Gründer der Woche: cannaable – das Amazon für Cannabis-Produkte

Gründer der Woche 31/20


44 likes

Lars Bauer, Sascha Wiebelt und Florian Bein haben gemeinsam mit drei weiteren Mitstreitern cannaable, den Online-Marktplatz für Produkte rund um den Hanf, gegründet  – auch, um mit den Vorurteilen über die altehrwürdige Nutzpflanze aufzuräumen. Mehr dazu im Interview mit den Co-Gründern Sascha und Florian:

Das Cannaable-Gründerteam

Zunächst zur aktuellen Lage gefragt: Wie ist es euch in der Corona-Krise bislang ergangen?

Sascha: Da wir quasi in der Krise mit unserem Marktplatz live gegangen sind, hatten wir keine Referenz- oder Vergleichswerte, was bspw. Verkäufe oder Traffic angeht, und waren skeptisch, ob das den trotzdem funktionieren würde. Glücklicherweise gab es jedoch, zumindest wirtschaftlich gesehen, während der Corona-Krise nicht nur Verlierer. So konnten wir, als rein digitaler Marktplatz, vom boomenden E-Commerce-Geschäft profitieren und relativ schnell erste Umsätze generieren. Auch ist dadurch rasch eine enge Beziehung und ein tolles Netzwerk zu unseren Händlern entstanden. Alles in allem konnten wir die Krise super meistern.

Welche Learnings habt ihr aus dieser Zeit mitnehmen können?

Florian: Die Zeit war spannend. Als großes Learning haben wir, wie auch sicherlich viele andere digitale Unternehmen, insbesondere das Thema „Meeting“ mitnehmen können. Besprechungen können relativ kurzfristig und zeitnah via Zoom, Google Hangout (etc.) gehalten werden. Damit sind die Wege kürzer und die Besprechungen unter allen Gesellschaftern waren einfacher abzuhalten. Als Start-up geht es um Agilität und Speed, beides konnten wir für uns beweisen, sodass es uns möglich war, lange und wichtige Besprechungen Face-to-Face zu führen.

Nun zu eurer Gründung: Wann und wie seid ihr auf die Idee zu cannaable gekommen?

Florian: Das Projekt entstand Mitte 2019 aus unzähligen Erzählungen und Gesprächen zwischen Sascha und mir. Wir haben uns explizit für dieses Projekt entschieden, da im Markt gerade jetzt ein Umdenken bevorsteht. Die typische Schulmedizin wird hinterfragt, die Menschen öffnen sich für Alternativen und die Nutzpflanze Hanf steht hier u.a. an prominenter Stelle. Durch meine Agentur habe ich verschiedene Berührungspunkte mit dem Bereich der Komplementärmedizin und entsprechend auch viel mit CBD-haltigen Produkten zu tun. Die Vermarktungsschwierigkeit als Marketer durfte ich recht schnell bemerken, somit musste ich auch hier umdenken. Aus vielen kleinen Faktoren entstand etwas Großes: Cannaable, mit einem unfassbaren Team, bestehend aus Sascha Wiebelt, Lars Bauer, Luca Stulier, Marco und Mike Becker und mir.

Welches Potenzial birgt die Hanfpflanze neben ihrem Ruf als Droge bzw. Rauschmittel?

Florian: Leider ist dieser Ruf (Hanf = Droge) nach wie vor in den Köpfen vieler Personen verankert. Jeder, der sich mit Hanf als Nutzpflanze und Nahrungsergänzungsmittel auseinandergesetzt hat, weiß jedoch, dass diese Pflanze ein enormes Potenzial für Wirtschaft, Gesundheit und viele weitere Teilbereiche hat. Hier verweisen wir gern auf unser Hanfblatt und laden jeden von euch dazu ein, sich ein eigenes Bild von dieser Pflanze zu machen.

Was waren dann die wichtigsten Steps von der Gründung bis zum Start eurer Plattform? Und was waren die größten Hürden?

Sascha: Da gab es einige Steps und Hürden, bspw. direkt nach der Erstellung des Konzepts ging es zuerst darum, ein passendes Team aufzusetzen und Partner zu finden, welche sich am Unternehmen beteiligen wollen. Heißt: Unser Ziel war es, jeden Teilbereich des Unternehmens durch eigene Expertise abzudecken und dabei Kosten zu sparen. Glücklicherweise konnten wir unsere Partner von unserem Konzept überzeugen und so ein Team, bestehend aus Experten im Bereich Marketing, Vertrieb, Design, Entwicklung und Content-Creation zusammenstellen. Auch gab es viele Herausforderungen bei der Entwicklung des Markplatzes und dem Schaffen des sogenannten Händlerbackends, was wir mit unseren Entwicklern jedoch auf Basis einer eigens entwickelten Technologie erfolgreich realisieren konnten.

Eines der Hauptprobleme: die Vermarktung. Da die Richtlinien bei Google, Facebook & Co. noch nicht klar geregelt sind und viele Hanf- und CBD-Hersteller/Händler bei den größten Plattformen gesperrt sind, entstand auf der einen Seite ein Bedarf bzw. Problem, für das wir eine Lösung entwickelt haben. Wir haben uns im Team ein einzigartiges Vermarktungskonzept überlegt und dieses umgesetzt. Es wurde uns recht schnell klar, dass dies funktionieren wird. Letztendlich gab es dann noch die üblichen Verwaltungs- und Gründungsprobleme. Welche Rechtsform nehmen wir, wie regeln wir Haftungsausschlüsse, vor allem bezugnehmend auf dieses heikle Thema usw. Letztendlich konnten wir alles erfolgreich meistern und an den Start gehen.

Wie habt ihr diese Phase finanziert?

Sascha: Die Gründung sowie die Startphase haben wir selbst finanziert. Florian und ich führen derzeit jedoch Gespräche mit potenziellen Investoren und Business Angels und befinden uns gerade in der Phase, einen passenden Partner für unser Unternehmen zu finden. Mit diesem wollen wir dann gemeinsam weiterwachsen und unsere mehrstufige Strategie realisieren. Unsere Pläne sind groß, wir hatten verschiedene Hürden erfolgreich meistern können und haben seitens der Händler bereits vielfache Zusagen und positive Rückmeldungen, welche unser Geschäftsmodell bestätigen. Nun geht es im nächsten Step darum, genügend Kundschaft und Traffic auf unserem Marktplatz zu generieren. Um unsere Wachstumsstrategie zu realisieren sind wird offen für jede Kontaktaufnahme möglicher Partner oder Kooperationen.

Nun zu eurem Marktplatz. Was ist euer Konzept und was bietet ihr auf cannaable.de?

Sascha: Cannaable.de ist ein Nischenmarktplatz für Hanfprodukte, auf dem Händler und Hersteller mit Kunden und Konsumenten vernetzt werden. Wir sind somit die digitale Schnittstelle zwischen den beiden Parteien und bieten sowohl für den Händler, als auch für den Kunden signifikante Vorteile. Während Händler von unserer Marketingstrategie profitieren, hat der Kunde die Möglichkeit vielerlei Cannabis Produkte zentral bei uns vorzufinden und kann ein einwandfreies Shoppingerlebnis in unserem „One-stop-Shop“ genießen. Auch profitiert der Kunde davon, dass wir Transparenz und Vergleichsmöglichkeiten, bspw. im Hinblick auf die Qualität, für unsere Produkte schaffen. Auf unserem Marktplatz herrscht somit Offenheit im Bereich Hanf, das Sortiment wächst stetig und wir möchten alles rund um das Thema Cannabis auf einer Plattform anbieten, sodass der Kunde und Konsument selbst entscheiden kann, welche Produkte er mit welchen Inhaltsstoffen und aus welchem Produktionsland erwerben möchte.

Wer ist eure Zielgruppe?

Florian: Unsere Zielgruppe richtig sich generell an jene, die sich mit dem Mehrwert des Hanfs beschäftigen. Vor allem aber auch alternativ denkende, bio-affine, gesundheitsbewusste Menschen. Das Alter eines CBD Nutzers wird derzeit noch auf 40+ geschätzt, jedoch verschiebt sich der Markt immer mehr. Mittlerweile haben wir viele Käufer unter 30.

Wie macht ihr marketingtechnisch auf euch aufmerksam?

Florian: Unser Marketing ist sehr Performance-Marketing lastig (vor allem im Bereich Google & Social Media). Wir haben ein einzigartiges Marketingkonzept entwickelt, das Bereiche wie Google, Facebook, Instagram, Affiliate und alle anderen Online-Marketing-Netzwerke vereint. Kombiniert wird das Online-Marketing mit dem richtigen PR-Marketing und unserem Hanfblatt, dem Hanf Blog für alles rund um das Thema Cannabis, sowie den dazugehörigen Hanf-Produktvorstellungen auf der Cannaable-Produktvorstellungsseite. Uns sind alle Probleme im Bereich SMM und SEA bekannt. Da die Marketing-Richtlinien im Bereich CBD und Hanf relativ eng geschnürt sind, mussten wir mit unserem Marketing umdenken. Um neben aktivem Performance-Marketing gleichzeitig auch organisch zu wachsen, haben wir zusätzlich verschiedene SEO-Maßnahmen in diesem Bereich ins Leben gerufen.

Gibt es vergleichbare Angebote? Wenn ja, wie hebt ihr euch vom Wettbewerb ab?

Sascha: Im Bereich der Nischenmarktplätze sind wir in Deutschland der erste Marktplatz, der sich dem Thema Hanf in dieser Form gewidmet hat. Dies hat den Vorteil, dass wir keine Konkurrenz der Händler oder Hersteller sind, sondern eben deren Partner. Diese Position verschafft uns und den Händlern vielerlei Möglichkeiten der Zusammenarbeit. Da wir um den Marktplatz herum weitere Seiten, wie bspw. unseren Cannaable-Po(t)cast oder unseren Blog betreiben, schaffen wir den Händlern – parallel zum Marktplatz – weitere Kanäle, über die sie ihre Brands aufbauen können. Während die Händler also den Fokus auf die Entwicklung und Weiterentwicklung ihrer Produkte legen, kümmern wir uns um deren Vermarktung über all unsere Kanäle.

Was sind eure weiteren unternehmerischen Vorhaben?

Florian: Der volle Fokus liegt auf Cannaable. All unsere weitere Projekte münden in den Bereich „Hanf/Cannabis digitalisieren“, sodass wir von jedem „Nebenkriegsschauplatz“ profitieren. Als nächstes werden wir ein Nischenbranchenverzeichnis für Cannabis-Unternehmen ins Leben rufen. Sobald der Marktplatz etabliert ist, würden wir uns gern auch dem Thema Medical Cannabis widmen, um Cannabis Händler mit Apotheken, sowie Apotheken mit Patienten zu vernetzen. Unsere Vision ist, dass wir der digitale Ansprechpartner im Bereich Cannabis und Hanfprodukte im Internet sind.

Und last but not least: Was gebt ihr anderen Gründerinnen und Gründern aus eigener Erfahrung mit auf den Weg?

Sascha und Florian: Seid mit dem Herzen dabei. Es ist wichtig, sich zu 100 Prozent mit dem, was man tut, zu identifizieren. Wenn das der Fall ist, dann einfach machen. Groß denken, aber die To Do's schrittweise oder nach Prioritäten erledigen und fokussiert bleiben. Neben den wichtigsten Eigenschaften, wie der eigenen Angebtriebenheit und einer unermüdlichen Motivation, ist das Team und dessen Expertise entscheidend für den Erfolg. Mit cannaable konnten wir ein Team aufbauen, welches all diese Voraussetzungen erfüllt. Wäre das nicht gegeben, wären wir deutlich langsamer gewachsen. In diesem Sinne, viel Erfolg!

Hier geht's zu cannaable

Das Interview führte Hans Luthardt

VORMERKEN: Mehr über das globale Cannabis-Business, die Rolle deutscher Start-ups und die Chancen und Hürden für Cannabis-Gründer, lest ihr in der kommenden Printausgabe von StartingUp - Heft 03/20 - ab dem 20. August im Handel und online bestellbar.