Wie Designer Start-ups beim Innovieren helfen

Design-Innovationsbooster für Gründer

Autor: Daniel Buhr


Design-Innovationsbooster sind Strategien von Designern, die jungen Unternehmen helfen, neue Produktideen schneller zu verwirklichen und besser zu vermarkten.

Stimmig bis ins kleinste Detail: Von der intuitiven Bedienung bis zur ansprechenden Optik – so ist das Designkonzept des handlichen Espresso-Zubereiters von piamo

Christoph Meyl hat es gewagt. Mit piamo, einem handlichen, schmucken und leicht zu bedienenden Espressobereiter, der ein ganz gewöhnliches Mikrowellen-Küchengerät in eine Espressomaschine verwandelt. In wenigen Sekunden zaubert der innovative Mikrowellenbarista aus einem herkömmlichen Kaffeepad einen leckeren Espresso und spart zugleich jede Menge Platz und Geld. So ist die Lösung vor allem für kleine Küchen und Büros geeignet.

Mit Unterstützung seines Bruders Hendrik entwickelte Christoph die Idee bis zur Vorserie. Für die Markteinführung und eine anschließende Serienproduktion fehlte jedoch das Kapital. Dass er seinen Traum nun trotzdem verwirklichen kann, hat er auch einem Designstudio aus München zu verdanken. Lunar Europe, eines der führenden Designunternehmen weltweit, hat den Gründer beim gesamten Innovationsprozess und auf dem Weg zur Crowdfinanzierung unterstützt (Crowdfunding über www.startnext.de). 

Designer als Finanzierungshelfer

Als die Lunar-Geschäftsführer Matthis Hamann und Roman Gebhard von Christoph Meyls Produktkonzept hörten, waren sie sofort begeistert: „Wir sind immer auf der Suche nach kreativen Ideen und pfiffigen Konzepten. Schließlich besteht unsere Kernkompetenz darin, Unternehmen über den gesamten Innovationsprozess hinweg zu unterstützen: von der Marktforschung über Strategieberatung, Branding und Gestaltung bis zum Engineering serienreifer Produkte.“

Aber auch bei der „traditionellen“ Kapitalakquise, also etwa der Finanzierung über die Hausbank, können Designer helfen. Denn überall geht es zunächst darum, andere Menschen von einer Idee zu überzeugen, die ja meist zu diesem frühen Entwicklungszeitpunkt nur im Kopf des Erfinders existiert. Designer können dabei unterstützen, eine Idee erfahrbar zu machen, indem sie diese visualisieren, animieren oder kurze Filme produzieren. Dieses sogenannte „experience prototyping“ erlaubt es sowohl potenziellen Investoren als auch Kunden sich ein umfassendes Bild von einem Produkt zu machen – noch bevor es real existiert.

Im besten Fall können die Jungunternehmer dann ihre Kapitalgeber nicht nur mit konkreten Marktzahlen, einem stimmigen Geschäftskonzept beziehungsweise professionellem Businessplan überzeugen, sondern auch mit plastischen Eindrücken in Form von virtuellen oder auch realen Prototypen. So versteht sich Lunar Europe auch als „Entwicklungshelfer“ für Start-ups und unterstützt diese schon bei der Marktforschung, verzahnt die quantitativen Datenanalysen aber mit qualitativen Studien, sodass potenzielle Nutzertypen und Nutzerszenarien entwickelt werden können und somit das Bild der künftigen Zielgruppe mit ihren speziellen Bedürfnissen für das Start-up klar umrissen werden kann.

Designer-Beruf im Wandel

So hat sich die Arbeit der Designer über die Jahre enorm verändert – hin zu einem ganzheitlichen Ansatz, der die Designbüros schon von Beginn an in den Innovationsprozess einbindet. Hier zeigt sich, dass die Designpraxis vielfältiges Wissen unterschiedlichster Herkunft nutzt. Daher unterhalten die großen internationalen Designfirmen wie Lunar, Ideo oder frog Standorte auf der ganzen Welt. Zum einen, um nah bei ihren Kunden zu sein. Zum anderen, um in die spezifischen sozialen und kulturellen Besonderheiten eingebunden zu sein.

Zudem versuchen sie, neben der sozialen und kulturellen Vielfalt ihrer Belegschaft, auch eine große fachliche Breite zu vereinen  – vom Psychologen und Soziologen über die Ingenieurin und den Softwareentwickler bis zur Interactiondesignerin sowie dem Strategieberater. Denn die meisten industriell hergestellten Objekte bedürfen auch der Mitwirkung von Technikern, Ingenieuren und Marktstrategen, um irgendwann aus der Konzeptrealität in die Marktrealität einzutreten.

Die 7 Design-Prinzipien

  • Design makes all the difference – Design als Wettbewerbsvorteil. Beispiel: Vela, ein außergewöhnlicher Heimtrainer von Lunar. Schönheit, Genialität und einzigartige Ausstrahlung des Objekts führen dazu, dass Konsumenten durchaus bereit sind, viel Geld dafür zu investieren.
  • Design the Organization – erfolgreiches Design entsteht im System. Siehe Apple: Hier ist die komplette Organisation darauf ausgelegt, dem Design-Aspekt und seiner Konsistenz höchste Priorität beizumessen.
  • The product is the marketing – gut designte Produkte verkaufen sich von selbst, weil Form und Funktion eine Einheit bilden. 
  • Design is systems thinking – Produkte werden immer in eine Umwelt hineingeboren. In welcher Umgebung wird das Produkt genutzt? Wie fügt es sich ein? Und wie lässt es sich später schonend entsorgen? Ganzheitliche Design-Ansätze nehmen daher das komplette „eco-system“ in den Blick – wie bei dem Gesture Cube realisiert.
  • Design out loud – Das passt! Prototypen helfen bei der Perfektionierung.
    Ob durch „klassischen“ Modellbau oder „virtuelle“ Prototypen in Form von Filmen oder Animationen – erst durch die intensive Interaktion mit den potenziellen Nutzern werden Lösungen geschaffen, die am Markt erfolgreich sind.
  • Design is for people – nah am Kunden. Innovationsprozesse lassen sich gerade durch Web-2.0-Communities öffnen. Hier können potenzielle Nutzer und Nutzungsszenarien direkt erfragt und getestet werden. 
  • Design with conviction – Stimmigkeit bis ins kleinste Detail. Von der intuitiven Bedienung bis zur passenden „out-of-the-box experience“, für die eine passende Verpackung sorgen kann.

Dies ist ein Auszug aus einem aktuellen Artikel unseres Print-Objekts StartingUp:
Den vollständigen Artikel lesen Sie in der aktuellen StartingUp - Heft 01/13 - ab dem 21. Februar 2013 im Handel oder jederzeit online bestellbar in unserem Bestellservice-Bereich