Gründer der Woche: Game Science Center – hier wird Zukunft erlebbar

Gründer der Woche, KW 50


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Vor wenigen Monaten eröffnete in Berlin das Game Science Center. Das weltweit erste permanente Ausstellungshaus für interaktive Technologien und Projekte zeigt die neuesten Erfindungen im Bereich Computer-Interaktion. Was es damit konkret auf sich hat und wie der Start gelungen ist – das wollten wir von Co-Gründer Cay Kellinghusen wissen.

Die GSC-Gründer Cay Kellinghusen (links) und Cyrill Etter auf der GamesCom in Köln (Foto: Game Science Center Berlin)


Hallo Herr Kellinghusen! Sie und Ihr Mitgründer Cyrill Etter sind gerade mit dem Kultur- und Kreativpilotenpreis der Bundesregierung ausgezeichnet worden, herzlichen Glückwunsch dazu! Wofür steht diese Auszeichnung? Und was bedeutet Sie Ihnen persönlich?

Ja, das ist richtig, vielen Dank. Über die Auszeichnung haben wir uns natürlich sehr gefreut. Der Preis wird seit 2010 jährlich an die 32 besten Geschäftsideen in der Kreativwirtschaft verliehen. In diesem Jahr gab es für diese Auszeichnung insgesamt 869 Bewerber aus ganz Deutschland. Dass wir zu den 32 Gewinnern zählen, zeigt uns, dass wir mit unserer Ausstellung und unserer Vision auf dem richtigen Weg sind. Das motiviert uns natürlich dazu, unsere Ausstellung zu erweitern und zu verbessern. Außerdem stehen uns nun zwölf spannende Monate bevor. Wir sind begeistert von der wertvollen Unterstützung durch Coachings, Workshops zusammen mit unseren 31 Mit-Piloten sowie durch die starken Medienpartner.

Wie kommt man auf die ungewöhnliche Idee für ein Ausstellungshaus, das dem Besucher eine Vorschau auf die Zukunft bieten will?

Wir sind große Fans von Crowdfunding-Projekten und unterstützen diese auch regelmäßig. Viele dieser Projekte bringen sehr innovative Produkte hervor. Unsere Grundidee bestand darin, eine Plattform für solche Entwicklungen zu bieten und gleichzeitig die Öffentlichkeit für das Thema Mensch-Computer-Interaktion zu sensibilisieren.

Wann haben Sie und Ihr Mitstreiter unternehmerische Nägel mit Köpfen gemacht und die GSC GameScienceCenter GmbH in Berlin gegründet?

Nachdem wir einige Jahre gemeinsam in der Spieleentwicklung tätig waren, entschieden wir uns ein eigenes Unternehmen zu gründen. Nach genauer Planung im Vorfeld gründeten wir im Februar 2013 das Game Science Center.

Was waren die größten Herausforderungen in der Startphase?

Die erste große Herausforderung bestand in der Entwicklung eines stimmigen und umsetzbaren Ausstellungskonzepts. In dieser Phase haben wir mit sehr vielen Hard- und Softwareentwicklern gesprochen, oftmals auch über verschiedene Zeitzonen hinweg. Ein nächtlicher Skype-Call war da keine Seltenheit. Als wir die Zusagen für unser Start-Lineup hatten, bestand die nächste Aufgabe darin festzulegen, wie wir unsere Exponate in ansprechender Weise präsentieren wollen. Als feststand, dass wir die Räumlichkeiten in der Charlottenstraße in Berlin-Kreuzberg beziehen können, entwickelten wir einen konkreten Plan für die Nutzung der einzelnen Räume. Der vorerst letzte große Schritt war der tatsächliche Bau der Exponate. Das bedeutete sägen, verschrauben und verkabeln der einzelnen Stationen sowie das Aufsetzen und Testen der in ihnen verbauten Rechner.

Wie haben Sie die Anfangskosten gestemmt?

Wir haben den Aufbau des Game Science Centers privat finanziert. Das ist etwas, was Besuchern häufig nicht bewusst ist: Hinter uns stehen leider keine finanzgewaltige Stiftung oder Fördertöpfe des Landes/Bundes. Seit wir aufgemacht haben, sind wir also eine Undercover-Crowdfunding-Kampagne, jeder Besucher unterstützt den Fortbestand und die Weiterentwicklung unserer Vision. Dementsprechend sparen wir auch nicht an persönlichem Service – wenn ein Besucher zu uns kommt, ist die Chance 50/50, dass einer der Gründer an der Kasse steht!

Wann haben Sie die Ausstellung eröffnet? Wie ist die Resonanz?

Nach einer langen Vorbereitungsphase, haben wir das Game Science Center am 1. September 2014 eröffnet. Seitdem wächst die Zahl der Besucher stetig. Die Resonanz ist durchweg positiv. Neben den normalen Besuchern, kündigen sich auch immer mehr Gruppen und Schulklassen an. Wir sind über diese Entwicklung sehr glücklich.

Hat sich das anfängliche Konzept seitdem geändert?

Das Konzept hat sich, angefangen von der Grundidee, immer weiter entwickelt, ist aber im Kern gleich geblieben. Seit der Eröffnung arbeiten wir daran das Konzept sinnvoll zu erweitern, z.B. über Sonderausstellungen oder regelmäßige Events zu Themen aus den Bereichen Games, Technologie und Bildung.


Wie kommen Sie zu Ihren Exponaten – es handelt sich ja um Prototypen und neuartige Technologien – Sie versprechen "touch the future"?

Das ist richtig, manche unserer Exponate befinden sich tatsächlich noch in der Entwicklung und sind im normalen Handel noch nicht erhältlich. Andere Exponate zielen zudem gar nicht unbedingt auf den Massenmarkt ab, sondern stellen die künstlerische Komponente in den Vordergrund. Die Innovation kann auch in der Kombination bzw. in dem Einsatz von bekannten/älteren Technologien in neuem Kontext bestehen. Dies ist beispielsweise bei "Nagual Dance" der Fall. Es handelt sich hierbei um eine Tanzinstallation, bei der eine einfache Microsoft Kinect Kamera die Bewegungen der Nutzer registriert und diese an den angeschlossenen PC weitergibt. Dieser wandelt sie dann in Töne und Musik um. Man tanzt also nicht zu einem Lied, sondern das Lied entsteht durch die Bewegungen.

Gibt es Kooperationen mit der Industrie?

Wir suchen immer den Kontakt zu den Entwicklern von neuen Technologien oder Projekten. Sobald ein passendes Exponat in die Ausstellung aufgenommen werden soll, entwickelt Cyrill Ideen für dessen sinnvolle und angemessene Präsentation. In unserer Werkstatt wird dann gesägt, gebohrt, verschraubt und verkabelt, bis sich die neue Installation in unser futuristisches Ausstellungsdesign einfügt.

Worauf liegt der Fokus Ihrer Ausstellung?

Im Vordergrund steht die Interaktion zwischen dem Menschen und dem Computer, fernab von Maus und Tastatur. Wir möchten den Besuchern die Angst bzw. den Respekt vor neuen Technologien nehmen und sie dafür begeistern. Der Spielaspekt dient dabei in erster Linie dem besseren Verständnis der Funktionsweise. Der pädagogische Mehrwert besteht vor allem in der Übertragung der Technologien auf andere Bereiche des Lebens, wie Medizin, Architektur oder auch Sport.

Was sind die technologischen Zukunftstrends?

Sehr spannend und vielversprechend sind die derzeitigen Entwicklungen im Bereich Virtual Reality. Mitte der 90er Jahre und Anfang 2000 wurde dieses Thema heiß diskutiert, ebbte dann jedoch nach und nach ab. Vor ein paar Jahren wurde das Thema wieder aufgegriffen und seitdem entwickelt sich dieser Bereich rasend schnell. Es ist nur noch eine Frage der Zeit bis diese und andere Technologien allgegenwärtig sind. Daher ergibt es Sinn, sich schon so früh wie möglich damit auseinanderzusetzen. Die Zukunft wird immer etwas Neues bereithalten und die Entwicklungen werden immer weitergehen. Somit wird sich auch unsere Ausstellung stetig verändern und uns vor neue Herausforderungen stellen.

Wie machen Sie auf sich aufmerksam? Mundpropaganda allein macht's ja nicht.

Wir sind in den gängigen Sozialen Netzwerken, wie Facebook, Twitter und Youtube vertreten und bedienen diese Kanäle regelmäßig mit neuem Content. Mit regelmäßigen Pressemitteilungen informieren wir die Medien über aktuelle Themen und Ereignisse bezüglich des Game Science Centers. Weitere Werbemaßnahmen und Kommunikationsmaßnahmen sind bereits in Planung. Und natürlich sind wir immer froh, wenn uns unsere Besucher an Familie, Freunde und Bekannte weiterempfehlen.

Ein Blick in die Zukunft – wo sehen sie das Games Science Center in einigen Jahren?

Lassen Sie mich kurz bei dem Bild von der Abenteuerreise bleiben. Wir haben die Reise in den Dschungel der technologischen Entwicklung angetreten, und wir wissen noch lange nicht, wo diese Reise uns hinführen wird. Die nächsten Schritte sind in Planung, aber es ist besonders spannend sich auf das Unerwartete einzulassen. Wir wissen, welche Crowdfunding Projekte wir bald in der Hand haben werden, und freuen uns, diese schon bald der breiten Öffentlichkeit präsentieren zu dürfen.

Weitere Game Science Center sind durchaus denkbar, aber momentan (noch) nicht in der Planung. Wir konzentrieren uns voll und ganz auf das Game Science Center in Berlin und möchten den Besuchern ein unvergessliches Erlebnis bieten. Vom 8. Dezember 2014 bis 8. Januar 2015 findet beispielsweise eine Sonderausstellung zum Thema "Alternative Controls" statt. Dort werden wir u.a. exklusiv die besten Projekte der diesjährigen "Alt Ctrl Game Jam" zeigen, bei der zahlreiche Entwickler aus aller Welt eigene Spiele programmiert und die dazugehörigen Steuergeräte selbst gebaut haben.

Gibt es Tipps, die Sie anderen Gründern mit auf den Weg geben können?

Was wir Gründern sagen können ist, dass es essenziell ist zu wissen, was genau der Kern ihrer Vision ist und den zuerst und mit der meisten Sorgfalt umzusetzen. Wir haben selbst lange daran gearbeitet und konnten so einige Ideen als Add-ons, also nicht zum Kern unserer Vision gehörend, identifizieren und erst einmal zurückstellen, um das Wichtigste, den Aufbau unseres Zukunftsmuseums, umzusetzen.


Das Interview führte Fabian Otto

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