Blockchain: Apps, DApps und HApps

Autor: Martin Kreitmair
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Warum das Konzept von Blockchain-DApps wahrscheinlich scheitern wird und was HApps stattdessen leisten können.

Ein Rückblick auf Apps

Smartphones bestimmen seit mehr als zehn Jahren unser modernes, digitales Leben. Das Aufkommen von Smartphones brachte uns auch App-Ökosysteme. Und damit einen komplett neuen Weg der Softwarenutzung für den Nutzer. Das Apple iPhone hat bezüglich Einfachheit und Benutzerfreundlichkeit von Anwendungen neue Meilensteine gesetzt. Quasi über Nacht. Dies war keine Evolution, sondern eine Revolution. Sogar Menschen die sich nicht für Software, Hardware und Technik interessierten wurde es ermöglicht, hochkomplexe Systeme durch das schlichte Benutzen eines Buttons und einiger Fingerbewegungen zu bedienen und zu nutzen.

Gehen wir einige weitere Schritte zurück in die Vergangenheit, um die grundlegenden Probleme von DApps zu verstehen. Bevor es Apps gab, gab es Software. Für gewöhnlich wurde diese mit einem Desktop-Computer mit Windows-Betriebssystem verwendet. Interessierte sich ein Nutzer für eine bestimmte Software, zum Beispiel um Bilder zu zeichnen, musste er diese selbst suchen – so etwas wie einen Marktplatz für Programme existierte schlichtweg nicht. Der Nutzer musste im Internet recherchieren, vergleichen und selbst entscheiden, welches Programm das richtige sein könnte. Nachdem er diese Recherche betrieben und eine Entscheidung getroffen hatte, begann der Download. Die Software musste (was auch immer noch der Fall sein kann) manuell vom Benutzer installiert werden. Der Prozess war zwar nicht allzu komplex, aber eben auch nicht so einfach wie heutige App-Systems. Ein Marktplatz, Kundenrezensionen, kein (oder zumindest weniger) Betrug und automatisch installierte Updates. Software wurde zu Apps wie Hardware zu Smartphones, Tablets und ähnlichem wurde.

Diese Veränderung hat auf beeindruckende Weise gezeigt, dass es, um die breite Masse zu erreichen, einer deutlichen Vereinfachung bedarf. Der gewöhnliche User interessiert sich nicht für Optionen, Konfigurationen, Update Logs, oder wie Apps im Kern technisch funktionieren. Die Masse wählt Benutzerfreundlichkeit über Kontrolle. So einfach ist es.
 
Die Idee von DApps

Wie ist dies mit dem Auftreten der Blockchain verbunden? Blockchain kam mit dem Versprechen, den Nutzern Kontrolle zurückzugeben. Dabei ignorierten sie die Tatsache, dass es überhaupt erst diese waren, die bereitwillig den Apps die Kontrolle überließen. Mit DApps sollen die Nutzer jedoch wieder im Besitz der eigenen Daten, Zugänge und Verantwortlichkeiten geraten. Neben dem Blockchain Konzept einer in Tokens migrierten und digitalisierten Wirtschaft, soll diese den Nutzern Kontrolle zurückbringen. Keine Mittelsmänner und Behörden mehr, denen der Nutzer vertrauen muss. Dieser Geist ist auch heute noch in der Blockchain Community gegenwärtig. So werden Kryptowährungen auf USB-Sticks oder Paper-Wallets gespeichert. Sicher, selbst kontrolliert und maximal komplex.

Obwohl es stichhaltige Argumente gegen die Lagerung von Kryptowährungen auf Handelsbörsen gibt, wäre eine pauschale Ablehnung zu einfach. Dies sollte differenzierter betrachtet werden. Die Blockchain ist eine junge Technologie, ebenso wie viele Akteure und Anbieter von Blockchain-Services. Daher wird häufig empfohlen, und das ist auch absolut richtig, keine Werte oder Kryptowährungen auf Plattformen zu speichern, die nicht in hohem Maße seriös und damit vertrauenswürdig sind. Dies ist jedoch nur der Status Quo. Neue Akteure betreten den Markt und bringen ein neues Level an Professionalität. Politische Maßnahmen und Regulationen bezüglich Blockchain werden weltweit festgelegt und Unternehmen mit entsprechender Erfahrung bieten ihre Dienste.

Deshalb die Frage: wie sollte man mit DApps nun umgehen? Die Eigenschaften von DApps sind ziemlich genau das Gegenteil von dem, was Apps so erfolgreich machte. Statt sich auf Benutzerfreundlichkeit und Einfachheit zu fokussieren, müssen sich Nutzer bei DApps aktiv mit der Blockchain-Technologie auseinandersetzen. Die eigenen Private Keys sicher aufzubewahren stellt eine riesige Verantwortung dar – zu viel Verantwortung und Arbeit, nur um ein einfaches Online-Game zu spielen. Damit lockt man vielleicht die Gruppe der Early Adopter und Technik-affinen aus der Ecke, aber sicherlich nicht den gewöhnlichen Nutzer. Das ist auch der Grund, warum weltweit immer noch weniger als 200.000 Menschen DApps regelmäßig benutzen. Deshalb ist CryptoKitties auch immer noch die bekannteste DApp (obwohl sie mittlerweile eineinhalb Jahre alt ist). Und das ist auch der Grund, weshalb dezentralisierte Handelsbörsen für Kryptowährungen im Vergleich zu zentralisierten weniger als 0,1% des Volumens ausmachen.

Blockchain ist nicht sexy. Normale Menschen werden sich nicht dafür interessieren ob im Hintergrund Ethereum oder Tron genutzt wird, oder ob die Gebühr pro Transaktion unter oder über einem Cent liegt. Blockchain ist nur eine Datenbank. Es wäre sehr verwunderlich wenn die Mehrheit der Leser sich schon mal aktiv mit der Datenbank von Facebook beschäftigt hätten. Vermutlich haben Sie noch nie darüber nachgedacht, geschweige denn Zeit dafür aufgewendet. Willkommen bei Blockchain.
 
Vorschlag von HApps

Der Standpunkt und das Konzept von DApps ist herausfordernd. Dies bedeutet jedoch nicht unbedingt, dass DApps keine Zukunft haben. Es wird sicherlich einen kleinen DApp-Markt geben. Gleichzeitig brauchen wir aber einen deutlich pragmatischeren Weg Blockchain zu nutzen.

Das ist das Ziel von Hybrid-Apps (sogenannten HApps). HApps sind Apps, die aus zentralen und dezentralen Komponenten bestehen. Es geht nicht darum, puristisch für die eine der beiden Seiten zu sein, sondern darum, was dem Nutzer das beste Erlebnis ermöglicht.

Mit HApps hat der User nach wie vor Kontrolle über sein Vermögen und Kryptowährungen. Idealerweise unterstützt durch eine klare Regulation durch die Behörden. Zusätzlich steht die Benutzerfreundlichkeit im Fokus, weshalb die grafische Benutzeroberfläche (GUI) nicht angerührt wird und so bleibt, wie wir es seit vielen Jahren gewohnt sind – einfach zu benutzen und unter Vermeidung unnötiger Elemente. Dies bedeutet auch eine Berücksichtigung der zugrundeliegenden (Digital)-Konditionierung der Nutzer. Diese sind es gewöhnt, dass das Zurücksetzen eines Passworts kein Problem darstellt. Obwohl Private Keys oft mit Passwörtern verglichen werden, funktionieren diese doch völlig anders. Private Keys zu vergessen oder einer anderen Person zu zeigen ist ganz sicher nicht die beste Idee. Das ist ein Problem, was gelöst werden muss. Nicht der User sollte für die Sicherheit seines Keys verantwortlich sein (zumindest nicht, wenn er dies nicht explizit möchte), sondern eine andere vertrauenswürdige Stelle.

Dies ist mit dem Sachverhalt vergleichbar, dass die große Mehrheit der Bevölkerung Banken nutzt, anstatt Goldbarren im Keller und Geldscheine in der Keksdose zu lagern. In unseren entwickelten und modernen Gesellschaften steigt die zu tragende Verantwortung kontinuierlich an. Sei es im privaten Umfeld, bei den Finanzen, im Job, dem Hobby oder im digitalen Leben. Dies führt dazu das Menschen es bevorzugen Verantwortung abzugeben. Verantwortung bedeutet Arbeit, und die Menschen tendieren dazu sie zu minimieren wann immer es möglich ist.
 
Was passieren muss

Um Blockchain an die breite Masse zu bringen und um eine weltweite Verbreitung zu erzielen, müssen wir anfangen, diese auf eine zielführende Weise zu integrieren. Blockchain kann zentralisierte Datenbanken ersetzen. Damit sollten wir beginnen, anstatt den großen Sprung von einer zentralisierten zu einer dezentralisierten Welt zu wagen. Unsere, von Tangany, sechs Maßnahmen, geben die notwendige Orientierung und helfen fokussiert an das Thema heranzugehen:

  • #userfirst-Ansatz (Produkte für Kunden entwickeln)
  • Berücksichtigung der 20-jährigen Verhaltens-Konditionierung von Nutzern im Internet
  • Blockchain gehört vollständig in den Hintergrund
  • User sollten nicht mit Keys, Gas, Blöcken und dergleichen konfrontiert werden
  • Für die nötige Masse an (H)Apps-Nutzern, müssen diese auch vermarktet werden
  • Blockchain benötigt mehr Interoperabilität für eine weitere Vereinfachung


Der Autor Martin Kreitmair ist Co-Founder und Managing Director der Tangany GmbH aus München, die eine Cloudlösung (‘Wallet as a Service’) auf diesem Gebiet anbietet, https://tangany.com

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