Gründer der Woche: Green City Solutions – Innovationen für grünere Städte

Gründer der Woche, KW 06


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Vier junge sächsische Gründer sind angetreten, um unsere Städte grüner zu machen und letztlich die Lebensqualität der Großstädter zu verbessern. Über die Vision der Gründer und deren erstes Produkt – den CityTree – sprachen wir mit Peter Sänger.

Peter Sänger
Peter Sänger, Co-Gründer Green City Solutions


Woher stammt Ihre Idee für Green City Solutions?

Es sind hauptsächlich eigene Erfahrungen, die uns dazu bewogen haben, Green City Solutions ins Leben zu rufen. Auf Reisen in Asien und Südeuropa im Sommer spürten wir die Probleme verdreckter Luft und massiver Aufheizung in Metropolregionen. Auffällig war, dass es sich umso unerträglicher anfühlte, je weiter Grünflächen entfernt waren. In Madrid und Paris spürte man im Vorbeigehen an begrünten Fassaden, wie diese Flächen Abhilfe hierfür schaffen können. Deshalb kreieren wir Grünflächen, die überall platzierbar sind.

Was ist Ihre Vision?

Gemeinsam entwickeln und vertreiben wir innovative Lösungen, um Städte lebenswerter zu machen. Der CityTree ist die erste vertikale, ökologisch-aktive Kommunikationsfläche. Damit verbindet unser junges Start-up Nachhaltigkeit und Wirtschaftlichkeit.

Wo und wann haben Sie gegründet?

Die Gründung der Green City Solutions GmbH & Co. KG erfolgte am 25. März 2014 in Dippoldiswalde bei Dresden.

Woher kennen Sie Ihre Mitgründer?

Meine späteren Mitgründer besuchten mich auf Geheiß meines Professors an der Fakultät, um zu testen, ob man mit Pflanzen einen QR-Code lesbar machen kann. Nach Abschluss der gemeinsamen Arbeit blieben wir weiterhin in Kontakt, bis wir uns dazu entschlossen, einen Businessplan zu verfassen – seither arbeiten wir in einem Team. Zwei Gründer kennen sich bereits aus Kindheitstagen, der dritte Gründer stammt aus dem Studienfreundeskreis.

Ihre Innovation ist der CityTree. Was ist er und was kann er?

Unser erstes Produkt, der CityTree, ist eine flächige Vertikalbegrünung mit multifunktionaler Marketingwirkung und innovativer Sensor- und Fernwartetechnik. Damit verbinden wir den ökologischen Einfluss mit einem ökonomischen Anreiz. Eine eigene Solaranlage, ein Wassertank und die freistehende Konstruktion ohne Bodenverankerung – der CityTree ist vollkommen unabhängig aufstellbar. Dies ermöglicht eine Platzierung an nahezu jedem Ort.

Das ist der CityTree


Wer ist Ihre Zielgruppe?

Unsere Adressaten sind zum einen städtische Vertreter, welche den Stadtraum verschönern wollen oder einen Beitrag zur Luftreinhaltung leisten müssen. Zum anderen gehen wir auf Firmen zu, die ihrer nachhaltigen Unternehmensführung Ausdruck verleihen wollen und den CityTree als authentisches Werbemittel nutzen.

Wie haben Sie den Prototypen für Ihren CityTree entwickelt? Was waren die größten Herausforderungen?

Der Prototyp entstand zunächst als 3D-Modell am Computer. Nach und nach setzten wir unsere einzelnen Entwicklungsabteile zusammen und erhielten so zum ersten Mal eine Vorstellung von der Realgestalt des CityTrees. Binnen zwei Wochen mussten wir dann aus der Animation ein physisches Produkt erstellen, da wir die einmalige Chance bekamen, den Prototyp kostenlos auf der Hannover Messe auszustellen. Das Resultat: kein Schlaf, maximaler Stress und Zittern bis zur letzten Minute, ob alles rechtzeitig fertig werden würde. Völlig erschöpft - aber stolz -, konnten wir zur Eröffnung der Messe unser Produkt vorstellen. Beraten ließen wir uns vor allem von Statikern und Konstrukteuren, um die Aufstellsicherheit zu gewährleisten. Alle weiteren benötigten Informationen stammen aus unserem eigenen Gedankengut.

Welche verschiedenen Formen kann der CityTree haben und welche Pflanzen stehen zur Auswahl?

Zuerst haben wir eine fest im Boden verankerte Variante entwickelt, viele Kundengespräche zeigten jedoch den Bedarf an Mobilität. Im Moment gibt es den CityTree deshalb als mobile Variante, da diese eine Vielfalt an Einsatzmöglichkeiten eröffnet. Derzeit entwickeln wir außerdem eine kleinere Indoor-Version des CityTrees, bspw. für Büroräume. Unsere Pflanzendatenbank wächst stetig mit unseren Freiversuchen, derzeit können wir aber bereits verschiedene Stauden, Steingartenpflanzen, Gemüse, Beet- und Balkonpflanzen anbieten.

Woher stammen die Pflanzen? Haben Sie Kooperationen mit Gärtnern?

Wir nutzen Jungpflanzen, welche wir von deutschen Herstellern je nach Art der Pflanzen beziehen. Dazu nutzen wir Kooperationen mit verschiedenen Produzenten, die innerhalb von drei Tagen die Pflanzen liefern können.Wer übernimmt die Pflege und Wartung der Grünanlage?Antwort:Die Pflege und die Wartung sind darauf ausgelegt, sehr kosteneffizient zu funktionieren. Wir kooperieren mit Gärtnereien, Landschaftsbauunternehmen und Hausmeisterdiensten, die bereits mittels einer einmaligen Einweisung fähig sind, die Arbeiten zu übernehmen. Die Einfachheit ermöglicht es uns, Partner direkt am Ort der Leistungserstellung zu finden. Dies spart Transportwege.

Gibt es ähnliche Produkte auf dem Markt?

Natürlich existieren vertikale Begrünungen und Werbetafeln. Die Kombination beider Produkte ist jedoch schwierig und daher nur äußerst selten erfolgreich umgesetzt. Zudem sind solche Projekte nicht dafür ausgelegt, eine langfristige Umweltleistung zu erbringen. Unsere Patente für Neukonstruktionen, Design und Kultivierungsverfahren  zeigen den Fortschritt gegenüber bestehenden Lösungen.

Gibt es Pilotprojekte? Und wann ist der Serienstart geplant?

Mit unserem Prototyp, der an einer vielbefahrenen Straße in Dresden aufgebaut ist, konnten wir bereits sehr viel Erfahrung im Umgang mit den verwendeten Pflanzen sammeln. In der Winterperiode werden Gewächshausversuche angelegt, die das Potenzial der Luftreinigung validieren werden. Den Serienstart bereiten wir für den Vegetationsbeginn im April 2015 vor. Wir stehen mit Städten in Kontakt, die den Einsatz von mehreren CityTrees zur Behebung von Luftverschmutzung in Straßenschluchten planen.

Wie finanzieren Sie Ihr junges Start-up?

Bis Oktober 2014 finanzierten wir uns vollständig aus unseren Eigenmitteln. Dann erhielten wir die Zusage eines Bankkredits, der uns bis zum Markteintritt finanzieren wird. Mit dem Verkauf unserer ersten Anlage im Dezember 2014 konnten wir erstmals eigene Rückflüsse generieren und damit die Produktion weiterer CityTrees finanzieren. Dies wahrt uns die vollständige Unabhängigkeit und selbstbestimmte Unternehmensführung.

Sie haben bereits viele Preise und Auszeichnungen erhalten. Gibt es einen, auf den Sie besonders stolz sind?

Jede Auszeichnung bestärkt uns in unserer täglichen Arbeit. Unser größtes Highlight könnte sich in Kürze anbahnen, da wir in zwei Kategorien unter den TopTen für die GreenTecAwards nominiert sind. Zur Preisverleihung Ende Mai in Berlin werden wir einen CityTree auf dem Grünen Teppich präsentieren.

Auszeichnungen sind zugleich dankbare PR. Welche Kanäle nutzen Sie, um auf sich aufmerksam zu machen?

Natürlich läuft nichts ohne Social Media, sodass wir auf Facebook, Twitter, LinkedIn sowie Xing präsent sind und auf unserer Homepage einen Blog betreiben. Zudem geht unsere neue Internetseite zum Jahreswechsel online und dient uns als Kommunikationsbasis mit Presse und Interessenten. Im Rahmen der Umweltwirkung halten wir Vorträge auf Konferenzen und verweisen mit Flyern und Produktdatenblättern auf unsere Tätigkeit.

Haben Sie bereits weitere „Green-City-Solutions“ in Planung?

Der CityTree dient uns als erster Baustein in einer Klimainfrastruktur, die aus unterschiedlichsten Produkten besteht. So werden Weiterentwicklungen und Abwandlungen des CityTrees eine höhere Umweltleistung aufweisen, andere Stoffe filtern, Nahrungsmittel oder Energie erzeugen. Zudem streben wir nach Kombinationen bereits vorhandener Infrastrukturen, sodass Fahrkarten- oder Parkscheinautomaten genauso wie Paketstationen in Produkte von Green City Solutions implementiert werden können.

Welche Tipps können Sie anderen Gründern geben?

So lange das Gründerteam zusammenhält und ein gemeinsames Ziel verfolgt, können selbst die größten Krisen überstanden werden. Und nur Mut: Wer sein Produkt vollkommen ohne Scham verkauft, der hat schon zu lange gewartet.

Das Interview führte Anna Gabler

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