Kolumne Gründeralltag: Namenssuche – Segen oder Fluch?

Teil 1

Autor: Maybritt Reumann
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Maybritt Reumann ist 27 und Gründerin von calistam - ein versandkostenfreier Marktplatz mit Produkten von Gründern und Jungunternehmern. Viele Produkte sind handgefertigt und nachhaltig produziert. In dieser Kolumne schreibt sie über die Gedanken und Herausforderungen, denen Sie im ganz normalen Gründeralltag ausgesetzt ist.

Wer ein Unternehmen gründen möchte, freut sich gerade am Anfang sehr darauf einen Namen für das Unternehmen festlegen zu können. Genauso ging es mir auch. Ein eigenes Wort entwickeln, das später möglichst von vielen im täglichen Leben genutzt wird. Wir fingen damit an uns andere Firmennamen genau anzusehen und überlegten, was für uns persönlich die besten Namen sind und was diese auszeichnet. Wir schrieben alle Namen zusammen, die uns besonders gut gefielen und recherchierten, wie diese entstanden waren. Bei großen Unternehmen ist dies meist direkt auf der Homepage beschrieben oder wir haben im Internet einen Artikel gefunden, der sich genau damit beschäftigt hat. Uns fiel auf, dass besonders Firmennamen mit fünf bis maximal zehn Buchstaben uns sehr zusagten und wir auch Firmennamen bestehend aus nur einem Wort bevorzugten. Außerdem waren sie leicht auszusprechen und klangen zwar in den unterschiedlichen Sprachen anders, aber es gab keine Probleme bei der Aussprache.  

Wie sollten wir aber weiter vorgehen bei der Namenssuche für unser Unternehmen? Zuerst schrieben wir noch einmal unser Konzept für das Unternehmen grob auf, was waren also Schlagworte, die wir sofort mit unserer Firma verbanden? Erst taten wir uns sehr schwer damit, aber je mehr wir nachdachten, umso mehr Worte wurden es.

1. Mindmap ist hilfreich

Wir hatten uns die Schlagworte aufgeschrieben, die unser Unternehmen beschrieb, doch nun mussten wir einen Schritt weiter gehen und aus diesen Schlagworten einen eigenen Namen entwickeln. Wir fingen an, aufkommende Ideen in einem Mindmap zusammenzufassen, so entstand auch schnell mal aus zwei unterschiedlichen Vorschlägen ein ganz neuer Vorschlag. Wir stellten fest, dass uns besonders Wortzusammensetzungen gefielen, so brauchten wir uns nicht für ein Wort entscheiden. Der Name war etwas völlig Neues und trotzdem gab es eine Bedeutung.  

Wenn wir merkten, uns fiel nichts mehr ein oder wir wollten die Worte auf uns wirken lassen, legten wir das Mindmap zur Seite und widmeten uns anderen Themen. Das Interessante, war gerade als wir uns nicht mit dem Namen beschäftigten, dass uns immer wieder neue Ideen kamen. Ich schrieb diese gleich im Handy auf, denn ich wollte sie nicht vergessen. Immer wieder wurden auch Vorschläge gestrichen, wenn der Vorschlag zwar auf dem Mindmap stand, aber keiner von uns beiden mehr so richtig wusste, wie es ausgesprochen werden sollte oder was es eigentlich bedeutet. Dann hatten wir das beste Indiz dafür, dieser Name ist nicht der richtige für unser Unternehmen. 

2. Domain vorab prüfen

Ein wichtiger Tipp half uns dabei, nicht zu viel Energie in manche Namen zu stecken, denn wenn uns ein potentieller Name gefiel, dann googelten wir ihn. So konnten wir schnell feststellen, ob es diesen Namen schon in einer anderen Firma gibt. Wir prüften auch, ob er in einer anderen Sprache etwas bedeutet, was am Ende nicht so schön wäre. Mit diesem Verfahren schieden immer wieder viele Namen aus und wir waren überrascht, was für Namen alle schon vergeben waren. Ich muss gestehen, dieser Teil der Namenssuche war am nervigsten. Die Berichte anderer Gründer über die Suche ihres Firmennamens klangen so einfach, so als ob die Idee des Namens gleich klar war. Keine Probleme, alles total leicht und der perfekte Firmenname war geboren. So ist es nicht, zumindest nicht bei uns. Wir haben viele Ideen für Firmennamen auf dem Weg zu unserem gehabt, dachten „aber das ist jetzt der Name“ und wurden dann sehr überrascht, wenn wir feststellen mussten, das dieser bereits vergeben oder nur die Domain schon geschützt war, warum auch immer. Denn auch das war ein wichtiger Punkt, ob die Domain noch frei ist. Der tollste Name hilft dir nicht weiter, wenn die passende Domain schon geschützt ist.  

Was wir dabei nicht gemacht haben, einen Blick in die sozialen Netzwerke zu werfen, denn hier mussten wir später feststellen, das unser Name in den sozialen Netzwerken wie facebook, twitter und google+ teilweise schon vergeben war. So sind wir in den letzten Wochen deshalb kreativ geworden und haben hinter unseren Namen „de“ oder „.de“ geschrieben, so hatten wir wenigstens einen Account und dieser ist auch gleichzeitig dann unsere Internetseite. 

3. Etwas Zeit vergehen lassen

Bei unserem Firmennamen war die Domain noch frei, also legten wir eine Pause ein. Bestimmt eine Woche verging, bis wir uns wieder mit dem Namen beschäftigten. Wir sprachen zwar in der Zwischenzeit ab und zu darüber, aber hatten aufgehört neue Namen zu kreieren oder weitere zu recherchieren. Die Ruhe war gut, denn so merkten wir, dass uns der Name nicht mehr aus dem Kopf ging. Wir hatten uns entschieden. Ein Punkt war uns aber noch sehr wichtig, wie reagieren andere auf diesen Namen.

4. Feedback einholen

Einigen wenigen Personen erzählten wir von der Namensidee. Wir schickten ihnen den Namen und baten sie darum, den Namen auszusprechen, um sie vorab nicht zu beeinflussen. Wir stellten fest, das war kein Problem. Wir fragten sie, ob sie die Bedeutung wüssten, das war nicht der Fall, aber wenn wir es ihnen erzählten, waren sie begeistert. Wir stellten fest, wenn sie den Namen selber schreiben würden, dann würden sie diesen möglicherweise auf Deutsch schreiben, also schützten wir auch die Domain in der anderen Schreibweise und richteten eine Weiterleitung zu unserer eigentlichen Seite ein. Übrigens wir schützten natürlich auch die „.com-Adresse“. Das kostet nicht viel und so kann kein anderer diese Seite nutzen. Auch dort richteten wir eine Weiterleitung ein.  

Wir hatten uns die Suche nach einem Firmennamen viel leichter vorgestellt und wie der Titel so schön sagt, „Fluch und Segen“ sind eng beieinander. Bei einem Glückstreffer,  kann die Namenssuche scheinbaren ganz schnell gehen. Aber die Enttäuschung ist umso groß, wenn der Name schon lange im Kopf feststeht und dann die Ernüchterung kommt, das dieser bereits vergeben ist oder aus einem anderen Grund nicht genommen werden kann. Ich kann nur empfehlen ein Mindmap zu machen, und sich auf eine größere Auswahl festzulegen. Wenn am Ende mehrere Namen gut klingen und alle noch nicht vergeben sind, dann ist es schöner aus einer breiteren Masse zu wählen, als enttäuscht zu sein, dass der Wunschname schon vergeben ist.  

Kleiner Tipp zum Schluss: ein paar Mal Freunde und Familie anrufen oder wenigsten so tun, als würde jemand anrufen und sich so melden, als würden Sie schon in der Firma arbeiten. Dann merken Sie schnell, ob der Name passt, gut klingt und verstanden werden kann oder doch ein anderer Name genommen werden sollte.

5. Unser Firmenname

Nun wollen Sie sicher wissen, für welchen Firmennamen wir uns am Ende entschieden haben? Wie beschrieben notierten wir zuerst die Schlagwörter, die zu unserem Konzept passten. Anschließend fingen wir an, erste Kombinationen auf unser Mindmap zu notieren. Die Idee unseres Startups und die Namenssuche fand alles in unserer Zeit in Kalifornien statt. Wir versuchten also viel mit Städtenamen und entschieden dann Kalifornien zu probieren. Wir wählten die englische Schreibweise, also „California“ und nahmen für die Wortzusammensetzung nur die ersten vier Buchstaben „cali“.  

Da wir uns dazu entschlossen hatten die Zusammensetzung auf Englisch zu machen, übersetzten wir alle Worte, die unser Konzept beschreiben. Ein wichtiger Teil unseres Konzeptes ist es, das wir die Produkte vorab testen und für gut befinden, diese werden also quasi von uns „gestempelt“, was auf Englisch „stamped“ bedeutet. Dies führte zu der Wortkombination „calistam“. Wir prüften im Internet nach, ob wir das Wort nehmen können, schützten die Domain (.de, .com und kalistam als mögliche Schreibweise). Zusätzlich fragten wir Freunde und Familie und meldeten uns mit diesem potentiellen Firmennamen am Telefon. Alles passte perfekt, es stand fest, wir hatten unseren Firmennamen gefunden! Übrigens später fiel auf, dass „stam“ auch für eine Zusammensetzung unserer Namen stehen könnte, also „Stefan and Maybritt“. Das ist zwar nicht gewollt, aber ein schöner Zufall. 

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