Gründen in Hong Kong

Autor: Hendrik Mühler
44 likes

Empfehlenswert für Start-ups, die in Asien gründen wollen, ist Hong Kong: die Amtssprache ist Englisch, das britisch-liberale Rechtssystem ist vertraglich bis mindestens 2047 garantiert und der Markt ist riesig. Wichtig vor dem unternehmerischen Schritt nach Fernost ist es unter anderem, die passende Rechtsform für das neue Business zu finden. Wir geben Hilfestellung.

Wer mit seinem Start-up in Asien erfolgreich werden möchte hat riesige Chancen, aber auch manche Hürden zu nehmen. Auf der einen Seite steht ein verheißungsvoller Markt: Milliarden Menschen, 60 % der Weltbevölkerung, ein kaufkräftiges, innovationsfreudiges und junges Kundenpotenzial.

Auf der anderen Seite stehen über 40 Nationalstaaten ohne gemeinsamen Binnenmarkt, zahllose Sprachen und Dialekte und eine kaum überschaubare Zahl von formellen und informellen Regeln und Gesetzen, die eine Investition ganz schnell ins Leere laufen lassen können.

Standort Hong Kong für Einsteiger

Wählen Sie einen strategisch sinnvollen Standort für Ihr Start-up aus. Er sollte international sowie regional gut zu erreichen sein und eine funktionierende Infrastruktur besitzen. Wichtig ist außerdem das Potenzial qualifizierter Arbeitskräfte und das des lokalen Marktes. Empfehlenswert für Newcomer in Asien ist Hong Kong: die Amtssprache ist Englisch, das britisch-liberale Rechtssystem ist vertraglich bis mindestens 2047 garantiert. Als Sonderverwaltungszone Chinas verfügt Hong Kong über eine freie Marktwirtschaft, eigene Gesetze, Zölle sowie eine eigene Währung.

Süd-China mit seinen großen Produktionsstandorten und einem riesigen Markt grenzt direkt an Hong Kong. In vier Flugstunden erreichen Sie von Hong Kong aus nahezu alle anderen wichtigen asiatischen Märkte, was für eine spätere Expansion Ihres Start-ups von Bedeutung sein kann.

Zudem ist Hong Kong sehr Start-up-freundlich: es gibt eine Reihe von Unterstützungsprogrammen wie Brinc IoT, FinTech Innovation Lab by Accenture, Infiniti Accelerator, DBS Accelerator, AIA Accelerator, SuperCharger und viele mehr. Auch die Hongkonger Behörden schätzen es beispielsweise bei der Visa-Vergabe, wenn Ihr Start-up mit solch etablierten Strukturen zusammenarbeitet.

Gute Berater sind ein Muss

Lassen sie sich von qualifizierten Experten beraten. Nehmen sie nicht die billigsten, sondern die erfahrensten Berater, denn Erfahrung zahlt sich aus. Sie benötigen juristischen Beistand in Bezug auf das Niederlassungsrecht, Firmenrecht, Handelsrecht, Vertragsrecht, Arbeitsrecht sowie ökonomische Expertise für Infrastruktur, Arbeitskräftepotenzial, Marktstruktur- und Potenzial und sicher auch manch soziale Unterstützung für die richtigen Kontakte, Verhaltenstipps, lokale Empfehlungen etc. – Hong Kong ist ein aufgeschlossenes Pflaster für Networking!

Kapital und Haftung – welche Gesellschaftsform passt zum Start-up?

Hong Kong Limited Company

Die Hong Kong Limited Company ist die verbreitetste Geschäftsform in Hong Kong. Sie wird von einem oder mehreren Gesellschaftern gegründet. Gehaftet wird nur mit dem Geschäftskapital, für das es keine Mindesthöhe gibt. Ein „Company Secretary“ sorgt dafür, dass Ihr Start-up die Regeln der „Hong Kong Companies Ordience“ einhält. Er hält Ihre Geschäftsunterlagen aktuell und zeigt eventuelle Änderungen an.
Hong Kong Limited Companies veröffentlichen keine Jahresabschlüsse. Für andere einsehbar sind lediglich Ihre Gründungsdokumente, die Annual Returns und Änderungsdokumente der Articles of Association. Bei einem Joint Venture wird eine Hong Kong Limited Company gegründet, die den Vertragsparteien anteilig gehört.

Zweigniederlassung

Sie können auch eine Zweigniederlassung in Kong Kong gründen, wenn Sie bereits ein Unternehmen besitzen. Da eine Zweigniederlassung rechtlich nicht selbstständig ist, besteht allerdings die Gefahr, dass die Muttergesellschaft sowohl in Hong Kong als auch im Heimatland haftbar gemacht werden kann.

Representative Office

Ein Representative Office ist bei Geschäften eingeschränkt, denn es darf keine Gewinne erwirtschaften. Das Tätigkeitsfeld ist auf Marktforschung, Marketing und erste Kontakte beschränkt, Voraussetzung ist eine ausländische Muttergesellschaft.

Sole Proprietorship

Eine Sole Proprietorship ist keine juristische Person und trennt nicht zwischen Gründer und Gesellschaft. Der Gründer haftet persönlich mit seinem Privatvermögen.

Partnerships

Partnerships gibt es als „General Partnerships“ und „Limited Partnerships”: Bei General Partnerships haften alle Gesellschafter persönlich. Bei Limited Partnerships führt ein General Partner die Geschäfte. Die Limited Partner haften nur mit ihrer Geschäftseinlage und sind von der Geschäftsführung ausgeschlossen.

GmbH & Co. KG

Auch eine GmbH & Co. KG ist möglich: eine Hong Kong Limited Company wird als General Partner eingesetzt, um die Haftung zu begrenzen. Weitere Limited Partner sind als Investoren möglich. Bei einem Joint Venture wird, wie bereits erwähnt, eine Hong Kong Limited Company gegründet, die den Vertragsparteien anteilig gehört.

Welches ist das richtige Visum?

Die durchschnittliche Arbeitswoche in Hong Kong beträgt etwa 50 Stunden, meist gelten 14 Tage als Jahresurlaub. Als Arbeitgeber müssen Sie sich weder um die Besteuerung der Gehälter kümmern, noch in eine Krankenversicherung für Ihre Beschäftigten einzahlen. Im Augenblick beträgt der Mindestlohn in Hong Kong 32,50 HK$ pro Stunde, etwa vier Euro. Als Arbeitgeber müssen Sie lediglich in das Rentensystem für Ihre Arbeitnehmer einzahlen.

Working Visa

Angestellte Mitarbeiter aus dem Ausland müssen ein Arbeitsvisum beantragen. Vom Beschäftigten wird oft ein Hochschulabschluss gefordert, in begründeten Einzelfällen genügt auch eine Ausbildung mit Berufserfahrung. Als Arbeitgeber müssen Sie vorweisen, dass Sie den Arbeitnehmer längerfristig bezahlen können und erläutern, warum diese Stelle nicht mit einer lokalen Arbeitskraft besetzt werden konnte.

Unternehmer-Visum

Für ein Unternehmer-Visum müssen Sie direkt in ein Unternehmen in Hong Kong investieren. Obwohl Sie Ihr Investitions- und Ihr privates Kapital offenlegen müssen, gibt es keine Mindesthöhe für Ihr Investment oder Ihre privaten Reserven.

Steuern in Hong Kong

Gewinne aus Personengesellschaften werden wie Privateinkommen mit 15 % besteuert. Hong Kong Limited Companies müssen Ihre Gewinne entweder gar nicht, zum Teil oder mit 16,5 % versteuern. Dies hängt nach dem Territorial-Prinzip davon ab, welcher Anteil Ihrer Gewinne wirklich mit Hong-Kong-Bezug erwirtschaftet wurde. In Hong Kong gibt es weder eine Besteuerung von Aktienverkäufen noch von Zinseinkünften. Weder Umsatzsteuer noch Mehrwertsteuer werden erhoben. Es existiert keine Devisenkontrolle und es werden keine Zölle veranschlagt.

Deutsche Steuern für Hong Kong Investment

Zwischen Deutschland und Hong Kong besteht noch kein Doppelbesteuerungsabkommen, entsprechende Verhandlungen stehen aber vor dem Abschluss. Deshalb ist es möglich, dass Sie für Ihr Start-up in Hong Kong, aber auch in Deutschland Steuern zahlen müssen. Es geht bei diesem schwierig zu navigierenden Thema um Fragen des Außensteuergesetzes (AStG) sowie eventuell der Funktionsverlagerungsverordnung (FVerlV).

Viele Start-ups können fiskalisch als „Zwischengesellschaft“ angesehen werden, dann können Gewinne aus dem Ausland in Deutschland steuerpflichtig werden. Dies ist jedoch abhängig von verschiedensten Faktoren und sollte bereits in der Gründungsphase mit erfahrenen Beratern thematisiert werden, so dass potenzielle Probleme von Anfang an bekannt sind und effektive Lösungsmöglichkeiten gefunden werden können.

Der Autor Hendrik Mühler ist Geschäftsführer der MuehlerMcKay Limited, die Unternehmensberatung, Rechtsberatung & Steuerberatung zum Thema Hong Kong bietet.

Diese Artikel könnten Sie auch interessieren: