Gründer der Woche: Begleithilfe – das nötige bisschen Mobilität

Gründer der Woche, KW 24


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Das Start-up begleithilfe.de möchte Menschen, die durch Alter oder eine Behinderung in ihrer Mobilität eingeschränkt sind, vertrauenswürdige und zuverlässige Begleitpersonen vermitteln. Wie haben mit Ali Yildirim, dem Initiator des Projekts, gesprochen.


Hallo Herr Yildirim! Bitte sagen Sie unseren Lesern zunächst ein paar Worte zu sich selbst und wie es zu der Idee für eine "Vermittlungsagentur" wie Begleithilfe kam?

Mein Name ist Ali Yildirim, ich bin Diplom-Kaufmann und gesetzlich blind. Das bedeutet, dass ich eine Sehkraft unter zwei Prozent besitze. An meinem Computer kann ich dank Hilfsmitteln, Zoom, Screenreader und inverser Farbeinstellung sehr gut arbeiten. Außerhalb der Wohnung komme ich jedoch gar nicht mehr zurecht.

Auf die Idee zu begleithilfe.de bin ich gekommen, als ich auf eine Messe für Blinde und Sehgeschädigte wollte. Den Besuch musste ich jedoch absagen, da ich keinen Begleiter fand, der mich hätte begleiten können. Ich fragte mich, ob es im digitalen Zeitalter keine Lösung gibt, über die man relativ einfach an Begleitpersonen kommt. Die gab es nicht. Also beschloss ich, selbst etwas auf die Beine zu stellen.

Haben Sie persönlich den Eindruck, dass Alter und Behinderung Tabuthemen in der Gesellschaft sind?

Tabuthemen sicherlich nicht. Sie sind jedoch vernachlässigt. Man braucht sich nur einmal die Zahl an Stiftungen ansehen, die sich mit den Themen Alter und Behinderung beschäftigen. Im Gegensatz dazu gibt es unzählige Stiftungen, die sich mit Kindern, der Jugend oder der Bildung beschäftigen. Das ist auch richtig so. Denn diesen gehört die Zukunft. Dennoch gibt es Menschen in dieser Gesellschaft, die sich um diese verdient gemacht haben, dieses Land aufgebaut haben. Sie darf man nicht vergessen. Man muss in Deutschland auch würdevoll altern und leben können. Ohne zu vereinsamen, ohne von der Gesellschaft ausgeschlossen zu sein.

Was möchte begleithilfe.de bieten, und wer genau ist Ihre Zielgruppe?

Wir wollen eine Webplattform anbieten, über die Senioren, Menschen mit Behinderung und deren Angehörige relativ einfach und unkompliziert Begleitpersonen buchen können. Hierfür muss der Dienst einfach zu bedienen und vor allem barrierefrei sein.

Das Buchen einer Begleitperson soll so einfach sein, wie das Buchen eines Flugtickets. Ort und Zeit auswählen, aus den angezeigten Ergebnissen eine Person auswählen und auch ohne Registrierungsprozess und Bankdaten buchen (Buchen auf Rechnung). Abgerechnet wird erst nach der Begleitung, wenn alles zur Zufriedenheit gelaufen ist.

Die Zielgruppe ist der oben erwähnte Personenkreis. Aber auch Migranten, Flüchtlinge oder Analphabeten können den Dienst sehr gut gebrauchen, wenn es z.B. darum geht, in Behörden Unterlagen auszufüllen oder mit Beamten zu reden.

Wer kommt als Begleitperson in Frage, und was hat diese zu leisten?

Praktisch jeder, der sich im Stande fühlt, hilfsbedürftigen Menschen eine helfende Hand, ein waches Auge sein zu können. Es melden sich sogar Menschen mit leichter Behinderung, die anderen helfen wollen. Auch diese werden von uns zunächst in die Datenbank aufgenommen. Damit holen wir auch sie wieder in die Mitte der Gesellschaft zurück und geben ihnen eine Aufgabe.

In der Regel sind unsere Begleitpersonen jedoch Studenten, Azubis, Hausfrauen, fitte Rentner, die sich entweder eine Kleinigkeit dazuverdienen wollen oder sonst nicht viel zu tun haben und mit dieser Tätigkeit sich und andere Menschen glücklich machen wollen. Sie sind dann auch meistens ehrenamtlich tätig.
Unsere Begleitpersonen begleiten unsere Kunden zu allem möglichen: Einkaufen, Arztbesuche, Behördengänge, Eventbesuche etc. Sie helfen bei allem, wobei Senioren und Menschen mit Behinderung Hilfe benötigen können. Dabei gilt das Prinzip "Fragen und gut zuhören". Hält man sich an die Wünsche der Kunden, steht einer reibungslosen Begleitung nichts im Wege.

Wie ist der Stand des Projekts, und wie soll es in naher und fernerer Zukunft weitergehen?

Wir haben bereits mit den ersten Vermittlungen im Raum Aachen angefangen. Neue Begleitpersonen werden zunächst von mir angetestet. Ich erkläre ihnen, worauf es bei der Begleitung ankommt. Die Begleiter, meist junge Menschen, hören zu und machen soweit alles richtig.

Aktuell haben wir ein Crowdfunding auf oneplanetcrowd.de laufen und wünschen uns, dass die Bevölkerung uns bei diesem dringend notwendigen Dienst unterstützt. Ein Teil dieses Geldes fließt in die Neuprogrammierung der Webplattform. Ein anderer in die Begleitung finanziell schwächer aufgestellter Menschen. Wer beispielsweise 50 Euro spendet, ermöglicht fünf Begleitungen, über die er dann nach jeder Begleitung per E-Mail informiert wird.

Nach der Pilotphase in Aachen werden wir den Dienst deutschlandweit anbieten. Wir haben bereits Begleitpersonen aus Städten wie München, Berlin, Stuttgart, Leipzig, Essen oder Frankfurt. Innerhalb von drei Wochen ist die Anzahl der Begleiter auf über 100 gestiegen, obwohl wir nur in Foren unseren Dienst ein wenig promotet haben.

In zwei bis drei Jahren wollen wir begleithilfe.de auch international anbieten. Insbesondere die Märkte UK und USA sind hier interessant, da die soziale Absicherung nicht so ausgeprägt ist und derartige Dienste schneller angenommen werden. So berichten zumindest Freunde aus diesen Ländern.

Die Finanzierung von Start-ups im sozialen Bereich ist häufig nicht ganz einfach. Wie sieht es da bei Ihnen aus?

Das ist richtig, zumal viele Menschen noch nicht verstanden haben, dass Social Startups in erster Hinsicht Unternehmen sind und dann erst ein soziales Problem lösen.

Derzeit ist begleithilfe.de eigenfinanziert. Über das Crowdfunding versuchen wir zumindest die Entwicklungskosten für eine barrierefreie Webseite finanziert zu bekommen. Wir haben aber auch schon mit Social Venture Fonds gesprochen, die das Sozial-Innovative an begleithilfe.de mit seinen präzisen und schnellen Echzeit-Algorithmen und den mobilen Apps erkennen. Ich gehe davon aus, dass wir bis zum Ende des Jahres eine Finanzierungsrunde hinter uns haben werden.

Wer kann Sie eventuell auch ohne finanzielle Mittel unterstützen?

Jeder, der die Idee gut und unterstützenswert findet. Das kann über die Kommunikation des Projekts geschehen (z.B. soziale Medien, Blogs, Foren etc.), über die Vermittlung von Kontakten zu Behörden, Verbänden, Vereinen, über Pro-bono-Dienstleistungen (wie kleinere Grafikarbeiten, Beratung) oder indem man eine Kleinigkeit beim Crowdfunding spendet. Nichts bleibt bei uns unvergessen, und wir revanchieren uns auch gerne.

Über welche Kanäle machen Sie auf begleithilfe.de aufmerksam?

Derzeit vor allem über PR, den Besuch von Veranstaltungen und soziale Medien. Gerade über unsere Aktivitäten in sozialen Netzwerken erreichen wir viele Menschen und bewirken mit wenig Budgeteinsatz viel. Über die sozialen Netzwerke verbreitet sich unser Dienst auch recht schnell. Die Menschen erkennen, wie notwendig so ein Dienst für hilfsbedürftige Menschen ist und unterstützen uns bei der Verbreitung.

Und wie immer zum Schluss die Frage: Haben Sie grundsätzliche Tipps parat, die Sie anderen Gründern mit auf den Weg geben möchten?

Dranbleiben. Auch wenn es manchmal schwerfällt, auch wenn es von Zeit zu Zeit Rückschläge gibt oder es nicht so klappen will. Nicht aufgeben, immer weitermachen! Wenn ich das mit meiner Behinderung schaffe, dann schaffen es auch andere. Und ein zweiter Tipp wäre: Nicht diskutieren, machen, machen, machen! Oft verzetteln sich Gründerteams in endlosen Diskussionen. Viel besser ist dagegen, eine Idee einmal schnell umzusetzen und sich das Resultat anzuschauen. Bringt mehr als sich stundenlang über mögliche Risiken zu unterhalten.

Herr Yildirim, vielen Dank für das Interview – und weiterhin alles Gute für Sie!


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Das Interview führte Fabian Otto

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Wie nah sollte ein Spin-Out am Muttermarkt bleiben?

Nach einer Studie der Bayes Business School, City, University of London, müssen Mitarbeiter-Start-ups konkurrierende Kräfte ausgleichen, um nicht zu scheitern.

Die aktuelle Studie legt nahe, dass Spin-Outs bei ihrem Versuch, sich auf dem Markt zu etablieren, zugleich eindeutige Vorteile und erhebliche Kosten haben können. Im Gegensatz zu Spin-Offs entstehen Spin-Outs durch die unabhängigen Entscheidungen von Mitarbeitenden, die das Mutterunternehmen verlassen, um neue Unternehmen zu gründen.

Die Studie, die 117 Spin-Outs von 103 etablierten Unternehmen untersuchte, kommt zu dem Ergebnis, dass das Ausmaß, in dem sich die operativen Märkte von Spin-Outs, mit denen ihrer Muttergesellschaften überschneiden, sowohl positive als auch negative Auswirkungen auf ihre Überlebenswahrscheinlichkeit hat.

Vorteile der Nähe zur Muttergesellschaft

Die Nähe zur Muttergesellschaft ist für Spin-Outs von Vorteil, da sie dadurch von dem Know-how und den Ressourcen der Gründer profitieren können. Ein hohes Maß an Überschneidungen mit den Marktbereichen der Muttergesellschaften kann jedoch feindselige Handlungen auslösen und so zu einem störenden Wettbewerb führen, der seinerseits die Überlebenschancen der Spin-Outs schmälern könnte.

Darüber hinaus könnte das Überleben von Mitarbeiter-Neugründungen von der früheren Position ihrer Gründer in etablierten Unternehmen abhängen. Beispiele für erfolgreiche Ausgründungen sind die US-Tech-Giganten Intel und AMD.

Auf der anderen Seite profitieren die von hochrangigen Mitarbeitern ins Leben gerufene Spin-Outs von dem hohen Maß an Wissen und Ressourcen, die von den Mutterunternehmen geerbt wurden. Außerdem verfügen hochrangige Mitarbeitende über eine größere Verhandlungsmacht, die es ihnen ermöglicht, zum Zeitpunkt des Ausscheidens günstigere Ausstiegsbedingungen auszuhandeln.

Die Risiken nicht aus dem Blick verlieren

Andererseits besteht für diese Ausgründungen ein höheres Risiko, in Kompetenzfallen zu geraten, die sie in der alten Logik gefangen halten und somit ihre Fähigkeit behindern, neue Ressourcen zu erwerben oder neue Methoden zu entwickeln, die für ihre Zielmärkte besser geeignet sind.

Die Mitarbeitenden, die über die Gründung eines eigenen Unternehmens nachdenken, müssen sich dieser gegensätzlichen Kräfte bewusst sein. Es handelt sich um das richtige Gleichgewicht zwischen der Ungewissheit, die mit dem Eintritt in neue Marktbereiche einhergeht, und dem Risiko, mit den feindseligen Handlungen der Muttergesellschaft konfrontiert zu werden.

„Aus Sicht der Muttergesellschaften kann der Übergang von Mitarbeitern in die Selbständigkeit Anlass zu ernster Sorge sein“, so Dr. Aliasghar Bahoo-Torodi, Leiter der Studie und Dozent für Unternehmertum an der Bayes Business School. "Denn neben dem Verlust von wichtigem Humankapital können Spin-Outs eine ernsthafte Wettbewerbsbedrohung darstellen. Um ihre Wettbewerbsposition auf dem Markt zu schützen, werden Mutterunternehmen wahrscheinlich Vergeltung üben und eine feindliche Haltung gegenüber Neugründungen von Mitarbeitern einnehmen, die ihre wichtigen Märkte angreifen. Unsere Studie deutet darauf hin, dass Spin-Outs durch die Minimierung der Marktangleichung ihre Sichtbarkeit verschleiern und ihre Wettbewerbsbedrohung in den Augen der Mutterunternehmen abschwächen können. Dies könnte eine wichtige Rolle dabei spielen, die Motivation der Muttergesellschaften für aggressive Maßnahmen zu verringern.“

Anmerkungen

Es gibt viele Beispiele für erfolgreiche Ausgründungen. Bei dem berühmtesten handelt es sich um die acht Mitarbeiter von Shockley Semiconductor, die das Unternehmen verließen, um Fairchild zu gründen - das erste Billionen-Dollar-Start-up in der Halbleiterindustrie. Fairchild selbst brachte später so viele erfolgreiche unternehmerische Unternehmungen hervor, dass sie als Fairchildren bezeichnet werden. Zu den bekanntesten gehören Intel und AMD.

Spin-Outs können durch feindliche Maßnahmen der Mutterunternehmen scheitern. Ein Beispiel: 2014 reichte das Unternehmen für biowissenschaftliche Forschung und klinische Diagnostik Bio-Rad Laboratories eine Klage gegen 10x Genomics ein, das von drei seiner ehemaligen Mitarbeiter gegründet worden war. In dieser Klage behauptete Bio-Rad Laboratories, dass die drei Mitarbeiter gegen ihre Verpflichtungen verstoßen und mehrere Patente verletzt hätten, die exklusiv an Bio-Rad lizenziert waren. Infolge dieser Klage wurde 10x Genomics zur Zahlung einer 15-prozentigen Umsatzbeteiligung und von 24 Millionen Dollar Schadenersatz an Bio-Rad verurteilt.

Gründer*in der Woche: consalio - schafft Transparenz bei Beratungsaktivitäten

Felicia Mundhenke hat 2021 ihr Start-up consalio mit der Vision gegründet, Beraterkosten in Unternehmen und im öffentlichen Sektor transparenter zu machen. Mehr dazu im Interview mit Felicia.

Wann und wie bist du auf die Idee zu consalio gekommen?
Ich habe viele Jahre in einem großen Konzern Marketing-Kampagnen entwickelt und hier mit vielen Agenturen, Beratern und Freelancern gearbeitet. Die Idee zu consalio entstammt tatsächlich aus einem echten „Pain“, den ich in der Zusammenarbeit mit den Agenturen regelmäßig erfahren habe.

Die Herausforderung war, bei großen Projekten und einer Vielzahl an externen Dienstleistern die Kosten jederzeit im Blick zu behalten und rechtzeitig, also vor Rechnungseingang, gegensteuern zu können. Auch wenn während des Projektes alles gut lief, gab es häufig bei der Abrechnung ein böses Erwachen begleitet von unangenehmen Gesprächen und Nachverhandlungen.

Ich hätte mir ein Tool gewünscht, das mir in Echtzeit ein Status-Reporting sämtlicher Dienstleister gibt und immer wiederkehrende Fragen zu Budget, Kostenentwicklung, Abrechnungsstatus per Klick beantwortet. Auch das Thema Freigabeprozesse („Sind die Rechnungen inhaltlich in Ordnung?“) und Bewertung („Wie zufrieden waren wir bei der vorletzten Kampagne mit Agentur xy?“) waren nicht wirklich standardisiert. Jedes Mal standen wir vor denselben Fragen.

Also habe ich mich damit beschäftigt, wie man die Kommunikation zwischen dem Kunden und dem Berater transparenter und standardisierter gestalten könnte und die manuellen und zeitintensiven Reporting- und Freigabe Prozesse über Excel, E-Mails und Telefonate effizienter machen könnte.

Hier setzt consalio an: die Software liefert dem Kunden in ein Echtzeit Überblick über sämtliche Berateraktivitäten und -kosten in der Abteilung (oder dem Unternehmen) und ermöglicht eine qualitative und quantitative Analyse von projektrelevanten Kennzahlen (Kosten, Staffing, Timelines, Fortschritt etc.). Daran schließt sich die Freigabe von Leistungsnachweisen oder Proforma Rechnungen an und der gesamte Prozess wird auf einmal nachvollziehbar. Mit consalio erhalten die Unternehmen eine Entscheidungsgrundlage und zwar automatisiert und ohne Aufwand für den Kunden oder Berater.

Was waren die wichtigsten Steps von der Gründung bis zu deiner fertigen Advisor-Spend-Management-Lösung?

Im Prinzip dreht sich bei uns (wie in jedem Start-up) alles um die vier wichtigsten „Baustellen“, die alle parallel laufen und gleichzeitig voneinander abhängig sind:

1. Finanzierung

Da ich als Betriebswirtin selbst keine Software-Entwicklungskenntnisse habe, musste ich das Produkt mit externer Unterstützung bauen, was die Finanzierung von Tag 1 auf die Agenda brachte. Fundraising ist unglaublich zeitintensiv, aber notwendig, um die für die jeweilige Unternehmensphase passende Finanzierungsart und Investoren zu finden. Wir hatten das große Glück, eine unglaublich starke Gruppe an Business Angels zu gewinnen, die uns zum Teil schon unterstützen, als das Produkt nur als Prototyp vorhanden war.

2. Team

Von Investoren wird man auf die Frage, was am wichtigsten ist, immer die Antwort bekommen: „1. Team, 2. Team, 3. Team“. Nachvollziehbar, denn gerade am Anfang müssen die „PS auf die Straße gebracht werden“, um die Idee umzusetzen. Das ist keine One-Man/One-Woman-Show, dafür braucht es ein Team zu haben, idealerweise mit unterschiedlichen Profilen und Expertisen. Ich bin sehr froh, mit Seong-Min einen Mitgründer an meiner Seite zu haben, der leidenschaftlicher Entwickler ist und langjährige Erfahrung in der Führung von technischen Teams hat. Um das Produkt schnell zur Marktreife zu bringen, liegt sein Fokus neben dem Programmieren beim Aufbau des Entwickler-Teams. Mit der nächsten Finanzierungsrunde wir dann das Sales Team aufgebaut, so dass die Vertriebsorganisation und -prozesse professionalisiert werden. Ihr kennt ja sicher den Spruch: „It takes a village to raise a child.“ Das trifft auch auf ein Start-up zu.

3. Produkt

Was uns sicher geholfen hat, war ein konkretes Problem aus dem Berufsalltag zu haben, wofür wir eine Lösung bauen wollten. Um die Skalierbarkeit zu validieren, haben wir mit weit über hundert Abteilungsleitern aus unterschiedlichen Bereichen gesprochen. Wir stellten fest, dass das Problem in allen Bereichen besteht, in denen mit externen Dienstleistern gearbeitet wird, also auch Rechtsabteilungen, Steuerabteilungen, IT-Departments, M&A Boutiquen etc. Es wurde schnell klar, wie mächtig eine solche Lösung aufgrund der gewonnenen Daten werden kann und wo die Reise für consalio hingehen könnte. Die Herausforderung war, daraus die Prioritäten für die Funktionalitäten abzuleiten und diese konsistent abzuarbeiten. Oftmals waren wir selbst so begeistert von einem neuen Feature und mussten uns gegenseitig bremsen, um erstmal eine Sache fertig zu stellen, sie testen zu lassen und basierend auf dem Feedback weiterzuentwickeln.

4. Kunden

Uns war wichtig, so früh wie möglich mit „echten“ Daten zu arbeiten und das Feedback von den Kunden zu erhalten, um das Produkt zu entwickeln. Nur dann kann man auch beweisen, dass es sich um ein relevantes Problem handelt und die verschiedenen Anwendungsfälle bedient werden können. Für Investoren ist ein stetig wachsender Kundenstamm essentielles Kriterium, um in ein Start-up zu investieren. Mit den ersten Kunden im Gepäck laufen die Gespräche mit Investoren und potenziellen Neukunden um einiges leichter. Vielleicht aber auch deshalb, weil man selbst an Selbstvertrauen gewinnt und einen besseres Verständnis für die Anforderungen der Kunden hat.

Was ist das Besondere an consalio, wie unterscheidet sich deine Lösung von anderen?

Wir haben consalio entwickelt, um die Fachabteilungen zu unterstützen, also diejenigen, die mit den Beratern, Agenturen, Kanzleien inhaltlich tagtäglich arbeiten. Bisherige Lösungen fokussieren sich meisten auf den Einkauf oder das Controlling, sind aber für die Fachabteilungen nicht zugänglich oder nur schwer zu bedienen und liefern aufgrund der Datenquellen immer die ex-post Sicht (also idR. nach Rechnungszahlung). Durch eine Übermittlung der „work-in-progress“ Daten direkt von den Beratern und noch vor Abrechnung sind wir in der Lage, ein Echtzeit Bild abzuliefern und die Freigabe direkt in consalio abwickeln und nachhalten zu können. Auf diese Weise unterstützen wir Unternehmen dabei, die Effizienz der Beratungsleistungen zu verbessern und durch die automatisierten Prozesse Zeit zu gewinnen für das Wesentliche.

Wer sind deine Kund*innen bzw. wo kommt deine Lösung zum Einsatz?
Das Spannende ist, dass die fehlende Kostentransparenz bei Beratungsprojekten in sehr vielen Bereichen besteht: im Rechtsabteilungen, Steuerabteilungen, M&A sowie IT Abteilungen – im Prinzip überall, wo mit externen Beratern und Dienstleistern gearbeitet wird.

Unsere Kunden sind also Abteilungsleiter*innen aus den Bereichen Recht, Steuern, Marketing, IT mittelständischen und großen Unternehmen, die Budgetverantwortung haben und Transparenz über die Beratungen, Kanzleien oder Agenturen in ihren jeweiligen Abteilungen benötigen. Oftmals sind es aber auch die CFO-Offices, die einen Gesamt-Überblick über sämtliche Dienstleister im Unternehmen haben möchten. Beides können wir bedienen.

Was sind deine weiteren unternehmerischen Pläne und To-do's?

Wir haben Ende letzten Jahres das Produkt zur Marktreife gebracht und gehen nun aktiv in die Vermarktung. Das ist für uns ein spannender Punkt, denn jetzt zeigt sich, in welchen Bereichen der Nutzen von consalio am größten ist und wo wir künftig den Fokus legen werden. Interessanterweise ist das Feedback auch von der Beratungs-Seite sehr positiv, da eine vereinfachte Leistungsfreigabe dazu führt, dass die Rechnungen vom Kunden schneller bezahlt werden. Das eröffnet uns natürlich viele spannende Ansatzpunkte für Kooperationen mit Beratungen, Agenturen und Kanzleien.

Und last but not least: Was rätst du anderen Gründer*innen aus eigener Erfahrung?

Bei einer Unternehmensgründung gibt es noch keine Prozesse, man fängt bei Null an und muss alles selbst aufbauen. Und es gibt keine Budgets für Berater. Für jemanden, die wie ich aus dem Konzern kommt, war das schon eine Umstellung. Was mir dabei geholfen hat und was ich mir jeden Tag vor Augen halte ist ein Satz von Desmond Tutu: „There is only one way to eat an elephant: a bite at a time.“ Das Ziel sollte man immer vor Augen haben, aber es hilft, sich den Weg dahin in kleine Etappen zu verpacken und auch nur bis zur nächsten Etappe zu schauen. Dann wird der Rückblick umso mehr Spaß machen, wenn man sieht, was man schon alles geschafft hat.

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Das Interview führte Hans Luthardt

CamperBoys sichern sich Millionenbetrag zur Expansion

Der Helvetia Venture Fund erwirbt eine Minderheitsbeteiligung an der Campervermietung CamperBoys und legt damit den Grundstein für weitere Entwicklungen.

CamperBoys entsprang 2016 nicht nur dem Freiheitsdrang der beiden Gründer Andreas Mall und Paul Pizzinini, sondern auch ihrem Wunsch, die unvergesslich individuellen Reisemomente des Vanlifes für mehr Menschen zugänglich zu machen. Aus einem Traum und einem alten Wohnmobil wuchs schnell ein vielfältiges Team voller Tatendrang und eine Flotte aus 700 Fahrzeugen, die an sechs Standorten in Deutschland mietbar sind. Mithilfe von intern entwickelten Software-Tools setzt das junge Team Maßstäbe in der digitalen Customer Journey und erleichtert seinen Kund*innen zudem mit einem persönlichen Routenservice die Reiseplanung.

“Mit der Beteiligung an CamperBoys investiert der Helvetia Venture Fund in einen bei der Kundschaft sehr beliebten Anbieter für Camper-Miete im deutschen Markt und erhält so die Chance, aus erster Hand mehr über die sich verändernden Bedürfnisse von Urlaubern und ihre Freizeitaktivitäten, die sich während der Pandemie noch stärker und schneller gewandelt haben, zu lernen”, erklärt Stefano Saeger, Principal bei Helvetia Venture Fund.

Aus Sicht des Gründer-Duos war das Investment des Helvetia Venture Fund auch auf persönlicher Ebene ein Volltreer: “Eine freundschaftliche, wertschätzende und dennoch sehr ambitionierte Unternehmenskultur ist der wesentliche Treiber für den Erfolg von CamperBoys. Mit dem Helvetia Venture Fund konnten wir einen starken Partner gewinnen, der diese Werte teilt und uns mit seinem langfristigen Horizont begleiten kann.”

Mit den neuen Mitteln will CamperBoys die Expansion in neue Städte und den Ausbau des Produktportfolios vorantreiben. Sowohl in Frankfurt als auch in Weilheim an der Teck werden bald weitere Standorte eröffnet. Zudem werden die ersten Elektrocamper in die Flotte aufgenommen: Der VW ID Buzz mit eingebauter Campingaustattung soll neue Möglichkeiten für nachhaltigeres Reisen eröffnen.

Wechseljahres-Pionier XbyX – Women in Balance schließt siebenstellige Pre-Series-A Runde ab

Das 2019 von Peggy Reichelt und Monique Leonhardt gegründete Berliner Femtech-Unternehmen XbyX – Women in Balance ist eine D2C-Plattform für Frauen ab der Lebensmitte mit wissenschaftlich fundierten, ganzheitlichen Lösungen für Wechseljahre und gesundes Altern.

Das Unternehmen gab heute den Abschluss einer siebenstelligen Pre-Series-A Finanzierungsrunde bekannt, die das dynamische Wachstum 2023 finanzieren wird. Die Runde wird von der ECONA AG, der Venture- und Private-Equity-Gesellschaft eines Berliner Family-Office übernommen. Neben dem Lead Investor ECONA ist zudem der AUXXO Female Catalyst Fund seit Anfang 2022 in XbyX investiert.

Passion für Frauengesundheit ab der Lebensmitte

Die Idee zu XbyX hatte Seriengründerin Peggy Reichelt bereits 2018: Anfang 40, konfrontiert mit ihrer beginnenden Perimenopause, war sie irritiert, dass es kaum fundierte Informationen zu den Wechseljahren gab. Sie recherchiert, sucht Lösungen, testet selbst und gründet anschließend XbyX mit der Vision, die weibliche Gesundheit ab 40 ins Spotlight zu rücken und die Wechseljahre aus der Tabu-Ecke zu holen.

Die Gründerinnen konnten sich durch ihre Passion für Frauengesundheit ab der Lebensmitte und unterstützt von einem erfahrenen medizinischen Beirat in kürzester Zeit als Pionier im Tabubereich Wechseljahre positionieren. Sie bauten einen loyalen Kundeninnenstamm von über 50.000 Frauen auf und konnten nach eigenen Angaben ihren Umsatz im Geschäftsjahr 2022 mehr als verdoppeln. Neben einem stetig wachsenden Portfolio wissenschaftlich formulierter, pflanzlicher Nahrungsergänzungen, bietet XbyX drei umfangreiche Video-Education-Programme zu Hormonwissen, Kraftsport und Abnehmen ab der Lebensmitte an.

“Mit XbyX verstehen wir uns als beste Freundin unserer Kundinnen, als Wissensvermittlerinnen und Ort des Verständnisses. Wir setzen da an, wo im Gesundheitssektor Zeit oder auch Expertise fehlen und geben unseren Frauen das Wissen an die Hand, um autark die für sie individuell richtigen Entscheidungen treffen zu können”, so Monique Leonhardt.

“Anfangs kam oft die Frage, warum wir uns auf diese „kleine“ Nische konzentrieren”, so Peggy Reichelt. “Das zeigt, wie wenig Wissen hier existiert. Denn die Wechseljahre sind eine Lebensphase, die sich über Jahrzehnte zieht und deren Implikationen Frauen über den gesamten Alterungsprozess hinweg begleiten. Und sie betreffen jede Frau – und damit die Hälfte der Menschheit.”

Wechseljahre sind weit mehr als Hitzewallungen und das Ende der Periode

Die Wechseljahre sind schließlich weit mehr als Hitzewallungen und das Ende der Periode: Sie sind eine besonders wichtige Zeit, in der Frauen entscheidende Weichen für ihre Gesundheit im Alter stellen. Genau hier setzt XbyX an und bekommt nun durch die Finanzierung wertvolle Unterstützung. Peggy Reichelt: “Wir sind sehr glücklich über unsere Investorenrunde, die uns nicht nur finanziell den notwendigen Rückenwind gibt, sondern auch unsere langfristige Vision zu 100 % trägt. Die Wechseljahre und die Frauengesundheit ab der Lebensmitte bekommen so endlich die Aufmerksamkeit und die moderne Wahrnehmung, die sie verdienen.”

Mit dem Investment plant das Berliner Start-up seine Vision einer Pro-Age-Gesellschaft weiter zu verwirklichen. Die Mittel werden in die Team-Erweiterung, die Entwicklung neuer Produkte und Angebote sowie die Erschließung neuer Märkte und Kanäle fließen und so das weitere dynamische Wachstum finanzieren.

Deutscher Innovationsgipfel 2023: Große Deals für Start-ups

Jetzt noch bewerben für den Deutschen Innovationsgipfel (DIG2023) am 10. Mai 2023 in München.

Neben großen, innovativen Unternehmen und Partnern des DIG2023 wie AUDI, BOSCH oder die Deutsche Telekom bietet der Deutsche Innovationsgipfel (#16DIG2023) auch Start-ups wieder die Chance, neue Kund*innen, hochwertige Kontakte und große Deals auf dem crossindustriellen Entscheidertreffen am 10. Mai in München einzufädeln.

Die hochkarätige Vernetzung der Gründer*innen findet bereits am Vorabend des DIG statt, einer Plattform, auf der Vordenker, Wegbereiter und andere kreative Köpfe ihr Wissen, ihre Erfahrungen teilen, gemeinsam neue Geschäftsmodelle entwickeln. Auf Einladung des Innovation Network, mit seinen mehr als 4.500 Unternehmen Veranstalter des Deutschen Innovationsgipfel, treffen sich Partner*innen und Gründer*innen bereits zum Auftakt in exklusiver Runde. Dabei positioniert das Innovation Network die Jungunternehmer*innen so, dass deren Geschäftsmodelle zu den Geschäftsführern und Vorständen namhafter Unternehmen im Umfeld passen.

StartUP – WarmUP: Start-ups zum Frühstück

Gleich zum Auftakt des Deutschen Innovationsgipfel präsentieren sich die Gründer*innen dann im StartUP – WarmUP. Moderiert werden die Pitch-Präsentationen in lockerer Frühstücksrunde von Moritz Förster, Managing Partner bei den TechFounders, Deutschlands erfolgreicher Start-up-Rampe. So neugierig auf sich und ihr Unternehmen gemacht, haben die Start-ups direkt im Anschluss dann die Möglichkeit, sich an einem eigenen Stand auf dem Showfloor zu präsentieren und ganztägig für individuelle Gespräche zur Verfügung zu stehen.

Damit die Teilnehmer*innen des Entscheidertreffens – jede(r) zweite Besucher*in gehört der Geschäftsführung bzw. dem Vorstand eines Unternehmens an – auch möglichst schnell in intensive Gespräche kommen, hinterliegt dem „innovativsten Tag des Jahres“ ein einmaliges Konzept in sich verzahnter Bausteine.

Ob Business-Speed-Dating, InnovationWalk oder interaktive Workshops: die Start-ups können an sämtlichen Angeboten und den vielfältigen Aktivitäten des DIG teilnehmen.

Erfolgsstorys des Deutschen Innovationsgipfel

„Nach dem erfolgreichen DIG 2021 haben wir auch am DIG 2022 teilgenommen. Wieder wurden unsere Erwartungen übertroffen. Es entstanden zahlreiche Kontakte, die auch zu konkreten Projekten führten“, so Torsten Becker, Geschäftsführer carbonauten GmbH. „Die angenehme Größe mit nahezu familiärem Charakter, die exzellente Stimmung, die Vielfalt der Teilnehmer, das Rahmenprogramm suchen seinesgleichen." Mittlerweile haben sich die Erfolgsgeschichten des Deutschen Innovationsgipfel auch über die Landesgrenzen hinaus herumgesprochen.

Wie erfolgreich eine Teilnahme an der bekannten Innovationsplattform sein kann, belegen die Zitate auf der Website www.deutscher-innovationsgipfel.de oder im Kurz-Video (https://youtu.be/w0scOWseYkE) eindeutig.

Kontakt/Rückfragen für interessierte Start-ups

Dipl. Ing. Peter Becker, Innovation Network, Eckerkamp 139B, 22391 Hamburg
M. +49-170-56 47 99-1[email protected]

Digital Identity Index Deutschland 2023

Die repräsentative Studie von IDnow gibt spannende Einblicke in die Akzeptanz von digitalen (Identifizierungs-)Verfahren in Deutschland.

Basis des Index ist eine repräsentative Studie unter 2.040 Erwachsenen ab 18 Jahren in Deutschland, die von YouGov zwischen dem 6. und 8. Dezember 2022 durchgeführt wurde.

Hier die wichtigsten Ergebnisse auf einen Blick:

Laut Umfrage stören sich die allermeisten Deutschen bei analogen Vorgängen und Anträgen an den damit verbundenen langen Wartezeiten bei der Bearbeitung (59 %). Auch unflexible Termine und beschränkte Öffnungszeiten (58 %) sowie die Anfahrt zur jeweiligen Behörde, Bank oder Institution (40 %) wird als störend empfunden. Zudem stören sich 26 Prozent am Drucken von Dokumenten und 20 Prozent am Papierverbrauch. Die Adaption digitaler Methoden hinkt trotzdem noch etwas hinterher und das, obwohl der Wunsch nach mehr digitalen Diensten in der Bevölkerung vorhanden ist.

Digitale Dienste: Wunsch vs. Realität

Zwei Drittel (66 %) der Deutschen würden beispielsweise gerne mehr digitale Behördengänge nutzen. Nur neun Prozent tun das bisher allerdings. Die Hälfte der Bevölkerung (50 %) würde gern auch die Gesundheitsakte digital einsehen bzw. die Krankschreibung digital einreichen. Beides ist möglich, aktuell machen aber nur 16 Prozent der Bevölkerung davon Gebrauch.

Auffällig ist auch die Diskrepanz zwischen Vertragsabschlüssen für Banken oder Versicherungen gegenüber dem Abschluss von Miet- oder Arbeitsverträgen. Während jeweils über 60 Prozent der Befragten Vertragsabschlüsse bei Banken oder Versicherungen bereits digital nutzen bzw. es gerne tun würden, sind es bei Miet- und Arbeitsverträgen nur sechs Prozent, die diese Verträge digital abschließen; 40 Prozent möchten diese Verträge nicht digital abschließen. Dementsprechend wenig verbreitet ist die qualifizierte elektronische Unterschrift (QES), die hierfür zum Einsatz käme. Sie wurde lediglich von sechs Prozent der Deutschen bisher verwendet.

Popularität der Fernidentifizierungsverfahren

Während die QES bisher noch ein Nischendasein fristet, haben viele Deutsche bereits mehrmals ein digitales bzw. Fernidentifizierungsverfahren durchlaufen. Am weitesten verbreitet sind die Vor-Ort-Identifizierung in einer Postfiliale (40 %), das VideoIdent-Verfahren in einem Videochat mit einer Person (38 %) sowie vollautomatisierte Ident-Verfahren mit Foto/Selfie (14 %). Die eID-Funktion des deutschen Personalausweises hingegen wird auch über zehn Jahre nach deren Einführung kaum genutzt: Nur acht Prozent haben sie schon mal eingesetzt. Die privaten Lösungen werden gegenüber der staatlichen eID von den Nutzenden also klar bevorzugt. Identity Wallets, wie sie aktuell unter anderem auf EU-Ebene diskutiert werden, kommen bisher erst bei einem Prozent der Bevölkerung zum Einsatz.

Fehlendes Verständnis von eIDAS 2.0, eID und digitalen Identitäten

Über die Hälfte der Bevölkerung (52 %) hat laut Umfrage keine nähere Vorstellung was sich hinter „digitaler Identität“, „qualifizierter elektronischer Signatur“, oder „eID“, verbirgt. Schlusslicht in Sachen Verständnis der Begrifflichkeiten bilden die „EuID“ (4 %) und „eIDAS 2.0“ (2 %).

„Wenn wir bedenken, dass die eIDAS 2.0-Verordnung weitreichende Auswirkungen auf die fortschreitende Digitalisierung in unserem Alltag haben wird, ist es überraschend, dass die Diskussionen der EU bisher nicht von den Endnutzern wahrgenommen werden. Sowohl Staat als auch Privatwirtschaft müssen hier noch viel Aufklärungsarbeit leisten, damit es der EuID langfristig nicht wie der deutschen eID ergeht und sie im Bewusstsein der Nutzer verschwindet,“ kommentiert Dr. Heinrich Grave, Senior Vice President Digital Identity bei IDnow.

Identity Wallets: Vertrauen gegenüber Unternehmen aus Deutschland

Gegen die geplanten Identity Wallets – ein Kernstück der eIDAS 2.0-Verordnung – spricht aus Sicht der deutschen Bevölkerung vor allem die fehlende Sicherheit der Daten vor Identitätsmissbrauch oder Fälschungen (44 %), gezielte Hackerangriffe (43 %) und der Verlust bzw. Defekt des Smartphones (41 %). Rund jeder Dritte ist auch durch die Überwachung von Unternehmen (31 %) oder vom Staat (27 %) beunruhigt. Diese Bedenken schlagen sich in den Auswahlkriterien für eine Identity Wallet nieder: Den Deutschen ist Sicherheit (55 %) und Datenschutz (46 %) am wichtigsten. Für 36 Prozent ist die Nutzerfreundlichkeit ein zentrales Auswahlkriterium.

Für beide Kriterien, Sicherheit und Nutzerfreundlichkeit der Identity Wallet, spielt der Sitz des Unternehmens eine große Rolle. Die Bevölkerung ist skeptisch gegenüber Unternehmen außerhalb der EU. Nur vier Prozent trauen ihnen eine gleichzeitig sichere Verarbeitung ihrer Daten sowie eine nutzerfreundliche Erfahrung zu. 28 Prozent trauen Unternehmen mit Sitz in Deutschland die Balance aus Sicherheit und Nutzerfreundlichkeit zu. Weitere 26 Prozent glauben, dass rein staatliche Institutionen oder Stellen aus Deutschland diese Kriterien in einer Identity Wallet erfüllen könnten.

„Unser Digital Identity Index 2023 zeigt, dass es für die Nutzung von digitalen Diensten in Deutschland immer noch Luft nach oben gibt, insbesondere im Vergleich zum Rest der EU. Nutzer entscheiden sich aufgrund von Bedenken, oder aufgrund von Unwissenheit, noch häufig für analoge Prozesse, wo digitale Verfahren schon längst zur Verfügung ständen. In Hinblick auf die anstehenden Veränderungen, die Identity Wallets in der gesamten EU bringen werden, ist es deshalb so ungemein wichtig, Sicherheit mit Nutzerfreundlichkeit zu vereinbaren. Nur so können Politik und Wirtschaft ein zukunftsfähiges System für digitale Identitäten schaffen und deutsche Bürgerinnen und Bürger von ihren Vorteilen überzeugen“, ergänzt Heinrich Grave.

Der vollständige Digital Identity Index 2023 Deutschland steht hier als PDF-Report zum Download bereit.

Lea-Sophie Cramer: Die Entrepreneurin und Tech-Expertin wird Industry Advisor bei KKR

Lea-Sophie Cramer wird ihre unternehmerische Expertise und ihr Netzwerk einbringen und KKR sowie ausgewählte Portfoliounternehmen bei der Identifizierung und Bewertung neuer Investitions- und Wertschöpfungsmöglichkeiten unterstützen.

KKR, ein weltweit agierender Investor, hat Lea-Sophie Cramer zur Industry Advisor für das Private-Equity-Team ernannt. Damit baut KKR seine Expertise im europäischen E-Commerce- und Technologiesektor weiter aus. Zu den globalen Tech-Investitionen von KKR zählen unter anderem Investitionen in Cegid, Exact Software, Darktrace, Onestream und Box. In der DACH-Region investiert KKR seit über 20 Jahren vor Ort, vor allem durch strategische Partnerschaften mit Unternehmen wie Axel Springer, Contabo, Körbers Supply-Chain-Software-Geschäft, Scout24 Schweiz und SoftwareOne.

In ihrer Funktion wird Lea-Sophie Cramer ihre Expertise und Erfahrung als Unternehmerin einbringen, um KKR bei Investitionsmöglichkeiten zu beraten und ausgewählte Portfoliounternehmen bei internationalen Wachstumsstrategien unterstützen.

Die Unternehmerin und Investorin Lea-Sophie Cramer gehört zu den prominentesten Vertretern der Start-up-Szene in Deutschland. Nachdem sie das Asiengeschäft von Groupon leitete, gründete sie im Jahr 2013 Amorelie. Unter ihrer Führung wurde Amorelie zu einem der führenden E-Commerce-Unternehmen und digitalen Brands für das Liebesleben und trug so zum Wachstum und der Neupositionierung einer ganzen Branche bei. Amorelie wurde an ProSiebenSat.1 verkauft und Lea- Sophie Cramer gab 2019 ihre Position als CEO des Unternehmens ab.

Lea-Sophie Cramer ist als Business Angel aktiv und investiert in Venture Capital Fonds. Sie gehört zu den führenden Stimmen für moderne Führung und digitale Innovation. Im Jahr 2022 gründete sie die „10 More In“ Akademie, die ein digitales, modernes Führungsprogramm für Frauen anbietet. Cramer war Mitglied im Beirat von Amorelie und im Verwaltungsrat von Conrad Electronic. Darüber hinaus ist sie derzeit aktives Mitglied im Verwaltungsrat des Schweizer Fotoproduktunternehmens Ifolor Group.

In ihrer Rolle als Industry Advisor bei KKR wird Lea in den Verwaltungsrat des KKR- Portfoliounternehmens Wella Company einziehen, einem der weltweit führenden innovativen Beauty- Unternehmen. Als Non-Executive Board Director wird sie ihr Fachwissen bei der Entwicklung von E- Commerce-Lösungen, dem Aufbau nachhaltiger und innovativer Verbraucher- und Fachhandelsmarken und der Unterstützung des Unternehmens bei der Beschleunigung seines übergeordneten Wachstumsplans einbringen. Darüber hinaus wird Cramer ihr Wissen über den deutschsprachigen Konsumgütermarkt, einem der größten und wichtigsten Märkte für Wella Company, einbringen. Seit KKR vor zwei Jahren eine Mehrheitsbeteiligung an Wella Company übernahm, hat das Unternehmen als führender Anbieter von professionellen und Einzelhandelsprodukten für Haare, Nägel und digitale Schönheitstechnologien seinen Marktanteil weltweit erheblich gesteigert. Gleichzeitig hat Wella Company kontinuierlich in die Bereiche Nachhaltigkeit, Vielfalt, Gleichberechtigung und Inklusion investiert und diese Aspekte in den Mittelpunkt seines Handels gestellt. Das Unternehmen hat vor kurzem sein erstes ESG-Manifest veröffentlicht, in dem es seinen langfristigen Plan für Menschen, Planet und Produkte darlegt, der unter anderem die Reduzierung von CO2-Emissionen, nachhaltige Produktionsabläufe sowie Produktinnovationen für eine saubere und umweltfreundliche Zusammensetzung der Inhaltsstoffe.

Lea-Sophie Cramer: „Seit 15 Jahren widme ich mich dem Aufbau innovativer und kundenorientierter Marken in der deutschen Tech- und Start-up-Szene. KKR investiert in strategische Partnerschaften mit Gründern, Unternehmern und Managementteams und unterstützt deren Unternehmen dabei, ihr volles Potenzial zu entfalten. Deshalb freue ich mich sehr, meine Expertise für KKR und die Portfoliounternehmen einzubringen. In den Verwaltungsrat eines Unternehmens wie Wella Company mit seinen ikonischen Marken berufen zu werden ist eine großartige Chance. Die Entwicklung des Unternehmens unter CEO Annie Young-Scrivner ist beeindruckend und ich freue mich auf die Zusammenarbeit mit ihr und dem gesamten Team.“

Philipp Freise, Partner und Co-Head of European Private Equity bei KKR, kommentiert: „Wir bei KKR freuen uns sehr, Lea in unserem Team begrüßen zu dürfen. Mit ihrer beeindruckenden Erfolgsbilanz als Unternehmerin und ihrem Status als Vorbild für Gründer und Gründerinnen in ganz Europa bringt sie einen großen Erfahrungsschatz in unser Unternehmen ein. Gerade mit Blick auf den Technologiesektor, in dem wir unsere Aktivitäten global weiter ausbauen, verfügt Lea über herausragende Expertise. Sie hat wiederholt gezeigt, dass sie diverse Teams erfolgreich leiten kann und ein Talent für Innovationen hat. Auf unserer Mission, in Unternehmen zu investieren, die die digitale Transformation vorantreiben, werden wir von Leas Expertise extrem profitieren.“

Gründer*in der Woche: Steets – der Gehhilfen-Booster

Wohin mit der Gehhilfe, wenn eine freie Hand gebraucht wird? Für alle, die auf Gehhilfen angewiesen sind, eine große Herausforderung. Das Start-up Steets der drei Studenten Thorben Engel, Phil Janßen und Philipp Battisti hat dafür eine innovative Lösung entwickelt. Mehr dazu im Interview mit Co-Founder Phil.

Wann und wie bist du zusammen mit deinen Mitgründern auf die Idee zu eurem "Abstützmodul für europäische Gehhilfen" gekommen?
Das Problem, dass sich Gehhilfen nur schwer beiseitestellen lassen, kennen vermutliche viele, besonders diejenigen, die bereits aufgrund eines Unfalls, einer Sportverletzung, einer Krankheit, einer Behinderung oder aufgrund des Alters auf Gehhilfen angewiesen waren. Mir ist die Relevanz hinter diesem Problem erst bewusst geworden, als ich es bei meinem Opa und anschließend bei meiner Freundin beobachtet habe. Trotz der Altersdifferenz stellte das Umfallen sowohl meinen Opa als auch meine Freundin vor eine Herausforderung. Nach dem kurzen Anlehnen an Tischkanten oder Wänden fielen die Gehhilfen um, lagen am Boden und waren außer Reichweite. Das Umfallen war für sie nicht nur sehr lästig und verursachte Schrammen in Möbeln oder Böden, sondern bereitete ihnen zusätzliche Schmerzen. Statt die Genesung zu unterstützen, wurden die Gehhilfen beim Aufhebeben zur potenziellen Gefahrenquelle. Deshalb suchte ich im Internet nach einer adäquaten Lösung, wurde jedoch leider nicht fündig. 2020 entstand dann mit meinen zwei Mitgründern, Thorben und Philipp, die Idee und der Wunsch, ein innovatives Zusatzmodul zu entwickeln, um die Gehhilfen vor dem lästigen Umfallen zu bewahren und einen echten Mehrwert im Alltag zu generieren.

Was waren die wichtigsten Steps von der Entwicklung bis zum funktionstüchtigen Prototyp?
Bei der Entwicklung war und ist bis heute unsere höchste Priorität, mit Gehhilfen-Nutzer*innen, Physiotherapeut*innen und Ärzt*innen zusammenzuarbeiten, um deren Feedback in die Entwicklung einließen zu lassen. Die u.a. aus einer Testphase gewonnenen Erkenntnisse flossen in die konstruktive Modellierung ein und verhinderten, dass wir uns mit unserem Vorhaben in eine „Einbahnstraße“ bewegten und ein Produkt entwickelten, das weder hilfreich noch praktisch ist.

Was ist das Besondere, das einzigartige an eurer Lösung?
Wir konnten ein Nachrüstmodul für europäische Unterarmgehstützen entwickelt, welches den Anwender*innen ermöglicht, die bestehende Gehhilfe dank eines einzigartigen, alltagstauglichen Systems und einer einfachen, intuitiven Bedienung an jeder gewünschten Stelle schnell und sicher abzustellen. Die Anwender*innen werden darin befähigt, die Gehhilfen nicht nur in den eigenen vier Wänden zur Seite zu stellen, sondern erleben diesen Mehrwert auch im öffentlichen Raum wie beispielsweise im Supermarkt, in der Rehaklinik oder beim Hausarzt. Das Modul verändert weder das Gangverhalten noch schränkt es die Nutzung der Gehhilfe ein, fördert die Mobilität und unterstützt die Rehabilitation – „es ist einfach sau praktisch“ und „ein echter Alltagshelfer“ wie es zwei Probandinnen in der Klinik sagten.

Start-up-Finanzierung in der Krise – drei Founder berichten

Wir haben drei Start-ups, die jüngst Finanzierungsrunden in Millionenhöhe vermelden konnten, gefragt, wie sie die aktuellen Anforderungen durch VCs wahrnehmen und was es bei der Equity-Story zu beachten gilt.

Ein wirtschaftlich schwieriges Jahr neigt sich dem Ende zu. Das betrifft natürlich auch die Start-up-Szene. Inflation, Rezessionsängste und geopolitische Konflikte stellen viele Jungunternehmer*innen vor ernsthafte Finanzierungsschwierigkeiten. Vor allem die gestiegenen Kapitalkosten haben zur Folge, dass Start-ups nicht mehr so hohe Bewertungen erreichen und schwieriger an Kapital kommen.

Aber auch der Blick auf den US-Venture-Capital-Markt, wo die Zinsen bereits Anfang des Jahres erhöht wurden, veranlasste europäische Wachstumsunternehmen zu massiven Einsparungen, mitunter durch Massenentlassungen. Trotz dieser Entwicklung bleiben erfolgreiche Investment-Meldungen in diesen Tagen nicht aus.

Wir haben drei Start-ups, die jüngst Finanzierungsrunden in Millionenhöhe verkünden konnten, gefragt, wie sie die derzeitigen Anforderungen durch VCs wahrnehmen und was es bei der Equity-Story heutzutage zu beachten gilt.

Orderlion

Das 2018 gegründete Start-up operiert in der Lebensmittelindustrie – der größten Branche der Welt. Orderlion hat sich zum Ziel gesetzt, ein optimiertes, digitales B2B-Shopsystem für Zulieferer in der Gastronomie zu entwickeln. Heute hat das Start-up eine Reihe an Erfolgen vorzuweisen, wie etwa die jüngste Finanzierungsrunde in Höhe von vier Millionen US-Dollar oder die Übernahme eines französischen Konkurrenten.

Mit ihrer “B2B Food Supply-Chain” wollen die Gründer Stefan Strohmer und Patrick Schubert einer angeschlagenen, aber riesigen Branche zur Seite stehen und die Gastronomie digitalisieren. „Wenn es an guten Mitarbeitern mangelt und man trotzdem noch Kosten einsparen muss, dann ist Automatisierung genau das Richtige. Am schnellsten und effizientesten automatisierst du deinen Betrieb durch Digitalisierung der Unternehmensprozesse – zum Beispiel im Bestellwesen”, erklärt CEO Strohmer den Ansatz von Orderlion.

Start-ups von VCs konservativer bewertet

Was die Finanzierung betrifft, so weiß das Orderlion-Team, dass sich die Anforderungen der VCs an Start-ups verändert haben. “Valuation“ bei Funding-Runden sei derzeit konservativer; es werde mehr Fokus auf KPIs wie „Monthly Recurring Revenue“ und deren „Month over Month Growth Rate“ gesetzt. Zudem wurde die Aggressivität der „Burn Rate“ zurückgeschraubt – für 18 statt bisher zwölf Monate „Runway“. Allgemein werden, Orderlion nach, Start-ups konservativer bewertet als bisher.

Ein weiterer bemerkenswerter Punkt, den Strohmer und Schubert ausgemacht haben, ist, dass heutzutage Profitabilität nicht mehr zwingend notwendig sei. Es stelle sich eher die Frage, wo man Kosten sparen könne, um den Runway zu verlängern.

„Spart man zu sehr in Sales und Marketing, dann ist das zu kurzfristig gedacht“, sagt Co-Founder Stefan Strohmer dazu. „Man reduziert zwar sofort einen ‚Burn‘, aber damit auch eine Wachstumsrate. Die Folge ist: Man braucht länger, um Revenue aufzubauen. Besser ist es, wenn man an anderen Stellen einsparen kann, etwa ‚Product‘ und ‚Support‘ nicht so stark ‚over hired‘ und weiterhin in Sales und Marketing investiert. Nur nicht zu extrem, wie vielleicht zu 2021er-Zeiten.“

Stabile KPIs

Für die eigenen Investor*innen hatten Vorhersagen von Orderlion mehr Glaubwürdigkeit, da ihre Sales-KPIs sehr stabil sind. Je nach Phase des Unternehmens seien jedoch auch andere KPIs wichtig. In der aktuellen, wo Kapital knapper und teurer ist, erweise sich gute Finanzplanung als noch essentieller.

Der Lebensmittelmarkt sei, trotz aller Krisen (Covid, Supply Chain Issues, Staff Shortages, Inflation, Product Shortages …), weiterhin standfest und attraktiv, da derzeit viele Unternehmen entlang der „Food Supply Chain“ erkannt haben, dass sie ihre Kostenstruktur optimieren müssen, um zu überleben.

„Wenn es an guten Mitarbeitern mangelt und man trotzdem noch Kosten einsparen muss, dann ist Automatisierung genau das richtige. Am schnellsten und effizientesten automatisiert man den eigenen Betrieb durch Digitalisierung der Unternehmensprozesse, etwa im Bestellwesen. Genau diese Expertise holen sich diese Unternehmen jetzt von Orderlion“, so Strohmer weiter.

Tipps von Orderlion

Um durch stürmische Zeiten zu navigieren und mit knappen Ressourcen hauszuhalten, rät der Founder dazu, ganz bewusst fokussiert zu arbeiten. Ein wichtiges Hauptziel zu definieren und alles andere diesem unterordnen. So würden aus zehn Projekten eines; dadurch könne man mit weniger Ressourcen mehr erreichen.

Ebenfalls sollte man seinen „Go To Market“-Prozess sowie sein Produkt durchleuchten, ob man hier verschlanken kann, sodass weniger manuelle Arbeiten anfällt (Self-Service etwa).

„Bei uns können Lieferanten ihren Bestellannahmeprozess automatisieren über eigene Bestell-Apps und darüber auch noch Zusatzverkäufe fördern, also Kosten einsparen und Umsätze steigern“, sagt er.

Ausblick/Erfolgsfaktoren nach Orderlion

  • Start-ups werden konservativer bewertet (andere Kennzahlen)
  • Es muss an den richtigen Ecken und Enden gespart werden (Marketing > Product)
  • Gute Finanzplanung ist ein A und O
  • Gute Branche
  • Start-ups unterstützen mit ihrem Produkt selbst Unternehmen bzw. eine Branche, um die Krise zu meistern (Automatisierung)
  • Start-ups helfen bei Kosteneinsparung und Umsatzsteigerung

Medudoc

Das Health-Start-up Medudoc wurde 2020 von Michael Horacek gegründet. Konkret handelt es sich um einen Anbieter für digitale Patientenaufklärung mit Teams in Wien, Berlin und Luzern. Vor kurzem gab man bekannt, dass im Sommer eine Finanzierungsrunde von über zwei Millionen erfolgreich abgeschlossen wurde.

Medudoc – kurz für „medical education and documentation“ – arbeitet als SaaS-Plattform an der Reduzierung von Unsicherheiten und Komplexitäten für Patient*innen und deren Angehörige. Denn, aktuell würden Patient*innen an unverständlichen medizinischen Informationen in Vorbereitung auf ihre OP verzweifeln. Dennoch seien sie rechtlich dazu verpflichtet, einzuwilligen, verständlich und umfangreich über ihren Eingriff und den damit verbundenen Risiken sowie Alternativen aufgeklärt worden zu sein.

Bewertung stark unter Druck

Medudoc nach haben sich die Anforderungen der VCs an Start-ups hierzulande nicht sehr stark verändert.

„Aus der Sicht der breiteren (öffentlichen) Wahrnehmung wissen wir, dass in den USA bzw. UK die, zuletzt sehr hohen, Bewertungen stark unter Druck gekommen sind“, sagt Co-Founder Michael Horacek. „In Europa waren die Amplituden, mit Ausnahmen, nicht vergleichbar mit US-Werten. Alle Teilnehmer im Markt werden jedoch nun mehr auf nachvollziehbare Zahlen achten und vielleicht kurzfristig auch mehr auf ‚Stability‘ und echte Innovation, als auf reine ‚Opportunity setzen‘.“

Für den Healthtech-Gründer gibt es je nach Industrie verschiedene Wege, eine glaubwürdige Perspektive auf Profitabilität aufzuzeigen. „Ein Strategieschwenk in Richtung schnellerer Profitabilität ist einer davon. Marktanteil, messbare Effizienzsteigerung und u.a. langfristig gesicherte ‚Revenues‘ werden auch wichtiger als reine Marktgröße“, so Horacek weiter.

In Sachen Investor*innen vertrauen sei ein Erfolgsgeheimnis, dass es sich bei Medudoc um branchennahe Kapitalgeber handle und jene den Realitätsgrad ihrer „Sales-Roadmap“ gut einschätzen könnten. Zudem bleiben Transparenz und Fakten wichtige Faktoren bei der Kapitalsuche.

Health-Bereich unter Druck

Der Markt selbst, den Medudoc bedient, wird sich in den nächsten Jahren weiterhin – trotz oder gerade wegen mancher Krisen – attraktiv zeichnen. Einer der USPs des Startups ist, die Zeitersparnis für Ärzt*innen sicherzustellen bzw. zu erhöhen.

Im aktuellen Umfeld stehen zudem die Gesundheitssysteme im DACH- und UK-Raum (vor allem in den nächsten Jahren) durch dramatische Fehlzahlen bei Mediziner*innen stark unter Druck. Ein effizienterer Umgang mit deren Kapazitäten (Zeit) sei daher existenziell notwendig.

Tipps von Medudoc

Um in schwierigen Zeiten auch mit knappen Ressourcen haushalten zu können, rät Horacek dazu, eine Crew zu haben, die von der Vision und dem eigenen Kurs überzeugt ist. „Nie den Nordstern aus den Augen verlieren“, präzisiert er. „Egal ob Sturm, Nebel oder Sonne, die Kosten muss man immer im Griff haben. Aktuell ist die Fähigkeit, auch größere Stürme durchsegeln zu können (runway) sicher hilfreich.“

Ausblick/Erfolgsfaktoren nach Medudoc

  • Kein Vergleich zur US-Krise
  • Stärker auf nachvollziehbare Zahlen achten und kurzfristig mehr auf Stabilität und echte Innovation als auf reine Opportunity setzen
  • Marktanteil, messbare Effizienzsteigerung, langfristig gesicherte ‚Revenues‘ werden wichtiger als reine Marktgröße
  • Großteil der Investor*innen kommt aus der eigenen Branche
  • Eigene Lösung leistet Beitrag zu einer gravierenden Krise
  • Kosten stets im Griff haben

Shopstory

Shopstory entwickelt eine SaaS-Lösung (Software as a Service), welche schlicht als „intelligenter Performance-Marketing-Assistent“ für Onlinehändler*innen beschrieben werden kann. Die auf künstlicher Intelligenz basierte Software möchte Onlineshops dabei helfen, ihren Umsatz, die Profitabilität sowie deren generelle Wettbewerbsfähigkeit zu erhöhen.

Für Sebastian Schwelle, Co-Founder von Shopstory, hat sich in den letzten Monaten klar gezeigt, dass die Investmentaktivität zurückgegangen ist und auch Bewertungen nicht mehr einfach so akzeptiert werden.

„Während weiterhin Wachstum gewünscht wird, ist es auch immer wichtiger zu zeigen, dass man effizient neue Kunden gewinnen kann“, sagt er. „Der sogenannte Burn Multiple ist mehr in den Vordergrund gerückt, sprich, wie viel Kapital benötige ich zusätzlich, um neuen Umsatz zu erzeugen.“

Für den Co-Founder geht es in Sachen glaubwürdiger Perspektive auf Profitabilität ganz stark darum aufzuzeigen, wie groß das Team sein muss, um in seinem Umfeld weiterhin bestehen zu können. Oder anders gesagt, um weiterzuwachsen.

Agilität und Teamstärke

„Kann man diese Größe mit den aktuellen Mitteln erreichen, kann man auch aufzeigen, dass man hier rechtzeitig den Schwenk zur Profitabilität hinbekommt“, präzisiert er. „Es zeigt sich in diesem Umfeld, dass man seine Vorteile als Startup stark ausspielen muss. Das bedeutet agil und flexibel genug zu bleiben, um auf eine laufend ändernde Marktsituation rechtzeitig zu reagieren. Es geht auch immer darum zu beweisen, dass man im Team stark genug aufgestellt ist, um schnell zu reagieren.“

Tipps von Shopstory

Sebastian Schwelle weiß, dass der E-Commerce-Markt ein bewegtes Jahr hinter sich hat und auch nächstes Jahr noch auf eine herausfordernde Zeit blicken wird.

„Mit unserem Ansatz, mit möglichst wenig Mitteln viele Performance-Aktivitäten im eigenen Haus abzubilden, sehen wir uns aber auch in Zukunft sehr gut aufgestellt“, sagt er. „Dies zeigt die weiterhin hohe Nachfrage nach unserer Software. Allgemein gesprochen, braucht es ein starkes Team und gleichzeitig das Bewusstsein, dass jeder mit anpacken muss, um in stürmischen Zeiten bestehen zu können.“

Ausblick/Erfolgsfaktoren nach Shopstory

  • Burn Multiple im Vordergrund
  • Teamstärke
  • Auf Marktsituation reagieren
  • Mit wenig Mitteln viel Performance

Gründer*in der Woche: Million Steps - digitaler Nachweis für Freilandhaltung

Die Million Steps GmbH wurde 2022 von Paula Ebert, Rico Noël und Stefan Grimm in Stuttgart gegründet. Das Agrar-Start-up entwickelt Software zur Erfassung, Verarbeitung und Ausweisung von Weide- und Tierdaten. Das Ziel ist die Förderung der regenerativen Landwirtschaft, die einen positiven Einfluss auf Tier, Mensch und Klima hat. Mehr dazu im Interview mit Co-Gründer Rico.

Wann und wie seid Ihr auf die Idee zu Million Steps gekommen?
Eine simple Beobachtung: Digitale Devices und Apps erfassen immer mehr unserer Daten, dazu gehört selbst unsere tägliche Schrittanzahl. Gleichzeitig fordern wir mehr Transparenz auf einer ganz anderen Seite bei der uns der Einblick und Überblick fehlt. Bei der Ernährung – konkreter bei tierischer Ernährung und dem Tierwohl. Wir verlassen uns auf Packaging und Gütesiegel.

Warum also nicht ähnliche Technik einsetzen, um Haltung zu beweisen und nicht nur zu behaupten? Sprich, einem transparenten Nachweis für Weidehaltung mittels GPS-Tracker, oder anders gesagt, mindestens einer Million Schritte auf Gras. Auf diese Schrittzahl kommt man, wenn Rinder ungefähr zwei Jahre auf der Weide standen.

Mit diesem Gedanken kamen Stefan, Paula und ich zusammen. Jeder von uns mit komplett anderem Hintergrund: Paula kommt aus Gastronomie und Catering, Stefan ist unser Tech-Lead mit 20 Jahren Erfahrung in IT und Beratung und Mitgründer von My Local Meat. Ich selbst komme aus der Werbung und kümmere mich um Produktentwicklung und Marketing.

Was waren die größten Herausforderungen beim Aufbau eures Start-ups und der Entwicklung eurer Software?
Wir hatten ein Zeitfenster von ca. sechs Monaten für die Entwicklung einer marktreifen Software. Dabei hatten wir je nach Region mit fehlerhaften GPS-Signalen und je nach Devices mit schwachen Batterien und Ausfällen zu kämpfen. Wir selbst waren überrascht, wie weit die Tiere laufen und haben es anfangs für einen Fehler im Tracking gehalten. Aber wir erfassen Tiere, die teils durchschnittlich 10 Kilometer pro Tag laufen. Nach der zweiten Weidesaison sind das über 4000 km! All die Erkenntnisse aus der Testphase haben uns schlauer gemacht und wir konnten Kinderkrankheiten beseitigen.Hinzu kommt, dass Landwirte sehr unterschiedlich zu der Digitalisierung stehen. Die Bereitschaft, digitale Devices einzusetzen, teilt sich auch nicht, wie man vermutet, strickt in alt und jung, sie ist eher eine Frage von Tradition und Überzeugung.

Family-Fintech Bling sichert sich Millionen-Invest

Bling, Europas erstes Family-Fintech, hat mit seiner Seed-Finanzierungsrunde sechs Monate nach dem Launch Millionen eingesammelt. Lead-Investor ist Peak aus Amsterdam, den Co-Lead übernimmt La Famiglia aus Berlin.

Bling wurde 2021 von Leon Stephan und Nils Feigenwinter in Berlin gegründet. Das erste Family-Fintech Europas startete als Taschengeld-App, um die Finanzkompetenz von Kindern und Jugendlichen zu stärken. Für viele von ihnen ist es die erste selbständige Bezahlerfahrung.

Seit Sommer 2022 bietet Bling eine Family-Banking-Lösung an: mit der Bling-Card und -App bezahlen Kinder und Jugendliche selbständig. Mit der App lernt zudem die ganze Familie den optimierten Umgang mit Geld.

Eine Idee, die nicht nur bei Investor*inneen gut ankommt: Wenige Monate nach dem Start nutzen – so das Start-up – bereits tausende Familien das Angebot; bereits über 10.000 Kinder und Jugendliche haben mit Bling ihre erste Bezahlerfahrung gemacht.

Neben Business Angels wie Lea-Sophie Cramer, Felix Haas (IDnow), Jakob Schreyer (Orderbird) und dem ehemaligen ING-Diba CEO Ben Tellings investieren jetzt auch die Familien-Influencerin Carmen Kroll und Prediction Capital im Zuge der Seed-Runde.

„Die abgeschlossene Finanzierungsrunde ermöglicht es, unser Angebot schneller auszubauen und zu wachsen. Unsere Produkte orientieren sich an der Entwicklung von Familien. Mit neuen Sparangeboten – schon zur Geburt – werden wir diese Strategie weiter forcieren“, sagt der 22-jährige Co-Gründer und CEO Nils Feigenwinter und ergänzt: „Über Jahrzehnte wurden Familien als Zielgruppe vernachlässigt. Das ändern wir.“

Mitgründer und CTO Leon Stephan ergänzt: „Wir sehen, dass sich das Engagement der Erstnutzer und die Anzahl der User innerhalb einer Familie von Monat zu Monat steigern. So wird unsere App auch innerhalb der Familie als Tool von Erwachsenen genutzt, das prägt unsere Tech-Strategie für die Zukunft.“

NeedNect Solutions ist das „Travel Start-up 2022“

Geballte Frauenpower beim digitalen Travel-Start-up-Nachwuchs: Das österreichische Start-up NeedNect Solutions holt sich den Titel „Travel Start-up 2022“.

Geballte Frauenpower beim Finale der Start-up Nights 2022 der Tourismusindustrie, ausgerichtet vom Travel Industry Club e.V. (TIC) und dem Verband Internet Reisevertrieb e.V. (VIR). Alle drei Erstplatzierten Start-up-Unternehmen wurden in der Endrunde von weiblichen Vertreterinnen in der Führungsspitze präsentiert.

Insgesamt hatten sich über 60 Jungunternehmer*innen an den diesjährigen sechs Travel Start-up Nights in Städten der DACH-Region von TIC und VIR beteiligt und dabei um den Finaleinzug zum Jahresende gewetteifert, das über den Dächern von Frankfurt bei ADVANT Beiten veranstaltet wurde.

Den Sieger*innen winkte ein Preispaket im Wert von über 80.000 Euro. Bewertet wurden die Finalist*innen nach fünf Kriterien: Innovationskraft, Geschäftsmodell, USP, Relevanz in der Branche sowie Gründer*in/Team. 80 Prozent der Beurteilung machte das Ergebnis der 30-köpfigen Jury aus, 20 Prozent zählten jedoch auch die Stimmen der über 50 Zuschauer*innen, die das Start-up Finale live sowie virtuell verfolgten.

Platz 1: NeedNect Solutions

In einem spannenden Finale setzte sich mit einem knappen Vorsprung NeedNect Solutions von CEO und Gründerin Ines Ganner durch und darf sich nun über den Titel „Travel Start-up 2022“ freuen. Die Plattform ermöglicht ein individuelles Hotelerlebnis mit interner Planbarkeit und einer Reduzierung von Lebensmittelverschwendung. Das Start-up verfolgt dabei das Ziel, die Gästezufriedenheit und den Umsatz kontinuierlich zu steigern. Hotels erhalten unter anderem aggregierte Gästedaten und können sich im Sinne der Nachhaltigkeit besser auf die ankommenden Gäste vorbereiten.

Platz 2: Rhome

Platz zwei beim Travel Start-up Finale belegte Rhome, präsentiert von CEO & Co-Founder Dr. Julia-Sophie Ezinger. Die Plattform entstand durch die Folgen der Corona-Pandemie für die Arbeitswelt und erleichtert Remote Work sowohl für Arbeitgeber*innen als auch für Arbeitnehmer*innen. Das neu geschaffene Tool von Rhome hilft dabei, die Vorschriften einzuhalten, während Mitarbeiter*innen die Flexibilität genießen, von überall aus zu arbeiten.

Platz 3: ZAUBAR

Den dritten Platz beim Travel Start-up Finale von TIC und VIR nahm ZAUBAR – vorgestellt von Anne-Sophie Panzer (Head of Creators/COO) – mit seinem Online-Portal ein, über das jeder „Passonate Local“ selbstständig ortsbasierte Augmented-Reality-Touren erstellen und monetarisieren kann. Besucher*innen haben so die Möglichkeit, sich mithilfe von AR auf einem Foto mit historischen oder berühmten Persönlichkeiten zu verewigen.

Weitere Finalteilnehmer*innen waren die Buchungsplattform für Bildungsurlaub Bildungsurlauber.de, die Tourguide App elysium, die App für moderne Kulturerlebnisse hublz sowie der AR-Begleiter YONA.

„Wir haben beim diesjährigen Travel Start-up Wettbewerb feststellen müssen, dass das wirtschaftliche Umfeld für Start-up Unternehmen und Gründer*innen immer schwieriger wird“, bilanziert VIR-Vorstand Michael Buller nach der Finalentscheidung. „Daher ist es wichtiger denn je, dass es solche Formate gibt, in denen sich junge Unternehmer*innen mit ihren innovativen und kreativen Geschäftsideen präsentieren können.“

GameChanger des Monats: StrollMe – Kindermobilität im Abo

StrollMe – gegründet von Timon Beutel und Sebastian Reichelt – hat es sich zur Aufgabe gemacht, im Sinne der Nachhaltigkeit Besitz rund um Kinder neu zu denken. Mehr dazu und damit über unsere GameChanger des Monats im Interview mit Sebastian.

Wir haben euch als unsere GameChanger des Monats ausgewählt, weil ihr rund um das Thema Baby- und Kindermobilität mit eurem Konzept des Mietens statt Kaufens konventionelle Wege verlasst und zugleich das Thema Nachhaltigkeit vorantreibt.

Zunächst zu euch Gründern: Wer seid ihr, wie seid ihr auf die Idee zu dem StrollMe gekommen und was treibt euch im Sinne eines GameChangers an?

Timon kommt aus dem UI/UX Design, ich aus der Modebranche. Timon hatte die Idee, als seine Frau Laura mit ihrem ersten Kind schwanger war und sie nirgends eine gute Alternative zum Kauf gefunden haben. Mich hatten seine Argumente, dass es viel besser ist einen Kinderwagen zu mieten als zu kaufen, auf Anhieb überzeugt. Daraufhin konnte ich ihn zum Glück sofort überzeugen, gemeinsam StrollMe zu gründen.

Das positive Feedback unserer Kunden treibt mich jeden Tag an. Außerdem können wir mit StrollMe zeigen, dass ein wirklich nachhaltiges Geschäftsmodell im Sinne der Kreislaufwirtschaft sowohl für die Kunden als auch wirtschaftlich funktioniert. In meinen Augen ist das ein wichtiger Baustein zur Entwicklung einer nachhaltigen Wirtschaft bzw. Gesellschaft.

Was ist das Besondere an eurem StrollMe-Konzept, wie funktioniert es und was kann ich alles per Abo mieten?

So besonders finde ich unser Konzept eigentlich gar nicht (lacht). Der größte Unterschied zu bestehenden Konzepten liegt darin, dass man die Produkte mietet, statt sie zu kaufen. Unsere Kunden bestellen das gewünschte Produkt zum gewünschten Termin und nutzen es, solange sie es benötigen. Wenn sie feststellen, dass sie z.B. mit dem Kinderwagen oder der Babytrage nicht zurechtkommen, können sie problemlos auf ein anderes Produkt wechseln. Da wir beide selbst Eltern sind, wissen wir, wie unterschiedlich Kinder und die Bedürfnisse sind. Die zurückgesendeten Produkte werden professionell aufbereitet und zu einem günstigeren Preis als „refurbished“ wiedervermietet. Man kann bei uns neben Kinderwagen, Kinderfahrrädern und Fahrradanhänger samt Zubehör auch Babytragen und Federwiegen mieten.

Wer sind eure Kund*innen?
In der Regel haben sie mindestens ein Kind ;-). Aber Spaß beiseite. Anfangs dachten wir, dass unser Modell eine spezifische Kundengruppe anspricht. Wir haben aber schnell festgestellt, dass alle Eltern, ob aus nachhaltigen oder finanziellen Gründen, oder wegen der Flexibilität potenzielle StrollMe-Kunden sind.

Was waren die wichtigsten Meilensteine von der Ideenfindung bis zum Go live von strollme.de?
Timon hatte schnell einen MVP gebaut und gezeigt, dass der Bedarf da war. Jetzt mussten wir nur noch Lieferanten überzeugen, uns zu beliefern. Das war im Corona Jahr 2020 nicht gerade einfach. Letzen Endes konnten wir Greentom nach einer zwölfstündigen Zugfahrt von uns überzeugen und so den Grundstein für unser Sortiment legen.

Wie habt ihr diese Phase finanziell gestemmt?
Wir haben beide unsere Ersparnisse eingebracht. Nach dem erfolgreichen Start haben wir Ende 2020 einen VC-Fonds und einen Business Angel von unserem Konzept überzeugen können.

Wie macht ihr auf euch bzw. StrollMe aufmerksam?
Übliche Kanäle wie Instagram, Podcast und Google aber auch spezifischere Kooperationen mit Hebammen und Kitas. Auch PR ist ein wichtiger Faktor und sorgt für positive Wahrnehmung unserer Marke.

Was sind eure nächsten unternehmerischen To-do’s und Pläne?
2022 haben wir gezeigt, dass StrollMe funktioniert und der Markt für uns bereit ist. 2023 wollen wir nun die nächsten Schritte gehen und aus unserem Start-up ein Scale-up machen. Bisher hatten wir viel Glück mit unserem Team. Wir hoffen auch weiterhin so tolle Mitarbeiter für uns gewinnen zu können. Natürlich arbeiten wir auch stetig an unserem Sortiment. 2023 werden viele weitere Kinderprodukte unser Angebot erweitern.

Was möchtet ihr als unsere GameChanger des Monats der Start-up-Community mit auf den Weg geben?
Beratung und Meinung von anderen einzuholen ist immer richtig. Versucht aber trotzdem auf euer Bauchgefühl zu hören und euren eigenen Weg zu finden. Uns wurde oft gesagt, dass wir nicht so sehr auf Profitabilität achten sollen sondern alles in Wachstum stecken müssen. Damit haben wir uns aber nie ganz wohl gefühlt. Heute sind wir froh, keine Geldverbrennungsmaschine zu sein und trotzdem jeden Monat zweistellig zu wachsen.

Hier geht's zu StrollMe

Das Interview führte Hans Luthardt

Vadim Fedotov: Ex-Basketballnationalspieler und bioniq-Gründer übernimmt Fitness-Start-up VAHA

2019 gründete Ex-Basketballnationalspieler und Gesundheitsvisionär Vadim Fedotov bioniq und machte es innerhalb von nur drei Jahren zu einem führenden Hersteller von personalisierten Nahrungsergänzungsmitteln. Jetzt sein nächster Scoop: die Übernahme von VAHA, dem europaweit aktiven, interaktiven Fitnessspiegel für zu Hause.

VAHA wurde ebenfalls 2019 gegründet, hat seinen Hauptsitz in Berlin und fungiert als virtueller Personal Trainer, der mithilfe von KI-Technologie wie ein Hologramm direkt ins Haus gestreamt wird und über 2.000 Workouts für jedes Trainingsziel und jede Trainingsvorliebe bereithält. Das Gerät ermöglicht es ganzen Haushalten, so zu trainieren, wie und wann sie wollen – ganz bequem vom Wohnzimmer aus. Alle Workouts sind digital zugänglich und wurden von qualifizierten Personal Trainern entwickelt. Die Produkte wurden von der Gründerin Valerie Bures – Schöpferin der Fitnesskette für Frauen Mrs. Sporty – und einer Gruppe von Wissenschaftlern, Medizinern und IT-Experten entwickelt.

„Gemeinsam ist es unser Ziel, Menschen auf der ganzen Welt mit der Kombination aus personalisiertem Heimtraining und maßgeschneiderter Nahrungsergänzung zu unterstützen, zu motivieren und aufzuklären, um ein möglichst erfülltes und gesundes Leben zu führen. Gesundheit hat viele entscheidende Faktoren, einer der wichtigsten ist die tägliche Aktivität, und so sind wir unglaublich stolz darauf, VAHA auf der globalen Plattform von bioniq willkommen zu heißen“, so Fedotov.

Mit der Übernahme von VAHA setzt bioniq seinen Expansionskurs fort, stärkt seine Position als innovative Gesundheitsplattform in Europa und im Nahen Osten. Derzeit ist bioniq in acht Ländern in der EMEA-Region vertreten und plant, bis Ende 2023 in vier weitere Länder zu expandieren, darunter auch in die USA. Führende globale VC-Fonds wie HV Capital, Rocket Internet, Porsche Ventures, Unbound Ventures und TQ Ventures unterstützen die Mission von bioniq.

Die Übernahme markiert einen wichtigen Meilenstein in der Mission des Unternehmens, die globale Gesundheit bis 2025 zu verbessern, wie bioniq-CEO Vadim Fedotov sagt: „Dies ist ein Blick in die Zukunft der personalisierten Gesundheit in Form von maßgeschneiderten Wellness-Lösungen und Fitness für zu Hause, die durch Daten und Innovation angetrieben werden."

Die VAHA-Gründerin Valerie Bures bleibt als Board-Member und Share-Holder weiter in der neuen Company. Mitgründer Calin Popescu fungiert weiterhin als CTO, auch in der neuen Company.