eGym: "Ich wusste einfach nur: Es wird sehr groß"


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Über 15.000 Fitnessstudios weltweit nutzen Trainingsgeräte und -software von eGym. Gründer Philipp Roesch-Schlanderer verrät im Interview u.a., wie er davon profitiert, dass er alles andere als ein Sport-Ass ist.

Die eGym Gründer Philipp Roesch-Schlanderer (CEO) und Florian Sauter (CTO) (c)eGym

Das Start-up eGym hat Fitness ins digitale Zeitalter gebracht. Mit Geräten, die sich automatisch an den Sportler anpassen, so dass auch Neulinge optimal trainieren können. Gegründet 2010, hat eGym heute 400 Mitarbeiter und expandierte bereits in die USA. Die Idee kam Philipp Roesch-Schlanderer bei einem wenig erfolgreichen Besuch im Fitnessstudio.

Philipp, wenn du an die Anfänge von eGym zurückdenkst – gab es einen Moment, an dem du gespürt hast, dass eure Idee funktionieren könnte?

Ich habe von der ersten Sekunde nie daran gezweifelt, dass es klappt. Ich habe auch nie überlegt, welche Dimension das bekommen könnte. Ich wusste einfach nur: Es wird sehr groß.

Woher?

Fitnessstudios waren damals meistens Orte von Sportlern für Sportler. Wir haben gespürt, dass es sehr viele Leute gibt, die das Bedürfnis nach einer Trainingsmöglichkeit haben, die mehr ist als ein reines Bodybuilder-Paradies – Leute, die ins Gym gehen, um Rückenschmerzen loszuwerden, abzunehmen, ihre Lebensqualität zu steigern.

Es gab keine Meilensteine?

Doch, als wir nach zwei Jahren Entwicklung und zwei Jahren Anlaufphase am Markt erstmals in den schwarzen Bereich kamen, wusste ich: Hey, wir sind eine echte Firma!

Euer Gründungsmythos besagt, dass dir die eGym-Idee im Keller-Gym der Columbia-Universität in New York kam. Es war dein erster Fitnessstudio-Besuch überhaupt, und du bist an der Bedienung der Geräte gescheitert. Wie waren die Reaktionen, als du mit der Idee eines Gyms für jedermann nach Deutschland zurückkamst?

Das Feedback von Nicht-Fitnessexperten war extrem positiv. Ich habe zuerst mal nicht über konkrete Technologien gesprochen, sondern darüber, was sie ermöglichen würden. Das habe ich auch meinem Schulfreund und späteren Mitgründer Florian Sauter erzählt. Wir saßen schon im Gymnasium nebeneinander, immer hinten rechts. Wenn ich 100 Ideen habe, killt Florian 99. Aber er hat gesagt: Mir fällt kein Grund ein, warum wir das nicht tun sollten. Das ist das Optimistischste, was man von ihm hören kann.

Auch Florian war kein großer Fitnessstudio-Gänger. Fragten sich die Investoren nicht, warum sie gerade euch diese Idee abkaufen sollten?

Ich habe gehört, dass der eine oder andere Investor, der nicht einsteigen wollte, gesagt hat: Ich habe den beiden Typen nicht abgenommen, dass die Fitness machen können. Dabei zeichnet es uns ja gerade aus, dass wir den normalen Gym-Geher verstehen, der erfolgreich trainieren will, ohne fünf Bücher zu jeder Maschine zu lesen. Wir haben aber schon gewusst, dass wir auch Expertise brauchen. Deswegen haben wir als Erstes einen Sportwissenschaftler eingestellt.

Und dann habt ihr drauflosgeschraubt?

Absolut. Der erste Prototyp war schwierig. Für jedes Teil mussten wir einen Anbieter finden, der es für uns als Einzelstück baut. Der Zulieferer des Elektromotors hatte uns damals Sonderkonditionen für Studenten zugesichert. Später stellte sich raus, dass wir das Sechsfache des Marktpreises gezahlt hatten.

Gab es andere Probleme?

Es wurde immer wieder knapp mit der Finanzierung. Dazu wurden wir ungerechtfertigt einer Patentverletzung bezichtigt. Der Konkurrent wollte uns vom Markt drängen. Nervlich war das eine Katastrophe. Es hat uns auch Startperformance gekostet.

Wann dachtest du, dass ihr die Start-up-Phase hinter euch gelassen habt?

Relativ spät. Als es 2017 Richtung 250 Mitarbeiter ging, fiel mir auf, dass wir uns erinnern mussten, wie wir zusammenarbeiten und wer wir sein wollen. Das hat mir gezeigt: Jetzt sind wir auf einer neuen Stufe.

Wie hat sich deine eigene Fitness entwickelt, seit du eGym gegründet hast?

Da gibt es zwei Dynamiken: Ich hab einerseits jetzt Zugang zu den perfekten Tools. Allerdings waren die vergangenen neun Jahre extrem anstrengend, das hatte sicher den gegenteiligen Effekt. Klar, wir wollen die Welt fitter machen. Mein Vorsatz für dieses Jahr ist es, auch mal selbst richtig fit zu werden.

Dieser Beitrag stammt aus der aktuellen Ausgabe von INNOVATOR by The Red Bulletin – das Magazin für eine bessere Zukunft erzählt von innovativen Menschen und zukunftsträchtigen Ideen und inspiriert uns damit, die Welt von morgen mitzugestalten.