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Beratung und Finanzspritze

Aber um solche Fragen zu klären, gebe es ja Anlaufstellen wie beispielsweise die Handels- und Handwerkskammern. Diese stellen jungen Unternehmern – oft kostenlos – wichtige Informationen zur Verfügung, beraten und unterstützen sie. Auch Mydays erhielt in München von der zuständigen IHK Hilfestellung in Form eines erfahrenen Coachs, der bei der Ausarbeitung der Internationalisierungsstrategie wichtige Impulse setzte, weil er auf die individuellen Belange des Unternehmens einging. So sensibilisierte der Berater die Mydays-Macher beispielsweise dafür, für die Einhaltung der landesüblichen Sicherheitsvorschriften Sorge zu tragen. Schließlich vermarktet das Unternehmen Erlebnisse wie ein Dinner in luftiger Höhe oder einen Flug mit einer MIG. Zum Gelingen beigetragen habe aber nicht nur der Berater, so Schmidt, sondern auch die finanzielle Unterstützung, die im Rahmen des Programms „Go International“ obligatorisch ist. Mit den Fördergeldern konnte das Unternehmen einen Teil der Marketingaktivitäten und der Übersetzungskosten finanzieren.

Monetäre Hilfen, gerade für junge Unternehmer mit Auslandsambitionen, sind nicht zu unterschätzen. Denn selbst wenn man die Kosten so gering wie möglich hält: „Man muss immer erst einmal Geld in die Hand nehmen“, sagt Gößl. „Und dann dauert es Jahre, bis man den ersten Euro verdient“. Innerhalb Europas gehe man von ein bis zwei Jahren aus, bei Auslandsengagements in Asien oder Südamerika könne es sogar fünf Jahre dauern, bis sich der Schritt in barer Münze auszahlt. „Wem zwischendurch die Puste – oder besser: die Liquidität ausgeht, hat ein Problem“, sagt Gößl. Die Sicherung der Liquidität müsse daher für jeden Unternehmer mit Wachstumsambitionen im Vordergrund stehen. Seine Parole daher: „Nichts überstürzen!“

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Der Faktor Zeit

Eine Faustregel, in welchem Tempo die Ausdehnung auf mehrere Auslandsmärkte erfolgen sollte und ob man „nur“ exportiert oder irgendwann ein Joint Venture oder eine eigene Niederlassung im Ausland aufbaut, gibt es trotzdem nicht. Fabrice Schmidt musste beispielsweise erkennen, dass die Erschließung von fünf Ländern innerhalb eines Jahres mehr als genug ist. Den ebenfalls für 2008 geplanten Eintritt in die Schweiz als Land Nummer sechs hatte der Geschäftsführer des 2003 gegründeten Unternehmens Mydays deshalb zunächst abgesagt. „Wir konzentrieren uns erst einmal darauf, in Spanien, Italien, Frankreich, Österreich und den Niederlanden Geld zu verdienen“, erklärte Schmidt damals seine Entscheidung. „Erst danach nehmen wir weitere Märkte in Angriff.“

Anfang der zweiten Jahreshälfte 2010 ist es nun soweit und Mydays in der Schweiz präsent. Cosnova dagegen verweist im Jahr neun nach Firmengründung stolz auf die 30 Länder umfassende Exportliste und die eigene  Niederlassung in den USA. Allerdings gibt Schönegger zu, dass die Umsätze in manchen Absatzmärkten (noch) recht gering sind. Diese Märkte guckt sich Cosnova jetzt noch einmal genauer an – vor allem im Hinblick auf die Produktpalette. In Zukunft aber wollen die Firmenchefs stärker berücksichtigen, dass man in Russland oder Dubai möglicherweise andere Farben bevorzugt als in Deutschland oder Holland. „Es ist eine Lernkurve“, sagt Schönegger.

Wenn Schwergewichte einen herben Flop landen,
ist das lediglich peinlich. Einem jungen Unternehmen kann
ein dicker Patzer das Genick brechen.

Aus Fehlern der Großen lernen

So lange man das Gelernte umsetzt, wird es das Unternehmen nach vorne bringen. Problematisch wird es nur, wenn allzu große Fehler den Firmenchef zum Lernen zwingen. Das muss man sich nämlich erst einmal leisten können. Zugegeben: Procter & Gamble musste nicht Konkurs anmelden, als der Konzern vor vielen Jahren versuchte, seine Pampers in Japan zu verkaufen, aber nicht bedacht hatte, dass die Hüften der japanischen Babys viel schmaler sind als die der amerikanischen. Folglich rutschte den Kleinkindern die Windel vom Po. Auch Coca-Cola wurde nicht in den Ruin getrieben, als das Unternehmen die Zwei-Liter-Flasche in Spanien einführen wollte und nicht recherchiert hatte, dass die Getränkefächer der Kühlschränke dafür zu klein waren. Nur: Wenn Schwergewichte einen herben Flop landen, ist das lediglich peinlich. Einem jungen Unternehmen kann ein dicker Patzer das Genick brechen.


Den vollständigen Artikel lesen Sie in der Ausgabe 02/2010

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