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Nachhaltigkeit in der Logistik
Auf den deutschen Autobahnen reihen sich kilometerweise LKW aneinander – und 20 Prozent von ihnen fahren leer. Das ist nicht nur ein Ärgernis für Autofahrer*innen und eine kostspielige Angelegenheit für Unternehmen, sondern bringt auch verheerende Folgen für die Umwelt mit sich. Wie die Digitalisierung der Logistik zu mehr Nachhaltigkeit und Effizienz verhelfen kann.
Es ist unumstritten, dass die fehlende Nachhaltigkeit eine der größten Kehrseiten der Logistik und insbesondere des Straßengüterverkehrs ist. Doch Leerfahrten und dadurch vermehrte CO2-Emissionen sind größtenteils auf die Organisation und den hohen Koordinationsaufwand von Aufträgen zurückzuführen. Die Auftragsvermittlung für eine einzige Fahrt birgt schier endlose Kommunikationsketten, manuellen Schriftverkehr und die Einbindung zahlreicher Interessengruppen.
Die fehlende Vernetzung der Logistik
Während sich die meisten Branchen in den vergangenen Jahrzehnten digitalisiert haben, und so mit digitalen Tools effizientere Lösungen mit höherem Nutzen für alle Beteiligte schaffen konnten, arbeitet die Logistik noch heute oftmals wie vor 20 Jahren. Aufträge von verladenden Unternehmen werden auf Seiten der Fuhrunternehmen manuell bearbeitet: per Telefon, E-Mail und Excel-Tabellen. Das bedeutet, dass Disponenten die hoch komplexe Aufgabe erfüllen müssen, per Excel-Tabellen eine Vielzahl an LKW auszulasten.
Eine weitere Eigenschaft der Logistik, die durch die mangelnde Vernetzung verschärft wird, ist die hohe Anzahl an Subunternehmen, die in der Branche tätig sind. Kann ein Unternehmen aufgrund von unvorhersehbaren Ereignissen wie Erkrankungen, Pannen oder Verspätungen von Fahrzeugen einen Auftrag nicht erfüllen, geben sie diesen an Subunternehmen weiter – und zwar oftmals per Telefon. Das führt häufig dazu, dass weder Auftraggeber noch Fuhrunternehmen wissen, wo sich die Lieferung befindet, wann sie zugestellt wird oder gar wer diese Fahrt überhaupt durchführt.
Eine zentrale Vernetzung aller Beteiligten der Lieferkette gibt es derzeit nicht. Darunter leiden Effizienz und Umwelt gleichermaßen und so legen noch zu oft leere statt voll beladene LKW hunderte von Kilometern zurück.
Mehr Effizienz und Nachhaltigkeit durch Digitalisierung
Eines ist sicher: Die Vernetzung aller Akteure auf einer Plattform würde der Logistik zu der dringend notwendigen Transparenz verhelfen. Transparenz darüber, wer wann und wie involviert ist, wo sich eine Lieferung befindet, wann sie ankommt und ob sich gegebenenfalls passende Ladungen in der Nähe eines Zustellortes befinden.
Ein Disponent kann so beispielsweise digital auf einer Plattform den entsprechenden Ort eintragen, an dem eine Ladung gebraucht wird. Ein Algorithmus matcht dann die passenden Treffer. Kommunikation zwischen Auftraggeber und Fuhrunternehmen findet direkt auf der Plattform statt. Durch GPS-Tracking der LKW kann genau eingesehen werden, wo sich eine Ladung befindet, wann sie geliefert wird, und ob eine Anschlussladung dazugebucht werden kann.
Die Digitalisierung der Prozesse führt demnach nicht nur zu hinreichend ausgelasteten LKW und Kosteneinsparungen bei Verladern und Fuhrunternehmen, sondern verhilft der ganzen Branche auch zu mehr Transparenz und einem verbesserten Nachhaltigkeitsbewusstsein. Statt tausender Kilometer an Leerfahrten, würden sich mittels der Plattform nahezu nur noch vollbeladene LKW in einem optimal durchdachten Streckennetz bewegen. Kurzum: Eine Win-Win-Situation für die gesamte Branche.
Der Autor Tom Krause ist CEO des Hamburger Logistik-Technologie-Start-ups Cargonexx. Das Unternehmen vernetzt Frachtführer mit verladenden Unternehmen aus der Logistikbranche und trägt damit zu mehr Effizienz und weniger Leerfahrten bei.
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Von der Küchenidee zur Industrieanlage: Start-up Papair übernimmt Führung bei 19-Millionen-Euro-Projekt
Hardware-Skalierung in der Verpackungsbranche ist kapitalintensiv und riskant. Das 2020 in Hannover gegründete Start-up Papair wagt nun den entscheidenden Sprung: Mit einem internationalen Konsortium entwickelt das Unternehmen im Rahmen des EU-Projekts BIOWRAP eine großindustrielle Produktionsanlage für seine patentierte Papier-Luftpolsterfolie.
Die Papair GmbH aus Hannover hat die erste Luftpolsterfolie vollständig aus Papier entwickelt und patentiert. Bisher produzierte das Start-up auf einer Pilotanlage. Jetzt übernimmt das junge Unternehmen die Leitung im Projekt BIOWRAP zur Weiterentwicklung und Skalierung dieses Verpackungsmaterials in den Industriemaßstab.
Dass die Europäische Union die Koordination eines solchen Flagship-Projekts in die Hände eines Start-ups legt, ist ein bemerkenswertes Signal an den Verpackungsmarkt: Die Impulse für zirkuläre Lösungen kommen zunehmend von agilen Technologieanbietern.
Ohne Branchenerfahrung gegen den Plastikmüll
Die Wurzeln von Papair liegen im Frühjahr 2020. Die initiale Idee entstand am Küchentisch von Mitgründer Fabian Solf im Rahmen eines universitären Entrepreneurship-Seminars. Gemeinsam mit Christopher Feist, dem heutigen CEO, und Steven Widdel startete das Team ohne Vorerfahrung in der Verpackungsindustrie.
Gefördert durch ein NBank-Gründungsstipendium entwickelten die Gründer nicht nur das Produkt, sondern mussten auch die dazugehörige Maschinerie von Grund auf neu konzipieren. Im August 2023 lief im eigenen Werk im niedersächsischen Rethem an der Aller die erste Maschine an.
BIOWRAP: Skalierung auf ein neues Level
Nun folgt der nächste Schritt: Am 17. Juni startete das EU-Flagship-Projekt BIOWRAP offiziell mit einem Kickoff-Meeting. Die Eckdaten des Vorhabens:
- Das Konsortium: 14 Partnerorganisationen aus sieben Ländern. Darunter befinden sich Papierhersteller, Maschinenbauunternehmen und Forschungseinrichtungen aus Staaten wie Deutschland, Österreich, den Niederlanden und Spanien.
- Die Finanzierung: Das Projekt umfasst ein Gesamtbudget von rund 19 Millionen Euro und wird im Rahmen von Horizon Europe über die Circular Bio-based Europe Joint Undertaking (CBE JU) kofinanziert. Die Laufzeit erstreckt sich von Juni 2026 bis Mai 2031.
- Das technische Ziel: Aufbau einer „First-of-a-Kind“-Produktionsanlage (technologische Reifestufe TRL 8) in Niedersachsen. Diese soll mit einer Breite von 1.200 mm und Produktionsgeschwindigkeiten von bis zu 100 Metern pro Minute arbeiten. Die Linie integriert dabei Nanozellulose-Verbindungen, Präzisionsprägung und bio-basierte Beschichtungen.
- Die Umwelteffekte: Angestrebt wird eine Einsparung von 25 bis 50 % CO₂ pro Quadratmeter gegenüber herkömmlicher Kunststoff-Luftpolsterfolie. Das Produkt („PapairWrap“) kann vollständig über den regulären Altpapierkreislauf entsorgt und recycelt werden.
Markt, Wettbewerb und Geschäftsmodell
Der Markt: Regulierungsdruck als stärkster Hebel
Das Marktumfeld könnte zeitlich kaum besser passen. Allein in der EU fallen laut Eurostat jährlich 15,8 Millionen Tonnen Kunststoffverpackungsabfälle an, von denen aktuell nur 42,1 % recycelt werden. Die EU-Verpackungsverordnung (PPWR) schreibt zwingend vor, dass ab 2030 alle Verpackungen recyclingfähig sein müssen. Am 12. August dieses Jahres greifen bereits die ersten Vorgaben, was den Handlungsdruck auf große Logistiker drastisch erhöht.
Wettbewerb: Hart umkämpft und preissensibel
Trotz dieses Rückenwinds ist der Markt für Schutzverpackungen im E-Commerce gnadenlos preisgetrieben. Herkömmliche Plastikfolie ist in der Produktion extrem billig. Zudem schläft die Konkurrenz nicht: Branchenriesen wie Ranpak oder Storopack dominieren den Markt für Hohlraumfüllungen längst mit eigenen papierbasierten Lösungen (z. B. Wabenpapier oder Papierkissen). Papair muss beweisen, dass die spezifische Struktur ihrer Papier-Luftpolsterfolie in der industriellen Anwendung Material und Volumengewicht so effizient einspart, dass sie preislich mit etablierten Papier-Alternativen konkurrieren kann.
Geschäftsmodell: Lizenzierung statt CapEx-Falle
Hardware-Start-ups scheitern häufig am extremen Kapitalbedarf für eigene Produktionsanlagen (CapEx). Papair adressiert dieses Risiko strategisch: Die geplante Anlage in Niedersachsen ist explizit als Blaupause konzipiert. Ihr technisches Design und die Wirtschaftlichkeit sollen dokumentiert und für die Replikation weiterer Standorte in Europa verfügbar gemacht werden.
Das Geschäftsmodell zielt langfristig auf die Skalierung durch Partner ab. Das ambitionierte Ziel des Konsortiums: Innerhalb von fünf Jahren nach Projektabschluss sollen über 100 Millionen Quadratmeter Kunststoff-Luftpolsterfolie ersetzt und mehr als 200 qualifizierte Arbeitsplätze entlang der Lieferkette geschaffen werden.
Unser Fazit
Papair liefert ein Paradebeispiel dafür, wie ein junges Hardware-Start-up das sprichwörtliche „Valley of Death“ der Skalierung überbrücken kann. Anstatt sich in aussichtslosen Hardware-Finanzierungsrunden zu verbrennen, nutzt das Team die enorme Hebelwirkung europäischer Fördermittel (rund 19 Millionen Euro Projektbudget) und strategischer Partnerschaften. Erreicht die neue Anlage die geplanten 100 Meter pro Minute in der Massenproduktion stabil, hat das Start-up das Potenzial, vom Nischen- zum Industrie-Standard zu werden.
Wenn der Purpose toxisch wird: Warum zu viel Identifikation mit dem Job brandgefährlich ist
Ex-Welthungerhilfe-CEO und Impacc-Founder Dr. Till Wahnbaeck über die Gefahr von extremem Purpose, warum Job-Identifikation den Wandel blockiert und was Start-ups daraus lernen können.
Start-ups lieben das Wort „Purpose“. Wer für eine gemeinsame Vision brennt, leistet mehr und trägt das Unternehmen auch durch Krisen – so die gängige Gründer*innenlogik. Doch was passiert, wenn die Identifikation mit der eigenen Arbeit so absolut wird, dass fachliche Kritik am Projekt plötzlich als persönlicher Angriff auf das eigene Ego verstanden wird?
Dr. Till Wahnbaeck kennt beide Extreme dieser Skala. Als langjähriger Manager bei Procter & Gamble erlebte er eine Konzernwelt, die oft händeringend um die Identifikation ihrer Mitarbeitenden kämpfen muss. Als er später den CEO-Posten der Deutschen Welthungerhilfe übernahm, erfuhr er das genaue Gegenteil: so viel Identifikation, dass Feedback zwangsläufig persönlich genommen wird. Heute verbindet Wahnbaeck mit der von ihm gegründeten Organisation Impacc beide Welten: Er sammelt Spenden, investiert diese jedoch wie ein Venture-Capital-Fonds in afrikanische Start-ups, um lokales Wirtschaftswachstum und nachhaltige Arbeitsplätze zu schaffen.
Ein Gespräch über das Spannungsfeld zwischen Leidenschaft und Selbstaufopferung, die Schattenseiten einer reinen Sinnkultur und die Frage, was die Businesswelt und NGOs dringend voneinander lernen müssen.
Das Interview
StartingUp: Till, du kennst die Konzernwelt von Procter & Gamble und warst CEO der Welthungerhilfe. Wo ist Führung unterm Strich anspruchsvoller: im Business oder in einer NGO?
Till Wahnbeack: Ich denke, dass Führung in NGOs anspruchsvoller ist, und zwar aus zwei Gründen. Erstens fehlt die objektivierbare Erfolgsmessung. In der Wirtschaft gibt es Umsatz, Kunden, Profitabilität – das ist in Zahlen messbar. NGOs arbeiten mit einer viel diffuseren Wirkungslogik. Du kannst zählen, wie viele Sack Reis du verteilt hast, aber sobald es um echte Veränderung geht, wird es unscharf.
Zweitens die Motivationslage. In der Wirtschaft ziehst du Leute an, die – zumindest auch – persönlichen Erfolg wollen. Und da kannst du als Führungskraft an Eigeninteresse und Ehrgeiz andocken. In der NGO-Welt kommen viele mit einer sehr starken eigenen Identität und moralischen Vorstellung – und damit vielleicht auch einer genauen Vorstellung, was „gute“ Arbeit ausmacht. Effizientes oder innovatives Arbeiten im Sinne der Organisationsziele steht da nicht unbedingt im Fokus, weil es eben auch schwer zu messen und zu sehen ist. Das anzusprechen ist schwierig. Denn wer sich sehr stark mit seinem Job identifiziert, wird eine sachliche Rückmeldung schnell als Angriff empfinden.
StartingUp: Viele Start-ups werben aggressiv mit ihrer Mission. Ab welchem Punkt kippt gesunde Leidenschaft für eine Sache in eine toxische Verschmelzung mit dem Job?
Till Wahnbeack: Der soziale Sektor ist grundsätzlich stark von Selbstausbeutung geprägt. Die Leute geben unglaublich viel emotionale Energie hinein. Denn wenn du Waschmittel verkaufst, ist eine verkaufte Flasche weniger eben eine Flasche weniger. Das ist blöd fürs Business, aber mehr auch nicht. Wenn du Menschen in Not hilfst, kannst du schlecht sagen: 900 habe ich heute satt bekommen, die anderen 100 hatten Pech. Und doch muss man auch im sozialen Sektor Nein sagen können, Feierabend machen, Pausen einlegen, um selbst nicht auszubrennen. Das Abgrenzen fällt so schwer, weil immer Menschenleben dranhängen.
StartingUp: Wenn Arbeit zur Identität wird, mutiert Kritik schnell zum persönlichen Angriff. Wie setzt man als Führungskraft Korrekturen durch, ohne dass das Gegenüber seine moralische Integrität bedroht sieht?
Till Wahnbeack: Die Trennung zwischen Rolle und Person ist im Privatsektor viel selbstverständlicher als in den sozialen Berufen, die berühren einfach anders, und die Motivationen sind, wie geschildert, persönlicher. Sich das als Führungskraft, aber auch als Mitarbeitende(r), bewusst zu machen, ist der erste Schritt. Gerade von Führungskräften braucht es mehr Behutsamkeit, wenn Feedback gegeben wird. Und einen längeren Atem, da die Person es für sich dekodieren und übersetzen muss. Ich selbst bin daran immer wieder auch gescheitert.
StartingUp: Was tun, wenn absolute Identifikation den Wandel blockiert und ein notwendiger Pivot am emotionalen Widerstand des bzw. der Gründenden oder des Teams scheitert?
Till Wahnbeack: Wer gründet, muss sich ins Problem verlieben, nicht in die Lösung. Wenn dein Antrieb das Problem ist, das du lösen willst, suchst du automatisch immer das beste Werkzeug dafür. Bist du in die Lösung verliebt, fällt der Pivot schwer. Deshalb sollten sich Gründer*innen immer fragen: Was wollte ich eigentlich erreichen, und funktioniert mein Weg noch oder gibt es einen besseren? So bleibt das Problem im Vordergrund.
StartingUp: Mit Impacc investierst du Spenden wie ein VC-Fonds in afrikanische Start-ups. Warum stößt klassische Entwicklungshilfe an Grenzen – und was macht euer unternehmerischer Ansatz besser?
Till Wahnbeack: Klassische Entwicklungshilfe wird in der Krisenhilfe immer notwendig bleiben. Bei Naturkatastrophen etwa braucht es schnelle, direkte Hilfe. Bei der eigentlichen Entwicklungshilfe – Klassiker: Brunnenbau – sieht es anders aus. Da wird leicht Abhängigkeit geschaffen. Was passiert denn, wenn so ein Brunnenbau-Projekt endet und der Motor für die Spule kaputt geht oder das Grundwasser verschwindet? Dann wird ein neues Projekt gestartet oder aber das Problem bleibt. Natürlich sind auch wir bei Impacc extrem sinngetrieben: Wir wollen extreme Armut bekämpfen. Aber ich denke, wir sollten die Menschen in den Ländern Afrikas dafür in ihrer Selbständigkeit unterstützen. Und eine oft vernachlässigte Art der Selbständigkeit ist ganz im Wortsinn die unternehmerische, denn Unternehmertum löst Probleme mit eigenen Ideen und Lösungen.
Deshalb agieren wir bei Impacc als ein VC-Fonds. Wir investieren in Start-ups in Ostafrika, die Arbeitsplätze schaffen und auf eigenen Beinen stehen. Das Regenauffang- und Bewässerungs-Start-up IrriHub wird hoffentlich auch noch in zehn oder zwanzig Jahren existieren, wenn es unsere Unterstützung nicht mehr braucht.
StartingUp: Der Markt ist im Umbruch, Investor*innen schauen primär auf harte Rendite. Wie verkauft man eine Impact-Mission heute noch als wasserdichten Business Case?
Till Wahnbeack: Die besten Renditen liegen gerade bei KI oder Verteidigung, nicht bei sozialen Komponenten. Vermutlich ist auch das wieder eine zyklische Entwicklung und – hoffentlich – lässt sich mit einem sozialen oder Klima-Start-up bald wieder gut Geld einsammeln. Bis dahin hat es die Impact-Investment-Branche wirklich schwer, und die Teams dort brauchen keine schlauen Ratschläge von mir.
Denn wir als gemeinnützige Spendenorganisation versprechen keine Rendite. Wir sagen: Bei uns bekommst du sehr viel soziale Wirkung pro gespendetem Euro. Das ist eine klare, ehrliche Botschaft, die übrigens auch viele Menschen überzeugt, die gründen oder aus einer Unternehmerfamilie kommen. Sie sind der wichtigste Förderkreis von Impacc, weil sie es gut finden, mit ihren Spenden skalierende Wirkung zu erzielen.
StartingUp: Du forderst von afrikanischen Gründer*innen echtes Wachstum in schwierigen Märkten. Welches Mindset können sich europäische Start-ups von ihnen abschauen?
Till Wahnbeack: Die afrikanischen Gründer*innen wollen wirklich ein Problem lösen, nicht möglichst schnell Geld machen und dann raus. Ein gutes Beispiel ist TIBU Health in Kenia. Das Unternehmen hat erkannt, dass ein Großteil der Erkrankten zuerst in die Apotheke geht, weil es in Kenia viele Apotheken, aber wenige Praxen gibt. Also bietet TIBU medizinische Beratung direkt in den Apotheken an – also genau dort, wo die Menschen ohnehin Hilfe suchen. Das verbindet echte Problemorientierung mit unternehmerischer Findigkeit unter schwierigen Marktbedingungen.
Davon kann die europäische Gründerszene viel lernen, denn auch hierzulande gibt es genügend Probleme, die ernsthaft angegangen werden müssen. Wer das Problem in den Mittelpunkt stellt und nicht die Frage des größtmöglichen Exits, baut am Ende häufig das tragfähigere Unternehmen und tut auch noch was für die Gesellschaft.
StartingUp: Du pendelst seit 20 Jahren zwischen Profit und Purpose. Wie ziehst du persönlich die Linie zwischen Beruf und Identität, um nicht auszubrennen?
Till Wahnbeack: Ich habe lange gebraucht, um meinen Nordstern zu finden. 20 Jahre freie Wirtschaft, immer mit einem eher spielerischen Ansatz, weil ich das Gefühl hatte, dass es noch nicht hundertprozentig mein Ding ist. Das hat mich paradoxerweise erfolgreicher gemacht, weil ich nicht so verkrampft war. Dann der Wechsel in den sozialen Sektor: die richtigen Ziele, aber nicht die coolen Werkzeuge von früher. Erst in dem, was ich heute mache, bringe ich beides zusammen. Diese Erfahrung sorgt dafür, dass mich nicht jede Krise gleich umhaut. Ich weiß mittlerweile, dass sich viele Probleme auch morgen noch lösen lassen.
Dazu kommt Disziplin. Ich habe mal ein Praktikum bei McKinsey gemacht. Da gab’s dann semi-produktive Abendschichten mit Pizza. Ich habe gemerkt: In den Abendstunden schaffe ich so viel wie morgens in einer Viertelstunde, also bin ich früher gekommen. Den Job habe ich danach zwar nicht angeboten bekommen. Aber die Erkenntnis ist geblieben: Man muss sich nicht totarbeiten, wenn man diszipliniert ist. Deshalb denke ich viel darüber nach, was ich nicht mache. Und Hobbys helfen enorm. Ich koche gern und baue Trockensteinmauern. Ein Leben neben der Arbeit zu haben, ist die beste Versicherung gegen das Ausbrennen.
Danke, Till Wahnbaeck, für die spannenden Insights.
Das Interview führte StartingUp-Chefredakteur Hans Luthardt
Reif für die KI? Vom souveränen Umgang mit KI-Technologie bei der Führung
Viele Gründer*innen und junge Selbständige stehen derzeit vor der Herausforderung, KI so zu nutzen, dass die Technologie dem Unternehmen wirklich nutzt. Und in Artikeln wie diesen mangelt es nicht an guten Ratschlägen dazu. Allerdings: Dabei finden die „dunklen“ Seiten des KI-Einsatzes oft zu wenig Beachtung.
Du willst Belege? Der neue „Gallup Engagement Index Deutschland 2025“ betont, KI würde von den Mitarbeiter*innen oft als Bedrohung wahrgenommen. In der Studie heißt es, immerhin 16 Prozent der Befragten sähen ihren Arbeitsplatz innerhalb der nächsten fünf Jahre durch KI „sehr“ oder „ziemlich“ gefährdet. „Die Sorge vor Kollege KI wächst“, heißt es.
Ein düsteres Bild malt eine weitere Studie, die 2025 vom Brand Science Institute (BSI) in Hamburg mit dem Ergebnis durchgeführt wurde, aufseiten der Führungskräfte drohe durch KI der Verlust des Selbstbildes sowie ein Autoritäts-, Identitäts- und Kompetenzverlust.
Auf deine Situation bezogen heißt das: Während du in stundenlanger Kleinarbeit auf der Grundlage deiner jahrelangen Erfahrungen zu einer Lösung vordringst, ist die „Konkurrentin“ KI in der Lage, rasch und ohne großen Aufwand eine ebenso gute, oft sogar eine bessere Lösung zu formulieren. Und das Ergebnis ist für alle Mitarbeiter*innen sichtbar. Das empfinden viele Unternehmer*innen und Gründer*innen als vehementen Angriff auf die Grundlage ihrer Führungsidentität.
KI als Kränkung
In der BSI-Studie ist die Rede von einer belastenden narzisstischen Kränkung und von „Entblößungsangst“. Gemeint ist: „Führungskräfte fürchten weniger die Technologie selbst, sondern die Möglichkeit, dass KI Wissenslücken, Fehleinschätzungen, Entscheidungsfehler oder mangelnde Orientierung sichtbar macht“. Die Einführung von KI erzeuge „nicht nur operative oder technologische Herausforderungen, sondern greift tief in die psychologische Grundarchitektur von Führung ein“.
Wie damit umgehen? Was kannst du tun, um sowohl den Ängsten deiner Mitarbeiter*innen als auch eigenen Ängsten zu begegnen? Entscheidend ist, KI behutsam einzusetzen, den Einsatz umsichtig zu planen und alle Beteiligten mitzunehmen. Und zwar mithilfe dieser zehn Schritte.
Schritt 1: Führe ein KI-Meeting durch
Setze ein Meeting an, in dem du die folgenden Aspekte vorstellst, zur Diskussion stellst und in die Umsetzung bringst. So stellst du die betroffenen Menschen in den Mittelpunkt und erhöhst die Akzeptanz für den KI-Einsatz. So sieht gutes Akzeptanzmanagement aus.
Schritt 2: Verdeutliche Strategie und Ziele
Wer einschätzen kann, wohin der KI-Weg führt und welche Ziele sich mit ihr effektiver und effizienter verfolgen und erreichen lassen, folgt gern und ist eher bereit, den Nutzen des KI-Einsatzes zu erkennen und zu akzeptieren. Überlege, ob und wie du das Argument „Bei uns zerstört KI keine Arbeitsplätze, sondern schafft neue“ authentisch und glaubhaft gegenüber deinen Mitarbeiter*innen vertreten kannst.
Schritt 3: Weise den Nutzen anschaulich nach
Profiliere KI als Unterstützungsinstrument, das den Mitarbeiter*Innen und dir hilft, Aufgaben besser zu erledigen. Jede*r muss für den eigenen Verantwortungsbereich die Vorteile der KI erkennen, sozusagen am eigenen Leib und authentisch. Bleibe dabei so konkret wie möglich: „KI hilft uns, Routineaufgaben zu automatisieren, Informationsabläufe zu beschleunigen, Entscheidungsgrundlagen zu schaffen und Zeit zu sparen. So bleibt uns mehr Zeit für die wichtigen wertschöpfenden Aufgaben, etwa den Kundenkotakt.“
Schritt 4: Formuliere klare KI-Spielregeln
Erstelle einen KI-Guideline, der beschreibt, wann und wo KI zum Einsatz gelangen soll und muss. Eventuell kann überdies festgelegt werden, wo der KI-Einsatz verpönt ist. Der Guideline soll Sicherheit geben, ohne Innovation zu bremsen, er soll Orientierung bieten und Raum für Experimente lassen. Er darf darum nicht zu eng gefasst sein.
Schritt 5: Beteilige die Mitarbeiter*innen
Lass jedes Teammitglied fünf Minuten lang aufschreiben, was es sich von der KI im Arbeitsalltag erhofft und wünscht und welche Befürchtungen es plagen. Sammle die Argumente, erstelle eine Pro- und Contra-Liste und diskutiere die (wichtigsten) Punkte im Plenum. So gewinnst du KI-Befürworter und KI-Anhänger, die den KI-Einsatz unterstützen und ihn für sinnvoll erachten.
Schritt 6: Stoße KI-Lernprozesse an
Lass die Mitarbeiter*innen zum Beispiel KI-Tools ausprobieren. Das Team testet zum Beispiel ChatGPT, um Meeting-Notizen automatisch zusammenfassen zu lassen. Die Teammitglieder halten ihre Erfahrungen in einem Lernjournal fest und beschreiben, was geklappt hat und was (warum) nicht. Zu Letzterem überlegen sie sich Lösungen und unterbreiten Änderungsvorschläge. Und irgendwann wird es so weit ein: Teammitglieder, die über reichhaltige Erfahrung mit einem KI-Tool verfügen, können eine interne Schulung für die Kolleg*innen anbieten.
Du siehst: Der Umgang mit KI ist weniger eine technologische, sondern vor allem eine kulturelle Herausforderung – und eine führungsbezogene Aufgabe, der du dich stellen musst.
Nun weiter zum nächsten Umsetzungsschritt.
Schritt 7: Fortschritte messbar machen und feiern
Das Team definiert ein Ziel, das den Erfolg eines KI-Einsatzes messbar verdeutlicht: „Wir konnten mit KI-Rechenleistung 500 Kundenbeschwerden der letzten zehn Jahre analysieren und so fünf elementaren Beschwerdegründen auf die Spur kommen. Diese werden wir nun gezielt ausräumen.“ Diese Erfolgsstory wird im Unternehmen geteilt, um andere Teams zu inspirieren und um den Erfolg zu feiern.
Schritt 8: Gehe als Vorbild voran
Den Mitarbeiter*innen muss klar sein, dass du selbst bereit und kompetent bist, die Vorteile der KI sinnvoll zu nutzen. Du bist ein KI-Change-Agent, der die Risiken und Grenzen kennt, aber auch die Chancen zu nutzen versteht. Du definierst den KI-Input als Inspiration, der reflektiert und hinterfragt werden muss, nicht als fertige Lösung. In der Gallup-Studie heißt es dazu: „Wenn Vorgesetzte KI selbst verwenden, klar dahinterstehen und ihren konkreten Nutzen erläutern, fühlen sich Mitarbeitende besser vorbereitet, beurteilen die vom Unternehmen bereitgestellten KI-Werkzeuge als für die Arbeit hilfreich und setzen sie häufiger ein.“
Schritt 9: Nimm Abschied von Führungsmythen
Die BSI-Studie hält fest, viele Entscheider*innen hätten Angst davor, die KI mache ihre Fehler und falschen Entscheidungen transparent und sichtbar. Die erwähnte „Entblößungsangst“ drohe dann. Darum: Stehe zu deinen Fehlern und Fehlentscheidungen. Befreie dich von den Mythen der Unfehlbarkeit und Unersetzlichkeit. Du wirst Fehler machen, und du darfst Fehler machen.
Schritt 10: Bilde deine Mitarbeiter*innen und dich fort
Einführung und Einsatz von KI gelingt eher, wenn die Beteiligten die dazu erforderlichen Kompetenzen besitzen. Dazu sind KI-Weiterbildungen, KI-Lernprogramme und KI-Lernräume notwendig.
Nutze regelmäßige Kompetenzchecks, um KI-Kompetenzlücken zu analysieren und mit geeigneten Weiterbildungsmaßnahmen zu schließen. Du selbst darfst dabei nicht außen bleiben. So schützt du dich vor der in der BSI-Studie angesprochenen Angst vor Kompetenzverlust. Deine Mitarbeiter*innen sehen, dass du KI-mäßig auf der Höhe der Zeit bist.
Und jetzt ab in die Umsetzung!
Der Autor Christian Polz ist Inhaber und Geschäftsführer von Team-Polz und hat als Experte für Transformation, Agilität, Führung, Teamentwicklung, Changemanagement und Konfliktmanagement den TaschenGuide „Souveräne Unternehmensführung. Inspirationen für herausfordernde Zeiten“ im Haufe Verlag veröffentlicht.
1 Mio. Euro ARR ohne Investor*innen: Der kalkulierte Drahtseilakt von Inno KI
Eine Million Euro ARR in zwei Jahren – ganz ohne Investor*innen. Wie das Start-up Inno KI den VC-Hype ignoriert und sein B2B-Geschäft nutzt, um mutige B2C-Testballons zu finanzieren.
Das KI-Start-up Inno KI aus dem niedersächsischen Vechta vermeldet einen Meilenstein: Im Mai 2026 – rund zwei Jahre nach der Gründung – hat das Unternehmen die Marke von einer Million Euro Annual Recurring Revenue (ARR) erreicht. Das Besondere daran: Dieser Aufbau gelang vollständig aus eigenem Startkapital und ohne externes Wachstumskapital. In einem Markt, der primär von milliardenschweren Risikokapitalrunden Schlagzeilen macht, horcht die Szene auf. Ein genauerer Blick auf das Geschäftsmodell zeigt jedoch: Die Unabhängigkeit hat ihren Preis – und ermöglicht zugleich überraschende strategische Freiheiten.
Vom Agentur-Projekt zur DSGVO-Plattform
Die Historie von Inno KI zeigt einen klassischen pragmatischen Ansatz. Das Unternehmen entstand unter anderem aus der Marketing-Agentur moin media und der Magic Labs GmbH, die bereits ab 2022 intensiv mit KI-Anwendungen experimentierten. Aus der Kernfrage, wie Mitarbeiter rechtssicher und datenschutzkonform mit Künstlicher Intelligenz arbeiten können, wurde Ende 2024 schließlich die Plattform innoGPT gelauncht.
Hinter dem Projekt stehen die Gründer Mike Koene und Maurice Brumund, der als Geschäftsführer agiert. Das von ihnen entwickelte Produkt fungiert als Brücke zu den großen Sprach- und Bildgenerierungsmodellen der US-Konzerne und europäischer Entwickler*innen – darunter OpenAI, Anthropic, Google, Meta und Mistral sowie Black Forest Labs. Der entscheidende Hebel für den deutschen Mittelstand: Die Plattform ist komplett DSGVO-konform und wird auf Servern in Deutschland innerhalb der EU gehostet. Laut Unternehmensangaben nutzen bereits über 1.000 Unternehmen und mehr als 600 Professionals das System täglich, unterstützt von einem Netzwerk aus über 30 Vertriebspartnern. Zu den namhaften Kund*innen zählen Schwergewichte wie PwC, die GC Gruppe, Hansa-Flex und die Böckmann Fahrzeugwerke.
Die ARR-Metrik im Branchen-Check
Innerhalb der Start-up-Welt ist die Kennzahl ARR (Annual Recurring Revenue) ein hoch bewertetes Gut, da sie in der Regel für planbare und hochskalierbare Abo-Einnahmen steht. Inno KI erklärt in seiner Mitteilung, dass die Plattform derzeit mit rund 30 Prozent pro Monat wächst. Gleichzeitig fließen Einnahmen aus begleitendem KI-Consulting und intensiven Schulungen direkt in die Weiterentwicklung des Produkts.
Für Analyst*innen zeigt sich hier ein interessanter Hybrid: Während klassische SaaS-Investoren oft eine strikte Trennung von reinen Software-Lizenzen und schwer skalierbaren Dienstleistungen fordern, nutzt Inno KI eine starke Verknüpfung beider Welten. Consulting und das vom Unternehmen angebotene Change-Management sind zeit- und personalintensiv. Das aktuelle Wachstum wird somit maßgeblich durch ein Systemhaus-ähnliches Modell querfinanziert. Das senkt zwar das finanzielle Risiko enorm, wirft bei Tech-Puristen aber unweigerlich die Frage auf, wie schnell sich das Modell global ohne massiven Personaleinsatz skalieren lässt.
Technologische Tiefe vs. „Middleware“-Dilemma
Technologisch bewegt sich innoGPT im Bereich der Middleware. Das Start-up entwickelt keine eigenen Foundation-Modelle, sondern legt eine datenschutzkonforme Schnittstellen-Hülle über bestehende Drittanbieter-Technologien. In der Tech-Szene wird bei solchen Modellen oft die Tiefe des technologischen „Burggrabens“ hinterfragt.
Den oft geäußerten Vorwurf, ein reiner „API-Wrapper“ zu sein, kontert Inno KI jedoch mit einer eigenen technologischen Wertschöpfungsschicht: Wie StartingUp bereits in der Meldung zum B2C-Vorstoß von innoGPT berichtete, nutzt das System eine "Named Entity Recognition". Dabei werden sensible personenbezogene Daten in hochgeladenen Dokumenten automatisch durch Platzhalter ersetzt, bevor sie überhaupt an die Schnittstellen der US-Anbieter*innen gesendet werden.
Zusätzlich zu diesem technischen Datenschutz bleibt die Strategie stark auf die menschliche Komponente fokussiert: Da die Einführung von KI primär die Veränderung von Arbeitsweisen bedeutet, ist das operative Change-Management ein fester Bestandteil der Leistung geworden. Die Kund*innenbindung erfolgt also maßgeblich durch Beratungs- und Implementierungskompetenz vor Ort.
B2B als Cashcow für den B2C-Testballon
Geschäftsführer Maurice Brumund betont, dass man Angebote von Kapitalgeber*innen bewusst abgelehnt habe. Der Verzicht auf Venture Capital sichere dem Unternehmen die Unabhängigkeit von harten Quartalsvorgaben externer Investoren, die fast immer einen schnellen Exit anstreben. Für Kund*innen wolle man so ein stabilerer, langfristiger Partner sein.
Genau diese Unabhängigkeit erklärt auch die ungewöhnlichen strategischen Züge des Start-ups. Die Gewinne aus dem B2B-Kerngeschäft dienen als Motor für neuartige Experimente. Wie wir kürzlich berichteten, wagt sich Inno KI mit einem „Family Package“ (34,90 Euro/Monat) an den ungelösten datenschutzkonformen KI-Zugang für Familien und das Kinderzimmer heran. Ein derartiger B2C-Testballon für ein B2B-fokussiertes Unternehmen wäre unter dem strengen Fokus klassischer VC-Geber*innen, die meist eine eindimensionale Skalierung im Kerngeschäft fordern, kaum denkbar gewesen.
Fazit
Inno KI liefert ein starkes Beispiel für erfolgreiches Bootstrapping im deutschen Tech-Sektor. Dem Team ist es gelungen, die akute Compliance-Unsicherheit des Mittelstands schnell und profitabel zu monetarisieren. Der Fall zeigt Gründer*innen, dass ein tragfähiges Geschäftsmodell im KI-Bereich nicht zwingend auf Milliardeninvestitionen basieren muss, wenn die vertriebliche Nische und der Service stimmen. Ob sich das Hybrid-Modell langfristig gegen die fortschreitende Marktkonsolidierung der Tech-Riesen behauptet, wird sich zeigen – doch vorerst nutzt Inno KI seine finanzielle Freiheit konsequent für eigene Wege.
Mikroben statt Chemie: Wie BlueActivity den Milliardenmarkt der Kühlwasserbehandlung aufmischt
Das 2021 gegründete Heidelberger CleanTech-Start-up BlueActivity ersetzt klassische Biozide in industriellen Kühlanlagen durch natürliche Mikroorganismen. Mit einer frischen ISO-Zertifizierung und Millionenkapital im Rücken stehen die Zeichen auf Skalierung. Doch wie belastbar ist das biologische Geschäftsmodell im harten, sicherheitsfokussierten Industriealltag?
Gegründet wurde die BlueActivity GmbH im Jahr 2021 von Lars Havighorst und Michael Simon. Die Vision der Gründer: Die industrielle Wasserbehandlung für Verdunstungskühlanlagen grundlegend zu verändern und dabei Ökonomie und Ökologie in Einklang zu bringen. Anstatt potenziell umweltgefährdende Chemikalien – insbesondere toxische Biozide – in die Kühlkreisläufe der Industrie zu leiten, setzt das Startup auf funktionelle Mikroorganismen und Biopolymere.
Der innovative, patentierte Ansatz hat am Kapitalmarkt überzeugt: Bis heute konnte BlueActivity ein Gesamtinvestment von 8,5 Millionen Euro einsammeln. Zu den Geldgebern gehören neben Business Angels auch Branchen-Investoren wie Venture Stars, Wind VC und Angel Invest. Mit den Mitteln soll vor allem die Skalierung und Durchdringung europäischer Industriemärkte vorangetrieben werden.
Das Geschäftsmodell – Klares Wertversprechen mit technischer Hürde
BlueActivity verspricht seinen Industriekunden durch die patentierte Technologie signifikante Effizienzsteigerungen und Kosteneinsparungen. Die Leistungsdaten lauten gemessen an den herkömmlichen Verfahren wie folgt (Unternehmensangaben):
- Reduzierung des Wasserverbrauchs um bis zu 40 %.
- Senkung der direkten Betriebskosten (OPEX) um bis zu 32 %.
- Performance-Steigerung von Kühlanlagen um bis zu 29 %.
- Vollständiger Verzicht auf umweltgefährdende Biozide.
Kritisch hinterfragt
Das ökologische und ökonomische Wertversprechen ist hoch, doch das biologische Verfahren birgt verfahrenstechnische Herausforderungen. Biologische Prozesse reagieren naturgemäß sensibler auf äußere Einflüsse als etablierte chemische Verfahren. Während herkömmliche Biozide verlässlich und rigoros sämtliches mikrobielle Leben (darunter auch gefährliche Legionellen) im Kühlwasser abtöten, erfordert der probiotische Ansatz von BlueActivity eine kontinuierliche, präzise Überwachung. Das Überleben und die Wirksamkeit der eingesetzten Mikroorganismen müssen auch bei starken industriellen Temperaturschwankungen und variierenden Wasserqualitäten lückenlos garantiert werden. Die größte Hürde für das Start-up bleibt es daher, den Nachweis absoluter Prozessstabilität im Dauereinsatz bei Großkund*innen zu erbringen.
Der Markt und der Wettbewerb
Der Markt für industrielle Kühlwasserbehandlung ist ein globales Seriengeschäft, das traditionell von finanzstarken Großkonzernen wie Ecolab, Kurita oder Solenis dominiert wird. Diese etablierten Akteure verfügen über jahrzehntelange Kundenbeziehungen und setzen im Kern auf bewährte, biozidbasierte Behandlungsprogramme.
Für BlueActivity spielt jedoch das sich verschärfende regulatorische Umfeld eine entscheidende Rolle. Die gesetzlichen Vorgaben für Abwassereinleitungen und den Umgang mit Gefahrstoffen steigen europaweit kontinuierlich an. BlueActivity garantiert hier die Compliance mit den strengen Vorgaben der VDI 2047 sowie der 42. BImSchV (Bundes-Immissionsschutzverordnung). Zudem wächst durch ESG-Kriterien und die CSRD-Berichterstattung der Druck auf Industrieunternehmen, nachhaltige Lieferketten nachzuweisen. Dass dieser Ansatz an Relevanz gewinnt, zeigt auch die Anerkennung der Technologie durch den Verein Deutscher Ingenieure (VDI) als zukunftsweisende Technologie im Jahr 2026.
Der nächste Meilenstein: Zertifiziertes Vertrauen im B2B-Sektor
Um in der eher konservativen Industrie als junges Unternehmen Vertrauen aufzubauen, hat BlueActivity einen wichtigen formalen Schritt vollzogen: Im April 2026 erhielt das Unternehmen die Zertifizierung nach DIN EN ISO 9001:2015.
Die international anerkannte Norm bestätigt dem Startup die erfolgreiche Einführung eines strukturierten Qualitätsmanagementsystems, das vom Vertrieb über die Inbetriebnahme bis hin zum Service greift. CEO Lars Havighorst ordnet den Schritt ein: „Die ISO-Zertifizierung ist für uns ein wichtiger Meilenstein. Sie zeigt unseren Kunden und Partnern, dass wir nicht nur technologisch innovativ sind, sondern auch in unseren Prozessen höchste Standards einhalten.“ Für das CleanTech-Unternehmen, das nach eigenen Angaben bereits einen Jahresumsatz im siebenstelligen Bereich erwirtschaftet, bildet diese Professionalisierung das fundamentale Sprungbrett für das weitere nationale und internationale Wachstum.
Was Gründer*innen von BlueActivity lernen können
Für die Start-up-Szene liefert die Entwicklung von BlueActivity wichtige Learnings im B2B- und DeepTech-Segment:
- Regulatorik als Hebel nutzen: Wer strenge gesetzliche Vorgaben (wie die 42. BImSchV) antizipiert, kann aus regulatorischem Druck ein funktionierendes B2B-Geschäftsmodell formen.
- Prozesssicherheit schlägt reine Innovation: In traditionellen Industriezweigen reicht ein gutes Produkt allein nicht aus. Zertifikate wie die ISO 9001:2015 fungieren als geschäftskritische Türöffner, um das inhärente Risiko der Zusammenarbeit mit einem Start-up zu minimieren.
- Investor*innen-Fokus auf harten Impact: Das Gesamtinvestment von 8,5 Millionen Euro belegt, dass Venture-Capital-Gesellschaften bereitwillig in hardware- und prozessorientierte CleanTech-Lösungen investieren, sofern ein klar bezifferbarer wirtschaftlicher Nutzwert (OPEX- und Wasserreduktion) für den Endkund*innen nachweisbar ist.
Marlow: Kein Führerschein, aber das Auto neu gedacht
Die Gründer Florian Ritzel und Jannik Kirchhoff aus Hamburg wollen das Problem der versteckten Autokosten lösen. Ihre App Fahrfuchs* kletterte ohne Marketingbudget in die Top 100 der Finanz-Charts im App Store – eine klassische Bootstrapping-Erfolgsgeschichte. Doch wie tragfähig ist das Geschäftsmodell, wenn etablierte Konkurrenten den Markt beherrschen?
* Hinweis der Redaktion (29.05.26): Aufgrund eines Copyright-Streits mussten die Gründer ihre App umbenennen – diese heißt jetzt Marlow statt Fahrfuchs.
Während andere Abiturient*innen für Klausuren büffeln, programmierten Florian Ritzel und sein Mitgründer Jannik Kirchhoff (beide 18) ein Start-up. Die Initialzündung war laut den beiden Hamburger Gymnasiasten eine gesellschaftliche Beobachtung: Die Belastung durch Mobilitätskosten. „Die alleinerziehende Mutter sollte nicht an der Zapfsäule stehen müssen und entscheiden, ob sie ihr Kind in die Kita oder sich selbst zur Arbeit fährt“, beschreibt Ritzel die Motivation hinter dem Projekt. Die amüsante Ironie ihrer Gründung: Die Marlow-Gründer besitzen aktuell nicht einmal einen Führerschein.
Auf die naheliegende Skepsis bezüglich dieses fehlenden „Nutzer-Wissens“ reagiert Florian Ritzel offensiv: „Natürlich gibt es immer Leute, die unsere Idee kritisieren. Und fehlendes Nutzerwissen ist gerade am Anfang schwierig, vor allem, wenn man eine App bauen möchte, die möglichst vielen Menschen hilft.“ Doch aus der vermeintlichen Schwäche machten sie eine Stärke durch maximale Nutzerorientierung. „Wir haben bereits vorher im Umfeld rumgefragt, was die Leute eigentlich brauchen, und danach gezielt um Feedback gebeten“, erklärt der Gründer. Der Erfolg gibt ihnen recht: „Inzwischen erreichen uns täglich dutzende Mails mit Tipps – was die Nutzer*innen sich wünschen und wie wir die App verbessern können. Dadurch wird uns das Ganze nicht zum Verhängnis, sondern sogar zum Vorteil.“
Mit Marlow wollen sie den rund 48,5 Millionen Pkw-Halter*innen in Deutschland auf den Cent genau aufzeigen, wo das Auto wirklich Geld frisst. Denn der teure Kraftstoff ist nur ein Teil der Wahrheit. Falsche Versicherungstarife, unbemerkter Wertverlust, Wartung und vergessene Pendlerpauschalen reißen oft weitaus größere Löcher ins Budget. Die Resonanz ist für die frühe Phase beachtlich: Ganz ohne bezahltes Marketing sammelte die App schnell über 700 Downloads ein – eine für den Massenmarkt zwar noch bescheidene Zahl, die jedoch ausreichte, um mehrfach in die Top 100 der Finanz-Charts im App Store zu stürmen. Zudem generierte das Projekt rein organisch Presseberichte, unter anderem in der FAZ, der SWP und bei Antenne Bayern.
Holistischer Ansatz statt reiner Tank-App
Auf den ersten Blick wirkt Marlow wie ein weiterer Spritpreis-Radar. Die App zieht in Echtzeit Daten der Markttransparenzstelle für Kraftstoffe, listet Ladesäulen für E-Autos und alarmiert per Push-Nachricht bei günstigen Preisen. Der entscheidende Pivot ist jedoch das ganzheitliche Kostentracking: Die Gründer haben einen eigenen Versicherungsrechner sowie einen Steuer-Sparrechner integriert, bieten detaillierte Monatsreports an und binden die Nutzer*innen über einen Gamification-Ansatz („Sparfuchs-Score“). Ein zentrales Versprechen in Zeiten von Datenskandalen: Alle sensiblen Nutzer*innendaten werden lokal auf dem Endgerät gespeichert – es gibt keine zentrale Cloud.
Angesprochen auf die Skalierbarkeit dieses Modells bezieht Jannik Kirchhoff klar Stellung: „Die lokale Datenspeicherung ist gerade in Deutschland kein strategisches Eigentor. Ich halte nichts für wichtiger, als die privaten Daten unserer Nutzer*innen zu schützen“. Er warnt vor den Risiken zentraler Speicherlösungen: „Niemand muss wissen, wo ich wohne, wohin ich morgens fahre oder wo meine Kinder zur Kita gehen. Wir haben in der Vergangenheit immer wieder gesehen, dass jeder gehackt werden kann. Und gerade als junge Entwickler können und wollen wir diese Verantwortung nicht übernehmen“. Personalisierte Spar-Vorschläge ließen sich laut Kirchhoff auch direkt auf dem Smartphone „hervorragend realisieren“.
Ein echtes Haifischbecken
Die Vision ist ambitioniert, doch der Markt ist hart umkämpft. Die Konkurrenz reicht von Excel-Tabellen bis zu Platzhirschen wie Spritmonitor oder Giganten wie Clever Tanken. Warum also wechseln? Florian Ritzel gibt sich selbstbewusst: „Die Spritpreis-Übersicht ist bei uns nur eines von vielen Features – nicht der Hauptteil. Wer Spritmonitor so gut findet, darf dort gerne bleiben.“ Der Fokus liege woanders: „Wer aber wirklich tracken möchte, was sein Auto insgesamt kostet, der kann das eben nur bei uns. Diese Gesamtheit an Features gibt es bisher in keiner anderen App in dieser Form.“ Selbst das Argument der manuellen Excel-Tabelle lässt er nicht gelten: „Natürlich kann man sich das selbst in Excel bauen – aber darauf haben die meisten Leute schlicht keine Lust. Genau deswegen sind wir so gut.“
Kritisch hinterfragt
Trotz des Aufklärungscharakters ist Marlow kein reines Hobbyprojekt; In-App-Käufe für eine „Plus“-Version (0,99 €/Monat) sowie eine „Pro“-Version (2,99 €/Monat bzw. 19,99 €/Jahr) bilden das Monetarisierungsmodell. Ob die selbstgestrickte Mathematik hinter dem Versicherungsrechner, der auf hunderten per Hand durchgerechneten Profilen basiert, ohne echte API-Schnittstellen dauerhaft standhält, bleibt abzuwarten.
Wie viele Abonnent*innen braucht es, um nach dem Abitur davon zu leben? Jannik Kirchhoff rechnet vor: „Ehrlicherweise vermutlich mehr als 10.000 zahlende Abonnent*innen – aber das ist zunächst auch nicht unser Ziel.“ Aktuell stehe das Lernen im Vordergrund: „Wir wollen vor allem Erfahrungen sammeln durch das, was wir machen, und gleichzeitig die laufenden Kosten decken. Das sollte demnächst möglich sein.“
Für die Zeit nach dem Abschluss hält er sich alle Türen offen: „Risikokapital halte ich ab dem Moment für unumgänglich, an dem wir wirklich konkret expandieren wollen. Das wird vermutlich nach dem Abitur der Fall sein. Dann muss man schauen, ob es sich lohnt, Anteile abzugeben oder Kredite aufzunehmen.“ Sein Fazit: „Spannend wird es erst, wenn wir die Idee wirklich groß skalieren wollen.“
Ein exzellentes MVP mit Pivot-Potenzial
Marlow ist ein Lehrbuchbeispiel für ein hervorragendes Minimum Viable Product (MVP). Um jedoch hochprofitabel zu werden, könnte mittelfristig ein Wechsel hin zur Affiliate-Provision für Versicherungswechsel nötig sein. Doch hier bremst Florian Ritzel bewusst: „Versicherungspartner wollen wir zunächst bewusst nicht werden, denn einer der entscheidendsten Punkte unserer App ist, dass wir Versicherungsdaten unabhängig zur Verfügung stellen.“
Sein Ziel ist technologische Exzellenz: „Meilenstein eins ist, den Versicherungsrechner so akkurat zu machen, dass wir auf Check24-Niveau sind – ohne dafür Provisionen zu kassieren.“ Zudem plane man Kooperationen mit Fahrschulen und Werkstätten, um die Leute genau dort zu erreichen, „wo sie am meisten ans Auto denken“. Die größte Hürde bleibt derweil technischer Natur: „Meilenstein drei ist die Android-Version – das ist allerdings extrem schwer umzusetzen, gerade wenn man iOS-Coding gewohnt ist.“ Dennoch verspricht er: „Wir planen das aber innerhalb der nächsten drei Monate.“
Der Grundstein ist gelegt. Nun müssen die beiden Hamburger beweisen, dass sie nach dem Abitur nicht nur programmieren, sondern auch unternehmerisch durch den dichten Verkehr des Mobilitätsmarktes navigieren können.
Von der Risikoanalyse zur echten Rendite: Wie Resilens den Markt für Klimaanpassung knacken will
Ein zu erwartender Hitzesommer reiht sich nahtlos an den nächsten, und die spürbaren Klimarisiken für Städte, Institutionen und Unternehmen wachsen rasant. Doch während die Investitionsbedarfe steigen, gerät die Umsetzung oft ins Stocken: Es fehlen bislang effiziente Verfahren, um abstrakte Gefahren in finanzierbare Investitionspläne zu übersetzen. Genau an diesem Flaschenhals setzt die neue Plattform Resilens an. Das 2026 von Dr. Oliver Marchand, Stephan Heuel und Christian Schmelter gegründete schweizerisch-deutsche Start-up verspricht nicht weniger als den Paradigmenwechsel vom reinen Klimarisiko hin zum messbaren „AdaptationReturn“. Wir nehmen das Geschäftsmodell, die Köpfe dahinter und die Hürden des Unternehmens unter die Lupe.
Die Macher hinter der Resilens UG sind in der europäischen ClimateTech-Szene keine Unbekannten. CEO und Mitgründer Dr. Oliver Marchand hat mit seinem vorherigen Start-up Carbon Delta – das 2019 erfolgreich vom Finanzdienstleister MSCI übernommen wurde – bereits bewiesen, wie man wissenschaftlich fundierte Klimamodelle kommerzialisiert. Das Team vereint gezielt Technologie und Vertrieb: Neben Marchand treiben Stephan Heuel als CTO und Christian Schmelter als CCO die Entwicklung voran.
Doch warum wagt das Team rund sieben Jahre nach dem MSCI-Exit eine neue Gründung? Gegenüber unserem Magazin betont Marchand, dass sich der Markt in der Zwischenzeit fundamental gewandelt habe. Bei Carbon Delta habe man noch Pionierarbeit geleistet und Klimarisiken für Finanzmärkte überhaupt erst messbar gemacht. „Heute stehen wir vor dem nächsten Schritt: Wir müssen aus Risikoanalysen konkrete Investitionsentscheidungen machen“, erklärt der Gründer.
Städte und Betreiber kritischer Infrastruktur wüssten heute sehr wohl, dass sie handeln müssen, könnten aber oft nicht systematisch beantworten, welche Maßnahmen den größten Nutzen bringen und wirtschaftlich sinnvoll sind. Klimaanpassung sei kein reines Zukunftsthema mehr, sondern harte operative Realität. „Damals haben wir Risiken messbar gemacht. Jetzt geht es darum, aus diesen Daten echte Entscheidungen abzuleiten“, so Marchand.
Binationale Strategie: Zwischen Finanzplatz und Klimaforschung
Auffällig bei Resilens ist die binationale Aufstellung mit Standorten in Zürich und Potsdam. Für Marchand ist das strategisches Kalkül: Zürich diene mit der Nähe zur ETH, dem Technopark und einem starken Finanzökosystem als Brutstätte. Potsdam wiederum sei durch die Universität und das Institut für Klimafolgenforschung ein bedeutender wissenschaftlicher Hotspot. Zudem sei der deutsche Markt für den öffentlichen Sektor zentral, da Klimaanpassung dort gerade zur operativen Daueraufgabe wird.
Finanziert wird das junge Unternehmen durch Eigenmittel und das Kapital des strategischen Investors Karl Gutbrod. Dieser hat mit meteoblue einen der renommiertesten Anbieter für Klimadaten aufgebaut. Das sei weitaus mehr als reines Risikokapital, unterstreicht Marchand: „Es ist ein klares Signal aus dem Klimadatenmarkt, dass der nächste logische Schritt jetzt die Übersetzung dieser Daten in Entscheidungen ist.“
Die Plattform ist seit Anfang Mai live und durchläuft aktuell die ersten Praxisphasen. Der ehrgeizige Fahrplan für die nächsten Monate steht: Zunächst startet die Software mit dem Thema Hitze, zur Jahresmitte folgen Überschwemmungen, danach Sturm und Trockenheit. Der geografische Fokus liege zunächst auf dem deutschsprachigen Raum, Benelux und den nordischen Ländern, so der CEO, schiebt jedoch mit Nachdruck hinterher: „Langfristig denken wir global. Klimaanpassung ist kein europäisches Spezialthema.“
Der AdaptationReturn als künftiger Branchenstandard?
Das klassische Problem der Klimaanpassung ist finanzieller Natur: Während sich der Return on Investment (ROI) bei der CO₂-Reduktion verhältnismäßig leicht messen lässt, bleibt die wirtschaftliche Rendite von Schutzmaßnahmen schwer fassbar. Anstatt nur Gefahrenzonen farblich zu markieren, will Resilens Kommunen und Unternehmen softwarebasiert helfen, Maßnahmen standortbezogen zu bewerten und belastbare Pläne zu priorisieren. Das Herzstück dieser Kalkulation ist der neue KPI „AdaptationReturn“.
Der Paradigmenwechsel im Überblick:
Kriterium | Bisheriger Marktstandard | Der Resilens-Ansatz |
Fokus | Risikoanalyse (Was passiert wo?) | Handlungsplanung (Was tun wir?) |
Bewertung | Langwierige Consulting-Projekte | Softwarebasierte Priorisierung von Maßnahmen |
Zentrale Metrik | Abstraktes Schadenspotenzial | „AdaptationReturn“ (Belastbare Anpassungspläne) |
Doch wie belastbar kann eine solche Metrik angesichts hochvolatiler Wetterextreme wirklich sein? Auf die kritische Nachfrage, ob das Tool womöglich nur theoretische Best-Case-Szenarien produziere, um Investor*innen zu beruhigen, räumt Marchand unumwunden ein: „Die Volatilität ist real, und genau deshalb bauen wir AdaptationReturn so, wie wir ihn bauen.“ Man verkaufe ganz bewusst keine rosigen Szenarien, sondern eine konservative, prüfbare Entscheidungsgrundlage, die auf etablierten ökonomischen Methoden basiere.
Die Software setze auf maximale Transparenz. „Nehmen Sie ein begrüntes Dach: Es kühlt das Gebäude, speichert Regenwasser, schafft Lebensraum für Insekten und verlängert die Lebensdauer der Dachkonstruktion“, veranschaulicht Marchand das Prinzip. Jeder dieser Vorteile werde einzeln und ohne versteckte Blackbox ausgewiesen, sodass Anwender selbst entscheiden können, welche Faktoren in die Rechnung einfließen.
Das System rechne dabei konsequent konservativ mit wissenschaftlich kaum bestreitbaren Mindestpreisen und warne explizit auch vor Fehlinvestitionen. „Ein belastbarer Business Case zeigt nicht nur, was funktioniert, sondern auch, was nicht funktioniert“, kontert der Gründer.
Bewährungsprobe im B2G-Sektor und die leeren Kassen
Dass die Theorie auch im harten Alltag standhält, zeigt ein Pilotprojekt mit der Stadt Worms, eingebettet in das EU-Programm Pathways2Resilience. Derartige Best-Practice-Beispiele sind überlebenswichtig. Denn Kommunen sind wegen ihrer langwierigen Vergabeverfahren (B2G) berüchtigt und fordern von Start-ups einen extrem langen finanziellen Atem.
Neben dem öffentlichen Sektor bedient Resilens aber auch Industrieunternehmen. Was diese völlig unterschiedlichen Zielgruppen vereint, ist ein neues Berufsbild: das des Klimaanpassungsmanagers. Diese Fachkräfte hätten zwar viele Daten, aber kaum standardisierte Tools. In Worms, wo ein Pilot zum Hitzeschutz für 55 Kitas läuft, zeige sich das Dilemma deutlich. „Die zentrale Frage ist dort nicht, ob Hitze ein Problem ist. Die Frage ist: Welche Einrichtung zuerst, welche Maßnahme, in welcher Reihenfolge“, unterstreicht Marchand. Entscheidend sei, dass Analysen standortbezogen und extrem schnell – in Tagen statt Monaten – vorliegen und sich leicht gegenüber der Politik kommunizieren lassen.
Selbst der perfekt kalkulierte Plan stößt jedoch an Grenzen, wenn am Ende das städtische Budget für die Schutzbauten fehlt. Dem realen Problem knapper Kassen weicht Marchand nicht aus, ordnet es aber anders ein: Geld sei zwar knapp, doch es fließe heute meist einfach nicht systematisch in die effektivsten Projekte.
Zudem verbiete es sich, Klimaanpassung als reine Kostenstelle abzutun. Marchand verweist auf eine Auswertung des Schweizer Bundesamts für Umwelt anhand von 81 Piloten: „Das durchschnittliche Nutzen-Kosten-Verhältnis lag bei 4,7. Kein einziges Projekt lag unter 1,0 und war somit unwirtschaftlich.“ Die Krux liege also nicht in der mangelnden Rentabilität, sondern an deren schwieriger Darstellbarkeit. Gelinge der saubere Business Case, würden sich auch alternative Finanzierungen wie PPP-Modelle oder Versicherungsgelder auftun.
Fazit
Mit Resilens drängt kein naiver Newcomer auf den Markt. Das erfahrene Team adressiert zielgenau einen der größten Schmerzpunkte der ClimateTech-Branche: Die fehlende Übersetzungsleistung zwischen dem nackten Risiko und dessen finanzierbarer Lösung. Zwar ist die Etablierung eines völlig neuen, globalen Standards wie dem AdaptationReturn politisch wie wirtschaftlich ein extrem dickes Brett. Gelingt es dem schweizerisch-deutschen Start-up jedoch, die zähen Vertriebszyklen im öffentlichen Sektor zu überstehen, könnte es im boomenden Markt der Klimaanpassung künftig eine zentrale Schlüsselrolle spielen.
KI-Werkstattmeister: Revolutioniert Kai Karosse die KFZ-Schadensanalyse?
Handyfoto statt Werkstatt-Odyssee: Das Berliner Start-up Kai Karosse verspricht präzise Reparatur-Kostenschätzungen per KI. Ein radikaler Ansatz, der die Branche herausfordert – doch der digitale Blick durch die Smartphone-Kamera hat physikalische Grenzen.
Der Schreckmoment ist fast jedem/jeder Autofahrer*in bekannt: Einmal beim Ausparken unaufmerksam gewesen, und schon prangt eine hässliche Delle im Kotflügel. Was folgt, ist meist eine zeitraubende Odyssee durch Werkstätten, um Kostenvoranschläge zu vergleichen. Das 2025 in Berlin gegründete Start-up Kai Karosse will diesen Prozess nun radikal verkürzen. Die Gründer David Schmeußer und Rico-Thore Kauert verfolgen eine klare Vision: Die Bewertung eines Karosserieschadens soll künftig so einfach funktionieren wie ein Online-Einkauf.
Die 3.000-Euro-Delle und das Versprechen der Transparenz
Die Idee zum Unternehmen entsprang laut David Schmeußer klassischem Alltagsfrust. Vor einer Leasingrückgabe fuhr der Gründer wegen zwei kleiner Dellen in der Tür bei drei verschiedenen Werkstätten vor. „Die Angebote variierten damals zwischen 300 und 3.000 Euro“, erinnert er sich. „Ich fragte mich: Wie kann das sein? Warum ist dieser Markt so intransparent? Warum muss ich als Kunde überall vorstellig werden?“
Den entscheidenden Anstoß gab schließlich seine Frau mit der Frage, warum man nicht einfach eine künstliche Intelligenz nach einem realistischen Preis frage. Eine Marktrecherche ergab zudem, dass jährlich rund eine Million Suchanfragen allein zu Smart Repair und verwandten Themen gestellt werden. Die Lösung der Berliner: Ein virtueller Werkstattmeister, der Kostenschätzungen binnen 30 Sekunden erstellt.
Aus redaktioneller Sicht klingt das nach einer perfekten Lösung für genervte Verbraucher. Allerdings rühren eklatante Preisunterschiede in der Praxis nicht nur von mangelnder Transparenz her, sondern oft von völlig unterschiedlichen Reparaturwegen: Wo die eine Werkstatt spachtelt und beilackiert (Smart Repair), kalkuliert die markengebundene Vertragswerkstatt den strikten Austausch der kompletten Tür nach Herstellervorgaben. Eine KI muss also nicht nur den Schaden erkennen, sondern auch den gewählten Reparaturweg transparent machen.
Domänen-Intelligenz vs. schmutziger Lack
Wie verhindert man, dass der Algorithmus eine teure Erneuerung empfiehlt, wo eine Politur gereicht hätte? Kai Karosse setzt auf eine Analyse-Pipeline, in der das Sprachmodell nur ein Baustein ist. Da Fotos keinen natürlichen Maßstab besitzen, nutzt die KI „Skalenanker“ wie Türgriffe oder Münzen, um die exakte Größe des Schadens zu berechnen.
Doch das Risiko von KI-Halluzinationen – etwa durch Schmutz, Regentropfen oder Spiegelungen im Metalliclack – ist hoch. „Wir nutzen verschiedene Verfahren, um Halluzinationen bestmöglich auszuschließen“, erklärt Schmeußer und nennt sogenannte Confidence-Werte als Instrument. „Wir fragen die KI also: ‚Wie sicher bist du, dass deine Analyse stimmt?‘“ Ist sich der Algorithmus unsicher, wird seine Aussage geringer gewichtet. Zudem muss die KI ihre Entscheidungsfaktoren textlich ausgeben und wird aufgefordert, sich quasi selbst zu überprüfen. „Das ist so, als stelle man die Frage: ‚Bist du ganz sicher? Bitte durchlaufe den Prozess erneut und prüfe, ob dein Ergebnis wirklich valide ist‘“, so der Gründer.
Das Start-up macht hier vieles richtig, indem es dem Algorithmus misstraut. Dennoch: Eine KI, die sich selbst prüft, operiert letztlich nur innerhalb ihrer eigenen Systemgrenzen. Ist das Ausgangsmaterial – das Foto des Kunden bzw. der Kundin – schlecht, nützt auch die beste Selbstprüfung wenig. Das weiß auch Schmeußer und räumt ein, dass der „Faktor Mensch“ oft das größte Hindernis sei. Werden nur verschwommene Nahaufnahmen hochgeladen, fehlen Kontext und Bauteil-Zuordnung.
Der harte Realitätscheck in der Werkstatt
Unter der Haube gleicht das System den Schaden mit einer Eignungsmatrix ab und empfiehlt Smart Repair, konventionelle Reparatur oder Austausch. Die Preise kalibriert das System dabei anhand der Daten einer bundesweit tätigen Werkstattkette mit über 550 Filialen. Hier liegt ein kritischer Flaschenhals des Geschäftsmodells: Die Datenbasis einer einzelnen – wenn auch großen – Kette reicht kaum aus, um das hochkomplexe, regional schwankende Preisgefüge des gesamten deutschen Reparaturmarktes abzubilden.
In der Werkstatt-Zunft regt sich entsprechend Widerstand. „Ja, den gab und gibt es, und er ist sicherlich auch teilweise berechtigt“, gibt sich Schmeußer selbstkritisch. Karosseriebauer warnen vehement davor, dass scheinbare Bagatellschäden oft strukturelle Probleme wie gebrochene Halterungen oder sicherheitsrelevante Airbag-Schäden verbergen. Auch die Preisspannen bei Originalteilen seien für die KI „noch schwer zu berücksichtigen“, gibt der Gründer zu.
Man übermittle bei jeder Schätzung daher transparent die zugrunde liegenden KI-Annahmen. „Ähnlich wie ein erfahrener menschlicher Gutachter wird Kai Karosse solche Risiken mit der Zeit immer besser einschätzen können, je mehr Daten zur Verfügung stehen“, argumentiert Schmeußer. Das System solle künftig lernen, dass etwa bei einer tiefen Delle am Stoßfänger oft auch die Aufhängung beschädigt ist.
Trotz dieser Lernkurve bleibt ein strukturelles Problem bestehen: Wenn die KI vorab 500 Euro prognostiziert, der Meister auf der Hebebühne aber verborgene Schäden für weitere 1.000 Euro entdeckt, droht massiver Kund*innenfrust. Die KI weckt Erwartungen, die die Werkstatt am Ende vielleicht nicht halten kann. Schmeußer sieht das naturgemäß positiver: „Die Hebebühne bleibt natürlich die letzte Instanz, doch der Kunde hat bereits vorab einen Wissensvorsprung. Das ist ein entscheidender Unterschied.“
David gegen die Software-Goliath
Der Markt ist ein Haifischbecken, dominiert von Konzernen wie der Allianz und etablierten Branchenstandards wie Audatex oder DAT, die über jahrzehntelange Datenhistorien verfügen. Wie will ein gebootstrapptes Start-up hier bestehen?
Man wolle Fahrzeugbesitzer*innen einen Weg völlig losgelöst von Versicherungsvorgaben oder Werkstattbindungen bieten, kontert Schmeußer. Gleichzeitig positioniert sich Kai Karosse als B2B-Lösung: „Wir möchten unsere Anwendung Werkstätten zur Verfügung stellen, die ihren Kunden eine einfache und zeitgemäße Lösung anbieten wollen.“
Der Prozess solle radikal vereinfacht werden: „Bild hochladen, Angebot erhalten, Termin buchen, Vorfahren und Schaden beheben lassen. Fertig!“, skizziert Schmeußer seine Idealvorstellung. „Davon ist die Branche derzeit weit entfernt.“
Fazit: Geniales Lead-Tool oder echtes Gutachten?
Das Potenzial für die Software ist unbestritten vorhanden, insbesondere als Lead-Generierung für Werkstätten oder zur groben Vorfilterung im Flottenmanagement. Auf die Frage nach der Entwicklung in den nächsten drei Jahren gibt sich Schmeußer bodenständig: „Wäre Kai Karosse in drei Jahren die erste Anlaufstelle für die Behebung von Karosserieschäden und das Mittel der Wahl für Werkstattwebsites und Flottenanbieter, wäre das ein sehr großer Erfolg.“
Ob dieser Erfolg eintritt, hängt von einer zentralen Frage ab: Kann die Software das Erwartungsmanagement der Nutzer*innen kontrollieren? Kai Karosse liefert aktuell kein belastbares Gutachten, sondern eine smarte Erstindikation. Schafft es das Unternehmen, diese technologische Grenze gegenüber den Autofahrer*innen transparent zu kommunizieren, könnte die Berliner KI tatsächlich viel Frust aus dem Schadensprozess nehmen. Verlässt sich der/die Kund*in aber blind auf die 30-Sekunden-Rechnung des Algorithmus, folgt die Ernüchterung auf dem Fuß – spätestens an der Hebebühne.
Substanz statt Start-up-Glamour
Melanie Kell zeigt, wie man im vermeintlich „unsexy“ Markt der Finanzbuchhaltung ein krisensicheres und hochskalierbares Business aufbaut. In unserem Interview spricht die Unternehmerin über ihren Weg vom Start 2004 bis zum erfolgreichen Mehrheitsverkauf 2024 – und verrät, warum saubere Prozesse am Ende jeden Hype schlagen.
Während viele Gründer*innen-Storys heute von schnellem Wachstum um jeden Preis und kurzlebigen Hypes geprägt sind, zeigt Melanie Kell, dass echter unternehmerischer Erfolg oft leise, beständig und mit viel Substanz entsteht. Bereits im Jahr 2004 gründete sie ihr Unternehmen Kell Outsourcing in einem Feld, das weit weg von jeglichem Start-up-Glamour liegt: dem Outsourcing von Rechnungswesen und Finanzbuchhaltung.
Über zwei Jahrzehnte hinweg hat die Steuerberaterin und Expertin für digitales Rechnungswesen und automatisierte Finanzprozesse im Mittelstand bewiesen, dass Klarheit und Konsequenz in einem vermeintlich „unsexy“ Markt zu einem stabilen und hochgradig skalierbaren Business führen. In einer Zeit, in der wirtschaftliche Unsicherheit und steigende Insolvenzen viele Unternehmen hart treffen, wirkt ihr Fokus auf saubere Finanzprozesse und strategische Weitsicht wie ein Kontrastprogramm zu oberflächlichen Trends. Von der Gründung über die Wachstumsphase ab 2017 bis hin zum erfolgreichen Verkauf der Mehrheitsanteile im Jahr 2024 ist ihr Weg ein echter Zeitstrahl des Unternehmertums. Melanie Kells Geschichte zeigt, dass Sichtbarkeit kein Selbstzweck sein muss, sondern eine bewusste strategische Entscheidung ist.
Im Interview erfährst du, warum gerade die Abkehr vom Hype und die Konzentration auf das Wesentliche die Basis für einen erfolgreichen Exit bildet. Ein Gespräch über den Mut zur Langfristigkeit, die Macht der Zahlen und die Kunst, ein Unternehmen zu bauen, das auch in stürmischen Zeiten funktioniert.
Das Interview
Frau Kell, Sie haben Ihr Unternehmen Kell Outsourcing im Jahr 2004 gegründet. Ihr Fokus liegt auf dem Outsourcing von Rechnungswesen und Finanzbuchhaltung – ein Feld weit weg vom Start-up-Glamour. Warum haben Sie sich damals bewusst für diesen oft als „unsexy“ bezeichneten Markt entschieden?
Melanie Kell: Mein Weg war ehrlich gesagt nicht besonders strategisch. Nach meiner kaufmännischen Ausbildung habe ich BWL studiert. Mit Themen wie Marketing konnte ich mich nie wirklich anfreunden, Steuerwesen dagegen ist mir leichtgefallen. Also habe ich diesen Weg eingeschlagen.
Was mich an diesem Fachbereich bis heute fasziniert: Man bekommt Einblicke in unterschiedlichste Unternehmen. Ich erinnere mich noch gut an meine ersten Wochen in der Wirtschaftsprüfung. Ich war zur Lagerbeobachtung bei einem Marmeladenhersteller kurz nach der Wende in Berlin. Diese Einblicke in echte Wertschöpfung, in Prozesse, in Unternehmen haben mich geprägt. Und genau das motiviert mich bis heute, Unternehmen mit meinem Wissen und meiner Begeisterung für Zahlen am Laufen zu halten.
Es ist doch so: Jedes Unternehmen braucht eine ordentliche Buchhaltung bzw. ein sauberes Rechnungswesen, um gut zu laufen, und tatsächlich merke ich immer wieder, wie selbstverständlich die Arbeit der Buchhaltung bzw. des Rechnungswesens wahrgenommen wird und wie wenig Begeisterung dem Thema zugesprochen wird. Unternehmer*innen sprechen begeistert über Produkte, über ihre Teams und über ihre Vertriebserfolge, ich habe allerdings noch nie einen Unternehmer*in gehört, der bzw. die seine Buchhaltung öffentlich gefeiert hat. Schade eigentlich, denn wir tragen am Ende das Gerüst des Unternehmens.
In der aktuellen Wirtschaftslage steigen die Insolvenzen. Spüren Sie, dass die Bedeutung sauberer Finanzprozesse heute wieder ernster genommen wird, um den gefährlichen „Blindflug“ zu vermeiden?
Melanie Kell: Leider wird die Bedeutung sauberer Finanzprozesse oft erst erkannt, wenn es zu spät ist. Genau da kommt zum Tragen, dass für viele Buchhaltung lästig ist, eine gesetzliche Pflicht, nichts weiter. Ich sehe das komplett anders: In meinen Augen ist sie wichtiger als ein perfekter Social-Media-Auftritt oder Employer Branding. Denn was immer wieder unterschätzt wird: Wenn die Zahlen nicht stimmen, stimmt am Ende gar nichts. Ich würde mir daher viel mehr Fokus, Aufmerksamkeit und Wertschätzung für meinen Fachbereich wünschen.
Ihre Geschichte ist eine Erzählung über Jahre, mit einer starken Wachstumsphase ab 2017. Welche Entscheidungen haben damals den Unterschied gemacht zwischen bloßem „Mitlaufen“ und echtem „Skalieren“?
Melanie Kell: Wir bedienen eine klare Nische. Kleine Unternehmen gehen zum Steuerberater, große machen alles inhouse. Dazwischen entsteht Raum für uns. Der echte Unterschied kam durch Sichtbarkeit. Eine sehr gute Agentur hat es geschafft, uns im Internet sichtbar zu machen. Und das Entscheidende war nicht Technik oder Kreativität – sondern die Fähigkeit der Agentur zuzuhören. Sie können sich vorstellen, dass es ein Problem ist, mit Schlagwörtern wie Buchhaltung im Netz gefunden zu werden. Hier bedarf es eines echten Google-Könners, der das so rausarbeitet, dass man sichtbar wird. Heute arbeite ich intensiv an meiner Sichtbarkeit und dem Brand und an der laufenden Entwicklung meines Vertriebs. Aber es funktioniert, wir dürfen weiterwachsen.
In 20 Jahren Unternehmertum läuft nicht immer alles nach Plan. Gab es eine strategische Fehlentscheidung oder eine besonders kritische Phase, aus der Sie im Nachhinein am meisten gelernt haben?
Melanie Kell: Fehler gehören dazu – jeden Tag. Und auch ich habe Fehler gemacht, keine Frage. Ein Beispiel, das mir bis heute prägend im Kopf geblieben ist: 2009 habe ich eine Steuerberatungskanzlei gekauft, nachdem ich einen großen Kunden verloren hatte. Ich wollte damals Mitarbeitende halten und habe emotional entschieden. Heute würde ich das anders machen. Ich würde das Geld in Marketing investieren, das hätte uns weitergebracht. Aber dieses Learning musste ich machen, um dann Beispielsweise den Wert von gutem Marketing schätzen zu lernen.
Gerade im Rechnungswesen passiert durch Digitalisierung und Automatisierung extrem viel. Welche Rolle spielt künstliche Intelligenz heute in Ihrem Business und wie schätzen Sie die KI-Nutzung in der Finanzbuchhaltung generell ein?
Melanie Kell: Natürlich ist die Anwendung von KI vielseitig und wird vieles ändern. Das Thema ist aber nicht, dass die KI die Prozesse nicht automatisieren kann, das Thema ist mehr wie und wo es ansetzt. Es ist wie in vielen Bereichen; die KI kann einfache Sachverhalte heute schon abbilden. Je komplexer ein Geschäftsmodell ist, desto komplexer müssen auch die KI-Anwendungen sein und so mehr braucht es jemanden, der auch Veränderungen nachhalten kann. Zunächst müssen die Prozesse und Arbeitsschritte, die in die Buchhaltung eingespeist werden, richtig gut sein: richtig und vollständig. Sie würden sich wundern, wenn Sie wüssten, wie viel heute in der Buchhaltung händisch nachgepflegt werden muss. Wichtig ist auch, dass die Organisation möglichst stringent organisiert ist.
Nehmen Sie ein Hotel: Hier gibt es Übernachtungen, Gastronomie, Gutscheine, Events und Vorauszahlungen. Wenn für jeden Bereich das Geld aus einer anderen Quelle kommt, ist es sowohl für die KI als auch für den Buchhalter schwer, das zusammen zu führen. Nur wenn es gut organisiert ist, kann es auch gut automatisiert werden. Ich sage immer, unsere Dienstleistung ist nur so gut wie das, was wir geliefert bekommen. Wir arbeiten am Anfang viel mit unserem neuen Kunden zusammen, um genau das sicherzustellen.
Ein weiterer Punkt ist die Akzeptanz der Kunden und auch meines Teams. Alle müssen das lernen, mit der KI zu arbeiten. Das ist auch ein Prozess, der nicht immer gesehen wird. Unsere Kunden sind komplex und anspruchsvoll, das kann die KI noch nicht an jeder Stelle.
In der Branche herrscht Fachkräftemangel. Wie schaffen Sie es, in einem klassischen Markt Fachkräfte zu gewinnen und langfristig zu binden?
Melanie Kell: Unsere Leute fühlen sich wohl. Wir haben ein gutes Miteinander und arbeiten auf Augenhöhe. Wertschätzung ist kein Schlagwort, sondern Alltag. Und ganz ehrlich: Oft reichen genau diese Dinge. Kultur schlägt viele vermeintlich „moderne“ Benefits. Genau daran arbeite ich, dass wir eine gesunde Unternehmenskultur haben, denn wer Spaß an seiner Arbeit hat und sich wohl fühlt, der kommt gern ins Büro und gibt sein Bestes.
Im Jahr 2024 folgte der Verkauf der Mehrheitsanteile an die Infoniqa Group. Was bedeutet ein solcher Schritt in einem klassischen Business – und wie kommt man strategisch an diesen Punkt?
Melanie Kell: Ich bin wie gesagt keine klassische Strategin, die alles Jahre im Voraus plant. Ich nutze Chancen, wenn sie sich ergeben und Infoniqa hat mir eine Chance geboten, die für mich gepasst hat. Ich bin Ende 50, da spielt das Thema Nachfolge eine Rolle. Gleichzeitig wollte ich weiter wachsen und brauchte technologische Unterstützung.
Sie sagen von sich selbst: „Ich bin keine Rampensau – aber wenn es Sinn ergibt, mache ich es.“ Wie wichtig ist es heute, Sichtbarkeit nicht als Show, sondern als strategisches Werkzeug zu nutzen?
Melanie Kell: Sichtbarkeit wird immer wichtiger. Ich arbeite intensiv an meinem LinkedIn-Profil und daran, das Thema Rechnungswesen verständlicher und greifbarer zu machen. Es geht mir dabei definitiv nicht um Show, sondern um Wirkung. Wenn Sichtbarkeit dazu beiträgt, die richtigen Kunden zu erreichen und Vertrauen aufzubauen, dann ist sie ein strategisches Instrument. Und ich wünsche mir generell mehr Wertschöpfung für Rechnungswesen und da hilft es, konkrete Einblicke in meinen Fachbereich zu geben, um ihn greifbarer zu machen.
Viele Founder-Storys klingen heute nach Wachstum um jeden Preis. Warum hat langfristiges Unternehmertum oft weniger Glamour, aber dafür mehr Substanz?
Melanie Kell: Weil echtes Unternehmertum Ausdauer braucht. Es geht nicht um den schnellen Erfolg, sondern darum, über Jahre hinweg gute Entscheidungen zu treffen und auch mit schwierigen Phasen umzugehen. Das ist weniger glamourös, aber deutlich nachhaltiger.
Zum Abschluss gefragt: Welche drei konkreten Ratschläge geben Sie Gründerinnen und Gründern mit auf den Weg?
Melanie Kell: Gelassenheit. Mut. Und: einfach immer weitermachen.
Danke, Melanie Kell, für die spannenden Insights
Das Interview führte StartingUp-Chefredakteur Hans Luthardt
Stallgrün: Mit Hightech-Kräutern gegen den Agrar-Strukturwandel
Leere Ställe als Chance: das 2023 von Judith Ryll und Thorsten Lansmann-Niehaus gegründete Stallgrün nutzt Bestandsbau für Indoor Farming. Wir checken das Modell hinter der aktuellen 125.000-€-DBU-Förderung.
Der Strukturwandel in der deutschen Landwirtschaft ist unaufhaltsam: Allein zwischen 2013 und 2023 ging die Zahl der hiesigen Betriebe mit Schweinehaltung um 44 Prozent zurück, wie Zahlen des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) belegen. Jedes Jahr geben Landwirt*innen auf. Zurück bleiben leere Ställe – und Landwirtschaftsbetriebe auf der Suche nach neuen finanziellen Perspektiven.
Das 2023 in Münster gegründete Start-up Stallgrün will aus diesen „Stranded Assets“ einen lukrativen Zukunftsmarkt formen: Indoor Farming im ehemaligen Schweinestall. Die Deutsche Bundesstiftung Umwelt (DBU) unterstützt das Projekt aktuell mit 125.000 Euro im Rahmen ihrer Green Startup-Förderung. Wir wollten wissen: Wie tragfähig ist das Modell jenseits der Fördergelder wirklich?
Die Köpfe hinter der Idee & die Historie
Hinter Stallgrün stehen die Gründer Judith Ryll und Thorsten Lansmann-Niehaus. Ryll bringt als Biowissenschaftlerin tiefe Expertise in der Pflanzenbiologie mit, während Lansmann-Niehaus – der bezeichnenderweise selbst auf einem Schweinemastbetrieb aufwuchs – die kaufmännische Führung übernimmt. Gefördert durch regionale Inkubatoren wie das Seedhouse, hat das Duo den technologischen Machbarkeitsnachweis bereits erbracht: In den vergangenen zwei Jahren wurde das Konzept auf einer Pilotfarm erfolgreich entwickelt.
Das Geschäftsmodell: Mehr als nur Hardware
Die Grundprämisse ist so simpel wie pragmatisch: Ehemalige Schweineställe sind in der Regel massiv gebaut sowie gut isoliert und bieten damit architektonisch ideale Bedingungen für den ganzjährigen Anbau von regionalen Kräutern und Gemüse. Stallgrün positioniert sich als B2B-Technologie- und Service-Provider für Höfe im Wandel und will deutschlandweit agieren. Das System fußt auf drei wesentlichen Säulen:
- Automatisierte Anlagentechnik: Als Kernprodukt hat das Start-up während der DBU-Förderung eine Anlage entwickelt, welche die Bewässerung, Düngung, Belichtung und Klimatisierung automatisiert steuert.
- Datengetriebene Agrar-Software: Ergänzend liefert das Team spezifische Anbauprotokolle für die teilnehmenden Betriebe. Für geeignete Kulturen wurde der optimale Einsatz von Parametern wie Saatgut, Erde, Dünger, Licht und Bewässerungszyklen definiert.
- B2B-Ökosystem: Um die Einstiegshürde zu minimieren, hat Stallgrün einen Materialhandel für passendes Anbaumaterial aus einer Hand aufgebaut und bietet rechtliche Hilfen bei der Verwaltung an. Zudem unterstützt das Start-up beim Aufbau der Vermarktung.
Stallgrün versteht sich dabei nicht als Feind der traditionellen Landwirtschaft. Laut Lansmann-Niehaus ist Indoor Farming kein Ersatz für den etablierten Freiland- oder Gewächshausanbau, sondern eine wetter- und klimaunabhängige Ergänzung.
Die Vision: Produkte sollen ganzjährig regional verfügbar gemacht werden. Die vermehrte Nutzung regionaler Lebensmittel anstelle von Importen reduziere zudem den Transportaufwand und die daraus entstehenden Emissionen.
Kritische Markteinordnung
Der Markt für Vertical- und Indoor-Farming ist ein hartes Pflaster. Prominente Branchenvorreiter wie das ehemals hochgelobte Berliner Start-up Infarm haben in der Vergangenheit massiv Risikokapital verbrannt, weil die schiere Skalierung von energieintensiven Hightech-Farmen in urbanen Ballungsräumen betriebswirtschaftlich oft zum Scheitern verurteilt war.
Hier liegt der geniale, aber auch kritische Hebel von Stallgrün: Anstatt teure Gewerbeimmobilien anzumieten, nutzt das Team bestehende, ländliche Infrastruktur. Das verhindert eine zusätzliche Versiegelung von Flächen, was auch DBU-Generalsekretär Alexander Bonde als zentralen ökologischen Faktor hervorhebt. Ein weiterer Wettbewerbsvorteil: Viele Höfe verfügen bereits über großflächige Photovoltaikanlagen auf ihren Stalldächern. Damit lässt sich der enorme Strombedarf für die Belichtung und Klimatisierung teilweise direkt durch eigenen, günstigen Sonnenstrom abdecken.
Dennoch bleiben aus unserer Sicht drei gravierende Hürden für das Geschäftsmodell:
- CAPEX-Intensität: Die Umrüstung eines leeren Stalls in eine funktionsfähige Hightech-Anlage ist extrem kapitalintensiv. Es bleibt fraglich, wie Landwirte, die gerade aus der unprofitablen Schweinehaltung ausgestiegen sind, das nötige Investitionskapital für diesen Hardware-Neustart bei ihren Banken abrufen können.
- Radikaler Kulturwandel: Einen traditionellen Schweinemäster in einen agilen, datengetriebenen Indoor-Kräuterproduzenten zu transformieren, erfordert enormen Beratungs- und Change-Management-Aufwand seitens Stallgrün.
- Wettbewerb & Margendruck: Die teilnehmenden Bauern und Bäuerinnen kämpfen letztlich gegen die extrem knappen Margen des Lebensmitteleinzelhandels.
Unser Fazit
Stallgrün liefert einen erfrischend bodenständigen „Hardware-meets-Agrar“-Ansatz in einem Tech-Segment, das lange Zeit von utopischen, rein urbanen Vertical-Farming-Träumereien dominiert wurde. Durch die kluge Umnutzung von Infrastruktur-Altlasten und die clevere Kombination aus Hardware, Software-Protokollen und einem integrierten B2B-Serviceangebot hat das Duo ein System aufgebaut, das ein hohes Skalierungspotenzial besitzt.
Die DBU-Förderung von 125.000 Euro ist ein sauberes Validierungssignal für den positiven ökologischen Impact der Gründer*innen. Die wahre Reifeprüfung wird nun jedoch in den Bilanzen der kooperierenden Landwirte stattfinden: Nur wenn die Höfe durch den automatisierten Anbau zügig ihre hohen Anfangsinvestitionen amortisieren können, wird aus dem Münsteraner Pilotprojekt ein neuer bundesweiter Agrar-Standard. Ein mutiger Pivot für die heimische Landwirtschaft – und ein Start-up, das man als Investor*in und Beobachter*in der Agrar-Wende unbedingt auf dem Zettel haben sollte.
Württemberger Medien: Nachhaltige Wachstumsstrategien
Wie die Württemberger Medien Marketing Agentur Unternehmen mit datengetriebenen Strategien und klarer Positionierung unterstützt.
Digitale Sichtbarkeit ist heute für Unternehmen kein optionaler Erfolgsfaktor mehr, sondern eine Grundvoraussetzung. Märkte werden transparenter, Wettbewerber sichtbarer und Kunden anspruchsvoller. Wer sich behaupten will, muss nicht nur präsent sein, sondern gezielt kommunizieren, analysieren und optimieren. Genau an dieser Schnittstelle zwischen Strategie, Technologie und Kommunikation setzt die wtv Online Marketing Agentur an.
Das Unternehmen hat sich darauf spezialisiert, digitale Potenziale strukturiert zu erschließen und für seine Kunden messbar zu machen. Dabei geht es nicht um kurzfristige Maßnahmen oder einzelne Kampagnen, sondern um nachhaltige Strategien, die Wachstum langfristig unterstützen.
Von der Idee zur klaren digitalen Strategie
Viele Unternehmen starten mit einzelnen Marketingmaßnahmen, ohne eine übergeordnete Strategie zu verfolgen. Social-Media-Kanäle werden aufgebaut, Anzeigen geschaltet oder Inhalte produziert – oft ohne klare Zielsetzung oder langfristige Planung. Das Ergebnis: hohe Aufwände bei begrenzter Wirkung.
Die Württemberger Medien Agentur verfolgt bewusst einen anderen Ansatz. Im Mittelpunkt steht zunächst die Analyse. Bevor Maßnahmen umgesetzt werden, geht es darum, das Unternehmen, die Zielgruppe und den Markt genau zu verstehen.
Dazu gehören unter anderem:
- die Definition klarer Ziele und Zielgruppen
- die Analyse bestehender Marketingaktivitäten
- die Bewertung von Wettbewerbern und Marktposition
- die Identifikation von Potenzialen und Schwachstellen
Auf dieser Grundlage entsteht eine individuelle Strategie, die nicht nur kurzfristige Erfolge ermöglicht, sondern langfristig trägt.
Datenbasierte Entscheidungen statt Bauchgefühl
Ein wesentlicher Unterschied moderner Online-Marketing-Ansätze liegt in der Nutzung von Daten. Während Marketing früher oft stark von Erfahrung und Intuition geprägt war, stehen heute umfangreiche Analysemöglichkeiten zur Verfügung.
Die Württemberger Medien Agentur nutzt diese Möglichkeiten gezielt, um fundierte Entscheidungen zu treffen. Daten werden nicht nur gesammelt, sondern interpretiert und in konkrete Maßnahmen übersetzt. Dadurch lassen sich Maßnahmen kontinuierlich optimieren und Budgets effizient einsetzen.
Diese Arbeitsweise bringt mehrere Vorteile mit sich:
- bessere Planbarkeit von Marketingmaßnahmen
- transparente Erfolgsmessung
- gezielte Optimierung einzelner Kanäle
- langfristige Skalierbarkeit von Strategien
Gerade für wachsende Unternehmen ist diese Transparenz ein entscheidender Faktor.
Ganzheitlicher Blick auf digitale Kanäle
Online-Marketing besteht heute aus einer Vielzahl unterschiedlicher Disziplinen. Suchmaschinenoptimierung, Performance Marketing, Content-Strategie und Social Media greifen ineinander und beeinflussen sich gegenseitig.
Die Württemberger Medien Agentur betrachtet diese Bereiche nicht isoliert, sondern als Teil eines Gesamtsystems. Ziel ist es, die einzelnen Kanäle sinnvoll miteinander zu verknüpfen und so eine konsistente Markenkommunikation zu schaffen.
Dabei werden unter anderem folgende Bereiche integriert:
- Suchmaschinenoptimierung (SEO) für nachhaltige Sichtbarkeit
- Webdesign und Website-Entwicklung für einen professionellen digitalen Auftritt
- Digitale Mitarbeitergewinnung über zielgerichtete Online-Kampagnen
- Ganzheitliche strategische Beratung zur digitalen Sichtbarkeit und Kundengewinnung
Durch diese Verzahnung entsteht ein Marketingansatz, der sowohl kurzfristige Ergebnisse als auch langfristige Wirkung ermöglicht.
Fokus auf messbare Ergebnisse
Ein zentraler Anspruch der Württemberger Medien ist die Messbarkeit von Erfolg. Marketing wird nicht als kreativer Selbstzweck verstanden, sondern als strategisches Instrument zur Erreichung konkreter Unternehmensziele.
Das bedeutet, dass jede Maßnahme klar definierten Kennzahlen zugeordnet wird. Ob Traffic, Conversion-Rate oder Umsatz – die Ergebnisse werden kontinuierlich überprüft und ausgewertet.
Diese Transparenz schafft Vertrauen und ermöglicht es Kunden, ihre Investitionen nachvollziehbar zu steuern. Gleichzeitig bildet sie die Grundlage für eine kontinuierliche Weiterentwicklung der Strategie.
Zusammenarbeit auf Augenhöhe
Neben fachlicher Expertise spielt auch die Zusammenarbeit eine entscheidende Rolle. Die Württemberger Medien Agentur versteht sich nicht als externer Dienstleister im klassischen Sinne, sondern als strategischer Partner.
Das zeigt sich vor allem in der Kommunikation. Projekte werden eng mit den Kunden abgestimmt, Entscheidungen transparent getroffen und Entwicklungen regelmäßig besprochen. Ziel ist es, gemeinsam Lösungen zu entwickeln, die zum jeweiligen Unternehmen passen.
Diese partnerschaftliche Herangehensweise bringt mehrere Vorteile:
- klare Abstimmung von Zielen und Erwartungen
- schnelle Anpassung an Veränderungen
- langfristige Zusammenarbeit statt kurzfristiger Projekte
- bessere Integration in bestehende Unternehmensstrukturen
Gerade in dynamischen Märkten ist diese Flexibilität ein wichtiger Erfolgsfaktor.
Anpassungsfähigkeit in einem dynamischen Umfeld
Die digitale Welt verändert sich kontinuierlich. Neue Plattformen entstehen, Algorithmen werden angepasst und Nutzerverhalten entwickelt sich weiter. Für Unternehmen bedeutet das, dass Strategien regelmäßig überprüft und angepasst werden müssen.
Die Württemberger Medien Agentur begegnet dieser Dynamik mit einem flexiblen Ansatz. Statt starrer Konzepte setzt sie auf kontinuierliche Optimierung und Anpassung. Entwicklungen werden frühzeitig erkannt und in die Strategie integriert.
Dadurch bleiben Kunden nicht nur wettbewerbsfähig, sondern können neue Chancen aktiv nutzen.
Branchenübergreifende Erfahrung
Ein weiterer Vorteil der Württemberger Medien Online Marketing Agentur liegt in ihrer branchenübergreifenden Erfahrung. Zu den Kunden des Unternehmens zählen lokale und regionale Dienstleister, Handwerks- und Gewerbebetriebe sowie Unternehmen aus dem Mittelstand. Dadurch entsteht ein breites Verständnis für verschiedene Geschäftsmodelle, Zielgruppen und Marktmechaniken.
Diese Vielfalt hilft dabei, funktionierende Strategien nicht isoliert zu betrachten, sondern sinnvoll auf andere Bereiche zu übertragen. Was bei einem Dienstleistungsunternehmen zu mehr Sichtbarkeit und Anfragen führt, kann, richtig angepasst, auch für Handwerks- und Gewerbebetriebe sehr gut funktionieren. Gleichzeitig entstehen durch diese Perspektivwechsel oft innovative Ansätze, die über klassische Lösungen hinausgehen.
Dennoch bleibt jede Strategie individuell. Die Württemberger Medien Agentur setzt nicht auf standardisierte Konzepte, sondern passt Maßnahmen präzise an die jeweiligen Anforderungen an. Marktumfeld, Wettbewerbssituation und Zielgruppe werden dabei ebenso berücksichtigt wie interne Strukturen und Ressourcen des Kunden.
So entsteht ein ausgewogenes Verhältnis zwischen Erfahrung und Individualität – eine Kombination, die es ermöglicht, sowohl effizient als auch kreativ zu arbeiten und nachhaltige Ergebnisse zu erzielen.
Nachhaltiges Wachstum statt kurzfristiger Erfolge
Im Zentrum der Arbeit steht ein klares Ziel: nachhaltiges Wachstum. Während viele Marketingmaßnahmen auf schnelle Ergebnisse ausgerichtet sind, verfolgt die Württemberger Medien Agentur einen langfristigen Ansatz. Es geht nicht darum, kurzfristig Aufmerksamkeit zu erzeugen, sondern darum, stabile Strukturen aufzubauen, die dauerhaft funktionieren.
Das bedeutet, dass nicht nur einzelne Kampagnen optimiert werden, sondern das gesamte digitale Fundament eines Unternehmens gestärkt wird. Sichtbarkeit in Suchmaschinen, eine klare Markenpositionierung und eine gezielte Kundenansprache werden Schritt für Schritt aufgebaut und kontinuierlich weiterentwickelt.
Dabei spielen mehrere Faktoren zusammen. Eine technisch optimierte Website sorgt für eine bessere Auffindbarkeit, ein professioneller Markenauftritt stärkt die Außenwirkung und datenbasierte Kampagnen bringen gezielt Reichweite. Durch diese Kombination entsteht ein System, das nicht von einzelnen Maßnahmen abhängig ist, sondern als Ganzes wirkt.
Ein weiterer Vorteil dieses Ansatzes liegt in der Planbarkeit. Unternehmen erhalten eine klare Perspektive, wie sich ihre Marketingaktivitäten entwickeln und welche Ergebnisse realistisch zu erwarten sind. Gleichzeitig bleibt genügend Flexibilität, um auf Veränderungen im Markt zu reagieren und neue Chancen zu nutzen.
Dieser Fokus auf langfristige Entwicklung sorgt dafür, dass Unternehmen nicht nur kurzfristig wachsen, sondern sich nachhaltig im Wettbewerb positionieren können.
Fazit
Die Anforderungen an modernes Online-Marketing sind heute komplexer denn je. Unternehmen müssen sich in einem dynamischen Umfeld behaupten, ihre Zielgruppen verstehen und gleichzeitig effizient arbeiten. Gleichzeitig steigt der Druck, Marketingmaßnahmen nicht nur umzusetzen, sondern auch deren Wirkung nachvollziehbar zu machen.
Die Württemberger Medien Marketing Agentur zeigt, wie sich diese Herausforderungen strukturiert und zielgerichtet angehen lassen. Durch die Kombination aus datenbasierter Analyse, strategischer Planung und kontinuierlicher Optimierung entstehen Lösungen, die messbare Ergebnisse liefern und gleichzeitig langfristig tragen.
Besonders hervorzuheben ist der ganzheitliche Ansatz. Statt isolierter Maßnahmen entwickelt die Agentur ein umfassendes System, in dem alle digitalen Kanäle sinnvoll miteinander verknüpft sind. Dadurch wird nicht nur kurzfristige Sichtbarkeit erzeugt, sondern eine stabile Grundlage für nachhaltiges Wachstum geschaffen.
Für Unternehmen, die ihre digitale Präsenz gezielt ausbauen und langfristig stärken möchten, bietet dieser Ansatz eine klare Orientierung. Er verbindet Strategie, Technologie und Kommunikation zu einem durchdachten Gesamtbild – und schafft damit die Voraussetzungen für kontinuierlichen Erfolg in einem sich ständig verändernden Marktumfeld.
GovTech-Start-up Report 2026
Wir beleuchten, wie mutige Gründer*innen den steinigen Weg durch die Behördenflure meistern, welche Technologien den Markt dominieren und wo das smarte Kapital in diesem Jahr wirklich hinfließt.
Was in der DACH-Region lange als zäher Kampf um kleine GovTech-Pilotprojekte begann, hat sich zu einem hochprofessionellen und beispiellos erwachsenen Markt verdichtet. Befeuert durch die verpflichtende Umsetzung des Onlinezugangsgesetzes (OZG 2.0) – welches ab 2028 einen einklagbaren Rechtsanspruch für Bürgerinnen und Bürger verankert, anstatt auf direkte pauschale Sanktionen zu setzen – sowie den massiven Fachkräftemangel im öffentlichen Dienst, sind die Budgets für digitale Lösungen regelrecht explodiert.
Aktuelle Studien des Bitkom und Auswertungen von KfW Research aus dem Frühjahr 2026 belegen, dass Bund, Länder und Kommunen in diesem Jahr voraussichtlich über vier Milliarden Euro in Software-as-a-Service-Lösungen (SaaS) und Cloud-Infrastrukturen investieren werden, wobei hiervon neben etablierten IT-Dienstleistern zunehmend auch externe Start-ups profitieren. Der technologische Haupttreiber hat sich dabei drastisch verschoben: War es vor wenigen Jahren noch die reine Digitalisierung von PDF-Formularen, dominiert heute unangefochten die „Sovereign AI“ – also künstliche Intelligenz, die datenschutzkonform und auf eigenen europäischen Servern trainiert wird, um komplexe Verwaltungsakte in Sekundenbruchteilen zu prüfen und vorzubereiten.
Die Investitionssummen im europäischen GovTech-Sektor haben sich realisiert; wir sehen mittlerweile Series-B- und Series-C-Runden im hohen zweistelligen Millionenbereich, die beweisen, dass B2G (Business-to-Government) endgültig aus den Kinderschuhen herausgewachsen ist.
Jenseits des digitalen Bürgeramts
Wer heute von GovTech spricht, meint längst nicht mehr nur die Terminvergabe im Bürgeramt. Wichtig zur Einordnung ist hierbei vor allem ein gewaltiger Branchen-Crossover: An den Rändern verschmilzt der digitale Staat zunehmend mit den boomenden Sektoren DefenseTech und Cybersecurity – etwa wenn zivile Verwaltungssoftware plötzlich dual-use-fähig für das Beschaffungsamt der Bundeswehr skaliert wird oder kritische Behördeninfrastrukturen durch neue Cyber-Start-ups militärisch gehärtet werden. Da diese extrem kapitalintensiven Sicherheits-Bereiche jedoch völlig eigene Marktdynamiken besitzen, haben wir sie für unsere diesjährige Top-Start-up-Liste bewusst ausgeklammert; sie werden in eigenen, dedizierten StartingUp-Start-up-Reports tiefgehend analysiert.
Konzentrieren wir uns also auf das rein zivile GovTech, so wird der Markt in diesem Jahr von drei hochspezifischen Sub-Sektoren dominiert. An erster Stelle steht das Procurement-Tech, das den gigantischen öffentlichen Beschaffungsmarkt durch automatisierte Markterkundung und KI-Ausschreibungen radikal transparent macht. Dicht darauf folgt RegTech und Compliance Automation, um die Flut an neuen Regulierungen wie den EU AI Act in die Praxis umzusetzen. Als dritter Pfeiler hat sich CivicTech im Bereich der digitalen finanziellen und räumlichen Partizipation etabliert. Etablierte Pioniere haben hier den Weg geebnet: Polyteia hat sich als unverzichtbare Datenplattform für den öffentlichen Sektor bewiesen, während Nect mit seiner KI-gestützten Identitätsprüfung längst zum Goldstandard für den sicheren digitalen Bürgerzugang geworden ist.
Die Katerstimmung nach dem App-Goldrausch
Trotz der aktuellen Euphorie ist der Weg für GovTech-Gründer mit Gräbern gescheiterter Visionen gepflastert. Ein prominentes Beispiel für einen massiven Hype, der krachend in sich zusammenfiel, war die Ära der isolierten „Smart City Dashboards“ und Bürger*innen-Apps rund um die Jahre der Pandemie, allen voran der rasante Aufstieg und tiefe Fall der Luca App als staatlich finanzierte Contact-Tracing-Lösung. Als die öffentlichen Sondermittel versiegten, zeigte sich schonungslos, dass Geschäftsmodelle ohne tiefgreifende Integration in die kommunale IT-Architektur nicht überlebensfähig sind.
Aus diesen und ähnlichen Crashes lassen sich vier konkrete, fatale Fallstricke für heutige Gründer*innen ableiten. Erstens scheitern Start-ups reihenweise an der Unterschätzung der monatelangen öffentlichen Beschaffungszyklen (Vergaberecht), die jeden klassischen VC-Runway ausbrennen lassen. Zweitens verwechseln viele Gründer B2G mit B2C: Ein schickes Frontend reicht nicht, wenn die Unit Economics nicht stimmen und der Staat nicht pro Nutzer zahlt. Drittens zerschellen Skalierungshoffnungen an der kommunalen Kleinstaaterei, da die rund 11.000 deutschen Kommunen oft völlig autark entscheiden. Viertens und letztens unterschätzen Tech-Teams fast immer die harte IT-Regulatorik: Während auf kommunaler Ebene anfangs oft ISO-27001-Zertifizierungen und lückenlose DSGVO-Nachweise für Basis-Anwendungen ausreichen, ist das Fehlen der anspruchsvollen BSI-Grundschutz-Zertifizierung spätestens im Vertrieb an Bundesbehörden und kritische Infrastrukturen ein massives K.-o.-Kriterium.
Die deutschen Machtzentren der digitalen Republik
Die Landkarte der deutschen GovTech-Exzellenz ist im Jahr 2026 klar umrissen und konzentriert sich auf fünf absolute Hubs, in denen Wissenschaft, Verwaltung und Risikokapital symbiotisch verschmelzen. Berlin bleibt das politische und strategische Epizentrum, massiv befeuert durch den GovTech Campus Deutschland, der Ministerien und Start-ups physisch zusammenbringt, sowie die Hertie School, die als Kaderschmiede das nötige Verwaltungswissen beisteuert. München bildet den technologischen Gegenpol und fungiert als unangefochtene Speerspitze für DeepTech und LegalTech, getragen durch die Exzellenz der Technischen Universität München (TUM), das Center for Digital Technology and Management (CDTM) und den eigens ins Leben gerufenen Legal Tech Colab. Hamburg hat sich durch pragmatische Verwaltungsinnovationen an die Spitze gesetzt, wobei die Venture-Client-Einheit GovTecHH des Senats und die Nähe zur Bucerius Law School eine hochattraktive Testumgebung für RegTech-Gründer*innen bieten. Darmstadt sichert als vierter Hotspot das Fundament des digitalen Staates, da hier mit dem Fraunhofer-Institut für Sichere Informationstechnologie (SIT) und dem Forschungszentrum ATHENE die europäische Elite für Cybersicherheit und BSI-konforme Architekturen ausgebildet wird, ohne die kein GovTech-Start-up überleben kann.
Investor*innen-Radar
Das Kapital hat seine Scheu vor dem öffentlichen Sektor abgelegt und strukturiert sich 2026 in vier sehr professionelle Lager. Bei den spezialisierten VCs agieren Fonds wie Public.io oder Matterwave mittlerweile als absolute Experten, die nicht nur Geld, sondern vor allem unbezahlbare Zugänge in die verschachtelten Behördenstrukturen mitbringen. Auch die Top-Tier Generalisten haben den Markt für sich entdeckt: Renommierte Häuser wie Cherry Ventures und Earlybird, insbesondere über den an Universitäten gekoppelten Earlybird UNI-X Fund, leaden inzwischen kompetitive Runden im Deep-GovTech-Bereich. Eine essenzielle Brückenfunktion übernehmen die Corporate VCs und industrienahen Geldgeber; hier tritt vor allem der halbstaatliche High-Tech Gründerfonds (HTGF) als zentraler Türöffner und Gütesiegel für Folgefinanzierungen auf, dicht gefolgt von SAP.iO und Capgemini Ventures, die junge Lösungen in ihre gigantischen Behörden-Ausschreibungen integrieren. Den Nährboden dieses Ökosystems bilden jedoch die Frühphasen-Motoren und Business Angels, unter denen prominente Köpfe wie Verena Pausder, die massiv in digitale Bildungs- und Verwaltungsinfrastruktur investiert, sowie vernetzte Angel-Syndikate aus dem Umfeld des eco-Verbands, das erste Überlebenskapital und entscheidende Mentoring liefern
Die Top GovTech-Start-ups (Must-Watch)
Um die Spreu vom Weizen zu trennen, haben wir für unsere Must-Watch-Liste strengste Kriterien angelegt. Wie in Abschnitt 3 erläutert, haben wir DefenseTech und reine Cybersecurity-Start-ups für andere Ausgaben reserviert. Wir betrachten ausschließlich echte deutsche zivile GovTech-Start-ups, deren Gründung ab dem Jahr 2020 stattfand, um die neue Generation der Post-Pandemie-Gründer in den Fokus zu rücken. Die Auswahl basiert auf einer tiefgehenden Analyse der aktuellen Marktrelevanz, dem Reifegrad des Geschäftsmodells im harten B2G-Vertrieb, der technologischen Diversität sowie dem nachgewiesenen Investoren-Vertrauen in den letzten Finanzierungsrunden. Reine Beratungsagenturen oder Spin-offs von Großkonzernen wurden konsequent aussortiert.
GovRadar
Gegründet 2020 in München von Sascha Soyk und Daniel Faber, hat sich GovRadar der Entbürokratisierung des öffentlichen Einkaufs verschrieben. Das B2B/B2G-SaaS-Geschäftsmodell bietet eine Plattform, die öffentliche Beschaffungsprozesse und die obligatorische Markterkundung massiv automatisiert und vereinfacht. Der USP liegt in der rechtssicheren Erstellung von Vergabeunterlagen in einem Bruchteil der üblichen Zeit, was das Start-up schnell auf das Radar hochkarätiger Investoren brachte: In ihrer Seed-Runde sicherten sich die Gründer strategisches Kapital von prominenten Business Angels aus Wirtschaft und Politik, darunter Ex-Minister Karl-Theodor zu Guttenberg und Ex-Continental-Chef Wolfgang Reitzle.
GovMind
Im Jahr 2020 von Manuel Kilian in Berlin ins Leben gerufen, operiert GovMind heute faktisch als das "Bloomberg-Terminal" für den öffentlichen Sektor. Das Unternehmen agiert als hochspezialisierte B2B-Datenplattform, deren USP darin besteht, strukturierte Marktanalysen über das fragmentierte GovTech-Ökosystem bereitzustellen, damit Behörden überhaupt erst wissen, welche technologischen Innovationen existieren. Das Modell hat sich als derart unverzichtbares Recherche-Tool für Chief Digital Officer in Bund und Ländern etabliert, dass es zu einer der zentralen Exit-Stories der deutschen Szene wurde: Nach frühen Investments des renommierten GovTech-Fonds PUBLIC wurde das Start-up im Herbst 2024 vollständig von der etablierten GovTech Gruppe übernommen, um die Lösung unter industriellem Dach bundesweit zu skalieren.
Kertos
Das Münchner Start-up Kertos wurde Ende 2021 von Kilian Schmidt, Johannes Hussak und Alexander Prams gegründet und attackiert den massiven Pain Point der europäischen Bürokratie im Bereich RegTech. Das B2B-SaaS-Modell liefert ein Compliance-Betriebssystem, dessen herausragender USP eine KI-native No-Code-Plattform zur vollständigen, automatisierten Umsetzung von Datenschutz-Richtlinien (DSGVO) und Sicherheitsaudits ist. Die Schlagkraft dieser Technologie, die Unternehmen innerhalb weniger Tage für Regulierungen wie den AI Act "audit-ready" macht, bescherte dem Kertos-Team im September 2025 eine signifikante Series-A-Finanzierung über 14 Millionen Euro. Angeführt wurde diese aktuelle Runde vom globalen Investor Portage, flankiert von den treuen Bestandsinvestoren Pi Labs und Redstone.
Naro
Gegründet 2022 in Köln von Nils Krauthausen und Chris Püllen, operiert Naro heute an der hochkomplexen Schnittstelle zwischen FinTech und RegTech. Das Unternehmen, das ursprünglich als agiler ETF-Baukasten für Plattformen startete, bietet mittlerweile eine tiefgreifende B2B-Infrastruktur für rechtssichere Fonds- und Finanzprodukte. Genau dies bietet im Jahr 2026 zunehmend auch hochspannende Anwendungsfälle für staatliche Förderbanken, kommunale Anlagevehikel und komplexe Governance-Strukturen, da die Technologie die regulatorische Aufsetzung eigener Fonds radikal verkürzt. Das Vertrauen in dieses tiefe Infrastrukturmodell, das nach der frühen Begleitung durch La Famiglia (General Catalyst) massiv ausgebaut wurde, zeigte sich zuletzt Mitte 2025 in einer starken Seed-Finanzierung über fast 6 Millionen Euro, angeführt von den VCs Magnetic und Redstone.
JUPUS
René Fergen und Jannis Gebauer gründeten JUPUS im Jahr 2022 in Köln, um den juristischen Sektor ins KI-Zeitalter zu überführen. Das B2B-SaaS LegalTech fokussiert sich auf die KI-gestützte Automatisierung der Mandatsaufnahme und Aktenverwaltung, was als USP nicht nur für klassische Anwaltskanzleien, sondern zunehmend auch für chronisch überlastete staatliche Rechtsorgane und Notariate unverzichtbar ist. Die enorme Skalierbarkeit dieses Modells wurde zuletzt im Frühjahr 2025 durch eine massive Finanzierungsrunde über 6,5 Millionen Euro bestätigt. Als neuer Lead-Investor trat dabei Acton Capital auf, stark flankiert vom frühen Wegbegleiter und Bestandsinvestor, dem High-Tech Gründerfonds (HTGF).
Cityscaper
Im Jahr 2020 in Aachen von Sebastian Witt und Robin Römer gegründet, besetzt Cityscaper eine hochspannende Nische im Bereich CivicTech und kommunaler Stadtplanung. Das B2G-SaaS-Modell liefert eine Augmented-Reality-Plattform (AR), deren herausragender USP es ist, geplante städtebauliche Veränderungen für Bürgerinnen und Bürger direkt vor Ort via Smartphone dreidimensional erlebbar zu machen. Dieser demokratisierende Ansatz, der die klassische Bürgerbeteiligung radikal vereinfacht und teure Bau- und Planungsblockaden auflöst, überzeugte nicht nur schnell erste Modellkommunen, sondern sicherte dem Spin-off der RWTH Aachen auch frühzeitig strategisches Kapital durch branchenspezifische Business Angels und öffentliche Innovationsförderungen.
SUMM AI
Gegründet 2022 in München von Flora Geske, Vanessa Theel und Nicholas Wolf, löst SUMM AI ein gigantisches, oft übersehenes Problem der digitalen Verwaltung: Die gesetzliche Pflicht zur Barrierefreiheit. Das B2B/B2G-SaaS-Modell bietet quasi den universellen „DeepL-Übersetzer für Leichte Sprache“. Der herausragende USP der KI-basierten Plattform besteht darin, hochkomplexe, juristische Behördentexte auf Knopfdruck in leicht verständliche Sprache zu übersetzen. Dies ist angesichts strikter Inklusionsvorgaben für alle öffentlichen Stellen zwingend erforderlich und spart Kommunen Millionen an externen Agenturkosten. Das Fundament für den landesweiten Roll-out der Lösung in den Rathäusern legten die Gründer*innen bereits früh mit einer namhaften, siebenstelligen Finanzierungsrunde, getragen von etablierten Akteuren wie Venture Stars, jvh ventures und Müller Medien.
Ausblick & Fazit: Die nächste Welle rollt heran
Wenn wir den Blick über den deutschen Tellerrand hinaus auf das Jahr 2026 und darüber hinaus richten, zeichnen sich drei gewaltige globale Makro-Trends ab, die auch den europäischen GovTech-Markt unausweichlich verändern werden. Aus den USA schwappt ein massiver Crossover-Trend zwischen DefenseTech und GovTech nach Europa, bei dem Dual-Use-Technologien, die ursprünglich für die zivile Verwaltung gedacht waren, rasant für Sicherheits- und Verteidigungsbehörden skaliert werden. Gleichzeitig erzwingt die globale Strahlkraft der europäischen Gesetzgebung – allen voran der EU AI Act – einen internationalen Boom an Compliance-Automatisierungen, wodurch europäische RegTechs plötzlich zu Exportschlagern werden. Aus dem asiatischen Raum wiederum beobachten wir den unaufhaltsamen Siegeszug von CivicTech-Super-Apps, die staatliche Dienstleistungen, Payment und Bürgerbeteiligung in einer einzigen, extrem nutzer*innenfreundlichen Oberfläche bündeln und damit den Druck auf westliche Regierungen erhöhen, fragmentierte Portale endlich abzuschaffen.
Unser Fazit lautet: Die Zeit der geduldigen Pilotprojekte ist endgültig vorbei. Wer heute im GovTech-Sektor bestehen will, muss nicht nur brillante Technologie liefern, sondern vor allem die Ausdauer für komplexe Vergabezyklen und ein kompromissloses Verständnis für IT-Sicherheit mitbringen – denn der Staat von morgen verzeiht keine Systemausfälle mehr.
MANA: Wie Virtual Office Services den Unternehmensalltag neu strukturieren
Ein detailliertes Portrait von MANA: Virtual Office, digitale Prozesse und persönliche Betreuung für Start-ups und KMU.
Die Arbeitswelt hat sich in den vergangenen Jahren grundlegend verändert. Flexible Arbeitsmodelle, digitale Prozesse und ortsunabhängiges Arbeiten sind längst keine Ausnahme mehr, sondern prägen den Alltag vieler Unternehmen. Gleichzeitig stehen insbesondere Start-ups, Selbstständige und kleine Unternehmen vor der Herausforderung, administrative Aufgaben effizient zu organisieren, ohne dabei wertvolle Ressourcen zu verlieren.
Genau an dieser Schnittstelle setzt MANA an. Das Unternehmen positioniert sich als zentraler Ansprechpartner für organisatorische Prozesse im Hintergrund – mit dem Ziel, den Geschäftsalltag einfacher, strukturierter und digitaler zu gestalten. Weitere Informationen zum Leistungsangebot und zur Struktur des Unternehmens finden sich unter https://we-are-mana.com/.
Von der Idee zur Lösung: Warum MANA entstanden ist
Wer gründet, konzentriert sich zunächst auf Produkt, Markt und Wachstum. Doch schnell wird deutlich, dass administrative Aufgaben einen erheblichen Teil der täglichen Arbeit ausmachen. Posteingang, Dokumentenmanagement oder rechtliche Anforderungen gehören zu den grundlegenden Pflichten – sind jedoch selten der eigentliche Fokus eines Unternehmens.
Gerade in kleinen Teams oder bei Einzelunternehmen entstehen dadurch typische Herausforderungen:
- fehlende Zeit für organisatorische Aufgaben
- unklare Abläufe im Umgang mit Dokumenten
- Unsicherheiten bei rechtlichen Anforderungen
- mangelnde Struktur im Tagesgeschäft
MANA setzt genau hier an und verfolgt einen Ansatz, der diese Prozesse bündelt und vereinfacht. Ziel ist es, Unternehmen von administrativen Aufgaben zu entlasten, ohne dass diese eigene Strukturen aufbauen müssen.
Virtual Office neu definiert
Das Konzept des Virtual Office ist grundsätzlich bekannt, wird jedoch häufig auf die Bereitstellung einer Geschäftsadresse reduziert. MANA erweitert diesen Ansatz um digitale und organisatorische Komponenten, die über klassische Angebote hinausgehen.
Im Zentrum stehen dabei:
- eine ladungs- und handelsregisterfähige Geschäftsadresse
- ein strukturierter Postservice
- digitale Bereitstellung eingehender Dokumente
Alle eingehenden Sendungen werden digitalisiert und online zur Verfügung gestellt – in vielen Fällen noch am Tag des Eingangs. Dadurch entsteht ein jederzeit verfügbarer Überblick über wichtige Unterlagen. Originaldokumente können bei Bedarf zuverlässig weitergeleitet werden.
Diese Kombination ermöglicht es Unternehmen, ortsunabhängig zu arbeiten und gleichzeitig alle formalen Anforderungen zu erfüllen.
Persönliche Betreuung als zentraler Unterschied
Ein wesentliches Merkmal von MANA ist der persönliche Ansatz. Während viele Anbieter auf standardisierte Prozesse und automatisierte Abläufe setzen, legt das Unternehmen Wert auf direkte Ansprechpartner und individuelle Betreuung.
Das zeigt sich insbesondere in:
- persönlicher Kommunikation statt anonymem Support
- festen Ansprechpartnern für individuelle Anliegen
- schnellen und nachvollziehbaren Lösungen
Diese Struktur schafft Vertrauen und sorgt dafür, dass Kunden nicht als Nummer behandelt werden. Gerade für kleinere Unternehmen kann dieser persönliche Kontakt ein entscheidender Faktor sein.
Berlin im Fokus – Expansion in weitere Städte
Der aktuelle Schwerpunkt von MANA liegt auf Berlin. Als einer der wichtigsten Gründerstandorte Europas bietet die Stadt ideale Voraussetzungen für junge Unternehmen und innovative Geschäftsmodelle.
Eine Geschäftsadresse in Berlin kann dabei nicht nur formale Vorteile bieten, sondern auch die Außenwirkung eines Unternehmens stärken.
Gleichzeitig ist die Expansion bereits geplant:
- München als nächster zentraler Standort
- perspektivische Erweiterung nach Hamburg und Frankfurt
Diese Entwicklung zeigt, dass das Modell skalierbar ist und sich an unterschiedliche Märkte anpassen lässt.
Digitale Prozesse als Fundament
Ein zentraler Bestandteil des Konzepts ist die konsequente Digitalisierung administrativer Abläufe. Prozesse, die traditionell zeitintensiv und papierbasiert sind, werden hier strukturiert und vereinfacht.
Dazu gehören unter anderem:
- digitale Erfassung und Archivierung von Dokumenten
- ortsunabhängiger Zugriff auf Post und Unterlagen
- klare Strukturierung von Geschäftsprozessen
Der Vorteil liegt in der Transparenz: Unternehmen behalten jederzeit den Überblick über ihre Dokumente und können schnell auf relevante Informationen zugreifen.
Flexible Nutzung von Meetingräumen
Neben den digitalen Services bietet MANA die Möglichkeit, Meetingräume bei Bedarf zu nutzen. Diese können flexibel gebucht werden und eignen sich für unterschiedliche Einsatzbereiche:
- Kundentermine
- Präsentationen
- interne Besprechungen
Dadurch entsteht eine Kombination aus digitaler Flexibilität und physischer Infrastruktur – ohne langfristige Verpflichtungen für feste Büroflächen.
Für wen das Modell besonders geeignet ist
Das Angebot von MANA richtet sich vor allem an Unternehmen, die flexibel arbeiten und gleichzeitig professionelle Strukturen benötigen.
Dazu zählen insbesondere:
- Start-ups in der Aufbauphase
- Selbstständige und Freelancer
- kleine und mittlere Unternehmen
Besonders relevant ist das Modell für Unternehmen, die keine eigenen Büroräume benötigen oder bewusst auf flexible Lösungen setzen. Gleichzeitig profitieren alle, die administrative Prozesse auslagern möchten, ohne die Kontrolle zu verlieren.
Einordnung im Wettbewerbsumfeld
Der Markt für Virtual Offices wächst seit Jahren kontinuierlich und wird zunehmend vielfältiger. Zahlreiche Anbieter positionieren sich mit ähnlichen Grundangeboten, unterscheiden sich jedoch deutlich in ihrer Umsetzung, ihrem Serviceverständnis und ihrer Zielgruppenansprache. Während viele Lösungen stark standardisiert und auf Skalierung ausgelegt sind, zeigt sich bei genauerem Hinsehen, dass nicht alle Anbieter denselben Anspruch an Betreuung und Struktur verfolgen.
MANA wählt hier bewusst einen differenzierten Ansatz. Im Fokus stehen nicht allein digitale Prozesse, sondern deren Kombination mit persönlicher Betreuung und klar nachvollziehbaren Abläufen. Statt anonymer Massenabwicklung setzt das Unternehmen auf direkte Ansprechpartner und eine Zusammenarbeit, die stärker auf individuelle Anforderungen eingeht.
Das zeigt sich insbesondere in:
- dem Fokus auf persönliche Betreuung statt standardisierter Prozesse
- der Verbindung aus digitaler Infrastruktur und individueller Unterstützung
- klar strukturierten, verständlichen Abläufen ohne unnötige Komplexität
Diese Ausrichtung spricht vor allem Unternehmen an, die neben Effizienz auch Wert auf Verlässlichkeit, Transparenz und direkte Kommunikation legen. Gerade für kleinere Unternehmen und Gründer kann dieser Ansatz einen spürbaren Unterschied im Alltag machen.
In einem Interview von MANA mit business-on wird zudem deutlich, wie stark der Fokus auf praxisnahe Lösungen und persönliche Zusammenarbeit gelegt wird – insbesondere mit Blick auf die Bedürfnisse kleiner und wachsender Unternehmen.
Skalierbarkeit und Zukunftsperspektiven
Das Konzept von MANA ist darauf ausgelegt, mit den Anforderungen moderner Unternehmen mitzuwachsen. Gerade in einem Umfeld, das zunehmend von Digitalisierung, Flexibilität und dynamischen Geschäftsmodellen geprägt ist, gewinnen skalierbare Lösungen an Bedeutung. Unternehmen benötigen Strukturen, die sich anpassen lassen – sowohl in frühen Gründungsphasen als auch im weiteren Wachstum.
Digitalisierung, Automatisierung und ortsunabhängige Arbeitsmodelle werden dabei weiterhin eine zentrale Rolle spielen. Lösungen wie die von MANA greifen genau diese Entwicklung auf, indem sie administrative Prozesse vereinfachen und gleichzeitig flexibel erweiterbar bleiben.
Mögliche Entwicklungen umfassen:
- den weiteren Ausbau digitaler Services und automatisierter Abläufe
- die Erweiterung auf zusätzliche Städte und wirtschaftlich relevante Standorte
- die kontinuierliche Optimierung der Nutzererfahrung und Prozessstruktur
Gleichzeitig bleibt der persönliche Ansatz ein wesentlicher Bestandteil des Modells. Auch im Zuge des Wachstums steht die direkte Betreuung im Vordergrund – ein Aspekt, der insbesondere für kleinere Unternehmen und Gründer eine wichtige Rolle spielt. Die Herausforderung wird darin liegen, Skalierung und persönliche Betreuung langfristig in Einklang zu halten.
Fazit
MANA steht exemplarisch für eine Entwicklung, die viele Unternehmen aktuell betrifft: Administrative Prozesse werden zunehmend ausgelagert und digitalisiert, um Ressourcen zu sparen und Abläufe effizienter zu gestalten. Virtual Office Services entwickeln sich dabei von einer ergänzenden Lösung hin zu einem eigenständigen Organisationsmodell, das sich flexibel in unterschiedliche Unternehmensstrukturen integrieren lässt.
Die Kombination aus ladungsfähiger Geschäftsadresse, digitalem Postservice und persönlicher Betreuung bietet eine klar strukturierte Grundlage für den Unternehmensalltag. Besonders für Start-ups, Selbstständige und kleinere Unternehmen entsteht dadurch ein Umfeld, das sowohl Flexibilität als auch Verlässlichkeit ermöglicht – ohne die Notwendigkeit, eigene komplexe Infrastrukturen aufzubauen.
Mit Blick auf die weitere Entwicklung digitaler Arbeitsmodelle ist davon auszugehen, dass die Nachfrage nach solchen Lösungen weiter steigen wird. Unternehmen, die frühzeitig auf strukturierte, digitale und gleichzeitig persönliche Systeme setzen, schaffen sich damit eine stabile Basis für nachhaltiges Wachstum und langfristige Anpassungsfähigkeit.
