Gründer der Woche: Appinio – Highspeed-Marktforschung

Gründer der Woche 22/20


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Appinio ist ein globales Marktforschungsunternehmen aus Hamburg, das seinen Kunden ermöglicht, innerhalb weniger Minuten spezifische Zielgruppen zu befragen. Mehr dazu im Interview mit Co-Gründer Jonathan Kurfess.

Appinio Co-Gründer Jonathan Kurfess

Wie meisterst du als Unternehmer und Arbeitgeber die aktuelle Krise? Welche Erkenntnisse hast du aus den vergangenen Corona-Monaten ziehen können?

Von den wirtschaftlichen Folgen der Coronakrise ist Appinio kaum betroffen. Wir befinden uns in einer Zeit, in der schnelle Marktforschungsdaten so gefragt sind wie nie zuvor – und genau das bieten wir unseren Kunden an. Anders als die meisten anderen Unternehmen und fast alle Start-ups haben wir keine Kurzarbeit angemeldet. Im Gegenteil: Wir wachsen stetig weiter, haben in den vergangenen Wochen einige neue Mitarbeiter eingestellt und viele neue Kunden gewinnen können.

Nun zu den Anfängen von Appinio. Wann und wie bist du auf die Idee zu deinem Marktforschungsunternehmen gekommen?

Die Idee für Appinio kam mir bereits während des Studiums. In meiner Bachelor-Abschlussarbeit beschäftigte ich mich mit der Frage, wie die angestaubte Marktforschung modernisiert werden kann. Das Problem war: Die klassische Marktforschung ist viel zu langsam und viel zu teuer, bei gleichzeitig schlechter Datenqualität. Ich wollte die Marktforschung attraktiver machen – sowohl für Unternehmen, als auch für die Teilnehmer. Deshalb habe ich Appinio gegründet.

Wer gehört noch zum Appinio-Gründerteam und wie habt ihr euch gefunden?

Ich habe Appinio zusammen mit Kai Granaß gegründet, der heute als CTO tätig ist. Ich suchte damals einen IT-Experten, mit dem ich die Idee umsetzen konnte. Ein ehemaliger Arbeitskollege stellte dann den Kontakt zu Kai her. Ich gab ihm meine Bachelorarbeit und zwei Tage später meldete sich Kai via Mail mit zahlreichen klugen Nachfragen. Da wusste ich: Das ist mein Mann. In den darauffolgenden Monaten haben wir Appinio zusammen entwickelt.

Was waren dann die wichtigsten Steps von der Gründung bis zum Start?

Bis zum Start gab es viele entscheidende Momente. Als wir uns beispielsweise für ein Design-Stipendium bewarben, um Website, B2B-Plattform und Mobile-App gestalten zu lassen, bekamen wir eine Absage. Erst als ich einen langen Brief schrieb, warum wir dieses Stipendium dringend benötigen, wurde die Absage zurückgenommen. So konnten wir unsere Produkte mit einem professionellen Design auf den Markt bringen und mit Jägermeister in den ersten vier Wochen direkt unseren ersten großen Kunden gewinnen – ein weiterer wichtiger Meilenstein damals.

Wie habt ihr diese Phase finanziert?

Wir haben private Darlehen aufgenommen. In der Anfangsphase waren keine Investoren an Bord, Fördermittel hatten wir auch keine.

Nun zu eurem Konzept. Was genau ist Appinio und was bietet ihr euren Kunden?

Appinio ist ein globales Marktforschungsunternehmen, das seinen Kunden ermöglicht, innerhalb weniger Minuten spezifische Zielgruppen zu befragen. Jeder Entscheider kann so erstmals Ideen, Kampagnen oder Produkte in Echtzeit validieren und testen – mit repräsentativen Ergebnissen von Konsumenten. Der große Vorteil in der Zusammenarbeit mit Appinio für Unternehmen liegt darin, dass durch die Echtzeit-Marktforschung direkt repräsentatives Feedback von jeder beliebigen Zielgruppe eingeholt werden kann.

Hat klassische Marktforschung damit ausgedient?

Ja. Ich bin mir sicher, dass es klassische Marktforschungsinstitute in fünf Jahren in dieser Form nicht mehr geben wird. Sie verlieren ihre Daseinsberechtigung, weil sie viel zu langsam und ineffizient arbeiten und häufig eine schlechte Datenqualität liefern.

Wie läuft ein Projekt bzw. eine Umfrage üblicherweise ab?

Unternehmen können auf unserer Plattform einen Fragebogen selbst erstellen und eine Zielgruppe sowie die Teilnehmeranzahl auswählen. Der Fragebogen wird dann repräsentativ oder an eine Zielgruppe mit bestimmten Merkmalen ausgespielt. Das Unternehmen kann die Ergebnisse anschließend in Echtzeit tracken und analysieren. Unsere Research Consultants begleiten diesen Prozess.

Und wie kommt ihr an die Teilnehmer eurer Umfragen?

Die Userbase beziehungsweise das Panel wächst zum großen Teil organisch. Wir haben ein nachhaltiges Netzwerk für Meinungen aufgebaut, in dem sich die User beispielsweise mit anderen Teilnehmern vergleichen und sehen können, ob sie eher dem Mainstream angehören oder nicht. Die Appinio-User können auch selbst kostenlos Fragen stellen und hunderte Antworten erhalten. Für teilgenommene Umfragen erhalten sie Coins, die sie entweder für soziale Zwecke spenden oder in Gutscheine einlösen können.

Wer nutzt eure Services?

Insgesamt vertrauen mehr als 520 Kunden aus allen Branchen unserer Lösung, darunter VW, Unilever, Beiersdorf, Telekom, Bertelsmann, Warner Brothers, Samsung, Jägermeister, Lidl, Red Bull und About You sowie alle großen Agenturen und Unternehmensberatungen.

Was sind deine weiteren unternehmerischen Vorhaben?

Wir wollen in den nächsten 18 Monaten das größte Consumer-Panel der Welt aufbauen und damit jedem Unternehmen ermöglichen, innerhalb weniger Minuten spezifische Zielgruppen zu befragen.

Und last but not least: Was rätst du anderen Gründerinnen und Gründern aus eigener Erfahrung?

Niemals aufgeben!

Hier geht’s zu Appinio

Das Interview führte Hans Luthardt