Das Willenskraft-Prinzip

Autor: Michael Langheinrich
44 likes

Wie Sie Ihre Willenskraft trainieren können, um sich im Business und im Alltag noch zielkonsequenter zu verhalten, um über sich selbst hinauszuwachsen und um nicht zu früh aufzugeben.

Gerade in der heutigen Zeit, in der eine immer größere Selbstverantwortung und Selbstorganisation der Menschen verlangt wird, ist Willenskraft die entscheidende Fähigkeit, um sich zielkonsequent zu verhalten, über sich selbst hinauszuwachsen und nicht zu früh aufzugeben. Sie ist der Baustein für ein glückliches und erfolgreiches Leben. Selbstdisziplin, Entschlossenheit und Durchhaltevermögen sind wohl die hervorstechendsten Eigenschaften von willensstarken Menschen. Scheinbar wie am Schnürchen gleiten sie zum Ziel: Sie widerstehen Verlockungen, überwinden Bequemlichkeit und verkraften selbst herbe Rückschläge. Doch wie gelingt ihnen diese unerschütterliche Willenskraft? Hier erfahren Sie mehr.

Jahrelang gingen wir davon aus, dass nur die richtige Denkweise und ausreichend Motivation uns Glück und Erfolg garantieren. Experten und Motivationslehrer haben uns doch ihr Wort gegeben: Persönlicher und beruflicher Erfolg sind ganz einfach: Du musst nur fest an dich glauben! Tatsächlich gelingt es aber vielen Menschen nicht, ein erfolgreiches glückliches Leben zu führen und körperliches Wohlbefinden zu erreichen. Psychologen in aller Welt bestätigen, dass die Stärkung unseres Willens der sicherste Weg zu einem besseren Leben ist. Mehr Willenskraft ermöglicht es, uns selbst und unsere Gesellschaft im Kleinen wie im Großen zu verändern.

Im Laufe meines Lebens bin ich unzähligen Menschen begegnet, die sich viel vorgenommen, sich lohnende Ziele gesetzt haben: den beruflichen Aufstieg vorantreiben, sich selbstständig machen, eine eigene Webseite kreieren, eine Fremdsprache lernen, sich gesünder ernähren, mehr bewegen oder zehn Kilo abnehmen. Nach einem guten Anfang ging dann aber oftmals irgendwo und irgendwann der Schwung verloren.

All die Menschen sind gleichermaßen mit einem starken Wunsch oder einem lohnenden Ziel gestartet. Alle begannen mit Zielklarheit, großer Begeisterung, starker Motivation und ersten Erfolgen. Aber die meisten benötigten nach einiger Zeit dringend Werkzeuge zum Erhalt ihrer Motivationsenergie und eine Strategie, um Zielabsichten nachhaltig in konkretes Verhalten zu überführen.

Eine interessante Frage die dabei immer auftrat war, ob wir unsere Willenskraft trainieren, beeinflussen oder verbessern können? Gibt es Wissen und Fähigkeiten die wir erlernen können und die uns helfen, unsere Willenskraft selbst zu steigern und zu stärken? Ja, die mentale Fähigkeit, beharrlich und hartnäckig auf die eigenen Ziele hinzuarbeiten, lässt sich gut trainieren und ist sogar vergleichbar mit einem körperlichen Training.

Willenskraft entscheidet über Erfolg und Misserfolg im Leben. Schon willensstarke Kinder sind bessere Schüller, bekommen später eher einen guten Job, sind weniger suchtgefährdet und werden seltener straffällig. Der Willenskraft-Effekt ist so stark, dass er sogar Unterscheide beim Intelligenzquotienten ausgleicht. Willensstarke, aber weniger intelligente Kinder sind vergleichbar erfolgreich wie sehr kluge Kinder ohne Antrieb.

Ich unterstütze Menschen, die erkannt haben, dass sie mit herkömmlichen Methoden und bekannten Motivationstheorien auf der Stelle treten und Möglichkeiten suchen, Bestehendes zu verbessern.

Meine sechs Willenskraft-Prinzipien

Warum überhaupt Prinzipien? Ein Prinzip umschreibt von der Wortbedeutung her einen Grundsatz, eine feste Regel oder eine Maxime, die anderen Verhaltensrichtlinien übergeordnet ist. Die Willenskraft jedes Einzelnen ist mir einfach zu wichtig, um in ihrem Zusammenhang einfach nur von Tipps oder von Empfehlungen zu sprechen, weil ein funktionierendes Selbstmanagement nicht nur uns selbst, unser Privat- und Berufsleben, sondern auch die Gesellschaft als Ganzes angeht.

Die nachfolgend aufgeführten sechs Willenskraft-Prinzipien sind Grundlage und Hilfestellung zum Erlernen von mehr Willenskraft zugleich.

POWER: Sie macht 75 Prozent unseres Erfolgs aus. Nutzen Sie Ihren Willen um Unlustgefühle, Bequemlichkeit und hinderliche Gewohnheiten zu überwinden, die Sie davon abhalten, das zu tun, was in einer Situation notwendig ist.

PERFORMANCE: Suchen und schaffen Sie stets die Rahmenbedingungen, unter denen Sie bislang immer die besten Leistungen abrufen und Ihre besten Ergebnisse erzielen konnten.

PROZESS:
Planen und optimieren Sie alle Abläufe, um sich ungebremst in Richtung Ziel zu bewegen. Fangen Sie erst mal an. Sorgen Sie dafür, dass Sie in einen so genannten Flow-Zustand kommen und diesen aufrecht erhalten.

PRÄSENZ:
Konzentrieren Sie sich auf das, was in diesem Augenblick wichtig ist. Bleiben Sie dabei im Hier und Jetzt und denken nicht daran, was passieren könnte oder was früher passiert ist.

PRODUKTIVITÄT:
Ihre Energie folgt der Aufmerksamkeit. Deshalb beachten Sie nur das, was unmittelbar mit dem nächsten Schritt, der Aufgabe oder Ihrem Projektziel zu tun hat.

PAUSEN: Dinge die Sie anpacken, Entscheidungen die Sie treffen und Ablenkungen denen Sie widerstehen verbrauchen sehr viel mentale Energie. Wenn Ihre Disziplin und Willenskraft spürbar nachlässt: Unterbrechen, Entspannen, Luftschnappen.

Aber wie können wir denn nun unseren Willen stärken?

Die Leistungsfähigkeit unseres Gehirns wächst mit seinen Aufgaben und mit der Willenskraft ist es genauso. Jedes Gehirn ist in der Lage Willenskraft zu entwickeln, mehr noch: Jeder Mensch wird mit Willenskraft geboren. Wäre es anders müsste es sehr viele Menschen geben, die weder die Fähigkeit zu gehen noch zu sprechen erlernt hätten.

Wenn ich gefragt werde, wie denn der ideale Übungsweg zu mehr Willenskraft aussehen kann, empfehle ich grundsätzlich eine Beschäftigung mit den Grundzusammenhängen und die konsequente Anwendung des Willenskraft-Prinzips mit seinen sechs Prinzipien (Power, Performance, Prozess, Präsenz, Produktivität , Pausen). Für mich sind das die großen Leitplanken, an denen jeder der seine Willenskraft verbessern möchte, sein Denken und Handeln ausrichten sollte. Damit erzielen Sie langfristig die besten Ergebnisse.

Analog zu einem Muskeltraining, in dem unsere Muskeln bei regelmäßiger Beanspruchung wachsen, erhalten Sie in meinem Buch Beispiele und Vorschläge für regelmäßige und niedrig dosierte Übungen zur Selbstkontrolle. Das Ziel ist nicht maximale Willenskraft, sondern in Bewegung zu kommen und eine erste Stärkung ihrer mentalen Steuerungsfähigkeiten.

Hier erst mal die drei wichtigsten Erkenntnisse:

  1. Unsere Willenskraft ist begrenzt.
  2. Unsere Willenskraft wird bei Benutzung geschwächt.
  3. Für alle Aufgaben wird dieselbe Willenskraft benutzt.

Wir benötigen unsere Willenskraft für vier Kategorien von Aufgaben:

  1. Kontrolle der Gedanken
  2. Kontrolle der Emotionen (Affektregulierung)
  3. Kontrolle über Versuchungen (Impulskontrolle)
  4. Konzentration auf Aufgaben (Leistungskontrolle)

Den sogenannten Willensmuskel trainieren Sie am besten mit simplen Trainingseinheiten über mehrere Wochen. Das können ganz einfache Dinge sein wie gerade zu sitzen, Luft anzuhalten, sich Schimpfwörter zu verkneifen oder die Computermaus oder die Zahnbürste mit der schwächeren Hand zu führen.

Doch solche scheinbar absurden Maßnahmen haben durchaus einen Sinn, wenn wir unserem Gehirn etwas beibringen möchten: Denn auch diese einfachsten Übungen erfordern Selbstkontrolle. Ohne Selbstkontrolle kann keine gewohnte Art des Handelns durch eine neue ersetzt werden. Unmittelbar mag es so wirken als müsse man mit dumpfer Disziplin die eigene Willenskraft sogar mindern, auf lange Sicht gesehen aber trägt es dazu bei, sie zu stärken.

Je länger und kontinuierlicher sie eine Übung zur Steigerung der Selbstkontrolle durchführen, desto vernünftiger werden sie in allen anderen Bereichen werden. Die Fähigkeit zur Selbstkontrolle ist eine universelle Fähigkeit für unser Gehirn.

Es ist eine Art Lösungsschema, das ähnlich wie beispielsweise der Umgang mit Hemmungen und Lampenfieber in einem Kontext geübt werden kann und dann vom Kopf später beliebig abgerufen werden kann. 

Wenn Sie solche Übungen zur Selbstkontrolle wirklich konsequent und regelmäßig machen, wird es passieren, dass Sie plötzlich weniger oder gar nicht mehr rauchen oder weniger Alkohol trinken, weniger Geld für Spontankäufe ausgeben, sich gesünder ernähren, mehr Ordnung halten oder einfach weniger im Internet surfen oder fernsehen. Probieren Sie es einfach aus. In meinem Buch habe ich einige aus meiner Sicht bewährte Trainingsideen für mehr Selbstkontrolle für meine Leser zusammengestellt.

Noch eine Sache ist wichtig: Die Mindestdauer, die Sie benötigen, bis sich ein neues erwünschtes Verhalten stabil verankern kann. Eines sollte Ihnen an dieser Stelle natürlich klar sein: Rom ist auch nicht an einem Tag erbaut worden. Es gibt unzählige Theorien aus der Lebensverbesserungsbranche, die dazu Aussage trifft, wie lange eine Verhaltensveränderung dauert oder in welchem Zeitraum Sie sich eine neue Gewohnheit antrainieren können. So gibt es zum Beispiel hierzu verschiedene Tagesangaben. So ist die Rede von 21 Tagen, 30 Tagen und auch von 66 Tagen. Ich denke das kann in dem einen oder anderen Fall vielleicht sogar für eine einfache Gewohnheit, bei einer bestimmten Person passen, wird aber in der Regel auf die Mehrheit der Menschen nicht zu treffen.

Es gibt zwei Arten zu verändern und zu lernen: Die eine funktioniert wie bei der Bedienung des Scheibenwischers. Nehmen wir an, bevor Sie jemals  ein Auto gefahren wären, hätte ich Ihnen gesagt auch bei einsetzendem Regen einfach weiterzufahren. Wahrscheinlich würden Sie nach ein paar hundert Metern nichts mehr sehen. Dann zeige ich Ihnen den Schalter, wo sie den Scheibenwischer oder den Regensensor einstellen. Das ist lernen auf Anhieb. Ihnen fehlt einfach nur das Wissen, jemand zeigt es Ihnen und Sie beherrschen es sofort. Dann gibt es aber die zweite Art zu lernen: Die ist wie beim Klavierspielen: Ich kann es Ihnen zwar zeigen, Ihnen vorspielen, aber Sie müssen es erst Stunden, Tage und Wochen selbst üben, bevor Sie es beherrschen. Nur fünf Prozent erlernen Sie wie das Scheibenwischer anstellen: Das beherrschen Sie, sobald Sie es erfahren. Aber 95 Prozent ist wie Klavierspielen lernen. Deswegen nennt sich mein Beruf auch Trainer. Weil Sie neues Verhalten trainieren müssen, wenn Sie Fortschritte machen und ein Verhalten verändern wollen. Die Fortschritte passieren nicht über das Kennen sondern über das Können.

Letztlich schließt sich der Themenkreis an dieser Stelle ein wenig, denn wenn Sie über nur wenig Selbstdisziplin, die auf Willenskraft beruht, verfügen, desto länger werden Sie für das Ändern einer Gewohnheit oder einer Verhaltensveränderung brauchen.

Tipp zum Weiterlesen: Michael Langheinrich, Willenskraft, Wenn Aufgeben keine Alternative ist, ISBN: 978-3-86980-341-8, BusinessVillage, 2016, 24,80 EUR

Der Autor Michael Langheinrich ist Redner, Trainer und Coach. Seit über 20 Jahren trainiert er u.a. ganze Vertriebsteams nahmhafter Unternehmen, www.willenskraft-prinzip.de   Foto: Die Hoffotografen

Diese Artikel könnten Sie auch interessieren: