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Wer sind Ihre Kunden?

Lendico hat ein Produkt für den Mainstream entwickelt. Die Nutzerstruktur ist daher vielfältig. Interessant ist vielleicht die Quote der von Frauen gestellten und finanzierten Kreditprojekte, die bei knapp 40 Prozent liegt, außerhalb Deutschlands sogar teils noch höher. Gerade Frauen haben es immer wieder schwer, einen Bankkredit zu bekommen.

Welche Rolle spielt der Internet-Inkubator Rocket Internet?

Lendico ist für Rocket Internet das Vorreiterprojekt im Finanzbereich. Aus Lendico ist zum Beispiel Zencap hervorgegangen. Der Support von Rocket fällt folglich weniger stark ins Gewicht als bei E-Commerce Startups zum Beispiel.

Sie sind auf Expansionskurs. Lässt sich das Geschäftsmodell so einfach skalieren? Gibt es nicht für jedes Land eigene Kreditrichtlinien und Gesetze?

Das ist absolut richtig. Wir müssen tatsächlich in jedem Land das Modell an die Gesetzgebung anpassen. Die Vertragsstrukturen mit den Kreditnehmern und Anlegern müssen angepasst werden – so auch das Backend. Für die Nutzer sind diese Änderungen kaum spürbar. In jedem Land hat Lendico einen strengen Prozess der Kreditprüfung. In jedem Land erfolgt die Zuordnung der Kreditnehmer in fünf Risikoklassen – A bis E. Damit können wir Standards setzen und somit der weltweit größte P2P-Anbieter werden.

Welches Land war bislang am schwierigsten zu knacken?

Deutschland. Die Anforderungen der Nutzer sind hier am höchsten. Das Vertrauen der deutschen Anleger zu gewinnen, war kein einfaches Unterfangen. Aber auch gute Kreditnehmer zu erreichen, ist nicht so einfach wie in zum Beispiel in Spanien. Hier profitiert Lendico von der Finanzkrise, weil sich die Banken noch immer mit der Kreditvergabe zurückhalten. Der Malus des schwierigen Heimatmarktes wird zum Bonus, wenn man auf die in Deutschland gemachten Erfahrungen bei der Internationalisierung zurückgreifen kann.

Worin führt die rasante Reise von Lendico?

Wir werden vorerst beim Onlinemodell bleiben, denn das ist das, was wir kennen und können. Aber perspektivisch will ich nicht ausschließen, dass wir auch Offlinekanäle besetzen. In regionaler Hinsicht werden wir sicher die Expansion in weitere Länder vorantreiben und so unsere Vision eines global integrierten Kreditmarktplatzes verwirklichen.

Was raten Sie anderen Gründern?

Spezifisch bei Financial Services ist die Professionalisierung und auch die Akzeptanz für neue Produkte auf Kundenseite in den USA oder UK einfach weiter als im deutschen Markt vorangeschritten. Wenn wir über Finanzprodukte sprechen, ist die deutsche Mentalität nicht wirklich innovationsfreudig. Der deutsche Sparer bringt sein Geld am liebsten noch zur Sparkasse auf das Sparbuch. Das Sparbuch und somit in gewisser Weise auch die Risikoaversion und Trägheit sind die größten Feinde der Finanz-Startups. Diese Gegner darf man nicht unterschätzen.

Das Interview führt Hans Luthardt

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Wie wollen Sie sich vor Nachahmern schützen?
Natürlich gibt es Patente. Wir glauben aber, dass eine starke Marke und gelebte Werte der bessere Schutz für unser Unternehmen sind. Es wird Nachahmer geben. Und das ist auch gut so, denn das vergrößert den Markt. Aber wenn wir es schaffen, nicht nur die ersten zu sein, sondern auch die mit der besten Kundenorientierung ... dann braucht uns die Konkurrenz nicht allzu sehr zu ängstigen.

Sie haben mit der Crowdfunding-Kampagne auf seedmatch.de nach vier Stunden die Fundingschwelle von 100.000 Euro erreicht und sind auf dem besten Weg an Ihr Fundinglimit von 400.000 Euro zu kommen. Kam dieser deutliche Zuspruch der Investoren für Sie überraschend?
Nun, wir haben im Vorfeld eine sehr positive Einschätzung von Seedmatch bekommen. Die Erwartung war also schon, dass es gut angenommen wird. Wir sind soweit zufrieden, aber nach oben ist durchaus noch Luft. Bald werden wir den neuesten Prototypen vorstellen und wir gehen davon aus, dass dann nochmal ein schöner Schub an Investitionen kommen wird.

Welche finanziellen Mittel stehen Ihnen noch zur Verfügung?
Wir sind in Gesprächen mit verschiedenen Investoren – VCs ebenso wie anderen Firmen, die eher ein strategisches Interesse haben. Letztere sind für uns grundsätzlich sehr interessant, weil man dann Kompetenzen und Infrastrukturen bündeln kann. Unser Idealfall wäre es natürlich mit Seedmatch unseren Investitionsbedarf für dieses Jahr zu decken –komplett mit den Menschen, für die Menschen.