Erhöhung des Mindestlohns seit 01. Januar 2017

Autor: Frank Schneider
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Das sollten Sie als Arbeitgeber wissen und beachten.

Um das Existenzminimum der arbeitenden Bevölkerung zu sichern, beschloss die Regierung, einen Mindestlohn von 8,50 Euro einzuführen. Um eine regelmäßige Angleichung des Gehaltes zu gewährleisten, wurde ein Turnus von zwei Jahren festgelegt, in dem die Mindestlohnkommission die Lohnuntergrenze neu berechnet.

Dies ist im Juni 2016 geschehen, als diese Kommission die Grenze um 0,34 Cent auf 8,84 Euro anhob. Die Erhöhung trat zum 01. Januar 2017 in Kraft. Seitdem gilt: Die Lohnuntergrenze liegt bei 8,84 Euro pro Stunde. Wir zeigen im Kompakt-Überblick, was die Änderung für Sie als Arbeitgeber bedeutet.

Ausnahmen beim Mindestlohn

Nach der Erhöhung des Mindestlohns bestehen auch weiterhin Ausnahmen. Dazu zählen:

  • Langzeitarbeitslose (die ersten sechs Monate des Beschäftigungsverhältnisses besteht kein Anspruch auf den Mindestlohn)
  • Praktikanten (bei studienbegleitenden oder freiwilligen Praktika unter drei Monaten)
  • Auszubildende (während der Ausbildungsphase)
  • Jugendliche unter 18 (keine Berufsausbildung)
  • Ehrenamtliche

Eine weitere Problematik besteht darin, dass viele tarifvertraglich gebundene Arbeitnehmer seit dem 01. Januar 2017 zunächst weiterhin 8,50 Euro Stundenlohn erhalten. Erst ab Januar 2018 tritt der flächendeckende Mindestlohn von 8,84 Euro in diesen Berufsgruppen in Kraft. Ab diesem Zeitpunkt soll es keinerlei Ausnahmen mehr geben.

Mindestlohns bei Minijobbern

Das Problem bei sog. Minijobbern besteht darin, dass die Grenze von 450 Euro durch die Erhöhung des Mindestlohns schneller erreicht wird. Das bedeutet, dass es zwar mehr Lohn gibt, dafür aber weniger Stunden gearbeitet werden können. Dies stellt zum einen die Arbeitgeber vor ein Problem, weil sie theoretisch mehr Angestellte zur Bewältigung der Arbeit bräuchten, und zum anderen die Arbeitnehmer, weil sie Gefahr laufen, die Grenze unbewusst zu überschreiten und damit den sozialversicherungspflichtigen Status zu erreichen. Dies führte zu einer strikteren Zeitbeschränkung für Minijobber und zu einer erhöhten Bürokratisierung für Arbeitgeber.

Erhöhter bürokratischer Aufwand

Das Beispiel des Minijobbers zeigt deutlich, dass der Grundgedanke der Entbürokratisierung für den deutschen Mittelstand nicht gänzlich umgesetzt werden konnte. Arbeitgeber müssen nun erneut ihre Buchhaltung anpassen. Dies ist zwar mit einem erhöhten Aufwand verbunden; wer eine Buchhaltungssoftware (bspw. von Lexware oder Zero) einsetzt, kann bereits vorhandene Vorlagen nutzen, um die Lohnveränderungen im System anzupassen. Dadurch kann der Buchhalter schneller die neu entstandenen Kosten kalkulieren und den Verwaltungsaufwand verringern.


Der Autor
, Dipl.-Betriebswirt (FH) Frank Schneider, hat sich als Berater und Autor auf die Bereiche Marketing, Personal und Controlling sowie Rechnungswesen spezialisiert.