­­Flyer-Werbung auf Erfolgsbasis


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Viele Onlinehändler schwören auf das sogenannte Affiliatemarketing. Dabei müssen Werbeprovisionen nur dann gezahlt werden, wenn über den Werbepartner tatsächlich Käufer vermittelt wurden.

Zwei Gründer aus Oldenburg haben das Affiliateprinzip auf die Offlinewelt übertragen. Konkret heißt das: Werbetreibende Unternehmen können über Affiliprint Gutscheine erstellen und vollautomatisiert über zahlreiche Vertriebspartner in Umlauf bringen.

Die Vertriebslösungen reichen von Beilagen im Paketversand z.B. von Ebay-Powersellern, Beilagen in Zeitschriften und Katalogen bis hin zu Rückseiten-Werbung für Flyer, wobei letzterer Service über Partnerdruckereien realisiert wird. Jede Gutscheineinlösung wird genau verfolgt und gemessen. Diese Technik ermöglicht die transparente und erfolgsbasierte Vergütung per Provision. Die Vertriebspartner und Affiliprint verdienen nur dann Geld, wenn die Werbetreibenden Umsätze generiert haben – genau so, wie wir das von den Affiliate-Onlinenetzwerken ja bereits kennen.

www.affiliprint.com

 

Matthias Steiner: Olympiasieger gründet Low-Carb-Start-up

Matthias Steiner, Olympiasieger im Gewichtheben, und seine Frau Inge, ehemalige TV-Moderatorin, entwickeln und vertreiben mit ihrem Start-up Steiner’s Low-Carb-Produkte. Am 15. April will das Paar in der Höhle der Löwen Firmenanteile für 300.000 Euro anbieten.

Matthias Steiner ist ein österreichisch-deutscher Olympiasieger im Gewichtheben. Nach seiner Einbürgerung in Deutschland im Jahr 2008 wurde er im Superschwergewicht über 105 Kilogramm im selben Jahr Olympiasieger und Europameister sowie 2010 Weltmeister.

Seine Frau Inge Steiner war 20 Jahre lang TV-Moderatorin (RTL, N24, Sat.1), bis sie sich entschied, sich ganz ihrer Leidenschaft, der bewussten Ernährung, zu widmen. Zunächst schrieb sie den Beststeller “Das STEINER Prinzip: Vom Schwergewicht zum Wohlfühl-Ich” über den “Abnehmweg” ihres Gatten. Heute ist sie mit Herzblut Unternehmerin und gilt als das Mastermind des Low-Carb-Start-ups Steiner´s mit Sitz in Sulz im österreicheichen Weinviertel.

“Ich wollte ich wieder in einen normalen Körper zurück”

Das Paar hat Low-Carb-Produkte entwickelt, die dem Ex-Sportprofi beim Abnehmen geholfen haben. Zuzeiten seiner sportlichen Karriere brachte Matthias Steiner knapp 150 Kilo Körpergewicht auf die Waage. “Als ich 2013 meine Sport-Karriere beendete, wollte ich wieder in einen normalen Körper zurück”, blickt er heute zurück. “Allerdings ohne Diäten, ohne sich quälen zu müssen. Denn ich war und bin immer noch ein Genussmensch.”

Doch ohne die geliebten Kohlenhydrate war das schwerer als gedacht. Gemeinsam mit einem befreundeten Bäckermeister experimentierte er in Heidelberg an verschiedenen Rezepturen für gesündere Brote, Brötchen und Nudeln. Nach mehrjähriger Entwicklungszeit entstand die Marke Steiner´s. “Das sind schmackhafte Low-Carb-Produkte, die nur Spuren an Kohlehydraten enthalten, dafür viele Ballaststoffe, gute Fette und natürlich auch Eiweiß, das wir für den Aufbau und Erhalt unserer Muskulatur benötigen”, erklärt der 41-Jährige.

“Ich war unser erstes Versuchskaninchen“

Seine Frau Inge ergänzt: “Mit unseren Produkten sind wir so breit aufgestellt, dass man problemlos durch den ganzen Tag kommt.” Im Sortiment gibt es Palatschinken, Nudeln, Kuchen sowie verschiedene Brote und Brötchen: “Ich war unser erstes Versuchskaninchen. 45 Kilo habe ich ohne Diäten und ohne mich quälen zu müssen abgenommen. Und bis heute halte ich mithilfe der Produkte mein Gewicht problemlos”, sagt Steiner.

Das Gründer*innen-Paar ist am 15. April zu Gast in der TV-Show die Höhle der Löwen und bietet für 300.000 Euro zehn Prozent ihrer Firmenanteile an.

Casablanca.AI: Ein Blick, der den Unterschied macht

Mit ihrer selbst entwickelten KI ermöglicht das 2020 gegründete Start-up Casablanca.AI authentische Videocalls. Dabei wird rein softwarebasiert in Echtzeit realer Augenkontakt in digitalen Meetings erzeugt und so ein natürliches sowie direktes Gesprächserlebnis hergestellt.

„Beim ersten Augenkontakt hat’s sofort gefunkt.“ Dieser Ausspruch könnte ebenso aus einer Hollywood-Romanze stammen wie auch aus einem Verkaufs- oder Bewerbungsgespräch. Denn der Blickkontakt verkörpert einen der mächtigsten und entscheidendsten Bestandteile der nonverbalen Kommunikation. Der Austausch von Blicken aktiviert das neuronale Belohnungssystem, was wiederum für Glücksgefühle sorgt und motiviert. Bereits vor über 20 Jahren ging das aus einer Studie (Reward value of attractiveness and gaze) hervor.

Ohne Augenkontakt kein echtes Vertrauen

„Hier kommen wir wiederum sehr schnell zum Thema Vertrauen. Ohne Augenkontakt fehlt hierfür die wichtigste Grundlage, wirkliche Nähe kommt nicht zustande“, sagt Carsten Kraus, Gründer und CEO der Casablanca.AI GmbH. „Wenn wir darüber nachdenken, ergibt sich schnell ein großes Problem: Viele Gespräche, insbesondere im geschäftlichen Kontext, laufen heute auf digitalem Wege in Videokonferenzen ab. Direkter Augenkontakt besteht hier nie, ohne dass die Mimik des Gesprächspartners aus dem Sichtfeld verschwindet.“ Das Pforzheimer KI-Start-up Casablanca hat das Problem erkannt und schafft Abhilfe.

Videocalls auf neuem Level

Innerhalb eines Videocalls gibt es für die Gesprächsteilnehmende genau zwei Optionen: den Blick in die Kameralinse und den auf den Bildschirm. Bei ersterem besteht keine Möglichkeit, den Gesichtsausdruck des Gegenübers zu sehen. Dagegen führt die zweite Alternative dazu, dass sich die Augenpaare nicht treffen. „Erfahrungsgemäß schwanken User*innen und variieren innerhalb eines Calls immer wieder. Sie stehen sozusagen vor der Wahl, welche Option sich zum jeweiligen Zeitpunkt eher eignet. Damit geht dem Gespräch viel Qualität ab“, erläutert Kraus, der mit seinem Unternehmen eine „virtuelle Kamera“ mit lokaler KI entwickelt. Diese greift in Echtzeit das Bild der physischen Webcam ab und richtet den Blick sowie den Gesichtswinkel der aufgezeichneten Person aus. „Nicht erst seit der Corona-Pandemie liegen Videokonferenzen absolut im Trend. Insbesondere in der Geschäftswelt hat sich diese Technik als unverzichtbar herauskristallisiert, spart viel Zeit und damit Kosten. Die Schwierigkeit bestand aber bisher darin, in diesen Gesprächen das notwendige Vertrauen aufzubauen, beispielsweise für einen erfolgreichen Verkaufsabschluss“, so Kraus. „Das möchten wir ändern und die Kommunikation per Video auf ein neues Level heben, sozusagen auf das eines analogen Gesprächs.“

Natürlichkeit und Authentizität zählen

Blicke machen die Basis sozialer Interaktion aus. Sie tragen zur Interpretation von nonverbalen Signalen bei. Eine dementsprechend große Rolle nehmen sie in der Geschäftswelt etwa für Verkäufer*innen, Berater*innen oder Personalverantwortliche ein. „Vertrauen hat auf ihr Handeln große Auswirkungen, mangelt es daran, sinken die Erfolgsaussichten zum Beispiel im Verkaufsgespräch. Auch der zunehmend digitale Bewerbungsprozess hat nach wie vor die Hürde des fehlenden Augenkontakts und damit auch der mangelnden Nähe zu überspringen“, zeigt Kraus die Relevanz auf. „Gelingt dies aber, entsteht eine persönliche Beziehung und das Gespräch geht über die Übermittlung von Informationen hinaus – und das bei beliebiger physischer Distanz. Dabei kommt es immer auch auf die Natürlichkeit und Authentizität des Videocalls an.“ Damit dies bestmöglich funktioniert, richtet Casablanca nicht nur die Augen entsprechend aus, sondern dreht den gesamten Kopf in die passende Position. So lässt sich auch in digitalen Meetings sagen: „Beim ersten Augenkontakt hat’s sofort gefunkt.“

Mehr von Casablanca gibt's am Montag, den 08. April 2024. Dann pitcht das Start-up in der neuen Staffel der TV-Show Die Höhle der Löwen – um 20.15 Uhr auf VOX.

me energy: Die Zukunft dezentraler Ladelösungen

In der Diskussion um die Elektrofahrzeuge und die Zukunft der Energieversorgung spielen die Kapazitäten und der Ausbau der Stromnetze eine entscheidende Rolle. Angesichts der aktuellen Herausforderungen steht der Rapid Charger von me energy, eine mobile Schnellladestation, die keinen Anschluss an das Stromnetz benötigt, im Fokus vieler Debatten als mögliche Übergangslösung. Doch schafft er wirklich nur temporär Abhilfe?

Die Elektrifizierung von Fahrzeugen und Standorten beginnt oft mit den "low-hanging fruits", also leicht zugänglichen Orten, an denen das Stromnetz bereits vorhanden ist. Doch die letzten 20 Prozent dieser Umstellung gestalten sich als schwierig und kostenintensiv. „Die Elektrifizierung des Verkehrs, besonders im Nutzfahrzeugsektor und beim Flottenladen, ist mit hoher Ladeleistung verbunden. Diese kann das Stromnetz an vielen Orten einfach nicht zur Verfügung stellen“, erklärt Alexander Sohl, CEO und Mitbegründer von me energy. Die wichtigste Voraussetzung für den Erfolg von E-Lkw ist der Ausbau der Ladeinfrastruktur für schwere Nutzfahrzeuge. Deren CO-Ausstoß soll bis 2040 um 90 Prozent sinken. Dafür müsste der Lkw-Verkehr weitgehend elektrifiziert werden. Allerdings haben Expert*innen und viele Großunternehmen starke Bedenken, denn 10 bis 20 Prozent ihrer Standorte können nicht elektrifiziert werden.

Me energy produziert seit 2019 netzautarke Schnellladestationen, die immer und überall einsatzbereit sind. Das Start-up aus Brandenburg hat den Rapid Charger 150 entwickelt, eine CO-neutrale Schnellladestation, die keinen Anschluss an das Stromnetz benötigt, da der Strom im Rapid Charger selbst generiert wird. Me energy bietet damit die ökologische und flächendeckende Alternative zu konventionellen Ladestationen. Derzeit beschäftigt das Unternehmen rund 34 Mitarbeiter*innen und hat im Bereich der Energieumsetzung in Ladestationen elf Patente zur Anmeldung gebracht. Mit der Geschäftsidee erhielten die Gründer*innen 2018 den StartGreen Award. Das Unternehmen wurde 2019 mit dem Sonderpreis für Nachhaltigkeit und dem besten Konzept des Businessplan-Wettbewerbs Berlin-Brandenburg (BPW) ausgezeichnet. Me energy gewann den Innovationspreis Berlin-Brandenburg 2020 sowie als Landessieger Brandenburg den KfW Award Gründen. Der Markteintritt mit Pilot-Schnellladestationen erfolgte im Juli 2020, die Aufnahme der Serienproduktion im September 2021.

Teure Infrastrukturupdates und begrenzte Netzkapazität drängen Flotten zum Umdenken

Der steigende Energiebedarf im Zuge der Wärmewende stellt eine zusätzliche Herausforderung für das Stromnetz dar. „Selbst in Großstädten wie Frankfurt werden Aufzüge oder Klimaanlagen wegen der schlechten Stromnetzversorgung nur noch mit Pufferspeichern genehmigt – ich finde, das zeigt die Problematik sehr deutlich.“, sagt der me energys Geschäftsführer. Viele seiner Kund*innen sind auf die mobile Lösung angewiesen, um Schnellladepunkte zu schaffen. Außerdem ist die Errichtung dezentraler Infrastrukturen aufgrund der erforderlichen Bauarbeiten äußerst kostspielig, vergleichbar mit dem Ausbau von Glasfasernetzen, aber deutlich teurer. In vielen Altbauten und Innenstädten ist eine weitere Elektrifizierung gar nicht erst möglich. Durch die damit verbundenen Herausforderungen ist die Umstellung der Flotten für systemrelevante Institutionen wie Polizei, Krankenhäuser und Rechenzentren besonders anspruchsvoll. Für eine zuverlässige Einsatzbereitschaft sind sowohl Investitionen in die Verbesserung der Stromnetzinfrastruktur als auch Redundanzlösungen erforderlich.

Warum lohnt sich die Investition in netzautarke Technologien?

Neben der bereits vorhandenen Flexibilität bieten solche Lösungen planbare Kosten, Ausfallsicherheit und ermöglichen eine einfache Elektrifizierung aller Standorte. Da der Rapid Charger seinen eigenen Strom aus Bioethanol erzeugt, bietet er eine skalierbare Lösung zur Erweiterung der Ladeinfrastruktur und kann beispielsweise durch Leasing- oder Mietoptionen finanziert werden kann. Ethanol spielt in der Diskussion um zukünftige Energieträger eine entscheidende Rolle. Der erneuerbare Energieträger wird zunehmend als Langzeitspeicher betrachtet, wobei die nachhaltige Erzeugung aus Reststoffen einen Schwerpunkt bildet. Länder wie Brasilien, Indien und England setzen massiv auf die Alternative. Neben Ethanol werden auch Methanol und Wasserstoff als potenzielle Energieträger betrachtet. Methanol fungiert dabei als großer Wasserstoffspeicher und bietet als Flüssigkeit eine einfache Handhabung und hohe Energiedichte. „Wir nehmen diese Entwicklungen ernst und verfolgen eine zweigleisige Strategie, um stets die nachhaltigste und kosteneffizienteste Lösung anzubieten“, so Sohl. Während der Fokus derzeit auf Ethanol liegt, ermöglicht das Unternehmen zukünftig auch den Einsatz von Methanol.

Hopper Mobility: überdachtes Pedelec HOPPER geht Mitte 2024 in Serie

Das 2021 gegründete Mobilitäts-Start-up Hopper Mobility produziert die First Edition seines überdachten Pedelecs ab Mitte 2024 in Deutschland; bereits zwei Drittel der Serie sind laut Angaben des Start-ups verkauft.

Hopper Mobility, das 2021 von Martin Halama, Philipp Herrmann und Torben Müller-Hansen gegründete Mobilitäts-Start-up aus Augsburg und Hamburg, bereitet den Start der Serienproduktion für das überdachte Pedelec HOPPER vor. Der HOPPER ist ein Hybrid aus Auto und Fahrrad. Mit drei Rädern, zwei Sitzen, einem Dach und einem Lenkrad ist er komfortabel wie ein Auto, aber flexibel und nachhaltig wie ein Fahrrad. Verkehrsrechtlich ist der HOPPER ein Pedelec. Der Elektromotor unterstützt die Fahrenden bis zu einer Geschwindigkeit von 25 km/h. Damit kann der HOPPER auf Radwegen gefahren werden, die Parkplatzsuche entfällt, Führerschein und eine Plakette sind nicht nötig. In der Passenger Variante bietet der HOPPER Platz für zwei Erwachsene oder eine*n Erwachsene*n und zwei Kinder. Der Kofferraum fasst ca. 125 Liter.

Start der Serienproduktion für 2024 geplant

Der Start der Serienproduktion der First Edition des HOPPER ist ab Mitte 2024 geplant. Hopper Mobility wird den HOPPER selbst in Hamburg fertigen und setzt dabei sehr stark auf Zulieferer aus Deutschland und der EU. Geplant ist derzeit die Fertigung von mindestens 60 Fahrzeugen. Die Auslieferung beginnt im Laufe des zweiten Halbjahres 2024. Der Vorverkauf für die First Edition hat begonnen und die Serie ist – nach Angaben des Start-ups – bereits zu zwei Dritteln verkauft. Hopper Mobility nimmt weitere Bestellungen im Online-Shop entgegen.

Martin Halama, Gründer, Geschäftsführer und Leiter der Elektronikentwicklung bei Hopper Mobility: „Wir haben in nur zweieinhalb Jahren nach Gründung unseres Startups ein Fahrzeug von der ersten Idee zur Serienreife gebracht. Der bevorstehende Start der Serienproduktion ist ein wichtiger Meilenstein für uns.“

Torben Müller-Hansen, Gründer und zuständig für Investor Relations und Business Development bei Hopper Mobility: „Wer einmal im HOPPER saß, ist begeistert! Das zeigen unsere Gespräche mit unseren Pilotkunden und die Erfahrung aus mehreren hundert Probefahrten. Mikromobilität hat das Potential, den städtischen Verkehr zu revolutionieren. Der bevorstehende Start unserer Serienproduktion unterstreicht unsere Pionierrolle in diesem Bereich.“

Pilotproduktion kurz vor dem Abschluss

Unterdessen steht die Produktion der aus 30 Fahrzeugen bestehenden Pilotserie kurz vor dem Abschluss. Die Erfahrungen der Pilotkunden werden in die First Edition mit einfließen. Unter den Pilotkunden befinden sich Privatpersonen und Unternehmen wie das Immobilienunternehmen Meravis oder der Essenslieferdienst Delivery Hero.

EU-Pilotprojekt erfolgreich beendet

Ende 2023 wurde zudem ein von der EU mitfinanziertes Pilotprojekt erfolgreich zum Abschluss gebracht. Gefördert wurde das Projekt von der Initiative Urban Mobility des Europäischen Innovations- und Technologieinstituts (EIT). Im Rahmen dessen wurde mit jeweils zwei Fahrzeugen in Augsburg, Danzig und Eindhoven der Einsatz des HOPPER im kommerziellen und kommunalen Sharing getestet.

Dr. Wolfgang Hübschle, Referent für Wirtschaft, Arbeit und Smart City der Stadt Augsburg: „Wir sind stolz darauf, ein herausragendes Startup aus Augsburg in seinem Streben nach innovativen Lösungen für die Verkehrswende unterstützt zu haben. Die Zusammenarbeit mit unserer Geschäftsstelle Smart City hat gezeigt, wie durch kreative, vernetzte und nachhaltige Mobilitätslösungen die Effizienz und Flexibilität innerhalb der städtischen Infrastruktur gesteigert werden kann. Über einen Zeitraum von mehreren Monaten hinweg boten wir den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der Stadtverwaltung die Gelegenheit, alternative Verkehrsmittel für den Weg zwischen verschiedenen Betriebsstätten und zu externen Terminen zu nutzen. Derartige Projekte und Unternehmen, wie Hopper Mobility sind ein wichtiger Baustein und unterstützen unsere Zielsetzung, Augsburg als Innovationsstandort weiter zu etablieren und zu stärken.“

10 coole Coworking-Campingplätze

Zehn europäische Camping- und Coworking-Initiativen, die sich mit ihren pfiffigen Angeboten für digitale Nomaden klar abheben.

Einem kürzlich erschienenen Artikel im Guardian zufolge wird die Zahl der digitalen Nomaden in diesem Jahr weltweit 40 Millionen überschreiten und bis 2030 sogar auf rund 60 Millionen ansteigen. Nimmt man noch die Zahl der Menschen hinzu, die regelmäßig einen Arbeitsurlaub machen, die Angestellten, die ihren Arbeitsort frei wählen können (z.B. Spotify), und ein Heer von Unternehmer*innen, Freiberufler*innen und IT-Spezialist*innen, die rund um die Uhr online sind, könnte diese Zahl leicht auf 70 oder sogar 80 Millionen ansteigen. Covid hat Campingplätze in ganz Europa dazu gebracht, zu erkennen, dass ihr Produkt wahrscheinlich der beste Remote-Arbeitsplatz für diese digitale Gemeinschaft ist. Zu den Einrichtungen der Campingplätze gehören bereits Restaurants, Bars, Schwimmbäder, Fahrradverleih, Wi-Fi und Wäscheservice, die beim gleichzeitigen Arbeiten und Unterwegssein sehr nützlich sind. Wenn man dann noch die Sicherheit und das Gemeinschaftsgefühl in die Gleichung einbezieht, könnten Campingplätze die nächsten Cowork-Champions sein.

Träumst du von einem Arbeitsaufenthalt in der französischen Landschaft, einer Kombination aus Arbeit und Sightseeing bei einem Städtetrip nach Antwerpen oder einer Wanderung in einem österreichischen Nationalpark nach einer Brainstorming-Sitzung? Hier sind zehn Camping- und Co-Working-Initiativen, die genau dazu einladen – zusammengestellt von JetCamp, der Such- und Buchungsplattform für europäische Campingplätze und Ferienparks.

1. Camping Domaine de la Faurie in Séniergues (FR)

Das französische Unternehmen Cowoliday hat ein Coworking-Konzept entwickelt, das von einer Gruppe französischer Campingplätze übernommen wurde, darunter Camping Domaine de la Faurie in Séniergues (Frankreich). Dieser Cowork-Campingplatz im Herzen der französischen Region Lot liegt inmitten von 27 Hektar geschützter Natur auf einem Hügel. Der abgelegene Arbeitsbereich bietet 14 Innenarbeitsplätze mit 27-Inch-Bildschirmen, ein Whiteboard für Präsentationen, einen Besprechungstisch, Akustiksessel, ergonomische Schreibtischstühle und großartiges Wi-Fi. Egal, ob du einen Stellplatz für dein Wohnmobil oder ein Mobilheim für deine Familie buchst, die Campingplätze bieten 2-Stunden-, ½-Tages- und Tagespakete an.

2. Campingplatz Stel in Roda de Berà (ES)

Das Stel Camping & Bungalow Resort in Roda de Berà in der Provinz Tarragona (Spanien) ist einer der ersten spanischen Campingplätze, der den Trend zur Fernarbeit erkannt hat. Während sich die Kinder im Sioux-Indianer-Camp vergnügen, können die Eltern im brandneuen Coworking-Bereich arbeiten. Der Coworking-Bereich ist ein angenehmer Gemeinschaftsraum, gut beleuchtet und mit den notwendigen technischen Voraussetzungen ausgestattet, um Kreativität und Produktivität zu fördern. Er befindet sich im Herzen des Campingplatzes, direkt neben dem Einkaufsbereich.

3. Emma Wanderer in Hieflau (AT)

Emma Wanderer ist ein Start-up, das vor kurzem seinen ersten Remote Work Campus für Camper in der Stadt Hieflau (Obersteiermark, Österreich) eröffnet hat. Der Campus befindet sich auf einem ehemaligen Fußballplatz direkt am Eingang des Nationalparks Steirisches Gesäuse. Der Campus verfügt über 30 Parkplätze und 50 kleine Häuser, die sich auf rund 18.000 Quadratmeter verteilen. Mittendrin befindet sich eine Coworking-Infrastruktur, die eine Lounge, Konferenzräume, 66 Arbeitsplätze und Einzelbüros umfasst. Nach einer Wanderung im Nationalpark wartet das sogenannte Club Office auf einen Drink, Essen und gute Gespräche.

4. InselCamp Fehmarn in Fehmarn (DE)
SpaceX-Fans können jetzt ins
InselCamp Fehmarn (Schleswig-Holstein) kommen, einen der Komfort- oder Premium-Stellplätze mieten und Satelliten-Internet von Elon Musk genießen, wenn sie einen der Arbeitsplätze in der Beachbox mieten. Die Co-Working Box verfügt über eine induktive Ladestation für kabelloses Aufladen, Sitzsäcke und ein Sonnensegel (für schönes Wetter) und ist rund um die Uhr zugänglich (mit einem Passwortcode). Da die Box auch privat gemietet werden kann, ist sie ein großartiger Ort für Geschäftsbesprechungen, Brainstorming-Sitzungen oder dein jährliches Business-Surf-Incentive.

5. City Camping Antwerp in Antwerpen (BE)
Jeden Sommer findet auf dem City Camping Antwerpen in Antwerpen (Belgien) ein echtes Co-Working-Festival namens
Kamping Kantoor statt. Die Idee ist so einfach wie unterhaltsam: Man richtet einen Campingplatz als Co-Working Space ein und stellt ein Programm zusammen, das Arbeit, Networking und Spaß miteinander verbindet. Unternehmen werden dazu angeregt, ihre Mitarbeitenden nach draußen zu bringen, und digitale Nomaden finden dort Inspiration, Networking oder einen Moment der Entspannung. Die Begegnung mit einem/einer interessanten Gesprächspartner*in in angenehmer Atmosphäre ist bei dieser einzigartigen Veranstaltung fast garantiert. Tagestickets kosten ab 55 € und beinhalten 1 Tag Coworking, Mittagessen, Zugang zu allen Co-Working-Einrichtungen und die Teilnahme an den Networking- und Inspirations-Sessions.

6. Camping Plitvice neben dem Nationalpark Plitvicer Seen (HR)

Mit dem Nationalpark Plitvicer Seen (Unesco) vor der Haustür ist Camping Plitvice in Smoljanac (Kroatien) ideal für einen digital-nomadischen Lebensstil. Die Gäste können die Berglandschaft und das mediterrane Klima genießen, während sie im Fitnessraum unter freiem Himmel trainieren, ihre Freestyle-Runden im Außenpool drehen und im Coworking Space im geräumigen Konferenzsaal mit 45 Plätzen arbeiten. Genieße High-Speed-Internet, Spitzengastronomie im Restaurant und Elektrofahrräder, mit denen du die die reiche Flora und Fauna in den umliegenden Wäldern erkunden kannst

7. Såndgøld Alpine Glamping in Sand in Taufers (IT)

Såndgøld ist ein völlig neues alpines Campingerlebnis, eingebettet zwischen hoch aufragenden Bergen im Herzen Südtirols. Während der Naturschwimmteich in den Sommermonaten zum Entspannen einlädt, ist das 3.500 m2 große Spa-Center eine große Bereicherung nach einem Tag auf den Pisten der Skiworld AhrntalIntelligentes Arbeiten, kreatives Denken und Entspannung sind bei Såndgøld nahtlos miteinander verbunden. Im obersten Stockwerk von Greenhouse gibt es mehrere Co-Working-Spaces mit ausreichenden Stromanschlüssen und High-Speed-Internet. Hier wird hervorragender italienischer Espresso serviert und der Co-Working Space bietet einen unschlagbaren Blick auf die Berge.

8. Kantoor Karavaan in Amsterdam und Ommen (NL)

Kantoor Karavaan ist kein richtiger Campingplatz, sondern eher ein verstreut liegender Campingplatz. Kantoor Karavaan vermietet drei kleine Coworker-Oldtimer-Wohnwagen an angesagten Orten in der Nähe von Amsterdam und Ommen. Einer davon ist ein einzigartiges Studio auf Rädern und befindet sich auf De Ceuvel, einer kreativen und nachhaltigen Brutstätte in Amsterdam-Noord. Wer einen tollen Ort für die Aufnahme eines Podcasts sucht oder einfach nur an einer neuen Idee arbeiten möchte, wird die ruhige Umgebung mit Blick auf das Wasser des Johan van Hasseltkanaal lieben. Weitere Karavaan-Standorte sind MijnStadstuin in Amsterdam-West und Landgoed Eerde in Ommen.

9. TCS Camping Interlaken in Interlaken (CH)

TCS Camping Interlaken liegt zwischen dem Brienzer- und dem Thunersee (Schweiz) und ist die erste Adresse für digitale Nomaden, die das Berner Oberland mit seinen herrlichen Bergen Eiger, Mönch und Jungfrau entdecken. Der Campingplatz bietet Stellplätze und kleine 2p-Molo-Hütten, während die Riverlodge des Campingplatzes 1- bis 4-Bett-Zimmer, eine voll ausgestattete Gemeinschaftsküche, einen Aufenthaltsraum mit Tischtennisplatte und eine schöne überdachte Terrasse bietet. Die Riverlodge bietet unbegrenzten Internetzugang und Stehtische für kleine Treffen oder Versammlungen. Die Gemeinschaftsküche ist gut ausgestattet und kann von den Gästen während ihres Aufenthalts kostenlos genutzt werden. Der Campingplatz vermietet Mountainbikes, Citybikes und zwei E-Bikes für eine Fahrt in die Stadt. Wenn du etwas weiter fahren möchten, kannst du auch einen vollelektrischen BMW i3 für nur 75 CHF pro Tag mieten.

10. Wowo Campsite in Uckfield (UK)
Campingplatz
Wowo in East Sussex (England) ist ein Campingplatz und Glampingplatz. Die Geodome und Lotus Belle Zelte sind ein wahrer Genuss und knisternde Lagerfeuer sind ihre Spezialität. Wie toll ist das denn? Kürzlich wurde der 2. Stock der Empfangsscheune zu einem gemeinsamen Arbeitsbereich umgebaut. Die Nutzung des Coworking Space ist für die Gäste kostenlos, lediglich für die Nutzung des (schnellen) WiFi wird eine Gebühr erhoben. Der ruhige Raum verfügt über eine kleine Küchenzeile für einen Tee oder Kaffee und hinter jedem Schreibtisch befinden sich Steckdosen. Der Raum im Dachgeschoss kann in den Sommermonaten sehr heiß werden, sodass die Klimaanlage von Urlaubern oder digitalen Nomaden, die den Raum nutzen, sehr geschätzt wird.

Start-up-Report: SexTech

Zögerliche Investor*innen, Tabus, Werbeverbote und mehr: Auf Gründer*innen, die sich im Bereich SexTech und Sexual Education selbständig machen wollen, warten zahlreiche Hürden, aber auch viele Chancen.

Entweder wir haben Sex oder wir denken an Sex. Trotzdem ist es noch immer ein Tabu“, erzählt Mariia Plotkina. Die gebürtige Russin hat in Amsterdam das Start-up Quinky gegründet, das gamifizierte Sex-Aufklärung für Jugendliche und junge Erwachsene anbietet. Gemeinsam mit ihrem Team und einem Co-Founder aus dem Libanon hat sie vor Kurzem eine App auf dem europäischen Markt gelauncht und blickt, trotz aller Euphorie und Zuversicht, nicht ohne Sorgen in die Zukunft: „Ich glaube, es wird verrückt“, sagt sie.

Denn wenn es um das Thema Sex geht, sind die Richtlinien der App-Stores sehr streng. Dass ein Teammitglied von Quinky bereits Erfahrung mit dem Launch einer Sex-App habe, mache es aber einfacher: „Freunde von mir brachten bereits ähnliche Apps in die Stores und wurden oft gelöscht“, berichtet Plotkina vom Frust der SexTech-Gründenden.

Stellt sich die Frage: Für fast alles gibt es mittlerweile Apps, erstaunlich wenige aber für den Bereich der menschlichen Sexualität. Gibt es dafür schlichtweg keinen Bedarf?

Nachhilfe auf Porno-Plattformen

„Mit 18 waren meine einzige Informationsquelle Pornos. Das ist nicht die beste Art, etwas über Sex zu lernen“, erzählt Mariia Plotkina. Rückblickend bezeichnet sie ihre Erfahrungen von damals als „traumatisch“. „Die Sexualbildung einer ganzen Generation basiert auf Pornos, sie sind aber Masturbationsmaterial. Was fehlt sind Expert*innen, die erklären, was genau passiert und das in Kontext setzen“, meint Mariah Freya.

Die frühere Sozialarbeiterin aus München gründete 2018 Beducated, eine Art Netflix für Sexual Education. Die Plattform richtet sich an Menschen im Alter zwischen 25 und 35, also an jene jenseits der Zielgruppe von Quinky. „Es gibt Themen, die werden überhaupt nicht besprochen, weil sie für die Institution Schule zu heikel sind“, sagt Mariah Freya. Selbstbefriedigung etwa habe immer noch wenig Raum: „Es ist dann entweder den Eltern überlassen, auch über Lust zu sprechen, oder Menschen müssen die Einzelheiten selber herausfinden“ – oft seien daher Pornos die einzige Informationsquelle.

Wachsender Markt, zögerliche Investor*innen

Nach Schätzungen des Consultingunternehmens Acumen soll der Sexual Wellness Market bis 2030 einen Marktwert von 121,6 Mrd. US-Dollar erreichen – und damit fast dreimal so groß werden, wie der Markt für Haustiergesundheit, der bis 2030 43,4 Mrd. US-Dollar schwer sein soll.

Bei den Investments hapert es aber. Investor*innen agieren zögerlich, wenn es um SexTech geht. Oft sind es gar nicht die Venture Capitals (VC) selbst, die ein Problem damit haben, sondern die Limited Partners (LP). Das sind jene Personen, die den VCs ihr Geld geben. Sogenannte Vice Clauses, also Ausschlussklauseln, verhindern Investments in Waffen, Tabak – und auch in Sex. Eigentlich stand bei diesen Klauseln zunächst vor allem die Pornoindustrie im Zentrum, mit der die Investor*innen nicht in Verbindung gebracht werden wollen. Mittlerweile stehen jedoch viele Produkte unter Generalverdacht, die mit Sex zu tun haben.

Relationship Wellness statt Sex?

Sind die Geldgeber einfach zu prüde? „Ich glaube, sie wollen ihr Image nicht mit etwas Schmutzigem in Kontakt bringen“, meint Freya. Außerdem hätten viele Angst um ihr Image und vor schlechter Presse, vermutet sie. Auch Mariia Plotkina beklagt, dass SexTech in der Start-up-Community stark unterrepräsentiert ist. Sogar in den liberalen Niederlanden, wo sie ihr Start-up gründete. „Wenn man das Wort Sex nicht verwendet und stattdessen über Relationship Wellness spricht, sind alle zufrieden“, konstatiert sie. Sie weiß, dass es wichtig ist, ihr Produkt bei den Investor*innen richtig darzustellen. „Wir zeigen keine Pornos, wir sind ein Bildungstool. Ich hoffe, das hilft uns“, meint sie im Hinblick auf den App-Launch Beducated geht bewusst einen anderen Weg und setzt explizit auch auf Nacktheit: „Für uns ist das super wichtig. Da wollen wir uns auch nicht einschüchtern lassen“, meint Mariah Freya.

Sie findet es bei gewissen Lektionen sinnvoll, Sexualität auch visuell zu vermitteln: „Uns ist wichtig, dass wir echte Körperteile zeigen, wenn jemand was zum Thema Blowjob oder Cunnilingus lernen möchte“, erklärt sie. Auch wenn viele Investor*innen deshalb nicht in Beducated investieren würden, wie sie glaubt.

Sexual Health is Part of Human Health

Obwohl viele VCs bei SexTech zögern, geht es auch anders. Als europäische Ausnahme wird immer wieder der kleine VC Calm/Storm aus Wien genannt, der einen Fokus auf Health­Tech hat und in Europa und den USA aktiv ist. „Man sieht zum Beispiel, dass Jugendliche weniger über sexuelle Gesundheit wissen, als man annimmt. Es gibt sehr viel Fehlinformation. Online ist zwar viel da, aber oft nicht die richtigen Ressourcen“, meint die Investment Managerin Carina Roth von Calm/Storm. An den steigenden Zahlen an Geschlechtskrankheiten sehe man, dass es nicht genug richtige Informationen gebe, meint sie. Gegen diesen Missstand will der VC aktiv etwas unternehmen: „Wir finden es wichtig, dass die Gesellschaft und vor allem Jugendliche Access zu richtiger Information haben und dann qualifizierte Entscheidungen treffen“, meint Roth. Deshalb scheuen sie SexTech-Investments nicht. „Wir sagen: sexual health is part of human health“, so die Investment Managerin.

Allerdings müssten in späterer Folge auch die großen VCs nachziehen. Nacktheit und explizite Inhalte seien für Calm/Storm jedoch kein Grund, nicht in Start-ups zu investieren – solange Gesundheitsaspekte im Vordergrund stehen. Carina Roth ist auf der Suche nach neuen, innovativen Lösungen im Bereich Sexual Health. Ausschlaggebend für ihre Tätigkeit bei Calm/Storm sei das Investment-Portfolio gewesen. „Ich habe mich in das Portfolio verliebt, weil sie Dinge machen, die sich andere Leute nicht angreifen trauen – gewagter und mutiger“, erklärt sie.

SexTech stehe noch ganz am Anfang. Der Innovationszy­klus beginne erst, noch gebe es nicht viele Start-ups in diesem Bereich. Der Zyklus sehe so aus: Nach der Gründung eines Start-ups steigen erste Investor*innen ein, erst nach fünf bis sieben Jahren erfolgen dann die ersten Exits. Damit sei in Europa erst in ein paar Jahren zu rechnen.

Sexual Health muss sich erst beweisen

„Wir haben beim Thema Sexual Health in Europa noch nicht die großen Erfolgsgeschichten“, sagt Roth. Würde es die erst mal geben, hätte es eine große Wirkung auf die Branche. Denn Investor*innen benötigen Erfolgsbeispiele. Dann würden andere folgen, ist Roth überzeugt: „Die ersten Gründer*innen haben eine wirklich harte Zeit, weil sie erst beweisen müssen, dass es einen Markt gibt, dass die Konsument*innen sich das wünschen.“

Roth kann die Zurückhaltung der anderen VCs nachvollziehen. Viele seien vorsichtig, weil sie institutionelle Investor*innen an Bord hätten. Das Zögern sei auch der Unschärfe der Kategorie SexTech geschuldet. „Das ist schade. Wenn man den Begriff einmal richtig definieren würde, was hineinspielt und was nicht, könnte jeder in coole und wichtige Dinge investieren“, meint sie.

„Prinzipiell können wir das Problem am Markt nicht allein lösen“, so Roth. Calm/Storm sei ein Micro-VC, ein Fund mit weniger als 50 Mio. Euro gemanagten Assets. Ihr Geschäftsmodell funktioniere nur, wenn sie als „Super early-stage“-Investor in Start-ups investieren und andere VCs später mit einsteigen. „Man hat das bei FemTech gesehen. Vor fünf Jahren ist da noch viel weniger investiert worden. Innovationszyklen, wie sie FinTech und Market Places erlebt haben, passieren jetzt auch im Bereich Digital Health und dessen Subkategorien. Das könne man etwa an den finanziellen Mitteln sehen, die derzeit in diesen Bereich fließen“, so Roth.

Noch gibt es nicht viele VCs, die im Bereich Sexual Health investiert sind. Calm/Storm gilt deshalb als europäische Ausnahme. Allerdings sei der VC auch nicht allein in diesem Bereich aktiv, wie Roth erklärt. In den USA gibt es z.B. Amboy Street Ventures in Los Angeles. Der VC hat sich auf den Bereich Sexual Health spezialisiert und nennt es Sexual Health and Women’s Health. Er investiert in Start-ups, die Technologien entwickeln, welche „den Bedürfnissen unserer progressiven Gesellschaft in Bezug auf sexuelle Gesundheit und Frauengesundheit gerecht werden“.

Gründer*innen müssen richtig kommunizieren

Noch immer sei der Bereich der sexuellen Gesundheit ein Tabu, nach und nach werde dieses aber vermindert, glaubt die Investment Managerin. „So war es bereits mit Mental Health: Früher hat jeder nur auf die körperliche Gesundheit geschaut. Dann ist das Bewusstsein angekommen, dass Mental Health genauso wichtig ist – und das sehen wir derzeit langsam, aber doch auch mit Sexual Health. Es passiert schrittweise und dauert, aber es geht in die richtige Richtung“, erklärt sie. „Auf den Gründer*innen lastet natürlich immenser Druck, weil sie zeigen wollen, dass es ein wichtiges Thema ist, mit dem man Geld verdienen kann“, so Roth.

Trotz der aktuellen Lage gibt es viele Chancen für Gründer*innen im Bereich Sexual Health, vor allem wenn Gesundheitsaspekte im Vordergrund stehen. Auch das Thema Sicherheit im Bereich Sexualität hält Roth für ein wichtiges Zukunftsthema: „Gerade bei Sexual Safety fühlen sich fast alle Leute angesprochen.“

Wichtig sei allerdings, dass die Gründer*innen richtig kommunizieren, gerade weil das Thema so sensibel ist. Start-ups wie LVNDR Health haben dies besonders erfolgreich getan. Das 2021 gegründete Start-up aus Großbritannien bietet sichere und inklusive Dienstleistungen im Bereich sexuelle Gesundheit für die LGBTQIA+ Community. „Wenn man sich mit diesen Personen austauscht, positive und negative Use Cases ansieht, kann man lernen, wie richtig kommuniziert wird“, so Roth.

Politischer Gegenwind

Allerdings müssen sich Gründer*innen im Bereich Sexual Health auch auf Gegenwind einstellen, denn das Thema der sexuellen Gesundheit wird stark politisiert. Das zeigen Länder wie Polen und die USA. „Da stehen die Gründer*innen, die sich hinstellen und ihre Meinungen kundtun, auch im Kreuzfeuer “, erzählt Roth.

Auf die Marktchancen wirke sich das allerdings weniger aus, meint Roth. Eher im Gegenteil: Wöchentlich würden Digital Health Start-ups derzeit Anpassungslösungen und Produkte auf den Markt bringen. „Man sieht: Wenn gesetzliche Änderungen passieren und Menschen Rechte weggenommen werden, gibt es viel Innovation aufseiten der Konsument*innen“, so die Investment Managerin. Denn zunächst seien die Start-up-Gründer*innen oft selbst Konsument*innen, die Lösungen für Probleme entwickeln, vor denen sie plötzlich stehen.

Die Gründerin von Leda Health, einem Start-up aus ihrem Portfolio, hat ein Rape-Kit auf den Markt gebracht. Ein Set zur Selbsthilfe, um die eigene Vergewaltigung mittels DNA-Swap zu dokumentieren und somit Beweise zu sichern. Dafür musste die Gründerin viel Kritik einstecken, und viele zweifeln an ihrem Produkt – etwa, ob das Kit vor Gericht überhaupt als Beweismittel anerkannt wird. Mittlerweile sind Universitäten die größten Kundinnen, weil viele sexuelle Übergriffe auf dem Uni-Campus passieren. „Neue Studierende bekommen das Rape-Kit für die Unterkunft im Studentenheim zur Verfügung gestellt. Falls etwas passiert, ist es schon da“, erläutert Roth.

Pitches über Sex

Bei den Pitches bei Calm/Storm werde darauf geachtet, dass den Themen mit der notwendigen Sensibilität begegnet werde, sagt Roth. „Ich kann mir gut vorstellen, dass das Pitchen unangenehm ist, wenn man Investor*innen gegenüber hat, die noch nie in Sexual Health investiert haben. Wahrscheinlich auch für die Investor*innen.“ Bei ihnen werde das Thema Sex jedoch nicht anders behandelt, als wenn über ein FinTech gesprochen werde. „Gründer*innen erzählen, dass sie ein Produkt bauen, weil sie selbst Opfer von sexuellem Missbrauch wurden“, erzählt die Investment Managerin. Daher sei das Thema oft auch für die Betroffenen selbst heikel zu pitchen.

Auch wenn Sexual Health ein neues und mitunter schwieriges Tätigkeitsfeld für Start-ups sei – ein Zukunftsmarkt ist es jedenfalls, ist Roth überzeugt. Denn das Thema betreffe fast jeden Menschen auf der Welt. „Wir bemerken auch im Emerging Market ein großes Interesse“, erzählt sie. Neue Plattformen würden derzeit überall auf der Welt entstehen und auf großen Anklang stoßen. Sie habe sich unlängst eine Plattform angeschaut, die Sexual-Health-Information für Frauen aus dem Mittleren Osten bereitstellt. Das Thema ist dort ein großes Tabu. „Sie haben eigentlich nur in ihrem Land in arabischer Sprache gelauncht. Auf einmal haben sie aber User*innen aus der ganzen Welt, die Arabisch sprechen“, erzählt Roth. Deshalb sei alles, was Menschen dabei helfe, qualifiziertere und bessere Entscheidungen zu treffen, eine gute Zukunftsvision.

Pionierarbeit im Bereich SexTech

Ein Grund, warum viele Investor*innen zögern, könnten die schlechten Bewertungen von Investments im Bereich SexTech sein. Abgrenzungen fehlen, und alles, was mit Sex zu tun hat, fällt einfach unter Pornografie. Laut einer Analyse der UBS Group aus dem Jahr 2019 ist es nach ESG-Kriterien weniger schlimm, in fossile Energien oder in Waffen zu investieren als in sogenanntes Adult Entertainment.

Fakt ist: Das Thema steht noch ganz am Anfang und Gründer*innen wie Plotkina und Freya leisten Pionierarbeit. Kürzlich launchte Beducated einen KI-Sexcoach, der die Inhalte von Beducated analysiert. Menschen, die mehr über das Thema Sexualität lernen wollen, können sich damit gratis informieren. Plotkina steht mit Quinky noch am Anfang. Ob sie mit ihrer App Erfolg haben wird, wird sich erst zeigen. Den Bedarf dafür gebe es aber auf jeden Fall. „Wenn man mit dem Sex nicht zufrieden ist, wirkt sich das auf die geistige Gesundheit und andere Bereiche des Lebens aus“, meint Plotkina.

Sowohl Freya als auch Plotkina sind viel in der Welt herumgekommen. Freyas Fazit dazu lautet: „Es gibt keinen Ort auf der Welt, an dem Sex kein Tabu ist.“ Plotkinas Teammitglieder kommen aus der ganzen Welt. Viele teilen die Erfahrung, dass sie in ihrer eigenen Sexualität eingeschränkt wurden. In ihrem Heimatland Russland war Plotkina lange Zeit als Lehrerin aktiv und bemerkte, wie die Sexualität zunehmend unter Druck geriet – bis heute. Grundsätzlich sieht sie in Europa vergleichsweise gute Voraussetzungen für SexTech.

Plotkina wünscht sich, dass wir die Tabus bezüglich SexTech zunehmend abbauen können und dem Thema offener begegnet wird. „Ich hoffe, dass SexTech Teil jeder Tech-Konferenz sein wird und man nicht nur eine Dating-App in einer schattigen Ecke findet, sondern dass es auch jede Menge Start-ups gibt, die einem dabei helfen, sein Sexualleben zu verbessern. Denn wir Menschen können im Allgemeinen nicht produktiv arbeiten, wenn wir sexuell nicht zufrieden sind“, so Plotkina abschließend.

Companyon Analytics: Transparenz in zwei Minuten

Auf Wachstumskurs: Thorsten Havemann, Gründer der Düsseldorfer Companyon Analytics GmbH, bietet kleinen und mittleren Unternehmen eine Controlling-Software, die mit wenigen Klicks eingerichtet und intuitiv bedienbar ist.

Praktisch jedes kleine und mittelständische Unternehmen hat eine Buchführung, doch nur etwa jedes zehnte betreibt ein vorausschauendes Controlling – ein großes kaufmännisches Risiko, besonders in unsicheren Zeiten. Die Daten aus der Buchhaltung landen dann bei der Steuerberatung, die sie für das Finanzamt aufbereitet, und die Auswertung endet mit dem Steuerbescheid.

Doch rückwärtsgerichtete Buchhaltungs- und Steuerdaten reichen nicht aus, um ein Unternehmen zielgerichtet zu steuern. „Das ist, als würde man beim Autofahren nur durch den Rückspiegel schauen“, sagt Thorsten Havemann, Gründer des Start-ups Companyon Analytics. Aktuelle Studien sehen fehlendes Controlling als häufigste Ursache für eine Insolvenz.

Transparenz statt Blindflug

Companyon hilft Unternehmen, den Blindflug zu stoppen und mit minimalem Aufwand ein ganzheitliches Controlling zu betreiben. „Mit den Daten aus der Buchhaltung und der Steuerberatung können wir die Finanzlage einer GmbH in zwei Minuten transparent machen“, so Havemann. Das Management erhält sofort eine Vorausschau der Liquidität für die kommenden zwölf Monate. Ein Plan-Ist-Vergleich zeigt, inwieweit die geplanten Ziele erreicht werden.

Darüber hinaus lassen sich komplexe kaufmännische Entscheidungen und deren Auswirkungen auf die Finanzlage direkt durchspielen. „Wer beispielsweise wissen möchte, wie weit man die Gehälter erhöhen kann, wie sich die Einstellung einer neuen Mitarbeitenden finanziell auswirkt oder um wie viel Prozent Preise erhöht werden müssen, um langfristig profitabel zu sein, kann man das sofort durchrechnen“, so Havemann. Das Pricing beginnt bei 39 Euro pro Monat.

Von Excel zur App

Vor der Gründung arbeitete Havemann beim rasant wachsenden Unternehmen Webhelp. Seine Idee entwickelte er während der Tätigkeit als Berater, zunächst in einer Exceltabelle. Ein Freund, der selbst ein FinTech-Unternehmen führt und heute Mitgesellschafter ist, war vom Potenzial begeistert. Er ermutigte Havemann, die Lösung als Software umzusetzen. Noch als Angestellter baute Havemann den Prototypen und holte Zusagen von Investor*innen ein. Im Februar 2020 gründete er das Unternehmen.

Dann schlug die Corona-Pandemie zu. „Die sicher geglaubte Finanzierungsrunde platzte, wir lebten etwa sechs Monate vom Ersparten“, so Havemann. Um Miete zu reduzieren, entwickelte das Team die Software zunächst in einem Coffeeshop. Doch schon bald gewann Have­mann Business Angel als Unterstützer, unter anderem den Duisburger Unternehmer Peter Neisius, einen Spezialisten für Business Intelligence.

Starkes Team überzeugt Investor*innen

Die NRW.Bank stieß dazu und gewährte zwei Wandeldarlehen. „Das in Unternehmensberatung und Wirtschaftsprüfung erfahrene Team, der klare Problemlösungsansatz, die intuitive Bedienoberfläche, das Skalierungspotenzial und die Vertriebsstrategie haben uns überzeugt“, so Investment Manager Patrick Nesseler.

Companyon entwickelte sich stark, der Kundenstamm umfasst heute etwa 500 Unternehmen. Im Rahmen der Seed-Finanzierung mit zwei Millionen Euro im August dieses Jahres wandelte die NRW.Bank das Wandeldarlehen und wurde Gesellschafterin. „Das Team hat gezeigt, dass es das Business Modell weiterentwickeln und neue Umsatzpotenziale realisieren kann“, begründet Nesseler das Investment. Ein Wandeldarlehen werde nur gewandelt, wenn das Gesamtpaket stimmt.

Fokus auf User Experience

Heute hat Companyon zehn Mitarbeitende im Team. Marketing und Vertrieb baut Havemann langsam auf, der Hauptfokus liegt auf der Produktentwicklung. Dazu zählen die User Experience und die Nutzeroberfläche mit Übersichten, Charts und Analysen. „Uns ist wichtig, dass die Kunden gern mit unserem Tool arbeiten und sie es in ihre Planungs- und Strategiesessions einbeziehen können“, so Havemann.

Jüngst hat Companyon im Rahmen einer Ausschreibung einen Großauftrag vom Handelsunternehmen Intersport erhalten. Companyon wird die Zentrale und hunderte Filialen, die jeweils eigenständig geführt werden, mit einer Controlling­Lösung ausstatten. „Das ist für uns ein wichtiger Meilenstein“, so Havemann, „denn wir zeigen, dass unsere Lösung auch in größeren Firmenstrukturen funktioniert.“

FEVANA: Hack your Cycle

Wie Charlotte Irlen und Anton Irlen mit ihrem Start-up FEVANA das bislang wenig beachtete Thema zyklusgerechte Nahrungsergänzung erfolgreich in die Öffentlichkeit tragen.

Business School in Sankt Gallen, Master-Stipendium in Harvard, Einstieg bei Boston Consulting Group: Der Lebenslauf von Charlotte Irlen zeigt eine Karriere auf der Überholspur. Während ihrer Arbeit in der Unternehmensberatung gab es immer wieder Phasen, in denen sie voller Selbstvertrauen Konzernchefs über deren Optimierungspotenzial unterrichtete. Allerdings auch solche, in denen ihr, wie aus heiterem Himmel, Kritik von einem Vorgesetzten direkt ins Mark ging.

Als sie einen dieser Momente einer befreundeten Gynäkologin schilderte, empfahl diese, persönliche Höhen und Tiefen zu tracken und mit dem Zyklus abzugleichen. Nach vier Monaten wusste Charlotte, dass es einen klaren Rhythmus gibt, den sie gezielt für sich nutzen kann. So bemerkte sie beispielsweise, dass sie immer zur selben Zykluszeit Streit mit ihrem Freund hat.

Charlotte begann, sich intensiv damit zu beschäftigen, wie sie ihren Zyklus unterstützen kann, um Stimmungstiefs entgegenzuwirken und konstant leistungsfähig zu sein. „Nachdem ich einige Monate meinen Zyklus und alle Erlebnisse innerhalb dieser Zeit getrackt hatte, war es schon fast gruselig, sich die entstehenden Muster anzusehen. Der große Streit mit meinem Freund, von dem ich davor dachte, dass er einfach so zirka monatlich vorkommt, fiel wie durch Geisterhand immer auf meinen 19. Zyklustag – und das fünf Monate in Folge … Es war schnell klar, dass das kein Zufall sein konnte“, so Charlotte.

Dem Zyklus auf der Spur

Mittels einer intensiven Recherche nach einer natürlichen Lösung für diese Hormonschwankungen fand sie heraus, welche Vitamine und Mineralstoffe ihr dabei helfen, ihren Zyklus positiv zu beeinflussen. Charlotte stellte ihre Ernährung um und mixte sich die passenden Mineralstoffe selbst zusammen. Mit Erfolg: Bereits nach wenigen Wochen merkte sie nicht nur, wie ihr Hormonhaushalt langsam ins Gleichgewicht kam, sondern nahm auch erste positive körperliche und psychische Veränderungen wahr.

Außerdem suchte sie das Gespräch mit Frauenärzt*innen und Lebensmittelwissenschaftler*innen, um noch tiefer in die Thematik einzusteigen. Die gute Nachricht: Hormone können über natürliche Mineralstoffe, Vitamine und Pflanzenextrakte reguliert werden. Jedoch sind das Timing und die genaue Dosierung entscheidend, um Verbesserungen zu erzielen. „Ich war sehr überrascht, dass es dafür noch kein Kombi-Produkt auf dem Markt gibt, sondern häufig nur Vitamin C oder Eisen separat verschrieben werden. Auch die Dosierungen reichen in den meisten Produkten gerade mal aus, um den Mindestbedarf zu decken. Therapeutische Wirkungen sind aber erst bei größeren Mengen möglich“, erklärt Charlotte. Diese wichtige Erkenntnis war letztlich auch der Startschuss für ihr Female­Health-Start-up FEVANA.

Tausche Traumjob gegen Start-up

Im Januar 2022 erhielt Charlotte in Zürich Besuch von ihrem Bruder Anton. Zu diesem Zeitpunkt ähnelte ihre Küche einer Apotheke, in der sie verschiedene Rezepturen für den FEVANA­Prototyp ausprobierte. „Bei Charlotte sah es wirklich aus wie in den Tiefen eines Pharmalabors. Überall standen Schachteln und Fläschchen mit den verschiedensten Vitaminen und Extrakten. Sie hat mit Sicherheit mehrere hundert Rezepturen durchprobiert“, erinnert sich Anton lachend.

Anton war von der Idee, ein natürliches Nahrungsergänzungsmittel zu entwickeln, das genau auf die vier Phasen des weiblichen Zyklus angepasst ist, sofort überzeugt. Der Finance-Student überlegte, wie man Charlottes Küchenlaboraktivitäten professionalisieren könnte. „Ich habe davor noch nie über das Thema Frauengesundheit nachgedacht. In dem Moment realisierte ich, dass das anscheinend ein sehr großes Problem ist, das immerhin die Hälfte der Menschheit betrifft und entweder gar nicht oder mit der Pille, einem Arzneimittel aus den 60ern, therapiert wird“, sagt Anton. Er pitchte die Idee von zyklusgerechter Nahrungsergänzung spontan in einem Gründerkurs – seine Professorin war begeistert und sah hierfür ein großes und stark wachsendes Marktpotenzial.

Daraufhin entschloss sich Anton, statt weiter eine Karriere im Investment Banking zu verfolgen, Charlotte davon zu überzeugen, ihren Job zu kündigen und gemeinsam mit ihm ein Start-up zu gründen. Da seine Schwester anfangs noch zögerte, bewarb sich Anton für ein Gründerstipendium, das es den beiden ermöglichen sollte, zwölf Monate Vollzeit an der Idee zu arbeiten. Als kurz darauf die Zusage kam, waren beide bereit, ins kalte Wasser zu springen. Sie gründeten zusammen, denn Hand aufs Herz: Einen ehrlicheren Sparringspartner auf Augenhöhe als den eigenen Bruder oder die eigene Schwester kann es wohl kaum geben.

Der Sprung ins kalte Wasser

Die beiden arbeiteten intensiv mit Lebensmittelwissenschaftler*innen, um die Rezeptur für die vier FEVANA-Produkte zu perfektionieren. Die Voraussetzung: keine chemischen Zusätze. Alle Inhaltsstoffe müssen auf rein natürlicher Basis miteinander funktionieren. Nach schier unzähligen Versuchen im Labor stand nach neun Monaten die finale Rezeptur für die Produkte release, renew, revive und reboost – für jede der vier Zyklusphasen eins. Insgesamt stecken 40 Inhaltsstoffe in jedem einzelnen Pulver.

„Uns war es auch wichtig, ein Produkt zu entwickeln, das ohne Tabletten auskommt, da diese immer den Anschein erwecken, eine Krankheit zu behandeln. Wir wollten es schaffen, ein Pulver zu entwickeln, das jede Frau ganz easy und vor allem individuell in ihren Alltag integrieren kann. Sodass man es zum Frühstück ganz einfach in Wasser auflösen, die Sportlerin es aber auch nach dem Training in ihren Eiweißshake mixen kann. Es war klar, dass wir sehr viel Zeit, Geld und vor allem hochkarätige Expertise in die Entwicklung einer solch komplexen Rezeptur stecken werden müssen“, so Anton.

Aufgrund der umfangreichen Rezeptur und der vielen hochwertigen Inhaltsstoffen war es jedoch sehr schwierig, eine(n) passende(n) Lohnhersteller*in für die Produktion zu finden. Nach reihenweise gescheiterten Anfragen an über 40 Hersteller*innen erhielten die beiden letztendlich eine einzige Zusage.

Mit der daraus resultierenden Zusammenarbeit sind die beiden bis heute sehr glücklich. „Die von uns entwickelte Rezeptur war derart kompliziert, dass es wirklich schwierig war, einen Hersteller zu finden, der in der Lage ist, unsere Produkte unter unseren hohen Anforderungen zu produzieren. Kompromisse bezüglich der Produktqualität und -komplexität kamen für uns nicht infrage. Es sollte ja wirken. An diesem Punkt wurde uns dann auch klar, wieso es diese Art von Produkt noch nicht gibt und sämtliche Zyklusprodukte sich auf ein paar wenige Wirkstoffe begrenzen, die nicht spezifisch an die Phasen angepasst sind. Es ist schlicht zu teuer und zu aufwändig, solche Produkte herzustellen“, so Charlotte.

Große Visionen in Sachen Frauengesundheit

Neben der intensiven Marktrecherche, der Produktentwicklung und den Tests mit 130 Probandinnen starteten die Geschwister mit den ersten Pitches. Die Feedbacks des Publikums und von Investor*innen waren überwältigend. „Das Interesse war riesengroß, es kam sofort ein Investor aus dem Medizinbereich auf uns zu und sicherte sich schon früh Anteile. Das war für uns natürlich ideal, um das Unternehmen mit Kapital zu versorgen und die Produkt- und Markenentwicklung schnell voranzutreiben“, berichtet Anton. Mit dem Investor hat es neben dem fachlichen Know-how auch auf menschlicher Ebene super gepasst. „Das Bauchgefühl war von Anfang an gut und hat uns bis heute nicht getäuscht“, so Anton.

Mit FEVANA möchten Charlotte, Anton und ihr mittlerweile siebenköpfiges Team eine neue Marke für Frauengesundheit etablieren. Dafür sind bereits weitere Produkte speziell für Frauen in der Menopause, Schwangere und Stillende sowie eine Health-App in Planung. Die beiden haben damit vor allem ein Ziel vor Augen: „90 Prozent aller Frauen haben hormonbedingte Symptome. FEVANAs Mission sind null Prozent“, bringt es die hochambitionierte Gründerin Charlotte abschließend auf den Punkt.

IT-Trends 2024

Das sind die fünf entscheidenden Trends und Marktentwicklungen, die sich auf unterschiedliche Weise 2024 auf den IT-Markt auswirken werden.

PAC ein europäisches Marktanalyse- und Beratungsunternehmen für die IT-Branche, veröffentlicht zum Jahreswechsel seine wichtigsten Prognosen für das neue Jahr. Diese zeigen die entscheidenden Trends und Marktentwicklungen auf, die sich auf unterschiedliche Weise auf den IT-Markt auswirken werden.

Fünf zentrale Trends sind es, die nach den Erkenntnissen der Analyst*innen im Jahr 2024 und darüber hinaus für Unternehmen überdurchschnittliches Wachstum, Effizienzsteigerung und mehr Nachhaltigkeit bringen werden – und wie zu erwarten war, haben viele mittelbar oder unmittelbar etwas mit dem Themenfeld der künstlichen Intelligenz (KIU) zu tun.

Trend 1. FinOps für GenAI: Verwaltung von Cloud-Kosten im KI-Zeitalter wird für Unternehmen zur Herausforderung.

Das Jahr 2023 markierte einen Wendepunkt für KI-Services, insbesondere resultierend aus der wachsenden Bedeutung von Generative AI (GenAI). stehen nun vor einem neuen FinOps-Wendepunkt, da GenAI hohe Rechen- und Datenverarbeitungskapazitäten erfordert, die nur durch Cloud-Dienste erschwinglich realisiert werden können. PAC sieht GenAI als das, was die Tech-Industrie eine „Killer-Applikation“ nennt, da es sich um eine Innovation handelt, deren Anwendungsfall sowohl das private als auch das berufliche Leben von Menschen weltweit verändert und beeinflusst. Gleichzeitig sehen die Analysten aber auch ein erhebliches Risiko für Unternehmen, dass die Nachfrage nach solchen Diensten zu unerwarteten Kostensteigerungen führt – in einer Größenordnung und Geschwindigkeit, die weitaus gravierender ist als die anfänglichen Kostenprobleme bei der Ausbreitung der Cloud. Unternehmen müssen daher die Cloud-Service-Kosten für KI in allen Geschäftsbereichen durch FinOps effektiv verwalten und eine Kultur der finanziellen Transparenz und Verantwortlichkeit schaffen.

Trend 2. MLSecOps: Effektives Sicherheitsmanagement wird in einer von „Multi-Hops“ geprägten KI-Landschaft zum Muss.

Mit der Zunahme der KI-Nutzung steigt auch die Notwendigkeit, Sicherheitspraktiken an ML-bezogene Workflows anzupassen. Viele Unternehmen stehen vor der Herausforderung, KI in einer Vielzahl von IT-Lösungen zur Unterstützung von Geschäftsmodellen zu etablieren – und Unternehmen, die ihre Cybersicherheitsstrategie nicht parallel zu ihrer KI-Strategie anpassen, gehen hohe Risiken ein. MLSecOps-Rahmenwerke werden daher für die Absicherung von KI-Lösungen und -Diensten zunehmend einen höheren Stellenwert bekommen. Eine besondere Herausforderung aufgrund der in vielen Unternehmen zu beobachtenden breiten Palette an KI-Services, ist dabei die sogenannte „Multi-Hop-KI“. Darunter versteht man die Verkettung mehrerer KI-Lösungen oder -Dienste und ihrer Datensätze zu einer integrierten Pipeline oder Lieferkette, wobei bei jedem Hop eine andere, oft cloudbasierte KI-Lösung oder ein anderer Dienst genutzt wird. Diese KI-Nutzung wird Lösungen und Dienste von einer Vielzahl von IT-Anbietern umfassen. Zwischen den einzelnen „Hops“ wird es keine menschliche Interaktion geben, sodass der Mensch nur den anfänglichen Input liefert und dann den Multi-Hop-Output erhält. PAC hält dies für einen revolutionären Schritt, aber auch ein Risiko bei der Nutzung von KI. Dem Mehrwert von KI für Unternehmen steht das Potenzial für neue Formen von Sicherheitsverletzungen gegenüber. Denn Daten sind aus Sicht der Cybersicherheit das wertvollste Gut, das sich böswillige Akteure aneignen können – und da sie das Herzstück aller KI sind, ist dies ein Bereich, mit dem sich CxOs in den kommenden Jahren intensiv befassen müssen.

Trend 3. Umgang mit der KI-Inzucht: Wie die Anwendung von verantwortungsvoller und erklärbarer KI für Validität sorgt.

Ein zunehmend relevantes Problem im Zusammenhang mit Künstlicher Intelligenz ist die sogenannte „KI-Inzucht". Dieses Phänomen tritt auf, wenn KI-Systeme überwiegend von anderen KI-generierten Inhalten lernen, was zu einer Verzerrung und Entfremdung von der menschlichen Perspektive führen kann. Während etwa die aktuellen Versionen des ChatGPT-Modells auf einer relativ sauberen Bandbreite von überwiegend menschengenerierten Datenpunkten trainiert wurden, könnten zukünftige KI-Modelle immer mehr Daten generieren (und von ihnen lernen), die sich über viele Verarbeitungsiterationen hinweg von der Relevanz für menschliche Perspektiven unterscheiden. Diese Entwicklung, besonders sichtbar im Bereich der generativen KI (GenAI), könnte die Langzeitwirksamkeit von KI-Lösungen beeinträchtigen. Verantwortungsvolle und erklärbare KI-Tools und Frameworks können indes als geeignete Instrumente zur Bewältigung dieses Problems angesehen werden.

Trend 4. Hyper-Personalisierung: Digitale Assistenten schaffen mithilfe von GenAI eine individuelle Kundenansprache.

Seit Jahren streben Unternehmen im B2C- oder D2C-Geschäft danach, digitale Einkaufserlebnisse ähnlich einem persönlichen Einkaufsberater mit möglichst präziser Personalisierung zu bieten. Generative KI eröffnet Chancen Hyper-Personalisierung zu erreichen, die darauf abzielt, eine möglichst enge und langfristige Beziehung zum/zur Kund*in zu entwickeln, die das Engagement und die Loyalität erhöht und Cross- und Upselling-Möglichkeiten eröffnet. In der Vergangenheit waren die Kosten für einen Einkaufsberater, der den Kund*innen so passgenau beraten konnte, angesichts der unzureichenden Datenlage zu hoch und die Skalierbarkeit nicht gegeben. Auch waren vor GenAI die Chatbot-Style-Schnittstellen nicht ausgeklügelt genug, um Kaufberatungen oder Steuerungen ähnlich einem traditionellen persönlichen Einkaufsberater zu bieten. PAC prognostiziert, dass ab 2024 die Integration von GenAI in digitale Erlebnisse auf Mitarbeitendengeräten zur Unterstützung persönlicher Interaktionen und durch ähnliche Erlebnisse direkt auf den Geräten der Kund*innen vermehrt erfolgen wird. Dadurch wird GenAI den Zugang zu digitalen Assistentendiensten im Stil eines persönlichen Einkaufsberaters für die Verbraucher demokratisieren, den Kaufzyklus von Unternehmen vereinfachen und neue Umsatzmöglichkeiten schaffen.

Trend 5. Neue ESG-Regulierung: Die CSRD verschärft die Anforderungen an Unternehmen für eine nachhaltige IT-Landschaft.

Die Corporate Sustainability Reporting Directive (CSRD) regelt ab 2024 EU-weit die Umweltberichterstattung und forciert damit die internationalen ESG-Bestrebungen. Die Experten von PAC sehen das Inkrafttreten der CSRD als Beschleuniger des Wandels hin zu mehr Nachhaltigkeit in Unternehmen. Waren diese in der Vergangenheit an Nachhaltigkeit vor allem deshalb interessiert, weil ihre Kund*innen danach fragten und es die Gelegenheit bot, Umsätze zu steigern, besteht nun eine Verpflichtung mit rechtlichen, rufschädigenden und kommerziellen Komponenten. Unternehmen werden vermehrt nach Partner*innen suchen, die ihnen helfen, die richtigen Softwarelösungen und Prozesse zu implementieren, um Daten im Zusammenhang mit ESG effizient zu verfolgen, zu sammeln und zu analysieren. Gleichzeitig wird die Vergleichbarkeit der Berichte die Unternehmen dazu drängen, zu zeigen, dass sie mindestens so nachhaltig ausgerichtet sind wie ihre direkten Mitbewerber*innen. Der Trend zu mehr Nachhaltigkeit wird Unternehmen zudem weiter zu einer Cloud-First-Strategie ermuntern. Neben der Möglichkeit, einzelne Workloads mit vertretbarem Aufwand und Betriebskosten in die Cloud zu migrieren, werden Organisationen zunehmend fragen, wie nachhaltig verschiedene Cloud-Angebote sind. Bei der Auswahl eines Cloud-Anbieters wird Nachhaltigkeit neben der Verfügbarkeit von Dienstleisterressourcen und angemessenen Funktionen in der PaaS-Umgebung ein Schlüsselfaktor sein. Zudem werden auch die Cloud-Anbieter Effizienzparameter für Interessent*innen bereitstellen, um die Nachhaltigkeit der Angebote zu belegen.

Kai Hesselmann: Founder wird Angel

Immer wieder gibt es erfolgreiche Gründer*innen, die "die Seite wechseln" und selbst zu Angel Investor*innen werden. Einer von ihnen ist Kai Hesselmann, Mitgründer von DealCircle. Über seine Motivation, sein Selbstverständnis und seine Ziele als Angel Investor sprechen wir mit Kai im Interview.

Die Zahl der Angel Investments in deutsche Start-ups ist im ersten Halbjahr im Vergleich zum Vorjahr um fast ein Viertel gesunken. Wie blickst du auf Q3 und Q4 in der Start-up- und Techbranche?

Im ersten Halbjahr hat es einen starken Rückgang bei Angel Deals gegeben, weil viele Investor*innen im vergangenen Jahr einen Dämpfer erfahren haben. Viele Investments haben sich aufgrund der hohen Bewertungen in den Jahren 2021/22 nicht gut entwickelt. Daher sind Investor*innen in diesem Jahr zurückhaltender. Hinzukommt ein hoher Zinsanstieg, wodurch gute Investment-Alternativen entstehen, beispielsweise sind Anleihen mit fünf bis Prozent Rendite-Chance wieder attraktiver geworden.

Aber auch die globalen wirtschaftlichen Unsicherheiten und eine Sättigung in einigen Marktsegmenten spielen sicherlich eine Rolle, weshalb die Zahl der Angel Investments im ersten Halbjahr rückläufig waren. Für das zweite Halbjahr 2023 hoffe ich auf eine Auflockerung. Auch wenn die globalen und geopoli­tischen Unsicherheiten anhalten, könnte sich eine gewisse Stabilisierung abzeichnen. Unter anderem, weil sich die Investor*innen an die neuen Marktbedingungen angepasst haben und Start-ups auf Grundlage geringerer Bewertungen Kapital einwerben. Dennoch könnte auch das zweite Halbjahr unter dem Vorjahreszeitraum liegen.

Was motiviert dich vor diesem Hintergrund, gerade jetzt in Start-ups zu investieren?

Hart gesagt, sind die Konditionen heute attraktiver als noch vor zwei Jahren, und aus Investor*innensicht ist das Risikoprofil zudem deutlich entspannter. Start-ups müssen in einem wesentlich herausfordernderen Marktumfeld Kapital aufnehmen, der Kostendruck ist derzeit höher und der Wettbewerb als Angel geringer. Ein zusätzlicher Punkt: Im letzten Dreivierteljahr sind durch den KI-Hype viele neue Technologiemöglichkeiten für Start-ups entstanden, die jetzt bei den Geschäftsmodellen Einzug halten. Aus meiner Sicht bietet sich daher ein spannendes Umfeld, ein Unternehmen zu gründen, während für Investor*innen das Risiko geringer ist.

Gibt es Branchen oder Themen, die du als Investor derzeit besonders spannend findest?

Bedingt durch unsere M&A-Technologielösung DealCircle natürlich alles, was im M&A-Bereich stattfindet. Hier bestehen noch viele Chancen, weil die Branche sehr konservativ und noch wenig technologisch erschlossen ist. Langsam entstehen immer mehr Geschäftsmodelle, die sich genau damit beschäftigen und versuchen, M&A-Prozesse effizienter zu machen. Nachdem ich mich im letzten Jahr eher mit E-Commerce-­nahen Themen beschäftigt habe, schaue ich derzeit eher auf M&A-nahe Geschäftsmodelle, die vielleicht auch komplementär zu meinem Unternehmen sind.

Welche Kriterien müssen Start-ups erfüllen, damit du investierst?

Der Proof of Concept muss insofern gegeben sein, als erste Kund*innen gewonnen sein müssen. Außerdem müssen die Unternehmen erste Umsätze von zahlenden Kund*innen erzielt haben. Prinzipiell können sich die Start-ups in einer frühen Phase befinden, also auch Pre Seed-Phasen mit einer Bewertung von ein bis zwei Millionen Euro. Geschäftsmodell und Teams sind mir zudem wichtig. Aber auch, ob die Möglichkeit besteht, durch KI im Operativen effizienter zu werden. Also: Wie skalierbar ist das Geschäftsmodell durch den Einsatz von Technologie? Zudem schaue ich, ob sich Kund*innendaten sammeln lassen, um das Geschäft noch effektiver betreiben zu können. Auch das Vorhandensein von Netzwerkeffekten, im Sinne von „je mehr Nutzer*innen, desto besser wird das Tool für alle“, sind für mich ein entscheidendes Investmentkriterium.

Welche Rolle spielen dabei die Faktoren Nachhaltigkeit und Diversität?

Aktuell leider noch zu wenig. Sowohl Nachhaltigkeit als auch Diversität sollten in meinen Investmententscheidungen eine größere Rolle spielen – beides Punkte, auf die ich 2024 definitiv versuchen werde, einen stärkeren Fokus zu legen.

In welche Start-ups hast du bereits investiert?

Revisit aus Aachen, eine Art Customer-Loyalty-Programm für ­lokale Geschäfte. In Hyre aus Berlin, eine Plattform für Softwareunternehmen, um Sales-Talente zu finden, sowie Shopstory, eine KI-basierte Software aus Wien, um das Marketing von Onlineshops zu automatisieren. Mit weiteren Gründer*innen stehe ich aktuell im Austausch. Aber ich freue mich immer über neue spannende Geschäftsideen aus dem M&A-Bereich.

Welche Learnings nimmst du aus Sicht des Founders mit in die neue Herausforderung?

In einer frühen Phase sollten Gründer*innen nicht zu stark an der ursprünglichen Idee ihres Geschäftsmodells festhalten, sondern nah am Markt sein und flexibel bleiben. Hilfreich ist, mit Kund*innen zu sprechen und sich Feedback von Investor*innen einzuholen. Sich schnell anzupassen und lernbereit zu sein, zählen für mich zu den zentralen Learnings. Wichtig ist auch, Durchhaltevermögen zu besitzen, beharrlich zu bleiben und sich von Rückschlägen nicht zu stark demotivieren zu lassen.

In welchen Branchen siehst du das meiste M&A-Potenzial?

Im Start-up-Bereich sicherlich bei Software und Technologie, weil es für Corporates interessant ist, die entsprechenden ­Lösungen aus Bereichen wie Cloud Computing, KI oder Cybersecurity von kleinen Start-ups zu integrieren. Gleiches gilt für den FinTech-Sektor, in dem sich große Banken junge Unternehmen bzw. ihre Lösungen einkaufen, und für Konsum­güter, den Einzelhandel und den E-Commerce. Hier sieht man immer wieder D2C-Marken, etwa aus dem Fashion-Bereich, die für traditionelle Modehersteller*innen interessant sind.

Welche Tipps hast du für Start-ups auf Investor*­innensuche aus eigener Erfahrung?

Sowohl eine realistische Einschätzung der Bewertungshöhe als auch des finanzierbaren Betrags ist aus meiner Sicht entscheidend, vor allem bei Start-ups, die noch keinen Umsatz generieren. Im aktuellen Marktumfeld ist es beispielsweise schwierig, zwei Millionen Euro einsammeln zu wollen bei einer Bewertung von zehn Millionen Euro ohne nennenswerte Umsätze. Daher sollten sich Gründer*innen fragen: Wie viel Kapital brauchen wir zu welchem Zeitpunkt? Was machen wir mit dem Investment? Welche Bewertung ist realistisch? Neben einer klaren Liquiditätsplanung sollten Start-ups mit ausreichend Vorlauf ins Fundraising gehen – nicht erst dann, wenn es kritisch wird.

Digitale Identitäten: IT-Sicherheitslage, KI und NFC prägen 2024

Fünf große Herausforderungen und Chancen, mit denen Anbieter*innen digitaler Dienste in Deutschland im nächsten Jahr konfrontiert sein werden.

Die weltweite IT-Sicherheitslage und künstliche Intelligenz à la ChatGPT haben in den letzten zwölf Monaten die Schlagzeilen bestimmt. Wenig deutet aktuell darauf hin, dass sich dies im nächsten Jahr ändert. Auf digitale Identitäten und Dienstleistungen hat dies ebenfalls Auswirkungen. Wir werden einen Blick auf fünf Herausforderungen und Chancen, mit denen digitale Dienste in Deutschland im nächsten Jahr konfrontiert sein werden.

IT-Trend 1. Der Siegeszug der generativen KI

Vor allem in der Form von ChatGPT haben generative KI und Large Language Models (LLMs) 2023 einen großen Marktauftritt hingelegt. Beobachter gehen davon aus, dass der Einsatz von generativer KI einfacher sowie kostengünstiger wird und in den nächsten Jahren durch eine Kombination unterschiedlicher Anwendungsfälle einen wirtschaftlichen Mehrwert in Billionenhöhe generieren kann. Auf der anderen Seite werden KI-Entwicklungen zwangsläufig einige negative Auswirkungen auf die Cybersicherheit haben. Die Anfänge sind bereits zu beobachten: Social-Engineering-Angriffe werden einfacher und schneller, da (Cyber-)Kriminelle kein tiefes technisches Know-how mehr benötigen, um sie auszuführen. Auch die Fälschung von Bildern physischer Dokumente dürfte einfacher werden als je zuvor. Um diese KI-gestützten Fortschritte zu bekämpfen, müssen Unternehmen im nächsten Jahr verstärkt selbst KI einsetzen – vor allem im Zusammenspiel aus Mensch und KI –, um böswilligen Akteuren einen Schritt voraus zu sein.

IT-Trend 2. Angespannte IT-Sicherheitslage

Nicht nur wegen der KI-Entwicklungen hat sich die IT-Sicherheitslage im vergangenen Jahr verschärft, das hatte zuletzt erst der BSI Lagebericht zur IT-Sicherheit in Deutschland 2023 gezeigt. Viele Akteure, vor allem in der Finanz- und Fintech-Branche, werden ob der angespannten Lage verstärkt nach Lösungen zur Verhinderung von Onlinebetrug suchen und dabei immer häufiger auf mehrschichtige Tools und Technologien setzen. Dazu zählt auch das Hinzufügen sogenannter Risikosignale bei Identitätsprüfungen: Diese Signale können verhaltensbiometrische Daten wie Tippmuster oder Mausbewegungen einbeziehen, um Betrug zu erkennen. Zudem können sie historische Transaktionen mit Nutzern in Form von Gerätesignalen in die Betrugsbekämpfung einfließen lassen und Betrügern so das Leben erschweren.

IT-Trend 3. NFC-Technologie im Aufwind

Angesichts der angespannten IT-Sicherheitslage wird im Bereich der Identifikation auch die Anwendung der Near Field Communication (NFC) Technologie im kommenden Jahr einen Zuwachs verzeichnen. Die Betrugsprävention ist bei NFC besonders hoch, da der im Personalausweis integrierte Chip äußerst fälschungssicher ist. Auf dem Chip sind die Personendaten, sowie das biometrische Lichtbild gespeichert. So können die originalen Daten validiert werden, auch wenn das Ausweisdokument äußerlich verfälscht wurde. Aufgrund verschiedener politischer Entscheidungen wie dem Onlinezugangsgesetz (OZG) oder der Einführung der BundID in zusätzlichen Bundesländern wird es auch im kommenden Jahr einen weiteren Nutzeranstieg der eID-Funktion in Deutschland geben. Positive Entwicklungen waren auf Bundesebene laut BMI bereits in diesem Jahr zu erkennen. Die höhere Verbreitungsrate von NFC-fähigen Smartphones trägt dazu bei, so wie die Möglichkeit, die NFC-Technologie mit einer Vor-Ort-Identifizierung, beispielsweise in einer Tankstelle, zu kombinieren.

IT-Trend 4. Step-up-Verifikation

Neben der ersten Interaktion zwischen Kunde und Organisation oder Institution wird auch die weitere Customer Journey in Hinblick auf Sicherheit immer wichtiger. Eine sichere und schnelle Benutzerkontenwiederherstellung ist ein zentraler Baustein, um Kriminelle von unerlaubten Kontoübernahmen abzuhalten. Beispielsweise ist die Änderung der Telefonnummer oder der E-Mail-Adresse kurz nach einer Kontoeröffnung ein starkes Indiz für Account-Takeover oder sogenannte Money Mules, also Personen, die ihre Zugangsdaten Kriminellen freiwillig zur Verfügung stellen, weil sie leichtes Geld verdienen wollen. Auch ungewöhnlich hohe Transaktionen können ein Warnsignal sein. Dem kann man entgegenwirken, indem der Nutzer seine Identität via Step-up-Verifikation nochmals bestätigen muss. So kann das notwendige Level an Sicherheit gewährt werden.

IT-Trend 5. eIDAS 2.0: Der große Schritt in die digitale Dekade

Auch in der Gesetzgebung wird sich im kommenden Jahr einiges ändern. Auf EU-Ebene lautet das Schlagwort „eIDAS 2.0“. Ziel der EU ist es, ein europaweites Ökosystem für digitale Identität zu schaffen. Die erneuerte Verordnung muss im Trilog zwischen der EU-Kommission, dem EU-Rat und dem EU-Parlament vereinbart werden. 2024 wird also hoffentlich das Jahr, in dem die Verordnung, die Durchführungsbestimmungen und die zugehörigen Normen endlich verabschiedet werden. Auch Deutschland ist mit dem BMI-Konsultationsprozess über die Entwicklung einer eIDAS 2.0-konformen Infrastruktur für eine deutsche Wallet im Sommer 2023 gestartet. Im nächsten Jahr soll die Entwicklungsphase und der Architekturprozess beginnen, was essenziell für die weitere Akzeptanz sein wird. Die Identity Wallets, wie sie unter anderem auf EU-Ebene diskutiert werden, kommen bisher laut Digital Identity Index 2023 erst bei einem Prozent der deutschen Bevölkerung zum Einsatz. Gleichzeitig plant die EU aber, dass 80 Prozent der Bürgerinnen und Bürger bis 2030 eine digitale Identität in der Form eines Wallets benutzen. Große Veränderungen in den digitalen Infrastrukturen – auf allen Seiten – sind somit für 2024 vorprogrammiert.

Der Autor Philipp Angermann ist Director Financial Services DACH bei IDnow, der Plattform zur Identitätdprüfung.

Geschäftsideen Mobilität: Fahrräder leasen

Ulrich Prediger vermittelt mit seiner Firma Leaserad GmbH Leasingverträge für Fahrräder und bietet dabei unter dem Namen "Jobrad" eine Fullservice-Dienstleistung für Unternehmen an, die ihren Angestellten Fahrräder zur Verfügung stellen wollen.

Das Leistungsspektrum von Leaserad reicht von der Beschaffung der fabrikneuen Fahrräder aus deutscher Produktion, Vorbereitung und Vermittlung der Leasingverträge, Bereitstellung und Einrichtung vor Ort, bis hin zur Reparatur und der regelmäßigen Wartung. Der Vorteil dieser Geschäftsidee für die Kunden ist, dass sie für einen Fixbetrag pro Monat alles aus einer Hand erhalten.

Mittlerweile arbeitet Leaserad mit seinem Angebot namens "Jobrad" mit mehr als 1700 Jobrad-Fachhandelspartnern sowie mit über 600 Jobrad-Arbeitgebern zusammen, die Ihren Mitarbeitern ein "Jobrad" anbieten.

Geschäftsideen Autopflege: Premiumprodukte für edles Blech

Viele Männer pflegen ihr Auto besser als sich selbst. Und genau davon will das Mannheimer Start-up Carrus Cultus GmbH mit seiner jungen Marke "Herrenfahrt" profitieren. Eine „herrliche“ Geschäftsidee!

Vision der Gründer Andreas Werner und Sebastian Steininger ist es, eine Pflegemarke für wertvolle und besondere Automobile zu entwickeln, die den Geist der großen Automobilkultur und deren Pionierzeit in die Gegenwart transportiert.

Namensgeber ist der Herrenfahrer, ein Autobesitzer früherer Zeit, der seinen Wagen selbst wartete und steuerte. Der Begriff Herrenfahrer wurde für Kutscher und Motorradfahrer schon im 19. Jahrhundert benutzt, verbreitete sich jedoch erst mit der Serienfertigung kleiner Automobile in den 1920er Jahren.

Als erstes Produkt im Rahmen der Geschäftsidee wurde 2014 gemeinsam mit einem Oldtimer-Experten ein hochwertiges Pflegewachs entwickelt. Mittlerweile umfasst die Produktpalette Shampoo, Reinigungsknete, Politur, Wachs, Finishspray, Sprühversiegelung sowie Mikrofasertücher und Reinigungs-Puks.

Grüne Geschäftsideen: Das Solarauto für jedermann

Der Sion will das Elektroauto für alle werden, denn der Verkaufspreis soll bei lediglich 16.000 Euro liegen. Der fünftürige Kompaktvan ist ein reines Elektroauto mit einer Reichweite von etwa 250 Kilometern. Die wirkliche Innovation bei der Geschäftsidee ist aber ein einzigartiges Selbstladesystem namens viSono, das den Sion über Solarzellen durch die Sonne auflädt.

Mit einer Gesamtfläche von 7,5 Quadratmetern laden die Solarzellen die Traktionsbatterie während der Standzeit und der Fahrt auf, sodass täglich bis zu 30 kostenlose Kilometer zu Verfügung stehen. Ein sich selbst aufladendes Elektroauto also.

Das Auto kann aber noch mehr: Durch einen natürlichen Luftfilter namens breSono soll die Luftqualität im Fahrzeuginneren positiv beeinflusst werden. Hierbei wird eine spezielle Moosart verwendet, die keinerlei Pflege bedarf und Feinstaub durch elektromagnetische Ladung aus der Luft filtert.

Hinter der Geschäftsidee und der Sono Motors GmbH stehen die drei Gründer Jona Christians, Navina Pernsteiner und Laurin Hahn. Mittlerweile besteht das Team aus Designern, Entwicklern, Technikern und Studenten mit teils langjähriger Erfahrung in der Automobilindustrie. In einer kleinen Garage gestartet, hat das Team über einen Zeitraum von vier Jahren einen Prototyp entwickelt.