Erster sein, Größter sein, anders sein - Wege zum Startup-Erfolg

Autor: Thomas Göller
44 likes

Erfolg! Seit Ewigkeiten jagen ihn die Menschen, und manche fangen ihn sogar. Wirksame Jagdstrategien gibt es jedoch nicht – auch wenn viele es behaupten. Doch es gibt Wege, die Start-ups dabei helfen können, erfolgreicher als andere zu werden.

Wer bei Amazon online nach dem Begriff „Erfolg“ sucht, erhält derzeit über 100.000 Treffer. Eine Einschränkung auf die Büchersuche reduziert diese Zahl auf ungefähr 30.000. Natürlich tragen einige davon vermutlich Titel wie „Fliegenfischen mit Erfolg“ oder „Erfolgreich Unkraut jäten“, doch auch bei der vorsichtigsten Schätzung dürfte es Tausende von Publikationen geben, die sich mit der Suche nach dem Erfolg befassen.


Ein Thema, wie es im Buche steht

Wie viel lässt sich denn über diesen einen Gegenstand schreiben? Gesetzt dem Fall, der Autor hätte tatsächlich den Weg zum Erfolg gefunden, sollte ein einziges Buch ja eigentlich ausreichen. Dieses würden dann alle lesen, und binnen kürzester Zeit wäre jeder, der es sich wünscht, erfolgreich. 7,3 Milliarden Menschen, in Erfolg vereint.

Da das nicht der Fall ist, scheint irgendetwas schiefgegangen zu sein. Vielleicht haben nicht alle das richtige Buch gelesen. Vielleicht – rein hypothetisch – ist „Erfolg“ aber auch einfach ein schwammiger, stark vom Betrachter abhängiger Begriff in einer hochgradig komplizierten Welt, sodass es praktisch unmöglich ist, den einen Weg zu finden. Geschweige denn, ihn zwischen zwei Buchdeckel zu fassen.

Es gibt jedoch eine andere Möglichkeit, dem Erfolg auf die Spur zu kommen. In der Vergangenheit und Gegenwart finden sich zahlreiche Menschen, die mit Fug und Recht als erfolgreich bezeichnet werden dürfen. Gerade das Internet ist voll mit Erfolgsgeschichten: Start-ups, Erfinder, Marketing-Genies, kreative Menschen mit Energie und Durchhaltevermögen.

Eine Analyse des Werdegangs dieser Menschen zeigt, dass die verschiedenen Pfade zum Erfolg im Wesentlichen auf drei Hauptrouten heruntergebrochen werden können:


Erfolgsweg 1: Erster sein

Dieser Weg funktioniert richtig gut – wenn er funktioniert. Tut er es nicht, kann er sogar zum Untergang führen. Erfinder gehören in diese Kategorie, und davon gibt es im Internetzeitalter sehr viele. Doch statistisch gesehen, scheitert der größte Teil aller Erfinder – es sind andere Menschen, die Profit aus ihren Erfindungen schlagen.

Charles Goodyear beispielsweise. Dem US-amerikanischen Chemiker wurde im Jahr 1844 das Patent Nummer 3633 ausgestellt: die Vulkanisierung von Kautschuk. Sein Verfahren machte die Herstellung von robustem und doch flexiblem Gummi möglich, woraus er wasserdichte Zelte, Fahrradschläuche und Schuhe fertigte. Doch trotz der Ehrungen, die ihm die Entdeckung der Vulkanisation einbrachte, musste er immer wieder Haftstrafen absitzen, weil er seine Schulden nicht zahlen konnte. Er verstarb vollkommen mittellos. Jahrzehnte nach seinem Tod wurde eine Reifenfabrik nach ihm benannt, und diese fährt seit mehr als einem Jahrhundert Höchstgewinne ein.

Wer Trost in der posthumen Verwendung seines Namens findet, trifft mit diesem Weg sehr häufig die richtige Wahl. Wer jedoch schon vor dem Tod Erfolg wünscht, sollte nicht nur ein guter Erfinder, sondern auch ein guter Verkäufer sein – so wie Alfred Nobel, der sein Dynamit nicht sich selbst überließ, sondern um die Welt reiste, um es an den Mann zu bringen.


Erfolgsweg 2: Größter sein

Die Erwiderung liegt nahe, dass man Erfolg haben muss, bevor man Größter sein kann. Man schaue sich McDonald’s an, der sicher als einer der Größten bezeichnet werden darf. Diese Position musste sich der Konzern seit der Gründung des ersten „Dick & Mac McDonald – McDonald’s Bar-B-Q“ im Jahr 1940 mühsam erarbeiten. Aber ist McDonald’s wirklich der Größte? Würde man in einer Filiale dieser Kette ein Hochzeitsbankett ausrichten, ein Geschäftsessen, das Weihnachtsfestmahl? Natürlich nicht, denn McDonald’s ist „nur“ der Größte in einem bestimmten Bereich: Fast Food. In anderen kulinarischen Branchen dominieren andere Anbieter. Wer Erfolg haben will, sollte also darauf setzen, Marktführer in einer bestimmten Nische zu sein. Oder wie bereits Napoleon sagte: „Ich wäre lieber in irgendeinem Dorf der Erste als in Paris der Zweite“.

Analog dazu sollte man also überlegen: In welchem Dorf kann man der Größte sein, selbst wenn man dafür in Kauf nehmen muss, in Paris der Zweitgrößte zu sein? Oft wird angenommen, dass man seine Zielgruppe nur genug ausweiten muss, um Erfolg zu haben, aber gerade das Gegenteil ist der Fall: Je kleiner die Zielgruppe, desto größer das Erfolgspotenzial.


Erfolgsweg 3: Anders sein

Die dritte Möglichkeit ist besonders beliebt, aber nur wenige setzen sie korrekt um: Die meisten versuchen, anders zu sein, indem sie sich an Menschen orientieren, die ebenfalls anders sind. Da eine Kopie aber niemals so deutlich ist wie das Original, kann dieser Weg nicht ans Ziel führen. Man braucht also die drei A: Anders als andere. Der Markt ist überfüllt, und Aufmerksamkeit zu erregen, ist überlebenswichtig.

Welche Methode setzt man ein, um anders als andere zu sein? Wie schafft man es, dass Menschen plötzlich innehalten und aufmerksam werden? Das gelingt nur denen, die ausreichend aus der Masse hervorstechen. Wer „Anders sein“ zudem fest genug mit seinem unternehmerischen Modell verknüpft, muss sich keine Sorgen mehr machen, Erster oder Größter zu sein: Er wird der Erste sein, weil bisher noch niemand die Zielgruppe auf diese Weise angesprochen hat. Und er wird der Größte sein, weil er schon bald als der richtige Ansprechpartner für dieses Thema gilt. Wahrscheinlich dauert es nicht lange, bis die ersten Nachahmer auftauchen ...

Fazit
Ob man von der digitalen oder der greifbaren Welt spricht: Wann immer ein Mensch dauerhaften Erfolg erreicht, ist es ihm auf einem dieser drei Wege gelungen – oder durch eine Kombination. Versuchen Sie Antworten auf diese Fragen zu finden und zu leben:

  • Kann ich der Erste in einem bestimmten Bereich sein, und bin ich in der Lage, meine Innovation angemessen zu vermarkten?
  • Kann ich meine Zielgruppe so weit eingrenzen, dass ich der Größte für die verbleibende Gruppe bin?
  • Kann ich mich so weit vom Wettbewerb abgrenzen, dass ich als anders wahrgenommen werde?


Der Autor
Thomas Göller berät seit 1996 Solo-Unternehmer und Selbständige; er verbindet kompetente Beratung, wirksames Training und einfühlsames Coaching, www.goeller-mentoring.de

Diese Artikel könnten Sie auch interessieren: