Gründer der Woche: CNNCT - mehr Ladung, weniger Fahrten

Gründer der Woche 42/17


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408 Mio. Fahrten verzeichnete das Kraftfahrtbundesamt 2016, davon waren rund 40 Prozent Leerfahrten mit ungenutztem Frachtraum. Die neue Transport-Plattform CNNCT geht dieses Problem aktiv an. Das Start-up Alexander Berthele Spedition und Logistik GmbH setzt bewusst auf ungenutzten Frachtraum. Das Ziel: Mehr Ladung, weniger Fahrten. Über das Konzept sprechen wir mit dem Gründer Alexander Berthele.

Stammen Sie selbst aus der Speditions- bzw. Logistik-Branche und kennen das Problem der Leerfahrten aus eigener Erfahrung?

Mit 18 Jahren habe ich meine Ausbildung zum Speditionskaufmann gemacht, habe danach Spedition und Logistik studiert und unterhalte seit Jahren ein eigenes Speditions- und Logistikunternehmen. Die Speditionsbranche ist einfach meine Welt! Wie jeder Spediteur mit eigenem Fuhrpark hatten auch wir mit kostenintensiven Leerfahrten zu kämpfen. Unser Ziel war schon immer, Leerfahrten so gut wie möglich zu vermeiden! Mit der Plattform CNNCT wollen wir den Leerfahrten nun den Kampf ansagen.

Wann und wie sind Sie dann darauf gekommen, eine digitale Lösung für das Problem „ungenutzter Frachtraum“ zu entwickeln?

Das Problem des „ungenutzten Frachtraums“ ist nicht neu. Schon während meines Studiums im Jahr 2005 habe ich mich mit dieser Thematik auseinandergesetzt und Konzepte entwickelt. Als selbständiger Spediteur mit eigenem Fuhrpark wurde das Problem des „ungenutzten Frachtraums“ jedoch akuter denn je, da jede ungenützte Fläche des Frachtraums immense Mehrkosten für uns bedeutet!

Des Weiteren mussten wir feststellen, dass die Beauftragung von Teil- und Komplettladungen, vor allem für kleine und mittlere Unternehmen, einen großen Verwaltungsaufwand bedeutet und diese aufgrund des fehlenden Know-hows oftmals überfordert waren. Als Spedition haben wir diesen Schritt für unsere Kunden übernommen, stießen jedoch mit steigendem Auftragsvolumen schon bald selbst an unsere Grenzen. Eine smarte webbasierende Antwort war die Lösung, für die im Jahr 2013 der Grundstein gelegt wurde. Unsere Plattform wurde seitdem stetig weiterentwickelt, ein intelligenter Algorithmus hinterlegt, der innerhalb wenigen Sekunden das beste Preis-Leistungs-Verhältnis ermittelt und eine digitale Verbindung zu einem unserer unzähligen Transportunternehmern herstellt. Dies reduziert den Aufwand unseres Auftraggebers auf ein Minimum und ermöglicht ihm sich voll und ganz auf das Wesentliche zu konzentrieren – nämlich sein Unternehmen.

Wie genau funktioniert Ihre cloudbasierte Transport-Plattform?

Unser selbstlernender Algorithmus greift auf transportrelevante Daten wie das Verhältnis zwischen Laderaum und Fracht zurück und berücksichtigt dabei die „Quellen“ und „Senken“ im gewerblichen Güterkraftverkehr. Alle relevanten Daten werden dann in Sekundenbruchteilen analysiert und zu einer effizienten Transportlösung mit dem besten Preis-Leistungs-Verhältnis kombiniert.

Ihr Geschäftsmodell ist auf Provisionsbasis aufgebaut - d.h., welcher der Beteiligten hat was zu zahlen?

Für Kunden, die uns mit einem Transport beauftragen, ist unser „Service“ kostenfrei – Er hat lediglich die von unserem Algorithmus kalkulierten Transportkosten zu tragen. Wir erhalten eine Provision von unseren Transportunternehmern, die die Transporte in unserem Auftrag durchführen. Diese Provision ist vom Volumen des Transports abhängig.

Wer sind Ihre Kunden bzw. die Plattform-User und wie machen Sie auf Ihren neuen Service aufmerksam?

Unsere Klientel ist in der gesamten Industrie Zuhause. Mit unserer Plattform bieten wir diesen die Möglichkeit, ihre Transporte in wenigen Sekunden zu beauftragen und ihre Transportlogistik nachhaltig zu optimieren. Zu den klassischen Marketingmaßnahmen betreiben wir verstärkt Onlinemarketing und unterhalten ein kleines „Salesteam“, das pro aktiv Neukunden anspricht und unseren Bestandskunden mit Rat und Tat zur Seite steht!

Sie setzen auf das Thema Nachhaltigkeit – also letztlich darauf, mehr Ladung auf weniger Fahrzeuge zu verteilen. Leisten Sie damit in der Speditions- bzw. Logistik-Branche eine Art von grüner Pionierarbeit bzw. was macht der Wettbewerb?

Aufgrund des Nachwuchsmangels im Bereich der Berufskraftfahrer sind wir Spediteure mehr denn je gefordert, unsere Frachträume so effizient wie nur irgendwie möglich, zu nutzen. Unsere Plattform CNNCT ist ein innovatives Werkzeug um unsere Güter auch künftig zuverlässig transportieren zu können!

Im August sind Sie in Deutschland gestartet – was sind Ihre ersten Erkenntnisse und was sind Ihre kommenden unternehmerischen Ziele?

Bereits vor dem Launch im August haben wir unser „System“ von einigen Unternehmen aus dem produzierenden Gewerbe auf Herz und Nieren testen lassen und haben eine durchweg positive Resonanz erhalten. Unser Anspruch ist es, diesen Unternehmen einen „digitalen Speditionskaufmann“ zur Verfügung zu stellen um deren Mitarbeiter zu entlasten, um letztendlich produktiver im eigenen Unternehmen zu sein. Des Weiteren werden wir unser Angebot kontinuierlich ausbauen, Marktanteile gewinnen und uns verstärkt als Bindeglied positionieren, um die Transportlogistik nachhaltiger zu gestalten.

Und last but not least: Was raten Sie anderen Gründern aus eigener Erfahrung?

Erfolg hat drei Buchstaben: TUN – setze dir Ziele, große Ziele und verfolge diese kontinuierlich!

Hier geht’s zu CNNCT

Das Interview führte Hans Luthardt

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Gründer*in der Woche: STERNEFELD - fair, lokal, edel

Mit ihrem Start-up STERNEFELD kombiniert die studierte Schmuckdesignerin Elina Sternefeld altehrwürdiges Handwerk, innovative Technologien wie CAD oder 3D Druck und den Aspekt der Nachhaltigkeit. Mehr dazu im Interview mit Elina.

Wann und wie bist du auf die Idee zu STERNEFELD gekommen?

Während meiner Ausbildung in der Goldstadt Pforzheim hatte ich viel mit kleineren Dienstleistern in der Schmuckbranche zu tun, beispielsweise Gießereien und Galvaniken. Schon zu dieser Zeit habe ich miterlebt, wie viele kleinere Betriebe schließen mussten, da sie mit den Preisen der großen Firmen, die zum großen Teil im Ausland produzieren, nicht mehr mithalten konnten. Ich wollte mit STERNEFELD die Wertschätzung für das deutsche Schmuckhandwerk und die Zusammenarbeit mit lokalen Handwerksbetrieben zurückbringen. Ich kenne jede Person, die an der Herstellung meiner Schmuckstücke mitwirkt, persönlich.

Ich lege Wert auf höchste Qualität, Präzision und Sorgfalt beim Design und bei der Herstellung jedes einzelnen Schmuckstücks.

Was waren die wichtigsten Steps von der Gründung bis zur ersten Kollektion?

Der erste wichtige Schritt während der Gründung war es, mich auf das Wesentliche zu fokussieren. Fokus ist von enormer Bedeutung, wenn man ein Unternehmen gründet. Bei all den neuen Erfahrungen und Herausforderungen passiert es schnell, dass man sich ablenken lässt und den Blick auf die Ziele verliert. Ein klarer Plan hat mir geholfen, bessere Entscheidungen zu treffen und meine Ressourcen effektiv zu nutzen. Es kann verlockend sein, alles auf einmal zu versuchen oder jede Gelegenheit zu nutzen, die sich bietet, aber das kann oft dazu führen, dass man sich zu sehr verzettelt. Meine erste Kollektion bestand daher aus einer kleinen Anzahl an Designs, die aber alle von Anfang an meinen hohen Qualitätsstandards entsprochen haben.

Was ist das Besondere an STERNEFELD, wie unterscheidest du dich – neben deiner individuellen Kreativität – von anderen Schmuck-Labeln?

Das Besondere an STERNEFELD ist, dass ich in sehr engem persönlichen Kontakt mit meinen Kund*innen stehe. Der ganze Beratungsprozess ist jedoch online und daher orts- und zeitungebunden.

Dank meiner jahrelangen handwerklichen Erfahrung, mit meinem Verständnis für das Zusammenwirken von Materialien und Formen und meiner Leidenschaft für zeitloses Design kann ich meinen Kund*innen umfassend bei der Auswahl ihres persönlichen Schmuckstücks zur Seite stehen.

Nach einer ausführlichen Beratung entwerfe ich die ersten individualisierten Modelle mit Hilfe von CAD (Computer Aided Design), sodass die/der Kund*in sich ein realistisches Bild von dem Wunschschmuckstück machen kann. Weitere Schritte der Produktion sind: Guss, Goldschmiedearbeiten, Schleifen und Fassen der Edelsteine. Das finale Schmuckstück, das häufig ein Geschenk ist, wird dann in meiner hochwertigen Verpackung an die Kund*innen verschickt.

Eine Milliarde für Zukunftstechnologien im Deep-Tech-Bereich

Der DeepTech & Climate Fonds startet sein operatives Geschäft – investiert wird in das Wachstum von Unternehmen mit Zukunftstechnologien – in den kommenden Jahren bis zu einer Milliarde Euro.

Um den Technologie-Standort und die Wagniskapitalfinanzierung in Deutschland weiter auszubauen, stellt die Bundesregierung zusätzliche Mittel bereit. Diese sollen vor allem als Wachstumskapital dienen. Das Bundesministerium für Wirtschaft und Klimaschutz und das Bundesfinanzministerium haben dafür den DeepTech & Climate Fonds (DTCF) entwickelt.

Der DTCF ist ein neuer Fonds, der ab sofort in das Wachstum von Unternehmen mit Zukunftstechnologien investiert - in den kommenden Jahren bis zu einer Milliarde Euro. Die Mittel stammen aus dem Zukunftsfonds der Bundesregierung und dem ERP-Sondervermögen.

Mit seinem Beitrag zur Finanzierung unterstützt der DTCF die Technologie-Champions der Zukunft, sich zum neuen technologiebasierten Mittelstand zu entwickeln. Dabei fokussiert sich der Fonds auf die kapitalintensive Wachstumsphase von Unternehmen in den Bereichen Deep-Tech und Climate-Tech und legt seinen Schwerpunkt auf Unternehmen mit einem validierten Geschäftsmodell.

Der Fonds investiert in Deep-Tech-Bereiche wie Industry 4.0, Robotik, Künstliche Intelligenz, Quantencomputing, Prozessautomatisierung und in Unternehmen mit einem technologiebasierten Geschäftsmodell wie zum Beispiel Digital Health, New Energy, Smart City, New Materials und ausgewählte Biotech-Bereiche. Die Vorbereitungsmaßnahmen haben im 4. Quartal 2022 begonnen. Das erste Investment steht kurz vor dem Abschluss.

Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck: „Start-ups sind ein zentraler Baustein für die langfristige Wettbewerbsfähigkeit und die klimafreundliche Transformation unserer Volkswirtschaft. Mit dem Start des DeepTech & Climate Fonds setzen wir einen wichtigen Bestandteil der von der Bundesregierung beschlossenen Start-up-Strategie um. Durch die Finanzierung neuartiger klimafreundlicher Technologien stärkt der Fonds den deutschen Innovationsstandort und trägt dazu bei, dass sich eigenständige und erfolgreiche Technologieunternehmen entwickeln können. Damit bieten wir Deep-Tech-Unternehmen eine langfristige Perspektive in Deutschland.“

Bundesfinanzminister Christian Lindner: „Neue Geschäftsmodelle sind die Voraussetzung für wirtschaftliches Wachstum und künftigen Wohlstand. Wir möchten den DeepTech & Climate Fonds als Ankerinvestor für neue deutsche Weltmarktführer aufbauen. Dafür nehmen wir 1 Milliarde Euro in die Hand. Kapital allein entscheidet aber nicht über Erfolg. Nun kommt es darauf an, aus jedem eingesetzten Euro das Beste zu machen. Eine solche Aufgabe gehört in qualifizierte Hände.“

Die Beauftragte des Bundesministeriums für Wirtschaft und Klimaschutz für die digitale Wirtschaft und Start-ups Anna Christmann: „Zukunftstechnologien sind auch ein Schlüssel für die Bewältigung der Herausforderungen der Klimakrise. Der DTCF schafft ein attraktives Finanzierungsumfeld für Unternehmen, die mit ihren Technologien zur Erneuerung der Wirtschaft in Richtung Klimaneutralität beitragen.“

Vorsicht: Rückforderungen von Coronahilfen

Das müssen Unternehmen und Solo-Selbstständige jetzt wissen, wenn ein Rückzahlungsbescheid ins Haus flattert.

Mitten in der Energiekrise erhalten viele Solo-Selbstständige und Unternehmen Rückzahlungsbescheide für bereits ausgezahlte Coronahilfen. Viele dieser Bescheide sind allerdings nicht rechtens und können deshalb juristisch angefochten werden. Rechtsanwalt Marc Baschin von der Wirtschaftskanzlei Goldenstein beantwortet nachfolgend die wichtigsten Fragen zum Thema.

Wieso werden bereits genehmigte und ausgezahlte Coronahilfen zurückgefordert?

Die Auszahlung von Coronahilfen erfolgte sehr unbürokratisch und oftmals ohne große Vorprüfung der jeweiligen Anträge. Umso akribischer prüfen die zuständigen Behörden diese Anträge nun rückwirkend auf fehlerhafte Angaben. Sobald bei dieser Nachkontrolle Ungereimtheiten festgestellt werden, wird die zuvor ausgezahlte Summe teilweise oder vollständig zurückgefordert.

Da die die Auszahlung der Coronahilfen von den Bundesländern individuell organisiert wurde, kümmern diese sich auch einzeln um die Nachprüfung der Anträge. Dementsprechend gehen Rückforderungsbescheide auch zu unterschiedlichen Zeitpunkten bei den jeweiligen Unternehmen und Solo-Selbstständigen ein. Zudem sollen Zahlungsempfänger in einigen Bundesländern eine mögliche Rückerstattung ihrer Coronahilfen selbstständig auf einer eigens dafür eingerichteten Website überprüfen.

Wie sollten auf Rückzahlungsbescheide reagiert werden?

Viele Rückzahlungsbescheide sind nicht rechtens. Daher sollte die angeforderte Zahlung nicht ohne vorherige Überprüfung veranlasst werden. Um keine Fristen verstreichen zu lassen, ist es allerdings wichtig, sich nach dem Erhalt eines Rückzahlungsbescheids schnellstmöglich rechtlich beraten zu lassen. Ansonsten müssen möglicherweise Verzugszinsen gezahlt werden. Wer zu lange wartet, riskiert sogar eine Zahlungsverpflichtung, obwohl sich der Rückzahlungsbescheid im Nachhinein möglicherweise als unzulässig herausstellt.

Wieso sind einige Rückzahlungsbescheide nicht rechtens?

Es gibt vielfältige Gründe, weshalb ein Rückzahlungsbescheid unzulässig sein kann. Generell gilt: Wer einen berechtigten Anspruch auf die Auszahlung von Coronahilfen hatte, den jeweiligen Antrag korrekt ausgefüllt und das erhaltene Geld im dafür vorgesehenen Zeitraum entsprechend des Förderungszwecks genutzt hat, muss einer Rückforderung nicht nachkommen. In solchen Fällen basieren Rückforderungsbescheide oft nur auf Missverständnissen, die mittels eines kurzen Schriftwechsels aufgeklärt werden können.

Manchmal ist es aber auch nötig, weitere juristische Schritte einzuleiten. Beispielsweise können einige Coronahilfen schon allein deshalb nicht zurückgefordert werden, weil diese zum Zeitpunkt der Auszahlung als nicht rückzahlbar deklariert wurden. In diesen Fällen konnten die Zahlungsempfänger also gar nicht wissen, dass das erhaltene Geld zu einem späteren Zeitpunkt möglicherweise zurückgezahlt werden muss. Dennoch lassen es die verantwortlichen Behörden in solchen Fällen erfahrungsgemäß auf ein Gerichtsverfahren ankommen.

Grundsätzlich ist es aber auch in weniger eindeutigen Fällen möglich, erfolgreich gegen einen Rückzahlungsbescheid vorzugehen, obwohl erhaltene Gelder beispielsweise auch für private Zwecke oder erst nach dem dafür vorgesehenen Zeitraum ausgegeben haben. Dies kann beispielsweise der Fall sein, wenn dieses geplante Ausgabeverhalten im genehmigten Antrag exakt so kommuniziert wurde. Daher sollten Rückzahlungsbescheide unbedingt überprüft werden, bevor einer Aufforderung zur Rückzahlung nachgekommen wird.

Wie können sich Unternehmen und Solo-Selbstständige gegen unzulässige Rückzahlungsbescheide wehren?

Betroffene Unternehmen und Solo-Selbstständige sollten ihre Ansprüche von einer spezialisierten Rechtsanwaltskanzlei prüfen lassen. Auf Basis einer solchen (Erst-)Beratung kann herausgefunden werden, ob der jeweilige Rückzahlungsbescheid angefochten werden sollte.

Ist dies der Fall, sollte zunächst Widerspruch gegen den Bescheid eingelegt werden. Dadurch ist es möglich, sich etwas Zeit zu verschaffen und der verantwortlichen Behörde zu übermitteln, weshalb der jeweilige Bescheid nicht rechtens ist. Sollte die Behörde dieser Argumentation nicht folgen, ist es unter Umständen nötig, den Bescheid vor Gericht anzufechten. Dann muss das verantwortliche Verwaltungsgericht die Sachlage bewerten.

Gab es schon Urteile zugunsten betroffener Unternehmen?

Ja. Mehrere deutsche Gerichte haben bereits entschieden, dass unterschiedliche Rückforderungsbescheide im Zusammenhang mit ausgezahlten Coronahilfen ungültig sind. Es ist zudem davon auszugehen, dass das Bundesverwaltungsgericht noch in diesem Jahr die ersten höchstrichterliche Grundsatzurteile zum Thema verkünden wird.

Können Rückforderungsbescheide auch angefochten werden, wenn diese bereits beglichen wurden?

Wenn die Rechtmäßigkeit eines Rückzahlungsbescheids angezweifelt wird, sollte dieser auch nicht unmittelbar beglichen werden. Dennoch besteht auch nach einer bereits erfolgten Zahlung die Option, gegen den jeweiligen Bescheid vorzugehen und das zurückgezahlte Geld zurückzufordern. Allerdings müssen diesbezüglich bestimmte Fristen eingehalten werden, die sich von Bundesland zu Bundesland unterscheiden können.

Was passiert, wenn Solo-Selbstständige oder Unternehmen gar nicht auf einen Rückforderungsbescheid reagieren?

Mit Zustellung des Rückforderungsbescheides laufen verschiedene Fristen, die unbedingt beachtet werden müssen. Wird nicht rechtzeitig Widerspruch gegen einen Bescheid eingelegt, muss der Rückforderungsbetrag möglicherweise bezahlt werden, obwohl sich dieser im Nachhinein als unberechtigte Forderung herausstellt. Unter anderem deshalb sollten Solo-Selbstständige und Unternehmen entsprechende Bescheide keinesfalls komplett ignorieren.

Wie nah sollte ein Spin-Out am Muttermarkt bleiben?

Nach einer Studie der Bayes Business School, City, University of London, müssen Mitarbeiter-Start-ups konkurrierende Kräfte ausgleichen, um nicht zu scheitern.

Die aktuelle Studie legt nahe, dass Spin-Outs bei ihrem Versuch, sich auf dem Markt zu etablieren, zugleich eindeutige Vorteile und erhebliche Kosten haben können. Im Gegensatz zu Spin-Offs entstehen Spin-Outs durch die unabhängigen Entscheidungen von Mitarbeitenden, die das Mutterunternehmen verlassen, um neue Unternehmen zu gründen.

Die Studie, die 117 Spin-Outs von 103 etablierten Unternehmen untersuchte, kommt zu dem Ergebnis, dass das Ausmaß, in dem sich die operativen Märkte von Spin-Outs, mit denen ihrer Muttergesellschaften überschneiden, sowohl positive als auch negative Auswirkungen auf ihre Überlebenswahrscheinlichkeit hat.

Vorteile der Nähe zur Muttergesellschaft

Die Nähe zur Muttergesellschaft ist für Spin-Outs von Vorteil, da sie dadurch von dem Know-how und den Ressourcen der Gründer profitieren können. Ein hohes Maß an Überschneidungen mit den Marktbereichen der Muttergesellschaften kann jedoch feindselige Handlungen auslösen und so zu einem störenden Wettbewerb führen, der seinerseits die Überlebenschancen der Spin-Outs schmälern könnte.

Darüber hinaus könnte das Überleben von Mitarbeiter-Neugründungen von der früheren Position ihrer Gründer in etablierten Unternehmen abhängen. Beispiele für erfolgreiche Ausgründungen sind die US-Tech-Giganten Intel und AMD.

Auf der anderen Seite profitieren die von hochrangigen Mitarbeitern ins Leben gerufene Spin-Outs von dem hohen Maß an Wissen und Ressourcen, die von den Mutterunternehmen geerbt wurden. Außerdem verfügen hochrangige Mitarbeitende über eine größere Verhandlungsmacht, die es ihnen ermöglicht, zum Zeitpunkt des Ausscheidens günstigere Ausstiegsbedingungen auszuhandeln.

Die Risiken nicht aus dem Blick verlieren

Andererseits besteht für diese Ausgründungen ein höheres Risiko, in Kompetenzfallen zu geraten, die sie in der alten Logik gefangen halten und somit ihre Fähigkeit behindern, neue Ressourcen zu erwerben oder neue Methoden zu entwickeln, die für ihre Zielmärkte besser geeignet sind.

Die Mitarbeitenden, die über die Gründung eines eigenen Unternehmens nachdenken, müssen sich dieser gegensätzlichen Kräfte bewusst sein. Es handelt sich um das richtige Gleichgewicht zwischen der Ungewissheit, die mit dem Eintritt in neue Marktbereiche einhergeht, und dem Risiko, mit den feindseligen Handlungen der Muttergesellschaft konfrontiert zu werden.

„Aus Sicht der Muttergesellschaften kann der Übergang von Mitarbeitern in die Selbständigkeit Anlass zu ernster Sorge sein“, so Dr. Aliasghar Bahoo-Torodi, Leiter der Studie und Dozent für Unternehmertum an der Bayes Business School. "Denn neben dem Verlust von wichtigem Humankapital können Spin-Outs eine ernsthafte Wettbewerbsbedrohung darstellen. Um ihre Wettbewerbsposition auf dem Markt zu schützen, werden Mutterunternehmen wahrscheinlich Vergeltung üben und eine feindliche Haltung gegenüber Neugründungen von Mitarbeitern einnehmen, die ihre wichtigen Märkte angreifen. Unsere Studie deutet darauf hin, dass Spin-Outs durch die Minimierung der Marktangleichung ihre Sichtbarkeit verschleiern und ihre Wettbewerbsbedrohung in den Augen der Mutterunternehmen abschwächen können. Dies könnte eine wichtige Rolle dabei spielen, die Motivation der Muttergesellschaften für aggressive Maßnahmen zu verringern.“

Anmerkungen

Es gibt viele Beispiele für erfolgreiche Ausgründungen. Bei dem berühmtesten handelt es sich um die acht Mitarbeiter von Shockley Semiconductor, die das Unternehmen verließen, um Fairchild zu gründen - das erste Billionen-Dollar-Start-up in der Halbleiterindustrie. Fairchild selbst brachte später so viele erfolgreiche unternehmerische Unternehmungen hervor, dass sie als Fairchildren bezeichnet werden. Zu den bekanntesten gehören Intel und AMD.

Spin-Outs können durch feindliche Maßnahmen der Mutterunternehmen scheitern. Ein Beispiel: 2014 reichte das Unternehmen für biowissenschaftliche Forschung und klinische Diagnostik Bio-Rad Laboratories eine Klage gegen 10x Genomics ein, das von drei seiner ehemaligen Mitarbeiter gegründet worden war. In dieser Klage behauptete Bio-Rad Laboratories, dass die drei Mitarbeiter gegen ihre Verpflichtungen verstoßen und mehrere Patente verletzt hätten, die exklusiv an Bio-Rad lizenziert waren. Infolge dieser Klage wurde 10x Genomics zur Zahlung einer 15-prozentigen Umsatzbeteiligung und von 24 Millionen Dollar Schadenersatz an Bio-Rad verurteilt.

CamperBoys sichern sich Millionenbetrag zur Expansion

Der Helvetia Venture Fund erwirbt eine Minderheitsbeteiligung an der Campervermietung CamperBoys und legt damit den Grundstein für weitere Entwicklungen.

CamperBoys entsprang 2016 nicht nur dem Freiheitsdrang der beiden Gründer Andreas Mall und Paul Pizzinini, sondern auch ihrem Wunsch, die unvergesslich individuellen Reisemomente des Vanlifes für mehr Menschen zugänglich zu machen. Aus einem Traum und einem alten Wohnmobil wuchs schnell ein vielfältiges Team voller Tatendrang und eine Flotte aus 700 Fahrzeugen, die an sechs Standorten in Deutschland mietbar sind. Mithilfe von intern entwickelten Software-Tools setzt das junge Team Maßstäbe in der digitalen Customer Journey und erleichtert seinen Kund*innen zudem mit einem persönlichen Routenservice die Reiseplanung.

“Mit der Beteiligung an CamperBoys investiert der Helvetia Venture Fund in einen bei der Kundschaft sehr beliebten Anbieter für Camper-Miete im deutschen Markt und erhält so die Chance, aus erster Hand mehr über die sich verändernden Bedürfnisse von Urlaubern und ihre Freizeitaktivitäten, die sich während der Pandemie noch stärker und schneller gewandelt haben, zu lernen”, erklärt Stefano Saeger, Principal bei Helvetia Venture Fund.

Aus Sicht des Gründer-Duos war das Investment des Helvetia Venture Fund auch auf persönlicher Ebene ein Volltreer: “Eine freundschaftliche, wertschätzende und dennoch sehr ambitionierte Unternehmenskultur ist der wesentliche Treiber für den Erfolg von CamperBoys. Mit dem Helvetia Venture Fund konnten wir einen starken Partner gewinnen, der diese Werte teilt und uns mit seinem langfristigen Horizont begleiten kann.”

Mit den neuen Mitteln will CamperBoys die Expansion in neue Städte und den Ausbau des Produktportfolios vorantreiben. Sowohl in Frankfurt als auch in Weilheim an der Teck werden bald weitere Standorte eröffnet. Zudem werden die ersten Elektrocamper in die Flotte aufgenommen: Der VW ID Buzz mit eingebauter Campingaustattung soll neue Möglichkeiten für nachhaltigeres Reisen eröffnen.

Bavarian Airlines: 18-jähriger Gründer Adem Karagöz im Interview

Adem Karagöz ist mit gerade einmal 18 Jahren Co-Gründer der Fluggesellschaft Bavarian Airlines mit Sitz in München. Wir haben genauer nachgefragt.

Eine Story sorgte dieser Tage nicht nur in der StartingUp-Community aus mehreren Gründen für Diskussionsstoff: Der 18-jährige Adem Karagöz gründet in München die auf Business-Kurzstreckenflüge fokussierte Bavarian Airlines. Noch dieses Jahr will er durchstarten. Wir haben im Interview unter anderem nachgefragt, ob sein Alter ein Thema ist, wie er an das Kapital gekommen ist und was er auf Kritik zum „Klimakiller Kurzstreckenflug“ entgegnet.

Andere 18-jährige Gründer bauen eine App. Woher nimmt man mit 18 das Know-how, eine Fluggesellschaft zu gründen?

Ich habe viele Freunde, die im Aviation-Bereich arbeiten. Ich habe mich immer für Flugzeuge interessiert und war früher selbst Segelflieger. Ich habe dann gesehen, dass der Service von europäischen Airlines in der Business und Economy Class relativ schwach ist und dachte, ich kann das vielleicht verbessern und eine Airline mit gutem Service und gutem Sitzkomfort gründen.

Ich hake nochmal beim Thema Alter nach. 18 ist sehr jung, um eine Airline zu gründen. Sie müssen ja auch Verhandlungen führen, wenn es etwa um Lizenzen geht. Kann Ihr Alter da zum Problem werden?

Bislang gab es bei den Gesprächen, die wir führen, kein Problem mit meinem Alter. Der Businessplan stimmt, die Dokumente stimmen, die Analysen stimmen. Das ist alles geprüft und so lange das alles passt, sind unsere Partner unabhängig von meinem Alter sehr zuversichtlich.

Sie sind erst vor einigen Tagen mit Bavarian Airlines an die Öffentlichkeit gegangen. Was bekommen Sie seitdem für Feedback?

Wir sehen sehr viel positives Feedback in den sozialen Medien. Es gibt aber auch etwas Kritik an uns, vor allem an unseren Plänen, unserer Rechtsform und unserer Organisation. Die Kritik ist aber sehr unübersichtlich, weil sie sich vielfach auf Dinge bezieht, die noch nicht veröffentlicht wurden, etwa die Routenplanung. Wir haben erste Routen angekündigt, die dann kritisiert wurden. Dabei ist der tatsächliche Routenplan noch nicht veröffentlicht.

Sie sprechen von „wir“. Im Impressum auf der Bavarian Airlines-Seite stehen neben Ihrem noch drei weitere Namen. Wer sind die anderen und wie ist das Team zustande gekommen?

Mein Mitgründer ist Natanel Pretzel. Ich hab ihn vor einiger Zeit kennengelernt und er kennt sich auch im Aviation-Bereich aus. Wir haben Bavarian Airlines gemeinsam gestartet und dann den restlichen Vorstand gebildet. Es sind alles Leute, die in ihren Fachbereichen, etwa Finanzen oder Marketing, sehr erfahren sind.

Und wie haben Sie diese kennengelernt?

Durch Kontakte.

In anderen Interviews haben Sie gesagt, dass Sie bereits einen zweistelligen Millionenbetrag an Funding aufgestellt haben. Wie haben Sie das so schnell geschafft? Anderen Jungunternehmen fällt das sehr schwer.

Das Geld setzt sich zusammen aus Eigenkapital von mir und den restlichen Gründungsgesellschaftern sowie Investments.

Darf man Namen von Investor*innen erfahren?

Die darf ich aktuell nicht nennen. Wir haben diesbezüglich ein NDA unterzeichnet.

Warum die Namenswahl Bavarian Airlines? Man könnte kritisieren, dass das etwas provinziell klingt …

Wir wollten jedenfalls München als Hub nehmen. Weil es früher einmal die Bavaria Air gab, mit der die Kund*innen relativ zufrieden waren, wo auch der Komfort gut war, wollten wir da anknüpfen. Wir wollten das mit dem gleichen Komfort neu aufsetzen. Wir stehen aber in keinerlei Zusammenhang mit den ehemaligen Gründern und Geschäftsführern der Bavaria.

Ein großer Kritikpunkt nach der ersten Berichterstattung zu Bavarian Airlines war, dass Kurzstreckenflüge gemeinhin als Klimakiller gelten. Sie betonen, dass sie nachhaltig arbeiten werden. Wie soll das geschafft werden?

Durch Sustainable Aviation Fuel. Das ist eine neue Art von Treibstoff, die es ermöglicht, um bis zu 80 Prozent klimafreundlicher zu fliegen. Über Kompensationszahlungen wollen wir dann gänzlich klimaneutral werden. Ob wir es schaffen werden, klimaneutral zu werden, kann ich aber noch nicht sagen.

Kritiker*innen meinen, einige der kolportierten Routen würden sich mit dem Auto oder Zug nicht nur umweltfreundlicher, sondern auch angenehmer zurücklegen lassen, alleine weil es am Flughafen so lange Wartezeiten gibt. Was sind die Vorteile des Fliegens auf diesen Strecken?

Man kann sich im Flug, ähnlich wie im Zug, voll konzentrieren. Ein großer Vorteil ist die Geschwindigkeit. Zu Tages-Randslots sind insgesamt weniger Reisende unterwegs, dafür mehr Personen, die geschäftlich reisen. Da braucht man höchstens eine halbe Stunde für den Security Check, und den Check-in kann man zuvor online machen. Das bedeutet, dass man nur ein bis eineinhalb Stunden vor Abflug da sein muss.

Einige Routen sind auch nur für Transit-Passagiere gedacht. Die Route München-Frankfurt ist relativ unvorteilhaft mit dem Zug. Mit uns ist man dann schon direkt am Flughafen und muss nicht erst vom Bahnhof dorthin.

Sie haben sicher noch große Pläne. Wo soll die Bavarian Airlines in zehn Jahren stehen?

Bis dahin wollen wir expandieren, größere Flugzeuge anmieten und weitere Ziele anfliegen. Ich möchte noch nichts Konkretes dazu sagen, aber wir haben bereits genaue Pläne erstellt, wo die Reise hinführt.

Das heißt, Sie können auch noch nicht sagen, ob später auch Langstreckenflüge geplant sind?

Nein, das kann ich noch nicht sagen. Das wird sich in Zukunft zeigen.

Das Interview führte Dominik Perlaki

DEM - Deutsche E Metalle AG sichert sich 8 Mio. Euro zur Rohstoff-Gewinnung

Die derzeit einzige deutsche "Junior Mining Company für kritische Rohstoffe" DEM - Deutsche E Metalle AG aus Dresden sammelt in einer ersten öffentlichen Finanzierungsrunde 8 Mio. Euro ein.

Bei der 2021 in Dresden gegründete DEM - Deutsche E Metalle AG laufen bereits zwei DEM-Projekte: Ein Joint-Venture in den argentinischen Anden zur Gewinnung von Lithium sowie der Aufbau eines Projekts für Seltene Erden in der Provinz Buenos Aires. Die hierfür notwendigen Investitionen lassen sich jedoch nicht mit dem vorhandenen Kapital der DEM und seiner drei Gründeraktionäre stemmen. Daher strebte das Start-up eine Kapitalerhöhung an.

Investorensuche für die Rohstoff-Gewinnung

Im November 2022 startete der Vorstand gemeinsam mit Rainer Witt von der intelligentis die Investorensuche. Es galt, immerhin acht Millionen Euro zu akquirieren. Die ebenfalls aus Dresden stammende intelligentis verfügt über ein großes Netzwerk potenzieller Investoren – denn seit Jahren sucht das Team um Rainer Witt als „externe M&A-Abteilung“ für Investoren und Unternehmer das passende Wunschinvestment sowie für Start-ups und andere spannende Unternehmen die passenden Investoren. Einerseits sprachen die Spezialisten strategische Investoren für die DEM an, die für ihre Unternehmen Rohstoffe sichern wollen. Aber auch Fonds-Gesellschaften und andere Investoren wurden kontaktiert, die von den guten Wertsteigerungsaussichten profitieren wollen.

Zwei Akquise-Phasen - viele Interessenten

In einer ersten Akquise-Phase ging das Team mit der Unternehmensstory und einem ‚Fact Book‘ auf Investorensuche. „intelligentis hatte die richtigen Zugänge zu Investoren und Portalen, um eine erfolgreiche Akquise durchzuführen“, sagt Dr. Zauner. Sobald ein gefestigtes Interesse vorlag, erhielten die potenziellen Anteilseigner in der zweiten Phase Zugang zu einem eigens erstellten Datenraum mit allen nötigen Zahlen und Unterlagen. „Schnell stießen wir auf ein großes Interesse bei den Investoren und Unternehmen“, erzählt Rainer Witt. Bis Ende Februar 2023 können sie ihre Investition tätigen. Zugesagt haben bereits ein ‚Family Office‘, das das private Vermögen einer Eigentümerfamilie verwaltet, sowie mehrere strategische Investoren aus der Automotive-Branche und private Investoren, die die Story der DEM einfach spannend finden.

Eigene Unternehmensbewertung bestätigt

Unter Federführung der intelligentis war die DEM von der Gründung an klar, transparent und systematisch aufgestellt. „Rainer Witt als Start-up-Experte brachte hier sehr viel Know-how ein“, erinnert sich Dr. Micha Zauner. „Wir hatten dann direkt vor der Investorensuche zusammen mit der intelligentis eine eigene Bewertung unserer DEM vorgenommen, die sich auch an angelsächsischen börsennotierten Unternehmen orientiert. Diese wurde später in den von den Interessenten durchgeführten, sehr intensiven Prüfungen im Rahmen der Due Diligence weitestgehend bestätigt.“

Entwicklung hin zum Börsengang geplant

Mit der erfolgreichen Kapitalerhöhung legt die DEM gleichzeitig die Basis für ihre weitere Wachstumsgeschichte: Denn die Aktiengesellschaft will sich im Zuge der Welle der Elektromobilität zu einem der ‚Global Player‘ bei E-Materials für E-Mobility entwickeln. Dafür ist in wenigen Jahren ein Börsengang geplant. Nach Überzeugung von Vorstand Dr. Micha Zauner sind die benötigten strategischen und kritischen Rohstoffe – wie Lithium, Kobalt, Seltene Erden, Mangan, Kupfer und Graphit – aktuell nicht ansatzweise ausreichend vorhanden. Die enorme Verknappung führt bereits heute zu Verteilungskämpfen zwischen den Industrienationen und natürlich zu signifikant steigenden Preisen und Bewertungen von Projekten.

Das Fehlen dieser kritischen Rohstoffe hat jedoch erhebliche Folgen für die Wirtschaft und die nationale Sicherheit eines Landes. Deshalb entwickelt und finanziert die DEM aussichtsreiche Projekte weltweit, um die Rohstoffe für die deutsche Wirtschaft nutzbar zu machen. „Wir dürfen in Deutschland nicht weiter zuschauen, wie sich andere Nationen – allen voran China und die USA – die Rohstoffe sichern. Deutsche Investoren und Unternehmen müssen Venture Capital in die Hand nehmen, um einen guten Teil der Rohstoffe für die deutsche Industrie zu sichern. Denn unser Wohlstand fußt nicht zuletzt auf Rohstoffen, da sie am Beginn der Wertschöpfungskette stehen“, so der Vorstand.

Was leisten Kundenbindungsprogramme?

Eine aktuelle Studie zu Kundenbindungsprogrammen zeigt unter anderem: Deutsche Konsument*innen lieben Rabatte.

Ob Stempelkarten beim Lieblingsrestaurant, Treuepunkte bei Supermärkten & Co. oder Clubmitgliedschaften bei Lifestyle- und Modegeschäften: Ziel all dieser Angebote ist es, Kund*innen mittels eines für sie relevanten Mehrwerts zu incentivieren und sie so an das eigene Angebot zu „binden“.

Wie dies die Kund*innen selbst erleben, war der Anknüpfungspunkt der Studie von Software Advice, für die im Oktober 2022 eine Online-Umfrage unter 5032 Teilnehmer*innen aus Australien, Deutschland, Frankreich, Spanien und dem Vereinigten Königreich durch, darunter 1012 Konsument*innen aus Deutschland. Die Befragten sind über 18 Jahre alt.

Kundenbindungsprogramme haben auch aus Kund*innensicht eine hohe Relevanz

Während sich viele Unternehmen Gedanken darüber machen, wie sie ihre Kund*innen (noch) besser an sich binden können, ist es natürlich auch wichtig zu verstehen, wie die Kund*innen aus eigener Sicht am ehesten überzeugt werden können, einer bestimmten Marke oder einem Unternehmen treu zu bleiben. So wurden die Studienteilnehmer*innen gefragt, wie für sie am besten die Beziehung zu einer Marke vertieft wird. An erster Stelle („wichtig“ und „sehr wichtig“ zusammengefügt) steht mit 96 % das Preis-Leistungs-Verhältnis, gefolgt von einer langfristigen Produkt- bzw. Servicequalität (95 %). Danach stehen Transparenz (90 %), Innovation (86 %), Nachhaltigkeit (85 %) und der Markenwert (83 %). Doch auch Treueprogramme spielen bei 82 % der Befragten eine wichtige bzw. sehr wichtige Rolle.

Deutscher Handel und Dienstleistungen: Beliebtheit der Kundenbindungsprogramme

Als strategischer Ansatz bieten Kundenbindungsprogramme meist vor allem einen klaren Vorteil für Unternehmen: bestehende Kund*innen zu binden ist in der Regel günstiger und weniger zeitintensiv, als neue Kund*innen zu gewinnen. Und auch die Kund*innen selbst sehen die positiven Aspekte darin. So nutzen 71 % der Befragten aktuell mindestens ein Loyalitätsprogramm, 80 % dieser Gruppe verwenden sogar mehrere. 36 % der Befragten, die Kundenbindungsprogramme nutzen, tun dies zwischen zwei- und sechs mal pro Woche, weitere 36 % nutzen diese zumindest einmal in der Woche. Den beliebtesten Bereich, in dem solche Programme eingesetzt werden, bilden mit Abstand Supermärkte und der Lebensmittelhandel mit 82 %, gefolgt von Kleidung / Schuhen (32 %) und Tankstellen (31 %).

B2B-Zahlungsspezialist Mondu sichert sich 13 Mio. US-Dollar

Das 2021 von Malte Huffmann, Philipp Povel und Gil Danziger in Berlin gegründete Mondu sichert sich eine Serie-A-Erweiterung in Höhe von 13 Mio. US-Dollar für die fortgesetzte internationale Expansion.

Die Mondu GmbH wurde 2021 von den Unternehmern Malte Huffmann, Philipp Povel und Gil Danziger in Berlin gegründet, um den B2B-Zahlungsverkehr zu vereinfachen. Das Unternehmen ermöglicht es Händler*innen und Marktplätzen, ihren Geschäftskund*innen B2B-Zahlungsmethoden mit flexiblen Zahlungsbedingungen in einem Online-Checkout anzubieten. Die „Buy Now, Pay Later“-Lösungen umfassen den Kauf auf Rechnung, SEPA-Lastschrift und Ratenzahlung. Händler*innen, die mit Mondu arbeiten, sind vor dem Ausfallrisiko geschützt und sparen sich den Ärger mit Inkasso und Mahnwesen.

Damit bringt Mondu B2B-Zahlungen auf eine Stufe mit B2C-Zahlungen, indem es die Kund*innen in den Mittelpunkt des Zahlungsflusses stellt und gewährleistet, dass sie eine nahtlose, moderne und hochmoderne Erfahrung haben. Das Ergebnis: Geschäftskund*innen haben die Möglichkeit, zu kaufen und zu bezahlen, wann sie wollen, was sich in einer höheren Konversionsrate und einem größeren Warenkorb für den/die Anbieter*in niederschlägt.

Mit der Erweiterung der Serie A erhöht sich die gesamte Investitionsrunde auf 56 Millionen US-Dollar und ermöglicht weiteres Marktwachstum und Produktentwicklung. Mondu will zudem neue Anwendungsfälle für seine B2B-Zahlungsprodukte erkunden, wie etwa eine Omnichannel-Lösung.

Philipp Povel, Mitbegründer und Co-CEO von Mondu: „Buy Now, Pay Later hat sich im B2B-Bereich als wertvolles Instrument etabliert, um die Erwartungen der Geschäftskunden zu erfüllen, indem es ein ‚Consumer‘-Checkout-Erlebnis und eine flexible Bezahlung ermöglicht. Wir sind zuversichtlich, dass die Nachfrage nach Buy Now, Pay Later für B2B im Jahr 2023 erheblich ansteigen wird. Es gibt viele positive Auswirkungen dieses Finanzinstruments, nicht nur für Käufer, sondern auch für Händler und Marktplätze, da sie weiterhin steigende Warenkorbgrößen und eine stärkere Loyalität der Käufer beobachten.“

Seit der Ankündigung der ersten Series A im vergangenen Mai führte Mondu den Ratenkauf ein und expandierte nach Österreich und in die Niederlande, wo das Unternehmen ein zweites Büro in Amsterdam eröffnete. Das Mondu-Team ist von 20 Mitarbeitenden zu Beginn des Jahres 2022 auf 140 Mitarbeitenden angewachsen.

Seit der Gründung im Oktober 2021 hat Mondu 90 Millionen US-Dollar an Eigen- und Fremdkapital von Valar Ventures, FinTech Collective, Cherry Ventures, hochkarätigen Business Angels und der deutschen Bank VVRB erhalten.

Gründer*in der Woche: Steets – der Gehhilfen-Booster

Wohin mit der Gehhilfe, wenn eine freie Hand gebraucht wird? Für alle, die auf Gehhilfen angewiesen sind, eine große Herausforderung. Das Start-up Steets der drei Studenten Thorben Engel, Phil Janßen und Philipp Battisti hat dafür eine innovative Lösung entwickelt. Mehr dazu im Interview mit Co-Founder Phil.

Wann und wie bist du zusammen mit deinen Mitgründern auf die Idee zu eurem "Abstützmodul für europäische Gehhilfen" gekommen?
Das Problem, dass sich Gehhilfen nur schwer beiseitestellen lassen, kennen vermutliche viele, besonders diejenigen, die bereits aufgrund eines Unfalls, einer Sportverletzung, einer Krankheit, einer Behinderung oder aufgrund des Alters auf Gehhilfen angewiesen waren. Mir ist die Relevanz hinter diesem Problem erst bewusst geworden, als ich es bei meinem Opa und anschließend bei meiner Freundin beobachtet habe. Trotz der Altersdifferenz stellte das Umfallen sowohl meinen Opa als auch meine Freundin vor eine Herausforderung. Nach dem kurzen Anlehnen an Tischkanten oder Wänden fielen die Gehhilfen um, lagen am Boden und waren außer Reichweite. Das Umfallen war für sie nicht nur sehr lästig und verursachte Schrammen in Möbeln oder Böden, sondern bereitete ihnen zusätzliche Schmerzen. Statt die Genesung zu unterstützen, wurden die Gehhilfen beim Aufhebeben zur potenziellen Gefahrenquelle. Deshalb suchte ich im Internet nach einer adäquaten Lösung, wurde jedoch leider nicht fündig. 2020 entstand dann mit meinen zwei Mitgründern, Thorben und Philipp, die Idee und der Wunsch, ein innovatives Zusatzmodul zu entwickeln, um die Gehhilfen vor dem lästigen Umfallen zu bewahren und einen echten Mehrwert im Alltag zu generieren.

Was waren die wichtigsten Steps von der Entwicklung bis zum funktionstüchtigen Prototyp?
Bei der Entwicklung war und ist bis heute unsere höchste Priorität, mit Gehhilfen-Nutzer*innen, Physiotherapeut*innen und Ärzt*innen zusammenzuarbeiten, um deren Feedback in die Entwicklung einließen zu lassen. Die u.a. aus einer Testphase gewonnenen Erkenntnisse flossen in die konstruktive Modellierung ein und verhinderten, dass wir uns mit unserem Vorhaben in eine „Einbahnstraße“ bewegten und ein Produkt entwickelten, das weder hilfreich noch praktisch ist.

Was ist das Besondere, das einzigartige an eurer Lösung?
Wir konnten ein Nachrüstmodul für europäische Unterarmgehstützen entwickelt, welches den Anwender*innen ermöglicht, die bestehende Gehhilfe dank eines einzigartigen, alltagstauglichen Systems und einer einfachen, intuitiven Bedienung an jeder gewünschten Stelle schnell und sicher abzustellen. Die Anwender*innen werden darin befähigt, die Gehhilfen nicht nur in den eigenen vier Wänden zur Seite zu stellen, sondern erleben diesen Mehrwert auch im öffentlichen Raum wie beispielsweise im Supermarkt, in der Rehaklinik oder beim Hausarzt. Das Modul verändert weder das Gangverhalten noch schränkt es die Nutzung der Gehhilfe ein, fördert die Mobilität und unterstützt die Rehabilitation – „es ist einfach sau praktisch“ und „ein echter Alltagshelfer“ wie es zwei Probandinnen in der Klinik sagten.

Gründer*in der Woche: shoedoc – so wird (wieder) ein Schuh draus

Das Baden-Badener Start-up shoedoc von Matthias Vickermann bietet einen umfangreichen Online-Reparatur-Service für Schuhe und spricht sich damit klar gegen das Fast-Fashion-Zeitalter aus. Mehr dazu im Interview mit Matthias.

Wann und wie bist du auf die Idee zu shoedoc gekommen?

Die Herstellung von Leder, Lederwaren und Schuhen ist mit 128 Betrieben zu einem kleinen Industriezweig in Deutschland geschrumpft, der jedoch in regionalen Wirtschaftsräumen nach wie vor äußerst relevant ist. Schuhmacher, die ihr Handwerk beherrschen, sind eine Rarität. Aus dieser Not haben wir mit unserem Geschäftsmodell eine Tugend gemacht: Die Idee für shoedoc findet ihren Ursprung im Reparatur-Service unserer Maßschuh-Manufaktur. Immer mehr Kund*innen wollten auch ihre Serienschuhe reparieren lassen. Die Anfragen stiegen stetig und das Interesse ging über unsere Region hinaus. So gründeten wir 2019 unseren Online-Schuhreparatur-Service shoedoc und gliederten die Reparaturen aus. Wir haben ein Rund-um-sorglos-Paket kreiert. Unsere Kund*innen müssen sich um nichts weiter kümmern.

Wann lohnt sich die Schuhreparatur überhaupt?

Abgelaufene Sohlen oder defekte Reißverschlüsse sind noch lange kein Grund, das Schuhpaar achtlos zu entsorgen. Grundsätzlich können wir jeden Schuh reparieren. Dieses Angebot sollte auch jeder nutzen.

Gehen Schuhe heutzutage per se schneller kaputt?

Schuhe werden heutzutage anders produziert. Die Industrialisierung hat auch das Handwerk aus der Schuhproduktion vertrieben. Heutzutage gelten andere Ansprüche. Um die saisonalen Wünsche der Käufer*innen zu bedienen ist es nun einmal nötig, dass Massenware rasant produziert wird. Dabei entstehen leider häufig Produktionsfehler. Unter schneller und günstiger Herstellung, leidet oft die Materialauswahl. Sohlen aus vulkanisiertem Gummi werden kaum noch produziert. Absätze bestehen oft aus Lederersatz-Stoffen, wie beispielsweise Holzspänen. Die Schnelllebigkeit der Ware hat leider ihren Preis. Dessen müssen sich Verbraucher*innen bewusst sein.

Ist jeder Schuh zu retten?

Grundsätzlich ja. Schlecht erreichbare Stellen, können eine Reparatur erschweren. Doch für den Lieblingsschuh geben wir unser Bestes. Große Risse im Leder lassen sich leider nicht spurlos rekonstruieren.

Nun zu shoedoc: Welches Ziel verfolgst du mit deinem Online-Schuhreparatur-Service?

Mit unserer stark positionierten Marke wollen wir ein Zeichen setzen und deutschlandweit der Anbieter mit der größten Marktdominanz sein. Wir haben ein sehr nachhaltiges Anliegen und bieten unseren Kund*innen auch einen ethischen Mehrwert. Mit unserem Online-Schuhreparatur-Service sprechen wir uns ganz klar gegen das Fast-Fashion-Zeitalter aus. Schuhe lange zu tragen ist der nachhaltigste Umgang mit ihnen. Das garantieren wir. Durch unseren digitalisierten Prozess machen wir es Verbraucher*innen ganz einfach, eine nachhaltige Entscheidung zu treffen. Unser Reparatur-Service ist für jeden leicht zugänglich – egal von wo. Easy, per Click.

Bietet shoedoc ausschließlich Schuhreparaturen an?

Nein, unser Reparatur-Service spezialisiert sich nicht nur auf Schuhe. Mit unserer dazugehörigen Schwestermarke PurseNurse kümmern wir uns auch sorgfältig um alle Taschen. Egal, ob aus Leder oder anderen Materialien.

Was ist deine Vision mit shoedoc?

Shoedoc ist deutschlandweit der Ansprechpartner für den Reparatur-Service. Egal, ob Schuhe, Taschen oder sogar Kleidung. Wir wollen weiterhin expandieren und unsere Serviceleistung erweitern. Außerdem ist uns das Gesamtpaket sehr wichtig. Wir planen Repair-Cafés und wollen Freude und Mehrwert miteinander kombinieren. Wir haben viele Edutainment-Idee. Außerdem wollen wir unseren Wirkungskreis durch Pop-Up Stores in verschiedenen Metropolen erweitern. So sind wir noch präsenter und können eine direkte Beratung vor Ort anbieten. Für unsere Kunden, die wir nicht vor Ort erreichen, bieten wir eine Online-Video-Beratung an. Shoedoc soll weiterhin wachsen.

100.000 Euro beim 1. Social Startup Pitch der Fritz Henkel Stiftung vergeben

Das sind die Gewinner des ersten Social Startup Pitch „Teilhabe schaffen“ der Fritz Henkel Stiftung. Insgesamt wurden Preisgelder im Wert von 100.000 Euro vergeben.

Die Gewinner*innen des ersten Social Startup Pitch „Teilhabe schaffen“ der Fritz Henkel Stiftung in Zusammenarbeit mit der Social Impact gGmbH stehen fest. Drei Start-ups haben mit ihren Präsentationen im Rahmen eines Pitch-Events in Düsseldorf überzeugt und belegen die ersten Plätze. Der Publikumspreis geht an „Über den Tellerrand“ aus Berlin. Insgesamt wurden Preisgelder im Wert von 100.000 Euro vergeben.

Die drei erstplatzierten Start-ups überzeugten die Jury mit ihren innovativen, unternehmerischen Ideen und ihrer Präsentation auf der Bühne beim Pitch-Event. Alle acht Teilnehmenden haben gemeinsam, dass sie sich für gesellschaftliche Teilhabe von Geflüchteten und Menschen mit Migrationsgeschichte durch Bildungsangebote im kulturellen Umfeld engagieren.

Die Gewinner*innen:

  • Platz 1: Heartbeat Edutainment, Frankfurt a.M., 40.000 Euro
  • Platz 2: Nyabinghi Lab, Berlin, 30.000 Euro
  • Platz 3: myBuddy, Mannheim, 20.000 Euro
  • Publikumspreis: Über den Tellerrand, Berlin, 10.000 Euro

Das Siegerteam Heartbeat unterstützt mit Hip-Hop-Bildung und Persönlichkeitsentwicklung von Kindern mit und ohne Migrationshintergrund.

Nyabinghi Lab setzt sich für Wandel im deutschen Kulturbetrieb ein und schafft mehr Sichtbarkeit für Perspektiven von Migrant*innen und People of Color.

Der/die Drittplatzierte myBuddy bietet verschiedene niedrigschwellige Formate, um kulturellen Zusammenhalt zu fördern, beispielsweise ein Buddy-Programm und ein jährliches Kulturfestival.

Der Publikumspreis ging an Über den Tellerrand, die niedrigschwellige kulturelle Begegnungsangebote für Menschen mit und ohne Migrations- oder Fluchtgeschichte organisieren, zum Beispiel von Migrant*innen geleitete Kochkurse, Tanz oder ein Sprachcafé. Das Social Startup aus Berlin gewinnt damit 10.000 Euro.

Insgesamt wurden Preisgelder in einer Gesamthöhe von 100.000 Euro vergeben. Ausgangspunkt für den Social Startup Pitch der Fritz Henkel Stiftung ist die grundlegende Überzeugung, dass kulturelle Bildung Türen öffnen und Begegnungen auf neuen Ebenen ermöglichen kann. „Gerade für Menschen mit Migrationsgeschichte oder Fluchterfahrung bietet sich durch kulturelle Bildung die Chance, stärker an der Gesellschaft teilzuhaben. Deswegen ist es so wichtig, diese Projekte zu unterstützen“, sagt Karol-Monique Westhoff, Geschäftsführerin der Fritz Henkel Stiftung.

EdTech-Start-up Easy-Tutor sammelt 4,8 Mio. Euro ein

Easy-Tutor, 2017 von Massimo Cancellara und Jessica Contento gegründet, bietet Online-Nachhilfe für Schüler*innen aller Klassenstufen.

Der Online-Nachhilfeanbieter Easy-Tutor erhält im Zuge einer Series-A-Finanzierungsrunde 4,8 Millionen Euro. Das frische Kapital kommt vom Bestandsinvestor Bayern Kapital, der sich über seinen Innovationsfonds BKI EFRE erneut beteiligt. Neu investiert ist zudem das 2022 gegründete Münchner Family Office K+K1 rund um den Timify-Gründer Andreas Knürr.

Massimo Cancellara, CEO und Co-Gründer von Easy Tutor: „Vor dem Hintergrund der schleppenden Digitalisierung von Schulen, dem Lehrer*innenmangel und dem Fehlen von Fachkräften zeigt sich, dass das Sicherstellen einer flächendeckend guten und zeitgemäßen Bildung eine der wichtigsten gesellschaftlichen Aufgaben unserer Zeit ist. Wer heute Veränderung im Bildungsbereich herbeiführen möchte, muss Bildung neu denken.“

Dazu gehört für Easy-Tutor zum einen, den Fokus auf das Individuum zu legen und menschlich auf die jeweiligen Lernbedürfnisse einzugehen. Und zum anderen solle Bildung für alle zugänglich sein. Easy-Tutor stehe genau dafür ein und ergänze diese Faktoren mit dem notwendigen technischen Know-how. „Wir wissen zu schätzen, dass unsere Investoren genau diesem Konzept vertrauen und es mit ihrem Investment honorieren.“ ergänzt Co-Gründerin Jessica Contento.

Das frische Geld nutzt das EdTech, um die eigene digitale Plattform weiterzuentwickeln und das Wachstum voranzutreiben – im deutschsprachigen Raum wie auch im unmittelbaren Ausland ab Mitte 2023. „Dabei ist uns sehr wichtig, nicht um jeden Preis zu skalieren, sondern gesund und nachhaltig zu wachsen. So möchten wir in den kommenden Jahren europaweit zur Anlaufstelle Nummer Eins für Schüler*innen, Eltern und Schulen werden, wenn es um qualitativ hochwertige, digitale schulbegleitende Nachhilfe geht“, erklärt Massimo Cancellara.

Entsprechend investiert Easy-Tutor auch in weitere relevante Partnerschaften, etwa in Kooperationen mit Schulen und Vereinen. Im Moment nutzen etwa 200 Partnerschulen und 40 Prozent aller Bundesligavereine Easy-Tutor in ihrem Betreuungsangebot für Kinder und Jugendliche. Zudem sollen Unternehmen für eine Zusammenarbeit gewonnen werden, die durch ihre Zielgruppenrelevanz Easy-Tutor mehr Sichtbarkeit und den Kund*innen durch das Nachhilfeangebot einen starken Mehrwert bieten. Seit der Gründung 2017 wächst das Unternehmen nach eigenen Angaben stetig: Mittlerweile kümmern sich über 40 Mitarbeiter*innen um die etwa 12.000 Schüler*innen der Plattform.

NeedNect Solutions ist das „Travel Start-up 2022“

Geballte Frauenpower beim digitalen Travel-Start-up-Nachwuchs: Das österreichische Start-up NeedNect Solutions holt sich den Titel „Travel Start-up 2022“.

Geballte Frauenpower beim Finale der Start-up Nights 2022 der Tourismusindustrie, ausgerichtet vom Travel Industry Club e.V. (TIC) und dem Verband Internet Reisevertrieb e.V. (VIR). Alle drei Erstplatzierten Start-up-Unternehmen wurden in der Endrunde von weiblichen Vertreterinnen in der Führungsspitze präsentiert.

Insgesamt hatten sich über 60 Jungunternehmer*innen an den diesjährigen sechs Travel Start-up Nights in Städten der DACH-Region von TIC und VIR beteiligt und dabei um den Finaleinzug zum Jahresende gewetteifert, das über den Dächern von Frankfurt bei ADVANT Beiten veranstaltet wurde.

Den Sieger*innen winkte ein Preispaket im Wert von über 80.000 Euro. Bewertet wurden die Finalist*innen nach fünf Kriterien: Innovationskraft, Geschäftsmodell, USP, Relevanz in der Branche sowie Gründer*in/Team. 80 Prozent der Beurteilung machte das Ergebnis der 30-köpfigen Jury aus, 20 Prozent zählten jedoch auch die Stimmen der über 50 Zuschauer*innen, die das Start-up Finale live sowie virtuell verfolgten.

Platz 1: NeedNect Solutions

In einem spannenden Finale setzte sich mit einem knappen Vorsprung NeedNect Solutions von CEO und Gründerin Ines Ganner durch und darf sich nun über den Titel „Travel Start-up 2022“ freuen. Die Plattform ermöglicht ein individuelles Hotelerlebnis mit interner Planbarkeit und einer Reduzierung von Lebensmittelverschwendung. Das Start-up verfolgt dabei das Ziel, die Gästezufriedenheit und den Umsatz kontinuierlich zu steigern. Hotels erhalten unter anderem aggregierte Gästedaten und können sich im Sinne der Nachhaltigkeit besser auf die ankommenden Gäste vorbereiten.

Platz 2: Rhome

Platz zwei beim Travel Start-up Finale belegte Rhome, präsentiert von CEO & Co-Founder Dr. Julia-Sophie Ezinger. Die Plattform entstand durch die Folgen der Corona-Pandemie für die Arbeitswelt und erleichtert Remote Work sowohl für Arbeitgeber*innen als auch für Arbeitnehmer*innen. Das neu geschaffene Tool von Rhome hilft dabei, die Vorschriften einzuhalten, während Mitarbeiter*innen die Flexibilität genießen, von überall aus zu arbeiten.

Platz 3: ZAUBAR

Den dritten Platz beim Travel Start-up Finale von TIC und VIR nahm ZAUBAR – vorgestellt von Anne-Sophie Panzer (Head of Creators/COO) – mit seinem Online-Portal ein, über das jeder „Passonate Local“ selbstständig ortsbasierte Augmented-Reality-Touren erstellen und monetarisieren kann. Besucher*innen haben so die Möglichkeit, sich mithilfe von AR auf einem Foto mit historischen oder berühmten Persönlichkeiten zu verewigen.

Weitere Finalteilnehmer*innen waren die Buchungsplattform für Bildungsurlaub Bildungsurlauber.de, die Tourguide App elysium, die App für moderne Kulturerlebnisse hublz sowie der AR-Begleiter YONA.

„Wir haben beim diesjährigen Travel Start-up Wettbewerb feststellen müssen, dass das wirtschaftliche Umfeld für Start-up Unternehmen und Gründer*innen immer schwieriger wird“, bilanziert VIR-Vorstand Michael Buller nach der Finalentscheidung. „Daher ist es wichtiger denn je, dass es solche Formate gibt, in denen sich junge Unternehmer*innen mit ihren innovativen und kreativen Geschäftsideen präsentieren können.“