JoinMyTrip - ein Travel-Start-up trotzt Corona


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Vor drei Jahren gründete Dr. Niels Müller Wickop JoinMyTrip – nach einer Weltreise, die ihn und seinen Blick auf Leben und Arbeiten kräftig durchgerüttelt hatte. 130.000 Nutzer aus 17 Ländern haben auf dem Reiseportal seitdem Mitreisende gefunden, und gemeinsam ihre Träume wahr gemacht. Und dann kam Corona ...

Die JoinMyTrip-Gründer Valentin Funk und Dr. Niels Mueller-Wickop

Die Reiseindustrie ächzt, doch ein Start-up aus Hamburg ist weiterhin auf Erfolgskurs: Das 2017 gestartete JoinMyTrip freut sich über steigende Nutzerzahlen und ungebrochene Reiselust. „Wir sind gut durch die Krise gekommen und sehen stark steigende Zugriffsraten. Aktuell werden jeden Tag viele neue Trips eingestellt und wir haben es geschafft, mehr auf lokale Reisen zu fokussieren“, so Dr. Niels Mueller-Wickop, Co-Gründer von JoinMyTrip.

Die Gründe liegen in der digitalen und flexiblen Ausrichtung des Portals, das sich so schnell wandelt, wie die Vorlieben und Interessen seiner Nutzer. JoinMyTrip bringt Reisende zusammen und lässt sie zwischen der Rolle als TripLeader oder TripMate wählen. Die einen erstellen Trips und laden ein, die anderen kommen mit und zahlen dafür einen kleinen oder größeren Betrag. „Will jemand seinen Surftrip 2020 entlang der Ostseeküste machen, anstatt nach Bali zu reisen, ist das für uns kein Problem. Viele etablierte Player stellt diese Veränderung vor nicht überschaubare Herausforderungen“, so Niels.

Authentisch reisen "Out of the Bubble"

Reisen können das Leben grundlegend verändern. Niels hat es erlebt. Seine Perspektiven und Prioritäten hatten sich nach 347 Tagen Wanderlust, die ihn gemeinsam mit seiner Freundin rund um die Erde geführt hatte, verschoben. Wieder in Deutschland fühlt sich der neue Job als Vorstandsassistent zunehmend fremd an: „Ich hätte nie gedacht, dass ich als anderer Mensch zurückkomme“, erinnert sich der Wirtschaftsinformatiker. Zunächst ist der Plan für einen Neustart unscharf, doch dann nimmt die Mission Gestalt an: Niels will auch anderen ermöglichen, was er erleben durfte: authentisch zu reisen und sich dabei selbst von neuen Seiten kennenlernen. „Wir alle sollten hin und wieder aussteigen, Menschen jenseits unserer Blase kennenlernen und unserem Leben eine neue Richtung geben.“

Die Potenziale der Sharing Economy nutzen

Der Wunsch nach individuellen Reisen jenseits der ausgetretenen Touri-Pfade ist über alle Altersgruppen und Budgetrahmen hinweg groß, ist sich Niels sicher, die Reisebranche milliardenschwer und noch nicht in allen Segmenten digital. Dazu hat Reisen noch nie einen so hohen Stellenwert im Leben junger Menschen eingenommen – Statussymbole wie Auto, Haus und Co. haben längst ihren Stellenwert verloren. Niels fragt sich, wie er möglichst viele Menschen in die Lage versetzen kann, ihre kühnsten Reiseträume umzusetzen: „Ich wollte die Potenziale der Sharing Economy auf die Reiseplanung übertragen: Wer mit Gleichgesinnten reist, traut sich auch an entlegene, unbekannte, exotische Gefilde. Und wer Zimmer, Tickets und Transportmittel mit anderen teilt, spart Geld.“ Das war die Idee.

2017, fast zwei Jahre nach seiner Weltreise, gründet Niels gemeinsam mit Valentin Funk Travelsation. Im Pitch Deck steht: Wir wollen 15 Millionen Leben verändern. „Ich bin davon überzeugt, dass Reisen das Herz öffnet, Ängste abbaut und so Harmonie und Frieden in die Welt bringt.“ STS Ventures und Stefan Wiskemann finanzieren die erste Runde mit 500.000 Euro, Ury Steinweg und Matzen Ventures legen eine Million Euro nach. 2018 übernehmen Niels und Valentin JoinMyTrip und behalten den Namen. 2019 freuen sie sich bereits über 100.000 Nutzer aus 17 Ländern.

Top 20 der wachstumsstärksten Start-ups

Der Erfolg der Idee wird unter anderem an Platz 20 (Travelsation) des aktuellen Top-100 Rankings des News-Portals Business Insider und der Investoren-Plattform Glassdollar sichtbar, das die am stärksten wachsenden Start-ups Deutschlands listet. Gewählt wird aus mehr als 11.000 deutschen Start-ups unter Berücksichtigung der Entwicklungen der letzten sechs Monate. JoinMyTrip schaffte es nicht nur auf Platz 20, sondern ist auch das einzige Reiseunternehmen auf den vorderen Plätzen.

Extrem User-fokussiert

Dazu ist JoinMyTrip nach eigenen Angaben eines der wenigen Reise-Unternehmen, das Geld für Marketing in die Hand nimmt – während Plattformen wie Airbnb und die meisten anderen großen Player für den Rest des Corona-Jahres 2020 alles gecancelt haben. „JoinMyTrip ist extrem User-fokussiert und damit sehr flexibel und agil. Das ist natürlich ein riesen Vorteil gegenüber den etablierten Marktteilnehmer. Entgegen deren Geschäftsmodell, funktioniert unsere Plattform sogar in der momentanen Situation“, so Niels.

Reisen nach Corona: 08/15 und Hauptsache billig sind passe

Neben der hohen Flexibilisierung und maximalen Digitalisierung des Portals sieht der erfolgreiche Gründer die Corona-Resilienz auch im veränderten Reiseverhalten der Menschen: „08/15 und Hauptsache billig sind vorbei. Corona hat uns allen vor Augen geführt, dass authentisches Erleben, offene Begegnungen und das Teilen von Erinnerungen das Wichtigste sind. JoinMyTrip begegnet diesen Wünschen, es ist unsere DNA und Gründungsidee“, sagt Niels.

„Ich glaube, dass uns jene Reisen besonders prägen, die uns aus unserer Komfortzone reißen“, sagt Niels. Im März 2020 war es dann aber zunächst die Corona-Pandemie, die Erwartungen und Pläne über den Haufen warf und Niels, Valentin und das 16-köpfigen Team ins Home-Office versprengte. „Wir haben nur zwei Stunden gebraucht, um uns organisatorisch auf die neue Situation einzustellen“, so Niels, der trotz großem Crash vieler Reiseunternehmen und Unsicherheiten im Tourismus optimistisch blieb. „Für uns war ziemlich schnell klar, dass hier Chancen für uns liegen. Wir sind digital und flexibel. Dazu bilden wir Reisetrends und den Wunsch nach bewussterem, nachhaltigem Reisen ohne Zeitverzögerung ab. Zwanzig Stunden fliegen für 10 Tage Strand und alles möglichst billig, das ist out und bleibt es hoffentlich auch. Auch „langsameres“ Reisen mit der Bahn oder Roadtrips mit vielen Stopps sind aktuell für viele unserer Nutzer spannend", so Niels.

"Viele etablierte Player stellt diese Veränderung vor nicht überschaubare Herausforderungen“, so der Unternehmer. JoinMyTrip bleibt mit seinem Ansatz auf Wachstumskurs. „Nach einer leichten Delle durch Corona profitieren wir von der Marktbereinigung, der beschleunigten Digitalisierung und dem bewussteren Reiseverhalten“, so Niels abschließend.

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