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Baris Özel und Max Krämer sind mit ihrer Bugfoundation angetreten, um den Insektenburger hierzulande auf alle Teller zu bringen. Wie die beiden Gründer ihr "Insekten-Food-Business" als Vorreiter in Deutschland aufgebaut haben und was das Besondere daran ist, erfahren wir im Interview mit Co-Gründer Baris.

Sie haben den Insektenburger nach Deutschland gebracht: die Bugfoundation-Gründer Baris Özel und Max Krämer. Foto: Bugfoundation

Was macht das besondere Geschmackserlebnis eures Insektenburgers aus?

Wo soll ich anfangen? Sicherlich ist es für viele Konsumenten dieser große Schritt von „WAS INSEKTEN???“ zu „Wow, schmeckt das gut!“. Geschmacklich ist unser Insektenburger das Ergebnis vieler Jahre Arbeit. Er bietet nicht nur moralisch, sondern explizit auch geschmacklich eine ernsthafte Alternative zu konventionellem Fleisch.

Aus welchen Zutaten besteht der Burger Patty?

Unser Burger Patty besteht zu knapp einem Drittel aus Insekten, sogenannten Buffalowürmern, und aus ausgewählten vegetarischen Zutaten. Er ist proteinreich, zu 100% natürlich und enthält keine Zusatzstoffe.

Nun zu den Anfängen eures Insekten-Business: Wann und wie seid ihr auf die Idee gekommen, Insekten kulinarisch zu nutzen?

Im Jahr 2010 haben wir uns während unserer Studienzeit zwei Urlaubssemester genommen und uns auf eine einjährige Reise begeben. Unsere Reise hat in Australien begonnen. Nach euphorischen 3 Monaten waren wir bankrott, aber das sollte nicht das Ende unserer Reise sein. Wir haben uns einen Job in Sydney gesucht und uns erst mal dort niedergelassen. Nach gut 4 Monaten hatten wir ein gutes Polster zusammengespart und sind weiter nach Südostasien gereist. Gestartet in Indonesien, über Singapur, Malaysia kamen wir irgendwann zu Fuß über die Grenze in Thailand an. Vor Ort haben uns die leckeren Düfte aus den Woks förmlich angezogen. Beim zweiten Blick wurde uns klar, dass sich Insekten in diesen befanden und dass genau diese anscheinend so gut riechen. Kurzerhand haben wir uns dazu entschlossen, uns einmal durch die breite Auswahl durchzuprobieren.

Es waren ein zwei Insekten dabei, welche uns nicht schmeckten, aber der Großteil war vorzüglich! Unsere Reise ging weiter und irgendwann waren wir auch wieder zurück in Deutschland. Mein bester Freund und Mitgründer Max hat zum Ende seines Studium seine Bachelorarbeit über das Thema: „Insekten - Nahrungsmittel der Zukunft?“ geschrieben. Wir hatten nun also das wissenschaftliche Fundament und die Erinnerung an die guten Geschmäcker aus Asien. So beschlossen wir das Essen von Insekten in Europa alltäglich zu machen und starteten mit den ersten Versuchen.

Gab es zu dieser Zeit vergleichbares in Deutschland?

Nein, gar nicht. Zu dem Zeitpunkt hat noch nicht einmal jemand über Insekten auf dem Teller nachgedacht, obwohl bereits ein Drittel der Menschheit regelmäßig Insekten auf ihrem Speiseplan hat.

Was waren dann die wichtigsten Steps bei der Gründung und der Umsetzung der Burger-Idee?

Insbesondere die rechtliche Lage in Deutschland zu klären und die Insekten als Lebensmittel zu legalisieren war ein wirklich großer und aufwändiger Schritt für uns. Aber auch die Produktentwicklung und Produktion mit diesem komplett neuen Rohstoff waren eine Herausforderung.


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Der Patty des Insektenburgers besteht zu knapp einem Drittel aus Insekten, sog. Buffalowürmern, und aus vegetarischen Zutaten. Er ist proteinreich, zu 100% natürlich und enthält keine Zusatzstoffe. Foto: Bugfoundation


Wie viel Überzeugungsarbeit musstet ihr anfänglich und ggf. müsst ihr heute noch leisten, um die Burger an den Mann und die Frau zu bekommen?

Zu Beginn haben Freunde und Bekannte uns gefragt, ob das unser ernst sei. Es sei eine gute Idee und Vorteile hätte es ja auch, aber ob das jemand kauft bezweifelten viele noch zu Beginn. Mittlerweile hat sich die Situation komplett verändert. Eigentlich müssen wir keine Überzeugungsarbeit leisten, denn wenn unser Patty erst Mal in der Pfanne liegt, zieht der sich entwickelnde Geruch die Menschen an. Das führte dieses Jahr auf der Grünen Woche in Berlin zu Schlangen von über 50 Metern vor unserem Stand. Wer einmal probiert hat will eigentlich immer eine zweite Kostprobe oder fragt direkt, wo man es erwerben kann. Die große Nachfrage vom Einzelhandel, Gastronomen und Caterern bestätigen das gerade.

So langsam ist das Thema „Insekten als Nahrungsmittel“ immer populärer und wir freuen uns über die neugierigen Fragen der Menschen, welche wir immer gerne beantworten. Daher würde ich behaupten, dass man eher Aufklärungsarbeit statt Überzeugungsarbeit leisten muss.

Wer ist eure Zielgruppe und wie kommt ihr an die Leute marketingtechnisch ran?

Unsere Zielgruppe sind Menschen, die gerne Burger essen, sich gesund und nachhaltig ernähren möchten. Wir setzten in erster Linie auf den Geschmack, da das der ausschlaggebende Grund ist warum Menschen sich ein Lebensmittel wieder kaufen. Auf der anderen Seite sieht man weder in unseren Produkten noch in unserer Kommunikation ganze oder Teile von Insekten. Der Hintergrund hierbei ist, dass die Menschen in Westeuropa noch gewisse Vorurteile gegen Insekten als Nahrungsmittel haben, sodass wir versuchen diese Barriere visuell nicht noch zu unterstützten. Das heißt aber nicht, dass wir intransparent sind, denn auf unserer Verpackung steht riesen groß: Moin Moin, ich bin Deutschlands erster INSEKTENBURGER.

Wo kann man eure Insektenburger kaufen bzw. essen?

Wir haben im April in 2 Filialen in Aachen die Premiere hingelegt. Mittlerweile ist er in über 100 Filialen der REWE in der Südregion vertreten. Im Juni kommen die Städte Bremen und Osnabrück dazu. Noch dieses Jahr wird es unseren Burger flächendeckend in Deutschland geben. Wir starten zunächst mit den urbanen Regionen.

Insekten zu essen ist zwar immer noch exotisch, aber nicht mehr so ganz ungewöhnlich wie zu Beginn eures Business. Wie hebt ihr euch vom Wettbewerb ab?

Bisher haben wir nur einen ernsthaften Mittbewerber in der Schweiz, der das gleiche Geschäftsmodell hat wie wir. Wir freuen uns, dass immer mehr Startups versuchen den Weg für Insekten als Lebensmittel zu ebnen. Wir als Bugfoundation stehen in erster Linie für köstliche Produkte und Qualität. Ein extrem starkes und motiviertes Team im Hintergrund beflügeln das ganz dann noch. Ich denke, dass wir einen sehr guten Start hingelegt haben. Auch wir wissen, dass die Großen bald nachziehen werden, aber noch nutzen wir unseren Vorsprung und unser Know-how aus unseren EU-Forschungsprojekten, das wir uns beides in den letzten Jahren erarbeitet haben. Die Möglichkeit, die Ernährungsweise eines gesamten Kontinents verändern zu können treibt uns an und motiviert uns jeden Tag aufs Neue. Unsere wahre Stärke ist die Freude an dem was wir tun.

Gibt es weitere Ideen bzw. Pläne rund um den Genuss von Insekten?

Wir haben mittlerweile diverse weitere Produkte in der Pipeline, welche alle in Richtung Fleischersatz gehen. Eines davon wird noch dieses Jahr die Marktreife erreichen. Was genau? Das behalten wir uns erst mal noch vor.

Und last but not least: Was ratet ihr anderen (Food-)Gründern aus eigener Erfahrung?

Das Thema Food gewinnt immer mehr an Bedeutung. Es ist aber eine Branche, die langsamer wächst als zum Beispiel die Tech Branche. Wenn man eine gute Idee hat muss man daran festhalten, Geduld mitbringen und es durchziehen. Dabei ist die Fokussierung auf die Ziele die man sich gesetzt hat wichtig. Es gibt immer viele Möglichkeiten, aber für einen Weg muss man sich entscheiden. Wer Entschlossenheit und Durchhaltevermögen mitbringt, wird dafür meistens belohnt. Wer hätte 2015 gedacht, dass es 2018 Insektenburger bei REWE gibt?

Hier geht's zur Bugfoundation

Das Interview führte Hans Luthardt


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