Gründer*in der Woche: SedaiNow – ESG-Management aus Verantwortung

Gründer*in der Woche KW 32/22


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Sustainability hat sich längst als (Ausschluss-)Kriterium für Geschäftspartner*innen, Kund*innen, Personal sowie potenzielle Investor*innen etabliert. SedaiNow, ein junges Team aus Investor*innen, ESG- und Technologie-Expert*innen, unterstützt Unternehmen dabei, sich ganzheitlich nachhaltig aufzustellen. Mehr dazu im Interview mit Co-Founder Christian Walter.

In welchem Maß werden hierzulande CSR- (Corporate Social Responsibility) sowie ESG (Environment, Social, Governance) -Ansätze immer noch „nur“ als Teil einer Marketingstrategie betrachtet?

Ich würde mal sagen zu 100 %, und das muss sich grundsätzlich auch nicht ändern. CSR- und ESG-Ansätze sollten allerdings nicht ausschließlich, Teil einer Marketingstrategie sein. Klar können Unternehmen 100 Seiten lange Berichte darüber schreiben, wie sie sich neben ihrem Kerngeschäft etwa in Afrika engagieren. Viel besser wäre es aber, darüber zu berichten, wie sie ihre Lieferkette angepasst haben, um die Mitarbeitenden ihrer Zuliefernden in Afrika überdurchschnittlich zu entlohnen. Wie sie Wasser und Energie einsparen, Abfall vermeiden und somit zum Wohlstand aller beitragen.

Somit geht es heute zuvorderst darum, ESG-orientierte Ziele in die gesamte Unternehmensstrategie zu integrieren. Welche Herausforderungen kommen dabei auf die Unternehmen zu? Es geht ja nicht „nur“ um die Reportings und ESG-Ausweise selbst, oder?

Das stimmt so nicht. Bei ESG geht es im ersten Schritt um Transparenz, das wird ganz gern vergessen. Wenn ich nicht weiß, was ich tue, kann ich strategisch und operativ nichts verbessern. Die gesamte Regulatorik zielt auch erst einmal auf Transparenz ab. Wir sehen gerade, wie Grundlagen geschaffen werden, damit Financial Accounting und Non-Financial Accounting die gleiche Wertigkeit erfahren. Es gibt auch keinen ESG-Ausweis. Es existieren lediglich Ratings von MSCI und ähnlichen Anbietern, die auf Basis von materiellen Risiken zeigen, welche Faktoren sich auf die Gewinn- und Verlustrechnung (P&L) eines Unternehmens auswirken.

Ein einfaches Beispiel: Ein Unternehmen nutzt russisches Gas in der Fertigung. Bis Mitte letzten Jahres haben die meisten Manager da mit den Schultern gezuckt und gesagt: „Ja, das ist sicher und stellt kein P&L-Risiko dar.“ Neun Monate später bekräftigt derselbe Manager: „Risiken? Produktionsausfall, Arbeitsplatzabbau und vielleicht sogar Konkurs. Hier muss der Staat uns helfen.“ Das Unternehmen hat sich also einem materiellen Risiko ausgesetzt – eigentlich sogar mindestens zwei: Erstenst bezieht es Gas von einem Lieferanten aus einer politisch schwer einschätzbaren Region und zweitens wird Gas in der Produktion verwendet und damit sind CO2-Emissionen verbunden. Beides hat potenziell negative Auswirkungen auf die P&L. Schaut man sich jetzt aber im Vergleich eine Fastfood- Kette an, dann sind aber die Emissionen für dieses Unternehmen nicht relevant. Schließlich haben sie keine direkten finanziellen Implikationen, auch wenn in ihrer Supply Chain durch die Fleischproduktion massiv Emissionen entstehen. Stattdessen sind zum Beispiel Hygiene und Mitarbeitendenbehandlung relevante Themen.

Warum sollten auch Gründer*innen von Anfang an auf eine ESG-konforme Business- Strategie achten?

ESG deckt die operativen, nichtfinanziellen Themen in einem Unternehmen ab, die einen negativen Einfluss auf das Wachstum haben können. Ich unterstelle mal, dass alle Start-ups wachsen möchten, deswegen geht es bei ESG einfach um gutes, nachhaltiges Wirtschaften. Nachhaltig ist dabei im Sinne der Mitarbeitenden, der Umwelt und des Profits zu verstehen.

Wann und wie bist du vor diesem Hintergrund zusammen mit deinem Mitgründer Kaspar Neftel auf die Idee zu SedaiNow gekommen?

Kaspar hat schon viele Unternehmen gegründet und ist in den letzten Jahren insbesondere durch strengere Procurement-Anforderungen von Konzernen mit dem Thema ESG konfrontiert worden. Als Mitgründer eines SDG-orientierten Impact Funds komme ich aus der Investment-Ecke. Wir bringen also beide Perspektiven mit: auf der einen Seite das operative Wirtschaften im täglichen Unternehmensbetrieb und auf der anderen Seite das ESG-analytische und stärker finanzmarktorientierte Vorgehen. In Zukunft werden viele ESG-Themen relevant für Finanzierungen, weshalb es für uns beide Sinn ergeben hat, uns dort zusammenzutun.

Was waren dann die wichtigsten Steps von der Gründung bis zum Go-live der Plattform?

Der wichtigste Schritt war sicherlich die Akquise des ersten Kunden und das damit verbundene Projekt. Nur die Arbeit mit Kund*innen liefert uns die Einblicke, die wir brauchen, um unsere Ideen zu validieren.

Was ist das Besondere an SedaiNow, was bietet ihr und wie unterscheidet ihr euch von anderen ESG-Management-Lösungen?

Unser Ansatz ist getrieben von dem Finanzmarkt sowie der Regulatorik und dementsprechend sehr flexibel. Nicht nur jede Unternehmensrealität ist anders, auch Gesetze verändern sich ständig oder werden teilweise noch geschrieben. Diese Unsicherheit im Markt haben wir zu unserer Stärke gemacht. Uns ist egal, wo die CO2-Daten herkommen, mit welchem ERP- System der Betrieb arbeitet und wohin oder in welcher Form reported werden muss. Unser System kann Daten sehr flexibel in auditierbarer Form abbilden und verarbeiten – Lieferkettenmanagement inklusive.

Wer sind eure Kund*innen?

Wir arbeiten aktuell insbesondere mit Banken, Versicherungen und Investor*innen. Zu unserem Kund*innenkreis gehören aber auch mittelständische Betriebe und Unternehmen im Immobilienbereich.

Wie macht ihr auf SedaiNow aufmerksam?

Unsere PR-Agentur Borgmeier macht, denke ich, einen guten Job, sonst würden wir ja auch nicht sprechen. Darüber hinaus gehen wir aber vor allem ganz gezielt auf Unternehmen und Partner*innen zu. Wir sind in einer Phase, in der wir das Volumen an Kund*innenanfragen noch nicht in Gänze abbilden können.

Was sind eure kommenden unternehmerischen Ziele und damit verbundenen Visionen?

Unsere Vision ist eine Wirtschaft, in der Menschen, die Umwelt und das Profitstreben im Einklang stehen. Das folgt den Triple-Bottom-Line-Prinzipien. Und das erfordert, dass finanzielle und nicht finanzielle Kriterien gleichberechtigt nebeneinanderstehen. Unser Ziel ist es, das zu ermöglichen.

Und last but not least: Was rätst du anderen Gründer*innen aus eigener Erfahrung?

Ich tue mich immer schwer mit Ratschlägen für andere Gründer*innen. Mir ist ein Ausspruch im Kopf geblieben, von dem ich nicht genau weiß, wer sein(e) Urheber*in ist, aber sinngemäß hat mir mal jemand gesagt: „Hör dir jeden Rat an, lächle höflich, denk in Ruhe darüber nach und dann mach das, was du für richtig hältst.“

Hier geht’s zu SedaiNow

Das Interview führte Hans Luthardt

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200 Mio. USD für SolarTech-Start-up ENVIRIA

ENVIRIA, der 2017 von Melchior Schulze Brock gegründete Anbieter von dezentralen Energielösungen für Gewerbe und Industrie (C&I), hat mit BlackRock eine Kapitalbeteiligung in Höhe von über 200 Mio. US-Dollar über den Fonds Global Renewable Power IV (GRP IV) vereinbart.

Das frische Kapital soll genutzt werden, um das Wachstum des Unternehmens fortzusetzen, das bereits 500 C&I-Solarprojekte umgesetzt hat. Der Abschluss der Transaktion steht unter dem Vorbehalt behördlicher Genehmigungen und bestimmter Bedingungen gemäß den Transaktionsvereinbarungen.

Dezentrale Energieversorgung durch Photovoltaik-Aufdachanlagen

Mit der Investition setzen ENVIRIA und BlackRock auf einen der größten Wachstumsbereiche der Energiewende: die dezentrale Energieversorgung durch Photovoltaik-Aufdachanlagen sowie damit verbundene Leistungen. Schätzungen zufolge verbrauchen Unternehmen rund 70 Prozent des Stroms in Deutschland, während nur etwa 10 Prozent der geeigneten Firmendächer mit einer Solaranlage ausgestattet sind. So bleibt das Potenzial von mehreren hundert Gigawatt grüner Energien ungenutzt. Da Dächer von Gewerbeimmobilien im Durchschnitt deutlich größer sind als von Wohngebäuden, können dort Kapazitäten für erneuerbare Energien besonders schnell ausgebaut werden.

ENVIRIA fordert traditionelle "graue" Kraftwerke heraus und reduziert somit schrittweise die Abhängigkeit von fossilen Energieträgern, indem es Strom direkt aus seinen leistungsstarken Solarsystemen ins Netz einspeist. Mit der Unterstützung seiner Series-A-Investoren Galileo Green Energy, Redalpine, Alter Equity und BNP Paribas Développement hat das Unternehmen ein Portfolio von 500 C&I-Solarprojekten in ganz Deutschland aufgebaut. Die Entwicklungspipeline umfasst ca. 2.000 C&I-Projekte mit einer Gesamtleistung von mehr als 2,3 Gigawatt. Alleine bis 2029 sollen Anlagen mit einer Leistung von etwa 1,7 Gigawatt realisiert werden und zu einer erfolgreichen Energiewende beitragen.

ENVIRIAs Erfolg in der Entwicklung von Solaranlagen für Industrie und Gewerbe unterstreicht die Effizienz des innovativen End-to-End-Geschäftsmodells. Das Unternehmen deckt die gesamte solare Wertschöpfungskette ab – von der Entwicklung zur Installation über die Wartung bis hin zum Betrieb der Anlagen. Durch die maßgeschneiderten Lösungen können viele der größten Herausforderungen der Branche erfolgreich und zuverlässig adressiert werden.

Melchior Schulze Brock, Gründer und Geschäftsführer von ENVIRIA: "Wir freuen uns, mit BlackRock einen so starken Partner gefunden zu haben, der unsere Vision unterstützt, Unternehmen einen einfachen Zugang zu Solarenergie zu ermöglichen. BlackRock bringt genau die Ressourcen mit, die wir brauchen, um unser Wachstum fortzusetzen – sowohl finanziell, als auch im Hinblick auf Expertise. BlackRock versteht die Komplexität und die kapitalintensive Natur unseres Geschäfts und kann so einen entscheidenden Beitrag leisten, das Potenzial von erneuerbaren Energien für Gewerbe und Industrie zu realisieren. BlackRock arbeitet weltweit mit Unternehmen aus unserer Branche, insbesondere in Asien und Amerika, zusammen und hat eindrucksvoll gezeigt, wie Erfolg aussehen kann."

Das Klima-Infrastrukturteam von BlackRock ist einer der Vorreiter der Branche und investiert bereits seit Ende der 1990er Jahre in erneuerbare Energien - mit Investitionen in mehr als 15 Unternehmen und der ersten Investition in Photovoltaik im Jahr 2013. Heute verwaltet das Team ein Kundenvermögen von 11 Milliarden US-Dollar. GRP IV ist die vierte Auflage des Flaggschiffs des Klima-Infrastruktur-Franchise. Zu den Limited Partnern (LPs) gehören Investoren aus Deutschland, die umfassend Kapital investiert haben. Bei dem Deal handelt es sich um die zweite Investition des GRP IV, nachdem der Fonds im Januar in Recurrent Energy investiert hat.

Keith Mangan, Head of EMEA für Klima-Infrastruktur bei BlackRock: "Unser Investment in ENVIRIA zeigt, dass wir im Bereich der Infrastrukturinvestitionen, die auf die Energiewende ausgerichtet sind, einen Schritt voraus sind. Die Energiewende als Anlagebereich erweist sich weiterhin als wachstumsstark und skalierbar. ENVIRIAs lukratives Wertversprechen als Komplettanbieter von PV-Anlagen ist ein hervorragendes Beispiel für den Einsatz skalierbarer Innovationen in diesem Sektor und damit eine attraktive Anlageexposition für unsere Kunden."

Dirk Schmitz, Country Head von BlackRock in Deutschland, Österreich und Osteuropa: "Der Übergang zu einer kohlenstoffarmen Wirtschaft in Deutschland erfordert erhebliche Investitionen in die Infrastruktur für erneuerbare Energien. Wir freuen uns, dass wir unseren Kunden Zugang zu diesen Investitionen in einem vielversprechenden makroökonomischen Umfeld für Klima-Infrastruktur in Deutschland bieten können. Viele deutsche Investoren sind über unsere Klima-Infrastruktur-Plattform investiert. Daher freue ich mich, dass wir das Geld unserer Kunden über ENVIRIA vor Ort einsetzen."

Repräsentative GfK-Umfrage: Perspektiven Unternehmertum

Die repräsentative GfK-Umfrage zeigt u.a.: 63 % der Befragten halten es für mutig, in der aktuellen wirtschaftlichen Lage zu gründen; 52 % denken, dass Innovationen helfen, die Wirtschaft anzukurbeln. Hier gibt’s alle Ergebnisse im Überblick.

GoDaddy Deutschland veröffentlicht die neuesten Ergebnisse seiner repräsentativen Umfrage “Perspektiven Unternehmertum”, die von der GfK durchgeführt wurde. Befragt wurden mit dem GfK eBUS® 1.000 Personen im Alter von 18 bis 74 Jahren, die die deutschsprachige Bevölkerung repräsentieren. Die Befragung wurde im September 2023 durchgeführt.

Starkes Vertrauen in den Innovationsstandort Deutschland

Die Studie offenbart ein starkes Vertrauen der Bürger*innen in den Innovationsstandort Deutschland und zeigen zudem eine bemerkenswerte Bereitschaft zur unternehmerischen Tätigkeit – vor allem jene, die jünger als 40 Jahre alt sind.

Die Umfrage zeigt, dass 56 % der 18- bis 29-Jährigen und 54 % der 30- bis 39-Jährigen in Deutschland bereit sind, unternehmerisch tätig zu werden, um zusätzliches Einkommen zu generieren. Der Faktor Bildung ist dabei nebensächlich: Während 44 % der potenziellen Unternehmer*innen Abitur oder Hochschulreife haben, verfügt knapp jede(r) Dritte über den Abschluss einer höheren Schule ohne Abitur bzw. einen Haupt- oder Volksschulabschluss (30 %).

Wer jetzt gründet, gilt als mutig

Glauben Sie, dass es mutig ist, in der aktuellen wirtschaftlichen Situation ein Unternehmen zu gründen? Diese Frage bejahten nahezu zwei Drittel aller Befragten (63 %), während lediglich 13 % anderer Meinung waren. Gleichzeitig glaubt eine überwältigende Mehrheit von 70 %, dass sich aufgrund der finanziellen Sicherheit mehr Menschen für einen herkömmlichen Job entscheiden statt zu gründen.

Die Meinungen hinsichtlich der potenziellen finanziellen Anreize des Unternehmertums gespalten: Während 26 % der Befragten glauben, dass die Aussicht auf ein sehr gutes Einkommen die damit verbundenen Risiken aufwiegt, sind 44% bei dieser Frage unentschieden. 30 % hingegen lehnen diese Vorstellung ab.

Innovation als Motor für einen starken Wirtschaftsstandort

Die Umfrage untersuchte auch die Einstellung der Bevölkerung in Deutschland zur Rolle, die Innovationen und neue Geschäftsideen bei der Erholung unserer Wirtschaft spielen. 52 % der Befragten sind der Meinung, dass Innovation und neue Geschäftsideen dazu beitragen werden, unsere Wirtschaft zu erholen, während nur 15 % dies verneinen. Diese Ergebnisse zeigen, dass die Mehrheit weiterhin auf die Wichtigkeit von Innovationen als Katalysator für das Erfinderland Deutschland vertraut.

Gründer*in der Woche: Pferdegold: Innovation auf vier Hufen

In der Welt des E-Commerce hat sich Pferdegold als ein starkes Beispiel für Innovation und unternehmerischen Erfolg etabliert. Hinter dem Erfolg steht Gründer Florian Keller, der von Kindesbeinen an eine tiefe Verbindung zu Pferden pflegte.

In nur vier Jahren hat sich Pferdegold von einem ambitionierten Start-up zu einem florierenden Unternehmen mit einem Jahresumsatz im hohen siebenstelligen Bereich und einem Team von 23 Mitarbeiter*innen entwickelt. Die Erfolgsgeschichte zeugt von Florian Kellers unternehmerischem Geschick sowie seiner Vision, die Gesundheit und das Wohlergehen der Pferde in den Mittelpunkt zu stellen. Die Produktpalette von Pferdegold fokussiert sich dabei ausschließlich auf Produkte, die Pferde wirklich brauchen. So basiert das Zusatzfutter auf natürlichen Inhaltsstoffen und ist frei von künstlichen Zusätzen, Industriezucker oder billigen Füllstoffen.

Frühe Learnings fürs (Gründer-)Leben

Florian verband schon in seiner Kindheit eine tiefe Zuneigung zu Pferden. Florians Jugend war jedoch nicht frei von Herausforderungen. Während seiner Schulzeit erlebte er intensive Phasen des Mobbings, die ihn tief prägten. Er war zunächst nur auf kleinen Schulen, doch nach einem Schulwechsel im Alter von etwa 12 Jahren, begann das Mobbing durch seine Mitschüler*innen, welches deutlich über das übliche Maß hinausging und bleibende Eindrücke hinterließ.

„Diese schwierigen Erfahrungen hatten große Auswirkungen auf meinen Charakter und meine Entschlossenheit. Irgendwann hatte ich genug, fing mit körperlicher Fitness an, verlor Gewicht und befreite mich selbst aus der Opferrolle. Ich begann endlich mich gegen die Mobber zu wehren.“ Diese Erfahrung vermittelte ihm eine wichtige Lektion: „Ich habe realisiert, dass nur ich allein die Kontrolle über mein eigenes Leben übernehmen kann.“

Florians Interesse an Ernährung und Fitness wurde zu einer Konstanten, und er entschied sich später, Ernährungsberater zu werden.

Alles auf eine Karte gesetzt

Florian Keller absolvierte sein Studium an der Technischen Hochschule Würzburg-Schweinfurt (THWS). Er schloss sein Studium im Bereich Wirtschaftsingenieurwesen als Diplom-Ingenieur ab und spezialisierte sich anschließend im Masterstudium auf 'Innovation im Mittelstand'.

Ursprünglich hatte Florian die Absicht, ein Supplement für Menschen zu entwickeln. Diese Idee war bereits in der Entwicklungsphase, als er realisierte, dass diese Richtung ihn nicht vollständig erfüllte. Der Umschwung kam durch eine Begegnung mit der Reitfreundin seiner Mutter, die ihm einen Eimer voll mit Pferdefutter hinhielt: „Das Futter war extrem minderwertig und enthielt viel zu viel Zucker, sodass es eher schädlich als zuträglich für die Pferde war. Mir wurde sofort klar: Hier muss sich etwas ändern.“ Die Idee von Pferdegold war geboren.

Entschieden, seinem Traum zu folgen, setzte Florian alles auf eine Karte. Er nahm sich eine zweijährige Auszeit, um sich ausschließlich auf die Gründung seines Unternehmens zu konzentrieren. In dieser Phase finanzierte er sich von seinen Ersparnissen und investierte diese auch vollends in die Gründung von Pferdegold.

Qualität und Wirksamkeit rechtfertigen den höheren Preis

Eine der ersten Herausforderungen für Pferdegold war die Suche nach geeigneten Herstellern und Logistikpartnern, die Florians hohen Ansprüchen an Qualität und Nachhaltigkeit gerecht werden konnten. „Ich stieß dabei oft auf Skepsis und Widerstand, insbesondere als ich meine Vision für hochwertige Inhaltsstoffe in den Pferdegold-Produkten vorstellte. Einige Hersteller äußerten Bedenken, ob sich ein derart qualitativ hochwertiges Produkt zu einem entsprechenden Preis verkaufen lassen würde.“

Trotz dieser anfänglichen Zweifel blieb Florian standhaft bei seiner Überzeugung und fand letztendlich einen Hersteller am Chiemsee, der bereit war, seine Vision zu teilen und die Produkte nach seinen Vorstellungen zu produzieren. „Obwohl ich mit meiner Idee auf viel Widerstand stieß, war ich überzeugt, dass Qualität und Wirksamkeit den höheren Preis rechtfertigen würden.“

Marketing-Geschick und tiefe Verbundenheit zu Pferden

Die Herausforderungen beschränkten sich allerdings nicht nur auf die Produktionsseite. Auch beim Online-Marketing und Vertrieb musste Florian sich neues Wissen aneignen. Obwohl er sich zu Beginn seiner Unternehmung nicht ausgiebig mit Online-Marketing und Vertrieb auskannte, bewies Florian großes Geschick dafür, seine Marke im digitalen Raum zu positionieren.

Ein Schlüsselmoment in der Marketinggeschichte von Pferdegold war die Zusammenarbeit mit Dodo Laugks, einer bekannten Persönlichkeit in der Reitsportwelt. Ihre positive Rückmeldung zu den Produkten und das daraus resultierende gemeinsame Video, das auf Facebook veröffentlicht wurde, markierten einen Wendepunkt. „Das Engagement von Dodo Laugks war nicht nur entscheidend für unseren Erfolg, sondern hat auch langfristig dazu beigetragen, das Bewusstsein für Futterqualität in Deutschland zu stärken.“

Florians natürliche Fähigkeit, authentische und überzeugende Inhalte zu erstellen, kombiniert mit seinem tiefen Verständnis für die Bedürfnisse und Wünsche von Pferdeliebhaber*innen, trug maßgeblich zum Erfolg seiner Marketing-Offensive bei. Er verstand es, Geschichten zu erzählen, die nicht nur die Qualität der Produkte hervorhoben, sondern auch die tiefe Verbundenheit und Liebe zu Pferden widerspiegelten.

Family-Power und Team-Spirit

Pferdegold, ursprünglich aus der Vision eines Einzelnen entstanden, ist in Wahrheit ein echtes Familienunternehmen. Florians Eltern, Susanne und Michael Keller, schlossen sich ihm seit dem Start im Jahr 2019 an. „Die frühe Unterstützung und das Engagement meiner Eltern sind von unschätzbarem Wert für das Wachstum und die Entwicklung von Pferdegold. Sie haben maßgeblich dazu beigetragen, das Unternehmen zu formen und zu festigen.“

Die Zusammenarbeit in der Familie brachte eine einzigartige Dynamik in das Unternehmen. Die Kombination aus Florians innovativen Ideen, seinem unternehmerischen Geist, dem praktischen Wissen und der Erfahrung seiner Eltern schuf eine starke Grundlage für den Erfolg von Pferdegold. Dies spiegelte sich in der Qualität der Produkte, der Kund*innenbeziehung und der allgemeinen Unternehmensphilosophie wider.

Darüber hinaus wuchs das Team von Pferdegold stetig. Von den Anfängen mit nur wenigen Mitarbeitenden hat sich das Unternehmen zu einem Team von 23 engagierten und talentierten Individuen entwickelt. Jedes Teammitglied hilft bei der kontinuierlichen Verbesserung und Innovation von Pferdegold mit. „Unser starkes Teamgefüge ist ein wesentlicher Faktor für die Fähigkeit von Pferdegold, auf die sich ständig ändernden Anforderungen des Marktes zu reagieren und dabei stets die höchsten Standards an Produktqualität und Kundenservice zu halten.“

Das Plus: Offenheit für Veränderungen

Pferdegold hat seit seiner Gründung einen beeindruckenden Wachstumspfad beschritten. Innerhalb von nur vier Jahren gelang es dem Unternehmen, einen Jahresumsatz im hohen siebenstelligen Bereich zu erzielen. Auch die Produktpalette wird immer größer und umfasst mittlerweile Bereiche wie Stoffwechsel, Muskeln, Nerven bis hin zu Gelenkfutter für Pferde. Dieser Erfolg ist nicht nur ein Zeugnis für die Qualität der Produkte und die Wirksamkeit der Marketingstrategien, sondern auch für Florians Engagement, seine Vision in die Realität umzusetzen.

Ein wesentlicher Aspekt von Pferdegolds Erfolg war, sich schnell an Marktveränderungen anzupassen und auf die Bedürfnisse der Kund*innen einzugehen. Die Firma hat stets darauf geachtet, Produkte anzubieten, die auf wissenschaftlichen Erkenntnissen basieren und einen echten Mehrwert für die Gesundheit und das Wohlbefinden von Pferden bieten. Diese Haltung hat Pferdegold einen treuen Kund*innenstamm und eine starke Position in einem wettbewerbsintensiven Markt gesichert.

Florian lebt sein Engagement für soziale Verantwortung nicht nur im Unternehmensalltag der Pferdebranche, sondern versucht auch, einen positiven Einfluss auf die breitere Gesellschaft zu haben. So wird ein Teil der Einnahmen von Pferdegold regelmäßig an soziale Einrichtungen wie Gut Aiderbichl gespendet.

Toolify: 1,6 Mio. Euro Seed-Finanzierung für leicht zugängliche Robotik

Das 2020 von Dr. Dennis Stampfer, Dr. Matthias Lutz und Dr. Alex Lotz in Ulm gegründete Robotic-Start-up Toolify erleichtert die Integration von Robotik im produzierenden Mittelstand und überzeugt damit auch Investor*innen.

Das von den drei Robotics-Experten Dr. Dennis Stampfer, Dr. Matthias Lutz und Dr. Alex Lotz gegründete Start-up Toolify überzeugt Investor*innen von seinem Geschäftsmodell und rundet die Seed-Finanzierung mit insgesamt 1,6 Millionen Euro ab. „Die Mittel aus dieser Finanzierungsrunde werden wir dazu verwenden, unser Wachstum weiter voranzutreiben“, sagt Dr. Dennis Stampfer. „Wir planen, unsere innovativen Robotiklösungen zu erweitern, neue Talente einzustellen und unsere Präsenz auf dem Markt zu stärken.“

Ziel des Ulmer Start-ups ist es, sich weitere Anwendungsfälle zu erschließen, um insbesondere kleinen und mittleren Unternehmen den Weg in die Automatisierung aufzuzeigen. Die Investorengruppe für die Seed-Phase setzt sich neben dem Bestandsinvestor High-Tech Gründerfonds (HTGF) nun aus dem Start-up BW Seed Fonds der MBG Mittelständische Beteiligungsgesellschaft Baden-Württemberg GmbH, den Kapitalbeteiligungsgesellschaften der Sparkasse Ulm und Biberach und dem RobotikLösungsanbieter AiCobot zusammen und verknüpft die Finanzierung von Toolify mit der Aussicht, die Integration von Robotik im produzierenden Mittelstand zu erleichtern und zu beschleunigen.

Toolify hat die Robotik-Plattform xito.one entwickelt. Zahlreiche Unternehmen haben bis heute mithilfe der Plattform einen leichten und kostengünstigen Weg in die Robotik gefunden. Die Bandbreite reicht von kleinen Unternehmen mit wenigen Mitarbeitern bis hin zum weltweit agierenden Konzern.

XITO: Einstieg in die Robotik in nur 3 Schritten

XITO realisiert den Weg zur eigenen Robotik-Lösung in drei einfachen Schritten: Planen, kaufen, starten. Zunächst beginnen Unternehmen mit der Planungsphase, in der sie mit dem XITO Designer anhand passender Muster eigenständig bedarfsgerechte Automatisierungslösungen entwerfen. Im nächsten Schritt nutzen sie den XITO Marketplace, um alle notwendigen Komponenten für ihre Robotik-Lösung zu finden und zu erwerben. Schließlich, ausgestattet mit den passenden Komponenten, nutzen sie den XITO Builder, um ihre Automatisierungslösung einzurichten und in Betrieb zu nehmen.

Der Clou: Unternehmen benötigen keine Programmier- oder Robotikexpertise. XITO unterstützt jeden Schritt durch intuitiv gestaltete Software. Da die Aufwände für Konzeption und Programmierung entfallen, ist XITO gegenüber klassischen Automatisierungsweisen unschlagbar günstig. Zudem binden sich die Unternehmen nicht an bestimmte Hersteller und können daher auch in Zukunft flexibel auf die für sie beste Lösung setzen.

“Mit XITO befindet sich Toolify auf einem klaren Wachstumskurs. Wir sehen ein enormes Interesse, insbesondere von kleinen und mittleren Unternehmen, die mit unserem ganzheitlichen Konzept endlich eigenständig in die Automatisierung einsteigen können. ” Dennis Stampfer, CEO von Toolify.

“XITO macht es Unternehmen jeder Größe leicht, Robotik zu nutzen. Angesichts des Fachkräftemangels und des wachsenden globalen Wettbewerbs bietet XITO Unternehmen einfache Lösungen zur Verbesserung ihrer Wettbewerbsfähigkeit. Wir sind überzeugt vom Konzept und sicher, dass XITO dazu beitragen wird, das Wachstum mittelständischer Unternehmen in Baden-Württemberg und Deutschland voranzubringen.” Frank Hummler von Start-up BW Seed / MBG.

Das Toolify-Team umfasst sechs Mitarbeitende in Vollzeit und hat eine starke Software-Expertise und Branchenexperten mit über 15 Jahren Erfahrung in der Automatisierung und Servicerobotik.

Threedy: Industrieller 3D-Spezialist sichert sich 10,4 Mio. US-Dollar

Threedy ist ein Hightech-Start-up, das 2020 als Spin-off des Fraunhofer-Instituts für Graphische Datenverarbeitung (IGD) in Darmstadt gegründet wurde. Die Investition soll es dem Start-up ermöglichen, die Entwicklung seines Produktportfolios weiter voranzutreiben.

Drei Jahre nach der Gründung hat sich Threedy eine Investition von 10,4 Millionen US-Dollar gesichert, um das Wachstum in verschiedenen Branchen und Regionen zu beschleunigen. Zu den neuen Investoren gehören die LBBW Venture Capital, TRUMPF VENTURE, Futury Capital und EquityPitcher Ventures. Die Investition unterstreicht die starke Position von Threedy, einen beträchtlichen Marktanteil im schnell wachsenden Bereich der industriellen digitalen Zwillinge zu erobern.

Digitale Transformation in der Industrie

Der instant3Dhub von Threedy ist eine hochleistungsfähige Spatial-Computing-Technologie, die es Kunden ermöglicht, ihre 3D-Daten in beliebiger Konfiguration zu nutzen und in großem Maßstab zu visualisieren. Indem sie Daten in Echtzeit auf jedem Gerät und zu jeder Zeit verfügbar und zugänglich macht, ermöglicht sie die Optimierung einer Vielzahl von digitalen Prozessen entlang der gesamten industriellen Wertschöpfungskette und eine deutliche Reduzierung der damit verbundenen Kosten. Durch die Implementierung von instant3Dhub können Unternehmen wertvolle Zeit und Ressourcen sparen, z.B. durch den Wegfall von Wartezeiten, und die Reduzierung von Lizenz- und Infrastrukturkosten.

Threedy ermöglicht es seinen Kund*innen, eine moderne Software-Architektur zu etablieren, die die Abhängigkeit von den monolithischen und geschlossenen Stacks der etablierten Software- Anbieter reduziert und die Tür für die agile Entwicklung und den skalierbaren Roll-out einer modernen, leichtgewichtigen Anwendungsschicht öffnet. Mit einer breiten Palette an Funktionen für digitales Engineering, fortschrittliche Kollaboration und nahtlose Mixed Reality bietet die Software eine starke Grundlage für die digitale Transformation der Industrie.

Die Arbeit mit 3D-Daten soll so einfach wie das Teilen eines Links werden, indem man sie einfach aus beliebigen Quellen referenziert, z.B. aus bestehenden PDM/PLM-Lösungen, und das ohne jegliche Vorbereitung oder Vereinfachung. Die Technologie von Threedy ermöglicht neue, skalierbare Anwendungen über den gesamten Produktlebenszyklus, von der Entwicklung bis zum After-Sales – webbasiert und mit zero-footprint auf dem Client. Durch die Optimierung der 3D-Datennutzung und der Kommunikation können Unternehmen auch ihren ökologischen Fußabdruck verringern: Geschäftsreisen können weitgehend durch virtuellen Austausch ersetzt werden, wodurch Ressourcen und Zeit gespart werden.

Schnell wachsende Anzahl von Partnerschaften und Anwendungsszenarien

In den ersten drei Jahren hat sich Threedy erfolgreich von einer Fraunhofer-Abteilung zu einem unabhängigen Unternehmen entwickelt. Seit der Gründung Ende 2020 ist das Start-up deutlich gewachsen und hat seine Mitarbeitendenzahl fast verdreifacht, um ein Team von mehr als 50 hochqualifizierten Fachleuten aus aller Welt aufzubauen. Das Unternehmen hat nicht nur seine starken Kund*innenbeziehungen beibehalten, sondern auch ein bemerkenswertes Wachstum erlebt, insbesondere in den Bereichen Automotive und Fertigungsindustrie.

Die Spitzentechnologie von Threedy wird von zahlreichen Branchenführern geschätzt, darunter auch von den führenden deutschen Automobilherstellern. Darüber hinaus hat Threedy sein Netzwerk von Partnerschaften erfolgreich erweitert und ist über die ursprünglichen Schwerpunktbereiche Automotive und den deutschen Markt hinausgewachsen. Mit der substanziellen 10,4-Millionen-Dollar-Investition in der Serie A rüstet sich Threedy nun für den nächsten Schritt. Threedy will sein Engagement für die Kommerzialisierung seiner innovativen Spatial- Computing-Infrastruktur fortsetzen und die Einführung in verschiedenen Branchen und Anwendungsszenarien beschleunigen. Die Investition soll dem Start-up in die Möglichkeit geben, die Entwicklung seines Produktportfolios weiter voranzutreiben. Zu den Expansionsplänen gehört die weitere Internationalisierung, während das Unternehmen weiterhin auf Exzellenz und Innovation setzt und die digitale Transformation seiner Partner nachhaltig unterstützt. Threedy ist nun aktiv auf der Suche nach neuen Mitarbeitenden in verschiedenen Funktionen, die das Team verstärken und die Zukunft des industriellen digitalen Zwillings mitgestalten wollen.

Gründer*in der Woche: Ecoblister - Medikamentenverpackung neu gedacht

Unsere Gründer*in der Woche: Falsch eingenommene Medikamente sorgen alljährlich für unzählige Krankenhausaufenthalte und sogar Todesfälle. Die Geschwister Jan Angermann, Anett Tanger und Mona Syhre wollen das mit ihrem Start-up Ecoblister ändern.

Alljährlich sterben in Deutschland mehr Menschen durch zu viele oder falsch eingenommene Medikamente als durch Verkehrsunfälle, illegale Drogen und Suizide zusammen. Das Problem liegt auf der Hand und ist ausgiebig wissenschaftlich untersucht: Insbesondere Menschen, die viele Medikamente gleichzeitig einnehmen müssen, verlieren leicht den Überblick. Viele Pillen sehen ähnlich aus und werden auch noch in ähnlichen Verpackungen ausgeliefert.

Es gibt eine einfache und erprobte Lösung: die patient*innenindividuelle Verblisterung. Das bedeutet, dass sich insbesondere Menschen mit vielen verschiedenen Medikamenten diese individuell verpacken lassen können. Und zwar sortiert nach Tag und Uhrzeit, zu denen sie eingenommen werden müssen. Entsprechende Angebote gibt es schon seit mehr als 20 Jahren. Doch bisher fristen sie ein Nischendasein. Ein Beispiel: Von den rund sieben Millionen Menschen in Deutschland, die regelmäßige Pflege erhalten, bekommt weniger als eine Million ihre Medikamente individuell vorverpackt.

Mona Syhre hat zusammen mit ihren Geschwistern Anett Tanger und Jan Angermann das Leipziger Start-up Ecoblister gegründet, um das zu ändern. Dazu haben sie den Arznei­kalender erfunden, der sogar noch mehr bietet als individuell verblisterte Medikamente. Für ihr Produkt hat die Chemikerin Mona ein Material entwickelt, das vorher noch keine Medikamentenverpackung weltweit zu bieten hatte: Es ist kompostierbar, bietet aber dieselbe Sicherheit wie die bisher üblichen Verbundverpackungen aus Kunststoff und Aluminium.

Bei der Gründung war Mona bereits 57 Jahre alt. „Wir sagen immer, wir sind ein erwachsenes Start-up“, meint sie. Mit dem jungen Start-up-Umfeld können sich die Geschwister oft nicht identifizieren. Start-up-Veranstaltungen seien zwar eine gute Gelegenheit, um zu netzwerken und sich auszutauschen, trotzdem empfindet Mona solche Veranstaltungen häufig als oberflächlich und wenig konkret. Die Gründung im höheren Alter sei für sie aber die beste Entscheidung gewesen: „Im Gegensatz zu jungen Unternehmer*innen bringe ich viel Berufserfahrung mit und lasse mich nicht so leicht verunsichern.“

Neuseeland als Initialzündung

Das erste Mal sah Mona nach Tag und Uhrzeit vorsortierte Medikamente in einer Apotheke in Neuseeland. Das machte sie neugierig. Sie war damals in der Forschung tätig und hatte bereits eine lange Karriere hinter sich. Trotzdem wurde ihr schnell klar, dass dieses Thema ihrem Berufsleben noch einmal eine neue Richtung geben könnte.

„Schon bei der ersten Recherche stieß ich auf erschreckende Zahlen“, sagt sie. Laut einer Stellungnahme des Bundestags aus dem Jahr 2018 stecken Medikationsfehler hinter rund 250.000 Krankenhauseinweisungen jährlich alleine in Deutschland. Die Schätzungen darüber, wie viele Menschen als Folge falsch eingenommener Medikamente sogar frühzeitig sterben, gehen weit auseinander. Laut einer in der Zeitschrift MWW – Fortschritte in der Medizin veröffentlichten Schätzung liegt die Zahl derer, die in Folge sogenannter Polymedikation sterben, zwischen 15.000 und 25.000. Die Krankenkasse BARMER geht sogar von bis zu 70.000 Todesfällen aus, die sich jedes Jahr durch besseres Arzneimitteltherapie­Management verhindern ließen.

Ein Beitrag zur Umwelt und Gesundheit

Damit war die Idee von Ecoblister geboren. Da die Pharma­branche enormen Plastikmüll produziert, war für Mona von Anfang an klar, dass ihre Lösung umweltfreundlich sein sollte. Jährlich werden laut ABDA – Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände e.V. allein 42 Millionen Packungen Ibuprofen in Deutschland verkauft – so gut wie alle in Kunststoff (PVC) verpackt und mit Alufolie verschlossen. Diese Mischung ist in der Müllverwertung kaum zu trennen und damit auch nicht recyclebar. Das Ziel von Ecoblister war es, den weltweit ersten kompostierbaren Blister zu entwickeln.

Nachdem das Ziel klar war, mussten die Geschwister das Marktpotenzial herausarbeiten und professionelle Partner*innen für das Produkt finden. Dazu ließen sie zunächst zahlreiche mögliche Materialien testen: auf Kompostierbarkeit einerseits, aber auch, ob sie die strengen Verpackungsvorschriften für Medikamente erfüllen. Auch andere Unternehmen bat Mona um Hilfe, bis sie schließlich mit ihrem Produkt zufrieden war.

„Die größte Herausforderung war anschließend, Investor*innen zu finden, die an unsere Idee glauben. Gerade in Deutschland ist das für Start-ups oft schwierig, selbst wenn sie bereits ein fertiges Produkt und Produktionspartner*innen haben“, sagt Mona. Eine weitere Herausforderung war, dass viele potenzielle Investor*innen Einfluss auf das Produkt nehmen wollten, obwohl sie nicht vom Fach waren. Schließlich entschieden sich die Geschwister für einen Kredit.

Zielgruppe Senior*innen

Der Fokus des Arzneikalenders liegt vor allem auf Patient*innen mit Polymedikation, also solchen, die dauerhaft fünf oder mehr Medikamente gleichzeitig einnehmen müssen. Wer schon einmal mehr als zwei oder drei Medikamente gleichzeitig regelmäßig einnehmen musste, kennt sehr wahrscheinlich diese Fragen: Habe ich die Dosis für heute Abend schon genommen? Ist die braune Pille das richtige Präparat oder nur eine von den Vitamintabletten, die so ähnlich aussehen? Und wo ist nochmal der Zettel mit den Einnahme-Anweisungen für das neue Medikament? Häufig betrifft das Menschen über 65 Jahren. Das zeigen auch Analysen des BARMER GEK Arzneimittelreports: Innerhalb eines Quartals wurden etwa einem Drittel aller Versicherten über 65 Jahre fünf und mehr Medikamente zur täglichen Anwendung verordnet.

2023, also mehr als 20 Jahre, nachdem Verblistern zum ersten Mal in Deutschland angeboten werden durfte, kommt langsam Bewegung in den Markt: Eine erste Versandapotheke bietet sogenannte Blisterrollen als kostenlosen Service an. Mit diesem System werden die Medikamente zwar nach Einnahmezeitpunkt neu sortiert und verpackt, allerdings erhalten Patient*innen die einzelnen Blister-Abteile in einer langen Rolle, weshalb insbesondere Menschen mit einer Sehbehinderung immer noch Probleme haben dürften, diese auseinanderzuhalten. Und das Müllproblem der Branche löst dieses Angebot auch nicht.

Überzeugungsarbeit für ein sicheres Gesundheitswesen

Damit Verblisterung flächendeckend funktioniert, sind insbesondere ältere Patient*innen ohnehin oft auf ihre lokale Apotheke angewiesen. „Es ist nicht damit getan, dass wir den Ecoblister entwickelt haben“, sagt Mona. „Ich leiste auch täglich Überzeugungsarbeit – bei Apotheken, Ärzt*innen, Krankenkassen und auf Blister-Workshops, die wir regelmäßig organisieren.“ In vielen anderen Ländern, etwa in den benachbarten Niederlanden, zahlt die Krankenkasse, wenn Medikamente individuell sortiert und neu verpackt werden. Dort hat man erkannt, dass individuelle Verblisterung ein einfacher und günstiger Weg ist, die Gesundheit von Menschen zu schützen. In Deutschland übernehmen die Kassen die Kosten trotzdem nur dann, wenn ein professioneller Pflegedienst die Dienstleistung bestellt. Wer nicht im Heim wohnt und beispielsweise von Angehörigen zu Hause versorgt wird, geht leer aus.

Monas Traum ist, dass irgendwann alle Apotheken in Deutschland auf Wunsch individuell verblistern – und dass dabei möglichst wenig Müll entsteht. Dazu braucht es einerseits klare Regeln, wer dafür bezahlt. Andererseits müssten die Apotheken auch mehr Medikamente als sogenannte Schüttware bestellen können, also in großen Behältern verpackt, anstatt, wie aktuell üblich, bereits einzeln verblistert.

Der Erfolg gibt Mona und ihren Geschwistern Recht: Im vergangenen Jahr ist Ecoblister um 50 Prozent gewachsen, bereits 40 Apotheken haben die Produkte in ihr Sortiment aufgenommen. Ohne ihr in langer Berufserfahrung gewonnenes Wissen und hartnäckiges Networking wäre das nicht gelungen, sagt Mona. Ihr Tipp für jüngere Gründer*innen lautet: Nicht verunsichern lassen, keine Angst haben, nach Hilfe zu fragen und immer hartnäckig bleiben. „Ich kann gar nicht zählen, wie viele Menschen mir von der Gründung abgeraten haben. Ich habe einfach weitergemacht – und es funktioniert.“

Hier geht’s zu Ecoblister

Das sind die nervigsten Floskeln in Stellenanzeigen

Eine aktuelle Studie deckt auf: Von "Work hard, play hard" bis "Obstkorb": Mit diesen Floskeln vergraulst du deine Bewerber*innen schneller als gedacht.

In einer Umfrage hat die Lernplattform Preply den Sprachgebrauch in deutschen Stellenanzeigen näher unter die Lupe genommen und zeigt, worauf du bei deiner nächsten Stellenausschreibung achten solltest.

Diese Floskeln in Stellenanzeigen finden Deutsche am nervigsten:

1. „Work hard, play hard“ ist die nervigste Floskel in Stellenanzeigen

„Play hard“ oder doch „work hardest“? Laut Umfrage klingeln bei den meisten Bewerber*innen da die Alarmglocken. In allen Altersgruppen, außer bei den über 55-Jährigen, ist man sich einig, dass diese Floskel besser nicht in Stellenanzeigen vorkommen sollte. Die Umfrage zeigt, dass 32 % der Teilnehmenden den Ausdruck als überstrapaziert empfinden oder sie ihn nicht gerne in einer Stellenanzeige lesen. Besonders bei der Altersgruppe der 45- bis 54-Jährigen kommt der Ausdruck schlecht an: Stolze 48 % finden den Begriff störend.

2. Der Begriff „Alleskönner“ ist das zweitgrößte Reizwort in Stellenanzeigen

In Stellenanzeigen beliebt, bei Bewerber*innen eher weniger: der Alleskönner. Multitalente, die in Unternehmen unterschiedlich eingesetzt werden können und über ein breites Wissen verfügen. Laut Umfrage empfinden den Begriff 26 % als störend. Bei den weiblichen Studienteilnehmenden liegt der Prozentsatz sogar bei über 30 % im Vergleich zu 18 % bei den männlichen Altersgruppen.

3. „Jenseits der 9-5-Mentalität“ steht an dritter Stelle der nervigsten Begriffe und Ausdrücke in Stellenanzeigen

Insbesondere in der Medien- und Modebranche ist der Begriff oft anzutreffen. Was sich auf den ersten Blick nach mehr Flexibilität anhört, kann sich im Arbeitsalltag allerdings schnell in regelmäßigen Überstunden und Wochenendarbeit widerspiegeln. Laut Umfrage empfindet ein Viertel der Studienteilnehmer (25 %) den Begriff als negativ, bei den 45- bis 54-Jährigen sind es sogar 35 %.

Und zu guter Letzt: der gute alte Obstkorb. Ein „Benefit“, das eigentlich keins sein sollte. Wieso sich der Obstkorb immer noch nicht aus Stellenanzeigen verschwinden lässt, ist auch uns unklar. Auch 14 % unserer Studienteilnehmer können mit Früchten in Jobinseraten wenig anfangen.

Inwiefern beeinflusst die Wortwahl in Stellenanzeigen die Wahrnehmung der Stelle sowie des Unternehmens?

Gut gewählte Worte, die den Kern des Jobangebots treffen, haben die Macht, potenzielle Bewerber*innen für eine bestimmte Stelle und das Unternehmen zu begeistern. Um den Zusammenhang zwischen der Wortwahl in Stellenanzeigen und der daraus resultierenden Wahrnehmung besser zu verstehen – sowohl in Bezug auf die Art der Stelle als auch auf das Image des Unternehmens – haben wir mit mehr als tausend deutschen Büroangestellten eine Befragung durchgeführt. Preply hat nachgefragt, ob sie der Ansicht sind, dass die Verwendung von Floskeln in Stellenanzeigen einen negativen Einfluss auf ihre Wahrnehmung eines Unternehmens oder einer Stelle haben könnte. Eine überwältigende Mehrheit (66 %) der Befragten gab an, dass sich nervige Floskeln negativ auswirken können. Interessant: Die vorliegende Analyse zeigt jedoch, dass die Auswirkungen der Wortwahl bei den 35- bis 44-Jährigen weniger signifikant zu sein scheinen. Im Gegensatz dazu scheint sich vor allem die jüngere Generation an Floskeln zu stören: 71 % der 16- bis 24-Jährigen geben an, dass diese Wortwahlen einen negativen Einfluss haben können.

„Rote Fahnen“ in Stellenanzeigen, auf die du achten solltest

  • „Wir sind eine Familie“ – die Grenzen zwischen Privat- und Arbeitsleben können fließend sein, eine klare Trennung eventuell nicht möglich.
  • „Muss multitaskingfähig sein“ – dies kann eine erhöhte Belastung im Arbeitsalltag bedeutet.
  • „Bewahrt auch unter Zeitdruck einen kühlen Kopf“ – das kann auf einen stressigen Berufsalltag hindeuten.
  • „Bereitschaft, auch außerhalb der Bürozeiten zu arbeiten“ – kann auf eine schlechte Work-/Life-Balance hindeuten.
  • „Juniorposition – 5 Jahre Berufserfahrung zwingend“ – solche Jobangebote stellen unrealistische Erwartungen an ihre Bewerber*innen, die nicht dem Standard entsprechen.

Wie schreibt man also eine barrierefreie Stellenanzeige?

Eine gute Stellenanzeige ist informativ und überzeugend. Vermeide vage Formulierungen und übermäßigen Fachjargon. Sei klar und stelle sicher, dass die Unternehmenskultur im Text subtil widergespiegelt wird. Dies gilt sowohl bei formellen Unternehmen als auch informellen, wie zum Beispiel Start-ups. Denke dabei an dein Zielpublikum: Wen willst du mit der Stellenausschreibung erreichen und für dein Unternehmen begeistern? Diese Message sollte sich bereits in den ersten paar Zeilen des Inserats herauskristallisieren. Trau dich auch, aus der Masse herauszustechen, anstatt einen Standardtext mit leeren Floskeln zu wählen.

Sei allerdings bedacht bei der Verwendung von zu vielen englischen Begriffen in Stellenanzeigen. Frühere Untersuchungen zu Anglizismen am Arbeitsplatz haben gezeigt, dass die übermäßige Verwendung englischer Begriffe nicht bei jedermann Anklang findet. Achte auch auf sogenannte rote Fahnen, wie beispielsweise unrealistische Anforderungsprofile oder leere Floskeln. Vergiss schließlich nicht, nebst den Anforderungen auch die (Aufstiegs-)Möglichkeiten und Vorteile aufzuzeigen. Dabei ist es wichtig, in puncto Gehalt und Entwicklungsmöglichkeiten mit vollständiger Transparenz zu glänzen. Dies wird von Bewerber*innen sehr geschätzt, denn schließlich sollte bei einem Vorstellungsgespräch das gegenseitige Kennenlernen im Fokus stehen.

Dabei kann es eine Herausforderung darstellen, Stellenbeschreibungen inklusiver zu gestalten. Achte daher auf die Verwendung geschlechtersensibler Sprache und stelle sicher, dass die Stellenausschreibung durch die Verwendung klarer Schriftarten, Farben und Formatierungen verständlich ist.

Verwende eine Sprache, die für eine Vielzahl von Menschen unabhängig von ihrer Muttersprache leicht verständlich ist. Berücksichtige kulturelle Unterschiede, die die Interpretation bestimmter Wörter oder Ausdrücke beeinflussen können. Und schließlich ist es ratsam, Fähigkeiten und Qualifikationen hervorzuheben, anstatt sich nur auf bestimmte Jobtitel oder Abschlüsse zu konzentrieren.“

Schlussfolgerung

Kurz gefasst: Der Sprachgebrauch in deutschen Stellenanzeigen hat definitiv großes Potenzial nach oben. Verabschieden wir uns endlich von abgedroschenen Ausdrücken wie „jenseits der 9-5 Mentalität“ oder „Alleskönner“. Stattdessen sollten wir klare Stellenanzeigen ohne unnötigen Fachjargon anstreben, die für jeden verständlich sind, unabhängig von Alter, Herkunft oder Muttersprache.

FRAMEN: MediaTech-Scale-up sichert sich zweistelliges Mio. Investment

Das 2018 von Magdalena Pusch, Dimitri Gärtner, Alexander Gärtner und Sveatoslav Podobinschi gegründete FRAMEN ermöglicht die Ausspielung von Content auf allen handelsüblichen Screens im kommerziell genutzten Raum. So sollen Werbetreibende und Standortbetreiber leichter zueinander finden und passende Inhalte mit ihren Zielgruppen teilen.

FRAMEN gibt bekannt, dass die neueste Investitionsrunde erfolgreich abgeschlossen wurde. Axel Springer investiert weiter in die strategische Expansion von FRAMEN. Die frischen Mittel werden dazu verwendet, die Produktentwicklung zu intensivieren, die europäische Expansion zu beschleunigen und FRAMENs Ziel zu festigen, weiterhin an vorderster Front in der DOOH & CTV Branche mitzuspielen.

Hier gibt’s unsere StartingUp-Gründerstory über FRAMEN zum Nachlesen

Die internationale Relevanz von FRAMEN wurde erst kürzlich durch den internationalen Werbeverband IAB ausgezeichnet, der FRAMEN als einziges deutsches Unternehmen zu den Leading Playern in der MENA-Region (Mittlerer Osten und Nordafrika) zählt. Die Expansionen in Großbritannien und Frankreich sind mit eigenen Tochtergesellschaften bereits erfolgreich etabliert. FRAMEN setzt mit dem eigenen Inventar in über 24 Ländern und einer Reichweite von 200 Millionen Menschen auf eine taktische Expansion. Der Fokus liegt auf Ländern, in denen bereits Umsätze ohne lokal ansässige Teams erzielt wurden und in denen Partnerschaft-Inventare von Hotelketten und Coworking-Screen-Anbietern vorhanden sind.

Die Partnerschaft mit Axel Springer und der Zugang zu AI-Plattformen wie OpenAI sollen die Vision von FRAMEN stärken, Vorreiter und innovativer Player in der Branche zu sein. Das Unternehmen positioniert sich, um ein umfassendes Image- und Video-Studio für Content Management und Ads sowie ein geplantes Creator-Programm zu etablieren, um sowohl DOOH-, CTV- als auch Social Budgets zu bedienen.

„Wir schätzen die anhaltende Partnerschaft mit Axel Springer sehr und freuen uns über das Vertrauen, das sie nach wie vor in die Zukunft von FRAMEN setzen. Frankreich und Großbritannien haben sich erfolgreich etabliert auch deshalb, weil wir auf vielen Ebenen die Unterstützung aus dem Konzern haben“, sagt Dimitri Gärtner, CEO und Mitgründer von FRAMEN.

Chatbot-Pionier Kauz schließt 2,3 Mio. Euro Finanzierungsrunde ab

Das 2016 von Dr. Thomas Rüdel gegründete Chatbot-Unternehmen Kauz GmbH erhält für den weiteren Ausbau seiner generativen KI-Plattform 2,3 Mio. Euro vom Investorennetzwerk Companisto.

Kauz kombiniert führende Large Language Modelle mit der selbst entwickelten NLU-Technologie und ermöglicht damit einen kontrollierbaren KI-Einsatz in Unternehmen.

2.3 Millionen über den Angel Club und Privatinvestoren

Kauz ging bereits im März 2023 als erster Chatbot-Anbieter im DACH-Raum mit einer ChatGPT-Integration auf den Markt. Parallel dazu wurde der Ausbau zu einer Self-Service Plattform für KI-Assistenten forciert, die durch zusätzliche finanzielle Mittel beschleunigt werden soll. Dabei wurde ganz bewusst auf das Privatinvestorennetzwerk von Companisto gesetzt, um den bisher erfolgreichen Expertenansatz in der Technologieentwicklung auch in den kommenden Jahren unabhängig fortsetzen zu können. Innerhalb weniger Wochen wurden über den Angel Club, Bestandsinvestoren einschließlich einer Wandelanleihe des Gründers sowie über Mikroinvestments von Privatinvestoren 2,3 Millionen Euro zugesagt. “Die rasche und unkomplizierte Durchführung der Finanzierungsrunde bestätigt das bereits jetzt greifbare Potenzial unseres Technologie- und Marktansatzes”, zeigt sich der Gründer und CEO von Kauz Dr. Thomas Rüdel erfreut.

Kauz aiStudio: Self-Service Plattform für KI-Assistenten

Die Finanzierung wird in den weiteren Ausbau des Kauz aiStudios investiert, das Unternehmen jeder Größe den Einsatz von Website-Chatbots und KI-Assistenten für interne Bedarfe ermöglicht. Die Mission von Kauz besteht in der Sicherstellung der Kontrollierbarkeit von KI-Lösungen. Diesem Ziel dient auch die Einführung sogenannter “privater Modelle”, mit denen Kauz den Trend zu Open- Source-Modellen, die kundenindividuell anpassbar und bei Bedarf auch on-premise einsetzbar sind, unterstützt.

“Historisch sind wir mit 180 Chatbot-Anwendungen überwiegend im Mittelstands-Segment angesiedelt. Durch die Nutzbarkeit von generativer KI können wir mit dem Kauz aiStudio unsere Lösung nun noch besser skalieren und damit auch die Digitalisierung im Mittelstand beschleunigen und sogar neue Kundensegmente wie zum Beispiel Handwerksbetriebe erschließen", bestätigt Dr. Rüdel weiters eine neue Marktfacette.

Planet A Foods: 15,4 Mio. Dollar-Investment für die weltweit erste kakaofreie Schokolade

Das Münchner B2B-FoodTech-Start-up wurde 2021 von den Zwillingen Dr. Sara und Dr. Max Marquart gegründet und investiert das Geld die internationale Expansion seiner kakaofreien Schokolade ChoViva.

Planet A Foods, ein Start-up für nachhaltige Lebensmittel-Zutaten, hat in einer neuen Series-A-Finanzierungsrunde 15,4 Millionen US-Dollar frisches Kapital eingesammelt. Das B2B-Food-Start-up will das Geld dazu nutzen, die Produktion der Kakaoalternative ChoViva zu skalieren, die Kosten zu senken und in weitere Märkte zu expandieren. Die Finanzierungsrunde wurde bereits 2023 abgeschlossen.

„In Zukunft wird Schokolade teurer werden als Kaviar, wenn wir nichts dagegen unternehmen. Wir arbeiten jeden Tag daran, mit ChoViva Teil der Lösung zu sein. Mit dem Produkt bauen wir eine Alternative zu Schokolade auf und entlasten so die Kakaolieferkette“, sagt Mitgründer und CEO Dr. Max Marquart. Die Series-A-Finanzierungsrunde wird vom Climate-Tech-Wagniskapitalgeber World Fund mit Sitz in Berlin angeführt. Omnes Capital, Cherry Ventures, Mudcake, Nucleus Capital und TriplePoint Capital sowie weitere beteiligten sich ebenfalls.

„Dass diese Series-A-Finanzierungsrunde trotz eines allgemeinen Rückgangs der Investitionen in der Lebensmittelbranche überzeichnet war, steht für den Erfolg von Planet A Foods”, sagt Daria Saharova, Managing Partner des World Funds.

Müslimarke Kölln setzt bereits auf ChoViva

Planet A Foods ist mittlerweile unter anaderem bei REWE in einer Reihe namhafter Produkte zu finden, darunter von Müslihersteller Peter Kölln und Kekshersteller Griesson - de Beukelaer. Lufthansa bietet den Business-Class-Gästen die ChoViva-Tafeln an. Das Startup hat darüber hinaus kürzlich ein Produkt zusammen mit der Schokoladenmarke Lindt eingeführt. „Innerhalb von drei Jahren hat Planet A Foods aus einem Proof-of-Concept ein industrietaugliches Produkt gemacht, das heute in den Regalen steht, und Partnerschaften

mit großen globalen Lebensmittelunternehmen geschlossen“, so World-Fund-Partnerin Saharova.

Das Team von Planet A Foods hat bereits einen Teil der Finanzierung für den Ausbau der Produktion in seinem Werk in Pilsen (Tschechien) verwendet. Inzwischen kann das Unternehmen 750 Kilogramm ChoViva pro Stunde in einer hocheffizienten Produktionsumgebung herstellen. Der Prozess ist nach IFS zertifiziert, einem international anerkannten Standard für Lebensmittelsicherheit.

Planet A Foods hat eine Reihe von Produkteinführungen für 2024 geplant, und die Gründer*innen planen die Besetzung wichtiger neuer Positionen in ihrem über 40-köpfigen Team in Deutschland. Die gesammelten Mittel werden außerdem für die weitere Optimierung der Technologieplattformund für die Markteinführung in Großbritannien in diesem Jahr verwendet. Die Geschwister befinden sich darüber hinaus in Gesprächen mit strategischen Vertriebspartnern in anderen europäischen Märkten, Asien und in den USA. „Die Series A hat die Weiterentwicklung unserer Technologieplattform beschleunigt und ermöglicht uns, hochkarätige Expert*innen in den Bereichen Lipide, Schokolade und Synbio einzustellen,“ sagt Dr. Sara Marquart.

ChoViva: umweltfreundliche Kakaoalternative

Im Fermentationsprozess des Unternehmens werden lokal bezogene Zutaten – darunter Hafer und Sonnenblumenkerne – mithilfe firmeneigener Technologien in ChoViva verwandelt: ein Produkt mit zartschmelzender Textur und Schokoladengeschmack. „Mithilfe der Finanzierung haben wir nicht nur unser Produktportfolio erweitert, sondern auch Geschmack und Textur verbessert und unsere führende Position im Bereich alternativer Kakao- und Schokoladenprodukte gefestigt“, sagt Dr. Sara Marquart, CTO und Mitgründerin von Planet A Foods. ChoViva kann in Kombination mit herkömmlicher Schokolade oder als vollwertiger Ersatz verwendet werden. Es enthält bis zu 30 Prozent weniger Zucker und hat dank lokaler Zutaten und kurzer Lieferketten einen deutlich geringen CO2-Fußabdruck.

Das Unternehmen geht von einem riesigen Markt für das umweltfreundliche Produkt aus, da im Vergleich zu Kakao auch die Kosten attraktiv sind. Die Schokoladenpreise haben angesichts der Ernteausfälle infolge der Klimakrise derzeit ein 45-Jahres-Hoch erreicht.

Marktforscher erwarten, dass die aktuell 254 Milliarden US-Dollar schwere Schokoladenindustrie zwischen 2024 und 2028 jährlich um mehr als 5,6 Prozent wachsen wird.

Am Anfang stand ein Thermomix

Max Marquart, studierter Materialwissenschaftler und zweifacher Start-up-Gründer, wurde zur Idee für das Unternehmen inspiriert, nachdem er ein Buch von Rob Dunn mit dem Titel „Never out of Season“ gelesen hatte, in dem die zunehmend gefährdete Situation der globalen Monokultur-Lebensmittelproduktion beschrieben wird. „Mein Gedanke: Wollen wir wirklich eine Welt ohne Schokolade?'”, sagt er. Die Schwester des Unternehmers, Sara Marquart, ist Lebensmittelchemikerin und Expertin für Biotechnologie mit Spezialisierung auf Aromaherstellung. Sie arbeitete zuvor als Leiterin der Abteilung für Aromen an der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften und verfügte daher über die Expertise, um ein kakaofreies Produkt zu entwickeln, das wie Schokolade schmeckt.

„Nach Hunderten von Versuchen hatten wir unseren ersten essbaren Prototyp. Als wir dann bei Y Combinator angenommen wurden, ging es Schlag auf Schlag“, sagt Sara. „Danach wurden wir als die Chocolate Siblings bekannt und unsere Produkte wurden inzwischen auf der ganzen Welt verkostet, von Mexiko bis nach Japan.“

Rabot Charge: Öko-Strom-Start-up sammelt 17,5 Mio. Euro in Series A Runde ein

Rabot Charge ist ein 2021 in Hamburg gegründeter digitaler Öko-Stromversorger, der seine Kund*innen dank flexibler Stromtarife von Marktpreisschwankungen profitieren lässt.

Die Finanzierung soll das Wachstum des 2021 von Jan Rabe und Maximilian Both gegründeten Hamburger Unternehmens Rabot Charge beschleunigen, die Entwicklung von KI-basierten Algorithmen für den Stromeinkauf an kurzfristigen Märkten vorantreiben und weitere Produktinnovationen ermöglichen.

Angeführt wird die Runde von einem der führenden Wachstumsinvestor in Europa, HV Capital. Beteiligt haben sich zudem All Iron und 9900 Capital sowie bestehende Investoren, wie yabeo Impact, HTGF und vent.io, die damit ihr Vertrauen in das Team von Rabot Charge bekräftigen. Seit der Gründung im Jahr 2021 hat Rabot Charge insgesamt 25 Millionen Euro Kapital eingesammelt.

Rabot Charge bietet deutschlandweit dynamische Stromtarife für Haushalte an – und das auch ohne die Notwendigkeit eines Smart Meters. Kund*innen profitieren nicht nur von günstigen Strompreisen, sondern können auch den Energieverbrauch mit einer intelligenten App optimieren. Mit der KI-basierten Lösung für Stromnutzung und Einkauf treibt Rabot Charge die Digitalisierung im Energiesektor wesentlich voran. Zudem bietet das Unternehmen White-Label-Lösungen für Energieversorger, Smart-Asset-Anbieter, Installationsbetriebe und andere Unternehmen mit Endkundenzugang. Sie können auf die bestehende Software und Infrastruktur zugreifen, um ihren Kunden dynamische Stromtarife unter eigenem Label anzubieten. Aktuell beschäftigt Rabot Charge rund 60 Mitarbeiter an den Standorten Berlin, Hamburg und München.

Jan Rabe, CEO von Rabot Charge: „Dynamische Stromtarife haben sich in Ländern wie Schweden oder Norwegen bereits durchgesetzt. Deutschland belegt im europäischen Vergleich die hinteren Plätze. Im Rahmen der Energiewende sind solche Tarife unverzichtbar. Sie ermöglichen, den Stromverbrauch nach preislichen und ökologischen Aspekten zu steuern. Mit Rabot Charge wollen wir die Probleme im Strommarkt lösen und unsere Vision von fairen Strompreisen und smarter Energienutzung vorantreiben.“

Innerhalb eines Jahres hat Rabot Charge nach eigenen Angaben über 35.000 Kund*innen in ganz Deutschland gewonnen. Besonders profitieren Haushalte mit Elektroautos und Wärmepumpen. Diese können auch auf Rabot Charge-App zurückgreifen. Die App informiert Nutzer*innen, wann Strom am günstigsten ist, und hilft ihnen, den Verbrauch entsprechend zu planen. Wer die App mit seinem Elektrofahrzeug koppelt, kann Ladevorgänge automatisiert starten. Einen Teil des eingesammelten Kapitals wird Rabot Charge nutzen, um eben dieses Prinzip für weitere große Energieverbraucher*innen im Haushalt und Industrie auszubauen.

Dank seines KI-basierten Algorithmus kauft Rabot Charge Strom zu günstigen Preisen auf kurzfristigen Märkten ein, darunter der Day-Ahead- und Intraday-Markt. Die auf diese Weise erzielten Einsparungen gibt das Unternehmen an seine Kund*innen weiter. Mit dieser innovativen Methode können Verbraucher*innwn ihre Stromrechnungen um mehrere hundert Euro im Jahr reduzieren und gleichzeitig ihren Grünstromanteil erhöhen.

David Kuczek, General Partner HV Capital: „Rabot Charge ist ein wichtiger Akteur in der Energiewende. Das Team hilft Verbrauchern dabei, leichter auf erneuerbare Energien ohne zusätzliche Kosten umzusteigen. Das Modell setzt auf das Stromangebot aus erneuerbaren Quellen und hilft Haushalten viel Geld zu sparen – allein in Deutschland könnten die 40 Millionen Haushalte ihre Stromausgaben um mehrere Milliarden Euro reduzieren."

COLIPI: Hamburger DeepTech-Start-up schließt 1,8 Mio. Euro Seed-Finanzierung ab

Das 2022 von Philipp Arbter, Tyll Utesch, Jonas Heuer und Maximilian Webers gegründete Start-up COLIPI entwickelt ein industriell-biotechnologisches Verfahren, welches klimaschädliches CO2 und kohlenstoffhaltige Industrieabfälle in Climate Oil umwandelt.

COLIPI: die "Brauerei für Öle"

Das 2022 gegründete Start-up, eine Ausgründung der Technischen Universität Hamburg, unterstützt durch das EXIST Forschungstransfer Programm (Bundesministerium für Wirtschaft und Klimaschutz) und das InnoRampUp Programm (IFB Innovationsstarter GmbH), revolutioniert die Art der Ölherstellung. COLIPI ist gewissermaßen eine Brauerei für Öle. Kohlenstoff wird aus der Luft gewonnen bzw. gefiltert statt aus dem Erdreich gepumpt. CO2-haltige Industrieabgase und organische Nebenströme, z.B. aus der Agrarindustrie, werden durch Mikroorganismen via Fermentationen in wertvolle Biomaterialien wie Climate Oil umgewandelt. Das Verfahren ist, gemessen am CO2-Fußabdruck und der Auswirkung auf die Artenvielfalt, nachhaltiger als Erdöl oder Palmöl. Es wird durch einen patentierten Bioprozess, eine Kombination aus einem speziell entwickelten Gas-Fermentationsbioreaktor und den weltweit schnellsten CO2-konsumierenden Bakterien, ermöglicht.

Industriepartner, die Produkte wie zum Beispiel Kosmetika auf Basis von Climate Oil anbieten, werden den Corporate CO2-Footprint deutlich reduzieren können. Die Gründer Philipp Arbeiter, Tyll Utesch, Jonas Heuer und Maximilian Webers streben an, ab 2039 jährlich viele Millionen Tonnen Climate Oil pro Jahr zu produzieren und ein Vielfaches dessen an CO2 zu vermeiden. Das wird ein aktiver Beitrag zum Klimaschutz und damit zum Schutz der Menschheit.

Team vergrößern, Markt testen, Technik skalieren

Die nun abgeschlossene Seed-Finanzierung ist ein weiterer Meilenstein für das junge Unternehmen. Das Kapital wird genutzt, um das Team zu vergrößern, den Markt zusammen mit von Partnern hergestellten Produkten zu testen und die Technik zu skalieren.

Zu den Investor*innen gehören der High-Tech Gründerfonds (HTGF), der Innovationsstarter Fonds Hamburg (IFH), Nidobirds Ventures GmbH und Stefan De Loecker. Mit dem Investment kommt COLIPI ihrer Vision “Fermenting Renewable Carbon For Generational Life Quality” ein großes Stück näher.

“Wir glauben fest daran, dass unser Gas-Fermentations-Prozess ein Meilenstein für Bioprozesse darstellt, mit dem riesigen Potential, Biomaterialien wie Öle massenhaft zu günstigen Preisen und ohne umweltschädliche Einflüsse zu produzieren. Climate Oil soll eine klimaneutrale Alternative zu Palm- und Erdöl werden, die der Industrie hilft, Klimaziele leichter zu erreichen durch Reduktion von GHG Scope 3 und die Umwelt zu schützen. Mit Stefan De Loecker, HTGF, Innovationsstarter Fonds Hamburg und Nidobirds stehen wir zum Teil seit 2021 in regelmäßigen Austausch und freuen uns in ihnen die perfekten Partnerinnen für unsere nächsten Schritte gefunden zu haben”, kommentiert Maximilian Webers, Co-Founder & CEO von COLIPI.

Dr. Nik Raupp, Senior Investment Manager beim HTGF: „Die COLIPI-Gründer sind mit ihrer hohen technischen Kompetenz in der Biotechnologie und ihren wirklich innovativen Ansätzen zur nachhaltigen Lösung einer großen Herausforderung ein Paradebeispiel für das Potenzial der Bioökonomie.”

Dörte Bunge, Principal beim Innovationsstarter Fonds: „Ich freue mich auf die zukünftige Zusammenarbeit mit dem Team der COLIPI GmbH. Diese Technologie hat das Potenzial, ein Massenprodukt zu einem akzeptablen Preis zu ersetzen und kann damit einen wirklichen Impact erreichen.”

Prof. Dr.-Ing. Andreas Timm-Giel, Präsident TU Hamburg: „Technologietransfer aus Universitäten erfolgt neben direkten Industriekooperationen, Veröffentlichungen, Patenten und Absolventen auch über Start-ups. Technologische Lösungen, wie von COLIPI entwickelt, werden benötigt, um den Klimawandel abzumildern. Wir freuen uns, dass wir als Gründerhochschule mit unserem Startup Port @ TUHH eine Reihe von erfolgreichen Startups in Green Technologies zur Gründung führen konnten. COLIPI gratulieren wir ganz herzlich zu dieser weiteren Förderung und begleiten sie gerne auf ihrem weiteren Weg!”

Stefan De Loecker: „Die Innovation von COLIPI kann einen wesentlichen Beitrag zum Schutz des Klimas liefern, insbesondere weil auch die Wirtschaftlichkeit der Technologie attraktiv ist. Dieses Thema liegt mir seit Jahren sehr am Herzen und die Begeisterung des COLIPI Teams ist ansteckend.”

Nicholas Keuper, Geschäftsführer Nidobirds Ventures: “COLIPI passt strategisch genau zu unserer Value Investing-Philosophie. Für uns steht die Qualität des Gründerteams immer an erster Stelle, und dieses Team hat uns überzeugt.”

Europäischer Datenschutztag 2024 - so what?

Europäischer Datenschutztag: Privatsphäre liegt (leider) immer noch in der Hand der User*innen – eine Einschätzung dazu samt wertvollen Datenschutz-Tipps vom frz. Unternehmer und Open-Source-Softwareentwickler Gaël Duval.

Es ist mal wieder soweit: Am 28. Januar 2024 feiert die EU den auf eine Initiative des Europarates zurückgehenden Europäischen Datenschutztag – und Hand aufs Herz: Würdest du davon wissen, wenn du nicht zufällig diesen Artikel geöffnet hättest? Nein? Keine Sorge, damit bist du nicht alleine. Datenschutz ist ein bisschen wie gesundheitliche Prävention: “unsexy” und erst dann relevant, wenn es plötzlich ein Problem gibt.

Es ist dann doch meistens der Gesetzgeber, der dafür sorgt, dass das Thema auf die Agenda rückt und zu echten Veränderungen führt. Regulatorische Meilensteine wie 2020 die DSGVO (Datenschutz-Grundverordnung) oder zuletzt der AI Act demonstrieren, dass es durchaus einen Unterschied macht, in welchem Rechtsraum man lebt und arbeitet. Viele Jahre als Bremser von Innovation gesehen, sprechen auch unabhängige Beobachter mittlerweile mit Respekt vom europäischen “dritten Weg” zwischen Silicon-Valley-Sorglosigkeit und chinesischen Datenautoritarismus. Datenschutz ist mittlerweile kein Nachteil mehr im globalen Wettbewerb.

Reformen wie die DSGVO haben zweifellos Fortschritte im Datenschutz bewirkt. Dennoch reichen gesetzliche Vorschriften allein nicht aus, um die umfassende Sicherheit unserer persönlichen Informationen zu gewährleisten. Unternehmen verfügen nach wie vor über vielfältige Möglichkeiten, Daten in großem Umfang zu sammeln – teilweise unterstützt durch fehlende Awareness auf Verbraucher*innenseite.

Datensammlung als lukratives Geschäft

Konzerne nutzen weiterhin geschickt Gesetzeslücken und unklare Formulierungen, um private Informationen zu sammeln und zu vermarkten und sorgen nur für mehr Verbraucherschutz, wenn es sich juristisch nicht mehr vermeiden lässt. Ein gutes Beispiel dafür ist das Agieren von Microsoft bei der Speicherung von Metadaten jenseits des Atlantiks. Zugeständnisse bei der Wahl des Serverstandortes erfolgen höchstens schrittweise und bis heute gibt es genaugenommen keinen hundertprozentig einwandfreien Weg, Microsofts Cloud-Dienste datenschutzkonform zu nutzen, wie die Datenschutzkonferenz (DSK) zuletzt im Herbst 2022 feststellte. Darüber hinaus ist auch ganz grundsätzlich damit zu rechnen, dass beim transatlantischen Datenaustausch auch mit dem Data Privacy Framework noch nicht das letzte Wort gesprochen ist – Stichwort Schrems 3. Nach wie vor dominieren also Unsicherheit und Verwirrung in der Privacy-Debatte.

Die Verbraucher*innen sind sich auch heute oft nicht bewusst, wie umfangreich ihre Daten genutzt werden und welchen Wert diese Daten für Unternehmen darstellen. Der Datenschutztag soll genau daran erinnern: Wir dürfen uns als User*innen nicht allein auf gesetzliche Regelungen verlassen, sondern müssen selbst aktiv werden.

Die unsichtbaren Dimensionen des Smartphone-Datenschutzes

Unsere Smartphones, tägliche Begleiter in unserem Leben, bergen das wohl größte Risiko für unsere Privatsphäre. Neben offensichtlichen Anwendungen gibt es subtile Mechanismen, die von Dritten genutzt werden, um persönliche Daten abzusaugen. Es ist schon auch ein bisschen paradox, dass User*innen, die am PC völlig selbstverständlich auf Tracker achten und einen Adblocker installiert haben, sich am Smartphone oft genug auf die Default-Einstellungen verlassen. Dadurch entstehen vor allem am Handy Risiken, die von In-App-Tracking bis zur Auswertung von IP-Adressen und genauen Standortinformationen reichen.

Die folgenden Punkte fassen die wichtigsten Stellschrauben zusammen, um sich gegen Überwachung am Handy zu wehren:

1. Verhinderung von In-App-Tracking

In-App-Tracking meint die unerkannte Überwachung unserer Aktivitäten durch Drittanbieter-Apps. Diese versteckte Datensammlung erstreckt sich über verschiedene Anwendungen und erstellt ein umfassendes Profil unserer digitalen Gewohnheiten. Ohne wirksame Gegenmaßnahmen kann dies Schritt für Schritt zu einem Verlust unserer Privatsphäre führen, indem persönliche Vorlieben, Interessen und Gewohnheiten ohne Zustimmung offenbart werden.

Lösung: Um dieser Problematik zu begegnen, müssen Verbraucher*innen proaktiv Datenschutzoptionen in den Einstellungen von Apps nutzen. Das ist trotz gewisser Zugeständnisse der Smartphone-Hersteller aber noch immer eine komplizierte Angelegenheit. Die genauen Schritte beschreibt zum Beispiel die Verbraucherzentrale auf dieser Website. Zusätzlich können spezialisierte Anti-Tracking-Apps installiert werden, die alle installierten Apps untersuchen und an zentraler Stelle aufschlüsseln, welche Daten erhoben werden. Auch "Do Not Track"-Optionen in den Browsern sollten aktiviert werden. Ein gutes Beispiel ist die im Open-Source-Betriebssystem /e/OS vorinstallierte App “Advanced Privacy”, die einen vollumfänglichen Überblick über alle Datenschutzrisiken auf dem Handy bietet, inklusive zahlreicher Optionen, diese Risiken zu unterbinden.

2. Verstecken der IP-Adresse

Unsere IP-Adresse dient als digitaler Fingerabdruck, der von verschiedenen Plattformen zur Identifikation und Verfolgung verwendet wird. Ohne angemessene Schutzmaßnahmen können wir in ein Netzwerk von Datensammlung und -analyse verstrickt werden, was zu einer erheblichen Beeinträchtigung der Privatsphäre führen kann.

Lösung: Die Nutzung von Virtual Private Networks (VPNs) bietet eine wirksame Lösung, indem sie die IP-Adresse verschleiern. Im eigenen WLAN können der Einsatz von Proxy-Servern und das regelmäßige Zurücksetzen der IP-Adresse durch Neustart des Routers dazu beitragen, die digitale Identität zu schützen.

3. Verschleierung des Standortes

Die genaue Kenntnis unseres Standortes durch Apps kann schwerwiegende Auswirkungen auf die Privatsphäre haben. Der ständige Zugriff auf Standortinformationen kann nicht nur zu gezielten Werbekampagnen führen, sondern auch Sicherheitsrisiken mit sich bringen.

Lösung: Um dem entgegenzuwirken, sollten Verbraucher*innen Standortdienste für nicht unbedingt erforderliche Apps deaktivieren. Der Einsatz von Standortverschleierungs-Apps und die regelmäßige Überprüfung sowie Anpassung der App-Berechtigungen sind entscheidend.

4. Hintergrundaktivitäten kontrollieren

Hintergrundaktivitäten von Apps führen zu unbemerkten Datenlecks, deren Auswirkungen oft erst im Nachhinein sichtbar werden. Diese unbewusste Preisgabe persönlicher Daten kann von gezielten Werbekampagnen bis zu ernsthaften Sicherheitsrisiken reichen. Das Monitoring, die Steuerung und vor allem die Begrenzung dieser Hintergrundaktivität ist aber mitunter eine heikle Angelegenheit. Bei vielen Apps, zum Beispiel bei E-Mail-Anwendungen, ist diese Aktivität nämlich explizit gewünscht und Voraussetzung dafür, dass das Handy als wirklich smartes Smartphone funktioniert.

Lösung: Verbraucher*innen können einer exzessiven Absaugung ihrer Daten vorbeugen, wenn sie regelmäßig die App-Berechtigungen aller Apps überprüfen und anpassen. Dabei sollte eine Unterbindung der Nutzung von Hintergrunddaten nur vorgenommen werden, wenn sie für das Funktionieren der App nicht relevant sind. Bei vielen Apps beantwortet sich die Frage relativ schnell. Eine Video-Streaming-App wie Netflix braucht beispielsweise keine Hintergrunddaten. Hintergrunddaten können unter Einstellungen -> Apps & Benachrichtigungen -> App auswählen -> Mobile Daten und WLAN durch Entfernung des Hakens bei der Option “Hintergrunddaten” deaktiviert werden. Die Apps übermitteln und empfangen dann nur noch Daten, wenn sie aktiv geöffnet sind.

Fazit: Besser selbst drum kümmern

Effektiver Schutz erfordert nicht nur Vertrauen in Gesetze, sondern auch aktives Handeln seitens der Verbraucher*innen – denn die Sicherheit eigener Daten wird nicht allein durch  technologische Maßnahmen gewährleistet. Sich hinsichtlich Datenschutz zu informieren und zu sensibilisieren gehört ebenso dazu wie das regelmäßige Überprüfen der Einstellungen auf eigenen Geräten.

Zwar ist es wichtig und richtig, vom Gesetzgeber klare und schärfere Regularien zu erwarten – letztlich liegt es jedoch in der Verantwortung eines jeden/jeder Verbraucher*in, aktiv Datenschutzrichtlinien einzuhalten, sich selbst kontinuierlich weiterzubilden und Technologie bewusst einzusetzen. So gelingt auch die kollektive Bewusstseinsbildung für die Bedeutung von Privatsphäre in der digitalen Ära – nicht nur an ausgewählten Gedenktagen, sondern immer.

Über den Autor: Gaël Duval entwickelt seit über zwei Jahrzehnten frei verfügbare Open-Source-Software. Mit seiner 2018 gegründeten e Foundation und dem Betriebssystem /e/OS bietet er User*innen eine datenschutzfreundliche Alternative zu Android.