Aus dem Rahmen gefallen


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Die ZEITWERK-Gründer Steffi und Michael Backes vereinen kleine, aber feine Originalstücke der Weltgeschichte zu einem individuellen Kunstwerk.

Die Leidenschaft für „Geschichte zum Anfassen“ zeigte sich bei Steffi und Michael Backes schon sehr früh. Ihr erstes privates Zeitzeugnis war ein Stein des Gymnasiums, an dem sich die ZEITWERK-Gründer kennenlernten. Nun sammeln die beiden schon seit 20 Jahren besondere Original­stücke. Ein Stückchen des legendären Luxusdampfers Titanic gab den entscheidenden Impuls, der aus der Leidenschaft die Geschäftsidee entstehen ließ. Als Michael das Titanic-Fragment als Geschenk aufbereiten wollte, wurde ihm bewusst, dass die Faszination für das Stück an sich unabhängig von dessen Größe ist. Daraus ist dann letztlich die Idee für das Design des setzkastenartigen Rahmens mit neun Feldern entstanden, in dem mehrere zeithistorische Fragmente zu einem Kunstwerk verbunden werden.

Lückenlos nachweisbar

Die Idee war somit geboren. Doch zu allererst musste festgelegt werden, wie die Verkaufseditionen aussehen sollten und wie man die betreffenden Originale zusammentragen könnte. „Wichtig ist, dass die Herkunft jedes Stückes lückenlos nachgewiesen ist. Es muss zweifellos echt sein, nur so spürt man die Faszination“, betont Michael. ZEITWERK vereint die Kunstwerke in drei Themenrahmen: „Spektrum“, „Weltarchitektur“ und „Stück vun Kölle“.

Insbesondere die Recherche nach spannenden Exponaten war sehr aufwendig. „Aber wir wurden immer wieder belohnt durch viele interessante Kontakte, die dadurch zustande gekommen sind“, sagt Steffi. Besonders eindrucksvoll war das Treffen mit dem ältesten Enkel von Konrad Adenauer. Der gleichnamige Vorsitzende der Stiftung Bundeskanzler-Adenauer-Haus war von der Idee der beiden Gründer sofort angetan, sodass er Steffi und Michael kurze Zeit später ein Originalstück aus dem Privathaus des Kanzlers überließ.

Die Quellen für die Originalstücke sind vielfältig. „In unserem Garten steht beispielsweise ein 400 Kilo schwerer Stein des Kölner Doms“, so Michael. „Durch die jahrelange Suche haben wir große Erfahrung darin, ganz besondere Exponate aufzuspüren. Dabei benötigt jedes Thema einen ganz eigenen Rechercheansatz, und oft müssen wir viele verschiedene Wege ausprobieren, bis wir endlich das finden, was wir für ZEITWERK brauchen: ein authentisches Stück mit einem lückenlosen Herkunftsnachweis.“

Die Verpackung macht's

Neben der Suche nach den Originalen gestaltete sich die Suche nach dem passenden Rahmen als echte Herausforderung. Es galt schlichtweg, den nötigen Abstand vom Passepartout zum Glas zu gewährleisten. Bei normalen Rahmen liegt das Glas üblicherweise direkt auf dem Passepartout auf. Das stellte zunächst ein größeres Problem dar, als gedacht. Zu Beginn wurde sehr viel ausprobiert, so hatte z.B. der Prototyp noch einen selbstgebastelten Abstandhalter aus Pappe. Schließlich traf man auf einen Traditionshändler, der eine Lösung exakt nach den Wünschen und Erwartungen der Gründer entwickelte.

Die zweite Frage, mit der man sich intensiv beschäftigen musste, war die der Verglasung. Steffi und Michael mussten u.a. entscheiden, ob sich die Investition in entspiegeltes Glas lohnt. „Der direkte Vergleich war so überzeugend, dass unentspiegeltes Glas gar nicht mehr in Frage kam“, so Steffi. Nach drei Monaten konnten die Gründer die erste Lieferung der für sie und ihre Exponte maßgefertigten Rahmen entgegennehmen.

Aus einem Stück Fundament des Kölner Doms fertigt Michael Backes die kleinen Exponate, ... (Foto: Marc Zimmermann)

Vom Vatikanstaat bis ins Weltall

Mit ZEITWERK haben die Gründer etwas geschaffen, das es so noch nicht gibt. So beinhaltet zum Beispiel das ZEITWERK „Weltarchitektur“ unter anderem ein Stück der Heiligen Pforte aus dem Vatikan. Eine der symbolträchtigsten Handlungen ist die feierliche Öffnung und Schließung der vermauerten Heiligen Pforten, die Beginn und Abschluss des Heiligen Jahres markieren. Der Papst schlägt während der Zeremonie dreimal feierlich mit einem goldenen Hammer an die Pforte und spricht Segensgebete. Das Durchschreiten der geöffneten Pforte symbolisiert den Übergang von der Schuld zur Gnade. Heilige Pforten gibt es in allen vier Papstbasiliken im Vatikan: im Petersdom, in der Marienbasilika Santa Maria Maggiore, in Sankt Johannes im Lateran und in Sankt Paul vor den Mauern. Der Stein im ZEITWERK ist ein Ziegel der Heiligen Pforte in der Lateranbasilika. Als Bischofskirche von Rom ist sie die ranghöchste der vier Papstbasiliken. Der Ziegel wurde beim Abschluss des großen Jubeljahres 2000 unter Papst Johannes Paul II. zum Verschließen der Heiligen Pforte eingesetzt und durch Papst Franziskus während des außerordentlichen Heiligen Jahres wieder geöffnet.

Etwas moderner geht es im ZEITWERK „Spektrum“ zu. Eines der eindrucksvollsten Fragmente in diesem Themenrahmen ist ein Stück des Space Shuttle Discovery. Die Discovery ist mit 39 Flügen die am häufigsten geflogene Raumfähre. Das Stück des Shuttles im Spektrum-Rahmen (ein Teil der weißen Verkleidung der Ladebucht) stammt vom zehntägigen Flug STS-82 und wurde für die Gründer auf einer Charity-Auktion des American Space Museums in Florida mit einem begleitenden NASA-Zertifikat ersteigert.

So unterschiedlich wie die Exponate selbst, sind auch die Quellen: internationale Auktionshäuser, spezialisierte Antiquariate und renommierte Fachhändler. Einige Exponate stammen direkt aus erster Hand. Die Fragmente der Bauwerke wurden größtenteils nach Sanierungsarbeiten zertifiziert ausgegeben. „Auf den Produktseiten gibt es zu jedem Exponat eine kurze Erläuterung und im Booklet stehen dann alle Details zum Nachlesen“, so Michael. „Aktuell haben wir insgesamt 27 Exponate für ZEITWERK zusammengetragen und aufbereitet. Jeweils neun davon sind in den drei limitierten Themeneditionen enthalten. Natürlich gibt es auch die Möglichkeit, ein ganz persönliches ZEITWERK mit seinen neun Lieblingsstücken zu erstellen – oder in der großen Version sogar mit 16 Stücken“, ergänzt Steffi.

... die dann – wie hier von Co-Gründerin Steffi – von Hand in spezielle Rahmen eingearbeitet und online verkauft werden. Foto: Marc Zimmermann

Business „on the go“

Nachdem viele Dinge in der Herstellung geklärt waren, stand am Ende die Verpackung für den Versand auf dem Plan. Eine Thematik, die komplizierter war, als gedacht. Die Muster, die den Gründern zugesendet wurden, konnten den sicheren Versand nicht garantieren. Schließlich musste man mit einem Unternehmen für Verpackungstechnik einen passenden Karton erarbeiten. Hierbei war das Fixier-Inlay das Herzstück, das dafür sorgt, dass der Rahmen während des Versands mittig im Karton schwebt. Außerdem gab es ein weiteres, selbstgesetztes Kriterium zu erfüllen: einen möglichst minimalen Plastikanteil. „Sicherer Transport bei geringem Lagervolumen und geringem Abfall. Win-win-win“, bringt es Steffi auf den Punkt.

Dadurch, dass die Gründer fast alles selbst gemacht haben, konnten Sie ein umfassendes Verständnis entwickeln und auch „on the go“ viele Dinge anpassen. Verkauft werden die limitierten Kunstwerke exklusiv über den eigenen Online Shop. Und die Mühen der beiden Gründer haben sich in mancher Hinsicht jetzt schon gelohnt. „Ein ZEITWERK ist kein stummes Bild an der Wand. Es ist wahnsinnig spannend, es mit anderen Menschen zu entdecken und deren persönlichen Geschichten zu hören“, fasst Michael Backes die Rückmeldungen der ersten Käufer zusammen.

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