Kölner Start-Up für müllfreies Weihnachten


44 likes

Das Impact Start-up Goodgive stellt nachhaltige Produkte in sozialer Produktion her und sagt damit herkömmlichem Geschenkpapier den Kampf an.

Goodgive-Co-Gründer Alexander Lange begeistert sich schon seit Jahren für Innovationen und Umweltschutz. In seinem letzten Job hat er sich mit nachhaltiger Mobilität beschäftigt. Außerdem ist er Botschafter der weltweiten Hilforganisation "One Young World". Mit seiner Co-Gründerin Sara Stichnote und zwei weiteren Mitstreitern hat er nun das perfekte Projekt gefunden, um seine Liebe zur Umwelt und zum Schenken zu verbinden.

Alle Jahre wieder: Geschenkpapiermüll

Jedes Weihnachten entstehen in Deutschland allein durch Geschenkpapier riesige Müllberge. Geht man davon aus, dass jeder Bürger 100g Geschenkpapier verwendet, ergibt das bereits eine Summe von 8000 Tonnen Geschenkpapiermüll. Die Bundesregierung schätzt, dass sich dieser Wert jedes Jahr um 20 Prozent erhöht.

Dieser Entwicklung möchte das Kölner Start-Up Goodgive ein Enden bereiten. Sie stellen wiederverwendbare Geschenkverpackungen aus Stoff her, die das herkömmliche Geschenkpapier ersetzen sollen. Zu diesem Zweck hat das Unternehmen jetzt eine Crowdfunding-Kampagne in Leben gerufen, um noch in diesem Jahr über eine Tonne Verpackungsmüll einzusparen.

Geschenkverpackungen aus Bio-Baumwolle

Herkömmliches Geschenkpapier schadet der Umwelt und verursacht eine Menge Müll. Für die Herstellung von 1kg Geschenkpapier werden ca. 50 Liter Wasser und 5 Kilowattstunden Energie eingesetzt. Die nachhaltigen Geschenkverpackungen von Goodgive werden zu 100 Prozent aus biologischer Baumwolle in Deutschland produziert. Für die Herstellung von biologischer Baumwolle werden im Gegensatz zu herkömmlicher Baumwolle keine Pestizide oder Düngemittel eingesetzt und 91 Prozent weniger Wasser verwendet. Genäht werden die nachhaltigen Verpackungen in Deutschland in sozialen Werkstätten für Menschen mit Beeinträchtigung. Auf diese Weise werden nicht nur umweltbelastende Materialen vermieden, sondern auch die Transportwege kurzgehalten.

Das Fundingziel: 25.000 Euro

Das Start-Up hat vor, in diesem Jahr 10.000 Geschenkverpackungen zu produzieren. Die Crowdfunding-Kampagne dient der Vorfinanzierung der Produktion für das diesjährige Weihnachtsgeschäft. Wie es bei Crowdfunding-Kampagnen üblich ist, entscheiden die interessierten Vorbesteller mit ihrer Unterstützung über die Verwirklichung des Goodgive Projekts. Ziel der Kampagne ist es bis zum 4. Oktober 2020 die angestrebte Summe von 25.000 Euro für die Unternehmenskasse zu sammeln. Den Investoren bietet Goodgive als Gegenleistung eine kreative Auswahl von individuellen Weihnachtsgrüßen bis hin zu signierten Geschenkeverpackungen, beispielsweise der Band Querbeat oder Protagonisten des 1. FC Köln.

Diese Artikel könnten Sie auch interessieren:

KI-Baukasten für den Mittelstand: Kann firepanda.ai das Versprechen der Einfachheit halten?

Das Münchner Start-up firepanda.ai launcht neue Plattform-Features und ein überarbeitetes Preismodell. Mit prominenter Gründer-Erfahrung aus E-Commerce und IT will das Unternehmen den DACH-Mittelstand erobern. Doch wie zukunftssicher ist der Spagat zwischen Orchestrierung und „KI-Steuer“?

Die Integration künstlicher Intelligenz gleicht in vielen mittelständischen Betrieben aktuell noch einem Blindflug. Es fehlen oft Ressourcen für komplexe Implementierungen oder das Know-how zur Einhaltung von Datenschutzstandards. Genau in diese Lücke stößt die Münchner All-in-One-Plattform firepanda.ai. Was im Jahr 2022 als direkte Reaktion auf den globalen „ChatGPT-Moment“ innerhalb eines IT-Entwicklungsbüros begann, will mit einer aktualisierten Plattformversion den Marktzugang für den Mittelstand nun endgültig vereinfachen.

Vom „ChatGPT-Schock“ zum Agentur-Spin-off

Die Geschichte von firepanda.ai nahm ihren Lauf, als die Veröffentlichung von ChatGPT die Tech-Welt erschütterte. In der Münchner IT-Agentur Fireflow erkannten die Gründer sofort den massiven Bedarf – und die gleichzeitige Verunsicherung – bei ihren Kund*innen. Statt den Trend nur zu beobachten, entwickelte das Team in intensiven Konzeptionsphasen eine Lösung, die den deutschen Mittelstand sicher in das KI-Zeitalter führen soll. Anfang 2025 erfolgte dann der offizielle Launch.

Hinter diesem Spin-off stehen zwei Köpfe mit komplementären Profilen. Dr. Peter Dornbusch (CEO & CTO) ist promovierter Informatiker und DeepTech-Veteran mit über 25 Jahren IT-Erfahrung. Flankiert wird er von Daniel Kövary, einem Experten für Business Development und digitale Markenführung.

Auf die Frage, wie schwer der Spagat zwischen anspruchsvollem Agenturgeschäft und der Inkubation einer völlig neuen SaaS-Plattform war, räumt Kövary ein: „Es war zweifellos ein enormer Kraftakt, der sich jedoch als unser größter strategischer Vorteil erwies.“ Durch das Tagesgeschäft sei man extrem nah an den realen Schmerzpunkten der Kund*innen – wie Datenschutzbedenken und Ressourcenmangel – gewesen. Die lange Entwicklungszeit bis 2025 war dabei eine bewusste Entscheidung gegen schnelle halbe Sachen. „Wir wollten keine weitere dünne ‚Wrapper-App‘ auf den Markt bringen“, betont Kövary und fügt hinzu: „Durch KI-gestütztes Coding haben wir eine echte Zeitenwende erlebt und unsere Entwicklungszyklen bei herausragender Code-Qualität massiv verkürzt.“

Schluss mit dem KI-Flickenteppich

Die Kernidee von firepanda.ai ist ein modellagnostisches KI-Backend, das Nutzer*innen flexibel zwischen den Modellen von Anbietern wie OpenAI, Anthropic oder Google wählen lässt, ohne separate Verträge abschließen zu müssen. Ein entscheidender Hebel für den Vertrieb ist dabei die Datensicherheit, da die Plattform auf Servern in Deutschland gehostet wird.

Doch wie garantiert das Start-up rechtssicher, dass Daten bei der Nutzung von OpenAI nicht vom US-Cloud Act erfasst werden? Dr. Peter Dornbusch gibt sich hier kompromisslos: „Um höchste Datenschutzstandards zu gewährleisten, routen wir Anfragen an Modelle wie OpenAI nicht über die Standard-US-Schnittstellen, sondern ausschließlich über DSGVO-konforme Instanzen etablierter Anbieter wie Microsoft Azure oder AWS, die in Europa gehostet werden.“ Dabei würden strikte Zero-Data-Retention-Policies greifen, die verhindern, dass Kund*innendaten für das Modell-Training genutzt werden. Für Unternehmen mit extrem restriktiven Vorgaben bietet firepanda.ai zudem europäische Open-Source-Modelle wie Mistral an, die autark in Deutschland gehostet werden. „Der Kunde ist nicht in einem System gefangen, sondern behält die volle Souveränität“, resümiert der CTO.

KI-Agenten per Drag-and-drop

Um ohne Programmierkenntnisse spezifische KI-Assistenten zu konfigurieren, bietet die Plattform einen Workflow-Builder an, in dem/der Nutzer*in Trigger und Aktionen per Drag-and-drop verknüpfen.

Trotz dieser Versprechen mutieren viele B2B-Start-ups oft zu Beratungsagenturen, weil Kund*innen das Self-Serve-Prinzip nicht allein bewältigen. Daniel Kövary kennt dieses Problem: Die Wucht der Technologie überfordere aktuell noch viele Organisationen. Während globale Player wie Anthropic massiv gegensteuern und sogenannte Forward Deployed Engineers einsetzen, die Use Cases direkt in Unternehmen auf eigene Kosten umsetzen, wählt das Münchner Team einen anderen Pfad. „Da wir diesen extrem ressourcenintensiven Weg weder gehen können noch wollen, lautet unsere strategische Antwort: Enablement!“, stellt Kövary klar. Statt klassischem Handholding setzt man auf ein mehrstufiges Befähigungsmodell im Produkt – von abteilungsspezifischen Prompt-Bibliotheken für Anfänger*innen bis zum Workflow-Builder für Profis. Das Versprechen des Gründers: „Unser primäres Ziel im Onboarding ist es, unternehmensinterne ‚KI-Champions‘ auszubilden, die das Wissen als Multiplikatoren eigenständig skalieren.“

Transparenter Deal oder teure Skalierung?

Seit dem 1. März 2026 lockt firepanda.ai mit einer kostenlosen Testversion inklusive einer Million Token. Im produktiven Einsatz werden 19,95 Euro pro Nutzer*in im Monat fällig, während die Token-Kosten mit einem Handling-Aufschlag von zehn Prozent transparent weitergereicht werden. Zusatzmodule kosten extra: 395 Euro für Workflow-Automatisierung und 95 Euro für API-Anbindungen.

Bislang ist das Start-up komplett bootstrapped. Um die Infrastrukturkosten und die geplante Skalierung zu stemmen, sucht das Unternehmen nun aber sehr selektive Seed-Finanzierungen. Dornbusch sucht dabei explizit nicht nach klassischem Venture Capital, sondern nach „Smart Money“ von strategischen Business Angels. Das ehrgeizige Ziel: „Unser Meilenstein bei diesem kontrollierten Wachstum ist es, durch die anstehende Skalierungsphase bis Ende 2026 den Break-even zu erreichen.“

Die „KI-Steuer“-Falle und wartende Tech-Giganten

Kritiker*innen könnten den zehnprozentigen Token-Aufschlag bei hohen Datenmengen als kostspielige „KI-Steuer“ ansehen, was zur Abwanderung Richtung Direkt-APIs führen könnte. Zudem buhlen globale Wettbewerber wie Make.com oder Microsofts Copilot Studio um den Mittelstand.

Dornbusch wehrt sich gegen den Begriff der Steuer: „Wir sehen diesen zehnprozentigen Aufschlag keineswegs als ‚KI-Steuer‘, sondern als nachvollziehbare Service-Fee.“ Diese Marge decke die komplexe Orchestrierung sowie Compliance-Sicherheit ab und erspare mühsames Vertragsmanagement. Dass Kund*innen bei steigendem KI-Reifegrad abwandern, glaubt er nicht: „Wenn ein Unternehmen erst einmal komplexe Freigabeschleifen, RAG-Pipelines mit proprietären internen Daten und externe API-Trigger in firepanda.ai modelliert hat, wechselt es nicht wegen eines marginal günstigeren Token-Preises die Plattform.“

Und was passiert, wenn Microsoft seinen Copilot so tief integriert, dass externe KMU-Layer überflüssig werden? Kövary kontert, dass Copilot zwar gut für persönliche Produktivität sei, die reale Prozesslandschaft des Mittelstands aber weitaus komplexer. „Wir müssen aufhören, diesen Layer als dünne, überflüssige Benutzeroberfläche zu missverstehen – er ist vielmehr das schützende Betriebssystem eines jeden Unternehmens in der KI-Ära“, argumentiert er. Durch diese Architektur befreie man Kund*innen aus dem Vendor-Lock-in einzelner Großkonzerne.

Genialer Eisbrecher mit Ablaufdatum?

Für die ersten 12 bis 24 Monate der KI-Transformation ist firepanda.ai als technologischer Eisbrecher hochattraktiv. Langfristig muss sich allerdings zeigen, ob die eigenen Workflow-Logiken stark genug sind, um gegen die Marktmacht der großen Ökosysteme zu bestehen.

Gefragt nach der Zukunft und einem möglichen Exit winkt Dr. Peter Dornbusch ab. Die Backend-Entwicklung sei dank 20 Jahren Agenturerfahrung keine Hürde gewesen, sondern der größte strategische Hebel, um eine sichere Enterprise-Umgebung zu schaffen. Man sei gekommen, um zu bleiben: „Ein schneller Exit ist nicht unser Fokus, denn der europäische Markt für B2B-KI steht erst ganz am Anfang“, stellt der CTO klar und gibt die zukünftige Marschroute vor: „Wir bauen hier an einem nachhaltigen und unabhängigen ‚German AI Champion‘, der dem Mittelstand dauerhaft hilft, seine Produktivität messbar und zukunftssicher zu steigern.“

Fahrfuchs: Kein Führerschein, aber das Auto neu gedacht

Die Gründer Florian Ritzel und Jannik Kirchhoff aus Hamburg wollen das Problem der versteckten Autokosten lösen. Ihre App Fahrfuchs kletterte ohne Marketingbudget in die Top 100 der Finanz-Charts im App Store – eine klassische Bootstrapping-Erfolgsgeschichte. Doch wie tragfähig ist das Geschäftsmodell, wenn etablierte Konkurrenten den Markt beherrschen?

Während andere Abiturient*innen für Klausuren büffeln, programmierten Florian Ritzel und sein Mitgründer Jannik Kirchhoff (beide 18) ein Start-up. Die Initialzündung war laut den beiden Hamburger Gymnasiasten eine gesellschaftliche Beobachtung: Die Belastung durch Mobilitätskosten. „Die alleinerziehende Mutter sollte nicht an der Zapfsäule stehen müssen und entscheiden, ob sie ihr Kind in die Kita oder sich selbst zur Arbeit fährt“, beschreibt Ritzel die Motivation hinter dem Projekt. Die amüsante Ironie ihrer Gründung: Die Fahrfuchs-Gründer besitzen aktuell nicht einmal einen Führerschein.

Auf die naheliegende Skepsis bezüglich dieses fehlenden „Nutzer-Wissens“ reagiert Florian Ritzel offensiv: „Natürlich gibt es immer Leute, die unsere Idee kritisieren. Und fehlendes Nutzerwissen ist gerade am Anfang schwierig, vor allem, wenn man eine App bauen möchte, die möglichst vielen Menschen hilft.“ Doch aus der vermeintlichen Schwäche machten sie eine Stärke durch maximale Nutzerorientierung. „Wir haben bereits vorher im Umfeld rumgefragt, was die Leute eigentlich brauchen, und danach gezielt um Feedback gebeten“, erklärt der Gründer. Der Erfolg gibt ihnen recht: „Inzwischen erreichen uns täglich dutzende Mails mit Tipps – was die Nutzer*innen sich wünschen und wie wir die App verbessern können. Dadurch wird uns das Ganze nicht zum Verhängnis, sondern sogar zum Vorteil.“

Mit Fahrfuchs wollen sie den rund 48,5 Millionen Pkw-Halter*innen in Deutschland auf den Cent genau aufzeigen, wo das Auto wirklich Geld frisst. Denn der teure Kraftstoff ist nur ein Teil der Wahrheit. Falsche Versicherungstarife, unbemerkter Wertverlust, Wartung und vergessene Pendlerpauschalen reißen oft weitaus größere Löcher ins Budget. Die Resonanz ist für die frühe Phase beachtlich: Ganz ohne bezahltes Marketing sammelte die App schnell über 700 Downloads ein – eine für den Massenmarkt zwar noch bescheidene Zahl, die jedoch ausreichte, um mehrfach in die Top 100 der Finanz-Charts im App Store zu stürmen. Zudem generierte das Projekt rein organisch Presseberichte, unter anderem in der FAZ, der SWP und bei Antenne Bayern.

Holistischer Ansatz statt reiner Tank-App

Auf den ersten Blick wirkt Fahrfuchs wie ein weiterer Spritpreis-Radar. Die App zieht in Echtzeit Daten der Markttransparenzstelle für Kraftstoffe, listet Ladesäulen für E-Autos und alarmiert per Push-Nachricht bei günstigen Preisen. Der entscheidende Pivot ist jedoch das ganzheitliche Kostentracking: Die Gründer haben einen eigenen Versicherungsrechner sowie einen Steuer-Sparrechner integriert, bieten detaillierte Monatsreports an und binden die Nutzer*innen über einen Gamification-Ansatz („Sparfuchs-Score“). Ein zentrales Versprechen in Zeiten von Datenskandalen: Alle sensiblen Nutzer*innendaten werden lokal auf dem Endgerät gespeichert – es gibt keine zentrale Cloud.

Angesprochen auf die Skalierbarkeit dieses Modells bezieht Jannik Kirchhoff klar Stellung: „Die lokale Datenspeicherung ist gerade in Deutschland kein strategisches Eigentor. Ich halte nichts für wichtiger, als die privaten Daten unserer Nutzer*innen zu schützen“. Er warnt vor den Risiken zentraler Speicherlösungen: „Niemand muss wissen, wo ich wohne, wohin ich morgens fahre oder wo meine Kinder zur Kita gehen. Wir haben in der Vergangenheit immer wieder gesehen, dass jeder gehackt werden kann. Und gerade als junge Entwickler können und wollen wir diese Verantwortung nicht übernehmen“. Personalisierte Spar-Vorschläge ließen sich laut Kirchhoff auch direkt auf dem Smartphone „hervorragend realisieren“.

Ein echtes Haifischbecken

Die Vision ist ambitioniert, doch der Markt ist hart umkämpft. Die Konkurrenz reicht von Excel-Tabellen bis zu Platzhirschen wie Spritmonitor oder Giganten wie Clever Tanken. Warum also wechseln? Florian Ritzel gibt sich selbstbewusst: „Die Spritpreis-Übersicht ist bei uns nur eines von vielen Features – nicht der Hauptteil. Wer Spritmonitor so gut findet, darf dort gerne bleiben.“ Der Fokus liege woanders: „Wer aber wirklich tracken möchte, was sein Auto insgesamt kostet, der kann das eben nur bei uns. Diese Gesamtheit an Features gibt es bisher in keiner anderen App in dieser Form.“ Selbst das Argument der manuellen Excel-Tabelle lässt er nicht gelten: „Natürlich kann man sich das selbst in Excel bauen – aber darauf haben die meisten Leute schlicht keine Lust. Genau deswegen sind wir so gut.“

Kritisch hinterfragt

Trotz des Aufklärungscharakters ist Fahrfuchs kein reines Hobbyprojekt; In-App-Käufe für eine „Plus“-Version (0,99 €/Monat) sowie eine „Pro“-Version (2,99 €/Monat bzw. 19,99 €/Jahr) bilden das Monetarisierungsmodell. Ob die selbstgestrickte Mathematik hinter dem Versicherungsrechner, der auf hunderten per Hand durchgerechneten Profilen basiert, ohne echte API-Schnittstellen dauerhaft standhält, bleibt abzuwarten.

Wie viele Abonnent*innen braucht es, um nach dem Abitur davon zu leben? Jannik Kirchhoff rechnet vor: „Ehrlicherweise vermutlich mehr als 10.000 zahlende Abonnent*innen – aber das ist zunächst auch nicht unser Ziel.“ Aktuell stehe das Lernen im Vordergrund: „Wir wollen vor allem Erfahrungen sammeln durch das, was wir machen, und gleichzeitig die laufenden Kosten decken. Das sollte demnächst möglich sein.“

Für die Zeit nach dem Abschluss hält er sich alle Türen offen: „Risikokapital halte ich ab dem Moment für unumgänglich, an dem wir wirklich konkret expandieren wollen. Das wird vermutlich nach dem Abitur der Fall sein. Dann muss man schauen, ob es sich lohnt, Anteile abzugeben oder Kredite aufzunehmen.“ Sein Fazit: „Spannend wird es erst, wenn wir die Idee wirklich groß skalieren wollen.“

Ein exzellentes MVP mit Pivot-Potenzial

Fahrfuchs ist ein Lehrbuchbeispiel für ein hervorragendes Minimum Viable Product (MVP). Um jedoch hochprofitabel zu werden, könnte mittelfristig ein Wechsel hin zur Affiliate-Provision für Versicherungswechsel nötig sein. Doch hier bremst Florian Ritzel bewusst: „Versicherungspartner wollen wir zunächst bewusst nicht werden, denn einer der entscheidendsten Punkte unserer App ist, dass wir Versicherungsdaten unabhängig zur Verfügung stellen.“

Sein Ziel ist technologische Exzellenz: „Meilenstein eins ist, den Versicherungsrechner so akkurat zu machen, dass wir auf Check24-Niveau sind – ohne dafür Provisionen zu kassieren.“ Zudem plane man Kooperationen mit Fahrschulen und Werkstätten, um die Leute genau dort zu erreichen, „wo sie am meisten ans Auto denken“. Die größte Hürde bleibt derweil technischer Natur: „Meilenstein drei ist die Android-Version – das ist allerdings extrem schwer umzusetzen, gerade wenn man iOS-Coding gewohnt ist.“ Dennoch verspricht er: „Wir planen das aber innerhalb der nächsten drei Monate.“

Der Grundstein ist gelegt. Nun müssen die beiden Hamburger beweisen, dass sie nach dem Abitur nicht nur programmieren, sondern auch unternehmerisch durch den dichten Verkehr des Mobilitätsmarktes navigieren können.

MANA: Wie Virtual Office Services den Unternehmensalltag neu strukturieren

Ein detailliertes Portrait von MANA: Virtual Office, digitale Prozesse und persönliche Betreuung für Start-ups und KMU.

Die Arbeitswelt hat sich in den vergangenen Jahren grundlegend verändert. Flexible Arbeitsmodelle, digitale Prozesse und ortsunabhängiges Arbeiten sind längst keine Ausnahme mehr, sondern prägen den Alltag vieler Unternehmen. Gleichzeitig stehen insbesondere Start-ups, Selbstständige und kleine Unternehmen vor der Herausforderung, administrative Aufgaben effizient zu organisieren, ohne dabei wertvolle Ressourcen zu verlieren.

Genau an dieser Schnittstelle setzt MANA an. Das Unternehmen positioniert sich als zentraler Ansprechpartner für organisatorische Prozesse im Hintergrund – mit dem Ziel, den Geschäftsalltag einfacher, strukturierter und digitaler zu gestalten. Weitere Informationen zum Leistungsangebot und zur Struktur des Unternehmens finden sich unter https://we-are-mana.com/.

Von der Idee zur Lösung: Warum MANA entstanden ist

Wer gründet, konzentriert sich zunächst auf Produkt, Markt und Wachstum. Doch schnell wird deutlich, dass administrative Aufgaben einen erheblichen Teil der täglichen Arbeit ausmachen. Posteingang, Dokumentenmanagement oder rechtliche Anforderungen gehören zu den grundlegenden Pflichten – sind jedoch selten der eigentliche Fokus eines Unternehmens.

Gerade in kleinen Teams oder bei Einzelunternehmen entstehen dadurch typische Herausforderungen:

  • fehlende Zeit für organisatorische Aufgaben
  • unklare Abläufe im Umgang mit Dokumenten
  • Unsicherheiten bei rechtlichen Anforderungen
  • mangelnde Struktur im Tagesgeschäft

MANA setzt genau hier an und verfolgt einen Ansatz, der diese Prozesse bündelt und vereinfacht. Ziel ist es, Unternehmen von administrativen Aufgaben zu entlasten, ohne dass diese eigene Strukturen aufbauen müssen.

Virtual Office neu definiert

Das Konzept des Virtual Office ist grundsätzlich bekannt, wird jedoch häufig auf die Bereitstellung einer Geschäftsadresse reduziert. MANA erweitert diesen Ansatz um digitale und organisatorische Komponenten, die über klassische Angebote hinausgehen.

Im Zentrum stehen dabei:

  • eine ladungs- und handelsregisterfähige Geschäftsadresse
  • ein strukturierter Postservice
  • digitale Bereitstellung eingehender Dokumente

Alle eingehenden Sendungen werden digitalisiert und online zur Verfügung gestellt – in vielen Fällen noch am Tag des Eingangs. Dadurch entsteht ein jederzeit verfügbarer Überblick über wichtige Unterlagen. Originaldokumente können bei Bedarf zuverlässig weitergeleitet werden.

Diese Kombination ermöglicht es Unternehmen, ortsunabhängig zu arbeiten und gleichzeitig alle formalen Anforderungen zu erfüllen.

Persönliche Betreuung als zentraler Unterschied

Ein wesentliches Merkmal von MANA ist der persönliche Ansatz. Während viele Anbieter auf standardisierte Prozesse und automatisierte Abläufe setzen, legt das Unternehmen Wert auf direkte Ansprechpartner und individuelle Betreuung.

Das zeigt sich insbesondere in:

  • persönlicher Kommunikation statt anonymem Support
  • festen Ansprechpartnern für individuelle Anliegen
  • schnellen und nachvollziehbaren Lösungen

Diese Struktur schafft Vertrauen und sorgt dafür, dass Kunden nicht als Nummer behandelt werden. Gerade für kleinere Unternehmen kann dieser persönliche Kontakt ein entscheidender Faktor sein.

Berlin im Fokus – Expansion in weitere Städte

Der aktuelle Schwerpunkt von MANA liegt auf Berlin. Als einer der wichtigsten Gründerstandorte Europas bietet die Stadt ideale Voraussetzungen für junge Unternehmen und innovative Geschäftsmodelle.

Eine Geschäftsadresse in Berlin kann dabei nicht nur formale Vorteile bieten, sondern auch die Außenwirkung eines Unternehmens stärken.

Gleichzeitig ist die Expansion bereits geplant:

  • München als nächster zentraler Standort
  • perspektivische Erweiterung nach Hamburg und Frankfurt

Diese Entwicklung zeigt, dass das Modell skalierbar ist und sich an unterschiedliche Märkte anpassen lässt.

Digitale Prozesse als Fundament

Ein zentraler Bestandteil des Konzepts ist die konsequente Digitalisierung administrativer Abläufe. Prozesse, die traditionell zeitintensiv und papierbasiert sind, werden hier strukturiert und vereinfacht.

Dazu gehören unter anderem:

  • digitale Erfassung und Archivierung von Dokumenten
  • ortsunabhängiger Zugriff auf Post und Unterlagen
  • klare Strukturierung von Geschäftsprozessen

Der Vorteil liegt in der Transparenz: Unternehmen behalten jederzeit den Überblick über ihre Dokumente und können schnell auf relevante Informationen zugreifen.

Flexible Nutzung von Meetingräumen

Neben den digitalen Services bietet MANA die Möglichkeit, Meetingräume bei Bedarf zu nutzen. Diese können flexibel gebucht werden und eignen sich für unterschiedliche Einsatzbereiche:

  • Kundentermine
  • Präsentationen
  • interne Besprechungen

Dadurch entsteht eine Kombination aus digitaler Flexibilität und physischer Infrastruktur – ohne langfristige Verpflichtungen für feste Büroflächen.

Für wen das Modell besonders geeignet ist

Das Angebot von MANA richtet sich vor allem an Unternehmen, die flexibel arbeiten und gleichzeitig professionelle Strukturen benötigen.

Dazu zählen insbesondere:

  • Start-ups in der Aufbauphase
  • Selbstständige und Freelancer
  • kleine und mittlere Unternehmen

Besonders relevant ist das Modell für Unternehmen, die keine eigenen Büroräume benötigen oder bewusst auf flexible Lösungen setzen. Gleichzeitig profitieren alle, die administrative Prozesse auslagern möchten, ohne die Kontrolle zu verlieren.

Einordnung im Wettbewerbsumfeld

Der Markt für Virtual Offices wächst seit Jahren kontinuierlich und wird zunehmend vielfältiger. Zahlreiche Anbieter positionieren sich mit ähnlichen Grundangeboten, unterscheiden sich jedoch deutlich in ihrer Umsetzung, ihrem Serviceverständnis und ihrer Zielgruppenansprache. Während viele Lösungen stark standardisiert und auf Skalierung ausgelegt sind, zeigt sich bei genauerem Hinsehen, dass nicht alle Anbieter denselben Anspruch an Betreuung und Struktur verfolgen.

MANA wählt hier bewusst einen differenzierten Ansatz. Im Fokus stehen nicht allein digitale Prozesse, sondern deren Kombination mit persönlicher Betreuung und klar nachvollziehbaren Abläufen. Statt anonymer Massenabwicklung setzt das Unternehmen auf direkte Ansprechpartner und eine Zusammenarbeit, die stärker auf individuelle Anforderungen eingeht.

Das zeigt sich insbesondere in:

  • dem Fokus auf persönliche Betreuung statt standardisierter Prozesse
  • der Verbindung aus digitaler Infrastruktur und individueller Unterstützung
  • klar strukturierten, verständlichen Abläufen ohne unnötige Komplexität

Diese Ausrichtung spricht vor allem Unternehmen an, die neben Effizienz auch Wert auf Verlässlichkeit, Transparenz und direkte Kommunikation legen. Gerade für kleinere Unternehmen und Gründer kann dieser Ansatz einen spürbaren Unterschied im Alltag machen.

In einem Interview von MANA mit business-on wird zudem deutlich, wie stark der Fokus auf praxisnahe Lösungen und persönliche Zusammenarbeit gelegt wird – insbesondere mit Blick auf die Bedürfnisse kleiner und wachsender Unternehmen.

Skalierbarkeit und Zukunftsperspektiven

Das Konzept von MANA ist darauf ausgelegt, mit den Anforderungen moderner Unternehmen mitzuwachsen. Gerade in einem Umfeld, das zunehmend von Digitalisierung, Flexibilität und dynamischen Geschäftsmodellen geprägt ist, gewinnen skalierbare Lösungen an Bedeutung. Unternehmen benötigen Strukturen, die sich anpassen lassen – sowohl in frühen Gründungsphasen als auch im weiteren Wachstum.

Digitalisierung, Automatisierung und ortsunabhängige Arbeitsmodelle werden dabei weiterhin eine zentrale Rolle spielen. Lösungen wie die von MANA greifen genau diese Entwicklung auf, indem sie administrative Prozesse vereinfachen und gleichzeitig flexibel erweiterbar bleiben.

Mögliche Entwicklungen umfassen:

  • den weiteren Ausbau digitaler Services und automatisierter Abläufe
  • die Erweiterung auf zusätzliche Städte und wirtschaftlich relevante Standorte
  • die kontinuierliche Optimierung der Nutzererfahrung und Prozessstruktur

Gleichzeitig bleibt der persönliche Ansatz ein wesentlicher Bestandteil des Modells. Auch im Zuge des Wachstums steht die direkte Betreuung im Vordergrund – ein Aspekt, der insbesondere für kleinere Unternehmen und Gründer eine wichtige Rolle spielt. Die Herausforderung wird darin liegen, Skalierung und persönliche Betreuung langfristig in Einklang zu halten.

Fazit

MANA steht exemplarisch für eine Entwicklung, die viele Unternehmen aktuell betrifft: Administrative Prozesse werden zunehmend ausgelagert und digitalisiert, um Ressourcen zu sparen und Abläufe effizienter zu gestalten. Virtual Office Services entwickeln sich dabei von einer ergänzenden Lösung hin zu einem eigenständigen Organisationsmodell, das sich flexibel in unterschiedliche Unternehmensstrukturen integrieren lässt.

Die Kombination aus ladungsfähiger Geschäftsadresse, digitalem Postservice und persönlicher Betreuung bietet eine klar strukturierte Grundlage für den Unternehmensalltag. Besonders für Start-ups, Selbstständige und kleinere Unternehmen entsteht dadurch ein Umfeld, das sowohl Flexibilität als auch Verlässlichkeit ermöglicht – ohne die Notwendigkeit, eigene komplexe Infrastrukturen aufzubauen.

Mit Blick auf die weitere Entwicklung digitaler Arbeitsmodelle ist davon auszugehen, dass die Nachfrage nach solchen Lösungen weiter steigen wird. Unternehmen, die frühzeitig auf strukturierte, digitale und gleichzeitig persönliche Systeme setzen, schaffen sich damit eine stabile Basis für nachhaltiges Wachstum und langfristige Anpassungsfähigkeit.

Zwischen Bildungsdschungel und digitaler Übersicht: Kann das Münchner Start-up kursmap den Weiterbildungsmarkt knacken?

Der Markt für berufliche Weiterbildung in Deutschland ist riesig, extrem fragmentiert – und für Suchende oft frustrierend unübersichtlich. Dariusz Opitek will das Problem mit seinem Start-up kursmap – einer zentralisierten Plattform – lösen. Ein klassisches Plattform-Modell, das schnelles Wachstum verspricht, aber auch bekannte Fallstricke birgt.

Wer in Deutschland nach einer spezifischen beruflichen Fortbildung sucht, landet schnell in einem Labyrinth aus schlecht gepflegten Websites, PDF-Broschüren und intransparenten Preisstrukturen. Genau in diese Lücke stößt die 2025 in München gegründete kursmap GmbH. Erst kürzlich meldete das Start-up einen Meilenstein: Über 150.000 Kurstermine von Präsenz-, Inhouse- und Online-Schulungen sind laut Unternehmensangaben mittlerweile auf der Plattform gebündelt. Doch ist das Modell tragfähig genug, um sich gegen die etablierten Branchengrößen durchzusetzen?

Hinter kursmap steht Gründer und Geschäftsführer Dariusz Opitek. Seine Motivation entsprang einem klassischen Pain Point: Viele Interessierte wissen schlichtweg nicht, welche qualifizierten Anbieter sich in unmittelbarer Nähe befinden. Mit der Vision, „Weiterbildungen sichtbar, digital und einfach zugänglich zu machen“, brachte Opitek die Plattform an den Start.

Doch eine bloße Aggregation von Daten reicht im heutigen Tech-Umfeld selten aus. Bisher steht der Gründer stark im Vordergrund. Auf die Frage, wer neben ihm im Kernteam stehe, um dieses Mammutprojekt zu stemmen, überrascht Opitek mit einer klaren Ansage: „Kursmap ist aktuell noch eine One-Man-Show, und das bewusst.“ Er agiere als Entwickler, SEO-Stratege und Vertriebler in Personalunion. „Was manche als Schwäche sehen, ist für mich ein Vorteil: kurze Entscheidungswege, keine Overhead-Kosten, maximale Fokussierung“, argumentiert der Gründer.

Um sich gegen gut finanzierte Copycats abzusichern, braucht es allerdings einen technologischen Burggraben. Diesen sieht Opitek im Einsatz künstlicher Intelligenz. Er betont, man baue aktuell ein intelligentes Matching-System, das weit über eine klassische Suchmaske hinausgehe. „Nutzer sollen auf Basis ihrer individuellen Situation, ihrer beruflichen Ziele, dem Standort und den aktuellen Marktentwicklungen die passenden Weiterbildungen vorgeschlagen bekommen“, verspricht er. Nicht die erstbeste Option zähle, sondern die richtige. Opitek fasst den Kern seiner Technologie selbstbewusst zusammen: „Das ist keine Datenbank-Logik, das ist ein persönlicher Weiterbildungsberater, der rund um die Uhr verfügbar ist.“

Die Resterampe-Gefahr: Masse statt Klasse?

Die Marke von 150.000 Terminen ist zweifellos beeindruckend. Erreicht wurde dies, indem kursmap die Einstiegshürden für Anbieter bewusst bei null hält, sodass diese eigenständig Profile anlegen können. Genau hier liegt jedoch das größte Risiko: Marktplätze, die auf pure Quantität setzen, laufen schnell Gefahr, mit veralteten Daten oder unseriösen Angeboten der Coaching-Szene überflutet zu werden.

Wie verhindert das Start-up also, zur unregulierten Resterampe zu verkommen? Opitek wehrt sich vehement gegen den Verdacht mangelnder Kontrolle. „Ein niedriger Einstieg bedeutet nicht, dass wir die Augen verschließen, im Gegenteil“, kontert er. Laut dem Geschäftsführer werden alle Profile laufend überprüft, und es gebe klare Prozesse zum Eingreifen. Dass man auf aufwendige Onboarding-Gespräche oder intransparente Anforderungen verzichtet, sei eine sehr bewusste Entscheidung gewesen. Opitek rechtfertigt diesen Weg: „Das schadet besonders kleinen, oft hervorragenden Anbietern, die schlicht nicht die Kapazitäten für bürokratische Hürden haben.“ Sein Credo für die Plattform lautet daher: „Wer gute Kurse anbietet, soll sofort loslegen können. Qualität muss man sich nicht erzwingen, man muss sie fördern.“

Wer zahlt am Ende die Rechnung?

Das Geschäftsmodell basiert auf der kostenlosen Listung für Anbieter*innen, um zügig ein attraktives Angebot aufzubauen. Das Kalkül: Sobald darüber Leads generiert werden, lassen sich diese künftig über Premium-Modelle monetarisieren. Doch um überhaupt Lernende auf die Plattform zu locken, muss kursmap in Google Ads und im organischen Ranking hart gegen etablierte Portale kämpfen – ein Spiel, das meist massiv Kapital verbrennt.

Finanziert das Start-up diesen teuren Sichtbarkeitskampf aus eigener Kraft, oder braucht es dringend externes Venture Capital (VC)? Opitek setzt auf organisches Wachstum durch SEO. „Hochwertige, relevante Inhalte sind die nachhaltigste Investition, die eine Plattform wie kursmap machen kann“, erklärt er. Sichtbarkeit, die man sich hart erarbeite, sei langlebiger als erkaufte Reichweite. Er räumt zwar ein, ergänzend Google Ads zu nutzen, betont jedoch, dass dies hochgradig selektiv passiere. „Kursmap ist und bleibt bootstrapped“, stellt der Gründer klar. Das zwinge das Unternehmen zur Disziplin. Risikokapital sieht er derzeit eher pragmatisch: „Venture Capital ist für uns kein Ziel, sondern eine Option, die wir nur dann in Betracht ziehen würden, wenn sie uns schneller zu unserem Ziel bringt, nicht als Ersatz für ein funktionierendes Modell.“

Der B2B-Pivot: Raus aus dem Google-Hamsterrad

Kursmap agiert in einem Haifischbecken und tritt gegen Portale wie KURSNET, Semigator oder Tech-Riesen wie LinkedIn Learning an. Deutlich spannender als das margenschwache Vermittlungsgeschäft ist daher die langfristige Vision: Opitek plant B2B-Lösungen, mit denen Unternehmen ihre Weiterbildungsbudgets direkt über kursmap verwalten können. Gelingt dieser Wechsel zum B2B-SaaS-Modell, würde sich das Start-up aus der völligen Abhängigkeit vom Google-Traffic befreien.

Doch warum sollten Personalleiter*innen einem Neuling vertrauen statt auf bewährte Features ihrer HR-Software wie Personio oder Workday zu setzen? Auf die konkrete Frage nach der B2B-Strategie bleibt Opitek bei der technischen Ausführung vage und gibt offen zu: „Wie genau wir ihn gestalten, ob als eigenständiges HR-Tool oder als integriertes Feature für Unternehmen, wird die Marktentwicklung zeigen. Wir sind da ehrlich: Wir testen, lernen und passen uns an.“ Gleichzeitig grenzt er sich aber scharf von großen Suiten ab, die oft die inhaltliche Qualität von Weiterbildungsentscheidungen vernachlässigen würden. „Ein Unternehmen, das diesen Mehrwert für seine Mitarbeitenden spürt, wird kursmap nicht als Konkurrenz zu Personio oder Workday sehen, sondern als sinnvolle Ergänzung“, ist Opitek überzeugt.

Booking.com der Bildung oder teure Illusion?

Kursmap greift ein reales Problem in einem oft digital rückständigen Markt auf. Ob das Start-up langfristig aber das „Booking.com für Fortbildungen“ wird, hängt von rigoroser Qualitätssicherung, effizienter Traffic-Skalierung und der Umsetzung der B2B-Pläne ab.

Bleibt am Ende die Frage nach der Langzeitstrategie: Exit oder Industriestandard? Der Gründer strebt die Spitze im deutschsprachigen Raum an, indem man als „aktiver Partner“ fungiere. Gerade weil KI derzeit ganze Berufsbilder umkrempele, bräuchten Menschen laut Opitek keine bloßen Trefferlisten mehr.

„Kursmap soll genau diese Orientierung geben, datenbasiert, individuell, zukunftsgerichtet“, formuliert Opitek seine Ambition. Sollte dies in Deutschland greifen, schließt er eine Expansion nach Europa nicht aus. Einem unkontrollierten Hype erteilt er zum Schluss jedoch eine deutliche Absage: „Wir denken nicht in Szenarien, sondern in Meilensteinen. Erst liefern, dann skalieren.“

Ende einer Vision: Warum die creätr-Gründerinnen den Stecker ziehen

Es sollte der nachhaltige Gegenentwurf zu Fast Fashion in der Umstandsmode werden. Doch das Frankfurter Label creätr der Gründerinnen Verena Seipp und Viktoria Ibbett zieht nach fünf Jahren den Stecker. Wir haben uns mit den beiden Gründerinnen über das Aus unterhalten: Ein lehrreiches Fallbeispiel über die Tücken hoher Produktionsstandards, falsche Pricing-Strategien und die harte Realität in einem preissensiblen Nischenmarkt.

Der Markt für Umstandsmode ist kein leichter: Die Tragedauer der Kleidung ist naturgemäß begrenzt, weshalb viele werdende Mütter aus Kostengründen zu günstiger Fast Fashion greifen. Genau hier wollten die Frankfurter Schwestern Verena Seipp und Viktoria Ibbett vor fünf Jahren ansetzen. Mit der Gründung ihres Labels creätr traten sie an, um eine hochwertige und funktionale Alternative zu schaffen. Ihre Vision: Kleidung für Schwangerschaft und Stillzeit, die Mütter dank durchdachter Funktionen und modernem Design auch lange nach der Mutterschaft noch begleitet.

Doch die Schere zwischen der Vision einer „erreichbaren Marke“ und der tatsächlichen Marktrealität ging schnell auf. „Das haben wir tatsächlich schon relativ früh gemerkt“, räumt Verena ein. Spätestens in der Produktion sei das Dilemma offensichtlich geworden: „Wenn wir all unsere Ansprüche an faire Herstellung, Nachhaltigkeit und hochwertige, langlebige Materialien erfüllen wollen, landen wir automatisch bei einem Preisniveau, das nicht mehr für alle erreichbar ist.“

Die rote Linie bei der Produktion

Die Fertigung sollte von Beginn an kompromisslos verantwortungsvoll sein und fand daher in Europa – konkret in Deutschland, Portugal und Italien – statt. Dieser ethische und qualitative Anspruch erwies sich rückblickend jedoch als enorme wirtschaftliche Herausforderung.

Hätte man nicht einfach in günstigere, nicht-europäische Länder ausweichen können, um die Preise zu senken? „Am Anfang war das für uns ganz klar eine rote Linie“, betont Viktoria. Man habe ihnen schlichtweg vermittelt, dass faire Arbeitsbedingungen und Qualität nur in Europa wirklich sicherzustellen seien. Heute sieht sie das differenzierter: „Mit zunehmender Erfahrung und einem größeren Netzwerk haben wir gelernt, dass es durchaus auch außerhalb Europas verantwortungsvolle Produktionsmöglichkeiten gibt. Diese Perspektive hatten wir zu Beginn so noch nicht.“

Die Pricing-Falle: Wenn externe Beratung am Markt vorbeigeht

Die hohen europäischen Produktionskosten erzwangen Margen, die das Start-up schnell in eine Sackgasse führten. In der kritischen frühen Aufbauphase verließ sich das Gründerduo auf externe Beratung – und positionierte creätr auf deren Anraten stark im Luxussegment. Ein Blick in das Archiv des Webshops verdeutlicht die harte Dimension: Ein Umstands-Sweatshirt schlug regulär mit 289 Euro zu Buche, ein Hoodie kostete 239 Euro, für ein einfaches Still-T-Shirt wurden 169 Euro aufgerufen.

Warum vertrauten die Schwestern der Beratung mehr als ihrem eigenen Gespür für die Zielgruppe? „Diese Frage trifft den Kern unseres größten Learnings – und wir haben sie uns selbst oft gestellt“, reflektiert Viktoria offen. Als unerfahrene Gründerinnen seien sie davon ausgegangen, dass ein Berater mit jahrzehntelanger Branchenerfahrung den Markt schlicht besser einschätzen könne. Ein fataler Irrtum, wie Verena ergänzt: „Rückblickend war genau das einer unserer größten Fehler.“ Ihr dringender Rat an andere lautet daher: „Vertraue deinem eigenen Bauchgefühl – vor allem, wenn du das Problem und deine Zielgruppe wirklich verstehst.“

Für ein Label, das angetreten war, um eine greifbare Alternative für möglichst viele Mütter zu sein, war dies ein gefährlicher strategischer Schwenk. „In diesem Segment authentisch zu verkaufen, fühlte sich für uns zunehmend nicht richtig an“, resümieren die Gründerinnen heute kritisch. Die tiefe Diskrepanz zwischen dem eigenen moralischen Kompass, dem massiven Preis und der Lebensrealität der Mütter ließ sich auf Dauer nicht überbrücken.

Starke Konkurrenz und psychologische Schwellen

Hinzu kam ein hartes Wettbewerbsumfeld, das verdeutlichte, warum das Luxus-Modell in dieser Nische so schwer durchzusetzen ist. Zwar gibt es einen wachsenden Markt für nachhaltige Maternity Wear, doch selbst etablierte Premium-Wettbewerber wie Boob Design, Mara Mea oder Seraphine rufen für vergleichbare Stücke deutlich niedrigere Preise auf – oft zwischen 60 und 130 Euro.

Auf Babymessen und Pop-up-Events bekamen die Schwestern diese Marktrealität unmittelbar zu spüren. Zwar lobten die Kundinnen die Spürbarkeit der hohen Qualität, doch die Kauflaune blieb aus. „Viele haben offen gesagt, dass sie während der Schwangerschaft ohnehin schon viel fürs Baby ausgeben und deshalb bei sich selbst sparen“, fasst Viktoria die Ernüchterung zusammen. Verena bestätigt das: „Die psychologische Grenze kam immer wieder auf. Viele haben klar gesagt, dass sie – abgesehen vielleicht von einer Winterjacke – nicht bereit sind, über 200 Euro für ein einzelnes Kleidungsstück auszugeben.“ Gegen diese psychologische Hürde bei einer temporären Lebensphase half letztlich auch der Ansatz auf langlebiges Design nicht.

Fazit: Authentizität schlägt Berater-Theorie

Das Ende von creätr ist eine klassische Lektion für die Start-up-Szene. Die mathematisch korrekte Preiskalkulation für eine faire, europäische Produktion muss zwingend mit der Zahlungsbereitschaft des Marktes einhergehen. Wenn externe Strategen ein Unternehmen in ein Segment drängen, das nicht zur Grundidee passt, geht nicht nur die Authentizität verloren, sondern auch das Geschäftsmodell.

Mittlerweile haben die Schwestern die creätr GmbH in Liquidation geschickt und das Ende der Marke angekündigt. Aktuell läuft ein radikaler Schlussverkauf, bei dem sämtliche Teile der Kollektion für nur noch 29 Euro angeboten werden, um die Läger zu leeren und die Kleidung zumindest noch ihrem eigentlichen Zweck zuzuführen. Ein harter Schlussstrich unter ein ambitioniertes Projekt.

Was würden sie anderen Gründerinnen und Gründern in der Sustainable Fashion mit auf den Weg geben? „Sei dir wirklich klar darüber, wofür dein Produkt steht und was du erreichen willst“, rät Verena Seipp eindringlich. „Dieses Ziel sollte dein Nordstern sein – und die Basis für jede Entscheidung.“

Zudem warnt Viktoria Ibbett vor zu großen Ambitionen am Anfang: „Starte klein. Wirklich klein. Konzentriere dich am Anfang auf ein Produkt, teste es, optimiere es und baue darauf auf.“ Dass ihnen damals geraten wurde, direkt mit einer gesamten Kollektion zu starten, sei ein Fehler gewesen. Es war nicht nur teuer, sondern verwässerte auch die Botschaft: „Mit einem klaren Hero-Produkt ist vieles einfacher: Marketing, Kommunikation und vor allem das Verständnis bei den Kundinnen, wofür deine Marke eigentlich steht.“

cylibs Kampf um Europas Recycling-Krone

Mit über 140 Millionen Euro an eingeworbenem Kapital im Rücken und einer geplanten Industrieanlage im CHEMPARK Dormagen ist cylib derzeit einer der größten Hoffnungsträger im europäischen Batterierecycling. Nun übernimmt das 2022 von Paul Sabarny, Lilian Schwich und Dr. Gideon Schwich gegründete Aachener Start-up die Führung in einem strategischen Forschungskonsortium für die nächste Batterie-Generation: Natrium-Ionen-Akkus. Doch der Weg von der erfolgreichen Pilotlinie zur rentablen Großindustrie ist steinig – und die Konkurrenz im Kampf um Europas Rohstoffsouveränität formiert sich in Rekordzeit.

Im Jahr 2022 wurde cylib, das ganzheitliche Batterierecyclingunternehmen, in Aachen von Dr. Lilian Schwich (Co-CEO), Paul Sabarny (CTO) und Dr. Gideon Schwich (COO) als Spin-off gegründet. Das Kernteam hat seine technologischen Wurzeln tief in der Forschung an der RWTH Aachen University. Mit enormem Tempo zog das Team erste Pilotanlagen hoch: Bereits knapp neun Monate nach dem Einzug in die Hallen in Aachen Rothe Erde lief die erste Pilotlinie an, die rund 500 Kilogramm Batteriematerial pro Tag verarbeiten kann „Wir haben den Einzug in unsere heutige Recyclingstätte im Januar über den Aufbau der Infrastruktur bis hin zur Inbetriebnahme in weniger als 9 Monaten geschafft. Darauf sind wir im Team sehr stolz“, kommentiert CTO Paul Sabarny den rasanten Aufbau.

Heute, im April 2026, beschäftigt das Unternehmen über 120 Mitarbeitende. Durch Runden mit namhaften Investor*innen wie dem World Fund, 10x Founders, Vsquared Ventures, Porsche Ventures und Bosch Ventures hat das Unternehmen insgesamt über 140 Millionen Euro an Eigenkapital und öffentlichen Fördermitteln akquiriert.

Die Technologie und der Vorstoß bei Natrium-Ionen-Batterien

Das technologische Herzstück von cylib ist die sogenannte OLIC-Technologie (Optimized Lithium and Graphite Recovery). Im Gegensatz zu konventionellen, stark chemie- oder hitzegetriebenen Prozessen setzt cylib auf ein wasserbasiertes Verfahren zur Rückgewinnung. Das Start-up erzielt nach eigenen Angaben eine Recyclingeffizienz von über 90 Prozent für wertvolle Elemente wie Lithium, Graphit, Nickel, Kobalt und Mangan – bei einem um 80 Prozent reduzierten CO2-Fußabdruck im Vergleich zur primären Rohstoffgewinnung. Co-CEO Lilian Schwich betont diesen Ansatz: „Statt auf eine Vielzahl umweltschädlicher und gesundheitsgefährdender Chemikalien setzen wir in der Lithium und Graphit Rückgewinnung überwiegend auf Wasser.“

Aktuell bereitet das Team den Bau seiner ersten Industrieanlage im CHEMPARK Dormagen vor, die für eine jährliche Kapazität von bis zu 60.000 Tonnen (entspricht rund 140.000 Elektrofahrzeugbatterien) ausgelegt ist.

Nun erweitert das Unternehmen seinen Fokus: Cylib leitet fortan gemeinsam mit der Technischen Universität Braunschweig die Recyclingaktivitäten des 25-Partner-Konsortiums „SIB:DE“. Das vom Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt (BMFTR) mit 14,5 Millionen Euro geförderte Projekt läuft von März 2026 bis Februar 2029. Gemeinsam mit Schwergewichten wie VARTA, EDAG und acht Fraunhofer-Instituten soll Europas erstes industrielles Recyclingverfahren für Natrium-Ionen-Batterien entstehen. Für cylib übernehmen Till Gerlach (Head of R&D) und Lisa Pillar (Projektleiterin SIB:DE) die Verantwortung.

Das erklärte Ziel: Die Kreislaufwirtschaft soll direkt bei der Etablierung der neuen Technologie auf europäischen Märkten mitgedacht und Infrastruktur aufgebaut werden, bevor Altbatterien in großem Maßstab anfallen. Lilian Schwich bringt diese Vorreiterrolle auf den Punkt: „Wir warten nicht darauf, dass sich ausgediente Natrium-Ionen-Batterien ansammeln. Wir integrieren Kreislaufwirtschaft von Anfang an in die Technologie.“

Markt, Skalierung & Wettbewerb

So beeindruckend die technologische Basis und die Kapitalisierung sind, so komplex ist die Realität des Geschäftsmodells. Der Markt für Batterierecycling wird laut Schätzungen des Fraunhofer ISI bis 2040 in Europa auf rund 2,1 Millionen Tonnen anwachsen. Getrieben wird dies durch strenge EU-Regularien, die ab 2027 verbindliche Mindest-Recyclingquoten für kritische Rohstoffe fordern. Der Bedarf für cylibs Dienstleistung ist also zweifellos enorm.

Dennoch muss sich cylib massiven operativen und wirtschaftlichen Herausforderungen stellen:

  • Die Hardware-Skalierungsfalle: Der Sprung von einer 500-kg-Tageskapazität auf 60.000 Tonnen pro Jahr im industriellen Maßstab erfordert eine beispiellose operative Exzellenz. Das Geschäft ist extrem kapitalintensiv (CapEx-lastig). Dass Hardware-Skalierung im Recycling tückisch ist, zeigte jüngst der internationale Player Li-Cycle, der bei der Skalierung in Nordamerika mit extremen Kostenüberschreitungen zu kämpfen hatte. Cylib muss beweisen, dass die Anlage in Dormagen nicht nur ökologisch, sondern auch auf Dauer margenstark und im Zeitplan funktioniert.
  • Starker Wettbewerb: Cylib agiert keineswegs in einem Vakuum. Etablierte Akteure wie Duesenfeld betreiben in Deutschland bereits seit Jahren Recyclingverfahren auf mechanisch-thermodynamischer Basis. Im direkten Start-up-Ökosystem zieht das Münchner Unternehmen tozero stark an: Das CleanTech-Start-up hat jüngst ebenfalls enorme Skalierungsfortschritte gemacht, seine industrielle Demonstrationsanlage eröffnet und bereits erfolgreich recyceltes Lithium sowie Graphit für kommerzielle Kunden qualifiziert. Auf europäischer Ebene bauen zudem Giganten wie Northvolt (mit „Revolt“) mächtige Inhouse-Recycling-Kapazitäten auf. Der Kampf um die lukrative „Schwarzmasse“ (geschredderte Batterien) wird die Einkaufspreise für Start-ups in die Höhe treiben.
  • Das Margen-Problem der Natrium-Technologie: Der Schritt in das Natrium-Ionen-Recycling (SIB) ist ökologisch sinnvoll, aber wirtschaftlich ein Balanceakt. Im Gegensatz zu Lithium-Ionen-Akkus kommen Natrium-Zellen ohne teure kritische Metalle wie Kobalt oder Nickel aus. Für das Recycling bedeutet das: Die extrahierten Materialien erzielen auf dem Rohstoffmarkt deutlich geringere Preise. Die chemische Rückgewinnung (hydrometallurgische Aufbereitung) droht hier unwirtschaftlich zu werden. Es ist daher eine zwingende Notwendigkeit, dass cylib im SIB:DE-Projekt einen dualen Ansatz verfolgt und das sogenannte Direktrecycling erforscht. Dabei werden Aktivmaterialien ohne vollständigen chemischen Aufschluss direkt in die Zellproduktion zurückgeführt. Zwar könnte das die Verarbeitungskosten insbesondere für Produktionsausschuss erheblich senken und die Materialqualität erhalten, jedoch ist die Demonstration im Pilotmaßstab erst für Anfang 2029 geplant. Bis sich dieses Verfahren wirtschaftlich selbst trägt, dürfte noch viel Zeit vergehen.

Fazit

Cylib hat sich durch tiefgreifende wissenschaftliche Expertise, eine aggressive und zugleich clevere Skalierungsstrategie und das Vertrauen großer Geldgeber*innen eine absolute Pole-Position erarbeitet. Mit der Etablierung des SIB:DE-Konsortiums festigt das Unternehmen zudem seinen Anspruch, als Vordenker der Branche zu agieren. Die eigentliche Bewährungsprobe steht Lilian Schwich und ihrem Team jedoch noch bevor: Das fehlerfreie Hochfahren der Industrieanlage in Dormagen in einem Umfeld, in dem die Wettbewerber*innen immer schneller werden. Nur wenn hier der operative Durchbruch gelingt, wird aus dem Versprechen echter Kreislaufwirtschaft ein tragfähiges europäisches Geschäftsmodell.

NBH-Systems: Zwischen Schaltschrank und Skalierbarkeit

Wie Dorian Tobollik und Timo Hartig mit ihrem Hardware-Start-up NBH-Systems eine Industrie-Nische knacken wollen.

Laptops, die prekär auf Maschinengehäusen balancieren, oder kniende Instandhalter*innen, die notgedrungen mit einer Hand tippen – der Arbeitsplatz im technischen Service ist selten ergonomisch. Aus genau diesem alltäglichen „Pain Point“ heraus ist das Start-up NBH-Systems entstanden. Wie Dorian Tobollik und Timo Hartig mit ihrem Hardware-Unternehmen eine Industrie-Nische knacken wollen, haben wir analytisch unter die Lupe genommen.

Vom Pain Point zum Produkt

Die Entstehungsgeschichte des hessischen Start-ups ist ein klassisches Lehrstück für anwendergetriebene Innovation. Dorian Tobollik, selbst langjähriger Systemtechniker, erlebte das Fehlen eines stabilen Arbeitsplatzes an Maschinen und Anlagen immer wieder als echten Effizienz- und Sicherheitskiller. Anstatt den Status quo hinzunehmen, ging er ans Reißbrett und entwickelte eigene Prototypen.

Doch der Weg zur Serienfertigung „Made in Germany“ barg Tücken. „Der Weg vom ersten Prototyp bis zur Serienfertigung war deutlich aufwendiger, als ich am Anfang gedacht habe“, räumt Tobollik rückblickend ein. Der große Vorteil lag jedoch in seiner eigenen Berufspraxis: „Die Idee kam direkt aus meinem Arbeitsalltag als Servicetechniker. Ich habe das Produkt selbst täglich im Einsatz gehabt, konnte es direkt testen und immer wieder anpassen.“

Die Teufel steckten bei der Umsetzung im Detail – von Gewicht und Größe über die Kompatibilität der Notebook-Formate bis hin zur exakten Stärke der Magnete. „Das sind Dinge, die man nicht am Schreibtisch löst, sondern nur im Alltag“, betont das technische Gehirn des Duos. Aus purer Überzeugung ließ er den vielversprechenden Ansatz direkt patentieren.

Um aus der funktionalen Erfindung ein marktfähiges Unternehmen zu formen, stieß Timo Hartig dazu. Er verantwortet als Geschäftsführer den Vertrieb und das Marketing, während Tobollik sich auf die Produktentwicklung fokussiert. Ende 2025 mündete dies in der Gründung der NBH-Systems UG im hessischen Seligenstadt.

Die Arbeitsteilung ist scharf getrennt, was unweigerlich die Frage nach internen Konflikten zwischen technischer Perfektion und straffen Vertriebszielen aufwirft. Hartig gibt sich hier pragmatisch: „Natürlich gibt es diesen klassischen Zielkonflikt zwischen technischer Perfektion und Marktdruck – aber wir lösen das sehr praxisnah. Für uns steht immer der reale Einsatz im Vordergrund.“ Die Entwicklungszyklen bleiben dabei extrem kund*innennah. Bis heute verzeichnet das Unternehmen laut dem Geschäftsführer keine einzige Retoure oder Reklamation. Neue Ansätze werden bewusst strukturiert angegangen und vorab mit ausgewählten Kund*innen getestet. „Am Ende entscheidet immer die Praxis. Wenn eine Lösung robust, einfach und zuverlässig funktioniert, ist sie marktfähig – und genau darauf liegt unser Fokus“, resümiert Hartig. Bootstrapping pur: Das Duo finanziert das Projekt vollständig selbst, produziert bewusst in Deutschland, arbeitet parallel in anderen Jobs und reinvestiert jeden verdienten Euro in die Firma.

Hardware-Fokus mit B2B-Preisschild

Das Kernprodukt nennt sich „MagFlex Pro“ – eine Notebook-Halterung, die werkzeuglos per Magnet oder industrieller Saugglocke an glatten Flächen oder Maschinen haftet. Mit einem Verkaufspreis von knapp 250 Euro und lokaler Fertigung platziert sich NBH-Systems selbstbewusst im B2B-Premium-Segment. Ein smarter Vertriebshebel: Ab zehn Stück gibt es Anpassungen im Corporate Design, was erfahrungsgemäß die Hemmschwelle für größere Flottenbestellungen senkt.

Doch das reine Hardware-Geschäft ist aus betriebswirtschaftlicher Sicht tückisch. Es gibt im Vergleich zur Softwarebranche keine stetigen Abo-Umsätze, das bewusst langlebige Produkt limitiert das lukrative Ersatzgeschäft, und die Skalierung erfordert hohe Vorfinanzierungen. Auf den kontinuierlichen Neukund*innendruck angesprochen, bestätigt Hartig die strategische Herausforderung: „Uns ist bewusst, dass ein reines Hardware-Geschäft kontinuierlich neue Kunden erfordert. Genau deshalb liegt unser aktueller Fokus klar auf Sichtbarkeit, Markenaufbau und darauf, unsere Lösung am Markt zu etablieren.“

Die Strategie im zu 90 Prozent B2B-getriebenen Kund*innenstamm setzt primär auf klassische Kanäle wie Direktvertrieb und den Ausbau von Großhändler*innen. Ein modulares Ökosystem entsteht dabei behutsam und streng nach Kund*innenwunsch: „Darauf aufbauend entwickeln wir Zubehör und Erweiterungen gezielt aus dem tatsächlichen Bedarf heraus. Für uns steht nicht Cross-Selling im Vordergrund, sondern ein echter Mehrwert im Einsatz.“ Auf das modische Schlagwort „Hardware-as-a-Service“ für Großkund*innen reagiert der Geschäftsführer noch zurückhaltend. Perspektivisch seien solche Modelle denkbar, aktuell zähle aber der Ausbau einer soliden Marktbasis im B2B-Umfeld.

Markt & Wettbewerb: Die Macht der Gewohnheit

Der anvisierte Markt für Außendienst- und Instandhaltungstechniker ist spitz, aber tief – nicht zuletzt, weil der chronische Fachkräftemangel die Budgets für Arbeitssicherheit und Effizienz lockert. Der härteste Konkurrent ist oft jedoch paradoxerweise kein globales Konkurrenzprodukt, sondern die blanke Improvisation. Wie knackt man also das Mindset von B2B-Einkäufer*innen, die für etwas zahlen sollen, das früher eine kostenlose (wenn auch wackelige) Kiste oder Ablagefläche erledigte?

„Die größte Herausforderung im Vertrieb ist tatsächlich weniger der Wettbewerb durch andere Anbieter, sondern die bestehende Gewohnheit. Viele Unternehmen haben sich über Jahre mit improvisierten Lösungen arrangiert“, weiß Hartig. Der stärkste Vertriebskanal des Start-ups ist daher das Produkt selbst, passend zum Slogan „Work Hands Free“. „In der Praxis steht ein Techniker am Schaltschrank oder an der Maschine, arbeitet mit dem MagFlex Pro – und Kollegen oder andere Beteiligte sehen das direkt“, erklärt Hartig den viralen Effekt am Einsatzort. Ein QR-Code auf der Halterung führt direkt zur Unternehmenswebsite, wodurch der Bedarf beim Anwender geweckt und in der Folge intern an den Einkauf weitergegeben wird.

Den exakten „Return on Investment“ (ROI) durch eingesparte Rüstzeiten datenbasiert zu beziffern, fällt dem Start-up hingegen schwer. Hartig räumt ein, dass sich Effekte wie strukturiertes Arbeiten und reibungslosere Abläufe nicht immer exakt in Zahlen pressen lassen. Dennoch sehe man in der Praxis, dass die Firmen zunehmend bereit sind, in solche Arbeitsbedingungen zu investieren.

Gegenüber globalen Giganten wie RAM Mounts und asiatischen Billigimporten muss NBH-Systems seinen USP – die authentische Historie von Technikern für Techniker gepaart mit der lokalen Produktion – daher als zwingendes Differenzierungsmerkmal glasklar nach außen kommunizieren.

Fazit: Solider Hidden Champion statt VC-Unicorn

NBH-Systems ist ein reinrassiges „Painkiller“-Start-up. Es löst ein reales, akutes Problem am Arbeitsplatz, anstatt als bloßes „Nice-to-have“ zu glänzen. Da Software-Komponenten oder Abo-Modelle fehlen, fehlt auch der klassische Hebel für exponentielles Hyperwachstum, der Venture-Capitalisten anlockt.

Das scheint das Gründer-Duo jedoch keineswegs zu stören. Sie wollen sich langfristig als Standard-Ausrüster in den Werkzeugkoffern großer Service-Flotten verankern und ein bodenständiges, hochprofitables KMU aufbauen. „Unser Fokus liegt klar auf einem soliden, nachhaltig wachsenden Unternehmen im B2B-Bereich. Wir bauen bewusst ein praxisorientiertes Hardware-Business auf und sehen uns nicht als klassisches Venture-Capital-Start-up“, unterstreicht Hartig die eigenen Ambitionen.

Man verkaufe derzeit vor allem im DACH-Raum sowie in den Niederlanden und Frankreich, peile aber als großen nächsten Schritt die weitere Internationalisierung an. Digitale Zukunftsfantasien für den Weg zum Industrie-Schwergewicht schließt er für später dennoch nicht aus: „Das bedeutet nicht, dass wir Themen wie IoT oder digitale Erweiterungen grundsätzlich ausschließen. Aktuell liegt unser Fokus aber klar darauf, unser bestehendes Produkt weiterzuentwickeln und weitere Anwendungsbereiche zu erschließen.“

KI gegen Buchhaltungsriesen: Wie Bonster den Spesen-Markt aufmischen will

Pay-per-Use statt Abo-Falle: Das Oldenburger Start-up fast2work attackiert mit seiner App bonster komplexe Software-Giganten. Doch reicht das Versprechen maximaler Einfachheit im Haifischbecken der FinTechs? Wir haben nachgehakt.

Es ist eines der letzten großen Ärgernisse im Arbeitsalltag von Freelancer*innen und kleinen Agenturen: Der Freitagabend, der für das Sortieren verknitterter Tankbelege und das Abtippen von Bewirtungsbelegen in Excel-Listen draufgeht. Genau hier setzt die Oldenburger fast2work GmbH mit ihrer am 17. Februar 2026 gelaunchten App bonster an, um den Papierkram bei der Reisekostenabrechnung zu beenden. Das Versprechen von Gründer und CEO Ronald Bankowsky: Drei Minuten Aufwand, KI-Automatisierung und keine Einstiegshürden.

Das Versprechen: Simpel statt Systemintegration

Die Funktionsweise der App ist bewusst minimalistisch gehalten: Beleg fotografieren, woraufhin die KI relevante Werte wie Datum, Betrag und Mehrwertsteuer ausliest, auf Duplikate prüft und eine fertige Abrechnung erstellt. „Kein Onboarding-Projekt, kein Vertriebsgespräch, kein IT-Setup“, fasst Bankowsky den Ansatz der Standalone-Lösung zusammen.

Die Zielgruppe ist klar definiert: Selbständige, Freelancer*innen und Mini-Teams, denen Enterprise-Lösungen wie SAP Concur zu mächtig und Start-ups wie Circula oder Pleo oft noch zu prozesslastig sind. Mit einem Preismodell von 1,99 Euro für Einzelabrechnungen und 6,99 Euro (Stand Ende Febr. 2026) für eine Flatrate positioniert sich das Unternehmen im unteren Preissegment.

Im Haifischbecken der Neobanken und Buchhaltungsriesen

Laut fast2work gab es bislang „kaum eine Alternative zwischen Excel und Enterprise-Software“. Diese Aussage hält einem Realitätscheck im Jahr 2026 allerdings nur bedingt stand. Bonster betritt ein Haifischbecken, denn die vermeintliche Lücke wird längst geschlossen.

Zum einen integrieren Buchhaltungsriesen wie Lexoffice oder sevDesk Reisekosten-Features immer tiefer in ihre Standardpakete. Zum anderen wildern Neobanken wie Qonto, Finom oder Kontist im selben Revier: Wer dort ein Geschäftskonto hat, bekommt die Belegzuordnung oft als „Commodity“ gratis dazu. Mit knapp 7 Euro im Monat bewegt sich bonster in einer Preisregion, in der man fast schon eine komplette einfache Buchhaltungssoftware bekommt. Die App muss also einen enormen Mehrwert bieten, um gegen die „Eh-da-Lösungen“ (Software, die Kund*innen ohnehin bezahlen) zu bestehen.

Auf die Frage, warum Freelancer*innen für eine Insellösung extra zahlen sollten, entgegnet der Gründer, dass bonster bewusst früher ansetze als klassische Tools. Das Hauptproblem sei nicht die Buchhaltung, sondern das Erfassen von Belegen unterwegs. „Genau dort scheitert es oft, weil Mitarbeitende keine komplexen Systeme nutzen wollen oder gar keine Zugänge haben“, argumentiert Bankowsky. Der Mehrwert liege nicht in einer weiteren Buchhaltungssoftware, sondern darin, dass durch die Reduzierung auf ein Foto „überhaupt verwertbare Abrechnungsdaten/Belege entstehen“.

Kritische Faktoren: GoBD und Datensicherheit

Neben der Marktpositionierung ist die Rechtssicherheit ein kritischer Faktor. „Fertige Abrechnung für die Buchhaltung“ ist ein mutiges Versprechen, da in Deutschland ein Foto allein oft nicht ausreicht; es muss GoBD-konform und revisionssicher archiviert werden. Zudem ist die KI-Nutzung datenschutzrechtlich sensibel. Wenn Bewirtungsbelege, die offenbaren, mit wem man gegessen hat, über US-Schnittstellen (z.B. OpenAI) fließen, ist das für deutsche Geschäftskund*innen und Steuerberater oft ein K.O.-Kriterium.

Auf die sensiblen Vorgaben der Finanzämter und den Serverstandort angesprochen, betont Bankowsky, dass die Verarbeitung „ausschließlich auf europäischen Servern“ erfolge. Zwar nutze man OpenAI-basierte Modelle, diese liefen jedoch über Azure-Rechenzentren im europäischen Raum. Datenschutz und regulatorische Anforderungen seien Grundvoraussetzung. Auch beim Export zum Steuerberater zeigt sich der Gründer zuversichtlich: Buchhaltungssysteme könnten die Daten direkt und „ohne manuelle Nacharbeit“ weiterverarbeiten.

Beta-Test als Exklusiv-Club

Zum Start setzt das Unternehmen auf eine Gamification des Rollouts. Die ersten 500 Nutzer*innen erhalten im „Club 500“ einen lebenslangen Rabatt von 50 Prozent. Was als Belohnung für Early Adopters verkauft wird, ist strategisch notwendig: Die KI muss lernen. Der Algorithmus braucht dringend „Real World Data“ – echte, verknitterte, schlecht beleuchtete Belege. Das bedeutet auch: Die ersten User*innen sind Teil des Entwicklungsprozesses.

Dass die App im Alltag noch dazulernen muss, räumt Bankowsky ein. Bei der reinen Datenerkennung sei man technisch auf dem aktuellen Stand. „Entscheidend ist jedoch die Qualität realer Belege im Alltag – etwa schlecht fotografierte oder handschriftliche Quittungen“, erklärt er den Bedarf an Praxis-Feedback. Durch schnelle Updates solle die Genauigkeit für alle Nutzer*innen laufend steigen.

Gegenmodell zur Ökosystem-Abhängigkeit

Wer ein Feature-Feuerwerk suche, werde bei bonster enttäuscht sein – was laut Unternehmen aus Überzeugung geschehe. Anbieter wie Rydoo verfolgten eine Strategie der maximalen Integration und langfristiger Verträge, was eine Abhängigkeit erzeuge, die ihr eigentliches Geschäftsmodell sei, so der Gründer. Wer einmal im Ökosystem stecke, wechsle nicht mehr, weil der Ausstieg zu teuer geworden sei.

Bonster positioniert sich als Gegenmodell für Unternehmen, die nicht für ungewollte Komplexität zahlen möchten: Kein Vertrag, keine Mindestnutzerzahl, Setup in unter fünf Minuten und ein Pay-per-Use-Modell. „Wer aufhören will, hört auf, ohne Konsequenzen“, beschreibt das Start-up den Ansatz der bewussten Entscheidung, Kund*innen freizulassen. Wer bleibe, tue dies, weil es funktioniere, was laut Bankowsky „die interessantere Innovation“ sei.

Fazit

Bonster ist ein innovativer Angriff auf die Zettelwirtschaft und wirkt durch den Verzicht auf starre Abo-Modelle bei der Einzelabrechnung fair. Doch die App steht und fällt mit der Schnittstellenkompetenz. Wenn der Export zu DATEV & Co. hakt, wird aus der Zeitersparnis schnell Mehrarbeit. Bonster muss beweisen, dass es die Brücke zwischen dem schnellen Foto und der strengen deutschen Buchhaltung schlagen kann – und zwar besser als die Banken, die das Feature bereits kostenlos anbieten.

Die Müsli-Macher und die Kälte: Das neue Millionen-Projekt von Kraiss & Mahler

Dass sie Märkte revolutionieren können, haben die Freda-Gründer bereits bewiesen – nun steht die Tiefkühlkette auf dem Prüfstand. Mit einem mutigen Modul-Konzept fordern Philipp Kraiss und Christian Mahler die Industrie-Riesen im Supermarktregal heraus.

In der Start-up-Welt ist der Begriff Seriengründer*in oft ein zweischneidiges Schwert: Das Vertrauen der Investor*innen ist hoch, doch die Fallhöhe nach einem Erfolg wie mymuesli ebenso. Philipp Kraiss und Christian Mahler haben sich mit ihrem 2023 gegründeten Food-Start-up Freda bewusst gegen ein „Me-too-Produkt“ und für eine operative Wette auf die Zukunft der Tiefkühlkette entschieden. Mit einem mutigen Modul-Konzept fordern sie die etablierten Industrie-Riesen im Supermarktregal heraus. Die Prämisse: Der Markt für Tiefkühlkost (TK) wächst – auf über 22,6 Milliarden Euro im Jahr 2024 –, ist aber durch extremen Preisdruck und eine veraltete Produktlogik geprägt. Wir haben uns das Geschäftsmodell näher angesehen und die Gründer dazu befragt.

Pizza, Pasta, Gelato … und jetzt Blocks?

Die Pizza „Salami Sensation“ war für Freda der Türöffner. Mit dem Sieg bei Stiftung Warentest (2024) bewies das Team, dass es Qualität „kann“ und schuf einen starken USP. Strategisch ist Pizza jedoch kein leichtes Feld: Der Wettbewerb ist anspruchsvoll, die Regalplätze im Einzelhandel sind besetzt und die Differenzierung erfolgt meist über den Preis. Mit einer Innovation wie „Frozen Blocks“ erweitert Freda nun das Spielfeld und eröffnet eine neue Kategorie von Tiefkühlkost.

Es handelt sich dabei nicht mehr um ein fertiges Gericht, sondern um eine Systemkomponente. Das Konzept orientiert sich am gastronomischen „Mise en Place“: Vorbereitete, schockgefrostete Komponenten wie Beef Ragù oder Chili sin Carne fungieren als Basismodule für die heimische Küche. Strategisch gesehen erhöht dies die Wertdichte pro Kubikzentimeter im TK-Fach und verringert die Komplexität in der eigenen Produktion im Vergleich zu mehrkomponentigen Fertigmenüs.

Auf die Frage, ob der strategische Wechsel von der Pizza zu den „Frozen Blocks“ eine Flucht aus dem Commodity-Preiskampf der Pizza-Truhe hin zu einer proprietären Nische sei, widerspricht Philipp Kraiss. Vielmehr handele es sich um einen konsequenten Ausbau des Sortiments, denn Freda solle künftig den gesamten Alltag der Kund*innen abbilden – vom Frühstück bis zum Abendbrot. Das sei eben mehr als nur Pizza. „Unser Anspruch ist aber nicht nur Bekanntes besser zu machen – wie bei unserer Pizza, sondern auch neue Wege zu gehen“, stellt der Gründer klar. Die flexiblen Module seien auf diesem Weg der nächste logische Schritt. Er verspricht dabei maximale Vielfalt aus dem Gefrierfach, „denn jeder Block lässt sich vielfältig kombinieren.“

Die Retail-Herausforderung: Kaufland als Stresstest

Mit einer Basis von über 30.000 D2C-Kund*innen hat das Unternehmen bereits bewiesen, dass die Nachfrage nach seinen Produkten besteht. Um dieses Potenzial voll auszuschöpfen und die Margen zu stärken, wurde im August 2025 der Launch in 780 Kaufland-Märkten umgesetzt – ein strategischer Meilenstein, der die Reichweite massiv erhöht und über das Volumen des stationären Einzelhandels den Weg zu nachhaltigem, profitablem Wachstum ebnet – ohne aufwendigen Versand mit Isolierung und Trockeneis.

Hier zählt nun die Shelf Velocity (Abverkaufsgeschwindigkeit). Ein modulares System erfordert von der Kundschaft jedoch ein Umdenken: Man kauft kein fertiges Abendessen, sondern eine Zutat. Freda muss hier beweisen, dass der Mehrwert der Zeitersparnis am Point of Sale verstanden wird, bevor die harten Auslistungsmechanismen des Handels greifen.

Doch wie überzeugt man eine*n Einkäufer*in davon, dass ein modulares System mehr Flächenproduktivität bringt als die zehnte Sorte Standard-Lasagne? Christian Mahler kontert auf diese Retail-Frage mit einem anschaulichen Branchen-Vergleich: „Wir sind eben nicht die zehnte Lasagne. Eine klassische TK-Lasagne belegt viel Regalfläche, bedient genau einen Anlass und konkurriert mit neun anderen Lasagnen um denselben Kunden.“ Durch das kompakte Format und eine maximale SKU-Dichte der Blocks könne der Händler auf derselben Regalfläche mehrere Sorten listen und spreche damit dutzende Zubereitungsarten von der Bowl bis zum Curry an. Mahler zeigt sich selbstbewusst: „Wir eröffnen eine neue Kategorie statt in einer bestehenden zu kämpfen.“

Operative Exzellenz vs. bayerisches Handwerk

Ein weiterer Spagat wartet in der Produktion: Freda wirbt offensiv mit „Made in Bavaria“ und handwerklicher Herstellung. In der Start-up-Praxis beißt sich Handwerk jedoch oft mit Skalierung. Wer bundesweit fast 900 Supermärkte bedient, muss industrielle Prozesse beherrschen. Die Gefahr dabei ist offensichtlich: Wenn die Qualität durch die Masse sinkt, verliert Freda seinen wichtigsten USP. Gleichzeitig bleibt bei der exklusiven Zielgruppe, die bereit ist, für TK-Komponenten Premium-Preise zu zahlen, in Zeiten der Inflation die Frage der Preissensibilität bestehen.

Auf drohende Kapazitätsgrenzen angesprochen, räumt Philipp Kraiss ein, dass die Passauer Manufaktur zwar das Herzstück bleibe. „Aber wir waren von Anfang an ehrlich zu uns selbst: Eine Manufaktur skaliert nicht linear“, gibt der Seriengründer zu bedenken. Mit wachsendem Geschäft müsse man die Produktion auf breitere Schultern stellen und mit Partnern zusammenarbeiten. Sein Kernversprechen an die Kund*innen lautet dabei jedoch: „Wir lagern nicht die Rezeptur aus, sondern die Kapazität.“

Marktpsychologie: Convenience ohne Reue

Psychologisch besetzt Freda damit eine überaus geschickte Lücke. Die „Frozen Blocks“ nehmen der Käuferschaft zwar die Entscheidung für die aufwendige Kernkomponente ab, lassen das Gefühl des Selbstkochens durch das frische Ergänzen von Beilagen jedoch vollkommen intakt. Dies eliminiert die oft vorhandene „Convenience-Scham“ gesundheitsbewusster Zielgruppen und könnte die Lösung für die stagnierenden Marktanteile klassischer Fertiggerichte bei jüngeren Konsument*innen sein.

Fazit für die Start-up-Praxis

Freda ist ein Lehrstück für den Übergang von einer digitalen D2C-Brand zum Player im Massenmarkt. Die Gründer nutzen ihre Erfahrung, um eine etablierte Kategorie neu zu denken. Ob die Rechnung aufgeht, wird sich an der Regal-Rotation zeigen. Wenn die Kund*innen den Aufpreis für die „bayerische Handarbeit“ und das modulare System dauerhaft akzeptieren, könnte Freda die Blaupause für die nächste Generation von Food-Marken liefern.

Vivid: Runway verlängern mit US-Dollar

Das FinTech Vivid Money, 2019 von Alexander Emeshev und Artem Iamanov in Berlin gegründet, meldet 100.000 KMU-Kund*innen und lockt Start-ups mit bis zu 5 Prozent Zinsen auf Dollar- und Pfund-Guthaben. Für international finanzierte Gründungsteams ist das Angebot attraktiv, um die eigene Runway zu verlängern. Doch ein genauer Blick auf die Konditionen und den harten Wettbewerb im Business-Banking zeigt: Gründende müssen spitz kalkulieren.

Vivid Money positioniert sich im Geschäftskundensegment mit einem erweiterten Cash-Management-Angebot. Im Zentrum der Ankündigung stehen Verzinsungen, die speziell auf die Bedürfnisse international finanzierter Start-ups zugeschnitten sind. Geschäftskund*innen erhalten auf Guthaben in US-Dollar und britischen Pfund bis zu 5 Prozent Zinsen pro Jahr. Auf Euro-Guthaben zahlt das Unternehmen bis zu 4 Prozent.

Bei diesen Zahlen ist jedoch eine kritische Einordnung geboten: Es handelt sich um klassische, zeitlich befristete Lockangebote zur Neukund*innengewinnung. Der Spitzenzinssatz für Fremdwährungen gilt für fünf Monate. Der Zinssatz für Euro-Guthaben ist auf vier Monate begrenzt. Nach Ablauf dieser Aktionszeiträume fallen die Zinsen deutlich ab – auf bis zu 3 Prozent für Fremdwährungen und bis zu 2 Prozent für den Euro, was zudem an den jeweils gewählten Tarif des FinTechs gekoppelt ist. Darüber hinaus behält sich der Anbieter vor, die Zinssätze je nach Marktlage oder nach eigenem Ermessen anzupassen.

Jenseits der Marketing-Zahlen bietet die strukturelle Erweiterung der Plattform jedoch einen greifbaren administrativen Nutzen für Gründerinnen und Gründer. Da viele Start-ups ihr Kapital durch US-Investor*innen in Dollar erhalten, mussten diese Gelder bislang oft aufwendig und gebührenpflichtig umgeschichtet werden. Vivid ermöglicht es nun, internationale SWIFT-Zahlungen direkt aus den verzinsten USD- und GBP-Konten heraus zu tätigen. Zusätzliche Bankpartner, externe Treasury-Lösungen oder teure Währungsumrechnungen entfallen für diese Transaktionen. Zudem öffnet die Plattform, die nun vollständig über den Webbrowser bedienbar ist, den Zugang zu über 1850 Assets (Money Market Funds, ETFs, stocks, iBonds, crypto).

Für junge Unternehmen ohne eigene Finanzabteilung stellt dies eine niedrigschwellige Möglichkeit dar, Teile der Firmenrücklagen strukturiert anzulegen und brachliegendes Kapital zumindest als Inflationsausgleich arbeiten zu lassen.

Vom B2C-Hype zur pragmatischen B2B-Plattform

Vivid startete ursprünglich mit einer gänzlich anderen Vision in den Markt. In der Hochphase des Fintech-Booms positionierte sich das von namhaften Investoren wie Greenoaks Capital und DST Global Partners finanzierte Unternehmen als verbraucher*innenorientierte App mit einem starken Fokus auf Krypto-Trading und Cashback-Programme. Die harte Marktrealität im Privatkund*innengeschäft, dominiert von Playern wie N26 und Revolut, zwang das Management jedoch zu einem strategischen Kurswechsel.

Vivid vollzog einen weitreichenden Pivot weg vom reinen Endkonsument*innen und wandte sich dem Geschäftskund*innensegment zu. Dieser Strategiewechsel scheint aufzugehen, denn nach Unternehmensangaben konnte in weniger als zwei Jahren die Marke von 100.000 KMU-Kund*innen überschritten werden.

Das Treasury-Volumen spiegelt diese Neuausrichtung ebenfalls wider: Zwischen Februar 2025 und Februar 2026 wuchs die Zahl der Treasury-Nutzer*innen um das Zweieinhalbfache, während sich die verwalteten Einlagen im selben Zeitraum verdreifachten. Die von Mitgründer Alexander Emeshev und dem für das Treasury verantwortlichen Esmond Berkhout formulierte Strategie setzt nun vollends darauf, Start-ups eine kombinierte Infrastruktur aus alltäglichem Banking und anspruchsvolleren Anlageprodukten zu bieten. Für das Jahr 2026 hat das Management das ambitionierte Ziel ausgegeben, die Kund*innenzahl in diesem Segment abermals zu verdoppeln.

Ein hart umkämpftes Oligopol

Der aktuelle Vorstoß in das Zinsgeschäft für Fremdwährungen trifft einen wunden Punkt der europäischen Gründer*innenszene. Das allgemeine Finanzierungsumfeld hat sich merklich abgekühlt, Finanzierungsrunden dauern deutlich länger und Kapital wird von Investor*innen spürbar selektiver vergeben. Gleichzeitig stammen laut KfW-Daten rund 60 Prozent der Startup-Investitionen von internationalen Geldgeber*innen, wobei gut ein Viertel des Kapitals allein aus den USA fließt. Die Verlängerung der sogenannten Runway durch ein aktives Liquiditätsmanagement rückt daher gezwungenermaßen ins Zentrum der Finanzplanung vieler Gründungsteams. Dennoch bewegt sich Vivid bei dem Versuch, dieses Problem zu lösen, in einem hochkompetitiven Umfeld.

Im europäischen B2B-Banking dominieren stark finanzierte und etablierte Player wie der französische Marktführer Qonto, der finnische Pionier Holvi oder aufstrebende Herausforderer wie Finom. Auch Revolut Business ist mit aggressiven Preismodellen dauerpräsent. Die strategische Differenzierung von Vivid liegt im Versuch, sich nicht nur als reines Transaktionskonto, sondern als holistisches Betriebssystem für Finanzen zu etablieren, das operative Liquidität und strukturierten Anlageverkehr verschmilzt.

Für uns ergibt sich aus dieser Entwicklung ein klares pragmatisches Bild. Das temporäre Zinsangebot in Dollar und Pfund ist ein unbestreitbar attraktives Vehikel für frisch finanzierte Start-ups mit internationalen Investor*innen, um Währungsverluste durch Liegegelder zu minimieren und das aufgenommene Kapital sofort arbeiten zu lassen.

Gründungsteams müssen jedoch fernab des ersten Zinsversprechens nüchtern kalkulieren. Es gilt genau zu prüfen, ob die fixen Grundgebühren der verschiedenen Vivid-Tarife und die Konditionen nach Ablauf der viermonatigen respektive fünfmonatigen Lockzinsphase langfristig tatsächlich wirtschaftlicher sind als die etablierten Strukturen und Konditionen der direkten Wettbewerber*innen am Markt.

Zwischen Hausaufgaben und Datenschutz: Der mutige B2C-Vorstoß von innoGPT

Die Inno KI GmbH aus Vechta öffnet ihre bisher auf Geschäftskunden ausgerichtete KI-Plattform nun für Familien. Mit einem neuen "Family Package" wollen die Gründer Mike Koene und Maurice Brumund das Problem des Datenschutzes bei der KI-Nutzung von Jugendlichen lösen. Ein cleverer Schachzug in eine unbesetzte Nische – oder ein schwieriges B2C-Geschäftsmodell mit hoher Preishürde?

Die Zahlen der jüngsten JIM-Studie (Jugend, Information, Medien) sprechen eine deutliche Sprache: 70 Prozent der Jugendlichen nutzen Künstliche Intelligenz zur Informationssuche, 74 Prozent lassen sich bei den Hausaufgaben helfen. Die Kehrseite dieser rasanten Adaption: Die Nutzung erfolgt zumeist über die kostenlosen Web-Versionen von US-Giganten wie OpenAI oder Google. Sensible Daten – von persönlichen Fragen bis zu hochgeladenen Schuldokumenten – fließen oft ungefiltert in die globalen Trainingsdatenbanken der Anbieter, sofern nicht manuell widersprochen wird.

Während die Politik über Social-Media-Verbote für Minderjährige debattiert, bleibt der regulatorische blinde Fleck bei KI-Tools im Kinderzimmer bislang bestehen. Genau in diese Lücke stößt nun das niedersächsische Start-up Inno KI GmbH mit seiner Plattform innoGPT.

Von der Agentur zum KI-Aggregator

Hinter innoGPT steht kein klassisches, VC-finanziertes Silicon-Valley-Konstrukt, sondern mittelständischer Pragmatismus aus Vechta. Co-Founder Maurice Brumund und sein Team begannen bereits 2022 im Umfeld einer eigenen Digitalmarketing-Agentur, intensiv mit KI-Tools zu experimentieren.

Aus dem internen Pain Point – der Frage, wie Mitarbeitende rechtssicher und datenschutzkonform mit großen Sprachmodellen (LLMs) arbeiten können – entstand Ende 2024 die Plattform innoGPT. Bisher lag der Fokus des Startups strikt auf dem B2B-Segment: Mit rein europäischem Hosting, DSGVO-Konformität und einer Zero-Retention-Policy (keine Nutzung der API-Daten für das Modell-Training) positionierte sich innoGPT als Lösung gegen die „Schatten-IT“ in Unternehmen. Laut Unternehmensangaben nutzen bereits über 2.500 Privat- und Geschäftskund*innen den Service. Nun folgt die Ausweitung des Geschäftsmodells auf den B2C-Markt.

Das Produkt: Ein "Safe Space" für die Familie

Mit dem neuen „Family Package“ erhalten bis zu fünf Familienmitglieder für 34,90 Euro im Monat individuelle Logins zu einer zentralen Plattform. Über diese können sie gebündelt auf verschiedene führende KI-Modelle von OpenAI, Anthropic, Google, Meta, Mistral und Black Forest Labs zugreifen. Ein zusätzlich buchbares Add-on filtert persönliche Daten (Named Entity Recognition) wie Namen oder E-Mail-Adressen und ersetzt diese vor der Übermittlung an die Rechenzentren automatisch durch Platzhalter.

Das Geschäftsmodell und der Markt

Aus Start-up-Sicht ist der Vorstoß von B2B-SaaS in ein Family-Abo-Modell gleichermaßen spannend wie riskant. Eine kritische Analyse offenbart dabei mehrere Marktherausforderungen:

  • Der technologische Burggraben (Moat): Das Geschäftsmodell von innoGPT ist im Kern ein Aggregator- oder Wrapper-Modell. Das Start-up entwickelt keine eigenen Foundation-Modelle, sondern baut eine sichere, europäische Middleware-Schicht über die Schnittstellen (APIs) der Tech-Giganten. Der technologische Burggraben ist folglich eher niedrig. Der primäre Unternehmenswert liegt in der User Experience, der reibungslosen Modellanbindung und dem abstrakten Vertrauensfaktor „Datenschutz“.
  • Zahlungsbereitschaft: 34,90 Euro im Monat (knapp 420 Euro im Jahr) sind für ein klassisches Familienbudget eine erhebliche Summe. Der Preis entspricht fast den Kosten von anderthalb ChatGPT-Plus-Lizenzen. Die zentrale Herausforderung für das Marketing wird sein: Sind Eltern bereit, für den Schutz der Daten ihrer Kinder diesen Premium-Aufschlag zu zahlen, während der Nachwuchs die Basis-Tools de facto kostenlos und mit einem Klick auf dem Smartphone nutzen kann?
  • Token-Ökonomie in der Praxis: Das Modell sieht einen geteilten Token-Pool für die fünf Accounts vor. In der Praxis könnte dies zu Reibereien führen, wenn beispielsweise ein Familienmitglied rechenintensive Bildgenerierungen (etwa über Black Forest Labs) durchführt und das Kontingent für die Text-Prompts der restlichen Familie vorzeitig aufbraucht.
  • Wettbewerbslandschaft: InnoGPT bewegt sich in einem Sandwich-Markt. Von oben drohen die direkten B2C-Angebote der Tech-Riesen (es ist absehbar, dass OpenAI oder Google eigene „Family Plans“ ausrollen). Von der Seite drücken EdTech-Start-ups in den Markt, die KI DSGVO-konform direkt in die Lernplattformen der Schulen integrieren – was eine private Familienlizenz obsolet machen könnte.

Ein mutiger Testballon

Für das Start-up-Ökosystem ist die Inno KI GmbH dennoch ein Paradebeispiel für „bootstrapped“ Innovationskraft. Anstatt ein Produkt am Reißbrett zu entwerfen, hat das Team ein valides Angebot aus einem eigenen betrieblichen Schmerz heraus entwickelt.

Der Vorstoß in den B2C-Markt wirkt wie ein smarter, PR-wirksamer Testballon. Das Start-up greift eine hochaktuelle, emotionale gesellschaftliche Debatte auf (Jugendschutz bei KI) und besetzt rhetorisch geschickt die Rolle des Problemlösers. Ob sich das Family-Modell finanziell trägt, hängt letztlich davon ab, ob innoGPT den trockenen Begriff der „DSGVO-Konformität“ für Eltern emotional so aufladen kann, dass er als unverzichtbare Sicherheitsmaßnahme wahrgenommen wird. Gelingt dies nicht, ist das Risiko überschaubar: Das Start-up kann sich nahtlos wieder auf sein wachsendes B2B-Kerngeschäft konzentrieren.

Schluss mit der Wegwerf-Ausrüstung: Outzips Masterplan für eine neue Outdoor-Ökonomie

Gekaufte Outdoor-Ausrüstung wird im Schnitt nur zehn Tage genutzt – eine gewaltige Ressourcenverschwendung. Das junge Berliner Start-up Outzip der Gründer Kai Meier und Eloy Padilla will diese Lücke mit einem digitalen Miet-Marktplatz schließen. Doch wie belastbar ist das „Asset-Light“-Modell der Gründer? Wir haben nachgehakt.

Das Konsumverhalten verändert sich: Gekaufte Outdoor-Artikel werden im Durchschnitt nur zehn Tage genutzt, während 73 Prozent der Millennials laut Marktdaten angeben, mehr Ausrüstung mieten zu wollen. In diese Lücke stößt das Berliner Start-up Outzip. Mit einer digitalen Plattform für die Vermietung von Outdoor- und Sportausrüstung wollen die Gründer den fragmentierten Markt digitalisieren und ein skalierbares „Gear-as-a-Service“-Modell etablieren. Doch wie belastbar ist das Marktplatz-Modell im realen operativen Betrieb, wenn längst auch etablierte Handelsriesen denselben Markt ins Visier nehmen?

Die Gründer und der operative Ursprung

Hinter der im Jahr 2024 in Berlin gegründeten Outzip UG stehen zwei Gründer. Als Co-Founder und CEO bringt Kai Meier berufliche Stationen als Projektmanager in der Bike-Sharing-Economy beim ADFC Berlin sowie im Sales- und Marketingbereich bei ONOMotion in das Vorhaben ein. Co-Founder und CPO Eloy Padilla sammelte zuvor bereits Erfahrungen mit dem D2C-Outdoor-Marktplatz thefaircottage.com.

Der Impuls zur Gründung leitet sich direkt aus der aktuellen Ressourcenverschwendung ab. Im Fachmagazin Suston adressierte Outzip beispielsweise das Problem der Müllberge auf Musikfestivals, die durch billig gekaufte und zurückgelassene Campingausrüstung entstehen, und skizzierte Mietlösungen direkt vor Ort als Gegenmaßnahme. Erste konzeptionelle Bestätigung erhielt das Start-up im Wintersemester 2023/24 im Rahmen einer Projektarbeit der HMKW – Hochschule für Medien, Kommunikation und Wirtschaft sowie im Frühjahr 2025 im „Pitch Battle“ des Startup Insider Podcasts.

Margendruck durch Logistik?

Outzip agiert als B2B2C-Marktplatz, der lokale Miet-Shops, Reisende und Affiliate-Partner*innen zusammenbringt. In ersten Kooperationen binden der Reiseveranstalter Perlenfänger oder Vivido Outzip bereits für sogenannte Mikroabenteuer ein. Die Monetarisierung stützt sich auf eine 15-prozentige Provision pro Buchung. Auf Konsument*innen-Seite soll ein KI-Chatbot bei der Produktauswahl assistieren und so die Konversionsrate stützen.

Das Start-up fokussiert sich im Vertrieb zunächst darauf, Shops einen zusätzlichen digitalen Buchungskanal über das eigene Listing anzubieten. Perspektivisch, so Meier, wolle man das Onboarding eines eigenen Buchungssystems über den SaaS-Partner Sharefox ermöglichen und direkte API-Schnittstellen zu Shops mit existierendem System entwickeln.

Dabei verfolgt das Unternehmen prinzipiell einen „Asset Light“-Ansatz: Es besitzt die Ausrüstung nicht selbst, sondern aggregiert Bestände über API-Schnittstellen. Im Zeitraum 2024 bis 2025 verzeichnete das Unternehmen nach eigenen Angaben 800 Buchungen – davon 550 im Jahr 2025 – mit einem Gesamtumsatz (GMV) von 50.000 Euro.

Ein Blick auf die Unit Economics offenbart jedoch operative Risiken: Die geplante Integration eines umfassenden Kreislauf-Services inklusive externer Logistikpartner*innen ist im E-Commerce traditionell ein massiver Margenfresser. Auf die kritische Frage, wie das Start-up verhindern wolle, dass hohe Versand- und Aufbereitungskosten das Geschäftsmodell aushöhlen, verweist CEO Meier auf eine betont dezentrale Strategie. „Um insbesondere die Bereitstellungskosten so gering wie möglich zu halten, liegt der Expansionsfokus vor allem auf der Zusammenarbeit mit lokalen Verleih-Anbietern“, argumentiert der Gründer. Die Ware werde idealerweise direkt am „Point of Use“ ausgegeben und dort auch wieder aufbereitet. Das steigere nicht nur die Effizienz durch die Fachkenntnis der Partner, sondern ermögliche überhaupt erst ein breiteres Angebot. So gibt Meier zu bedenken, dass Produkte wie Kajaks „über den Versand kaum profitabel vermietbar wären“.

Kampf gegen Retail-Riesen und Plattformen mit identischem Modell

Der globale Markt für Outdoor-Vermietungen wird laut Branchenprognosen bis 2035 auf 32 Milliarden Euro anwachsen. Für Deutschland geht Outzip von einem adressierbaren Umsatzpotenzial von 700 Millionen Euro aus. Die Konkurrenzlandschaft ist jedoch dicht besiedelt und hochgradig kapitalisiert. Auf der einen Seite stehen etablierte Retailer wie Globetrotter, Decathlon und Intersport, die teils mit eigenen Verleihkonzepten experimentieren. Auf der anderen Seite positionieren sich spezialisierte Vermieter wie Cirkel Supply Co. oder EcoSki.

Die direkteste Gefahr droht Outzip jedoch durch Plattformen wie Lokki oder Rent & Send, die mit einem identischen Marktplatz-Ansatz um exakt dieselben B2B-Partner buhlen. Angesprochen auf den fehlenden technologischen „Burggraben“ des Unternehmens in diesem Umfeld, gibt sich Meier gelassen. Große Retailer sehe man aktuell nicht als Bedrohung, da diese sich „strategisch vor allem auf das Thema Second-Hand und Buy Back Programme fokussieren“. Gegenüber Plattformen mit nahezu identischem Modell wie Lokki führt der Mitgründer ein eher pragmatisches Argument ins Feld: Der strategische Vorteil liege „vor allem in der Positionierung als deutsches Unternehmen“. Dies solle im Vertrieb mit kleinen lokalen Geschäften in der Frühphase den Ausschlag geben. Um hier rasch Marktanteile zu sichern, verspricht Meier zudem schnellere Onboardings durch Kooperationen mit SaaS-Anbietern. Dadurch wolle man ein breites Partner*innen-Portfolio auf dem Marktplatz sichtbar machen, „ohne den individuellen Vertrieb mit jedem Partner einzeln“ stemmen zu müssen.

Einordnung und Fazit

Outzip positioniert sich in einem signifikant wachsenden Segment der Kreislaufwirtschaft. Für die aktuelle Pre-Seed-Runde sucht das Start-up 500.000 Euro, primär um die Software-Middleware zu finanzieren und 18 Monate Runway zu sichern. Flankiert werden soll dies durch eine angestrebte Förderung der Investitionsbank des Landes Brandenburg in Höhe von 300.000 Euro. Erste Investitionstickets werden als Wandeldarlehen ab 10.000 Euro bei einem Cap von 2,5 Millionen Euro ausgegeben.

Die größte Hürde bleibt der zügige Aufbau der B2B-Angebotsseite. Die Roadmap sieht zunächst die Akquise lokaler Shops in Brandenburg vor, bevor bundesweit skaliert werden soll. Zudem fokussiert sich das Start-up nach eigenen Angaben im laufenden Jahr ausschließlich auf die Bereiche Camping und Trekking. Das birgt das klassische Henne-Ei-Problem: Wie lockt man Nutzer*innen an, wenn das lokale Angebot noch spärlich ist?

Um diese Phase zu überbrücken, verlässt sich Outzip nicht nur auf Kaltakquise. Man arbeite „an engen Partnerschaften mit relevanten Reiseveranstaltern und Campingplätzen, um die Nachfrage für die entsprechenden Produkte zu erhöhen“, skizziert Meier den Ausweg. Das so generierte Buchungsvolumen diene gleichzeitig als Marktforschung. Durch die zielgruppenspezifische Analyse wisse Outzip sehr genau, „welche lokalen Anbieter aktuell gut zu unserem Portfolio passen“.

Gelingt es dem Team, die Akquisitionskosten für neue Partner niedrig zu halten und die logistischen Herausforderungen effizient zu lösen, könnte Outzip im europäischen Outdoor-Markt eine relevante Rolle spielen. Scheitert jedoch die schnelle Skalierung der Angebotsseite, droht das Modell an den besser kapitalisierten Bestandsakteur*innen abzuprallen.

TRONITY: Daten statt Dongles

Das 2020 von Torsten Born, Sebastian Netuschil und Nils Machner gegründete Start-up TRONITY baut seine Kooperation mit Mercedes-Benz weiter aus und bringt seine Software für die Abrechnung von Heimladekosten nun auch für deutsche Geschäftskund*innen des Stuttgarter Autobauers auf den Markt. Für das Gründerteam aus ehemaligen SAP-Mitarbeitern ist der Deal ein Meilenstein. Doch wie nachhaltig ist das rein datengetriebene Geschäftsmodell in einem komplexen regulatorischen Umfeld? Eine Einordnung.

Hinter TRONITY stehen Torsten Born, Sebastian Netuschil und Nils Machner, die das Unternehmen 2020 in Mannheim gründeten. Die berufliche Herkunft der drei Gründer ist unverkennbar: Alle drei kommen aus dem SAP-Umfeld. Dieses tiefe Verständnis für komplexe IT-Systeme und Enterprise-Lösungen prägt die Entwicklung des Start-ups spürbar. Entstanden aus dem Ziel, die Blackbox "Elektromobilität" transparenter zu machen, hat sich der Fokus mittlerweile erfolgreich auf das lukrative B2B-Flottengeschäft erweitert.

Virtuelle Zwillinge statt Hardware-Wildwuchs

Der Kern des TRONITY-Modells ist so simpel wie effektiv: Anstatt Fuhrparks mit teurer Hardware wie OBD-Dongles oder spezifischen Smart-Wallboxen auszustatten, greift die Software rein datenbasiert auf die Fahrzeuge zu. Das Start-up baut digitale Zwillinge von Elektro- und Plug-in-Hybridfahrzeugen und nutzt dafür direkte Datenzugriffsvereinbarungen (APIs) mit über 20 Automobilherstellern – darunter Tesla, VW, BMW, Ford und Mercedes-Benz.

Mit der B2B-Lösung TRONITY Fleet adressiert das junge Unternehmen eine der größten organisatorischen Hürden der betrieblichen E-Mobilität: die Abrechnung des Ladestroms, wenn Mitarbeitende den Firmenwagen zu Hause laden. Die Software erfasst Ladevorgänge auf Basis der Fahrzeugdaten und automatisiert die Rückerstattung. Dank der SAP-Vergangenheit der Gründer lässt sich das System nahtlos in bestehende ERP-Strukturen integrieren. Nachdem die Lösung bereits 2025 in den Benelux-Ländern als Ladelösung für Mercedes-Benz-Geschäftskund*innen etabliert wurde, folgt am 24. März 2026 nun der strategisch wichtige Rollout in Deutschland.

Skalierbarkeit vs. Bürokratie

Aus Start-up- und Investor*innenperspektive ist TRONITY ein hochspannendes B2B-SaaS-Modell. Es löst ein konkretes Problem und ist durch den Verzicht auf zusätzliche Hardware extrem gut skalierbar. Dennoch birgt der Ansatz strategische Herausforderungen, die kritisch beobachtet werden müssen:

  • Die API-Abhängigkeit: Das Geschäftsmodell steht und fällt mit der Bereitschaft der Automobilhersteller, ihre Telematikdaten über Schnittstellen zugänglich zu machen. Sollten große Player künftig den Datenzugriff restriktiv handhaben, um eigene, geschlossene Software-Ökosysteme zu forcieren, wäre TRONITYs Kernversprechen der Herstellerunabhängigkeit massiv bedroht.
  • Die Eichrecht-Falle beim Finanzamt: TRONITY automatisiert die Abrechnung elegant. Allerdings schwelt in Deutschland ein bürokratischer Konflikt: Die Arbeitsgemeinschaft Mess- und Eichwesen (AGME) und das Finanzministerium ringen aktuell darum, wie lückenlos Ladekosten nachgewiesen werden müssen. Eine gesetzlich striktere Auslegung, die zwingend mess- und eichrechtskonforme Hardware-Zähler für steuerfreie Rückerstattungen vorschreibt, könnte dem rein softwarebasierten, ungeeichten Ansatz steuerrechtlich Steine in den Weg legen.
  • Gegenwind im E-Automarkt: Das Start-up agiert in einem Sektor, der aktuell unter erheblichem Transformationsdruck steht. Eine Verzögerung bei der Umstellung von Unternehmensflotten auf E-Autos könnte das erhoffte Hyperwachstum des Unternehmens bremsen.

Fazit

TRONITY beweist eindrucksvoll, dass sich agile Software-Start-ups als Innovations-Bindeglied für etablierte Automobilkonzerne positionieren können. Die tiefe Integration in das Flottenportfolio von Mercedes-Benz ist ein massiver Proof of Concept und Ritterschlag für die Mannheimer. Um den Erfolg langfristig abzusichern, muss das Team nicht nur seinen technologischen Vorsprung verteidigen, sondern auch hoffen, dass die deutsche Steuerbürokratie der pragmatischen Digitalisierung nicht den Stecker zieht.

Last Mile am Limit?

Über 3.000 Kurier*innen, mehr als 50 Städte und ein stetig wachsendes Logistiknetzwerk: Die Hamburger Fleetlery GmbH hat seit 2021 ein massives B2B-Geschäft hochgezogen – komplett gebootstrapped. Doch das Geschäftsmodell der Gründer Timo Kerzel und Micheal Kingreen offenbart die harten Strukturprobleme der Quick-Commerce-Branche. Ein Blick hinter die Kulissen eines Start-ups, das zwischen Skalierung, Tech-Versprechen und handfesten Arbeitskämpfen navigiert.

Es war das Jahr 2021, als die Quick-Commerce-Blase ihren Höhepunkt erreichte. Milliarden an Venture Capital flossen in Start-ups, die versprachen, Lebensmittel in zehn Minuten zu liefern. Inmitten dieses Hypes gründeten Timo Kerzel (zuvor Projektleiter bei TKE Elevators) und Micheal Kingreen in Hamburg die Fleetlery GmbH. Ihr Ansatz war jedoch ein anderer: Keine eigenen Dark Stores, keine Konsumenten-App, kein massives Cash-Burning. Fleetlery positionierte sich als reiner B2B-Infrastrukturanbieter. Das Versprechen: Delivery-as-a-Service.

Heute, gut vier Jahre später, zieht Fleetlery Bilanz. Während viele der hochfinanzierten Einhörner von damals verschwunden oder fusioniert sind, ist das gebootstrappte Hamburger Startup gewachsen. Über 3.000 Kuriere und Picker sind laut Unternehmensangaben für Fleetlery auf der Straße. Doch der Erfolg hat einen Preis – und offenbart, dass die letzte Meile längst kein rein technologisches Spielfeld mehr ist.

Bootstrapping im Logistik-Sektor: Flexibilität als Währung

Wer im kapitalintensiven Logistikmarkt ohne externes Risikokapital skaliert, muss Cashflows extrem präzise managen. Fleetlery löste dieses Problem, indem es sich als flexibler Puffer für große Player positionierte. Anstatt den Markt selbst aufzurollen, dockt das Start-up per API an bestehende Plattformen an. Der eigentliche strategische Schachzug folgte jedoch durch die Zulassung zur offiziellen Arbeitnehmerüberlassung (Zeitarbeit). Fleetlery verkauft seither nicht nur reine Lieferungen, sondern vermietet das Personal. Dieses Modell generiert verlässliche B2B-Umsätze, da saisonale Spitzen bei den Kund*innen abgefedert werden.

Last Mile ist kein Tech-Problem – sondern ein Strukturproblem

Fleetlery wirbt intensiv mit seinem KI-gestützten Dispatching-Algorithmus, automatisierten Routenoptimierungen und Geofencing. Doch die Realität der letzten Jahre hat eine schmerzhafte Lektion zutage gefördert: Die beste App der Welt liefert keine Pizza aus. Technologie ist in der Logistik längst zur Commodity geworden. Das eigentliche Bottleneck ist der Mensch. Händler*innen, die unter hohem Kostendruck stehen, können sich keine eigenen Flotten leisten. Fleetlery füllt diese Lücke und agiert als Schmiermittel der E-Commerce-Maschinerie – trägt damit aber auch das gesamte operative Risiko der Personalgewinnung in einem traditionellen Niedriglohnsektor.

Zwischen Zeitarbeits-Riesen und Subunternehmern

Betrachtet man das direkte Wettbewerbsumfeld, operiert Fleetlery in einer hochkomplexen Sandwich-Position. Auf der einen Seite diktieren die großen B2C-Plattformen als Auftraggebende die Preise. Auf der anderen Seite tummelt sich die direkte Konkurrenz. Da sind zum einen die klassischen Personaldienstleister*innen. Sie verfügen zwar über massive Pools an Arbeitskräften und die nötigen Lizenzen zur Arbeitnehmer*innenüberlassung, doch ihnen fehlt oft die tiefe technologische API-Anbindung an die Food-Plattformen sowie das operative Flottenmanagement.

Zum anderen gibt es internationale Delivery-as-a-Service-Player, die in Deutschland oft an der mangelnden Profitabilität gescheitert sind. Der wohl härteste Wettbewerb auf der Straße kommt jedoch von lokalen Subunternehmer*innen: hyperlokale Flottenbetreiber*innen, die mit Niedrigpreisen locken, aber bei den strenger werdenden Compliance-Prüfungen der Auftraggebenden zunehmend durchfallen. Hier sucht Fleetlery seinen USP: Durch die Arbeitnehmer*innenüberlassungs-Lizenz und die Tech-Integration positioniert sich das Start-up als haftungssicherer Partner für Großkund*innen, die das operative Risiko auslagern wollen. Sie versuchen, den oft unregulierten Markt der Subunternehmer*innen zu professionalisieren – müssen sich diesen Anspruch in einem preissensiblen Marktumfeld aber hart erkämpfen.

Die kritische Kehrseite: Skalierung in der Grauzone?

An der operativen Umsetzung auf der Straße entzündet sich massive Kritik. Der Marktführer Lieferando sorgte im Spätsommer 2025 für heftige Proteste, als bekannt wurde, dass rund 2.000 interne Fahrer*innenjobs abgebaut und unter anderem an Fleetlery ausgelagert werden sollten.

Gewerkschaften wie die NGG und Initiativen wie arbeitsunrecht.de werfen den Auftraggeber*innen vor, Subunternehmer*innen gezielt für Union Busting (die Aushebelung von Betriebsräten) zu nutzen. Zwar betont Fleetlery auf seiner Website die Festanstellung der Kuriere, doch Berichte von Arbeitnehmer*innenvertretern zeichnen ein anderes Bild: Kritisiert werden Stücklohn-Modelle nach Auslieferung und undurchsichtige Vermittlungskonstrukte. Fleetlery navigiert hier in einem juristisch hochkomplexen Umfeld, das zwar bei einigen internationalen Wettbewerber*innen Branchenstandard ist, für ein deutsches Start-up jedoch ein permanentes Reputationsrisiko darstellt.

Vier Jahre Last Mile: Learning by Scaling

Aus der Retrospektive lassen sich für Gründer*innen drei zentrale Learnings aus der Fleetlery-Historie ableiten:

  • Die Unterschätzung des operativen Supports: Eine Flotte steuert sich nicht allein durch KI. Ohne den Aufbau eines massiven Live-Supports implodiert die Wirtschaftlichkeit durch Fehllieferungen.
  • Die regulatorische Falle: Der reine Vermittlungs-Ansatz ist in Deutschland juristisch riskant. Die strategische Entscheidung zur Arbeitnehmer*innenüberlassung war essenziell für das B2B-Geschäft.
  • Die Erweiterung der Wertschöpfungskette: Wer nur liefert, verbrennt Geld. Fleetlery überlebte das Bootstrapping nur durch zusätzliche Services (Zeitarbeit, IT-Integration, BPO-Dienstleistungen).

Fazit

Timo Kerzel und Michael Kingreen haben bewiesen, dass man einen Logistik-Player ohne fremdes Kapital bauen kann. Fleetlery ist heute ein wichtiger Puffer für den deutschen Delivery-Markt. Doch das Geschäftsmodell balanciert auf einem schmalen Grat zwischen unternehmerischer Flexibilität, massivem Margendruck und harten arbeitsrechtlichen Diskursen.