ukraine-Kriegs noch mit steigenden Gewinnen (+3,4 Prozent) rechneten, erwarten sie im Juli einen deutlichen Gewinnrückgang (-9,8 Prozent) gegenüber dem Vorjahr. Einzig die Umsätze halten sich derzeit noch in der Wachstumszone. „Die große Differenz zwischen der Umsatz- und Gewinnveränderung zeigt, dass die betriebswirtschaftliche Situation weiterhin durch einen starken Kostendruck belastet wird – hervorgerufen nicht zuletzt durch die steigenden Energiekosten“, so Davud Rostam-Afschar, akademischer Leiter des GBP.

Corona-Krisenbranchen weiterhin auf staatliche Unterstützung angewiesen

Lauter werden damit auch die Rufe nach neuen staatlichen Unterstützungsmaßnahmen. Ein erstes Hilfsprogramm für energie-intensive Industrien wurde bereits eingeleitet. Doch können diese Maßnahmen wirklich helfen? Wie sieht ein wirksames Maßnahmenpaket aus? „Um die Ausgestaltung und Effektivität solcher und potenziell folgender Maßnahmen zu bewerten, eignet sich ein Rückblick auf die Hilfsprogramme der Corona-Krise, von denen die Überbrückungshilfe zum 15. Juni ausgelaufen ist. Welche Maßnahmen wurden gut angenommen? Wie haben die einzelnen Branchen auf die Maßnahmen reagiert?“, erklärt Jannis Bischof, Inhaber des Lehrstuhls für ABWL und Unternehmensrechnung an der Universität Mannheim.

Im aktuellen GBP-Monitor haben die Forschenden eine solche Rückschau erstellt. Darin zeigt sich: Nicht für alle Unternehmen und Branchen waren die Corona-Hilfen ausreichend. Das gilt insbesondere für Unternehmen, die von Ladenschließungen im Zuge des Teil-Lockdowns im November und Dezember 2020 betroffen waren – wie das Gastgewerbe. Zwar erhielten 98 Prozent aller Unternehmen aus dieser Branche eine der Corona-Hilfen, jedoch bewerteten sie die Staatshilfen auch überdurchschnittlich häufig als unzureichend. Auch aktuell besteht bei Unternehmen (44 Prozent) aus Corona-Krisenbranchen ein höherer und wieder steigender Bedarf an finanzieller Hilfe. „Offensichtlich reichen die eigenen Reserven nicht mehr, um die gestiegenen Energiepreise und den allgemeinen Kostendruck tragen zu können“, so Rostam-Afschar.

Unzureichende Hilfsmaßnahmen haben realwirtschaftliche Auswirkungen

„Wenn staatliche Hilfsprogramme nicht zielgenau ausgestaltet sind, hat das wiederum reale betriebswirtschaftliche Konsequenzen“, erklärt Bischof. So planen, laut GBP-Monitor, Unternehmen, die die Notwendigkeit zusätzlicher Staatshilfen bekunden, eher, Investitionen in Forschung und Entwicklung zu kürzen sowie Fixkosten zu reduzieren. Durch eine Drosselung von Investitionen und den Abbau von Arbeitsplätzen treffen Unternehmen somit vermehrt Entscheidungen zugunsten der unmittelbaren Liquiditätssicherung, aber zu Lasten ihrer Zukunft. „Dies sollte man unbedingt bei den Überlegungen zu möglichen weiteren Hilfsprogrammen im Zuge des Russland-Ukraine-Kriegs bedenken“, so Bischof weiter.

Unternehmen, die weiterer Hilfen bedürfen, sind mit der Wirtschafts- und Corona-Politik zudem deutlich unzufriedener als Unternehmen, die keine weitere Unterstützung benötigen. Demgegenüber kann eine bedarfsgerechte Gestaltung der Hilfsprogramme sogar zu gesteigerter Zufriedenheit führen: Unternehmen, die Staatshilfe erhalten haben und diese für ausreichend halten, bewerten die Wirtschafts- und Corona-Politik sogar positiver als solche, die gar keine Hilfe benötigt haben.

Weitere Informationen zum GBP-Monitor

Das German Business Panel befragt monatlich mehr als 800 Unternehmen zur Unternehmenslage in Deutschland und erhebt dabei Daten zu 1) erwarteten Umsatz-, Gewinn- und Investitionsänderungen, 2) unternehmerischen Entscheidungen, 3) der erwarteten Ausfallwahrscheinlichkeit in der Branche und 4) der Zufriedenheit mit der Wirtschafspolitik. Zudem wird jeden Monat zu besonders aktuellen Fragen berichtet. In diesem Monat haben wir den Unternehmen unter anderem die folgende Frage gestellt: Welche Belastungen erwarten Entscheidungsträger der Unternehmen im Zuge des Russland-Ukraine-Kriegs? Erwarten Sie, dass die staatlichen Mittel oder Maßnahmen ausreichen, damit Ihr Unternehmen die Corona-Krise übersteht? Wie zufrieden sind Sie mit der Wirtschaftspolitik in Deutschland?

Hier geht’s zum vollständigen GBP-Monitor

GameChanger des Monats: AMES Foundation - Biodiversität schützen

Gegründet wurde die AMES Foundation im Jahr 2020 von Dr. Marlon Braumann mit dem Ziel, das Wildleben Afrikas zu erhalten, Biodiversität zu schützen und Afrika zu einem sichereren Ort für Tiere zu machen. Unterstützt wird Marlon dabei von über 150 sogenannten AMES Guardians – zumeist erfolgreiche Unternehmer*innen, die „der Welt etwas zurückgeben möchten“. Mehr über unseren GameChanger des Monats im Interview mit Marlon.

Wir haben die AMES Foundation als GameChanger des Monats ausgewählt, weil ihr als Community aus Macher*innen, Kreativen, Unternehmer*innen, Gründer*innen, Investor*innen und CEOs ein gemeinsames Ziel verfolgt: das Aussterben Afrikas Wildlebens zu stoppen. Wann und wie bist du auf die Idee zu AMES gekommen?

Die Themen Afrika und Tierschutz begleiten mich schon mein ganzes Leben. Ich habe als Kind sehr viel Zeit im südlichen Afrika verbracht und empfinde seit meiner Kindheit große Sympathie für Tiere. Schon immer wollte ich etwas in die Richtung machen, wusste aber nie so richtig was genau. Als ich 2019 mehrere Monate im südlichen Afrika unterwegs war und dort einige Naturschutzorganisationen kennenlernen durfte, fasste ich den Entschluss, hier einen Teil meiner Zeit und Energie einzusetzen. Aus dem was vor 2,5 Jahren als Hobby begann, wurde dann recht schnell eine richtige Organisation.

Was treibt dich und deine Mitstreiter*innen im Sinne eines Gamechangers an?

Was uns antreibt ist sicherlich einerseits der Spaß, den die gemeinsame Arbeit an diesem Thema mit sich bringt, und andererseits die Dringlichkeit, mit der wir Erfolge erzielen müssen, um nicht in unserer Generation dafür verantwortlich zu sein, dass es keine Nashörner und Elefanten mehr gibt – um nur zwei Tierarten zu nennen, die sehr konkret vom Aussterben bedroht sind. Ich würde sagen, das eine ist die Motivation, das andere mehr die Notwendigkeit.

Was ist das Besondere an AMES? Inwieweit unterscheidet sich die AMES Foundation von anderen Hilfsorganisationen in Afrika?

Das Besondere ist sicherlich unser Setup als Gruppe von über 150 Unternehmerinnen und Unternehmern, die sich bei AMES engagieren. Sowohl vom Setup als auch von unserer Arbeitsweise führen wir AMES wie ein Unternehmen. Schnell, kennzahlengetrieben, kostenbewusst und mit dem Ziel Profitabilität.

Was waren die wichtigsten Meilensteine von der Gründung 2020 bis zu den ersten Projekten vor Ort?

Der erste wichtige Meilenstein war die Zusage der ersten zehn AMES Guardians. Das hat mir damals das Gefühl gegeben, hier geht was. Die nächsten Meilensteine waren das Erreichen der 100er und 150er Marke, aber vor Ort auch die Übernahme unseres ersten Reservats sowie die ersten Technologietransfers aus unserer AMES Community auf die Herausforderungen vor Ort in diesem Jahr. Wir stehen noch am Anfang, aber heute bin ich mir noch sicherer als vor 2,5 Jahren. Hier geht wirklich was.

Eine wichtige Stütze der AMES Foundation sind die Guardians. Wer sind diese und welche Rolle spielen sie bei der Verwirklichung der Projekte?

AMES Guardians sind unternehmerisch denkende Macher, die sich ihrer Verantwortung bewusst sind, die Welt durch ihr Zutun zu einem besseren Ort zu machen. Alle Guardians engagieren sich finanziell mit jährlichen spenden zwischen 80.000 EUR und 3.000 EUR, aber auch inhaltlich durch ihr Wissen, ihre Erfahrungen und ihr Netzwerk. Inzwischen stehen wir bei 150 Guardians, von denen ca. 30 bereits unser Reservat vor Ort besucht haben.

Wie macht ihr auf euch und eure Arbeit aufmerksam?

Vor allem in der Community, in der wir unterwegs sind, ist der letztlich relevanteste Kanal Word of Mouth innerhalb des Netzwerks. Fast niemand kommt zu AMES, weil sie oder er über uns gelesen hat. Vielmehr kommen die meisten Guardians aus dem innersten Vertrauensnetzwerk anderer Guardians.

Was möchtest du als unserer GameChanger des Monats der Start-up-Community mit auf den Weg geben?

Einfach loslegen und machen. Wird schon!

Hier geht's zur AMES Foundation

Das Interview führte Hans Luthardt

Gründer*in der Woche: SedaiNow – ESG-Management aus Verantwortung

Sustainability hat sich längst als (Ausschluss-)Kriterium für Geschäftspartner*innen, Kund*innen, Personal sowie potenzielle Investor*innen etabliert. SedaiNow, ein junges Team aus Investor*innen, ESG- und Technologie-Expert*innen, unterstützt Unternehmen dabei, sich ganzheitlich nachhaltig aufzustellen. Mehr dazu im Interview mit Co-Founder Christian Walter.

In welchem Maß werden hierzulande CSR- (Corporate Social Responsibility) sowie ESG (Environment, Social, Governance) -Ansätze immer noch „nur“ als Teil einer Marketingstrategie betrachtet?

Ich würde mal sagen zu 100 %, und das muss sich grundsätzlich auch nicht ändern. CSR- und ESG-Ansätze sollten allerdings nicht ausschließlich, Teil einer Marketingstrategie sein. Klar können Unternehmen 100 Seiten lange Berichte darüber schreiben, wie sie sich neben ihrem Kerngeschäft etwa in Afrika engagieren. Viel besser wäre es aber, darüber zu berichten, wie sie ihre Lieferkette angepasst haben, um die Mitarbeitenden ihrer Zuliefernden in Afrika überdurchschnittlich zu entlohnen. Wie sie Wasser und Energie einsparen, Abfall vermeiden und somit zum Wohlstand aller beitragen.

Somit geht es heute zuvorderst darum, ESG-orientierte Ziele in die gesamte Unternehmensstrategie zu integrieren. Welche Herausforderungen kommen dabei auf die Unternehmen zu? Es geht ja nicht „nur“ um die Reportings und ESG-Ausweise selbst, oder?

Das stimmt so nicht. Bei ESG geht es im ersten Schritt um Transparenz, das wird ganz gern vergessen. Wenn ich nicht weiß, was ich tue, kann ich strategisch und operativ nichts verbessern. Die gesamte Regulatorik zielt auch erst einmal auf Transparenz ab. Wir sehen gerade, wie Grundlagen geschaffen werden, damit Financial Accounting und Non-Financial Accounting die gleiche Wertigkeit erfahren. Es gibt auch keinen ESG-Ausweis. Es existieren lediglich Ratings von MSCI und ähnlichen Anbietern, die auf Basis von materiellen Risiken zeigen, welche Faktoren sich auf die Gewinn- und Verlustrechnung (P&L) eines Unternehmens auswirken.

Ein einfaches Beispiel: Ein Unternehmen nutzt russisches Gas in der Fertigung. Bis Mitte letzten Jahres haben die meisten Manager da mit den Schultern gezuckt und gesagt: „Ja, das ist sicher und stellt kein P&L-Risiko dar.“ Neun Monate später bekräftigt derselbe Manager: „Risiken? Produktionsausfall, Arbeitsplatzabbau und vielleicht sogar Konkurs. Hier muss der Staat uns helfen.“ Das Unternehmen hat sich also einem materiellen Risiko ausgesetzt – eigentlich sogar mindestens zwei: Erstenst bezieht es Gas von einem Lieferanten aus einer politisch schwer einschätzbaren Region und zweitens wird Gas in der Produktion verwendet und damit sind CO2-Emissionen verbunden. Beides hat potenziell negative Auswirkungen auf die P&L. Schaut man sich jetzt aber im Vergleich eine Fastfood- Kette an, dann sind aber die Emissionen für dieses Unternehmen nicht relevant. Schließlich haben sie keine direkten finanziellen Implikationen, auch wenn in ihrer Supply Chain durch die Fleischproduktion massiv Emissionen entstehen. Stattdessen sind zum Beispiel Hygiene und Mitarbeitendenbehandlung relevante Themen.

Warum sollten auch Gründer*innen von Anfang an auf eine ESG-konforme Business- Strategie achten?

ESG deckt die operativen, nichtfinanziellen Themen in einem Unternehmen ab, die einen negativen Einfluss auf das Wachstum haben können. Ich unterstelle mal, dass alle Start-ups wachsen möchten, deswegen geht es bei ESG einfach um gutes, nachhaltiges Wirtschaften. Nachhaltig ist dabei im Sinne der Mitarbeitenden, der Umwelt und des Profits zu verstehen.

Wann und wie bist du vor diesem Hintergrund zusammen mit deinem Mitgründer Kaspar Neftel auf die Idee zu SedaiNow gekommen?

Kaspar hat schon viele Unternehmen gegründet und ist in den letzten Jahren insbesondere durch strengere Procurement-Anforderungen von Konzernen mit dem Thema ESG konfrontiert worden. Als Mitgründer eines SDG-orientierten Impact Funds komme ich aus der Investment-Ecke. Wir bringen also beide Perspektiven mit: auf der einen Seite das operative Wirtschaften im täglichen Unternehmensbetrieb und auf der anderen Seite das ESG-analytische und stärker finanzmarktorientierte Vorgehen. In Zukunft werden viele ESG-Themen relevant für Finanzierungen, weshalb es für uns beide Sinn ergeben hat, uns dort zusammenzutun.

Was waren dann die wichtigsten Steps von der Gründung bis zum Go-live der Plattform?

Der wichtigste Schritt war sicherlich die Akquise des ersten Kunden und das damit verbundene Projekt. Nur die Arbeit mit Kund*innen liefert uns die Einblicke, die wir brauchen, um unsere Ideen zu validieren.

Was ist das Besondere an SedaiNow, was bietet ihr und wie unterscheidet ihr euch von anderen ESG-Management-Lösungen?

Unser Ansatz ist getrieben von dem Finanzmarkt sowie der Regulatorik und dementsprechend sehr flexibel. Nicht nur jede Unternehmensrealität ist anders, auch Gesetze verändern sich ständig oder werden teilweise noch geschrieben. Diese Unsicherheit im Markt haben wir zu unserer Stärke gemacht. Uns ist egal, wo die CO2-Daten herkommen, mit welchem ERP- System der Betrieb arbeitet und wohin oder in welcher Form reported werden muss. Unser System kann Daten sehr flexibel in auditierbarer Form abbilden und verarbeiten – Lieferkettenmanagement inklusive.

Wer sind eure Kund*innen?

Wir arbeiten aktuell insbesondere mit Banken, Versicherungen und Investor*innen. Zu unserem Kund*innenkreis gehören aber auch mittelständische Betriebe und Unternehmen im Immobilienbereich.

Wie macht ihr auf SedaiNow aufmerksam?

Unsere PR-Agentur Borgmeier macht, denke ich, einen guten Job, sonst würden wir ja auch nicht sprechen. Darüber hinaus gehen wir aber vor allem ganz gezielt auf Unternehmen und Partner*innen zu. Wir sind in einer Phase, in der wir das Volumen an Kund*innenanfragen noch nicht in Gänze abbilden können.

Was sind eure kommenden unternehmerischen Ziele und damit verbundenen Visionen?

Unsere Vision ist eine Wirtschaft, in der Menschen, die Umwelt und das Profitstreben im Einklang stehen. Das folgt den Triple-Bottom-Line-Prinzipien. Und das erfordert, dass finanzielle und nicht finanzielle Kriterien gleichberechtigt nebeneinanderstehen. Unser Ziel ist es, das zu ermöglichen.

Und last but not least: Was rätst du anderen Gründer*innen aus eigener Erfahrung?

Ich tue mich immer schwer mit Ratschlägen für andere Gründer*innen. Mir ist ein Ausspruch im Kopf geblieben, von dem ich nicht genau weiß, wer sein(e) Urheber*in ist, aber sinngemäß hat mir mal jemand gesagt: „Hör dir jeden Rat an, lächle höflich, denk in Ruhe darüber nach und dann mach das, was du für richtig hältst.“

Hier geht’s zu SedaiNow

Das Interview führte Hans Luthardt

1,1 Mio. Euro für Führungskräfte- und Talententwickler gyde

Lukas Heinzmann, Omar Sanchez und Dr. Andreas Bunz von gyde haben erfolgreich die erste Finanzierungsrunde ihrer Plattform für Führungskräfteentwicklung abgeschlossen.

„Die Arbeitswelt hat sich in den letzten Jahren rasend schnell verändert“, sagt Lukas Heinzmann, CEO von gyde. „Die Art und Weise, wie die meisten Unternehmen Weiterbildung gestalten, ist aber unverändert geblieben. Das ist ein riesiges Problem. Wir möchten den Unternehmen und Führungskräften eine zeitgemäße Art von Weiterbildung ermöglichen. Mit gyde bieten wir eine neue, digitale und vor allem hochwirksame Form des Lernens für Unternehmen und ihre Führungskräfte.“

Relevante und wirksame Weiterbildungsangebote sind gefragt

Das 2020 von den Stuttgartern Lukas Heinzmann und Omar Sanchez gegründete (und seit diesem Jahr durch Managementsoziologe und Führungskräftecoach Dr. Andreas Bunz im Leitungsteam verstärkte) Start-up setzt bei seinem Angebot für Führungskräfte aus mittelständischen Unternehmen und Scale-ups auf einen neuartigen Dreiklang aus fünf- bis zehnminütigen Lerneinheiten (Micro Learnings), thematischen Übungen und dem sogenannten Peer Coaching, unternehmensübergreifenden Gruppen-Coachings per Videocall. Diese Elemente werden auf einer digitalen Plattform durch Datenaustausch und weitere Features miteinander verbunden.

„Mitarbeitende und Führungskräfte erwarten heute relevante und wirksame Weiterbildungsangebote, die sie mit ihrem stressigen Alltag vereinbaren können“, führt gyde Co-Founder Omar Sanchez weiter aus. „Mit unserer digitalen Plattform, die intelligent Micro Learning, Reflexion und Gruppenaustausch verbindet, bieten wir genau das.“

Seit der Gründung haben laut gyde bereits 30 Unternehmen die Kursangebote für ihre Mitarbeitenden gebucht und über 200 Führungskräfte an den Kursen teilgenommen.

1,1 Mio. Euro fürs weitere Wachstum

Jetzt hat die digitale Plattform für Führungskräfteentwicklung ihre erste Finanzierungsrunde mit einem Funding von 1,1 Millionen Euro abgeschlossen. Mit seinem Konzept konnte gyde Investor*innen wie Benedikt Ilg (Gründer der internen Kommunikations-App Flip), Florian Buzin (Gründer & CEO des Businesskommunikationsanbieter Starface) ebenso überzeugen wie die Storytelling-Agentur Bär Tiger Wolf mit Gründer Theo Eißler und Robin Behlau (Gründer von AroundHome und valyria). Zu den neuen Investor*innen zählen auch und die Beteiligungsgesellschaften S-Kap, ES-Kapital, d.ventures und snabb Cap.

Gründer*in der Woche: saint sass - Statements in Strumpfhosen

Vivien Wysocki und Larissa Schmid sind die Gründerinnen der Berliner saint sass GmbH. Sie haben es sich zur Aufgabe gemacht, Statement Strumpfhosen zu entwickeln, die Unabhängigkeit und selbstironischen Mut von Frauen zum Ausdruck bringen. Mehr dazu im Interview mit Vivien und Larissa.

Wann und wie seid ihr auf die Idee zu saint sass gekommen?
Vivien: Es sind mehrere Dinge zusammengekommen, aber angefangen hat es mit einem Interview mit Cher, in dem sie den legendären Satz: „Mom, I am a rich man“ sagte - als Antwort auf ihre Mutter, die ihr geraten hat, sich einen reichen Mann zu angeln. Ich dachte mir: Wow, was ein cooles Statement! Genau dafür stehe ich auch. Gleichzeitig dachte ich schon viel über Strumpfhosen nach, weil die Branche so eingestaubt ist, dass die Idee kam: Warum nicht ein veraltetes Produkt aufwerten und gleichzeitig ein Statement setzen?

 

Larissa: Wir tragen beide außerdem super gerne Kleider und Röcke, weshalb wir besonders Lust darauf haben eigene Strumpfhosen zu entwickeln.

20 Mio. US-Dollar für Conversational-Commerce-Plattform Charles

Charles gibt den Abschluss einer Series-A Finanzierungsrunde in Höhe von 20 Mio. US-Dollar bekannt, um Europas führende Conversational-Commerce-as-a-Service-Plattform zu werden.

Das in Berlin ansässige Start-up wurde 2020 vom ehemaligen McKinsey E-Commerce Lead Andreas Tussing und Artjem Weissbeck, dem ehemaligen Gründer und CEO von Kapten & Son, gegründet. Charles ist ein All-in-One-Betriebssystem, das alle aus dem eCommerce bekannten Funktionen in WhatsApp und andere Chat-Apps integriert.Es ermöglicht Unternehmen einen hoch personalisierten Verkauf von Produkten, das Versenden von Newslettern und das Bearbeiten von Kund*innenanfragen via Chat mit tiefer Systemintegration.

Das Pionieren von cCommerce

Charles wurde ursprünglich als Lösung für ein Problem ins Leben gerufen, das die beiden Gründer persönlich erlebten. Im Jahr 2019 starteten Artjem und Andreas zunächst eine WhatsApp-basierte Kleidermarke. Während die Kund*innen das nahtlose und persönliche Einkaufserlebnis schätzten, konnten die beiden keine Software finden, die Service-, Verkaufs- und Newsletter-Funktionen für Chat-Apps kombinierte. Daher beschlossen sie, ihr Geschäftsmodell zu ändern und die Software zu bauen, die sie sich selbst gewünscht hatten und damit allen Marken das Pionieren von cCommerce zu ermöglichen.

Den Handel wieder persönlicher gestalten

Co-Founder Artjem Weissbeck: “Von Anfang an war es unsere Mission den Handel wieder persönlicher zu gestalten, indem wir ihn in die menschlichste unserer Gewohnheit einbinden: die Konversation. Große Messaging-Apps wie WhatsApp haben in Lateinamerika und Asien bewiesen, dass sich der Verkauf von Produkten, Marketing und Kundenservice an einem einzigen Ort vereinen lassen - etwas, das klassischer eCommerce aufgrund der Zwangsehe zwischen Webshop und E-Mail nie geschafft hat. Nun erobert Commerce Europa und es gab nie eine bessere Möglichkeit für Unternehmen ihre Kunden mit Chat Apps zu begeistern.”

cCommerce als Geheimwaffe für viele Marken

Co-Founder Andreas Tussing fügt hinzu: “In den letzten zwei Jahren haben wir mit einigen unglaublich innovativen Marken Geschichte im europäischen cCommerce geschrieben. Auf diesem Weg ist Charles zu einem ernstzunehmenden Umsatztreiber gereift, der nun auch für Enterprise-Kunden geeignet ist. Wir sehen, dass cCommerce gerade in Zeiten der Rezession zu einer Geheimwaffe für viele Marken wird, die andernfalls einen hohen, kostspieligen Aufwand betreiben müssten, um neue Kunden zu gewinnen und bestehende Kunden an Bord zu halten. Mit Salesforce Ventures haben wir den perfekten Partner gefunden, um in den kommenden Jahren unser riesiges Potenzial auszuschöpfen und wir freuen uns sehr, sie neben unseren bestehenden Investoren Accel und HV Capital begrüßen zu dürfen.”

Mit der neuen Finanzierungsrunde wird Charles sein Ziel, die führende Conversational-Commerce-Plattform für Marken und Unternehmen in ganz Europa zu werden, weiter forcieren. Angeführt wurde die Runde von Salesforce Ventures. Accel und HV Capital, die bereits die Seed-Runde des Unternehmens im Jahr 2021 anführten, beteiligen sich ebenfalls an der Finanzierungsrunde.

Fressnapf Innovation Award 2022

Start-ups aufgepasst: Die Fressnapf Gruppe sucht die besten Produkte & Services fürs Haustier und vergibt dazu den „Innovation Award“. Die Bewerbungsphase läuft bis zum 31. Juli 2022.

Die Fressnapf Gruppe – europäischer Marktführer für Heimtierbedarf – sucht die besten Innovationen im Haustiermarkt. Der ausgelobte „Fressnapf Innovation Award“ richtet sich dabei sowohl an junge Start-up-Unternehmen als auch an etablierte Unternehmen bzw. Hersteller*innen mit innovativen Produkten oder Services für Mensch und Haustier.

Bis zum 31. Juli 2022 können Unternehmen sich über eine eigens geschaltete Website bewerben.

Den Gewinner*innen winken neben der Auszeichnung Beratungs- & Medialeistungen im Wert von mehr als EUR 50.000 sowie eine Integration in das Fressnapf Ökosystem rund ums Haustier.

Die Fressnapf-Gruppe steht inmitten des bedeutendsten, größten und kostenintensivsten Transformationsprozesses der Unternehmensgeschichte – mit der Schaffung des Fressnapf Ökosystems entwickelt sich das Unternehmen vom klassischen Händler und Versorger hin zum Umsorger. Das Ökosystem soll die Fressnapf Gruppe zum bevorzugten und besten Partner für alle Heimtierhalter*innen machen und neben dem klassischem Warengeschäft insbesondere auch mit Services und Dienstleistungen auf allen Kanälen punkten.

Eine Jury, bestehend aus dem Fressnapf Top-Management und Expert*innen, wird die Bewerbungen anhand verschiedener Kriterien wie dem Innovationsgrad, Marktpotenzial und Kund*innenmehrwert bewerten und am Ende in jeder Kategorie einen Award vergeben. Die Preisverleihung ist für Oktober 2022 geplant.

Interessierte können sich bis zum 31. Juli hier online bewerben.

Wie Wien als internationaler Startup Hub von der ViennaUP langfristig profitiert

Die ViennaUP'22 ging dieses Jahr mit 10.000 Besucher*innen aus 67 Nationen über die Bühne. Im Doppelinterview sprechen Gabriele Tatzberger und Dudu Gencel von der Wirtschaftsagentur Wien, die das Startup-Festival kuratierte, über die starke internationale Ausrichtung der ViennaUP'22 und wie Wien als Startup-Hub langfristig davon profitiert.

Die ViennaUP punktete dieses Jahr nicht nur durch die starke internationale Ausrichtung, sondern auch durch die zahlreichen on-site Vernetzungsmöglichkeiten. Erstmalig konnten sich bei der mittlerweile zweiten Ausgabe des Startup-Festivals dank der gelockerten Corona-Maßnahmen die Besucher*innen auch physisch treffen. Ein Angebot, das auch von den zahlreichen internationalen Gästen genutzt wurde. Internationale Startups reisten unter anderem aus den USA, Kanada, Asien und einigen afrikanischen Ländern nach Wien. Ein besonders hoher Anteil kam aus dem CEE-Raum.

Im Doppelinterview sprechen wir mit Gabriele Tatzberger und Dudu Gencel von der Wirtschaftsagentur Wien über die langfristigen Effekte, die das Startup-Festival für den Wirtschaftsstandort Wien hat. Zudem gehen sie auf Maßnahmen ein, die neben der ViennaUP noch getroffen werden, um Wien als internationalen Startup-Hub zu positionieren.

Die ViennaUP’22 positionierte sich als internationales Startup-Festival und zählte Besucher*innen aus insgesamt 67 Nationen. Welches Feedback habt ihr vom internationalen Publikum erhalten?

Gabriele Tatzberger: Es war eine große Freude, die ViennaUP’22 „in real life“ zu veranstalten und so viele Unternehmer*innen, Gründer:innen, Investor*innen und Akteur*innen des Ökosystems in Wien begrüßen zu dürfen. Es gibt tatsächlich keinen Ersatz für das persönliche Networking. Dazu macht es immer Spaß die Vielfalt von Wien zu zeigen, vom Karlsplatz bis zu den Kaffeehäusern, vom Museumsquartier bis zur Anker Brotfabrik.

Dudu Gencel: Stimmt. Und die Resonanz ist überwältigend positiv. Laut unserer Befragung der Teilnehmenden würden knapp über 90 Prozent wieder teilnehmen und es weiterempfehlen. Für ein Festival im zweiten Jahr finden wir das ziemlich phänomenal.

Welche langfristigen Effekte erhofft sich die Wirtschaftsagentur Wien durch die starke internationale Ausrichtung der ViennaUP für den Wirtschaftsstandort Wien?

Dudu Gencel: Wien ist ein geschäftliches und kulturelles Bindeglied zwischen Ost- und Westeuropa, ein großartiger Ort zum Leben, Studieren und Arbeiten und obendrein einfach ein wunderschöner Meltingpot. Wenn unsere Teilnehmenden mit einem positiven Gefühl für die Stadt nach Hause gehen, sich über eine Gründung oder Ansiedlung in Wien Gedanken machen oder einfach die Vernetzungsmöglichkeiten schätzen gelernt haben, war dies ein großartiger Erfolg.

Gabriele Tatzberger: Wien ist in der ganzen Welt für ihre Musik, Kunst und Kultur sowie für ihre lange Geschichte und Tradition bekannt. Aber das heutige Wien ist auch ein attraktiver und hochinnovativer Wirtschaftsstandort, wie der Bereich der Life Sciences, additiven Fertigung oder Kreativwirtschaft zeigt. Außerdem wird Wien zunehmend als ein dynamisches, unterstützendes Ökosystem für Unternehmer*innen, insbesondere für Startups, anerkannt.

Welche weiteren Maßnahmen plant die Wirtschaftsagentur Wien neben der ViennaUP, um Wien als internationalen Startup-Hub zu positionieren?

Gabriele Tatzberger: Seit Jahren arbeiten wir in der Wirtschaftsagentur Wien genau dafür, dass Expats und internationale Unternehmen die Vorteile von Wien als Wirtschaftsstandort erfahren können – ob über Programme wie das Vienna Startup Package, durch internationale Förderwettbewerbe oder durch ein persönliches Kennenlernen. Da sind wir weltweit ganz schön umtriebig, auch in internationalen Startup City Netzwerken. Aber unser Ansatz geht weit darüber hinaus, denn wir helfen Firmen, ob groß oder klein, während und nach der Ansiedlung, damit Wien möglichst schnell nicht nur zum neuen Arbeitsstandort, sondern auch zum neuen Zuhause wird.

Erstmalig war bei der ViennaUP’22 auch ein physischer Austausch möglich. Unter anderem gab es die Home Base am Karlsplatz und Vernetzungszonen in vier Wiener Kaffeehäusern. Wie wurden diese Vernetzungsangebote von den Teilnehmer*innen genutzt?

Dudu Gencel: Man sagt, der größte Teil des Geschäfts ist Networking, und als Startup-Festival wollten wir natürlich sicherstellen, dass unsere Besucher*innen viel Zeit haben, um relevante Leute zu treffen. Ein großer Teil dieser Aktivitäten fand z.B. durch Matchmaking-Sessions und spezielle Networking-Events wie den Connect Day statt. Aber es ist auch wichtig, Raum für einen spontanen Austausch zu schaffen. Das war für unsere ViennaUP-Gäste an der Homebase am Karlsplatz möglich, wie auch in vier Wiener Kaffeehäusern. Denn die Wiener Kaffeehäuser als für uns älteste Co-Working-Spaces der Welt wollten wir in dieser Rolle unbedingt auch unseren ViennaUP-Gästen erlebbar machen.

Ein Schwerpunkt der ViennaUP’22 lag auf “Female Entrepreneurship”. Zudem hat Wien laut dem Startup Heatmap Report von DEEP Ecosystems im Vergleich zu anderen großen Startup-Städten in Europa einen hohen Gründerinnen-Anteil. Was sind die Gründe dafür und wie kann dies künftig noch weiter gestärkt werden?

Gabriele Tatzberger: Ein Grund ist, dass wir in der Wirtschaftsagentur Wien immer wieder die extra Meile gehen, um die Teilnahme von Frauen und von Frauen geführten Unternehmen zu forcieren. Vor fünfzehn Jahren war das noch keine Selbstverständlichkeit in Österreich, aber wir haben es hier geschafft, gemeinsam mit anderen wichtigen Akteurinnen und Akteuren.

Dudu Gencel: Wir unterstützen Gründerinnen und weibliche Führungskräfte ausdrücklich durch Coachings, Trainings und unseren „Frauen Bonus“ bei vielen Förderprogrammen. Hier gibt es einen zusätzlichen Zuschuss für Projekte und Unternehmen, die von Frauen geleitet werden.

Eine der größten Krisen unserer Zeit ist die Klimakrise. Wie hat die ViennaUP’22 dieses Thema adressiert?

Gabriele Tatzberger: Die Klimakrise ist nicht mehr gesondert zu betrachten, sondern muss als zentrales Thema, das alle strategischen und wirtschaftlichen Entscheidungen beeinflusst, gesehen werden. Unternehmen mit professionellem Risikomanagement haben längst eine Klimastrategie für sich definiert, um ihre Emissionen zu senken, neue Ansprüche der Konsument*innen zu erfüllen und ihre Geschäftsmodelle klimafit zu machen.

Dudu Gencel: Das Thema Klima und Umweltschutz war tatsächlich in fast jeder Veranstaltung zu spüren – und nicht nur, weil die Nachhaltigkeit ein Startup-Bereich ist, der gerade bei Investor*innen in die Höhe schießt. Auch traditionelle Banken, Produktionsbetriebe, Gastronomie, Crypto und Blockchain Unternehmen, die Kreativwirtschaft und natürlich smarte City Planer, einfach alle integrieren den Klimaansatz in ihrer Arbeit. Das sah man u.a. bei den Impact Days und beim Smart City Summit.

Welche Rolle spielen ClimateTech-Startups mittlerweile für den Wirtschaftsstandort Wien und gibt es von Seiten der Wirtschaftsagentur spezifische Unterstützungsmaßnahmen für Unternehmen, die Lösungen gegen die Klimakrise entwickeln?

Gabriele Tatzberger: Dieses Jahr haben wir zum ersten Mal einen internationalen Förderwettbewerb, „Zero Emission Cities“, ausgerufen, der gezielt auf Unternehmen im Climate-Bereich ausgerichtet ist. Hier wurde einen Topf von drei Million Euro zur Verfügung gestellt, um innovative urbane Lösungen für die Klimakrise anzustoßen. Da kann tatsächlich jedes Unternehmen auf der ganzen Welt mitmachen mit einer Bedingung: Diese Lösungen müssen dann in Wien auch ausgerollt werden.

Laufen bereits die Vorbereitungen für eine ViennaUP’23?

Dudu Gencel: Ohne zu viel zu verraten zu wollen, können wir wohl sagen, dass unsere Programmpartner*innen sowie all unsere Gäste sich schon auf ein ViennaUP’23 freuen können. Wir haben viel von unserer ersten physischen ViennaUP gelernt und freuen uns diese Learnings für die nächste Ausgabe umsetzen zu können, damit ViennaUP‘23 noch lässiger, diverser und bunter wird. Wir freuen uns jedenfalls schon darauf!

Hier geht’s zu ViennaUp

Dieser Beitrag erschien zuerst auf brutkasten.com

Gründer*in der Woche: Bildungsurlauber.de – Weiterbildung mit Sinn und Spaß

Per Gesetz haben 27 Millionen Beschäftigte in Deutschland Anspruch auf 5 bis 10 Tage bezahlten Extra-Urlaub pro Jahr für anerkannte Weiterbildungen – sogenannten Bildungsurlaub. Dennoch nutzen nur rund zwei Prozent diese Option. Wie Anian Schmitt und Lara Körber, die Gründer*innen von Bildungsurlauber.de, das ändern möchten, liest du im Interview mit Lara.

Nur ca. zwei Prozent derer, die ein Recht auf Bildungsurlaub haben, nutzen das Angebot aktuell. Woran liegt das?

Am Anfang dachten wir, dass wir einfach möglichst viele Arbeitnehmende über ihr Recht auf Bildungsurlaub aufklären müssen. Fertig. Doch mittlerweile haben wir erkannt, dass nicht nur die Uninformiertheit über das Bildungsurlaubsgesetz ein Problem ist, sondern auch die Angst vor der Reaktion der Chefin oder des Chefs vielen im eigenen Bildungsweg steht. Deshalb gehen wir im nächsten Schritt nun auch auf Arbeitgeber*innen zu, um sie für den Mehrwert von Bildungsurlaub zu sensibilisieren: Es handelt sich um Förderung, nicht um Fehlzeit. Letztlich profitieren Arbeitnehmer*innen und Arbeitgeber*innen von Bildungsurlaub – auf das “warum” kommen wir bestimmt noch mal später.

Was genau bedeutet Bildungsurlaub, wer trägt welche Kosten und muss diese Auszeit vom Job passgenau auf den Beruf hin ausgerichtet sein?
Hinter Bildungsurlaub verbirgt sich der gesetzliche Anspruch von Arbeitnehmenden auf 5 bis 10 Tage Extra-Urlaub pro Jahr für als Bildungsurlaub anerkannte Weiterbildungen. Das können fachliche Weiterbildungen sein – doch auch Seminare, welche die Persönlichkeitsentwicklung oder die Gesundheit von Beschäftigten fördern, sind Teil des Konzepts „beruflicher Erfolg“. Das finde ich total fortschrittlich! Dabei können die Beschäftigten frei wählen, welcher Bildungsurlaub für sie der Richtige ist. Besucht werden können neben Marketing-Fortbildungen auch Yoga-Seminare auf dem Land oder ein Sprachkurs direkt am Meer – zum Beispiel in Barcelona oder der Karibik. Die Kosten für das Seminar trägt dabei der oder die Beschäftigte, und das Unternehmen stellt seine Beschäftigten für den Bildungsurlaubszeitraum bezahlt frei.


Warum ist Bildungsurlaub nicht in Bayern und Sachsen verbrieft?
Gute Frage, das wissen wir auch nicht. Aber wir wissen, dass wir das ändern wollen! Dafür planen wir gerade eine Petition. Aber auch ohne gesetzlichen Anspruch auf Bildungsurlaub lohnt es sich dennoch immer danach zu fragen – immer mehr Unternehmen verstehen den Mehrwert von Bildungsurlaub und ermöglichen ihn auf freiwilliger Basis. Wir haben dazu 14 DAX-Konzerne befragt: Dabei ermöglichte die Hälfte auch ihren Angestellten in Sachsen und Bayern Bildungsurlaub wahrzunehmen. Übrigens sind wir mit unserer Forderung nach Bildungsurlaub in Bayern nicht allein – die GRÜNEN Bayern sprechen sich ebenfalls in ihrem Positionspapier für einen gesetzlichen Anspruch aus.


Nun zu euch: Wann und wie bist du vor diesem Hintergrund zusammen mit deinem Mitgründer Anian auf die Idee zu Bildungsurlauber.de gekommen?
Wir standen bereits zehn Jahre im Arbeitsleben – und hatten von Bildungsurlaub und unserem Recht darauf noch nichts gehört. Dann hat Anians Vater aufgrund seiner Rückenprobleme einen Tai-Chi-Bildungsurlaub gemacht – das war ein Aha-Erlebnis. Und nicht nur für uns, sondern für viele unserer Freund*innen. Die Idee für das Portal hatte dann Anian – und mir war sofort klar, dass ich dafür meinen Job kündige. Ich hatte zu diesem Zeitpunkt bereits aufgrund eigener Erfahrungen schon länger darüber nachgedacht, wie sich ein gesünderes und langfristig effektiveres Arbeitsleben gestalten ließe – für mich ist Bildungsurlaub ein Puzzleteil davon.


Was waren die wichtigsten Steps von der Gründung bis zum Go Live eures Portals?
Sehr viel Recherche, sehr viel Programmieren. Und dann: Kommunikation, Kommunikation, Kommunikation – untereinander, mit Anbietern, mit Beschäftigten und mit Unternehmen. Bildungsurlaub ist ein sehr individuelles Thema – mit vielen individuellen Bedürfnissen aber auch vielen individuellen Bedenken. Um gute Aufklärungsarbeit zu leisten und Bildungsurlaub aus dem Dornröschenschlaf wachzuküssen, sind wir bis heute viel im Austausch. Wir wollen, dass sich alle abgeholt fühlen.


Was ist das Besondere an Bildungsurlauber.de? Ihr bezeichnet euch ja selbst gern als das Booking.com für Bildungsurlaub.
Wie bei Booking.com das richtige Hotel, findet man bei uns ganz einfach das richtige Bildungsurlaubsseminar – du kannst dafür zum Beispiel nach Preis, Zeitraum, Ort oder Themenkategorien filtern und bekommst dann die passenden Kurse angezeigt. Neben Infos zur Gesetzeslage in deinem Bundesland, gibt es auch Hilfe bei der Beantragung: Wer sich für ein Seminar interessiert, kann einfach die Antragsunterlagen für den oder die Arbeitgeber*in herunterladen, unterschreiben, fertig.

Quantencomputing-Start-up planqc sichert sich 4,6 Mio.

Das Quantencomputing-Start-up planqc aus Garching bei München gab heute eine Finanzierungsrunde von 4,6 Mio. Euro bekannt.

Planqc – im April 2022 von Alexander Glätzle, Sebastian Blatt, Johannes Zeiher, Lukas Reichsöllner zusammen mit Ann-Kristin Achleitner und Markus Wagner in Garching bei München als erste Ausgründung des Munich Quantum Valleys, einem der führenden Zentren für Quantentechnologie in Europa, gegründet – baut Quantencomputer und speichert Quanteninformation in einzelnen Atomen – von Natur aus die besten Qubits. Die Quanteninformation wird verarbeitet, indem diese Qubits in hochskalierbaren Registern angeordnet und anschließend durch präzise kontrollierte Laserpulse manipuliert werden. Planqc zeichnet sich durch eine einzigartige Kombination von Quantentechnologien aus, die den schnellsten Weg zu Quantenprozessoren mit tausenden von Qubits eröffnet, und schafft damit die notwendige Voraussetzung für einen industrierelevanten Quantenvorteil.

Weltklasse-Team am Start

Das Gründungsteam von Planqc vereint jahrzehntelange internationale Forschung zu Neutralatom-Quantentechnologien an weltweit führenden Institutionen wie der Harvard University, der Oxford University, der University of California Berkeley, der University of Colorado, der Universität Innsbruck, dem CQT Singapore und dem MPQ.

Komplettiert wird das Gründerteam durch die Multiaufsichtsrätin und Finanzexpertin Ann-Kristin Achleitner sowie Serial Entrepreneur Markus Wagner, Gründer von i5invest. Unterstützt wird planqc weiterhin von den wissenschaftlichen Beratern Immanuel Bloch und J. Ignacio Cirac. Beide sind Direktoren am MPQ und bekannt für ihre wegweisenden Arbeiten zur Quantensimulation und Quanteninformation.

Zusätzlich konnte Quantenalgorithmus-Experte Dieter Jaksch, Professor für Physik an der Universität Oxford und der Universität Hamburg, als Berater gewonnen werden. „Dieses Weltklasse-Team vereint das technische und kommerzielle Know-how, um die leistungsstärksten Quantencomputer der Welt zu bauen“, sagt Amanda Birkenholz, Investment Manager bei UVC Partners.

Mit der heute bekannt gegebenen Finanzierungsrunde von 4,6 Millionen Euro unter der Führung von UVC Partners und Speedinvest wird planqc hochskalierbare Raumtemperatur-Quantencomputer entwickeln, basierend auf Atomen in optischen Gittern.