Der Monopolist

Autor: Hans Luthardt
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Wie André Schwämmlein und seine beiden Co-Gründer in rasanter Fahrt den deutschen Fernbusmarkt erobert haben und – nach der Postbus-Übernahme – als Europas größter Fernbusanbieter die Konkurrenz ausbremsen.

Flixbus-Chef André Schwämmlein Foto: Flixbus

Nach Dropbox, Spotify und Airbnb steht in dieser Coverstory kein weiteres US-amerikanisches Silicon-Valley-Start-up mit millionenschweren Gründern und Milliarden-Umsätzen im Fokus. Wir erzählen die Erfolgsstory eines jungen deutschen Start-ups, das im wahrsten Sinne des Wortes bahnbrechend ist. Wir erzählen die Story von André Schwämmlein und seinen Co-Gründern Jochen Engert und Daniel Krauss, die hierzulande mitgeholfen haben, ein Monopol zum Einsturz zu bringen, einen Markt völlig neu zu erschaffen und sich darin als Impulsgeber und Innovationstreiber gegen mächtige Konkurrenz zur Nr. 1 hochzuarbeiten.

Kurzum: Lesen Sie die rasante Erfolgsstory von Flixbus, dem jungen Tech- und E-Commerce-Start-up, das in Sachen Mobilität Maßstäbe setzt.

Der Kampf ums Bahn-Monopol

Wenn Sie an Flixbus denken, fallen Ihnen bestimmt die grünen Reisebusse ein, die heute zum Erscheinungsbild größerer Städte schlichtweg dazugehören bzw. als mobile Dauergäste auf unseren Autobahnen nicht mehr wegzudenken sind. Rund 700 Flixbusse sind allein deutschlandweit unterwegs, europaweit sind es über 1000 Fahrzeuge. 2016 werden ca. 30 Millionen Kunden die grünen Fernbusse nutzen, Flixbus befördert aktuell mehr Reisende als der innerdeutsche Luftverkehr. Diese Zahlen sind umso beachtlicher, weil die Flixbusse nicht die einzigen Fernbusse auf unseren Straßen sind, und weil das Fernbusbusiness hierzulande ein noch sehr junges Phänomen ist.

Alles beginnt im März 2009, als drei junge Studenten – Alexander Kuhr, Christian Janisch und Ingo Mayr-Knoch – während ihres Auslandssemesters günstige Fernbusse nutzen, die im Linienverkehr Städte miteinander verbinden. Zurück in Deutschland stellen sie fest, dass es diese Alternative zur Bahn hier gar nicht gibt. Der Grund ist schnell recherchiert: ein gesetzlich verbrieftes Monopol der Deutschen Bahn. Die dazugehörige Gesetzeslage – sie basiert auf dem Personenbeförderungsgesetz des Jahres 1934 – untersagt den Fernbuslinienverkehr in Deutschland weitestgehend, um die staatliche Bahn bzw. deren Bahn- und Busverbindungen vor Konkurrenz zu schützen.

Angestachelt von dem Gedanken, dass Fernbusse auch in Deutschland fahren sollten, machen sich die Studenten auf die Suche nach einer Lösung. Sie wälzen die Gesetzestexte und finden darin eine juristische Lücke: Wenn sich eine Gruppe einen Bus mietet, kann sie darin fahren, wohin sie will. Es handelt sich dann nicht mehr um den vom Staatsmonopol restriktiv geregelten Linienverkehr, sondern um sogenannten Gelegenheitsverkehr. Und dieser Gelegenheitsverkehr unterliegt weit weniger Beschränkungen als fest installierte Buslinien. „Freiheit für Fernbusse“ fordern die jungen Revoluzzer, gründen ihre Busmitfahrzentrale (heute Deinbus) und starten mit einem innovativen Mietomnibus-Konzept: Als Mitfahrer kann man sich online einen Reisebus für seine Wunschverbindung reservieren. Die Fahrt wird dann über das Portal sowie über Facebook und Twitter bekanntgemacht, sodass sich andere Interessenten anschließen können – ähnlich einer Mitfahrgelegenheit.

Solchermaßen angegriffen verklagt die Deutsche Bahn kurzerhand das Start-up, versucht mit den Mitteln des übermächtigen Staatskonzerns das „Treiben“ der Gründer zu verbieten. Dies weckt das öffentliche Interesse und führt in den Medien sowie in der Politik zu heftigen Diskussionen um die Notwendigkeit der Liberalisierung eines offensichtlich antiquierten Gesetzes.

André Schwämmlein und seine Co-Gründer Daniel Krauss und Jochen Engert Foto: Flixbus


Once-in-a-lifetime-Chance

In dieser frühen Phase der juristisch-politischen Auseinandersetzung treten auch drei junge Männer in München in Aktion. Zwei von ihnen, André Schwämmlein – Diplom-Wirtschaftsingenieur und bekennender Fahrrad-statt-Auto-Fahrer – und der Wirtschaftsinformatiker Daniel Krauss, kennen sich schon seit der Schulzeit. Während des Studiums versuchen sich beide bereits als IT-Start-up-Gründer. Nach dem Studium arbeitet Daniel bei Microsoft und Siemens, André als Strategie-berater bei der Boston Consulting Group in München. Hier lernt er den BWLer Jochen Engert kennen, der schon während seiner Schulzeit und seines Studiums Ski-Busreisen organisiert hat.

Als Fan alternativer Mobilitätskonzepte verfolgt André natürlich auch den laufenden Streit „Bahn versus Fernbus“ und diskutiert mit seinen beiden Freunden die unternehmerischen Möglichkeiten, die ein liberalisierter Markt bieten könnte. „Dabei bemerkten wir die Passage zur Öffnung des Fernbusmarktes im Koalitionsvertrag des Jahres 2009“, so André. „Uns war direkt klar, dass dies eine Once-in-a-lifetime-Chance für uns drei sein kann. Wir haben schnell gemerkt, dass wir zusammen etwas wirklich Erfolgreiches auf die Beine stellen können.“ Jochen fügt hinzu: „Das war für uns die einmalige Chance, einen völlig neuen Markt aufzubauen.“ Das passende Thema ist also gefunden. Doch was wird aus dem Bahn-Monopol?

 

Dies ist ein Auszug aus einem aktuellen Artikel unseres Print-Objekts StartingUp: Den vollständigen Artikel lesen Sie in der aktuellen StartingUp - Heft 03/16 - ab dem 25. August 2016 im Handel oder jederzeit online bestellbar - auch als epaper - in unserem Bestellservice-Bereich

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