Geschäftsideen Safety: Das Rettungsluftkissen im Armband

Lebensretter im Miniformat


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Jährlich ertrinken laut Weltgesundheitsorganisation weltweit 372.000 Menschen. Das deutsch-amerikanische Gründerteam um Athansasios bietet nun eine Lösung für dieses Problem an: Kingii ist ein Lebensretter im Miniformat, ein Armband mit integriertem Luftkissen, das sich im Notfall in Sekundenschnelle aufbläst.

Namensgeber für Kingii ist eine Kragenechse, die ihre Halskrause bei Gefahr fächerartig aufstellt. Der kleine und praktische Lebensretter Kingii richtet sich an alle Angler, Hobby- und Berufssportler, wassersportbegeisterte Kinder und Erwachsene, die auf dem Meer oder See, im Pool oder Fluss auf Nummer sicher gehen wollen. Aufgrund der geringen Größe behindert Kingii weder beim Schwimmen noch beim Angeln, Segeln oder Surfen.

Kommt es im Wasser zu einer brenzligen Situation, so muss nur ein Hebel betätigt werden, damit sich das Luftkissen mit CO2 füllt. Innerhalb von Sekunden bläst es sich dann auf und sorgt für den benötigten Auftrieb. Danach kann man sich am Ballon festhalten und sich in Sicherheit bringen oder mit der am Produkt angebrachten Pfeife Hilfe herbeirufen. Im Notfall hält sich die Luft für mehr als 40 Stunden im Kissen und hat zudem einen integrierten Kompass.

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paXos Solar: Das Kraftwerk-Dach

Sieben Jahre Entwicklung, ein renommierter Design-Preis und ein ambitioniertes Crowdinvesting: Wie das Start-up paXos Solar der Gründer Karsten Birkholz und Guido Schumacher den umkämpften Markt für gebäudeintegrierte Photovoltaik (BIPV) aufmischen will – und warum das Nadelöhr im Handwerk liegt.

Das Langenfelder GreenTech-Start-up paXos Solar hat mit seinem „Multi-Energie-Dach“ den Green Product Award 2026 in der Kategorie Building Design gewonnen. Das Konzept verspricht, das Dach vom bloßen Witterungsschutz zum integrierten Kraftwerk für Strom und Wärme zu transformieren. Für das Hardware-Start-up markiert dieser renommierte Preis einen Meilenstein auf dem Weg zur nächsten Finanzierungsrunde. Dennoch zeigt ein tieferer Blick auf das Geschäftsmodell, die tiefen Wurzeln des Teams im Engineering und die hochkomplexe Wettbewerbslandschaft, dass der Markt für gebäudeintegrierte Photovoltaik (BIPV) weit mehr verlangt als gutes Design.

Die Auszeichnung als Momentum

Ende Mai 2026 wurde im Berliner Colosseum der Green Product Award verliehen. Unter 1.200 Einreichungen aus 54 Ländern setzte sich das Multi-Energie-Dach von paXos durch. Die Jury lobte insbesondere den ganzheitlichen Ansatz, der Aspekte wie Verarbeitung, Lebenszyklus, Langlebigkeit und die Kreislauffähigkeit der Materialien berücksichtigt. Für paXos kommt die Auszeichnung genau zur rechten Zeit, da das Start-up in rund einem Monat eine Skalierungsrunde über die Crowdinvesting-Plattform FunderNation starten will.

Warum man sich in einer solch kapitalintensiven Hardware-Phase für die Crowd und gegen klassisches Venture Capital (VC) entschieden hat? „Wir sehen Crowdinvesting nicht als Ersatz für professionelle Investoren, sondern als sehr passenden Baustein für unsere aktuelle Skalierungsphase“, erklärt CFO Guido Schumacher. Über die Plattform könne man Kapital aufnehmen, ohne die Gesellschafterstruktur zu früh und zu stark zu verwässern.

Zudem gehe es um Reichweite und Community-Aufbau. Schumacher betont: „Unser Produkt lebt von Vertrauen, Sichtbarkeit und Weiterempfehlung. Eine Crowdinvesting-Kampagne bringt uns mit Menschen zusammen, die die Energiewende im Gebäudesektor aktiv unterstützen, selbst bauen oder im Handwerk tätig sind.“

„Klassisches VC-Geld schließen wir für spätere, größere Skalierungsschritte nicht aus“, räumt er ein. Doch zunächst liege der Fokus auf dem aktuellen Ausbau. „Für den nächsten Marktausbau planen wir ein Finanzierungsziel von bis zu 1,5 Millionen Euro“, kündigt der CFO an. „Damit wollen wir insbesondere Material und Projekte vorfinanzieren sowie unser Vertriebs- und Verarbeitungspartnernetzwerk ausbauen.“

Die Wurzeln im Engineering: Ein Corporate Spin-off mit langem Atem

Hinter paXos Solar steckt kein klassisches Hochschul-Spin-off in den frühen Zwanzigern. Das Kernteam um CEO Karsten Birkholz und CFO Guido Schumacher verbindet eine über 30-jährige gemeinsame berufliche Vorgeschichte, stark verwurzelt in der Automobilindustrie und dem klassischen Engineering. Zusammen mit Erfinder Peter Hakenberg bauten sie ab 2015 zunächst das erfolgreiche Ingenieurbüro paXos Consulting & Engineering auf.

Bereits im Jahr 2017 sorgte die Truppe auf der Hannover Messe für Schlagzeilen, als erste Prototypen in den Medien voreilig als deutsche Antwort auf das Tesla Solar Roof gehandelt wurden. Guido Schumacher relativiert diesen frühen Hype heute: „Der Tesla-Vergleich war damals natürlich aufmerksamkeitsstark, aber 2017 standen wir nicht kurz vor einem fertigen Marktstart.“

Bis das hardwareintensive Produkt vollends marktreif war, vergingen fast sieben Jahre. Erst Ende 2024 startete das Unternehmen voll in den operativen Betrieb. „Ein Solardach ist kein klassisches Tech-Produkt, das man nach einem funktionierenden Demonstrator einfach skaliert“, gibt Schumacher zu bedenken. „Es muss über Jahrzehnte dicht, sicher, belastbar und wirtschaftlich funktionieren – und es muss auf der Baustelle von Dachdeckern verarbeitet werden können.“

Dass paXos diese enorm lange und risikoreiche Vorlaufzeit überstand, lag auch an der eigenen Entstehungsgeschichte. „Ein wesentlicher Teil der frühen Entwicklung konnte über paXos Consulting & Engineering querfinanziert werden“, verrät der CFO. Die wahre Hürde sei eine andere gewesen: „Die größte Herausforderung lag weniger in der Technik als im mentalen Wechsel“, blickt er zurück. „Als Ingenieurdienstleister denkt man in individuellen Kundenprojekten. Als Produktunternehmen muss man in Standards, Wiederholbarkeit, Lieferketten und Marge denken.“

Technologie und Lieferkette: Das Doppelkraftwerk auf dem Prüfstand

Das Kernprodukt von paXos ersetzt konventionelle Dachziegel vollständig. Auf einem soliden Unterdach aus gewöhnlichem Stahltrapezblech werden werkzeuglos Solarmodule eingehängt. Der technologische Clou: Ein Kamineffekt zwischen Blech und Modul sorgt für eine kontinuierliche Hinterlüftung, was einen leistungsmindernden Hitzestau verhindert. Die warme Luft wird zudem abgesaugt und einer Wärmepumpe zugeführt, was deren Energiebedarf laut Unternehmensangaben um bis zu 20 Prozent senken kann.

Auf die kritische Frage nach der Resilienz der globalen Lieferketten antwortet CEO Karsten Birkholz entwaffnend ehrlich: „Unsere Glas-Glas-Solarmodule werden aktuell in Asien nach unseren Spezifikationen gefertigt.“ Er verteidigt diesen Schritt selbstbewusst: „Dort finden wir derzeit die beste Kombination aus hoher Fertigungsqualität, technologisch führender Zelltechnologie und wirtschaftlicher Skalierbarkeit.“

Dennoch versichert Birkholz, sich nicht von Standard-Importen abhängig zu machen. „Wir kaufen keine Standardmodule von der Stange. Die paXos-Qualität entsteht durch unser spezifisches Moduldesign und die Integration in unser Dachsystem“, betont der CEO. Die eigentliche Wertschöpfung des Start-ups liege in der Systemintegration und der Logik des Dachaufbaus.

Der Markt und seine kritischen Hürden

Obwohl der Markt für energetische Dachsanierungen gigantisch ist, muss sich paXos in einem dicht besiedelten Umfeld gegen Anbieter wie Autarq, Ennogie oder traditionelle Ziegelhersteller behaupten. Die größte Skalierungshürde liegt jedoch oft nicht in der Technologie, sondern in der Schnittstelle zum traditionellen Handwerk. Ein Indach-System verwischt häufig die Grenzen zwischen dem/der Dachdecker*in und dem/der Elektriker*in – was in der Praxis regelmäßig zu Gewährleistungsängsten führt.

PaXos begegnet diesem Flaschenhals mit einer strikten konzeptionellen Trennung. „Unser wichtigstes Argument ist: Es bleibt im Kern ein Dachsystem“, stellt Karsten Birkholz klar. „Wir trennen die Funktionen bewusst: Das Unterdach übernimmt die Wasserführung und den Wetterschutz, die PV-Ziegel bilden die energieerzeugende Ebene darüber.“ Das reduziere die Sorgen der Handwerker*innen massiv.

Zudem punkte man mit hoher Reparaturfreundlichkeit, verspricht der CEO: „Bei uns können einzelne Module vergleichsweise einfach ausgetauscht werden, ohne das gesamte Dach öffnen zu müssen. Das ist für Dachdecker ein starkes Argument, weil es die langfristige Verantwortung beherrschbarer macht.“ Sein Fazit zum Schnittstellen-Problem ist entsprechend deutlich: „Wir verwischen die Gewerke nicht, sondern strukturieren sie sauber. Der Dachdecker verantwortet den Dachaufbau und die Montage, der Elektriker verantwortet Verschaltung und Inbetriebnahme.“

Einordnung für die StartingUp-Community

Für Gründer*innen und Investor*innen im GreenTech-Sektor liefert paXos Solar eine wertvolle Fallstudie. Der Case untermauert, dass physische Hardware im CleanTech-Bereich zwar langwierig ist, aber das unverzichtbare Rückgrat der realen Energiewende bildet.

Darüber hinaus bedient die intelligente Verschmelzung der klassischen Gebäudehülle mit moderner Stromerzeugung und thermischer Unterstützung exakt das ganzheitliche Denken, das heute von modernen ESG-Investor*innen gefordert wird. Der anstehende Schritt hin zum Crowdinvesting ist dabei ein strategisch kluger Schachzug, um bei einem emotional aufladbaren Produkt Kleininvestor*innen direkt zu Markenbotschafter*innen zu machen. Ob das erfahrene Team nach den Design-Jurys nun auch das traditionelle deutsche Bauhandwerk in der Breite überzeugen kann, wird sich in der anstehenden Wachstumsphase zeigen müssen.

Vom Planungs-Tool zum Kraftwerks-Betreiber: Furo greift im Milliardenmarkt für Industriespeicher an

Das Software-Unternehmen Furo, ehemals Lumera Energy, bringt eine neuartige Lösung für gewerbliche Batteriespeicher auf den Markt. Das große Versprechen des Münchner Gründungsteams: eine deutlich schnellere Amortisation der Anlagen durch KI-gestützte Multi-Use-Optimierung. Doch wie realistisch sind diese ambitionierten Ziele in einem hochkomplexen und streng regulierten Marktumfeld?

Gegründet wurde Furo im Jahr 2025 von Lena Sophia Voß, Leonie Wagner und Simon Wittner. Das Trio bringt Praxiserfahrung aus dem Silicon Valley mit – geprägt durch Stationen bei Apple, Google X und der Boston Consulting Group sowie akademischen Abschlüssen der Stanford University und der UC Berkeley.

Auf die Frage, warum man mit einer solchen Vita ausgerechnet im oft zähen Deutschland gründet und nicht in den USA bleibt, kontert Mitgründerin Lena Sophia Voß die landläufige Skepsis selbstbewusst. „Oft hört man, man solle in Deutschland gar nicht gründen. Dem würden wir so nicht zustimmen“, betont Voß. Sie verweist auf das extrem gründungsaffine Münchner Netzwerk und Förderungen wie das exist-Gründungsstipendium, welches die Startphase des Unternehmens maßgeblich mitfinanziert hat.

Dennoch räumt die Gründerin strukturelle Hürden ein: „Was jedoch stimmt: In Deutschland geht vieles noch langsamer. Unternehmen zu gründen, Finanzierungsrunden abzuschließen – all das dauert hier länger.“ Auch die Mentalität unterscheide sich stark: „Kulturell wird man hierzulande immer noch gefragt, warum man so viel Risiko auf sich nimmt, anstatt einem sicheren Job nachzugehen. Unsere amerikanischen Freunde haben da ganz anders reagiert.“

Planung und Echtzeitbetrieb aus einer Hand

Nachdem sich das junge Start-up in der DACH-Region und Spanien bereits erfolgreich als Standard-Tool für die Simulation gewerblicher Speicher etabliert hat, folgt nun der nächste strategische Schritt: Mit dem neuen Software-Launch übernimmt die Plattform künftig nach der Planung auch nahtlos den Echtzeitbetrieb, die Optimierung und die Vermarktung der Anlagen.

Das System basiert auf einer „virtuellen Batterie“. Dieser digitale Zwilling soll bereits vor der Installation die zu erwartenden Einnahmen exakt berechnen. Sobald die Anlage am Netz ist, übernehmen KI-gestützte Prognosen, aktiver Energiehandel und eine kontinuierliche Multi-Use-Optimierung die Steuerung. Furo stellt Industriebetrieben in Aussicht, ihr wirtschaftliches Potenzial um bis zu 40 Prozent zu steigern und die Amortisationszeit von branchenüblichen 15 auf sportliche fünf Jahre zu verkürzen.

Doch wie beweist man konservativen Industriekunden solche traumhaften Laborwerte im realen Betrieb? Voß setzt hier auf radikale Transparenz: „Bevor ein Kunde auch nur einen Cent investiert, starten wir mit einer Potenzialanalyse auf Basis historischer Verbrauchsdaten. Erst dann kommt unsere virtuelle Batterie ins Spiel.“

Der eigentliche Clou liege in der Technologie selbst: „Dieses Prognosemodell ist dasselbe, das später auch den echten Betrieb steuert – jede Projektion ist damit direkt an der Realität messbar“, verspricht die Gründerin. Während traditionelle Systeme nach statischen Regeln agieren, nutze Furo eine vorausschauende KI, die auf Basis von Echtzeitpreisen und Wetterdaten berechnet, wie der Speicher am Folgetag am wirtschaftlichsten eingesetzt wird. Voß bringt es auf den Punkt: „Was wir garantieren: Kein Kunde geht ohne eine belastbare, datenbasierte Kalkulation in eine Investitionsentscheidung.“

Start-up vs. Energie-Goliaths: Ein unterversorgtes Marktsegment

Während etablierte Betreiber*innen virtueller Kraftwerke sich vorrangig auf lukrative Großspeicher ab 10 Megawatt konzentrieren, bleibt das gewerblich-industrielle Segment oft unterversorgt. Furo besetzt genau diese Nische für Anlagen im Bereich von rund 150 Kilowatt bis hin zu über 3 Megawatt.

Dass etablierte Energiemarkt-Riesen Furo diesen Platz einfach streitig machen könnten, glaubt Voß nicht. Gewerbliche Speicher müssten gleichzeitig Eigenverbrauch maximieren, Lastspitzen kappen, Netzentgelte optimieren und am Energiemarkt teilnehmen. „Diese Kombination aus mehreren Anwendungsfällen in einem einzigen System – das ist die eigentliche Komplexität, die große Energieversorger und Aggregatoren nicht abbilden können“, analysiert sie messerscharf. Deren Systeme seien auf reine Marktarbitrage ausgelegt, nicht auf die betriebliche Realität einer Fabrik.

Auch Batteriehersteller*innen seien keine direkte Konkurrenz, da sie unter enormem asiatischen Hardwaredruck stünden und kaum Kapazitäten für eigene Softwareentwicklung hätten. Player wie Enpal, die Deutsche Bahn, sonnen, Fenecon oder BayWa arbeiten laut Furo bereits mit dem Start-up zusammen. Wer heute noch in dieses Segment wolle, müsse bei null anfangen. „Mit jeder neuen Partnerschaft werden wir jeden Tag schneller. Das kann niemand einfach replizieren“, untermauert Voß den Burggraben ihres Unternehmens.

Was passiert, wenn sich der Markt beruhigt?

Die Versprechen klingen verlockend, bedürfen jedoch einer kritischen Betrachtung. Die anvisierte fünfjährige Amortisationszeit hängt naturgemäß stark an dauerhaft hohen Preisschwankungen am Strommarkt. Sollte sich diese Volatilität durch den Netzausbau künftig stabilisieren, könnten die Margen im Energiehandel empfindlich schrumpfen. Zudem erfordert die internationale Skalierung in teils stark regulierte Netze einen massiven Entwicklungsaufwand.

Auf das Risiko schrumpfender Margen angesprochen, verweist Voß auf ein robustes Erlösmodell. „Unser Umsatzmodell ist bewusst dreigleisig aufgebaut: eine SaaS-Lizenz für die Planungsplattform, eine Betriebslizenz für das Betriebssystem und ein Erfolgsanteil an Handelserträgen“, erklärt sie. Die Lizenzeinnahmen seien von kurzfristigen Preissprüngen völlig unabhängig. Zudem funktioniere die Wertschöpfung durch lokale Optimierungen beim Kund*innen – wie Lastspitzenkappung – auch in einem stabilen Preisumfeld weiterhin wirtschaftlich.

Unser Fazit

Furo liefert ein Paradebeispiel für einen klugen strategischen Ansatz: Aus einem reinen Einstiegsprodukt zur Anlagenplanung wird sukzessive ein umfassendes Ökosystem. Mit dem initialen Tool hat das Team Vertrauen bei mittlerweile rund 100 zahlenden Kund*innen und über 600 Nutzer*innen aufgebaut. Der nun vollzogene Schritt zum aktiven Anlagenbetreiber ist logisch, verlagert das Geschäftsrisiko jedoch stark in Richtung der technischen Ausführung.

Für die kommenden zwölf Monate steht laut Voß vor allem der vollständige Rollout der Plattform im Fokus. „Wir übernehmen die intelligente Steuerung der Speicher in Echtzeit und optimieren sie täglich neu.“

Die größte Herausforderung bleibt allerdings die Politik und die träge Infrastruktur. Die laufende Reform der Netzentgelte betrachtet Voß noch als Chance für agile Software-Anbieter. Viel mehr Kopfzerbrechen bereitet der Gründerin hingegen die Hardware-Realität: „Das strukturelle Problem bleibt der Netzanschluss: Zu viele Projekte warten zu lange, bis sie überhaupt ans Netz dürfen. Das bremst nicht nur uns – das bremst die gesamte Energiewende.“

Vom Corona-Hilfsprojekt zur Tech-Plattform: BON BON greift nach dem Gastro-Gutscheinmarkt

Wie sich das Hamburger GastroTech-Start-up BON BON der Gründer David Bernhard, Patrick Kosmala und Malte Steiert neu positioniert und mit smarten Kassen-Schnittstellen den 10-Milliarden-Gutscheinmarkt erobern will.

Steigende Kosten, kurzfristige Reservierungsabsagen und eine spürbare Konsumzurückhaltung setzen die deutsche Gastronomiebranche im Jahr 2026 massiv unter Druck. In diesem Klima positioniert sich das Hamburger GastroTech-Unternehmen BON BON mit einem Plattform- und Markenrelaunch neu. Der Plan des Start-ups: Es will sich vom reinen Gutscheinanbieter zum Technologie- und Infrastrukturpartner der Branche wandeln. Damit rückt der deutsche Gutscheinmarkt, der ein jährliches Gesamtvolumen von rund zehn Milliarden Euro aufweist, ins strategische Visier der Hanseaten.

Pandemie-Baby wird erwachsen: Der Weg ins B2B-Geschäft

Die Wurzeln von BON BON liegen in der Corona-Pandemie. Das Start-up ging aus der Solidaritäts-Initiative PayNowEatLater hervor, die 2020 als digitaler Rettungsschirm ins Leben gerufen wurde. Was als Hilfsaktion durch die vier Gründer David Bernhard, Patrick Kosmala, Niclas Störmer und Malte Steiert begann, verbindet heute gastronomische Betriebe mit Endverbraucher*innen und Firmenkund*innen.

Der Weg vom provisionsfreien Projekt zur B2B-Plattform ist jedoch ressourcenintensiv. Auf die Frage, wie dieser Sprung finanziert wurde und ob Venture Capital im Spiel war, erklärt Co-Gründer David Bernhard: „Tatsächlich konnten wir die Dynamik und den Rückenwind aus der Corona-Zeit nutzen, um die Weiterentwicklung aus eigener Kraft zu finanzieren. Dadurch ist BON BON bis heute vollständig bootstrapped und wir können unabhängig von externem Investorendruck unsere langfristige Vision verfolgen.“

Kassen-Schnittstellen: Der technische Umbau

Der strategische Kern der Neuausrichtung ist der Ausbau nativer Schnittstellen zu Kassen-Systemen (POS). Durch diese Systemintegration sollen Gutscheine automatisiert direkt am Tresen validiert und verbucht werden. Das Unternehmen gibt an, damit den administrativen Aufwand im operativen Alltag der Betriebe drastisch senken zu wollen. Die Gutscheine selbst sind deutschlandweit in über 10.000 Partner*innen-Betrieben einlösbar – von der Kiez-Gastronomie bis zur 3-Sterne-Küche.

Der Aufbau dieses Netzwerks sei laut Unternehmen ein zentraler Schritt gewesen. Rund 1.500 Gastronomien stammen noch direkt aus der Pandemie-Phase, der Rest sei organisch durch Empfehlungen, Messen und den Ausbau von Einzelbetrieben hin zu Ketten gewachsen.

Bezüglich der Abwanderungsquote im Wettbewerb verweist der Gründer auf das eigene Angebot: „Die Churn-Rate zu alternativen Angeboten ist bei uns sehr gering, da unser Leistungsversprechen und die erzielbaren, klar messbaren Ergebnisse für die Gastronomien äußerst überzeugend sind. Die häufigsten Gründe für Abgänge sind tatsächlich Insolvenzen oder Geschäftsaufgaben – bedingt durch die insgesamt herausfordernde wirtschaftliche Lage in der Gastronomie.“

Monetarisierung und Social Impact

Begleitet wird diese Entwicklung durch eine visuelle Neuausrichtung, für die das Unternehmen eine Food-Branding-Agentur engagiert hat. Zudem setzt BON BON auf eine Social-Impact-Komponente: Pro verkauftem Gutschein fließen 0,25 Euro an die Welthungerhilfe zur Finanzierung von Schulmahlzeiten in Burundi.

Hinsichtlich der Monetarisierung legt Bernhard dar, wie sich das Zwei-Säulen-Modell der Hamburger rechnet: „Hier profitieren wir stark davon, dass unser Geschäftsmodell auf zwei Säulen basiert: Zum einen unser Gutscheinsystem inklusive POS-Integrationen für Gastronomien, über das sie ihre eigenen Gutscheine verkaufen und verwalten können – wobei unsere Marge hier bewusst sehr gering ist. Der strategisch wichtigere Bestandteil ist der BON BON Universalgutschein, der bei allen Partner-Gastronomien eingelöst werden kann.“

Die Erlöse generiert das Unternehmen dabei vor allem über das Firmenkund*innengeschäft. „Einnahmen erzielen wir hier insbesondere über unsere B2B-Lösungen, etwa automatisierte Gutscheinversendungen zu Anlässen wie Geburtstagen, sowie über die branchenübliche Nichteinlösequote, die bei Gutscheinsystemen immer eine Rolle spielt“, so der Gründer weiter.

Der Kassenmarkt als operative Hürde

Der Gutschein-Sektor ist stark fragmentiert und umkämpft. Im Erlebnisbereich agieren Anbieter wie Jochen Schweizer, im Gastro-Segment Akteure wie Yovite oder subventionierte Stadtgutschein-Initiativen.

Eine wesentliche operative Hürde für BON BON liegt in der technologischen Zersplitterung der Branche. Gefragt nach der technischen Herausforderung, funktionierende Schnittstellen von Orderbird über Vectron bis Lightspeed trotz Software-Updates stabil zu halten, räumt Bernhard ein: „Das ist tatsächlich eine große Herausforderung, der wir mit sehr langfristig aufgebauten und partnerschaftlichen Beziehungen sowohl zu den Kassensystemanbietern als auch zu den Gastronom*innen begegnen. Erfreulicherweise sind die relevanten Schnittstellen dabei vergleichsweise stabil und weitgehend von den schnellen Entwicklungszyklen der eigentlichen Kassensoftware entkoppelt, was uns eine verlässliche technische Integration ermöglicht.“

Ausblick auf die kommenden Monate

Ob es dem Team langfristig gelingt, den Betrieben bürokratische Hürden im Alltag durch POS-Integrationen abzunehmen, wird der Praxis-Test zeigen. Gleichzeitig muss sich beweisen, ob die überarbeitete Website und die mobile Nutzer*innenführung ausreichen, um Endkund*innenkäufe außerhalb typischer Phasen wie Weihnachten konstant zu generieren.

Für die kommenden 12 bis 18 Monate hat das Team Produkt-Schritte definiert. Bernhard benennt die geplante Expansion: „Die Weiterentwicklung geht hier klar in zwei Richtungen: Zum einen in die kontinuierliche Erschließung weiterer Supermarktketten, zum anderen vor allem in den Ausbau erweiterter Firmenangebote rund um steuerfreie Sachbezüge. Dabei ermöglichen wir es Arbeitgebenden – unter bestimmten Voraussetzungen, die wir dank unserer Kassensystem-Integrationen zunehmend zuverlässig erfüllen – ihren Mitarbeitenden monatlich oder zu besonderen Anlässen steuerfrei Gutscheine bereitzustellen.“

Vom Textil-Müll zum Industrie-Rohstoff: Der Masterplan des Kölner Start-ups CRCL

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Hinter CRCL stehen die Gründer Lars Conzendorf, Lauritz Schmidt und Timur Oruz. Letzterer ist ehemaliger deutscher Hockey-Nationalspieler, der 2023 Weltmeister wurde und bei den Olympischen Spielen 2016 in Rio de Janeiro Bronze gewann. Die drei Gründer kennen sich bereits seit ihrer Jugend aus dem Sport.

Auf den ersten Blick wirkt der Pivot vom Hockeyplatz in die technologisch hochkomplexe Recyclingwirtschaft hart. Doch Oruz sieht darin klare Parallelen: „Aus dem Leistungssport lässt sich unfassbar viel ins Unternehmertum transferieren.“ Gerade eine konservative Branche setze zunächst auf etablierte und bestehende Prozesse, räumt er ein. Das Kölner Team bringt jedoch entscheidende Netzwerkvorteile über den Hockeysport und Lars Conzendorfs familiäre Verbindung zum Entsorgungsriesen Remondis mit. Der Respekt der Industrie-Veteranen ist dennoch kein Selbstläufer. „Am Ende des Tages kämpfen wir täglich für einen Mindset-Shift zu mehr Innovations- und Risikobereitschaft – anstelle von Derisking und Stagnation“, fasst Oruz zusammen.

Tatsächlich ist der direkte Zugang zu Branchen-Know-how für DeepTech- und Recycling-Start-ups essenziell. Hier kann das Team punkten: Thomas Conzendorf, der seit 20 Jahren im Remondis-Vorstand sitzt, begleitet das junge Unternehmen aufgrund der familiären Verbindung von Beginn an als Mentor. Ergänzt wird die Expertise durch Business Angel Thomas Kyriakis, ein ehemaliger PreZero-CEO mit über 20 Jahren Erfahrung in der Schwarz Gruppe, sowie durch Dr. Dirk Kilian, einem technischen Experten mit mehr als 30 Jahren Erfahrung in der Kunststoffindustrie.

Zweimal kassieren: Das hybride Geschäftsmodell

Die zentrale technologische Innovation von CRCL ist ein Verfahren, mit dem bislang nicht verwertbare Alttextilien – insbesondere Mischfasern – gemeinsam mit Kunststoffströmen zu dem kreislauffähigen Werkstoff Apatura verarbeitet werden. Das betriebswirtschaftliche Potenzial liegt im Ansatz der Monetarisierung: Das Unternehmen verbindet den Entsorgungs- und Absatzmarkt in einem Modell. Einerseits entsteht für Entsorger und Modemarken durch nicht recycelbare Mischtextilien ein wachsender Kostendruck, bei dem CRCL als Problemlöser auftritt. Andererseits erschließt das Start-up durch das entstehende Granulat einen skalierbaren Absatzmarkt für industrielle Anwendungen im Möbel-, Interior- und Bausektor.

Auf dem Papier klingt dieses Vorhaben lukrativ. Doch wie viel davon ist schon messbares Seriengeschäft abseits der Pilotprojekt-Phase? Oruz gibt sich selbstbewusst und verweist auf die Fortschritte seit dem Einstieg von Thomas Kyriakis: Man habe „den Schritt vom Labscale zum Industrialscale erfolgreich gemeistert“. Dabei konnte das Team auf technologische Unterstützung aus der Industrie zurückgreifen. Der Fokus liege nun darauf, ein leistungsfähiges Netzwerk strategischer Partner aufzubauen, um Produktion und Skalierung effizient umzusetzen. Bei der Frage nach dem angestrebten Beteiligungsmodell bleibt der Gründer pragmatisch: Man sei als Start-up zum jetzigen Zeitpunkt flexibel. Dass die Struktur belastbar ist, untermauert das Unternehmen mit der FEDDEM GmbH & Co. KG als Partner im Bereich Extrusion sowie ersten Pilotprojekten und Absichtserklärungen (LoI) von Firmen wie VITRA oder Hanit.

Gesetzgeber*in als Treiber

Dass die Kölner gerade jetzt auf den Markt drängen, scheint passend getimt. Jedes Jahr entstehen weltweit rund 120 Millionen Tonnen Textilabfälle, von denen der Großteil noch immer verbrannt, deponiert oder in den globalen Süden exportiert wird. Der regulatorische Rahmen zwingt den Markt nun jedoch zum Umdenken. Seit 2025 müssen Textilien in der EU getrennt erfasst werden, zudem wurden die Regeln zur erweiterten Herstellerverantwortung (EPR) verschärft. Ab Juli 2026 gilt für große Unternehmen außerdem ein striktes Verbot, unverkaufte Kleidung und Schuhe zu vernichten.

CRCL profitiert vom anstehenden Druck. Was aber, wenn die EU der Industrie nachgibt und Fristen verschiebt? Für Oruz ist das globale Problem schlicht zu groß, um es weiter zu ignorieren. Sollte Europa einknicken, greift ein Plan B: „Es ist gut möglich, dass andere Länder bzw. Kontinente eher den Handlungsdruck erhöhen, und dann ist unsere Produktion modular einsetzbar“, kontert der Gründer. Bei Gesprächen außerhalb der EU erfahre das Team bereits einen wesentlich größeren Transformationswillen. Er spielt den Ball daher an die Politik zurück: „Es stellt sich aus unserer Sicht vielmehr die Frage, ob Deutschland und die EU es schaffen, starke Innovationen zu halten oder durch Trägheit und Reformstau zu verlieren.“ Denn Regulierung allein schafft zwar noch keine Kreislaufwirtschaft, aber sie erzeugt den nötigen Druck, um neue Lösungen in den Markt zu bringen und konkrete Nachfrage zu generieren.

Pragmatismus statt Heiliger Gral

Betrachtet man den Wettbewerb im generellen Textilrecycling, zeichnet sich ein extrem hartes Marktumfeld ab. Zahlreiche Start-ups haben versucht, das Faser-zu-Faser-Recycling zu skalieren, scheitern jedoch oft am hohen Kapitalbedarf, den Energiekosten und den enormen Reinheitsanforderungen der Modeindustrie.

Genau hier setzt CRCL an. Indem das Team die Alttextilien in Sektoren wie Möbel, Interior oder Bau anwendet, umgehen sie diese Hürden und schaffen einen Baustein für neue Materialstrategien. Da die Textilien de facto aus ihrem eigentlichen Kreislauf herausgenommen werden, steht beim Thema Nachhaltigkeit allerdings schnell der Vorwurf des klassischen Downcyclings im Raum.

Angesprochen auf die fehlende „lupenreine“ Circular Economy, geht der Gründer in die Offensive: „Wie sieht denn der aktuelle Kreislauf für Textilien überhaupt aus? Überproduktion – Altkleidercontainer – globaler Süden/Verbrennung – CO2 Emissionen. Wenn das lupenreine Circular-Economy bedeutet, dann sollten wir alle diese dringend überdenken.“ Für ihn ist diese Kritik das Sinnbild für eine transformationsscheue Gesellschaft, die sich durch ein Verharren im Ist-Zustand in Sicherheit wiegt. Das Start-up habe einen industriell funktionierenden, verifizierten Prozess entwickelt, der aus einem linearen System ein zirkuläres mache. „Altkleider werden zu Granulat, Granulat wird zu Produkt, Endprodukt wird recycelt. Ein funktionierender Kreislauf“, stellt Oruz klar. Er wünscht sich für solche Ansätze ein „wertschätzenderes Wording, um auch in Deutschland nachhaltig weiterzukommen“.

Zur Einordnung: Beim Downcycling verliert ein Material in der Regel an Wert und landet in weniger anspruchsvollen Anwendungen. Der CRCL-Ansatz versteht sich als Upcycling. Das Start-up schafft eine ressourcenschonende Alternative zur Kunststoffneuware und führt Materialien wieder in den industriellen Kreislauf zurück. Aus akademischer Sicht handelt es sich dabei eher um eine Form des Cross-Cyclings, bei dem die Fasern den textilen Kreislauf verlassen. Für die Abnehmerindustrien stellt das Granulat jedoch eine Alternative zu fossilen Kunststoffen dar. Dies ist besonders für jene Unternehmen relevant, die künftig stärker nachweisen müssen, wie sie Ressourcen schonen und ihre Recyclinganteile erhöhen.

Fazit: Starker Case mit Hardware-Risiko

CRCL bedient einen akuten, regulatorisch erzeugten Schmerzpunkt und hat es verstanden, sich frühzeitig mit Top-Entscheidern aus der Abfallwirtschaft abzusichern. Das doppelte Marktpotenzial löst ein Kostenproblem für Modefirmen und erschließt zugleich neue Sekundärmärkte.

Dennoch bleibt ein klassisches Hardware-Risiko bestehen. Die Verarbeitung im Spritzguss ist zwar nachgewiesen, doch der Aufbau eigener, großskaliger Extrusionsanlagen ist extrem kapitalintensiv. Auf das berüchtigte „Tal des Todes“ bei Hardware-Start-ups angesprochen, setzt das Team in seiner Finanzierungsstrategie auf Kooperation. Man sei in Gesprächen mit strategischen Partnern, „um vorhandenes Know-how zu nutzen, zu teilen und Anschaffungskosten zu reduzieren“, erklärt Oruz. Er gibt sich siegessicher: Man sei fest davon überzeugt, mit dem starken Team und Netzwerk in Zukunft eine industrielle Produktion zu sehen.

Gleichzeitig sendet er eine dezente Warnung an den heimischen Standort: Zwar würde man das Team gerne in Deutschland und der EU verstärken, man sei aber „ebenfalls bereit, unsere ausgereifte Technologie für mehr Ressourceneffizienz auf unserem Planeten außerhalb der EU zu verfolgen“. Zudem muss sich der Werkstoff preislich langfristig gegen schwankende Weltmarktpreise für Neu-Kunststoffe behaupten. Gelingt die Skalierung, hat das Start-up jedoch das Potenzial, lineare Geschäftsmodelle in der Industrie durch wirtschaftlich tragfähige Zirkularität zu ersetzen.

Substanz statt Start-up-Glamour

Melanie Kell zeigt, wie man im vermeintlich „unsexy“ Markt der Finanzbuchhaltung ein krisensicheres und hochskalierbares Business aufbaut. In unserem Interview spricht die Unternehmerin über ihren Weg vom Start 2004 bis zum erfolgreichen Mehrheitsverkauf 2024 – und verrät, warum saubere Prozesse am Ende jeden Hype schlagen.

Während viele Gründer*innen-Storys heute von schnellem Wachstum um jeden Preis und kurzlebigen Hypes geprägt sind, zeigt Melanie Kell, dass echter unternehmerischer Erfolg oft leise, beständig und mit viel Substanz entsteht. Bereits im Jahr 2004 gründete sie ihr Unternehmen Kell Outsourcing in einem Feld, das weit weg von jeglichem Start-up-Glamour liegt: dem Outsourcing von Rechnungswesen und Finanzbuchhaltung.

Über zwei Jahrzehnte hinweg hat die Steuerberaterin und Expertin für digitales Rechnungswesen und automatisierte Finanzprozesse im Mittelstand bewiesen, dass Klarheit und Konsequenz in einem vermeintlich „unsexy“ Markt zu einem stabilen und hochgradig skalierbaren Business führen. In einer Zeit, in der wirtschaftliche Unsicherheit und steigende Insolvenzen viele Unternehmen hart treffen, wirkt ihr Fokus auf saubere Finanzprozesse und strategische Weitsicht wie ein Kontrastprogramm zu oberflächlichen Trends. Von der Gründung über die Wachstumsphase ab 2017 bis hin zum erfolgreichen Verkauf der Mehrheitsanteile im Jahr 2024 ist ihr Weg ein echter Zeitstrahl des Unternehmertums. Melanie Kells Geschichte zeigt, dass Sichtbarkeit kein Selbstzweck sein muss, sondern eine bewusste strategische Entscheidung ist.

Im Interview erfährst du, warum gerade die Abkehr vom Hype und die Konzentration auf das Wesentliche die Basis für einen erfolgreichen Exit bildet. Ein Gespräch über den Mut zur Langfristigkeit, die Macht der Zahlen und die Kunst, ein Unternehmen zu bauen, das auch in stürmischen Zeiten funktioniert.

Das Interview

Frau Kell, Sie haben Ihr Unternehmen Kell Outsourcing im Jahr 2004 gegründet. Ihr Fokus liegt auf dem Outsourcing von Rechnungswesen und Finanzbuchhaltung – ein Feld weit weg vom Start-up-Glamour. Warum haben Sie sich damals bewusst für diesen oft als „unsexy“ bezeichneten Markt entschieden?

Melanie Kell: Mein Weg war ehrlich gesagt nicht besonders strategisch. Nach meiner kaufmännischen Ausbildung habe ich BWL studiert. Mit Themen wie Marketing konnte ich mich nie wirklich anfreunden, Steuerwesen dagegen ist mir leichtgefallen. Also habe ich diesen Weg eingeschlagen.

Was mich an diesem Fachbereich bis heute fasziniert: Man bekommt Einblicke in unterschiedlichste Unternehmen. Ich erinnere mich noch gut an meine ersten Wochen in der Wirtschaftsprüfung. Ich war zur Lagerbeobachtung bei einem Marmeladenhersteller kurz nach der Wende in Berlin. Diese Einblicke in echte Wertschöpfung, in Prozesse, in Unternehmen haben mich geprägt. Und genau das motiviert mich bis heute, Unternehmen mit meinem Wissen und meiner Begeisterung für Zahlen am Laufen zu halten.

Es ist doch so: Jedes Unternehmen braucht eine ordentliche Buchhaltung bzw. ein sauberes Rechnungswesen, um gut zu laufen, und tatsächlich merke ich immer wieder, wie selbstverständlich die Arbeit der Buchhaltung bzw. des Rechnungswesens wahrgenommen wird und wie wenig Begeisterung dem Thema zugesprochen wird. Unternehmer*innen sprechen begeistert über Produkte, über ihre Teams und über ihre Vertriebserfolge, ich habe allerdings noch nie einen Unternehmer*in gehört, der bzw. die seine Buchhaltung öffentlich gefeiert hat. Schade eigentlich, denn wir tragen am Ende das Gerüst des Unternehmens.

In der aktuellen Wirtschaftslage steigen die Insolvenzen. Spüren Sie, dass die Bedeutung sauberer Finanzprozesse heute wieder ernster genommen wird, um den gefährlichen „Blindflug“ zu vermeiden?

Melanie Kell: Leider wird die Bedeutung sauberer Finanzprozesse oft erst erkannt, wenn es zu spät ist. Genau da kommt zum Tragen, dass für viele Buchhaltung lästig ist, eine gesetzliche Pflicht, nichts weiter. Ich sehe das komplett anders: In meinen Augen ist sie wichtiger als ein perfekter Social-Media-Auftritt oder Employer Branding. Denn was immer wieder unterschätzt wird: Wenn die Zahlen nicht stimmen, stimmt am Ende gar nichts. Ich würde mir daher viel mehr Fokus, Aufmerksamkeit und Wertschätzung für meinen Fachbereich wünschen.

Ihre Geschichte ist eine Erzählung über Jahre, mit einer starken Wachstumsphase ab 2017. Welche Entscheidungen haben damals den Unterschied gemacht zwischen bloßem „Mitlaufen“ und echtem „Skalieren“?

Melanie Kell: Wir bedienen eine klare Nische. Kleine Unternehmen gehen zum Steuerberater, große machen alles inhouse. Dazwischen entsteht Raum für uns. Der echte Unterschied kam durch Sichtbarkeit. Eine sehr gute Agentur hat es geschafft, uns im Internet sichtbar zu machen. Und das Entscheidende war nicht Technik oder Kreativität – sondern die Fähigkeit der Agentur zuzuhören. Sie können sich vorstellen, dass es ein Problem ist, mit Schlagwörtern wie Buchhaltung im Netz gefunden zu werden. Hier bedarf es eines echten Google-Könners, der das so rausarbeitet, dass man sichtbar wird. Heute arbeite ich intensiv an meiner Sichtbarkeit und dem Brand und an der laufenden Entwicklung meines Vertriebs. Aber es funktioniert, wir dürfen weiterwachsen.

In 20 Jahren Unternehmertum läuft nicht immer alles nach Plan. Gab es eine strategische Fehlentscheidung oder eine besonders kritische Phase, aus der Sie im Nachhinein am meisten gelernt haben?

Melanie Kell: Fehler gehören dazu – jeden Tag. Und auch ich habe Fehler gemacht, keine Frage. Ein Beispiel, das mir bis heute prägend im Kopf geblieben ist: 2009 habe ich eine Steuerberatungskanzlei gekauft, nachdem ich einen großen Kunden verloren hatte. Ich wollte damals Mitarbeitende halten und habe emotional entschieden. Heute würde ich das anders machen. Ich würde das Geld in Marketing investieren, das hätte uns weitergebracht. Aber dieses Learning musste ich machen, um dann Beispielsweise den Wert von gutem Marketing schätzen zu lernen.

Gerade im Rechnungswesen passiert durch Digitalisierung und Automatisierung extrem viel. Welche Rolle spielt künstliche Intelligenz heute in Ihrem Business und wie schätzen Sie die KI-Nutzung in der Finanzbuchhaltung generell ein?

Melanie Kell: Natürlich ist die Anwendung von KI vielseitig und wird vieles ändern.  Das Thema ist aber nicht, dass die KI die Prozesse nicht automatisieren kann, das Thema ist mehr wie und wo es ansetzt. Es ist wie in vielen Bereichen; die KI kann einfache Sachverhalte heute schon abbilden. Je komplexer ein Geschäftsmodell ist, desto komplexer müssen auch die KI-Anwendungen sein und so mehr braucht es jemanden, der auch Veränderungen nachhalten kann. Zunächst müssen die Prozesse und Arbeitsschritte, die in die Buchhaltung eingespeist werden, richtig gut sein: richtig und vollständig. Sie würden sich wundern, wenn Sie wüssten, wie viel heute in der Buchhaltung händisch nachgepflegt werden muss. Wichtig ist auch, dass die Organisation möglichst stringent organisiert ist.

Nehmen Sie ein Hotel: Hier gibt es Übernachtungen, Gastronomie, Gutscheine, Events und Vorauszahlungen. Wenn für jeden Bereich das Geld aus einer anderen Quelle kommt, ist es sowohl für die KI als auch für den Buchhalter schwer, das zusammen zu führen. Nur wenn es gut organisiert ist, kann es auch gut automatisiert werden. Ich sage immer, unsere Dienstleistung ist nur so gut wie das, was wir geliefert bekommen. Wir arbeiten am Anfang viel mit unserem neuen Kunden zusammen, um genau das sicherzustellen.

Ein weiterer Punkt ist die Akzeptanz der Kunden und auch meines Teams. Alle müssen das lernen, mit der KI zu arbeiten. Das ist auch ein Prozess, der nicht immer gesehen wird. Unsere Kunden sind komplex und anspruchsvoll, das kann die KI noch nicht an jeder Stelle.

In der Branche herrscht Fachkräftemangel. Wie schaffen Sie es, in einem klassischen Markt Fachkräfte zu gewinnen und langfristig zu binden?

Melanie Kell: Unsere Leute fühlen sich wohl. Wir haben ein gutes Miteinander und arbeiten auf Augenhöhe. Wertschätzung ist kein Schlagwort, sondern Alltag. Und ganz ehrlich: Oft reichen genau diese Dinge. Kultur schlägt viele vermeintlich „moderne“ Benefits. Genau daran arbeite ich, dass wir eine gesunde Unternehmenskultur haben, denn wer Spaß an seiner Arbeit hat und sich wohl fühlt, der kommt gern ins Büro und gibt sein Bestes.

Im Jahr 2024 folgte der Verkauf der Mehrheitsanteile an die Infoniqa Group. Was bedeutet ein solcher Schritt in einem klassischen Business – und wie kommt man strategisch an diesen Punkt?

Melanie Kell: Ich bin wie gesagt keine klassische Strategin, die alles Jahre im Voraus plant. Ich nutze Chancen, wenn sie sich ergeben und Infoniqa hat mir eine Chance geboten, die für mich gepasst hat. Ich bin Ende 50, da spielt das Thema Nachfolge eine Rolle. Gleichzeitig wollte ich weiter wachsen und brauchte technologische Unterstützung.

Sie sagen von sich selbst: „Ich bin keine Rampensau – aber wenn es Sinn ergibt, mache ich es.“ Wie wichtig ist es heute, Sichtbarkeit nicht als Show, sondern als strategisches Werkzeug zu nutzen?

Melanie Kell: Sichtbarkeit wird immer wichtiger. Ich arbeite intensiv an meinem LinkedIn-Profil und daran, das Thema Rechnungswesen verständlicher und greifbarer zu machen. Es geht mir dabei definitiv nicht um Show, sondern um Wirkung. Wenn Sichtbarkeit dazu beiträgt, die richtigen Kunden zu erreichen und Vertrauen aufzubauen, dann ist sie ein strategisches Instrument. Und ich wünsche mir generell mehr Wertschöpfung für Rechnungswesen und da hilft es, konkrete Einblicke in meinen Fachbereich zu geben, um ihn greifbarer zu machen.

Viele Founder-Storys klingen heute nach Wachstum um jeden Preis. Warum hat langfristiges Unternehmertum oft weniger Glamour, aber dafür mehr Substanz?

Melanie Kell: Weil echtes Unternehmertum Ausdauer braucht. Es geht nicht um den schnellen Erfolg, sondern darum, über Jahre hinweg gute Entscheidungen zu treffen und auch mit schwierigen Phasen umzugehen. Das ist weniger glamourös, aber deutlich nachhaltiger.

Zum Abschluss gefragt: Welche drei konkreten Ratschläge geben Sie Gründerinnen und Gründern mit auf den Weg?

Melanie Kell: Gelassenheit. Mut. Und: einfach immer weitermachen.

Danke, Melanie Kell, für die spannenden Insights

Das Interview führte StartingUp-Chefredakteur Hans Luthardt

Von Streaming bis Gaming – Diese Branchen profitieren vom digitalen Nutzerverhalten

Wie On-Demand-Modelle Branchen prägen und welche Erfolgsfaktoren Gründer jetzt kennen müssen.

Inhalte, Dienstleistungen und Unterhaltung werden zunehmend flexibel, mobil und individuell konsumiert. Während früher feste Zeiten und physische Angebote dominierten, stehen heute On-Demand-Modelle im Mittelpunkt. Diese Entwicklung wirkt sich nicht nur auf einzelne Produkte aus, sondern prägt ganze Branchen und schafft neue wirtschaftliche Dynamiken. Insbesondere digitale Geschäftsmodelle profitieren von der steigenden Erwartung an Verfügbarkeit, Geschwindigkeit und Personalisierung.

Digitales Nutzerverhalten im Wandel

Die Verschiebung der Nutzungsgewohnheiten von stationären Desktop-Lösungen hin zu mobilen Endgeräten ist der stärkste Treiber der aktuellen Digitalökonomie. On-Demand ist zum Standard geworden: Ob Content, Services oder Unterhaltung – die Erwartungshaltung der Konsumenten ist geprägt von sofortiger Verfügbarkeit und einer hohen Passgenauigkeit durch Personalisierung.

  • Inhalte jederzeit abrufbar: Die zeitliche Entkopplung von linearen Sendeplänen oder Öffnungszeiten.
  • Omnichannel-Nutzung: Ein nahtloser Übergang zwischen Smartphone, Tablet, Smart-TV und Laptop.
  • Komfort als Zahlungsargument: Eine wachsende Bereitschaft, für Zeitersparnis und einfache Bedienbarkeit Abonnements abzuschließen.

Streaming als Vorreiter der digitalen Transformation

Streaming-Dienste gelten als eines der prägendsten Beispiele für die Anpassung an modernes Nutzerverhalten. Klassische Medienformate wurden durch Plattformen ersetzt, die Inhalte jederzeit zugänglich machen. Gleichzeitig haben sich abonnementbasierte Modelle etabliert, die stabile und planbare Einnahmen ermöglichen.

Ein zentraler Erfolgsfaktor liegt in der Nutzung von Daten. Algorithmen analysieren das Verhalten der Nutzer und liefern personalisierte Empfehlungen, wodurch die Verweildauer und Kundenbindung gesteigert werden. Für Unternehmen ergibt sich daraus ein skalierbares Modell, das sich international ausrollen lässt und kontinuierlich optimiert werden kann. Die Grenzkosten pro neuem Nutzer sind minimal. Eine starke Kundenbindung erfolgt hier primär durch exklusiven Content und ein personalisiertes Interface.

In diesem Bereich steht allerdings eine Wende bevor. Durch die große Akzeptanz und Nachfrage sind zahlreiche Angebote und dadurch ein fragmentierter Markt entstanden. Mehrere Abos pro Haushalt sind die Regel und Nutzer wünschen sich zunehmend eine Bündelung.

Gaming und interaktive Unterhaltung auf dem Vormarsch

Gaming hat sich von einer Nische zu einem der weltweit größten digitalen Märkte entwickelt und übertrifft in den Umsätzen längst die Film- und Musikindustrie zusammen. Besonders entscheidend ist hier der soziale Aspekt: Community-Building innerhalb der Spielewelten macht Gaming zu einem sozialen Netzwerk. Der Übergang zu Live-Events und Multiplayer-Erlebnissen schafft eine emotionale Bindung, die weit über das reine Konsumieren hinausgeht.

Gleichzeitig verschiebt sich der Fokus von einmaligen Käufen hin zu kontinuierlichen Einnahmequellen, etwa durch In-Game-Käufe oder abonnementbasierte Modelle. Diese Entwicklung zeigt, wie stark Nutzererlebnisse und soziale Komponenten den Erfolg digitaler Angebote beeinflussen.

iGaming als Teil der digitalen Entertainment-Ökonomie

Innerhalb der digitalen Unterhaltungslandschaft nimmt auch der iGaming-Bereich eine besondere Rolle ein. Dieser Sektor profitiert in ähnlicher Weise von technologischen Entwicklungen wie Streaming und Gaming, insbesondere durch mobile Nutzung, intuitive Benutzeroberflächen und schnelle Transaktionsmöglichkeiten.

Die Plattformen sind darauf ausgelegt, ein möglichst reibungsloses und immersives Nutzererlebnis zu bieten. Online Casino Schweiz präsentiert eine klare Strukturierung unterschiedlicher Games sortiert nach Themen oder Anbietern. Above the fold finden Nutzer Infos zu aktuellen Top-Gewinnern, Verlosungs-Aktionen oder neuen Titeln. Die Kombination aus Gamification-Elementen, internationaler Skalierbarkeit und datenbasierter Optimierung macht diesen Markt aus wirtschaftlicher Perspektive besonders interessant.

Typische Merkmale dieser Branche sind:

  • hohe Nutzerbindung durch spielerische Elemente 
  • globale Ausrichtung digitaler Plattformen 
  • kontinuierliche Anpassung durch Nutzerdaten 

Wirtschaftlichkeit und Transferpotenzial

Die Branche zeichnet sich durch überdurchschnittlich hohe operative Margen aus, da nach der initialen Entwicklung der Plattform und der Integration von Content die Skalierungskosten gering bleiben. Während Marketing- und Lizenzkosten substanziell sind, ermöglichen automatisierte Prozesse in der Kundenverwaltung und Zahlungsabwicklung eine hohe Profitabilität.

Diese Effizienz lässt sich auf andere digitale Angebote übertragen: Das Prinzip der Mikro-Interaktionen und die sofortige Belohnung (Instant Gratification) sind Mechanismen, die auch im E-Commerce oder in Produktivitäts-Apps die Conversion-Rate steigern. Wer lernt, die im iGaming perfektionierten Methoden der Datenanalyse und Echtzeit-Personalisierung zu nutzen, kann die Kundenbindung in nahezu jedem digitalen Geschäftsmodell signifikant erhöhen.

Was Gründer daraus lernen können

Die Analyse erfolgreicher digitaler Branchen zeigt klare Muster. Im Mittelpunkt steht nicht die Technologie selbst, sondern deren Anwendung im Kontext realer Nutzerbedürfnisse. Plattformdenken, Datenanalyse und eine konsequente Ausrichtung auf Benutzerfreundlichkeit sind zentrale Erfolgsfaktoren.

Konkrete Impulse:

  • Verhalten statt Produkt: Geschäftsmodelle sollten dort ansetzen, wo Nutzer bereits Zeit verbringen oder Reibungsverluste erleben.
  • Iteration: Schnelles Testing von Funktionen (MVP-Ansatz) ermöglicht es, am Puls der Zielgruppe zu bleiben.
  • Mobile-First-Denkweise: Jede Lösung muss primär auf dem kleinsten Bildschirm perfekt funktionieren.
  • Entwicklung skalierbarer Plattformlösungen 

Das digitale Nutzerverhalten entwickelt sich dynamisch weiter und beeinflusst zahlreiche Branchen nachhaltig. Unternehmen, die diese Veränderungen frühzeitig erkennen und in ihre Strategien integrieren, sichern sich entscheidende Wettbewerbsvorteile. Besonders erfolgreich sind Modelle, die Flexibilität, Personalisierung, einfache Zugänglichkeit und die Einbindung in starke App-Ökosysteme miteinander verbinden. In einer zunehmend digitalen Wirtschaft entstehen neue Chancen vor allem dort, wo technologische Möglichkeiten auf veränderte Erwartungen treffen.

Weitere Gewinner des Nutzerwandels

Neben Unterhaltung und Gaming profitieren auch andere Branchen vom veränderten Verhalten. Besonders deutlich wird dies in Bereichen, die auf flexible Nutzung und personalisierte Angebote setzen.

Dazu zählen unter anderem:

  • E-Learning-Plattformen, die ortsunabhängiges Lernen ermöglichen 
  • Fitness- und Gesundheits-Apps, die individuelle Trainingspläne bieten 
  • Fintech-Lösungen, die schnelle und unkomplizierte Zahlungsprozesse unterstützen 

Gemeinsam ist diesen Geschäftsmodellen eine starke Nutzerzentrierung. Sie bieten Lösungen, die sich nahtlos in den Alltag integrieren lassen und dabei individuelle Bedürfnisse berücksichtigen.

Was Gründer daraus lernen können

Der entscheidende Erfolgsfaktor in der digitalen Ökonomie ist die radikale Nutzerzentrierung. Erfolgreiche Unternehmen denken nicht mehr in isolierten Produkten, sondern in Plattformen, die ein Problem ganzheitlich lösen. Die Bedeutung von Datenanalyse zur stetigen Verbesserung der UX kann dabei nicht überschätzt werden.

Die Verfestigung digitaler Gewohnheiten ist ein unumkehrbarer Prozess. Neue Märkte werden dort entstehen, wo technologische Möglichkeiten auf neue menschliche Bedürfnisse treffen. Die größten Chancen liegen für Gründer und etablierte Unternehmen dort, wo sich das Nutzerverhalten schneller wandelt als die bestehenden, oft noch trägen Angebote am Markt.

Embedded-Finance-Start-up-Report 2026

Der unsichtbare Bankensektor: Wie Embedded Finance und die dazugehörigen Start-ups die Wirtschaft des Jahres 2026 prägen.

Einst war es das große Versprechen für eine Handvoll hipper Neobanken, heute ist es das unsichtbare Rückgrat der europäischen Wirtschaft: Embedded Finance. Im Jahr 2026 wird das Marktwachstum längst nicht mehr von der fixen Idee isolierter Bank-Apps dominiert, denn jedes zukunftsorientierte Unternehmen ist mittlerweile selbst zu einem/einer Finanzdienstleister*in geworden. Ob Software-as-a-Service-Anbieter*in, Logistik-Plattform oder Marktplatz – die nahtlose Integration von Zahlungen, Krediten und Versicherungen in nicht-finanzielle Kund*innenreisen ist das neue Paradigma.

Dieser Report beleuchtet eine Branche, die den „Sturm der Konsolidierung“ überlebt hat und nun mit reifen Geschäftsmodellen und echten Profiten die Architektur der modernen Wirtschaft neu programmiert.

Vom Hype zur fundamentalen Reife

Nach den massiven Zinsanpassungen und regulatorischen Aufräumarbeiten der Jahre 2023 und 2024 zeichnet der Embedded-Finance-Markt heute ein Bild robuster Reife. Renommierte Analystenhäuser wie Bain & Company und Dealroom haben diese Entwicklung früh vorgezeichnet: Der globale Markt für Embedded-Finance-Dienstleistungen hat sich in ein Multimilliarden-Segment verwandelt, dessen europäisches Transaktionsvolumen mittlerweile signifikante Teile des digitalen B2B- und B2C-Handels stützt. Der technologische Haupttreiber dieser neuen Ära ist unbestreitbar die künstliche Intelligenz, genauer gesagt proprietäre Machine-Learning-Modelle, die Risikobewertungen in Millisekunden durchführen und Transaktionsströme dynamisch optimieren. Investor*innen honorieren diese technologische Tiefe: Wir sehen heute höchst realistische Series-A- und Series-B-Runden im Bereich von 15 bis 40 Millionen Euro für Start-ups, die nachweislich positive Deckungsbeiträge aufweisen. Es fließt wieder signifikant Kapital, doch es fließt exklusiv in Substanz und Skalierbarkeit, nicht mehr in reines Marketing.

Die neuen Treiber: B2B, Vertikalisierung und Orchestrierung

Wenn man über das Offensichtliche wie einfache White-Label-Kreditkarten hinausblickt, dominieren im Jahr 2026 drei spezifische Sub-Sektoren den Markt. Allen voran steht B2B Buy-Now-Pay-Later, eine Disziplin, die das traditionelle, schwerfällige Factoring abgelöst hat und nun direkt in B2B-Checkouts und Beschaffungsnetzwerke integriert ist. Ein weiterer massiver Treiber ist die sogenannte Payment Orchestration für vertikale SaaS-Lösungen. Hier werden komplexe, branchenspezifische Zahlungsflüsse – etwa im Handwerk oder in der Gastronomie – automatisiert im Hintergrund abgewickelt. Zuletzt etabliert sich Embedded Insurance zunehmend im Industriekontext, wo Maschinen nicht mehr nur geleast, sondern im selben Atemzug transaktionsbasiert versichert werden. Pioniere wie die Berliner Mondu oder auch europäische Schwergewichte wie Swan haben den Weg für diese hochspezialisierten Infrastruktur-Layer geebnet und gezeigt, wie tiefgreifend diese Geschäftsmodelle in die Wertschöpfungsketten der Realwirtschaft eingreifen.

Die Lektionen der BaaS-Krise

Doch dieser Reifegrad wurde teuer erkauft. Der Beinahe-Kollaps des britischen Banking-as-a-Service-Pioniers Railsr und die drastischen BaFin-Sonderprüfungen samt Wachstumsbeschränkungen bei etablierten deutschen Playern wie Solaris in den Jahren zuvor haben den Markt fundamental erschüttert. Der Traum, Finanzdienstleistungen wie einfache Legosteine zusammenzustecken, kollidierte brutal mit der harten Realität des Bankwesens.

Aus diesen gescheiterten Hoffnungen lassen sich für heutige Gründer*innen vier konkrete, fatale Fallstricke ableiten. Der erste und wichtigste ist die eklatante Unterschätzung der Regulatorik; Compliance lässt sich nicht auslagern, und Aufsichtsbehörden dulden keine agilen Versuch-und-Irrtum-Prozesse bei der Geldwäscheprävention. Der zweite Fallstrick ist die Falle der negativen Unit Economics im B2C-Sektor, wo exorbitante Kund*innenakquisitionskosten oft nur durch kontinuierliches VC-Geld gedeckt wurden. Drittens das Klumpenrisiko der Abhängigkeit von einer einzigen Partnerbank, deren Ausfall das eigene Start-up über Nacht handlungsunfähig macht. Und viertens die Fehlannahme, dass Technologie allein ausreicht; wer heute kein tiefes Verständnis für klassisches Bilanzstruktur- und Kreditrisikomanagement mitbringt, scheitert unweigerlich.

Das deutsche Netzwerk: Die Schmieden der Infrastruktur

Deutschland hat sich in dieser Konsolidierungsphase als einer der resilientesten Standorte in Europa bewiesen, getragen von vier essenziellen Hubs. Berlin verteidigt dabei seinen Status als unangefochtene Hauptstadt für FinOps und B2B-Zahlungsinfrastruktur, massiv befeuert durch die Talent-Pipelines der TU Berlin sowie das dichte Netzwerk an Serial Entrepreneurs aus der N26- und SumUp-Schule. Frankfurt am Main bildet den unverzichtbaren regulatorischen Gegenpol; hier, im Schatten von EZB und BaFin, entstehen im Umfeld des TechQuartiers und der Frankfurt School of Finance and Management jene Start-ups, die komplexe Compliance- und Treasury-Architekturen für Großbanken bauen. München dominiert den Bereich DeepTech und Embedded Insurance im industriellen B2B-Kontext, was auf die herausragende Stellung des Center for Digital Technology and Management (CDTM) und die enge Verzahnung mit der ansässigen Versicherungs- und Automobilindustrie zurückzuführen ist. Hamburg schließlich hat sich als europäischer Hotspot für Trade Finance und in Logistikketten eingebettete Finanzierungen etabliert, gestützt durch die traditionelle Stärke der Hansestadt im globalen Handel.

Investor*innen-Radar

Das Ökosystem der Geldgeber*innen hat sich im Jahr 2026 stark differenziert und professionalisiert. An der Spitze der spezialisierten VCs agieren Fonds wie FinTech Collective und Motive Ventures (hervorgegangen aus der Übernahme des Berliner VCs embedded/capital), die mit tiefem technologischen Verständnis gezielt in Infrastruktur-Layer investieren. Unter den Top-Tier Generalisten ragen Cherry Ventures, Earlybird und Point Nine heraus, die insbesondere Series-A-Runden bei überzeugenden B2B-SaaS-Modellen anführen.

Ein starker Motor sind zudem Corporate VCs und bankennahe Fonds geworden: CommerzVentures, als unabhängiger Player, treibt Themen wie Climate-Fintech massiv voran, während CVCs der Realwirtschaft wie Allianz X und Porsche Ventures strategisch in Start-ups investieren, die sich nahtlos in ihre eigenen vertikalen Ökosysteme einklinken lassen. In der kritischen Frühphase wird der Markt von einer hochgradig vernetzten Gruppe aus Business Angels angetrieben, die nicht nur erstes Kapital, sondern vor allem regulatorisches Know-how und entscheidende Bankennetzwerke einbringen

Die Top Start-ups (Must-Watch)

Für die nachfolgende Liste der Must-Watch-Unternehmen haben wir strikte Kriterien angelegt. Die Auswahl basiert auf nachgewiesener Marktrelevanz durch echte Kund*innenimplementierungen, einem hohen technologischen Reifegrad und einem diversifizierten Ansatz bei der Lösung komplexer Finanzinfrastrukturprobleme. Zudem war ein nachhaltiges Investoren-Vertrauen in den letzten zwölf Monaten ein Schlüsselfaktor. Wir beleuchten hierbei ausschließlich Start-ups mit Hauptsitz in Deutschland, deren Gründung im Jahr 2020 oder später erfolgte, um die wahre nächste Generation der Branche abzubilden.

Banxware

Das 2020 von Miriam Wohlfarth und Jens Röhrborn gegründete Banxware hat sich als Marktführer für Embedded Lending in Deutschland etabliert. Banxware bietet eine White-Label-Lösung, mit der Marktplätze und Zahlungsdienstleister*innen ihren Händler*innen Sofortkredite basierend auf historischen Umsatzdaten anbieten können. Der USP liegt in der extrem schnellen Risikoprüfung und der nahtlosen API-Integration in bestehende Plattformen. Das enorme Vertrauen der Finanzbranche in dieses Modell spiegelt sich massiv auf Investor*innenseite wider: Neben frühen Leadern wie Element Ventures (heute 13books Capital) ist insbesondere der Einstieg der Großbank UniCredit ein Ritterschlag. Die Bank führte nicht nur die Series-A-Runde an, sondern legte Mitte 2025 mit einem weiteren strategischen Millionen-Investment nach, um die europäische Expansion von Banxware gemeinsam voranzutreiben.

Pliant

Im Jahr 2020 von Malte Rau und Fabian Terner aus der Taufe gehoben, definiert Pliant den Markt für B2B-Kreditkarten und Ausgabenmanagement neu. Das B2B-SaaS-Modell kombiniert eine moderne Karteninfrastruktur mit einer tiefen API-basierten Integration in Buchhaltungs- und ERP-Systeme. Der technologische Vorsprung liegt im eigenen Card-as-a-Service-Angebot (CaaS), das anderen B2B-Plattformen den Launch eigener Kreditkartenprogramme ermöglicht. Ein entscheidender Meilenstein war hierfür der Erhalt der eigenen E-Geld-Lizenz der BaFin, die Pliant die nötige regulatorische Unabhängigkeit verleiht. Unterstützt wird Pliant von namhaften Investoren wie SBI Investment, Alstin Capital – und einem Investment des globalen Schwergewichts PayPal Ventures, das das enorme Skalierungspotenzial der Plattform bestätigt.

Mondu

Die Serial Entrepreneurs Malte Huffmann, Philipp Povel und Gil Danziger gründeten Mondu 2021 und revolutionieren damit den B2B-Zahlungsverkehr. Ihr B2B-BNPL-Modell ermöglicht es Geschäftskund*innen, online wie B2C-Kund*innen auf Rechnung oder in Raten zu kaufen, während der Händler sofort sein Geld erhält. Die Kerntechnologie ist ein proprietäres Echtzeit-Risk-Scoring für Firmenkund*innen. Finanziert wurde diese Vision anfangs von Top-Tier-Fonds wie Valar Ventures und Cherry Ventures. Der ultimative Ritterschlag erfolgte jedoch Ende 2025: Neben dem Erhalt der E-Geld-Lizenz sicherte sich Mondu eine 100-Millionen-Euro-Fazilität von J.P. Morgan Payments inklusive einer strategischen Partnerschaft, um die Buy-Now-Pay-Later-Lösung dem europäischen Kund*innen stamm der US-Großbank anzubieten.

Payrails

Gegründet 2021 von Orkhan Abdullayev, Emre Talay und Nicolas Thouzeau, löst Payrails die Herausforderung der Payment Orchestration. Das FinOps-Start-up baut ein intelligentes Betriebssystem für Zahlungen, das Transaktionen für Enterprise-Kund*innen dynamisch über verschiedene Provider routet, um Kosten zu senken und Autorisierungsraten zu maximieren. Die technologische Brillanz dieser Architektur lockte früh Schwergewichte wie Andreessen Horowitz und EQT Ventures an. Im Sommer 2025 zündete Payrails die nächste Stufe: HV Capital führte eine massive Series-A-Runde über 32 Millionen US-Dollar an, bei der auch alle Top-Tier-Altinvestoren erneut mitzogen, um die globale Expansion der Plattform endgültig zu sichern.

Finmid

Die beiden N26-Alumni Max Schertel und Alexander Talkanitsa starteten Finmid 2021 mit der Mission, jede B2B-Plattform zu einer Finanzierungsquelle zu machen. Ihr Geschäftsmodell fokussiert sich auf Embedded B2B Lending, das speziell auf die Anforderungen von Marktplätzen (wie etwa dem Partner Wolt) zugeschnitten ist – ohne dass diese Plattformen eigenes Kapital bereitstellen oder Risiken tragen müssen. Ihr USP ist die radikale Simplifizierung der B2B-Kreditvergabe durch smarte Echtzeit-Datenverknüpfungen. Angetrieben von einer wuchtigen 23-Millionen-Euro-Series-A-Runde, angeführt vom britischen Fonds Blossom Capital und dem Seed-Lead Earlybird, treibt das Start-up seine aggressive europäische Expansion unaufhaltsam voran.

Topi (Exit)

Charlotte Pallua und Estelle Merle brachten Topi 2021 an den Start, um das Hardware-as-a-Service-Modell in den B2B-Bereich zu integrieren. Über die Plattform können B2B-Kund*innen IT-Equipment flexibel mieten, wobei Topi den gesamten Prozess vom Checkout über das Refinancing bis zum Asset-Management abwickelt. Nachdem Topi mit Händler*innen wie Cyberport massiv skalierte und von Top-VCs wie Index Ventures und Creandum finanziert wurde, erfolgte im Sommer 2025 der strategische Exit: Das FinTech wurde von dem internationalen Leasing-Giganten PEAC Solutions (einem BlackRock-Portfoliounternehmen) übernommen, um das innovative B2B-Mietmodell global in dessen gewaltige Finanzierungsinfrastruktur einzugliedern.

Hakuna

Im Bereich Embedded Insurance schlägt das 2021 von Sebastian Jost, Rupert Mayer und Orhan Köroglu gegründete Hakuna neue Wege ein. Das Start-up bietet Händler*innen eine Plattform für Garantieverlängerungen und Produktschutzversicherungen, nahtlos integriert in den Online- und Offline-Checkout. Der USP ist ein völlig neu gedachtes, digitales Schadensmanagement, das die Abwicklung für Endkund*innen radikal vereinfacht. Finanziert von Top-VCs wie Earlybird und Visionaries Club, hat Hakuna mittlerweile den Sprung ins absolute Enterprise-Segment geschafft: Im Jahr 2025 integrierten Branchenriesen wie Vorwerk, STIHL und Mister Spex die Embedded-Technologie des Start-ups, um ihre eigenen, maßgeschneiderten Produktschutzprogramme europaweit zu skalieren.

Pile (Exit)

Jessica Holzbach startete Pile 2022 und pivotierte das Modell nach dem Krypto-Winter erfolgreich zu einem hochspezialisierten Treasury-Angebot für Start-ups. Die B2B-SaaS-Technologie bündelte Konten und automatisierte die Diversifikation von Einlagen zur Risikominimierung. Das Modell erregte schnell Aufmerksamkeit und führte bereits im Sommer 2024 zu einem frühen Exit: Die 2019 gegründete Berliner Neobank Vivid Money übernahm das Start-up, um das eigene Business-Banking-Angebot mit Piles Treasury-Technologie aufzurüsten – ein Paradebeispiel für die rasante Konsolidierung im FinTech-Infrastrukturmarkt.

Internationaler Ausblick & Fazit

Blickt man über die Grenzen Europas hinaus, formen sich 2026 drei gewaltige Makro-Trends, die den deutschen Markt unausweichlich verändern werden. Aus Asien schwappt die Architektur für grenzüberschreitende Echtzeit-Settlements basierend auf regulierten Stablecoins und digitalen Zentralbankwährungen heran, was das traditionelle Korrespondenzbankensystem massiv unter Druck setzt. Die USA hingegen dominieren die Entwicklung der KI-gesteuerten autonomen Finanzen, bei der das Corporate Treasury von Algorithmen gesteuert wird, die ohne menschliches Zutun Liquidität verschieben. Aus Indien lernen wir, wie Identity-as-a-Service untrennbar mit dem Zahlungsverkehr verschmilzt und Betrug nahezu ausmerzt.

Für Gründer*innen und Investor*innen im DACH-Raum bedeutet dies: Der Fokus muss radikal auf Profitabilität, wasserdichter Compliance und extrem stabiler Infrastruktur liegen. Wer heute in Embedded Finance gewinnt, baut keine bunten Apps mehr, sondern die hochkomplexen, unsichtbaren Stahlträger der digitalen Weltwirtschaft.

Schluss mit Swipen: Wie vibe deep aus Dating-Frust ein Relationship-Business machen will

Dating-Apps frustrieren, die Einsamkeit wächst. Das Hamburger Start-up vibe deep setzt daher auf „Deep Talk“ statt Swiping. Eine Analyse des neuen Geschäftsmodells, das beweisen will, dass sich mit emotionaler Tiefe ein skalierbares Tech-Unternehmen aufbauen lässt.

Die makroökonomischen und gesellschaftlichen Vorzeichen für eine Neuausrichtung digitaler sozialer Dienste sind eindeutig. Weltweit gilt laut der Weltgesundheitsorganisation (WHO) mittlerweile jede sechste Person als einsam. Allein in Deutschland geben über 42 Prozent der Bevölkerung an, in regelmäßigen Abständen Einsamkeit zu verspüren. Gleichzeitig zeigen klassische, auf raschen Konsum ausgelegte Dating-Apps massive Ermüdungserscheinungen. Die aktiven Nutzer*innenzahlen von Branchengrößen wie Tinder, Bumble und Hinge fielen im vierten Quartal 2024 global um sechs Prozent. Rund 69 Prozent aller heruntergeladenen Dating-Apps werden bereits innerhalb eines Monats wieder gelöscht.

Vor allem die junge Zielgruppe zieht Konsequenzen: Im Jahr 2024 planten 63 Prozent der Generation Z einen bewussten „Social-Media-Detox“ – mehr als jede andere Generation. Der Markt verlangt ganz offensichtlich nach echter Verbindung statt nach oberflächlichem, medialem Dopamin, welches das Fehlen realer Nähe oftmals nur vernebelt.

Genau in diese Lücke der wachsenden Dating-Ermüdung stößt die App vibe deep, mit der das Hamburger Start-up von Lui und Saskia Michalski den Fokus konsequent auf Deep Talk statt Swiping verschiebt.

Vom Content zum Tech-Produkt

Dabei war der Weg zum Tech-Unternehmen für die Gründer*innen, die zunächst als Content-Creator*innen im Bereich nicht-monogamer Lebensweisen erfolgreich wurden, keine klassische Laufbahn. Doch der Schritt in die Tech-Branche war eine logische Konsequenz aus dem wachsenden Frust ihrer Community. „Der Schlüsselmoment war eigentlich ein schleichender“, erinnert sich Saskia. Jahrelang hätten sie fehlende Tiefe und Einsamkeit thematisiert, doch die Probleme der Menschen seien eher gewachsen als geschrumpft. „Content allein bringt Menschen nicht ins Handeln“, konstatiert Saskia. „Er schafft Bewusstsein, aber keine echte Veränderung.“ Daraus sei der Entschluss gereift, ein Werkzeug zu bauen, das konkrete Interaktion ermöglicht.

Lui ergänzt: „Genau daraus ist vibe deep entstanden: als Produkt, nicht als Content-Verlängerung.“ Um das Vorhaben umzusetzen, übernahm er dank seines Hintergrunds in der Tech-Industrie das Product Management. Unterstützt werden die beiden von einem externen CTO, der die Entwicklung mit einem internationalen Team vorantreibt. Doch die Technik sei nur die halbe Miete: „Die eigentliche Innovation liegt nicht nur in der Technologie, sondern im Verständnis von Beziehungen – und genau das bringen wir als Gründer*innen mit“, betont Lui.

Deep Talk statt Dauerkonsum

Im Gegensatz zu bestehenden Plattformen, die auf die Quantität neuer Kontakte ausgelegt sind, setzt vibe deep auf die Intensivierung bereits bestehender Beziehungen. Der Mechanismus ist simpel, aber wirkungsvoll: Die App liefert den Nutzenden individuell angepasste Anregungen und stellt tiefgreifende psychologische Fragen – etwa zum persönlichen Umgang mit Konflikten. Der entscheidende Clou zur Steigerung des Engagements liegt darin, dass die Antworten erst ersichtlich werden, wenn alle beteiligten Parteien sich mit ihren eigenen Erwartungen auseinandergesetzt und diese in der App beantwortet haben.

Flankiert wird dieses Konzept von einer künstlichen Intelligenz, deren Nutzung jedoch streng an die Zustimmung aller Beteiligten geknüpft ist. Gerade beim Umgang mit hochsensiblen Paardaten stellt sich unweigerlich die Frage nach Datensicherheit. Auf Nachfrage versichert Lui strenge Standards: „Wir bauen kein Produkt, das ohne Vertrauen funktionieren kann.“ Er verweist auf Datensparsamkeit, pseudonymisierte Strukturen und die klare Regel, Inhalte nicht für das Training von KI-Modellen zu nutzen.

Saskia präzisiert den ethischen Rahmen der Technologie: Die KI sei darauf ausgelegt, „nicht zu bewerten oder Lösungen vorzugeben, sondern Verbindung zu fördern durch Spiegeln, Nachfragen und Perspektivwechsel“. Dabei bleiben die Algorithmen bewusst in einer unterstützenden, nicht-dominanten Rolle und greifen nur ein, wenn beide Partner*innen dies explizit wünschen. Den Kern ihres Anspruchs fasst Saskia pointiert zusammen: „Die intimsten Gespräche eines Menschen gehören nicht uns – wir dürfen nur den Raum dafür halten.“

Community-Power als Raketenstart im Haifischbecken

Mit über 600.000 Follower*innen über alle sozialen Netzwerke hinweg verfügt das Duo über eine immense organische Reichweite. Diese schlägt sich in den Startmetriken der App wider: In den ersten acht Wochen wurden bereits über 50.000 Fragen von den User*innen beidseitig beantwortet. Zudem verzeichnete die App in den ersten Wochen über 10.000 Installationen und konnte dabei mehr als 300 Premium-Aktivierungen vermerken.

Besonders bemerkenswert sind die emotionalen Erfolgsmetriken: Laut Unternehmensangaben bestätigen 75 Prozent der Nutzenden, dass sich ihr Verhältnis zueinander nach zehn Tagen signifikant verbessert hat. Ehrliche Kommunikation birgt jedoch auch Konsequenzen, denn laut denselben Daten endete jede zehnte Beziehung in diesem Zeitraum mit einer sofortigen Trennung.

Der Markt für „Relationship Care“ wächst und lockt international Wagniskapital an. Zu den Mitbewerbenden zählen das britische Start-up Paired sowie die US-amerikanischen Pendants Agapé und Coral. Im deutschsprachigen Raum konkurriert vibe deep unter anderem mit PAIRfect und recoupling, die durch TV-Show „Die Höhle der Löwen“ nationale Bekanntheit erlangten.

Doch wie grenzt man sich von diesen Millionen-Playern ab? „Viele der bestehenden Player bauen im Kern Therapie-Tools für romantische Zweierbeziehungen. Das bildet aber nur einen sehr kleinen Ausschnitt davon ab, was Beziehung eigentlich ist“, kritisiert Saskia Michalski. Vibe deep begreife Verbundenheit deutlich breiter – ob in Freundschaften, beim Dating oder in offenen Konstellationen. Tatsächlich nutze über die Hälfte der User*innen die App mit mehr als einer Person. „Deshalb bauen wir keine Therapie-App für Paare, sondern eine Infrastruktur für Verbindung“, resümiert Saskia.

Zwischen Viralität und Churn-Gefahr

Die Monetarisierung erfolgt derzeit über ein monatliches Abo-Modell, das dem Start-up verlässliche wiederkehrende Umsätze (MRR) sichern soll und tiefere Einblicke sowie mehr KI-Funktionen freischaltet. Für Lui war dieser erste Schritt ein erfolgreicher Test: „Die Frage war, ob Menschen grundsätzlich bereit sind, für tiefere Verbindung zu zahlen. Und die Antwort ist klar: Ja.“ Gleichzeitig räumt er ein, dass die App weniger als Daily-Produkt, sondern eher in intensiven emotionalen Peak-Phasen genutzt wird, weshalb man nun auch mit Wochen- und Jahres-Abos experimentiere. Finanziell agiert das Duo bislang völlig eigenständig („100% bootstrapped“), schließt aber externe Investor*innen für die nächste Wachstumsphase nicht aus. „In sechs Monaten können wir diese Frage also sicherlich schon deutlich präziser beantworten“, so Lui.

Das Geschäftsmodell ist ein klassisches Beispiel für die Monetarisierung innerhalb der Creator Economy. Durch die riesige Community bleiben die Akquisekosten extrem niedrig. Zudem erzeugt die Mechanik der zunächst verborgenen Antworten einen eingebauten Viral-Loop, der enorme Neugier weckt. Dennoch zeigen sich Skalierungsrisiken: Mit einer Conversion-Rate von rund drei Prozent muss vibe deep beweisen, dass es den Sprung aus der Influencer*innen-Blase in den Massenmarkt schafft.

Die größte Herausforderung bleibt das branchenbekannte „Churn-Paradoxon“: Löst die App ihr Versprechen ein und heilt die Beziehung – oder führt sie zur Trennung –, entfällt auf Dauer der primäre Use Case für die Endkonsument*innen.

Saskia widerspricht dieser Lesart jedoch energisch. Das Paradoxon basiere auf einem überholten Verständnis von Beziehungen, bei dem man ein Problem löst und dann „fertig“ sei. „Verbindung ist kein Zustand, den man einmal erreicht, sondern etwas, das sich ständig verändert“, analysiert Saskia. Weil die Nutzenden die App über mehrere Verbindungen und Lebensphasen hinweg nutzen, steige der Customer Lifetime Value ganz natürlich.

Perspektivisch plant das Start-up zudem Erweiterungen im B2B2C-Bereich, etwa als Begleit-Tool für Coaches und Paartherapeut*innen oder für das Team-Building in Unternehmen. Der Fokus bleibe vorerst jedoch auf den Endkonsument*innen. Saskia Michalski bringt die Vision selbstbewusst auf den Punkt: „Wir bauen kein Tool für ein Problem, das verschwindet, sondern für etwas, das immer wieder entsteht.“

MANA: Wie Virtual Office Services den Unternehmensalltag neu strukturieren

Ein detailliertes Portrait von MANA: Virtual Office, digitale Prozesse und persönliche Betreuung für Start-ups und KMU.

Die Arbeitswelt hat sich in den vergangenen Jahren grundlegend verändert. Flexible Arbeitsmodelle, digitale Prozesse und ortsunabhängiges Arbeiten sind längst keine Ausnahme mehr, sondern prägen den Alltag vieler Unternehmen. Gleichzeitig stehen insbesondere Start-ups, Selbstständige und kleine Unternehmen vor der Herausforderung, administrative Aufgaben effizient zu organisieren, ohne dabei wertvolle Ressourcen zu verlieren.

Genau an dieser Schnittstelle setzt MANA an. Das Unternehmen positioniert sich als zentraler Ansprechpartner für organisatorische Prozesse im Hintergrund – mit dem Ziel, den Geschäftsalltag einfacher, strukturierter und digitaler zu gestalten. Weitere Informationen zum Leistungsangebot und zur Struktur des Unternehmens finden sich unter https://we-are-mana.com/.

Von der Idee zur Lösung: Warum MANA entstanden ist

Wer gründet, konzentriert sich zunächst auf Produkt, Markt und Wachstum. Doch schnell wird deutlich, dass administrative Aufgaben einen erheblichen Teil der täglichen Arbeit ausmachen. Posteingang, Dokumentenmanagement oder rechtliche Anforderungen gehören zu den grundlegenden Pflichten – sind jedoch selten der eigentliche Fokus eines Unternehmens.

Gerade in kleinen Teams oder bei Einzelunternehmen entstehen dadurch typische Herausforderungen:

  • fehlende Zeit für organisatorische Aufgaben
  • unklare Abläufe im Umgang mit Dokumenten
  • Unsicherheiten bei rechtlichen Anforderungen
  • mangelnde Struktur im Tagesgeschäft

MANA setzt genau hier an und verfolgt einen Ansatz, der diese Prozesse bündelt und vereinfacht. Ziel ist es, Unternehmen von administrativen Aufgaben zu entlasten, ohne dass diese eigene Strukturen aufbauen müssen.

Virtual Office neu definiert

Das Konzept des Virtual Office ist grundsätzlich bekannt, wird jedoch häufig auf die Bereitstellung einer Geschäftsadresse reduziert. MANA erweitert diesen Ansatz um digitale und organisatorische Komponenten, die über klassische Angebote hinausgehen.

Im Zentrum stehen dabei:

  • eine ladungs- und handelsregisterfähige Geschäftsadresse
  • ein strukturierter Postservice
  • digitale Bereitstellung eingehender Dokumente

Alle eingehenden Sendungen werden digitalisiert und online zur Verfügung gestellt – in vielen Fällen noch am Tag des Eingangs. Dadurch entsteht ein jederzeit verfügbarer Überblick über wichtige Unterlagen. Originaldokumente können bei Bedarf zuverlässig weitergeleitet werden.

Diese Kombination ermöglicht es Unternehmen, ortsunabhängig zu arbeiten und gleichzeitig alle formalen Anforderungen zu erfüllen.

Persönliche Betreuung als zentraler Unterschied

Ein wesentliches Merkmal von MANA ist der persönliche Ansatz. Während viele Anbieter auf standardisierte Prozesse und automatisierte Abläufe setzen, legt das Unternehmen Wert auf direkte Ansprechpartner und individuelle Betreuung.

Das zeigt sich insbesondere in:

  • persönlicher Kommunikation statt anonymem Support
  • festen Ansprechpartnern für individuelle Anliegen
  • schnellen und nachvollziehbaren Lösungen

Diese Struktur schafft Vertrauen und sorgt dafür, dass Kunden nicht als Nummer behandelt werden. Gerade für kleinere Unternehmen kann dieser persönliche Kontakt ein entscheidender Faktor sein.

Berlin im Fokus – Expansion in weitere Städte

Der aktuelle Schwerpunkt von MANA liegt auf Berlin. Als einer der wichtigsten Gründerstandorte Europas bietet die Stadt ideale Voraussetzungen für junge Unternehmen und innovative Geschäftsmodelle.

Eine Geschäftsadresse in Berlin kann dabei nicht nur formale Vorteile bieten, sondern auch die Außenwirkung eines Unternehmens stärken.

Gleichzeitig ist die Expansion bereits geplant:

  • München als nächster zentraler Standort
  • perspektivische Erweiterung nach Hamburg und Frankfurt

Diese Entwicklung zeigt, dass das Modell skalierbar ist und sich an unterschiedliche Märkte anpassen lässt.

Digitale Prozesse als Fundament

Ein zentraler Bestandteil des Konzepts ist die konsequente Digitalisierung administrativer Abläufe. Prozesse, die traditionell zeitintensiv und papierbasiert sind, werden hier strukturiert und vereinfacht.

Dazu gehören unter anderem:

  • digitale Erfassung und Archivierung von Dokumenten
  • ortsunabhängiger Zugriff auf Post und Unterlagen
  • klare Strukturierung von Geschäftsprozessen

Der Vorteil liegt in der Transparenz: Unternehmen behalten jederzeit den Überblick über ihre Dokumente und können schnell auf relevante Informationen zugreifen.

Flexible Nutzung von Meetingräumen

Neben den digitalen Services bietet MANA die Möglichkeit, Meetingräume bei Bedarf zu nutzen. Diese können flexibel gebucht werden und eignen sich für unterschiedliche Einsatzbereiche:

  • Kundentermine
  • Präsentationen
  • interne Besprechungen

Dadurch entsteht eine Kombination aus digitaler Flexibilität und physischer Infrastruktur – ohne langfristige Verpflichtungen für feste Büroflächen.

Für wen das Modell besonders geeignet ist

Das Angebot von MANA richtet sich vor allem an Unternehmen, die flexibel arbeiten und gleichzeitig professionelle Strukturen benötigen.

Dazu zählen insbesondere:

  • Start-ups in der Aufbauphase
  • Selbstständige und Freelancer
  • kleine und mittlere Unternehmen

Besonders relevant ist das Modell für Unternehmen, die keine eigenen Büroräume benötigen oder bewusst auf flexible Lösungen setzen. Gleichzeitig profitieren alle, die administrative Prozesse auslagern möchten, ohne die Kontrolle zu verlieren.

Einordnung im Wettbewerbsumfeld

Der Markt für Virtual Offices wächst seit Jahren kontinuierlich und wird zunehmend vielfältiger. Zahlreiche Anbieter positionieren sich mit ähnlichen Grundangeboten, unterscheiden sich jedoch deutlich in ihrer Umsetzung, ihrem Serviceverständnis und ihrer Zielgruppenansprache. Während viele Lösungen stark standardisiert und auf Skalierung ausgelegt sind, zeigt sich bei genauerem Hinsehen, dass nicht alle Anbieter denselben Anspruch an Betreuung und Struktur verfolgen.

MANA wählt hier bewusst einen differenzierten Ansatz. Im Fokus stehen nicht allein digitale Prozesse, sondern deren Kombination mit persönlicher Betreuung und klar nachvollziehbaren Abläufen. Statt anonymer Massenabwicklung setzt das Unternehmen auf direkte Ansprechpartner und eine Zusammenarbeit, die stärker auf individuelle Anforderungen eingeht.

Das zeigt sich insbesondere in:

  • dem Fokus auf persönliche Betreuung statt standardisierter Prozesse
  • der Verbindung aus digitaler Infrastruktur und individueller Unterstützung
  • klar strukturierten, verständlichen Abläufen ohne unnötige Komplexität

Diese Ausrichtung spricht vor allem Unternehmen an, die neben Effizienz auch Wert auf Verlässlichkeit, Transparenz und direkte Kommunikation legen. Gerade für kleinere Unternehmen und Gründer kann dieser Ansatz einen spürbaren Unterschied im Alltag machen.

In einem Interview von MANA mit business-on wird zudem deutlich, wie stark der Fokus auf praxisnahe Lösungen und persönliche Zusammenarbeit gelegt wird – insbesondere mit Blick auf die Bedürfnisse kleiner und wachsender Unternehmen.

Skalierbarkeit und Zukunftsperspektiven

Das Konzept von MANA ist darauf ausgelegt, mit den Anforderungen moderner Unternehmen mitzuwachsen. Gerade in einem Umfeld, das zunehmend von Digitalisierung, Flexibilität und dynamischen Geschäftsmodellen geprägt ist, gewinnen skalierbare Lösungen an Bedeutung. Unternehmen benötigen Strukturen, die sich anpassen lassen – sowohl in frühen Gründungsphasen als auch im weiteren Wachstum.

Digitalisierung, Automatisierung und ortsunabhängige Arbeitsmodelle werden dabei weiterhin eine zentrale Rolle spielen. Lösungen wie die von MANA greifen genau diese Entwicklung auf, indem sie administrative Prozesse vereinfachen und gleichzeitig flexibel erweiterbar bleiben.

Mögliche Entwicklungen umfassen:

  • den weiteren Ausbau digitaler Services und automatisierter Abläufe
  • die Erweiterung auf zusätzliche Städte und wirtschaftlich relevante Standorte
  • die kontinuierliche Optimierung der Nutzererfahrung und Prozessstruktur

Gleichzeitig bleibt der persönliche Ansatz ein wesentlicher Bestandteil des Modells. Auch im Zuge des Wachstums steht die direkte Betreuung im Vordergrund – ein Aspekt, der insbesondere für kleinere Unternehmen und Gründer eine wichtige Rolle spielt. Die Herausforderung wird darin liegen, Skalierung und persönliche Betreuung langfristig in Einklang zu halten.

Fazit

MANA steht exemplarisch für eine Entwicklung, die viele Unternehmen aktuell betrifft: Administrative Prozesse werden zunehmend ausgelagert und digitalisiert, um Ressourcen zu sparen und Abläufe effizienter zu gestalten. Virtual Office Services entwickeln sich dabei von einer ergänzenden Lösung hin zu einem eigenständigen Organisationsmodell, das sich flexibel in unterschiedliche Unternehmensstrukturen integrieren lässt.

Die Kombination aus ladungsfähiger Geschäftsadresse, digitalem Postservice und persönlicher Betreuung bietet eine klar strukturierte Grundlage für den Unternehmensalltag. Besonders für Start-ups, Selbstständige und kleinere Unternehmen entsteht dadurch ein Umfeld, das sowohl Flexibilität als auch Verlässlichkeit ermöglicht – ohne die Notwendigkeit, eigene komplexe Infrastrukturen aufzubauen.

Mit Blick auf die weitere Entwicklung digitaler Arbeitsmodelle ist davon auszugehen, dass die Nachfrage nach solchen Lösungen weiter steigen wird. Unternehmen, die frühzeitig auf strukturierte, digitale und gleichzeitig persönliche Systeme setzen, schaffen sich damit eine stabile Basis für nachhaltiges Wachstum und langfristige Anpassungsfähigkeit.

FemTech-Start-up-Report 2026

Schluss mit Pinkwashing! Wie deutsche FemTech-Start-ups 2026 die Gender Data Gap schließen und unser Gesundheitssystem neu codieren.

Lange Zeit belächelt, in eine rosarote Lifestyle-Ecke gedrängt und von männlich dominierten Investment-Komitees als Nischenthema abgetan: FemTech hat einen beispiellosen Reifeprozess hinter sich. Doch der eigentliche Paradigmenwechsel des Jahres 2026 findet tief in der Pharmakologie und der klinischen Forschung statt. Jahrzehntelang galt in der Medizin der 70 Kilogramm schwere Durchschnittsmann als universeller Standard. Die fatale Folge dieser sogenannten Gender Data Gap ist, dass Medikamente primär an männlichen Probanden getestet wurden, weshalb Frauen bis heute ein dramatisch höheres Risiko für Fehldiagnosen und schwere Nebenwirkungen tragen. Der weibliche Körper verstoffwechselt Wirkstoffe aufgrund hormoneller Zyklen und abweichender Enzymaktivitäten völlig anders. Vom einstigen Tabuthema zum DeepTech-Sektor beweist die Branche heute, dass geschlechtsspezifische Medizin kein Nischendasein mehr fristet, sondern ein systemkritisches Versäumnis korrigiert. FemTech schließt endlich diese lebensgefährliche Datenlücke und wird so zum unverzichtbaren Rückgrat einer gerechten, digitalen Medizin.

Datenpower gegen die medizinische Unsichtbarkeit

Der globale Markt für Frauengesundheit steuert laut aktuellen Analysen von McKinsey weltweit auf die Eine-Billion-Dollar-Marke zu. In Deutschland zeigt sich 2026 eine deutliche Konsolidierung. Während die Dealroom-Daten nach dem Hype der frühen 2020er Jahre zunächst eine Delle verzeichneten, hat sich das Investitionsvolumen in der DACH-Region mittlerweile auf einem konstant hohen Niveau stabilisiert. Laut einer Einschätzung der KfW fließen die Gelder heute jedoch smarter: Weg vom überfüllten B2C-Consumer-Markt, hin zu B2B-Modellen und DeepTech.

Der unangefochtene Haupttreiber in diesem Jahr ist die künstliche Intelligenz, die in der Diagnostik, bei der Mustererkennung von Biomarkern und vor allem in der Simulation geschlechtsspezifischer Medikamentenreaktionen neue Standards setzt. Series-A-Runden im zweistelligen Millionenbereich sind für wissenschaftlich validierte Geschäftsmodelle in Deutschland keine Seltenheit mehr, da die Erkenntnis gereift ist, dass eine Medizin, die die Hälfte der Menschheit ignoriert, schlichtweg ökonomisch ineffizient ist.

Gender-Pharmakologie und Female-Centric AI

Die FemTech-Welle der ersten Stunde wurde von Menstruations-Apps dominiert. Pioniere wie das Berliner Start-up Clue haben dafür den Weg bereitet. Doch 2026 dominieren völlig neue, hochkomplexe Sub-Sektoren das Feld. Erstens sehen wir einen massiven Push im Bereich der geschlechtsspezifischen Pharmakologie. Da der weibliche Metabolismus stark von Hormonzyklen beeinflusst wird, nutzen Start-ups heute synthetische Daten und KI, um virtuelle klinische Studien an weiblichen Profilen durchzuführen. Zweitens rückt die geschlechtsspezifische Kardiologie und Onkologie in den Fokus, bei der Algorithmen explizit auf weibliche Symptomatiken – wie den oft unerkannten „stillen Herzinfarkt“ bei Frauen – trainiert werden. Drittens boomt das Metabolische Biomonitoring, das präventiv Autoimmunerkrankungen trackt, die Frauen überproportional oft betreffen. Diese Entwicklung wird massiv durch Einrichtungen wie das Institut für Geschlechterforschung in der Medizin (GiM) an der Berliner Charité flankiert, das die klinische Gendermedizin maßgeblich vorantreibt.

Die Lektionen aus dem Crash der Lifestyle-Apps

Dass der Weg zur Profitabilität steinig ist, zeigte in der jüngeren Vergangenheit das spektakuläre Scheitern des US-Konzerns FemTec Health, der nach einer aggressiven Übernahmewelle – unter anderem des einstigen Schweizer Vorzeige-Start-ups Ava – grandios implodierte. Aus diesem Crash lassen sich für heutige Gründer*innen vier fatale Fallstricke ableiten. Der erste und wichtigste Fehler war die gnadenlose Unterschätzung der europäischen Medizinprodukteverordnung (MDR), die vielen Hardware-Produkten im Nachhinein das Genick brach. Zweitens offenbarten sich völlig zerstörte Unit Economics, da reine Direct-to-Consumer-Modelle durch exorbitante Marketingkosten unprofitabel wurden. Ein dritter Irrtum war das „Pinkwashing“: Es wurde mehr Budget in Lifestyle-Marketing gepumpt als in echte klinische Evidenz, was den Zugang zu essenziellen Krankenkassen-Erstattungen blockierte. Der vierte Fallstrick war die fehlende Spezialisierung auf Gender-Daten; Unternehmen, die lediglich eine weibliche Benutzeroberfläche für männliche Medizinstandards bauten, scheiterten am mangelnden medizinischen Mehrwert.

Wo die geschlechtsspezifische Innovation hierzulande pulsiert

Deutschlands FemTech-Landschaft konzentriert sich 2026 auf hochspezialisierte Hubs. Berlin bleibt der absolute Magnet für Venture Capital und B2C-Brands, stark befeuert durch die Nähe zur Charité und dem Berlin Institute of Health (BIH), das intensiv an der Schließung der Gender Data Gap arbeitet. München hat sich hingegen als das Epizentrum für DeepTech und BioTech etabliert, getragen von den exzellenten Ausgründungen der TU München und dem Cluster BioM. Ein oft unterschätzter, aber extrem relevanter Hotspot ist das Rheinland, insbesondere die Achse Köln/Bonn. Durch die hohe Dichte an privaten Krankenversicherern und Kooperationspartnern wie der Axa oder Gothaer ist dies der ideale Boden für Start-ups, die auf DiGA-Zulassungen schielen. Die Rhein-Neckar-Region um Heidelberg fungiert dank des Deutschen Krebsforschungszentrums (DKFZ) und dem Medizintechnologie-Cluster CUBEX in Mannheim als entscheidende Brücke zwischen harter Onkologie und frauenspezifischer Gesundheitsforschung.

Investor*innen-Radar

Die Investor*innenlandschaft hat sich massiv ausdifferenziert und gleicht 2026 einem hochprofessionellen Ökosystem. Auf der ersten Ebene agieren spezialisierte VCs wie der Auxxo Female Catalyst Fund oder Calm/Storm Ventures, die den Markt mit tiefer Expertise treiben. Die zweite Ebene bilden die Top-Tier Generalisten: Adressen wie Cherry Ventures, HV Capital und der spezialisierte Ableger Earlybird Health haben den ROI von FemTech längst erkannt. Drittens greifen Corporate VCs der Industrie massiv ein; hier positionieren sich Einheiten wie Bayer G4A oder der Roche Venture Fund frühzeitig, um sich strategische Innovationen im Diagnostikbereich zu sichern. Das Fundament bilden hochaktive Business Angels wie Gloria Bäuerlein, Gesa Miczaika und Startup-Verbands-Präsidentin Verena Pausder, die mit ihren Investments echte Signalwirkung erzeugen, während Syndikate wie encourageventures entscheidende Brücken in den Pre-Seed-Phasen bauen.

Die Top Start-ups (Must-Watch)

Für die folgende Auswahl der Top Start-ups des Jahres 2026 haben wir strenge Kriterien angelegt. Im Fokus stehen ausschließlich in Deutschland ansässige Unternehmen der „neuen Generation“ mit einem Gründungsjahr ab 2020. Wir bewerten die Marktrelevanz im Kontext der Gender-Medizin, den technologischen Reifegrad, das Vertrauen namhafter Lead-Investor*innen sowie die Fähigkeit, echte medizinische Datenlücken zu schließen. Die Redaktion hat diese Auswahl unabhängig und ohne finanzielle Gegenleistungen getroffen.

Levy Health (Gründung: 2021)

Das in Berlin gegründete Trio Caroline Mitterdorfer, Priv.-Doz. Dr. med. Theresa Vilsmaier und Silvia Hecher adressiert die komplexe Welt der Endokrinologie. Ihr B2B-SaaS-Produkt ist eine CE-zertifizierte Software zur klinischen Entscheidungsunterstützung, die Mediziner*innen hilft, die wahren Ursachen für weibliche Unfruchtbarkeit schneller zu entschlüsseln. Statt nur hormonelle Daten aufzubereiten, analysiert der Algorithmus umfassende klinische Parameter und Laborwerte, um eine massive diagnostische Lücke in der Reproduktionsmedizin zu schließen. Wie enorm das Skalierungspotenzial dieser Technologie ist, zeigte sich bei einer Seed-Runde über 4,5 Millionen US-Dollar: Angeführt vom US-Fonds XYZ Venture Capital und begleitet von Atlantic Labs, nutzte Levy Health das Kapital, um seinen Hauptsitz strategisch nach San Francisco zu verlegen – während Berlin die entscheidende europäische Entwicklungsbasis bleibt

Ovom Care (Gründung: 2023)

Felicia von Reden, die Gynäkologin Dr. Lynae Brayboy und die renommierte Embryologin Dr. Cristina Hickman heben die Reproduktionsmedizin mit Ovom Care auf ein neues Level. Das als Spin-off des Berliner KI-Studios Merantix gestartete Unternehmen verbindet reale physische Kinderwunschzentren – mit ersten Klinik-Standorten in Lissabon und Großbritannien – mit einer hochkomplexen Software zur Therapieplanung. Der USP: Der Algorithmus nutzt globale Patientinnendaten, um IVF-Behandlungen präzise auf den individuellen weiblichen Körper zuzuschneiden. Für diese technologische Schließung der Datenlücke sammelte das Start-up in einer Seed-Runde 4,8 Millionen Euro ein, angeführt vom Deep-Tech-VC Alpha Intelligence Capital (AIC) unter strategischer Beteiligung von Merantix und Ananda Impact Ventures.

Endo Health (Gründung: 2020)

Die Gynäkologin Dr. med. Nadine Rohloff und der Wirtschaftsinformatiker Markus Rothenhöfer (CIO) haben mit der in Chemnitz ansässigen Endo Health GmbH ein Unternehmen geschaffen, das sich lange Zeit exklusiv der Krankheit Endometriose widmete. Das Ursprungsmodell basiert auf der Endo-App, einer digitalen Gesundheitsanwendung (DiGA), die offiziell vom BfArM gelistet ist und auf Kassenkosten verschrieben werden kann. Im Jahr 2025 vollzog das Start-up jedoch den strategischen Sprung zur Multi-Disease-Plattform und launchte mit „Paula“ eine innovative App-Lösung für Betroffene des Polyzystischen Ovarialsyndroms (PCOS). Dieses enorme technologische Skalierungspotenzial für chronische Frauenkrankheiten überzeugte Geldgeber: Zu den Investoren der jüngsten Expansionsrunden zählen unter anderem Atreyu Investments, Cimexia GmbH, der Berlin Angel Fund und IBB Ventures.

Femfeel (Gründung: 2020)

Das Gründungstrio Janna Kraft, Marie Reger und Michaela Lehr widmet sich mit Femfeel der weiblichen Lebensmitte und überführt die Menopause in die digitale Versorgung. Ihr smartes B2B2C-Modell umgeht langwierige Rezept-Prozesse: Femfeel kombiniert App-basierte Begleitung mit evidenzbasierten Lebensstil-Interventionen, die offiziell als Präventionskurse (nach § 20 SGB V) zertifiziert sind und somit direkt von den Krankenkassen erstattet werden. Wie enorm wertvoll dieser präventive Markt geworden ist, bewies Femfeel durch einen hochbeachteten Exit: Das Start-up wurde von der Medice Health Family – einem Schwergewicht des deutschen Pharma-Mittelstands – übernommen und in dessen Digital-Health-Sparte integriert. Ein historisches Paradebeispiel dafür, wie stark die etablierte Industrie aktuell im FemTech-Sektor konsolidiert.

Frieda (Gründung: 2020)

Valentina Ullrich, Dr. med. Kai Schulze-Wundling und Thanh Schrader-Nguyen adressieren mit Frieda die Gendermedizin in der Menopause und gehen dabei tief in die klinische Diagnostik. Ursprünglich unter dem Namen Loba Health gestartet, agiert das Unternehmen heute als hybride digitale Klinik. Der USP: Statt den Östrogenabfall als Lifestyle-Thema abzutun, kombiniert Frieda datengestützte Telemedizin mit digitaler kognitiver Verhaltenstherapie (CBT) für eine evidenzbasierte Behandlung. Die Menopause wird hier als diagnostisches Fenster begriffen, um Gesundheitsdaten zur aktiven Prävention von altersbedingten Folgekrankheiten (wie Osteoporose) zu nutzen. Dieser konsequente Ansatz überzeugte auch den Schweizer Company Builder Maximon, der diese Brücke zur Langlebigkeit (Longevity) mit einem Seed-Investment von 2,5 Millionen Euro untermauerte.

Vyld (Gründung: 2021)

Ines Schiller und Melanie Schichan transformieren mit Vyld die Monatshygiene durch marine Biotechnologie. Das Start-up bietet sogenannte Kelpons aus Meeresalgen an. Dieser Rohstoff ist nicht nur radikal nachhaltig, sondern liefert einen massiven medizinischen USP: Algen sind von Natur aus hypoallergen, extrem saugfähig und kommen ohne schädliche Bleichmittel oder PFAS (Ewigkeitschemikalien) aus, was das empfindliche vaginale Mikrobiom aktiv schützt. Radikal ist bei Vyld auch die Struktur: Das Start-up agiert im Verantwortungseigentum (Steward-Ownership), wodurch Unternehmenszweck und Sicherheit stets vor kurzfristiger Gewinnmaximierung der Gesellschafter stehen. Dass dieser ethische DeepTech-Ansatz massiv skalieren kann, beweist die Finanzierung: Neben Impact-Investoren wie The Case for Her und millionenschweren Crowdinvesting-Instrumenten wird die Materialforschung von Vyld durch signifikante Fördermittel des Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF) validiert.

theblood (Gründung: 2022)

Das Gründerinnen-Duo Isabelle Guenou und Miriam Santer nutzt Menstruationsblut als diagnostische Goldmine. Ihr Geschäftsmodell basiert auf einer innovativen, nicht-invasiven Analyseplattform, die das lange tabuisierte Menstruationsblut nutzt, um ein breites Spektrum an Biomarkern – von Sexualhormonen bis hin zu essenziellen Nährstoffen wie Ferritin (Eisen) – zu tracken. Ein natürliches, zyklisches Abfallprodukt wird so zum hochwertigen Datensatz für die präventive Gesundheitsvorsorge, ganz ohne Nadelstich beim Arzt. Wie resilient und marktreif das Duo agiert, bewies es nach einem medienwirksam geplatzten TV-Investment („Die Höhle der Löwen“): theblood ließ sich nicht beirren und holte stattdessen hochkarätige strategische Partner an Bord. Dass dieser Ansatz massives Vertrauen genießt, zeigt die heutige Riege der Geldgeber: Neben Roosh Ventures und RoX Health investierte unter anderem Klosterfrau Ventures strategisch in die Berliner Pionierarbeit.

Internationaler Ausblick & Fazit

Der Blick über die deutschen Grenzen zeigt 2026 klar, in welche Richtung der Kompass navigiert. Aus den USA schwappt eine massive Welle der KI-basierten Wirkstoffentdeckung speziell für gynäkologische Erkrankungen nach Europa, während Asien die Hardware-Miniaturisierung für kontinuierliches Hormon-Tracking vorantreibt. Ein entscheidender globaler Makro-Trend ist jedoch die Souveränität der Intimdaten. In einer volatilen regulatorischen Ära in den USA (Post-Roe-v.-Wade) hat sich die europäische DSGVO vom Standortnachteil zum ultimativen Wettbewerbsvorteil entwickelt. Internationale Nutzerinnen suchen zunehmend Schutz bei europäischen Plattformen, die strikte Datensicherheit garantieren. Dies eröffnet deutschen Start-ups ungeahnte Exportchancen als absolute Vertrauensführer.

Für Gründer*innen und Investor*innen bedeutet dies: Die Zeit der reinen Wellness-Gadgets ist endgültig vorbei. Wer 2026 erfolgreich sein will, muss die Gender Data Gap schließen, klinische Evidenz liefern und den Datenschutz als ethisches Fundament begreifen. FemTech ist kein Nischen-Portfolio-Baustein mehr für die Diversity-Quote, sondern der am stärksten unterbewertete Treiber für die Zukunft der gesamten Gesundheitsökonomie. Wer heute in Gender-Medizin investiert, investiert in die Qualität der Medizin von morgen.

Blockchain-Start-up-Report 2026

Vorbei die Zeit der Krypto-Casinos: 2026 ist Blockchain das unsichtbare Betriebssystem der Wirtschaft. Die Top Start-ups, VCs und Trends im großen StartingUp-Report.

Es fühlt sich an wie ein anderes Zeitalter, wenn man auf die wilden frühen 2020er Jahre zurückblickt. Damals dominierten fliegende Hunde-Münzen wie Dogecoin, überteuerte Affen-Bilder des Bored Ape Yacht Club und toxische Goldgräberstimmung die Schlagzeilen. Heute, im Jahr 2026, hat die Blockchain-Technologie ihre Pubertät endgültig hinter sich gelassen. Der Wandel vom spekulativen Nischenthema zur unverzichtbaren Infrastruktur ist vollzogen. Wir sprechen nicht mehr über Krypto als Anlageklasse für Zocke*innen, sondern über distributed Ledger als das unsichtbare Betriebssystem der globalen Wirtschaft. Die Technologie ist leise geworden – und genau darin liegt ihr heutiger Wert für die Start-up-Welt.

Wenn Systemrelevanz auf MiCA trifft

Der europäische Markt für Web3- und Blockchain-Technologien hat einen nie dagewesenen Reifegrad erreicht. Der entscheidende Befreiungsschlag war die vollständige Implementierung der europäischen MiCA-Verordnung (Markets in Crypto-Assets), die den Kontinent vom regulatorischen Flickenteppich zum sichersten Hafen für institutionelles Kapital gemacht hat. Aktuelle Erhebungen des Bitkom und des KfW-Research zeigen, dass im Jahr 2026 bereits über 35 Prozent des deutschen Mittelstands die Technologie aktiv evaluieren oder Pilotprojekte mit Blockchain-Infrastruktur betreiben – primär im Supply-Chain-Management und der automatisierten Abrechnung.

Auf Investor*innenseite hat sich das Bild gewandelt: Statt Milliarden in unregulierte Token-Sales zu pumpen, fließen aktuell jährlich rund 1,8 Milliarden Euro klassisches Venture Capital in echte Equity-Runden der DACH-Region. Der absolute technologische Haupttreiber ist dabei die Konvergenz von künstlicher Intelligenz und Blockchain. Da KI-Agenten zunehmend autonom wirtschaftlich handeln, benötigen sie ein dezentrales, programmierbares und vor allem grenzenloses Zahlungssystem. Die Blockchain liefert exakt diese finanzielle Abwicklungsschicht für die Maschinenökonomie.

Die neuen Treiber jenseits der Krypto-Börsen

Wer heute noch Krypto-Exchanges oder reine NFT-Marktplätze baut, baut für die Vergangenheit. Der Markt des Jahres 2026 wird von drei hochspezifischen Sub-Sektoren dominiert, die das Internet grundlegend neu vernetzen.

  • An vorderster Front steht DePIN (Decentralized Physical Infrastructure Networks). Hierbei wird reale Hardware – von Solarpanels bis hin zu 5G-Antennen – über Token-Incentives dezentral gesteuert und finanziert.
  • Ebenso mächtig ist die Tokenisierung von Real World Assets (RWA), die den traditionellen Finanzmarkt revolutioniert, indem sie Anleihen, Immobilien und Kredite liquide auf die Chain bringt.
  • Der dritte große Treiber sind Zero-Knowledge Proofs (ZKPs) – kryptografische Protokolle, die es Unternehmen erlauben, die Authentizität von Daten auf öffentlichen Blockchains zu beweisen, ohne sensible Geschäftsgeheimnisse offenzulegen. Globale Pioniere wie das auf RWA spezialisierte Netzwerk Centrifuge oder das US-Projekt Helium im Bereich DePIN haben den Weg geebnet, auf dem europäische Gründer*innen nun hochskalierbare B2B-Lösungen errichten.

Die Lektionen aus dem Billionen-Kollaps

Doch diese Reife hat einen extrem hohen Preis gekostet. Der spektakuläre Zusammenbruch der Krypto-Börse FTX und das Implodieren des algorithmischen Stablecoins Terra/Luna vor wenigen Jahren dienen heute als mahnendes Pflichtprogramm in jedem BWL-Seminar. Damals verdampften hunderte Milliarden Dollar, weil Gier über Substanz siegte.

Aus diesem Epochen-Crash lassen sich für heutige Gründer*innen vier fatale Fallstricke ableiten, die absolut tödlich enden:

  • Der erste Irrtum liegt in der regulatorischen Arbitrage: Wer glaubt, Gesetze durch Offshore-Konstrukte und das Mantra "Code is Law" umgehen zu können, scheitert heute an gnadenlosen Aufsichtsbehörden.
  • Zweitens zerstören künstlich aufgeblähte Token-Mechaniken jedes Projekt. Wenn die Unit Economics nur durch das permanente Drucken neuer Token künstlich positiv gehalten werden (Ponzinomics), bricht das Kartenhaus bei der geringsten Marktkorrektur zusammen.
  • Die dritte Lektion betrifft den ewigen B2C-Fokus. Der verzweifelte Versuch, Endkund*innen komplexe Wallets und Seed-Phrases aufzuzwingen, ist gescheitert; der wahre Wert der Blockchain liegt derzeit fast ausschließlich in B2B-Lösungen, die im Hintergrund agieren.
  • Zuletzt war das fehlende Treasury-Management ein Genickbruch für hunderte Teams. Wer die Reserven seines Unternehmens im eigenen, hochvolatilen Token hielt anstatt in Fiat oder echten Stablecoins, war bei Markteinbrüchen über Nacht insolvent.

Das deutsche Netzwerk: Wo die Knotenpunkte entstehen

Deutschland hat sich in dieser neuen Ära extrem smart positioniert und eine dezentrale Hub-Struktur aufgebaut, die weltweit ihresgleichen sucht. Berlin bleibt die unangefochtene Web3-Hauptstadt Europas. Die tiefe Verwurzelung der Ethereum Foundation und eine massive Dichte an internationalen Tech-Talenten machen die Spree-Metropole zum Epizentrum für Protokoll-Entwickler und Layer-1-Infrastruktur. Frankfurt am Main hat sich im Gegensatz dazu als der Hub für institutionelles DeFi (Decentralized Finance) und RWA-Tokenisierung etabliert. Hier verschmilzt die klassische Bankenwelt durch treibende Kräfte wie das Frankfurt School Blockchain Center mit der neuen Technologie. München spielt seine Trümpfe an der Schnittstelle von DeepTech, KI und Enterprise-Blockchain aus, stark befeuert durch Ausgründungen der TU München und die Nähe zu den Corporate Venture Labs von BMW und Siemens. Die heimliche Hauptstadt für den Milliardenmarkt DePIN ist jedoch die Achse Stuttgart/Karlsruhe. Durch das geballte Ingenieurswissen der Automobilzulieferer, gepaart mit Initiativen rund um Bosch, entsteht hier die direkte Verbindung zwischen dezentralen Netzwerken und der physischen Maschinen- und Mobilitätswelt.

Investor*innen-Radar: Smart Money für das Web3

Wer im Jahr 2026 eine Krypto-Infrastruktur finanzieren will, trifft auf eine hochgradig professionalisierte Investor*innenlandschaft. Auf der einen Seite agieren die spezialisierten VCs wie Greenfield Capital, Cherry Crypto oder 1kx. Sie bringen die notwendige technische Tiefe mit, um komplexe Zero-Knowledge-Architekturen oder Token-Design auf Herz und Nieren zu prüfen. Auf der anderen Seite stehen die Top-Tier Generalisten. Häuser wie Earlybird, Point Nine oder HV Capital haben intern längst dedizierte Web3-Partner aufgebaut und führen heute massive Series-A- und B-Runden an, sobald Start-ups bewiesen haben, dass ihre Technologie echte Kundenprobleme löst.

Ein massiver Wachstumsfaktor sind zudem die Corporate VCs der Industrie, allen voran CommerzVentures im FinTech-Sektor oder Porsche Ventures, die Brücken in die klassische Wirtschaft bauen. Der eigentliche Frühphasen-Motor wird jedoch von einer extrem agilen Angel-Szene angetrieben. Erfahrene Ex-Gründer wie Peter Großkopf oder gut vernetzte Angel-Syndikate recyceln ihr Kapital aus vergangenen Zyklen und finanzieren Pre-Seed-Runden oft innerhalb weniger Wochen.

Die Top Blockchain-Start-ups: Unsere Must-Watch Liste 2026

Für unsere Watchlist haben wir klare Kriterien angelegt. Die Auswahl umfasst ausschließlich deutsche Start-ups (mit Hauptsitz oder massiver Präsenz und Wurzeln hierzulande), die ab dem Jahr 2020 gegründet wurden. Wir haben Projekte aussortiert, die rein auf spekulativen Token-Sales basieren. Stattdessen lag unser Fokus auf Marktrelevanz nach dem Krypto-Winter, institutionellem Investor*innen-Vertrauen, technologischer Substanz und einem klaren Product-Market-Fit im B2B- oder tiefen Infrastrukturbereich.

Safe (Gründung 2022)

Das von Lukas Schor, Richard Meissner und Tobias Schubotz als Gnosis-Spin-off gegründete Safe betreibt eine B2B/B2C Smart Contract Account Infrastruktur. Der absolute USP ist die Account-Abstraktion und ihr Multi-Sig-Sicherheitsstandard, der mittlerweile das globale Rückgrat für die Verwahrung digitaler Assets durch Institutionen und DAOs bildet. In den letzten Runden sammelte das Team über 100 Millionen US-Dollar ein, angeführt von Schwergewichten wie 1kx und Tiger Global.

Peaq (Gründung 2020)

Till Wendler, Leonard Dorlöchter und Max Thake bauen mit Peaq eine hochspezialisierte B2B Layer-1 Blockchain. Ihre Technologie ist exakt auf den rasant wachsenden DePIN-Sektor und die "Economy of Things" zugeschnitten, wodurch Maschinen, Fahrzeuge und Roboter souveräne digitale Identitäten und Wallets erhalten. Die jüngsten Wachstumsrunden wurden unter anderem von Generative Ventures und Borderless Capital mit gut 15 Millionen Dollar als Lead-Investoren getragen.

Chainflip (Gründung 2020)

Simon Harman hat mit Chainflip eine B2B2C Cross-Chain Decentralized Exchange (DEX) in Berlin etabliert. Der technologische Vorsprung liegt im nativen Tausch von Krypto-Assets über verschiedene Blockchains hinweg (wie Bitcoin zu Ethereum), ohne dass Nutzer*innen anfällige "Wrapped Tokens" oder unsichere Bridges nutzen müssen. Pantera Capital und Framework Ventures glaubten früh an die Vision und führten Investments in Höhe von über 24 Millionen Dollar an.

Arcium (ehemals Elusiv, Gründung 2022)

Yannik Schrade, Julian Deschler und ihre Co-Founder adressieren mit Arcium eines der größten Probleme der Enterprise-Adoption: Privatsphäre auf öffentlichen Blockchains. Ihr Geschäftsmodell ist ein B2B Confidential Computing Network, dessen USP in der Nutzung von Zero-Knowledge Proofs liegt, wodurch Daten verifiziert werden können, ohne sie zu entschlüsseln. Der auf Krypto spezialisierte Fonds Greenfield Capital sicherte sich hier gemeinsam mit Solana Ventures in frühen Runden mit einem Volumen von über 5 Millionen US-Dollar den Lead.

Gelato Network (Gründung 2020)

Hilmar Orth und Luis Schliesske agieren mit Gelato Network tief im Maschinenraum des Web3. Ihr B2B-Geschäftsmodell ist ein Automatisierungs- und Relayer-Netzwerk. Der USP besteht darin, dass Entwickler über Gelato Smart Contracts automatisieren und sogenannte Rollup-as-a-Service-Lösungen nutzen können – es ist quasi das AWS-Backend für dApps. Die Vision überzeugte Top-Fonds wie Dragonfly und IOSG Ventures, die Kapital in zweistelliger Millionenhöhe bereitstellten.

Unstoppable Finance (Gründung 2021)

Das Berliner Start-up Unstoppable Finance startete unter den Gründern Peter Großkopf, Maximilian von Wallenberg und Omid Aladini ursprünglich mit einer B2C-DeFi-Wallet. Nach einem radikalen strategischen Pivot und dem operativen Ausstieg von Großkopf im Jahr 2024 wandelten Wallenberg und Aladini das Modell erfolgreich zu einer B2B-Infrastruktur für Stablecoins. Der starke USP ist der Aufbau einer vollumfänglich regulierten Brücke („Swift 2.0“), die es institutionellen Kunden vereinfacht, Stablecoins nahtlos in ihre traditionellen Produkte einzubinden. Lightspeed Venture Partners und Speedinvest führen hier das Cap Table mit einem 12,5-Millionen-Dollar-Investment an.

Senken (Gründung 2022)

Das Gründerteam um Adrian Wons, René Schäfer und Djamel Mekibes verknüpft Blockchain mit echtem Klimaschutz. Sie bauen einen B2B-Marktplatz für den Handel mit tokenisierten CO2-Zertifikaten (Carbon Credits). Der USP dieses Regenerative Finance (ReFi) Modells ist die absolute Transparenz und Nachverfolgbarkeit von Klimakompensationen, die das Double-Spending-Problem klassischer Zertifikate eliminiert. Obvious Ventures und namhafte Krypto-Fonds investierten frühzeitig in Senken rund 7,5 Millionen US-Dollar.

Internationaler Ausblick & Fazit

Der Blick über die europäischen Grenzen zeigt, dass die Innovationszyklen rasant bleiben. Aus den USA schwappt aktuell der Makro-Trend der „Chain Abstraction“ zu uns herüber: Blockchain-Technologie wird im Backend so unsichtbar, dass Nutzer*innen gar nicht mehr wissen, auf welchem Netzwerk sie sich bewegen – ähnlich wie heute niemand mehr TCP/IP versteht, um das Internet zu nutzen.

Gleichzeitig forcieren asiatische Märkte, allen voran Singapur und Hongkong, mit massiven staatlichen Förderungen die Verschmelzung von KI-Agenten und Krypto-Payments. Zudem zwingt die globale Entwicklung von digitalen Zentralbankwährungen (CBDCs) die Finanzsysteme endgültig zur Modernisierung.

Für Gründer*innen und Investor*innen lautet das aktuelle Fazit daher so simpel wie hart: Wer heute in der Blockchain-Branche überleben will, muss bauen wie ein traditionelles Softwareunternehmen – besessen davon, echte, drängende Probleme der Wirtschaft zu lösen, nur eben mit einer radikal überlegenen, dezentralen Architektur.

Start-up-Report: Creator Support Services

Die industrielle Revolution der Creator*innen ist in vollem Gange: Unser Report beleuchtet den boomenden Markt und zeigt die deutschen Tech-Start-ups, die das Rückgrat der neuen Medien-Champions bauen.

Wir erleben das Entstehen einer neuen ökonomischen Spezies: Der Creator-Founder. Die Grenze zwischen dem/der klassischen Online-Händler*in und dem/der modernen Content-Creator*in ist endgültig gefallen. Wer heute Reichweite besitzt, baut keine Community mehr auf, sondern ein dezentrales Medien- und Handelsimperium. Diese Transformation vom Nischenthema zur Systemrelevanz braucht jedoch eine industrielle Basis. Genau hier betritt eine neue Generation von Start-ups die Bühne. Diese „Werkzeugmacher*innen“ – spezialisiert auf KI-gesteuerte Produktion, autonome Analyse und FinTech – bilden das unsichtbare, hochprofitable Rückgrat einer Branche, die gerade ihre industrielle Revolution erlebt.

Das Ökosystem wird erwachsen

Die Marktlage im Jahr 2026 beweist eindrucksvoll, dass die Werkzeug-Infrastruktur für digitale Entrepreneur*innen den Kinderschuhen entwachsen ist. Laut aktuellen Hochrechnungen etablierter Investmentbanken steuert die globale Creator Economy unaufhaltsam auf die 400-Milliarden-Dollar-Marke zu, wobei ein signifikanter zweistelliger Prozentsatz direkt in Software- und Servicetools fließt.

Auch in Deutschland bestätigt der jüngste KfW-Gründungsmonitor diese Reife: Software-Lösungen für digitale Medienschaffende gehören zu den widerstandsfähigsten B2B-Segmenten der Post-Krisen-Ära. Der technologische Haupttreiber dieser rasanten Professionalisierung ist zweifellos die angewandte generative künstliche Intelligenz, dicht gefolgt von prädiktiven Datenmodellen. Deutsche Risikokapitalgeber*innen haben im vergangenen Jahr schätzungsweise über 350 Millionen Euro spezifisch in dieses Vertical gepumpt. Es geht längst nicht mehr um experimentelles Wagniskapital, sondern um Growth-Metriken und wiederkehrende SaaS-Umsätze in einem Markt, der eine beispiellose Professionalisierung erfährt.

Technologien der totalen Integration

Blickt man jenseits der offensichtlichen Dashboards, offenbaren sich die wahren Maschinenräume dieses Jahres. Drei Sub-Sektoren dominieren aktuell das Geschehen und treiben die Verschmelzung von Commerce und Content voran. Zunächst ist da die autonome KI-Postproduktion, bei der Algorithmen nicht nur schneiden, sondern selbständig Narrative für Verkaufsformate generieren.

Ein weiterer massiver Treiber ist die prädiktive Marken-Compliance. Hierbei handelt es sich um Legal-Tech-Lösungen, die vollautomatisiert Werbekennzeichnungspflichten und internationale Steuermodelle für Creator-Marken überwachen.

Schließlich etabliert sich das Creator FinTech, insbesondere durch umsatzbasierte Finanzierungsmodelle, die den dynamischen Cashflow von Influencer-Brands algorithmisch bewerten können. Während Pioniere der ersten Welle wie Linktree lediglich Brücken bauten, stoßen die aktuellen Akteure tief in diese hochkomplexen, technologischen Nischen vor, um den Creator*innen als vollwertigen E-Commerce-Akteur*innen zu befähigen.

Reality Check: Der Kater nach dem Hype

Dass diese Branche jedoch kein automatischer Garant für Einhörner ist, bewies der spektakuläre Crash der Web3-Creator-Plattformen um das Jahr 2023. Hochgelobte Projekte wie BitClout verbrannten Hunderte Millionen Dollar an Risikokapital, weil sie die Usability vernachlässigten und keinen echten Nutzwert jenseits der Spekulation boten. Aus diesem schmerzhaften Reality Check lassen sich vier fatale Fallstricke für heutige Gründer*innen ableiten. Der erste Fehler ist das API-Klumpenrisiko, also die blinde Abhängigkeit von den Launen großer Plattformen wie Meta oder YouTube. Ein zweites, oft tödliches Problem sind katastrophale Unit Economics bei Tools, die nur den nicht-monetarisierbaren "Long Tail" der Hobby-Nutzer*innen bedienen. Der dritte Fallstrick ist die chronische Unterschätzung der Regulatorik, insbesondere des EU AI Acts. Das vierte Learning betrifft den Technologie-Fetischismus: Wer Lösungen aufzwingt, die technologisch brillieren, aber in der alltäglichen User Experience der Creator*innen versagen, wird vom Markt gnadenlos abgestraft.

Deutschlands heimliche Creator-Hubs

Die architektonische Landkarte der deutschen Creator-Tool-Landschaft konzentriert sich 2026 auf hochspezialisierte Hotspots. Berlin bleibt der unangefochtene Magnet, angetrieben von einer dichten Konzentration an Media-Tech-VCs und der Strahlkraft von Kaderschmieden wie der ESMT. München agiert als das kraftvolle Gegenstück für harte Technologiebedingungen. Angefacht durch das CDTM und die TU München, entstehen hier vor allem datenlastige B2B-SaaS-Produkte für die Industrie. Das Rheinland, spezifisch die Achse Aachen und Köln, fungiert als historisch gewachsenes Cluster, das auf dem Fundament klassischer TV-Produktionen und starken Informatik-Fakultäten wie der RWTH Aachen basiert. Abgerundet wird dieses Netzwerk durch Hamburg. Die Hansestadt nutzt ihre tiefe Verwurzelung in der Werbe- und Agenturwelt sowie Netzwerke wie den Next Media Accelerator, um Tools zu entwickeln, die genau an der Schnittstelle zwischen Markenbudgets und der Creator-Commerce-Welt ansetzen.

Investor*innen-Radar

Ein genauer Blick auf die Geldgeber*innen offenbart, wer das Benzin für diese Maschine liefert. Bei den spezialisierten VCs haben Akteure wie Creator Ventures den Takt vorgegeben, während in Deutschland vor allem Vehikel rund um OMR Ventures den tiefen Brancheneinblick für Seed-Finanzierungen nutzen. Auf der Ebene der Top-Tier Generalisten sehen wir Fonds wie Creandum, Cherry Ventures und Point Nine, die ihre rigorosen B2B-SaaS-Metriken nun konsequent auf Creator-Tools anwenden. Die Industrie mischt über Corporate VCs ebenfalls kräftig mit; hier sichern sich Bertelsmann Investments oder SevenVentures strategische Marktanteile, um ihre eigenen Wertschöpfungsketten zu digitalisieren. Der eigentliche Motor der Frühphase sind jedoch die Business Angels und Syndikate. Hier agieren Digitalgrößen wie Philipp Westermeyer oder Prominente wie Mario Götze als strategische Türöffner, die den Start-ups unmittelbaren Zugang zu jener Creator-Elite verschaffen, die heute die Märkte bewegt.

Die Top Start-ups (Must-Watch 2026)

Die für diesen Report ausgewählten Start-ups wurden anhand einer rigorosen Analyse ihrer Marktrelevanz im Jahr 2026, ihres technologischen Reifegrades sowie der Stabilität ihrer Geschäftsmodelle bewertet. Ein wesentliches Kriterium war zudem das Investoren-Vertrauen durch namhafte Risikokapitalgeber. Wir betrachten ausschließlich Unternehmen mit Hauptsitz in Deutschland, die ab dem Jahr 2020 gegründet wurden, um den aktuellen Innovationszyklus der "Post-Plattform-Ära" präzise abzubilden – jene Ära, in der Creator zu echten Handelsmarken werden.

Passionfroot (Gegründet 2021)

Das Team um Jennifer Phan, Jens Willemen und Michelle Tian hat von Berlin aus einen globalen Standard gesetzt. Ihr B2B-SaaS-Modell bietet einen ganzheitlichen Workspace, der Sponsoring-Anfragen und CRM für Creator zentralisiert. Der USP ist die radikale Vereinfachung des Backoffice-Chaos für jene „Solopreneur*innen“, die heute Millionenumsätze verwalten. Namhafte VCs wie Creandum und Cherry Ventures investierten hier in einer Seed-Runde 3 Millionen Euro in Passionfroot.

Nindo (Gegründet 2020)

Gegründet von Rezo und Tim Jacken in Aachen, ist Nindo der Inbegriff für den Sprung von Content-Expertise zu tiefen B2B-Data-SaaS-Lösungen. Das Unternehmen bietet granularste Analytics und Reichweiten-Validierungen für das Influencer-Marketing. Durch den Einstieg und die strategische Partnerschaft mit dem globalen Medienhaus Webedia stützt Nindo heute maßgeblich das Wachstum jener Marken, die auf datenbasierte und verifizierte Creator-Kooperationen setzen.

cofenster (Gegründet 2020)

Die Hamburger Gründer Tom Vollmer, Oliver Wegner und Finn Frotscher adressieren die „Corporate Creator Economy“. Ihr Tool ermöglicht es Unternehmen, Mitarbeiter-Content via KI-Guidance in professionelle Verkaufs- und Info-Videos zu verwandeln. Dieser Ansatz sicherte cofenster unter anderem eine Seed-Finanzierung in Höhe von 1,5 Millionen Euro, angeführt von Capnamic Ventures.

Charles (Gegründet 2020)

Artjem Weissbeck und Andreas Tussing bringen mit Charles Conversational Commerce nach Berlin. Ihr SaaS-Modell erlaubt es E-Commerce- und Creator-Brands, Marketing und Verkauf vollständig über WhatsApp abzuwickeln. Der USP liegt in der direkten Monetarisierung ohne Algorithmus-Abhängigkeit, was Salesforce Ventures im Rahmen einer Series-A-Runde zu einem Investment von 20 Millionen Dollar veranlasste.

Wonnda (Gegründet 2022)

Das Berliner Duo Martin Ditzel und Oliver Allmoslechner schließt die Lücke zwischen digitaler Reichweite und physischem Handel. Als B2B-Marktplatz verbindet Wonnda Creator*innen mit europäischen Hersteller*innen für Eigenmarken. Die Plattform digitalisiert das Sourcing und zementiert den Trend zum „Creator-as-a-Manufacturer“, finanziert von namhaften Frühphasen-VCs wie Pitchdrive.

Oxolo (Gegründet 2020)

Das Hamburger Team um Elisabeth L’Orange und Heiko Hubertz besetzt die entscheidende Schnittstelle, an der 2026 die Grenze zwischen klassischem E-Commerce und Creator-Content endgültig verschwindet. Ihr „URL-to-Video“-Modell generiert aus schlichten Shop-Links hochgradig konvertierende Videoclips mit KI-Avataren. Dass Oxolo primär von „Sellern“ spricht, ist ein strategisches Understatement: In Wahrheit nutzen vor allem Creator-Founders das Tool, um ihre D2C-Brands zu industrialisieren. Mit einer Series-A-Finanzierung von 13 Millionen Euro (Lead: DN Capital) ist Oxolo der unsichtbare Motor hinter dem kommerziellen Erfolg moderner Creator-Marken.

Moojo (Gegründet 2021)

Das Berliner Start-up von Amir Djouadi, Christian Engnath und Utena Treves fungiert als das finanzielle Rückgrat der dezentralen Wirtschaft. Moojo bietet eine integrierte FinTech-Lösung, die Rechnungsstellung und sofortige Auszahlungen für Creator*innen automatisiert. Durch die Reduzierung von Zahlungsverzögerungen löst das Start-up eines der größten Liquiditätsprobleme der Branche, unterstützt durch ein 2-Millionen-Dollar-Pre-Seed-Funding von b2venture und APX.

ZebraCat (Gegründet 2022)

Reza Zolfaghari und Michael Baumgartner konzentrieren sich mit ZebraCat in Berlin auf die „Prompt-to-Video“-Revolution. Ihr Modell ermöglicht es Creator*innen, durch einfache Textbeschreibungen komplexe Video-Narrative inklusive Schnitt zu generieren. Als Absolventen von Entrepreneur First verkörpern sie die neue Generation von KI-Tools, die den kreativen Prozess radikal beschleunigen.

Internationaler Ausblick & Fazit

Der Blick auf die globale Makroebene zeigt, dass die europäische Creator Economy erst am Anfang einer tiefgreifenden Umwälzung steht. Aus Asien schwappt die nächste Evolutionsstufe der Live-Commerce-Infrastruktur herüber, während in den USA autonome KI-Agenten bereits die Verhandlungen komplexer Marken-Deals übernehmen. Für den europäischen Markt bedeutet dies: Wer heute noch isolierte Content-Tools baut, wird den Anschluss an den Handel verlieren. Die Zukunft gehört jenen Plattformen, die den gesamten Workflow vom ersten Frame bis zum finalen Checkout digitalisieren.

Das Fazit für Gründer*innen und Investor*innen: Die Creator Economy ist kein flüchtiger Trend mehr, sondern das Betriebssystem des modernen Mittelstands. Wer die Souveränität über die eigene Technologie und die eigenen Daten besitzt, wird die Medienhäuser und Handelskonzerne von morgen führen.

Über den Wolken, aber digital

Wie das 2020 von Heinz Koop gegründete Aviation Hero den verstaubten Markt der Flugausbildung aufmischt.

Die Ausbildung zum/zur Privatpilot*in galt jahrzehntelang als zeitaufwendig, wenig flexibel und extrem papierlastig. Wer fliegen lernen wollte, musste sich den rigiden Zeitplänen traditioneller Flugschulen unterordnen oder am Wochenende im Aeroclub Arbeitsstunden ableisten. Das Monheimer Start-up Aviation Hero tritt an, um genau diesen Schmerzpunkt zu lösen. Mit dem Claim, „Deutschlands erste volldigitale Flugschule“ zu sein, hat das Unternehmen eine stark regulierte Nische digitalisiert. Wir werfen einen genaueren Blick auf das gebootstrappte Geschäftsmodell, das EdTech mit Luftfahrtrecht verbindet.

Das geht besser!

Hinter Aviation Hero steht der Gründer Heinz Koop. Als er 2018 selbst enthusiastisch seine Ausbildung zum Privatpiloten (PPL) begann, stieß er schnell auf die harte Realität der Branche: trockener Theorieunterricht, unflexible Strukturen und eine hohe Abbruchquote bei den Flugschüler*innen. Aus diesem Negativerlebnis heraus entstand die Geschäftsidee. Im Jahr 2020, mit gerade einmal 22 Jahren, brach Koop sein Studium ab und gründete die Aviation Hero GmbH.

Bemerkenswert in der heutigen Start-up-Landschaft: Das Unternehmen ist zu 100 Prozent gebootstrappt. Anstatt auf Risikokapitalgeber*innen zu setzen, finanzierte Koop das Projekt aus eigenen Mitteln und baute das Angebot organisch auf. Ein massiver Wachstumstreiber war dabei Social Media. Mit einem YouTube-Kanal, der mittlerweile über 14.000 abonnierende Luftfahrt-Enthusiast*innen zählt, schuf sich Koop eine eigene Vertriebs-Pipeline und wurde zum Gesicht der modernen Pilotenausbildung in Deutschland.

„Ein Marathon ohne sichtbare Ziellinie“

Dass der Aufbau eines Unternehmens in einem extrem kapitalintensiven Markt ohne externes Geld kein Spaziergang ist, musste Koop schnell feststellen. „Es gab nicht den einen Tiefpunkt, sondern mehrere Phasen, in denen ich kurz davor war aufzuhören“, erinnert sich der Gründer. Ein besonders kritischer Moment ereignete sich kurz vor dem Launch des ersten Theoriekurses. Die Teilnehmer*innen hatten bereits bezahlt, als der fest eingeplante Fluglehrer plötzlich per Telefon absagte – ausgerechnet, als Koop sich wegen gesundheitlicher Probleme auf einer Ayurveda-Kur in Indien befand.

„Ich stand irgendwo am Strand in Indien, hatte Kunden, die sich auf den Kurs freuten, und keinen Fluglehrer mehr“, beschreibt er die absurde Situation. „Kein Investor, kein Sicherheitsnetz, kein Team das auffängt – alles hing an mir.“ Den Kurs abzusagen, kam für ihn jedoch nicht infrage. Nach unzähligen Telefonaten aus Indien fand er schließlich einen Ersatz, der den Kurs letztlich sogar noch besser betreute. Was ihn in diesen harten Momenten antrieb? „Was mich in solchen Momenten immer zum Weitermachen motiviert hat, waren die Nachrichten von Flugschülern“, betont Koop. Wenn Zweifel aufkamen, las er Nachrichten wie: „Heinz, ohne euch hätte ich meinen Traum nie verwirklicht.“ Seine wichtigste Lektion für andere Gründer*innen lautet daher: „Du brauchst nicht den perfekten Businessplan – du brauchst direktes Kundenfeedback, das dir zeigt, dass das, was du baust, einen echten Unterschied macht. Das ist dein Treibstoff, wenn alles andere wegbricht.“

EdTech im Cockpit

Heute ist Aviation Hero vom Luftfahrt-Bundesamt bzw. der Bezirksregierung als Declared Training Organization offiziell zertifiziert. Das Kerngeschäft ist der Verkauf von digitalen Ausbildungspaketen für angehende Privatpilot*innen, allen voran das Sprechfunkzeugnis („BZF Mastery“) sowie Theorie-Crashkurse für die Lizenzen LAPL und PPL.

Die methodische Umsetzung erinnert dabei an moderne EdTech-Plattformen und kombiniert hochwertig animierte Videolektionen, die Netflix-ähnlich konsumiert werden können, mit interaktiven Live-Q&A-Sessions via Zoom und einer Community-Plattform namens Skool für den direkten Austausch.

Dass die konservativen Luftfahrtbehörden diesen digitalen Ansatz absegneten, war laut Koop weniger ein Kampf als oft vermutet. „Ehrlicherweise war der Ansatz gar nicht so radikal, wie er von außen wirkt“, wiegelt er ab. Zugelassene Fernlehrgänge gab es bereits, doch bestanden diese oft aus endlosen Textwüsten ohne Support. „Wir haben uns gefragt: Wie können wir die Vorteile aus beiden Modellen kombinieren? Herausgekommen ist der Aviation Hero Ansatz“, erklärt Koop.

Die eigentliche Herausforderung sei nicht die Behördenüberzeugung gewesen, sondern die Produktion von Hunderten Videolektionen und der Aufbau der eigenen Methodik. Als das Konzept stand, erkannte die Bezirksregierung in Düsseldorf schnell den Mehrwert. „Die Zusammenarbeit ist seitdem konstruktiv und vertrauensvoll“, versichert der Gründer.

Digitale Disruption gegen E-Learning-Dinosaurier

Der Markt für Flugausbildungen im DACH-Raum ist extrem stark fragmentiert. Neben Hunderten lokalen Flugvereinen gibt es etablierte Branchenriesen wie CAT oder Cranfield Aviation. Doch diese Platzhirsche dominieren primär als B2B-Zulieferer und bieten den Schüler*innen oft textlastiges E-Learning der alten Schule. Aviation Hero fischt hier in einem „Blue Ocean“, indem das Start-up die Endkund*innen (B2C) direkt und professionell über Performance Marketing anspricht.

Wird das Start-up in der traditionellen Branche als feindlicher Disruptor oder als dringend benötigter Modernisierer wahrgenommen? „Beides – und es hängt davon ab, wen du fragst“, räumt Koop ein. Zwar höre er regelmäßig skeptische Stimmen, die auf reinen Präsenzunterricht pochen, doch viele Flugschulen sähen Aviation Hero längst als wertvolle Ergänzung. „Unsere Teilnehmer kommen mit bestandenem BZF und bestandener Theorie zu ihnen – und können vom ersten Tag an das Wetterbriefing lesen, den Funk machen und die Lufträume verstehen“, erklärt er den Vorteil für die Praxis-Schulen. Sein klares Credo: „Wir wollen nicht gegen die Branche arbeiten, sondern mit ihr – aber auf einem modernen Level.“

Wo sind die Turbulenzen?

Trotz über 2.000 begleiteter Schüler*innen gibt es auch Herausforderungen. Die Luftfahrt ist eine der am stärksten reglementierten Branchen der Welt. So verbieten EASA-Richtlinien ein reines Netflix-Modell und fordern einen Anteil an synchronem, betreutem Unterricht von etwa zehn Prozent. Auch Prüfungen müssen physisch bei der Bezirksregierung oder der Bundesnetzagentur abgelegt werden.

Zudem sorgt das Aviation-Hero-Preismodell im Premium-Segment gelegentlich für Diskussionsstoff. Die Kritik: Der reguläre Zugang ist auf vier Monate begrenzt; wer länger braucht, muss monatliche Verlängerungsgebühren zahlen. Auf den Vorwurf eines reinen „Penalty-Pricings“ zur Profitsteigerung reagiert Koop jedoch entschieden: „Die zeitliche Begrenzung ist ein bewusster Teil unseres Ausbildungskonzepts – und zwar im Interesse der Teilnehmer.“

Vor dem Start erarbeite man in kostenlosen Zoom-Gesprächen einen klaren Fahrplan, sodass volle Transparenz herrsche. „Warum überhaupt ein Zeitrahmen? Weil der gefährlichste Fehler in der Flugausbildung ein Projekt ohne Deadline ist“, warnt der junge Unternehmer eindringlich. Zu oft meldeten sich Flugschüler*innen motiviert an, verlören sich dann aber im Alltag. „Wer sich BZF und Theorie über viele Monate streckt, braucht exponentiell mehr Zeit, weil man sich jedes Mal wieder neu in die Themen reindenken muss“, analysiert Koop. Der Fokus auf einen kompakten Zeitraum sei schlichtweg pädagogisch sinnvoller.

Fazit & Ausblick

Letztlich verlagert eine digitale Theorie-Ausbildung den Flaschenhals auf die praktische Umsetzung im Cockpit, wo schlechtes Wetter oder fehlende Fluglehrerinnen drohen. Hier setzt Aviation Hero mit dem neuen „Praxis Sprint“ an. Gemeinsam mit einer Partnerflugschule in Hannover können Schüler*innen die komplette praktische Ausbildung in nur vier Wochen durchziehen. „BZF und Theorie online in drei Monaten, Praxis in einem Monat – die komplette Privatpilotenlizenz in zirka vier Monaten möglich. Das gibt es in Deutschland in dieser Form sonst nirgends“, verspricht Koop. Für die künftige Skalierung setzt er massiv auf den Ausbau dieses Partnernetzwerks. Flugschulen schicken ihre Schüler*innen für die Theorie zu Aviation Hero, und das Start-up vermittelt sie für die Praxis zurück.

Trotz des schnellen Wachstums bleibt der Gründer bodenständig: „Wir sind gebootstrappt und wachsen organisch. Das heißt: Wir machen den nächsten Schritt erst, wenn der aktuelle wirklich sitzt.“ Das Start-up beweist eindrucksvoll: Selbst in einer stark regulierten und verstaubten Branche kann der radikale Fokus auf digitale Nutzer*innenerfahrung Marktführer hervorbringen. Die spannendste Frage wird nun sein, wie reibungslos Aviation Hero in Zukunft die physischen Flugstunden für seine wachsende Schüler*innenschaft skalieren kann.