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Verlässlichere Finanzplanung und unmittelbare Liquidität – das verspricht Factoring. Wir zeigen, wie Start-ups davon profitieren und stellen 12 Factoring-Dienstleister vor.

Factoring an sich ist vollkommen Start-up-tauglich, was daran liegt, dass üblicherweise keine weiteren Sicherheiten als die gestellte Rechnung benötigt werden. Gleichzeitig muss man aber feststellen: Start-ups sind oftmals nicht der Lieblingskunde vieler Factoring-Anbieter. Das hat den simplen Grund, dass diese in der Regel niedrigere „factoringtaugliche“ Umsätze erwirtschaften als etablierte Unternehmen und vermeintlich instabiler sind. Doch gibt es auch für Start-ups verschiedene Möglichkeiten und Anbieter, um Factoring als alternative Finanzierungsform zu nutzen.

Factoring kennt viele Varianten

Bei Factoring verkauft ein Unternehmen offene Forderungen aus gestellten Rechnungen an einen Factorer. Dieser zahlt ihm 80 bis 100 Prozent der Summe unmittelbar aus. Den restlichen Betrag erhält der Unternehmer, sobald die Rechnung vom Kunden beglichen wurde. Hierbei gibt es zahlreiche Unterscheidungen zwischen verschiedenen Factoring-Varianten.

Stilles vs. offenes Factoring: Bei stillem Factoring werden die Debitoren nicht über den Forderungsverkauf informiert. Im Gegensatz hierzu wird bei offenem Factoring der Kunde durch einen so genannten Abtretungsvermerk über den Forderungsverkauf in Kenntnis gesetzt. In der Praxis heißt dies, dass der Kunde die offene Summe der Factoringgesellschaft statt dem Unternehmer überweisen muss.

Echtes vs. unechtes Factoring: Eine weitere wichtige Unterscheidung wird zwischen echtem und unechtem Factoring getroffen. Bei echtem Factoring übernimmt der Factorer das Zahlungsausfallrisiko – bei unechtem bleibt dieses beim Kunden. Echtes Factoring wird üblicherweise von einer höheren Factoringgebühr begleitet.

Full-Service-Factoring: Manche Factoring-Anbieter übernehmen mit der Forderung auch das Mahn- und Inkassowesen. Diese Variante nennt sich Full-Service-Factoring und ist bei kleinen und mittelständischen Unternehmen sowie Selbständigen sehr beliebt, da lästige Bürokratie outgesourct wird.

Einzelfactoring vs. Factoringrahmen: Bei Einzelfactoring können Unternehmen Rechnungen beim Factorer „spontan“ einreichen. Jede Forderung wird einzeln geprüft und erhält eine individuelle Factoringgebühr. Bei klassischem Factoring hingegen wird ein Rahmenvertrag mit dem Factorer vereinbart, der eine Laufzeit von mehreren Jahren hat und eine grundsätzliche Factoringgebühr festlegt, die für alle Forderungen gültig ist.

Was kostet Factoring?

Die anfallenden Kosten bei Factoring werden auf Grundlage zahlreicher Parameter berechnet. Besonders großen Einfluss haben das Factoringvolumen, die Debitorenstreuung, das den Kunden gewährte Zahlungsziel sowie die Bonität des eigenen Unternehmens. Größter Kostenfaktor ist die Factoringgebühr, die für kleine und mittelständische Unternehmen üblicherweise zwischen ein und fünf Prozent liegt. Zusätzlich verlangen einige Anbieter einen Factoringzins, der meist zwei bis fünf Prozent p.a. beträgt und sich auf den Zeitraum zwischen Rechnungsstellung und Zahlungseingang durch den Debitor bezieht. Einige weitere Gebühren, wie Limitprüf- oder Einrichtungsgebühren sind bei einzelnen Factoring-Anbietern möglich. Es gibt Factorer, die lediglich eine All-Inclusive Factoringgebühr erheben und auf Factoringzins und weitere Gebühren verzichten – die Factoringgebühr ist hierbei allerdings höher.

Hier eine Beispielrechnung: Ein Maschinenbauer verkauft eine Maschine im Wert von 10.000 Euro und verkauft die offene Forderung an eine Factoring-Gesellschaft. Die 10.000 Euro werden ihm unmittelbar abzüglich einer Factoringgebühr in Höhe von 2 Prozent (= 200 Euro) ausgezahlt. Zusätzlich zahlt er einen Zinssatz von 3 Prozent p.a. Da der Kunde die offene Forderung bereits nach 20 Tagen begleicht, fallen durch den Factoringzins lediglich knapp 17 Euro weitere Kosten an. Für die unmittelbare Auszahlung der Forderung in Höhe von 10.000 Euro zahlt der Maschinenbauer folglich insgesamt 217 Euro.

Zusammen mit dem Portal Finanzierung.com haben wir 12 Factoring-Anbieter unter die Lupe genommen.

Die 12 Factoring-Anbieter im Überblick

Auf der Homepage der A.B.S. Global Factoring AG finden sich viele Basis-Informationen rund um das Thema Factoring für Start-ups. Das Unternehmen hat sich auf den Forderungsverkauf von kleinen und mittelständischen Unternehmen ab einem Umsatz von 500.000 Euro spezialisiert. Sowohl Unternehmen in Wachstumsphasen als auch solche in der Krise werden von der A.B.S. betreut. Es handelt sich um offenes, echtes Full-Service-Factoring mit einem maximalen Zahlungsziel von 90 Tagen. Das Unternehmen betont, dass es maßgeschneiderte Lösungen sucht und auch „Problemfälle“ nicht von vornherein ablehnt. Dies schließt auch Insolvenzen oder Restrukturierungen ein. Die Factoringgebühr liegt bei 0,5 bis 2 Prozent, was sich unter dem Branchendurchschnitt befindet. Zusätzlich fällt ein Factoringzins von 4 Prozent p. a. an. Wer den Kunden keine allzu langen Zahlungsziele gewährt, kann mit geringen Mehrkosten durch den Factoringzins rechnen.

Der Internetauftritt der Aktivbank AG ist einfach strukturiert, mit einem Klick gelangt man in den Factoring-Bereich, der nach eigener Aussage „Liquidität, Sicherheit und MEEEHR“ bietet. Meeehr meint den Schutz vor Forderungsausfällen sowie auf Wunsch des Kunden die Übernahme der Debitorenbuchhaltung, des Zahlungsausfallrisikos sowie des Mahn- und Inkassowesen durch die Aktivbank. Unternehmen ab 400.000 Euro Umsatz können von dem Angebot profitieren, jedoch müssen diese seit mindestens zwei Jahren bestehen, wodurch Start-ups in der Gründungsphase nicht in den Genuss einer Kooperation kommen werden. Die Bank bietet ihren Kunden ein branchenübliches Zahlungsziel von 90 Tagen, was durch offenes Factoring gehandhabt wird. Praktisch ist der „Factoring-Rechner“, mit dem sich Kunden bereits vorab einen groben Richtwert für die anfallenden Gebühren errechnen können. Schwerpunkte der Aktivbank sind unter anderem die Branchen Transport, Baustoffe und Großhandel. Die Factoringgebühr liegt zwischen 0,1 und 2,5 Prozent. Zugegeben eine recht große Spanne, wobei Start-ups vermutlich eher selten in den Genuss der 0,1 Prozent kommen. Dies sollte aber nicht darüber hinweg täuschen, dass die Konditionen für Unternehmen mit entsprechenden Umsätzen äußerst interessant sind. 

Die CB Bank überzeugt nicht nur mit einem optisch modernen Unternehmensauftritt, sondern hat auch eine ganze Menge an Inhalten zu bieten: stilles Full-Service-Factoring mit 100 prozentiger Auszahlung der Forderungssumme sowie die Möglichkeit der Finanzierung des Handwerks und sowohl B2B als auch B2C Kunden. Die Factoring-Gebühr liegt bei 2 bis 3,5 Prozent Factoringzins, weitere Gebühren gibt es keine. Den Schwerpunkt legt die Bank auf die Branchen Dienstleistung und Handel. Einziges Manko: Start-ups in der Gründungsphase nimmt man nicht an, da Voraussetzung für das gemeinschaftliche „factorern“ mindestens eine Bilanz sowie positive BWA & Summen- und Saldenliste von Seiten des Kunden ist. Zudem müssen etwaige Partner ein jährliches Factoringvolumen von mindestens 100.000 Euro erreichen. Davon abgesehen kann sich das Angebot sehen lassen. Insbesondere Unternehmer, die vermeiden wollen, dass ihre Kunden vom Forderungsverkauf erfahren, sind hier in guten Händen.

Die Dresdner Factoring informiert auf ihrer Website ausführlich über verschiedene Factoring-Arten sowie mögliche Einsatzgebiete der Finanzierungsform. Das Unternehmen selbst bietet offenes, echtes Full-Service-Factoring für Unternehmen ab einem factoringtauglichen Umsatz von 500.000 Euro an. Die Gebühr liegt äußerst niedrig zwischen 0,25 bis 0,95 Prozent. Zusätzlich wird ein Factoringzins sowie eine Limitprüf- und Einrichtungsgebühr erhoben. Die Dresdner Factoring hat sich auf Wachstumsfinanzierung und Restrukturierung spezialisiert, wobei grundsätzlich alle Unternehmen im B2B-Bereich, außer dem Bauhauptgewerbe, finanziert werden. Hervorzuheben ist ein auf 180 Tage verlängertes Zahlungsziel, welches der Anbieter auf Anfrage ermöglicht, womit er sich in dieser Hinsicht von den anderen Anbietern abhebt. Die Dresdner Factoring unterstützt grundsätzlich Unternehmen in allen Stadien mit günstigen Konditionen – ein Hindernis dürfte für einige allerdings der verhältnismäßig hohe Mindestumsatz sein.

Ähnlich charmant wie der Sitz der Elbe Finanzgruppe AG ist auch der Onlineauftritt. Potenzielle Kunden werden über verschiedene alternative Finanzierungsmodelle, inklusive Factoring, informiert. Mit konkreten Zahlen halten sich die Hamburger allerdings zurück: Zu erwartende Gebühren und Mindestvolumina sind nicht ohne weiteres ersichtlich, hier sind zusätzliche Recherchen nötig. Die Elbe Finanzgruppe bietet echtes, offenes Full-Service-Factoring im B2B-Bereich mit einem maximalen Zahlungsziel von 90 Tagen und deckt alle Branchen außer das so oft verschmähte Baugewerbe ab. Dabei haben die Kunden die Möglichkeit, zwischen einem klassischen Factoringrahmenvertrag und Einzelfactoring über das junge Elbe-Portal Rechnung48 zu wählen. Hier finden sich rasch Informationen über die Gebühren. Die Servicegebühr beträgt 3,97 Prozent pro eingereichter Forderung. Darüber hinaus fallen keine zusätzlichen Gebühren an. Highlight der Elbe Finanzgruppe AG ist, dass sowohl Einzelfactoring als auch Factoringrahmenverträge keine festgelegten Mindestvolumina haben und somit auch für Start-ups mit geringen Umsätzen geeignet sind.

Das 2016 gegründete Factoring-Fintech Finiata bietet Unternehmen einen Finanzierungsrahmen von 1.000 bis 200.000 Euro für stilles Factoring, über den Rechnungen bis zu einem Volumen von 50.000 Euro finanziert werden. Dieser lässt sich bequem Online einrichten, wobei automatisiert, innerhalb weniger Minuten über Anfragen entschieden wird. Deinen Kunden kannst du über Finiata ein max. Zahlungsziel von 90 Tagen gewähren. Ein bisschen verwirrt sind wir allerdings über den Kundenservice: Erst beim dritten Versuch bekamen wir über die Kundenhotline(!) einen Berater ans Telefon und auch Mails blieben unbeantwortet. Wir wollen an dieser Stelle mal wohlwollend annehmen, dass Finiata-Bestandskunden anders behandelt werden.

Das junge Portal Fundflow bietet Kunden eine unkomplizierte Online-Registrierung sowie Online-Einreichung der Rechnungen mit automatisierter Beurteilung. Unternehmen bekommen hier echtes, offenes Full-Service-Einzelfactoring ab einer Gebühr von 2,5 Prozent mit 100-prozentiger Auszahlung der Summe. Das Angebot richtet sich vornehmlich an Selbständige, kleine Unternehmen sowie Start-ups im B2B und B2C-Bereich – ohne Mindestumsatz. Für die Bearbeitung von Rechnungen über 5.000 Euro werden allerdings Kopien der BWA und der letzten Jahresabschlüsse benötigt. Einzige Einschränkung des insgesamt sehr ansehnlichen Pakets: Das maximale Zahlungsziel liegt bei lediglich 60 Tagen. Wen das nicht stört, der findet mit Fundflow einen guten Allrounder, der (für Einzelfactoring) eher günstig ist und kaum Abstriche macht.

„Rechnung raus, Geld rein“, lautet der etwas flapsig klingende Slogan von Pagido. Gar nicht flapsig, sondern konkret wird es bei den Konditionen: Pagido bietet offenes, echtes Full-Service-Factoring im B2B-Bereich ab einer nicht ganz niedrigen Factoringgebühr von 2,9 Prozent innerhalb eines Factoringrahmenvertrags. Pagido besticht dennoch aus zwei Gründen: Zum einen gibt es keinen Mindestfactoringumsatz, zum anderen übernimmt das Unternehmen auf Wunsch des Kunden selbst die Rechnungserstellung, wodurch bürokratiefaule Unternehmer oder Selbständige maximal entlastet werden. Die Plattform eignet sich insbesondere für Selbständige und kleine Unternehmen mit geringeren Umsätzen, die Bürokratie weitestgehend vermeiden wollen. Für Unternehmen mit größeren Umsätzen ist Pagido aufgrund der vergleichsweise hohen Mindestgebühr von 2,9 Prozent allerdings weniger geeignet.

RECHNUNG.de – dahinter steht die 2014 gegründete decimo GmbH – beschreibt sich selbst als die Anlaufstelle rund um die Rechnung für alle Gewerbetreibenden, Freiberufler und Unternehmer. Derzeit bietet das Fintech fast ausschließlich echtes Factoring an. In einzelnen Sonderfällen kann aber auch unechtes Factoring geboten werden. Einen Mindest- oder Höchstumsatz gibt es nicht. Die Gebühr wird individuell vereinbart und beginnt ab 0,5 Prozent. Sie ist u.a. von deiner Bonität sowie vom Zahlungsziel der Rechnung abhängig. Wie erkenne ich die Höhe der Factoringebühr? Die Nettogebühr wird angezeigt, nachdem die Rechnung und Nachweise hochgeladen wurden. Noch bevor man die Rechnung zum Kauf anbietet (grundsätzlich werden auch B2C-Rechnungen vorfinanziert), wird der exakte Gebührensatz genannt. Über die individuelle Factoringgebühr je Rechnung hinaus fallen laut Anbieter keine Zinsen oder versteckte Kosten an. RECHNUNG.de empfiehlt, die Rechnung kostenlos und unverbindlich auf dem Portal einzustellen, um so vor dem Verkauf ein konkretes Angebot zu erhalten.

Auch Tochtergesellschaften der Volks- und Raiffeisenbanken bieten Factoring an. So etwa die TEBA, die sich auf Factoring für kleine und mittelständische Unternehmen spezialisiert hat. Bereits ab einem sehr geringen Jahresumsatz von 50.000 Euro ist der Forderungsverkauf innerhalb eines Factoringrahmenvertrags mit der TEBA möglich, womit der Anbieter insbesondere für Start-ups mit geringen Umsatzvolumina interessant sein dürfte. Die TEBA finanziert alle Branchen, legt ihren Schwerpunkt allerdings auf Handwerk und Bau und finanziert als einer der einzigen Factorer auch Abschlagsrechnungen – nur Ärzte müssen sich nach einem anderen Partner umsehen. Die Kosten sind äußerst transparent: Auf eingereichte Forderungen wird eine einmalige Gebühr um die 3,5 Prozent erhoben – der Factoringzins fällt weg und das bei 100-prozentiger Auszahlung der Summe. Unternehmer können somit sehr genau kalkulieren, welche Kosten sie erwarten. Ein weiterer Vorteil der TEBA ist, dass sowohl B2B- als auch B2C-Forderungen übernommen werden. Das Factoring wird, wenn nicht anders gewünscht, still abgewickelt. Trotz nicht ganz niedriger Factoringgebühr besticht der Anbieter eindeutig durch ein hohes Maß an Flexibilität, da sie grundsätzlich fast alle Unternehmen unterstützen kann.

Trotz der etwas irreführenden New York Skyline im Banner auf der Homepage, bietet die TecFactor GmbH aus Kirchheim unter Teck Factoring für deutsche Unternehmen an. Zu den Fakten: TecFactor finanziert ab einem Umsatz von 180.000 Euro und zahlt bis zu 90 Prozent der Forderung unmittelbar aus. Grundsätzlich sind Kooperationen mit allen Unternehmen mit einer aussagekräftigen Bilanz sowie BWA möglich. Die Factoringgebühr liegt vergleichsweise niedrig bei 0,8 bis 2,7 Prozent – allerdings fällt zusätzlich ein Factoringzins von ca. 4 Prozent p. a. an. Üblicherweise übernimmt die TecFactor Debitorenbuchhaltung, Mahnwesen und Ausfallrisiko der Forderungen. Die Debitoren werden vom Verkauf der Forderungen informiert. Ein Service, den viele konkurrierende Unternehmen nicht anbieten, ist die Möglichkeit des Aussschnittsfactorings. Bei diesem wird ein Rahmenvertrag geschlossen, der allerdings nur Forderungen gegen ausgewählte Kunden betrifft. Erwähnenswert ist auch ein Zahlungsziel von bis zu 120 Tagen, das nach Rücksprache möglich ist.

Hier gibt's die Anbieter-Tabelle zum Download.


Der Autor, Dipl.-Kfm. Joachim Haedke, ist Geschäftsführer der Finanzierung.com GmbH. Das Unternehmen hat seinen Schwerpunkt im Bereich der bankenunabhängigen Unternehmensfinanzierung für Unternehmen jeder Größe und vermittelt Finanzierungen, wie Factoring, Leasing oder Finetrading über ein Netzwerk aus über 200 Finanzierungspartnern.


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